Content

2. Forschungsdesign in:

Florian Beißwanger

Hintergrundgespräche, page 5 - 12

Konsensuales Geheimnis-Management im Mediensystem des digitalen Zeitalters

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4378-3, ISBN online: 978-3-8288-7362-9, https://doi.org/10.5771/9783828873629-5

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Forschungsdesign Methodenwahl Aufgrund der überschaubaren Literatur fiel die Methodenwahl auf Interviews mit Experten* aus Politik und Medien. Eine Teilnahme als Wissenschaftler bei einem Hintergrundgespräch wurde vorneweg als Erhebungsmethode ausgeschlossen. Ein beobachtendes Verfahren ist ungeeignet, da dort keine Auskünfte über zugrunde liegende Denkmuster der Journalisten und Politiker im Zusammenhang der Hintergrundgespräche genannt werden. Da Hintergrundgespräche wenig erforscht sind, eignet sich eine qualitative Erhebungsmethode in Gestalt von Experteninterviews als wenig strukturiertes Forschungsinstrument sehr gut.21 So empfiehlt sich diese Methode, „wenn in einem Interview mehrere unterschiedliche Themen behandelt werden müssen, die durch das Ziel der Untersuchung und nicht durch die Antworten des Interviewpartners bestimmt werden, und wenn im Interview auch einzelne, genau bestimmbare Informationen erhoben werden müssen.“22 Für unerwartete Informationen sollte das Experteninterview zugleich offen sein, da 2. 2.1. * Der Begriff „‚Experte‘ beschreibt die spezifische Rolle des Interviewpartners als Quelle von Spezialwissen über die zu erforschenden sozialen Sachverhalte. Experteninterviews sind eine Methode, dieses Wissen zu erschließen.“ Quelle: Gläser, Jochen / Laudel, Grit, Experteninterviews und qualitative Inhaltsanalyse, Wiesbaden 2010, S. 12. 21 Vgl. Lesmeister, Christine, Informelle politische Kommunikationskultur. Hinter den Kulissen politisch-medialer Kommunikation, Wiesbaden 2008, S. 85. UND Vgl. Meuser, Michael / Nagel, Ulrike, Experteninterview – konzeptionelle Grundlagen und methodische Anlagen, in: Pickel, Susanne (Hrsg.), Methoden der vergleichenden Politik- und Sozialwissenschaften. Neue Entwicklungen und Anwendungen, Wiesbaden 2009, S. 465. 22 Gläser, Jochen / Laudel, Grit, Experteninterviews und qualitative Inhaltsanalyse, Wiesbaden 2010, S. 111. 5 es gerade in einem recht wenig erforschten Feld zu neuen Aspekten kommen kann.23 Erhebungsinstrument Als Erhebungsinstrument für die Experteninterviews dient der Interviewleitfaden. Darin sind jene Fragen aufgeführt, die der Interviewer im Verlauf des Interviews stellen möchte.24 Im Gegensatz zum standardisierten Fragebogen ist der große Vorteil des Leitfadens, dass er lediglich eine Art Gerüst bildet.25 Der Interviewer ist weitgehend frei in seiner Entscheidung, in welcher Form und wann welche Frage gestellt wird.26 „Da außerdem neue Erkenntnisse aus den Interviews auch neue Fragen mit sich bringen können, ist die Arbeit am Interviewleitfaden eigentlich nie abgeschlossen, sondern dauert bis zum letzten Interview an.“27 Das jeweilige Einholen von Informationen über den Gegenstand des Interviews ist wichtig, um spezifische Fragen an den jeweiligen Experten stellen zu können. Zugleich ist eine individuelle und intensive Vorbereitung auf das jeweilige Interview sehr ratsam, um dem Experten zu verdeutlichen, dass sich der Interviewer mit seiner Person und den angesprochenen Themen auseinandergesetzt hat. Aufgrund dieses Vorwissens können somit einige Zusatzfragen entfallen. Bei der Erstellung des Interviewleitfadens im Rahmen dieser Forschungsarbeit wurden die Experten in zwei Gruppen − Politik und Medien − eingeteilt. Dieser Vorgang ist darin begründet, da die Fragen im Interviewleitfaden, nach der jeweiligen Rolle des Akteurs im Hintergrundgespräch spezifiziert, folglich angepasst werden müssen. Der Gruppe „Politik“ wurden jene Experten zugeordnet, die im politischen Bereich arbeiten. Hierzu zählen Politiker, Staatssekretäre, Referenten, Pressesprecher und Politikberater, die in der Forschungsarbeit mit dem Oberbegriff politischer Akteur zusammengefasst werden. Zur Gruppe „Medien“ wird in dieser Forschungsarbeit lediglich die Berufs- 2.2. 