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Hinführung in:

Andreas Lienkamp

Aufstand für das Leben, page 5 - 12

"Die Bremer Stadtmusikanten" und "Der Hauptmann von Köpenick" - Zum 200. Geburtstag des Grimm'schen und zum 90. des Zuckmayer'schen Märchens

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4383-7, ISBN online: 978-3-8288-7367-4, https://doi.org/10.5771/9783828873674-5

Tectum, Baden-Baden
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5 Hinführung „Da bin ick eijentlich schon zu alt für“, sagt die 14-jährige Liesken ein wenig verlegen zu Wilhelm Voigt, dem späteren ‚Hauptmann von Köpenick‘, der sich rührend um das kranke Mädchen kümmert. Marie Hoprecht, seine Schwester, bei der Liesken zur Untermiete wohnt, charakterisiert sie als „’n sehr ordentliches Mädchen, noch keine sechzehn Jahre, sie hat in ne Weißzeugnäherei jearbeitet, aber jetzt hatse’s auf der Brust, sie liecht schon ’n dritten Monat“ (HvK 9. Sz., 60 f.)3. Als Wilhelm an ihrem Krankenlager sitzt, bittet Liesken ihn, er möge ihr doch etwas vorlesen. Die offenbar Schwindsüchtige4 hat das Buch aus Angst davor, dass ihre Vermieterin sie auslachen könnte, unter ihrer Matratze versteckt: Es sind ‚Grimms Märchen‘. „[…] det les ich so gerne, det kann ick immer wieder hören“ (HvK 12. Sz., 76). Onkel Willem, wie sie ihn nennt, beruhigt sie, dass sie sich wegen dieser Vorliebe nicht zu schämen brauche: „Ick les det auch sehr gerne“, verrät er ihr, „und ick bin ja nu ziemlich ausjewachsen, nich?“ Rückendeckung erhalten die beiden von Jacob Grimm (* 1785 † 1863), der in seinem Brief an Achim von Arnim (* 1781 † 1831) vom 29. Oktober 1812 schreibt, dass sich die Märchen, „auf die innere Lust zu hören (gründen), die Kinder wie Erwachsene haben.“ (Grimm, J., in: Steig [Bearb.] 1904, 236 f.)5 Unterstützung bekommen sie auch von Ernst Bloch (* 1885 † 1977). Was die- 3 Das Schauspiel ‚Der Hauptmann von Köpenick‘ wird im laufenden Text angegeben mit HvK, Szene und Seitenzahl. Da die 21 Szenen des Stücks durchgezählt werden, kann auf die Aktangabe verzichtet werden. Jeder der drei Akte hat sieben Szenen. In Märchen, so Neuhaus, finden die „wichtigsten Symbolzahlen […] Verwendung: 3, 4, 7, 12 und 13.“ (Neuhaus 2017, 7) Hier sind es die 3 und die 7. Bei den ‚Stadtmusikanten‘ ist es die 4. Zur 12 und 13 siehe Unterabschnitt 3.1.2.2. 4 Schwindsucht war damals eine verbreitete Bezeichnung für die Tuberkulose. 5 Geburts- und Sterbejahr werden nur einmal, und zwar bei der ersten Namensnennung angeführt. Bei lebenden Personen wurde darauf verzichtet. Wenn im 6 Lienkamp: Aufstand für das Leben ser über ein anderes Märchenwesen schreibt, gilt auch für das kranke Mädchen: Sie lebe „mit Scherbenglanz und Utopie in einer Unwissenheit, die sich nicht zu schämen braucht, wenn sie Schöneres enthält als die entzauberte Welt“ (Bloch 19591980, 419). Liesken, deren ‚Universum‘ durch ihr Leiden zusammengeschrumpft ist und nur noch aus dem Bett in einer Berliner Hinterhofkammer besteht, ist mit ihrer Lektüre bei den ‚Bremer Stadtmusikanten‘ angelangt6. Da soll er weiterlesen (HvK 12. Sz., 76). Soweit ein erster und – wie noch deutlich werden wird – wichtiger Ausschnitt aus dem Theaterstück ‚Der Hauptmann von Köpenick‘ von Carl Zuckmayer (* 1896 † 1977), der sein berühmtes, vor dem Ersten Weltkrieg spielendes Bühnenwerk ‚Ein deutsches Märchen in drei Akten‘ nennt7 – ein Untertitel, den man leicht überliest und der auch den wenigsten, die das Drama kennen, bewusst ist. Worin das Märchenhafte dieses Theaterstücks besteht, wird ebenso zu ergründen sein wie die Frage, was es zu einem deutschen Märchen macht. Wir werden weiterhin sehen, dass und wie sich das ‚Schicksal‘ des preußischen Schusters in der Grimm’schen Erzählung widerspiegelt (vgl. Schmitz 2000, 393). Als ich ein kleiner Junge von vier, fünf Jahren war, gefiel mir die Geschichte von den ‚Bremer Stadtmusikanten‘ von allen Märchen mit Abstand am besten (das ist übrigens heute noch so). Auch für Rudolf Geiger (* 1908 † 1999) ist es ein „Glanzstück der Grimmschen Sammlung“ (Geiger 1982, 300). Kaum eine andere der von ihnen herausgegebenen Erzählungen „ist im Publikum so bekannt und beliebt geworden“ wie dieses Märchen (Aarne 19121967, 111). Ich konnte es in- und auswendig, so oft habe ich es mir von Folgenden Lebensdaten verstorbener Personen fehlen, so konnten diese nicht ermittelt werden. 