1. Einleitung in:

Pia Lütkebomert

Herbert Marcuse in der Theoriediskussion um die sexuelle Befreiung der Frau, page 1 - 8

Eine Spurensuche in heutigen feministisch-utopischen Theorien

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4362-2, ISBN online: 978-3-8288-7319-3, https://doi.org/10.5771/9783828873193-1

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Philosophie, vol. 36

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Einleitung „Man müßte einen internationalen Fick-Tag haben & einen Trupp Beatnik F (für Frieden) Mädchen Fickt für den Frieden“ [eigene Hervorhebung] (Kupferberg 1969: 239; zitiert nach Ott; Pfäfflin 1998) In der vorliegenden Arbeit lege ich dar, welchen Mehrwert Marcuses Überlegungen zur sexuellen Befreiung der Frau angesichts aktueller Theoriedebatten im Bereich feministischer Gesellschaftsentwürfe hat und inwieweit sich seine Schwerpunkte, Negation der gegenwärtigen Gesellschaft und weibliche Emanzipation, in zeitgenössischen Theorien wieder finden lassen. Sexuelle Befreiung der Frau ist seit Anbeginn eines der zentralen Ziele des Feminismus‘ (vgl. Coole 2015: 530). Abzulesen ist dies etwa an antiken Erzählungen wie die über Lysistrate, welche Sex-Entzug für sich im Krieg befindende Ehemänner vorsah (vgl. Radt 1974: 9) oder Lady Godiva, die ihren Ehemann davon abhalten konnte, Steuern von der armen Landbevölkerung zu erheben (vgl. Veneracion-Rallonza 2014: 254). Ebenfalls exemplarisch sind beiden bisherigen Frauenbewegungen: So waren Frauen vor der Ersten Frauenbewegung Mitte des 19. Jahrhunderts Eigentum von Mann und Vater und ihnen ermangelte es an bürgerlichen und politischen Rechten. Es war das Ziel der Frauen, Zugang zu Bildung und Erwerbsarbeit zu erlangen (vgl. Coole 2015: 539). Nachdem diese Rechte für Frauen durchgesetzt werden konnten, zielte die Zweite Frauenbewegung ab Mitte der 1960er Jahre u.a. auf Liberalisierung der Sexualmoral, ein Recht auf Abtreibung, eine verbesserte Situation für allein erziehende Frauen und ein Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper (vgl. Coole 2015: 531). Während die Erste Frauenbewegung ihre Kraft vor allem aus dem täglichen Erleben der Ohnmacht gegenüber dem Patriarchat schöpfte (vgl. Schmincke 2015: 201–202), wurden die Bestrebungen der Zweiten 1. 1 Frauenbewegung um 1968 (vgl. Schmincke 2015: 203–204) theoretisch angereichert und begleitet: Damals begehrten die jungen Leute gegen konservative Strukturen und die Elterngeneration auf und glaubten, dass mittels einer befreiten Sexualität die Welt gerettet werden kann (vgl. Sigusch; Weber 2017). Den theoretischen Unterbau für den im Wesentlichen studentischen Protest1 lieferte v.a. Herbert Marcuse2: „Marcuse war der Verkünder einer friedlichen, harmonischen und lustvollen Welt, die greifbar nahe schien, wenn man ihm vollen Glauben schenkte“ (Heider 2014: 33). Er analysierte die Gegenwart als totalitär und sah mittels kognitiver Prozesse, eines sich unter Einsatz des eigenen Körpers und einer Umerziehung unter Zuhilfenahme einer ‚Politik von unten‘ eine neue Gesellschaftsform vor. Marcuse sah im Besonderen in Frauen großes Potenzial, die Gesellschaft zu transformieren, weil dank ihrer ‚feministischen Qualitäten‘3, die Gesellschaft bereichert werden kann. Das feministische 1968 begann mit der Rede der SDS-Delegierten Helke Sander, die auf der 23. Delegiertenversammlung im September 1968 die männlichen Strukturen im SDS kritisierte. Gegen Ende ihrer Rede erhob sich die das SDS-Mitglied Sigrid Rüger und schleuderte aus dem Plenum Tomaten gen Podium (vgl. Ehmsen 2008: 91). Mit Blick auf das momentane Geschehen scheint sich die Wahrnehmung von Feminismus in einem Dilemma zu befinden: Einerseits bekommen Männer Konrad zufolge, „was sie begehren. Frauen versuchen derweil, so wie Männer zu sein, was sie dazu zwingt, ihre emotionalen Bedürfnisse zu verschweigen und nach außen hin eine Fassade aufrechtzuerhalten, die sie nicht bedürftig wirken lässt“ (Konrad 2018: 140). Beispielhaft für die Entwicklungen gen Machtlosigkeit von Frauen sind etwa die verbalen Attacken Donald Trumps, dass es u.a. vertretbar sei, Frauen in Schritt zu greifen (vgl. unbekannter Autor 2016) oder 1 Daneben gab es eine Schüler- (vgl. Siegfried 2018: 176ff.) und eine Lehrlingsbewegung (vgl. Siegfried 2018: 183ff.). 