23 Vgl. Gläser/Laudel, Experteninterviews, S. 150. 24 Vgl. Gläser/Laudel, Experteninterviews, S. 142. 25 Vgl. ebd. 26 Vgl. ebd. 27 Ebd., S. 150. 2. Forschungsdesign 6 gruppe der Journalisten gezählt. Insgesamt konnten im Rahmen der Untersuchung acht Interviews geführt werden: drei Experten wurden der Gruppe Politik zugeordnet und vier der Befragten waren Journalisten und sind folglich in der Gruppe Medien vertreten. Der Experte Michael H. Spreng, der zuvor als Journalist und später in der Politik eine Funktion innehatte, wurde bewusst keiner Gruppe zugeordnet. Ihm wurden die Fragen des Leitfadens in Teilen in der Rolle als politischer Akteur, aber auch als Journalist gestellt, da er auf beiden Seiten Hintergrundgespräche führte. Das Interview mit Michael H. Spreng wurde nicht anonym geführt, so dass sein Name in diesem Zusammenhang genannt werden darf. In den Fußnoten seiner Interviewaussagen ist sein Name angegeben. Aufgrund der nicht konkret machbaren Expertenzuteilung Sprengs (politischer Berater / Journalist), zeigen sich einmal mehr die Vorzüge der in Teilen freien Verwendung des Interviewleitfadens. Ebenfalls nicht anonymisiert wurden die Interviewaussagen von dem ehemaligen Zeit-Journalisten Gunter Hofmann [Achtung: In der Forschungsarbeit bitte nicht Gunter Hofmann mit dem Wissenschaftler Jochen Hoffmann verwechseln]. Der Grund, warum nicht alle Experteninterviews einheitlich anonymisiert wurden, liegt darin, dass die zwei genannten Experten sehr persönliche Beispiele schildern und einwilligten, ihre Aussagen unter ihrem Namen nennen zu dürfen. Eine Anonymisierung hätte den qualitativ-deskriptiven Gehalt ihrer Aussagen erheblich gemindert. Warum die anderen Interviews anonymisiert wurden, ist der Tatsache geschuldet, dass einige Akteure nicht unter ihrem Namen zitiert werden wollten. Da Herleitungen aufgrund der Verknüpfung der jeweiligen Aussagen der Akteure möglich sind, wurde auf die Zuteilungsangabe wie Politiker 1 bzw. Journalist 1, wie Hoffmann und Lesmeister ihr Quellenmanagement handhabten, verzichtet. Letztlich hat der Verfasser dieser Forschungsarbeit zum Teil selbst Hintergrundgespräche (unter zwei) geführt. Eigentlich war die Devise, dies zu vermeiden, doch während der Interviews mit einigen Akteuren stellte sich heraus – wie vermutet −, dass bei keiner Anonymisierung weniger gehaltvolle Inhalte erfahrbar gewesen wären. Dementsprechend wurde dem Gebrauch der Anonymisierung eingewilligt. Hinweis: In den Fußnoten steht die Abkürzung ExI. für Experteninterview, danach folgt die Nennung der Gruppe Politischer Akteur bzw. Journalist. 2.2. Erhebungsinstrument 7 Expertenauswahl Die Herausforderung, noch im Beruf stehende Experten für ein Interview zu gewinnen, bestand gleich in mehreren Punkten: – In Hintergrundgesprächen werden vertrauliche Inhalte zwischen Politikern und Journalisten besprochen. Je weniger man als Journalist über Hintergrundgespräche spricht, desto geringer ist die Gefahr, etwas zu verraten. – Selbst wenn der jeweilige Journalist keine vertraulichen Inhalte preisgibt, so bringt der Charakter des Hintergrundgesprächs für manche eine so hohe Vertraulichkeit mit sich, dass einige Experten lieber mit keiner externen Person darüber sprechen wollen. – Zugleich lässt sich eher ungern ein Experte, der sich im politischen Wettbewerb befindet, in die Karten blicken, indem er etwa sein strategisches Vorgehen erklärt. – Kennen sich der Interviewer und der jeweilige Experte nicht, so ist die Haltung und Intention, in welche Richtung die wissenschaftliche Arbeit gehen soll, für den potenziellen Befragten schwer kalkulierbar, auch wenn darüber vorab gesprochen wurde. – Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt ist die Zeit: Gerade jene Experten, die noch im Beruf stehen, sind sehr beschäftigt und haben meist einen vollen Terminkalender. Insgesamt wurden 15 Experten angefragt. Es stellte sich schnell heraus, dass Experten, die noch berufstätig sind, für ein Interview weniger breit waren. Auf manche Anfragen gab es keine Antwort, was ebenfalls als Absage gewertet wurde. Ein Journalist erklärte sich als Experte für