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10. Forschungsausblick in:

Simone Kisker

Alt und Neu im Dialog, page 117 - 118

Hans Gottfried von Stockhausens Neuverglasung der Dortmunder St.-Nicolai-Kirche in Relation zur ursprünglichen Verglasung Elisabeth Coesters

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4393-6, ISBN online: 978-3-8288-7380-3, https://doi.org/10.5771/9783828873803-117

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Kunstgeschichte, vol. 12

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Forschungsausblick Mit einer den gesamten Raum umspannenden Fensterfläche bot die Dortmunder St.- Nicolai-Kirche Hans Gottfried von Stockhausen breiten Raum, seine Vision einer Neuverglasung zu realisieren. Doch nicht in allen Fällen galt es, eine Gesamtverglasung zu entwickeln, die eine im Krieg zerstörte Verglasung ersetzen sollte. Oft waren es nur einzelne Glasbilder oder Fenstergruppen, die an die Stelle ihrer zerstörten Vorgänger traten. Dies betrifft beispielsweise mittelalterliche Kirchenbauten, in denen Ergänzungen zu noch erhaltenen Glasmalereien gefunden werden mussten. Beziehungen zwischen den alten und neuen Fenstern ergeben sich hier ganz unmittelbar und müssen nicht erst im Rückgriff auf überlieferte Entwürfe und Fotografien rekonstruiert werden. Mithilfe des für diese Arbeit entwickelten Analyseinstrumentariums lassen sie sich systematisch erfassen, wobei der Frage nachgegangen werden kann, wie Stockhausen bereits im Raum existierende Fenster in die Gestaltung einbezieht. Weiterführend kann erörtert werden, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede sich im Hinblick auf eine in Teilen oder in Gänze entwickelte Neuverglasung ergeben. Dabei besteht die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Typen von Bauwerken zu differenzieren, welche den konstruktiven Rahmen der eingesetzten Verglasungen bilden. Es liegt auf der Hand, dass sich für mittelalterliche und zumeist denkmalgeschützte Sakralbauten andere Anforderungen ergeben als für profane Bauwerke der Gegenwart. In einen größeren Kontext kann Stockhausens Neuverglasung der St.-Nicolai-Kirche dadurch gestellt werden, dass sie in Beziehung zu anderen glasmalerischen Auffassungen gesetzt wird, die sich nach 1945 abzeichneten. Sein Ansatz im Umgang mit kriegszerstörten Verglasungen wäre dann vor dem Hintergrund anderer gestalterischer Interventionen zu diskutieren. 10. 117

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Zusammenfassung

Der Zweite Weltkrieg geht mit verheerenden Zerstörungen im Bereich der sakralen Glaskunst einher, führt angesichts des Verlusts von Kulturgut aber auch zu einem neuerlichen Aufschwung der Glasmalerei. Den Kunstschaffenden bietet sich in der Neuverglasung von Kirchen ein breites Betätigungsfeld, das in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg nahezu unerschöpflich erscheint. Unter ihnen nimmt der in Hessen geborene Hans Gottfried von Stockhausen (1920–2010) eine bedeutende Stellung ein, insbesondere aufgrund seines differenzierten Umgangs mit dem Material Glas.

Während das Verhältnis von Glas, Licht und Raum bereits häufiger thematisiert worden ist, sind die Relationen einer von Stockhausen gestalteten Neuverglasung zu einer mittels Fotografien vergegenwärtigten Vorgängerverglasung nun erstmals Gegenstand einer Analyse. Die ursprüngliche Verglasung stammt von Elisabeth Coester (1900–1941), konzipiert als raumumspannende Membran für Deutschlands erste Sichtbetonkirche: St. Nicolai zu Dortmund.