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5. Wehrverwaltung in:

Peter Heinze

Bundeswehr beeindruckt Deutschlands Osten, page 255 - 266

Ein Journalist erlebte die Armee der Einheit

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4410-0, ISBN online: 978-3-8288-7411-4, https://doi.org/10.5771/9783828874114-255

Tectum, Baden-Baden
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255 5. Wehrverwaltung Am 3. Oktober 1990 hat die Bundeswehr etwa 50 000 zivile Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Soldaten der ehemaligen NVA übernommen, die mit Verwaltungsaufgaben befasst waren. Davon konnten erfreulicherweise für knapp 25  000 Personen Arbeitsplätze in der neuen Wehrbereichsverwaltung VII mit Sitz in Strausberg geschaffen werden. Das Personal in diesem Bereich bestand zu 99,5 Prozent aus ehemaligen Zivilbeschäftigten und Angehörigen der NVA, die keine Trennung von Wehrverwaltung und Streitkräften kannte. In die Strausberger Zentrale unter Präsident Dr. Karl Johanny, einem gebürtigen Berliner, wurden 30 Mitarbeiter aus alten Wehrbereichen versetzt. Die Versorgung der Truppe durch die 19 Standortverwaltungen mit Bekleidung, Verpflegung und Liegenschaften wurde voll gewährleistet, hieß es. Bei Versorgungsgütern war man darauf bedacht, möglichst viel aus neuen Bundesländern zu beschaffen. So gelang es im Rahmen der Vorschriften, 90 Prozent der Verpflegungsmittel im Osten zu kaufen. Weiterhin wurden seit Januar 1991, dann quartalsweise, von 26 Kreiswehrersatzämtern die Einberufungen zum Grundwehrdienst durchgeführt. Seit diesem Zeitpunkt hat man in den ersten fünf Jahren etwa 200 000 Wehrpflichtige einberufen. Das Deckungsfehl war gering – nur 0,1 bis 2,5 Prozent. Der 100 000. Einberufene war der 21-jährige Stefan Jungrichter aus Falkensee, Tischler von Beruf und begeisterter Rugby-Spieler. Er trat am 3. Januar 1994 seinen Dienst in der Märkischen Kaserne beim Panzerartilleriebataillon 425 in Lehnitz an. In der Wehrüberwachung befanden sich 1,6 Millionen Mann. Bei den Einberufenen wurde im Wesentlichen auf die noch von der NVA gemusterten Jahrgänge zurückgegriffen. Jahrgang 1973 war der erste nach den Festlegungen des Wehrpflichtgesetzes. 256 Heinze: Bundeswehr beeindruckt Deutschlands Osten Zu den Liegenschaften teilte die Wehrbereichsverwaltung mit: Von der NVA wurden 1990 etwa 3 300 Liegenschaften übernommen. Im Vergleich dazu verfügte die Bundeswehr in der alten Bundesrepublik über etwa 3 500 Liegenschaften, jedoch war die Liegenschaftsfläche der NVA deutlich größer. Von den ostdeutschen Liegenschaften hat dann die Bundeswehr zwei Drittel – rund 2 200 – der Bundesvermögensverwaltung zur Verfügung gestellt. Für investive und Substanz erhaltende Baumaßnahmen in den Liegenschaften der Bundeswehr Ost wurden 1993 etwa 900 Millionen DM zur Verfügung gestellt. Große Übungsplätze wie der Truppenübungsplatz Oberlausitz (vorher Nochten) mit 175 Quadratkilometern gestalteten sich mit ihren zahlreichen Arbeitsplätzen zu Wirtschaftsfaktoren für die Regionen. Und die Natur „wandelte“ sich hier an der Grenze zu Polen zu einem Wolfsrevier. Mit Blick auf die Arbeitsplätze seiner 25 000 „Zivilen“ und die neuerlichen Sparzwänge aus Bonn meinte Johanny, daraus dürfe „kein Verteilungskampf zwischen alten und neuen Bundeswehreinrichtungen“ zu Lasten der neuen Bundesländer werden. „So können wir mit unseren Leuten nicht umgehen. Die meisten haben als ehemalige NVA-Angehörige bereits mehrere Auswahlverfahren hinter sich bringen müssen.“ Johannys erste Bilanz: „Der Aufbau der Behördenorganisation der territorialen Wehrverwaltung ist erfolgreich abgeschlossen worden. Die Dienststellen sind arbeitsfähig und erfüllen ihre Aufgaben. Dass die völlig neuen Probleme beim Umbau unter Kontrolle geblieben sind, ist nicht zuletzt ein Ergebnis der hervorragenden kameradschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Streitkräften und Wehrverwaltung.“ Auch das Verhältnis zwischen den Mitarbeitern aus alten und neuen Ländern sei „generell gut. Bei Letzteren ist die Bereitschaft zum Neuanfang groß.