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B Methodischer Zugang in:

Tina Heinzerling

Pädagogische Handlungsabsicht von angehenden Erzieherinnen in Kindertageseinrichtungen, page 19 - 34

2. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4380-6, ISBN online: 978-3-8288-7363-6, https://doi.org/10.5771/9783828873636-19

Tectum, Baden-Baden
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Methodischer Zugang Methodisches Vorgehen Auf der Spurensuche nach einem Bedeutungsaspekt der pädagogischen Handlungsabsicht war es wichtig, sie auch zu einem empirischen Bezugspunkt zu machen. Über eine Befragung sollten weitere Erkenntnisse zum Einfluss von Bedingungsfaktoren auf die Handlungsabsicht gewonnen werden. Von besonderem Interesse waren dabei die subjektiv leitenden Sichtweisen und Einstellungen von angehenden Erzieherinnen sowie deren Einschätzungen zum pädagogischen Handeln im Arbeitsfeld Kindertageseinrichtungen. Spannend war es dabei, dem Handlungs- und Erfahrungswissen von angehenden Erzieherinnen nachzugehen und ihnen aufgrund ihrer Erfahrungen und der thematischen Auseinandersetzung mit einzelnen Bereichen ihres pädagogischen Handelns einen Raum zur Äußerung ihrer Sichtweisen zu bieten. Für die Forscherin dieser Arbeit war es wesentlich, die Daten einer breiter gefächerten Zielgruppe, die sich noch in der Ausbildung zur Erzieherin befindet, zu erfassen. Gerade im Hinblick auf die Bedeutung der Handlungsabsicht schien diese Phase der beruflichen Entwicklung wichtig und forderte die Forscherin dieser Arbeit somit zur eingehenden Analyse auf. Der Blick wurde dabei auf Wissensbestände gerichtet, die über die Betrachtung des Eingebettet-Seins der angehenden Erzieherinnen in unterschiedliche Bezugssysteme (schulische Ausbildung, institutionelles und handlungspraktisches Arbeitsfeld) erwartet und erfasst werden können. So repräsentieren die angehenden Erzieherinnen im handlungspraktischen Arbeitsfeld, jeweils eine sich in der Ausbildung, aber auch in der konkreten fachlichen Entwicklung befindende Fachkraft, die im Rahmen ihrer Ausbildung im pädagogischen Bereich über ein Erfahrungs- und Handlungswissen verfügt, das sie in der Kommunikation mit Kolleginnen, Eltern und Kindern zum Einsatz bringen kann. In der Fachschule gilt sie als Repräsentantin der Einrichtung und kann dort institutionelle Strukturverläufe und Rah- B 1. 19 menbedingungen, aber auch ihre Praxiserfahrungen einbringen und anderen Mitstudierenden in einer fachlichen Reflexion zugänglich machen. Ein für den Untersuchungsgegenstand relevantes Handlungswissen kann bei den Befragten größtenteils vorausgesetzt werden, da sie aufgrund ihrer Ausbildungssituation in einen Prozess der reflexiven Auseinandersetzung und der Aneignung von theoretischem Wissen sowie praktischem Handlungswissen eingebunden sind. Um die Bedeutung der Handlungsabsicht herausarbeiten zu können, müssen als weitere Einfluss nehmende Faktoren auch die subjektiven Sichtweisen mit Blick auf die personalen Voraussetzungen von angehenden Erzieherinnen durch empirische Untersuchungen mit einbezogen werden. Der empirische Zugang zu deren subjektiven Einstellungen im Bereich der Motivation kann dabei unterstützen, Erkenntnisse zum Einsatz von personalen Fähigkeiten, aber auch im Hinblick auf die Entwicklung eines kompetenten Umganges mit berufspraktischen Handlungsanforderungen zu gewinnen. Es besteht die Annahme, dass die personalen Fähigkeiten schon während der Ausbildungsphase von den angehenden Erzieherinnen als bedeutendes Element gewertet und in der Handlungspraxis eingesetzt werden. Auswahl und Diskussion der Methode Im Hinblick auf die zu untersuchende Forschungsfrage ist die Auswahl der Methode ein wichtiger Schritt in der weiteren Entwicklung thematischer Vertiefung und Beantwortung der gestellten Aufgabe (vgl. Flick 2003). Für die geplante wissenschaftliche Untersuchung sollte ein Feldzugang über eine teilstandardisierte Befragung von Studierenden erfolgen, die eine Ausbildung zur Sozialassistentin und/oder eine Weiterbildung zur Erzieherin anstreben. Die Zielgruppe wurde aufgrund ihres spezifischen sozialpädagogischen Ausbildungskontextes als Stichprobe ausgewählt. Ein besonderes Interesse galt dabei den subjektiv leitenden Einstellungen zum beruflichen Handeln und den bereits gesammelten praktischen Erfahrungen, um