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Jonas Jacholke

Zwischen Notwendigkeit und Unmöglichkeit, page 1 - 10

Analyse der Strategiebildung deutscher Außen- und Sicherheitspolitik im Umgang mit Kontingenz

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4379-0, ISBN online: 978-3-8288-7361-2, https://doi.org/10.5771/9783828873612-1

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Politikwissenschaften, vol. 85

Tectum, Baden-Baden
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Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag Reihe Politikwissenschaft Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag Reihe Politikwissenschaft Band 85 Jonas Jacholke Zwischen Notwendigkeit und Unmöglichkeit Analyse der Strategiebildung deutscher Außen- und Sicherheitspolitik im Umgang mit Kontingenz Tectum Verlag Jonas Jacholke Zwischen Notwendigkeit und Unmöglichkeit. Analyse der Strategiebildung deutscher Außen- und Sicherheitspolitik im Umgang mit Kontingenz © Tectum – ein Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2019 E-Book: 978-3-8288-7361-2 (Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Werk unter der ISBN 978-3-8288-4379-0 im Tectum Verlag erschienen.) Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag, Reihe: Politikwissenschaft; Bd. 85 ISSN 1861-7840 Alle Rechte vorbehalten Informationen zum Verlagsprogramm finden Sie unter www.tectum-verlag.de Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar. Bibliographic information published by the Deutsche Nationalbibliothek The Deutsche Nationalbibliothek lists this publication in the Deutsche Nationalbibliografie; detailed bibliographic data are available online at http://dnb.ddb.de. „Wenn die Existenz entweder vollständig notwendig oder vollständig kontingent wäre, gäbe es weder Komödie noch Tragödie im Leben, noch das Bedürfnis des Willens zu leben.“ (Dewey 1998 [1929]: 244) „Aus den Trümmern zweier Weltkriege und dem Zivilisationsbruch der Shoah erwachsen, hat sich die Bundesrepublik Deutschland in den Dienst des Friedens gestellt.“ (Leitlinien 2017: 44) „Voraussetzung für unser wirksames und frühes Engagement ist Krisenfrüherkennung. Diese muss nationale und internationale, staatliche und nichtstaatliche Expertise zu einem aussagekräftigen Gesamtbild zusammenführen.“ (Weißbuch 2016: 50) „Unsere sicherheitspolitischen Mittel und Instrumente sind umfangreich und vielfältig. Dennoch sind sie begrenzt.“ (Weißbuch 2016: 57) ZWISCHEN NOTWENDIGKEIT UND UNMÖGLICHKEIT 7 Inhalt VORWORT VON GUNTHER HELLMANN ...................................................................................... 9 1 EINLEITUNG ............................................................................................................................. 11 1.1 Hinführung: Mängel im Anti-ISIS-Mandat als Ausdruck eines Dilemmas außenpolitischer Entscheidungsfindung? ................................................................................ 11 1.2 Problemstellung: Kontingenz als Herausforderung für die Strategiebildung ...................... 15 1.3 Forschungsfrage und Aufbau der Studie ................................................................................... 24 2 GEGENWÄRTIGE STRATEGISCHE GRUNDLAGENDOKUMENTE IM KONTEXT VON KONTINGENZ ........................................................................................................................... 26 2.1 Strategische Grundlagendokumente als Ort der Orientierung .............................................. 26 2.2 Das Weißbuch der Bundesregierung zur Sicherheits- und Verteidigungspolitik ................. 27 2.3 Die Leitlinien der Bundesregierung als außenpolitisches Grundlagendokument .............. 29 3 ANALYSERAHMEN ................................................................................................................. 32 3.1 Methodologische Besonderheiten bei kontingenzsensibler Forschung ............................... 32 3.2 Forschungsleitende Grundannahmen des Pragmatismus ..................................................... 36 3.3 Forschungsstil Grounded Theory ................................................................................................ 41 3.3.1 Theorieverständnis ............................................................................................................ 41 3.3.2 Leitprinzipien beim praktischen Vorgehen .................................................................... 45 3.3.3 Theoretisches Sampling und Heuristiken des Vergleichs ........................................... 46 3.3.4 Kodierprozess ..................................................................................................................... 48 3.3.5 Umgang mit (kontingenztheoretischem) Vorwissen .................................................... 