ein Interview als nicht geeignet. Einfacher war es hingegen, Experten für ein Interview zu gewinnen, die eine gewisse Distanz zum politischmedialen Tagesgeschäft haben. So waren sechs der insgesamt acht befragten Experten bereits nicht mehr berufstätig, als die Interviews mit ihnen geführt wurden. Da jene Befragten bereits aus ihrem Beruf ausgeschieden waren, konnten sie in den Interviews viel freier auf die Fragen antworten. Zugleich zeigte sich, dass sie durch die Distanz zum politisch-medialen Tagesgeschäft die Zusammenhänge sehr reflektierten. Die große Mehrheit der befragten Akteure war bis 2010 beruflich in der Politik bzw. in den Medien tätig. 2.3. 2. Forschungsdesign 8 Das entscheidende Kriterium für die Rekrutierung von Experten wurde bei allen Interviews erfüllt: Die Befragten hatten bzw. haben eine aktive Verantwortung in Bezug auf den Forschungsgegenstand und verfügen über ein Sonderwissen an Informationen, da sie aufgrund ihrer bedeutenden Stellung einen privilegierten Zugang besaßen bzw. noch besitzen.28 Durchschnittlich konnte mit jedem Experten rund 67 Minuten gesprochen werden (Anm.: Gesamtmaterial ca. neun Stunden). Das kürzeste Gespräch dauerte 14 Minuten, das längste 97 Minuten. Allgemein kann gesagt werden, dass die Befragten sich sehr viel Zeit für die Interviews nahmen, welche überwiegend in Cafés rund um das Berliner Regierungsviertel geführt wurden. Ein Interview fand bei einem Experten zu Hause statt, ein anderes per Telefon, welches auch das kürzeste war. Trotz der überschaubaren Zeit des Telefoninterviews konnten an den Experten die wichtigsten Fragen des Leitfadens gestellt werden. Bei den restlichen sieben Interviews konnten, neben den Fragen des Leitfadens, Nachfragen sowie weitere Fragen gestellt werden, die sich an den festgelegten Kategorien orientierten. Alle Interviews wurden per digitalem Diktiergerät aufgenommen. Die Atmosphäre während der Interviews war sehr offen und vertrauensvoll. Dies war unter anderem der Tatsache zu verdanken, dass sich einige Treffen mittels Kontakten arrangieren ließen. Das gewonnene Interviewmaterial wurde vom Verfasser dieser Arbeit eigenständig transkribiert. Da aufgrund der Interviewinhalte Rückschlüsse auf die anonym befragten Experten möglich sind, finden sich die Interviews nicht im Anhang dieser Arbeit. Inhaltliche Auswertung Zur Auswertung der geführten Experteninterviews dient in dieser Forschungsarbeit die qualitative Inhaltsanalyse. „Die qualitative Inhaltsanalyse ist das einzige Verfahren der qualitativen Textanalyse, das sich frühzeitig und konsequent vom Ursprungstext trennt und versucht, die 2.4. 28 Vgl. Meuser/Nagel, Experteninterview, S. 468. 2.4. Inhaltliche Auswertung 9 Informationsfülle systematisch zu reduzieren sowie entsprechend dem Untersuchungsziel zu strukturieren.“29 In ihrem Ursprung ist die Inhaltsanalyse eine quantifizierende Methode zur Analyse von Texten. Sie wurde zur qualitativen Inhaltsanalyse weiterentwickelt, da die quantitative Methode komplexe Inhalte lediglich auf Häufigkeiten reduziert. Prinzipien des Verstehens als Basishandlung sozialwissenschaftlichen Forschens werden hierbei überwiegend ausgeschlossen.30 „Die qualitative Inhaltsanalyse kann für sich beanspruchen, ein regelgeleitetes und systematisches Verfahren zu sein.“31 Die Interviewtranskriptionen, in der Forschungsliteratur allgemein als „Text“ bezeichnet, werden als das Material der qualitativen Inhaltsanalyse behandelt. Nach Philipp Mayring ist das Material der qualitativen Inhaltsanalyse immer in seinem Kommunikationszusammenhang zu interpretieren, was die quantitativen Analyseverfahren oft vernachlässigen.32 Das Transkriptionsmaterial enthält Rohdaten, die extrahiert und ausgewertet werden.33 Bevor es überhaupt zur Extraktion der Daten kommt, muss zuerst ein Kategoriensystem entworfen werden. „Das Kategoriensystem stellt das zentrale Instrument der Analyse dar[, es] ermöglicht das Nachvollziehen der Analyse für andere […].