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Anhang in:

Thomas Bargatzky

Der große Wahn, page 313 - 316

Der neue Kalte Krieg und die Illusionen des Westens

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4385-1, ISBN online: 978-3-8288-7370-4, https://doi.org/10.5771/9783828873704-313

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Anhang Anhang I: „Grand Strategy“, nach Gene Sharp „Grand strategy is the conception that serves to coordinate and direct the use of all appropriate and available resources (human, moral, political, organizational, etc.) of a group seeking to attain its objectives in a conflict. Grand strategy, by focusing primary attention on the group’s objectves and resources in the conflict, determines the most appropriate technique of action (such as conventional military warfare or nonviolent struggle) to be employed in the conflict. In planning a grand strategy resistance leaders must evaluate and plan which pressures and influences are to be brought to bear upon the opponents. Further, grand strategy will include decisions on the appropriate conditions and timing under which initial and subsequent resistance campaigns will be launched. Grand strategy sets the basic framework for the selection of more limited strategies for waging the struggle. Grand strategy also determines the allocation of general tasks to particular groups and the distribution of resources to them for use in the struggle“. (Gene Sharp: From Dictatorship to Democracy. A Conceptual Framework for Liberation. – London: The Serpent’s Tail 2012, S. 67 f.) Anhang II: Gene Sharps Ideen und „Otpor!“ „Marek Zelaskiewz (sic!), from California, took one of those copies to Belgrade during Milosevic’s time and gave it to the organization Civic Initiatives. They translated it into Serbian and published it. When we visited Serbia after the collapse of the Milosevic regime we were told that the booklet had been quite influential in the opposition movement. Also important had been the workshop on non-violent struggle 313 that Robert Helvey, a retired US Army colonel, had given in Budapest, Hungary, for about twenty Serbian young people on the nature and potential of nonviolent struggle. Helvey also gave them copies of the complete The Politics of Nonviolent Action. These were the people who became the Otpor organization that led the nonviolent struggle that brought down Milosevic“. (Gene Sharp a.a.O., S. xv-xvi). Anhang III: Steven R. Manns Ratschläge zum Einsatz „ideologischer software“ auf der Grundlage der Chaos-Theorie „Conflict energy is at base a human property, since the individual reflects the goals, perceptions, and values of the individual actor – in sum, the ideological software with which each of us is programmed. To change the conflict energy of peoples – to lessen it or direct it in ways favorable to our national security goals – we need to change the software. As hackers have shown, the most aggressive way to alter software is with a ‚virus‘, and what is ideology but another name for a human software virus... With the idological virus as our weapon, the United States should move to the ultimate biological warfare and decide, as its basic national security strategy, to infect target populations with the ideologies of democratic pluralism and respect for individual human rights. With a strong American commitment, enhanced by advances in communications and increasing ease of global travel, the virus will be self-replicating and will spread in nicely chaotic ways. Our national security, therefore, will be best assured if we devote our efforts to winning the minds of countries and cultures that are at variance with ours. This is the sole way to build a world order that is of long duration … and globally beneficial … A tangible implication of this analysis is a sharp increase in support for the United States Information Agency, the National Endowment for Democracy, and the numerous privatesector exchange and educational programs. These programs lie at the Anhang 314 heart of an aggressive national security strategy … The true national security battleground is, metaphorically, viral in nature“ (S. 65 f.). (Steven R. Mann: Chaos Theory and Strategic Thought. Parameters (Autumn 1992), S. 54-68). Anhang IV: Indirekte Einflussnahme der USA, nach Zbigniew Brzezinski Amerikas „globales Ordnungssystem“ stellt „stärker auf die Methode der Einbindung ab als die früheren Großmächte. Ebenso stark setzt es auf die indirekte Einflussnahme auf abhängige ausländische Eliten, derweil es aus der Anziehungskraft seiner demokratischen Prinzipien und Institutionen großen Nutzen zieht. Der massive, aber nicht greifbare Einfluss, den die USA durch die Beherrschung der weltweiten Kommunikationssysteme, der Unterhaltungsindustrie und der Massenkultur sowie durch die durchaus spürbare Schlagkraft seiner technologischen Überlegenheit und seiner weltweiten Militärpräsenz aus- üben, verstärkt dieses Vorgehen noch“. „Die kulturelle Komponente der Weltmacht USA ist bisweilen unterschätzt worden; doch was immer man von ihren ästhetischen Qualitäten halten mag, Amerikas Massenkultur besitzt, besonders für die Jugendlichen in aller Welt, eine geradezu magnetische Anziehungskraft. Ihre Attraktion mag von dem hedonistischen Lebensstil herrühren, den sie entwirft; ihr weltweit großer Anklang ist jedenfalls unbestritten. Amerikanische Fernsehprogramme und Filme decken etwa drei Viertel des Weltmarktes ab. Die amerikanische Pop-Musik ist ein ebenso beherrschendes Phänomen, während Amerikas Marotten, Eßgewohnheiten, ja sogar seine Mode zunehmend imitiert werden. Die Sprache des Internets ist Englisch, und ein überwältigender Teil des Computer-Schnickschnacks stammt ebenfalls aus den USA und bestimmt somit die Inhalte der globalen Kommunikation nicht unwesentlich. Und schließlich ist Amerika zu einem Mekka für jene jungen Leute geworden, die nach einer anspruchsvollen Ausbildung streben. Annähernd eine halbe Million ausländischer Studenten drängen alljährlich in die USA, und viele der Begabtesten kehren nie wieder nach Anhang 315 Hause zurück. Absolventen amerikanischer Universitäten sind in den Regierungskabinetten aller Herren Länder vertreten“. (Zbigniew Brzezinski: Die einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft. – Weinheim/Berlin: Beltz/Quadriga 1997, S. 45 f., 46) Anhang V: Russland, Ukraine und das „große Schachbrett“, nach Zbigniew Brzezinski „Die Ukraine, ein neuer und wichtiger Raum auf dem europäischen Schachbrett, ist ein geopolitischer Dreh- und Angelpunkt, weil ihre bloße Existenz als unabhängiger Staat zur Umwandlung Rußlands beiträgt. Ohne die Ukraine ist Rußland kein eurasisches Reich mehr. Es kann trotzdem nach einem imperialen Status streben, würde aber dann ein vorwiegend asiatisches Reich werden, das aller Wahrscheinlichkeit nach in lähmende Konflikte mit aufbegehrenden Zentralasiaten hineingezogen würde, die den Verlust ihrer erst kürzlich erlangten Eigenstaatlichkeit nicht hinnehmen und von den anderen islamischen Staaten im Süden Unterstützung erhalten würden. Auch China würde sich angesichts seines zunehmenden Interesses an den dortigen neuerdings unabhängigen Staaten voraussichtlich jeder Neuauflage einer russischen Vorherrschaft über Zentralasien widersetzen. Wenn Moskau allerdings die Herrschaft über die Ukraine mit ihren 52 Millionen Menschen, bedeutenden Bodenschätzen und dem Zugang zum Schwarzen Meer wiedergewinnen sollte, erlangte Rußland automatisch die Mittel, ein mächtiges Europa und Asien umspannendes Reich zu werden. Verlöre die Ukraine ihre Unabhängigkeit, so hätte das unmittelbare Folgen für Mitteleuropa und würde Polen zu einem geopolitischen Angelpunkt an der Ostgrenze eines vereinten Europas werden lassen“. (Zbigniew Brzezinski, a.a.O., S. 74 f.) Anhang 316