6 Auch in Theodor Storms (1817–1888) Novelle ‚Ein Bekenntnis‘ von 1887 kommt das Grimm’sche Märchen in Verbindung mit dem Motiv des kranken Kindes vor. Else Füßli sagt zu ihrem Mann Franz Jebes, sie habe „drei kranken Kindern“ das Märchen „von den Bremer Stadtmusikanten“ vorgelesen (Storm 18872014, 217). 7 Wer mit dem berlinerischen Dialekt, alten militärischen Fachbegriffen sowie historischen Besonderheiten Preußens und des Kaiserreichs nicht vertraut ist, der bzw. dem sei der umfangreiche Wort- und Sachkommentar in Mews 1992, 20– 29 empfohlen (allerdings muss es auf S. 24 im Kommentar zu S. 50 statt „linksradikaler“ richtig ‚liberaler‘ heißen). 7 Hinführung meinen Eltern vorlesen lassen8. Das wiederholte Hören hat dem Märchen bei mir und anderen nicht geschadet: „Die einzelne Geschichte, wie oft auch erzählt, wurde nicht abgenützt, sie wurde fesselnder, farbiger, blühender. Es fielen Wendungen ins Gehör, die vorher unbeachtet blieben.“ (Geiger 1982, 11) Er habe, so sagt auch Jacob Grimm, bestimmte Quellen oft und immer wieder „vom ersten bis zum letzten buchstaben genau“ gelesen – „niemals ohne zu entdecken“ (Grimm, J. 18601879, 172)9. Wiederlesen, Relecture, aber auch Wiederhören lohnen sich also, zumal man niemals als derselbe Mensch, unter denselben Bedingungen und mit exakt derselben Fragestellung, in derselben Lebenslage und Stimmung einen Text liest oder hört (vgl. Lienkamp 2000, 520–524). Die prominente Erzählung von den vier ‚Tieren‘, die nunmehr schon seit zweihundert Jahren unzählige Menschen erfreut, wird im Folgenden darum erneut betrachtet und – vor allem aus ethischer Perspektive – kommentiert, wobei auch historische, sozialgeschichtliche, sozial- und literaturwissenschaftliche Zugänge ebenso wie Erkenntnisse der Märchenforschung berücksichtigt werden. Zugleich werden Gemeinsamkeiten mit und Unterschiede zu Zuckmayers Bühnenwerk, dem ‚Hauptmann von Köpenick‘, herausgearbeitet, das 2020/21 ebenfalls einen runden Geburtstag, nämlich seinen neunzigsten, begehen kann. Ich stimme Stefan Neuhaus zu (und schließe alle Leserinnen und unsere beiden Märchen mit ein): „Welche Deutungspotenziale der Leser (oder der Wissenschaftler als professioneller Leser) aktualisiert, bleibt ihm überlassen.“ (Neuhaus 2017, 432) Dies gilt, solange sie oder er keinen Anspruch auf Alleingültigkeit der eigenen Deutung erhebt. Es geht also darum, mit Hermann Bausinger gesprochen, „mögliche Sinnbezüge“ aufzudecken, aber 8 „In der Kinderwelt brachte es dieses Märchen rasch zu außerordentlicher Beliebtheit und Verbreitung.“ (Scherf 1987, 144) Nach dem Grund brauche man nicht lange zu suchen: „Das Schicksal eines unnütz gewordenen und übel behandelten Tieres geht dem Kind sehr nahe.“ (ebd. 146) Außerdem könnten Kinder ihre „beträchtlichen Kräfte zum Einfühlen, zum Sich-in-andere-Versetzen und zum Mitleiden“ in Grimm’schen Märchen ausleben (Messner 1988, 13). Das gilt insbesondere auch für die Erzählung von den ‚Bremer Stadtmusikanten‘. 9 Jacob Grimms (spätere) Kleinschreibung wird in diesem Buch ebenso beibehalten wie alle anderen orthografischen Besonderheiten der Originalschriften. In Zitaten in eckigen Klammern eingefügte Zusätze stammen jeweils von mir, A. L. 8 Lienkamp: Aufstand für das Leben nicht zu glauben, man könnte „den ‚eigentlichen‘ Sinn“ erfassen (Bausinger 1999, 262). „Selbst wenn eine Autorintention rekonstruierbar wäre, dann wäre damit nur eine mögliche Interpretation benannt.