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21 Gewollte Praxisferne – IB-Professionalität als Praxisferne? Ein Plädoyer für Wandel in:

Maximilian Terhalle

Strategie als Beruf, page 313 - 342

Überlegungen zu Strategie, Weltordnung und Strategic Studies

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4409-4, ISBN online: 978-3-8288-7409-1, https://doi.org/10.5771/9783828874091-313

Tectum, Baden-Baden
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313 21 Gewollte Praxisferne – IB-Professionalität als Praxisferne? Ein Plädoyer für Wandel 1. Einleitung Der Beitrag „Über doppelte Identitäten“ (Albert und Zürn 2013) hat jüngst die marginale Bedeutung offengelegt, die große Teile der Internationalen Beziehungen (IB) ihrem Verhältnis zur Praxis beimessen.1 Dass sich die Mehrheit der Disziplin und ihre Meinungsführenden dabei ihrer Praxisferne bewusst sind, diese aber weitestgehend unbekümmert als eine intellektuelle quantité négligeable begreifen, konzedieren Mathias Albert und Michael Zürn (2013, S. 144): „Bei vielen, wenn nicht praktisch allen Fachvertreterinnen und Fachvertretern hierzulande klafft heute eine größere Lücke zwischen wissenschaftlicher Reputation einerseits und öffentlicher Sichtbarkeit andererseits, als dies etwa in der Generation eines Dieter Senghaas oder Ernst-Otto Czempiel der Fall war.“ Spärliche praxisbezogene Interventionen zu Themen wie 9/11, dem Irakkrieg, der Weltwirtschaftskrise, dem Aufstieg Chinas, Irans Nuklearprogramm, dem Libyen- Krieg, dem Krim-Krieg/Ukraine-Krise oder dem Islamischen Staat 1 Unter der deutschen IB wird hier und im Folgenden die im Sinne von Nicole Deitelhoff und Klaus Dieter Wolf (2009) als professionell rubrizierte Forschergruppe verstanden. Als Kategorisierung scheint dies hilfreich, monolithisch ist sie deshalb nicht (s. unten). scheinen die Position von Andreas Hasenclever aus dem Jahre 2005, wonach Wissenschaftler2 in „weltpolitischen Krisensituationen […] schweigen“ sollten, heute als Mehrheitshaltung zu bestätigen (Hellmann et al. 2005, S. 120). Prägnant hat Christopher Daase deshalb diese willentlich antipraxeologische Kultur der IB gekennzeichnet, in der „Selbstbild und Fremdbild politikwissenschaftlicher Professionalität […] eine Nähe zur Theorie und eine Ferne zur politischen Praxis [implizieren]“ (2010, S. 325; Hellman und Rudolf 2007).3 Diese Praxisferne der IB steht jedoch seit geraumer Zeit im Spannungsverhältnis zu Prozessen globaler Machtverschiebung und – dadurch partiell bedingt – zu den Forderungen von Bundespräsident Joachim Gauck sowie führender Mitglieder der Bundesregierung 2014 nach größerer Verantwortung Deutschlands. Im Kern haben die letztgenannten Entwicklungen IB-eigene Bewertungen ihrer Praxisbedeutung gesamtgesellschaftlich in Frage gestellt (Gauck 2014; Review 2014). So hat zum Beispiel der Bundespräsident die drückenden internationalen Erwartungen an Berlin und die bis dato sporadische Debatte zu einer neuen Rolle Deutschlands in der internationalen Politik aufgenommen und die Notwendigkeit eines Umdenkens von höchster Ebene aus auf die offizielle politische Agenda gesetzt. Damit einher ging in seiner in Deutschland und im Ausland vielbeachteten Rede der allenthalben überlesene Mahnruf an die deutsche IB, sich selbst im Lichte der nicht unerheblichen Versäumnisse der letzten 20 Jahre kritisch zu betrachten und tatkräftig die Neuformulie- 2 Im vorliegenden Artikel wird, abweichend vom ZfAS-Standard, bei personenbezogenen Substantiven die männliche grammatikalische Form verwendet. Der Autor schließt damit Personen weiblichen wie männlichen Geschlechts gleichermaßen ein. 3 Dies mag ein Grund sein, warum es bis in die Gegenwart hinein auch keinen aus der deutschen IB hervorgegangenen Begriff zur Beschreibung von Bestandteilen deutscher Außenpolitik gibt, der dem Begriff soft power Joseph Nyes vergleichsweise in den USA gelungen ist. 314 Maximilian Terhalle rung des Selbstverständnisses deutscher Außen- und Sicherheitspolitik mitzugestalten: Um seinen Weg in schwierigen Zeiten zu finden, braucht Deutschland Ressourcen, vor allem geistige Ressourcen – Köpfe, Institutionen, Foren. […] Ich frage mich: Ist es nicht an der Zeit, dass die Universitäten mehr anbieten als nur eine Handvoll Lehrstühle für die Analyse deutscher Außenpolitik? (Gauck 2014, S. 7–8)4 Die Umsetzung der seinerzeitigen Forderung von Gunther Hellmann et al. (2005, S. 117), dass eine Bestandsaufnahme und Neuausrichtung des Verhältnisses der professionellen IB zur Praxis „überfällig“ sei, ist nach zehn Jahren der hier zu erkundenden Nichtberücksichtigung heute zwingend geboten. Gerade weil der Praxisaspekt seit 2014 erheblich an Aktualität gewonnen hat, ist jetzt die dringliche Notwendigkeit entstanden, dieses in der Disziplin zu lange vernachlässigte Thema zu thematisieren. Elinor Ostrom hat diesen Umstand unlängst für die amerikanischen International Relations (IR) unterstrichen: „We […] should do a better job of making the public relevance of our work clearer and of doing more relevant work“ (zit. n. Cohen 2009). Und die Herausgeber der in den USA für ihre innovative und brückenbauende Natur bekannten Perspectives on Politics haben in der Juni-Ausgabe 2015 eindringlich die Notwendigkeit „[f]or a More Public Political Science“ (Isaac 2015; eigene Hervorhebung) betont. Eine überaus starke Debatte wird seitdem in einschlägigen IR-Blogs geführt. Genau hier setzt der vorliegende Artikel an. Er nimmt dafür Daases oben genannten Befund, wonach die professionelle IB überwiegend praxisfern ist, als Ansatzpunkt aus dem Diskurs der Disziplin und charakterisiert ihn als Nicht-Verhältnis. Die nachfolgenden vier Abschnitte legen dann erstens das grundsätzliche Spannungsverhältnis zwischen Theorie und Praxis dar und was dies für den weitverbreite- 4 Für eine exzellente, multiperspektivische Untersuchung siehe Hellmann et al. 2015. 315 IB-Professionalität als Praxisferne? Ein Plädoyer für Wandel ten IB-Anspruch auf Grundlagenforschung nicht impliziert. Zweitens wird konkret beleuchtet, warum dieses Nicht-Verhältnis so in seiner gegenwärtigen Form besteht. Die sich hieraus ergebenden Erkenntnisse bilden dann die wesentliche Grundlage, um drittens zu zeigen, warum die Beschäftigung mit dem Praxisaspekt – entgegen der herrschenden Meinung – von immanenter Notwendigkeit für das Fach ist. Da realistischerweise allerdings nicht von einer absehbaren Änderung des Status quo des Praxisbezugs der IB ausgegangen werden kann, werden viertens Vorschläge eingebracht, wie ein stärker praxisorientiertes Verhältnis konkret befördert werden könnte. Im Sinne eines konstruktiven Diskurses versteht sich diese Analyse dabei als offene Einladung an die deutsche IB, diese Debatte vertiefend weiterzuführen. Ein caveat ist an dieser Stelle angebracht. Die hier über den Gauck’schen Anstoß in Angriff genommene Problematisierung der fehlenden IB-Praxisnähe begrenzt den Beitrag auf den konkreten Bezug zur deutschen Außenpolitik. Sie stellt sich damit in den Aufruf derer, die nicht länger „am Problembedarf der […] finanzierenden Gesellschaft vorbei[forschen]“ wollen (Albert und Zürn 2013, S. 144). Dies impliziert jedoch keine Forderung einer einseitigen Verlagerung des IB- Forschungsschwergewichts auf die Außenpolitik, auch wenn deren Stärkung wünschenswert wäre. Noch sollte dies als Ausschluss von Beiträgen mit internationalen Praxisbezügen betrachtet werden. Im Gegenteil: Es soll damit allein Raum für eine größere Diversität der IB zurückgewonnen werden. 