Katharsis: Die therapeutische Gesellschaft und die Geburt der HeldInnen in:

Malte Hölzel

Sexualität und Wahnsinn, page 97 - 114

Spielphilosophische Perspektiven für eine therapeutische Gesellschaft

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4367-7, ISBN online: 978-3-8288-7347-6, https://doi.org/10.5771/9783828873476-97

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Katharsis: Die therapeutische Gesellschaft und die Geburt der HeldInnen Die Zukunft der Menschheit liegt – will sie nicht im Bürgerkrieg aller gegen alle untergehen – in einer therapeutischen Gesellschaft und Kultur, in der sich vor allem grundsätzlich mit Verständnis und dem Bemühen um wechselseitiges Verstehen begegnet wird und in der aufkeimende Aggression und Unversöhnlichkeit durch das Wahrnehmen, Annehmen, Verstehen und gemeinsame Transformieren der Angst, die hinter ihr steht, entschärft und aufgelöst wird. Zentrale Einsicht der Psychoanalyse ist, dass wir unsere Angst und die aus ihr quellenden Komplexe und Schwierigkeiten immer wieder auf die Mitmenschen und die Außenwelt projizieren, um sie im Außen zu verstehen und lösen zu könne, d.h. immer wieder unser eigenes Theaterstück im Wirklichen inszenieren, bis wir seinen Sinn verstanden haben.103 Die indische Philosophie des Buddhismus und die abendländische Spielphilosophie meinen dasselbe: wir können aus dem Rad der Wiedergeburten oder der Wiederholungen unserer Inszenierungen unseres Unbewussten im Außen durch die Konfrontation mit unserer Angst und ihrer Auflösung im Rückbezug auf das Mutterbauchstadium soweit stellen, dass das Innerste seiner Seligkeit (Nirwana) und unserer Seligkeit des Mutterbauchstadiums sich im Hier und Jetzt als Paradies auch in der Wahrnehmung der Außenwelt verwirklicht. Die Rotation des Rades der Wiedergeburt bzw. unserer Wiederholung unserer Projektion unseres Unbewussten in die Außenwelt dreht sich heutzutage in der allgemeinen, alles erfassenden Beschleunigung immer schneller, weil die Angst, die es antreibt, wächst. Der Sinn hinter dem Naturzwang zu Wiedergeburten und Wiederholungen ist, dass wir die Theaterinszenierungen unseres Unbewussten in der Außenwelt verstehen, dass wir das sich in ihnen Ausdrückende zu lesen und zu integrieren lernen und 103 Vgl. Freud: Zur Dynamik der Übertragung, Frankfurt/ M. 1992. 97 dass wir zentral die Angst – die es immer wieder zur Aufführung bringt und sich in ihr ausdrückt – überwinden. Mit dem finalen Verstehen unserer Theateraufführungen schließt das Theater – und die Bühne ist frei für die Verwirklichung des Paradieses auf Erden. Die Idee einer therapeutischen Gesellschaft und Kultur unterstellt den Menschen, dass sie in ihrer Flucht nach vorne noch nicht realisiert haben, wie krank sie eigentlich sind. Wir funktionieren – und solange wir funktionieren überleben wir im allgemeinen Wettkampf um Stücke vom Kuchen des Lebens und schöpfen falsche Hoffnung, dass er uns in der Hatz danach irgendwann sättigen wird. Die Chance einer diagnostizierten psychischen Krankheit liegt darin, dass man, um sie zu überwinden und aufzulösen, an den inneren Ort der eigenen Entwicklung zurückgehen muss, der noch unbeschadet vom krankmachenden Einfluss der Eltern und Mitmenschen ist. Ist die Störung besonders tief, bleibt oft nur der Rückbezug aufs Mutterbauchstadium, um das Störungsbild der Angst – die hinter allen psychischen Störungen steht, die sich daher auch pandemisch ausbreiten – durch das Sich-ihr-Stellen löst. Selbst die elementare Angst vorm Sterben-Müssen verwandelt sich in Vertrauen und dem Gefühl von Geborgenheit im Zusammenhang des Lebens der Natur, wenn man sich ihr stellt, statt vor ihr zu fliehen. Die zur Heilung der Angsterkrankung notwendige immer wieder vollzogene Regression in die Angst führt zu einem Sterben in der Angst, durch das man die Wiedergeburt durch die Natur und damit ihre tragende und seligmachende Heilkraft erfährt. Sie führt zu dem von Meister Eckhardt beschriebenen Kippmoment, dass die Dämonen, die uns in unserer Angst das Leben entreißen wollen, zu Engeln werden, die uns zum irdischen Dasein befreien – und zwar erst vom irdischen Dasein, um uns dann zum irdischen Dasein, zu einer Geborgenheit innerhalb der Natur, die den verlorenen Mutterbauch ersetzt, und zur Anverwandlung ihrer Selbstorganisationskraft, die sich im Spiel der Vermögen schöpferisch verausgabt, befreit. Psychische Krankheit bzw. das Eingeständnis einer psychischen Krankheit ist eine Chance, auf dem Weg der Heilung eine neue und tiefere Gesundheit zu erreichen, als sie die scheinbar Gesunden je hatten. Der Leitspruch der Sozialarbeit ist, die „Krise als Chance“ zu begreifen. Sie ist eine Chance, um das Schlaraffenland auf Erden zu entdecken, dass immer schon da war, das wir in unserer Blindheit aber nie fähig waren zu sehen. Das Katharsis: Die therapeutische Gesellschaft und die Geburt der HeldInnen 98 Schlaraffenland entdecken wir interessanterweise in dem Moment, wo wir aufgrund unserer Angstlosigkeit im Naturvertrauen und dem daraus sich entbindenden Spiel der Vermögen selbst – abgesehen von der Nährung unseres Organismusses – nahezu frei von Bedürfnissen werden, weil wir durch die Seligkeit unseres Zustandes immer schon satt sind. Wir brauchen nichts mehr und haben alles. Die zentrale Einsicht, die sich als Folge der in einer therapeutischen Gesellschaft und Kultur angestrebten Angstexposition ergibt, ist die, dass die Natur im Innersten Seligkeit, Spiel und Freude ist und dass die Natur, trotz aller scheinbaren Gewalt, mit der sie die Menschheit zur Integration der Gegensätze treibt, immer nur Synthese und Gleichgewicht anstrebt. Die hier zugrundeliegende Interpretation der Wirklichkeit aus der im Mythos beschriebenen Natur- bzw. Selbstorganisationsmacht, die sich auf der Suche nach höheren Synthesen in ihre Gegensätze auseinanderlegt, löst die Wirklichkeit in eine Dynamik und einen scheinbar gewaltsamen Machtkampf auf, dessen Wahrheit nur zu ertragen ist, wenn man sich klar macht, dass dieser Machtkampf im Innersten kein Machtkampf, sondern Spiel ist. Mythos, Naturphilosophie und die Archetypen-Lehre Jungs und Neumanns104, die die Wirklichkeit in Dynamiken