IV Über Ursachen von Kriegen in:

Lutz Unterseher

Krieg und Kriegsvermeidung, page 63 - 74

Theoretisch-praktische Schriften

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4412-4, ISBN online: 978-3-8288-7414-5, https://doi.org/10.5771/9783828874145-63

Tectum, Baden-Baden
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63 IV Über Ursachen von Kriegen 64 Der Krieg: Menschenschicksal oder Sozialprodukt? – Auszug aus Unterseher, L. 2019: Gesichter des Krieges. Schlaglichter und Visionen, Berlin (bearbeitet) – Vor aus gesetzt es gibt keinen nuklearen Kurzschluss, der uns allen ein vor zeitiges Ende bereitet: Wird der Krieg die Menschen bis in alle Ewig keiten begleiten? Die Staatswissenschaft älterer Art, insbesondere die einflussreiche politologische Denkschule des „Realismus“, hat im Zusammenhang dieser Fragestellung zuvörderst auf Aussagen des eng lischen Philoso phen Tho mas Hobbes verwiesen, der von 1588 bis 1679 lebte. Dieser konnte sich als einer der ersten europäischen Denker nüchtern und illusionslos von mittelalterlichen Heilserwartungen und manchen Utopien der Renais sance frei ma chen (Hobbes 1980). In der ihm eigenen Zuspitzung formulierte er, dass der Naturzustand der Menschen im „Krieg aller gegen alle“ (bellum om nium contra omnes) bestehe. In der üblichen Interpretation wurde angenommen, Hob bes habe seine Annahme mit einer Art anthropologischer Konstante be gründet – näm lich damit, dass der Mensch prinzipiell, und damit unab änderlich, von seiner Selbstsucht beherrscht werde. Diese Sicht schien sich auch auf die Staatenwelt übertragen zu las sen: stehen doch nach Auffassung der „Realisten“ die einzelnen Staaten oder deren – temporäre – Zweckbündnisse in tendenziell anarchischer Kon kur renz zueinander: einer Konkurrenz, so insinuiert dieses Denk raster, die sich vor allem auch auf militärischer Ebene ausdrückt. 65 „Krieg“ wird damit zum gleichsam natürlichen Mittel zur (Re-) Jus tie rung der Kräfte verhältnisse. Und „Frieden“ zeigt dementsprechend einen Zustand der Ba lan ce an, der freilich prinzi piell zeitlich befristet ist, da die Re lationen sich durch unterschiedliche Entwicklungsgeschwindigkeiten än dern können. Die Realisten unserer Tage, etwa in Gestalt der differenzierter auft re ten den „Neorealisten“, kaprizieren sich nicht mehr allzu sehr auf die An nahme einer anthropologischen Konstante. Will es doch kaum noch in un se re Zeit passen, in der alles „gesellschaftlich bedingt“ erscheint, der mensch lichen Gattung so etwas wie „böse Gene“ zuzuschreiben. Nun genügt es manchen von ihnen, mit betonter Nüchternheit zu no tieren, dass die Welt aus welchen Gründen auch immer bislang chaotisch gewesen sei und dass man – im Sinne einer Trendextrapolation – vermuten müsse, sie werde es auch bleiben (Howard 1986: 23 f). Unterstützend wird dann noch vielstimmig hinzugefügt, dass wir in Zeiten einer „globalen multikulturellen Explosion“ oder sonstwelcher grund stürzenden Kräfteverschiebungen leben, womit nahegelegt wird, dass bis auf weiteres mit einer zunehmend anarchischen Weltgesellschaft zu rech nen sei: also durchaus auch mit kriegerischen Tendenzen. So erscheint denn der Krieg, jenseits aller genetischen Spekulation, letztlich doch wie der als virtuelles Gat tungs geschick. Doch gehen wir noch einmal auf den Ursprung der These vom Krieg als Men schenschicksal zurück – nämlich das berühmte Diktum des Tho mas Hob bes! Dessen etablierte Deu tung erscheint nämlich mittlerweile in Frage ge stellt (Kro ckow 1962: 23 f): Ein genauerer Blick auf die Hobbes’schen Texte spricht dafür, dass des sen Argumentation letztlich nicht