2. Das Spannungsverhältnis Theorie – Praxis und IB-Grundlagenforschung Alexander Georges Buch Bridging the Gap: Theory and Practice in Foreign Policy (1993) ist von wesentlicher Bedeutung für das grundsätzliche Verständnis der hier zu betrachtenden Problematik. Häufig wird 316 Maximilian Terhalle der Titel seines Buches als der Versuch gelesen, durch einen notwendigerweise anstehenden Brückenschlag Theorie und Praxis zu verbinden. Diese herzustellende Verbindung wiederum wird als dauerhaft, mindestens aber als engmaschig interpretiert. Tatsächlich aber hatte George dies nicht im Sinn. Vielmehr betonte er, dass es ihm um das Brückenbauen (bridging) zwischen Theorie und Praxis ginge und gerade nicht um das Eliminieren (eliminating) der Unterschiede zwischen diesen beiden Sphären: „[T]he choice of words is deliberate and of considerable importance“ (1993, S. xix). Mit anderen Worten: George hielt die Verbindung zwischen diesen beiden genuin miteinander verwobenen Teilbereichen von Politik für möglich und wichtig, während er ihre jeweils spezifische, unterschiedliche Natur als Grundvoraussetzung akzeptierte. Dieser Ansatz räumt beiden Sphären, der Praxis wie der Grundlagenforschung, hinreichend Autonomie ein. Die Frage, die George dabei nicht stellte, ist jedoch, welche Minimalvoraussetzungen erfüllt sein müssen, um einen Dialog überhaupt möglich machen zu können. Oder anders gesagt: Wann ist die Autonomie der jeweiligen Sphären so groß, dass ein Brückenbauen außer Reichweite, also nicht mehr möglich ist?5 Dabei geht es zunächst nicht um die Frage, was Praxisbezug oder Praxisrelevanz bedeuten. Vielmehr geht es darum, einen Schritt zurückzugehen und nach den minimalen, gegenseitigen Verständnisvoraussetzungen Ausschau zu halten, die den Austausch überhaupt möglich machen und die kognitive Entfernung für den Brückenbau 5 Ähnlich übersehen Gunther Hellmann und Peter Rudolf die Möglichkeit der zu weiten Distanzierung der jeweiligen Bereiche, wenn sie – auf Peter Weingart rekurrierend – ihren Überlegungen eine „feldspezifische Wissensordnung“ zugrunde legen und dieser die „zentrale Aufgabe der Wissenschaftsorganisation“ zuweisen, „institutionelle Formen zu finden, in denen sie [Theorie und Praxis] gezwungen sind, einander (besser) verstehen zu lernen“ (2007, S. 119). Zwang sollte hier gewiss nicht im konventionellen Sinne verstanden werden; dennoch: Ihre Bemerkungen insinuieren eine Nähe zwischen den beiden Bereichen, die heute als Voraussetzung zum Brückenbauen gar nicht vorhanden ist. 317 IB-Professionalität als Praxisferne? Ein Plädoyer für Wandel zwischen den Sphären gering genug halten. Zu diesen notwendigen Verständnisvoraussetzungen gehören ein Minimalkonsens an Kernkategorien (z. B. staatliche Akteursnatur) und die prinzipielle Offenheit für unmittelbaren, intersubjektiven Austausch (z. B. Interviews). Wird dieser Minimalkonsens von einer Seite nicht anerkannt, wird die Autonomie der jeweiligen Sphäre zu weiträumig und der Austausch erheblich erschwert oder unmöglich gemacht. Es scheint, dass die Grundlagenforschung der deutschen IB heute genau an diesem Punkt der zu weiträumigen Autonomie angekommen ist und Georges Möglichkeit des Brückenbauens deshalb nicht gegeben ist. In diesem Sinne kann Daases Befund als Nicht-Verhältnis zwischen den beiden Sphären konzeptualisiert werden. Die Ursachen dafür sollen im folgenden Abschnitt behandelt werden. 3. Das Nicht-Verhältnis der IB zur Praxis Es sind im Wesentlichen vier miteinander in Beziehung stehende Gründe, die das gegenwärtige Nicht-Verhältnis der IB zur Praxis erklären: Die Vernachlässigung staatlicher Akteurseinheiten durch Teile der Global Governance-Forschung, die Bevorzugung vorhandener oder selbst-kodierter Datensätze gegenüber strukturierten Interviews mit Praktikern verschiedener Natur und Hierarchieebene, das Selbstbild der Disziplin und die ununterbrochene Sozialisation im theorienahen Universitätsmilieu. 3.1 Staatsakteur und global governance Der erste Grund bedarf einer Einbettung der Genese der vorwaltenden Theorieansätze in den historischen Kontext nach 1989/1991. Denn durch dessen selektive Nutzung zur Theorieeinrahmung folgten die Verkürzungen und Vernachlässigungen, die unten behandelt 318 Maximilian Terhalle werden. Hier ist nicht der Ort, eine Geschichte der deutschen IB seit dem Kalten Krieg vorzulegen (Kropp et al. 2009; Bleek 2001). Empirisch unbestritten dürfte aber sein, dass nach dem Ende der bipolaren Auseinandersetzung eine Vielzahl von Professuren die (Zusatz-)Denomination global governance erhielten, während die Beschäftigung mit deutscher Außenpolitik drastisch reduziert wurde. Das außenpolitisch formal wieder souveräne, praktisch international aber nach seiner Stellung suchende Deutschland sah im Trend der sich vertiefenden globalen Verflechtung einen Selbstsicherheit gebenden und international Vertrauen schaffenden Ansatz. Diesen nahm man, noch von Bonn aus, dankbar an, womit sich die aus Europa wohl vertraute Supranationalität, so schien es, beinahe nahtlos auf internationaler Ebene weiterführen ließ. Die millennium goals der Vereinten Nationen können sinnbildlich für diese Vision stehen. Wider den Zeitgeist war es gleichwohl das Bundesverfassungsgericht, das die Öffentlichkeit und die jeweiligen Bundesregierungen wiederkehrend daran erinnerte, dass der zentrale Akteur und das Verantwortungsobjekt der gewählten Eliten der deutsche Staat ist – trotz Mitgliedschaft in supranationalen Institutionen wie der EU (BVerfG 1993). Synchron entwickelte sich in der IB – mitvorbereitet durch die einflussreiche Tübinger Schule um Volker Rittberger – der Fokus auf global governance, der auf einem „breiten kooperationstheoretischen Denken“ basierte (Daase 2010, S. 321). Stark verkürzt lässt sich die Entwicklung des Faches, die in den frühen 1990er Jahren einsetzte, anhand der Forschungsagenden einiger seiner führenden Köpfe veranschaulichen. Diese hatten sich aufgrund der konstruktivistisch inspirierten Neuausrichtung auf transnationale Akteure von einer Beschäftigung mit Staaten weitestgehend entfernt und/oder nationale und souveräne Staatenpolitik aufgrund von manifest gehaltener Transnationalisierungstendenzen und damit einhergehender kosmopolitischer/One World-Grundannahmen als zunehmend weniger relevant erachtet (Risse und Lehmkuhl 2007; Zürn 1998). Wie 319 IB-Professionalität als Praxisferne? Ein Plädoyer für Wandel im Brennglas lässt sich dies äußerlich bereits an einschlägigen Großprojektnamen wie dem „Regieren jenseits des Nationalstaates“ (Zürn 1998) oder den „Räumen begrenzter Staatlichkeit“ (Risse und Lehmkuhl 2007) festmachen. Die Protagonisten dieser sehr erfolgreichen und produktiven Forschungsrichtung begreifen internationale Politik dabei als die Aufgabe, unausweichlich global empfundene Probleme zu identifizieren und dementsprechend öffentliche Güter herzustellen und zu verteilen. Dieser Prozess durchläuft einen als fix angenommenen Kreislauf, in dem Staaten nur mehr eine sekundäre, quasi-notarielle Rolle spielen. Gemäß einer den – über 20 Jahre