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Sarah Dregger

Wirkung durch Dokumentationen visualisieren

Aktuelle Herausforderungen für die Soziale Arbeit

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4382-0, ISBN online: 978-3-8288-7366-7, https://doi.org/10.5771/9783828873667

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Soziale Arbeit, vol. 4

Tectum, Baden-Baden
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Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag Reihe Soziale Arbeit Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag Reihe Soziale Arbeit Band 4 Sarah Dregger Wirkung durch Dokumentationen visualisieren Aktuelle Herausforderungen für die Soziale Arbeit Tectum Verlag Sarah Dregger Wirkung durch Dokumentationen visualisieren. Aktuelle Herausforderungen für die Soziale Arbeit © Tectum – ein Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2020 E-Book: 978-3-8288-7366-7 (Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Werk unter der ISBN 978-3-8288-4382-0 im Tectum Verlag erschienen.) Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag, Reihe: Soziale Arbeit; Bd. 4 ISSN 2629-2211 Alle Rechte vorbehalten Informationen zum Verlagsprogramm finden Sie unter www.tectum-verlag.de Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar. Bibliographic information published by the Deutsche Nationalbibliothek The Deutsche Nationalbibliothek lists this publication in the Deutsche Nationalbibliografie; detailed bibliographic data are available online at http://dnb.ddb.de. V Vorwort Die aktuelle Care-Krise – der steigende Bedarf an Sorgeleistungen vor allem für die wachsende Zahl Hochaltriger auf der einen Seite und auf der anderen Seite schrumpfende Care-Ressourcen im familialen Bereich – wird die ambulante Versorgung an Grenzen führen. Stationäre Einrichtungen der Altenpflege werden deshalb in Zukunft trotz des im Pflegeversicherungsgesetz verankerten Grundsatzes des Vorrangs ambulanter Versorgung nicht an Bedeutung verlieren. Altenpflegeheime haben sich in den letzten Jahrzehnten stark ver- ändert. Mit der seit den 1960er Jahren in der Gerontologie einsetzenden Perspektivverschiebung von der Defizitthese des Alter(n)s hin zu multidimensionalen, multidirektionalen, kompetenz- und ressourcenorientierten Betrachtungen des Alter(n)s wandelte sich das Selbstverständnis von Pflegeheimen. Die vormals primär medizinisch-pflegerisch, am Vorbild von Krankenhäusern orientierten Einrichtungen entwickelten Leitbilder, die das Heim als Ort des Wohnens und Lebens von älteren Bürger*innen gestalten. Damit fanden neue fachliche Grundsätze wie Lebensweltorientierung, Normalisierung, Sozialraumorientierung, Partizipation u.v.m. Eingang in die Konzeptionen der Heime. In der Folge wurden ab den 1970er Jahren vermehrt Sozialdienste geschaffen und Fachkräfte der Sozialen Arbeit eingestellt. Heute ist neben der pflegerischen Versorgung die soziale Betreuung im Pflegeversicherungsgesetz als Bestandteil der Leistungen von Pflegeheimen verankert, jedoch regeln weder das SGB XI noch die Landespflegegesetze, welche berufliche Qualifikation für den Bereich der sozialen Betreuung erforderlich ist. Somit teilt sich die Soziale Arbeit das Aufgabenfeld mit unterschiedlichen Berufsgruppen und steht vor der Herausforderung, die eigene Zuständigkeit und die spezifischen Beiträge nachhaltig zu legitimieren. Die Projektgruppe ‚Soziale Arbeit in Pflegeeinrichtungen‘ der Deutschen Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen e.V. (DVSG) betrachtet professionelle Soziale Arbeit als Beitrag zu einer ganzheitlichen Pflege und Versorgung im Heim. Soziale Arbeit habe das Ziel, zur Befriedigung der geistigen, seelischen, sozialen und körperlichen Bedürfnisse der Bewohner*innen beizutragen (vgl. DVSG o. J.). Frau Dregger schaltet sich mit ihrer empirischen Studie in die Diskussion um den Stellenwert Sozialer Arbeit in Pflegeheimen ein. Sie vertritt die These, die Profession könne sich nur über eine Aufwertung im Handlungsfeld der stationären Altenpflege etablieren und das eigene Potenzial entfalten, wobei Aufwertung den Nachweis der Wirkungen VI der Arbeit voraussetze. Konkret hat sie die Frage untersucht, inwiefern Dokumentationen des Sozialen Dienstes geeignet sind, Wirkungen innerhalb des Handlungsfeldes sichtbar zu machen, und welche Kriterien für die Wirkung Sozialer Arbeit maßgeblich sind, aus Sicht der Professionsangehörigen und vom Standpunkt der Pflege aus. Hierzu sind Expert*inneninterviews mit einer Sozialarbeiterin und der Pflegedienstleitung einer stationären Altenpflegeeinrichtung geführt worden. Die Auswertung ist qualitativ inhaltsanalytisch mit deduktiv an das Material herangetragenen Hauptkategorien und induktiv erschlossenen Subkategorien. Die Ergebnisse der Studie belegen ein spezifisches Verständnis von Wirkungen, bei dem das, was als Wirkung gelten soll, nicht etwa von außen in das Handlungsfeld hereingetragen wird, sondern kommunikativ zwischen den beteiligten Akteur*innen auszuhandeln ist. Hier zeigt sich ein Wirkungsverständnis, welches dem beruflichen Selbstverständnis Sozialer Arbeit entspricht. Soziale Hilfen sind demnach stets eine Ko-Produktion von Fachkräften und Adressat*innen, die in jeder Phase des Hilfeprozesses auszuhandeln ist. Die Soziale Arbeit bringt für diese Aushandlungen ein breites Spektrum an methodischem Handeln ein – methodisches Handeln mit Hiltrud von Spiegel verstanden als professionsspezifisches Wissen, Können und Haltung (vgl. von Spiegel 2018). Prof. Dr. Luitgard Franke Dortmund, im August 2019 VII Inhaltsangabe Zusammenfassung Die Gründe für das Interesse daran, wie die Wirkung der Sozialen Arbeit dargestellt und ‚gemessen‘ werden kann, sind vielfältig. Neben der wachsenden Notwendigkeit, sozialarbeiterische Handlungen gegenüber den Kostentragenden zu legitimieren, ist es nicht zuletzt die Debatte um Professionalisierung, die in diesem Zusammenhang Aufwind erhält. Ein Handlungsfeld, in dem ebendiese Professionalisierung von aktueller Präsenz ist, ist das der stationären Altenhilfe. Um einen Einblick in die Praxis dieses Handlungsfeldes – insbesondere im Hinblick auf die Möglichkeiten, durch Dokumentationen Wirkung zu visualisieren – zu bekommen, wurde eine qualitative Forschungsstudie durchgeführt. In diesem Rahmen wurden eine Fachkraft der Sozialen Arbeit und eine Pflegefachkraft einer stationären Altenpflegeeinrichtung interviewt. Die auf der Auswertung dieser Interviews basierenden Ergebnisse lassen den Schluss auf folgende Kernaussage zu: Um Wirkung durch Dokumentationen zu visualisieren, dürfen Letztere nicht für sich stehen. Die Reflexion und Evaluation der geschriebenen Worte im Rahmen eines kommunikativen Austausches der Mitarbeiter*innen untereinander sind sowohl maßgebend für eine spezifische Definition dessen, was Wirkung meint als auch und in Folge dessen, wie Wirkung durch Dokumentationen darstellbar und aus diesen ersichtlich ist. Abstract The reasons for the interest in how to illustrate and quantify the effects of Social Work are manifold. Besides the increasing necessity of legitimating the social workers’ operation towards it’s cost units it is not at least the debate of professionalisation becoming a priority in this relation. The stationary work with elderly is a field of action where this very professionalisation is currently present. To get an insight of the field’s practice – especially in terms of the possibilities to visualize effects with documentations – a qualitative research study was performed. Within this context a professional of social work and a qualified nurse were interviewed. The results being grounded on the analysis of those interviews lead to the following central statement: To visualize effects with documentations, latter must not be seen individually. The reflexion and evaluation of written words by a communicative exchange are both determinative of a specific definition of what having an effect means and how effects can be illustrated and made evident by documentations. IX Inhaltsverzeichnis Vorwort ...................................................................................... V Inhaltsangabe ...........................................................................VII Inhaltsverzeichnis ..................................................................... IX Abbildungsverzeichnis .............................................................. XI Abkürzungsverzeichnis .......................................................... XIII Einleitung ....................................................................................1 1. Wirkung – viele Bezeichnungen, eine Bedeutung? ............. 9 1.1 Einordnung des Wirkungsbegriffes in die Komplexität der (vermeintlichen) Synonyme ............................................................... 9 1.2 Wer wirkt wie wodurch worauf? Die verschiedenen Ebenen der Wirkung Sozialer Arbeit ............................................................ 13 2. Instrumente der Wirkungsmessung ................................... 17 2.1 Die Anwendbarkeit des Begriffes der ‚Messung‘ und der Alternativbegriff ‚Evaluation‘ – Grundlagen der Prüfbarkeit von Wirkung ...................................................................................... 18 2.2 Akten und Dokumentationen als Grundlage der Wirkungsevaluation .......................................................................... 21 2.2.1 Form- und Funktionsdiversität sozialarbeiterischer Dokumentationen ................................................................ 22 2.2.2 Dokumentationen als Abbildungen der Realität und Eingriffe in die Wirklichkeit – Professionelle Anforderungen und alltägliche Überforderungen ........... 25 2.2.3 Standardisierung – Eine notwendige Bedingung für eine individuelle Handlungsbasis der Sozialen Arbeit unter der hinreichenden Bedingung der Reflexion.......... 30 2.3 Evidenzbasierung der Sozialen Arbeit – Grundlage für die Erkenntnis ‚echter‘ Wirksamkeit oder Mittel der Kontrolle und Rationalisierung? ....................................................................... 35 3. Soziale Altenarbeit in der Stationären Altenhilfe ............... 39 3.1 Diversität des Alter(n)s – Chancen und Hindernisse im Hinblick auf einen gelingenden Altersprozess .............................. 39 X 3.2 Soziale Altenarbeit – Etablierung zwischen Daseinsnotwendigkeit und Profilierungsdefizit ............................ 44 3.3 Aufgaben und Interventionen des Sozialen Dienstes – Wirkungsfelder der Sozialen Altenarbeit ........................................ 46 3.3.1 Aktenführung im Sozialen Dienst – Neue Formen des Dokumentierens und der Qualitätsprüfung ..................... 48 3.3.2 Der Capability Approach als ein auf die Arbeit des Sozialen Dienstes übertragbarer Ansatz der Wirkungsevaluation ............................................................. 53 4. Wirkungsvisualisierung durch Dokumentationen – Eine einblickgebende Studie ...................................................... 57 4.1 Der Zugang zum Feld, die Struktur des Samplings und damit verbundene Herausforderungen ..................................................... 57 4.2 Das Expert*inneninterview als Erhebungsmethode einer bereichsübergreifenden Studie ........................................................ 61 4.3 Erläuterung und Begründung der qualitativen Inhaltsanalyse als Auswertungsmethode der vorliegenden Forschungsarbeit .... 64 5. Ergebnisse der empirischen Forschung ............................. 69 5.1 Die ersten Fallzusammenfassungen basierend auf den jeweiligen Expert*inneninterviews .................................................. 69 5.2 Zusammenstellung und Vergleich der Ergebnisse aus den Interviews mit der Fachkraft des Sozialen Dienstes und der Pflegefachkraft .................................................................................. 71 6. Diskussion der Ergebnisse vor dem theoretischen Hintergrund dieser Arbeit .................................................. 89 7. Reflexion und Fazit der vorliegenden Forschungsarbeit ... 97 Literaturverzeichnis ................................................................. 103 Anhänge .................................................................................... 113 Anhang 1: Leitfaden Expert*inneninterview mit Frau S. ................... 113 Anhang 2: Leitfaden Expert*inneninterview mit Frau P. ................... 117 Anhang 3: Finales gesamtes Kategoriensystem ................................... 121 Anhang 4 Zuordnung der Dimensionen und Capabilities ................. 135 XI Abbildungsverzeichnis Abb. 1 Gesamtheitliche Betrachtungsweise von Wirkung (eigene Darstellung) ................................................................................... 21 Abb. 2 Funktionen von Dokumentationen und ihre Nutzer*innen (eigene Darstellung in Anlehnung an Geiser 2009a, S. 30f. und Reichmann 2016, S. 37ff.) .............................................................................................. 23 Abb. 3 „4-phasiger und sechsphasiger Pflegeprozess“ [Formatanpassungen der Grafik durch d. V.] (Beikirch et al. 2017, S. 62) .............................. 51 Abb. 4 Code-Matrix zur HK Erfolg und den zugehörigen SK (eigene Darstellung)................................................................................................. 78 Abb. 5 Code-Überschneidungs-Modell (eigene Darstellung mithilfe von MAXQDA Analytics Pro 2018) .............................................................. 88 XIII Abkürzungsverzeichnis AEDL Aktivitäten und Existenzielle Erfahrungen des Lebens EBP Evidenzbasierte Praxis D. V. Die Verfasserin Frau P. Interviewte Pflegefachkraft Frau S. Interviewte Sozialarbeiterin GG Grundgesetz HK Hauptkategorie I. Interviewerin MDK Medizinischer Dienst der Krankenkassen SGB Sozialgesetzbuch SIS® Strukturierte Informationssammlung SK Subkategorie 1 Einleitung Die Ökonomisierung hält zunehmend Einzug in eine Profession1, deren Kern weit entfernt zu sein scheint von Marktsteuerung, Profitorientierung und Effizienzdenken. Dass dem wirtschaftlichen Handlungswissen in der Sozialen Arbeit dennoch eine elementare Bedeutung zukommt, ist mittlerweile unbestreitbar. Insbesondere die Wohlfahrtsverbände agieren im Kontext des sozialpolitischen Dreiecksverhältnisses als Teile der Sozialen Marktwirtschaft. Als Leistungstragende sind sie aktuell mehr denn je gefordert, die Anwendung von sozialarbeiterischen Maßnahmen gegenüber ihren Kostentragenden zu rechtfertigen, um die Ressourcen zu erhalten, die für die Arbeit mit den Leistungsempfangenden notwendig sind. Die „Begrenzung von Ausgaben bei (i. d. R.) steigenden Bedarfen“ (Dahme/Wohlfahrt 2015, S. 93) formt diese Rechtfertigungsnotwendigkeit zu einer Grunddebatte um die Legitimation Sozialer Arbeit. Diese zieht wiederum weitere Diskurse nach sich: Um Soziale Arbeit legitimieren zu können, sind Indikatoren notwendig, anhand derer Erfolg bestimmt werden kann und Instrumente, die sich zur Überprüfung dieser Indikatoren eignen. Dass eine ‚Messung‘ des Erfolges sozialer Dienstleistungen nicht durch die simple Übertragung von Instrumenten des Managements vollzogen werden kann, liegt insbesondere in der qualitativen Zielsetzung sozialarbeiterischer Maßnahmen begründet. Dazu kommt, dass per se keine homogene Definition des Erfolgsbegriffes in der Sozialen Arbeit existiert. Sowohl die Heterogenität der 1 Die Bezeichnung der Sozialen Arbeit als Profession ist nicht unumstritten. Kritiker*innen schreiben der Sozialen Arbeit – im Gegensatz zu seit längerer Zeit etablierten Professionen wie der Medizin und der Psychologie – unter anderem einen Mangel an einer Berufung ihrer Praxis auf eine einheitliche, theoretische Wissensgrundlage zu (vgl. Staub-Bernasconi 2009, S. 25). Im Kontext dieser Argumentation wird jedoch nicht beachtet, was sich insbesondere im Zuge der Akademisierung Sozialer Arbeit widerspiegelt. Ein Kernkriterium dessen, was eine Profession ausmacht, erfüllt die Soziale Arbeit auch und besonders durch ihre Wandelbarkeit: Die ständige Reflexion praktischer Handlungsweisen vor dem Hintergrund sich weiterentwickelnder, wissenschaftsbasierter Theorien (vgl. Dewe/Otto 2012, S. 209). Aner benennt ebendies als das „ ‚Professionswissen‘ “ (Aner 2017, S. 432) Sozialer Arbeit. An dieser Stelle einen umfassenden Einblick in die Debatte um den Professionsstand Sozialer Arbeit zu geben, ist weder Ziel der vorliegenden Arbeit noch reichte eine Fußnote aus, um den umfassenden Argumentationen, die an diese gebunden sind, gerecht zu werden. Vielmehr wird die Debatte in ihrer besonderen Relevanz für die Wirkungsthematik Sozialer Arbeit im Verlauf dieser Arbeit aufgegriffen – und dabei die Bezeichnung der Sozialen Arbeit als Profession als Grundlage angenommen. 2 Handlungsfelder als auch die Spezifika eines jeden Falles schließen eine absolute Begriffsbestimmung aus (vgl. Roder 2011, S. 101f.). Möglichkeiten, sich der Herausforderung der Evaluation Sozialer Arbeit dennoch zu stellen, finden sich einerseits in der Anpassung von Managementinstrumenten auf die Soziale Arbeit wieder. Das Qualitätsmanagement ist hierfür ein verbreitetes Exempel. Aus wissenschaftsund professionstheoretischer Perspektive eröffnen sich zudem neue Chancen durch die Weiterentwicklung der Wirkungsforschung im Kontext der sogenannten evidenzbasierten Sozialen Arbeit. „Die Identifikation von Wirkungen […] und […] das Ziel, die Praxis auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse über die Wirksamkeit einzelner Interventionen anzuleiten“ (Albus/Greschke/Klingler/Messmer/Micheel/Otto/Polutta 2010, S. 19) lässt Kritiker*innen jedoch erneut aufhorchen. Neben der Angst, dass Interventionen, deren Wirksamkeit nur bedingt evaluierbar ist – beispielsweise auf Grund des Klient*innenschutzes innerhalb eines Frauenhauses – im Rahmen einer Evidenzbasierung zurückstehen müssten, sehen sie die Gefahr des Werteverlustes und der asymmetrischen Prioritätenverschiebung von einer Klient*innen- zur Wirtschaftsorientierung durch eine Entwicklung einer „ökonomistische[n] Sozialarbeit“ (Mühlum 2009, S. 12). Im Kontext des Professionsverständnisses lassen Kritiker*innen jedoch eine Bedeutsamkeit außer Acht: Die eingeforderte Klient*innenorientierung kann erst durch Steuerungsprozesse wie Qualitäts- und Effektivitätskontrollen handlungsfeldspezifischer Zielsetzungen und Maßnahmen möglich gemacht und besonders: weiterentwickelt werden. Wenngleich die Soziale Arbeit durch den Anspruch, ihre Maßnahmen und Interventionen zu rechtfertigen, einem wachsenden Druck standhalten muss, so liegt darin ebenso die Chance, Handlungsweisen nach innen zu reflektieren und ihre Relevanz nach außen hin sichtbar zu machen. Im Verständnis der Sozialen Arbeit als Profession kommt dieser Tatsache besondere Bedeutung zu. Eine Profession die rein emotionsbasiert handelt, ohne sich selbst, ihr Wissen, ihre Haltung und somit ihr Wesen fortlaufend zu überprüfen, erfüllt einen maßgebenden definitorischen Anspruch nicht (vgl. Mühlum 2009, S. 14ff.). In diesem Hinblick rückt die Notwendigkeit der Qualitäts- und Wirkungsevaluation zusätzlich zur Legitimationsdebatte in den Fokus der Verfestigung des Professionsanspruches Sozialer Arbeit. Insbesondere in Handlungsfeldern, in denen sich die Soziale Arbeit erst als Profession etablieren 3 muss, nimmt die Debatte um Qualität, Erfolg und Wirkung einen besonderen Stellenwert ein. Ein Beispiel für ein solches Handlungsfeld ist die Soziale Altenarbeit. Diese findet zunehmend in der offenen und ambulanten Altenhilfe Anklang, ist jedoch in stationären Pflegeeinrichtungen bislang unterrepräsentiert. Im Jahr 2015 wiesen lediglich 4.862 von insgesamt 79.111 Beschäftigten aller deutschen stationären Pflegeeinrichtungen, die in der sozialen Betreuung bzw. der zusätzlichen sozialen Betreuung nach § 87b SGB XI (heute nach §§ 43b, 53c SGB XI) tätig waren, eine sozialpädagogische/-arbeiterische Ausbildung auf (vgl. Statistisches Bundesamt 2017, S. 25). Ein Grund für diese Zahlen ist zum einen, dass Soziale Arbeit im Arbeitsfeld der stationären Altenhilfe noch ein relativ junges Phänomen ist. Erst ein Paradigmenwechsel in den 1970er Jahren gab den entscheidenden Anstoß für die Integrierung der zuvor als Gegenpol zur klassischen Altenhilfe fungierenden sozialen Altenarbeit in diese (vgl. Steiner 1998, S. 344). Die strikte Trennung der beiden Ausrichtungen ergab sich durch unterschiedliche Zielsetzungen. Die klassische Altenhilfe war geprägt von einer Fürsorge- und Versorgungsmentalität. Diese resultierte aus dem damaligen Bild des Alterns als Degenerationsprozess physischer, psychischer und sozialer Fähigkeiten, das sich insbesondere in Wechslers Defizitmodell wiederfindet (vgl. Erhardt 2014, S. 42). Dabei lag der Fokus der Unterstützung hauptsächlich auf biomedizinischer Ebene und oblag somit den medizinischen und pflegenden Berufen. Die Soziale Arbeit bildete sich unter dem Namen soziale Altenarbeit mit einer entgegengesetzten Orientierung an einem „ganzheitlichen und emanzipatorischen Ansatz“ (Pohlmann 2011, S. 19) heraus. Diese Trennschärfe ist heute nicht mehr erkennbar. Mit dem (demographischen) Wandel der Gesellschaft veränderten und verändern sich fortwährend auch die Altersbilder. In deren Zentrum stehen Ansätze wie Empowerment und Ressourcenorientierung, die von einer über das kalendarische Alter hinausgehenden, vielschichtigen Alterskategorisierung getragen werden (vgl. Pohlmann 2011, S. 106ff.). Nachdem ein „Anspruch auf zusätzliche Betreuung und Aktivierung“ in stationären Altenpflegeeinrichtungen in § 43b des SGB XI fest verankert wurde, ist es nun an der Sozialen Arbeit, sich in diesem Sinne in der Altenhilfe zu etablieren. Denn im Hinblick auf eine ganzheitliche Betrachtungsweise kann die Soziale Arbeit als Profession in der stationären Altenhilfe eine besondere Rolle neben medizinisch ausgerichteten Berufen einnehmen. 4 Doch eine solche Etablierung ist nicht reibungslos machbar. Ein weiterer Grund für den geringen Beschäftigungsanteil an Sozialarbeiter*innen in der stationären Altenhilfe macht dies deutlich: Das Image des Arbeitsfeldes leidet. Kritiken über die Abläufe stationärer Altenpflegeeinrichtungen gehen mit einem von Personalmangel und belastenden Arbeitsverhältnissen geprägten Bild einher. Dazu kommen Vorurteile über die Leistungsfähigkeit der Profession selbst (vgl. Pohlmann 2011, S. 48f.). Dass Soziale Arbeit innerhalb einer stationären Pflegeeinrichtung mehr werden kann und ist als Geschichtenvorlesen, nämlich ein Repertoire von Aufgaben struktureller Art wie der Organisation von Heimaufnahmeprozessen bis zu solchen beziehungssystemischer Art wie der Beratung und Begleitung von Angehörigen und Ehrenamtlichen, geht teils unter (vgl. Falkenroth 2011, S. 348f.). Umso bedeutender ist die eingangs erwähnte Debatte um Legitimation und Wirkungsevaluation in diesem Handlungsfeld. Um Soziale Arbeit zu etablieren und ihr Potenzial in diesem Handlungsfeld entfalten zu können, ist eine Aufwertung ihrer Arbeit maßgeblich. Und dies kann nur durch die Repräsentativität ihrer Wirkung möglich gemacht werden. Deutlich wird dieser Umstand im Hinblick auf den Regelkreis von Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität. Letztere ist sowohl als Resultat der Güte fachlich kompetenter Arbeit im Sinne der Prozessqualität anzusehen als auch als Voraussetzung für die Erlangung von Strukturqualität. Im Sinne der Rechtfertigung sozialarbeiterischer Leistungen zum Zwecke der Ressourcenzuteilung können demnach nicht nur Arbeitsprozesse und -ergebnisse nur so gut sein, wie es die Mittel erlauben, sondern Prozess- und Ergebnisqualität fördernde Rahmenbedingungen überhaupt erst erreicht werden, wenn es der Nachweis der Ergebnisqualität erlaubt (vgl. Merchel 2015, S. 11f). In den Sozialen Diensten, in denen sich Soziale Arbeit in stationären Altenpflegeeinrichtungen hauptsächlich organisiert, bilden Dokumentationen den Kern dieser Nachweisabbildung und haben somit die Legitimations- und Evaluationsfunktion inne (vgl. Reichmann 2016, S. 41f.). Unumstritten ist die Führung von Dokumentationen nicht. Sowohl der zeitliche Aufwand, hinter dem die methodische Umsetzung zurückfalle als auch eine fachlich angemessene, standardisierte Aufzeichnung von Zielsetzungen, Prozessen und Ergebnissen der Arbeit zwischen Bewohner*innen und Fachkraft lassen sich als Herausforderungen aufzeigen (vgl. Klug 2009, S. 12ff.). Eignen sich Dokumentationen also für den Alltag eines Sozialen Dienstes? Ist es möglich, die Leistung, den Erfolg und besonders: die 5 Wirkung der Sozialen Arbeit durch diese abzubilden? Oder liegt in der Dokumentation umgekehrt die Macht, aus Arbeit auf niedrigem Qualitätsniveau fachlich fundierte, hochwertige Tätigkeiten zu formen? Ebendiesen Themen gilt das in dieser Arbeit behandelte Forschungsinteresse. Als leitend dient dabei folgende Fragestellung: Inwiefern sind Dokumentationen des Sozialen Dienstes einer stationären Altenpflegeeinrichtung geeignet, um die Wirkung der Sozialen Arbeit innerhalb dieses Handlungsfeldes sichtbar zu machen? Welche Kriterien für die Wirkung der Sozialen Arbeit sind dabei einerseits aus der Perspektive dieser selbst und andererseits vom Standpunkt der Pflege aus maßgebend? Diese Fragestellung soll nicht allein in Bezug auf die zu untersuchende Bedeutung von Dokumentationen für die Legitimation der Sozialen Arbeit in der stationären Altenhilfe untersucht werden, sondern auch im Hinblick auf das professionelle Selbstverständnis einer sich in einem von Interdisziplinarität geprägten Handlungsfeld etablierenden Sozialen Arbeit (vgl. Klie/Schmidt 1998, S. 301). Um sich dieser Leitidee anzunähern, wurde eine qualitative Studie in einer stationären Pflegeeinrichtung eines Wohlfahrtsverbandes durchgeführt. In diesem Rahmen wurden zum Zwecke des Vergleichs unterschiedlicher Perspektiven auf die Wirkungsthematik zwei Expert*inneninterviews durchgeführt. Im Fokus stand jeweils die Erfragung von persönlichen und fachlichen Zielsetzungen und den Kriterien für Erfolg und Wirkung Sozialer Arbeit im allgemeinen Bezug und im Hinblick auf den konkreten Fall einer Bewohnerin. Ebenso war das Ziel, Erkenntnisse über die Art und Weise der Dokumentation des Sozialen Dienstes der Einrichtung und diesbezügliche Möglichkeiten der Wirkungsabbildung zu gewinnen. Anhand der vorliegenden Forschung wurde und wird dabei nicht der Anspruch erhoben, repräsentative Aussagen zu treffen oder gar eine allgemeingültige Theorie aufzustellen. Vielmehr steht im Mittelpunkt, einen Anstoß für eine weiterführende Diskussion über die Güte von Dokumentationen als Abbildungen von Wirkungen Sozialer Arbeit und Basis der Evaluation dieser im Kontext der stationären Altenhilfe zu geben. Zur theoretischen Fundierung der Forschung dienen die Kapitel eins bis drei der vorliegenden Arbeit. Zunächst wird sich dem Wirkungsbegriff auf definitorischer Ebene angenähert. Effect, Outcome, Impact, Erfolg und Qualität sind nur einige der Terminologien, die sich nahezu lückenlos an den Wirkungsbegriff anknüpfen lassen. Im Kontext der Sozialen Arbeit besteht neben dieser horizontalen Bandbreite eine vertikale: Die verschiedenen Ebenen, auf denen Wirkung in der 6 Sozialen Arbeit stattfindet. Diese Ebenen herauszustellen und den Wirkungsterminus in der Komplexität der bestehenden Begrifflichkeiten zu verorten, ist Ziel des ersten Kapitels. Soziale Arbeit wird „personenbezogen erbracht und ist kaum mit Thermometern oder Waagen zu erfassen“ (Pradel 2007b, S. 57). Daher wird im zweiten Kapitel die Wahl des Alternativbegriffes der Wirkungsevaluation statt dem der Wirkungsmessung diskutiert (siehe Kapitel 2.1 dieser Arbeit). Daran anknüpfend werden Dokumentationen als Grundlage der Wirkungsevaluation vorgestellt (siehe Kapitel 2.2 dieser Arbeit). Nach der Erörterung der Funktionen von Dokumentationen folgt ein Diskurs um deren Realitätsgehalt. Um diesen zu gewährleisten und zudem einen Anknüpfungspunkt für die Verifizierung und Validierung der Erfüllung von an die Fachkräfte gestellten Anforderungen zu bieten, sind Standardisierungen, Operationalisierungen und Normierungen unabdingbar (vgl. Pradel 2007b, S. 56). Doch wie viel Standardisierung verträgt eine personenorientierte Praxis? Entsteht durch eine solche nicht die erhöhte Gefahr, vor lauter Bürokratisierung den Menschen hinter den Akten zu vergessen? Mit der Erläuterung der unter anderem daran begründeten Anforderungen an die Fachkräfte der Sozialen Arbeit und einem Einblick in den Diskurs um eine evidenzbasierte Praxis schließt das zweite Kapitel. Mit dem dritten Kapitel wird ein Einblick in das Handlungsfeld der sozialen Altenarbeit generell (siehe Kapitel 3.2 dieser Arbeit) und in das der Sozialen Altenarbeit innerhalb der stationären Altenhilfe speziell (siehe Kapitel 3.3 dieser Arbeit) gegeben. Dabei werden sowohl die Wirkungsfelder der Sozialen Arbeit, insbesondere im Kontext der Arbeit des Sozialen Dienstes als auch die Strukturierte Informationssammlung (SIS®)2 als Methode der Dokumentation dieser Felder aufgegriffen. In Anlehnung daran wird die Übertragung eines gerechtigkeitstheoretischen Ansatzes, dem Capability Approach, als Möglichkeit der Standardsetzung thematisiert. Der Forschungsvorgang ist Inhalt des vierten Kapitels. Dieser wird von der Zugangsfindung (siehe Kapitel 4.1 dieser Arbeit) an über die Beschreibung des Samplings bzw. der Form der Datenerhebung (siehe Kapitel 4.2 dieser Arbeit), des Forschungsfeldes und der spezifischen Fälle bis hin zur Darstellung der Auswertungsmethode wiedergegeben (siehe Kapitel 4.3 dieser Arbeit). 2 Zur Erläuterung der Marke und weiteren Ausführungen zum Konzept siehe Kapitel 3.3. 7 Die aus der Forschung resultierenden Ergebnisse werden schließlich im fünften Kapitel präsentiert und im Kontext der leitenden Fragestellung im sechsten Kapitel diskutiert. Fazit und Reflexion der Forschung bzw. der vorliegenden Arbeit bilden im siebten Kapitel mit einem Ausblick den Abschluss. 9 1. Wirkung – viele Bezeichnungen, eine Bedeutung? Wo immer, wann immer Soziale Arbeit ansetzt: Ihr Ziel ist es, bestehende (soziale) Umstände zu verändern, zu verbessern. Genauer gesagt: Etwas zu bewirken. Wirkung ist demnach die Basis aller sozialarbeiterischen Handlungsgründe, unabhängig davon, an welchem der zahlreichen Handlungsfelder diese angeknüpft werden. Die Wirkung Sozialer Arbeit wird jedoch nicht immer explizit als solche benannt. Vielmehr existiert eine Vielzahl von (teils scheinbaren) Synonymen für den Wirkungsbegriff (vgl. Albus et al. 2010, S. 14f.). Diese horizontale Bandbreite der gebräuchlichsten Bezeichnungen wird im Folgenden dargestellt, bevor der Wirkungsbegriff im Kontext der vertikalen Ebenen der Sozialen Arbeit als Funktionssystem behandelt wird. 1.1 Einordnung des Wirkungsbegriffes in die Komplexität der (vermeintlichen) Synonyme Wirkung ist „ein Geschehen, das ohne ein anderes Geschehen, die Ursache, nicht stattfände“ (Brockhaus Enzyklopädie Online o. J.a). Im Duden wird Wirkung zudem mit den Begriffen „Effektivität, Erfolg, […] [d. V.: und] Effizienz“ (Dudenredaktion o. J.) umschrieben und somit gleich mit mehreren Synonymen versehen. Diesbezügliche Termini sind jedoch insbesondere im Hinblick auf die Soziale Arbeit voneinander zu differenzieren. Dass eine solche Differenzierung nicht umstandslos möglich ist, liegt vor allem in dem Mangel an allgemeingültigen Definitionsmöglichkeiten begründet. Unbestreitbar ist, dass der Erfolgsbegriff eines Wirtschaftsunternehmens auf Grund der divergenten Zielsetzungen nicht den Ansprüchen der Sozialen Arbeit genügen kann und sollte. Ein solch klarer Unterschied im Umgang mit diesem Terminus findet sich in der Sozialen Arbeit selbst nicht. Dennoch existiert (bisher) keine über die Grenzen der Handlungsfelder Sozialer Arbeit hinausgehende, allgemeingültige Definition von Erfolg. Eine solche zu erarbeiten, scheint innerhalb eines einzelnen Handlungsfeldes zwar greifbarer. Doch selbst im Kontext dieser detaillierten Betrachtungsweise stößt sich eine Generalisierung an einem Grundsatz der Sozialen Arbeit: Der Individualität des Falles. Der Erfolg der Sozialen Arbeit hängt stets von den spezifischen, auf die Klient*innen bezogenen bzw. mit diesen erarbeiteten Zielsetzungen ab. So divergent diese sind, so verschieden sind auch die Indikatoren für eine 10 erfolgreiche Soziale Arbeit (vgl. Boecker 2015, S. 56). Dennoch oder gerade aus diesem Grunde lassen sich im Kontext des Erfolgsbegriffes Merkmale für eine einheitliche Definitionsbasis finden. Einige davon seien, ohne dabei den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, im Folgenden genannt: Die Entwicklung von Kriterien zur Bestimmung und somit zur Definition von Erfolg baut auf Erwartungen und Zielsetzungen. Diese werden einerseits von dem strukturgebenden Umfeld Sozialer Arbeit, den Kostentragenden, den Entscheidungstragenden der Politik und der Gesellschaft an diese herangetragen. Gleichzeitig sind für die Definition von Erfolg subjektive Erwartungshaltungen einzubeziehen. Diese können sowohl von Klient*innen an Fachkräfte und umgekehrt als auch von Klient*innen und Fachkräften jeweils an die eigene Person bestehen (vgl. Boecker 2015, S. 118f.). Die Feststellung von Erfolg ist perspektivenabhängig (vgl. Otto 2007, S. 69). Die jeweiligen Erwartungstragenden konstruieren den Erfolgsbegriff jeweils nach ihren eigenen Vorstellungen und Voreinstellungen. Soziale Arbeit steht demnach vor der Herausforderung, sich dort, „wo kein Fall dem anderen gleicht, obwohl vielleicht jeder derselben programmatischen Zielgruppendefinition angehört […] mit den kontingenten Wirklichkeiten ihrer Klienten auseinanderzusetzen“ (Kleve 2009, S. 32). Die Klärung und gegenseitige Transparenzmachung der jeweiligen Vorstellungen über den Erfolgsbegriff sind demnach für dessen Feststellung elementar. Ein Erfolg für Klient*innen und Fachkräfte kann nur durch das beiderseitige Zusammenwirken generiert werden. Das ‚Produkt‘ Sozialer Arbeit wird häufig mit der Begrifflichkeit der sozialen Dienstleistung umschrieben. Dass dies der Praxis der Sozialen Arbeit nicht vollständig entspricht, wird insbesondere an den immer weiter in den Fokus rückenden, die Klient*innen als Hauptpersonen des Fachkraft-Klient*innen-Verhältnisses definierenden Ansätzen wie dem Empowerment deutlich. „Seine Angelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen […] und den Wert selbsterarbeiteter Lösungen schätzen zu lernen“ (Pohlmann 2011, S. 204f.) ist ein Grundsatz des Konzeptes. An diesem lässt sich beispielhaft festmachen, dass Soziale Arbeit nicht schlicht die Produktion einer 11 sozialen Dienstleistung auf Seiten der Fachkraft und der Konsum dieser Dienstleistungen auf Seiten der Klient*innen darstellt. Das hiermit tangierte Prinzip des uno-actu ist vor allem im Hinblick auf die Grundbedingungen zur Erreichung von Erfolg um die in nahezu jedem sozialarbeiterischen Prozess bestehende Notwendigkeit einer Koproduktion zwischen Klient*innen und Fachkräften zu ergänzen. Ohne diese ist ein beidseitiger Erfolg nicht möglich (vgl. Merchel 2003, S. 7). Bei all den unterschiedlichen, subjektiv konstruierten Erwartungen und Zielsetzungen und den vielseitigen Ansprüchen an den Erfolg Sozialer Arbeit blieb eine (zu) selbstverständliche definitorische Grundgemeinsamkeit bisher unausgesprochen: Der Erfolgsbegriff ist – unerheblich in welchem Kontext er gebraucht wird – positiv konnotiert. Daraus ist keinesfalls zu induzieren, dass der Erfolg des Einen nicht den Misserfolg des Anderen zur Folge haben kann. Dennoch lässt sich der Erfolgsbegriff auf dieser Ebene klar von einem weiteren Synonym für den Wirkungsterminus abgrenzen. Die Rede ist von der Effektivität. Einen Effekt zu haben, impliziert zunächst weder ein positives noch ein negatives Resultat. Effektive Soziale Arbeit bedeutet demnach lediglich, dass durch ihre Ausübung ein beispielsweise gesellschaftlicher, politischer, sozialer oder persönlicher Anstoß gegeben wurde. Eine Aussage über die Effektivität einer Maßnahme zu treffen, bedeutet demnach nicht, die Frage ‚Was wurde mit welchen Mitteln erreicht?