2 Neben ihm erlebten die Schriften des Freudomarxisten Wilhelm Reichs ein Comeback, während etwa Jürgen Habermas der gesamten Bewegung sehr kritisch gegen- überstand. 3 Rezeptivität, Sensibilität, Ruhe und Freude – hierauf gehe ich in Kapitel 3d noch näher ein. 1. Einleitung 2 bundesweite Proteste gegen die Initiative Lebensschutz der AfD (vgl. Zekri 2017: 9), aber auch die bekannt gewordenen sexuellen Belästigungen in Hollywood. Naomi Wolf zufolge sind sich die Männer darüber im Klaren, dass ihre Vorherrschaft zu bröckeln beginnt und sie es nun als ihre Aufgabe sehen, hiergegen anzukämpfen: „As they would for heirs of any lost empire […] the old order‘s obsolete social forms and rituals of entitlement are taking on, in the eyes of men, a wild glamour, and provoking a fierce nostalgia akin to the nationalism of a people entering exile“ (Wolf 1994: 20). Dies zeigt, dass die von der Zweiten Frauenbewegung aufgeworfenen Probleme noch immer nicht gelöst sind. Verantwortlich für den Wandel hin zur Wiederbelebung konservativer Werte ist Wolf zufolge zum einen, dass die Idee unpopulär wurde, Frauen aufgrund ihres Menschseins dieselben Rechte zuzusprechen wie Männer sie besitzen. Daher wurde es für westliche Staaten einfacher und sicherer, Frauen separate Bereiche zuzuschreiben „than to fight for more power to restructure the system as women saw fit“ (Wolf 1994: 188). Zweitens wurden Frauen derart sozialisiert, dass ihnen ‚männliche‘ Macht Angst bereite (vgl. Wolf 1994: 190). Andererseits formieren sich weltweit feministische Allianzen, die sich gegen Misogynie, Rassismus, Nationalismus, Sexismus und Homophobie auflehnen. Zu nennen ist hier etwa die Pussy-Hat Kampagne anlässlich der Inauguration Donald Trumps, weitere Beispiele sind etwa die Body Positive Kampagne von Lena Dunham oder auch die geschlechtsneutrale sexuelle Freiheit, wie sie die Sexualwissenschaftlerin Laura Méritt vertritt (vgl. unbekannter Autor 2015). Diese Tendenzen bestätigen Körbitz‘ Erkenntnis, dass es wichtig ist, einen „kollektiven, gruppenbezogenen Raum[es]“ zu eröffnen, „der es erlaubt, Unbewußtes bewußt werden zu lassen; ein Raum, in dem die ‚Bewegung‘ zum Ziel eines Erkenntnisprozesses wird, der sich nicht primär an das singuläre ‚Ich‘ richtet, sondern dazu auffordert, Gemeinsamkeiten herzustellen beziehungsweise die Hintergründe unterschiedlicher Interessenlagen durchschaubar werden zu lassen“ (Körbitz 1997: 264). Da dies in Anbetracht der aktuellen Tendenzen nicht möglich ist, bedarf es eines gesellschaftlichen Neuanfangs, der mit einer Utopie beginnt, wie ihn eine Vielzahl an feministische Utopie-Belletristik bereits eröff- 1. Einleitung 3 net4. Ein weiterer Grund für gesellschaftlichen Neuanfang besteht für Coole darin, Frauen aus der vom Neoliberalismus auferlegten Sklaverei zu befreien (vgl. Coole 2015: 542), die in sexueller und sexualisierter Gewalt, Sexismus und Belästigung besteht. Mit der Kontrolle der weiblichen Sexualität durch Männer werden Frauen dazu genötigt, sich als von ihnen abhängig wahrzunehmen und sie somit weiterhin Macht über Frauen haben: „Eine Frau, die Lust empfindet, ist gefährlich“ (Schmidt 2017). In Hinblick auf die sexuelle Befreiung der Frau im Rahmen einer gesellschaftlichen Utopie ist es Moeller-Gambaroff zufolge entscheidend zu differenzieren, „zwischen den herrschenden patriarchalischen Normen und Praktiken und der Tatsache, daß Männer – […] – ebenfalls auf spezifische Weise in unserer Gesellschaft ausgebeutet werden. Wir begegnen dem Patriarchat im Hier und Heute in seiner untrennbaren Verflechtung mit dem kapitalistischen System und seiner bereits automatisierten Eigendynamik, die längst nicht mehr den Bedürfnissen der Männer entsprechen kann“ (Moeller-Gambaroff 1977: 1–2). Um den Wandel zugunsten der sexuellen (und damit verbundenen geistigen) (vgl. Stokowski 2016: 143) Befreiung der Frau