auf die Annahme 66 einer an thro polo gi schen Konstante angewiesen ist. Eher liegt ihr als Bezugsrahmen die Kon struk tion eines vorstaatlichen Handlungssystems konkurrierender Indi vi du en zugrunde. Was bedeutet dies? Nach Hobbes ist prinzipiell nicht auszuschließen, dass – immer wie der einmal – einer unter zahlreichen menschlichen Akteuren gleichsam „aus dem Ruder“ läuft oder den anderen zum Wolf wird. Auch, und gerade, wenn alle übrigen Lämmer wären, kann dies schon genügen, um in der menschlichen Gesellschaft Chaos ausbrechen zu lassen. Somit muss es Schutzvorkehrungen geben: nach dem Geschmack des Thomas Hobbes in Gestalt eines autoritären Staates, der seine Recht fer tigung daraus zieht, in ner gesellschaftlich Ruhe und Ordnung zu ge währ leisten. Auch auf die in ter nationalen Beziehungen lässt sich dieses Modell beziehen. Agiert auch nur einer der Staaten als Hecht im Kar pfenteich, sind Schutzmaßnahmen angezeigt. Ist aber keine höhere Autorität mit glaubwürdiger Wirkungs macht ver fügbar, müssen die einzelnen Staa ten sich selbst schützen: und zwar – in der Überzeugung der meisten Realisten – durch Maximierung der je wei ligen militärischen Macht (beziehungsweise den Anschluss an ein po tentes Bündnis). Die Chance, die in der Erkenntnis liegt, beim internationalen Ver kehr gehe es um ein Handlungssystem, das sich nicht notwendigerweise auf die Annahme einer anthropologischen Konstante oder von sonst etwas Schick sal haftem gründet, wurde im enge ren Kreis des politikwissen schaft lichen Realismus bislang nicht genutzt. Freilich hat es Abweichler gegeben, die begriffen haben, dass die An nahme eines Handlungssystems prinzipiell die Möglich- 67 keit eröffnet, des sen Spiel regeln durch menschlichen Einfluss, durch Politik, zu verän dern (MØller 1992). Um diesen Ansatz, er wurde gegen Ende des Kalten Krieges promi nent, nur kurz zu skizzieren: Es gab eine Verschiebung der Begrifflichkeit – von der Sicherung des Einzelstaates durch Rüstung an sich hin zum Kon zept einer „Gemeinsamen Sicherheit“, das Staaten unterschiedlicher Inter essen einbezieht. Und von der bloßen Maximierung militärischer Stärke, die eigene Sicherheit mit der relativen Schwächung eines Nachbarn erkauft (Sicherheitsdilemma!) hin zu Verteidigungsstrukturen, welche die Bedro hung anderer minimieren (SAS 1989). Doch kommen wir den Anhängern der Idee von der anthropolo gi schen Konstante ein Stück weit entgegen und nehmen ebenfalls an, dass es einen menschlichen Aggressionstrieb gibt! Aber selbst wenn solches zuträ fe, heißt dies noch lange nicht, dass dieser auch die Staaten welt re giert. Bisher jedenfalls ist es nicht gelungen, stringent zu argumen tieren, dass die Triebstruktur auf der Individualebene sich unmittelbar auch in je nen ver fassten Strukturen abbildet, in denen die Menschen zusammen leben. Im Gegenteil: In der Erklärung von Sevilla hat ein Kreis von an ge sehenen, auf Initiative der UNESCO versammelten Psychologen und Sozi alpsychologen festgestellt (Groebel/Hinde 1989: XIII f), dass ihren Er kennt nissen nach das Vorkommen von Kriegen aus gesellschaftlichen, al so beeinflussbaren Ursachen und nicht aus der Natur des Menschen er klärt werden muss. Ergo: Der Hinweis auf Hobbes greift nicht nur deswegen zu kurz, weil er genuin wissenschaftliche Arbeit nicht ersetzen kann, sondern auch, weil die Interpretation der Aussagen des englischen Staatsphilo so phen gar nicht so simpel ist, wie oft angenommen wird. 68 Von der Theorie zur schnöden Wirklichkeit unserer Tage: Abgesehen von der nach wie vor bestehenden Gefahr des Entgleisens in eine atomare Katastrophe sehen