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8 Frank Ryans letzte Reise – Die Exhumierung und Überführung seiner sterblichen Überreste in die Heimat in:

Katja Christina Hirmer

Frank Ryan, page 385 - 394

Nationalist, Freiheitskämpfer – und Nazi-Kollaborateur?

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4398-1, ISBN online: 978-3-8288-7391-9, https://doi.org/10.5771/9783828873919-385

Tectum, Baden-Baden
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Frank Ryans letzte Reise – Die Exhumierung und Überführung seiner sterblichen Überreste in die Heimat Der erste Versuch, Ryans Leichnam in seine Heimat zu überführen, fand bereits kurz vor Kriegsende im März 1945 statt, aber die schwierige Situation in Deutschland zu dieser Zeit, ließ eine Exhumierung und Überführung nach Irland nicht zu.1459 Erst zu Beginn der 1960er Jahre keimte das Interesse an der Person Frank Ryans erneut auf und offenbarte eine Kontroverse bezüglich der Frage, wie die Erinnerung an den Iren auszusehen habe. Die irische Regierung hatte zusammen mit Ryans Hinterbliebenen, Vertretern der Irish Republican Army und der westdeutschen Irisch-Deutschen Gesellschaft, welche die Beziehungen zwischen Westdeutschland und Irland zu pflegen sich zur Aufgabe gemacht hatte, Interesse an der Rückführung Frank Ryans bekundet. Die irische Linke, vertreten durch die Irish Workers’ League (IWL) in Dublin, verfolgte den gleichen Plan. Die Beteiligung der westdeutschen Organisation beurteilte Workers’ League aber sehr kritisch, denn in ihren Augen diene deren Engagement nur dazu, „(…) to play down his anti-fascist record and to deliver a blow against all progressive forces in our country.“1460 Deshalb bekräftigte die IWL gegenüber der SED- Führung in Berlin, keinerlei Kontakte zur pro-faschistischen Irisch-Deutschen Gesellschaft zu unterhalten. Nachdem die Pläne zur Überführung des Leichnams mehr und mehr in einer ideologischen Auseinandersetzung zu enden drohten, schwanden das Interesse von Ryans Familie und das seiner Freunde an der Rückführung des Iren, bis die Hinterbliebenen schließlich jegliche Überlegung in dieser Hinsicht kategorisch ablehnten. Ryans Angehörige fürchteten, dass seine Überführung den Anschein erwecken könnte, „to boost the cause of international Communism which he never favoured during his life.“1461 Die DDR-Führung wusste bis in das Jahr 1961 nichts von dem Veteranen der Internationalen Brigaden, der auf dem Friedhof in Loschwitz beerdigt lag. Erst ein Brief der IWL informierte die SED-Führung über das Grab des bekannten Iren. Daraufhin wies die Ostberliner Regierung die Stadtverwaltung in Dresden an, die Grabpflege für Ryans letzte Ruhestätte zu organisieren.1462 Kurze Zeit später reiste erneut eine irische Delegation der IWL in die DDR, um die letzte Ruhestätte 8 1459 Jérôme aan De Wiel, East German Intelligence and Ireland, 1949–90 – Espionage, Terrorism and Diplomacy (Manchester: Manchester University Press, 2015), 30. 1460 Brief der British Workers League an das Zentralkomitee der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, 18. März 1961, Box 28/G/13–14, MML, London. 1461 Aan de Wiel, East German Intelligence and Ireland, 30. 1462 Brief des Central Committee of the Foreign Affairs and International Contacts an das Executive Committee of the Irish Workers’ League, 12. Juni 1961, Box 28/G/13–14, MML, London. 