“ (1993) Zur Eröffnung einer Verwaltungsschule in Berlin-Grünau im März 1994 schätzte der Bundesverteidigungsminister ein: „Der Aufbau der Bundeswehrverwaltungen in Ostdeutschland kann sich sehen lassen. Die Wehrbereichsverwaltung VII ist eine erstklassig geführte Dienststelle, die einer leistungsfähigen Verwaltungsorganisation vorsteht.“ Bürgerfreundliches Kreiswehrersatzamt Wo sich einst auf einem fast zehn Hektar großen Gelände zwischen Köllnischer Heide im Ost-Berliner Stadtbezirk Treptow und der S-Bahn-Trasse nach Spindlersfeld die Zentrale der NVA-Auslandsaufklärung vor neugierigen Blicken versteckt hatte, umgeben von einer Gartenkolonie mit nach Erinnerungen von Insidern „ausreichend überprüften Pächtern“, lädt das Bundeswehrzentrum Oberspree seine Besucher ein. Entsprechend bürgerfreundlich wurde ab 1996 die Anlage baulich umgestaltet. Viele Fenster lassen es als gläsern erscheinen. Die Liegenschaft war am 3. Oktober 1990 von der Bundeswehr übernommen worden. Die Idee der neuen Hausherrn: Der Besucher sollte schon von draußen einen „offenen Blick“ auf die Liegenschaft haben und sich zum Betreten der „gläsernen Büros“ eingela- 257 5. Wehrverwaltung den fühlen. Diesem Credo fühlte man sich seither verpflichtet. Nichts sollte mehr an den einstigen geheimen Spionageapparat der NVA erinnern, der hier, während des Kalten Krieges als „Mathematisch-Physikalisches Institut“ getarnt, mit Hochbunker, unterirdischer Schießanlage und anderen militärischen Einrichtungen den „Tag X“ vorbereitet hat. Nach dem Zusammenlegen der in der Stadt existierenden zwei Kreiswehrersatzämter im nördlichen und südlichen Teil zum Kreiswehrersatzamt Berlin entstand ab Januar 1994 die größte Einrichtung dieser Art Deutschlands. Ab 1991 hatten in Berlin erste Musterungen der Bundeswehr begonnen. „Betroffen“ waren nun auch West-Berliner, die laut Alliierten Schutzmächten vor dem Tag der Deutschen Einheit 1990 keiner Wehrpflicht unterlagen. In Ost-Berlin, daran kann ich mich noch als Pankower gut erinnern, gab es solche generellen Befreiungen von der Wehrpflicht nicht. An eine bürgerfreundliche und bürgernahe Behandlung, wie beim Bund und hier vor Ort mit recht vielen Frauen als Zivilbedienstete, durch die anwesende NVA-Prüfungskommission mit mindestens einem hauptamtlichen Stasi-Mitarbeiter (der sich natürlich nicht zu erkennen gab) kann ich mich auch nicht erinnern. Sicher sollte der damals vor diesem fünfköpfigen Gremium einsam auf einem Stuhl sitzende Delinquent schon mal zu spüren bekommen, was für ein scharfer Wind bei der NVA in den Kasernen von Eggesin und an anderen Standorten weht. Bis zur Aussetzung der Wehrpflicht zu Friedenszeiten in Deutschland 2011 wurden die betroffenen Jahrgänge im Kreiswehrersatzamt gemustert, auf ihre Eignung hin überprüft und einberufen. Das waren jährlich etwa 22 000 Musterungen sowie rund 2 000 Nachmusterungen beziehungsweise Überprüfungsuntersuchungen. Von den etwa 3 800 Einberufenen pro Jahr erklärten sich in der Regel etwa 600 bereit zum freiwilligen zusätzlichen Wehrdienst. Überhaupt hat die Bundeswehr in Berlin zwischen 1990 und 1996 mehr als 83 000 Wehrpflichtige in ihre Waffengattungen einberufen. Die Wehrunterlagen von etwa 120 000 Reservisten und Ersatzreservisten, die in Wehrüberwachung standen, lagerten in diesem Zeitraum in den Aktenschränken. 258 Heinze: Bundeswehr beeindruckt Deutschlands Osten Von Anfang an galt hier die Devise: „Der richtige Mann am richtigen Platz!“ Auch das hatte ich noch ganz anders in Erinnerung: Zwecks „Auffüllung“ der von Strausberg angeforderten Zahlen wurde eben ein gelernter Berliner Koch hoffnungsvoller Militärkraftfahrer in Schwerin oder ein Busfahrer aus Aue im Erzgebirge lernte das Ex-Klopfen in einem der beiden NVA-Wachregimenter in und bei Berlin. Auf einen Kontaktsoldaten, der gerade selbst seinen Grundwehrdienst leistete und im Warteraum des Auskunfts- und Beratungszentrums in der Oberspreestraße Auskunft über den Alltag bei der Truppe gab, hat man damals verzichtet. Nach über 22-jähriger Tätigkeit endete im November 2012 die Ära der Kreiswehrersatz- ämter in Deutschland. Das Berliner Amt, dem ab 2007 eine Frau, die 43-jährige Marion Krauskopf, vorstand, wurde durch den amtierenden Präsidenten der Wehrbereichsverwaltung Ost, Gerd-Albrecht Engelmann, „ausgemustert“. Die Auflösung des Berliner Kreiswehrersatzamtes galt als