wir eine Welt, die in erheblich geringerem Maße von den so genannten „neuen“ Kriegen geplagt erscheint, als es noch vor 20 Jahren imaginiert wurde. Auch das neuartige Phänomen der hybriden Krie ge mutet, bei allerdings gewissen Entwicklungschancen, als ein eher be grenz tes Phänomen an. Dies alles fällt in eine Zeit, in der weltweit das Muster autokratischer Machtausübung auf dem Vormarsch ist – die Demokratie sich also in der Defensive befindet. Das lässt uns stutzen. Hatte nicht Immanuel Kant in seiner von Altersweisheit geprägten Schrift „Zum ewigen Frieden“ mit gro ßer Plausibilität argumentiert, dass gerade die Ablösung autokratischer Herr schaft durch republikanische Strukturen den Weg zur Abschaffung des Krieges bahne (Kant 1900)? Mit „Republik“ war für Kant ein System der Gewaltenteilung und repräsentativer Bürgerbeteiligung bezeichnet: also das, was heute „demo kratisch“ genannt wird. Raubkriege passen einfach nicht in ein derartiges System, wohl aber solche der Verteidigung gegen eine Autokratie oder auch Operationen zur Befreiung von illegitimer Herrschaft. Wenn – mit gewissem Vorbehalt – angenommen werden darf, dass „Autokratie“ eher mit Krieg korreliert als „Demokratie“, ist die Tatsache gegenwärtig relativ geringer statistischer Kriegshäufigkeit (AKUF 2017) er klärungsbe dürftig. Müsste nicht mit der Zunahme der Autokratien auch ein Anstieg der Zahl der bewaffneten Konflikte einhergehen? Da dies offenbar nicht der Fall ist, muss vermutet werden, dass es mittlerweile Mechanismen gibt, die den offenen Ausbruch 69 von Feind se lig keiten im mer wieder vermeiden helfen. Seien es Vermittlungs akti vi täten oder auch Sanktionen der internationalen Gemeinschaft, sei es öko no mi sche Verflechtung, welche die Kosten eines Krieges prohibitiv macht. Im Übrigen: Es sollte nicht übersehen werden, dass der Krieg weiten Teilen der Welt fremd geworden ist. Da ist das Europa der westlichen Bünd nisse, und da sind die beiden Amerikas, Australien samt Ozeanien sowie zunehmend größere Regionen Asiens und Afrikas. Literatur und Quellen AKUF 2017: Zwei neue Kriege, drei beendete Konflikte. Die Ham burger Arbeitsgemeinschaft für Kriegsur sa chenforschung zieht Bilanz für 2017, Pressemitteilung, Universität Ham burg, 18. Dezember. Groebel, J./Hinde, R. 1989: Aggression and War, Cambridge. Hobbes, T. 1980: Leviathan. Erster und zweiter Teil, Stuttgart. Howard, M. 1986: The Causes of War, in: Ø. Østerud (Hg.), Studies of War and Peace, Oslo, S. 17–43. Kant, I. 1900: Zum ewigen Frieden, Kants gesammelte Schriften, hrsg. Von der Preußischen Akademie der Wissenschaften (AA), Berlin, I, 8. Krockow, C. Graf v. 1962: Soziologie des Friedens, Gütersloh. Møller, B. 1992: Common Security and Non-Offensive Defense. A Neorealist Perspective, Boulder, CO. SAS, Studiengruppe Alternative Sicherheitspolitik (Hg.) 1989: Ver trau ensbildende Verteidigung, Ger lin gen. 70 Was zum Krieg führt: Unterschiedliche Variablen – Auszug aus Unterseher, L. 2011: Frieden schaffen mit anderen Waffen? Alternativen zum militärischen Muskelspiel, Wiesbaden (gekürzt) – Kriege … lassen sich nach zwei groben Kategorien unterscheiden (Howard 1986: 29 f): Diese werden geführt, um bestimmte Ziele einer Na tion oder eines Bündnisses zu erreichen, weil andere als militärische Mittel entweder ausgereizt sind oder zu diesem Zweck nicht tauglich er scheinen. Es geht also letztlich um die Mehrung von Macht. Dies ist die eine Seite. Die andere Seite wird repräsentiert durch jene Nationen oder Staaten gruppen, die einen Status quo, mit dem sie sich einigermaßen oder gar er folgreich arrangiert haben, durch