52 3.3.6 Ergebnisdarstellung: Die jüngste Erzählung deutscher Außen- und Sicherheitspolitik als Rahmen- und Binnenerzählung ................................................ 53 4 RAHMENERZÄHLUNG ,VERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN‘ ZWISCHEN WIEDERGUTMACHUNG UND BEAUFTRAGUNG .................................................................. 56 4.1 Narrativ um Verantwortung übernehmen als Reaktion auf Bedingungen erhöhter Kontingenz .................................................................................................................................... 56 4.2 Begriffsannäherung Verantwortung übernehmen ................................................................... 58 4.3 Verantwortung als Wiedergutmachung ..................................................................................... 60 4.3.1 Leitlinien 2017: Wiedergutmachung als spezifisch deutsche Kontingenzerfahrung ........................................................................................................ 61 4.3.2 Weißbuch 2016: Eine weniger wiedergutmachende Semantik ................................ 65 4.4 Verantwortungsbeauftragung ..................................................................................................... 67 4.4.1 Verantwortungsbeauftragung aufgrund von Krisen ..................................................... 68 4.4.2 Führungsbeauftragung (europäischer) Partnerstaaten ............................................... 74 4.5 Zusammenfassende Darstellung der Rahmenerzählung Verantwortung übernehmen .... 80 ZWISCHEN NOTWENDIGKEIT UND UNMÖGLICHKEIT 8 5 BINNENERZÄHLUNG ‚FRÜH(ER), ENTSCHIEDEN(ER), SUBSTANZIELL(ER)’ ZWISCHEN SICHERHEITSVORSORGE UND RESILIENZ, KREATIVITÄT SOWIE DIALOG . 81 5.1 Semantik um früh(er), entschieden(er), substanziell(er) als konkrete Handlungs- und Gestaltungsanweisungen gegenüber Bedingungen erhöhter Kontingenz .......................... 81 5.2 Begriffsannäherung früh(er), entschieden(er), substanziell(er) ............................................. 85 5.3 Sowohl Sicherheitsvorsorge als notwendiges, aber unmögliches Sicherheitsversprechen einerseits, ... ....................................................................................... 87 5.3.1 Begriffsannäherung Sicherheitsvorsorge ...................................................................... 88 5.3.2 Sicherheitsvorsorge als Sicherheitsversprechen .......................................................... 92 5.3.2.1 Sicherheitsvorsorge als gesamtstaatliche Aufgabe ....................................... 92 5.3.2.2 Semantik um Mess- und Analyseinstrumente der Krisenfrüherkennung .. 93 5.3.2.3 Semantik um Expertenwissen .......................................................................... 95 5.4 ... als auch Resilienz, Kreativität und Dialog als gelebtes Kontingenzbewusstsein andererseits. ................................................................................................................................. 99 5.4.1 Resilienz, Kreativität und Dialog und die Grenzen des Sicherheitsversprechens ... 99 5.4.1.1 Resilienzaufbau als gesamtgesellschaftliche Aufgabe ................................. 99 5.4.1.2 Grenzen rationaler Analyse- und Messinstrumente sowie Semantiken um Kreativität ............................................................................................... 106 5.4.1.3 Grenzen von Expertenwissen und Semantiken um Dialogräume ............. 110 6 RESÜMEE UND PRAKTISCHE MEHRWERTE .................................................................... 116 6.1 ‘In a Nutshell’: Kontingenz und Strategiebildung deutscher Außen- und Sicherheitspolitik auf den Punkt gebracht ............................................................................ 116 6.2 Zentrale Konzepte der Rahmen- und Binnenerzählung ........................................................ 116 6.3 Praktische Mehrwerte ................................................................................................................ 119 7 FORSCHUNGSPRAKTISCHE REFLEXION .......................................................................... 122 8 VERZEICHNISSE ................................................................................................................... 125 8.1 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis ....................................................................................... 125 8.2 Quellenverzeichnis ...................................................................................................................... 