das auf das Arbeitsfeld bezogene Wissen der angehenden Erzieherinnen zu verdeutlichen. Da die Untersuchung exemplarisch angelegt war, wurde für die Datenerhebung nur eine 1.1 B Methodischer Zugang 20 Schule ausgewählt, an der dann 259 angehende Erzieherinnen befragt werden konnten. Es stellen sich mit der Verwendung dieser Methode auch Fragen, die sich kritisch mit dem Aussagewert des zu generierenden Wissens befassen: Inwieweit können die befragten Studierenden Stellung zum Handlungsfeld nehmen? Welche Erfahrungswerte im Umgang mit anderen Personen oder der Teilhabe an Entscheidungsprozessen werden dabei als bedeutsam erachtet? Welchen Aussagewert hat das Handlungswissen der Studierenden, wenn dieses über deren subjektive Deutungen und Einstellungen erfasst wird? Wie können diese Aussagen vor dem Hintergrund des bestehenden Ausbildungsstatus eingeordnet werden? Um die Gültigkeit, Zuverlässigkeit und Messbarkeit der erhobenen Daten zu sichern, wurden die vorwiegend gewonnenen qualitativen Daten mittels einer qualitativ ausgerichteten Inhaltsanalyse nach dem Ansatz von Meuser und Nagel (vgl. 2002, S. 80ff.) ausgewertet. Dieser sollte als Unterstützung dabei dienen, die Datenaufbereitung und Auswertung methodisch zu strukturieren und die Aussagen zu stützen. Datenerhebung Im Rahmen der teilstandardisierten Befragung war die Erhebung sowohl von quantitativen als auch qualitativen Daten vorgesehen. Die Aussagekraft der qualitativen Daten sollte durch die Kenntnis der durch die quantitative Erhebung ermittelten Sozialdaten unterstützt werden. Die quantitative Datenerhebung bildete ebenfalls einen wichtigen Zugang für die qualitative Datenanalyse, denn somit konnten Auswahlkriterien erschlossen werden, die den qualitativen Aussagen einen rahmenden Kontext zuwiesen und im Hinblick auf die Arbeitsfeldspezifität eine Einschränkung ermöglichten. Dies zeigt sich deutlich bei der Auswertung des Abschnittes drei (vgl. B 1. 4 in dieser Arbeit). In diesem werden anhand der ermittelten Angaben (z. B. Dauer und Wunsch einer praktischen Tätigkeit im Arbeitsfeld Kindertageseinrichtungen) die Kriterien für die Auswahl der für die weitere Auswertung in Frage kommenden Berufspraktikantinnen festgelegt und deren Angaben in die Datenanalyse einbezogen. Die Erfassung der 1.2 1. Methodisches Vorgehen 21 Häufigkeit von Nennungen für die aus dem qualitativen Bereich zugeordneten offenen Fragen sollte die Wertigkeit und Prioritätensetzung in der Aussage untermauern. Zur Durchführung der Befragung Insgesamt konnten Daten von 259 Studierenden der Käthe-Kollwitz- Schule in Marburg aus dem Bereich Sozialwesen im Zeitraum zwischen dem 28.09. und 17.11.2009 erhoben werden. Zum Zeitpunkt der Erhebung befanden sich die Studierenden in unterschiedlichen Ausbildungsstufen, sodass neben der Fachschule für Sozialpädagogik (FSP) auch die Höhere Berufsfachschule für Sozialassistenz (BSA) mit einbezogen wurde. Auswahl der Schule Diese Schule wurde aus verschiedenen forschungspraktischen Überlegungen ausgewählt. Zum einen hatte sich die Forscherin durch ihre Beratungstätigkeit für den städtischen Fachdienst Kinderbetreuung in Marburg sowie im langjährigen Zusammenwirken mit Praktikantinnen unterschiedlicher Ausbildungsstufen und Kooperation mit einzelnen Lehrerinnen einen kooperativen Zugang zur Schule erarbeitet. Zum anderen ließ der Bekanntheitsgrad ebenfalls einen unkomplizierten Zugang zum Feld zu. Da die Untersuchung insbesondere Studierende mit sozialpädagogischem Ausbildungskontext erfassen sollte, um daraus einen Querschnitt zu bilden, wurde nur diese eine Schule zur Datenerhebung ausgewählt. Zudem war hier aufgrund der bestehenden unterschiedlichen Ausbildungsstufen eine Vielfalt an Daten zu erwarten und die Ergebnisse sollten sich in ihren Aussagen ausschließlich auf den lokalen Raum beziehen. Die Entscheidung der Forscherin unterschiedliche Ausbildungsstufen einzubeziehen, wird mit dem Erkenntnisinteresse begründet, auf Gemeinsamkeiten zwischen angehenden Erzieherinnen zu stoßen, die sich, trotz der Differenz die in der Auseinandersetzung mit den personalen Eigenschaften, im bisherigen Wissensstand sowie der Reflexion praktischer Erfahrungen im pädagogischen Arbeitsfeld besteht, in den Antworten lesen lassen. Die Auswahl der Schule nebst der Anzahl B Methodischer Zugang 22 ihrer Studierenden steht als