“ (Neuhaus 2017, 22) Schriftstellerinnen und Schriftsteller sind eben nicht automatisch privilegiert, was die Deutung ‚ihrer‘ Texte anbelangt. „Der Autor“, so Werner Frizen, sei sogar nur „in den seltensten Fällen der beste Interpret seines Werks“ (Frizen 2000, 82). Rudolf Messner fordert deshalb völlig zu Recht dazu auf, keine Deutung und keinen wissenschaftlichen Zugang absolut zu setzen: „Märchen sind […] hochkomplexe poetische Gebilde, die vielerlei Interpretationen zulassen und benötigen, sich aber vor allem in ihrer Verlebendigung und Verwandlung im Erzählen, Lesen und Aufführen vermitteln. Jeder Versuch, von einer Wissenschaft her – sei es die Literaturwissenschaft, die Psychoanalyse, die Gesellschaftstheorie, die Volkskunde oder welche Theorie immer – die Bedeutung der Märchen erschöpfend zu erklären, müsste zu ihrer Funktionalisierung und Verzweckung für selbst höchst selektive und überholbare Standpunkte führen. Dies ist ja das Schöne an Literatur und Märchen, dass sie für neue Sinnerfahrungen offen bleiben.“ (Messner 1988, 15)10 Von daher können und wollen meine Interpretationen, die auf dem ethischen Fundament von Gerechtigkeit, von Freiheit, Gleichheit und Solidarität, von Menschenwürde und Menschenrechten gründen, Anregungen geben und Deutungsmöglichkeiten aufzeigen, nicht um die Lust am Text „abzutöten, sondern um sie zu vergrößern“ (Neuhaus 2017, 51). In seinem Buch über Jacob Grimm aus dem Jahr 1885 sieht Wilhelm Scherer in einigen deutschen, besonders auch Grimm’schen Märchen „Motive der christlichen Sittenlehre“, sprich: der christlichen Ethik am Werk (Scherer 1885, 107). Das trifft auch auf Zuckmayers Drama zu, wobei ich das Adjektiv nicht in einem exklusiven Sinn verstehe: Der religiös-kulturelle Hintergrund beider Märchen ist zwar der christliche, wie wir noch sehen werden, aber die zentralen ethischen Anliegen der Texte sind universalisierbar. Tatsächlich faszinieren die Geschichten von den ‚Bremer Stadtmusikanten‘ und vom ‚Hauptmann von Köpenick‘ bis heute Millionen von Menschen vieler, vielleicht auch aller Nationen, Kulturen und Religionen rund um 10 Oder, wie Neuhaus schreibt: „Das ist das Ärgerliche und zugleich das Schöne an der Literatur: Sie ist so deutungsoffen wie das Leben selbst.“ (Neuhaus 2017, 23) 9 Hinführung den Globus. Nicht umsonst gibt es von ihnen zahlreiche Buchfassungen, verschiedenste literarische und musikalische Rezeptionen, Bühnenstücke, Inszenierungen, Verfilmungen, Hörspiele, Plastiken, Bilder, aber auch Münzen, Briefmarken, Postkarten, Merchandising-Artikel, Souvenirs und anderes mehr – nicht nur in Deutschland, sondern auch in unzähligen weiteren Staaten. Selbst in der Produktwerbung und im Stadtmarketing, natürlich insbesondere in Bremen und Berlin, haben sie ihren festen Platz. Oftmals reicht es, die Überschriften oder wichtige Stichworte der Texte zu erwähnen, und die allermeisten wissen, was im Kern gemeint ist. Das können zwei Zitate aus Plenardebatten des Deutschen Bundestags exemplarisch belegen: Märchen ‚Die Bremer Stadtmusi-kanten‘ ‚Der Hauptmann von Köpenick‘ Gegenstand „Beschäftigungspolitische Verantwortung der Bundesregierung bei der Deutschen Telekom AG“ „Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes […] zur Erleichterung des Arbeitsmarktzugangs für Asylbewerber und geduldete Ausländer“ Abgeordneter Klaus Ernst, MdB (DIE LINKE) Rüdiger Veit (SPD) Zitat „Ein Unternehmen, in dem Belegschaft und Vorstand so zerstritten sind, hält nicht mehr zusammen. Da kommt nichts mehr bei raus. Die Bremer Stadtmusikanten haben die Räuber in die Flucht schlagen können, solange sie einheitlich aufgetreten sind. Allerdings stand bei den Bremer Stadtmusikanten der Esel zuunterst. Das scheint mir bei diesem Konzern anders zu sein. (Heiterkeit und Beifall bei der LINKEN)“ „Wenn der vorliegende Entwurf Gesetz wird, wird die Dauer des Arbeitsverbotes (für Asylbewerber und Geduldete) in Zukunft auf 3 Monate verkürzt. Die Betreffenden sind damit in der Lage, sich und ihre Familien selbst zu versorgen. Wenn uns das gelingt, dann gelingt uns zugleich auch die Durchbrechung eines Teufelskreises in anderer Hinsicht; denn bei vielen, die hier zwar nicht als Flüchtlinge oder Asylberechtigte anerkannt werden, die aber nicht abgeschoben werden oder ausreisen können, ist es heute noch immer […] wie beim Hauptmann von Köpenick: Wenn du keinen Aufenthaltstitel hast, bekommst du keine Arbeit. Wenn du keine Arbeit hast, bekommst du keinen Aufenthaltstitel. – Auch diesen Teufelskreis werden wir durchbrechen, wenn die betroffene Personengruppe nach drei Monaten den Arbeitsmarktzugang haben wird.