Folge der Stationierungsentscheidungen des Bundesverteidigungsministers vom 26. Oktober 2011 und war ein wesentlicher Bestandteil der Neuausrichtung der Bundeswehr. Die Berliner Bilanz konnte sich aber sehen lassen: Seit Gründung wurden hier 382 000 Musterungen bei Wehrpflichtigen und Reservisten durchgeführt. Etwa 103 800 dieser jungen Männer hat man zum Dienst bei der Bundeswehr einberufen. Doch nicht nur Wehrpflichtige fanden den Weg in die Oberspreestraße: Auch andere Berliner ohne solche Verpflichtungen und Ambitionen kamen hierher, um eine der zahlreichen Kunstausstellungen zu besichtigen. Sie fanden ab 1998 in Räumen vom Kreiswehrersatzamt in aller Öffentlichkeit statt. Im Jahr 2002 mit Werken des in Tübingen geborenen Bildenden Künstlers Sawas Tsingelidis, dessen Arbeit so vielseitig ist wie er mit seinen Bildern, Skulpturen, Klein- und Hängeplastiken. Oder eine Ausstellung mit Helmut Hubmann, Patrick Weiss und „Made in Heaven Art Gallery“. Viel Publikum besuchte ebenfalls die zum Weltfriedenstag 2004, 65 Jahre nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Polen, mit Kontakten zum örtlichen Kulturverein „Brücke 7“ eröffnete Jugendkunstausstellung. Die weit über 100 Kinderzeichnungen aus Österreich, Polen und Deutschland wurden in allen Etagen auf den Gängen gezeigt, stellten in ihrer Grundidee immer wieder Gutes und Böses gegenüber. „Es war keine große Kunst. Aber es war eine große Sache, um die es hier ging“, sagte der Leiter des Kreiswehrersatzamtes, Elmar Gräber. „Mein Anliegen war es, das Militär mit der Kultur in Verbindung zu bringen.“ Wehrverwaltung mit neuen Bildungsstätten Die Fürsorge der Bundeswehr in Sachen Qualifizierung gilt nicht nur den Soldaten in den Streitkräften. Auch in ihrer „zweiten Säule“, der Wehrverwaltung, vollbringt sie beachtliche Leistungen. Die Zahlen sprechen Bände: Bis zur Deutschen Einheit wurden mehr als 259 5. Wehrverwaltung 13 000 Nachwuchskräfte in den Verwaltungsschulen der Bundeswehr und seit 1982 etwa 4 000 Verwaltungsfachangestellte für ihre Aufgaben qualifiziert. All das war für das Bundesverteidigungsministerium Grund genug, im Osten Deutschlands zwei neue Dienststellen der Bundeswehrverwaltung aus der Taufe zu heben. Obwohl doch in diesen Zeiten Streitkräfte und Wehrverwaltung kleiner wurden, wagte man diesen Schritt. Denn auch im Beitrittsgebiet gab es viele geeignete Bewerber, unter anderem für eine Beamtenlaufbahn und überhaupt einen großen Bedarf, um die Dienststellen weiter zügig auszubauen. Deshalb öffneten die Bundeswehrverwaltungsschule II und die Au- ßenstelle der Bundesakademie für Wehrverwaltung und Wehrtechnik in Berlin-Grünau ihre Pforten. In den Gebäuden und Einrichtungen der einstigen Militärpolitischen Hochschule der NVA, wo auch die Freiwilligenannahmestelle Ost ihr Domizil hatte, wurden nunmehr Beamte, mittlerer nichttechnischer Verwaltungsdienst und Verwaltungsfachangestellte ausgebildet. Die Bundesakademie, weiterhin in Mannheim, widmete sich der Fortbildung der Mitarbeiter von hier in höheren Verantwortungsbereichen. Ein Schwerpunkt – der Umweltschutz. Neben der Laufbahnausbildung sahen beide Einrichtungen die weitere Schulung der von der NVA übernommenen MitarbeiterInnen als eine vordringliche Aufgabe an. In Lehrgängen „Wehrverwaltung“ ging es um Grundlagen rechtsstaatlichen Verwaltungshandelns sowie um Wissen über Aufgaben und Organisation der Wehrverwaltung. Zur Erinnerung: In der NVA gab es keine Trennung von Wehrverwaltung und Streitkräften. Im Grundgesetz werden aber im Artikel 87 „Aufstellung und Befugnisse der Streitkräfte“ und „Aufgaben einer unabhängigen Wehrverwaltung“ klar getrennt. Die Organisationsformen der Wehrverwaltung, neben personeller und materieller Bedarfsdeckung für die Streitkräfte auch Aufgaben zur Sicherung ihrer eigenen Existenz wahrzunehmen, sind tatsächlich ein Novum in der Militärgeschichte. Nachdem sich die Wehrbereichsverwaltung in Strausberg zu einer Dienststelle mit einer leistungsfähigen Verwaltungsorganisation entwickelt hatte, setzte das Bundesministerium seine Bemühungen um die Belange der Truppe in Berlin und den neuen Ländern mit diesem Schritt fort. Dafür standen bisher Standortverwaltungen und Kreiswehrersatzämter, das