erarbeiteten – Forschungsstand zusammenfassenden und für die deutsche IB in dieser Zeit in vielerlei Hinsicht prägenden Darstellung charakterisieren transnationale Akteure deshalb sowohl die erste Phase (agenda setting) als auch die dritte Phase des Kreislaufs, in der die Implementierung auf nationaler Ebene vorgenommen wird (Risse 2013). Nur in der zweiten Phase dieses fixen Kreislaufs stehen Staaten im Mittelpunkt, um internationale Verpflichtungen einzugehen und deren Regulierung rechtskräftig zu machen. Durch die Prämisse der technokratischen Produktion und Verteilung von globalen Güter ist die Rolle von Staaten jedoch allein akklamatorisch konzeptionalisiert (Risse 2013). Diese zugrundeliegenden Annahmen haben in vielfacher (aber nicht durchgängiger) Form die professionelle Ausrichtung der deutschen IB seit dem Ende des Kalten Krieges mitbestimmt. Die inhaltliche Ausformung ist dabei nicht das Ergebnis eines facettenreichen und konstruktivwidersprüchlichen Erkenntnisfindungsprozesses, sondern Spiegel der – letztlich Innovations- und Neugier hemmenden – Macht von „Forschungseliten […] ein dominantes Forschungsprogramm durch[zu] setzen“ (Hellmann und Rudolf 2007, S 118). Führende Mitglieder der IB konnten deshalb noch während der letzten großen (aber unvollendeten) Theorie-Praxis-Debatte vor zehn Jahren unwidersprochen einen gesellschaftsübergreifenden Konsens 320 Maximilian Terhalle ausmachen, wonach die Notwendigkeit der Ausrichtung auf global governance national unbestreitbar sei. Konsequenterweise sei deshalb auch eine vergleichbare Debatte, wie sie in den USA konstant über grand strategies (Außenpolitikstrategien) geführt würde, in der deutschen IB abwegig, weil dies „auch in der politischen Sphäre kaum“ der Fall sei (Müller zit. n. Hellmann et al. 2005, S. 120). Unweigerlich muss Müllers Position nach der von Bundespräsident Gauck und anderen initiierten Re-Politisierung dieser Sphäre heute in neuem Licht betrachtet werden.6 Wenn Strategien für die deutsche Außenpolitik jetzt wieder autoritativ gefordert werden, muss sich die IB dem stellen. Wie aber oben gezeigt wurde, nimmt das Fach bis heute in weiten Teilen an, die Konzentration der Weltpolitik läge auf Fragen von global governance7, weshalb es die nationalstaatliche Perspektive stringent vernachlässigt hat. Dem Staat als Akteur wird keine wesentliche Rolle in der internationalen Politik zugemessen. Durch diese Grundannahme hat sich in der deutschen IB seit zwei Jahrzehnten eine theoretisch elegant erarbeitete, breite Perspektivverschiebung weg von staatlichen Akteuren vollzogen.8 Dieses intellektuelle Erbe trägt wesentlich zur Passivität und Kontingenz des Faches in der Frage seines Praxisbezugs zur deutschen Außenpolitik bei. Damit konditioniert es aber gleichzeitig die Aussichten, dass sich das Fach dem Thema konzeptionell annähern kann. Erst wenn somit die der deutschen IB anhaftende „theoretische Engführung“ (Daase 2010, S. 322) auch hinsichtlich der Akteursebene aufgelöst wird, wird sie in die Lage versetzt, ihre Aufmerksamkeit auch 6 Dies gilt auch für Aussagen wie diejenige, „ob Deutschland überhaupt eine grand strategy braucht“. Diese Aussage eines führenden Militärs erhielt der Autor noch 2012 und ähnlich 2014. 7 Stellvertretend für die internationale Ausrichtung in diesem Sinne: Barnett und Sikkink (2008). 8 Der nationalstaatliche Ansatz ist wegen seiner realen Bedeutung für zentrale Staaten wie China, Indien oder die USA nicht durch Global Governance-Ansätze aufzulösen. 321 IB-Professionalität als Praxisferne? Ein Plädoyer für Wandel der diskursiven Mitwirkung an der Neuformulierung der deutschen Verantwortung in der internationalen Politik widmen zu können. 3.2 Exklusive Methodik Zweitens ist bei der Herausbildung des Nicht-Verhältnisses der Beitrag präferiert angewandter Methodikansätze zu nennen. Es gehört zum methodischen Selbstverständnis der Internationalen Beziehungen, empirische Nachweise durch statistisch aufgearbeitetes Datenmaterial zu liefern. Dies geschieht bevorzugt durch den Rückgriff auf bereits online vorhandene Datensätze, die an anderer Stelle gesammelt wurden, oder durch Neukodierungen in selbst hervorgebrachten Statistiken. Dabei steht die immanente Eleganz dieser Herangehensweise außer Frage. Ihre tatsächliche Beförderung zum alleinigen (professionellen) Standard der Aufbereitung von Empirie (Zürn 2011) geht dabei, ähnlich wie im Falle der oben genannten Akteursebene, auf Kosten einer breiteren Vielfalt.9 Im Besonderen aber verhindert sie den langfristigen, intersubjektiven Austausch zwischen Praktikern und Theoretikern mittels strukturierter Interviews. Aufgrund des methodologisch nicht für ausreichend gehaltenen Wertes solcher Interviews mit Praktikern verschiedener Hierarchieebenen wird dadurch eine zentrale Austauschebene für wertvolle Informationen geschlossen, die praktische Interaktion ermöglicht und erhält. Ein deutscher und eine englische IB-Theoretiker(in), die diese Praxis dennoch langjährig genutzt haben, haben den herausragenden Wert dessen überzeugend so beschrieben: „Perhaps the greatest benefit […] to academic scholarship [are the] invaluable opportunities to interview policymakers and gather data that are not normally publicly accessible“ (Murphy und Fulda 2011, S. 282; Kaiser 2014). 9 Kritisch zur Bedeutung datengetriebener Forschung Klaus Mainzer (2014), für die Theoriebildung im besonderen Mearsheimer und Walt (2013). 322 Maximilian Terhalle Nicht unwesentlich wird durch diese exklusive Fokussierung zugleich die weitere Hochspezialisierung des Faches befördert und Arbeiten zu Themen des öffentlichen Interesses aus der Verfolgung vermeintlicher Wissenschaftlichkeit heraus in den Hintergrund gerückt. So hat sich die professionelle IB als gegenstandsferne, rein theoretische Wissenschaft institutionell verankert, die die Nähe des Faches zur Empirie oder gar Praxis für irrelevant bei der Verbesserung der jeweiligen Forschungsleistung betrachtet. Joseph Nye hat dies treffend auf den Punkt gebracht: „[Precisely because] there are parts of the academy which, in the effort to be scientific, feel we should stay away from policy […] the danger is that political science is moving in the direction of saying more and more about less and less“ (zit. n. Cohen 2009).10 3.3 Selbstbild der Disziplin Nyes Verdikt des more and more about less and less spiegelt sich im dritten Grund des Nicht-Verhältnisses: dem Selbstbild der Disziplin. Während sich das theoretische Selbstverständnis wesentlich bereits im ersten Kritikpunkt widerspiegelt, bezieht sich das gegenwärtige Selbstbild stärker auf das eigene Verständnis von der Stellung und dem Gewicht der IB in der Öffentlichkeit. Die Perzeption der eigenen Bedeutung spielt dabei die entscheidende Rolle. Und die ist, folgt man Albert und Zürn, eine ganz andere. Denn hier wird angenommen, ganz im Gegensatz zu Gaucks Verdikt von der „Handvoll Lehrstühle“ (Gauck 2014, S. 7–8), dass die „Bedeutung der IB […] in den letzten Jahrzehnten zugenommen“ habe, „was sich lange Zeit in einer wachsenden Zahl von Professuren und Förderschwerpunkten niederschlug“ (Albert und Zürn 2013, S. 144).11 Geschrieben ein Jahr 10 Ähnlich: Putnam (2003, S.  251) – die Intervention von Katzenstein und Sil (2010) kann als Lösungsansatz für diese Problematik betrachtet werden. 