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Abstract

In these days, we live in a new Cold War. On the side of Western elites, the disintegration and collapse of the Soviet Union was seen as representing the End of History and a permanent triumph of democratic values. American triumphalism, an expression of the idea of Manifest Destiny, believed that America was capable of reshaping the world in its image. According to this concept, the world was entering a New World Order in which international norms and transnational principles of human rights would prevail over the traditional prerogatives of sovereign governments. Promoting regime change was considered a legitimate act of foreign policy. In reality, all of this turned out to be illusionary. Instead of promoting peace, the attempt to usher in a New American Century resulted in international terrorism and endless wars in Afghanistan and the Near East. The eastward enlargement of NATO entails the risk of nuclear war. The New World Order turns out to be a big delusion, endangering the survival of humankind.

Zusammenfassung

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verbreiteten sich unter westlichen Eliten Illusionen von „Ende der Geschichte“ und der Einrichtung einer „neuen Weltordnung“ nach amerikanischem Vorbild. Sie sind der Ausdruck uramerikanischer Vorstellungen von der „offenkundigen Bestimmung“ der USA, weltweit ein „neues amerikanisches Jahrhundert“ des Friedens, der Demokratie, der Menschenrechte und des Wohlstands zu schaffen. Die Folgen waren die NATO-Erweiterung bis an die Schwelle Russlands, ein neuer Kalter Krieg durch die Verschlechterung der Beziehungen zu Russland und China, internationaler Terrorismus, die andauernde Verwicklung in Kriege in Afghanistan und dem Nahen Osten, die für viele Länder der Dritten Welt verheerende ökonomische Globalisierung sowie die Delegitimierung der Leitideen der staatlichen Souveränität und der souveränen Gleichheit aller Staaten. Das „neue amerikanische Jahrhundert“ enthüllt sich daher als „Großer Wahn“, der die Welt an den Rand eines Atomkriegs führen könnte.