126 ZWISCHEN NOTWENDIGKEIT UND UNMÖGLICHKEIT 9 Vorwort von Gunther Hellmann In der vorliegenden Studie geht Jonas Jacholke der Frage nach, wie das nicht einfach zu (be)greifende Problem der Kontingenz im Feld der Außen- und Sicherheitspolitik begrifflich gefasst werden kann. Die Studie fällt dabei in eine Zeit grundlegender gesellschaftlicher Umbruchsprozesse. Dies gilt zumindest hinsichtlich der Veränderungen im sicherheitspolitischen Selbstverständnis der Deutschen. Besonders ersichtlich wurde dies in der jüngsten Vergangenheit an den abgestimmten Reden des früheren Bundespräsidenten Gauck sowie der damaligen Minister Steinmeier und von der Leyen bei der Münchner Sicherheitskonferenz 2014. Bemerkenswert sind diese drei Reden auch im Abstand von mehr als fünf Jahren noch immer, weil sich Einschnitte (wenn auch vielleicht nicht „Zäsuren“) im außen- und sicherheitspolitischen Selbstverständnis selten so eindeutig datieren lassen. Für Bundeskanzlerin Merkel musste (Ende 2016) erst noch ein neuer US-amerikanischer Präsident vom Kaliber Trump hinzukommen, damit auch für sie die „Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten“ zu Ende gingen und es nunmehr dringlich schien, dass „wir Europäer (…) unser Schicksal wirklich in die eigene Hand nehmen.“ Angesichts solcher Veränderungen ist umso erfreulicher, dass sich die vorliegende Studie die Rahmenbedingungen und Zielsetzungen dieser Um- und Neuorientierung deutscher Außen- und Sicherheitspolitik zum Gegenstand gemacht hat. Dabei wirft der Autor für eine ursprünglich als Abschlussarbeit eines „Master“-Studiums vorgesehene Studie eine recht untypische „große“ Frage auf, die als wissenschaftliche Arbeit hinsichtlich der Offenheit gegenüber möglichen Antworten jenes Überraschungspotenzial enthält, die man in Zeiten grundlegender Ver- änderungen erwarten sollte. Denn im Kontrast zu den geradezu gebetsmühlenhaft irgendeine „IB-Theorie“ „anwendende“ oder „testende“ üblichen Qualifikationsarbeiten in den „Internationalen Beziehungen“, die kaum mehr als die üblichen erwartbaren Ergebnisse produzieren können, werden hier Theorie und Methode im Sinne der „Grounded Theory“ (GT) als integraler Bestandteil einer Vorgehensweise begriffen, die das abstrahierende Reflektionsvermogen so mit dem Gegenstand verknüpft, dass in einem strukturierten Vorgehen eine angemessene, neue Erkenntnishorizonte eröffnende Problembearbeitung überhaupt erst möglich wird. In dieser Hinsicht erweist sich die Arbeit als hochgradig innovativ, da sie nicht nur eine anspruchsvolle theoretische Literatur aus der einschlägigen Fachdiskussion in ihrer Differenziertheit zusammenfassend darzustellen vermag, sondern auch im Sinne eines rekonstruktiven Theorieverstandnisses einen eigenständigen Beitrag zur Bildung von Theorie leistet, indem aus einem sorgfältig ausgewählten Material (hier dem sogenannten „Weißbuch 2016“ der Bundeswehr) und vor dem Hintergrund einer konkreten und ergebnisoffenen Problemstellung ein praxisnah fundiertes, aufgrund der außenstehenden Beobachterperspektive des Autors aber zwangsläufig „theoretisches“ Modell zur Bedeutung von Kontingenz ZWISCHEN NOTWENDIGKEIT UND UNMÖGLICHKEIT 10 in der deutschen Sicherheitspolitik entworfen und zu einer gegenstandsspezifischen Theorie verdichtet wird. Angesichts der stringent strukturierten, höchst eigenständig entwickelten, begrifflichen klaren und detailliert belegten Entfaltung der Argumentation ergibt sich das Ergebnis der Untersuchung fast schon zwingend. Mehr Forschungsarbeiten von dieser Art wären nicht nur eine Bereicherung für eine zusehends ärmer werdenden „Theorie“-Diskussion im Fach der Internationalen Beziehungen, sondern auch eine willkommene Bereicherung der „Praxis“, die Forschungsarbeiten diesen Typs weit mehr zur Kenntnis nimmt, als es manche/r IB-Theoretiker/in wohl vermutet. Frankfurt am Main, im Juli 2019 Gunther Hellmann

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Zusammenfassung

Echte Krisen und Konflikte zeichnen sich dadurch aus, dass sie in der Regel nicht vorhersehbar sind. Vice versa bedeutet dies eine Aufwertung des Unbekannten und Andersartigen. Die vorliegende Studie geht der Frage nach, wie sich der Umgang mit Kontingenz in den gegenwärtigen strategischen Grundlagendokumenten deutscher Außen- und Sicherheitspolitik gestaltet. Kontingenz, verstanden als „etwas, was weder notwendig noch unmöglich ist“ (Luhmann 1975), wird dabei als eine zunehmend größer werdende Herausforderung für die Entscheidungs- und Gestaltungsmöglichkeiten identifiziert, die bei der Strategiebildung berücksichtigt werden muss.

Der von Jonas Jacholke vorgeschlagene Ansatz, mit den entscheidungserschwerenden Negativa umzugehen, ist, dass sich die Politik ein Stück weit auf die kontingente Andersartigkeit einlässt, ein Bewusstsein für sie entwickelt und so einen spielerischeren, kreativeren und konfrontativeren Umgang mit ihr sucht.