Wehrbereichsgebührenamt, Außenstellen des Bundessprachenamtes und des Bundesamtes für Wehrverwaltung und Bundeswehrfachschulen mit zentralen Verwaltungsaufgaben zur Verfügung. Das waren Arbeitsplätze für etwa 11 000 zivile Mitarbeiter. Für deren Fortbildung wurden 1993 und 1994 trotz angespannter Haushaltslage je 2,2 Millionen Mark ausgegeben. Mit der Eröffnung der Bundeswehrverwaltungsschule in der Hauptstadt löste man gleichzeitig die bisher in Siegen ansässige Schule auf. Das war für die Betroffenen mit persönlichen und familiären Belastungen verbunden. Doch es sprach nach den Worten des Bundesverteidigungsministers „für die hohe Motivation der Mitarbeiter, dass die Verlegung 260 Heinze: Bundeswehr beeindruckt Deutschlands Osten reibungslos verlaufen ist. Akademie und Schule dienen der Auftragserfüllung der Streitkräfte und damit auch unserer Sicherheit.“ Sie seien zugleich „ein sichtbarer Beitrag für die Vollendung der inneren Einheit Deutschlands“. Millionen-Investitionen in ostdeutsche Kasernen Der bauliche Zustand der Kasernen in den neuen Bundesländern war noch ein halbes Jahr nach der Wiedervereinigung wie viele andere Hinterlassenschaften aus der DDR in einem miserablen Zustand. Vordem über Jahrzehnte Alltag in der NVA, wo dann meist auf die noch viel schlechtere Unterbringung der Soldaten und Offiziere im sowjetischen „Regiment nebenan“ in Wehrmachts-Kasernen hingewiesen wurde. Aber vom Standard in den Altbundesländern waren diese Zustände in der Bundeswehr Ost im wahrsten Sinne des Wortes „meilenweit“ entfernt. Die Baumaßnahmen reichten von den Sanitärbereichen bis in die Truppenküchen. Überall waren die hygienischen Verhältnisse mangelhaft. Auch sollten in diesen Kasernen die unmittelbaren Gefahren für Leib und Leben – oft sogar Einsturzgefahr – abgewendet, die Umweltbelastung durch Umstellung der mit Braunkohle betriebenen Heizungsanlagen auf Heizöl gemindert, die Lebensbedingungen in den Truppenunterkünften verbessert werden. Allein 1991 standen für Investitionen in Kasernen und Anlagen im Beitrittsgebiet, wie Baumaßnahmen, zwei Milliarden DM zur Verfügung. Davon kamen 120 Millionen DM von der Bundesregierung aus dem Gemeinschaftswerk Aufschwung Ost. Laut Bundeswehrkommando wurden mit diesen Haushaltsmitteln „bauliche Mängel in höchster Priorität“ behoben. Das vor allem beim Heer in den Kasernen Brandenburg-Hohenstücken, Beelitz, Bad Salzungen, Bad Frankenhausen und Delitzsch, bei der Luftwaffe in Trollenhagen und Holzdorf, bei der Marine in Warnemünde und Rostock sowie im Leipziger Bundeswehrkrankenhaus. Auch an anderen Orten, darunter in Stern-Buchholz bei Schwerin, fanden Bauvorhaben statt. Die Bauaufträge dazu vergaben die neuen Landesbauverwaltungen bevorzugt an Unternehmen von hier. Das sollte „zum konjunkturellen Aufschwung sowie zur Arbeitsplatzbeschaffung und Arbeitsplatzsicherung beitragen“, hieß es bei der Bundeswehr. „Vereinfachte Verfahren zur schnelleren Planung, Vergabe und Durchführung der Bauvorhaben sind durch die zuständigen Bundesministerien angeordnet.“ Auch interessant: Die Truppe wurde von der Bewachung nicht mehr militärisch verwendeter Anlagen entlastet und konnte sich noch mehr der Ausbildung widmen. Diese Aufgabe übernahm ziviles Wachpersonal. Dafür stellte 1991 die Bundeswehrverwaltung 20 Millionen DM an Haushaltsmitteln bereit. 261 5. Wehrverwaltung Die Wehrverwaltung der neuen Bundesländer entwickelte sich seit der Wiedervereinigung 1990 zu einer leistungsstarken Verwaltungsorganisation. So Präsident Hans-Henning Köhncke von der Wehrbereichsverwaltung VII. Die Einrichtung, in der wenige Angehörige aus den alten Bundesländern und 21 000 – das sind 98 Prozent – aus der Ex-DDR-Armee zusammenarbeiten, „hat sich als Wehrverwaltung der Einheit zwischen Ostsee und Erzgebirge gemeinsam mit den Truppen der Bundeswehr einen guten Ruf erworben“. Mit dem tatkräftigen Engagement dieser Mitarbeiter wurden bisher fast 200 000 junge Männer auf die Einberufung zum Bund vorbereitet. Zuständig sind 21 Kreiswehrersatzämter. Dazu musste ein Ärztlicher Dienst mit nunmehr 70 Musterungsärzten, acht Fachärzten und mehr als 100 Arzthelferinnen bei den Kreiswehrersatzämtern eingerichtet werden. Diese Verwaltung bewährte sich