soziale Einheit in dieser Untersuchung für den Einzelfall (vgl. Kraimer 1995). Der Zugang zum Feld Als theoretische Grundlage für die Erstellung dieses Berichts wurden die Texte von Flick (vgl. 2002, S. 86ff.) und Wolff (vgl. 2003) verwendet. Am 13. Mai 2009 nahm die Autorin dieser Arbeit telefonischen Kontakt mit dem Abteilungsleiter der Käthe-Kollwitz-Schule (Fachschule für Sozialpädagogik), Herrn Dr. A., in Marburg auf und unterbreitete ihm das Anliegen im Rahmen des von ihr geplanten Dissertationsprojektes, eine Befragung der Studierenden zum Thema „Entwicklung von pädagogischer Handlungskompetenz“ durchführen zu wollen. Die Idee stieß auf großes Interesse und zur Klärung aller weiteren Modalitäten wurde ein persönlicher Gesprächstermin für den 15. Juni 2009 verabredet, der in der Schule stattfinden sollte. Dort wurden die Idee sowie der Entwurf des Fragebogens erörtert. Im Gespräch sagte die Schule zu, die Befragung aller Studierenden zu ermöglichen. Es wurde vereinbart, ein Anschreiben mit Studieninformation zur Untersuchung für die entsprechenden Fachlehrerinnen und Fachlehrer zu formulieren und Anfang September der Schule zuzustellen. Die schriftliche Befragung sollte anschließend in den jeweiligen Klassen ab Ende September 2009 erfolgen. Am 9. September 2009 wurde die Studieninformation zur Untersuchung mit genauer Instruktion zur Durchführung verschickt. Die Präsenz der Autorin vor Ort, um ggf. weitere Informationen bei Unklarheiten zu vermitteln, war nach Meinung der Fachlehrerinnen und Fachlehrer nicht erforderlich. Am 21. September 2009 nahm die Autorin dieser Arbeit telefonischen Kontakt zu Herrn K., einem Fachschullehrer, auf, da dieser sich per Email mit ihr in Verbindung gesetzt hatte, um sie in Kenntnis darüber zu setzen, dass Herr Dr. A. den geplanten Ablauf nicht weiter begleiten kann. Herr K. erklärte sich dazu bereit, den geplanten Ablauf zu unterstützen und formulierte ein weiteres Anschreiben an seine Kolleginnen und Kollegen und bat um ihre Unterstützung. Am 25. September wurden die Fragebögen in der Schule abgegeben und am 20. November 2009 wieder in der Schule abgeholt. 1. Methodisches Vorgehen 23 Erstellung des Fragebogens Der teilstandardisierte Fragebogen wurde so konzipiert, dass er zum einen die Sozialdaten der Befragten standardisiert erfassen kann. Zum anderen enthielt er sieben offene Fragen, mit deren Beantwortung die Bereiche Motivation, Handlungskompetenz und personale Ressourcen erschlossen werden sollten. Besonders wurde dabei die Absicht verfolgt, einen Bezug zum erarbeiteten theoretischen Rahmen herstellen zu können. Von Bedeutung waren dabei Fragestellungen mit folgender inhaltlicher Schwerpunktsetzung: Wie definieren die Studierenden den Begriff Erziehung? Welche Einschätzung wird in Bezug auf die eigenen Fähigkeiten vorgenommen? Welches Motiv war leitend bei der Berufswahl? Unter welchen Gesichtspunkten verläuft die Planung der pädagogischen Situation? Da die Befragung schriftlich durchgeführt wurde, war es von besonderer Bedeutung, den Fragebogen inhaltlich so verständlich zu entwerfen, sodass er sich von den Studierenden gut handhaben ließ. Das Nachdenken über eine geeignete Struktur der Fragen war auch deshalb relevant, weil eine Interaktion und Kommunikationssituation zwischen Interviewerin und befragter Person hier real nicht gegeben ist. Dennoch lohnte es sich, den Einfluss möglicher Interaktionsstrukturen, auf die Erhebungssituation zu bedenken. Dies betrifft etwa den Aspekt des fachlichen Wissens, das bei der Interviewerin (Forscherin der Arbeit) vorausgesetzt werden kann sowie die Wahrnehmung der Studierenden zur fachlichen Verwendung des erhobenen Datenmaterials und dessen (künftigen) Einfluss auf das Handlungsfeld, in dem die Studierenden praktisch tätig sind (vgl. Bogner, Menz 2002, S. 49). In Bezug auf die Form wurde es als positiv bewertet, dass ausreichend Zeit und somit assoziativer Vorstellungsraum für die schriftliche Beantwortung der Fragen und für das Abrufen von fachlichem Wissen zur Verfügung stand (vgl. Beitrag zur Entwicklung eines Fragebogens von Wellenreuther 2000, S. 346ff.). Da um eine gut leserliche Schrift gebeten wurde, bestand die Hoffnung, die schriftlichen Beiträge effizient in einem Transkript festhalten zu können. Als kritisch wurde im Vorfeld die Möglichkeit eingeschätzt, dass evtl. einzelne