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Zubair Ahmad

Politische Theorie, Religion und postkoloniale Kritik, page I - X

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4374-5, ISBN online: 978-3-8288-7356-8, https://doi.org/10.5771/9783828873568-I

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Zubair Ahmad Politische Theorie, Religion und postkoloniale Kritik Zubair Ahmad Politische Theorie, Religion und postkoloniale Kritik Mit einem Vorwort von Nikita Dhawan Tectum Verlag Zubair Ahmad Politische Theorie, Religion und postkoloniale Kritik © Tectum – ein Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2019 eBook: 978-3-8288-7356-8 (Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Werk unter der ISBN 978-3-8288-4374-5 im Tectum Verlag ersschienen.) Alle Rechte vorbehalten Besuchen Sie uns im Internet www.tectum-verlag.de Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. V Danksagung Jedes noch so bescheidene Büchlein hat seine eigene Geschichte, so auch dieses. Ursprünglich als Magisterarbeit an der Goethe- Universität Frankfurt am Main angenommen, liegt es hier in überarbeiteter Fassung vor. An dieser Stelle sei ganz herzlich all jenen gedankt, die mich mit ihrem Wissen wie auch ihrer Zeit und Weitsicht unterstützt haben. Mein größter Dank gilt Prof. Dr. Nikita Dhawan für ihre achtsame und kontinuierliche Aufmerksamkeit und Unterstützung, auch in zeitlichen Engpässen. Ohne ihre umsichtige Arbeit, ebenfalls in ihrer Rolle als damalige Direktorin des Frankfurter Research Centers for Postcolonial Studies, wäre die Frage nach einem Blick jenseits des Eurozentrismus wohl kaum an meinem eigenen Horizont erschienen. Prof. Dr. Rainer Forst möchte ich in seiner Rolle als Zweitbetreuer ebenfalls danken, besonders aber auch dafür, dass er während dem Studium die politische Theorie als ein so dermaßen spannendes Unterfangen vorgestellt hat, dass ich nicht mehr davon loskam. Ohne seine politiktheoretischen Seminare zu Themen der Gerechtigkeit, Toleranz, Religion und des Multikulturalismus hätte sich das hier behandelte Problemfeld gar nicht erst aufgetan. Für Austausch und zahlreiche Anregungen möchte ich an dieser Stelle Meriç Ahmad und Constantin Wagner danken, denen keine Stunde zu spät und kein Gespräch zu lang war und die meine Fragen und Bedenken stets mit offenen Armen empfangen haben. Beiden sei ebenfalls für das sorgfältige Lesen und Kommentieren der ersten Fassung gedankt. Meric´e, eksilmeyen destek ve yüreklendirmeleri icin sevgi dolu tesekkürlerimle. Ein ganz besonderer Dank gilt ebenso meinen Eltern Umtul Naseer und Saeed Ahmad wie auch meinen beiden Schwestern Hina und Iqra, deren Fürsorge und Liebe mir die nötige Kraft VI gegeben hat, um das Unterfangen des sozialen Aufstiegs überhaupt zu wagen. Gewidmet ist diese Arbeit Ayaan Kerem Ahmad, dessen Geburt und ersten Lebensmonate mit dem Verfassen dieser Arbeit zusammenfielen – in der Hoffnung, dass er es eines Tages als eine wertvoll verbrachte Zeit sehen wird. Merí ján! Frankfurt/Main im Oktober 2019 Zubair Ahmad VII Vorwort Postkolonial-kritische Arbeiten innerhalb der politischen Theorie haben in den letzten Jahren zugenommen. Zu eben solchen Auseinandersetzungen lässt sich auch die vorliegende Studie zählen, in der Zubair Ahmad eindrucksvoll ein aktuelles und zugleich komplexes Thema kritisch bearbeitet. Ausgangspunkt bildet die Wiederkehr der Religion und die sich hieraus ergebenden Fragestellungen für die politische Theorie. Während die politische Theorie diese Wiederkehr vornehmlich über das liberale Paradigma des Säkularismus diskutiert, schlägt Zubair Ahmads Arbeit einen anderen Weg ein. In Anlehnung an einen Blick jenseits des Eurozentrismus werden liberal- und säkularisierungstheoretische Prämissen herausgefordert und gleichzeitig zentrale Bestandteile der Postkolonialen Studien konstruktiv für die politische Theorie aufbereitet. In Konsequenz reflektiert die Arbeit einerseits die Genese und Differenzierung der Kategorien Religion und Säkularismus und verdeutlicht hierbei gleichzeitig ihre ideologische Formation, Einbettung und Funktion im Kontext der kolonialen Expansion und Praxis. Der politische Säkularismus ist im Anschluss an diese Arbeit nicht so sehr als Bedingung der friedlichen Koexistenz unterschiedlicher Religionsgemeinschaften zu verstehen, sondern als zentrales Instrument der Macht- bzw. Herrschaftsetablierung und -stabilisierung der westlichen Hegemonie im Rahmen des europäischen Kolonialismus. Politische Theorie, Religion und postkoloniale Kritik besticht durch eine historische wie auch theoretische Herangehensweise, die die Naturalisierung von religiös/säkular (und ihrer Trennung) als ein zentrales Moment westlicher Identitäts- und Hegemoniebildung darstellt, das in einer kolonialen Vergangenheit wurzelt. Das Ziel ist somit eine postkolonial-kritische Verkomplizierung und Dekonstruktion des liberalen Paradigmas der Säkularisierung wie auch eine Neubetrachtung des modernen Religionsbegriffs im Rahmen der politischen Theorie. Gießen im Oktober 2019 Nikita Dhawan VIII IX Inhalt Einleitung ................................................................................................ 