in 142 Standorten auch als Großinvestor mit Anschubfinanzierungen. Für fast fünf Milliarden DM wurde bei der Bundeswehr Ost neu gebaut, instandgesetzt und saniert. Das betraf in den vergangenen fünf Jahren rund 1 000 Unterkunfts- und Verwaltungsgebäude, mehr als 250 Wirtschafts- und Betreuungsbereiche, etwa 60 Sporthallen und über 700 Ver- und Entsorgungsanlagen. So vergaben 1992 die Standortverwaltungen Neubrandenburg und Flugplatz Trollenhagen 1 700 der 2 000 Aufträge mit einem Wertumfang von 18 Millionen Mark an Firmen in Mecklenburg-Vorpommern, die anderen an ostdeutsche Niederlassungen mit Beschäftigten von hier. Besonders in sanitären und hygienischen Bereichen der von der NVA übernommenen Objekte gab es gravierende Mängel. Für die Übungsfläche wurden 3 000 Arbeitsplätze gesichert. Unter dem Motto „Stühle statt Schemel“ zog in den militärischen Unterkünften und Speisesälen modernes Standardgerät ein. Zur besseren Betreuung der Soldaten wurden über 100 Mannschaftsheime neu hergerichtet. In Sachen Umweltschutz setzte die Wehrverwaltung im Beitrittsgebiet Maßstäbe. Das betraf einmal die Entsorgung ehemaliger NVA-Liegenschaften, wo in großem Umfang explosiver Raketentreibstoff, Altfarben, Lacke, Fette, Lösungsmittel und Chemikalien vorhanden waren. Insgesamt weit über 50 000 Tonnen Gefahrstoffe. Hunderte Millionen Mark kostete ebenfalls die Umstellung von 510 Heizanlagen mit der Technik der 1930-er Jahre auf einen wesentlich verminderten Staub- und Schwefeldioxydausstoß. Auf Truppen- und Standortübungsplätzen zeugten viele Biotope von intensivem Naturschutz und beispielhafter Landschaftspflege. Damit die Soldaten – im Osten etwa 60 000 – stets gut versorgt, verpflegt und bekleidet waren, musste die Wehrverwaltung nahezu tagtäglich all diese Dinge beschaffen. Alles fing vor dem 3. Oktober 1990 mit einer Großaktion an. Dabei wurden 1,1 Millionen Stück Feldbekleidung, rund 500 000 Kopfbedeckungen, etwa 150 000 Paar Schuhe und eine Million Artikel persönlicher Ausrüstung von West nach Ost transportiert – etwa 2 000 Lkw-Ladungen. Ebenso wie die Bauaufträge ging die Truppenverpflegung überwiegend an die örtliche Wirtschaft. Mit der dezentralen Beschaffung für jährlich 300 Millionen Mark, auch von Energie und Brennstoffen, trug die Bundeswehr wirksam zum „Aufschwung Ost“ bei. 262 Heinze: Bundeswehr beeindruckt Deutschlands Osten „Die Einbindung der Soldaten und zivilen Mitarbeiter in das soziale Netz der Bundeswehr war von Anfang an eine der zentralen Aufgaben der Wehrverwaltung“, betonte Köhncke. Das erstrecke sich von der Wohnungsfürsorge über die Betreuung in den Heimen für Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere bis zum Arbeitsschutz und zur Erholung. „Für die Bundeswehr ist es deshalb eine vordringliche Verpflichtung, den Soldaten mit moderner und attraktiver Berufsförderung alle notwendige Hilfe zu geben, damit sie nach dem militärischen Dienst im Zivilberuf eine neue erfolgreiche Karriere starten können.“ Neben der Fortbildung der Mitarbeiter sorgte man sich kontinuierlich um einen qualifizierten Nachwuchs der Streitkräfte und der eigenen Verwaltung. Als die betrüblichste Erkenntnis wertete das Wehrbereichskommando die Tatsache, wie wenig sich die NVA-Führung um die menschenunwürdigen Unterkünfte für ihre Soldaten gekümmert hat. Besonders für deren Sanierung müssen in den nächsten Jahren weiter sehr hohe DM-Beträge zur Verfügung gestellt werden. (1995) Umfassendes Wohnungsprogramm für Soldaten Die Bundeswehr unternahm in den neuen Ländern intensive Anstrengungen, um den Wohnungsbedarf von Soldaten und Zivilbeschäftigten zu gewährleisten. Dafür warteten in den ersten Monaten etwa 3 000 solcher Bewerber samt Familien aus Ost und West auf angemessenen Wohnraum zwischen Rügen und Erzgebirge. 