und in die von Nietzsche in seiner Spätphilosophie des falsch verstandenen „Willens zur Macht“ beschriebenen, scheinbaren Machtkämpfe auflöst105, kann trotz aller ihrer tref- 104 (wie bspw. die die vernunftkritische Philosophie Schopenhauers, Kierkegaards, Nietzsches, Heideggers, Adornos, Jungs, Neumanns, Böhme/ Böhmes usw. im Anschluss an Kant begründende Naturphilosophie Schellings) 105 Vgl. Kalb: Desintegration. Studien zu Friedrich Nietzsches Leib- und Sprachphilosophie (Frankfurt/ M. 2000) – vor allem das 3. Kapitel: Die Sprache der Kräfte. Nietzsches Spätphilosophie, die von seiner Schwester irrtümlich unter dem Titel Der Wille zur Macht herausgegeben wurde, letztlich aber nur fragmentarische Einsichten liefert, die im zentralen Aufsatz seiner Spätphilosophie, dem Dionysos Philosophus, in die Spielphilosophie zurückgebunden werden, baut entweder auf einem Selbstmissverständnis Nietzsches angesichts seiner schwindenden und ihn in den Wahnsinn führenden Kräfte auf. Oder – und dies ist wahrscheinlicher – die unter dem Titel Der Wille zur Macht herausgegebenen Fragmente wurden u.a. von Heidegger – der in „Nietzsches Lehre vom Willen zur Macht als der „Essenz“ alles Wirklichen die neuzeitliche Metaphysik der Subjektivität vollendet“ sah, um sich kritisch davon abzugrenzen (Nietzsches Wort „Gott ist tot“ – in: Heidegger: Holzwege, Frankfurt/ M. 1994, S. 239), d.h. Heidegger zufolge ihren Patriarchismus und ihren Machbarkeitswahn auf die Spitze treibt – schlicht missverstanden und als Missverstandene tradiert. Katharsis: Die therapeutische Gesellschaft und die Geburt der HeldInnen 99 fenden Interpretationen des Wirklichen nur insoweit angenommen werden, als darunter das Spiel in seiner heilenden und die Gegensätze und Mächte immer schon synthetisierenden und damit Stille und Frieden schenkenden Integrationsfähigkeit wahrgenommen wird. Nietzsches Philosophie ist daher einzig sinnvoll auszulegen als Spielphilosophie, die sich in manchen Gedanken im Umkreis der Gedankenfigur des „Willens zur Macht“ selbst missverstanden hat. Die Geist-Philosophie des Patriarchismus entstand auf Grundlage der Verdrängung des Mythischen, die sich in den Schlachten und Gewaltexzessen des 20. Jahrhunderts furchtbar gerächt hat. Der Preis ihrer fortgesetzten Verdrängung wäre eine Blindheit für die Geschehnisse des Hier und Heute, das sich in seinen himmelschreienden, immer tieferen Widersprüchen und Paradoxien verfängt und genau besehen keinen anderen Schluss und kein anderes Verstehen mehr zulässt, als es die Spielphilosophie bietet. Ihr Verständnis setzt eine Haltung voraus, die das verdrängte Andere der Vernunft mit einbezieht. Ihr Mit-Einbeziehen bringt aber auch die beschriebene Dynamisierung der Wirklichkeit und ihre Wahrnehmung als scheinbar gewaltsamer Machtkampf mit sich, wenn man die offengelegten und als solche anerkennenden Energien und Mächte nicht – und hier kommt die Spielphilosophie der Ästhetischen Moderne bspw. Schillers und Nietzsches in ihrer zentralen Bedeutung zum Aushalten des Hier und Heute zur Geltung – als Mächte begreift, die in das diese Wirklichkeit hervorbringende Spiel der Vermögen einer spielenden Kinds-Gottheit eingebunden sind, in dessen Spiel im Innersten Seligkeit, Frieden, Selbstgenügsamkeit und Stille ist. Die Politik „spielt“ mit dem Feuer, wenn sie sich nicht um die Integration der matriarchalen und patriarchalen Energien und Mächte bemüht.106 Die Natur sucht von sich aus den Ausgleich und die Synthese und statt sich mit einer der beiden Seiten zu identifizieren und 106 Die Demokratie ist ein Ort des Spiels der Kräfte und des Kampfes ums bessere Argument. Nichtsdestotrotz ist nichts wichtiger, als die Wähler weitest möglich über die Folgen jeden politischen Handelns aufzuklären und ihnen so zu ermöglichen, selbst eine mündige, möglichst gute Entscheidung bei ihrer Wahl zu treffen. Wir kommen um eine sich über sich selbst aufklärende Aufklärung (Horkheimer/ Adorno), wie wir sie in unserem Aufsatz versuchen, nicht herum, wollen wir nicht weiter wie die Lemminge dem Abgrund eines Bürgerkrieges entgegenlaufen. Horkheimer/ Adorno schreiben in der Dialektik der Aufklärung: „Wir hegen keinen Zweifel (…), dass die Freiheit in der Gesellschaft vom aufklärenden Katharsis: Die therapeutische Gesellschaft und die Geburt der HeldInnen 100 den Geschlechterkampf zu eskalieren, sollte die Politik alles daran setzen, die Energien und Mächte zu verstehen und sie mit Hilfe der Überwindung der Angst ins Spiel der Energien und Mächte zu überführen, d.h. sich als Agenten der Liebe und Solidarität und des Selbst- und Fremdverstehens um Deeskalation und Synthesen bemühen. Sind wir der Natur entfremdet und isoliert von ihrer Heilungs- und Integrationskraft, erscheint uns die heutige Wirklichkeit als Außenstehendem als maßlose Gewalt ungeheurer Kräfte, die in ihr sich auseinanderlegen und nach Integration streben. Sie ist – um mit Nietzsche zu sprechen – ein „Tiger“, auf dessen „Rücken“ wir „in Träumen hängen“.107 Man darf und kann sich die Gewalt, mit der dieser Tiger – von außen betrachtet – böse-gewaltsam das Wild reißt, nur soweit anschauen, wie man sich durch die Innenperspektive – in der Tiger und Wild ihre Bestimmung mit spielerischer Leichtigkeit und Seligkeit annehmen – zu entschärfen fähig ist. Die Ignoranz der Menschen gegenüber der Natur und ihren Gesetzen inkl. der Tatsache, dass wir Menschen selbst Natur sind und in ihre Gesetze sowohl als Einzelne als auch als Gesellschaft eingebunden sind und sie ausagieren, führt dazu, dass die Natur in unserer Wahrnehmung als Außenstehende umso gewaltsamer und im Kampf aller gegen alle ohne Rücksicht auf unsere Befindlichkeiten die Integration der Gegensätze voranbringend erscheint. Dass wir die Naturgesetze gewaltsam ausagieren, liegt nicht in der Natur; es liegt nur an unserem eigenen Missverstehen der Natur und unserer daraus folgenden, von Angst geleiteten Selbstentfremdung: Sie böte uns die Chance auf Frieden. Sie ist Frieden, den wir nur – je weiter wir sie missverstehen und verdrängen und krankhaft als Gewalt und Aggression ausagieren – als ihr innerstes Bestreben verfehlen. Ihr Integrationsstreben zwingt die menschliche Ignoranz und Hybris zur Aufgabe und Überantwortung an sie – notfalls auch gewaltsam scheinbar gegen den Menschen, in Wahrheit aber zu seinem Besten, indem sie die Denken unabtrennbar ist. Jedoch glauben wir, genauso deutlich erkannt zu haben, dass der Begriff eben dieses Denkens, nicht weniger als die konkreten historischen Formen, die Institutionen der Gesellschaft, in die es verflochten ist, schon den Keim zu jenem Rückschritt enthalten, der heute überall sich ereignet. Nimmt die Aufklärung die Reflexion auf dieses rückläufige Moment nicht in sich auf, so besiegelt sie ihr eigenes Schicksal“ (Frankfurt/ M. 1988, Klappentext). 