1 1. Die Frage der Religion innerhalb der politischen Theorie eine liberal- und säkularisierungstheoretische Perspektive .................................................................................... 9 1.1 Säkular, Säkularisierung und Säkularismus – begriffsgeschichtliche und konzeptionelle Vorbemerkungen ................................................................................. 9 1.2 Der Säkularismus in seiner liberalen Konnotation – eine formative Erzählung ......................................................................... 14 1.2.1 Über das Verständnis und Verhältnis von Staat und Religion bei Thomas Hobbes und John Locke ............ 17 1.2.2 Konstitution säkularer Öffentlichkeit und der Ort der Religion ................................................................................... 24 1.3 Das liberale Säkularismusverständnis im gegenwärtigen Kontext .................................................................................................. 27 1.3.1 Der säkulare Staat und die Religion ............................... 27 1.3.2 Rolle und Funktion der Religion im Rahmen der politischen Öffentlichkeit .................................................. 31 1.4 Zwischenfazit .......................................................................................... 38 2. Konturen postkolonialer Kritik .............................................. 40 2.1 Jenseits des Eurozentrismus oder die Einbeziehung des europäischen Kolonialismus in das Narrativ der Moderne .. 42 2.2 Diskurs bei Michel Foucault und das Zusammenspiel von Wissen und Macht ............................................................................. 47 2.3 Von Anderen, Ver-Anderungen und dem Selbst ..................... 51 2.4 Edward Saids Konzept des Orientalismus oder Orientalizing the Orient ............................................................................................... 55 X 3. Postkoloniale Neubetrachtungen: Säkularismus, Religion und Kolonialismus ...................................................................... 62 3.1 Universal und separat oder die europäische Konzeptionalisierung von moderner Religion ......................... 66 3.2 Weder universal noch separat: Zur Verwobenheit von religiös-säkularen Konfigurationen .............................................. 71 3.2.1 Vom transhistorischen zum kontextgebundenen Religionsverständnis ........................................................... 71 3.2.2 Die Genese moderner Religion und ihr siamesischer Zwilling .................................................................................... 75 3.3 Zur Logik des europäischen Kolonialismus: Repräsentation, Zivilisierungsmission, Verdinglichung ....................................... 79 3.4 Religion und Säkularismus in der Kolonie ................................ 87 Schlussbemerkung & Ausblick: Über die anhaltende Relevanz imperial-kolonialer Formationen (auch für die Politische Theorie) ...................................................................................... 100 Literaturverzeichnis ......................................................................... 103

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Zusammenfassung

Die Wiederkehr der Götter in die Arena nationalstaatlicher und internationaler Politik hat Religion nicht nur zu einem gesellschaftspolitisch relevanten und weltpolitisch brisanten, sondern auch zu einem politikwissenschaftlich wichtigen Untersuchungsgegenstand werden lassen. Doch wie hat die Disziplin der Politischen Theorie auf solch eine „Revitalisierung“ (Jürgen Habermas) der Religion reagiert und mit welchen politiktheoretischen Konsequenzen?

Auch wenn politiktheoretische Antworten auf die Religionsfrage konzeptionell unterschiedlich ausfallen, haben diese Auseinandersetzungen auf der Basis eines rein europäischen Erfahrungsraums stattgefunden. Konsequenterweise ist der Blick jenseits des Eurozentrismus ausgeblieben. Unter Verwendung postkolonialer Wissensproduktion werden kolonialhistorische und kolonialpolitische Erfahrungsräume eröffnet, um hierdurch liberaltheoretische Erkenntnisse hinsichtlich Säkularismus, Religion und dem Verhältnis von Religion und Politik zu verkomplizieren.