11 Zwei Jahre zuvor sagte Zürn, dass die Politikwissenschaft, wozu dann auch die IB zu zählen wäre, „in der Öffentlichkeit […] ganz gut“ dastehe (2011, S. 629). Er rekurrierte dabei – was ob dessen Entrücktheit vom politischen Geschehen 323 IB-Professionalität als Praxisferne? Ein Plädoyer für Wandel vor Gaucks Rede lassen die Bemerkungen der Autoren sehr gut erkennen, dass die in München anklingende Kritik an der IB von ihren führenden Köpfen in keiner Weise antizipiert wurde oder anderweitig ein die eigene Position kritisch reflektierender Prozess bereits vor 2013 im Gange befindlich war. Die Bedeutung des Faches wird vielmehr allein zahlenmäßig gemessen. Dadurch zeigt sich gleichzeitig, dass die besonders starke Ausrichtung auf global governance theoretisch verinnerlicht (und institutionell verfestigt) worden ist. Umgekehrt wird dadurch deutlich, dass deutsche Außenpolitikforschung (und die hierüber herstellbaren Praxisbezüge) keine Rolle in der Perzeption seitens der Meinungsführer des Faches spielen. 3.4 Sozialisation von IB-Forschern Der vierte Grund liegt in der exklusiv universitären Sozialisation der Mehrheit der Exzellenz-Forscher. IB-Forschende, die einschließlich ihrer Ausbildungszeit 25 und mehr Jahre ausschließlich im universitären Ausbildungssystem verbracht haben, haben erhebliche Schwierigkeiten, andere Rationalitäten und Handlungserfordernisse zu verstehen, geschweige denn auf diese einzugehen.12 In Kombination mit den oben genannten theoretischen und methodischen Präferenzen kann dies in heute vielleicht etwas gewagt ist – auf Helmut Schmidt. Dieser habe in einer Rede durch die Nennung „originär politikwissenschaftlicher Themen“ (Zürn 2011, S. 629) das Fach gelobt. Tatsächlich hatte Schmidt dies allerdings getan, ohne auf die Qualität der Behandlung dieser Themen oder das Fach als solches einzugehen. Vielmehr deutete ein Schlusssatz daraufhin, dass er das Verhältnis Theorie-Praxis günstigstenfalls als ambivalent betrachtete: „Denn tatsächlich beschließt der Bundestag in den Haushaltsgesetzen zwar den größten Anteil an der Finanzierung der wissenschaftlichen Forschung, aber tiefgreifende Diskussionen über Fragen […] der Wissenschaft sind selten, sie bleiben zumeist ohne öffentliche Wirkung“ (Schmidt 2011). 12 Das heißt nun nicht, dass diese milieubezogene Sozialisationsproblematik allein akademische Forschungsbetriebe charakterisiert. Vielmehr ist die soziokulturelle Prägung durch Verwaltungsapparate bei der Mehrheit der Praktiker erkennbar. 324 Maximilian Terhalle vielen Fällen zu einem gewohnheitsbedingten kognitiven Verschließen gegenüber praktischen Fragestellungen und Erklärungsmustern führen. Denn: Die bis heute exklusiv als positiver Professionalisierungsprozess bezeichnete Entwicklung, welche dieser so getroffenen Präferenzauswahl zugrunde liegt, verstärkt die Sozialisation vieler IB-Forscher hin zu ihrem Verschließen gegenüber der Praxis. Dies geschieht in zweifacher, sich gegenseitig verstärkender Form. Weil die der IB immanenten, mithin „selbstreferentiellen […] Relevanzkriterien“, mittels derer sich „Forscher […] ihrer Reputation versichern“, nur innerhalb „einer klar abgegrenzten [d. h. sozialisierten] Praxisgemeinschaft“ gelten, sind diese „unter praxeologischem Gesichtspunkt durchaus [mit] bedenklichen Konsequenzen“ behaftet: „Sie kann [nämlich] einer […] Beschäftigung mit praktischen internationalen […] Problemen entgegenwirken“ (Hellmann und Rudolf 2007, S. 114). Und aus dieser exklusiven Theoriefokussierung erwächst gleichsam zwangsläufig ein zweites sozialisationsbedingtes Problem: Weil die Kandidatensuche in der gängigen Berufungspraxis durch theoretische Arbeiten bestimmt wird, stellen die meisten Kandidaten auf dem Weg zur Berufung keinen Praxisbezug in ihrer Forschung her und werden somit über circa 15 Jahre hinweg in die Praxisferne sozialisiert. Albert und Zürn übergehen zwar die Sozialisationsproblematik, bestätigen aber den IB-karriereimmanenten Nicht-Bezug zur Praxis für Aspiranten um eine Professur, wenn sie den „Primat der Erwartungen [an öffentliche Beiträgen] eindeutig bei den Etablierten“ aufgrund ihres „bereits erworbenen Ruf[s]“ verorten (2013, S. 150). Falls überhaupt, wird somit erst Jahre nach einer Berufung, zuweilen aufgrund spezieller empirischer Neigungen, ein Praxisbezug gesucht. Ob die bis dahin durchlaufene Sozialisation diesen dann noch als gangbar im Sinne eines lösungsorientierten Anbietens von Expertise ist, bleibt fraglich.13 13 Offenkundig wird damit auch, dass die gängige Berufungspraxis Praxisbezüge als Negativkriterium erachtet. Zu den diesbezüglichen Risiken siehe Murphy und Fulda (2011, S. 283). 325 IB-Professionalität als Praxisferne? Ein Plädoyer für Wandel Diese vier Gründe – die verstärkte Fokussierung auf global governance, die Exklusivität der Methodik, das Selbstbild der Disziplin und die Sozialisierung der Forschenden erklären das Nicht-Verhältnis der IB zur Praxis. Sie ist damit gegenwärtig noch weit davon entfernt, ein Ort kommunikativen Austauschs zu sein, an dem „Theorie und Realität hart aufeinander[treffen]“ können (Steinmeier 2015). Wenn wir somit jetzt zumindest wissen, warum das Fach konzeptionell distanziert verharrt, lautet die nächste Frage, welche Faktoren den Wandel dennoch notwendig machen. 4. Warum der Wandel in Richtung Praxisbezug notwendig ist Neben der expliziten und auf breite öffentliche Zustimmung stoßenden Aufforderung durch den Bundespräsidenten hin zu mehr deutscher Führung in der Weltpolitik sind es mindestens drei Faktoren, die den Wandel in Richtung Praxisbezug heute notwendig machen. Erstens haben globale Prozesse der Machtverschiebung den von Müller bereits zuvor genannten innerdeutschen Konsens zur Verfolgung des Global Governance-Ansatzes erschüttert. Wirtschaftlich rasant aufstrebende Großmächte wie China oder Indien haben sich, unter anderem durch die Markierung geopolitischer Einflusssphären, immense militärische Aufrüstung, durch ihren robusten Nationalismus und ihre Rolle als veto player in zentralen Politikbereichen von global governance lautstark bemerkbar gemacht (z. B. Klima, Handel, Internet). Ehemalige Großmächte wie Russland haben durch militärische Gebietsannektionen und getarnte Einflussnahme in Nachbarstaaten zentrale Regeln des Völkergewohnheitsrechts (z. B. territoriale Integrität) manifest in Frage gestellt. Traditionelle Großmächte wie die USA haben sich trotz ihrer anhaltenden strukturellen Vormachtstellung in Ansätzen aus Führungspositionen zurückgezogen, 326 Maximilian Terhalle teils aus temporärer wirtschaftlicher Schwächung, teils instrumentell aus Gründen der Verlagerung der eigenen Ressourcen hin zum stärkeren Wettbewerb mit China (Nye 2015; Acharya 2014). Mit ähnlich uneuropäischem Nationalismus ausgestattet wie China oder Indien, wendet Amerika dabei machtgeleitete Strategien in der institutionalisierten Welt an, die der Vertiefung dieser Strukturen und Prozesse im Sinne erfolgreicher collective action entgegenstehen (Drezner 2007; Gruber 2000). Diese Entwicklungen zeigen zwei Dinge: Zum einen sind kooperationsorientierte Global Governance-Ansätze, zumal ihre kosmopolitisch unterlegten, heute durch die politischen Machtrivalitäten konsequent nationalstaatlich agierender Großmächte