107 Nietzsche: Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne – in: Nietzsche: Stenzel (Hrsg.): Nietzsches Werke in zwei Bänden, Bd. 2, Salzburg 1960, S. 1081. Katharsis: Die therapeutische Gesellschaft und die Geburt der HeldInnen 101 durch seine Ignoranz und Hybris verursachten Ungleichgewichte wieder ins Gleichgewicht bringt. Sie ist es, die Rettendes zur Lösung der Menschheitskrise in jedem Einzelnen von uns aufruft. Sie ist es, die die restlos verstrittenen Mutter- und Vatergottheiten wie ein streitendes Paar wieder auf den Weg der Besinnung und Versöhnung bringt, indem sie rettend ihre missverständliche Wirkung aufeinander zu reflektieren erlaubt, indem sie vorwegnehmende Visionen von Synthesen einer möglichen Einigung in beiden Konfliktparteien zeugt, anstatt in der Eskalation des Konflikts immer weiter voranzuschreiten. Sie zeigt uns den Weg, auf dem einzig Frieden auf Erden zu finden ist, nämlich in Überantwortung an ihre Heil- und Integrationskraft und eben nicht in der selbstherrlichen Autosuggestion von Eigenständigkeit108, die es nicht gibt. Zentral ist zu sehen, dass sie kein Gegner ist, sondern uns hilft, wieder in ein gewaltloses Gleichgewicht zu finden, dass sie die Heilkraft ist, die in Gefahr und Krise das Rettende zeugt (Hölderlin), indem sie im Kippmoment die sich zuspitzende Angst in die Lust und Freude des Spiels der Vermögen verwandelt – dass sie die Chance bietet, durch Selbstentfremdung, Krise und Krankheit hindurch gesund zu werden, dass sie unsere einzige Freundin/ unser einziger Freund im Universum ist, den wir ohne Vorbehalte und rückhaltlos lieben können, dass sie das Beste in uns ist, dass wir – ohne damit narzisstisch uns in uns selbst zu verlaufen – lieben dürfen. Nietzsche soll als Prophet der Kämpfe und Konflikte – die sich heute allüberall zu entzünden scheinen und an deren Sehen und Voraussehen er verrückt wurde – und als Philosoph, der angesichts dieses für ihn schon vor hundert Jahren klar sich abzeichnenden Unheils mit der Spiel-Philosophie auch die Lösung und Rettung der Menschheit vorwegnahm, mit folgenden, wunderbaren Sätzen das vorletzte Wort 108 Augustinus, Schelling, Schopenhauer und Kierkegaard sahen in der Selbstabkapslung des Menschen die Ursünde. Augustinus und Kierkegaard noch gegenüber dem christlichen Gott, Schelling und Schopenhauer gegenüber dem Innersten der Natur, die für beide im Spiel und in der Seligkeit des Spiels besteht. Vgl. vor allem Schelling: Über das Wesen der menschlichen Freiheit, Hamburg 1997, der die Kernbotschaft dieses Aufsatzes auf den Punkt bringt: „Die Angst des Lebens selbst treibt den Menschen aus dem Centrum, in das er erschaffen worden; denn dieses als das lauterste Wesen allen Willens ist für jeden besonderen Willen verzehrendes Feuer; um in ihm leben zu können, muss der Mensch aller Eigenheit absterben (…)“ (S. 53). Katharsis: Die therapeutische Gesellschaft und die Geburt der HeldInnen 102 in unserem Aufsatz haben: „Ein Werden und Vergehen, ein Bauen und zerstören, ohne jede moralische Zurechnung, in ewig gleicher Unschuld, hat“ – so erläutert Nietzsche die Gedanken Heraklits, des Begründers der Spielphilosophie – „in dieser Welt allein das Spiel des Künstlers und des Kindes. Und so, wie das Kind und der Künstler spielt, spielt das ewig lebendige Feuer, baut auf und zerstört, in Unschuld – und dieses Spiel spielt der Aeon mit sich. (…) Ein Augenblick der Sättigung: dann ergreift ihn von Neuem das Bedürfnis, wie den Künstler zum Schaffen das Bedürfnis zwingt. Nicht Frevelmut, sondern der immer neu erwachende Spieltrieb ruft andere Welten ins Leben“.109 Nietzsches Schlussfolgerung für das Handeln daraus ist: „Der Mensch (…) wird sich beteiligen müssen an Staat usw., aber ohne leidenschaftliche Ungeduld: von außen kann ihm nichts kommen. Es wird ihm immer mehr zum Spiel. Er ahnt als die seligste Periode, wenn die Völker nur noch zum Spiele Völker und Staaten sind, nur zum Spiel Kaufleute und wissenschaftliche Menschen – mit Überlegenheit über dies alles. Es gibt die Musik, welche dies erklärt: wie alles nur Spiel, im Grunde nur Seligkeit sein kann“.110 Wir spüren es alle: Matriarchale Kulturen mit einer Zentrierung um Muttergottheiten wurden vor ca. 3000 Jahren vom Patriarchat abgelöst – genauso wie ontogenetisch die Mutter phasenweise vom Vater in der zentralen Bedeutung für das Kind abgelöst wird. Das Patriarchat seinerseits ist tot. Wir sind phylogenetisch nun in der Phase der Menschheitsgeschichte, in der wir – ob wir wollen oder nicht – erwachsen werden müssen, um der Heldenrolle des Kindes, das zwischen Mutter und Vater entstanden, seinen Lebensraum zwischen ihnen eröffnete, gerecht zu werden, um selbst zu „Göttern“ (Nietzsche111) zu werden, zur Ganzheit des Menschseins zu finden, die uns von den 109 Nietzsche: Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen, Stuttgart 1994, S. 34. 110 Nietzsche: Nachgelassene Fragmente 1885–1887 – in: Colli/ Montinari (Hrsg.): Friedrich Nietzsche KSA XII, München 1988, S. 802). In das Feld der Sexualität – das unserer Ansicht nach seit der Regentschaft des Königs Sex das zentrale Feld der Auseinandersetzung ist – als Spiel des Miteinander übersetzt, hieße dies, so zu tun, als ob wir die Antipoden eines Gegensatzes wären, die miteinander zur Synthese der unio finden. 