500 Westdeutsche waren bereits in ostdeutsche Garnisonen umgezogen. An der Spitze der Umzugswünsche standen neben den Großstädten Berlin und Potsdam das thüringische Bad Salzungen und das vorpommersche Eggesin, zu DDR-Zeiten für viele Menschen „das Ende der Welt“. Laut Wehrbereichsverwaltung VII in Strausberg wollte die Bonner Hardthöhe mit einem vielseitigen Wohnungsbauprogramm diese soziale Herausforderung lösen. Dazu sollten etwa 8 000 Wohnungen in zwei Etappen an 44 Standorten neu errichtet werden – 2 500 in einem Sofortprogramm, von dem schon die Hälfte in Angriff genommen wurde, und die „restlichen“ 5 500 zu einem späteren Zeitpunkt. Für das riesige Wohnraumprogramm standen bis 1996 im Verteidigungshaushalt rund 300 Millionen DM zur Verfügung. Noch 1994 wurden die ersten Bundeswehrwohnungen in Doberlug-Kirchhain, Rostock und Jessen übergeben. Am Bau waren ausschließlich Unternehmen und Arbeitskräfte aus den Regionen beschäftigt. An einigen dieser Baustellen hatten vor nicht langer Zeit Bundesverteidigungsminister Volker Rühe und Bundesbauministerin Irmgard Schwaetzer (FDP) die Grundsteine gelegt. Die Projekte zeichneten sich aus durch besonders kurze Planungs- , Genehmigungs- und Bauzeiten. Durch eine sparende Bauweise betrugen die Kosten für diese Wohnungen etwa 2 300 DM pro Quadratmeter Wohnfläche. Weiterhin hat sich die Wehrverwaltung erfolgreich um Wohnungen ehemaliger GUS-Truppen in den neuen Bundesländern bemüht. Von 1 000 Anträgen an die zuständige Oberfinanzdirektion konnten bereits 400 realisiert werden. Mehr noch: In Cottbus war die Altbausubstanz solch ehemaliger Quartiere so gut erhalten, dass sofort Soldaten und Zivilbe- 263 5. Wehrverwaltung schäftigte der Bundeswehr dort einziehen konnten. Zügig voran ging es bei dieser Wohnungs-„Kategorie“ in Schwerin und Burg bei Magdeburg. Der Vorteil lag auf der Hand: Bei guter Bausubstanz konnte auf Planungs- und Genehmigungsverfahren verzichtet werden. Auch stand es jedem Bürger in Uniform frei, sich am Dienstort oder in der Nähe ein „Häusle“ zu bauen. Dafür gab es ein günstiges Familienheimdarlehen, das mit etwa 40 000 Mark die gleiche Höhe hatte wie vor 35 Jahren. 300 Bauinteressenten wollten diese Möglichkeit nutzen, in 20 Fällen wurde bereits mit dieser Förderung gebaut. „Unsere Devise: Wer bauen will, dem helfen wir“, sagte Joachim Marks, Vizepräsident der Wehrbereichsverwaltung. Zur eigentlichen „Reserve“ für den weiteren Wohnungsbedarf der Bundeswehr zählten 25 000 Wohnungen der DDR-Armee, die übernommen worden waren. Vor der Wiedervereinigung verfügte die NVA über 64 000 eigene Wohnungen. „Das waren für unsere Verhältnisse viel zu viel“, erinnerte sich der für diese Probleme Zuständige. In erster Linie wurden Wohnungen dort abgegeben, wo die Bundeswehr nicht die alten Stationierungsorte übernahm, so an der einstigen innerdeutschen Grenze. Die Altbausubstanz von 3 000 solcher Wohnungen wurde saniert. Durch Umzüge der bisherigen Bewohner, Ex-Berufssoldaten der NVA, wurden 7 000 dieser Wohnungen frei und konnten neu vergeben werden. „Wer von den Bundeswehrangehörigen eine kleine Wohnung braucht, bekommt diese eigentlich kurzfristig. Bei Wünschen nach größeren Wohnungen kann es noch bis zu zwei oder drei Jahre dauern. Dennoch fällt jetzt schon auf: Die Umzüge aus dem Westen in den Osten nehmen dort zu, wo es ein ansprechendes soziales Umfeld gibt. Und wenn man regelmäßig dienstlich und privat durch die neuen Bundesländer fährt, so ist dies immer öfter zu erleben“, sagte Marks. Und überhaupt leistete die Bundeswehr mit der Finanzierung von Wohnungsbauvorhaben für Angehörige der Streitkräfte einen wichtigen Beitrag zum Aufschwung in den neuen Bundesländern. Im brandenburgischen Doberlug-Kirchhain (Kreis Fürstenwalde) wurden mit Mitteln des Verteidigungshaushaltes in Höhe von 28,7 Millionen DM für Panzersoldaten sowie Mitarbeiter der Standortverwaltung und des Heeresinstandsetzungswerkes beim größten Bauvorhaben der Bundeswehr dieser Art in den neuen Ländern 192 Wohnungen errichtet. Die weiteren Kosten von 24,3 Millionen DM übernahm ein privater Bauträger. Hier vollzog der Bundesverteidigungsminister im November 1993 den ersten Spatenstich. Wie er betonte, solle die Bundeswehr „auch in den neuen Ländern ein fester Bestandteil der Gesellschaft“ werden. Mit dem Bau familiengerechter Wohnungen, die bezahlbar seien, würden die Streitkräfte ihrer Verantwortung gegenüber Soldaten und Mitarbeitern gerecht, der örtliche Wohnungsmarkt entlastet und neue Arbeitsplätze geschaffen. Bürgermeister Manfred Berl (FDP) würdigte das Engagement der Armee. Sie trage dazu bei, die „Wohnverhältnisse im Ort zu verbessern“ und schaffe „neue Arbeitsplätze“. 