‘ zu klären, sondern ‚Inwieweit wurde etwas von der Maßnahme beeinflusst?‘. Effektivität ist also weniger das Produkt, das am Ende eines Prozesses steht, als vielmehr „die Beantwortung der Frage, ob die Leistungserstellung zielorientiert und nach professionellen Maßstäben erfolgt“ (Merchel 2003, S. 10). Die Ressourcen, die innerhalb dieses Prozesses aufgewendet werden mussten, sind hierbei nicht relevant. Eine die notwendigen Mittel unbeachtet lassende Arbeitsweise kann sich jedoch weder ein Wirtschaftsunternehmen noch eine Einrichtung der Sozialen Arbeit leisten. An dieser Stelle rückt der Begriff der Effizienz in den Fokus. Dieser umschreibt das Verhältnis von Input und Output (vgl. Merchel 2003, S. 10ff.). Das aus dem (Projekt-)Management stammende Begriffspaar findet im Sinne des Sozialmanagements zunehmend Einzug in die Praxis Sozialer Arbeit. Unter Input sind dabei jegliche zum Zwecke der Zielerreichung genutzten finanziellen, personellen, organisationalen oder räumlichen Ressourcen zu verstehen. Damit lässt sich der Terminus auf die Ebene der Strukturqualität, also der organisationalen 12 Gegebenheiten Sozialer Arbeit verorten. Mit Output ist hingegen das Ergebnis sozialarbeiterischer Maßnahmen gemeint, weshalb sich der Begriff auf ebendieser Qualitätsebene wiederfindet (vgl. Repp 2013, S. 24). Die Ergebnisqualität Sozialer Arbeit ist jedoch nicht gleichzusetzen mit dem vor allem im Projektmanagement gebräuchlichen Begriff der Produktqualität. Am Ende eines Prozesses im Rahmen der Sozialen Arbeit entsteht kein Produkt im Sinne eines Objektes. Diskutabel ist zudem auch, ob der Abschluss einer sozialarbeiterischen Maßnahme mit dem Ende von dessen Wirkung gleichzusetzen und somit zu diesem Zeitpunkt überhaupt ein endgültiger Output festzustellen ist. Um sich von dieser Starre des Input-Output-Begriffspaares zu lösen und somit über die Vorstellung eines Endergebnisses hinauszugehen, etablierten sich insbesondere im Zuge der Fundierung des Social Entrepreneurship die über den Output hinausgehenden Termini Outcome und Impact. Das soziale Unternehmertum zielt damit darauf ab, wirtschaftliche Methoden des Managements mit der Schwierigkeit der Wirkungsdefinition und -messung sozialorientierter Maßnahmen zu verbinden. Grundlegend ist hierbei die sogenannte Impact Value Chain. Durch diese werden Input und Output in ein Verhältnis zu Outcome und Impact gesetzt. Outputs sind dabei eher numerisch messbare, auf die wirtschaftliche Effizienz bezogene Ergebnisse, während mit Outcomes die gesellschaftlichen und somit in ihrer Messbarkeit komplexeren Veränderungen gemeint sind, die eine Maßnahme zur Folge hat. Impact meint schließlich eine langfristige Veränderung, die ausschließlich aus der jeweiligen Intervention hervorgerufen wird und sich somit abzüglich von weiteren, beispielsweise persönlichen oder gesellschaftlichen Einflüssen versteht – die sogenannte Nettowirkung (vgl. Repp 2013, S. 24). In Bezug auf den Wirkungsbegriff ist Impact insofern vom Effekt Sozialer Arbeit abzugrenzen, als dass letzterer die „ersichtliche und nachweisbare Wirkung für einzelne Stakeholder“, ersterer die „subjektiv erlebte Wirkung eines Stakeholders“ (Schneider 2011, S. 17) umfasst. Die Vielfalt der mit dem Wirkungsbegriff in engem Zusammenhang stehenden Termini impliziert neben ihrer breiten Fächerung eine ebenso zu betrachtende Tiefe. Es genügt nicht, das Ergebnis eines sozialarbeiterischen Prozesses nach quantitativem Auftreten vorher festgelegter Indikatoren der Zielerreichung aufzuschlüsseln. Vielmehr ist es von grundlegender Bedeutung, alle weiteren, den Prozess und das Ergebnis einer Intervention beeinflussenden Faktoren zu extrahieren, um den inneren Kern der Wirkung Sozialer Arbeit ausfindig zu machen. 13 Einem solchen Vorhaben kann sich nur angenähert werden, indem zuvor eine Ergründung der Wirkungsebenen und Wirkungsweisen erfolgt. 1.2 Wer wirkt wie wodurch worauf? Die verschiedenen Ebenen der Wirkung Sozialer Arbeit Albus et al. heben drei Ebenen der Wirkung hervor, die sich an dem bereits erwähnten Modell der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität anlehnen. Auf erster Ebene finden sich „organisatorisch-institutionelle Strukturen der Hilfeträger und Erbringer ihrer Rahmenbedingungen“ (Albus et al. 2010, S. 15) wieder. Wirkung kann sich dort in Form von Anpassung der sozialarbeiterischen Maßnahmen, „der Leistungs-, Entgelt- und Qualitätsentwicklungsvereinbarungen oder […] der sozialen Infrastruktur“ (Albus et al. 2010, S. 15) zeigen. Auf der Prozessebene bezieht sich Wirkung auf die Praxis der Sozialen Arbeit im Kontext des Dreiecksverhältnisses zwischen Kosten- und Leistungstragenden und Leistungsempfangenden (vgl. Boecker 2015, S. 48ff.). Die Wirkungen auf der Ergebnisebene zeigen sich dagegen bezogen auf die Adressat*innen dieser Praxis. Das Modell dieser drei Wirkungsebenen wird von Albus et al. auf ein Modellprojekt der Jugendarbeit angewandt und begrenzt sich daher auf die daran anknüpfenden Wirkungsmöglichkeiten (vgl. Albus et al. 2010, S. 15f.). Das Wirkungspotenzial Sozialer Arbeit ist mit dieser Umschreibung jedoch nicht vollends wiedergegeben. Interventionen Sozialer Arbeit finden innerhalb eines Netzwerkes von Wirkungsprozessen statt (vgl. Boecker 2015, S. 131f.). Zu diesem Netzwerk gehören sowohl die der Sozialen Arbeit direkt angehörenden Organisationen und Institutionen und die im Rahmen dieser tätigen Fachkräfte als auch die Gesellschaft, die Politik und die Klient*innen selbst. Innerhalb dieses Netzwerkes geht Wirkung nicht ausschließlich von Sozialer Arbeit aus, sondern auch auf diese zurück. Im Kontext der Luhmannschen Theorie sozialer Systeme stellt Soziale Arbeit dabei ein Funktionssystem dar (vgl. Merten 2005, S. 46ff.). Dies impliziert eine Differenz zwischen dem System an sich und dessen Umwelt. Eine solche Differenz entsteht durch einen dem System eigenen Code, also dessen Funktionsinhalt. Die Gesellschaft bildet dabei das Gesamtsystem ab, in dem alle Teil- bzw. Funktionssysteme in interdependenter Wiese miteinander verbunden sind (vgl. Kleve 2009, S. 27f.). Am Beispiel der Sozialen Arbeit lässt sich diese Interdependenz wie folgt verdeutlichen: Das Funktionssystem der Sozialen Arbeit beinhaltet sowohl eine interne Struktur aus Organisationen und 14 Institutionen, die spezifischer betrachtet aus den Fachkräften als Individuen bestehen, als auch eine externe, gesellschaftspolitische Ausrichtung. Als eine Interdependenz zwischen der Gesellschaft als Gesamtund der Politik als Teilsystem lässt sich zunächst das Image Sozialer Arbeit nennen, das mitunter aus dieser selbst heraus gesteuert, aber auch von außen auf sie übertragen wird. Die Gesellschaft als Öffentlichkeit und die Politik wirken dabei sowohl als Steuerungsorgane als auch als Wirkungsobjekte. Zum einen wird Soziale Arbeit an gesellschaftliche Problemstellungen angepasst, bzw. findet ihren Existenzgrund in diesen. Die Gesellschaft hat demnach einen erheblichen Einfluss auf die Angebote und die Struktur Sozialer Arbeit. Diese wird außerdem im Wesentlichen von (sozial-)politischen Entscheidungen wie beispielsweise Gesetzesänderungen oder solchen über die Verteilung von Geldern bestimmt (vgl. Merchel 2017, S. 285f.). Das Machtverhältnis von Gesellschaft und Politik zur Sozialen Arbeit scheint in dieser Ansichtsweise ein asymmetrisches zu sein. Dass dem nicht so ist, wird bei genauerer Betrachtung des Nutzens der Sozialen Arbeit für die beiden Teile des Wirkungsnetzwerkes deutlich. Soziale Arbeit ist für die Politik ein notwendiges Mittel zur Aufrechterhaltung des sozialen Friedens. Ein Staat, der den Anspruch auf einen Sozialstaat erhebt, muss dafür Sorge tragen, dass er diesem auch in der Praxis gerecht wird. Das politische und staatliche Teilsystem ist demnach auch von der Funktion der Sozialen Arbeit abhängig (vgl. Klassen 2009, S. 92; vgl. Merten 2005, S. 49). Durch diese Interdependenz entstehen wiederum auf Seiten der Sozialen Arbeit Möglichkeiten, sowohl auf die Gesellschaft einzuwirken als auch Ver- änderungen in der politisch begründeten, sozialen Infrastruktur zu initiieren. Diese Funktion der Sozialen Arbeit spielt insbesondere in der Beziehung zwischen den Fachkräften und den Klient*innen eine bedeutende Rolle. Fachkräfte können in dieser Vermittler*innen sein zwischen Politik und Klient*innen einerseits und Klient*innen und der allgemeinen Gesellschaft andererseits. Die Wahrnehmung dieser Funktion und überhaupt einer individuenbezogenen Prioritätensetzung macht eine der deutlichsten Differenzen zwischen der Praxis Sozialer Arbeit und der Theorie der sozialen Systeme Luhmanns aus und ist für die Profession grundlegend (vgl. Klassen 2009, S. 92f.). In Bezug auf die Politik nimmt die Soziale Arbeit dadurch eine seismographische Funktion ein, dass Fachkräfte die Auswirkungen dieser dort evaluieren können, wo sie wirken – bei den Klient*innen. 15 Fachkräfte der Sozialen Arbeit sind demnach auch Vertreter*innen. Diese Rolle kommt ihnen nicht nur in Bezug auf den Anstoß politischer Veränderungsprozesse zu Gute, sondern auch in Bezug darauf, einen Ausgleich zu schaffen zwischen der Angleichung bzw. Normierung einzelner an die Gesellschaft um deren Funktion Willen und zur Veränderung gesellschaftlicher Bedingungen zum Schutz eines jeden Individuums (vgl. Kleve 2009, S. 24ff.). Der direkte Kontakt mit den Klient*innen beschreibt gleichzeitig eine Wirkungsmöglichkeit auf den minimalsten Teil eines Systems und auf dessen Basis: Dem einzelnen Menschen. Im Rahmen der Systemtheorie wird jedoch auch deutlich, dass Soziale Arbeit nicht den alleinigen Wirkungsanspruch auf ihre Klient*innen erheben kann. Denn diese sind nicht nur in das Funktionssystem der Sozialen Arbeit, sondern zumeist in mehrere weitere Teilsysteme, beispielsweise in das der Familie eingebunden (vgl. Klassen 2009, S. 88ff.). Deren Einfluss auf die klient*innenbezogenen Wirkungsfelder Sozialer Arbeit auszuschließen, lässt sich im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtungsweise nicht rechtfertigen. Sowohl in der praktischen Arbeit als auch in der Reflexion dieser sind diese Faktoren zu beachten. Die Existenz und der Einsatz von Reflexion und Evaluation weisen auf eine weitere Wirkungsebene Sozialer Arbeit hin: Die selbstreferenzielle (vgl. Merten 2005, S. 47). Soziale Arbeit ist nicht nur außenstehenden Erwartungstragenden wie Politik, Gesellschaft und Klient*innen, sondern auch sich selbst und ihrem professionellen Verständnis gegenüber zur ständigen Reflexion, Modifikation und Optimierung ihrer Leistungen verpflichtet. Zur Einhaltung dessen ist jedoch nicht nur ein ständiges, auf sich selbst bezogenes Hinterfragen von Haltung und Handlung der einzelnen Fachkräfte, sondern der gesamten Profession notwendig. Eine solche Selbstreferenzialität reicht jedoch noch immer nicht aus. Soll sich eine Profession wie die Soziale Arbeit klient*innenorientiert weiterentwickeln, so muss sie mit ihrer Evaluation auch dort ansetzen, wo sie wirken möchte: Bei den Menschen selbst (vgl. Kleve 2009, S. 38f.). Im Sinne dieser Selbstreferenzialität wird deutlich, dass Messgrößen für die Wirkung Sozialer Arbeit ausschließlich aus der Profession heraus in Bezug auf ihre Umwelt entwickelt werden müssen und „nicht dem Markt und sekundären Interessen überlassen werden“ (Schneider 2011, S. 28) dürfen. Diese Maßstäbe jedoch tatsächlich anzuwenden und somit den Kern der Wirkung Sozialer Arbeit zu fassen zu bekommen, gestaltet sich nicht einfach. Denn Wirkung lässt sich ebenso wenig rein numerisch erfassen, wie sich ein Mensch eichen lässt. Dennoch wird in 16 dieser Arbeit der Versuch gewagt, die Messungsmöglichkeiten der Wirkung Sozialer Arbeit auf der Ebene ihrer Ergebnisqualität zu beleuchten und zu hinterfragen. Das nächste Kapitel ist ebendieser Debatte um den Begriff der Messbarkeit im Zusammenhang mit sozialarbeiterischen Wirkungsprozessen gewidmet. Eingebettet in den begrifflichen Diskurs um die Messbarkeit sozialarbeiterischer Wirkung und die Bezugnahme auf die Evidenzhierarchie der Wirkungsforschung ist die Darstellung der Verwendung von Dokumentationen als Mittel zur Abbildung der Wirkungsprozesse und -ergebnisse Sozialer Arbeit. 17 2. Instrumente der Wirkungsmessung Die Herausforderung, Wirkungen der Sozialen Arbeit darzustellen, liegt in mehreren, teilweise ineinandergreifenden Ursachen begründet. Im vorangehenden Kapitel wurde bereits die Immaterialität sozialer Dienstleistungen als eine dieser Ursachen erwähnt. Durch diese ist eine absolut objektivierbare Überprüfung der Ergebnisse sozialarbeiterischer Handlungen insbesondere im Gegensatz zu materiell fertigbaren Produkten erschwert, wenn nicht gar unmöglich. Die ebenso bereits dargelegte Diskutabilität des Begriffes der sozialen Dienstleistung weist zudem auf die Problematik der Zuweisung von Wirkungen hin. Im sozialarbeiterischen Prozess der Zusammenarbeit zwischen Fachkräften und Klient*innen ist eine klare Differenzierung der Ursache-Wirkungszusammenhänge nicht in jeder Situation umsetzbar. Der Terminus des Co-Workings steht dabei in zweifacher Bedeutungsweise einerseits für die ineinandergreifende Arbeit von Fachkräften und Klient*innen, andererseits für die Pluralität der möglichen Wirkungsursachen, die letztendlich zum Ergebnis des Prozesses führen (vgl. Boecker 2015, S. 57). Ein weiterer Grund für die Erschwerung der Wirkungsmessung im Rahmen der Sozialen Arbeit ist zum einen, dass sowohl personengebundene als auch und vor allem gesellschaftsverändernde Wirkungen teilweise erst einige Zeit nach Beendigung einer Intervention eintreten. Dies macht eine Rückführung auf die Ursachen solcher Ergebnisse unnachvollziehbarer. Roder fasst diese Tatsache, „dass viele soziale Wirkungen stark zeitverzögert eintreten“ (2011, S. 102) und die Pluralität möglicher Ursachen-Wirkungszusammenhänge unter der Bezeichnung Attributionsproblematik zusammen. Diese findet sich in der These des Technologiedefizits Sozialer Arbeit wieder, mit welcher die Gewissheit dessen, dass eine in der theoretischen Planung zielführende Intervention in jedem Fall die erwünschte, nutzer*innenspezifische Wirkung entfaltet, in Frage gestellt wird (vgl. Hüttemann 2011, S. 58f.). Im Hinblick auf ebensolche mögliche Problematiken ist es obligatorisch, diese in die Entwicklung der Theorie und Praxis der Wirkungsmessung einzubeziehen und darauf aufzubauen. Es ist zudem unabdingbar, Messinstrumente und Maßeinheiten sowohl an die Werte und Grundsätze der Profession selbst zu binden als auch wissenschaftliche Gütekriterien in die Planung und Umsetzung von Messungen einzubeziehen. Objektivität, Reliabilität und Validität stellen hierbei die Grundpfeiler der Wirkungsforschung dar. In diesem Kontext gewinnt zudem 18 die Evidenzbasierung im Sinne einer „Bereitstellung eines Bezugssystems zur Einordnung der Messergebnisse“ (Richardt 2011, S. 131) an Bedeutung. Diese und weitere Grundgegebenheiten der Wirkungsmessung werden im Folgenden wiedergegeben und in den Umgang mit dem Begriff der Messung sozialarbeiterischer Wirkungsergebnisse eingeordnet. 2.1 Die Anwendbarkeit des Begriffes der ‚Messung‘ und der Alternativbegriff ‚Evaluation‘ – Grundlagen der Prüfbarkeit von Wirkung Gemessen werden kann, was eichbar ist. Eichbarkeit setzt das Vorhandensein anerkannter, objektiver Maßstäbe und Messgrößen voraus, mit deren Hilfe sich das Gemessene – an einer Norm orientiert – mit anderen Messgegenständen vergleichen lässt. Die Anwendbarkeit dieses Messungsbegriffes auf die Soziale Arbeit scheitert insbesondere an zwei Tatsachen. 1. Soziale Arbeit ist in ihrer Handlungsweise qualitativ ausgerichtet und erhält somit auch und vor allem qualitative Ergebnisse (vgl. Pradel 2007b, S. 58). Die bereits im vorangehenden Kapitel angesprochene Subjektivität des Erlebens und Konstruierens von Qualitäts- und Erfolgsbegriffen schließt eine Vereinheitlichung im Sinne der Eichbarkeit zunächst aus. 2. Die Pluralisierung der Lebenswelten hat zur Folge, dass eine gesellschaftliche Norm an der sich die Soziale Arbeit orientieren könnte, nicht (mehr) existiert (vgl. Kleve 2009, S. 28). Auf Grund dieser Messbarkeitsdefizite zieht Pradel den Begriff der Prüfbarkeit dem der Messbarkeit vor (vgl. Pradel 2007b, S. 58). In Bezug auf die Schwierigkeit der Quantifizierung sozialer Ergebnisqualität eine nachvollziehbare Vorgehensweise. Dennoch soll an dieser Stelle die Möglichkeit eines Einbezugs eichbarer Messgrößen in den klient*innenbezogenen Austausch über erreichte und erfahrene Ergebnisse auch entgegen der bestehenden Messbarkeitsdefizite in Betracht gezogen werden. Ergebnisse Sozialer Arbeit haben nämlich sehr wohl eine quantitative Facette inne. In diesem Zusammenhang sind weder Statistiken im Sinne sich verringernder Arbeitslosenquoten oder steigender Fallzahlen in der Beratung von Geflüchteten gemeint. Vielmehr ist ein verbildlichter Nutzen numerischer Messgrößen in der Praxis der Sozialen Arbeit insbesondere im Hinblick auf die Größe der Zeit im Sinne der Dauer 19 einer Fachkraft-Klient*innen-Beziehung und auf die der Strecke im Sinne des Prozesses von der Initiierung, Planung und Zielsetzung bis hin zur Zielerreichung bzw. zum Ergebnis anzunehmen. Eine Verwendung dieser Begrifflichkeiten kann eine Transformation abstrakter Definitionen auf eine für den bildhaft denkenden Menschen greifbare, alltagspraktische Ebene ermöglichen. Mit dieser Methodik kann kein Anspruch auf die Aufhebung des Messdefizits der Unmöglichkeit der Eichung geltend gemacht werden. Es soll an dieser Stelle lediglich ein Hinweis darauf gegeben werden, dass auch ausschließlich im mathematischen oder physikalischen Bereich anwendbar scheinende Maßeinheiten und Messgrößen – in ihrer Logik an die Soziale Arbeit angepasst – für diese genutzt werden können. Dies ist insbesondere im Kontext einer intersubjektiven Verständigung über Zielund Erfolgsdefinitionen zwischen Fachkraft und Klient*in von Bedeutung und wird unter dem Namen structure mapping bereits in der Beratung eingesetzt. Structure mapping meint dabei, „Wissensbestände im Gedächtnis aufeinander strukturell passend abzubilden und durch den Prozess des Abbildens neues Wissen zu generieren“ (Bachmann 2016, S. 274). Dies beinhaltet den Bezug bekannter Termini auf eine „neue, unklare, problembehaftete oder einfach interessante oder herausfordernde Situation“ (Bachmann 2016, S. 274). Um mit solchen Analogien – insbesondere der eines Zeit-Strecke- Zusammenhanges – nicht Gefahr zu laufen, ausschließlich den Effizienzgedanken à la ‚Was haben wir in welcher Zeit, also mit welcher Geschwindigkeit erreicht?‘ abzudecken, ist in Bezug auf die Erkenntnis von Wirkung und Erfolg besonders der Einbezug des Qualitätsbegriffes bedeutsam. Der angestoßene Diskurs über die Messbarkeit der Wirkung sozialer Dienstleistungen lässt sich nicht führen, ohne einen Fokus auf das zunehmend in diesem Kontext angewandte Qualitätsmanagement zu setzen. Ohne hier explizit auf die spezifischen Wortlaute der Vielzahl damit zusammenhängender ISO–Normen einzugehen, seien im Folgenden die für die Soziale Arbeit wesentlichen Aspekte des Ansatzes herausgestellt. Zu diesen Grundelementen des Qualitätsmanagements zählt zum einen die Kund*innen- bzw. hier die Klient*innenorientierung. Eingeordnet in die strikte Einhaltung der zeitlichen Aufeinanderfolge von Vision (beispielsweise im Sinne eines Leitbildes einer Organisation), Zielsetzung und Maßnahmengestaltung/-ausführung zeigt sich hier die Notwendigkeit einer dauerhaften Evaluation dessen, ob die Verhältnisse zwischen diesen drei Bindegliedern in Bezug auf die Klient*innen 20 (noch) wie angedacht greifen. Eine solche Evaluation findet sich im Qualitätsmanagement im Bereich des Controllings wieder. Der Ansatz des PDCA-Kreislaufes ist dabei besonders für den sozialen Dienstleistungssektor von Bedeutung. Das Akronym steht für die vier Phasen Plan, Do, Check und Act. Nach der Planung von Maßnahmen mit möglichst spezifischen Zielsetzungen folgt die Phase der Durchführung. An diese schließt sich die Kontrolle an, ob mit der jeweiligen Durchführung die zuvor geplanten Ziele erreicht wurden. In der letzten Phase steht „das Act (wörtlich übersetzt: handeln, wirken, funktionieren) […] für die Auswertung, Analyse und Verbesserung“ (Pradel 2007a, S. 47) und greift somit wieder in die Planungsphase über. In der Sozialen Arbeit findet sich der PDCA-Kreislauf in der Kernprozesskette von Planung und Durchführung sozialer Interventionen, den auf diese bezogenen Dokumentationen und der darauffolgenden Evaluation wieder (vgl. Pradel 2007a, S. 48). Auch wenn das PDCA- Modell im Sinne dieser Kernprozesskette ein auf die Steigerung der Prozessqualität angelegtes Modell ist, so baut es dabei auf der Sichtbarmachung von Ergebnisqualität und Wirkungszusammenhängen auf. Um in diese Verknüpfung von Zielerreichung und Wirkung einen noch detaillierteren Einblick zu erhalten, werden spezifische Messinstrumente herangezogen. Eine zu diesem Zwecke beispielhaft dargestellte Methode ist das Zielwinkelverfahren. Bei diesem geschieht die Messung von Wirkung durch die Einbeziehung objektiver, nach zuvor festgelegten Operatoren beobachteter Umstände einerseits und die skalierte Einschätzung des Zielerreichungsgrades durch die unterschiedlichen Beteiligten andererseits (vgl. Richardt 2011, S. 134ff.). Soziale Arbeit ist demnach sehr wohl quantitativ messbar – sofern Zielsetzungen und somit Operatoren für die Wirkungsmessung einbezogen werden. Weder ein schlichter Vorher-Nachher-Abgleich noch ein Ansatz, dessen Kriterien für Wirkung und Erfolg auf gesellschaftlichen Normen basieren, kann den Wirkungsbegriff ohne die Hinzunahme der „jeweilige(n) Zielkonstellation als echte individuelle Bezugsnorm“ (Richardt 2011, S. 132f.) gesamtheitlich erfassen. Ohne den Einbezug qualitativer Daten, insbesondere im Hinblick auf den ständigen Abgleich und ggf. die Modifikation der Kriterien für die Existenz einer bestimmten Wirkung ist Wirkungsmessung nicht denkbar. Der Kernbegriff dieses Reflexionsprozesses ist der der Evaluation. Diesen mit der Wirkungsmessung gleichzusetzen, ist in Bezug auf die Wirkungs- und Qualitätserkenntnis weitestgehend vertretbar. Jedoch sollte nicht der Blick dafür fehlen, dass es mit der Messung allein nicht 21 getan ist. Nur eine über die bloße Feststellung von Tatsachen hinausgehende Betrachtungsweise kann eine Wirkung nicht nur im Sinne von Vorhandensein oder Nichtvorhandensein kategorisieren, sondern auch tiefergehende Hinweise über die Hintergründe der Wirkung – die Wirkfaktoren – bieten. Dieses Mehr macht sowohl eine gesamtheitliche Wirkungsdarstellung als auch eine darauf aufbauende Reflexion und Verbesserung erst möglich. Dieses Mehr bietet die Evaluation (vgl. Richardt 2011, S. 140f.). Abbildung 1 verdeutlicht diesen Zusammenhang und auch die Differenz zwischen Wirkungsevaluation und -messung und der im nächsten Kapitel am Beispiel der Dokumentationen erörterten Wirkungsdarstellung. Dokumentationen sind eine Grundlage für die Abbildung und somit Sichtbarmachung sozialer Dienstleistungsprozesse und -ergebnisse. Die hinter dieser gebräuchlichen Anwendung steckenden Chancen und Risiken zu erörtern, ist Inhalt des folgenden Kapitels. Abb. 1 Gesamtheitliche Betrachtungsweise von Wirkung (eigene Darstellung) 2.2 Akten und Dokumentationen als Grundlage der Wirkungsevaluation In seinem Werk über die von Oevermann ins Leben gerufene, in die qualitative Forschung einzuordnende Methodik der Objektiven Hermeneutik greift Wernet die Benennung von Texten als Protokolle sozialer Wirklichkeiten auf. Diese seien der Schlüssel, für den „Zugang zur methodisch kontrollierten Wirklichkeitserforschung“ (Wernet 2009, S. 12). In Bezug auf die Soziale Arbeit rückt unter diesem Anspruch besonders die Dokumentation als Resultat der Aktenführung, also des „Erstellen[s], Bearbeiten[s] und Ändern[s] und Aktualisieren[s] von Dokumenten“ (Geiser 2009a, S. 27) in den Fokus. Obwohl der Dokumentation im Hinblick auf Aspekte wie Wirkungsdarstellung und Qualitätsoptimierung eine hohe Bedeutung zukommt, gerät die zunehmende, Wirkungsdarstellung Wirkungsmessung Wirkungsevaluation 22 durch Dokumentationspflichten begründete Bürokratisierung vermehrt in Verruf. Zum einen „binden [d. V.: diese] enorm Zeit und Energie“ (Reichmann 2016, S. 8) – Ressourcen, die letztendlich in der Praxis fehlen. Hinzu kommen Unsicherheiten der Fachkräfte darüber, nach welcher Form Dokumentationen verfasst werden sollen, um ihren vielfältigen Funktionen (siehe Kapitel 2.2.1 dieser Arbeit) gerecht zu werden. Nach der objektiven Hermeneutik ist jegliche Form des Protokolls eine Darstellung sozialer Wirklichkeit, wenn auch zumeist jener der/des Schreibenden. In der Sozialen Arbeit kann eine solche Eingrenzung auf die jeweiligen Verfassenden und somit die Wahrnehmung des Textes als für sich stehenden, kontextgelösten Gegenstand jedoch nicht genügen. Die Wirklichkeit vollständig abzubilden, ist im Sinne des Konstruktivismus unmöglich und kann somit auch hier kein Anspruch sein. Dennoch ist es notwendig, sich durch Standardisierungsgrundlagen der sozialen Wirklichkeit anzunähern. Eine aus den Schwierigkeiten der Dokumentation begründete Abkehr von der Methodik ist nicht vertretbar. Insbesondere im Hinblick auf die Behauptung der Profession innerhalb multiprofessioneller Kontexte, aber auch im Zuge ihres eigenen Professionalisierungsprozesses kann „es sich eine Berufsgruppe, die sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientiert, nicht erlauben […], wichtige Prozessschritte […] undefiniert zu lassen“ (Klug 2009, S. 12). Vielmehr sind bestehende und zukünftige Hindernisse zu erörtern und die Art und Weise der Dokumentationsvorgänge auf die Überwindung dieser abzustimmen. 2.2.1 Form- und Funktionsdiversität sozialarbeiterischer Dokumentationen Je nachdem um welche Art der Dokumentation es sich handelt, haben Schriftstücke der Sozialen Arbeit diverse Funktionen inne. Verwaltungsbezogene Texte wie interne und externe Anschreiben zählen dabei ebenso zur Bandbreite der Dokumentationsarten wie Konzepte der Maßnahmengestaltung, (Projekt-)Förderanträge und die die konkrete Fallführung betreffenden Dokumente selbst (vgl. Reichmann 2016, S. 158ff.). Auf Letzteren wird, die Zielführung der vorliegenden Arbeit beachtend, das Hauptaugenmerk dieses Kapitels liegen. Nach Geiser werden Dokumente der Fallführung in drei Arten unterschieden – in „direkt […] [d. V.: und] indirekt die klientenbezogene Fallführung betreffende Dokumente, […] akustische und visuelle Dokumente und […] Checklisten“ (Geiser 2009a, S. 42). Als ein Beispiel für ein indirekt klient*innenbezogenes Dokument sei das rechtliche Gutachten 23 genannt; direkt klient*innenbezogene Dokumente sind beispielsweise das Stammdatenblatt und die Verlaufsdokumentation, welche prozessbegleitend geführt wird und einen Baustein der Evaluation darstellen kann und sollte (vgl. Geiser 2009a, S. 45). Die Funktionen der jeweiligen Dokumentationsarten sind nicht abgrenzend, sondern ineinander übergehend und übergreifend zu verstehen. Zu kategorisieren sind dabei zum einen die vier elementaren Funktionen der Information, Planung, Reflexion und Legitimation, zum anderen die jeweiligen Nutzer*innen dieser Funktionen. Diese lassen sich – vereinfacht – in externe, institutionelle und fachkräftebezogene gruppieren. Abbildung 2 verdeutlicht diesen Zusammenhang, ohne dabei den Anspruch auf Vollständigkeit der Vielzahl an Funktionen von Dokumentationen zu erheben. Externer Nutzen (Kostentragende, Behörden, etc.) Institutioneller Nutzen (Leistungstragende, Organisationen und Institutionen der Sozialen Arbeit) Fachkräftebezogener Nutzen (Fachkräfte selbst und untereinander, Fachkraft-Klient*innenverhältnisse) Legitimationsinstrument/Begründung für Leistungsvergabe Nachweis bei rechtlichen Auseinandersetzungen Grundlage von organisatorischen Entscheidungsprozessen Beleg für Leistungen und Ergebnisse im Sinne von Effektivität und Effizienz Instrument der Maßnahmen-, Zeit und Arbeitsplanung Reflexions-/Evaluationsgrundlage Informations-, Argumentationsund Austauschbasis Vertragsbasis (z. B. bei der Zieldefinition zwischen Fachkraft und Klient*innen) Abb. 2 Funktionen von Dokumentationen und ihre Nutzer*innen (eigene Darstellung in Anlehnung an Geiser 2009a, S. 30f. und Reichmann 2016, S. 37ff.) Sowohl direkt und indirekt klient*innenbezogene Dokumentationen als auch akustische oder visuelle Aufzeichnungen haben dabei die 24 Funktion des Informationsmanagements gemeinsam. Das Festhalten spezifischer Daten dient somit einerseits den Fachkräften selbst als Merkhilfe und Nachschlagewerk, andererseits der „Zusammenarbeit innerhalb der institutionellen Kontexte, zwischen Fachkräften und Adressatinnen und Adressaten […] und zwischen Kooperationspartnern bei der rechtskreis- und systemübergreifenden Zusammenarbeit“ (Reichmann 2016, S. 38). Die jeweiligen Ziel- und Maßnahmenplanungen finden sich insbesondere in Kontaktdokumentationen und Gesprächsprotokollen – beispielsweise im Kontext von Hilfeplangesprächen – wieder. Zum einen dient die Dokumentation in diesem Fall als Basis für spätere Erfolgsevaluationen, zum anderen können somit – im Idealfall gemeinsam ausgehandelte – vertragsähnliche Zielvereinbarungen zwischen Klient*innen und Fachkräften festgehalten werden, wodurch ein fokussierter Verlauf von Hilfeprozessen unterstützt werden kann. Ergänzt werden können diese Arten von Dokumentationen durch sogenannte Reflexionstexte, die den einzelnen Fachkräften selbst als „hypothetische Überlegungen zu diffusen und unklaren, überfordernden und problematischen Erlebnissen bei der Arbeit“ (Reichmann 2016, S. 40) aus subjektiver Sichtweise dienen. Um sozialarbeiterische Maßnahmen darüber hinaus wirkungsorientiert zu evaluieren, werden neben der Auswertung quantitativer Daten bei summativen Ergebnisevaluationen vor allem Verlaufsdokumentationen zur formativen, prozessorientierten Evaluation herangezogen. Zudem ist hierbei der professions- bzw. institutionsinterne Meinungsaustausch unter Hinzunahme der Klient*innenperspektiven eine Option (vgl. Reichmann 2016, S. 42f.). Eine solche Wirkungsevaluation ist nicht nur in Bezug auf die sozialarbeiterische Praxis an sich von Bedeutung, sondern auch im generellen institutionellen Kontext. Ebenso wie Fachkräfte Standards einhalten und bestimmte Ziele zu erreichen verpflichtet sind, so sind die Institutionen insbesondere im Hinblick auf ihr Wirtschaften zwischen Effizienz und Effektivität dazu verpflichtet, „Kostenträgern, Entscheidungsträgern der Politik oder Fördermittelgebern Wirkungs- und Erfolgsnachweise“ (Reichmann 2016, S. 41) bereit zu stellen. Dokumentationen dienen somit institutionsintern als Regelungsgrundlage organisatorischer Anpassungen. Institutionsextern kommt ihnen zum einen die Bedeutung des Beweismittels gegenüber (rechtlichen) Beanstandungen, zum anderen die der Maßnahmen 25 legitimierenden Nachweise über Leistungen und ihre Wirkung und Effektivität zu (vgl. Geiser 2009a, S. 30f.). An der Vielfalt der – hier längst nicht komplett aufgeführten – Formen und Funktionen von Dokumentationen und vor allem an der Art und Weise, auf welchen Ebenen diese eine Bedeutung für die Ausführung der Praxis haben können, wird deutlich, wie notwendig die Auseinandersetzung mit dem Diskurs, ob und wie eine Realität durch Dokumentationen überhaupt abzubilden ist und welche Macht in dieser Abbildung in Bezug auf den Eingriff in die sozialarbeiterische, klient*innenbezogene Wirklichkeit liegt, ist. 2.2.2 Dokumentationen als Abbildungen der Realität und Eingriffe in die Wirklichkeit – Professionelle Anforderungen und alltägliche Überforderungen Dokumentation ist Kommunikation. Diese These liegt in den im vorangehenden Kapitel dargestellten Funktionen begründet. Dokumentationen stehen niemals nur für sich, sie haben immer einen Zweck inne, der in nahezu jeder ihrer Formen auf einer kommunikativen Außenwirkung beruht. Schriftliche Dokumentationen sind demnach Medien, durch welche Botschaften vermittelt werden. Dass ein potenzieller Empfänger diese Botschaften ebenso versteht, wie sie vom Sender gemeint waren, ist jedoch – insbesondere in der Sozialen Arbeit als ein Fachgebiet, in welchem nicht nur objektive Maßstäbe, sondern auch subjektive Eindrücke relevant sind – mit Schwierigkeiten und somit auch Anforderungen an die Fachkräfte verbunden (vgl. Reichmann 2016, S. 71f.). Kommunikation gilt als „ein sozialer Prozess in dessen Verlauf sich die beteiligten Personen wechselseitig zur Konstruktion von Wirklichkeit anregen“ (Frindte 2002, S. 17). Die Wirklichkeit ist demnach nicht per se gesetzt. Ihr wird sich erst durch einen gegenseitigen, kommunikativen Austausch genähert. Blumer, der Meads Vielzahl an kommunikationstheoretischen Ansätzen unter dem Namen des Symbolischen Interaktionismus bekannt machte, führte diese Wirklichkeitskonstruktion darauf zurück, dass Menschen die Bedeutungen von Dingen oder Situationen im Rahmen von Interaktionen und basierend auf ihrem jeweiligen persönlichen Bedeutungsrahmen aushandeln (vgl. Abels 2010, S. 44ff.). Eine solche, direkte Form der Aushandlung stößt im Kontext von schriftlichen Dokumentationen an ihre Grenzen. Zum einen findet die schriftliche Kommunikation meist nicht im situativen, d. h. zeitlichen und örtlichen Rahmen ihres Gegenstandes statt. Wird der Verlauf eines 26 Beratungsgespräches von Fachkraft 1 zum Zwecke der Informationsweitergabe an Fachkraft 2 dokumentiert, so erreicht diese Dokumentation Fachkraft 2 erst nach Beendigung des Beratungsgespräches. Die Situation kann von Fachkraft 2 demnach nur noch durch die Verschriftlichung