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4 Radikalisierungsprozesse bei Jugendlichen – Eine phänomenübergreifende Annäherung und ihre Bedeutung für die Soziale Arbeit in:

Mehmet Koc

Jugendextremismus als Herausforderung der Sozialen Arbeit, page 27 - 39

Eine vergleichende Analyse vom jugendlichen Rechtsextremismus und Islamismus

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4361-5, ISBN online: 978-3-8288-7316-2, https://doi.org/10.5771/9783828873162-27

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Soziale Arbeit, vol. 3

Tectum, Baden-Baden
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27 4 Radikalisierungsprozesse bei Jugendlichen – Eine phänomenübergreifende Annäherung und ihre Bedeutung für die Soziale Arbeit 4.1 Radikalisierung als Prozess Die zu Beginn angeführte Definition von Radikalisierung „als Prozess, durch den Personen oder Gruppen zu Extremisten werden“ (Neumann 2017: 43) zeigt auf, welche enge und ineinander übergehende Bedeutung Radikalisierung und Extremismus haben. Demnach kann für jeden Extremisten geschlussfolgert werden, zugleich eine radikalisierte Person zu sein. Der Umkehrschluss, dass jeder sich radikalisierende auch ein Extremist sei, ist in Anlehnung an diese Definition nicht haltbar. Zudem wird durch diese kurze, aber prägnante Kurzdefinition die Prozesshaftigkeit von Radikalisierung angesprochen. Während dieses Prozesses werden Radikale oder sich noch radikalisierende Menschen häufig als Extremisten bezeichnet, was folglich nicht zutrifft. Radikalisierungsprozesse kennzeichnen sich durch ihre Komplexität aus und können nicht mit einzelnen Ursachen erklärt werden, sodass erst die Betrachtung des Zusammenspiels von verschiedensten Faktoren zum Voranschreiten der Radikalisierung führen und in Extremismus münden kann (vgl. ebenda: 46f.). Bevor die Faktoren und der Prozesscharakter von Radikalisierung vertiefter behandelt werden, sei eine umfassendere Definition von Radikalisierung angeführt, die es ermöglichen soll, auf einzelne Merkmale und Ebenen des komplexen Prozesses eingehen zu können: „Radikalismus (von spättlat. Radicalis = eingewurzelt), auf die Wurzel (radix) gehende Haltung, Einstellung oder Bewegung; entschiedenes, auf grundsätzliche Umgestaltung bestehender Denk- Orientierungs- und Handlungsweisen sowie gesellschaftl. Strukturen ausgerichtetes System von Auffassungen und Aktionen. In zugespitzter Form ist R. als Extremismus hinsichtlich der Vorstellungen und Maßnahmen zur Lösung polit. oder theoret. Fragen des sozialen Lebens intolerant, kompromiss- und konzessionslos gegenüber Andersdenkenden.“ (Hillmann 2007, S. 722 zitiert in Ceylan/Kiefer 2018: 41). Diese Definition zeigt ein besonderes Merkmal auf, die für jegliche Radikalisierungsprozesse, unabhängig welche Ideologie zugrunde liegt, gültig sein kann. Demnach wird die eigene Überzeugung auf eine vermeintliche Wurzel zurückgeführt, die für die vertretenden Personen den Status eines „wirklich authentischen Zustand[es]“ (Ceylan/Kiefer 28 2018: 41) aufweist. Durch den eigenen Bezug zu einer vermeintlich authentischen Wurzel geht unmittelbar einher, dass die gegenwärtig gültigen Werte-, Ordnungs- und Herrschaftssysteme einer absoluten Kritik ausgesetzt werden. Die Verinnerlichung der Existenz, Gültigkeit und Verbindlichkeit einer ideologischen Wurzel führt sukzessiv zum Gedanken, dass eine radikale Umänderung der bestehenden Denk-, Orientierungs- und Handlungsweisen und die damit verbundenen