385 des Iren zu besuchen und bei dieser Gelegenheit im Rahmen einer Zeremonie einen Kranz niederzulegen.1463 Zur gleichen Zeit setzten sich Freunde des Verstorbenen unter der Führung des bekannten Linksaktivisten Peadar O’Donnell mit Ryans Geschwistern in Verbindung. Man informierte sie über die Pläne, die sterblichen Überreste ihres Bruders nach Dublin zu überführen. Auch Gerald O’Reilly war an diesem Vorhaben beteiligt. Ein Gremium sollte ins Leben gerufen werden mit dem Auftrag, alle notwendigen Schritte in die Wege zu leiten. Anfangs zeigte sich die Familie dem Vorschlag gegenüber offen, allerdings stellte man eine Bedingung: Dieses Gremium sollte so gebildet werden, dass sich in der personellen Zusammensetzung, so weit möglich, Ryans republikanische Einstellung widerspiegelte. Da die Initiative zur Umbettung Ryans von linken Kreisen Irlands ausging, weigerten sich diese erwartungsgemäß, Leute wie etwa Ryans enge Freundin Elizabeth Clissmann in die Organisation aufzunehmen, die in den Augen der Linken als Faschistin galt. Diese starre Haltung führte dazu, dass die Familie ihr Einverständnis widerrief. Trotz aller Widrigkeiten griff man die Idee, Ryans Leichnam in seine Heimat zu überführen, wieder auf, als im Juli 1966 die Festlichkeiten für das dreißigjährige Jubiläum der Gründung der Spanischen Republik, welche in Dresden gefeiert wurden, anstanden. Die Ostberliner Führung lud Veteranen der Internationalen Brigaden ein, den Feierlichkeiten aus diesem Anlass beizuwohnen. Unter ihnen befand sich auch der ehemalige Spanienkämpfer und Freund Frank Ryans, Michael O’Riordan, als Vertreter der Communist Party of Ireland. Am 26. Juli 1966 besuchten führende SED-Funktionäre zusammen mit O’Riordan sowie Donal O’Reilly und Frank Edwards, der eine Rede am Grab seines verstorbenen Freundes hielt, die letzte Ruhestätte Ryans in Dresden-Loschwitz. Dies war aber nicht der einzige Grund für den Besuch von O’Riordan. Noch vor dem Festakt gab es ein Treffen zwischen dem Iren und dem Mitglied des Zentralkomitees der SED und Beauftragten für internationale Beziehungen, Hermann Axen. Zentrales Thema des Gesprächs war die Rückführung des Leichnams von Frank Ryan. Es war angedacht, Ryan feierlich in Dublin zu bestatten. Diese Trauerfeier sollte im Rahmen des irischen Gedenkens an die im Spanischen Bürgerkrieg kämpfenden Freiwilligen aus aller Welt stattfinden, Zudem wollte die irische Linke ein Pamphlet zu Ehren des Veteranen der Internationalen Brigaden veröffentlichen. O’Riordan betonte in diesen Gesprächen, welch gro- ße Bedeutung die Rückführung Frank Ryans für den politischen Kampf in seiner Heimat habe. Die DDR-Führung stand dem Vorhaben prinzipiell offen gegenüber, denn die Deutschen wollten sich die Gelegenheit, diplomatische Kontakte zu einem westli- 1463 Ansprache Bob Cooneys während der Kranzniederlegung und Bericht über den Zustand des Grabs, 21. Juli 1961, Box 28/G/8, MML, London. Der Autor Enno Stephan berichtet allerdings, dass die DDR-Führung die Grabstätte des Spanienveteranen sehr vernachlässigt hatte. Während eines Besuchs in Leipzig hatte der Journalist die Gelegenheit, die letzte Ruhestätte des Iren in Dresden zu besuchen und fand sie in sehr desolatem Zustand vor. Stephan wies die Behörden auf die wichtige Rolle Ryans in den Internationalen Brigaden hin, woraufhin die Grabpflege neu organisiert wurde. Ohne die Intervention Enno Stephans hätte man das Grab im Jahr 1969 aufgelöst. Zeitungsausschnitt „How Ryan’s grave was kept“, J. P. Duggan, The Sunday Press, 8. Februar 1979, MS 44,132/5, NLI, Dublin. 