111 Nietzsche: Der tolle Mensch – in: Die fröhliche Wissenschaft, Stenzel (Hrsg.): Nietzsches Werke in zwei Bänden, Bd. 1, Salzburg 1960, S. 599. Katharsis: Die therapeutische Gesellschaft und die Geburt der HeldInnen 103 Göttern genommen wurde, als sie unsere Hybris mit unserer Teilung in Mann und Frau bestraften, um auszuheilen und gesund zu werden und in eine Ganzheit zu finden, die darin besteht, das Weibliche und das Männliche in sich zur Integration zu bringen und damit den Geschlechterkampf zu beenden. Die Zeichen der Zeit ziehen wie ein bedrohliches Gewitter für einen Segler am Horizont auf: Falls die Menschheit nicht den Weg in ein Miteinander findet, das die Probleme als gemeinsam zu lösende Herausforderungen versteht, die jedem Einzelnen das Äußerste abverlangen, droht ihr folgendes Schicksal: Die Menschheit wird im Bürgerkrieg untergehen, dessen erste Anzeichen wir in den Spaltungen der amerikanischen Gesellschaft und ihrer Familien in Trump-Gegner und Befürworter sehen, die sich nun – auch hier unterfeuert durch die Schwierigkeiten einer multiethnischen Gesellschaft und starke, evangelikale Gesellschaftsgruppen, die die Quelle ihrer pornogetriggerten Angst und Aggression auf scheinbar Fremde projizieren – in Brasilien mit der Wahl des neuen Präsidenten wiederholen – angeheizt durch eine Sonne, die durch die patriarchale Naturzerstörung die Menschheit wie Phönix auf seiner Himmelfahrt verkohlt, wobei sich der darauf antwortende matriarchale Reflex als Aggression um Blut und Boden, d.h. in den bevorstehenden Ressourcen- und Verteilungskämpfen, entlädt. Die Erde wehrt sich auf ihre Weise: Sie schafft Chaos, aus dem eine neue Ordnung entsteht. Die Frage wäre dann, inwiefern wir unsere Illusion von Humanität in den bevorstehenden Verteilungskämpfen aufrechterhalten können – eine Illusion und Autosuggestion, die wir nicht aufgeben dürfen, wollen wir nicht „Glaube, Hoffnung, Liebe“112 verlieren, ohne die das Menschenleben seinen Namen verliert. Man spürt es schon darin, dass die Menschen im öffentlichen Kontakt – 112 Paulus: Das Hohelied der Liebe – in: Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers, Stuttgart 1985, 1. Korinther 13, S. 207. Für sein treffendes Verständnis wäre eine Neuinterpretation des Christentums notwendig, die – wie oben erklärt – seinen zerstörerischen Patriarchismus aus seinen Quellen heraus versucht zu überwinden. Vgl. Hölzel: Das Selbstverhältnis der Medialität. Implikationen des Spielbegriffs, Baden-Baden 2017, S. 239ff. – Analog dazu wäre eine ganzheitliche Neuinterpretation des Islam wichtig, um seine Anhänger in Rückbezug auf die tiefsten Quellen ihrer Religion für ihre Transformation in einen nicht-patriarchalen Glauben zu gewinnen, anstatt sie mit der Ablehnung ihres Patriarchismus zur Abwehr dessen zu zwingen, was sie sich selbst wünschen. Katharsis: Die therapeutische Gesellschaft und die Geburt der HeldInnen 104 fühlen sie sich nicht zu einer aggressiven Angstreaktion genötigt – freundlicher und kooperativer agieren. Die Angst zähmt sie schon zur Mäßigung. Chaos und Katastrophe würde uns vor die Wahl stellen, die unseren zu beschützen oder unter dem Schwert der Anderen unterzugehen: Der Gedanke, dass wir nur gemeinsam und in Liebe als gesamte Menschheit unsere jeweilige Erlösung aus dem Schmerz finden, weil wir mitfühlende und um das Wohl Aller besorgte Wesen sind, dass es nur eine gemeinsame oder keine Erlösung gibt – er würde im Blut der kommenden Kriege erst zu sich selbst finden. Das Opfer der kollektiven Aggression würden – so eine Anverwandlung der Grundgedanken Girards – alle sein, weil es keinen Sündenbock mehr außer uns, d.h. außer uns allen, gibt – und aus unser aller Opfer würde der neue Glaube der Liebe geboren werden, der lieber heute schon diesen Wahnsinn verhindert und trägt. Sonne und Erde als Vater und Mutter würden über die Auseinanderlegung, die von uns selbstentfremdeten Menschen bis auf die Spitze völliger Sexualisierung getrieben wurde, erst aus dem Blut des Chaoses wieder zueinanderfinden: zu einem neuen Glauben der Liebe (der nicht mit dem falsch verstandenen Glauben des patriarchalen Christentums zu verwechseln ist). Sonne, Erde und Kind suchen ihr Gleichgewicht, zu dem das Kind – die Menschheit –, um es in sich zu finden, noch schmerzhafte Kämpfe gegen sich selbst wird erleiden müssen. Die Menschheit kann sich diese Kämpfe ersparen, indem jedes Individuum sie in sich selbst kämpft – und, anstatt sie nach außen zu projizieren und in einem globalen Bürgerkrieg abzureagieren, in sich löst. Wir dürfen auch um den Preis des Todes unsere Humanität nicht aufgeben. Heldentum liegt nicht im Kampf, sondern in der gewaltlosen Bereitschaft zum Sterben im Sinne Gandhis für ein neues Miteinander. Die kommende Sintflut – wie sie Haberkorn in Die Sintflut kommt in Zeit Online vom 4.11.2018 ankündigt – wurde in den Mythen der Menschheit der Inder und der Juden u.a. treffend als kommende matriarchale Antwort auf die das Matriarchat und sein Wissen um die Grenzen des Wachstums verdrängende, patriarchale Macht- übernahme vorhergesagt. Die Sünden-Mythen sind das schlechte Gewissen des Patriarchats angesichts der Verdrängung des Matriarchalen, dem die Menschheit bis heute angestrengt in ihrer Flucht nach vorne zu entkommen sucht – eine Flucht, deren Konsequenzen wir heute spüren. Dieses schlechte Gewissen wird erst locker lassen, wenn wir Katharsis: Die therapeutische Gesellschaft und die Geburt der HeldInnen 105 seine Ursachen überwunden haben, wenn wir verlorenen Söhne und Töchter als Erwachsene heimgefunden haben, die ihre Probleme mit ihren Eltern, ihren Ur-Eltern bzw. Göttinnen und Göttern und ihrer Familie und der Menschheitsfamilie geklärt haben. Die Zeichen der Zeit – die uns aktuell chaotisch aufgewirbelt wie von allen Seiten bedrängen – fügen sich wie von selbst der schlüssigen Interpretation des Paradigmas der holistischen Spielphilosophie; schie- ßen wie von selbst zu ihrem stimmigen Bild zusammen. Das Paradigma der holistischen Spielphilosophie – wiewohl es sich als Inbegriff des Schöpferischen und des Gestaltbildungs-Prozesses versteht –, hilft nicht nur, die Phänomene der Zeit schlüssig zu verorten113; es eröffnet vor allem auch angemessene Werte und Handlungsoptionen für die Zukunft, die sich von nicht-holistischen Ideen und Vorschlägen dadurch unterscheiden, dass sie nicht