gesellschaftlichen Zustände sowohl beim Individuum als auch der gesamten Gesellschaft als notwendig angesehen und erstrebt werden (vgl. ebenda). Ceylan/Kiefer (2018) zeigen interessanterweise auf, welche metaphorische Bedeutung aus der Vorstellung des Bezugs zu einer Wurzel folgt. Ihnen zufolge werden seitens der sich radikalisierenden und bereits radikalisierten Personen alle anderen Weltanschauungen als „Fremdwuchs“ bzw. „Unkraut“ (ebenda) betrachtet, welche sich von der eigentlichen Wurzel immer weiter entfernt haben und daher falsch und illegitim sind. Diese bereits auf der bildlichen Ebene internalisierte Vorstellung von der eigenen absolut-richtigen Ideologie birgt daher das Potenzial, die eigenen ideologischen Ziele mit allen Mitteln, sowohl mit nicht-gewalttätigen als auch gewalttätigen Mitteln, durchsetzen zu können und zu wollen (vgl. ebenda). Der Prozess der individuellen Veränderung im Denken und den eigenen Einstellungen kann daher auf Grundlage jeglicher politischer oder religiösen Ideen stattfinden und in Extremismus als Endphase der Radikalisierung enden, wo Pluralismus und Meinungsvielfalt abgelehnt werden und die eigene Ideologie versucht wird, bedingungslos realisiert zu werden. Daher kann das Ende eines Radikalisierungsprozesses im kognitiven Extremismus, d. h. der Verfestigung und Verinnerlichung von ideologischen Denkstrukturen enden oder im gewaltbereiten Extremismus, welches mit der bedingungslosen Realisierung der eigenen Ideologie einhergeht und dabei demokratische Werte wie Meinungsverschiedenheit, Toleranz und die demokratische Ordnung an sich ihre Gültigkeit verlieren (vgl. ebenda: 42). Die intensive Befassung und das Verstehen der Komplexität und Vielschichtigkeit des Prozesses von Radikalisierung sind erforderlich, damit angemessene Angebote zur Prävention konzipiert werden können (vgl. Zick 2017: 19). Doch von welcher Vielfalt ist im Kontext der Radikalisierung die Rede und welche Kerndimensionen sowie zentralen Elemente als mögliche Faktoren zum Voranschreiten der Radikalisierung weist sie auf? Vorweg ist festzuhalten, dass Radikalisierung sowohl in Form einer Selbstradikalisierung erfolgen kann, die vor allem aus der sozialen Isolation einer Person her resultiert. Andererseits kann Radikalisierung in 29 Gruppenformaten und Zellen erfolgen. Beide Wege der Radikalisierung sind multifaktoriell bestimmt und haben verschiedene Faktoren auf unterschiedlichen Ebenen. Bei der intrapersonellen Ebene geht es um das Individuum, ihre Persönlichkeitsmerkmale, Dispositionen und die (verzehrte) Wahrnehmung der Realität. Auf der interpersonellen Ebene wirken vorhandene Beziehungen auf sozialer Ebene sowie entsprechende Netzwerke als Push-Faktoren der Radikalisierung. Das Nicht-Vorhandensein sozialer Beziehungen hat ebenso Auswirkungen auf den Prozess. Die intergruppale Ebene stellt den Rahmen der Selbstidentifikation mit einer ideologischen Gruppe dar, die sich durch spezifische Gruppendynamiken wie der Konstruktion von Feindbildern und Grenzziehung zu „Anderen“ charakterisiert. Die ideologisch-strukturelle Ebene beim Radikalisierungsprozess verweist auf die institutionellen und strukturellen Ressourcen hin, von denen die ideologischen Grundlagen zur Verfügung gestellt und seitens der ideologischen Anhängerschaft rezipiert werden (vgl. Zick 2017: 19 ff.). Unter Berücksichtigung dieser multifaktoriellen Charakterzüge des Radikalisierungskontextes wird nun ersichtlich, auf welchen unterschiedlichen Ebenen