“ 10 Lienkamp: Aufstand für das Leben Märchen ‚Die Bremer Stadtmusi-kanten‘ ‚Der Hauptmann von Köpenick‘ Quelle Plenarprotokoll der 99. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages vom 23.5.2007, Plenarprotokoll 16/99, 10105, Berlin 2007, http://dip21.bundestag. de/dip21/btp/16/16099.pdf Plenarprotokoll der 40. Sitzung des 18. Deutschen Bundestages vom 6.6.2014, Plenarprotokoll 18/40, 3493, Berlin 2014, http://dip21.bundestag.de/dip21/ btp/18/18040.pdf Tabelle 1: Märchenzitate in Sitzungen des 16. und 18. Deutschen Bundestages in den Jahren 2007 und 2014 Zum Schluss dieser Hinführung sei noch kurz der Aufbau des Buches erläutert. In Kapitel 1 werde ich mich mit der Frage der Autorenschaft, mit dem Begriff und Charakter des Märchens, mit den historischen Quellen und ihren Bearbeitungen durch die Grimms und Zuckmayer, mit den vorliegenden Textgattungen, den handelnden Personen, der Struktur der beiden Erzählungen sowie ihrer raum-zeitlichen Verortung befassen. Bei all dem stellt sich bereits heraus, was dann in Kapitel 2 näher untersucht werden wird, dass es sich nämlich bei beiden Texte um Geschichten handelt, in denen die Ausschließung von Menschen der Auslöser für die Ereignisse ist. Kapitel 3 beleuchtet anschließend das Geschehen, das in beiden Märchen jeweils in drei Schritten beziehungsweise Akten erzählt wird, die ich mit Überleben, Weiterleben und Gutes Leben überschrieben habe. Überraschend ist, wie viele Berührungspunkte es zwischen den beiden Erzählungen und ihren Autoren gibt, wobei sich das meiste biografisch erst ereignet hat, als die Texte längst abgeschlossen und veröffentlicht sind. Das wird Gegenstand von Kapitel 4 sein. Nicht nur die Hauptpersonen, auch unsere drei Schriftsteller sind für das Leben wie für die Verwirklichung humaner Lebensbedingungen aufgestanden und haben aus Überzeugung Stellung bezogen, was unter den damaligen Herrschaftsverhältnissen nicht folgenlos bleiben kann. Entlassung, Veröffentlichungs- und Aufführungsverbot, Vertreibung, Enteignung, Flucht, Bücherverbrennung und Exil sind einige der bitteren Konsequenzen, die sie zu tragen haben. Da sowohl für die Brüder Grimm als auch für Zuckmayer Sprache und Heimat von gro- ßer Bedeutung sind, schließen Abschnitte zu diesem Komplex die beiden Unterkapitel 4.1 und 4.2 ab. Das ganze Kapitel zeigt immer wieder Haltungen und Positionen der Dichter auf, aus denen wichtige Orientierungen abgeleitet werden können. Darüber hinausgehende zentrale Botschaften 11 Hinführung werden dann in Kapitel 5 vorgestellt: Zur Sprache kommen die Stärke kooperierender ‚Schwacher‘, der Vorrang von humaner Moralität vor herrschender Legalität, der Primat des Menschen vor dem Profit, die Kritik der herrschenden ‚Ordnung‘, das politische Anliegen der Dichtung, die Zurückweisung von Militarismus, Autoritarismus und Uniformfetischismus sowie von Faschismus und Krieg, die Notwendigkeit rechtzeitigen Widerstands und einer streitbaren Demokratie sowie die Bedeutung von Märchen als befreiende Sozialutopien. Das kurze Kapitel 6 richtet aufgrund der gegenwärtigen politischen Lage in Deutschland und Europa, in der rechtspopulistische Parteien immer mehr Zulauf haben und Einfluss nehmen, den Blick auf eine besondere Inszenierung des ‚Hauptmann von Köpenick‘ an einem ostdeutschen Theater, die erhebliche Konflikte auslöste. Nicht zuletzt wird ein Resümee der Untersuchung präsentiert, bevor dann Verzeichnisse der verwendeten Literatur, der erwähnten Personen, der Abkürzungen, Abbildungen und Tabellen sowie ein Anhang das Buch beschließen. In diesem werden vier Texte wiedergegeben, die überwiegend schwer zugänglich und für den vorliegenden Zusammenhang sehr hilfreich sind: erstens ein Auszug aus Georg Rollenhagens (* 1542 † 1609) Epos ‚Froschmeuseler‘, das möglicherweise für die ‚Bremer Stadtmusikanten‘ Pate stand, zweitens die hier verwendete erste veröffentlichte Fassung dieses Grimm’schen Märchens von 1819, drittens Carl Zuckmayers Beitrag ‚Ein deutsches Märchen‘ aus dem Programmheft des ‚Deutschen Theaters‘ von 1931 sowie viertens ein bislang unveröffentlichtes Interview mit dem Autor aus dem Jahr 1954.

