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Einleitung in:

Mehmet Koc

Jugendextremismus als Herausforderung der Sozialen Arbeit, page 9 - 10

Eine vergleichende Analyse vom jugendlichen Rechtsextremismus und Islamismus

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4361-5, ISBN online: 978-3-8288-7316-2, https://doi.org/10.5771/9783828873162-9

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Soziale Arbeit, vol. 3

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
9 Einleitung Islamismus und Rechtsextremismus scheinen sehr weit voneinander entfernt zu sein, doch in mindestens einem Aspekt ist ihnen eine Sache gemeinsam. In beiden Phänomenbereichen sind Hinwendungen junger Menschen zu radikalen Gruppen zu beobachten. Eine überdurchschnittliche Anziehungskraft radikal-extremistischer Szenen und die Hinwendung junger Menschen dorthin bedeutet im Ganzen betrachtet, dass sukzessive demokratische Grundwerte bei Jugendlichen an Bedeutung verlieren. Solche Entwicklungen müssten die Demokratie beunruhigen (vgl. Rauschenbach 2015: 3). Für Jugendliche geht in extremistischen Kreisen eine Selbstgefährdung wie Fremdgefährdung mit ein, da extremistische Ideologien Gewalthandeln legitimieren und sogar zu terroristischen Taten führen können. Sowohl für die Gesellschaft als auch für die Soziale Arbeit stellen sich in diesem Kontext des Jugendextremismus zwei wichtige Fragen. Einerseits die Frage, wie Radikalisierung – unabhängig welcher Phänomenbereich es ist – bei jungen Menschen entsteht. Und daran anschließend die Frage, wie ihr pädagogisch begegnet werden kann (vgl. ebenda). Genau dieser Fragenkomplex, welche phänomenspefizischen Besonderheiten von Islamismus und Rechtsextremismus im Jugendalter vorliegen und welche pädagogischen Ansätze dem Jugendextremismus entgegenwirken können, ist das zentrale Thema der vorliegenden Arbeit. Jugendextremismus als Bezeichnung zur Erfassung des Sachverhaltes eignet sich deswegen, weil es sich nicht auf eine einzige Extremismusform beschränkt und somit Stigmatisierungen von Bevölkerungsgruppen keinen Raum lässt (vgl. Herding 2013: 11). Gleichzeitig wird damit jedoch ein Problembewusstsein vermittelt, dass Radikalisierung und Extremismus Phänomene darstellen, die auch bei jungen Menschen auftreten. An dieser Stelle ist allerdings zu unterstreichen, dass weder Rechtsextremismus noch Islamismus nur Jugendprobleme darstellen, sondern stets im gesamtgesellschaftlichen Kontext als gesellschaftliches Problem und Herausforderung betrachtet werden müssen (vgl. Krafeld 2007: 19; Oulad MHand 2015: 236f.; Köttig 2008b: 2). Die Arbeit beginnt mit der Begriffsbestimmung elementarer Begrifflichkeiten, die im Themenbereich des Jugendextremismus von Bedeutung sind. Hierbei werden Radikalisierung, Extremismus, Rechtsextremismus und Islamismus jeweils definiert (Kapitel 1). Im Anschluss an die Definitionen erfolgt ein kurzer Blick auf aktuelle Rahmenbedingungen der Jugendarbeit sowie Herausforderungen von Jugendlichen (Kapitel 2). 10 Da es beim Jugendextremismus um Jugendliche und junge Menschen geht, widmet sich das folgende Kapitel der Lebensphase Jugend. Die Besonderheiten und Merkmale dieser spezifischen Lebensphase werden ebenso herausgearbeitet wie ihre soziale Bedeutung. Insbesondere die Entwicklungsaufgaben (Qualifikation, Bindung, Konsum und Partizipation) werden näher betrachtet, weil sie als Erklärungsansätze zu Hinwendungsmotiven junger Menschen in extremistische Kreise herangezogen werden (Kapitel 3). Eine ebenso phämomenübergreifende Analyse erfolgt zur Radikalisierung, wo grundlegende Bausteine und Risikofaktoren dargestellt werden und gleichzeitig die Prozesshaftigkeit der Radikalisierung thematisiert wird. Im selben Kapitel wird aufgezeigt, dass Jugendextremismus eine gewisse Vielschichtigkeit von aktuellen Herausforderungen der Jugend aufweist und ebenso die Bedeutung des Themas für die Soziale Arbeit angeführt. Forschungsstände zum Rechtsextremismus und Islamismus im Jugendalter schließen das Kapitel ab (Kapitel 4). Die folgenden zwei Kapitel fokussieren sich phänomenspezifisch jeweils auf Rechtsextremismus (Kapitel 5) und Islamismus (Kapitel 6) im Jugendalter. Dabei fungieren die jeweiligen ideologischen Aspekte, jugendkulturellen Elemente, Hinwendungsmotive und Ursachen sowie genderspezifische Perspektiven als Analysekategorien, anhand derer der Vergleich in Bezug auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Phänomene (Kapitel 7) ermöglicht werden. Das letzte Kapitel handelt darüber, wie und mit welchen pädagogischen Ansätzen sich dem Rechtsextremismus und Islamismus (Kapitel 8) bei jungen Menschen entgegenwirken lassen. Hierbei werden Möglichkeiten sowie Grenzen der sozialarbeiterischen Praxis mit den unterschiedlichen Zielgruppen insbesondere im Kontext der Offenen Kinderund Jugendarbeit thematisiert. Zuletzt folgt das Fazit, wo zentrale Ergebnisse festgehalten werden und die Arbeit mit einem Ausblick beendet wird.

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Zusammenfassung

Extremismus gefährdet Jugendliche in vielerlei Hinsicht und gewinnt zunehmend wieder an Bedeutung für die Soziale Arbeit. Durch die Entwicklung von extremistischen Einstellungsmustern gefährden Jugendliche dabei sich selbst und andere Personen zugleich. Es lässt sich beobachten, dass demokratische Grundwerte bei Jugendlichen sukzessive an Bedeutung verlieren. Aus dem pädagogischen Auftrag zur Erziehung von Kindern und Jugendlichen zu „eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten“ (§1 SGB VIII) ergibt sich die Aufgabe der Sozialen Arbeit, sich mit dem Jugendextremismus intensiv zu befassen. Im vorliegenden Buch wird hierzu eine vergleichende Analyse vom jugendlichem Rechtsextremismus und Islamismus vorgenommen und aufgezeigt, welchen Herausforderungen sozialarbeiterische Praxis ausgesetzt ist und wie hiermit fachlich umgegangen werden kann. Die Arbeit wurde mit dem Johanna-Kirchner-Preis 2018 ausgezeichnet.