Einleitung in:

Pao Nowodworski

"Gestanden!" Aneignungsprozesse durch Körperwissen beim Skateboarding, page 1 - 1

Eine lebensweltanalytische Ethnographie

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4369-1, ISBN online: 978-3-8288-7349-0, https://doi.org/10.5771/9783828873490-1

Tectum, Baden-Baden
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Einleitung „Nur wer sich als Skater existenziell auf die Praktiken des Skateboardings einlässt, hat Aussicht, diese auch zu erlernen. Skateboarding ist schwierig, seine komplexen Bewegungsmanöver sind nur in langwierigen Übephasen zu erlernen. Dazu braucht es Ausdauer, Selbstüberwindung, Mut und eine gehörige Portion Frustrationstoleranz.“ (Peters 2016: S. 249) Beim Skateboarding, so wird aus diesem Zitat deutlich, handelt es sich um eine hochkomplexe und nur schwer zu erlernende Sportart, die viel Zeit und Mühe der praktizierenden Person einfordert – sofern Skaten auch tatsächlich erlernt werden will. Obwohl diese Sportart für Außenstehende womöglich als abschreckend, da risikoreich und gefährlich, eingeschätzt wird, genießt das Skateboarding eine stetig wachsende Beliebtheit. Aufgrund der relativ langen Tradition der Szene – und damit einem breit vorhandenen Wissensvorrat – und der fast unüberschaubaren Diversität in unterschiedlichen Stilen und Richtungen, ist momentan der wohl günstigste „Zeit[punkt] für die weltweite Skateboard-Gemeinde gekommen“ (Bock 2017: S. 37), um dieser beizutreten. In dieser Arbeit wird jedoch nicht nach den Beweggründen der wachsenden Beliebtheit des Skatens gefragt, sondern nach den Aneignungsprozessen innerhalb dieser Sportart. Da es charakteristisch für diese sportorientierte Szene ist, sich geregelten Trainingszeiten- und Orten zu entziehen (vgl. Hitzler/Pfadenhauer 2004: S. 55), scheint die Frage, auf welche Art und Weise überhaupt gelernt wird, von besonderem Interesse. Orientiert an der lebensweltanalytischen Ethnographie (Hitzler/Eisewicht 2016), sollen die Bedingungen, die zum Kompetenzerwerb (Pfadenhauer 2008) in dieser Szene eine Rolle spielen, untersucht werden. Entlang der Kompetenztrias aus Können, Wollen und Dürfen (vgl. Kirchner 2018: S. 28) wird der Aneignungsprozess durch die Berücksichtigung des für das Skaten „objektivierte[n] Körperwissen[s]“ (Keller/Meuser 2011: S. 9) untersucht. Im Sinne der theoretischen Sensibilität (vgl. Strauss/Corbin 1996: 25) werden in dem vier Monate dauernden Forschungsprozess diejenigen Phänomene, die für das Forschungsinteresse von Relevanz sind, im Prozess der Datenerhebung- und Analyse mitberücksichtigt. Dergestalt werden intervenierende Bedingungen (vgl. Strauss/Corbin 1

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Zusammenfassung

„Am Ende musste schon selber machen und ausprobieren“, so ein Skater auf die Frage, wie ein bestimmter Trick funktioniere.

In einer bewegungsorientierten Szene, wie dem Skateboarding, sind die Beteiligten nicht an geregelte Trainingseinheiten, wie dies in „klassischen“ Sportarten typischerweise der Fall ist, gebunden. Nichtsdestoweniger vollziehen die Skaterinnen und Skater komplexe Bewegungsabläufe, die ein Höchstmaß an Körperbeherrschung abverlangen. In einer lebensweltanalytischen Ethnographie taucht der Autor in die Welt der Skaterinnen und Skater ein, um diese Aneignungsprozesse zu rekonstruieren. Durch beobachtendes Teilnehmen werden die skatespezifischen Bewegungsabläufe in ihren Sedimenten untersucht. Hierbei nimmt das nur schwer zu explizierende Körperwissen eine bedeutende Rolle ein, da Skateboarding eine bewegungs- und körperzentrierte Szene ist.