8 Frank Ryans letzte Reise – Die Exhumierung und Überführung seiner sterblichen Überreste in die Heimat 386 chen Land zu knüpfen, nicht entgehen lassen. Abgesehen davon versprach die Exhumierung eines verdienten Spanienveteranen einen gewissen Propagandaeffekt für die Deutsche Demokratische Republik. Im November des Jahres 1966 erschien in der Zeitschrift DDR-Revue ein Artikel mit dem Titel „Ein Ire in der DDR“ verfasst von Michael O’Riordan. Ryan wurde darin als herausragender irischer Nationalist, Anti- Imperialist und Kämpfer gegen den Faschismus beschrieben, was verständlicherweise viele negative Reaktionen wegen der einseitigen Darstellung Ryans als Verfechter ausschließlich linken Gedankenguts, insbesondere vonseiten der internationalen Leserschaft des Blattes, hervorrief. Viele Leser kritisierten die Darstellung des Iren als antifaschistischen Kämpfer, obwohl er sich während des Krieges in Deutschland aufgehalten hatte und augenscheinlich für das Nazi-Regime tätig war.1464 Mit einem Mal wurde die Repatriierung von Ryans sterblichen Überresten zu einer sehr schwierigen Angelegenheit für die DDR-Führung. Die Ostberliner Regierung beschloss, nachdem die Nachforschungen des Staatssicherheitsdienstes zu Frank Ryan keine Klarheit über seine Tätigkeit in Kriegsdeutschland brachten, die Überreste des Iren nicht, wie vorgesehen, zu exhumieren und nach Dublin zu überführen.1465 Auch innerhalb Ryans Familie regte sich mittlerweile Widerstand gegen den Rücktransport, zumal sich herausgestellt hatte, dass sich der Fall juristisch sehr schwierig gestaltete, weshalb sich Ryans Schwester Eilís an die Behörden in Dublin wandte und um Unterstützung dabei bat, die Rückführung des Leichnams ihres Bruders zu verhindern. „Miss Ryan, who says that her brother, despite his leftist views, always practised and died as a Catholic, is anxious that his remains should not now be used by these people to boost the cause of international communism which he never favoured during his life.“1466 Die Antwort von offizieller Stelle gab für Ryans Angehörige wenig Anlass zur Hoffnung: Aus rechtlicher Sicht hatte sie keine Möglichkeit, gegen eine Exhumierung und Rückführung der Leiche nach Dublin vorzugehen. Die Familie könne sich allerdings an die Regierung in Ost-Berlin wenden und deren Einwände nochmals an dieser Stelle vorbringen.1467 Eilís Ryan und ihr Bruder Vincent entschieden sich, dem Vorschlag der Dubliner Behörden zu folgen und sandten einen Brief an das Ministerium 1464 Gänzlich von der Hand zu weisen ist dieser Vorwurf natürlich nicht, wobei sich gezeigt hat, dass Ryans Tätigkeit für die deutschen Behörden während des 2. Weltkrieges sehr begrenzt war. Nach dem Scheitern von Operation Taube beschränkte sich Ryans Arbeit in Deutschland, mit Ausnahme der gescheiterten Rekrutierungsversuche irischer Kriegsgefangener in deutschen Lagern, darauf, die politische Lage und die Entwicklung aus irischer Sicht zu interpretieren. Gerade in den letzten Monaten, die durch seine schlechte körperliche Verfassung gezeichnet waren, kann keine Rede davon sein, dass Frank Ryan wertvolle Arbeit für die deutsche Führung geleistet hätte. Wie wertvoll Ryans Einsatz für die Deutschen war, ist schwer zu beurteilen, nachdem die geplanten Operationen gescheitert waren. Seine Berichte über die Lage in Irland unterstützten de Valeras Neutralitätspolitik vollumfänglich. Es ist hier schwer einzuschätzen ist, wie aussagekräftig diese wirklich waren. Es ist fraglich, ob Ryan aufgrund seiner langen Abwesenheit, die doch sehr zu Gunsten der Alliierten ausgerichtete Neutralitätspolitik des irischen Freistaats richtig deutete. 