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Pao Nowodworski

"Gestanden!" Aneignungsprozesse durch Körperwissen beim Skateboarding, page I - VIII

Eine lebensweltanalytische Ethnographie

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4369-1, ISBN online: 978-3-8288-7349-0, https://doi.org/10.5771/9783828873490-I

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Pao Nowodworski „Gestanden!“ Aneignungsprozesse durch Körperwissen beim Skateboarding Pao Nowodworski „Gestanden!“ Aneignungsprozesse durch Körperwissen beim Skateboarding Eine lebensweltanalytische Ethnographie Tectum Verlag Pao Nowodworski „Gestanden!“ Aneignungsprozesse durch Körperwissen beim Skateboarding. Eine lebensweltanalytische Ethnographie © Tectum – ein Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2019 ePDF: 978-3-8288-7349-0 (Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Werk unter der ISBN 978-3-8288-4369-1 im Tectum Verlag erschienen.) Umschlagabbildung: 360 Flip, Lasse Schulte © Pao Nowodworski, Olaf Nowodworski, Lasse Schulte, 2019 Alle Rechte vorbehalten Besuchen Sie uns im Internet www.tectum-verlag.de Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Inhaltsverzeichnis Einleitung ......................................................................................................................... 1 1. „Zweite Moderne“, posttraditionale Vergemeinschaftung, Jugendszenen ....................................................................................................... 2 2. Wissenssoziologische Ausgangslage ................................................................ 5 2.1 Aneignung durch Körperwissen ..................................................................... 7 2.2 Zum Kompetenzerwerb .................................................................................... 9 3. Skateboarding -ein Szeneprofil ........................................................................ 10 3.1 Forschungsgebiete ............................................................................................. 10 3.2 Ursprünge und Trends ...................................................................................... 14 4. Lebensweltanalytisches Forschungsprogramm ............................................ 16 4.1. Methoden der lebensweltanalytischen Ethnographie .................................. 18 4.2. Feldzugang .......................................................................................................... 22 5. Analyse ................................................................................................................. 23 5.1 Der Heelflip als prototypischer Trick des Aneignungsprozesses durch Körperwissen – die Ausgangslage ....................................................... 24 5.2 „Üben, üben, üben“ – Akkumulation von Körperwissen .......................... 31 5.2.1 Die ersten Tage: Zwischen Unwohlsein und Erinnerung alten Körperwissens .................................................................................................... 33 5.2.2 „Es kommt immer auf deine Schultern an!“ – hinreichende Bedingungen der Körperhaltung ................................................................... 37 5.2.3 „Du musst es immer wieder versuchen“ – hinreichende Bedingungen des Wollens ............................................................................... 43 5.2.4 „Ich hol mal eben meine Schuhe, hier kann ich gar nicht fahren“ – hinreichende materielle Bedingungen .......................................... 55 5.2.5 „Jeder macht sein Ding, aber man skatet zusammen“ – über die Rolle der Gemeinschaft .............................................................................. 66 5.2.6 Sauber gelandet oder nur gestanden? – über das Können ......................... 75 5.2.7 „Jeder kann fahren wie er will, wobei?!“ – über das Dürfen ..................... 82 6. Zusammenfassung und Ausblick .................................................................... 88 7. Literaturverzeichnis ........................................................................................... 91 Abbildungsverzeichnis .................................................................................................. 99 Glossar ............................................................................................................................ 