“34 Zugleich erleichtert das System die Entnahme der benötigten Informationen (Extraktion) aus dem Text und ermöglicht somit bei der Analyse, besondere Teilaspekte besser zu berücksichtigen. Das Kategoriensystem ist in dieser Forschungsarbeit offen. Diese Variante wird von Grit Laudel und Jochen Gläser empfohlen, die sich gegen die geschlossene Variante von Mayring aussprechen. Die Begründung in der Wahl für ein offenes Kategoriensystem liegt darin, dass das System sogar während der Extraktion verändert werden kann. Neue Kategorien können aufgrund von neu gewonnenen Erkenntnissen aus den Texten mit in 29 Laudel/Gläser, Experteninterviews, S. 200. 30 VGL. Gläser/Laudel, Experteninterviews, S. 197f. →Hinweis: VGL in Großbuchstaben bezieht sich auf den gesamten Absatz. 31 Gläser/Laudel, Experteninterviews, S. 204. 32 Vgl. Mayring, Philipp, Qualitative Inhaltsanalyse, Grundlagen und Techniken, Weinheim 2010, S. 48. 33 Vgl. Gläser/Laudel, S. 199. 34 Mayring, Inhaltsanalyse, S. 49. 2. Forschungsdesign 10 das System aufgenommen werden, zugleich kann die Dimension existierender Kategorien verändert werden.35 Der Gewinn dieser offenen Variante ist, dass ein Probedurchlauf für einen größeren Teil des Materials nicht mehr notwendig ist.36 „Dadurch, dass keine Kategorien entfernt werden, wird sichergestellt, dass die theoretischen Vorüberlegungen nicht aus der Auswertung verschwinden.“37 Die theoretischen Vorüberlegungen bilden die Grundlage für die Erstellung des Kategoriensystems, womit die Extraktion angeleitet wird.38 „Bereits vor Beginn der empirischen Erhebung wurden theoretische Vorüberlegungen angestellt und zu einem hypothetischen Modell mit Variablen bzw. Einflussfaktoren sowie Kausalmechanismen zusammengefasst, das die Forschungsfrage repräsentiert.“39 Folgende Kategorien sind auf Grundlage der theoretischen Vor- überlegungen in Bezug auf die zu klärende Forschungsfrage nach der Relevanz des Hintergrundgesprächs im Mediensystem des digitalen Zeitalters entstanden: – Funktion des Hintergrundgesprächs – Regeln des Hintergrundgesprächs – Umgang/Verhalten – Methoden & Strategien während und nach dem Hintergrundgespräch – Hintergrundkreise – Größe der Teilnehmerzahl – Vorbereitung – Atmosphäre – Ort des Treffens – Ambiente – Speisen/Getränke – Nähe-Distanz-Problem – Grenzen & Überschreitungen – Zukunft des Hintergrundgesprächs 35 Vgl. Gläser/Laudel, Experteninterviews, S. 201. 36 Vgl. Gläser/Laudel, Experteninterviews, S. 201. 37 Ebd., S. 205. 38 Vgl. ebd., S. 201. 39 Ebd., S. 206. 2.4. Inhaltliche Auswertung 11 – Voranschreitende Digitalisierung durch das Internet – Kanzler und deren Verwendung des Instruments Hintergrundgespräch – Unterschied Bonn–Berlin Mit Hilfe der genannten Kategorien können alle Texte extrahiert werden. Da die Kategorien einer individuellen Auswahl, nämlich der des Wissenschaftlers, unterliegen, muss bei dem Verfahren der qualitativen Inhaltsanalyse darauf hingewiesen werden, dass – „die Zuordnung einer Kategorie und die verbale Beschreibung des Informationsinhalts auf Interpretationen des Textes beruhen“40 und – folglich die Extraktion nicht unabhängig von dieser individuellen Prägung ist.41 Die Extraktion liegt wiederum auch einer individuellen Interpretation zugrunde. So kann ein Wissenschaftler eine Textstelle einer Kategorie zuordnen, ein anderer kann wiederum der Auffassung sein, dass jene Textstelle nicht in die jeweilige Kategorie gehört. Bei der Auswertung des Materials und der daraus folgenden Interpretation können „neben den Interviews […] auch andere Textmaterialen (z.B. Dokumente des Feldes) in die Inhaltsanalyse einbezogen werden.“42 Diese Möglichkeit wird als zusätzliche Bereicherung für die Forschungsarbeit angesehen. Die gewonnenen Erkenntnisse aus den Experteninterviews können mit Beispielen und Theorien aus anderen Quellen verdeutlicht und zugleich diskutiert werden. Eine sinnvolle Strukturierung und Verweise sorgen dafür, dass der Leser den Überblick darüber behält, welche Aussagen und Erkenntnisse aus den Experteninterviews stammen. Hinweis: Das sich im Anhang befindende Schaubild (S. 162) verdeutlicht nochmal den Ablauf der qualitativen Inhaltsanalyse im Überblick. 40 Gläser/Laudel, Experteninterviews, S. 201. 41 Vgl. ebd. 42 Ebd., S. 210. 2. Forschungsdesign 12