nachvollzogen, aber nicht mehr erlebt werden. Findet die Weitergabe der Dokumentation nicht Face-to-Face, sondern ausschließlich durch das Lesen dieser statt, so entfallen zum anderen erläuternde, nonund paraverbale Zeichen von Fachkraft 1. Somit ist die Anfälligkeit für Missinterpretationen bei ausschließlich schriftlichen Medien erhöht (vgl. Reichmann 2016, S. 15). Die Komplexität sozialarbeiterischer Dokumentationen wird zudem durch ihren metakommunikativen Aspekt erhöht. Insbesondere in Beratungsgesprächen mit mehreren Beteiligten, beispielsweise in der Eheberatung, liegt der Fokus auf der Analyse der Gesprächssituation. Das Kommunikationsmodell der vier Seiten einer Nachricht von Schultz von Thun lässt sich demnach auf zwei Ebenen auf Dokumentationen solcher oder ähnlicher Kontexte anwenden: Zum einen, um dem Gegenstand der Dokumentation näher zu kommen, zum anderen, um die Bedeutungsebenen, die der Kommunikation durch die dokumentierende Fachkraft obliegen, zu extrahieren. Denn insbesondere in der Sozialen Arbeit als Profession, in welcher Beziehungs- und Selbstoffenbarungsaspekte eine elementare Rolle spielen, finden sich nicht ausschließlich sachinformative Fakten in den Dokumentationen wieder. Bewusst oder unbewusst können nicht nur Äußerungen von Klient*innen mehrere Bedeutungsebenen innehaben, sondern auch die durch Fachkräfte vorgenommenen Dokumentationen. Appelle, Selbstoffenbarungen oder Beziehungsaspekte aus schriftlichen Daten auf dieser Grundlage unreflektiert in diese hinein zu interpretieren, ist jedoch eine durch das Modell von Schultz von Thun dargelegte Gefahr, die es besonders im fachlichen Kontext zu vermeiden gilt (vgl. Reichmann 2016, S. 13). In der Sozialen Arbeit, deren elementares Handwerkszeug die Kommunikation ist, können Missverständnisse und Fehlinterpretationen nicht nur zwischen Klient*innen und Fachkräften im Rahmen des persönlichen Gespräches auftreten, sondern auch zwischen Fachkräften und Empfänger*innen der dokumentierten Botschaften. Geht man davon aus, dass sich – angelehnt an Schultz von Thuns Modell – in einer Fachkraft-Klient*innensituation eine Fachkraft und eine Klientin oder ein Klient befinden, die jeweils vier Ebenen des Ausdruckes und vier Ebenen des Verständnisses zur Verfügung haben, so bestehen in 27 diesem Verhältnis 24 Möglichkeiten, dass die Kommunikationspartner*innen auf unterschiedlichen Ebenen kommunizieren und acht Möglichkeiten, dass sie sich auf einer Ebene befinden. Einen Schritt weitergedacht, hat die Fachkraft vier Ebenen des Ausdruckes, die Empfängerin oder der Empfänger des Dokumentationsmediums dieser Situation vier Ebenen des Verständnisses (an dieser Stelle wird ein möglicher, zusätzlicher mündlicher oder schriftlicher Austausch nicht beachtet; es gilt lediglich das einseitige Sender*in-Empfänger*in-Verhältnis einer schriftlichen Dokumentation). Zwischen Sender*in und Empfänger*in besteht eine Chance von vier zu 16, dass sie sich auf der gleichen Kommunikationsebene befinden. Besonders deutlich wird die Wahrscheinlichkeit für eine Kommunikation auf ungleichen Ebenen, verknüpft man beide Situationsabschnitte. Eine Klientin oder ein Klient drückt sich beispielsweise auf der Appellebene aus. Dass dieser Appell von der Fachkraft als solcher verstanden wird, ist zu 25 % wahrscheinlich. Dass eine Dokumentation des Appells durch die Fachkraft von der Empfängerin oder dem Empfänger dieses Schriftstückes als solcher verstanden wird, liegt ebenso bei 25 %. Kumuliert man diese Wahrscheinlichkeiten, um die Situationen zu verknüpfen, liegt die Gesamtwahrscheinlichkeit für eine durch die Dokumentation übertragene Verständigung von der Klientin oder dem Klienten auf die Empfängerin oder den Empfänger der Dokumentation lediglich bei 6, 25 % (vgl. Röhner/Schütz 2012, S. 18ff.). Es lässt sich jedoch weder sagen, dass eine Kommunikation auf verschiedenen Ebenen nicht dennoch gelingen kann, noch, dass ein auf gleichen Ebenen und ohne Missverständnisse verständigter Kommunikationsinhalt in jedem Fall für alle an dem Kontext der Sozialen Arbeit Beteiligten als zielführend wahrgenommen wird. Denn Verständigung meint nicht gleich Einverständnis. Insbesondere die Dokumentationen als Kommunikationsmedium haben in diesem Rahmen eine besondere Stellung inne. Denn diese bewegen sich in einem Gefüge aus Macht und Kontrolle. Einerseits „beeinflussen [d. V.: sie] die Wirkungen Sozialer Arbeit“ (Reichmann 2016, S. 7) in Bezug darauf, wie Fachkräfte Maßnahmen und Interventionen ausüben. Werden Inhalte von Dokumentationen ohne Reflexion als real angenommen, besteht die Gefahr, dass Interventionen stets auf dieser (Schein-)Realität aufbauen. Im Sinne einer self-fulfilling prophecy können beispielsweise durch die Aneignung bestehender Akten über einen aufzunehmenden Fall verschobene Vorstellungen entstehen, die sich in der Handlung niederschlagen und ein spezifisches Verhalten des Gegenübers schließlich im direkten Kontakt 28 (unbewusst) provozieren. Eine Beeinflussung der Arbeitsweise von Fachkräften durch die Hinzunahme von Dokumentationen ist jedoch nicht ausschließlich im negativen Sinne zu betrachten. Bereits genannte Funktionen von Dokumentationen wie die Planungs- und Evaluationsfunktion können ebenso zu einer strukturierteren, da reflektierten Anwendung von Maßnahmen führen, indem auf den festgehaltenen Inhalten aufgebaut wird (vgl. Reichmann 2016, S. 33ff.). Andererseits haben Dokumentationen direkte Folgen für die Wirklichkeit der Klient*innen. So obliegt beispielsweise der Bewertung von schriftlichen Beurteilungen, ob und/oder in welchem Maße eine Maßnahme, Intervention oder Hilfe (weiterhin) ausgeführt wird (vgl. Reichmann 2016, S. 37). Die (Nicht-)Vergabe von Fachleistungsstunden, deren Berechtigung und Anzahl Leistungsempfangende und -erbringende vor Leistungsund/oder Kostentragenden auf Grundlage von Bedarfsermittlungen argumentieren müssen, sei hier als Beispiel angeführt (vgl. Boecker 2015, S. 160). Dokumentationen nehmen demnach eine elementare Rolle in der Praxis der Sozialen Arbeit ein. Umso bedeutsamer ist es, dass ihre Aus- übung nicht hinter einem gefüllten Zeitplan zurückstehen muss. Neben der Herausforderung, eine Balance zwischen Schreibtätigkeit und angewandter Praxis in Bezug auf den Klient*innenkontakt zu halten, liegen die mit Dokumentationen einhergehenden Anforderungen für Fachkräfte nicht allein darin, dass diese geführt werden, sondern wie. Neben der Notwendigkeit, praktische Erfahrungen mit fachlichem Wissen zu hinterlegen und dieses insbesondere in Bezug auf Fachbegriffe mit sprachlicher Richtigkeit hervorzubringen, stehen Sozialarbeiter*innen vor der Herausforderung, ihren mehrperspektivischen Ansatz im Rahmen von Dokumentationen wiederzugeben (vgl. Reichmann 2016, S. 48f.). Diese Anforderung bezieht sich zum einen auf die von Klient*innen im Gespräch dargestellte soziale Wirklichkeit, zum anderen auf professionsexterne Dokumente. Ebendiese Multiprofessionalität, die auch innerhalb eines einzelnen Handlungsfeldes der Sozialen Arbeit vorherrschen kann, ist vor allem daher teilweise konfliktbehaftet, weil die Praxis der Sozialen Arbeit auf ständiger Reflexion und damit auch Infragestellung ihres eingesetzten Wissens beruht und somit leicht in den Schatten bereits länger etablierter Professionen wie der Medizin geraten kann (vgl. Reichmann 2016, S. 58f.). Im Hinblick auf die Wirkung von Maßnahmen ist eine multiprofessionelle und multiperspektivische Herangehensweise jedoch von grundlegender Bedeutung. 29 Sozialarbeiter*innen befinden sich als Dokumentierende nicht in der Position externer Beobachter*innen. Sie sind Beteiligte. Die Vorteile der Einbringung persönlicher Erfahrungen werden dadurch überschattet von dem Nachteil des drohenden Objektivitätsverlustes. Um einer Verzerrung der Realitätsdarstellung besonders in Bezug auf die vorschnelle Annahme von Fallhypothesen zu entgehen, können Multiprofessionalität und Multiperspektivität Lösungswege sein. Eine klare Ausdrucksweise ist zudem hierbei ebenso unabdingbar wie im Hinblick auf die Partizipation der Klient*innen. „Der professionelle Schriftverkehr und die Dokumentation müssen […] darauf ausgerichtet sein, Beteiligungsansätze zu unterstützen“ (Reichmann 2016, S. 70), was neben der Zugänglichkeit von Dokumentationen auch deren Verständnisgehalt für die Klient*innen voraussetzt. Dokumentierende Sozialarbeiter*innen finden sich demnach zwischen – teils korrelierenden – eigenen, fachlichen und wissenschaftlichen Anforderungen an sich selbst, partizipativen und auch rechtlichen Ansprüchen der Klient*innen und solchen weiterer externer Erwartungsträger*innen wieder. Um in dieser und der hinzukommenden handlungsfeldspezifischen Heterogenität der Sozialen Arbeit eine zielführende Dokumentation möglich zu machen und sich dabei der aus verschiedenen sozialen Wirklichkeiten bestehenden Realität des Falles anzunähern, ist eine Standardisierung und Regelsetzung erforderlich, die gleichzeitig die Individualität der Fälle achtet. Geiser schlägt im Sinne einer strukturierten, ganzheitlichen Dokumentation eine Orientierung an ontologischem, d. h. wirklichkeitstheoretischem Wissen vor. Durch eine Strukturierung von Informationen nach Codes, die im Sinne der Systemtheorie unterschiedliche Wirklichkeitsbereiche wie biologische, ökologische und psychische Gegebenheiten einfangen, sollen individuelle Probleme und Ressourcen entdeckt und Ziele erarbeitet werden (vgl. Geiser 2009a, S. 33ff.). Was Geiser als Codierung beschreibt, kann um die Begrifflichkeiten Indikatoren und Kriterien, die in Bezug auf die Dokumentation insbesondere für den Umgang mit den Grundpfeilern der (Wirkungs-)Forschung – Objektivität, Reliabilität und Validität – von Belang sind, erweitert werden. Dies gewinnt sowohl im Zusammenhang mit einer möglichst vollständigen und wahrheitsgemäßen Wiedergabe der Wirklichkeitsdimensionen der Klient*innen und somit mit der Handlungsrealität im professionellen Kontext als auch in Bezug auf die Vergleichbarkeit von Dokumentationen innerhalb von Organisationen und über diese hinaus an Bedeutung (vgl. Geiser 2009a, S. 46). 30 2.2.3 Standardisierung – Eine notwendige Bedingung für eine individuelle Handlungsbasis der Sozialen Arbeit unter der hinreichenden Bedingung der Reflexion Im Hinblick auf Piagets Theorie der kognitiven Entwicklung rund um Akkommodation und Assimilation wundert es nicht, dass gerade eine so pluralistische, auf menschlichen Beziehungen bauende und aus Individuen hervorgehende Profession wie die Soziale Arbeit ihrem natürlichen Kategorisierungsinteresse nachgeht (vgl. Zimmermann 2006, S. 38). Dieses äußert sich in dem Versuch, in der sozialarbeiterischen Praxis Standards zu setzen. Ob ethisch, gesellschaftlich oder rechtlich – die Profession ist vor allem auf Grund ihrer Vielzahl an Bezugswissenschaften mit unterschiedlichen Anforderungen konfrontiert. Doch Standards sind nicht gleich Standards. Zu differenzieren sind persönliche, fachliche und methodische Standards der Fachkräfte einerseits und die innerhalb der Handlungsfelder von Institutionen festgelegten Anforderungen andererseits. Standardsetzungen sind dabei sowohl zwischen der Profession und Institutionen als auch professionsintern ebenso bedeutsam wie umstritten (vgl. Sozial Extra 2009, S. 18). Kritiker*innen sehen in Standardisierungen die Gefahr der Bürokratisierung und der Vernachlässigung der Individualität des Falles (vgl. Dewe/Otto 2012, S. 199). Auch stellt sich die Frage, ob Soziale Arbeit stets den regelkonformen Weg gehen muss oder es nicht gar ein Kern der Profession ist, Unkonventionelles zu wagen, um überhaupt klient*innenbezogen angemessen zu handeln. Denn in der Praxis der Sozialen Arbeit kommt es nicht ausschließlich auf die strenge Einhaltung von zuvor festgelegten Handlungsabläufen an, sondern vor allem auf die Fähigkeit, „Methoden situations- und personenadäquat anwenden zu können“ (Ebert 2010, S. 203). Bereits in Kapitel 2.1 dieser Arbeit wurde erörtert, dass die Definition dessen, was gesellschaftliche Normen und somit angemessene Standardbedingungen sind, nicht (mehr) deutlich greifbar ist. Die sozialen Herausforderungen, mit welchen sich Menschen in der heutigen Zeit konfrontiert sehen, sind pluralistische und somit individuell zu betrachtende. Von Normierung kann in der Sozialen Arbeit nur unter einer „Perspektivenerweiterung […] [d. V.: und] eine[r] Verabschiedung von einem deutlich ausgewiesenen Adressatenmilieu“ (Thole 2012, S. 56) die Rede sein. Handlungsweisen der alltäglichen Praxis – dazu gehört auch das Dokumentieren – im Hinblick auf eine professionelle Positionierung ohne Reflexion oder individuelle Ausrichtung am Fall aus wissenschaftlichen Erkenntnissen zu übernehmen, steht sowohl der 31 Erfolgswahrscheinlichkeit Sozialer Arbeit entgegen als auch ihrem inhaltlichen Kern als Menschenrechtsprofession (vgl. Ebert 2010, S. 199). Selbiger Anspruch aus differenter Perspektive verdeutlicht jedoch, dass eine Standardisierung innerhalb der Sozialen Arbeit prioritär und unabwendbar ist. Jeder Mensch hat das Recht auf ein würdiges Leben (vgl. Art. 1 GG) und somit auf die diesem entsprechenden Lebensstandards (vgl. Ziegler/Schrödter/Oelkers 2012, S. 299). Die Soziale Arbeit ist als Profession dazu angehalten, für die Erreichung dieser Standards und somit für jede und jeden Einzelnen einzutreten. Doch ohne sich mit den diese Standards auszeichnenden Kriterien auseinanderzusetzen und ohne die Handlungen der Sozialen Arbeit selbst auf Basis angemessener (qualitativer) Standards auszuführen, ist der Profession ein Kernelement ihrer selbst genommen: Die Reflexion und somit ständige Anpassung ihrer Wirkungsmöglichkeiten auf die individuellen Anforderungen ebenso individueller Fälle. Insbesondere in Bezug auf die Wirkungsevaluation anhand von Dokumentationen gilt es, nicht den Menschen zu standardisieren zu versuchen, sondern diesen stattdessen als Einzelfall anzuerkennen und somit als Basis in die Reflexion professions- und institutionsinterner Standardisierungen einzubringen (vgl. Dewe/Otto 2012, S. 199). Im Kontext der Dokumentationen als multifunktionale Medien bildet sich der Anspruch der gemeinsamen Kriterienaushandlung zum Zwecke der Standardisierung, der zwischen Profession und Institutionen steht, in Form und Inhalt dieser ab. Dabei steht insbesondere das Bestreben im Vordergrund, eine strukturierte, an Zielsetzungen orientierte, komparable Grundlage für die wirkungs- und effektivitätsorientierte Evaluation der Praxis des einzelnen Falles zu schaffen. Sowohl eine formale als auch inhaltliche Standardisierung fungiert hier zudem, um subjektive Wahrnehmung intersubjektiv nachvollziehbar zu machen und macht deutlich, dass Soziale Arbeit längst im Zeitalter der Standardisierung angekommen ist (vgl. Pradel 2007b, S. 58). Formale Standardisierung von Dokumentationen Wie bereits in Kapitel 2.2.1 dieser Arbeit hervorgehoben, existieren diverse Arten von Dokumentationen in ebenso heterogenen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit. Eine Anpassung der Form eines Schriftstückes ist demnach je nach Funktion und Art nicht ungewöhnlich. Dennoch ziehen sich bestimmt formale Standards durch nahezu jede Art der Dokumentation. Übersichtlichkeit und Nachvollziehbarkeit für die schreibende Fachkraft selbst oder externe Leser*innen sind ebensolche 32 Standards, deren Einhaltung über Kriterien wie eine klare Strukturierung des Textes nach (Unter-)Kapiteln, die fehlerfreie Nutzung von Regeln der Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik und die angemessene Anwendung von Fachbegriffen bestimmt werden kann (vgl. Geiser 2009b, S. 124). Zudem sollte „eine thematische Grundstruktur […], welche die wirklichkeits- und erkenntnistheoretischen Erkenntnisse widerspiegelt“ (Geiser 2009b, S. 125) verwendet werden, um Raum zu geben für die Abbildung des logischen Verlaufes des jeweiligen Falles. Um von dem von Kritiker*innen angerissenen Risiko der völligen Quantifizierung und somit einer Emporhebung der Standardisierung über die Individualität eines ebensolchen Einzelfalles zu entgehen und dennoch den „Gewinn eines kontinuierlichen, systematischen und damit intra- und interinstitutionell vergleichbaren Nachweis der erbrachten Dienstleistung“ (Brack 2009, S. 61) beizubehalten, schlägt Brack eine teilstandardisierte Dokumentationsführung vor. Im formalen Bereich schlägt sich diese in Kriterien wie zur Verfügung stehenden offenen Feldern für freie Kommentare der Schriftführenden auf ansonsten geschlossenen, schematisch vorstrukturierten Formularen nieder (vgl. Brack 2009, S. 61f.). Eine formale Standardisierung von Dokumentationen stellt eine Hilfe im Sinne der Orientierung und Nachvollziehbarkeit sowohl für die dokumentierenden Fachkräfte als auch für weitere, die Dokumentationen Lesende dar und dient somit vor allem der Arbeitsökonomie bzw. der Effizienz (vgl. Geiser 2009a, S. 28). Formale Standards sind sichtbare Standards, deren Festlegung in intra- und darüber hinaus in interinstitutioneller Perspektive zu Hürden führen kann, aber gegenständlich diskutabel ist. Komplexer ist es dagegen, eine Einigung auf qualitative Standards und damit verbunden inhaltliche Standardsetzungen der Dokumentation zu finden. Inhaltliche Standardisierung von Dokumentationen Mit der inhaltlichen Standardisierung sind unweigerlich die Begriffe Kriterium, Indikator und Qualität verbunden. An dieser Stelle ist es erneut sinnvoll, zu differenzieren und zwar zwischen inhaltlichen Standardisierungen im Sinne des Dokumentierens einer sozialen Praxis und solchen im Sinne der Qualitätsansprüche der Institutionen. Letztere basieren sowohl auf den im Leitbild festgehaltenen übergeordneten Zielsetzungen als auch einer ständigen Weiterentwicklung dieser. Im Rahmen des Qualitätsmanagements findet eine ständige 33 Überprüfung der Standard- und somit Qualitätseinhaltung durch die diesbezügliche vorherige Festlegung von Kriterien und Indikatoren statt. Kriterien dienen hier dem quantitativen Checkup, ob eine Anforderung oder Zielsetzung eingehalten wurde. Indikatoren werden hingegen für die Ermittlung der quantitativen und qualitativen Ausprägung der Kriterien eingesetzt (vgl. Mroß 2010, S. 443). Das Finalitätsprinzip im Sinne der Orientierung der weiterführenden Maßnahmenplanung an den Ergebnissen dieser selbst wird durch die Anwendung des in Kapitel 2.1 dieser Arbeit erläuterten PDCA-Kreislaufes greifbar (vgl. Pradel 2007a, S. 46). Daraus resultiert die Bedeutung von maßnahmenbezogenen Dokumentationen für die Standard- und Qualitätsprüfung. Durch sprachliche und inhaltliche Standardisierung bzw. Angleichung dieser können Dokumentationen als Basis der Indikatoren für die Evaluation der Qualitätseinhaltung einer Institution genutzt werden. Da sich ebendiese Dokumentationen allerdings zumeist auf die in diesen behandelten Fälle beziehen, schwingt hier eine weitere Ebene mit. Standardisiert zu dokumentieren meint nicht nur, einheitliche Bezeichnungen in Bezug auf die Qualitäts- und Wirkungskriterien des Qualitätsmanagements und der Praxis der Sozialen Arbeit zu verwenden, um diese verifizierbar zu machen (vgl. Pradel 2007b, S. 56). Um Begrifflichkeiten standardisiert nutzen zu können, ist es obligatorisch, diese nicht schlicht aus der Managementlehre auf die Soziale Arbeit überzustülpen und den Qualitätsbegriff somit zu ökonomisieren (vgl. Dewe/Otto 2012, S. 204), sondern – andersherum gedacht und gehandelt – fachlich und professionswissenschaftlich fundiert zu definieren und somit durch die Verbindung von Profession und Organisation zur „Überwindung einer organisationellen Rationalität, die dazu neigt, lebensweltliche Erfahrungen der Adressat*innen unter professionelle (bzw. gelegentlich rechtliche) Vorgaben zu subsumieren oder Wissenschafts- und Handlungswissen als gering zu schätzen“ (Dewe/Otto 2012, S. 198f.) beizutragen. Eine auf der Forschung als theoretische Reflexion der Praxis Sozialer Arbeit basierende Kategorienbildung und eine daran anknüpfende Maßnahmenplanung kann durchaus sinnvoll sein (vgl. Brack 2002, S. 10f.). Geisers Vorschlag der Codierung verschiedener Wirklichkeitsebenen findet hier Anwendung (vgl. Geiser 2009a, S. 33ff.). Denn Wirkungen in Form von Ergebnissen stehen in enger Anlehnung an die Qualität sozialer Dienstleistungen und umgekehrt – und beides lässt sich ausschließlich durch eine nachvollziehbare Protokollierung der 34 Wirklichkeiten des spezifischen Falles rekonstruieren. Sowohl auf der Ebene der Institutionen als auch auf der fachlich-praktischen der Sozialen Arbeit ist dazu eine ständige Überprüfung und Evaluation von Kriterien und Indikatoren notwendig (vgl. Pradel 2007b, S. 58). Genaue sprachliche Definitionen der Parameter zur Bestimmung von Zielsetzung und -erreichung, aber auch und vor allem von Wirkung und Effektivität einer Maßnahme sind für eine klare, einheitliche und intersubjektiv nachvollziehbare Kommunikation in Form von Dokumentationen unabdingbar. Die daran anknüpfenden Postulate der Forschung im Rahmen der sozialarbeiterischen Dokumentation einzuhalten, ist nur durch jeweilige Gegenproben möglich. Eine völlige Objektivierung der Sozialen Arbeit wird es nicht geben, dennoch kann sich mit Hilfe von validierten und reliablen Kriterien angenähert werden. Vice versa sind Validierung und Reliabilität nur dann möglich, wenn zuvor objektive Standards festgelegt wurden, an denen eine Prüfung zu orientieren ist (vgl. Pradel 2007b., S. 58). Dokumentationen sozialer Praxis und soziale Praxis selbst sind untrennbar miteinander verbunden (vgl. Reichmann 2016, S. 7). Es stellt eine Herausforderung dar, eine nicht komplett standardisierbare Soziale Arbeit in einer Art und Weise zu dokumentieren, dass sowohl bestehende Standards aufgegriffen als auch in Bezug auf die Individualität des Falles und die Wirkung und Qualität einer Dienstleistung stets revidiert werden. Dabei stellt sich nicht mehr die Frage, ob Standardisierungen notwendig sind, sondern wie diese Anspruchsdiversität möglichst vollständig erfüllt werden kann. Aus der Komplexität dieses Standardisierungsdiskurses – insbesondere im Hinblick auf die Wirkungsorientierung Sozialer Arbeit – etabliert sich aktuell das aus der Medizin stammende Modell der Evidenzbasierung in der Forschung und Praxis der Sozialen Arbeit. Wirkungsforschungstheoretische Erkenntnisse sollen dabei als Basis der Handlungsfähigkeit Sozialer Arbeit genutzt werden (vgl. Ghanem/Spensberger/Kollar 2017, S. 438). Ob eine solche Orientierung Sozialer Arbeit an Beweisen ihrer Wirkung ein Meilenstein in Richtung Praxis- und Klient*innenorientierung ist oder ein Risiko für den Kern der Profession darstellt, wird im folgenden Kapitel unter anderem durch die Einordnung des Forschungsvorhabens der vorliegenden Arbeit in die Evidenzhierarchie der Wirkungsorientierung erörtert. 35 2.3 Evidenzbasierung der Sozialen Arbeit – Grundlage für die Erkenntnis ‚echter‘ Wirksamkeit oder Mittel der Kontrolle und Rationalisierung? Die Finanzierung Sozialer Arbeit wird – gemäß dem sozialpolitischen Dreiecksverhältnis – durch die sogenannten Quasi-Märkte bestimmt. Dabei stehen Übereinkünfte zwischen Kosten- und Leistungstragenden insbesondere dann im Mittelpunkt, wenn das Subsidiaritätsprinzip zwischen öffentlichen und freien Trägern greift. Die Vergabe von Entgelten für die jeweiligen Leistungen unterliegt dabei einem Wettbewerbsprinzip, das bisher auf der Zusicherung von Qualität dieser Leistungen seitens der (freien) Träger und der diesbezüglichen Kontrolle von Seiten der Kostentragenden fußte. Nach Buestrich, Burmester, Dahme und Wohlfahrt stellt die sich in der Sozialen Arbeit etablierende Evidenzbasierte Praxis (im weiteren Verlauf EBP) zwar eine alternative Ausrichtung dieser – nämlich eine Wirkungs- statt einer Wettbewerbsorientierung – dar, lässt sich jedoch stets in die Wettbewerbsbedingungen der Quasi-Märkte einreihen und ist somit keine Generallösung für den Legitimationsdruck der Profession (vgl. 2008, S. 124f.). Seithe geht noch einen Schritt weiter und bezeichnet die Evidenzbasierung als eine Gefahr, da durch diese „ein chronischer Misstrauensantrag an die Profession gestellt“ (2012, S. 349) werde. EBP meint zunächst schlicht die Überprüfung von „Wirksamkeit professioneller Interventionen mittels Forschung“ (Baumgartner/Sommerfeld 2012, S. 1168) und die darauf zurückzuführende, von Wirkungswahrscheinlichkeiten ausgehende Maßnahmenplanung. Eine solche Bewertung Sozialer Arbeit auf Grundlage wissenschaftstheoretischen Wissens ist keine Neuerfindung, sondern ist in Form der Evaluation als alltäglich gewordene Methode in vielfältiger Weise bereits etabliert. Die Kritik, EBP sei ein ökonomisch orientiertes Mittel zur Kontrolle und somit Einschränkung der Autonomie der Profession, kann ebenso auf die Evaluation angewendet werden. Dennoch ist diese weniger umstritten als die EBP. Ein Grund dafür ist die (anfänglich) extreme Methodik der EBP, die eine Hierarchie der Nutzbarkeit verschiedener Forschungsansätze beinhaltet. Erfahrungswissen und Einzelfallstudien treten im Rahmen der sogenannten Evidenzhierarchie der Wirkungsforschung hinter umfassenderen Meta-Studien sowie Kontroll- und Quasi-Experimenten zurück (vgl. Otto 2007, S. 59). Die Methode der Evaluation fußt zwar einerseits ebenso auf programmorientierten Bewertungen, wird jedoch zudem auf dem sogenannten case-level im Sinne der Wirkungsweisen einer Intervention auf 36 den Einzelfall eingesetzt. Des Weiteren lässt sich Evaluation in Form einer Kosten-Nutzen-Analyse durch ihre Zielsetzung scheinbar von zentral klient*innenorientierten Evaluationen wie der Wirksamkeitsanalyse abgrenzen. Doch auch diese haben eine doppelte Zweckebene inne, indem die Evaluation von Wirksamkeit und Wirkungsweisen sowohl für die interne Optimierung von Problemlösungsmaßnahmen als auch für die Legitimation nach außen bzw. dadurch für eine Bewertung von außen genutzt wird. Diesem an Dokumentationen und an das Qualitätsmanagement anknüpfenden, häufig extern regulierten Prozess, der sich sowohl in summativen, also an Effizienz und Effektivität orientierten, als auch in formativen, also auf den eine Intervention ausführenden Personen beruhende Formen der Evaluation wiederfindet, stehen die Selbstevaluationen (teilweise ergänzend) gegenüber. Hierbei bewerten die Fachkräfte ihr individuelles fachliches Handeln und somit mögliche Veränderungsperspektiven dessen selbstständig (vgl. Baumgartner/Sommerfeld 2012, S. 1164ff.). Eine solche Ausrichtung an der Individualität lässt die EBP auch und vor allem in Bezug auf die Klient*innen vermissen. Hinzu kommt, dass in der klassischen Evidenzbasierung die Prozessebene und dadurch die Frage nach der Begründung dafür, wie eine bestimmte Wirkung erzielt werden konnte, in den Hintergrund gerät. Und dennoch ist eine Entwicklung hin zur Etablierung der EBP in der Sozialen Arbeit – bei angemessenem Einsatz – eine Chance. Die EBP zielt, wie bereits erläutert, nicht (nur) auf die Bewertung von einzelnen Maßnahmen. Zweck einer evidenzbasierten Forschung ist es, allgemeingültige Theorien zu bilden. Dass Generalität nicht gerade ein Steckenpferd der Sozialen Arbeit ist, wurde bereits hingehend erörtert. Umso bedeutender ist es, sich der Generierung von Basiswissen über Wirkungsweisen anzunähern, um somit eine Grundlage für die professionelle Handlungsausübung zu schaffen. Eine solche Basis fehlt der Sozialen Arbeit auf Grund ihrer divergierenden Handlungsfelder bisher. Doch um sich als eine Profession fest etablieren zu können, ist eine gemeinsame Wissensbasis obligatorisch. Eine sich aus sich selbst heraus legitimierende, gefestigte Soziale Arbeit käme zudem den externen Anforderungen zuvor und hätte somit die Chance, ihre Autonomie zu erhalten bzw. zurückzugewinnen. Ein Einsatz der EBP kann jedoch nur unter der Erkenntnis gelingen, dass eine ausschließliche Orientierung am Outcome von Maßnahmen, ohne den Prozess und somit auch die das Ergebnis dessen beeinflussenden Gegebenheiten in den Fokus zu nehmen, weder der 37 wirkungsorientierten Theoriebildung noch der Legitimation vor den Ressourcenverteilenden genügen kann. Diese Kritik aufgreifend, wurde die EBP um die Frage nach der Angemessenheit von Maßnahmen im Sinne der Prozessqualität erweitert. In Bezug auf das Manko der Nichtbeachtung von Individualität im Kontext der Ursache-Wirkungszusammenhänge, insbesondere in Anbetracht zeitlicher Verschiebungsmöglichkeiten und im Hinblick auf das Theoriedefizit Sozialer Arbeit kann EBP jedoch nicht allein stehen. Die Anwendbarkeit und Generierung von Theorien ist, ganz im Sinne der Falsifizierungsstrategie der Forschung, auch und gerade an Einzelfällen der alltäglich-spezifischen Praxis Sozialer Arbeit zu prüfen. Einzelfallbezogene Evaluationen behalten demnach auch im Hinblick auf die übergreifendere EBP eine relevante Stellung bei. Baumgartner und Sommerfeld halten hier eine Annäherung der beiden Ansätze für eine Möglichkeit, die jeweiligen Vorzüge für die Profession der Sozialen Arbeit zu nutzen (vgl. 2012, S. 1170). Die im Rahmen der vorliegenden Arbeit durchgeführte und aufbereitete Forschung steht im Kontext der klassischen EBP auf zweitniedrigster Stufe der Aussagekraft über die Wirkungswahrscheinlichkeit nach der Evidenzhierarchie der Wirkungsforschung. Dennoch wird die Studie unter einer wirkungsorientierten Fragestellung durchgeführt. Es erfolgt in diesem Rahmen keine allgemeingültige Theoriebildung. Vielmehr liegt die Betrachtung der Abbildung von Wirkung aus einer Mehrperspektivität im Fokus. Um sich dieser Zielsetzung anzunähern, wurde ein Forschungsfeld gewählt, dass sich wachsender Bedeutung, aber auch lauter werdender Kritik gegenübergestellt sieht und somit neben einer Legitimationspflicht den Kostentragenden gegenüber vermehrt gesellschaftlichem Druck ausgesetzt ist. Innerhalb dieses Forschungsfeldes ist die Soziale Arbeit noch nicht lange etabliert. Die Rede ist von der stationären Altenhilfe, genauer gesagt der Sozialen Altenarbeit im Kontext von stationären Altenpflegeeinrichtungen. 39 3. Soziale Altenarbeit in der Stationären Altenhilfe Als Begründung für die wachsende Relevanz der Etablierung Sozialer Arbeit in der Altenhilfe führt kein Weg an der Thematisierung des demographischen Wandels vorbei. Steigende Lebenserwartungen, die insbesondere durch den epidemiologischen Wandel begünstigt werden, führen bei gleichzeitig sinkender Geburtenrate zu einem wachsenden Anteil älterer Menschen gegenüber immer weniger jüngeren Nachkommen und somit langfristig zu einem generellen Rückgang der Bevölkerungszahlen in Deutschland, was mit dem Bild der ‚Bevölkerungs-Zwiebel‘ ausgedrückt werden kann (vgl. Pohlmann 2011, S. 24ff.). Die Soziale Arbeit gewinnt jedoch nicht allein deshalb an Bedeutung in der klassischen Altenhilfe, weil auf Grund vermehrter Hochaltrigkeit die Größe der Zielgruppe dieser ansteigt und somit betreuendes Personal benötigt wird. Vielmehr rückt hierbei der soziale Wandel der Gesellschaft, vor allem in Bezug auf die vermehrte Pluralität von Altersbildern und -prozessen, in den Fokus. Mit der Abkehr von der Definition des Alters als eine homogene Phase der Abbauprozesse und der Öffnung für die Entdeckung individueller Problemlagen, Bedürfnisse und Ressourcen ist die klassische Altenhilfe vor eine Herausforderung gestellt, der sich mit bestehenden und neu anzupassenden Methoden der Sozialen Arbeit angenähert werden kann (vgl. Falkenroth 2011, S. 347ff.). Inwiefern dies von der Vergangenheit bis heute bereits geschah, wird im folgenden Kapitel thematisiert, bevor spezifisch auf den aktuellen Stand der Etablierung der Sozialen Altenarbeit in der stationären Altenhilfe und auf die Dokumentationspraxis des Sozialen Dienstes eingegangen wird. Mit der Überlegung, den Capability Approach in die Wirkungsermittlung des Sozialen Dienstes einfließen zu lassen, wird zudem ein möglicher Ansatz für die Zukunft der Sozialen Altenarbeit erörtert. 3.1 Diversität des Alter(n)s – Chancen und Hindernisse im Hinblick auf einen gelingenden Altersprozess Die Problemlagen der Lebensverläufe älterer Menschen unterscheiden sich auf den ersten Blick nicht wesentlich von solchen, denen sich Soziale Arbeit in ihren vielzähligen Handlungsfeldern gegenübergestellt sieht. Eine spezifische Altenarbeit konsequent von dieser abzugrenzen, entspricht demnach nicht der praktischen Realität. Vielmehr zeigt sich eine Notwendigkeit darin, bestehende Problemlagen, die in Theorie und 40 Praxis der Sozialen Arbeit behandelt werden, aufzugreifen und um die Perspektive des Alter(n)s und aus dieser hervortretenden Herausforderungen zu erweitern (vgl. Pohlmann 2011, S. 142ff.). Die Entdeckung der Vielfalt des Alter(n)s führte – angestoßen durch den Paradigmenwechsel von einer Defizit- zur Ressourcenorientierung – zu einer Neudefinition des Begriffes Alter an sich. Die Beantwortung der Frage ‚Ab wann ist ein Mensch alt?