in die finale, als ihre Konsequenz schnell zu entziffernde und vorauszusehende Katastrophe führen. Als Paradigma, dass alle Theorien, Ideen und Stimmungslagen zu ihrem Recht kommen lässt, aber trotzdem Orientierung bietet, ist es das einzige Mittel gegen fake news, wie sie aktuell die Stabilität und Anverwandlungsfähigkeiten der Demokratien und offenen Gesellschaften 113 Der Wahrheitsstatus eines sich im Sinne der holistischen Spielphilosophie erschließenden Selbst- und Wirklichkeitsverständnisses lässt sich mit Cassirer bestimmen: Ihm eignet gemäß des „Gesetz(es) der inneren Wahrheit“ die Wahrheit, die sich aus dem selbstgesetzlichen „Prinzip der Formgebung“, dem es sich verdankt, d.h. dem Spiel der Vermögen, schließen lässt (Cassirer: Das Symbolproblem und seine Stellung in der Philosophie – in: Cassirer: Symbol, Technik, Sprache, Orth/ Krois (Hrsg.), Hamburg 1985, S. 20f.). Dieser Kohärenz-Forderung an das Selbst- und Wirklichkeitsverständnis steht die Stimmigkeits-Forderung zur Seite, der gemäß seine Wahrheit nur Sinn macht, wenn es gleichzeitig die Selbst- und Wirklichkeitserfahrungen, die wir machen, stimmig integriert. Das Selbsttransparent-Werden des Spiels erlaubt es, die Wirklichkeit als Innestehende bzw. ohne sich ihr wie in der Subjektphilosophie des Matri- und Patriarchismus abgrenzend gegenüberzustellen in ihren internen Unterschieden und Gegensätzen zu erschließen, die im analogen Spiel des Kinds-Gottes über die Auseinanderlegung der Gegensätze und ihre Integration als Selbstentfaltung des Einen bzw. als Selbstorganisation der Wirklichkeit sich erschaffen. Das Spiel wie die sich in ihm über die interne Auseinanderlegung der Gegensätze organisierende Selbstorganisation ermöglicht dem Menschen als Teil der Wirklichkeit der Selbstorganisation über das Selbsttransparent-Werden des Spiels ein Verstehen der Wirklichkeit. (Vgl. Hölzel: Das Selbstverhältnis der Medialität. Implikationen des Spielbegriffs (Baden- Baden 2017, I, IV, XII.3). Katharsis: Die therapeutische Gesellschaft und die Geburt der HeldInnen 106 bedrohen.114 Sie können nur verfangen, weil die patriarchale Wertebasis und die patriarchalen Fundamente der Demokratien aus den beschriebenen Ursachen schon ins Wanken gekommen sind. Der einzige Schutz gegen ihre Form der Unterwanderung der Demokratien ist, dass sich die offenen Gesellschaften ihrer Werte – die keine patriarchalen Werte mehr sein können, deren Fehlen aber auch nicht in einer enthemmten Sexualisierung und fortgesetzten Flucht nach vorne kompensiert werden können – in öffentlichen Debatten versichert, auf dass die Heilungs- und Lösungspotentiale der Natur durch eine Bildungs- Politik, die ihres Namens würdig ist, und in einer therapeutischen Gesellschaft des Zuhörens und Voneinander-Lernens immer wieder neu entdeckt werden. Wir fassen nochmal zusammen: Das Spiel der Vermögen integriert beide Seiten des heutzutage in der allgemeinen Sexualisierung sich zuspitzenden Geschlechtergegensatzes bzw. des Kampfes zwischen Matriund Patriarchismus, indem es sie durch das Dritte der Selbstorganisation der Natur synthetisieren lässt. In diese Synthese fließt von beiden Seiten je ihr Bestes, d.h. das ihnen je innewohnende, berechtigte Moment als Ursache für ihre Entfaltung als spezifische, wenn auch eingeschränkte Perspektive auf die Wirklichkeit, ein. Ihre jeweils schlechten Seiten hingegen, d.h. ihre qua Angst, Abwehr und Projektion der Angst auf die je andere Seite erzeugten Wahnvorstellungen, verwandeln sich in eine allgemeine Lust und Liebe und Solidarität mit allem Lebendigen. Die Selbstüberantwortung an die Natur erlaubt die Teilhabe am Integrationsprozess im Spiel der Vermögen der Natur bei voller Selbstbewusstheit dieses in einem sich ereignenden Spiels der Vermögen. Insofern die Gegensätzlichkeit der Positionen von Matriarchismus und Patriarchismus sich gegenseitig unlösbar die Hoheit über das Verstehen der Wirklichkeit streitig machen und in ihrer Gegensätzlichkeit einander tatsächlich auch nicht verstehen können, trotzdem aber jeweils elementare, gleichrangige Momente des Wirklichen zum 114 Vgl. Synder: Der Weg in die Unfreiheit, München 2018. Man kann sich erst ein Bild davon machen, wie tief die Irritation und Verblendung durch fake news heutzutage ist, wenn man sich mit jungen Menschen unterhält, die sich vom herrschenden System benachteiligt fühlen und bei denen die Verschwörungstheorien, die den Rezipienten in die berauschende Rolle des Sehenden versetzen, trotz Intelligenz, aber mangels Bildung verfangen. Katharsis: Die therapeutische Gesellschaft und die Geburt der HeldInnen 107 Ausdruck bringen, ist ihr Spiel – solange es nicht von jedem Individuum selbsttransparent gespielt wird – als unbewusstes Spiel der Kräfte der Natur, das die Natur – ob wir wollen oder nicht – immer schon mit uns spielt, elementar für das relative Gleichgewicht und die Stabilität der Gesellschaften. Zielpunkt unserer Argumentation ist, das unbewusste Spiel der Kräfte der Natur, das diese Natur qua ihrer Selbstorganisation im Spiel der Vermögen immer schon mit uns als unbewusste Agenten ihrer Gegensätze spielt, in ein bewusst vollzogenes Spiel zu verwandeln, durch das sich die Polarisierung und Aggressivität – mit der es als Unbewusstes gespielt wird – aufhebt und als solches die Reintegration der verlorenen, von der Natur und damit von sich selbst entfremdeten Menschheit in den Naturzusammenhang ermöglicht. Ist der Grundgedanke des spielphilosophischen Holismus bzw. der holistischen Spielphilosophie erst einmal gefasst, ergeben sich aus ihm – insofern er die Quellen des Schöpferischen selbst freilegt – Lösungen und Gestaltungen für sämtliche Probleme und Schwierigkeiten von Mensch und Gesellschaft. Der Gedanke liegt in der Luft – und es braucht nur einen Funken seines (kinds-) göttlichen, nämlich inneren, emmissionsfreien Feuers, um in allen Menschenköpfen und Gesellschaften zur Emergenz des ganzheitlichen Bewusstseins zu führen, das wiederum emergent die Transformation der Formen des globalen Miteinanders unter Anpassung an unseren Heimatplaneten ermöglicht. Wir stehen vor dem Abgrund und damit aber auch an dem Ort größter Verzweiflung, wo