100 V Vorwort Seit mehreren Jahrzehnten interessiert sich die deutschsprachige Soziologie für das Phänomen der Szenen. Diese posttraditionalen Gesellungsgebilde werden von Ronald Hitzler und Arne Niederbacher als juvenil bezeichnet, weil zwar nicht alle Teilnehmenden der Lebensphase Jugend angehören, wohl aber in juveniler – nämlich in hedonistisch geprägter – Einstellung partizipieren. Menschen finden in Szenen Gleichgesinnte, mit denen sie sich gemeinsam in zeitlich extensiver und/oder finanziell intensiver Weise einem gemeinsamen ‚Thema‘ widmen. Zur Anfertigung von Szenesteckbriefen schlagen Hitzler/Niederbacher die Analyse von z.B. Events, Einstellungen, Lebensstilen, Ritualen, aber auch Medien und sozialen Strukturen vor. Für die Skate-Szene ist festzustellen, dass kaum ein Aspekt und kaum ein Trend unerforscht geblieben ist. Nationale und internationale wissenschaftliche wie auch populärwissenschaftliche Publikationen sind zahlreich vorhanden. Pao Nowodworski hat dennoch eine Forschungslücke gefunden, die er meines Erachtens – sofern ich als skatefremde Szenenforscherin dies beurteilen darf – auf soziologisch spannende Weise schließt. Um die Szene des Skateboardings zu verstehen und dies wiederum für Leserinnen und Leser plausibel darzulegen, führt er eine lebensweltanalytische Ethnographie durch und rekonstruiert Wirklichkeitskonstruktionen dieser kleinen sozialen Lebenswelt bezüglich Szenevokabular, Skatekörper und materialer Artefakte. Das Szenevokabular mag – wenn überhaupt, dann in seltenen Fällen – zwar semiotisch mit dem gesellschaftlichen Vokabular übereinstimmen, weicht jedoch semantisch erheblich von Letzterem ab. Soweit ist dies aus der Szenenforschung bereits bekannt. Pao Nowodworski erläutert an ausgewählten Beispielen wie auch in einem umfangreichen Glossar nicht nur die Semantik. Vielmehr zeigt er au- ßerdem auf, inwiefern Handlungsanleitungen und sogar Verweise auf (hierarchische) Teilhabepositionen im Skatevokabular enthalten sind. Dank aufschlussreicher Bildtafeln und textlicher Erläuterungen veranschaulicht er den sekundenschnellen Handlungsablauf bei einem Trick wie auch den spezifischen Blick in der anschließenden Bewertung dessen. Und so legt er dar, welche Wissensbestände angeeignet werden VI müssen, inwiefern diese relevant gemacht und wie diese beurteilt werden, um als kompetent im Skaten zu gelten. Den Skatekörper kann der Autor so akribisch beforschen, da seinem viermonatigen Forschungsaufenthalt bereits eine existenzielle Involviertheit in seiner persönlichen Lebensphase Jugend vorausgegangen ist. Für die Forschung legt er nun den Fokus auf sein subjektives Erleben bzgl. des Körperwissens, der Körperhaltung und der Empfindungen (von Freude bis Frust). Darüber hinaus wird auch dem Schmerzempfinden eine besondere Bedeutung beigemessen. Szenespezifische Freude konstituiert sich jedoch weniger über die bloße Absenz von Schmerz, sondern vielmehr über die Anerkennung von anderen (leiblich kopräsenten) Peers. In den Analysen wird immer wieder deutlich, dass es dem Forscher nicht um eine introspektive Lebens- und Leidensgeschichte in Verbindung mit dem Skaten geht. Stattdessen unterscheidet er geschickt zwischen dem Erleben eines typischen Skaters und einer systematisch analysierenden, theoriegenerierenden Distanzierung. Materialen Artefakten widmet sich Pao Nowodworski sozusagen durchgängig, da die Aneignungsprozesse im Skateboarding (als Szene) gleichsam die Aneignung des Skateboards (als Artefakt) beleuchten. Das Board dient als Instrument, um spektakuläre Tricks durchzuführen. Dieses als zentrales Artefakt der Szene zu erforschen, erscheint auch Szenefremden logisch. Weit weniger selbstverständlich, jedoch aus Szeneperspektive essentiell, ist die Artefaktanalyse von Schuhen. Bezüglich der ausgewählten Artefakte befasst er sich mit dem Selbstverständnis des Feldes und inwiefern diese in Handlungsweisen integriert, aber auch durch Verwendung modifiziert werden. Insbesondere die Spuren der (Ab-)Nutzung dienen als Signal der Szenezugehörigkeit, zur (An-)Erkennung sowie zur Dekodierung von Kompetenz. Minutiös beobachtet und plausibel dargelegt, zeichnet Pao Nowodworski – metaphorisch gesprochen – ein lebendiges Bild der Skate-Szene und den für die Zugehörigkeit erforderlichen Kompetenzerwerb. Letzterer ist freudvoll, frustreich und durchaus schmerzhaft. Dennoch finden Menschen hier offenbar nicht wenige Gleichgesinnte, die diesen langwierigen (und vielleicht auch permanenten) Prozess als ebenso hedonistisch deuten wie der Autor. Sein soziologisch scharfer Blick auf eine bisherige Lücke der Skate-Szene evoziert gera- VII dezu weitergehende Interessen für die Beforschung des Lebens in Szenen. Babette Kirchner VIII

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Zusammenfassung

„Am Ende musste schon selber machen und ausprobieren“, so ein Skater auf die Frage, wie ein bestimmter Trick funktioniere.

In einer bewegungsorientierten Szene, wie dem Skateboarding, sind die Beteiligten nicht an geregelte Trainingseinheiten, wie dies in „klassischen“ Sportarten typischerweise der Fall ist, gebunden. Nichtsdestoweniger vollziehen die Skaterinnen und Skater komplexe Bewegungsabläufe, die ein Höchstmaß an Körperbeherrschung abverlangen. In einer lebensweltanalytischen Ethnographie taucht der Autor in die Welt der Skaterinnen und Skater ein, um diese Aneignungsprozesse zu rekonstruieren. Durch beobachtendes Teilnehmen werden die skatespezifischen Bewegungsabläufe in ihren Sedimenten untersucht. Hierbei nimmt das nur schwer zu explizierende Körperwissen eine bedeutende Rolle ein, da Skateboarding eine bewegungs- und körperzentrierte Szene ist.