‘ wird statt durch die ausschließliche Betrachtung der kalendarischen Altersangabe auf Basis mehrebiger Altersbilder vollzogen. Dabei lassen sich die Ebenen des sozialen, des biologischen und des psychischen Alters in Bezug auf die in ihnen liegenden Herausforderungen und Chancen anhand des Biopsychosozialen Krankheitsmodells von Bertalanffy und Weiss aufgreifen und in Zusammenhang zu einander stellen. Dieses umschreibt in Anlehnung an die Systemtheorie das Ineinandergreifen und -wirken von Gesundheits- bzw. Krankheitsfaktoren, die über einen einfachen psychosomatischen Wirkungszusammenhang hinausgehen, die Unterteilung in psychosomatische und nicht-psychosomatische Krankheits- und Gesundheitsstatus sogar als ungültig verwerfen. Gesundheit meint in diesem Zusammenhang die Funktionsfähigkeit der sich auf verschiedenen Ebenen befindenden einzelnen Teilsysteme, während Krankheit auf eine Dysfunktion eines oder mehrerer Teilsysteme hinweist, die sich auf die Funktionsfähigkeit anderer Teilsysteme und somit auf das gesamte System auswirken kann (vgl. Egger 2005, S. 4ff.). Diese Sichtweise ist ebenso mit Aaron Antonovskys Modell der Salutogenese zu vereinbaren und bezeugt somit sowohl die Notwendigkeit der Abwendung von einer Defizit- und Hinwendung zu einer Ressourcen- und Kompetenzorientierung als auch die Bedeutung der Erkenntnis, dass Probleme, insbesondere solche des Alter(n)s in vielschichtiger Art und Weise betrachtet werden müssen (vgl. Franke 2012, S. 170ff.). Das biologische Alter ist dabei die wohl markanteste, da scheinbar am ehesten von außen überprüfbare Klassifikation. Zur Einschätzung dessen werden auf medizinischer Ebene körperliche Funktionsfähigkeiten herangezogen. Mit steigendem Alter nimmt auch die Auftrittswahrscheinlichkeit alterskorrelierter Erkrankungen wie Arthrose, Diabetes mellitus oder Parkinson zu (vgl. Pohlmann 2011, S. 129f.). Eine medizinische Diagnose kann dabei das Vorliegen bzw. den Grad einer Erkrankung einordnen; ob einem Menschen jedoch auf dieser Grundlage sein genaues biologisches Alter zugeschreiben werden kann, ist auf Grund der unbestimmten Kategorisierbarkeit, welcher Funktionsgrad 41 für welches kalendarische Alter überhaupt angemessen ist bzw. welche Funktionen in welchem Lebensabschnitt normalerweise vorhanden sein ‚müssen‘, kritisch zu hinterfragen (vgl. Pohlmann 2011, S. 108). Sichtbare pathologische Rückentwicklungen wie das Zittern der Hände als Symptom für Parkinson sind dabei nicht nur in Bezug auf eine Diagnostik im Rahmen des biologischen Alters von Bedeutung. Neben dem äußerlichen Erscheinungsbild werden Alterszuschreibungen auf der Ebene des sozialen Alters auf Grundlage von bestehenden, aber auch „in Abhängigkeit kultureller und historischer Gegebenheiten oder auch meinungsbildender Prozesse innerhalb der Gesellschaft“ (Pohlmann 2011, S. 107) veränderbaren Normen getätigt. Problemlagen wie die Konfrontation mit Vorurteilen oder sozialer Isolation generieren sich insbesondere auf dieser Ebene durch stereotype Einstellungen und Erwartungen an die sozialen Rollen älterer Menschen. Wie eine solche Isolation älterer Menschen zu bewerten ist, wird aus verschiedensten, fachlichen Perspektiven diskutiert. Cumming und Henry verfolgen mit ihrer Disengagement-Theorie die These, dass sozialer Rückzug im Alter ein intrinsisch-motivierter Prozess ist, der zur Steigerung der Lebenszufriedenheit der jeweiligen Person führt. Havighurst, Neugarten und Tobin vertreten mit ihrer Aktivitätstheorie einen divergenten Ansatz, der ebendiese Lebenszufriedenheit in der „Aufrechterhaltung sozialer Interaktionen auf einem bestimmten Niveau“ (Pohlmann 2011, S. 80) begründet. Unter Hinzunahme der philosophischen Auseinandersetzung Hannah Arendts mit dem Theorem des Alleinseins können beide Ansätze sowohl falsifiziert als auch verifiziert werden – je nach Perspektive. Einsamkeit ist als eine Form des Alleinseins nach Arendt positiv besetzt und umfasst ein Zusammen-Alleinsein einer Person mit sich selbst. Dieser Zustand ist erforderlich, um sich in Konzentration und Ruhe den eigenen Gedanken widmen zu können und setzt die „Fähigkeit eines anwesenheitsumhüllten Beisichseins, d. h. ein sich zurückziehen können, ohne dass die Identifikation mit dem verlorengeht, wovon man sich zurückzieht“ [Hervorhebung im Original] (Peters 2011, S. 52) voraus. In diesem Sinne ist die Disengagement-Theorie zu bestätigen. Einsamkeit ist jedoch von der Verlassenheit und der negativen Form der Isoliertheit abzugrenzen. Diese Formen des Alleinseins sind im Gegensatz zur Einsamkeit selten aktiv gewählte Zustände. Es handelt sich bei Ersterem um ein Alleinsein in Gesellschaft von anderen Menschen, die der oder die Einzelne jedoch nicht erreichen kann, bei Letzterem um eine Abkapselung von ebendieser Gesellschaft. Verlassenheit und Isoliertheit 42 sind demnach im Sinne sozialer Desintegration zu verstehen und stellen als solche entscheidende Faktoren im Hinblick auf die psychische Situation älterer Menschen dar (vgl. Arendt 2006, S. 81ff.). Neben dem sozialen Umfeld und dem körperlichen Empfinden ist bei der Klassifikation des psychischen Alters insbesondere das jeweilige subjektive, teilweise situations- oder tagesabhängige Empfinden von Belang, welches sich innerhalb eines rückwirkenden Zusammenhanges zu genannten Faktoren befindet. Erikson beschreibt in seiner Stufenlehre der Identitätsentwicklung zwei für diese Altersklassifikation relevante Phasen. Etwa im Alter zwischen 40 und 65 Jahren setzt sich ein Individuum laut Erikson mit dem Konflikt zwischen Generativität und Stagnation auseinander. Während die gelingende Lösung dieses Konfliktes in der über eigene Interessen hinausgehenden Orientierung an Familie und Gesellschaft liegt, besteht mit einer nicht angemessenen Lösung des Konfliktes das Risiko einer Sinnkrise, in welcher das eigene Leben als vergeudet angesehen wird. Die Frage nach dem Sinn des Lebens zieht sich weiter in die nächste Stufe, die die Krise zwischen Ich- Integrität und Verzweiflung beinhaltet. Während der eine Mensch zufrieden auf sein Leben zurückblickt und sich selbst als Einheit erlebt, leidet der andere unter Unzufriedenheit und Angst vor dem Ende des falsch- oder ungenutzten Lebens (vgl. Zimmermann 2006, S. 28). Dass eine solche, defizitäre Entwicklung nicht alle älteren Menschen betrifft, liegt insbesondere in ihren individuellen Ressourcen begründet. Insbesondere in der Kinder- und Jugendhilfe wird für solche Rücklagen, die zur Bewältigung von Krisen befähigen, der Begriff Resilienz gebraucht (vgl. Bucher 2011, S. 187ff.). Entgegen dem noch heute verbreiteten Bild der bei älteren Menschen vorherrschenden Rückentwicklungsprozesse existieren einige Ressourcen, die sich erst im Laufe des Lebens, also mit dem Alter entwickeln. Auf psychischer Ebene wird insbesondere die Zunahme der kristallinen Intelligenz im Zuge der Steigerung von Erfahrungs- und Allgemeinwissen, auf sozialer Ebene ebenjene kristalline Intelligenz in Form eines routinierteren Umganges mit Krisensituationen oder in Bezug auf zwischenmenschliches Verhalten hervorgehoben. Insbesondere in der Arbeitswelt gewinnt die Entdeckung eines solchen, positiven Kompetenzwandels zunehmend an Bedeutung (vgl. Esslinger/Braun 2007, S. 128). Eine weitere Ressource älterer Menschen ist die hinzugewonnene Zeit durch den Austritt aus der Erwerbsarbeit. Insbesondere im Hinblick auf den Terminus des produktiven Alterns gewinnt diese an Bedeutung. Freiwilliges Engagement „bietet älteren Menschen Möglichkeiten 43 zur Mitgestaltung“ (Vogel/Kausmann/Hagen 2017, S. 10) – ein Ziel, dass innerhalb der Sozialen Arbeit insbesondere mit dem Empowermentansatz verfolgt wird. „Altern ist ein Entwicklungsprozess, der hohe Anforderungen an das Anpassungsvermögen stellt“ (Dech 2009, S. 25). Copingstrategien älterer Menschen wie eben genannte Produktivität oder eine optimistische Grundhaltung in Bezug auf das Leben basieren auf bestehenden Ressourcen und bedingen gleichzeitig die Aufrechterhaltung bzw. Entwicklung positiver Selbstwirksamkeitserwartungen (vgl. Pohlmann 2011, S. 87). Die Gesamtheit von Lebenssituation, Ressourcen und deren Einsatz ist somit grundlegend für die Lebensqualität eines (älteren) Menschen, insbesondere im Hinblick auf ein erfolgreiches und gelingendes Altern. Zur Definition von Erfolg und Gelingen in diesem Zusammenhang finden sich in der Literatur verschiedene Annäherungen. Ein von Ryff stammender Ansatz greift sechs Dimensionen auf, die sich auf bereits erwähnte Ansätze wie das Empowerment (entspräche Ryffs Dimensionen Autonomie, Umweltkontrolle und persönliches Wachstum) und die Lösung der Krisen zwischen Generativität (positive Beziehungen zu anderen) und Stagnation und Ich-Integrität (Selbstakzeptanz und Lebenssinn) und Verzweiflung nach Eriksons Stufenmodell beziehen lassen (vgl. Pohlmann 2011, S. 88f.). Eine generelle Definition für das gelungene und erfolgreiche Altern aufzustellen, ist in Bezug auf die bereits erörterten, individuellen Lebensverläufen und somit spezifisch zu betrachtenden Herausforderungen und Ressourcen nicht möglich. Festzuhalten ist jedoch, dass in die Ressourcenentdeckung bzw. -bestimmung neben einer bloßen Einschätzung der Funktionsfähigkeit eines Menschen diesen beeinflussende „Umstände […], die sich durch äußere Kräfte oder individuelle Verhaltensweisen auf das Alter auswirken“ (Pohlmann 2011, S. 110.) einzubeziehen sind. Somit ist im Sinne des induzierten Alters ein vollständiger, ganzheitlicher und umfassender Überblick über die Lebenswelt der betroffenen Person und besonders die Perspektive des Menschen selbst grundlegend für die Bestimmung dessen, was Erfolg und Gelingen im Sinne der Lebensqualität und -zufriedenheit meint (vgl. Pohlmann 2011, S. 110ff.). Aus der Pluralität von Herausforderungen, Ressourcen und sich verändernden Altersbildern und -prozessen wachsen die Anforderungen an die Soziale Arbeit, sich im Handlungsfeld der Altenhilfe zu etablieren und über die bloße Übertragung ihrer Methoden in diese hinaus zu gehen. Eine solche Etablierung war und ist jedoch noch heute in 44 einem hauptsächlich durch medizinisch-pflegerische Berufe geprägten Handlungsfeld nicht konfliktlos möglich. Wie sich Soziale Arbeit bis heute unter dem Namen der Sozialen Altenarbeit innerhalb und außerhalb der klassischen Altenhilfe entwickelte und entwickelt, ist Thema des folgenden Kapitels. 3.2 Soziale Altenarbeit – Etablierung zwischen Daseinsnotwendigkeit und Profilierungsdefizit Die Sozialen Altenarbeit existiert nicht. Vielmehr entwickelte sich die Soziale Arbeit in historischer Perspektive in das Handlungsfeld der klassischen Altenhilfe hinein und weist auch heute noch einen Mangel an professionseigenen Profilierungskriterien auf. Einige der Gründe für dieses Definitionsdefizit finden sich im Hinblick auf den historischen Hintergrund des Handlungsfeldes, andere in der Betrachtung der aktuellen Perspektive wieder (vgl. Neubert 2011, S. 282). Eine Entwicklung der Sozialen Arbeit als Soziale Altenarbeit lässt sich zunächst als von der klassischen Altenhilfe abzugrenzendes Gegenstück dieser, schließlich als mit selbiger inhaltlich verschwimmendes Handlungsfeld nachvollziehen. Die klassische Altenhilfe war hauptsächlich einem defizitorientierten Altersbild nach „auf den Unterstützung- und Fürsorgeaspekt“ (Pohlmann 2011, S. 15) begrenzt, während die Soziale Arbeit in Bezug auf die Interventionen für und vor allem mit älteren Menschen „auf die aktive Auseinandersetzung mit der Rolle und Gestaltung des Alters, der Bildungs- und Kulturarbeit, der Unterstützung von Engagement, aber auch der Förderung von Solidarität zwischen Jung und Alt“ (Pohlmann 2011, S. 15) zielte. Ein Paradigmenwechsel in den 1970er Jahren hin zu ebendiesem Bild des aktiven und produktiven Alter(n)s und somit die Abwendung von dem klassischen, defizitorientierten und homogenen Altersbild, gaben den Anstoß, die klassische Altenhilfe mit Methoden der Sozialen Arbeit anzureichern. In diesem Zusammenhang waren und sind noch heute insbesondere das professionsdefinierende Zusammenspiel von wissenschaftlichem Wissen und Handlungswissen und die darin begründeten, forschungsbasierenden und praxisorientierten Konzepte der Sozialen Arbeit von Bedeutung (vgl. Aner 2013, S. 304f.). Lebenswelt-, Ressourcen- und Biographieorientierung sollten eine Antwort auf die vermehrt ganzheitlichere Wahrnehmung von Lebens- und Bedarfslagen sein. Durch diese Entwicklung wurden die Grenzen zwischen Sozialer Arbeit und der einstigen klassischen Altenhilfe fließend; von einer vollwertigen und eigenständigen Etablierung einer Soziale Altenarbeit 45 konnte dennoch nicht die Rede sein. Trotz einer beginnenden Neuausrichtung blieb die Altenarbeit stets ein hauptsächlich von medizinischpflegenden Berufen geprägtes Handlungsfeld. Mit der klaren Verortung des Arbeitsfeldes Pflege in das Gesundheitswesen durch das Pflegeversicherungsgesetz geriet die Soziale Arbeit in den 1990er Jahren weiter in den Hintergrund (vgl. Aner 2017, S. 430). Obwohl bereits 1962 die gesetzliche Basis für die Integration und Förderung einer sozialen Altenhilfe gelegt wurde, bleibt der Standpunkt der Sozialen Arbeit in diesem Handlungsfeld per Gesetz (heute § 71 SGB XII) bis heute unbestimmt. Der Begriff der Sozialen Altenarbeit lässt sich vielmehr aus der Handlungspraxis dieser ableiten, welche diverse Zielsetzungen der lebensweltorientierten Hilfeleistung bei problematischen Angelegenheiten des Alter(n)s in ebenso diversen Arbeitsfeldern umschließt (vgl. Neubert 2011, S. 283). Als Teil der kommunalen Daseinsvorsorge hatten und haben Fachkräfte der Sozialen Arbeit administrative Tätigkeiten inne, etablieren sich aber auch als Mitarbeiter*innen in konkreter Praxis. Neue oder neu wahrgenommene Bedarfslagen bieten die Grundlage für über die Handlungsfelder der klassischen Altenarbeit hinausgehende Maßnahmen, die beispielsweise in Form der Netzwerkarbeit sowohl in Angeboten der offenen und ambulanten als auch (teil-)stationären Altenarbeit Fuß fassen konnten bzw. sich aktuell in einem Etablierungs- und Legitimierungsprozess befinden (vgl. Aner 2013, S. 305f.; vgl. Klie/Schmidt 1998, S. 301). Ein solcher Prozess scheint in Feldern der offenen Altenarbeit zu gelingen. Wenn auch die Ausübung der in diesem Rahmen stattfindenden Arbeit nicht einzig und allein den Fachkräften der Sozialen Arbeit zugeschrieben wird, so sind die Ansätze der Profession hier bereits hinreichend vertreten. Beispielgebend sind die Kölner Seniorennetzwerke. Diese zielen auf Selbstbestimmung und Teilhabe von Senior*innen und bauen auf Konzepten des Empowerments, der Ressourcenorientierung und der Selbsthilfebefähigung (vgl. SeniorenNetzwerke Köln 2008, S. 3). Zudem findet das mittlerweile auf über 40 Stadtteile Kölns ausgeweitete Programm Anklang an die aus der Sozialen Arbeit hervorgegangene Quartiersarbeit (vgl. Liga AG Senioren o. J.). Eine ähnliche Strategie wird vermehrt auch für den Themenbereich des Zusammenhanges von Pflegebedarf und Autonomie und somit für ambulante und teilstationäre Angebote diskutiert (vgl. Kümpers/Heusinger 2012, S. 7ff.). Die Notwendigkeit einer sozialen Betreuung im Hinblick auf Empowerment steht jedoch hinter der als elementar bewerteten, medizinisch-pflegerischen Versorgung zurück. Auf der Sozialen Altenarbeit 46 lastet durch ihre Verortung als nicht notwendiger und zu hohe Kosten verursachender Dienst bereits in ambulanten, aber vor allem in teilstationären und stationären Angeboten ein handlungsfeldinterner Legitimationsdruck. Sich als Notwendigkeit hervorzutun und zu profilieren, ist eine Königsaufgabe der Profession innerhalb der stationären Altenhilfe, die sich selbst wachsender gesellschaftlicher Kritik und finanziellem Druck gegenübergestellt sieht (vgl. Hirt 2008, S. 230). 3.3 Aufgaben und Interventionen des Sozialen Dienstes – Wirkungsfelder der Sozialen Altenarbeit Über die Soziale Altenarbeit innerhalb der stationären Altenpflege existiert bisher ein eher geringer Anteil aktueller Literatur. Und das, obwohl der Umzug in eine Pflegeeinrichtung und der Verbleib in dieser als Wendepunkt im Leben eines Menschen mit vielfältigen Herausforderungen besetzt sein kann und somit hervorstechende Anknüpfungspunkte und Handlungsnotwendigkeiten an die Soziale Arbeit bereithält (vgl. Peters 2011, S. 99). Nach Falkenroth haben „Angebote der sozialen Betreuung […] das Ziel, zur Befriedigung der geistigen, seelischen, sozialen und körperlichen Bedürfnisse beizutragen“ (Falkenroth 2011, S. 348). Daraus ergeben sich Aufgaben verschiedener Kategorien. Bezogen auf die Klient*innen – hier: Bewohner*innen – sind Fachkräfte insbesondere für die Aufnahme und somit den Übergang in die stationäre Einrichtung zuständig, beraten diese in rechtlichen Angelegenheiten und sorgen für die Planung und Durchführung verschiedener Einzel- oder Gruppenangebote. Ein weiteres Aufgabenfeld ist die Arbeit mit Angehörigen beispielsweise in Form von psychosozialer Beratung und Unterstützung in Krisensituationen. Als dritte Aufgabenkategorie ist die Vertretung der Einrichtung nach außen durch Öffentlichkeits- und Gemeinwesenarbeit zu nennen. Die daran anknüpfende Förderung von Engagement schließt den Kreis der von Falkenroth aufgezeigten Aufgabenfelder im Hinblick auf die Einbindung von Ehrenamtlichen in die alltägliche Arbeit innerhalb der jeweiligen Einrichtung (vgl. 2011, S. 348f.). Die Autorin spezifiziert die Ausführung dieser Aufgaben mit Nennung zweier Beispiele für den Einsatz von Care- und Case Management als Ansätze der Sozialen Arbeit. Während Care Management auf Ebene der Strukturqualität ansetzt und somit „die fallübergreifende Systemund Versorgungssteuerung“ [Hervorhebung im Original] (Remmel- Faßbender 2011, S. 146) umfasst, dient das Case Management als konzeptionelle, koordinierende Hilfeplanung auf Basis der individuellen 47 Lebenswelt der Bewohner*innen unter Achtung von deren Autonomie und dem Grundgedanken der Partizipation. Ziel ist es dabei, „passgenaue Hilfen für konkrete Bedarfslagen ausfindig und zugänglich zu machen“ (Zierer 2017, S. 75). Durch den systematischen Aufbau des in Phasen strukturierten Verfahrens bietet das Case Management zudem eine Grundlage für die Einbringung und Erfassung von Effizienz und Effektivität. Ob die im Rahmen des Case Managements eingesetzten Hilfen in Bezug auf die zuvor festgelegten Zielvereinbarungen hinführend sind und somit die erwünschte Wirkung erzielen, wird während des Durchführungsprozesses stetig von der Fachkraft überprüft und anhand von Evaluationen bewertet. Neben der Steigerung der Effizienz und Effektivität von Hilfeplanungen für die und mit den Klient*innen kann das Case Management ein Vorteil auf institutioneller Ebene im Sinne einer wirtschaftlichen Koordination des Einsatzes von Leistungen durch die Vernetzung von Schnittstellen verschiedener Versorgungsträger sein. Zudem lassen sich aus dem Case Management hervorgehende Evaluationen zur Legitimation von Maßnahmen nutzen (vgl. Remmel-Faßbender 2011, S. 139ff.; vgl. Schulz/Kunisch 2011, S. 302). Dass sich eine so komplexe Form des Case Managements innerhalb der Sozialen Dienste stationärer Altenpflegeeinrichtungen wiederfindet, ist jedoch keinesfalls alltäglich. Am Beispiel des Konzeptes für den Sozialen Dienst einer Bamberger Einrichtung wird zwar eine vermehrte Orientierung an der Förderung von Aktivität, Teilhabe und Lebensqualität durch den Einsatz von Konzepten wie dem Sozialtraining und der Biographiearbeit deutlich – Ansätze, mit denen auch Methoden der Sozialen Arbeit aufgegriffen werden. Dennoch ist weder definiert, von welcher Berufsgruppe genau welche dieser Methoden ausgeübt werden noch wie dies geschehen soll. Die Auflistung der für die Umsetzung vorgesehenen Aktivitäten beinhaltet zudem weniger von Beratungsoder Therapieansätzen geprägte Vorschläge als vielmehr Ideen zur Beschäftigung der Bewohner*innen und des Trainings der selbstständigen Körperpflege. Der Soziale Dienst ist dabei sowohl im Rahmen seiner praktischen Arbeit als auch im Zuge der Dokumentation in die Pflege eingebettet (vgl. Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg e.V. 2008, S. 2f.)3. Eine Verschriftlichung der Tätigkeiten des Sozialen Dienstes findet in der Bamberger Einrichtung durch die Eintragungen in das 3 Zu beachten ist hier, dass das Konzept der Einrichtung bis heute durchaus Überarbeitungen erfahren haben kann, die für d. V. zum Zeitpunkt der Verschriftlichung dieser Arbeit nicht einsehbar waren. 48 nach dem AEDL-Konzept4 funktionierenden Dokumentationssystem statt. Im Rahmen einer Entbürokratisierungsmaßnahme wurde im Jahre 2015 ein neues Konzept der Dokumentation veröffentlicht. Die Strukturierte Informationssammlung (im weiteren Verlauf SIS®5) ist eine aktuelle Form der Verschriftlichung, die in ein vierphasiges Strukturmodell eingebettet ist. Seit 2015 hat im Zuge der „bundesweite[n] Implementierungsstrategie […] vielerorts […] die Umstellung der Pflegedokumentation begonnen“ [Hervorhebung im Original] (Arbeitsgruppe technischer Implementierungsleitfaden/FINSOZ e.V./Projektbüro Ein-STEP/DVMD e.V. 2017, S. 5). 3.3.1 Aktenführung im Sozialen Dienst – Neue Formen des Dokumentierens und der Qualitätsprüfung Systematisierter, nachvollziehbarer und somit effizienter und evaluierbarer: Diese Zielsetzungen sollen sowohl durch die Nutzung neuer Dokumentationssysteme im Sinne weiterentwickelter Verschriftlichungsstrategien als auch durch eine Novellierung des technischen Rahmens dieser erreicht werden (vgl. Gerber/Muck/Brüggemann/Fleer/Labouvie/Slomka/Butzke/Ernst/Coners/Wollschläger 2016, S. 8f.; vgl. Arbeitsgruppe technischer Implementierungsleitfaden et al. 2017, S. 5). Da im Vorgespräch mit den Verantwortlichen des Sozialen Dienstes, in dessen Rahmen die in diese Arbeit eingebettete Forschung durchgeführt wurde, die SIS® als grundlegend für die in der Einrichtung geführten Dokumentationen angegeben wurde, wird diese im Folgenden als Beispiel herausgegriffen. Auf eine „Initiative des Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung zur Neuausrichtung der Pflegedokumentation in der ambulanten 4 Eine Übersicht über das AEDL (Aktivitäten und Existenzielle Erfahrungen des Lebens)-Modell und weitere Pflegemodelle bieten Kuntsche und Börchers (2017, S. 321f.). 5 Im Anforderungsprofil der Arbeitsgruppe technischer Implementierungsleitfaden wird explizit darauf hingewiesen, dass im Rahmen von Dokumentationen ‚SIS®‘ als Schreibweise zu verwenden ist. Die Begründung dafür ist, dass „der Begriff SIS® […] seit September 2016 eine beim Deutschen Patent- und Markenamt eingetragene Wortmarke für die Klassen 35 (Organisationsberatung etc. im Gesundheitsbereich) und 44 (Beratungsdienste zur Pflegedokumentation) [d. V.: ist]. Inhaber der Marke: Bundesrepublik Deutschland. Die Schutzdauer läuft am 30. Juni 2026 ab“ (Arbeitsgruppe technischer Implementierungsleitfaden/FINSOZ e.V./Projektbüro Ein-STEP/DVMD e.V. 2017, S. 14). Auf Basis dieser Begründung wird sich im Rahmen dieser Arbeit an die von der Arbeitsgruppe vorgesehene Schreibweise angepasst. 49 und stationären Langzeitpflege“ (Arbeitsgruppe technischer Implementierungsleitfaden et al. 2017, S. 5) hin entstand im Jahre 2015 eine sich dieser Thematik widmende Arbeitsgemeinschaft. Bestehend aus dem zuvor beauftragten Projektbüro Ein-STEP, ausgewählten Anbieter*innen von Dokumentationssystemen und Leistungstragenden von Pflegeinstitutionen oblag dieser die Generierung von Ideen zur Umsetzung und Realisierung des die SIS® umfassenden Strukturmodells. Die SIS® ist in dieses vierphasige Modell in Form eines SIS®-Bogens eingebettet. Dieser besteht aus den vier Oberkategorien A, B, C1und C2. Während A die Stammdaten der Bewohnerin bzw. des Bewohners und Informationen über das erste Gespräch enthält, wird an B der personenzentrierte Ansatz des Strukturmodells deutlich. In einem Freitextfeld ist Platz für die narrative Beschreibung der Situation der Bewohnerin bzw. des Bewohners aus ihrer bzw. seiner eigenen Sicht. An dieser Stelle wird besonders darauf wertgelegt, dass durch die Dokumentation diese Innenansicht nicht unter Nutzung von Fachbegriffen, sondern orientiert an der Wortwahl der Person selbst wiedergegeben wird. Es folgt die Kategorie C1, welche wiederrum in sechs Themenfelder untergliedert ist. In diesen wird die Situation der Bewohnerin bzw. des Bewohners sowohl in Bezug auf deren bzw. dessen Problemlagen als auch auf bestehende Ressourcen aus der Perspektive der Pflegefachkraft eingeschätzt. Das „Themenfeld 5 – Leben in sozialen Beziehungen“ (Beikirch/Schulz/Fährmann/Hindrichs/Rösen/Triftshäuser/Umlandt-Korsch/Braeseke/Deckenbach/Nolting 2017, S. 40) ist dabei ein Anknüpfungspunkt für die Soziale Arbeit. Im Kontext dieses Themenfeldes werden sowohl Herausforderungen als auch Gestaltungsmöglichkeiten des Alltags und der sozialen Beziehungen thematisiert und erwünschte Leistungen der Betreuung mit der Bewohnerin bzw. dem Bewohner angesprochen. Welche Maßnahmen explizit angewandt werden, ist Inhalt des auf den SIS®-Bogen, welcher mit einer medizinischen Risikoeinschätzung (C2) durch die Pflegefachkraft endet, folgenden Maßnahmenplanes. Auch dieser trägt den Grundsatz der Personenzentrierung statt absoluter Standardisierung, indem die geplanten Maßnahmen hauptsächlich nicht durch Begriffe aus Maßnahmenkatalogen, sondern individuell auf die jeweilige pflegebedürftige Person beschrieben werden. Ebenso leiten sich die Maßnahmen einerseits aus der zuvor verschriftlichten SIS®, andererseits aus den Wünschen und Zielsetzungen der betroffenen Person ab (vgl. Beikirch et al. 2017, S. 60f.). 50 Die ganzheitliche Betrachtungsweise soll in der Maßnahmenplanung durch den Einbezug der Wissensbestände und Ressourcen eines „interprofessionell zusammengesetztes Pflege- und Betreuungsteam[s] […] und […] ehrenamtlicher Helfer, zusätzlicher Betreuungskräfte und Familienangehörige[r]“ (Beikirch et al. 2017, S. 21) sichergestellt werden – eine Grundhaltung, die sich auch im Rahmen des Berichteblattes wiederfindet, in dem Eintragungen aller an der Pflege und Betreuung beteiligten bzw. von dieser betroffenen Personen vorgesehen sind (vgl. Beikirch et al. 2017, S. 72).6 Eine detaillierte Beschreibung regelmäßig umzusetzender Maßnahmen erfolgt nur einmal, jede weitere Durchführung der beschriebenen Maßnahmen wird lediglich in den Dokumentationen abgezeichnet. Die Durchführung und Wirkung von Maßnahmen werden jedoch in der vierten Phase des Strukturmodells evaluiert und können demnach immer wieder angepasst werden. Im Rahmen der Maßnahmenplanung werden Termine zur Evaluation festgelegt, es wird jedoch auch zusätzlich Raum für solche Evaluationen gelassen, die auf Grund eines akuten Anlasses notwendig sind. Bei Betrachtung dieses Gesamtablaufes des Strukturmodells können Parallelen zum bereits in Kapitel 2.1 dieser Arbeit thematisierten PDCA-Kreislauf gezogen werden. Maßnahmen werden auch hier zunächst – angepasst an die individuellen Bedürfnisse – geplant (Plan), schließlich durchgeführt (Do), evaluiert (Check) und ggf. angepasst (Act) (siehe Abbildung 3). 6 Im weiteren Verlauf der Forschung ergab sich, dass in der stationären Altenpflegeeinrichtung, in deren Rahmen diese stattfand, das Berichteblatt ausschließlich von dem betreuenden und pflegenden Personal der Einrichtung geführt wird. 51 Abb. 3 „4-phasiger und sechsphasiger Pflegeprozess“ [Formatanpassungen der Grafik durch d. V.] (Beikirch et al. 2017, S. 62) Um einen so standardisiert wirkenden Regelkreis für die unterschiedlichsten Anbieter*innen im Pflegesektor nutzbar zu machen, wurde ein Anforderungsprofil erstellt, das sowohl ambulante und stationäre Angebote als auch solche der Tages- und Kurzzeitpflege in Bezug auf die papier- oder IT-gestützte Dokumentation aufgreift. Ein Kategoriensystem gibt dabei einerseits die Eignung der Anforderungen für die jeweiligen Angebotsformen an, andererseits werden Verfahrensweisen ihrem Verpflichtungsgrad nach in Muss- (Kategorie A), Soll- (Kategorie B) und Kann-Kategorien (Kategorie C) eingestuft (vgl. Arbeitsgruppe technischer Implementierungsleitfaden et al. 2017, S. 12). Der zuständigen Pflegefachkraft obliegt sowohl die Kontrolle über korrekte, klare und auf nachvollziehbare Informationen reduzierte Dokumentationen als auch die Koordinierung der durch alle an der Pflege 52 und Betreuung beteiligten Personen herangetragenen Informationen im Sinne der pflegebedürftigen Person – Aufgaben, die auf Parallelen zum Case Management schließen lassen (vgl. Beikirch et al. 2017, S. 24). Die Soziale Arbeit scheint in dieser Form der Dokumentation eher gering vertreten. Jedoch sind bereits „einige Pflegeeinrichtungen […] dazu übergegangen, gerade das Gespräch mit der pflegebedürftigen Person […] bei dem Einzug in eine stationäre Pflegeeinrichtung zusammen mit dem Mitarbeiter des Sozialen Dienste[sic] oder der Betreuung zu führen, um von Anfang an, [sic] angemessene und individuelle Angebote der Pflege und Betreuung gemeinsam zu planen“ (Beikirch et al. 2017, S. 30). Da die Umsetzung des Strukturmodells angepasst auf die jeweiligen Einrichtungen geschieht und somit vom spezifischen, internen Pflege- und Qualitätsmanagement abhängig ist, kann über die tatsächliche Einbindung der Fachkräfte der Sozialen Arbeit in die Dokumentation keine generelle Aussage gemacht werden; es wird jedoch im Rahmen der in dieser Arbeit enthaltenen Forschungsergebnisse darauf abgezielt, sich dieser Thematik anzunähern. Denn Dokumentationen sind insbesondere im Hinblick auf die Transparenz der Leistungsqualität bedeutsam. Auf eine solche Transparenz zielt der Medizinische Dienst der Krankenkassen (im weiteren Verlauf MDK) mit seinen bundesweit einheitlichen Qualitätsprüfungen stationärer Altenpflegeeinrichtungen. In den basisgebenden Prüfungsrichtlinien werden Befragungen von Bewohner*innen und Auswertungen von Dokumentationen in die Bewertung der Leistungen einbezogen. Die Betreuung stellt hier im Vergleich zu pflegebezogenen Kriterien einen relativ geringen Anteil dar. Inwiefern „Verantwortungsbereiche/Aufgaben für die Betreuung [d. V.: als] geregelt“ (GKV-Spitzenverband/Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen/Prüfdienst des Verbandes der Privaten Krankenversicherung e. V. 2017, S. 12, Teil 2, stationäre Pflege, Anlage 2) anzusehen sind, wird ebenso wenig berücksichtigt wie die nach dem MDK erforderliche Qualifikation nach § 4 der Betreuungskräfte-Richtlinien eine genaue Berufsbezeichnung definiert wird. Lediglich im Rahmen der Beschreibung der beruflichen Qualifikation des Betreuungspersonals werden Sozialarbeiter*innen und -pädagog*innen neben Ergotherapeut*innen und zusätzlichen Betreuungskräften explizit erwähnt. Dennoch wird im Rahmen der Prüfungskriterien Wert auf die Integration von Betreuungsmaßnahmen in die Pflegeplanung gelegt. Bedeutsam scheint hier demnach weniger zu sein, von wem die Betreuung durchgeführt wird, als vielmehr, dass bestimmte Formen der Betreuung stattfinden 53 und wie diese den Bewohner*innen zur Verfügung stehen bzw. gestellt werden. Diese These stützt die explizite Abfrage des Vorhandenseins gruppen- und gemeinwesenbezogener Angebote (vgl. GKV-Spitzenverband et al. 2017, S. 13, Teil 2, stationäre Pflege, Anlage 1). Weiterhin wird die Existenz solcher Maßnahmen der Eingewöhnungs- und Wohnlichkeitsförderung sowie die Möglichkeit demenziell erkrankter Bewohner*innen zur Selbstbestimmung einbezogen (vgl. GKV-Spitzenverband et al. 2017, S. 15ff., Teil 2, stationäre Pflege, Anlage 1). Ebensolche Kriterien, die mit Zielsetzungen der Sozialen Arbeit vereinbar sind – auch wenn diese selbst dabei nicht benannt wird – finden sich auch in weiteren Instrumenten der Qualitätsprüfung. Eines dieser Instrumente wurde an der Hochschule München erstellt und zielt auf die Prüfung der Qualität auf den Ebenen „Zweckmäßigkeit […], […] Wohnlichkeit […], […] Personal […], […] Gesundheitliche Versorgung […], […] Verpflegung […], […] Selbstbestimmung […], […] Soziale Betreuung […] [und] Miteinander“ (Pohlmann 2011, S. 200f.). Die Ergebnisse dieser Prüfung werden in einem Onlinetool transparent dargestellt. Dies ermöglicht eine Übersicht darüber, welche Einrichtung die erwünschten Kriterien im Sinne der pflegebedürftigen Person bzw. deren Betreuer*innen und/oder Angehörigen erfüllt (vgl. Pohlmann 2011, S. 201). Ein sowohl den Kriterien des Münchener Instruments der Qualitätsprüfung als auch denen des Prüfkataloges des MDK ähnlich erscheinender Ansatz ist der Capability Approach. Dieses an Diskurse sozialer Ungleichheit und die Möglichkeiten eines Individuums zur Befähigung seiner selbst anknüpfende Modell wird im Folgenden in Bezug auf die Perspektive seiner Anwendung im Rahmen der Sozialen Arbeit in stationären Altenpflegeeinrichtungen und die darauf bezogene Auswertung von Dokumentationen diskutiert. 3.3.2 Der Capability Approach als ein auf die Arbeit des Sozialen Dienstes übertragbarer Ansatz der Wirkungsevaluation Was wie dokumentiert wird und welche Schlüsse aus einer Verschriftlichung von Leistungen in Bezug auf die Wirkung dieser gezogen werden, ist sowohl von der in Kapitel 2.2.3 dieser Arbeit erörterten Standardisierungsnotwendigkeit als auch von handlungsfeldspezifischen Kriterien abhängig. Im Handlungsfeld der stationären Altenhilfe sind dabei insbesondere die ebenfalls bereits aufgegriffenen Aspekte eines gelingenden Alterns wie Integrität, Lebenszufriedenheit und -qualität von Bedeutung (siehe Kapitel 3.1 dieser Arbeit). 54 Sen und Nussbaum greifen im Rahmen des Capability-Ansatzes unter anderem ebendiese Thematiken auf und betten sie ein in eine Perspektive der Aktivierung hin zur Realisierung klient*innenbezogener Möglichkeiten. Der Ansatz geht in gewisser Weise über die Erschließung persönlicher Ressourcen hinaus, indem durch eine „Verknüpfung von Befähigungen, Infrastrukturen und Berechtigungen“ (Ziegler et al. 2012, S. 304) tatsächliche Verwirklichungsräume bestimmter Lebenskonzepte erfasst werden sollen. Im Zusammenhang mit Theorien und Modellen des aktiven und produktiven Alterns wird die gewinnbringende Perspektive einer Integration des Capability-Ansatzes in die stationäre Altenhilfe deutlich. Statt mit fremder, unter anderem staatlicher Hilfe auszugleichende Defizite in den Fokus zu rücken und somit Bewohner*innen in einer passiven Rolle zu verorten, werden die „mit Blick auf menschliche Bedürfnisse begründeten Capabilities als Rechte (‚fundamental entitlements‘) von Individuen formuliert“ [Hervorhebung im Original] (Ziegler et al. 2012, S. 305). Dadurch erfährt die Benennung von und das Einstehen für individuelle Bedürfnisse eine Aufwertung und das Recht auf Selbstbestimmung des eigenen Lebens bis ins hohe Alter eine Betonung – eine Parallele zum Empowermentansatz der Sozialen Arbeit. Martha Nussbaum bildet die Basisbedingungen für ein solches, selbstbestimmtes und gelingendes Leben im Rahmen einer Liste der zehn sogenannten Central Capabilities ab. Sie betont dabei gleichzeitig die Priorität dieser von ihr erläuterten Aspekte und ihre Flexibilität in Bezug auf die Anpassungsnotwendigkeit auf individuelle Fälle und Umstände (vgl. Otto 2007, S. 81). In Bezug auf das Handlungsfeld der Sozialen Altenarbeit in der stationären Altenhilfe können die Central Capabilities wie folgt kategorisiert werden: Life, Bodily Health und Bodily Integrity bilden in diesem Kontext eine Einheit. Mit dem Grundprinzip des Life greift Nussbaum – wenn auch nicht bewusst – die Existenzbegründung der stationären Altenhilfe auf. „Being able to live to the end of a human life of normal length“ (Nussbaum 2012, S. 360) ist im Hinblick auf die durch den demographischen Wandel bedingte, wachsende Notwendigkeit der Beschäftigung mit einer Schaffung der Struktur der Möglichkeiten für eine alternde Gesellschaft zentral. Die Grundbedingungen Bodily Health und Bodily Integrity rücken die Relevanz der Pflege und – insbesondere bezogen auf die Bewegungsfreiheit eines Individuums – rechtlicher bzw. ethischer Diskurse über fremdbewirkte Mobilitätseinschränkungen, aber auch deren medizinische Hintergründe in den Fokus. 