aufsteigende Mächte oder Kräftegrup pie rungen gefährdet sehen, die einen Neuzuschnitt der Verhältnisse anstreben. Es geht in diesem Zusammenhang also um die Erhaltung einer bestehenden Machtverteilung und – zugespitzt – oft auch um die Sicherheit bzw. terri toriale Integrität derjenigen, die den Krieg (dann) vorbeugend beginnen. Hinter dieser Kategorisierung in ‚Machtmehrung‘ und ‚Machterhalt‘ ist analytisch gesehen das Feld der ‚treibenden Kräfte‘ angesiedelt. … Typi scherweise präsentieren sich diese Kräfte gleich im Bündel: Territoriale An sprüche, bevölkerungspolitische Interessen, ökonomische, ideologische, an ethnischer Identität oder etwa auch an Menschenrechten sich fest ma chen de Motive gehen je verschiedene Verbindungen ein. Um nur ein Beispiel zu nennen (Schumpeter 1918/19): Im Impe ria lis mus, der im 19. Jahrhundert im Zuge kapitalistischer 71 Entwicklung blühte und programmatisch formuliert wurde, aber auch noch später für das Kon flikt geschehen relevant gewesen ist, ging es um einen ganzen Korb von – meist ökonomisch gefärbten – Beweggründen: um die notfalls gewaltsame Aneignung von Territorien (in Konkurrenz mit anderen Mächten und durch Unterwerfung als kulturell unterlegen erachteter Völker), um Rohstoff quel len zu erschließen, Absatzmärkte zu gewinnen und Siedlungsraum für die je weilige eigene, wachsende Bevölkerung zu finden. Das mag an dieser Stelle genügen, um zu verdeutlichen, was gemeint ist, wenn von ‚treibenden Kräften‘ oder ‚tieferen Ursachen“ die Rede ist. Es geht also um das, was sich innergesellschaftlich an Kon fliktpotential entwickelt und prinzipiell zum Kriege treiben kann. Und wir notieren fer ner noch, dass sich dieses Potential plausiblerweise im Aus tausch mit – oder im Bezug zu – dem internationalen System heran bildet. In den So zi alwissenschaften sprechen wir im Hinblick auf eine solche Einfluss größe von einer „unabhängigen, erklärenden Variable“. Allerdings ist es so, dass keineswegs immer, wenn sich beträchtliches Konfliktpotential aufgestaut hat, dann daraus am Ende auch ein veritabler Krieg resultiert. Das, was innergesellschaftlich im Austausch mit dem in ter nationalen System geschieht, mag, wenn es um die Erklärung eines Kriegs ausbruches („abhängige, zu erklärende Variable“) geht, als notwen di ge Voraussetzung oder Bedingung gelten. Doch ist diese Erklärung des Phänomens keineswegs hinreichend. Es gibt nämlich auch noch eine „intervenierende Variable“. Diese besteht … im Wesentlichen aus Machbarkeitskalkülen. Typischerweise geht die Füh rung eines Staates oder eines Staatenbündnisse (bzw. eines anderen re levan ten Akteurs) 72 erst dann in den Krieg, wenn dies erfolgversprechend er scheint (zumindest für weniger nachteilig als ein Stillhalten gehalten wird). Und um die solchermaßen gefassten Erfolgsschancen beurteilen zu können, werden Kalküle angestellt, die den Zeitbedarf und die Kosten eines Krieges betreffen. A propos Zeitbedarf: (Es hat sich gezeigt), dass die Eröffnung von Feindseligkeiten durch eine Partei dann wahrscheinlicher wird, wenn sie meint, mit einem schnellen Gelingen rechnen zu können. Die Machbarkeitskalküle, die … wesentlichen Einfluss darauf haben, ob aus einem tiefer liegenden Kriegsmotiv auch ein tatsächlicher bewaff neter Konflikt wird, hängen selbst wiederum von verschiedenen, mitein ander verknüpften Einflussfaktoren ab. … Plausiblerweise sind solche Kalküle von der subjektiven Wahr neh mung und Einschätzung der relevanten Faktoren durch das jeweilige Ent scheidungszentrum abhängig. In diese Perzeption geht vor allem auch ein, wie sich das Kräfteverhältnis zwischen dem