zu verdeutlichen, bediene ich mich der aus Marcuses Schriften entnommenen Trias, bestehend aus der Beschreibung des Status quo, in welchem Sex im Wesentlichen der Reproduktion dient. Im Rahmen der Erwerbsarbeit schürt die moderne Industriegesellschaft immer neue Bedürfnisse des Konsums, weswegen den Menschen in der Konsequenz ihre Unterwürfigkeit gar nicht mehr bewusst ist. Somit bleiben die eigentlichen Bedürfnisse der Menschen (etwa Liebe und Autonomie) auf der Strecke, der eindimensionale Mensch ist entstanden. Daraus erwachsen in den Menschen die kognitiv geleiteten Prozesse der Großen Weigerung gegen das totalitäre System, sowie die Erkenntnis, dass ein Leben in einer selbstbestimmten Gesellschaft unabdingbar ist, um sexuell frei zu sein. So ist es Marcuse zufolge das neue wahre Bedürfnis der Menschen, die alte Gesellschaftsform mit all ihren Widersprüchen zu negieren. So bekannte Marcuse in einem Interview: „Ich bin zu der Ansicht gekommen, daß die Frauen in der Klassengesellschaft die Möglichkeit eines 4 Zu nennen ist hier Parley J. Coopers Die Feministinnen (1971), aber auch Sheri S. Teppers The Gate to Women‘s Country (1988), Ursula Le Guins Planet der Habenichtse (1974) und zuletzt erschien ist von N.K. Jemisins The Fifth Season (2015). 1. Einleitung 4 solchen nicht repressiven Realitätsprinzips verkörpern“ (unbekannter Autor 2000: 112). Mithilfe dieses Potenzials soll Marcuse zufolge die Great Society entstehen, in welcher sämtliche Formen des sexuellen Ausdrucks denkbar sind und in welcher jeder Mensch gemäß den eigenen Fähigkeiten einen gesamtgesellschaftlichen Beitrag zu leisten vermag: „he is searching for the universal essence of man, that quality in man which allow him to realize himself in human freedom by overcoming the alienated world which he himself has created“ (Lipshires 1974: 28). Dahinter steckt die marxistische Grundannahme, dass „as long as capitalism remains the dominant mode of production, it is impossible fully to understand the forces that oppress women and shape the relations between men and women“ (Gimenez 2005: 11–12). Eine marginale Seite der zeitgenössischen Ansätze (Vertreterinnen: Naomi Wolf, Diana Coole und Nancy Fraser) beabsichtigt zur sexuellen Befreiung der Frau eine „schöne Gesellschaft freier Schurk_innen“, getragen von Frauen, „die sich weigern, ‚schön und brav zu sein‘, und die sich in der Kunst des Nein-sagens üben“ (Hark 2013: 71). Für Coole zeichnet sich eine weibliche Subjektposition durch „a more open, playful, engaged and decentered orientation“ aus, „which is both more creative and more pleasurable, because it evokes the heterogenous and the nonrational in knowing and laying down meaning“, sofern es sich hierbei nicht um einen Widerspruch in sich handelt (Coole 1998: 122). Die dominierende Spielart, insbesondere durch Laurie Penny und Catharine A. MacKinnon vertreten, schürt die Stigmatisierung der Frau als Opfer. Schuld an diesem mangelndem Mut der zeitgenössischen Theorie, eine Utopie zu entwerfen, hat Roedig zufolge Judith Butlers Buch Gender Trouble zu Beginn der 1990er Jahre: Seitdem „galten Geschlecht und Sex als kulturelle performance“ (Roedig 2013: 29). Beginnen möchte ich mit dem Stand der Forschung zu ausgewählten zeitgenössischen Theorien der sexuellen Befreiung der Frau. Hier beziehe ich mich auf Catharine A. MacKinnon, Nancy Fraser und Naomi Wolf. Die US-amerikanische Anwältin und Feministin bezweifelt, in Anbetracht der männlichen Vormachtstellung und des Scheiterns der Zweiten Frauenbewegung, dass Frauen sexuell befreit sein können; es sei denn, es kommt zu einem juristischem Wertewandel. Mit dem Postsozialismus eröffnet die Philosophin und Feministin 1. Einleitung 5 Nancy Fraser zwar einen Gegenentwurf zum gegenwärtigen Kapitalismus, jedoch fußt ihre Utopie auf einer diskursgerichteten Öffentlichkeit. Zuletzt stelle ich mit dem Power-Feminismus den Kern der emanzipatorischen Theorie Naomi Wolfs vor, welcher ein positives Gesellschaftsbild kreiert, dem es jedoch an weiterer theoretischer Untermauerung ermangelt. So beschränke ich die Analyse auf