55 Anknüpfungspunkte für die Soziale Arbeit finden sich in nahezu allen folgenden Central Capabilities wieder. Aus der Perspektive der von Falkenroth beschriebenen Aufgabenfelder des Sozialen Dienstes, bzw. der Sozialen Arbeit in stationären Altenpflegeeinrichtungen ergeben sich folgende Zuordnungen: Der Terminus Practical Reason umfasst die Chance, den Verlauf des eigenen Lebens planen zu können. Dies geschieht nach Falkenroth im Zuge der Bewohner*innenberatung und der Gestaltung der Freizeit selbiger und stellt beispielsweise im Kontext des Case Managements die Maßnahmenplanung dar (vgl. Falkenroth 2011, S. 348; vgl. Remmel-Fassbender 2011, S. 140). Diese wird aus pflegender Perspektive ebenso im Rahmen des die SIS® umfassenden Strukturmodells aufgegriffen (vgl. Beikirch et al. 2017, S. 21). Die von Falkenroth aufgeführte Aufgabe der Bewohner*innenberatung und der Freizeitgestaltung umfassen jedoch noch vielmehr. Die Central Capabilities Affiliation, Emotions und Play können von Fachkräften der Sozialen Arbeit durch „individuelle und gemeinschaftliche Freizeitangebote“ (Falkenroth 2011, S. 348) und Beratungsgespräche gestärkt werden. In Bezug auf die SIS® kann hier zudem eine Parallele zu „Themenfeld 5 Leben in sozialen Beziehungen“ (Beikirch et al. 2017, S. 40) gezogen werden. Die Grundbedingung Senses, Imagination and Thought, die die Möglichkeit der Teilnahme an „events of one’s own choice, religious, literary, musical, and so forth“ (Nussbaum 2012, S. 360) beinhaltet, kann einerseits ebenso in die Kategorie der Freizeitgestaltung eingeordnet werden. Andererseits geht aus Nussbaums Beschreibung dieser Bedingung die Notwendigkeit der freien Meinungsäußerung hervor, die bei Falkenroth in Form der Förderung der Beiräte und des Austausches der Bewohner*innen über bestimmte Themen unter die Kategorie der Milieugestaltung fällt. Unter diese kann ebenso der Kontakt zu Tieren und Pflanzen (Other Species) gezählt werden. Mit der zuvor genannten Capability Senses, Imagination an Thought eng verbunden ist der Aspekt Control over one’s Environment. Dieser umfasst nicht nur die materielle Sicherung eines Individuums, die im Kontext einer stationären Altenpflegeeinrichtung im Rahmen der Milieugestaltung oder Beratung zu „materiellen Hilfen und Nachteilsausgleichen“ (Falkenroth 2011, S. 348) gefördert werden können, sondern auch ein Recht auf politische Teilhabe. Dieser Aspekt kann zum einen intern durch die Bereitstellung der oben aufgeführten Möglichkeit von Beiräten und Bewohner*innensitzungen zum anderen extern durch 56 die Gemeinwesenarbeit der Fachkräfte in Bezug auf die Zusammenarbeit mit Kirchengemeinden angegangen werden. Inwieweit eine weitergehende, direkte politische Beteiligung, beispielsweise in Form eines offiziellen Amtes, in diesem Rahmen möglich ist oder ermöglicht wird, ist nicht Hauptthema dieser Arbeit und wird somit keiner weiteren Ergründung unterzogen. Bedeutsamer ist in diesem Zusammenhang die Anwendung des Capability-Ansatzes auf das Modell eines gelingenden Alterns. In Bezug auf Erikson hebt sich an dieser Stelle der Aspekt Affiliation besonders hervor. Ein von Integrität und Generativität geprägtes Alter wird über Nussbaum und Erikson hinaus bereits in weiteren Konzepten des selbstbestimmten Alterns hervorgehoben. Ein Beispiel dafür ist das Lebensqualitätsmodell des Kuratoriums Deutsche Altershilfe, das in diesem Kontext besonders die Relevanz der Möglichkeit, einen Sinn im Leben zu sehen und soziale Kontakte zu knüpfen bzw. beizubehalten, verdeutlicht (vgl. Michell- Auli 2012, S. 4). Der Ansatz des Capability Approach ist demnach bereits – wenn auch nicht unter seinem ursprünglichen Namen – in der Altenarbeit angekommen. Die besondere Bedeutung der Erschließung von Capabilities geht über ihren Anwendungsgehalt in der Praxis der Sozialen Altenarbeit durch ihre Eröffnung von Möglichkeiten in der Wirkungsevaluation und -forschung hinaus. Zum einen können durch die Evaluation der klient*innen- bzw. bewohner*innenbezogenen Verwirklichungschancen Maßnahmen individuell angepasst werden. Zum anderen rückt die Wirkungsforschung einen Schritt näher an die Erfassung der Wirkung der Sozialen Arbeit abzüglich der von den Klient*innen selbst ausgehenden Wirkung (vgl. Otto 2007, S. 76ff.). Im Rahmen der in dieser Arbeit inbegriffenen Forschung ist der Capability-Ansatz daher von besonderem Interesse. Der Fragestellung, inwiefern sich die Grundzüge des Ansatzes tatsächlich in den Forschungsergebnissen wiederfinden und welche Rolle diese dabei in Bezug auf die Wirkungsthematik innehaben, wird sich durch den Rückgriff auf die in diesem Kapitel dargestellten Capabilities angenähert. 57 4. Wirkungsvisualisierung durch Dokumentationen – Eine einblickgebende Studie Im Kontext der evidenzbasierten Wirkungsforschung nimmt das im Folgenden dargestellte Forschungsvorgehen ein geringes Evidenzlevel ein (siehe Kapitel 2.3 dieser Arbeit). Die durchgeführte Einzelfallstudie hat weder einen repräsentativen Charakter noch können durch die erhobenen Daten Aussagen über die Auftrittswahrscheinlichkeit spezifischer, durch ausgewählte Tätigkeiten ausgelöste Wirkungen gemacht werden. Dieser Anspruch wurde im Rahmen der vorliegenden Arbeit jedoch von Beginn an nicht erhoben. Ziel dieser Studie ist es vielmehr, einen tiefergehenden Einblick in die Perspektiven von Fachkräften unterschiedlicher, aber in einem Handlungsfeld anzufindender Arbeitsbereiche zu erlangen und sich somit der eingangs eingeführten Fragestellung (Inwiefern sind Dokumentationen des Sozialen Dienstes einer stationären Altenpflegeeinrichtung geeignet, um die Wirkung der Sozialen Arbeit innerhalb dieses Handlungsfeldes sichtbar zu machen? Welche Kriterien für die Wirkung der Sozialen Arbeit sind dabei einerseits aus der Perspektive dieser selbst und andererseits vom Standpunkt der Pflege aus maßgebend?) anzunähern. Auf dieser Basis wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt, das zwar auf bestehenden Theorien fußt, jedoch „die Befragten in ihren eigenen Worten und Nuancierungen sprechen“ (Kuckartz 2012, S. 114f.) lässt, um einen tieferen, individuellen Einblick in die Wirkungsthematik zu erlangen (siehe Kapitel 4.3 dieser Arbeit). 4.1 Der Zugang zum Feld, die Struktur des Samplings und damit verbundene Herausforderungen Die aktive Suche nach einem Zugang zum Forschungsfeld begann bereits im Dezember 2017 mit der Kontaktaufnahme zu mehreren Einrichtungen der stationären Altenpflege in Nordrhein-Westfalen (auf eine namentliche Nennung der Städte und Einrichtungen, in denen der Feldzugang vorrangig gesucht wurde, wird an dieser Stelle aus datenschutzrechtlichen Gründen verzichtet). Zunächst war eine trianguläre Forschungsstudie angedacht.7 Der Fall einer Bewohnerin oder eines Bewohners einer stationären Altenpflegeeinrichtung sollte dabei im Zentrum eines Expert*inneninterviews mit einer sozialarbeiterischen Fachkraft, einem narrativen Interview mit einer Bewohnerin oder einem 7 Zur Triangulation vgl. Flick 2017, S. 519f. 58 Bewohner und der Analyse der über diese oder diesen von der interviewten Fachkraft angefertigten Dokumentationen stehen. Einige der zuvor kontaktierten Einrichtungen fielen aus dem Grund aus der Auswahl, dass sie innerhalb des Sozialen Dienstes keine Sozialarbeiter*innen, sondern Fachkräfte anderer Berufsgruppen mit somit divergenten Ausbildungshintergründen beschäftigten. Für die vorliegende Arbeit ist es jedoch im Hinblick auf die leitende Fragestellung, die insbesondere in einem professionsbezogenen Kontext steht, von Bedeutung, explizit eine Fachkraft der Sozialen Arbeit in die Forschung einzubeziehen. Ende Dezember 2017 fand sich schließlich eine Einrichtung, die diesen Anspruch erfüllte und zudem Interesse an der Forschungsteilnahme zeigte. Auf ein persönliches Treffen mit der Leiterin des Sozialen Dienstes der Einrichtung und einer Mitarbeiterin ebendessen folgten weitere Absprachen per E-Mail und Telefon. Die Kommunikation mit der Einrichtungsleitung und somit die Vermittlung mit dieser tätigte die Leiterin des Sozialen Dienstes. In dieser Form wurde die Einrichtungsleitung auch einbezogen, als die Absegnung der Einwilligungs- und Verpflichtungserklärungen, welche die Interviews und die Einsicht in die Dokumentationen betrafen, bevorstand. Aus dem Umstand heraus, dass die Einrichtung eigene, im Rahmen des Forschungsvorgehens nicht einhaltbare Datenschutzrichtlinien verfolgt und die der Forschung zugrundeliegenden Datenschutzrichtlinien wiederrum nicht ohne vorherige rechtliche Prüfung annehmen konnte, entwickelte sich eine Herausforderung. Die Empfehlung des Forschungsvorhabens an eine Bewohnerin oder einen Bewohner und somit die Beteiligung dieser Bewohnerin oder dieses Bewohners an einem Interview und der Offenlegung der Dokumentationen über diese oder diesen war aus Sicht der Zuständigen der Einrichtung im Rahmen der forschungsinternen Erklärungen nicht tragbar. Um schließlich eine Lösung für diese Herausforderung zu finden, wurde ein alternatives Forschungsdesign entwickelt, das sowohl mit der Zielführung dieser Arbeit als auch den Grundsätzen der Einrichtung übereinstimmte. Als beispielhaft zu beschreibender Fall war stets der einer Bewohnerin oder eines Bewohners der Einrichtung angedacht. Das Interview mit der Fachkraft der Sozialen Arbeit als Vertreter*in ihrer Fallgruppe blieb ebenfalls bestehen. Während jedoch von dem Interview und der Analyse der Dokumentationen über die Bewohnerin oder den Bewohner abgesehen wurde, erfolgte die Einbindung einer neuen Fallgruppe in das Forschungsvorgehen: Neben dem 59 Expert*inneninterview mit der Fachkraft der Sozialen Arbeit war es ein Ziel, durch die Hinzunahme eines Expert*inneninterviews mit einer Pflegefachkraft den bereits im für das Interview mit der Fachkraft der Sozialen Arbeit konzipierten Leitfaden aufgeführten Aspekt der bereichsübergreifenden Zusammenarbeit fokussierter aufzugreifen und somit einen mehrperspektivischen Blick auf den konkreten Fall zu erlangen. Die leitende Fragestellung wurde im Hinblick auf diese Änderungen des Forschungsvorgehens hin um die Frage, welche Kriterien für die Wirkung der Sozialen Arbeit aus der Sicht dieser selbst und vom Standpunkt der Pflege aus maßgebend sind, erweitert. Das Forschungsdesign einer Einzelfallstudie blieb bestehen, wurde jedoch um den Aspekt des Vergleiches „[s]pezifische[r] Inhalte des Expertenwissens mehrerer Personen“ (Flick 2017, S. 179) erweitert. Sowohl die Auswahl der Fallgruppe der Pflegefachkräfte als auch die der Fachkräfte der Sozialen Arbeit wurde als „Repräsentant eines spezifischen institutionellen Kontextes, […] einer spezifischen Professionalisierung […] [d. V.: und] als Repräsentant ausgebildeter Subjektivität“ [Hervorhebung im Original] (Flick 2017, S. 168f.) ausgewählt. Kurzbeschreibung der als Forschungsfeld ausgewählten stationären Altenpflegeeinrichtung und ihres Leitbildes:8 Den institutionellen Kontext dieser Forschung bildet eine stationäre Altenpflegeeinrichtung unter der Trägerschaft eines freien Wohlfahrtsverbandes. Vor dem Hintergrund, dass im Jahre 2016 51 % der stationären Pflegeeinrichtungen in Nordrhein-Westfalen gemeinnützigen Trägerschaften unterstanden, stellt die ausgewählte Einrichtung ein typisches Feld für die angestrebte Forschung im Sinne der Abbildung der praktischen Umstände des Handlungsfeldes dar. Mit etwas über 70 Zimmern, die hauptsächlich Einzelzimmer sind, liegt die Einrichtung unter dem durchschnittlichen Platzangebot gemeinnütziger Träger von etwa 84 Plätzen im Jahr 2016 (vgl. Meißner 2016). Die stationäre Altenpflegeeinrichtung liegt nahe dem Zentrum einer Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen und ist an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. In der Umgebung finden sich sowohl Einkaufsund Einkehrmöglichkeiten als auch Gotteshäuser evangelischer und 8 Hinweis: Die folgenden Informationen inklusive der zentralen Aspekte des Leitbildes wurden der Website der stationären Altenpflegeeinrichtung bzw. des Wohlfahrtsverbandes, dem diese angehört, entnommen. Um die Anonymität der stationären Altenpflegeeinrichtung und der Interviewpartnerinnen zu wahren, wird an dieser Stelle – ebenso wie im Literaturverzeichnis – auf die Angabe der Online- Quelle verzichtet. 60 katholischer Konfession. In der Einrichtung selbst werden Gottesdienste in der hauseigenen Kapelle ermöglicht. Neben dem anliegenden Garten stehen sowohl ein Restaurant als auch ein Friseur zur Verfügung. Den einzelnen Wohnbereichen – von welchen einer ein Wohnbereich speziell für an Demenz erkrankte Bewohner*innen ist – gehört jeweils eine Küche inklusive Esszimmer, ein Wohnzimmer und ein Bade-/Wellesszimmer an. Zudem finden sich in der Einrichtung Räumlichkeiten für Gruppenaktivitäten. Im Fokus des Leitbildes der Einrichtung stehen neben Wertschätzung, Würde und Respekt gegenüber den Bewohner*innen und zwischen den Mitarbeiter*innen Offenheit und Transparenz. Ein Führungsstil, der auf der kooperativen Zusammenarbeit zwischen Mitarbeiter*innen und Leitungspersonen baut, ist zudem Teil des übergeordneten Leitbildes des Wohlfahrtsverbandes. Die Zufriedenheit und das Wohlbefinden der Bewohner*innen werden von der Einrichtung als höchstes Ziel eingestuft, welches durch eine ganzheitliche Betreuung und einen personenorientierten Ansatz erreicht werden soll. Auf diesen aufbauend werden zudem die räumliche Ausstattung sowie die Qualität der alltäglichen Bedarfsdeckung in Form von Verköstigung und Wäscheservice als notwendige Bedingung für das Wohlbefinden der Bewohner*innen genannt. Im Rahmen des Qualitätsmanagements des gesamten Wohlfahrtsverbandes wird auf der Website auf die Durchführung von Audits, Mitarbeiter*innen- und Kundenbefragungen, das Angebot von Fortbildungen und regelmäßige Fachtreffen für die Leitungspersonen der einzelnen Dienste (beispielsweise Pflegedienstleitung und Sozialdienstleitung) hingewiesen. Die Professionalisierungsdebatte, die im Hinblick auf die wachsende Legitimationsnotwendigkeit der Sozialen Arbeit generell, aber auch im Handlungsfeld speziell an Bedeutung gewinnt, wurde bereits thematisiert. Durch das Forschungsdesign in Form der Wahl zweier Interviewpartner*innen unterschiedlicher Arbeitsbereiche wird hier an diesem Diskurs angeknüpft. Das Vorgehen bildet zudem die Basis für einen Einblick in mit dem professionellen Hintergrund verknüpfte, aber auch über diesen hinausgehende, persönliche „Wissensvorräte und d[ie] Ausbildung spezifischer Handlungs- und Erfahrungsweisen“ (Flick 2017, S. 169). Im Rahmen des Kerns dieser Forschung – den Expert*inneninterviews – sollen die genannte Aspekte Beachtung finden. Im Folgenden werden die Wahl und die Umsetzung der Erhebungsmethode und die daran anknüpfende Struktur der Leitfäden erläutert. 61 4.2 Das Expert*inneninterview als Erhebungsmethode einer bereichsübergreifenden Studie Ebenso wie die Struktur des Samplings und die damit verbundene Auswahl des konkreten Falles ist die Wahl der Forschungsmethodik auf die Beantwortung der Fragestellung ausgerichtet. Zudem generierten sich im Laufe der Entwicklung dieser Arbeit weitere, spezifische Forschungsfragestellungen, die durch die Leitfäden für die Expert*inneninterviews aufgegriffen wurden. Wie bereits im vorherigen Kapitel zum Feldzugang und zum Sampling erwähnt, wurden als Interviewpartnerinnen zwei Vertreterinnen ihres jeweiligen Arbeitsbereiches ausgewählt. Das Hauptinteresse liegt hierbei in den fachlichen Perspektiven auf die Wirkungsprozesse und -ergebnisse der Sozialen Arbeit. Zu diesem Zwecke erklärten sich zwei weibliche Fachkräfte – eine Pflegefachkraft und eine Sozialarbeiterin – zu einem Interview bereit. Zwar beinhaltet die Interviewführung – insbesondere im Zuge der Fallbeschreibung, ausgehend von der jeweiligen Interviewten – einen narrativen Aspekt. Zudem ist es nicht auszuschließen, dass sich – insbesondere bei Fragen nach Zielsetzungen und Erfolgskriterien – fachliche und subjektive Ansichten vermischen. Dennoch begründen die Relevanz des fachlichen Hintergrundes der Interviewten und das Ziel, spezifische Kernbereiche der Wirkungsthematik innerhalb eines vergleichenden, professionellen Kontextes zu erforschen, sowohl die Wahl eines freien, aber vorstrukturierten Leitfadeninterviews als auch tiefergehend die des Expert*inneninterviews (vgl. Gläser/Laudel 2010, S. 42). Die Erstellung der Leitfäden für ebendiese Interviews wurde an dem von Helfferich aufgeführten SPSS-Prinzip orientiert. Auf eine Sammlung jeglicher, forschungsbezogener Fragestellungen in Anlehnung an Literatur oder auch aus persönlichen Erfahrungen und Interessen heraus folgte eine Prüfung der Eignung dieser Fragen für das Forschungsvorhaben. Laut Helfferich sind in diesem Sinne solche Fragen zu streichen, die lediglich der Überprüfung von Vorannahmen und Faktenwissen dienen und somit offene, von der oder dem Interviewten ausgehende Erzählungen verhindern (vgl. Helfferich 2011, S. 182f.). In Bezug auf die Leitfäden der vorliegenden Forschungsarbeit wurden Faktenfragen zur Person zum Einstieg in das Interview beibehalten und als Übergang in Fragestrukturen über den Alltag der jeweiligen Expertin genutzt. Auf Grund dieser Einstiegsfragen entfällt zudem der soziodemographische Fragebogen, den Helfferich alternativ vorschlägt. 62 Im Anschluss an die Prüfung der jeweiligen Fragen ist der dritte Schritt nach Helfferich die Sortierung dieser, der vierte die Subsumtion (vgl. Helfferich 2011, S. 185). Im Rahmen der vorliegenden Forschungsarbeit sind diese Schritte jedoch in umgekehrter Reihenfolge angewandt worden. Nach der Prüfung der jeweiligen Fragen fanden zunächst Reformulierungen und Zusammenfassungen dieser einzelne Themenkomplexe umfassenden Fragestellungen statt. Diese Themenkomplexe sind eine Basis für die Bildung des Kategoriensystems der nachfolgend erläuterten Auswertungsmethode. Sowohl der Leitfaden für das Interview mit der Sozialarbeiterin (siehe Anhang 1) als auch jener für das Interview mit der Pflegefachkraft (siehe Anhang 2) ist zum Zwecke der Übersichtlichkeit in drei Spalten gegliedert9. Spalte 1 beinhaltet die jeweilige (offene) Leitfrage bzw. den Erzählimpuls, der die in Spalte 2 aufgeführten, konkreten Fragen umfasst. Spalte 2 dient zudem als Checkliste, ob alle für das Forschungsinteresse relevanten Fragen angesprochen wurden. Die 3. Spalte beinhaltet sowohl Anregungen zur Aufrechterhaltung des Gesprächsverlaufes als auch Platz für Notizen während der Interviewführung. Um eine Vergleichbarkeit zu ermöglichen, werden die zentralen Themenkomplexe sowohl durch die Leitfragen im Leitfaden für das Interview mit der Sozialarbeiterin als auch durch die Leitfragen im Leitfaden für das Interview mit der Pflegefachkraft aufgegriffen. Diese Kernelemente sind wie folgt benannt (ausgenommen werden an dieser Stelle der Gesprächseinstieg und -abschluss): Zielsetzungen, Wirkung, Erfolg, Spezifischer Fall, Entwicklung und fallspezifischer Erfolg, Bewertung/Evaluation und Professioneller Zusammenhang/Ganzheitliche Betrachtung. An dieser Stelle hervorzuheben ist, dass die Beschreibung eines spezifischen Falles auf Basis einer Einigung der Sozialarbeiterin und der Pflegefachkraft auf einen Fall, für den beide Interviewte zuständig sind bzw. waren, stattfand. Die betroffene Person, die Inhalt dieser Fallbeschreibung ist, blieb und bleibt vor der Interviewerin anonym. Die spezifischen, auf die oben erwähnten Elemente bezogenen Fragestellungen unterscheiden sich zum Teil dadurch bedingt, dass der Fokus des Interviews mit der Sozialarbeiterin vermehrt auf der Selbsteinschätzung ihrer Arbeit, das mit der Pflegefachkraft neben dem Aufgreifen subjektiver Erfahrungen auf der Fremdeinschätzung der Sozialarbeiterin liegt. Aus diesem Grunde beinhaltet der Leitfaden des Interviews mit der Pflegefachkraft sowohl Fragen zu persönlichen Kriterien 9 In Anlehnung an Helfferich 2011, S. 186 63 für Wirkung und Erfolg als auch die Berücksichtigung der Außenperspektive auf ebenjene Kriterien in Bezug auf die Soziale Arbeit. Der Leitfaden des Interviews mit der Sozialarbeiterin beinhaltet zudem zusätzlich die Themenkomplexe Standardsetzungen und Dokumentationen. Ersteres Element wird im Leitfaden für das Interview mit der Pflegefachkraft deshalb nicht explizit aufgegriffen, weil nicht von einem Fachwissen der Pflegefachkraft über sozialarbeiterische Standards ausgegangen werden kann. Letzteres Element tritt zwar zunächst dadurch in den Hintergrund, dass der Kern dieser Forschung sozialarbeiterische und nicht pflegende (Dokumentations-)Praxis bleibt. Da durch die Anwendung des SIS® in der Einrichtung jedoch Mitarbeiter*innen beider Bereiche auf ein Dokumentationssystem zugreifen, wird im Rahmen des Leitfadens das Interesse des Zusammenhanges der jeweiligen Dokumentationen aufgegriffen. In der Gesamtheit ergeben sich (inklusive des Gesprächseinstieges und -abschlusses) für das Interview mit der Sozialarbeiterin zehn, für das mit der Pflegefachkraft elf Leitfragen. Die Reihenfolge, in welcher diese auf dem Leitfaden angegeben sind, ergibt sich einerseits aus der inhaltlichen Steuerung, andererseits aus dem Versuch, einen möglichst natürlichen Gesprächsverlauf zu schaffen. Beide Leitfäden beginnen mit allgemeinen Fragen zur Person und zu alltäglichen Arbeitsabläufen, umreißen daraufhin in genereller Form Themenkomplexe wie Zielsetzungen, Wirkung und Erfolg und münden schließlich in der spezifischen Fallbeschreibung und der Anwendung der zuvor beschriebenen, generellen Aspekte, bevor eine Frage zum Gesprächsabschluss zum Ende des Interviews hinführen soll. Die unterschiedliche Einordnung von Themenkomplexen wie Bewertung/Evaluation ist durch die inhaltliche Angliederung dieser an die teilweise variierenden Fragestellungen der einzelnen Leitfäden bedingt, folgt jedoch der soeben beschriebenen, übergreifenden Struktur. Um die durch die Durchführung der Interviews gewonnen Daten auswerten zu können, ist zunächst eine Aufbereitung dieser notwendig. Zu diesem Zwecke wurde ein System der Transkription entwickelt, das darauf ausgelegt ist, sowohl eine Übersichtlichkeit als auch eine angemessene Wiedergabe des Gesprächsverlaufes und der Gesprächsinhalte zu gewährleisten. Es basiert auf den von Kuckartz aufgeführten „Transkriptionsregeln für die computergestützte Auswertung“ (Kuckartz 2012, S. 136f.) und Ausschnitten aus dem Werk von Fuß und Karbach (vgl. Fuß/Karbach 2014, S. 27ff.). 64 Die aus der Transkription hervorgehenden Daten sind das Kernarbeitsstück für die Auswertung der Forschung. Im Rahmen dieser Arbeit wird als Auswertungsmethode die qualitative Inhaltsanalyse genutzt und im Folgenden in ihrer für die vorliegende Arbeit verwendeten Anwendungsweise erläutert und begründet. 4.3 Erläuterung und Begründung der qualitativen Inhaltsanalyse als Auswertungsmethode der vorliegenden Forschungsarbeit In ihrer ursprünglichen Form ist die Inhaltsanalyse ein quantitatives Verfahren im Spektrum der qualitativen Forschungsmethoden. Ein vorab festgelegtes Kategoriensystem dient im Rahmen der quantitativen Inhaltsanalyse der effizienten Bestimmung und Analyse von Häufigkeiten ebendieser Kategorien. Um über eine solche, den inhaltlichen Zusammenhang unbeachtet lassende und die Offenheit einer individuellen Anpassung der Kategorien einschränkende Textverarbeitungsweise hinauszugehen, entwickelte Philipp Mayring einen Ablauf für eine Erweiterung der klassischen Inhaltsanalyse: Die qualitative Inhaltsanalyse. Durch eine Abgrenzung der zusammenfassenden, strukturierenden und explizierenden Form der qualitativen Inhaltsanalyse setzt Mayring induktive, deduktive und kontextbetreffende Schwerpunkte. Ziel ist es dabei nicht, stringent an einer der drei Verfahrensweisen festzuhalten – auch eine Kombination ist möglich (vgl. Gläser/Laudel 2010, S. 197f.; vgl. Flick 2016, S. 150ff.). Gläser und Laudel bewerten Mayrings Verfahren auf Grund der „Anwendung eines geschlossenen Kategoriensystems und d[er] darin enthaltene[n] Standardisierung für Häufigkeitsanalysen“ (2010, S. 199) als unzureichend in Bezug auf die Besonderheiten des jeweiligen Falles. Sie schlagen – aufbauend auf in der von „Mayring vorgeschlagenen Technik der Strukturierung liegende[n] Ideen“ (Gläser/Laudel 2010, S. 199) ein Verfahren vor, dass sich der Extraktion von Informationen aus dem Text bedient. Diese Extraktionen basieren zwar auf einem theoriegeleiteten Kategoriensystem. Dieses ist jedoch insofern flexibel als dass es an die aus der Extraktion hervorgehenden Informationen – im Unterschied zu Mayring – bei Bedarf „im gesamten Verlauf der Auswertung an die Besonderheiten des Materials angepasst werden kann“ (Gläser/Laudel 2010, S. 201), die Definition der jeweiligen Merkmalsausprägung eingeschlossen. Dieser Gedanke eines offenen Kategoriensystems wird auch im Rahmen der vorliegenden Arbeit aufgegriffen. Anhand der 65 theoretischen Grundlagen (siehe Kapitel 1 bis 3 dieser Arbeit) wurden bereits die Leitfäden für die der Forschung zugrundeliegenden Expert*inneninterviews konzipiert. Um eine Einordnung der durch diese erhobenen Daten in die bestehende Theorie zu schaffen, wird das Kategoriensystem auf den im Leitfaden verwendeten Begrifflichkeiten aufgebaut. Die deduktiv an den transkribierten Text der beiden Interviews, die im Rahmen dieser Forschung in ihrer Gesamtheit sowohl die Auswahl- als auch die Analyseeinheit ausmachen, herangetragenen Kategorien werden als Hauptkategorien (im weiteren Verlauf HK) benannt. Die Ausdifferenzierung dieser HK und die Bildung von Subkategorien (im weiteren Verlauf SK) erfolgt im weiteren Verlauf in induktiver Form am jeweiligen Text. Ein solches Vorgehen wird von Kuckartz unter dem Begriff Inhaltlich strukturierende qualitative Inhaltsanalyse beschriebe. Bevor das Kategoriensystem definiert wird, besteht der erste Schritt aus dem Durchgang des Materials, wobei sämtliche Einfälle und Eindrücke, die während des Lesens entstehen, durch Randnotizen, Memos o.ä. festgehalten werden. Letztendlich ist dieser Schritt die Basis für eine erste Fallzusammenfassung. Im zweiten Schritt werden die aus der Theorie abgeleiteten und die ggf. durch die Lektüre der Texte an Relevanz gewonnenen, thematischen HK für den nächsten Schritt – den ersten Codierprozesses – bestimmt und in Form eines ersten Probedurchlaufes an einem Teil des Materials getestet. Der erste Codierdurchlauf erfolgt ausschließlich durch die Zuweisung der HK auf Basis des ersten Systems der Hauptkategorien an die Textstellen im Rahmen der Codier- bzw. Kontexteinheit.10 In der vierten Phase werden schließlich die HK am Text ausdifferenziert und mithilfe von Text-Retrievals die Textstellen, die den jeweiligen HK zugehörig sind, gruppiert. In der fünften Phase wird eine HK nach der anderen ausgewählt, um am Text die SK zu bilden. Dieser Vorgang erfolgt sequenziell im Rahmen des gesamten Textes.11 10 Für die vorliegende Arbeit wurde als Codiereinheit als minimalste Einheit einer zu codierenden Textstelle ein Teilsatz, sofern dieser für sich stehend den Sinn der Aussage wiedergibt, als maximalste Einheit bzw. Kontexteinheit ein Sinnabschnitt, der auch mehrere Absätze umfassen kann, festgelegt. Mehrere Textstellen können dabei mit der gleichen Kategorie belegt werden. Zielführend ist in der gesamten Phase, dass „die Textstelle ohne den sie umgebenden Text für sich allein ausreichend verständlich ist“ (Kuckartz 2012, S. 82). 11 Eine solche induktive Kategorienbildung ist für die vorliegende Arbeit insofern zielführend, als dass dadurch neben der Untersuchung der fachlichen Perspektiven auf die Wirkungsthematik im Kontext der Sozialen Arbeit ein Vergleich der subjektiv-fachlichen Sichtweisen vollzogen werden kann. Um dieses Anliegen zu unterstützen, wird ein erhöhtes Abstraktionslevel bei der Bildung der SK genutzt. 66 Nachdem die SK für alle HK gebildet, definiert und in das erste, gesamte Kategoriensystem – das darauf basiert, „dass die Merkmalsausprägungen frei verbal beschrieben“ (Gläser/Laudel 2010, S. 201) werden – eingefügt wurden, wird in einem zweiten Codierprozess das Material unter Hinzunahme dieses Systems durchlaufen. Dabei werden die Textstellen der jeweiligen HK mit den gebildeten SK codiert (vgl. Kuckartz 2012, S. 77ff.). In jedem der erwähnten Schritte wird zunächst das Transkript des Interviews mit der Sozialarbeiterin zur Analyse herangezogen, bevor sich dem Transkript des Interviews mit der Pflegefachkraft gewidmet wird, gemäß dem Fokus der leitenden Fragestellung dieser Arbeit. Das Kategoriensystem bleibt während der einzelnen Codierprozesse offen. Im Rahmen der dieser Arbeit zugrunde liegenden Forschung wurden sowohl Haupt- als auch Subkategorien ggf. in ihrer Benennung und/oder ihrer Definition an die Gegebenheiten der Texte angepasst. Daran anknüpfend wurde das erste gesamte, d.h. alle HK und SK enthaltende Kategoriensystem weiterentwickelt. Durch diesen Prozess entstand schließlich das finale gesamte Kategoriensystem (siehe Anhang 3). Nach der Durchführung ebensolcher Anpassungen wurde das gesamte Material erneut durchgegangen, um die korrekte Zuordnung zu den Kategorien zu sichern. Die nachfolgende Präsentation der Ergebnisse baut auf dem Durchlauf des zuvor beschriebenen Verfahrens und wird daher in einer kategorienzentrierenden Form vollzogen. Nach der Darstellung der ersten, noch vor der Codierung erfolgten Fallzusammenfassungen werden die Aussagen der Fachkraft der Sozialen Arbeit und der Pflegefachkraft auf die jeweiligen HK und SK (in Kursivdruck dargestellt) bezogen zusammengestellt und verglichen. Die Zitation von Ankerbeispielen aus den Texten heraus basiert auf folgendem Schema: An erster Stelle der Angabe wird – je nachdem, welchem Text das Zitat entstammt – ein S (Textgrundlage ist die Transkription des Interviews mit der Sozialarbeiterin) oder ein P (Textgrundlage ist die Transkription des Interviews mit der Pflegefachkraft) gesetzt. Danach folgt ein weiteres S (für Seitenangabe), woran sich Um die Prinzipien der Sparsamkeit und Nachvollziehbarkeit zu wahren und au- ßerdem die Möglichkeit einer Vergleichbarkeit beizubehalten, werden inhaltsähnliche/-gleiche Kategorien zusammengefasst – immer unter der Beachtung der Besonderheit der jeweiligen Textstellen. Die SK Sonstiges unter jeder HK schließt aus, dass Textstellen, die in keine der SK eingeordnet werden können, aus der Auswertung fallen. 67 direkt die Nummer der Seite anschließt, auf der das Zitat zu finden ist. Durch ein Komma getrennt steht ein Z (für Zeilenangabe), dem direkt die Angabe der Zeile(n) folgt, dem das Zitat entstammt. Die Auswertung schließt mit einer Zusammenfassung der zentralsten Ergebnisse und einer Analyse der daraufhin ausgewählten, zentralen HK im Rahmen eines Code-Überschneidungs-Modells. Im Zuge der Auswertung wurde das Programm MAXQDA Analytics Pro 2018 verwendet. 69 5. Ergebnisse der empirischen Forschung Nach einem ersten Kontakt, der mit der Sozialarbeiterin zunächst persönlich, schließlich zur endgültigen Terminierung der Interviewdurchführung telefonisch, mit der Pflegefachkraft ausschließlich telefonisch stattfand, wird das Gespräch – noch ohne das Tonband einzuschalten – eröffnet. An dieser Stelle wird erneut auf die Thematik des Forschungsvorhabens und die Verfahrensweisen des Interviews inklusive der Anonymität personenbezogener Daten hingewiesen und im Rahmen der Unterzeichnung der Einwilligungserklärung die Möglichkeit zur Klärung eventueller weiterer Fragen der Interviewten eröffnet. Weitere Besonderheiten, die vor, während oder nach dem Interview beobachtet wurden, wurden in Postskripten12 festgehalten. 5.1 Die ersten Fallzusammenfassungen basierend auf den jeweiligen Expert*inneninterviews Die interviewte Sozialarbeiterin (im weiteren Verlauf Frau S.) nennt als zentrale Zielsetzung ihrer Arbeit die Befriedigung der Bedürfnisse und den Erhalt der Selbstbestimmung der Bewohner*innen. Sowohl in Bezug auf die Kriterien für die Wirkung als auch für den Erfolg ihrer Arbeit weist sie Emotionen eine übergeordnete Rolle zu. Ein Gespür dafür zu bekommen, wie es den Bewohner*innen geht, fuße auch auf der Dauer der Beziehung zu diesen. Skalen oder Maßstäbe für die Einordnung der Wirkung zu nutzen, ist in ihren Augen schwierig. Vielmehr betont Frau S. die Bedeutung der Kommunikation, insbesondere im Rahmen des von ihr geschilderten spezifischen Falles. Einerseits sei diese für die Zusammenarbeit der Mitarbeiter*innen aller Bereiche untereinander von Belang, andererseits für die verbale und – hier hebt sie mimische und gestische Äußerungen hervor – nonverbale Rückmeldung durch die Bewohner*innen und somit die Einschätzung der Wirkung und des Erfolges ihrer Arbeit. Den Aspekt der (Meta-)Kommunikation greift sie im Zusammenhang mit der von Dokumentationen ausgehenden Macht der oder des Dokumentierenden über die von der Dokumentation betroffenen Bewohner*innen auf. Sie beschreibt die Dokumentation als elementar, um sicherzustellen, dass alle Bewohner*innen betreut werden. Als Herausforderung bringt sie sowohl den Faktor Zeit an, deren Knappheit sie 12 Post- und Transkripte sowie einrichtungsinterne Formulare, die d. V. für ihre Forschung zur Ansicht zur Verfügung gestellt wurden, werden aus Datenschutzgründen nicht veröffentlicht. 