1465 Aan de Wiel, East German Intelligence and Ireland, 30ff. 1466 Bericht über ein Gespräch mit Eilísh Ryan, ohne Autor und ohne Angabe des Gesprächspartners, o. D., Repatriation of Remains of Frank Ryan, DFA/10/A/20/Folder, NAI, Dublin 1467 Entwurf für vertraulichen Bericht an Vincent Ryan, ohne Autor, o. D., Repatriation, DFA/10/A/20/ Folder, NAI, Dublin. 8 Frank Ryans letzte Reise – Die Exhumierung und Überführung seiner sterblichen Überreste in die Heimat 387 für Auswärtige Angelegenheiten in Ost-Berlin. In diesem Schreiben brachten sie ihre Ablehnung gegen die Exhumierungspläne nochmals deutlich zum Ausdruck.1468 Ryans Schwester konnte und wollte nicht zulassen, dass ihr Bruder als Kommunist in seine Heimat zurückkehren sollte. Denn dies war die große Befürchtung der Familie, die eine politische Inanspruchnahme Frank Ryans nicht akzeptierte. Zwar versuchten Mitglieder der Communist Party Eilís Ryan umzustimmen, jedoch rückte sie im Jahr 1966 von ihrem Standpunkt noch nicht ab. „I couldn’t give in to that method of bringing him home. I wanted Frank to come as a family man, (…). And no politics.“1469 Nach der deutlichen Absage der Familie schienen im August 1966 alle Pläne zur Überführung des Iren gescheitert zu sein. Dennoch war Eilís Ryan schon damals überzeugt, dass die linken Kreise in Irland ihr Vorhaben, trotz der deutlichen Absage der Angehörigen, nicht aufgegeben hatten.1470 Frank Ryans Schwester sollte Recht behalten. Allerdings war dieses Mal Eilís selbst die treibende Kraft für die Rückführung. Im Jahr 1976 fand sie persönliche Briefe ihres Bruders an seine Mutter und fasste daraufhin den Entschluss, Frank in die Heimat zu holen. Ryan macht darin deutlich, „I don’t want my bones to lie in any foreign cemetery. When I die, I want it to be in Ireland, but, at least, I want my bones in Ireland.“ Deshalb wandte sie sich an die Regierung der DDR und bat um die Rückführung der sterblichen Überreste ihres Familienmitglieds. Die erste Anfrage verlief ergebnislos. Die zweite, im Juni 1978, hatte Erfolg.1471 Die DDR-Führung stimmte der Exhumierung aus humanitären Gründen zu. Und schon im Juni 1979 endeten die Planungen für die Überführung des Leichnams. Federführend während der Verhandlungen, beziehungsweise in der Organisation der Rückführung, war der Dáil-Abgeordnete Niall Andrews, der Sohn Todd Andrews, eines engen Freundes und früheren Kollegen Frank Ryans. Am 19. Juni 1979 wurden die sterblichen Überreste des Iren exhumiert. Die Zeremonie am Friedhof in Dresden-Loschwitz fand mit vollen militärischen Ehren in Anwesenheit von Vertretern der Streitkräfte der DDR statt. An den Feierlichkeiten nahmen auch ehemalige Mitglieder der Internationalen Brigaden aus Irland, Großbritannien, den Vereinigten Staaten sowie aus der Bundesrepublik und der DDR teil.1472 Den Flug nach Dublin begleiteten neben Niall Andrews auch Ryans ehemalige Kameraden und Veteranen des Spanischen Bürgerkriegs, Michael O’Riordan, Frank Edwards und Peter O’Connor. Am Donnerstag, den 20. Juli 1979, brachte eine Maschine Frank Ryans sterbliche Überreste zum Dubliner Flughafen, wo der Sarg zunächst in der dortigen Kapelle aufgestellt wurde, bevor am darauffolgenden Tag ein Requiem in der Carmelite Church in der Whitefriar Street in statt- 1468 Brief Eilísh Ryan an das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten Ostberlin, August 1966, Repatriation, DFA/10/A/20/Folder, NAI, Dublin. 1469 Ò Canainn, „Eilís Ryan“, 141. 