manifest konterkariert worden und werden dies weiterhin (Terhalle 2015a, S. 193–210; Buzan und Lawson 2015, S. 273–304). Zum anderen muss sich Deutschland infolge dieser Machtverschiebungen, so sehen es viele Länder, aber auch eine wachsende Gruppe im Inland, außenpolitisch konzeptionell und praktisch neu positionieren (Terhalle 2015b). Zweitens haben Albert und Zürn (2013) anfangs offen konzediert, dass die öffentliche Rolle angesehener IB-Wissenschaftler heute marginal ist. Dieser Zustand ist demokratiepolitisch äußerst bedenklich. Denn so entzieht sich eine große Zahl an Exzellenzforschenden durch freiwillige innere Emigration einem demokratischen Diskurs, der sich unter anderem auch auf die notwendigerweise umstrittene, konzeptionelle Re-Formulierung deutscher Außenpolitik bezieht. Dies ist bemerkenswert, insofern als im Fach intensiv mitunter über das demokratische Defizit der EU nachgedacht wird und die Politisierung internationaler Organisationen als wesentlich auch durch Einzelpersonen und non-governmental organizations (NGOs) vorangetrieben betrachtet wird (Merkel 2015; Zürn et al. 2012). Anders gesagt: Während in den Fachdebatten diskursive oder kommunikationstheoretische Elemente als integrale Bestandteile betrachtet werden, ist dies bei der konzeptionellen Unterstützung der Formulierung nationaler Außenpolitiken nicht der Fall. 327 IB-Professionalität als Praxisferne? Ein Plädoyer für Wandel Es scheint somit fragwürdig, warum viele derjenigen Intellektuellen eines Landes, die sich berufsmäßig mit der Thematik im weitesten Sinne auseinandersetzen, wiederum der sie finanzierenden Gesellschaft aus Desinteresse und Eigennutz ihr Wissen vorenthalten. Daraus lässt sich nun keine antirepublikanische Haltung Weimarer Prägung ableiten (Sontheimer 1962; Stern 1974, 2005). Aber als Mangel an sozialer Verantwortungsethik und damit als freiwillige Distanzierung von der Demokratie muss dies doch gekennzeichnet werden, sofern Wissenschaft als „eine zur sozialen Verantwortung verpflichtete Erkenntnissuche“ betrachtet wird (Schmidt 2011). Nicht zuletzt die fast durchgängige Nichtbeteiligung an der vom Auswärtigen Amt – während des Review 2014-Verfahrens – ja bewusst erwünschten Partizipation außenpolitischer Eliten stimmt hier bedenklich. Und schließlich widerstrebt diese willentliche Enthaltung in eigentümlicher Form der demokratischen Ursprungstradition der Politikwissenschaft in Deutschland seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges (Zürn 2011). Drittens ließen sich durch den inhärent stärkeren Bezug der IB zur Praxis systematisch und frühzeitig vielfältige Perspektiven für Absolventen und Doktoranden in der nicht-universitären Berufswelt anbahnen und eröffnen. Empirische Befunde scheinen dies zu bestätigen. So suchen zum Beispiel knapp drei Viertel (74 %) der Master-Absolventen des Berlin-Potsdamer IB-Studiengangs Berufe in der Praxis.14 In anderer Form ist dies auch auf dem Postdoc-Markt zu beobachten. Da von „allen gut qualifizierten Postdocs […] gerade mal ein Drittel eine Professur“ erhalten – so wird zunehmend selbstkritisch auch in Exzellenz-Instituten erkannt – „[dürfen] wir nicht länger primär für die Wissenschaft ausbilden“ (Allmendinger 2013, 14 Der Berlin-Potsdamer Masterstudiengang Internationale Beziehungen (MAIB) dient hier aufgrund seiner Reputation und Studierendenzahl als wesentliche Statistikquelle. Nach Angaben des MAIB-Büro (März 2015) ergab die letzte Absolventenevaluation (2013) folgendes Bild: 12,6 % Wirtschaft, 13,8 % Öffentlicher Dienst, 12,6 % politische Institutionen, 9,2 % NGOs, 5,7 % internationale Organisationen, 13,8 % Sonstiges – und knapp ein Viertel Promovenden. 328 Maximilian Terhalle WZB 2015). Es wäre unerfreulich, müssten sich deutsche IB-Absolventen und Doktoranden mit ihrem Abschluss fragen, inwieweit ihre Ausbildung politische Realitäten praktisch zu fassen vermag. Anders gewendet: Es wäre schlecht, würde die IB in der Ausbildung zukünftiger, leitender staatlicher und nicht-staatlicher Praktiker keine soziale Verpflichtung sehen.15 In diese Richtung setzte Martha Finnemore auf einem Panel der International Studies Association (ISA) 2013 selbstkritisch-mahnend hinzu, dass nach vielen Jahren der erfolgreichen Forschungsagenden zu transnational actor activities (TNAs) und NGOs jetzt die Notwendigkeit bestünde, jungen PhDs während ihrer Ausbildung auch zu sagen, was sie mit ihrem Wissen praktisch später anfangen könnten.16 Diese drei Gründe unterstreichen nun für sich genommen die Notwendigkeit der Herstellung des Praxisbezugs. Aber wie könnte dies praktisch gelingen? 5. Wie Theorie und Praxis langfristig verbinden? Auch aufgrund des oben hergeleiteten Mangels an Austausch zwischen IB-Theorie und der Praxis (der Außen- und Sicherheitspolitik) kennzeichnen heute Missverständnisse, Ignoranz und Misstrauen das gegenseitige Verhältnis. Extreme Sichten auf beiden Seiten treffen und verdichten sich in dem entsprechend heftig umstrittenen und mit Fehlannahmen aufgeladenen Begriff der Praxisrelevanz. Zur Versachlichung der Debatte soll deshalb zunächst die diesem Terminus innewohnende Virulenz offengelegt werden, um dann den neuen Begriff des Praxisbezugs einzuführen, seine Bedeutung konzeptionell 15 In vergleichbarer Form haben dies für den US-Kontext Nye (2008, S. 597) und del Rosso (2015, S. 128) deutlich gemacht. 16 Siehe auch die zugespitzte Kritik von Nicholas Kristof in der New York Times (2014). 329 IB-Professionalität als Praxisferne? Ein Plädoyer für Wandel aufzufächern und ihn schließlich zu definieren. Diese Schritte sind notwendig, um auf besserer begrifflicher Basis – trotz der bereits genannten, manifesten Hindernisse – Raum zu eröffnen, in dem Vorschläge für eine langfristig mögliche Verbindung von Praxis und IB- Theorie wachsen können. Unlängst forderte ein Staatssekretär des Auswärtigen Amtes „wissenschaftliche Informationsdienstleistung[en]“ dergestalt ein, dass die Wissenschaftler in „großer kommunikativer Nähe zur Politik“ agieren sollten und ihre Beratung darüber hinaus „fundiert, aktuell, praxisnah und politisch durchsetzbar‘“ sein müsste (zit. n. Hellmann und Rudolf 2007, S. 114). Auf der anderen Seite stehen exemplarisch Albert und Zürn, die sich fürchten, „vor jede Kamera hüpfen“ zu müssen (2013, S. 150). Sofern ihrer Ansicht nach schriftliche Äußerungen, zum Beispiel in der Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), eine andere Form der Praxisrelevanz darstellten, dürften diese nicht die „angemessene und notwendige Komplexität und sich aus dem Anspruch theoretischer Stringenz ergebende Schwierigkeiten im Sinne einer vermeintlichen ‚Praxisrelevanz‘ ein[…]stampfen“ (2013, S. 150). Während die erste Position in gleichsam maßloser Form ein unkritisches Liefern von fest vorgeschriebenen Dienstleistungen fordert, reflektieren und unterstreichen Albert und Zürn die Tatsache, dass der ins Auge gefasste Wissenstransfer häufig bereits gleich zu Beginn an den milieubedingten Grenzen für einen solchen Transfer scheitert. Viele Forscher geben dabei dem sozialen Druck ihrer Peers nach, insofern als das Publizieren in solcher notwendigerweise verkürzender, pointierter und lösungsorientierter Form für nicht hinreichend intellektuell gehalten wird. Beide Positionen werden durch ein weiteres, strukturelles Problem des Verhältnisses Theorie-Praxis verschärft: das der Wissensasymmetrie zwischen Angehörigen der Exekutiven und der Wissenschaft (Hellmann und Rudolf 2007). Diese Asymmetrie liegt im Vorteil der Exekutive begründet, von Amtswegen direkten Zugang zu (auch) sensiblen Informationen zu haben. Dem Autor wurde dies 330 Maximilian Terhalle vor einigen Jahren so kenntlich gemacht: „Was wollen Sie wissen können, was wir nicht ohnehin schon wissen?