70 daran hindert, in den Dokumentationen lange Texte zu schreiben oder zu lesen als auch die Gefühlsebene schriftlich zu erfassen. Eine Priorität setzt Frau S. vor dem Hintergrund der möglichst exakten Wiedergabe der Realität bei der Nutzung der wörtlichen Rede. Die interviewte Pflegefachkraft (im weiteren Verlauf Frau P.) ist sowohl als praktisch tätige Pflegefachkraft als auch als Wohnbereichsleitung tätig gewesen und nimmt aktuell die Funktion der Pflegedienstleitung ein. Somit sind sowohl ihre Aufgaben als auch ihre Kriterien für ihren Arbeitserfolg von organisatorischen Aspekten geprägt. Als Erfolg ihrer Arbeit beschreibt sie, wenn ihre Mitarbeiter*innen zufrieden sind, aber auch, dass sie bei sich selbst eine Entwicklung im Umgang mit konfliktbehafteten Gesprächen mit Angehörigen feststellen kann. Den Erfolg des Sozialen Dienstes verortet Frau P. darin, dass die Bewohner*innen gemäß ihren Bedürfnissen betreut werden. Sie beschreibt das Verhältnis zwischen den Bewohner*innen und den Mitarbeiter*innen des Sozialen Dienstes als ein von Nähe geprägtes, während sie das der Pflegemitarbeiter*innen zu den Bewohner*innen als distanzierter einschätzt. Um das Wohlbefinden bzw. die Zufriedenheit der Bewohner*innen festzustellen, bringt sie Gespräche als zentrale Handlungsweisen an. Der Begriff der Zufriedenheit wird von Frau P. auch im Zusammenhang mit dem Wirkungsbegriff aufgegriffen. Sie äußert, dass sie durch ihre Arbeit Zufriedenheit bei Mitarbeiter*innen und Bewohner*innen bewirken möchte. Ob sie diese Wirkung erreicht, spiegelt sich für sie vor allem in verbalen Rückmeldungen von Mitarbeiter*innen der Pflege und der Bewohner*innen oder im Rahmen der Kommunikation mit den Mitarbeiter*innen des Sozialen Dienstes wider. Als Zielsetzungen ihrer Arbeit nennt Frau P. das Wohlbefinden und den Erhalt der Selbstbestimmung der Bewohner*innen, für deren Erreichung sie zum einen die Zufriedenheit der Mitarbeiter*innen zum anderen den Austausch mit Kolleg*innen der unterschiedlichen Bereiche der Einrichtung als Grundlage nennt. Einen direkten Einfluss der Maßnahmen der Mitarbeiter*innen des Sozialen Dienstes, die laut Frau P. über mehr Sensibilität im Umgang mit den Bewohner*innen verfügen, auf die Arbeit der Pflege, die vielmehr ihrem bestehenden Ablauf folgt, beschreibt sie als nicht auffallend. Die Zusammenarbeit zwischen der Pflege und dem Sozialen Dienst umschreibt sie jedoch in Form einer wechselseitigen Beziehung der Unterstützung als wichtig. Die Aussagekraft von Dokumentationen beschreibt sie zum einen als gebunden an ein objektives Schreiben zum anderen an die 71 Kommunikation mit den Bewohner*innen selbst. Sich für diese Zeit zu nehmen, sei dabei wichtig. In der Funktion des Festhaltens von Ergebnissen benennt sie den Maßnahmenplan in Bezug auf pflegerische Tätigkeiten als zentral, nennt jedoch das Beispiel eines einst zurückgezogenen Bewohners, der nun in die Gemeinschaft integriert ist, als einen Erfolg, der nicht zu messen, sondern emotional zu spüren ist. 5.2 Zusammenstellung und Vergleich der Ergebnisse aus den Interviews mit der Fachkraft des Sozialen Dienstes und der Pflegefachkraft Spezifischer Fall An dieser Stelle werden zunächst die Aussagen von Frau S. und Frau P. bezüglich des von beiden beschriebenen, spezifischen Falles zusammengefasst und verglichen. Da innerhalb der HK Spezifischer Fall ebenso Segmente mit den Codes der weiteren HK und SK des gesamten Kategoriensystems versehen wurden, werden die jeweiligen Codings ggf. erneut in den untenstehenden Ausführungen dieser erwähnt. Frau S. und Frau P. beschreiben die Ausgangssituation und Problemstellung des spezifischen Falles weitestgehend deckungsgleich. Als die Bewohnerin – aus dem Krankenhaus kommend – in der Einrichtung einzog, sei sie aufgebracht gewesen und habe direkt damit begonnen, Forderungen und Ansprüche zu stellen (vgl. S S18, Z515–521; vgl. P S11, Z288–295). Gemeinsam sei versucht worden, zunächst das „Fernsehproblem zu lösen“ (S S18, Z525). Die Annahme von Frau S., dass es schwierig sei, den Hintergrund für das herrische Verhalten von der spezifischen Bewohnerin – einer ehemaligen Ehefrau eines Unternehmers – insbesondere in Form der Dokumentation zu kommunizieren (vgl. S S18–19, Z526–543) bestätigt sich durch die Aussage von Frau P. „[…] zu Anfang war es (.) halt problematisch, weil die Mitarbeiter der Pflege hatten sich so sehr äh darauf eingeschossen, was ganz gefährlich ist, wenn die Mitarbeiter dann äh schon in so einem Brass drinnen sind […]“ (P S13, Z371–374). Beide betonen die Relevanz von organisatorischen Absprachen zwischen den Mitarbeiter*innen der Pflege und denen des Sozialen Dienstes (vgl. S S18, Z529; vgl. P S12, Z325–328). Zudem nennen sowohl Frau S. als auch Frau P. die Gespräche mit der Bewohnerin als zentrale 72 Maßnahmen, um diese mit den Regeln der Einrichtung vertraut zu machen (vgl. S S20, Z567–70; vgl. P S11–12, Z307–320). Sowohl Frau S. als auch Frau P. benennen in Bezug auf die Entwicklung und den aktuellen Stand der Bewohnerin, dass diese eine Einschränkung habe. Während Frau S. die Fähigkeit der Selbstständigkeit der Bewohnerin auch als „abhängig […] von ihrer körperlichen Befindlichkeit“ (S S24, Z704–705) umschreibt, stellt Frau P. keinen negativen Zusammenhang zwischen dem „Vergessen“ (P S15, Z415) und den Ressourcen der Bewohnerin her. Vielmehr sei diese eine Frau, die „sich nicht unterkriegen lässt“ (P S15, Z415), sich selbst organisieren kann und somit nicht auf den von Beginn des Falles an von diesem ausgeschlossenen Sohn angewiesen ist (vgl. P S14, Z409–10). Frau S. hebt in Bezug auf die Entwicklung und den aktuellen Stand hervor, dass die Bewohnerin in die Gemeinschaft integriert sei und sie als Fachkraft das Gefühl habe, die Bewohnerin sei „angekommen“ (S S21, Z609) und habe ihre Situation für sich angenommen (vgl. S S22, Z632–633). Mittlerweile sei sie „gerne hier“ (S S20, Z591) und bewege sich selbstständig durch das Haus (vgl. S S20, Z576). Der darin liegende Entwicklungsprozess wird insbesondere durch die von Frau P. über die Ausgangssituation und Problemstellung gemachte Aussage, die Bewohnerin habe sich zu Beginn, obwohl sie am Rollator hätte gehen können, im Rollstuhl transportieren lassen (vgl. P S11, Z299–302), deutlich. Frau S. betont, dass auch aktuell Gespräche im Zentrum der Maßnahmen mit der Bewohnerin stehen (vgl. S S22, Z641–643). In diesen habe die Bewohnerin bereits ihr Verhalten aus der Zeit ihres Einzuges reflektiert (vgl. S S21, Z593–594). Sie wisse nun, dass sie „Hilfestellung braucht“ und fühle sich laut Frau S. in der Einrichtung „ernst genommen“ (S S22, Z636–641). Sowohl Frau S. als auch Frau P. beschreiben die Entwicklung des Falles als positiv. Frau P. betont dennoch, dass weiterhin eine achtsame Beobachtung notwendig ist, um auf Rückschläge angemessen reagieren zu können (vgl. P S12, Z354–351). Faktenaussagen Frau S. macht über sich selbst als die Fachkraft und ihre Position die Aussage, dass sie bereits seit zehn Jahren als Sozialarbeiterin in der stationären Altenpflegeeinrichtung, in der die Erhebung der Interviewdaten stattfand, arbeitet. Ihre Teilzeitstelle begeht sie im Rahmen einer Fünf- Tage-Woche, wobei die Verteilung der Arbeitsstunden inklusive der 73 Arbeit an den Wochenenden im Rahmen eines Systems aus Vor- und Nachmittagsschichten variiert (vgl. S S2, Z4–12). Frau S. macht insofern Angaben über die Organisation und Struktur der Einrichtung, als dass sie berichtet, dass in der Einrichtung 74 Bewohner*innen verteilt auf drei Wohnbereiche leben (vgl. S S2, Z16–19). Dem Sozialen Dienst gehörten neben der Sozialdienstleitung und ihr selbst ein Ergotherapeut und sieben Betreuungsassistent*innen an (vgl. S S3, Z53–54). Durch die insgesamt zehn Mitarbeiter*innen könne meist jeder Wohnbereich in der Vormittags- und Nachmittagsschicht abgedeckt werden (vgl. S S5, Z114–16). Aus der Aussage von Frau S. sticht hervor, dass die Arbeit der Betreuungsassistent*innen durch den MDK extern vorgegeben werde, um den Anspruch der Bewohner*innen auf die tägliche Betreuung zu gewährsleisten, während der Soziale Dienst seine Angebote „ein Stück drum rum“ (vgl. S S5, Z122) plane. Frau P. arbeitet mit Jahren13 vergleichbar lange in der Einrichtung wie Frau S. Pflegefachkraft ist sie insgesamt seit 14 Jahren. Nach ihrer Einstellung in der Einrichtung als Pflegefachkraft wechselte sie zweimal zwischen der Stelle der Wohnbereichsleitung und der Pflegfachkraft, bevor sie Pflegedienstleitung wurde. Sie hat somit sowohl die Perspektive der praktisch tätigen Fachkraft als auch der planend/koordinierend tätigen inne (vgl. P S2, Z6–21). Die Maßnahmen und Aufgabenbereiche, für die sich Frau S. als zuständig beschreibt, sind zum einen solche, die den Aspekt der Planung und Steuerung innehaben. Dazu zählen beispielsweise die Erstellung des Wochenplanes im Zusammenhang mit der Koordinierung externer und der Integration interner, also vom Sozialen Dienst ausgehender Angebote. Auch an dieser Stelle erläutert Frau S., dass externe Angebote mit feststehenden Terminen wie z. B. Gottesdienste in den Wochenplan aufgenommen und erst daraufhin die internen Angebote angegliedert werden (vgl. S S5–6, Z122–130). Neben der Planung übergreifender Angebote nennt Frau S. die individuelle Planung des Betreuungsverlaufes für die einzelnen Bewohner*innen und die Begutachtung der Arbeit der Betreuungsassitsent*innen als ihre Aufgabenbereiche (vgl. S S2, Z25–30; vgl. S S2, Z22– 25). Zudem findet im Rahmen der von ihr durchgeführten Maßnahmen ein Direkter Kontakt zu Bewohner*innen statt, der durch Einzelkontakte und die Durchführung von Gruppenangeboten geprägt 13 Die Anzahl der Jahre, die die Pflegefachkraft in der Einrichtung arbeitet, wurde anonymisiert, um durch die von der Pflegefachkraft im Interview erwähnte Dauer der Existenz der Einrichtung nicht auf Namen oder Standort der Einrichtung schließen zu können. 74 ist. Während die Betreuungsassistent*innen laut Frau S. vermehrt die niedrigschwelligen Angebote durchführen, liegt ihre Verantwortungsdimension darin, mit ihren Angeboten die orientierten Bewohner*innen anzusprechen (vgl. S S6, Z128–129). Insgesamt sei sie für zwei von drei Wohnbereichen und somit für etwa 52 Bewohner*innen zuständig (vgl. S S2, Z19– 20). Frau P.s Aufgaben sind geprägt von Planung und Steuerung. In ihrer Zuständigkeit für den gesamten Pflegebereich sieht sie sich insbesondere für die Personalplanung, die Prüfung von Dienstplänen und die Risikobewertung der Einrichtung verantwortlich. Ein direkter Kontakt zu Bewohner*innen findet vor allem in den Pflegevisiten, aber auch durch ihre gelegentliche Aushilfe als Pflegefachkraft auf den Wohnbereichen statt (vgl. P S3–4, Z38–65). Das Augenmerk von Frau P. in Bezug auf ihre Aufgaben liegt vor allem auf der indirekten Arbeit für die Bewohner*innen. Sie umschreibt als Grundlage für die Zufriedenheit der Bewohner*innen eine gelingende Personalplanung und -kommunikation (vgl. P S4, Z81–86). Auch Frau S. plant und strukturiert ihre Arbeit, ihr Fokus liegt jedoch auf dem direkten Kontakt zu den Bewohner*innen. Dies deutet sich durch die Anzahl der Textstellen an, die den jeweiligen SK zugeordnet wurden. Während die SK Direkter Kontakt zu Bewohner*innen bei Frau S. fünfmal codiert wurde, war dies bei Frau P. dreimal der Fall. Bei der SK Planung und Steuerung liegt die geringfügige Differenz zwischen vier Codings bei Frau P. und drei Codings bei Frau S. Zielsetzungen der Arbeit Als zentrale Persönliche und Fachliche Zielsetzung setzt sich Frau S. zum einen „[…] den Bewohner hier zu begleiten, die letzte Phase seines Lebens, um ihm das dabei so angenehm […] wie möglich zu machen und ihn so zu belassen, also weniger mit dem Ziel, was verändern zu wollen […]“ (S S3, Z58–61), zum anderen betont sie das Ziel, die individuellen Bewohner*innen im Zusammenhang zur Gesamtgruppe der Bewohner*innen zu betrachten. Die Selbstständigkeit und vor allem die Selbstbestimmung der Bewohner*innen werden von ihr darüber hinaus als zentrale Zielsetzungen ihrer Arbeit genannt (vgl. S S4, Z74–87). Frau S. beschreibt als ihre Strategien zur Zielerreichung, dass sie sowohl Möglichkeiten für die Bedürfnisbefriedigung der Bewohner*innen auf 75 individueller als auch auf der Gruppenebene zu finden versucht. Den engen Kontakt der Betreuungsassistent*innen zu den Bewohner*innen wertet sie als hilfreich, um daraus Schlüsse für ebendiese Bedarfe der Bewohner*innen zu ziehen (vgl. S S4, Z90–94). Die Persönlichen und fachlichen Zielsetzungen von Frau P. weisen Gemeinsamkeiten zu den von Frau S. genannten auf. Frau P. zielt darauf ab, die Bewohner*innen in den Fokus zu rücken und jeder oder jedem Einzelnen von ihnen „größtmögliches Wohlbefinden“ (P S4, Z70) und „Selbstbestimmtheit“ (P S4, Z81) zu ermöglichen. Letzterer Begriff rückt insofern besonders in den Fokus, da er ebenfalls von Frau S. als Zielsetzung genannt wird. Frau P. orientiert sich darüber hinaus an dem Leitspruch des Zuhauseseins in der Einrichtung. Sie distanziert sich damit von einer Durchführung der Pflege, bei der die Bedürfnisse der Bewohner*innen nicht geachtet werden (vgl. P S4, Z69–86). Als Strategien zur Zielerreichung gibt sie hauptsächlich solche auf kommunikativer Ebene an. Absprachen mit Mitarbeiter*innen in Übergaben der Pflege und darüber hinaus hebt sie ebenso hervor wie den Austausch mit Mitarbeiter*innen der Bereiche außerhalb der Pflege (vgl. P S5, Z94–108). Bedürfnisse der Bewohner*innen Die HK Bedürfnisse der Bewohner*innen wurde im Transkript des Interviews mit Frau S. vierzehnmal und somit um sechs Codings häufiger vergeben als im Transkript des Interviews mit Frau P. Mit neun Codings fallen auf die SK Anpassungen an Bedarfe die meisten Codings in Bezug auf das Interview mit Frau S. In dieser SK finden sich einige Redundanzen im Verlaufe des Textes, was jedoch nicht ausschließlich als Einschränkung der Bedeutung der Häufigkeit, sondern viel mehr als Betonung der Relevanz der Thematik anzusehen ist. Frau S. erwähnt mehrmals die Abstimmung der Angebotsplanung und der Bedürfnisse der Gesamtgruppe auf die individuellen Bedarfe der Bewohner*innen. In diesem Zusammenhang nennt sie sowohl die Anpassung der gesamten Angebotsstruktur an die aktuellen Interessen und Möglichkeiten der Bewohner*innen im allgemeinen als auch die Planung der Betreuung im Sinne eines Abgleiches der Bedürfnisse mit den Möglichkeiten der Befriedigung dieser im individuellen Kontext (vgl. S S4–5, Z95–100; vgl. S S4, Z65–67). Frau P. beschreibt im Hinblick auf die Arbeit des Sozialen Dienstes ebendiese Anpassung insofern, als dass die Betreuung der Bewohner*innen in der von ihnen gewünschten Form stattfinden sollte (vgl. 76 P S9, Z236–238). Im Unterschied zu einer Anpassung der Maßnahmen an die Bewohner*innen zeigt sie jedoch auch auf, dass ebenso eine umgekehrte Anpassung der Bewohner*innen an die Regeln des Hauses von Bedeutung ist. Im Beispiel der Bewohnerin des spezifischen Falles deutet sie diese Regeln als Bedürfnis der Bewohnerin selbst (vgl. P S23, Z317–323). Sowohl Frau S. als auch Frau P. machen Aussagen über die Werte und Emotionen, die sie den Bewohner*innen bzw. einzelnen Bewohner*innen zuschreiben. Von Frau S. benannte Emotionen sind zum einen negativ konnotierte wie Hilflosigkeit, Angst, Wut und Verletztheit (vgl. S S8, Z191; vgl. S S23, Z675). In Bezug auf den spezifischen Fall schildert sie zudem Aufgebrachtheit (vgl. S S18, Z516). Im Gegensatz dazu erläutert sie anhand des Beispiels einer an Demenz erkrankten Person eine Art des Ruhens in sich selbst. „[…] ich finde es immer schön, wenn ich das Gefühl habe, der Mensch ist rund in sich (I: Ja). Egal, ob dement oder nicht, es gibt auch durchaus, haben wir einige, die wohnen in der Demenz, die finde ich aber in sich rund, wo ich denke ,Ja, die sind in einer völlig anderen Welt, aber wo immer die da sind, geht es ihnen da im Moment auch gut‘ “ (S S8, Z193–198). Ein zentraler Wert, der von Frau S. genannt wird, ist die Selbstbestimmung (vgl. S S4, Z74). Auch Frau P. greift diesen Begriff auf. Diesen verbindet sie mit dem Beispiel einer Bewohnerin, die gegen ihren Willen auf Wunsch der Angehörigen Nahrung aufnehmen sollte. Statt des Prinzips „satt und sauber“ (P S4, Z73) schlägt Frau P. in einem fortgeschrittenen Abschnitt des Interviews die aktive Einbindung der Bewohner*innen und ihrer Grundbedürfnisse14, aber auch ihrer Bedürfnisse nach Gemeinschaft und Einsamkeit vor (vgl. P S18, Z523–527). Als Bedürfnisse letzteren Kontextes nennt Frau S. sowohl die Einbindung der einzelnen Bewohner*innen in die Gesamtgruppe als auch die Notwendigkeit der Gesprächsführung zwischen Bewohner*innen und Mitarbeiter*innen des Sozialen Dienstes, insbesondere in dem spezifischen Fall (vgl. S S4, Z77; vgl. S S22, Z641–643). Zudem macht sie jedoch auch Aussagen darüber, dass ebenso das Recht auf ein Alleinsein 14 Unter diese Subkategorie fallen die Grundbedürfnisse Essen und Schlafen, die von Rieke neben den Bedürfnissen des Trinkens und der Elternbindung als die „frühen Grundbedürfnisse des Menschen“ (2015, S. 47) angenommen werden. 77 bei einigen Bewohner*innen als Bedürfnis im Zentrum steht (vgl.S S13, Z643–648). Wirkung „[…] für mich persönlich bedeutet Wirkung eigentlich, wenn ich ähm (.) nach Hause gehe und das Gefühl, ich bin zumindest irgendjemandem, bei irgendjemandem habe ich was erreicht und bin dem nahe gekommen. (I: Mhm) Ähm (.) Man kriegt ja hier definitiv ganz viel zurück. Das ist einfach so. Gerade im Sozialbereich kriegt man schon ganz viel zurück“ (S S6, Z153–157). Diese Aussage von Frau S. beinhaltet zum einen ihre Definition des Wirkungsbegriffes, zum anderen bildet sie einen für das gesamte Interview zentralen Wortstamm ab. Der Wortstamm ‚fühl‘ wird von Frau S. siebzehnmal genutzt, vierzehnmal davon durch die Verwendung des Wortes ‚Gefühl‘. Insbesondere ihre Beschreibungen der Feststellung von Wirkung bei dementen Bewohner*innen lassen sich in die SK ‚unsichtbare‘ Wirkungskriterien (vgl. S S7, Z165–167) einordnen. Um eine Wirkung durch ein Gefühl feststellen zu können, hebt Frau S. die Dauer der Beziehung zu den jeweiligen Bewohner*innen und die darauf beruhende Kenntnis über diese hervor. ‚Sichtbare‘ Wirkungskriterien sind für sie sowohl die visuell wahrnehmbare Relevanz, die das spezifische Angebot ‚Bingo‘ für die Bewohner*innen hat als auch verbale und nonverbale Äußerungen der Bewohner*innen (vgl. S S7, Z158–179). Das obenstehende Zitat lässt zudem eine Einordnung in die SK Wirkungsbeziehung und Wirkungsart zu. Frau S. beschreibt sich nicht nur selbst als Wirkende, sondern auch als Wirkungsempfangende (vgl. S S6, Z156– 157). Frau P. benennt als Wirkungsbeziehung und Wirkungsart des Sozialen Dienstes, dass die Mitarbeiter*innen dessen in Situationen greifen, wenn den Mitarbeiter*innen der Pflege die Zeit fehlt, um auf Bewohner*innen intensiv eingehen zu können (vgl. P S7, Z164–174). Entgegen vorheriger Erwartungen nimmt Frau P. außer strukturellen Veränderungen wie der Notwendigkeit des Transportes bestimmter Bewohner*innen durch die Pflege zu den Angeboten des Sozialen Dienstes keinen weiteren direkten Einfluss dieser auf die Tätigkeit in der Pflege wahr (vgl. P S10, Z251–257). Frau P. äußert, mit ihrer Arbeit Zufriedenheit bei ihren Mitarbeiter*innen und den Bewohner*innen bewirken zu wollen. ‚Sichtbare‘ Wirkungskriterien lassen sich in ihren Ausführungen durch verbale Rückmeldungen auf der Mitarbeiter*innenebene, aber auch auf der Ebene der Einrichtung wiederfinden. Ein Abgleich mit 78 anderen Einrichtungen fußt hier auf Gesprächen mit Mitarbeiter*innen von Zeitarbeitsfirmen sowie mit Bewerber*innen (vgl. P S6, Z113– 142). Die Relevanz von Gesprächen hebt Frau P. ebenso in Bezug auf die Bewohner*innen hervor. Neben spontanen, nicht regelgeleiteten Gesprächen zieht sie insbesondere Erkenntnisse aus den Pflegevisiten zur Beurteilung der Wirkung heran (vgl. P S6–7, Z151–158). Ebenso wie Frau S. beruft sich Frau P. auf ihr Gefühl, um die Wirkung der Arbeit des Sozialen Dienstes zu beschreiben. „Wenn die gut gelaunt und gut gestimmt, ne, also die Angebote wie jetzt, gerade wenn so Singen oder so also es ist immer viel mit (.) mit Spaß verbunden (I: Mhm), habe ich immer das Gefühl, wenn ich mal so vorbeigehe und da gerade ein Angebot ist“ (P S10, Z267–270). Erfolg Codesystem Frau S. Frau P. ∑ Summe HK 5 Erfolg 2 4 6 SK 5.1 Erfolgsbegriff 0 2 2 SK 5.2 ‚Sichtbare‘ Erfolgs(anti-)kriterien 2 7 9 SK 5.3 ‚Unsichtbare‘ Erfolgs(anti-)kriterien 4 1 5 SK 5.4 Sonstiges Erfolg 1 0 1 Summe 9 14 23 Abb. 4 Code-Matrix zur HK Erfolg und den zugehörigen SK (eigene Darstellung) Anhand von Abbildung 4 wird die Verteilung der Codings für die HK Erfolg und die einzelnen SK veranschaulicht. Auffallend ist dabei, dass bei Frau P. mit sieben Codings in der SK ‚Sichtbare‘ Erfolgs(anti-)kriterien eine höhere Anzahl an Codings zugeordnet werden konnte als bei 79 Frau S., während sich das umgekehrte Verhältnis in Bezug auf die SK ‚Unsichtbare‘ Erfolgs(anti-)kriterien abbildet. Frau S. äußert zunächst, dass sie Erfolg bzw. Misserfolg in Bezug auf die Gefühlsebene festmacht und bezeichnet auf dieser Grundlage eine Spezifizierung weiterer Erfolgskriterien als schwierig. Schließlich nennt sie jedoch als ‚Sichtbare‘ Erfolgskriterien nonverbale und verbale Äu- ßerungen von Bewohner*innen (vgl. S S8, Z204–212). Sie vergleicht die Möglichkeiten der Pflege und des Sozialen Dienstes, ihre jeweiligen Erfolge anhand von Skalen und Dokumentationen festzuhalten. Die Anwendbarkeit einer Art „Zufriedenheitsskala“ (S S9, Z224) – in Anlehnung an die Schmerzskala aus dem Pflegebereich – zweifelt sie als Messinstrument für den Erfolg der Arbeit des Sozialen Dienstes an. Aus den Dokumentationen über die Häufigkeit, mit der die Bewohner*innen bestimmte Angebote besuchen, wäre laut Frau S. höchstens die Erkenntnis über einen „Einheitswert“ (S S8, Z214) möglich. Dennoch bezeichnet Frau S. die Entwicklung persönlicher Kriterien für den Arbeitserfolg als wichtig (vgl. S S9, Z228–231). Frau P. beschreibt als Erfolgsbegriff des Sozialen Dienstes eine Betreuung der jeweiligen Bewohner*innen gemäß deren persönlichen Vorstellungen, Wünschen und Bedürfnissen (vgl. P S9, Z236–239). Als Beispiel für einen Erfolg nennt sie zudem die Integration eines zurückgezogenen Bewohners. Auch Frau P. gibt hier ‚unsichtbare‘ Erfolgskriterien an und lehnt die Bewertung des Erfolges anhand von Daten ab. „[…] das wäre ja auch ein Erfolg, den man irgendwo messen kann (I: Mhm). Jetzt nicht anhand von Daten, aber äh so emotional ist das ja dann auch schon ein Erfolg […]“ (P S22, Z655–657). Im Gegensatz dazu nennt sie die Maßnahmenplanungen der Pflegemitarbeiter*innen, die bspw. auf den Erfolg der Gewichtszunahme einer Bewohnerin abzielen, im Zuge nachprüfbarer Daten als der Bestimmung von Erfolg dienliche Instrumente (vgl. P S22, Z644–657). In die SK ‚Sichtbare‘ Erfolgs(anti-)kriterien lässt sich zudem Frau P.s Aussage über Gespräche als Mittel der Mitarbeiter*innen des Sozialen Dienstes zur Feststellung der (Un-)Zufriedenheit der Bewohner*innen und somit des Erfolges bzw. Misserfolges dieser einordnen (vgl. P S9, Z236–243). Sie selbst macht ihren Erfolg darüber hinaus an den Fortschritten der Mitarbeiter*innen im Umgang mit einer objektiven Dokumentation fest (vgl. P S20, Z60–603). 80 Dokumentation In Bezug auf die SK Standardisierungsgrade, Gütekriterien und Abläufe können sowohl Frau S.s als auch Frau P.s Aussagen über das Schreiben der SIS® zu Beginn eines neuen Falles bzw. zum Zeitpunkt des Einzuges einer neuen Bewohnerin oder eines neuen Bewohners als Ausgangspunkt der Dokumentation (vgl. S S11, Z285; vgl. P S17, Z474–475) eingeordnet werden. Frau P. weist zudem darauf hin, dass dem Sozialen Dienst das Themenfeld Leben in sozialen Beziehungen zukommt. Sie äußert, dass dieses zwar eigenständig von den Mitarbeiter*innen des Sozialen Dienstes ausgefüllt wird, der zuständigen Pflegefachkraft jedoch stets die Kontrolle und der Abgleich der Inhalte der einzelnen Dokumentations- bzw. Themenfelder obliegt (vgl. P S16, Z465–466). Das Berichteblatt, auf welchem laut Frau P. tagesaktuell das Befinden der Bewohner*innen dokumentiert wird, wird von Frau S. als gemeinsames Formular der Pflege und des Sozialen Dienstes beschrieben (vgl. S S21, Z612–615; vgl. P S16, Z465–466). Beide Interviewte geben an, dass die Form der Dokumentation auf dem Berichteblatt auf die Verschriftlichung von Besonderheiten und Abweichungen abzielt (vgl. P S16, Z445–447; vgl. S S15, Z438–439). Ebenso nennen Frau S. und Frau P. den Maßnahmenplan als auf den durch die Erstellung der SIS® und das Berichteblatt gewonnenen Erkenntnissen über die jeweiligen Bewohner*innen basierendes Formular. Beide betonen zudem die Offenheit des Maßnahmenplanes für an die jeweiligen Bewohner*innen angepassten Veränderungen (vgl. P S17, Z477–480; vgl. S S11, Z290–294). Die Relevanz der Belange der Bewohner*innen spiegelt sich auch in der von Frau S. beschriebenen Befragung anhand des Formulars zur Auswertung der Eingewöhnungsphase, welches sechs Wochen nach dem Einzug gemeinsam mit der oder dem jeweiligen Bewohner*in ausgefüllt werde, wider (vgl. S S11, Z303–308). Frau S. erwähnt eine Standardisierung der Dokumentation in der Form, dass der MDK eine erkennbare Abgrenzung der Maßnahmen des Sozialen Dienst und der Betreuungsassistent*innen auf dem Leistungsnachweis15 verlange (vgl. S S5, Z103). Entgegen der vorherigen Erwartung d. V. existieren laut Frau S. zwar standardisierte Kurzformen zur Beschreibung der Bewohner*innen-Aktivität, ein System aus festgelegten Begrifflichkeiten werde 15 Der Leistungsnachweis ist ein Dokument, auf dem die Mitarbeiter*innen durch ihr jeweiliges Handzeichen die Durchführung einer Maßnahme – insbesondere der Maßnahmen, die im Maßnahmenplan festgehalten sind – dokumentieren. 81 jedoch nicht verwendet. Vielmehr entwickele jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter ihren bzw. seinen eigenen Schreibstil. Auch die Verwendung der direkten, wörtlichen Zitate hebt sie hervor (vgl. S S15, Z421– 437). Dies geht konform mit den von Frau P. benannten Gütekriterien der objektiven Schreibweise und des Schreibens der Dokumentation während bzw. nach einem direkten Gespräch mit den Bewohner*innen. Ihr Anspruch an die Mitarbeiter*innen, „[…] sich wirklich mal die Zeit zu nehmen (I: Mhm) und sich eine Viertelstunde, das reicht schon völlig aus, sich einfach mal zu dem Bewohner hinzusetzen und dem zuzuhören […]“ (P S22, Z622– 624) steht ebenso im Kontrast zu den aus beiden Interviews gewonnenen Aussagen zur SK Dokumentationsökonomie wie Frau S.s Angabe kaum existierender Standardisierungsmaßnahmen. Es fehlt laut Frau S. sowohl die Zeit zum Verfassen als auch zum Lesen langer Texte (vgl. S S9, Z248–251). Im Kontext des Arbeitsfeldes der Pflege sei eine schnelle Erfassung der Textinhalte relevant. Frau S. fasst dies unter der Äußerung: „Es ist Pflege, es ist ganz kurz und ganz knackig“ (S S17, Z476–477), zusammen. Ebendiese Schnelligkeit und Knappheit scheinen in Zusammenhang mit den die Dokumentationen betreffenden Herausforderungen zu stehen. Frau S. äußert, dass im Rahmen der Dokumentation lediglich Ausschnitte der Realität wiedergegeben werden können (vgl. S S9, Z232–234). Die Vielschichtigkeit „zwischenmenschlicher Gefühlsebenen“ (S S17–18, Z501–502) wiederzugeben sei in Textform nicht möglich. Über direkte Kommunikation sieht sie dagegen die Möglichkeit gegeben, „mehr Text“ (S S17, Z497) unterzukriegen. Kritisch betrachtet sie zudem die direkte Bewertung des Zustandes der Bewohner*innen bei deren Einzug. Sie äußert, dass diese zu diesem Zeitpunkt teilweise überfordert sind und eine Einschätzung der Bewohner*innen nicht vorschnell getroffen werden sollte, um Fehlurteile zu vermeiden (vgl. S S10, Z254–269). Eine korrekte Wiedergabe der Hintergründe des Verhaltens von Bewohner*innen durch eine schriftliche Dokumentation betrachtet sie ebenso als Schwierigkeit wie die unreflektierte Annahme biographischer Informationen über Bewohner*innen, die von außen an sie herangetragen werden (vgl. S S19, Z540–543; vgl. S S24, Z689–694). Besonders hervorstechend und von der 82 Interviewten eigeninitiativ am Ende des Interviews angesprochen ist der Machtaspekt, der laut Frau S. in der Dokumentation liegt. „Also ich finde, das, was man geschrieben hat, das steht da ja auch erst einmal und das lesen auch ganz viele andere (I: Ja) Menschen. (.) Ja? Und gerade im Sozialen Dienst erfahren Sie auch oft Sachen, die schon sehr privat sind (I: Mhm), ne, bei näheren Beziehungen oder es sind ja auch sowieso sehr gefühlslastige Geschichten (.) […] Ist der eine Punkt, möchten (..) (I: Mhm) die Betreuten vielleicht alle, dass es jeder weiß?“ (S S25, Z737–744). In der SK Sonstiges Dokumentation wird die Aussage Frau S.s eingeordnet, dass sie besonders private Äußerungen, die sie für nicht dokumentierungspflichtig hält, nicht dokumentiert (vgl. S S26, Z755–758). Auch Frau P. beschreibt den Machtaspekt auf Nachfrage hin ähnlich. Eine zu wertende Schreibweise birgt laut ihr die Gefahr der vorschnellen Urteilsbildung über einen Menschen (vgl. P S19, Z548–550). Trotz dieser Herausforderungen benennen beide Interviewte Sinn und Funktionen der Dokumentation. Frau P. äußert sich positiv darüber, dass die Bewohner*innen im Zentrum der Dokumentation stehen (vgl. P S21, Z630–631). Frau S. fügt hinzu, dass durch Dokumentationen au- ßerdem gesichert werden kann, dass allen Bewohner*innen Betreuung zukommt (vgl. S S16, Z441–443). Zudem umschreibt sie mit der Aussage „es nutzt ja nicht nur das Schreiben“ (S S15, Z434) die kommunikative Funktion der Dokumentation und bezieht sich auf das Formular zur Auswertung der Eingewöhnungsphase, wenn sie die Funktion der Dokumentation als Evaluationsbasis erläutert. Insbesondere bei dem spezifischen Fall seien Entwicklungen durch die Berichteblätter nachzuvollziehen (vgl. S S21, Z610–614). Evaluation Die Interne Evaluation zwischen/durch interne Mitarbeiter*innen geht aus den Aussagen von Frau S. zum einen in Bezug auf die Beschreibung einer von ihr allein durchgeführten Auswertung der Dokumentationen über die von den jeweiligen Bewohner*innen besuchten Angebote und deren Gefallen daran hervor. Zum anderen betont sie die Relevanz von Gesprächen mit den Betreuungsassistent*innen, den Mitarbeiter*innen der Pflege und der Hauswirtschaft (vgl. S S10, Z276–282; vgl. S S13, Z360– 365). Ebenso wie Frau P. weist sie in diesem Zusammenhang auf die anlassbezogenen Fallgespräche zwischen der Pflege und dem Sozialen Dienst hin (vgl. S S13, Z368–369; vgl. P S18, Z507–514). 83 Frau P. beschreibt als von den Mitarbeiter*innen der Pflege positiv wahrgenommen, dass an pflegeinternen Teamsitzungen gelegentlich auch Mitarbeiter*innen des Sozialen Dienstes teilnehmen (vgl. P S18, Z514–517). Ebenso wie Frau S. zieht sie zu einem Vorher-Nachher-Abgleich einer bestimmten Maßnahme den Maßnahmenplan heran. Im Gegensatz zu Frau P., die Maßnahmen wie die Änderung des Gewichtes durch diesen für nachvollziehbar hält (vgl. P S22, Z647–651), wertet Frau S. die Abbildung einer Verhaltensänderung durch den Maßnahmenplan als Schwierigkeit (vgl. S S14, Z385–392). Diese Ansicht unterstützt Frau P. dadurch, dass sie Veränderungen auf der Verhaltens- bzw. der Gefühlsebene als nicht durch Daten messbar bezeichnet (vgl. P S21, Z651–657). Sowohl Frau P. als auch Frau S. legen Wert auf eine Interne Evaluation mit Beteiligung der Bewohner*innen. Dabei stehen sowohl bei Frau S. als auch bei Frau P. regelgeleitete Gespräche im Rahmen des Formulars zur Auswertung der Eingewöhnungsphase einerseits (vgl. S S12, Z320– 322) und der Pflegevisiten (vgl. P S6, Z151–153) andererseits im Fokus. Frau P. grenzt diese Regelgeleitetheit klar von den offenen Gesprächen im Alltag der Bewohner*innen ab (vgl. P S7, Z151–158). Eine Evaluation mit externer Beteiligung findet laut Frau S. durch den MDK statt (vgl. S S15, Z430–432). Bereichsübergreifende Beziehungen Die HK Bereichsübergreifende Beziehungen ist mit insgesamt 32 Codings die am häufigsten vergebene. 23 dieser Codings fallen in die SK Informativer und kommunikativer Austausch. Die Aussagen von Frau P. und Frau S., die dieser SK zugehörig sind, zentrieren sich um den verbalen und/oder schriftlichen Austausch zwischen Mitarbeiter*innen des eigenen Arbeits-, aber unterschiedlichen Verantwortungsbereiches oder zwischen Mitarbeiter*innen verschiedener Arbeitsbereiche. Insbesondere diese arbeitsbereichsübergreifende Form des Austausches wird von beiden mehrfach genannt und sticht somit heraus (vgl. S S16, Z464–467; vgl. P S18, Z520–523). Sowohl Frau S. als auch Frau P. benennen das Berichteblatt als Kommunikationsmedium zwischen der Pflege und dem Sozialen Dienst (vgl. S S21, Z612–615; vgl. P S16, Z465–466). Doch auch die verbale Kommunikation wird in Bezug auf organisatorische Absprachen im spezifischen Fall und Fallbesprechungen im Allgemeinen sowie die gegenseitige Unterstützung im Umgang mit Bewohner*innen von beiden in den Fokus gerückt (vgl. S S3, Z42–45;vgl. P S8, Z188–189). 84 Im Kontext der Praktischen Zusammenarbeit beschreibt Frau P. es als „wichtig, dass man dann auch direkt Hand-in-Hand arbeitet“ (P S10, Z275–276). Dies beschreibt sie sowohl in Bezug die Hilfestellungen, die die Mitarbeiter*innen der Pflege denen des Sozialen Dienstes leisten können als auch im Hinblick darauf, dass Letztere eingreifen, wenn die Mitarbeiter*innen „der Pflege das in dem gar nicht so können“ (P S7, Z166–167). Hier bezieht sie sich auf das Beispiel der Betreuung palliativersorgter Bewohner*innen, deren Begleitung im Rahmen der Pflege nicht möglich sei. Dass die Mitarbeiter*innen der Pflege eher „stur nach System“ (P S10, Z258) arbeiten und im Gegensatz zum Sozialen Dienst ein geringeres Maß an Feingefühl (vgl. P S10, Z259) aufweisen, lässt Frau P. als ihre Sichtweisen in Bezug auf die Pflege und den Sozialen Dienst erkennen. Sie widerruft das Vorurteil der Einfachheit der Arbeit des Sozialen Dienstes und äußert stattdessen eine Nähe der Mitarbeiter*innen dessen zu den Bewohner*innen (vgl. P S9, Z228–232). In Bezug auf diese Nähe beschreibt sie sowohl die Vorteile eines breiteren Wissens über die Bewohner*innen generell als auch die Schwierigkeit der emotionalen Involviertheit von Frau S. im spezifischen Fall (vgl. P S9, Z222–236; vgl. P S14, Z386–391). Frau S. schreibt den Mitarbeiter*innen der Pflege, entgegen der Aussage von Frau P., jedoch ebenfalls eine enge Beziehung zu den Bewohner*innen zu, die durch die Kenntnis über alltägliche Belange dieser bestehe (vgl. S S23, Z662–664). Mit der Regelgeleitetheit der pflegerischen Abläufe, die Frau P. beschreibt, gehen die Aussagen von Frau S. konform. Sie beschreibt die Pflege im Gegensatz zur Arbeit des Sozialen Dienstes als anlassbezogener und anhand von Skalen in Messgrößen einfacher darstellbarer sowie eingrenzbarer in ihrer Thematik und somit auch in der Dokumentation (vgl. S S14, Z400–403; vgl. S S9, Z223– 228; vgl. S S16, Z456–457). Ganzheitliche Betrachtung Mit zwölf Codings fallen über die Hälfte der insgesamt im Rahmen der HK Ganzheitliche Betrachtung und den dieser zugehörigen SK vergebenen mit Codings der HK Spezifischer Fall uns dieser zugehörigen SK zusammen. Davon finden sich vier in dem codierten Text des mit Frau P. geführten Interviews, acht in dem des mit Frau S. geführten. In diesem Zusammenhang benennt Frau S. die Angehörigenbeteiligung, genauer die des Sohnes als schwierig, die Mutter wolle ihren Sohn nicht involvieren (vgl. S S23, Z670–671). 85 Frau S. deutet dies jedoch als Persönliche Ressource der Bewohnerin um und schreibt ihr Selbstständigkeit und Strukturiertheit zu, macht diese Ressourcen jedoch auch abhängig vom gesundheitlichen Zustand der Bewohnerin (vgl. S S24, Z702–712). Frau P. äußert sich sowohl im Hinblick auf die Beziehung der Bewohnerin zu ihrem Sohn als auch auf ihre Persönlichen Ressourcen ähnlich wie Frau S. Die Bewohnerin sei „halt schon alleine“ (P S14, Z410), sei jedoch eine „starke Frau“ (P S15, Z417), die im Gespräch Durchsetzungsvermögen beweise (vgl. P S15, Z419–427). Die Defizite der Bewohnerin, die Frau P. nicht weiter ausführt, wertet diese als „nicht unbedingt immer negativ“ (P S15, Z416). Als Beispiel für die Angehörigenbeteiligung der sonstigen Bewohner*innen nennt Frau P. das einer fordernden Ehefrau eines Bewohners, mit welcher Frau P. zunächst ein konfliktbehaftetes Verhältnis gehabt habe, bevor sie ihr vermittelt habe, dass beide die Zielsetzung des Wohlbefindens des Bewohners verfolgen. Auch Frau S. umschreibt ihre „Mittlerfunktion“ (S S23, Z673), die sie zwischen Bewohner*innen und deren Angehörigen einnehme, als schwierig und warnt davor, sich in Konflikten auf eine Seite zu schlagen. Sie betont die Angehörigenbeteiligung als wichtig für ihre Arbeit, insbesondere im Umgang mit nicht orientierten und/oder dementen Bewohner*innen. In diesen Fällen habe sie „deutlich mehr Kontakte zu Angehörigen“ (S S22–23, Z665–666), was ihr insbesondere in Bezug auf Hintergrundwissen zu Biographien der jeweiligen Bewohner*innen helfe. „[…] die Angehörigen ähm, die gibt natürlich viele, die sehr häufig kommen, das ist für uns auch immer toll. Also gerade da, wo es ein gutes Verhältnis gibt (I: Ja). Ist, das ist natürlich wunderbar, das ist für die Bewohner toll, das ist für uns schön (Mhm). […] die Angehörigen spielen natürlich eine (.) entscheidende Rolle, gerade auch ähm bei dementen Bewohnern überhaupt was von der Vorgeschichte zu wissen.