Fragen unbeantwortet bleiben und es eher zu einer Anhäufung bzw. Aufzählung einzelner Wörter kommen könn- B Methodischer Zugang 24 te. Der Entwurf des Fragebogens ist im ‚Ordner Datenauswertung’ im Anhang2 dieser Arbeit ersichtlich. Stichprobe Im Rahmen der empirischen Untersuchung sollte eine Kriterien geleitete Stichprobenziehung mit dem Ziel, diese an die einzelnen Auswertungsschritte anzupassen, erfolgen. Ausgewählt wurde hierfür ein hessischer Schulstandort mit zwei integrierten schulischen Fachzweigen, der Fachschule für Sozialpädagogik und der Höheren Berufsfachschule für Sozialassistenz. Einbezogen werden sollten dabei alle Studierenden, die an dieser Schule unterrichtet werden. Für das selektive sampling (vgl. Kelle, Kluge 1999, S. 46f.) wurden relevante Merkmale, Stichprobenumfang und Ziehungskriterien bestimmt. Erfasst werden sollten sozio-demographische Merkmale wie Alter, Geschlecht, Familienstand, Bildungsabschluss, Arbeitsfeld der Praxiserfahrung und angestrebtes Arbeitsfeld. Geplant war ein mehrstufiges Ziehungsverfahren, um die Personengruppen auszuwählen, deren „sozialstrukturelle Kontextbedingungen“ einen Erkenntnisgewinn für die zu untersuchenden Themenbereichen ermöglichen (vgl. Kelle, Kluge 1999, S. 47f.). Der erste Abschnitt der Auswertung des Materials (vgl. B 1.4) konzentrierte sich auf die Darstellung der Sozialdaten aller Studierenden der Fachschule für Sozialpädagogik (einschließlich der Berufspraktikantinnen) und der Höheren Berufsfachschule für Sozialassistenz. Der hierfür entwickelte Fragebogen enthielt neun vorgegebene Antwortmöglichkeiten (geschlossenen Fragen), zur Erfassung individueller sozialer Daten (vgl. Erstellung des Fragebogens in B 1.2). Da die Erfassung der Sozialdaten primär mit dem Ziel verbunden war, einen ersten Zugang zu spezifischen personenbezogenen Sozialdaten, von der in die Untersuchung einbezogene und als Stichprobe ausge- 1.3 2 Der Anhang dieser Arbeit wurde nicht veröffentlicht, kann aber unter der folgenden Adresse angefragt werden: diss.heinz.17@gmail.com. Diese Information gilt nachfolgend für das gesamte Dokument. 1. Methodisches Vorgehen 25 wählten Zielgruppe herzustellen, wird dem Leser die Auswertung der Sozialdaten an dieser Stelle im Text dieser Arbeit veranschaulicht. Hervorzuhebende Merkmale der Auswertung sind der hohe weibliche Geschlechtsanteil, das relative junge Eintrittsalter in die Ausbildung sowie die hohe Quote von Realabschlussabsolventen (vgl. Tabelle 1 in dieser Arbeit). Lediglich die Berufspraktikantinnen weisen einen Fachhochschulabschluss auf, was u. a. damit erklärt werden könnte, dass dieser Abschluss während der Ausbildung parallel von den Studierenden an der Fachschule für Sozialpädagogik erworben werden kann. Mindestens 50% der Befragten aller Klassen der Fachschule der Sozialpädagogik haben schon eine erste Berufsausbildung absolviert. Ein weiteres nennenswertes Merkmal zeigt sich daran, dass der Kindergarten als angestrebtes Arbeitsfeld über alle Befragten hinweg konstant favorisiert wird. Von der Unter- und Oberstufe der Höheren Berufsfachschule für Sozialassistenz bis zur Unterstufe der Fachschule für Sozialpädagogik folgen dem Kindergarten, die Kinderkrippe, die Heimerziehung die Behindertenarbeit und eindeutig abgeschieden der Kinderhort als angestrebtes Arbeitsfeld. In der Oberstufe gibt es schließlich in der Rangreihe eine Veränderung. Dem Kindergarten folgen die Heimerziehung, die Kinderkrippe, die Behindertenarbeit. Schließlich geben einige unter ihnen andere Arbeitsfelder an und folgend, den Kinderhort als angestrebtes Arbeitsfeld. Auffällig ist, dass der Kindergarten zwar in allen befragten Gruppen das bevorzugte Arbeitsfeld darstellt, in dem sie nach der Ausbildung eine berufliche Tätigkeit aufnehmen wollen, die Entscheidung dafür, aber keine 100 Prozent Übereinstimmung mit den Praxiserfahrungen im relevanten Arbeitsfeld aufweist. Die Angaben weisen einen geringeren Wert auf und divergieren zwischen 1% und 19 % (vgl. Tabelle 1). Die höchste Deckungsgleichheit ist bei den Berufspraktikantinnen zu ermitteln. Ein Grund hierfür könnte in der Wahrnehmung und Reflexion dieser Phase des Ausbildungsabschnittes durch die Befragten liegen, da diese sich bereits zu diesem Zeitpunkt fachlich intensiver mit ihren Erfahrungswerten und Erwartungen des künftigen Arbeitsfeldes