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1. Einleitung in:

Frederik Fischer

Wettbewerb im Schienenpersonenfernverkehr in Deutschland, page 1 - 2

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4396-7, ISBN online: 978-3-8288-7386-5, https://doi.org/10.5771/9783828873865-1

Series: Wirtschaftspolitische Forschungsarbeiten der Universität zu Köln, vol. 65

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
1 1. Einleitung Seit seiner Liberalisierung im Jahr 1994 wird der deutsche Markt für Beförderungsleistungen im Schienenpersonenfernverkehr von nur einem Unternehmen, der DB Fernverkehr AG, dominiert. Wettbewerber konnten sich bisher nicht dauerhaft im Markt etablieren (Monopolkommission 2017, S. 9). Das Unternehmen erzielt seit Jahren Gewinne im dreistelligen Millionenbereich – zuletzt im Geschäftsjahr 2017 ein Ergebnis nach Steuern von 366 Mio. Euro (DB Fernverkehr AG 2018, S. 2). Nach der ökonomischen Theorie sollten in einer Branche mit freiem Marktzugang langfristig keine Gewinne möglich sein, ohne dass neue Akteure in den Markt eintreten. Sind die Gewinne positiv, besteht ein Anreiz für neue Unternehmen auf dem Markt aktiv zu werden, um an diesen Gewinnen zu partizipieren (Varian und Buchegger 2007, S. 483). Die dominante Stellung der DB Fernverkehr AG ist vom Gesetzgeber nicht intendiert. Im Gegenteil, wirksamer Wettbewerb im Eisenbahnsektor ist ein wesentliches Regulierungsziel, das sogar explizit formuliert ist. (ERegG, S. 6). Da keine gesetzlichen Wettbewerbsbeschränkungen bestehen, die DB Fernverkehr AG den Markt aber seit Jahren dominiert und gleichzeitig Gewinne erwirtschaftet, ist der oben genannten Theorie folgend davon auszugehen, dass der Markt nicht „frei“ zugänglich ist. Hiervon leitet sich wie folgt die Hypothese dieser Masterarbeit ab: Es existieren Markteintrittshürden im SPFV-Markt, die Wettbewerb zwischen dem etablierten Unternehmen DB Fernverkehr AG und (potenziellen) Einsteigern verhindern. Ziel der Arbeit ist, diese Markteintrittshürden herauszuarbeiten und eine Grundlage für die Diskussion darüber zu präsentieren, wie die Hürden sinnvoll gesenkt werden könnten, um den Wettbewerb im Markt zu beleben. 2 Fischer: Wettbewerb im Schienenpersonenfernverkehr in Deutschland Um die aktuelle Marktstruktur besser zu verstehen, wird im folgenden Kapitel die Entwicklung des Marktes seit der Liberalisierung im Jahr 1994 skizziert. In diesem Zusammenhang ist neben der deutschen auch die europäische Perspektive wichtig, da durch Organe der Europäischen Union entscheidende Änderungen der Marktstruktur angestoßen wurden. Kapitel drei beschäftigt sich mit der Frage nach einer sachgerechten Abgrenzung des relevanten Marktes, der auf die Existenz von Markteintrittshürden untersucht werden soll. Im vierten Kapitel wird der Begriff der Markteintrittshürde definiert und im Anschluss werden mögliche Hürden im SPFV-Markt genauer untersucht. Dazu zählen der bevorzugte Zugang zu notwendigen Inputfaktoren sowie versunkene Kosten in Verbindungen mit Faktoren, die die Unsicherheit über die langfristigen Marktbedingungen erhöhen. Aufbauend auf den als relevant eingestuften Markteintrittshürden werden im letzten Kapitel Maßnahmen genannt, wie diese Hürden gesenkt werden könnten.

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Zusammenfassung

Trotz Liberalisierung im Jahr 1994 wird der deutsche Markt für Beförderungsleistungen im Schienenpersonenfernverkehr durchgehend von einem Unternehmen dominiert – der DB Fernverkehr AG. Im vorliegenden Band werden Markteintrittshürden analysiert, die den erfolgreichen Eintritt neuer Unternehmen verhindern und so die Monopolstellung des etablierten Unternehmens stützen. Neben der Vorstellung verschiedener Konzepte zur Definition von Markteintrittshürden wird diskutiert, wie der Markt für Beförderungsleistungen im Schienenpersonenfernverkehr sinnvoll von Substitutionsmärkten wie dem innerdeutschen Flug- oder Fernbusverkehr abgegrenzt werden kann. Das Ergebnis der Analyse zeigt, dass eine Kombination aus hohen, versunkenen Kosten bei Markteintritt bei gleichzeitiger großer Unsicherheit über die langfristige Marktentwicklung den mangelnden Wettbewerb erklären kann. Auf Basis der Analyse werden Maßnahmen vorgeschlagen, um den Markteintritt neuer Unternehmen zu fördern.