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Hintergrundgespräche sind längst ein fester Bestandteil der politisch-medialen Arbeit. Der informelle Charakter ermöglicht Politikern und Journalisten unter Ausschluss der Öffentlichkeit sich gegenseitig Hintergrundinformationen mitzuteilen. Das Hintergrundgespräch unterliegt klaren Regeln, an die sich alle Teilnehmer halten müssen. Doch weil es im Verborgenen und nicht in der Öffentlichkeit stattfindet, steht es in der Kritik. Der Vorwurf: Politik und Medien stecken unter einer Decke.

Gerade in Zeiten der Vertrauenskrise in Politik und Medien, der damit einhergehenden Forderung der Öffentlichkeit nach mehr politischer Transparenz und Partizipation sowie der digitalen Beteiligungsmöglichkeiten des Internets, die es jedem einzelnen ermöglichen, eine weitreichende Debatte zu initiieren, stellt sich einmal mehr die Frage nach der Relevanz von Hintergrundgesprächen.

In diesem Buch werden die Strategien und Methoden der Akteure des Hintergrundgesprächs aufgezeigt, die Geschichte der Hintergrundkreise erzählt und wie die deutschen Kanzler das Instrument Hintergrundgespräch nutzten. Abschließend wird beschrieben, welche Zäsur Angela Merkel in der Anwendung als Bundeskanzlerin darstellt. Zugleich wird der Bedeutung im Mediensystem des digitalen Zeitalters nachgegangen.