1470 Aktennotiz über Gespräch mit Eilísh Ryan, XNW [sic], 8. August 1966, Repatriation, DFA/10/A/20/ Folder, NAI, Dublin. 1471 Ò Canainn, „Eilís Ryan“, 142. 1472 „Military honours for Ryan at exhumation“, ohne Autor, The Irish Times, 19. Juni 1979, 17. 8 Frank Ryans letzte Reise – Die Exhumierung und Überführung seiner sterblichen Überreste in die Heimat 388 fand,1473 von wo aus der Sarg dann zur Bestattung auf dem Glasnevin-Friedhof in Dublin gebracht wurde.1474 Abbildung 12 – Frank Ryans Grab am Glasnevin Friedhof in Dublin, Irland Quelle: Wikipedia, Frank Ryan, AlanMc. [Online]. 14. Juli 2006. URL: https://upload.wikimedia.org/ wikipedia/commons/thumb/a/ab/Frankryangrave.jpg/800px-Frankryangrave.jpg [12.03.2020] 1473 In eben dieser Kirche ging Ryan selbst, während seiner Zeit in Dublin in den 1920er und 30er Jahren, jeden Sonntag zur Messe. Cronin, Frank Ryan, 234. 1474 Irish Times Reporter, „Ryan’s body flown to Dublin“, The Irish Times, 21. Juni 1979, 1, 5. 8 Frank Ryans letzte Reise – Die Exhumierung und Überführung seiner sterblichen Überreste in die Heimat 389 Mehrere hundert Freunde und Bekannte nahmen an der Beerdigung des irischen Nationalisten am 22. Juni 1979 teil. „The large crowd, which packed Whitefriar Street Church for the funeral Mass in Irish covered all strands of opinion and class in Irish society.“1475 Der Trauergemeinde gehörten neben Eilís Ryan, deren Neffe John Ryan und weitere Verwandte an sowie Vertreter des irischen Kabinetts, Sinn Féins und der Workers’ Party, Veteranen der Internationalen Brigaden und bekannte Republikaner, Repräsentanten der Gewerkschaften, der außerordentliche Botschafter der Deutschen Demokratischen Republik in London sowie ein Repräsentant der westdeutschen Regierung.1476 Die Messe zu Ehren des Verstorbenen wurde von mehreren Priestern zelebriert. Aufgrund seiner großen Leidenschaft für die irische Sprache rezitierte der Geistliche, Reverend Luke Flynn, Gebete auf Gälisch.1477 Am Grab auf dem Glasnevin-Friedhof hielt Con Lehane, ein alter Freund Ryans, eine Rede und unterstrich nochmals, dass das Leben des Verstorbenen vor allem dem Sozialismus gewidmet war. „We are proud by the outstanding role played by this indominitable [sic] fighter in the resistance to the fascism of Franco, Mussolini and Hitler, and we honour with Frank all those other Irishmen who gave their lives for the cause of freedom in Spain, (…).“ Auch der Repräsentant der DDR-Regierung sprach an der letzten Ruhestätte des Iren und hob das hohe Ansehen hervor, das dieser innerhalb des sozialistischen Staates genoss.1478 Des Weiteren betonte Heinz Knobb, dass „The [sic] roots of German fascism have been extirpated. We will never again allow a war to be unleashed on German soil (…). This is the legacy of Frank Ryan and of all who fought against fascism.“ Zusätzlich dankte er allen Beteiligten, die es möglich gemacht hatten, den Iren, trotz fehlender diplomatischer Beziehungen zwischen der DDR-Führung und der Regierung in Dublin, in seine Heimat zu überführen. „May Frank Ryan always remain an unbreakable link between Ireland and my country,“ fügte der Diplomat abschließend hinzu.1479 Trotz der enormen Anteilnahme war die Zeremonie am Glasnevin-Friedhof sehr privat. Unter Federführung der Provisional Sinn Féin fand eine weitere offizielle Trauerfeier statt. Neben der IRA-Führung legten auch Vertreter der Belfast Brigade der Untergrundarmee sowie Repräsentanten der Front National de 1475 Zeitungsausschnitt „Last post for Frank Ryan“, ohne Autor, o. D., Seán O’Mahoney Papers (SOMP), MS 44,132/5, NLI, Dublin. 