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Schlagworte

Militarismus, Carl Zuckmayer, Gebrüder Grimm, Faschismus, Exklusion, Utopie, Widerstand, Ethik, Kooperation

References

Zusammenfassung

Vor 200 Jahren veröffentlichten Jacob und Wilhelm Grimm das Märchen ‚Die Bremer Stadtmusikanten‘, die weltweit beliebte Erzählung über das rebellische Quartett aus dem Norden. Sie erscheint erstmals im November 1819 in ihrer Sammlung der ‚Kinder- und Haus-Märchen‘ – neben der Lutherbibel das bekannteste Werk der deutschen Kulturgeschichte.

Carl Zuckmayer ist zeitlebens ein Verehrer der gelehrten Brüder. Im Jahr 2020 jährt sich zum 90. Mal die Fertigstellung seiner berühmten Tragikomödie ‚Der Hauptmann von Köpenick‘, die 1931 in Berlin uraufgeführt wird und immer wieder bemerkenswerte Neuinszenierungen erlebt. Für den Dramatiker ist es ‚Ein deutsches Märchen‘.

Wie die beiden zeitlos aktuellen, politisch brisanten Geschichten zusammenhängen und was darüber hinaus ihre Autoren untereinander und mit den beiden Texten verbindet, darüber gibt der vorliegende Band Auskunft, der wie die vier tapferen Tiere und der couragierte Hauptmann zu einem Aufstand für das Leben ermutigen und motivieren will.

Schlagworte

Militarismus, Carl Zuckmayer, Gebrüder Grimm, Faschismus, Exklusion, Utopie, Widerstand, Ethik, Kooperation