Beatriz Preciado und Amy Allen: Preciado charakterisiert die gegenwärtige Situation als heterozentristisch. Eine Besserung gestaltet sich für Preciado in Gestalt der Dildo-zentrierten Kontra-Sexualität, welche sich der Binarität geschlechtlicher Zuschreibungen entsagt. Um dies zu erreichen, werden derzeit als abnormal geltende sexuelle Praktiken zur Doktrin. Kennzeichnend für diese Praktiken, die ich im 4. Kapitel näher beschreibe, ist eine Loslösung der körperbezogenen Interaktion, vielmehr manifestiert sich dies im Dildo und in schmerzhaften Handlungen an sich selbst und untereinander. Preciado beschreitet mit der Gegenstands- und Anus- Zentriertheit einen neuen Weg, weil es damit zu einer Aneignung der kapitalistischen (Produktions-)Logik kommt, wenngleich die Reproduktion eingeschränkt ist, diese allerdings überhöht und Sexualität einen subversiven, die Gesellschaft durchdringenden Charakter bekommt. Ökonomisch sieht Preciado vor, die Gesellschaft auf Null zu setzen, da jede Form des Eigentums der gesamten Gesellschaft zugeführt wird. Im Rahmen dessen verliert das einstige gesellschaftliche Ideal, der Playboy (in Anknüpfung an das gleichnamige Männermagazin) seinen Reiz. Amy Allen geht von einer ungerechten Welt aus, in welcher Frauen das Nachsehen haben. Auf Basis der Analyse bisheriger Ansätze, die sich entweder auf domination oder auf empowerment konzentierten (und somit einseitig sind), besteht ihre Lösung in einem hegemonialkritischen Tool-Kit, mit deren Hilfe Frauen die männliche Dominanz überwinden und sie sich untereinander solidarisch zeigen. Zu betonen ist, dass Allen nicht die primäre Absicht eines Utopie-Entwurfes verfolgt, sondern eher die Vorarbeit leistet, welche sich in das gegenwärtige kapitalistische System integrieren lässt, so nichtsdestotrotz die alte Gesellschaft negiert. Ferner helfen ihr hierbei die Vorder- und Hintergrundperspektive, eine Selbsttransformation der Gesellschaft zu erreichen. 1. Einleitung 6 Bevor ich die beiden letztgenannten Theorie-Utopien in Rückgriff auf Marcuses Begriff der sexuellen Befreiung der Frau analysiere, illustriere ich kurz zwecks der besseren Einordnung Marcuses, die Studierendenproteste um 1968 in der BRD, die sich ebenfalls zu der Zeit sich ereigneten Kulturrevolution, wobei ich hier im Wesentlichen auf die feministischen Entwicklungen eingehe und auf die Ursprünge des psychoanalytisch-marxistischen Denkens, an welche Marcuse anschließt. Hier beschränke ich mich auf Alfred Adler, Helene Deutsch und Wilhelm Reich. So konzentriert sich Adler auf die Machtlosigkeit von Kindern gegenüber den Eltern und Frauen gegenüber dem Partner, während sich Deutsch für den Prozess der Frau-Werdung und den Einfluss des Vaters auf die sexuelle Entwicklung der Frau interessiert. Die Kernaussage Reichs ist, dass Sexualität die Basis der ganzheitlichen Gesundheit darstellt. Im Anschluss an diese Hinführungen lege ich Marcuses Begriff der sexuellen Befreiung der Frau unter Zuhilfenahme der oben beschriebenen Trias dar, welche auch Analyse-Grundlage für Preciado und Allen ist. Diese Arbeit präsentiert Marcuse als Feminist, deren Absicht es ist, das Selbstverständnis von Frauen als eigenständige Individuen zu stärken und sie keinesfalls im Status der Hausfrau bzw. monoton Arbeitenden belässt. Dies ändert sich, durch Frauen initiiert und getrieben, in der Great Society, in welcher die weiblichen Qualitäten die vorherrschende Staatsmaxime sind, gepaart mit dem Arbeitsverständnis, wonach es ausreicht, wenn sich jede*r gemäß der eigenen Fähigkeiten einbringt. Nach der Analyse fasse ich die Arbeit und das Ergebnis kurz zusammen, lege die Bedeutung für weitere Forschung dar und gebe einen Ausblick auf weitere Forschungsfragen. Anschlussfähig sind Arbeiten, die sich mit safe spaces aus heterosexueller Perspektive auseinandersetzen, aber auch Forschung, die die gesellschaftliche Problemlösungskompetenz des klitoralen Orgasmus in Anknüpfung an Anne Koedt ergründet, ergänzt im eine Interpretation Marcuses. Zuletzt ergründe ich in Polyamorie eine Art sexueller Freiheit. 1. Einleitung 7