1476 Unter den Trauergästen befanden sich unter anderem George Gilmore, Sekretär des Republican Congress, Roddy Connolly, der Sohn James Connollys, Ruairi Ó Brádaigh, Chef der Sinn Féin Partei, Joe Cahill, führendes Mitglied der IRA, Thomás Mac Giolla, Parteivorsitzender der Workers’ Party, Michael O’Riordan, Parteichef der Communist Party of Ireland, die bekannte republikanische Aktivistin und Anhängerin der irischen Linken, Bernadette Devlin, Michael Mullins als Vertreter der Irish Transport and General Workers’ Union, kurz IGTWU. Als Regierungsvertreter der beiden deutschen Staaten waren für die DDR-Führung Heinz Knobbe, Botschafter in London, und Rüdiger Lukowicz, Botschaftssekretär der BRD-Gesandtschaft in Dublin, gekommen. Neben den Clissmanns wohnten auch Todd Andrews und seine beiden Söhne der Beerdigung bei. Aan de Wiel, East German Intelligence and Ireland, 43f. 1477 Eileen O’Brien, „Widespread tributes paid at funeral of Frank Ryan“, The Irish Times, 23. Juni 1979, 6. 1478 Zeitungsausschnitt „Last post for Frank Ryan“, ohne Autor, o. D., SOMP, MS 44,132/5, NLI, Dublin. 1479 Eileen O’Brien, „Widespread tributes paid at funeral of Frank Ryan“, 6. 8 Frank Ryans letzte Reise – Die Exhumierung und Überführung seiner sterblichen Überreste in die Heimat 390 Catalunya und des politischen Flügels der baskischen Untergrundorganisation ETA Kränze auf dem Grab Frank Ryans nieder.1480 Auch sein langjähriger Freund Gerald O’Reilly hielt eine Trauerfeier zu Ehren seines Freundes ab. Diese fand am 30. Juni 1979 in der Carmelite Church in New York statt.1481 Alle Trauernden in Irland und in den USA einte eines: Sie bedauerten den frühen Tod des Iren, denn „With [sic] his premature death, both Irish Republicanism and Irish Socialism lost their most important activist and political thinker since James Connolly.“1482 Seine Schwester wünschte sich, dass seine aufrichtige Liebe für die irische Sprache und für sein Land mit ihm auf ewig verbunden werde.1483 Anneliese Ichenhauser, die als Dolmetscherin der irischen Delegation während des Besuchs in der DDR eingesetzt war, zeigte sich von den Geschichten und dem Leben Frank Ryans derart beeindruckt, dass sie ein Gedicht zu Ehren des Iren verfasste:1484 There is a grave in Dresden Town With ivy growing green. And the cross it names a strangers name. How come; what does it mean, Who is it who is lying there Under the ivy green. The man who has been lying here for 20 years and more He died a bitter lonesome death Far from his Irish shore. For he was Ireland’s fighting son And for freedom was his fight For freedom and humanity and every worker’s right. For every worker everywhere No matter what his tongue. That why he went Spain to defend Where the bells of alarm were rung And to all who went to help Spain as he did he was a wonderful mate and he led the Connolly section of the International Brigade. 1480 „Ryan’s sister unable to attend ceremony“, The Irish Times, 25. Juni 1979, 5. 1481 Nachruf „In Memoriam – Frank Ryan“, Gerald O’Reilly, Tom Cox, George Harrison, Frank Durkan, o. D., SOMP, MS 44,132/5, NLI, Dublin. 1482 „Frank Ryan comes home“, Irish Post, 23. Juni 1979, Spanish Civil War Collection, ILHSA, Dublin. 1483 Ò Canainn, „Eilís Ryan“, 141. 1484 O’Riordan, Connolly Column, 148. 