das Rettende frei nach Hölderlin sich aus dem Nichts plötzlich kristalliert. Wir müssten uns und sollten uns der Natur und ihrer Heilungs- und Lösungskraft gegenüber öffnen – dann hat das Grauen der Menschheitsgeschichte seit dem selbstinitiierten Ausgang aus dem Paradies der Kindheit der Kultur ein Ende: dann finden wir uns unversehens wieder mitten im Paradies, diesmal aber – und 115das war wohl leider nicht unter dem Preis des Grauens der Vergangenheit zu haben – bei voller Selbstbewusstheit der Wunder des Lebens. Man verzeihe mir meine prophetische Sprache: Das Leid und Elend der Welt hat sich bis zur Unerträglichkeit gesteigert. Dabei wollten und wollen wir doch alle nur spielen! Wir sollten dies in Zukunft 115 Vgl. Hölzel: Das Selbstverhältnis der Medialität. Implikationen des Spielbegriffs (Baden-Baden 2017, XII.1). Katharsis: Die therapeutische Gesellschaft und die Geburt der HeldInnen 108 nur bewusst tun: wir sollten uns des in uns statthabenden Spiels der Vermögen und des Spiels der Selbstorganisation der Natur in und au- ßer uns bewusst werden und es verstehen – auf dass unsere grausige Wirklichkeit sich zu dem Paradies wandelt, das sie ist. In aller Eindringlichkeit sei hier auf die immense Gefahr eines möglichen Missverstehens hingewiesen: Die leibliche und seelische Verwandlung und Gesundung des Menschen im Spiel (…) lässt sich nicht „mit autopoietischen Figuren der Selbstermächtigung in Verbindung bringen“116 (Hühn). Wie Schopenhauer als Bedingung der Möglichkeit des Spiels der Vermögen die „Gnadenwirkung“117 setzt und selbst Kant zu seinem Gelingen von „Gunst“118 spricht, so weiß auch Nietzsche die „Kluft der Vergessenheit“ zu würdigen, die „die Welt der alltäglichen und der dionysischen Wirklichkeit voneinander“119 scheidet. Der Ausgangspunkt für das Spiel der Vermögen ist das Sterben aller Eigenheit und aller Selbstsucht und Selbstherrlichkeit in der Angst, aus dem es – wenn man sich tatsächlich an die Natur überantwortet und selbstvergessen hat und als wollendes und begehrendes Ich gestorben ist – entspringt. Denn auch für Nietzsche gilt die Einsicht Schopenhauers, zu der er sich vom Buddhismus hat inspirieren lassen: Der Mensch kann sein eigenes Nicht-Wollen nicht wollen, weil er dann schon wieder will. Aus diesem Dilemma gibt es keinen selbstinitiierten Ausweg.120 An den Früchten werdet ihr sie erkennen – sagte Luther sinngemäß. Sind die Früchte nicht Ausdruck einer auf die Natur als Ganzes und die Mitlebewesen bezogenen Liebe und Solidarität, so sind sie nicht im vollen Sinne im Spiel der Vermögen entsprungen, auch wenn sie sich mit ihm wie mit einer Maske versuchen zu schmücken. Der Schlüssel der Heldenreise – auf deren Weg sich unserer Ansicht nach die Individuen unserer Zeit begeben sollten, soll die 116 Hühn: Die Wahrheit des Nihilismus. Schopenhauers Theorie der Willensverneinung im Lichte der Kritik Friedrich Nietzsches und Theodor W. Adornos – in: Figal (Hrsg.): Interpretationen der Wahrheit, Tübingen 2002, S. 157. 117 Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung, Köln 1997, S. 586. 118 Kant: Kritik der Urteilskraft, Hamburg 1990, S. 47. 119 Nietzsche: Die Geburt der Tragödie – in: Colli/ Montinari (Hrsg.): KSA 1, München 2003, S. 56. 120 Vgl. Hölzel: Das Spiel des Aion und das Spiel des Menschen. Zur Vertiefung der ästhetischen Subjektivität Kants bei Schopenhauer und dem frühen Nietzsche, Berlin 2008, S. 136f.. Katharsis: Die therapeutische Gesellschaft und die Geburt der HeldInnen 109 Menschheit die Kurve noch vor dem bevorstehenden Untergang bekommen – ist das Sich-seiner-Angst-Stellen. Die berühmte Schrift von Campell – Der Heros in tausend Gestalten (1949), der von der 68 iger Generation ausgiebig studiert wurde121 – übersieht, soweit ich sie überblicken kann, diesen zentralen Punkt: Die Initianten früherer zumeist indigener Kulturen wie der Indianer wurden aus der vor der Angst schützenden Gemeinschaft des Stammes in die Wildnis gejagt, um am Ort größter Verzweiflung und Angst vor den bedrohlichen Naturmächten in dieser Angst in ihrer Selbstbezogenheit und ihrer Hybris von Autonomie und Machbarkeitswahn zu „sterben“, um die initiastische Erfahrung zu machen, dass sie vom Rettenden der Natur, die Leben und Lebendigkeit will, „wiedergeboren“ werden. Der zentrale Therapeuten-Wahlspruch ist: Gehe dorthin, wo die Angst ist! Sie ist das, was hinter den Dämonen, die uns täglich quälen und umtreiben und letztlich Personifikationen dieser Angst sind, steht. Die Dämonen, die uns das Leben entreißen wollen, solange wir Angst vor dem Tod haben, werden zu Engeln, wenn wir uns den Schattenwölfen unserer Angst stellen, die uns vom irdischen Dasein zum irdischen Dasein befreien (vgl. Meister Eckhardt). Die Angst ist aber ein Trickser: Sie legt immer wieder Finten, um uns ihr nicht stellen zu müssen. Psychische Schwierigkeiten – die wir wie beschrieben mehr oder weniger allen Menschen als unbewusste Agenten des Wahnsinns unserer Zeit unterstellen – sind nur im Rückgang auf die vor den Traumata liegende Seligkeit zu lösen: Im tiefsten Sinne heißt dies, dass wir auf der autosuggestiven Heldenreise in die Seligkeit des Mutterbauchstadiums zurückreisen müssen, da unser Eintritt in die Welt durch die Enge (lat. angus- 121 Zum Thema der individuellen Heldenreise sei weniger Campell, der die Sache relativ unklar fasst, sondern Neumann empfohlen, dessen Klarheit wie die Klarheit und Verständlichkeit Freuds sein Verstehen der Sache spiegelt: Neumann: Ursprungsgeschichte des Bewusstseins, Düsseldorf 2004. Zur Initiation auf der weiblichen Heldinnenreise sei Neumann: Die große Mutter. Die weiblichen Gestaltungen des Unbewussten, Düsseldorf 2003 und Zur Psychologie des Weiblichen, München 1975 empfohlen. Zur Heldenreise als Paar wiederum Neumann: Zu Mozarts Zauberflöte – in: ebd., das Neumann für seine Frau geschrieben hat, und zum transgeschlechtlichen Heldentum Neumann: Der schöpferische Mensch, Frankfurt/ M. 1995 und – zentral – Neumann: Die Psyche als Ort der Gestaltung, Frankfurt/ M. 1992. Katharsis: Die therapeutische Gesellschaft und die Geburt der HeldInnen 110 tiae –Angst vgl. Freud122) des Geburtskanals das