“ Im Extremfall spiegelt sich diese Haltung in einer – nach außen natürlich nicht kundgetanen – undurchdringbaren Hausmeinung, die diese Asymmetrie noch verstärkt.17 Um von diesen Extremsichten, wiewohl in den Debatten teilweise virulent, analytisch Abstand zu gewinnen, wird hier der Begriff des Praxisbezugs eingeführt. Er ist nicht negativ konnotiert und deshalb für die Versachlichung der weiteren Diskussion besser geeignet. Praxisbezug umfasst ein wesentlich komplexeres Spektrum an Akteuren und Interaktionsformen, als Albert und Zürn dies andeuten. Er soll deshalb im Folgenden konzeptionell genauer betrachtet werden.18 Praxisbezug wird hier erstens verstanden als mündlicher Austausch zwischen universitären und außeruniversitären Forschenden einerseits und (Spitzen-)Politikern, (Spitzen-) Ministerialbeamten, IO-/ NGO-Mitarbeitern sowie Fachjournalisten andererseits zum Zwecke des Abgleichs des gegenseitigen Problemverständnisses und – zentral damit verbunden – des konkreten Problemlösens. Der „Zugang zum Machthaber“ (Schmitt 2012) ist dabei hierarchisch konditioniert und durch wechselseitiges persönliches Vertrauen sowie Milieuvertrautheit gekennzeichnet.19 Entsprechend variiert auch die Informationsart, die jeweils angebracht ist. Praxisbezug muss hier jedoch notwendigerweise in Input und Output unterschieden werden. Die 17 Diese Ausführungen beruhen auf langjährigen, praktischen Erfahrungen des Autors sowie vertraulichen Interviews mit hochrangigen Praktikern (Oktober 2014, Februar 2015). Diese Apparatsicht sollte unterschieden werden von der zuweilen anzutreffenden Beratungsresistenz politischer Spitzen (z. B. in der Spätzeit der Ära Kohl). Dazu aus US-amerikanischer Sicht, Walt (2012, S. 35). Anders kann es in Institutionen aussehen, die aufgrund Personalmangels instrumentell auf äußeres Wissen zurückgreifen müssen. 18 Für eine exzellente, kritische Darstellung des Komplexes Politikberatung und der Rolle von vielfältig annotierten Experten: Tetlock (2005). 19 Hierzu ähnlich aus US-amerikanischer Sicht: Walt (2012, S. 38). Längerfristiger Zugang zur politischen Führung kann die Reflektionsfähigkeit eines Forschers korrumpieren oder zumindest einschränken, muss dies aber nicht. 331 IB-Professionalität als Praxisferne? Ein Plädoyer für Wandel Output-Wahrscheinlichkeit sollte in diesem Fall – selbst bei langjähriger Vertrauensbasis und bei hierarchisch hoch angesiedeltem Austausch – immer an der oft undurchdringbaren Eigensicht des jeweiligen institutionellen Apparats gemessen werden.20 Zudem kann Input immer auch durch die jeweils vorherrschenden politischen Meinungen begrenzt werden. Ein Mitglied des Europaparlaments fasste es mit Blick auf wissenschaftliche Beiträge knapp so: „[…] in der Demokratie gewinnen die, die die Mehrheit haben, nicht die mit dem besten Wissen“ (zit. n. Staib 2015). Zweitens bedeutet Praxisbezug die verschriftlichte Fähigkeit, theoretisch erarbeitetes Wissen problembezogen, jargonfrei und knapp präsentieren zu können.21 Wiewohl analytischer Tiefenblick hilfreich ist, darf hierbei die entscheidungsorientierte Sichtweise als Charakteristikum der Praxis nicht übersehen werden (Lübbe 1971)22. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg dorthin ist es, anzuerkennen, wie Bundesforschungsministerin Johanna Wanka kürzlich erneut insistierte, dass es „nicht anrüchig [ist], sondern notwendig, dass man seine Ergebnisse populär vermittelt. Ein guter Wissenschaftler kann das, was er selbst entwickelt hat, auch gut erklären“ (Müller-Jung 2015, S. 12). Praxisbezug impliziert in diesem Fall Einfluss aufgrund der Autorität, häufig auch der Seniorität, der jeweils vorgebrachten Argumente. Das Vorbringen vermeintlich richtiger Argumente setzt das adäquate Medium 20 Letztlich aber kann Output effektiv nur durch direkte, auch zeitlich begrenzte, aktive Involvierung in den politischen Formulierungs- und Streitprozess innerhalb der Ministerialbürokratie erreicht werden oder durch aktives politisches Engagement per Mandat. Diese zentrale Erkenntnis ist zum Beispiel vom Schweizerischen Nationalfonds (Akademien Schweiz) jüngst in eine politische Forderung umgewandelt worden (SNF 2015, S. 13). 21 Ein führender amerikanischer International Relations-Forscher brachte es gegenüber den Autoren so auf den Punkt: „Turn your journal article into a sharp and witty 500-word op-ed and you’ve got it“ (Private Unterhaltung des Autors 2008). 22 Dies ist gut ablesbar an den Buchtiteln zweier ehedem führender Entscheidungsträger: Gerhard Schröders Entscheidungen (2006) und George W. Bushs Decision Points (2011). 332 Maximilian Terhalle voraus, um bei einem Empfänger anzukommen, bei dem kaum Zeit zum Lesen vorausgesetzt werden kann. Realistischerweise sollte dies aber selbst dann nicht mit effektivem Einfluss auf eine bestimmte Debatte verwechselt werden. Wichtig ist das Anbieten solchen Wissens trotzdem, da die Mehrzahl (westlicher) Volksvertreter – sozialisationsbedingt durch das Parteienmilieu – ohne größeres außen- und sicherheitspolitisches Vorwissen in ihre Ämter treten. Diese Vielschichtigkeit der Formen von Praxisbezug muss deshalb beim Versuch der Herstellung des Bezugs immer berücksichtigt werden. So kann der Komplex nun folgendermaßen begriffen werden: Angemessener Praxisbezug heißt im Gegensatz zu Albert und Zürn keineswegs, seine Forschung je nach Nachrichtenlage auszurichten, sondern – oft selektiv – durch das aktive und konkrete Zurverfügungstellen korrespondierender eigener Wissensbestände mündlich und/ oder schriftlich in praxisbezogene Fragestellungen und Debatten einzugreifen. Die Bereitschaft, als public scholars an der Erörterung öffentlicher Fragen mitwirken zu wollen, beruht dabei auf freiwilligem Verantwortungsgefühl. Es wäre mithin viel erreicht, ließe sich der Begriff der Praxisrelevanz auch im Sprachpraxisgebrauch langsam durch den nüchterneren des Praxisbezugs ersetzen. An den oben dargelegten Hinderungsgründen würde dies realistischerweise zunächst wenig ändern. So konnten Hellmann et al. (2005, S. 118) noch vor zehn Jahren in diesem Zusammenhang diskutieren, ob Praxis und (exzellente IB-)Theorie „zwei getrennte Sphären [seien], die nach ganz eigener Logik funktionierten“. Während die Kluft damals trotz signifikanter Schwierigkeiten nicht als unüberwindbar galt, hat sich dieser Befund heute aufgrund der oben angeführten Gründe zum deutlich Schlechteren gewandelt. 