auseinandergesetzt haben (vgl. ‚Ordner Auswertung Sozialdaten’ und ‚Ordner Datenauswertung’ im Anhang dieser Arbeit). B Methodischer Zugang 26 Zu sa m m en fa ssu ng d er S oz ia ld at en (B er ec hn un gs we rt 1 00 % ) T ab el le 1 : Z u sa m m en fa ss u n g d er S o zi al d at en ( B er ec h n u n g sw er t 1 0 0 % ) N = 2 5 9 B S A U n te rs tu fe ( n = 4 7 ) B S A O b er st u fe ( n = 2 8 ) F S P U n te rs tu fe ( n = 6 5 ) F S P O b er st u fe ( n = 5 0 ) B er u fs p ra k ti k a n ti n n en (n = 6 9 ) A lt er ss p an n e 1 6 -1 8 J ah re 1 7 -2 0 J ah re 1 9 -2 2 J ah re 1 9 -2 2 J ah re 2 0 -2 3 J ah re G es ch le c h te ra n te il W ei b li ch ( 8 9 % ) W ei b li ch ( 6 8 % ) W ei b li ch ( 8 3 % ) W ei b li ch ( 7 8 % ) W ei b li ch ( 8 7 % ) S ch u lb il d u n g M it tl er e R ei fe ( 9 6 % ) M it tl er e R ei fe ( 1 0 0 % ) M it tl er e R ei fe (7 1 % ) M it tl er e R ei fe ( 6 2 % ) M it tl er e R ei fe ( 4 1 % ) F .h o ch sc h .r ei fe ( 4 3 % ) F a m il ie n st a n d L ed ig ( 9 8 % ) L ed ig ( 8 6 % ) L ed ig ( 8 6 % ) L ed ig ( 9 0 % ) L ed ig ( 9 0 % ) B er u fs a u sb il d u n g / E rs ta u sb il d u n g K ei n e (9 6 % ) K ei n e (9 3 % ) K ei n e (2 6 % ) S o z. A ss . (5 5 % ) K ei n e (3 2 % ) S o z. A ss . (5 0 % ) K ei n e (3 5 % ) S o z. A ss . (5 4 % ) A n g es tr eb te r A b sc h lu ss E rz ie h er in ( 6 2 % ) S o zi al as si st e n ti n ( 3 2 % ) E rz ie h er in ( 6 4 % ) S o zi al as si st e n ti n ( 3 6 % ) E rz ie h er in ( 1 0 0 % ) E rz ie h er in ( 9 6 % ) E rz ie h er in ( 9 6 % ) A n g es tr eb te s b er u fl ic h es A rb ei ts fe ld (M eh rf ac h n e n n u n g ) A n te il K in d er g ar te n (3 2 % ) 2 4 N en n u n g en G es a m t: 7 4 N en n u n g e n A n te il K in d er g ar te n (4 7 % ) 2 2 N en n u n g en G es a m t: 4 7 N en n u n g e n A n te il K in d er g ar te n (2 8 % ) 3 4 N en n u n g en G es a m t: 1 1 9 N en n u n g e n A n te il K in d er g ar te n (3 1 % ) 2 6 N en n u n g en G es a m t: 8 3 N en n u n g e n A n te il K in d er g ar te n (3 3 % ) 4 0 N en n u n g en G es a m t: 1 2 2 N en n u n g e n P ra x is er fa h ru n g e n (M eh rf ac h n e n n u n g ) A n te il K in d er g ar te n (4 4 % ) 2 7 N en n u n g en G es a m t: 6 1 N en n u n g e n A n te il K in d er g ar te n (6 2 % ) 2 5 N en n u n g en G es a m t: 4 0 N en n u n g e n A n te il K in d er g ar te n (4 7 % ) 5 1 N en n u n g en G es a m t: 1 0 8 N en n u n g e n A n te il K in d er g ar te n (3 9 % ) 4 4 N en n u n g en G es a m t: 1 1 1 N en n u n g e n A n te il K in d er g ar te n (3 4 % ) 6 4 N en n u n g en G es a m t: 1 8 9 N en n u n g e n B S A /U : S tu d ie re n d e d er H ö h er en B er u fs fa c h sc h u le f ü r S o zi al as si st en z d er U n te rs tu fe ( B eg in n d er s o zi al p äd ag o g is ch e n A u sb il d u n g i m e rs te n J ah r) B S A /O : S tu d ie re n d e d er H ö h er en B er u fs fa c h sc h u le f ü r S o zi al as si st en z d er O b er st u fe ( B eg in n d er s o zi al p äd ag o g is c h en A u sb il d u n g i m z w ei te n J ah r) F S P /U : S tu d ie re n d e d er F ac h sc h u le f ü r S o zi al p äd ag o g ik ( B eg in n d er s o zi al p äd ag o g is ch e n A u sb il d u n g i m e rs te n J ah r) F S P /O : S tu d ie re n d e d er F ac h sc h u le f ü r S o zi al p äd ag o g ik ( B eg in n d er s o zi al p äd ag o g is ch e n A u sb il d u n g i m z w ei te n J ah r) B P : B er u fs p ra k ti k a n ti n n e n ( le tz te r A u sb il d u n g sa b sc h n it t) BS A /U : S tu di er en de d er H öh er en B er uf sfa ch sc hu le fü r S oz ia la ss ist en z d er U nt er stu fe (B eg in n de r s oz ia lp äd ag og isc he n Au sb ild un g im er ste n Ja hr ) BS A /O : S tu di er en de d er H öh er en B er uf sfa ch sc hu le fü r S oz ia la ss ist en z d er O be rs tu fe (B eg in n de r s oz ia lp äd ag og isc he n Au sb ild un g im zw ei te n Ja hr ) FS P/ U : S tu di er en de d er F ac hs ch ul e f ür S oz ia lp äd ag og ik (B eg in n de r s oz ia lp äd ag og isc he n Au sb ild un g im er ste n Ja hr ) FS P/ O : S tu di er en de d er F ac hs ch ul e f ür S oz ia lp äd ag og ik (B eg in n de r s oz ia lp äd ag og isc he n Au sb ild un g im zw ei te n Ja hr ) BP : B er uf sp ra kt ik an tin ne n (le tz te r A us bi ld un gs ab sc hn itt ) Ta be lle 1 : 1. Methodisches Vorgehen 27 Datenaufbereitung und Auswertung Die