“ (S S23, Z656–666). Im Umgang mit biographischen Angaben und/oder solchen über die Vorlieben der Bewohner*innen, die von Angehörigen gemacht werden, sei jedoch stets Sensibilität notwendig, um den aktuellen Stand der jeweiligen Bewohner*innen nicht durch ggf. nicht (mehr) gültige Informationen in den Hintergrund zu rücken (vgl. S S24, Z813–824). 86 Aus der Zusammenstellung und dem Vergleich der Texte, deren Grundlage die Interviews mit Frau S. und Frau P. sind, gehen insbesondere die im Folgenden zusammengefassten Ergebnisse hervor: Der Spezifische Fall wird sowohl in Bezug auf die Ausgangssituation und Problemstellung als auch die Entwicklung und den aktuellen Stand von beiden Interviewten ähnlich beschrieben. Obwohl oder gerade weil Frau S. und Frau P. für unterschiedliche Maßnahmen und Aufgabenbereiche zuständig sind, betonen beide den Wert der Bereichsübergreifenden Beziehungen in Form von schriftlicher Kommunikation – beispielsweise durch das Berichteblatt – und einem verbalen Austausch untereinander – insbesondere in Bezug auf gemeinsame Fallbesprechungen. Die Zielsetzungen der Arbeit von Frau P. beziehen sich zwar zunächst auf ihre Aufgabe der Personalkoordination, decken sich schließlich aber mit Frau S. s Ansicht, dass das Wohlbefinden der Bewohner*innen im Zentrum steht. Als Strategien zur Zielerreichung nennen beide den Austausch zwischen den Mitarbeiter*innen. Der aus der Auswertung der Interviews mit Frau S. und Frau P. als eines der Bedürfnisse der Bewohner*innen besonders hervorgehende Begriff der Selbstbestimmung findet sich unter anderem auch in der Definition des Erfolgsbegriffes für die Soziale Arbeit, speziell für den Sozialen Dienst der stationären Altenpflegeeinrichtung durch Frau P. wieder. Ebenso wie Frau S. beschreibt sie den Erfolg einer Verhaltensänderung durch die Arbeit des Sozialen Dienstes als weniger durch Daten als vielmehr durch Emotionen nachvollziehbar. In Bezug auf die HK Wirkung und Erfolg steht neben diesen ‚unsichtbaren‘ Erfolgs(anti)kriterien und Wirkungskriterien bei beiden Interviewten der direkte Kontakt mit den Bewohner*innen als ‚sichtbares‘ Erfolgs(anti)kriterium bzw. Wirkungskriterium im Fokus. Frau S. ergänzt neben der verbalen Ebene dieser Kriterien die nonverbale Verhaltensebene als maßgebend. Ebendieses Bild der Relevanz von Gesprächen, insbesondere auch zwischen den Arbeitsbereichen, zieht sich durch die HK Evaluation. Als Grundlage dieser werden jedoch von Frau S. und Frau P. auch Teile der Dokumentation wie z. B. der Maßnahmenplan genannt. Dieser wiederum basiert laut Frau P. auf den im Rahmen des Berichteblattes tagesaktuell erfassten Erkenntnissen. Sowohl Frau S. als auch Frau P. nennen neben Herausforderungen der Dokumentation – wie der Macht über die Person, die Inhalt der 87 Dokumentation ist und der Wertung durch nicht objektive Verschriftlichungen – ebenso Gütekriterien. Dass von Frau P. genannte Gütekriterium der detaillierten, objektiven Beschreibungen fällt ebenso wie Frau S.s Forderung nach der Verwendung der wörtlichen Rede in den Kontext des Versuches, der Realität mit der Dokumentation möglichst nahe zu kommen. Aus dieser kurzen Zusammenfassung geht insbesondere die Zentralität der verbalen und nonverbalen Kommunikation hervor. Dass ein Austausch über die Arbeitsbereiche hinweg dabei in einem besonderen Fokus steht, macht Abbildung 5 deutlich. Aus einer Code-Relations-Matrix hervorgehende Überschneidungen aller HK und SK wurden die sechs auffallendsten HK ausgewählt und in einem Code-Überschneidungs-Modell dargestellt. Die Stärke der Verbindungslinien deutet hierbei die Häufigkeit der jeweiligen Überschneidungen der HK in den Textsegmenten an. Besonders hervorstechend sind mit 15 Überschneidungen der Zusammenhang zwischen Dokumentation und Bereichsübergreifende Beziehungen sowie mit sechs Überschneidungen die HK Bereichsübergreifende Beziehungen und Evaluation. Auch die Relevanz der Dokumentation für die Erfassung des Erfolges und die Evaluation ist aus dieser Ansicht heraus nachvollziehbar. Dass ein Erfolg von der Ganzheitlichen Betrachtung geprägt ist, macht die Verbindung der Kategorien miteinander deutlich. Auffallend ist zudem, dass die HK Wirkung weder mit der HK Erfolg noch mit der HK Dokumentation verbunden ist. Ersteres ergibt sich daraus, dass Wirkung und Erfolg begrifflich in den Fragen der Interviews voneinander getrennt und somit auch getrennt codiert wurden. Dennoch fällt auf, dass sich die Beschreibungen und Definitionen von Wirkung und Erfolg teils ähneln, da beide Interviewte Wirkung ebenso wie Erfolg mit positiven Veränderungen konnotieren (vgl. P S5, Z112– 117; vgl. P S9, Z236–241 und S S6, Z153–156; vgl. S S8, Z204–206). 88 Abb. 5 Code-Überschneidungs-Modell (eigene Darstellung mithilfe von MAXQDA Analytics Pro 2018) Wie diese Zusammenhänge und die obigen, aus der Auswertung gewonnenen zentralen Ergebnisse in den Hintergrund bestehender Theorie und im Hinblick auf die Beantwortung der leitenden Fragstellung dieser Arbeit einzuordnen sind, wird im Folgenden anhand aus der Forschung generierter Thesen diskutiert. 89 6. Diskussion der Ergebnisse vor dem theoretischen Hintergrund dieser Arbeit Die Bedeutung der bereichsübergreifenden Zusammenarbeit lässt sich als ein Kern der Forschungsergebnisse herausstellen. Dies leitet sich aus dem Vorhandensein von nach der HK und den zugehörigen SK codierten Segmenten Bereichsübergreifende Beziehungen in jeder weiteren HK des Kategoriensystems ab. Mit 23 von 41 Codings macht der informative und kommunikative Austausch mehr als die Hälfte der Codings aus und kann somit als zentral für die Zusammenarbeit über die Bereiche hinweg angesehen werden. Insbesondere im Hinblick auf die Visualisierung von Wirkung durch Dokumentationen und somit für die Beantwortung der leitenden Fragestellung nimmt diese SK eine prägnante Stellung ein. Dokumentationen sind Instrumente der Macht. Die besondere Bedeutung der Dokumentation als Medium schriftlicher Kommunikation und als Protokoll sozialer Wirklichkeit, wie sie in Kapitel 2.2 dieser Arbeit in Bezug auf die objektive Hermeneutik aufgegriffen wurde (vgl. Wernet 2009, S. 12), spiegelt sich in den Ergebnissen der Forschung wider. Dass durch die fehlende Face-to-Face-Kommunikation ein weitgreifender Interpretationsspielraum entsteht, der sich auf die Wirklichkeit der Bewohner*innen auswirken kann, bestätigt sich vor dem Hintergrund des Symbolischen Interaktionismus und Schultz von Thuns Kommunikationsmodell auf theoretischer Ebene (vgl. Abels 2010, S. 44ff.; vgl. Reichmann 2016, S. 13). Dokumentationen gehen aus dieser Forschung nicht als alleinstehende Basis für die Darstellung der Realität hervor. Diesem Anspruch steht insbesondere die ökonomische Ebene im Sinne fehlender Zeit der Mitarbeiter*innen zum Verfassen und Lesen langer Dokumentationstexte entgegen (vgl. S S17, Z496–499). Dass ohne eine gewisse Regelgeleitetheit aus einer Dokumentation – ob bewusst oder unbewusst – ein Instrument der Macht werden kann, nehmen beide Interviewte wahr (vgl. P S19, Z547– 552; vgl. S S25, Z737–746). Ebendiese Regelgeleitetheit in Form von Standardisierungen ging bereits aus dem theoretischen Teil dieser Arbeit als Grundlage für die möglichst genaue Abbildung von Realität und auch Wirkung durch Dokumentationen hervor (siehe Kapitel 2.2.3 dieser Arbeit). Der Aspekt findet Anklang in dem Lösungsweg hin zu einem geringeren Interpretationsspielraum und zu einer klareren Aussagekraft von Texten, der von beiden Interviewten geschildert wird. Zentral ist dabei die inhaltliche Standardsetzung, bzw. das Gütekriterium der 90 Objektivität (vgl. P S20, Z578–580) und die Nutzung der wörtlichen Rede (vgl. S S15, Z426–429). Zwar bleibt die Dokumentation stets mit einer Macht der Dokumentierenden in Bezug auf die Wirklichkeit der Bewohner*innen als ‚Objekte‘ dieser Dokumentation verbunden. Sich diese Macht bewusst zu machen – und dies tun die interviewten Fachkräfte – ist jedoch ein Schritt, der für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Dokumentationen und den bewohner*innenbezogenen Daten hinführend ist. Aus der von Frau S. geschilderten Gefahr, dass das, was in einer Dokumentation niedergeschrieben ist, als Realität angenommen wird und sich auf diese auswirkt (vgl. S S25, Z730–734), geht gleichzeitig eine Hauptfunktion der Dokumentation im Sinne der Wirkungsvisualisierung hervor. Im Gegensatz zu ausschließlich verbal erfolgter Kommunikation ist das geschriebene Wort ein manifestes Protokoll sozialer Wirklichkeit (vgl. Wernet 2009, S. 12) und ist somit für die Evaluation als inhaltstragendes Objekt nutzbar. Diese wiederum funktioniert nicht ohne einen verbalen Austausch untereinander. In diesem Kontext gehen demnach aus der Forschung beide Aspekte – schriftliche und verbale Kommunikation – als unabdingbare Teile eines Ganzen hervor. Wirkung ist durch Dokumentationen visualisierbar – solange verbale Evaluations- und Aushandlungsprozesse gegeben sind. Die geringe definitorische Trennschärfe zwischen den beiden Begriffen Wirkung und Erfolg in der Sozialen Arbeit wurde bereits in Kapitel 1.1 dieser Arbeit diskutiert. Während im Duden Wirkung und Erfolg als Synonyme füreinander angegeben werden (vgl. Dudenredaktion o. J.), findet sich im Brockhaus zwar eine neutralere Definition des Wirkungsbegriffes wieder (vgl. Brockhaus Enzyklopädie Online o. J.a). Im Rahmen der Definition von Erfolg als „positives Ergebnis einer Bemühung, das Eintreten einer erstrebten Wirkung“ (Brockhaus Enzyklopädie Online o. J.b) wird jedoch ebendas deutlich, was aus der Auswertung der Forschung hervorgeht: Wirkung und Erfolg sind zwar begrifflich in Bezug auf den bedingenden Faktor der Positivität von Erfolg voneinander trennbar, ähneln sich jedoch in ihrer alltäglichen, sprachlichen Anwendung und somit auch in ihrer Definition. Vielmehr noch: Wirkung scheint eine Bedingung für Erfolg zu sein und Erfolg der erkennbare, nachvollziehbare Teil der Wirkung. Im Kontext der Forschung verschmelzen beide Begriffe zusehend zu einem: Dem ‚Wirkungserfolg‘, der durch die positiven Auswirkungen einer Handlung im Sinne eines Erfolges definiert ist. 91 Dieser schließt sich an die immateriellen Zielsetzungen wie die Erhaltung und/oder Gewinnung der Selbstbestimmung, des Wohlbefindens und der Lebensqualität an. Zusätzlich zu dieser Immaterialität, die in Bezug auf die Dokumentation zu Schwierigkeiten führt (vgl. S S18– 19, Z499–502), deuten die Ergebnisse der Forschung auf die Herausforderung des Technologiedefizites (zu Immaterialität und Technologiedefizit siehe Kapitel 2 dieser Arbeit) im Sinne unvorhersehbarer Entwicklungen in Bezug auf die Maßnahmenplanung des Sozialen Dienstes hin (vgl. S S2–3, Z22–32). Der Maßnahmenplan ist zwar als Instrument des Vorher-Nachher-Abgleiches anzusehen, ist jedoch in sich offen und beinhaltet die Möglichkeit der Anpassung auf veränderte Anforderungen und Zielsetzungen. Somit ist er kein starres Instrument zuvor festgelegter Zielsetzungen, sondern ein Abbild von Variabilität (vgl. P S17, Z477–480). Doch gerade diese Variabilität und Flexibilität ist in Bezug auf die Visualisierung der Wirkung Sozialer Arbeit im Kontext individueller Fälle hinführend. Relevant ist dabei eine geltende Rahmung. Diese Rahmung geben zum einen formale Standards, die sich auf die Reihenfolge des Ausfüllens der einzelnen Dokumente, die Zuständigkeiten für die jeweiligen Dokumentationsbereiche und die Form der Dokumente (bspw. den teilstandardisierten Aufbau des Formulars zur Auswertung der Eingewöhnungsphase) beziehen, zum anderen die inhaltliche Standardsetzung in Bezug auf bereits erwähnte Objektivität der Dokumentation. Ebenjene Standards ziehen sich neben der Darstellung der Wirklichkeit an sich durch die Möglichkeit der spezifischeren Abbildung der Wirkung von sozialarbeiterischen Handlungen auf die Bewohner*innen. Bereits in Kapitel 2.2.2 wurde auf die von Reichmann erwähnte Notwendigkeit der Ausrichtung von Dokumentationen an Partizipationsmöglichkeiten für die Bewohner*innen (vgl. 2016, S. 70) eingegangen. Neben der indirekten Einbindung der Aussagen dieser in Form der durch Fachkräfte dokumentierten wörtlichen Rede geht eine direkte Befragung der Bewohner*innen und ein gemeinsames Ausfüllen eines Formulars der Dokumentation als zentral für die Planung weiterer, sozialarbeiterischer Handlungen hervor. Das von Frau S. beschriebene Formular zur Auswertung der Eingewöhnungsphase ergibt gemeinsam mit dem Berichteblatt die Grundlage für weiterführende Evaluationen. Insbesondere im Hinblick auf den in Kapitel 2.1 beschriebenen PDCA-Kreislauf im Zusammenhang mit den von Frau S. und Frau P. aufgeführten Abläufen von Dokumentation, Maßnahmenplanung und 92 Evaluation (vgl. S S10–14, Z238–392; vgl. P S16–18, Z456–592) wird die Eingebundenheit der Abbildung von Wirkung in diesen größeren Zusammenhang deutlich. Wirkung wird demnach nicht allein durch die Verschriftlichung von Arbeitsschritten, sondern durch Evaluation sichtbar. Die Kommunikation über die Dokumentationen hinaus steht dabei im Zentrum dessen, wie bisherige Maßnahmen gewirkt haben und angepasst werden können. Insbesondere bei Bewohner*innen, die neu in der Einrichtung aufgenommen werden, geht die Kommunikation mit ebendiesen und ggf. deren Angehörigen als Basis für einen ersten Maßnahmenplan hervor. Vor dem Hintergrund der EBP Sozialer Arbeit (siehe Kapitel 2.3 dieser Arbeit) kann dieser Prozess als Versuch der Annäherung an Wirkungswahrscheinlichkeiten gedeutet werden. Im Gegensatz zur klassischen EBP ergeben sich aus der Forschung heraus die in der Praxis angewandten Vorzüge der Klient*innenorientierung und der Zentralität der Evaluation. Am spezifischen Fall der Bewohnerin werden ebendiese Aspekte im Hinblick auf die Feststellung und Visualisierung der Wirkungstragweite besonders deutlich. Einerseits können laut Frau S. Ver- änderungen und Entwicklungen des Falles anhand der Berichteblätter nachvollzogen werden (vgl. S S21, Z612–615). Um diese jedoch überhaupt dokumentieren zu können, ist der direkte Kontakt mit der Bewohnerin erforderlich. Über die Beobachtung dieser hinaus wird im Rahmen von Gesprächen zwischen Frau S. und der Bewohnerin vergangenes Verhalten reflektiert und der aktuelle Stand evaluiert (vgl. S S21, Z593–596). Ob und wenn ja welche Handlungsweisen der Sozialarbeiterin zu welchen Faktoren der Entwicklung beitrugen, ist auf Grund der im folgenden Kapitel in die Diskussion eingebundenen Attributionsproblematik jedoch nicht einfach zu differenzieren. Neben der Einbindung der Bewohner*innen in evaluative Maßnahmen liegt eine Relevanz dafür, dass die Visualisierung im Sinne geschriebener Worte überhaupt bewusst möglich und als solche erkennbar ist, in kommunikativen Aushandlungsprozessen zwischen den Mitarbeiter*innen. Die Fallgespräche zwischen denen der Pflege und des Sozialen Dienstes rücken dabei in den Fokus (vgl. S S13, Z368–369; vgl. P S18, Z507–514). In diesem Rahmen sind Aushandlungsprozesse über die schriftliche Dokumentation hinaus möglich. Werden Evaluationen nicht nur fallbezogen, sondern auch auf einer metakommunikativen Ebene geführt, bietet sich eine Chance, sowohl eine Basis für Verständigungsprozesse im Rahmen von Dokumentationen als auch für die Aushandlung begrifflicher Trennschärfen und Kriterien für Erfolg und 93 Wirkung zu schaffen. Um Wirkung tatsächlich bewusst zu visualisieren und zu evaluieren ist eine weitestgehende definitorische Klarheit notwendig. Aus den Ergebnissen der Auswertung der Interviews geht hervor, dass Emotionen zentrale Kriterien der Erfolgs- und Wirkungskontrolle sind, die im Hinblick auf die Dauer der Beziehung zu einzelnen Bewohner*innen an Geltung gewinnen (vgl. S S7, Z169–172). Gefühle in eine objektivierte Dokumentation zu fassen, ist eine Herausforderung (vgl. S S18–19, Z499–502). Diese aus diesem Grunde nicht zu beachten, würde dem ganzheitlichen Anspruch, der durch die Präsenz der HK Bereichsübergreifende Beziehungen und der zugehörigen SK und die – sich teils überschneidenden – Zielsetzungen der Interviewten in Bezug auf die Bedürfnisse der Bewohner*innen deutlich wird, nicht genügen. Neben der Einbindung ‚sichtbarer‘ Kriterien in die Dokumentation existiert eine weitere Möglichkeit, auch ‚unsichtbare‘ Kriterien zu definieren und somit in die Darstellung von Wirkung einfließen zu lassen: Der Rückgriff auf handlungsfeldbezogenes Wissen. Handlungsfeldbezogenes Wissen kann als Basis für eine Aushandlung des Wirkungsbegriffes dienen. Frau S.s Beschreibung der Bedürfnisse und Ressourcen der Bewohner*innen und deren Einbindung in ihre Arbeit lassen Rückschlüsse auf Haltungen und Wissensbestände zu, die an die theoretischen Vorüberlegungen dieser Arbeit anknüpfen. Die Bedürfnisse der Bewohner*innen stehen im Kontext der Ergebnisse in einem engen Kontakt zur Definition des Erfolgsbegriffes in der Sozialen Arbeit in stationären Altenpflegeeinrichtungen. Frau P.s Definition, Erfolg in der Sozialen Arbeit sei die Betreuung der Bewohner*innen nach deren individuellen Bedürfnissen, sei hier als Beispiel herausgegriffen (vgl. P S9, Z236–239). Daher liegt es nahe, erwähntes handlungsfeldspezifisches Wissen als Basis für die Definition und somit auch für die Differenzierung des Erfolgs- und Wirkungsbegriffes zu nutzen. Frau S. bezieht sich in ihren Aussagen nicht direkt auf bestimmte Theorien. Dennoch lassen sich diese wie folgt zuordnen. Frau S. Beschreibungen lassen sich sowohl im Sinne eines durch ihre Arbeit akzeptierten Rückzuges der Bewohner*innen der Disengagement-Theorie und im Sinne einer Einbindung ebendieser in die Gemeinschaft der Aktivitätstheorie (vgl. Pohlmann 2011, S. 80) zuordnen (siehe Kapitel 3.1 dieser Arbeit) als auch Hannah Arendts Unterscheidung von Einsamkeit, Isolation und Verlassenheit (vgl. Arendt 2006, S. 81ff.). Zudem 94 beschreibt sie ihre Arbeit im Kontext eines produktiven Altersbildes, indem sie Selbstständigkeit und Eigeninitiative der Bewohner*innen als förderungswürdig darlegt (vgl. S S5, Z96–99). In diesem Zusammenhang können ebenso Parallelen zu den von Ryff aufgeführten sechs Dimensionen (vgl. Pohlmann 2011, S. 88f) und den Central Capabilities nach Nussbaum (vgl. Nussbaum 2012, S. 360f.) gezogen werden16. Autonomie und Umweltkontrolle nach Ryff (vgl. S S5, Z96–99) sowie Life (vgl. S S3, Z58–60), Emotions (vgl. S S23, Z656–660) und Senses, Imagination and Thought (vgl. S S6, Z134–142) nach Nussbaum lassen sich unter anderem an den angegebenen Stellen der Niederschrift des Interviews mit Frau S. wiederfinden. Aus dem Interview mit Frau P. gehen insbesondere die Capabilities Bodily Health (vgl. P S22, Z644–649) und Bodily Integrity hervor, wobei sie Letzteres in der Vergangenheit durch eine fremdbestimmende Haltung der Pflegemitarbeiter*innen gegenüber den Bewohner*innen als nicht gegeben ansieht. In der Einrichtung, in der sie aktuell arbeitet, beurteilt sie die Bodily Integrity jedoch als gewährleistet und benennt den Wert der Selbstbestimmung der Bewohner*innen (vgl. P S4, Z70– 82). Diese Selbstbestimmung ist auch für Frau S. (vgl. S S4, Z74–75) zentral und kann in das Central Capability Practical Reason eingeordnet werden. Zudem erwähnen beide Interviewte die Relevanz von menschlichen Beziehungen und Emotionen der Bewohner*innen und heben die Bedeutung des Spieles hervor – Hinweise auf die Capabilities Affiliation (vgl. S S4, Z75–77; vgl. P S18, Z525–529) und Play (vgl. S S7, Z160–163; vgl. P S10, Z267–270). Die Central Capabilities in einer Einrichtung aufrecht zu erhalten, deren Bewohner*innen nicht nur an Ressourcen gewinnen, sondern – wie im spezifischen Fall – auch insbesondere krankheitsbedingt eingeschränkt sind, ist kein einfaches Anliegen (vgl. S S21, Z596–599). Dennoch findet sich die Aufrechterhaltung der Selbstbestimmung als Kern aller Capabilities in den Zielsetzungen der beiden Interviewten wieder (vgl. S S4, Z74–75; vgl. P S4, Z81–82). Sowohl in Bezug auf den aktuellen Stand des spezifischen Falles als auch im Hinblick auf die weiteren Bewohner*innen greifen beide auf Formulierungen wie die „Lage […] akzeptiert“ (S S22, Z632–633), „rund in sich“ sein (S S8, Z194) und „Zufriedenheit“ (P S5, Z115–117) zurück, die sowohl in die Theorie eines erfolgreichen bzw. gelingenden Alterns als auch in Eriksons Lösung des Konfliktes zwischen Ich- 16 Zur Zuordnung der folgenden Textstellen zu den jeweiligen Dimensionen bzw. Capabilities siehe Anhang 4. 95 Integrität und Verzweiflung einzuordnen sind (siehe Kapitel 3.1 dieser Arbeit). Neben diesen Gemeinsamkeiten sind es jedoch vor allem die Unterschiede, die durch die Zuordnung der Aussagen von Frau S.und Frau P. zu den einzelnen Capabilities in Bezug auf die Aushandlung eines Wirkungsbegriffes von Bedeutung sein können. Durch die sichtbar gewordenen Überschneidungen von Zielsetzungen, Maßnahmen und Zuständigkeiten in der alltäglichen Praxis und in der Dokumentation der Interviewten bzw. der Bereiche, die diese vertreten, rückt die Attributionsproblematik (siehe Kapitel 2 dieser Arbeit) in den Fokus. Soziale Arbeit oder hier der Soziale Dienst handelt in einem System aus (Rück-)Wirkungen (vgl. S S6, Z156–157; vgl. Merten 2005, S. 46ff.). Für eine Verbesserung der Qualität auf Struktur- und Prozessebene zur Förderung der Ergebnisqualität ist die Erkenntnis über Wirkungszusammenhänge von Bedeutung. Dass der ‚Wirkungserfolg‘ sowohl aus der Selbsteinschätzung durch Frau S. als auch aus der Fremdeinschätzung durch Frau P. heraus eine, über die Individualität des Falles greifende, diese jedoch einschließende Definitionsbasis besitzt, ist in diesem Zusammenhang eine Chance. Erfolge können vor diesem Hintergrund definiert und somit als nachvollziehbare Nachweise für eine positive Wirkung genutzt werden. Dies ist sowohl im Hinblick auf die Wirkung einzelner Maßnahmen als auch auf das professionelle Verständnis Sozialer Arbeit in einem multiprofessionellen Kontext von Bedeutung. Soziale Arbeit in der stationären Altenhilfe ist eine Profession, die Profilierung benötigt. Im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung ist Multiprofessionalität eine Bereicherung, die für das Handlungsfeld der stationären Altenhilfe eine Grundbedingung ist. Die Soziale Arbeit ist jedoch auch aktuell noch nicht genügend in diesem etabliert. Dies geht insbesondere aus der Unbestimmtheit der Stellendefinition für die Mitarbeiter*innen des Sozialen Dienstes hervor, die sich durch eine Textstelle des Interviews mit Frau S. bestätigt (vgl. S S3, Z51–54). Zudem ist die Soziale Arbeit zwar in dem aktuellen Dokumentationssystem durch eigene Zuständigkeiten vertreten, untersteht jedoch der Kontrolle durch die Pflegefachkräfte (vgl. P S16, Z460–466). Der Wunsch nach tiefergehender Profilierung der Sozialen Arbeit in diesem Handlungsfeld geht insbesondere aus dem Gespräch nach dem eigentlichen Interview mit Frau S. hervor. Um diese Profilierung 96 zu erreichen, wäre eine Spezifizierung der Methodik der Sozialen Arbeit, eine Aushandlung bzw. ein Festhalten von Wirkungs- und Erfolgskriterien und eine eigenständige Dokumentation, die jedoch stets im Sinne eines ganzheitlichen Handlungskonzeptes in die Dokumentation der Pflege integriert ist und auf einem gemeinsamen, kommunikativen Austausch baut, notwendig. Im Hinblick auf eine gefestigtere Methodik bietet sich das in Kapitel 3.3 beschriebene Case Management an, während die Spezifizierung des Erfolgs- und Wirkungsbegriffes insbesondere unter Rückbezug auf bestehende Theorien und Ansätze wie dem Capability Approach (siehe Kapitel 3.3.2 dieser Arbeit) erfolgen kann. Relevant ist an dieser Stelle jedoch nicht, wie dieser Prozess exakt gestaltet werden kann, sondern dass es einen Prozess in diese Richtung gibt bzw. geben wird. Denn um Wirkung bewusst anhand von Dokumentationen visualisieren zu können, ist es von grundlegender Bedeutung zu wissen, was diese definiert. 97 7. Reflexion und Fazit der vorliegenden Forschungsarbeit Werden ausschließlich die aus der Forschung hervorgehenden Herausforderungen der Dokumentation betrachtet, ergibt sich für den ersten Teil der Fragestellung (Inwiefern sind Dokumentationen des Sozialen Dienstes einer stationären Altenpflegeeinrichtung geeignet, um die Wirkung der Sozialen Arbeit innerhalb dieses Handlungsfeldes sichtbar zu machen?) eine negative Antwort in Bezug auf die Eignung zur Visualisierung von Wirkungen der Sozialen Arbeit. Zu groß scheint der Interpretationsspielraum und das daraus resultierende Verständigungsdefizit, dass durch die – insbesondere in diesem Handlungsfeld – geringe Verfügbarkeit der Ressource ‚Zeit‘ noch verstärkt wird. Die Risiken reichen von unreflektierten Bewertungen gegenüber den Bewohner*innen bis hin zu einer dadurch entstehenden, wenn auch nicht unbedingt bewussten Macht, die den Schreibenden der Dokumentation in Bezug auf den Eingriff in die Wirklichkeit der Bewohner*innen als ‚Gegenstand‘ der Verschriftlichungen zukommt. Die Kombination aus einem nicht vorhandenen, einheitlichen Begriffssystem und dem von beiden Interviewten angegebenen Kriterium des Gefühls als ausschlaggebend für die Wahrnehmung von Wirkung lässt ebenso Zweifel daran zu, ob es überhaupt möglich ist, Wirkung im Rahmen von Dokumentationen wiederzugeben. Doch obwohl diese Defizite und somit die Antwort auf die leitende Fragestellung so klar und endgültig erscheinen, wird durch diese Forschungsstudie deutlich, dass die Rolle der Dokumentation in Bezug auf die Visualisierung von Wirkung nicht zu unterschätzen ist. Ebenjene formalen Standards des Dokumentationssystems bauen zwar auf einer Kürze der Eintragungen, bringen dadurch jedoch auch die Chance auf Übersichtlichkeit, Regelgeleitetheit und Nachvollziehbarkeit mit sich. Durch die Forderung beider Interviewten nach Objektivität und einer damit einhergehenden klaren Ausdrucksweise, wird zudem deutlich, dass einem wachsenden Interpretationsspielraum bewusst entgegengesteuert wird und die Relevanz, sich an die Wirklichkeit anzunähern, erkannt wurde. Einzig die Schwierigkeit, eine auf Gefühlen basierende Wirkungswahrnehmung durch Dokumentationen wiederzugeben, scheint unlösbar. In Teilen ist dieser Schluss – zumindest in Bezug auf die Ergebnisse der vorliegenden Forschung – vertretbar. Gefühle zu standardisieren und in Maßeinheiten wiederzugeben, ist schwer vorstellbar. Doch eine Annäherung ist möglich. Die Interviewten 98 benennen selbst den direkten Kontakt zu den Bewohner*innen als zentral für die Soziale Arbeit in der stationären Altenpflegeeinrichtung. Frau S. erwähnt spürbare Rückwirkungen ihrer Arbeit auf sich selbst und definiert zudem sichtbare Kriterien, die auf die positive Wirkung ihrer Arbeit und ihren Erfolg hindeuten. Nonverbale und verbale Äußerungen als Kriterien für Wirkung können nur an und mit den Bewohner*innen selbst wahrgenommen werden. In der Kommunikation mit diesen selbst liegt demnach der Schlüssel für die Erkenntnis der Wirkung der Sozialen Arbeit in diesem Handlungsfeld. Für die Eignung der Dokumentation als Instrument der Wirkungsvisualisierung bedeutet dies zweierlei: 1. Die möglichst objektive Beschreibung von Wirkungswahrnehmungen in schriftlicher Form ist ein erster Schritt. Um Wirkung in der Art und Weise, wie sie in einer konkreten Situation stattgefunden hat, zu definieren, sind Dokumentationen jedoch nicht ausreichend. Vielmehr sind sie Ausgangspunkt für einen Aushandlungsprozess dessen, was Wirkung meint. 2. Dieser Aushandlungsprozess ist nicht ausschließlich in Bezug auf die Bewohner*innen zu denken. Ebenso bedeutsam ist der direkte, verbale kommunikative Austausch zwischen Mitarbeiter*innen, um Handlungsweisen zu evaluieren und zu reflektieren, aber auch, um existierende Kriterien für Wirkung und Erfolg, die, wie aus der Forschung hervorgeht, auch eine fachübergreifende, gemeinsame Basis haben, spezifisch zu definieren. Anhand solcher Definitionsversuche ließen sich Aspekte und Kriterien herausarbeiten, die im Rahmen der Dokumentation genutzt werden könnten. Die Attribution von Wirkungen auf die spezifische Arbeit des Sozialen Dienstes ist durch diese bereichsübergreifende Zusammenarbeit, die – wie aus der Forschung hervorgeht – zudem auf ähnlichen Zielsetzungen baut, zwar erschwert. Das Vorgehen im Rahmen des aktuellen Dokumentationssystems, in dem Teile der Zuständigkeiten des Sozialen Dienstes von denen der Pflege abgegrenzt werden, könnte im Sinne der Differenzierung nützlich sein. Um sich als Profession in dem Handlungsfeld der stationären Altenhilfe zu etablieren, scheint hier jedoch eine noch klarere Differenzierung nötig. Ob diese im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung der Bewohner*innen und der übergreifenden Zusammenhänge der Bereiche sinnvoll ist, ist jedoch fraglich. Vielmehr ist es für die Profession von Relevanz, sich zu profilieren. Die Möglichkeiten dazu schlummern bereits in der Sozialen Arbeit. Aus der 99 Forschung geht eine Profession hervor, die von einem modernen Altersbild geprägt ist und sowohl von der Pflegedienstleitung als auch – wie durch das Gespräch mit der Sozialdienstleitung erfahren werden konnte – von der Einrichtungsleitung als elementar angesehen wird. Ein Dokumentationssystem, in das die Soziale Arbeit nicht als Zusatz, sondern als fest etabliertes Kernstück der Arbeit unter differierenden Arbeitsweisen, aber teils ähnlichen Zielsetzungen eingebunden ist, wäre ein Schritt. Um den Drahtseilakt zwischen der Eigenständigkeit der Profession und der bereichsübergreifenden Zusammenarbeit zu schaffen, kann eine spezifischere Definition der Wirkung Sozialer Arbeit ein Ausgangspunkt sein. Die Aushandlung dessen führt in jeder Weise auf eine Zentralität zurück: Die Kommunikation. In Bezug auf die Anforderung, einen Einblick in das Forschungsfeld aus den Perspektiven zweier Fachkräfte unterschiedlicher Arbeitsbereiche zu erhalten, hat sich der methodische Vorgang, der im Rahmen dieser Forschung angewandt wurde, bewährt. Wenngleich in Bezug auf die Validität der Ergebnisse qualitativer Forschungen mögliche Herausforderungen wie bewusste oder unbewusste Verzerrungen der Wirklichkeiten durch die Interviewten und/oder das Einwirken der Interviewenden niemals gänzlich ausgeschlossen werden können (vgl. Flick 2017, S. 494), bot die im Rahmen dieser Forschung angewandte Form des Leitfadeninterviews eine Basis für die Sicherung des Gütekriteriums. Eine Kontrolliertheit der Interviewdurchführung wurde dabei insbesondere durch die übersichtliche Gestaltung des Leitfadens und die zuvor aus der Theorie gewonnenen Fragestellungen ermöglicht. Dennoch blieb die Gesprächsführung offen für nicht vorhersehbare Wendungen und Gesprächsinhalte, wie zum Beispiel die von Frau S. zum Ende des Interviews angebrachte Herausforderung im Umgang mit der Dokumentation, die zu einer Einbindung des Machtbegriffes in den weiteren Verlauf des Interviews und der Forschung insgesamt führte. Durch die Vorstrukturierung des Leitfadens und die Regelgeleitetheit der Transkriptions- und Auswertungsmethoden wird zudem die Nachvollziehbarkeit und somit die Reliabilität der Forschung gesichert. Die Ergebnisse, die sich aus der Forschung ergeben, lassen Raum für weiterführende Forschungsmöglichkeiten. Die Zentralität der Kommunikation – sowohl bereichsintern und bereichsübergreifend als auch vor dem Hintergrund der (Wirkungs-)Evaluation mit den Bewohner*innen – wäre ein Ausgangspunkt für eine weiterführende Fragestellung, der sich beispielsweise mit einem Methodenmix aus qualitativer, 100 ethnographischer Feldforschung und Gruppen- sowie Einzelinterviews angenähert werden könnte. Um den Ergebnissen, die sich insbesondere auf den Vergleich der Selbst- und Fremdansichten und somit spezifisch auf die Definitionen der Kriterien für Wirkung und Erfolg durch die beiden Interviewten beziehen, eine repräsentative Basis zu verschaffen, wäre zudem die Durchführung einer Studie mit einer ausufernderen Samplingstruktur im Sinne von zahlreicheren Interviewten der beiden Arbeitsbereiche, aber auch im Sinne einer Durchführung der Forschung in verschiedenen Einrichtungen des Handlungsfeldes in Kombination mit einer quantitativen Studie denkbar. Die im Rahmen der vorliegenden Forschung interviewte Fachkraft der Pflege hatte als Pflegedienstleitung sowohl Erfahrungen in der praktischen Arbeit als Pflegefachkraft als auch aus ihrer aktuellen Position resultierendes Wissen über die Struktur und Koordination der stationären Altenpflegeeinrichtung inne. Im Rahmen der vorliegenden Forschungsarbeit war dies insbesondere im Hinblick auf die zwei unterschiedlichen Blickwinkel, die Frau P. dadurch auf die Dokumentation und die Diskussion um den Wirkungsbegriff einnehmen konnte, ein Vorteil. Ein Nachteil, der im Zuge weiterführender Studien beachtet und dementsprechend ausgeglichen werden sollte, ist jedoch, dass Frau P. nicht regelmäßig im Rahmen der Ausübung der Pflege mit bzw. an den Bewohner*innen arbeitet. Insbesondere um Genaueres über die Zusammenarbeit und die Wirkungsbeziehungen zwischen Mitarbeiter*innen der Pflege und des Sozialen Dienstes zu erfahren, sollten neben Pflegedienstleitungen auch jene Fachkräfte befragt werden, die alltäglich in der praktischen Ausübung der Pflege tätig sind. Um im Hinblick auf die komplexe Fragestellung dieser Arbeit nach der Eignung von Dokumentation in Bezug auf die Visualisierung von Wirkung tiefergehende Einblicke zu erlangen, ist eine Durchführung der zuvor geplanten Triangulation sinnvoll und notwendig. Dokumentationen sind nur in ihrer Gänze zu erfassen, wenn nicht ausschließlich die Perspektiven der Schreibenden erfragt, sondern die Schriftstücke inklusive der Inhalte dieser für sich selbst genommen analysiert werden. Ähnlich verhält es sich mit der näheren Definition des Wirkungsbegriffes. Einige Kriterien für diesen konnten im Rahmen dieser Forschung in Bezug auf die beiden Interviewten herausgestellt werden. Dennoch wäre zur allgemeineren Bestimmung, was die Wirkung der Sozialen Arbeit im Handlungsfeld stationärer Altenpflegeeinrichtungen ausmacht und wie sich diese von Erfolg differenzieren lässt, zum einen eine einzig auf eine solche Fragestellung gelenkte Forschung sinnvoll. Zum 101 anderen ist es für einen ganzheitlichen Zugang zu ebendiesem Wirkungsbegriff unabdingbar, diejenigen in eine Forschungsstudie einzubeziehen, die im Zentrum sozialarbeiterischer Wirkung stehen: Die Klientinnen und Klienten – hier genauer: Die Bewohnerinnen und Bewohner. 103 Literaturverzeichnis Abels, H. (2010): Interaktion, Identität, Präsentation. Kleine Einführung in interpretative Theorien der Soziologie. 5. Auflage. Wiesbaden: Springer VS. Albus, S., Greschke, H., Klingler, B., Messmer, H., Micheel, H.-G., Otto, H.