8 Frank Ryans letzte Reise – Die Exhumierung und Überführung seiner sterblichen Überreste in die Heimat 391 And they captured him And they tortured him And he was deaf and ill But the spirit of a man like him Is something they never could kill. They couldn’t when they killed the Man. And dug him a hurried grave And buried him in forever to rot Forever and ever to be forgot But there came a day And it was in May And the saplings were green with life. And men fatigued with heartbreak and blood. Victoriously ended the strife. From the caps of those soldiers of liberty Gleamed stars as red as he wore And whenever their marching steps touched the soil. It was enemy soil no more. The earth it was fraternal then And was a friendly place. And the grave was cared for by a man. Who never knew his face He only knew that his brother was he. ‚Cause for freedom was his fight For freedom and humanity and Every worker’s right. And part of his blood and part of his toil is in this friendly fraternal soil Oh man down in your ivy grave See the green white orange bone Your comrades come to visit you From your own beloved land. See the flowers they put down for you. And they are crimson red Frank Ryan they say its [sic] 20 years But you lad have never been dead Your ivy is green and the Shamrock is green And there’s a fight still to be won. So, Frank we want to take you home Our country’s fighting son. To be near when the ancient Rebel Songs 8 Frank Ryans letzte Reise – Die Exhumierung und Überführung seiner sterblichen Überreste in die Heimat 392 Will rouse the country wide For freedom and humanity and every worker’s right. And is your grave thus empty then A stone will tell of you Who did in time so very dark The things you had to do And in your name there is a smile A smile at certainty And in your name there is an oath of solidarity.1485 1485 Gedicht „Frank Ryan“, Manus O’Riordan, o. D., CPI Box 57/037, DCLA, Dublin. 8 Frank Ryans letzte Reise – Die Exhumierung und Überführung seiner sterblichen Überreste in die Heimat 393

Chapter Preview

References

Abstract

The book describes the life and times of the well-known Irish Republican Francis „Frank“ Ryan. Ryan who fought for an all-Irish Republic and followed the political ideas of James Connolly and Charles Stewart, decided to fight fascism on the European continent and entered the Spanish Civil War on the side of the republican forces. While being in combat having the rank of a major in the International Brigades, he was captured in 1938 and became Franco’s most important prisoner. He had to endure two years in Burgos Prison before, due to the intervention of the German Abwehr, he had the chance to leave Spain with an option to return home. Instead of going back to Ireland, he ended up in Nazi-Germany at the beginning of the Second World War. Considering this background the book also examines the diplomatic relations between Ireland and Germany in the first half of the 20th century.

Zusammenfassung

Dieses Buch befasst sich mit der Lebensgeschichte des bekannten irischen Nationalisten Francis „Frank“ Ryan, der sich zeit seines Lebens für die Wiedervereinigung der grünen Insel und die vollständige Unabhängigkeit von Großbritannien eingesetzt hat. Seine linksgerichteten politischen Überzeugungen führten ihn als Kämpfer für die republikanische Regierung nach Spanien. Dort kämpfte er in den Reihen der Internationalen Brigaden und geriet als Francos wichtiger Gefangener in die Hände der Faschisten. Durch die Intervention der deutschen Abwehr kam er frei und fand sich im Deutschland der 1940er Jahre wieder. Vor dem Hintergrund seiner Lebensgeschichte wird auch die Entwicklung der politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Irland beleuchtet.