erste, uns alle betreffende Trauma war. Die Heldenreise ist ein Zurückreisen über die Schwelle der Angst in die eigene Vergangenheit ins Ozeanische des Mutterbauchstadiums, um in uns die Seligkeit dieses Stadiums und damit das Spiel der Vermögen und unsere Schöpferischkeit zu befreien und alle Traumata, die später noch im Laufe unserer individuellen Entwicklung auf uns einwirkten, aufzurollen, zu verstehen, aufzulösen und die durch sie in Form von Komplexen gebundenen Energien zu integrieren und fürs Hier und Heute fruchtbar zu machen. Die Heldenreise – jeweils im Stillen und individuell vollzogen – ist tatsächlich das, was die Menschheit als Letztes noch retten könnte. Die Ureltern der verstorbenen Mutter- und Vatergottheiten liegen im Geschlechterkampf und ihr Gegensatz ist nur durch ein Sich-der-Angst-Stellen und der Befreiung des Dritten der Seligkeit des Kindes im Helden/ in der Heldin zu lösen – eine Lösung und Integration, die sich auch gesellschaftlich auswirkt, insofern die Ontogenese des Individuums eine Wiederholung der Phylogenese der Menschheit ist und mit der individuellen Integration die frei flottierenden, unversöhnlichen Energien der Mutter- und Vatergottheiten zu fruchtbarem Handeln in der Welt gebunden werden. Das Ziel der Heldenreise ist das Schlaraffenland, als das sich das Leben auch trotz aller Gewalt und allen Schmerzes in der Welt der Menschen innerhalb des Ökosystems entpuppt. Sind wir Helden und Heldinnen, können wir angesichts der sich steigernden Beunruhigung und Panik in der Welt der Menschen wie ein Anker wirken, der Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt und damit den Blick für das offenhält, was das Leben trotz allen Schmerzes ist: ein unfassbar schönes Geschenk der heilenden Natur. Wir müssen aus unseren jugendlich-sexuellen Träumen und Phantasmen erwachen und erwachsen werden, indem wir das Kind in uns wiederentdecken – nicht zuletzt aufgrund der drohenden Katastrophe des Klimawandels, der besonnenes Tun vor dem Hintergrund der Ganzheit des Ökosystems und der Ganzheit des Menschen und seiner Gesellschaften verlangt, das nicht zu Folgeproblemen oder Folgereaktionen führt, die uns weiter in heillose Kämpfe und Spiegelfechtereien 122 Freud: Die Angst – in: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse, Frankfurt/ M. 1999, S. 378f.. Katharsis: Die therapeutische Gesellschaft und die Geburt der HeldInnen 111 verstricken. Sie sind nichts als Ausgeburten menschlich allzumenschlicher, leider eben nur gefährlicher Spielereien. Diese Aufgabe klingt fast unlösbar; sie scheint uns maßlos zu überfordern. Wir sollten zu unserer Beruhigung zweierlei bedenken: Wir wissen es alle bzw. wir wissen alle alles; es liegt in unserem Inneren123 wie in der Luft, die noch nicht verpestet ist; wir müssten es nur realisieren: Wir müssten unser Wissen nur in uns selbst zur Verwirklichung kommen lassen; wir müssten ihm nur nicht weiter im Weg stehen; wir müssten uns einzig dem Heilen- 123 Wir müssen nirgendwohin. Wir wissen schon alles. Das Wissen ist im Mythenschatz der Menschheit wie in unserem eigenen Unbewussten, dem in der Kindheit ohne die Beschränkung durch unser Selbstbewusstsein eins zu eins aufgenommenen und in uns aufbewahrten Wissen über die Zusammenhänge der Wirklichkeit, gespeichert. Das Individuum kann wegen der Gleichung von Phylound Ontogenese, d.h. dem wiederholten Durchlaufen der Stadien der Menschheitsgeschichte in jeder individuellen Entwicklung, das Wissen der Menschheit in sich über das Verstehen seiner eigenen Entwicklung und des Warums seines Soseins, d.h. seiner selbst, erschließen. Die Menschheit wie das Bewusstsein jedes Individuums bauen auf dem Unbewussten ihrer Vorgeschichte auf wie die Pyramide auf ihrem Sockel. Mit jedem Stück Selbstverstehen auf dem Weg ins Innere erschließen wir uns damit wie von selbst die Wirklichkeit außer uns und schaffen damit die Voraussetzung, in ihr anzukommen. Im Selbstverstehen finden wir automatisch die Keimzelle zur Lösung des Problems unserer Zeit, die bis dato im Selbstmissverstehen der Menschheit ihre Ursache hat: nämlich für die Eskalation der Auseinanderlegung der transpersonalen Mächte des Männlichen und Weiblichen durch die die Liebe ihrer Ureltern nicht verstehende, sexualisierte Menschheit. Die psychisch erkrankten Menschen artikulieren in ihrer Krankheit qua Gleichung von Phylo- und Ontogenese immer auch die Krankheit der Zeit und finden – entspringt ihre Krankheit der Triade von Mutter-Vater-Kind und reicht in ihren Ursachen tief genug in die Kindheit zurück – mit ihrer Gesundung auch Lösungen für die Schwierigkeiten der Menschheit, zu denen wie ausgeführt auch auf die Kindheit der Menschheitskultur zurückgegangen werden müsste. Sie explizieren in ihrer Krankheit, was in uns selbst – die wir uns möglicherweise gesund wähnen oder in eine Suggestion von Gesundheit flüchten – zumindest keimhaft auch für Unruhe, Angst und Flucht sorgt. Die Gesellschaft der Zukunft sollte eine therapeutische Gesellschaft sein, in der die Rollen von Therapeut und Klient wechseln (was natürlich seine Grenzen im traumabegründeten Haltbedürfnis der Klienten und in ihrer Angewiesenheit auf Halt durch den Therapeuten findet) und sich beide auf Augenhöhe ihre jeweiligen Schmerzen und Krankheiten eingestehen und qua wechselseitiger Resonanz ineinander zu wechselseitiger Heilung ihrer je eigenen und damit in ihrem Verstehen auch der Menschheitsprobleme finden. Die Symptome der Krankheit der Zeit lösen sich auf, wo wir uns je selbst unserer Angst stellen und aus der Negativspirale des Wahnsinns der Zeit heraustreten. Katharsis: Die therapeutische Gesellschaft und die Geburt der HeldInnen 112 den in der Natur und in uns überantworten. Wir gehen einander alle mit gutem Beispiel124 voran: Wir versuchen, alles Belehrende und Besserwisserische, das nur zur berechtigten Abwehr führt, insofern es Überheblichkeit und Arroganz entspringt, zurückzustellen und eine wechselseitige Kultur des Lernens zu entwickeln.125 Die Antwort auf die Frage der Sphinx, das Sinn- und Rätselbild im Ausgang aus dem Matriarchat, was erst auf vier, dann auf zwei und schließlich auf drei Beinen sich bewegt, wäre