264 Heinze: Bundeswehr beeindruckt Deutschlands Osten Im thüringischen Bad Frankenhausen, einem der größten Bundeswehr-Standorte in den neuen Ländern, fand in Anwesenheit des Bundesverteidigungsministers das Richtfest für die ersten 128 neuen Wohnungen für Soldaten und zivile Mitarbeiter der Streitkräfte statt. Für alle neuen Wohnungen hatten sich bereits Bewerber gemeldet. Das Richtfest war für Rühe „ein eindrucksvolles Zeugnis des Aufbaus in den neuen Ländern“. Die Bundeswehr habe von der ersten Stunde an „viel für die Vollendung der inneren Einheit Deutschlands getan. Die Armee der Einheit zu schaffen, bleibt eine einmalige, menschlich und organisatorisch ungewöhnlich schwierige Herausforderung“, betonte er. „Wir stehen zu unserem Wort, die Teilung durch Teilen zu überwinden. Ich bin sicher, dass hier in Kürze die Menschen im täglichen nachbarschaftlichen Zusammenleben ohne alles Aufsehen zueinander finden werden. Das ist gelebte Einheit und eine schöne Perspektive für die Zukunft in Bad Frankenhausen.“ (1994) Bundeswehr trägt sächsische Sportmoden Während noch viele westdeutsche Handelsketten und Großmärkte zögern, wenn es um Erzeugnisse aus den neuen Bundesländern geht, bekennt sich die Bundeswehr als ein gro- ßer Arbeitgeber und Verbraucher zwischen Rügen und Erzgebirge eindeutig zum „Aufschwung Ost“: Nahezu 92 Prozent all dessen, was hier von der Truppe an Verpflegung, Bekleidung und Ausrüstung sowie an Dienstleistungen benötigt wird, stammen aus heimischen Betrieben. 1993 waren das Ausgaben in Höhe von 310 Millionen Mark. Allein an Bauleistungen investierte die Bundeswehr im selben Jahr für die Instandsetzung und Werter hal tung, den Neubau von Kasernenanlagen und Liegenschaften der Wehrverwaltung fast 1 Milliarde DM. Die Palette von Ostprodukten in der Bundeswehr ist vielfältig und den meisten Soldaten gar nicht so vertraut. Da tragen die Angehörigen des Heeres aus dem künftigen IV. Korps Uniformjacken, die im Berliner Konfektionsbetrieb BECON produziert wurden. Die Hosen stammen vom GOS-Bekleidungswerk Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern. Abzeichen, Kennzeichen und Schulterklappen stellte das kleine Unternehmen OPEW in Annaberg-Buchholz her, Kampfschuhe der Betrieb Stumpp + Beier in Heidenau (ebenfalls in Sachsen). Die Sportschuhe „Ilmia“ für Halle und Gelände werden im thüringischen Stadtilm gefertigt. Wie ich mich gut erinnern kann, waren in der DDR die „Gelb-Blauen“ mit zwei (nicht drei) Streifen immer „Bückware“ und bei Spitzenathleten oder Oberliga-Fußballern sehr begehrt. Die Alfa Sportmoden GmbH in Oberlungwitz, deren Erzeugnisse vorwiegend den Top- Athleten der DDR vorbehalten oder für den Westexport bestimmt waren, „rüstet“ nun auch die Bundeswehr aus. Eine bisherige Zwischenbilanz: 150 000 Trainingsanzüge, 15 000 Sporttrikots und 100 000 Stück Unterwäsche seit 1992. „Die Bundeswehr stellt hohe Qualitätsanforderungen, denen wir entsprechen müssen“, versicherte Geschäftsführer Rolf Berger. „Dennoch, vielleicht auch gerade deshalb verbindet uns eine gute Zusammenarbeit.“ Die Oberlungwitzer, einst mit 3 000 und jetzt mit 150 Beschäftigten in der Produktion, lie- 265 5. Wehrverwaltung fern weiterhin T-Shirts, Badehosen und andere schicke Sachen an den Bund. Dessen Soldaten erfreuen sich an den Erzeugnissen sicher ebenso wie die Chemnitzer Gewichtheber oder die Bundesliga-Kicker vom Karlsruher SC, die ebenfalls zu den Kunden zählen. Die Wehrbereichsverwaltung VII sorgt auch für eine gesunde und wohlschmeckende Verpflegung der Soldaten mit regionalen Produkten. Vor Ort beliefern viele Bäcker und Fleischer, Gemüse- und Getränkeproduzenten die Bundeswehr-Verbände und -Einrichtungen. Für Wirtschaft, Handel und Gewerbe nicht unbedeutend sind weiterhin die in der Truppe und Verwaltung benötigten Erzeugnisse der Elektrotechnik, des Maschinenbaus und der feinmechanisch-optischen Industrie. Wie aus dem Brandenburger Wirtschaftsministerium zu erfahren war, haben die öffentlichen Aufträge der Bundeswehr besonders für kleine und mittlere Unternehmen „eine besondere Bedeutung“. Der „Wettbewerb um öffentliche Aufträge“, sagte eine Ministeriumssprecherin, lasse „Unternehmen entstehen, die mit