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Pia Lütkebomert bietet eine neue Sicht auf den weitgehend in Vergessenheit geratenen Philosophen, Politologen und Soziologen Herbert Marcuse (1898–1979). Seine Wertschätzung der Frauen stellt in den aktuell misogynen Zeiten einen Gegenpol dar, und gegenwärtige Theoriedebatten profitieren von seiner Sicht auf das gesellschaftliche Miteinander.

Die Arbeit zeichnet zuerst den Begriff der sexuellen Befreiung der Frauen nach Marcuse nach. Dies folgt der Trias bestehend aus Analyse der gegenwärtigen Gesellschaft, der Phase des Übergangs und der Utopie, welche die Grundlage für die Analyse der herangezogenen zeitgenössischen Ansätze nach Preciado und Allen bildet.

Im Schlussteil gibt die Arbeit einen Ausblick auf weitere Forschungsfragen zur Bedeutung von safe spaces aus heterosexueller Perspektive, dem gesamtgesellschaftlichen Nutzen der Praktik des klitoralen Orgasmus, um gesellschaftliche Probleme zu lösen, sowie zu Polyamorie, welche die Individualität weiblicher Bedürfnisse widerspiegelt. Das übergeordnete Ziel der Arbeit ist es, die Leserschaft für feministische Utopie-Theorie zu sensibilisieren.