Datenaufbereitung und Datenauswertung wurde aufgrund von forschungspraktischen Überlegungen in drei Abschnitte gegliedert, die jeweils unterschiedliche Schwerpunkte bei der Datenanalyse setzen. Der erste Abschnitt bezieht sich auf die Darstellung der Sozialdaten aller Studierenden der benannten Schulzweige (eine ausführliche grafische Übersicht an Diagrammen befindet sich im Anhang dieser Arbeit im ‚Ordner Auswertung Sozialdaten’, vgl. hierzu auch im Anhang ‚Tabellarische Datenübersicht’ und ‚Datenauswertung’ der benannten Schulzweige im ‚Ordner Datenauswertung’) zu erfassen und auszuwerten. Abschnitt zwei liefert Ergebnisse zur Fragestellung: Warum sich Studierende, die sich entweder am Anfang ihres Weges hin zu einer (alle Studierenden der Höheren Berufsfachschule für Sozialassistenz Unterund Oberstufe) oder am Ende ihrer Erzieherinnenausbildung befinden, für den Erzieherinnenberuf entschieden haben (alle Berufspraktikantinnen - letzter Ausbildungsabschnitt der Fachschule für Sozialpädagogik- vgl. ‚Ordner Datenauswertung‘ im Anhang). Der dritte Abschnitt befasst sich mit der Erschließung von Erkenntnissen zu subjektiven Sichtweisen in den Bereichen erzieherischer Wertehaltung, Kompetenz und Bewältigung berufspraktischer Anforderungen von angehenden Erzieherinnen und richtet den Blick auch auf ein mögliches ressourcenorientiertes Handeln von Berufspraktikantinnen, die eine berufliche Tätigkeit im Arbeitsfeld Kindertageseinrichtung / Kindergarten anstreben (vgl. ‚Ordner Datenauswertung‘ im Anhang). Für die Bearbeitung der Abschnitte zwei und drei wurden im Jahr 2014 die Daten noch einmal eingehender nach den handlungsleitenden Schwerpunkten in den Motiven und Vorstellungen hin untersucht. Um dem Leser die Datenaufbereitung zu erläutern, werden im Folgenden einzelne Schritte der Datenaufbereitung am Beispiel der Berufspraktikantinnen, da sie die Hauptzielgruppe bei der Auswertung sind, exemplarisch dargestellt. Dabei werden zunächst Einblicke der Datenaufbereitung im Umgang mit den Sozialdaten aufgezeigt und nachfol- 1.4 B Methodischer Zugang 28 gend der Umgang der Datenaufbereitung mit offenen Fragen im Bereich der Berufsmotivation (vgl. Bearbeitungsschwerpunkt Abschnitt zwei der dargestellten Gliederung zur Datenaufbereitung) von Berufspraktikantinnen näher veranschaulicht. Die Angaben im Bereich der Sozialdaten wurden nach Schularten, Stufen getrennt voneinander gesichtet und alle tabellarisch erfasst. Für die weitere Datenaufbereitung der gesammelten Angaben wurden Diagramme für die Bereiche Geschlechterverteilung, Berufsausbildung, Arbeitsfeld der Praxiserfahrung und angestrebtes Arbeitsfeld angelegt (vgl. ‚Ordner Auswertung Sozialdaten’ und ‚Ordner Datenauswertung’ im Anhang). Beispiel: Für die Zusammenfassung der Sozialdaten wurden alle im Fragebogen enthaltenen Sozialangaben nach einer Häufigkeitsverteilung prozentual erfasst und tabellarisch festgehalten (vgl. Tabelle 1: Zusammenfassung der Sozialdaten). Aus dieser Übersicht wurden dann punktuelle inhaltliche Schwerpunkte herausgearbeitet. Die methodische Datenaufbereitung des Textmaterials aus den offenen Fragen erfolgte nach dem Ansatz von Meuser und Nagel (vgl. 2002, 1. Methodisches Vorgehen 29 S. 80ff.) zur qualitativen Auswertung empirischen Materials. Das Datenmaterial wurde transkribiert und codiert. Beispiel: Codierung und Transkript Code Zeile 2. Warum haben Sie sich für die Berufsausbildung zur Erzieherin entschieden? BP1/3 1 „Ich habe seit meiner Kindheit den Wunsch, 2 mit Kindern zu arbeiten“ (BP1/3 Zeilen: 1-2) Im zweiten Schritt wurden die Aussagen der jeweiligen Studierenden einer Klasse zunächst mit Hilfe der Paraphrasierung verdichtet und eine Häufigkeitsverteilung erfasst. „Eine gute Paraphrase zeichnet sich durch ihr nicht-selektives Verhältnis zu den behandelten Themen und Inhalten aus; sie sollte – ausführlich oder abkürzend – jedenfalls protokollarisch auf den Inhalt gerichtet sein, … “ (Meuser, Nagel 2002, S. 84). Der teilweise geringe Textumfang sowie die Aufzählung einzelner Wörter ließ die Paraphrasierung mit anschließender Beschriftung von Überschriften teilweise nicht zu. Hier wurden die einzelnen Textsegmente somit gleich in Überschriften gegliedert (vgl. ‚Ordner Datenauswertung‘ im Anhang dieser Arbeit). Beispiel: Paraphrasierung Wunsch mit Kindern zu arbeiten besteht seit der