-U. & Polutta, A. (2010): Wirkungsorientierte Jugendhilfe. Abschlussbericht der Evaluation des Bundesmodellprogramms "Qualifizierung der Hilfen zur Erziehung durch wirkungsorientierte Ausgestaltung der Leistungs-, Entgelt- und Qualitätsvereinbarungen nach §§ 78a ff SGB VIII". Hrsg.: ISA Planung und Entwicklung GmbH. Hamm: Griebsch & Rochol Druck. Aner, K. (01.06.2017 (online publiziert)): Soziale Altenarbeit und soziale Gerontologie. 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Flick (Hrsg.): Reihe: Qualitative Sozialforschung. Praktiken – Methodologien – Anwendungsfelder. 3. Auflage. Wiesbaden: Springer VS. Ziegler, H., Schrödter, M. & Oelkers, N. (2012): Capabilities und Grundgüter als Fundament einer sozialpädagogischen Gerechtigkeitsperspektive. In: W. Thole (Hrsg.): Grundriss der Sozialen Arbeit. Ein einführendes Handbuch (S. 297– 310). 4. Auflage. Wiesbaden: Springer VS. Zierer, B. (2017): Soziale Arbeit: von der Einzelfallhilfe zur wirkungsorientierten Praxis. In: A. Wöhrle, A. Fritze, T. Prinz & G. Schwarz (Hrsg.): Sozialmanagement – Eine Zwischenbilanz (S. 65–83). Wiesbaden: Springer VS. Zimmermann, P. (2006): Grundwissen Sozialisation. Einführung zur Sozialisation im Kindes- und Jugendalter. 3. überarbeitete und erweiterte Auflage. Wiesbaden: Springer VS. 113 Anhänge Anhang 1: Leitfaden Expert*inneninterview mit Frau S. Leitfrage, Erzählimpuls Check/Konkrete Fragen Fragen zur Aufrechterhaltung des Gesprächsflusses/Platz für Notizen Bitte erzählen Sie mir zunächst einmal etwas über sich und Ihren Beruf./Wie sieht ein ‚gewöhnlicher‘ Arbeitstag bei Ihnen aus? Einstieg Wie heißen Sie? Wie lange arbeiten Sie bereits in Ihrem Beruf/in dieser Einrichtung? Wie viele Bewohner*innen werden von Ihnen betreut? Welche Aufgabe(n) haben Sie? „Können Sie vielleicht ein Beispiel nennen?“ „Können Sie das ausführlicher beschreiben?“ „Sie haben beschrieben, dass…. Spielt es auch eine Rolle, dass…?“ „Mich würde noch interessieren, ob…“ „Wie war das für Sie?“ „Können Sie mir das etwas genauer beschreiben?“ „Wie ging es dann weiter?“ Unter welchen Zielsetzungen arbeiten Sie? Zielsetzung Wie erreichen Sie diese Ziele? Wie dokumentieren Sie das Erreichen/Nichterreichen von Zielen bzw. Entwicklungen? Was möchten Sie in Ihrem Beruf bewirken? Welche persönlichen Ziele setzen Sie sich für Ihre Arbeit? Welche werden Ihnen vorgegeben? Wie werden die Bewohner*innen in den Prozess eingebunden? Welche Schwierigkeiten sehen Sie speziell in diesem Handlungsfeld in Bezug auf die Zielsetzung? 114 Was möchten Sie in Ihrem Beruf bewirken? Wirkung Was bedeutet ‚Wirkung‘ für Sie? Wie stellen Sie Ihre Wirkung fest? „Und dann?“ „Wenn ich Sie richtig verstanden habe…“ „Meinten Sie, dass…?“ „Verstehe ich Sie richtig, wenn…“ „Sie haben vorhin gesagt, dass…“ Was sind für Sie persönlich Kriterien für den Erfolg Ihrer Arbeit? Erfolg Woran denken Sie, erkennen Außenstehende, dass Ihre Arbeit erfolgreich war? Kriterien, Indikatoren und Auftrittsformen von Erfolg Außen- und Innenperspektive Mit welchen Standardsetzungen sehen Sie sich konfrontiert? Wie gehen Sie mit diesen um? Standardsetzungen Wie wirken sich diese Standardsetzungen auf Ihre Arbeit aus? Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten gibt es in der Standardsetzung Ihrerseits und der der Einrichtung? Inwiefern lässt sich eine Standardisierung mit der Individualität der Klient*innen/Bewohner*innen vereinbaren? Entsteht ein Druck auf die/den Mitarbeiterin/Mitarbeiter? Wie evaluieren Sie Ihre Arbeit? Bewertung/Evaluation Wie evaluieren Sie Ihre Arbeit? Wie wird allgemein die Arbeit des Sozialen Dienstes evaluiert? Wie finden Bewertungen der Lebenssituation/des Wohlempfindens statt? 115 Wie unterscheiden sich die Wahrnehmungen der unterschiedlichen Fachkräfte/Professionsangehörigen? Welche Formen/Messinstrumente der Evaluation/des Erfolges werden angewendet (neben Dokumentationen)? Fallbesprechungen? Wie oft? Wer nimmt teil? Gibt es Qualitätsbeauftragte? Sind diese vom Fach? Wie sind diese über Einzelfälle informiert? Inwiefern finden Anpassungen der Maßnahmen/Reflexionen dieser statt? Bitte beschreiben Sie, in welcher Art und Weise im Sozialen Dienst der Einrichtung dokumentiert wird. Wird ein bestimmtes System genutzt? Wie stehen Sie dazu? Dokumentationen Seit wann wird diese Art der Dokumentation verwendet? Wie stehen Sie zu dieser Art der Dokumentation? Wie werden die Dokumentationen ausgewertet? Extern/Intern? Was passiert mit der Auswertung? Wie bewerten Sie die Notwendigkeit von Dokumentationen?/Wofür sind Dokumentationen in Ihren Augen sinnvoll? Wie bilden die Dokumentationen Standards (Ihre und die der Einrichtung ab)? Nutzen Sie für die Dokumentation standardisierte/vergleichbare Begrifflichkeiten/ein gemeinsames ‚Kodesystem‘ im Sozialen Dienst?/Nach 116 welchen ‚Regeln‘ dokumentieren Sie? Nach welchem System wird in der Einrichtung dokumentiert? Welche Lücken sehen Sie im Dokumentationssystem? Wie würden Sie diese Lücken füllen? Wie steht es Ihrer Meinung nach um die Intersubjektivität der Dokumentationen? Gerne möchte ich mehr über Ihre Arbeit innerhalb eines spezifischen Falles erfahren. Würden Sie mir bitte den Fall von Bewohner*in X schildern? Spezifischer Fall Seit wann ist Bewohner*in X in der Einrichtung? Aus welchem Grund kam Bewohner*in X in die Einrichtung? Seit wann arbeiten Sie mit dieser/diesem? Mit welchen (sozialen) Problemen waren/sind Sie im Rahmen Ihrer Arbeit konfrontiert? (Wie werden diese dokumentiert?) Welche Bedürfnisse hat der/die spezielle Bewohner/Bewohnerin? Welche Zielsetzungen gibt es? Welche Maßnahmen werden angewandt? Entwicklung und fallspezifischer Erfolg Welche Entwicklung sehen Sie? Welchen Erfolg sehen Sie durch Ihre Arbeit? Wie schätzen Sie den Einfluss der 117 Angehörigen/Nachbarprofessionen und Herrn/Frau Xs persönliche Ressourcen auf Ihren Erfolg in der Arbeit mit der Bewohnerin/dem Bewohner ein? Inwiefern beziehen Sie das Umfeld der Bewohnerin/des Bewohners in Ihre Arbeit ein? Professioneller Zusammenhang/Ganzheitliche Betrachtung Inwiefern stehen Sie im Kontakt zu den Angehörigen (insbesondere der/des interviewten Bewohnerin/Bewohners)? Wie funktioniert der Austausch mit den Nachbarprofessionen? Abschluss Was möchten Sie noch loswerden? … Anhang 2: Leitfaden Expert*inneninterview mit Frau P. Leitfrage, Erzählimpuls Check/Konkrete Fragen Fragen zur Aufrechterhaltung des Gesprächsflusses/Platz für Notizen Bitte erzählen Sie mir zunächst einmal etwas über sich und Ihren Beruf. / Wie sieht ein ‚gewöhnlicher‘ Arbeitstag bei Ihnen aus? Einstieg Wie heißen Sie? Wie lange arbeiten Sie bereits in Ihrem Beruf/in dieser Einrichtung? Wie viele Bewohner*innen werden von Ihnen betreut? Welche Aufgabe(n) haben Sie? „Können Sie vielleicht ein Beispiel nennen?“ „Können Sie das ausführlicher beschreiben?“ „Sie haben beschrieben, dass…. Spielt Unter welchen Zielsetzungen arbeiten Sie? Zielsetzung 118 Wie erreichen Sie diese Ziele? Wodurch nehmen Sie das Erreichen/nicht Erreichen Ihrer Ziele wahr? Was möchten Sie in Ihrem Beruf bewirken? Welche persönlichen Ziele setzen Sie sich für Ihre Arbeit? Welche werden Ihnen vorgegeben? Welche Schwierigkeiten sehen Sie speziell in diesem Handlungsfeld in Bezug auf die Zielsetzung? es auch eine Rolle, dass…?“ „Mich würde noch interessieren, ob…“ „Wie war das für Sie?“ „Können Sie mir das etwas genauer beschreiben?“ „Wie ging es dann weiter?“ „Und dann?“ „Wenn ich Sie richtig verstanden habe…“ „Meinten Sie, dass…?“ „Verstehe ich Sie richtig, wenn…“ „Sie haben vorhin gesagt, dass…“ Was möchten Sie in Ihrem Beruf bewirken? Was sind für Sie persönlich/fachlich Kriterien für die Wirkung der Sozialen Arbeit in Ihrer Einrichtung? Wirkung Was bedeutet ‚Wirkung‘ für Sie? Wie stellen Sie Ihre Wirkung fest? Was sind für Sie persönlich Kriterien für den Erfolg Ihrer Arbeit? Was sind aus Ihrer Sicht Kriterien für den Erfolg der Sozialen Arbeit in der Einrichtung? Erfolg Woran denken Sie, erkennen Außenstehende, dass Ihre Arbeit erfolgreich war? Kriterien, Indikatoren und Auftrittsformen von Erfolg 119 Außen- und Innenperspektive Gerne möchte ich mehr über Ihre Ansicht auf einen spezifischen Fall erfahren. Würden Sie mir bitte den Fall von Bewohner*in X schildern? Spezifischer Fall Seit wann ist Bewohner*in X in der Einrichtung? Aus welchem Grund kam Bewohner*in X in die Einrichtung? Seit wann arbeiten Sie mit dieser/diesem? Mit welchen (sozialen) Problemen sind Sie im Rahmen Ihrer Arbeit konfrontiert? Welche Bedürfnisse hat der/die spezielle Bewohner*in? Welche Zielsetzungen gibt es? Welche Maßnahmen werden angewandt? Bewohner*in X wird durch den Sozialen Dienst von Frau S. betreut. Wie nehmen Sie aus Ihrer Perspektive die Entwicklung des/der Bewohners/Bewohnerin seit Beginn der Betreuung wahr? Entwicklung und fallspezifischer Erfolg Woran erkenne Sie diese Entwicklungen? Welchen Erfolg sehen Sie durch die Arbeit von Frau S.? Woran erkennen Sie diesen? Wie verhält sich Bewohner*in X nach einer Maßnahme von Frau S.? Welche Veränderungen gibt es zum vorherigen Verhalten/Zustand? Wie schätzen Sie den Einfluss der Angehörigen und 120 Herrn/Frau Xs persönliche Ressourcen auf den Erfolg der Sozialarbeiterin in der Arbeit mit der Bewohnerin/dem Bewohner ein? Was bedeutet die Arbeit des Sozialen Dienstes/von Frau S. für Sie und Ihre Arbeit? Professioneller Zusammenhang/Ganzheitliche Betrachtung Unterstützung? Beispiel: Nach einer Maßnahme ist der/die Bewohner*in aufgelöst. Wie wirkt sich dies auf Ihre Arbeit aus? Gegenbeispiel: Nach einer Maßnahme ist der/die Bewohner*in glücklich. Wie wirkt sich dies auf Ihre Arbeit aus? Wie können Ergebnisse der Arbeit des Sozialen Dienstes/von Frau S. aus Ihrer Sicht am zielführendsten evaluiert werden? Bewertung/Evaluation (Wie) gelingt ein Austausch zwischen den Sichtweisen der verschiedenen Professionen? Welche Rolle spielen die Dokumentationen (des Sozialen Dienstes für die Pflege)? Wie ist/wäre es möglich, diese Ergebnisse bestmöglich zu dokumentieren? Abschluss Was möchten Sie noch loswerden? … 121 Anhang 3: Finales gesamtes Kategoriensystem Hauptkategorien (HK) und Subkategorien (SK) Definition der HK und SK Beispiel Hinweise für die Zuordnung HK 1 Faktenaussagen Aussagen ohne Wertung, bloße Sachinformationen. „Äh ich bin Sozialarbeiterin, ähm, ich habe eine halbe Stelle […]“ (S S2, Z5). SK 1.1 Die Fachkraft und ihre Position Soziodemographische und/oder genauere, die Stelle der Fachkraft in der Einrichtung betreffende Informationen. „[…] prinzipiell habe ich eine Fünf-Tage- Woche und es ist nicht festgelegt, wann ich wie wo frei hab“ (S S2, Z11–12). Individueller Stellenumfang, Arbeitsalltag, Zuordnung zu einer Berufsgruppe/Profession, Dauer/Verlauf der Ausbildung und/oder Alter. SK 1.2 Organisation und Struktur Arbeits- und Organisationsabläufe sowie System der Einrichtung und der einzelnen Arbeitsbereiche. „Also wir haben insgesamt sind es im Haus 74, ähm es gibt noch einen zweiten Kollegen im Sozialen Dienst, der hat 40 Monatsarbeitsstunden (I: Mhm), der hat hier also praktisch etwas weniger als ne Viertelstelle und wir haben drei Wohnbereiche […]“ (S S2, Z16–19). Generell in der Einrichtung beschäftigte Berufsgruppen, Stellenumfänge, Mitarbeiter*innenanzahl, Anzahl der Wohnbereiche und Bewohner*innen und Relation beider Faktoren zueinander, Bestandsalter der Einrichtung, Vorgaben, Regeln und Abläufe. SK 1.3 Sonstiges Faktenaussagen In keine der SK der HK Faktenaussagen zuordenbare Textstelle(n). 122 HK 2 Maßnahmen und Aufgabenbereiche Anwendungen, Angebote, Zuständigkeiten, die in den Arbeitsbereich des Sozialen Dienstes oder der Pflege generell bzw. der interviewten Fachkräfte speziell fallen. „Ähm (.) ja bin Ansprechpartner für Bewohner, Angehörige, für die Mitarbeiter, Kollegen, ähm, also das ist schon recht breit gefächert (I: Mhm), was da so an Aufgaben sind, ne?“ (P S3, Z47–49). SK 2.1 Verantwortungsdimension Ausmaß der Zuständigkeiten und Handlungsgrößen, die in den Arbeitsbereich des Sozialen Dienstes oder der Pflege generell bzw. der interviewten Fachkräfte speziell fallen. „Und das sind (.) Moment, Moment, (unv.) (wie viele sind es momentan) ich glaube 52?“ (S S2, Z19 –20). Anzahl der zu betreuenden bzw. zu pflegenden Bewohner*innen und/oder darüberhinausgehende Verantwortungsbereiche SK 2.2 Planung und Steuerung Aufgaben, die die Strukturierung von Maßnahmen und/oder weiteren organisatorischen Prozessen beinhalten. „Ähm ich habe ähm bestimmte Steuerungsfunktionen, wenn es jetzt darum geht, bestimmte Risiken in der Einrichtung ähm zu bewerten […]“ (P S3, Z42–44). Organisatorische Aufgaben und Maßnahmen der Mitarbeiter*innen des Sozialen Dienstes bzw. der Pflege generell und/oder der interviewten Mitarbeiter*innen speziell, wie z. B.: Die Planung des Betreuungsverlaufes, die Angebotsplanung, das Controlling und 123 die Personalkoordinierung. SK 2.3 Direkter Kontakt zu Bewohner*innen Aufgaben und Maßnahmen, die im Rahmen eines persönlichen Kontaktes zu den Bewohner*innen von Mitarbeiter*innen des Sozialen Dienstes bzw. der Pflege generell und/oder von den interviewten Mitarbeiter*innen speziell durchgeführt werden. „Prinzipiell bin ich für die Bewohner insofern verantwortlich, dass wenn die hier einziehen, (.) gucke ich, was ist das denn für ein Mensch und wo hat der denn gerade seinen Bedarf […]“ (S S2, Z25–27). SK 2.4 Sonstiges Maßnahmen und Aufgabenbereiche In keine der SK der HK Maßnahmen und Aufgabenbereiche zuordenbare Textstelle(n). HK 3 Zielsetzungen der Arbeit Veränderung, Entwicklung oder Aufrechterhaltung von Zuständen, auf die der Soziale Dienst/die Pflege generell bzw. die interviewten Mitarbeiter*innen speziell hinarbeiten. „Unter der Zielsetzung, (.) ähm, den Bewohnern hier in der Einrichtung ja größtmögliches Wohlbefinden zu ermöglichen“ (P S4, Z69–70). 124 SK 3.1 Persönliche und fachliche Zielsetzungen Individuelle Zielsetzungen sowie solche, die durch die fachliche Position und/oder die Einrichtung entwickelt werden und/oder bestehen. „Also Leitspruch ist, die sollen hier Zuhause sein […]“ (P S4, Z70–71). SK 3.2 Strategien zur Zielerreichung Vorgehensweisen, um eines oder mehrere Ziele zu erreichen. „Äh (.) mit ganz viel Geduld ((I: Lacht))“ (P S4, Z89). Statt Definitionsebene (SK 3.1) Ebene der Handlungsweisen und Umstände, die für die Zielerreichung als bedeutend eingeschätzt werden. SK 3.3 Sonstiges Zielsetzungen der Arbeit In keine der SK der HK Zielsetzungen der Arbeit zuordenbare Textstelle(n). HK 4 Wirkung Auswirkung der Arbeit des Sozialen Dienstes und der Pflege generell oder der befragten Mitarbeiter*innen speziell. „[…] Zufriedenheit schaffen“ (P S5, Z144–115). SK 4.1 Wirkungsbegriff Definition des Begriffes Wirkung. „[…] für mich persönlich bedeutet Wirkung eigentlich, wenn ich ähm (.) nach Hause gehe und das Gefühl, ich bin zumindest 125 irgendjemandem, bei irgendjemandem habe ich was erreicht […]“ (S S6, Z153– 155). SK 4.2 Wirkungsbeziehung und Wirkungsart Subjekte, die wirken und Objekte, auf die gewirkt wird und die Art und Weise, wie eine Wirkung hervorgerufen wird und in welcher Form sie auftritt. „Gerade im Sozialbereich kriegt man schon ganz viel zurück“ (S S6, Z157). Wirkungen, Wirkungsweisen und -ziele ausgehend von den Mitarbeiter*innen des Sozialen Dienstest/der Pflege generell bzw. der interviewten Mitarbeiter*innen speziell in Form von Selbst- und Fremdwahrnehmungen und solche Wirkungen, die diese auf sich selbst wahrnehmen. SK 4.3 ‚Sichtbare‘ Wirkungskriterien Kriterien für Wirkung, die visuell wahrnehmbar sind. „[…] und dann man auch sehen kann oder manchmal wirklich nur an kleinen (.) ähm (..) kleinen Mimiken (..) Gestiken“ (S S7, Z171–172). Kriterien für Wirkung, die anhand von Verhalten, Verschriftlichungen oder über verbale Kommunikation wahrgenommen werden. SK 4.4 ‚Unsichtbare‘ Wirkungskriterien Kriterien für Wirkung, die nicht visuell wahrnehmbar sind. „[…] weil man ja da das Gefühl hat, man hat plötzlich so ein (.) FUNKEN“ (S S7, Z166). Kriterien für Wirkung, die anhand von Gefühlen bzw. Emotionen wahrgenommen werden. SK 4.5 In keine der SK der HK Wirkung 126 Sonstiges Wirkung zuordenbare Textstelle(n). HK 5 Erfolg Positive bzw. als positiv wahrgenommene Folgen der Arbeit des Sozialen Dienstes/der Pflege generell, aber auch der Interviewten speziell. „Der individuelle Erfolg oder der Gruppenerfolg oder wie auch immer ist sicherlich, ähm (..) dass sie inzwischen glaube ich, sich hier ganz gut aufgehoben fühlt […]“ (S S22, Z627–629). SK 5.1 Erfolgsbegriff Definition des Begriffes Erfolg. „Erfolg ist für mich, wenn ich (.) mal einen Monat mit geringem Krankanstand habe […]“ (P S7, Z170–171). Definitionen des Begriffes Erfolg in Form von Eigenund Fremdeinschätzungen. SK 5.2 ‚Sichtbare‘ Erfolgs(anti- )kriterien Kriterien bzw. ‚Anti-Kriterien‘ für (Miss-)Erfolg, die visuell und/oder akustisch wahrnehmbar sind. „[…] wenn ich sehe – das wäre auch noch so ein Erfolg – wenn ich sehe ähm, dass das fruchtet, das freut mich persönlich ungemein (I: Mhm)“ (P S20, Z601–603). Kriterien für Erfolg oder Misserfolg, die anhand von Verhalten, Verschriftlichungen oder über verbale Kommunikation wahrgenommen werden. Zudem Textstellen, die ebendiese Zuordnungsbeschreibung erfüllen und Aussagen darüber beinhalten, welche Kriterien nicht passend sind, um Erfolg zu bestimmen (‚Anti-Kriterien‘). 127 SK 5.3 ‚Unsichtbare‘ Erfolgs(anti- )kriterien Kriterien bzw. ‚Anti-Kriterien‘ für (Miss-) Erfolg, die nicht visuell und/oder akustisch wahrnehmbar sind. „[…] das geht ja auch nur über ähm über Gespräche mit dem äh Bewohner. Im das daran denke ich mal würde ich das äh (I: Mhm) schon festmachen, ne, ähm ob, ob, ob das jetzt Erfolg hatte oder nicht“ (P S9, Z239–241). Kriterien für Erfolg oder Misserfolg, die anhand von Gefühlen bzw. Emotionen wahrgenommen werden. Zudem Textstellen, die ebendiese Zuordnungsbeschreibung erfüllen und Aussagen darüber beinhalten, welche Kriterien nicht passend sind, um Erfolg zu bestimmen (‚Anti-Kriterien‘). SK 5.4 Sonstiges Erfolg In keine der SK der HK Erfolg zuordenbare Textstelle(n). HK 6 Evaluation Art und Weise, wie die Arbeit des Sozialen Dienstes/der Pflege generell bzw. der interviewten Mitarbeiter*innen speziell reflektiert, ausgewertet und daran gemessen angepasst wird. „Wir nehmen uns den gleichen Fall wieder vor, (.) gucken ‚Wo war das Problem? Maßnahmen? Und jetzt besteht das noch (.) so (I: Mhm) oder hat sich das einfach erledigt?‘ “ (S S14, Z380–382). SK 6.1 Interne Evaluation zwischen/durch Reflexion, Auswertung und Anpassung der Arbeit des Sozialen „[…] was wir zusammen machen sind Fallgespräche […]“ (P S6, Z507–508). Gemeinsame Evaluation durch mehrere interne Mitarbeiter*innen und Evaluation durch 128 interne Mitarbeiter*innen Dienstes/der Pflege generell bzw. der interviewten Mitarbeiter*innen speziell durch Mitarbeiter*innen der Einrichtung. einzelne Mitarbeiter*innen. SK 6.2 Interne Evaluation mit Beteiligung der Bewohner*innen Reflexion, Auswertung und Anpassung der Arbeit des Sozialen Dienstes/der Pflege generell bzw. der interviewten Mitarbeiter*innen speziell durch Mitarbeiter*innen der Einrichtung durch das Einbeziehen der Bewohner*innen. „Und dann gucke ich halt ne, anhand dieses Plans ‚Ach, wo war denn der Bewohner?‘ äh ‚Wie hat es ihm denn gefallen?‘ “ (S S11, Z305– 306). Handlungsweisen, Abläufe und/oder verwendete Formulare zur Beteiligung der Bewohner*innen. SK 6.3 Evaluation mit externer Beteiligung Reflexion, Auswertung und Anpassung der Arbeit des Sozialen Dienstes/der Pflege generell bzw. der interviewten Mitarbeiter*innen speziell durch oder mit Teilnahme „[…] wenn der MDK kommt, das einschätzen will […]“ (S S15, Z430– 431). Beteiligung an/Durchführung der Evaluation durch andere als die einrichtungsinternen Mitarbeiter*innen. 129 externe Gutachter*innen. SK 6.4 Sonstiges Evaluation In keine der SK der HK Evaluation zuordenbare Textstelle(n). HK 7 Dokumentation Verschriftlichung von Tätigkeiten des Sozialen Dienstes/der Pflege generell bzw. der interviewten Fachkräfte speziell sowie Produkte dieses Prozesses. „[…] wichtig finde ich die Dokumentation vor allen Dingen, da in dem Punkt, weil dann klar ist, es läuft auch keiner durch“ (S S16, Z439–441). SK 7.1 Standardisierungsgrade, Gütekriterien und Abläufe Im Zusammenhang mit dem Dokumentieren und der Dokumentation bestehende Regeln, Normierungen und feste Abläufe. „Ich starte, starte mit der SIS®, genau“ (S S11, Z285). Organisatorische Abläufe, Informationen über bestimmte Formulare und den Umgang mit diesen, Art und Weise der Verschriftlichung (ob standardisiert oder individuell verschieden), Besonderheiten, Verbesserungsvorschläge/-wünsche, Gütekriterien bzw. Maßnahmen zur Sicherung der Qualität der Dokumentationen. SK 7.2 Die Faktoren Zeit und „Weil, wie gesagt, gerade da und dann Sachliche Äußerungen über die 130 Dokumentationsökonomie Textlänge in Bezug auf das Dokumentieren und die Dokumentation als Produkt dessen. muss es einfach kurz und knackig sein“ (S S17, Z 498–499). Faktoren Zeit und Textlänge in Bezug auf das Dokumentieren oder den Umgang mit Dokumentationen und Herausforderungen in diesem Kontext. SK 7.3 Herausforderungen Schwierigkeiten im Umgang mit dem Prozess des Dokumentierens und der Dokumentation. „[…] die Gefahr ähm bei einer Dokumentation ist wirklich, wenn das ans Wertende geht“ (P S19, Z541–542). Ausgenommen von der Zuordnung zu dieser SK sind Schwierigkeiten, die in Bezug auf die Dokumentationsökonomie geäu- ßert werden. SK 7.4 Sinn und Funktionen Nutzen des Dokumentierens bzw. der Dokumentation. „Uns geht es halt darum, zu erfassen, aber tagesaktuell zu erfassen, ähm (.) wie geht es dem Bewohner und was will der, ne?“ (P S16, Z466– 467). Die als positiv bzw. sinnvoll wahrgenommenen Folgen des Dokumentierens. SK 7.5 Sonstiges Dokumentation In keine der SK der HK Dokumentation zuordenbare Textstelle(n). HK 8 Spezifischer Fall Erläuterungen, die sich auf den von beiden Interviewten beschriebenen Fall einer Bewohnerin der Einrichtung und ihre „[…] also Frau ist […] an einem Freitagnachmittag eingezogen […]“ (P S11, Z288–289). 131 Entwicklung beziehen. SK 8.1 Ausgangssituation und Problemstellung Ausgangslage des spezifischen Falles sowie Herausforderungen und Problematiken für die Bewohnerin selbst und die Mitarbeiter*innen der Einrichtung. „[…] di i i e Bewohnerin ist im Januar eingezogen“ (S S18, Z515–516). Die Anfänge des spezifischen Falles in Form von Abläufen und vergangenen Handlungen, anfängliche Problemstellungen. Unerheblich ist hier, ob diese Problemstellungen weiterhin existieren oder nur zu Beginn der Aufnahme des Falles auftraten. SK 8.2 Entwicklung und aktueller Stand Entwicklung der Situation der Bewohnerin bis heute und aktuelle Sachlage des Falles. „Ähm aber was so Pflege angeht, ist das relativ unauffällig geworden […]“ (P S12, Z345–346). Textstellen, in denen das Präsens als Anzeichen für den Ist-Zustand der spezifischen Bewohnerin genutzt wird und solche, die einen Vergleich dieses Ist- Zustandes mit dem Ausgangszustand zulassen. SK 8.3 Sonstiges Spezifischer Fall In keine der SK der HK Spezifischer Fall zuordenbare Textstelle(n). HK 9 Ganzheitliche Betrachtung Hinzunahme der für den spezifischen Fall der Bewohnerin speziell und die weiteren „Ähm also sie hat ja äh einen Sohn, mit dem sie ein ganz schwieriges 132 Bewohner*innen der Einrichtung generell relevanten Perspektiven. Verhältnis hat“ (P S14, Z403–404). SK 9.1 Persönliche Ressourcen Vom Individuum ausgehende Kräfte, die zur Bewältigung von Problemlagen eingesetzt werden können. „Ähm (.) und ansonsten ist sie glaube ich eine recht starke Frau“ (P S15, Z417). Umgang mit Ressourcen der Bewohner*innen generell und der spezifischen Bewohnerin; Beeinträchtigungen, die im Zusammenhang mit diesen Ressourcen stehen. SK 9.2 Angehörigenbeteiligung Einbezug von Angehörigen in die Arbeit mit den Bewohner*innen generell bzw. der Bewohnerin des spezifischen Falles speziell. „Wie gesagt, ich telefoniere ansonsten bei den nicht orientierten Bewohnern auch mit den Angehörigen immer […]“ (S S23, Z660–662). Kontakt zwischen Bewohner*innen und ihren Angehörigen, aber auch zwischen Angehörigen und Mitarbeiter*innen des Sozialen Dienstes/der Pflege generell bzw. den interviewten Mitarbeiter*innen speziell. SK 9.3 Sonstiges Ganzheitliche Betrachtung In keine der SK der HK Ganzheitliche Betrachtung zuordenbare Textstelle(n). HK 10 Bereichsübergreifende Beziehungen Kontakte der Mitarbeiter*innen einzelner Dienste der Einrichtung untereinander sowie „Die führen wir zusammen mit der Pflege und manchmal eben auch mit 133 zwischen Mitarbeiter*innen selbiger Dienste mit (jederzeit oder zum Zeitpunkt des Kontaktes) unterschiedlichen Verantwortungsund/oder Aufgabenbereichen. der Hauswirtschaft“ (S S13, Z372–373). SK 10.1 Informativer und kommunikativer Austausch Verbaler und/oder nonverbaler, mündlicher und/oder schriftlicher Austausch zwischen mindestens zwei Mitarbeiter*innen. „ ‚Oh, pass mal auf, ich habe ihr das und das gesagt. Ähm (.) dass du nur schonmal Bescheid weißt.‘ “ (P S11, Z313–314). Direkter, persönlicher Austausch zwischen Mitarbeiter*innen; indirekter, kommunikativer Austausch auf Basis von Verschriftlichungen, z. B. Dokumentationen. SK 10.2 Praktische Zusammenarbeit Unterstützung bei oder gemeinsame Ausführung von einer Tätigkeit/Tätigkeiten. „[…] da ist es wichtig, dass man dann auch direkt Hand-in- Hand arbeitet […]“ (P S10, Z275–276). Praktische Handlungsausübung, deren Ziel nicht vordergründig die Kommunikation ist. SK 10.3 Sichtweisen Fachliche sowie persönliche Ansichten, die die Mitarbeiter*innen der einzelnen Bereiche übereinander und über ihren eigenen und/oder nicht eigenen Arbeitsbereich haben. „Ähm aber vom Sozialen Dienst, die sind halt schon näher dran […]“ (P S9, Z236). Textstellen, die Ansichten über den eigenen Arbeitsbereich beinhalten werden nur dann dieser SK zugeordnet, wenn ebenfalls eine (vergleichende) Ansicht auf den fachfremden Arbeitsbereich inkludiert ist. 134 SK 10.4 Sonstiges Bereichsübergreifende Beziehungen In keine der SK der HK Bereichsübergreifende Beziehungen zuordenbare Textstelle(n). HK 11 Bedürfnisse der Bewohner*innen In Anlehnung an den Capability- Ansatz aktiv einforderbare Rechte des Individuums (vgl. Ziegler et al. 2012, S. 503) „Sicherlich ist hier (.) noch im Auge zu also zum einen den Bewohner mit seinen Bedarfen wahrzunehmen und zu gucken, ähm (.) wo braucht er was, wo kriegt er was […]“ (S S4, Z65–67). SK 11.1 Grundbedürfnisse Die elementarsten Bedürfnisse eines Lebewesens in Anlehnung an Rieke 2015, S. 47. „Essen ist ein ganz wichtiges Thema“ (S S13, Z345). Die Bedürfnisse Essen und Schlafen der Bewohner*innen. SK 11.2 Gemeinschaft und Einsamkeit Das Bedürfnis des Beisammenseins, der Nicht- Isoliertheit und der Nicht-Verlassenheit, aber auch des Alleinseins im positiven Sinne der Einsamkeit (vgl. Arendt 2006, S. 81ff.). „Ähm, also es ist sicherlich so, dass wir ganz viel gucken, dass wir die Leute hier nicht isoliert lassen (.), sondern dass man sie in Gemeinschaft integriert […]“ (S S4, Z75–77). Relationen zwischen einzelnen Bewohner*innen als Individuen und einer Gemeinschaft in Form der Gruppe der anderen Bewohner*innen und/oder Angehörigen und/oder Mitarbeiter*innen der Einrichtung. SK 11.3 Grundsätze und Gefühle des Individuums. „Um Selbstbestimmung bis äh (.) bis zum Schluss sage ich Werte, die die Interviewten den Bewohner*innen zusprechen, Emotionen, 135 Werte und Emotionen mal einfach“ (S S4, Z75). die sie an ihnen wahrnehmen und/oder wahrgenommen haben. SK 11.4 Anpassung an Bedarfe Art und Weise bzw. Grad, inwiefern Handlungen der Mitarbeiter*innen des Sozialen Dienstes bzw. der Pflege generell und/oder der interviewten Mitarbeiter*innen speziell auf die individuellen Bedarfe der Bewohner*innen abgestimmt werden. „Sicherlich ist hier (.) noch im Auge zu also zum einen den Bewohner mit seinen Bedarfen wahrzunehmen und zu gucken, ähm (.) wo braucht er was, wo kriegt er was […]“ (S S3, Z65–67). Bedürfnisse der Bewohner*innen im Zusammenhang mit Handlungsweisen von Mitarbeiter*innen der Pflege oder des Sozialen Dienstes generell und/oder der interviewten Mitarbeiter*innen speziell. SK 11.5 Sonstiges Bedürfnisse der Bewohner*innen In keine der SK der HK Bedürfnisse der Bewohner*innen zuordenbare Textstelle(n). Anhang 4 Zuordnung der Dimensionen und Capabilities Dimension/Capability Textstelle Autonomie und Umweltkontrolle „Bewohner, die relativ mobil sind, die sind viel im Haus unterwegs. Zum einen besuchen die sich selber, das ist natürlich was, was ich auch so super unterstützenswert finde (I: Mhm), 136 also wenn (unv.) (die) sich auch mal eigenständig ähm sich verabreden“ (S S5, Z96–99). Life „Ä h h m (..) ja (.) letzten Endes geht es ja eigentlich darum, den Bewohner hier zu begleiten, die letzte Phase seines Lebens, um ihm das dabei so angenehm – sag ich jetzt mal – wie möglich zu machen und ihn so zu belassen“ (S S3, Z58–60). Emotions „[…] oder auch die Angehörigen ähm, die gibt natürlich viele, die sehr häufig kommen, das ist für uns auch immer toll. Also gerade da, wo es ein gutes Verhältnis gibt (I: Ja). Ist, das ist natürlich wunderbar, das ist für die Bewohner toll, das ist für uns schön (I: Mhm), ähm, da haben wir natürlich auch einen engen Kontakt mit“ (S S23, Z656–660). Senses, Imagination and Thought „Einfach um ähm, da auch jedem letzten Endes was anbieten zu können. (I: Ja) Also wir hatten das mal […] wo ich gedacht hab, dem kann man auch wirklich nichts anbieten bei uns, das war jemand der ähm (.) sein Leben lang in sehr intellektuellen Kreisen verkehrt hat […]. Den kann ich hier nicht zum Gedächtnistraining, das geht nicht. (I: Mhm) Ja? Der wäre hoffnungslos verloren gewesen, also mit dem konnte man über Bücher philosophieren, so aber (.) ansonsten (I: Ja) müht man sich natürlich schon, (.) den Leuten entsprechend oder den Bewohnern was anzubieten“ (S S6, Z134–142). Bodily Health „Also ich denke mal, wir haben ja zum Beispiel in dem äh Maßnahmenplan, da gibt es zeitlich befristete Maßnahmen (I: Mhm), wo wir wirklich auch, und zwar (unv.) gezielt, ähm wenn es jetzt zum Beispiel ähm, um zu gucken, hat der jetzt ein Sturzrisiko oder nicht? Oder ähm wir wollen gucken mit der Ernährung, der hat abgenommen, wir gucken gezielt nochmal auf das Gewicht, ähm machen gezielt Maßnahmen, wird das dann besser oder schlechter?“ (P S22, Z644–649). Practical Reason „Es (.) ja, es geht find ich für mich selber auch ganz viel um Selbstbestimmung. Um Selbstbestimmung bis äh (.) bis zum Schluss sage ich mal einfach“ (S S4, Z74–75). Practical Reason „Also Leitspruch ist, die sollen hier Zuhause sein (I: Mhm) und (.) früher war das so, dass die Pflege (.) ja, nicht übergriffig war, aber in dem in der anderen Einrichtung, in der ich gearbeitet 137 habe, ähm war das noch so nach dem Prinzip ‚satt und sauber‘, ne […]. Und ähm hier bei den war das von Anfang an schon so ein bisschen anders und auch meine Haltung dazu hat sich ähm mit den Jahren auch entwickelt, ne? […] Wirklich, die Selbstbestimmtheit der Bewohner ähm soll da wirklich ähm im Mittelpunkt stehen […]“ (P S4, Z70–82). Affiliation „Ähm, also es ist sicherlich so, dass wir ganz viel gucken, dass wir die Leute hier nicht isoliert lassen (.), sondern dass man sie in Gemeinschaft integriert“ (S S4, Z75–77). Affiliation „[…] hat die besonderen Spaß äh irgendwie, was weiß ich, Obst zu essen oder so. Dann könnte man den Sozialen Dienst da auch bitten, mit der irgendwas zu schnippeln (I: Mhm), ne, also, dass man da wirklich guckt, ähm, dem Bewohner irgendwie noch zuträglich zu sein“ (P S18, Z525–529). Play „[…] hier zu sehen, mit welch einer Ernsthaftigkeit und wie wichtig dieser Termin ist, wo zum Teil keine Besucher kommen dürfen, weil dieser Bingotermin ist ((I: Lacht)). Ähm (.) das macht einfach unendlich viel aus“ (S S7, Z160–163). Play „Wenn die äh, wenn die gut gelaunt und gut gestimmt, ne, also die Angebote wie jetzt, gerade wenn so Singen oder so also es ist immer viel mit (.) mit Spaß verbunden (I: Mhm), habe ich immer das Gefühl, wenn ich mal so vorbeigehe und da gerade ein Angebot ist“ (P S10, Z267–270).

Abstract

“Ask your social worker about risks and side effects.“ Few social welfare institutions would take such a slogan on. The answers to questions about measurability, attribution or - quite fundamentally - the definition of effect in social work seem to be too vague and too numerous. Nevertheless just in view of the increasing need for the legitimisation of the professional status of social work a further scientific foundation of the effectiveness debate is indispensable. This book contains both an overview of the current state of impact research as well as a transfer of the topic into the field of action of social work for the elderly. The results of the qualitative research based on this open the debate on the impact to the core element of the profession: Co-production as a negotiation process between the actors involved.

Zusammenfassung

„Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Sozialarbeiterin oder Ihren Sozialarbeiter.“ Einen solchen Slogan würden sich wohl die wenigsten Einrichtungen des Sozialwesens auf die Fahne schreiben. Zu vage und zu zahlreich scheinen Antworten auf Fragen nach der Messbarkeit, der Attribution oder – ganz grundlegend – der Definition von Wirkung in der Sozialen Arbeit. Doch gerade im Hinblick auf die zunehmende Notwendigkeit der Legitimation des Professionsstatus der Sozialen Arbeit kann auf eine weitergehende wissenschaftliche Fundierung der Wirkungsdebatte nicht verzichtet werden. Dieses Buch beinhaltet sowohl einen Überblick über den aktuellen Stand der Wirkungsforschung als auch eine Übertragung der Thematik in das Handlungsfeld der Sozialen Altenarbeit. Die Ergebnisse der darauf basierenden qualitativen Forschung öffnen die Wirkungsdebatte für das Kernelement der Profession: Die Ko-Produktion als Aushandlungsprozess zwischen den beteiligten Akteur*innen.

References
Literaturverzeichnis
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Abstract

“Ask your social worker about risks and side effects.“ Few social welfare institutions would take such a slogan on. The answers to questions about measurability, attribution or - quite fundamentally - the definition of effect in social work seem to be too vague and too numerous. Nevertheless just in view of the increasing need for the legitimisation of the professional status of social work a further scientific foundation of the effectiveness debate is indispensable. This book contains both an overview of the current state of impact research as well as a transfer of the topic into the field of action of social work for the elderly. The results of the qualitative research based on this open the debate on the impact to the core element of the profession: Co-production as a negotiation process between the actors involved.

Zusammenfassung

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