2005 wurde noch auf „individuelle Grenzgänger“ zwischen den Sprachspielsphären gesetzt (Hellmann et al. 2005, S. 119). Da diese aber seitdem nicht aufgebaut worden und deshalb heute unter etablierten Exzellenzforschenden schlicht absent sind, scheint diese im 333 IB-Professionalität als Praxisferne? Ein Plädoyer für Wandel Grunde sehr richtige und praktisch in der amerikanischen IR mögliche Konstruktion in Deutschland längerfristig nicht umsetzbar zu sein.23 Ulrike Guérot hat deshalb die zu große, weit über distanziertes Denken hinausgehende Entfernung der deutschen IB von der Praxis prägnant beschrieben, indem sie die Theoretiker als eine Gruppe von Forschenden bezeichnete, die es bevorzugen, „eher ein Biotop am Rande“ der Politik zu bevölkern (Guérot 2015, S. 46). Der Two Hats-Ansatz, wonach ein Forscher in der Lage ist, vor praxisorientierter Zuhörerschaft die eine Sprache anzuwenden, während er/sie vor rein akademischem Milieu eine soziokulturell andersgeartete anwendet, entbehrt dadurch heute der Voraussetzungen seiner Umsetzung. Zusammengenommen wird die von Max Weber als strikt interpretierte Trennung der Berufe des Wissenschaftlers und des Politikers von vor beinahe 100 Jahren heute eindrucksvoll nüchtern bestätigt (Weber 1992, 1995). Zu sehr, so scheint es, hat sich die deutsche IB willentlich zu einem praxisfernen Fach in einer zu weit gefassten Grundlagenforschung entwickelt. Dabei hat sie aus den getrennten Sphären von Hellmann et al. zwei durch ideelle und materielle Mauern getrennte Milieus gemacht. Und dennoch: Die Praxisferne sollte nicht unabdingbar oder pfadabhängig sein. Im Sinne Max Webers (1993, S. 67) gilt es heute, auch „wenn die Welt, von seinem Standpunkt [des jeweiligen Milieus] aus gesehen, zu dumm oder zu gemein ist für das, was […] [das jeweilige Milieu] ihr bieten will“, den kaum überbrückbaren Spalt anzugehen. Dass die gegenwärtige Konstitution der professionellen IB dem deutlich entgegensteht, muss dabei mit Weber hingenommen werden. Die 23 Beispielhaft für die amerikanische IR: John Ikenberry, Michael Doyle, Michael Barnett, Daniel Drezner, Joseph Nye, Condolezza Rice, Stephen Krasner, Zbigniew Brezezinski oder Henry Kissinger. Etwas schwächer die britische IR: Jennifer Welsh oder vormals Adam Watson. Nye (2008, S. 594) konzediert allerdings, dass aufgrund der zunehmend praxisfernen Reputation des Faches in den USA ein Rückgang des Wechsels von der Theorie in die Praxis und zurück zu erkennen sei. 334 Maximilian Terhalle folgenden sieben Vorschläge stellen deshalb eine erste unvollständige Liste dar, die als Einladung zum Brainstorming betrachtet werden sollte: 1. Das Auswärtige Amt hat als zentrale Konsequenz aus dem Prozess der Review 2014 institutionelle Neuerungen in seine Verwaltungsstruktur implementiert. Analog institutionalisiert könnte – gegebenenfalls nach einer IB-Review 2016 – der Praxisbezug in die Leistungsbeschreibungen zu berufender Professoren ein- und in Berufungsverhandlungen hineingeschrieben werden. Dort könnten Professoren die Verpflichtung eingehen, jedes zweite Forschungsfreisemester in der Praxis ihrer jeweiligen Spezialisierung durchzuführen. Und zwar nicht als Forschende, sondern als praktisch involvierte Projekt(gruppen)leiter. 2. Um die oben genannte apparatbedingte Sozialisationsproblematik aufzulockern, wird empfohlen, reziproke Kurzaufenthalte von zwei bis drei Monaten für Wissenschaftler/Praktiker in den jeweiligen Institutionen einzurichten. 3. Die deutsche IB sollte die von ihr befürwortete zentralisierte Finanzierung der Exzellenzuniversitäten durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) aufgeben und stattdessen die Finanzmittel durch Wettbewerbe auf Landesebene föderalisieren. Dabei sollte jedem politikwissenschaftlichen Institut einer Exzellenzuniversität ein Professorship of Practice/Distinguished Service beigeordnet werden. Diese könnten auch durch private Stiftungen finanziert werden. 4. Berufungen in der IB sollten fortan einer neuen Norm folgen können, wonach Kandidaten hälftig erstklassige peer-reviewte Arbeiten vorweisen müssen und hälftig Arbeiten, die nicht nur in führenden einschlägigen Policy-Journalen erschienen sind, sondern darüber hinaus Praxiseinfluss bewiesen haben. Gemessen werden könnte dies durch die Befragung von Praktikern, die in die jeweiligen Politikbereiche involviert sind. 335 IB-Professionalität als Praxisferne? Ein Plädoyer für Wandel 5. IB-Forscher sollten bei der Gewinnung neuer Forschungsfragen die Diskussion mit langjährigen Praktikern nicht scheuen. Im Gegenteil: Sie sollten neugierig die eigenen Wissenslücken im Spiegel der praktischen Erfahrungen von Diplomaten, NGO-Mitarbeitern oder hohen Offizieren und Richtern gewinnbringend suchen und beleuchten. 6. Abgeleitet von Alexander Georges letztem Werk (2006) sollte eine Arbeitsgruppe der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW) eingesetzt werden. Ihre Kernaufgabe sollte es sein, alle weltpolitischen Krisen der letzten 20 Jahren dahin aufzuarbeiten, wie die jeweilige Bundesregierung auf diese operativ geantwortet hat, welche Muster dabei erkennbar waren und welche Fehler gemacht wurden (lessons learned). Daraus ließe sich ein jederzeit abrufbarer Krisenkanon erstellen, der der Bundesregierung bei vergleichbaren Fällen mögliche Lösungsansätze und Untiefen aufzeigt. 7. Schließlich sollte ein operativ ausgerichteter Arbeitskreis zum Thema Theorie-Praxis-Internationale Politik eingerichtet werden. Aufbauend auf der ehemaligen Tradition einiger deutscher Ministerien, bis in die 1990er eigene Forschungsstäbe zu unterhalten, und einer britischen Tradition (Standing Committee of the English School, das regelmä- ßig Theoretiker und Praktiker zu intensiven Austauschen zusammenbrachte) sollte dieser Arbeitskreis in der IB-Sektion der DVPW betrieben werden. Die neue Sektion sollte mindestens jeweils einen Liaison-Vertreter im Planungsstab des Auswärtigen Amtes und im Sekretariat des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages haben. 336 Maximilian Terhalle 6. Zusammenfassung Ausgehend von parteiübergreifenden Forderungen nach einem neu zu konstituierenden Praxisverhältnis der deutschen IB hat sich dieser Beitrag mit dem Verhältnis der professionellen IB zur Praxis der Außenpolitik auseinandergesetzt. Es konnte zunächst angesichts der staatsakteursfernen Entwicklung der deutschen IB seit Ende des Kalten Krieges, der Anwendung eines exklusiven Methodikansatzes, des Selbstbilds der Disziplin und der ununterbrochenen Sozialisation im theorienahen Universitätsmilieu gezeigt werden, warum dieses Verhältnis heute weithin als Nicht-Verhältnis betrachtet werden muss. Dann wurden drei Gründe erarbeitet, die gleichwohl die Neuausrichtung des Verhältnisses notwendig machen: die globale Machtverschiebung, die verantwortungsethisch nicht zu rechtfertigende Distanzierung eines Teils des intellektuellen Milieus von der Demokratie und die hohe Zahl an Absolventen und Doktoranden, die beruflich keine Hochschulkarriere anstreben. Um diesem Zustand zu begegnen, wurde abschließend der Begriff Praxisbezug konzeptionell aufgefächert und sieben Vorschläge gemacht, die einer Perpetuierung des Status quo entgegenwirken können. Unfinished Business hat Alexander George seine letzten Beobachtungen betitelt (2006). Mit Blick auf die Thematik der Praxisferne ließe sich genauer sagen: Hier gibt es a lot of unfinished business. 337 IB-Professionalität als Praxisferne? Ein Plädoyer für Wandel Literatur Acharya, A. (2014). The End of the American World Order. Cambridge, Malden: Polity Press. Albert, M., & Zürn, M. (2013). Über doppelte Identitäten. 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Abstract