Kindheit Überschrift/ Kindheitswunsch Im nächsten Arbeitsschritt wurden die Überschriften aller Klassen eines Ausbildungsabschnitts miteinander verglichen und unter inhaltsverwandte Themen in Hauptüberschriften zusammengefasst und vereinheitlicht sowie erneut eine Häufigkeitsverteilung vorgenommen. „Passagen, in denen gleiche oder ähnliche Themen behandelt werden, werden zusammengestellt. Eine Hauptüberschrift, die den Inhalt sämtlicher subsumierter Passagen abdeckt, wird formuliert. Auf diese Weise wird eine Übersicht über den Text erzielt, die sich -…- auf Themen bzw. Informationen, nicht aber auf eine Falldarstellung bezieht“ (Meuser, Nagel 2002, S. 85). B Methodischer Zugang 30 Beispiel: Zusammenfassung von Hauptüberschriften Folgende Hauptüberschriften konnten bei den Berufspraktikantinnen u. a. ermittelt und zusammengestellt werden: – Spaß, Interesse, Freude an der Zusammenarbeit mit Menschen, Kindern und Jugendlichen (32x) – Zugang durch Praxiserfahrungen im Bereich Pädagogik (privat, beruflich) (17x) – Begleitung, Unterstützung und Förderung von Menschen, Kindern bei der Lebensgestaltung (29x) – Kindheitswunsch (5x) Die im vorherigen Auswertungsschritt gebildete Überschrift Kindheitswunsch wurde bei diesem Vorgang auch zur Hauptüberschrift. Im Anschluss erfolgte dann ein thematischer Vergleich in zwei Durchgängen, wobei die Hauptüberschriften aller Klassen eines Ausbildungsabschnittes miteinander verglichen wurden und die sich dabei herausbildenden Themen, jeweils nahe am Text, unter einen den Inhalt repräsentierenden Schwerpunkt und unter Benennung der Angaben der Häufigkeit der Nennungen zusammengefasst wurden. „Die Logik des Vorgehens entspricht der bei der Bildung von Überschriften, jetzt wird aber nach thematisch vergleichbaren Textpassagen aus verschiedenen Interviews gefahndet. Passagen …, in denen gleiche oder ähnliche Themen behandelt werden, werden zusammengestellt, die Überschriften vereinheitlicht. Dies ist mit einer weiteren Reduktion der Terminologie verbunden, erfüllt aber die notwendige Aufgabe, Redundanzen zu tilgen“ Meuser, Nagel 2002, S. 86). Der thematische Vergleich erfolgte in 2 Durchgängen, in denen sich folgende Schwerpunkte bei den Berufspraktikantinnen herausbildeten: Beispiel: Thematischer Vergleich (1. Durchgang) – Spaß, Interesse, Freude an der Zusammenarbeit mit Menschen, Kindern und Jugendlichen (32x) – Zugang durch Praxiserfahrungen im Bereich Pädagogik (privat, beruflich) (17x) 1. Methodisches Vorgehen 31 – Begleitung, Unterstützung und Förderung von Menschen, Kindern bei der Lebensgestaltung (31x) – Kindheitswunsch (5x) – Persönliche Haltung gegenüber Kindern (5x) – Positive Sichtweise dieses Berufes (12x) – Interesse am sozialen Arbeiten (8x) – Berufswunsch als Alternative (5x) – Interesse an Fachtermini (2x) – Interesse, Freude, Teilhabe an der Entwicklung von Menschen, Kindern (18x) – Eigene Mutterrolle maßgebend (3x) – Positive Selbsteinschätzung und Persönliche Entwicklung (12x) – Vermittlung von Wissen und Gemeinschaftsgefühl (2x) Beispiel: Thematischer Vergleich (2. Durchgang) Leitmotiv 1: Interesse an der pädagogischen Zusammenarbeit mit Menschen, insbesondere mit Kindern und Jugendlichen (83x) Leitmotiv 2: Zugang durch Praxiserfahrung (17x) Leitmotiv 3: Interesse am sozialen Arbeiten/Beruf (22x) Leitmotiv 4: Selbsteinschätzung, Haltung und persönliche Entwicklung (25x) Leitmotiv 5: Berufswunsch als Alternative (5x) Die Zuordnung ‚Kindheitswunsch’ erfolgte dabei unter das Leitbild 4: ‚Selbsteinschätzung, Haltung und persönliche Entwicklung‘’ Der letzte Auswertungsschritt bezog sich auf die Kategorisierung der zusammengefassten Leitmotive. Die Kategorienbildung erfolgte dabei unter der Subsumtion „… von Teilen unter einen allgemeine Geltung beanspruchenden Begriff, andererseits ein Rekonstruieren dieses allgemeinen, für den vorgefundenen Wirklichkeitsausschnitt gemeinsam geltenden Begriffs“ (Meuser, Nagel 2002, S. 88). Der Weg dieser „empirischen Generalisierung“ (ebd. S. 89) wird jeweils in den Unterpunkten Ergebnis und Zusammenfassung des empirischen Materials in dieser Arbeit beschritten. Die Auswertung des Datenmaterials bezieht die von Meuser und Nagel vorgeschlagene Stufe der „theoretischen Generalisierung“ (ebd.) nicht mit ein, sondern endet mit der Phase der „so- B Methodischer Zugang 32 ziologischen Konzeptualisierung“ (ebd. S. 88f.), da die vorgenommene Generalisierung sich ausschließlich auf das zugrunde liegende empirische Material begrenzt (vgl. ebd. 89). Grenzen der empirischen Untersuchung Mit Bezug auf die durchgeführte empirische Untersuchung muss die Tatsache berücksichtigt werden, dass es sich bei der Datenerhebung um eine Momentaufnahme von Aussagen und Eindrücken handelt, die bei den Studierenden sowohl Sichtweisen der rückschauenden Bewertung als auch Eindrücke mit einem eher einschätzenden und antizipierenden Charakter zum Umgang mit der Gestaltung von pädagogischen Situationen erkennen lassen. Diese ermittelten Ergebnisse müssen ebenfalls im Kontext des Standortes, an dem sie erhoben wurden, und der generelle Bezug zur schulischen Institution als Sozialisationsinstanz und Einfluss nehmender Wirkfaktor begriffen und gewertet werden. Es ist anzunehmen, dass die sich in unterschiedlichen Ausbildungsstufen befindenden Studierenden bei der Beantwortung der Fragen unterschiedliche Wissensebenen miteinander verknüpfen. Dies betrifft auf der einen Seite das durch die Schule vermittelte theoretische Wissen, auf der anderen Seite das durch Praxiserfahrungen gewonnene Erfahrungs- und Handlungswissen. Beide fließen in ihre Beantwortung ein. Es ist nicht eindeutig, welcher Ausbildungsort (Schule oder Praxisstätte) einen höheren Stellenwert für die Befragten besitzt und jeweils spezifischen Einfluss auf die Befragungssituation nimmt. Ebenso unklar bleibt, auf welche Wissensebene bei der Beantwortung der Fragen konkret zurückgegriffen wird, wie hoch der Reflexionsgrad der Studierenden einzuschätzen ist und inwiefern die Antworten im gegenseitigen Austausch der Studierenden vorstrukturiert wurden. Das Verhältnis zwischen Ist- und Sollstand, zwischen Wissen und dem jeweiligen Vermögen ist nicht klar herauszufiltern. Allenfalls werden hier Tendenzen sichtbar. Ein weiterer Punkt liegt in einem etwaigen Intrarollenkonflikt, der durch die Annahme der neuen Rolle entsteht. Einerseits ist dies durch den Standort der Befragung begründet, den die Studierenden als Ort des Wissenstransfers wahrnehmen und der ihnen in ihrer Rolle als Auszu- 1.5 1. Methodisches Vorgehen 33 bildende einen Schutzraum für Wissenslücken bietet. Auf der anderen Seite wird ggf. der Konflikt durch das Abfragen des bestehenden Handlungswissens erzeugt, in das sie sich als handelnde und gestaltende Akteurinnen hineinversetzen sollen und das ihnen das Einbringen von fachbezogenem Wissen abverlangt. Durch die unterschiedliche Zusammenstellung von sozio-demographischen Merkmalen entsteht eine maximale Variation, die für die einzelnen Auswertungsschritte Möglichkeiten des kontrastierenden Vergleichs der Studierenden bietet - in diesem Fall der Vergleich von Studierenden unterschiedlicher Ausbildungsabschnitte oder die Auswahl von Studierenden mit spezifischen Erfahrungswerten in einem bestimmten Arbeitsfeld und einer bestimmten Dauer der Tätigkeit. Grenzen der Untersuchung müssen aber dennoch in der Begrenzung der Auswahl nur einer Schule gesehen werden, da der Einfluss didaktischer Vermittlung auf die Studierenden durch das Lehrpersonal im Vergleich mit einer anderen Schule nicht bestimmt werden kann. Die Untersuchung ist auch bezüglich der Generalisierbarkeit von Aussagen begrenzt. Selbst wenn der Schwerpunkt dieser Untersuchung nicht auf der statistischen Repräsentativität beruht, sondern über die Erschließung von besonderen Eigenschaften, die den Einzelfall kennzeichnen, Bedeutung erlangt, kann keine Verallgemeinerung auf der Basis angehender Erzieherinnen erfolgen (vgl. Kelle, Kluge 1999, S. 52f.). B Methodischer Zugang 34

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Zusammenfassung

Kernstück des vorliegenden Buches ist die empirische Studie zu subjektiven Sichtweisen und Einstellungen von angehenden Erzieherinnen in den Bereichen Motivation, erzieherische Wertehaltung, Kompetenz und Bewältigung von erzieherischen Anforderungen. Anhand der reflexiven Auswertung verdichten sich die verschiedenen Zugänge der Bearbeitung zu einem Pfad, der die Bedeutung der Handlungsabsicht als zentrales pädagogisches Moment erkennen lässt. Unter Einbezug von unterschiedlichen Einflussfaktoren untersucht die Autorin insbesondere den förderlichen Beitrag im kompetenten Umgang mit berufspraktischen Handlungsanforderungen.