nicht eine Antwort aus dem Fundus nicht gelebten Wissens gewesen, wie sie Ödipus mit „der Mensch“ gab. Sie hätte darin bestanden, sich in seiner Kreatür- bzw. Natürlichkeit und Sterblichkeit zu realisieren. Zu dieser Antwort auf das Menschheitsrätsel der Sphinx war Ödipus als tragischer Held noch nicht bereit, insofern sich das Männliche in seiner Eigenheit erstmal in 3000 Jahren Patriarchat entwickeln musste. Heute ist es genau diese Frage nach dem Wesen des Menschen, die wir angesichts der sich zuspitzenden Katastrophe gezwungen sind, als lebendes Beispiel zu beantworten. Die Menschheit würde damit nicht aus dem tragischen Determinationszusammenhang der Natur herausfinden, sondern erst eigentlich in ihn hinein: Das Kreisen in den Bahnen der zyklischen Wiederkehr – wie sie der Mythos beschreibt – stellt eine notwendige Anerkenntnis der Gesetze der Natur und des Lebens126 dar; man umkreist und beschwört im Kreisen in seinen Bahnen um das Zentrum und die Quelle 124 Nietzsche: „Ich mache mir aus einem Philosophen gerade so viel, als er imstande ist, ein Beispiel zu geben“ (Schopenhauer als Erzieher – in: Nietzsche: Unzeitgemä- ße Betrachtungen – in: Stenzel (Hrsg.): Nietzsches Werke in zwei Bänden, Bd. 2, Salzburg 1960, S. 83. 125 An dieser Stelle sei Mark Forster als Vertreter der Popkultur zitiert, der sich in einem Interview zu seiner eigenen Ratlosigkeit und Suche nach einer Haltung angesichts des Wirklichen bekannt hat – ein Bekenntnis, das der Anfang ist und die Chance bietet, das ausstehende Dritte einer Synthese zu entdecken, das sich von sich aus einstellt, wenn wir uns solcherart für sein Sich-Einstellen öffnen – eine Öffnung, die schon eine Konfrontation mit der Angst beinhaltet und nicht immer schon weiß, was richtig ist, aus der das Heilende sich ergibt. (Spiegel Online vom 17.11.2018: Ich möchte, dass klar ist, wo ich stehe. Mark Forster über Haltung: „Dass Wahrheit keine Rolle mehr spielt in so vielen Facetten unserer Gesellschaft, das ist das Schlimmste! Ich möchte an den Punkt kommen, dass klar ist, wo ich stehe. Und ich suche nach einem Weg, wie ich das klären kann“). 126 Die Gesetze der Natur und des Lebens, das Stirb und Werde des Lebens, sind im Paradigma des Tragischen – wie es im Spruch des Anaximander sich ausdrückt, der als Vorsokratiker noch ganz dem mythischen Denken verhaftet ist – festge- Katharsis: Die therapeutische Gesellschaft und die Geburt der HeldInnen 113 des Lebens gleichsam den Ort der Freiheit, dessen Vertiefung im Spiel der Vermögen die menschliche Wirklichkeit der im Mythos vom Paradies anvisierten Erfüllt- und Vollendetheit näherbringt. Und zum Zweiten: Der Weg ist das Ziel – haben wir uns erstmal auf den Weg gemacht, ist das Schwierigste schon geschafft. Wegweiser kann uns der Therapeutenwahlspruch sein: Gehe dorthin, wo die Angst ist! – oder, um es mit Novalis zu sagen: „Nach Innen geht der geheimnisvolle Weg“127. Innen ist die Angst – und Innen bzw. darunter noch, in der Seligkeit des Mutterbauchstadiums, im Innersten, ist auch der Traum von ihrer Überwindung und Heilung, der Traum von unentdeckten Paradiesen und Gestaden. An sie könnte es uns als Menschheit wie auch uns als ein Paar, zu dem wir uns mit einem anderen Menschen, den wir lieben, zusammengefunden haben, spülen. Den Schlüssel zu ihnen können wir in uns selbst entdecken, um dann miteinander neue Türen zu ihnen zu öffnen. Malte Hölzel, Berlin am 26.11.2018 halten: „Woher die Dinge ihre Entstehung haben, dahin müssen sie auch zu Grunde gehen, nach der Notwendigkeit; denn sie müssen Buße zahlen und für ihre Ungerechtigkeit gerichtet werden, gemäß der Ordnung der Zeit“ (Anaximander nach Nietzsche: Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen, Stuttgart 1994, S. 21f.). Die Spielphilosophie entkommt diesem Paradigma des Tragischen nicht, sondern beschreibt im spielerischen Aufbauen und Zerstören der Welt durch den spielenden Kinds-Gott sein Gesetz, verwandelt aber im Spiel der Vermögen – in der schöpferischen Mimesis des Spiels des Kinds-Gottes – die Schwere seiner Tragik in die Leichtigkeit, die Fülle, die Stille, den Frieden und das Glück, die das Leben zu schenken bereit ist. Goethes Faust sucht auf diesen Einwand des Tragischen durch Mephisto – „denn alles was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht“ (Goethe: Faust – Der Tragödie erster Teil, Kapitel 6, Studierzimmer) – eine Antwort, die sich vielleicht in seinem Satz gen Ende der Tragödie findet: „Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muss!“ (Goethe: Faust – Der Tragödie zweiter Teil, Kapitel 60, Großer Vorhof des Palastes). Als Aufruf zur protestantisch-bürgerlichen Tugend der Strebsamkeit und des Arbeitsethos wäre er wahrscheinlich falsch verstanden. Vielmehr könnte sich in ihm genau jene Anstrengung abzeichnen, die ein tägliches Sich-Riskieren und Sich-seiner-Angst-Stellen im Kontakt mit seiner Mit- und Umwelt mit sich bringt. 127 Novalis: Blüthenstaub-Fragmente – in: Mähl/ Samuel (Hrsg.): Werke, Tagebücher und Briefe, Bd. 2, Darmstadt 1978, S. 233. Katharsis: Die therapeutische Gesellschaft und die Geburt der HeldInnen 114

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Die Irritationen durch den Klimawandel spiegeln sich in der Aggressivität öffentlicher Debatten. Im Unklaren über die Ursachen der epochalen Krise, verstärken wir mit unzulänglichem Problembewusstsein und Symptombehandlungen nur das Gefühl der Hilflosigkeit. Neoliberalismus und Naturzerstörung sind Folgen des exklusiven Charakters der „Monarchie von König Sex“, der Angst macht und im Narzissmus Zuflucht suchen lässt. Nur die Natur – spielphilosophisch verstanden – kann das Matriarchale und Patriarchale in ihrer Synthese einen. Die Politik selbst ist sexualisiert und findet nicht in den gerechten Ausgleich der Interessen, der mangels Bezugnahme auf das Dritte der Natur aussteht. Im tobenden Geschlechterkampf sind wir alle Opfer und zugleich Täter. Die Sexualisierung aller Lebensformen nach 3 000 Jahren Patriarchat wäre in einer therapeutischen Gesellschaft überwindbar, die die Herausforderungen als Chance begreift und Motivationen für eine Politik radikaler Einschnitte freilegt.