potentiellen Angreifer und dem betreffenden Verteidiger darstellt. … Die … Relation zwischen dem Offensivpotential des möglichen Angreifers und den Defensivkräften des Verteidigers erscheint wesent lich durch Maßnahmen beeinflussbar, die wir unter dem Etikett „Alternative Verteidigung“ haben figurieren lassen. (Ein besonders differenzierter An satz aus dieser Denkschule wird als „Vertrauensbildende Verteidigung“ im nächsten Kapitel präsentiert.) Die Perzeption der Relation zwischen Offensiv- und Defensivkräften dürfte allerdings typischerweise keineswegs die ‚nackte Wahrheit‘ abbilden: 73 Da ist zum einen die Variable der ‚Organisation‘. Ein potentieller Angreifer muss sich so organisieren, dass er relevante Informationen über das fragliche Kräfteverhältnis nicht nur angemessen wahrnehmen, sondern auch verarbeiten und entscheidungswirksam aufbereiten kann. Dies scheint aber wegen der Komplexität des Gegenstandes und notorischer Defizite der Organisation von Informationsgewinnung und -aufbereitung selten ohne be trächtliche Verzerrungen zu gelingen. Und da ist zum anderen der Aspekt der ‚Kultur‘. Denken wir in die sem Zusammenhang etwa an die historische Fiktion des teutonischen oder preußischen Angriffsgeistes, dem angeblich keiner widerstehen kann, weil er nämlich für eine überlegene Form von Manneszucht und Mut steht! Oder an sein Gegenstück: den gallischen ‚Elan‘. Bezeichnet sind damit kul tu relle Entwicklungen in bestimmten Gesellschaften oder deren Subsys te men, die ein nüchternes Kalkül der Erfolgschancen einer mögli chen Offen sive sehr erschweren (Evera 1983). Derartige kulturelle Ent wicklungen stehen meist in engem Bezug zu sich innergesellschaftlich in Relation zum internationalen System heraus bildenden Kriegsmotiven: seien diese imperialistischer, revanchistischer oder anderen Art. … Während das, was unter dem Aspekt der „unabhängigen Variablen“ ge fasst wurde, ein Hauptaugenmerk von Politikwissenschaft und Friedens for schung in Mitteleuropa ist, hat die Forschung im angelsächsischen Raum ein mindestens so starkes Gewicht auf die Erkundung dessen gelegt, was unter „intervenierend“ gefasst wurde. Dabei konzentrierte man sich sich insbesondere auf den „Kult der Offensive“ (ebd.). … 74 Literatur Evera, S. W. Van 1984: Causes of War, University of Berkeley, CA. Howard, M. 1986: The Causes of War, in: Ø. Østerud (Hg.) Studies of War and Peace, Oslo, S. 17–43. Schumpeter, J. 1918/19: Zur Soziologie des Imperialismus, Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik, Bd. 46. Variablen der Kriegsentscheidung Variablen der Kriegsentscheidung 59

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References

Zusammenfassung

Im Mittelpunkt von Analysen und Konzepten, die in den letzten drei Jahrzehnten entstanden sind, steht die Idee der „Vertrauensbildenden Verteidigung“. Diese erscheint theoretisch fundiert und in praxistaugliche Lösungen umgesetzt. Die Idee einer Umrüstung auf betont defensiven Schutz mit der Perspektive weitgehender Abrüstung lag auch der Militärreform Gorbatschows zu Grunde und trug wesentlich zur Überwindung des Kalten Krieges bei. Sie ist heute aktueller denn je. Im weiteren Kontext des Diskurses über eine Verteidigung, die nicht provoziert, stehen kritische Sondierungen: Sind die angeblich „neuen“ Kriege wirklich neu, oder diente deren Thematisierung der Legitimierung von Militärinterventionen der „zivilisierten“ Staaten? Welche Schwächen kennzeichnen solche Interventionen? Ist Krieg ewiges Menschenschicksal? Welche Bestimmungsgründe sind für Kriegsentscheidungen relevant? Welche Kriegsszenarien müssen wir fürchten?