Thinking and making strategy serve states’ vital interests. Innately bound up with power, strategy devises a future that reflects vital interests, using its willpower to protect them. Unprecedented, “Strategy as Vocation” introduces Strategic Studies while also offering Germany practical strategies.

The book contains articles in German and in English.

Zusammenfassung

Strategisches Denken und Handeln dient vitalen Interessen. Es verlangt den Blick auf die Macht – und in eine Zukunft, die diese vitalen Interessen entsprechend widerspiegeln soll. Dies gilt immer, besonders aber, wenn Weltordnungen im Umbruch sind. Strategie als Beruf widmet sich den zentralen Konzeptionen der hierzulande vernachlässigten, wiewohl von Deutschen mitgeprägten Strategic Studies und bietet strategischem Denken und Handeln damit erstmalig Grundlagen auf dem Stand der internationalen Forschung an. Konkrete Strategievorschläge sind integraler Bestandteil des Buches.

Das Buch enthält deutsche und englische Beiträge.

Prof. Maximilian Terhalle (@M_Terhalle) lehrt Strategic Studies an der Universität Winchester, ist mit dem King’s College London affiliiert und berät das britische Verteidigungsministerium. Zuvor hat er einige Jahre an den Universitäten Columbia, Yale, Oxford und Renmin (Peking) geforscht und gelehrt.

Terhalle's insightful, balanced, and perceptive essays bring the tools of strategic studies to bear on a range of current international issues. Theoretically sophisticated and empirically grounded, the analysis will be of great value to both the scholarly and policy communities.”

Prof. Robert Jervis, Columbia University, New York

Maximilian Terhalle gehört zu den frühen Streitern für eine strategische Ausrichtung unseres internationalen Ordnungsdenkens und der deutschen Außenpolitik. Sein scharfsinniges Buch bietet eine klare Analyse der instabil gewordenen Welt. Und zieht daraus konkrete Folgerungen für die Verantwortung Deutschlands und seiner Partner für westliche Werte und Interessen.“

Prof. Matthias Herdegen, Universität Bonn

Maximilian Terhalle is a refreshing independent voice on European and German security policy. There is a pressing need for systematic, clear-eyed, and realistic thinking about Germany’s role in a rapidly changing world, and this wide-ranging collection of essays is an important contribution to a much-needed set of debates.”

Prof. Stephen Walt, Harvard University, Kennedy School of Government

The Germans have, for very understandable historical reasons, long been reluctant to engage in the kind of strategic thinking that comes naturally to the Anglo-Saxon world. Maximilian Terhalle, who is one of the Federal Republic’s most innovative experts in the field, is rightly dissatisfied with this opting out of the real world. His new book is a must-read for anyone who wants to understand modern German strategy, or rather the lack of it, and the need for a National Security Council in the FRG.”

Prof. Brendan Simms, Cambridge University

Drawing on wide reading and with a nod to Max Weber, this thoughtful collection of essays by Maximilian Terhalle demonstrates the importance of strategic thinking and how it can be applied to the big issues of war and peace in the modern world.”

Prof. Lawrence Freedman, King’s College London

Die NATO ist strategisch nicht hirntot. Vielleicht aber bald eines seiner Mitglieder. Wer auch immer Deutschland führen wird, täte gut daran, sich den von Terhalle vorgelegten strategischen Kompass sehr genau anzusehen. Die eventuelle Wiederwahl Trumps und der unwahrscheinliche Machtverzicht Putins und Xis bedürfen nicht nur einer erkennbar europäischen Hand im Kanzleramt, sondern auch eines völlig neuen, eben strategischen Mindsets. Terhalles Konzepte für Entscheider sowie seine konkreten Ideen für die Zukunft westlicher Sicherheitspolitik bieten genau das.“

Karl-Theodor zu Guttenberg, Bundesminister a.D., New York/München

Strategisches Denken fehlt im Land des Carl von Clausewitz in allen Bereichen. In der Politik, der Wirtschaft und der Entwicklung von Leitlinien, wie Europa in einer Welt im Umbruch gestaltet werden sollte. Prof. Terhalles Buch zeigt Grundlagen auf und gibt Anregungen in wesentlichen Feldern der Politik. Es sollte von Entscheidern gelesen und genutzt werden.“

General a.D. Klaus Naumann, ehem. Vorsitzender des NATO-Militärausschusses und Generalinspekteur, München

Can Germany think strategically?’ Indeed, and more broadly, can the European Union become a strategic actor? These questions lie at the heart of Maximilian Terhalle’s no-holds-barred assessment of Europe’s options as the continent faces mounting challenges from both partners and adversaries East, South and West.”

François Heisbourg, Special Advisor, Fondation pour la Recherche Stratégique, Paris

Terhalle has produced a rich and wide-ranging series of essays on some of the enduring and more recent dilemmas of international security. These subtle but piercing reflections are in the best tradition of strategic studies, from Clausewitz to Freedman.”

Prof. John Bew, War Studies Department, King’s College London

A thought-provoking and illuminating series of essays that grapple with some of the toughest and most important questions facing contemporary Germany, Europe, and the United States, written by one of Germany's most forward-looking strategists.”

Elbridge Colby, Principal, The Marathon Initiative, former US Ass’t Deputy Secretary of Defence, Washington D.C.

Das neue Buch von Maximilian Terhalle, Strategie als Beruf, ist ein wichtiger Baustein bei der Grundsteinlegung für die hierzulande vernachlässigten ‘Strategic Studies’. Der Autor bürstet kräftig gegen den Strich und stellt liebgewordene Denkmuster in Frage. Man muss Terhalle keineswegs in jeder Hinsicht zustimmen. Aber wenn Deutschland und Europa tatsächlich die ‘Sprache der Macht’ erlernen wollen, wie vom EU-Außenbeauftragten Anfang 2020 gefordert, wird man nicht umhinkommen, sich mit seinen Thesen auseinanderzusetzen.“

Boris Ruge, Berlin

For too long, Germany’s deafening silence on strategic matters has struck international academic and policy observers alike. This is about to change. Maximilian Terhalle’s realpolitik-based as well as erudite deliberations on the art of strategy, closing with novel practical ideas for Europe’s future strategic security, betray exactly that.”

Prof. Christopher Coker, London School of Economics/LSE IDEAS

In Strategie als Beruf schreibt Maximilian Terhalle mit außerordentlich klarem Blick über Fragen sicherheitspolitischer Strategie und füllt damit ein Vakuum in Deutschland. Seine Ergebnisse sind unbequem für die von der Friedensforschung dominierten Debatten. Jeder, dem die Strategiefähigkeit des Landes und Europas wichtig ist, sollte seine Ideen kennen.“

Dr. Bastian Giegerich, International Institute for Strategic Studies, London

“For over a decade, Western scholars of strategy have almost exclusively focused on the likeliness of the Thucydides trap to emerge between the US and China. Remarkably, while Prof. Terhalle acknowledges their global strategic importance, he spells out what the potential trajectory of their relationship implies for NATO’s European members vis-à-vis Russia. – Realpolitik reigns.”

Prof. Wu Zhengyu, Renmin University, Peking