leistungsstarken, innovativen Produkten und Dienstleistungen dauerhaft Arbeitsplätze schaffen und sichern“. Um diese Kontakte zwischen der Bundeswehr als Auftraggeber und den potentiellen Vertragspartnern zu fördern, hatte man rund 300 ostdeutsche Unternehmen zu einem Erfahrungsaustausch in die Wehrbereichsverwaltung VII nach Strausberg eingeladen. Gekommen waren 180 Repräsentanten mit Ständen und Ausstellungen. Sie vereinte das Motto: „Marketing der Wehrverwaltung – Wirtschaftstreffen der Bundeswehr“. Für mich mit Erinnerungen an Leipziger Zeiten eine kleine „Messe“. Nur mit dem Unterschied zu damals, dass diese Produkte unmittelbar für die eigene Bevölkerung (hier Soldaten) und nicht nur zum Anschauen oder Export gedacht waren. Wie der Präsident der Wehrbereichsverwaltung, Karl Johanny, betonte, handelte es sich dabei um die „erste Veranstaltung dieser Art“ in ganz Deutschland! Trotz ständiger Einsparungen habe die Wehrbereichsverwaltung vom ersten Tage ihres Bestehens die „Einkaufsinitiative Ost“ wirksam praktiziert. „Aber nicht nur die Vergabe von Lieferungen und Leistungen durch die Bundeswehr bringt wirtschaftliche Vorteile für die jeweilige Region“, betonte er. Auch die nahezu 50 000 Soldaten und 21 000 zivilen Mitarbeiter tragen mit ihrem Einkommen von etwa 1,7 Milliarden DM jährlich dazu bei. Bei diesem Treffen ging es vor allem um die dezentrale Beschaffung für das Wohl der Soldaten, ebenso um Umwelt- und Naturschutz. Aber immer wieder war in den Gesprächsrunden die Rede von der „Bundeswehr der Einheit“, zumal mehrere Verbände, Einrichtungen und Dienststellen aus den alten Bundesländern in das damalige Beitrittsgebiet verlegt wurden. (1994)

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References

Abstract

With the end of the GDR and Germany's unification three decades ago the National People's Army also stopped being a force. A part of their soldiers now served under the banner of their former opponent. On the "Retreat" from the Cold War between East and West mastered the Bundeswehr this human and military mission: the army of unity became

to the army of all Germans. Never before has the military peacefully achieved so much!

The accession area became a pilot for the new army structure. A smaller air force secured the airspace. For the German Seenation went the course change towards "unlimited horizon". In the Bundeswehr were Scharnhorst visions, whose tomb on the Invalidenfriedhof in Berlin again shines in the old glory, reality – army as alive part of a state, soldier service an honor service. The new armed forces took Europe's commitment to peace and democracy, too international

responsibility for peacekeeping operations. and conflict resolution.

Zusammenfassung

Mit dem Ende der DDR und Deutschlands Wiedervereinigung vor drei Jahrzehnten hörte auch die Nationale Volksarmee auf, eine Streitmacht zu sein. Ein Teil ihrer Soldaten diente nun unter der Fahne des einstigen Gegners. Auf dem „Rückzug“ vom Kalten Krieg zwischen Ost und West meisterte die Bundeswehr diese menschliche und militärische Mission mit Bravour: Die Armee der Einheit wurde zur Armee aller Deutschen. Nie zuvor hat Militär friedlich so viel erreicht. Das Beitrittsgebiet bekam Pilotcharakter für die neue Heeresstruktur. Eine kleinere Luftwaffe sicherte den Luftraum mit Air Policing und Flugabwehr. Trotz Schlankheitskur ging der Kurswechsel für die deutsche Seenation mit dem Welthandel in Richtung „unbegrenzter Horizont“. In der Bundeswehr wurden Scharnhorst-Visionen, dessen Grabmal auf dem Berliner Invalidenfriedhof wieder in altem Glanz erstrahlt, Realität: Armee als lebendiger Teil eines Staates, Soldatendienst ein Ehrendienst. Peter Heinze widmete sich seit dem Tag der Deutschen Einheit besonders der Bundeswehr im Beitrittsgebiet. Mit dem Ende des Kalten Krieges verfolgte der ostdeutsche Journalist den Abzug russischer Truppen als größte Militärbewegung im Nachkriegseuropa und die internationale Abrüstung unter der Devise „Vertrauen gegen Vertrauen“. Der vorliegende Band versammelt seine Erfahrungen und Erkenntnisse der letzten 30 Jahre und bietet so einen ebenso fundierten wie persönlichen Überblick über die Wiedervereinigung in der nun gesamtdeutschen Armee.