die Entwicklung von der anfänglichen Neigung zu einer Ideologie bis hin zu (terroristischen) Gewalttaten erfolgt. Radikalisierung in diesem Sinne kennzeichnet sich durch die sukzessive Extremisierung der individuellen und kollektiven Emotionen, Ideologien und Verhaltensweisen, die über die Ablehnung von bestehenden Normen bis hin zur selbstlegitimierten Anwendung von Gewalt gegen die Gesellschaft und ihrer Mitglieder richten kann (vgl. ebenda: 18). Als zentrales Element der Radikalisierung nennt der Sozialpsychologe Andreas Zick die „kollektive Botschaft“ (ebenda: 19). Während des gesamten Radikalisierungsprozesses ist es diese kollektive Botschaft, die der Anhängerschaft mittels impliziter und expliziter Verleitung eine subjektive Sinnhaftigkeit verleiht. Die kollektive Botschaft, bei der es sich um die extremistische Ideologie an sich handelt, bestimmt die Regelung über die (Nicht)-Zugehörigkeit und setzt klare Feindbilder auf. Gleichzeitig wird das Verhältnis mit den dem Kollektiv zugehörigen Personen und ihren Feinden festgelegt, welches zur Definition der eigenen Identität und des Selbstwertes beiträgt. Die extremistische Ideologie erklärt die Welt zugleich sehr einfach, mit der ihre zentrale Rolle im Radikalisierungsprozess begründet wird. Zugleich muss allerdings erwähnt werden, dass die Radikalisierungsforschung uneinig darüber ist, ob und inwiefern die Ideologien, wie beispielsweise ein rechtsextremes und islamistisches Weltbild, eine 30 entscheidende Rolle im Radikalisierungsverlauf spielen. Während einige Wissenschaftler_Innen die Ideologie als treibende Komponente der Radikalisierung sehen, schreiben andere den Ideologien eine nachrangige Bedeutung zu, die lediglich zur Legitimation der eigenen Handlungen angebracht wird (vgl. ebenda: 19). Als Dimensionen der Radikalisierung lassen sich ihre bereits erwähnte Prozesshaftigkeit und ihre Expressivität, ihr Inszenierungscharakter sowie individuelle Präferenzen und soziale Motive festhalten. Während des Radikalisierungsprozess kommt es zu einer Polarisierung von Emotionen und Einstellungsmustern, die mit den herrschenden gesellschaftlichen Normen unvereinbar empfunden werden. Gewalt wird dabei zu einem legitimen Mittel, die sich gegen Menschen und Sachen mit symbolischer Bedeutung richten kann. Zugleich handelt es sich um einen sozialen Prozess, der sich durch ihre Bezüge auf bestimme Gruppen, Ideologien und Identitäten bezieht. Die Expressivität zeigt sich sowohl in der Radikalisierung als auch in der daraus folgenden Gewalt, bei der eine Ideologie befolgt wird, unabhängig davon, wie schwer verständlich und komplex sie ist. Die Erscheinungsform der Gewalt, ihre Androhung und Vermittlung als Botschaft ist stets emotional ausdrucksvoll, bei der die konstruierten Feindbilder als Ziele und Opfer markiert werden. Die symmetrische Zusammensetzung von unterschiedlichen Elementen der Radikalisierung weist auf ihren Inszenierungscharakter hin. Demnach erfolgt der schrittweise Weg zur Gewalt erst dann, wenn die zugrundeliegende Ideologie einerseits Gewalt nahelegt, sie als zwingend erforderlich propagiert und zugleich eine passende Frequenz zwischen den radikalisierenden Subjekten, ihrer Bezugsgruppen und den Handlungen darin erzeugt wird. Diese Herangehensweise ideologisch-radikaler Gruppen als Inszenierung zu betrachten, sei für Forschung und Prävention von großer Bedeutung (vgl. Zick 2017: 20f.). Die vierte Dimension der individuellen Präferenzen und sozialer Motive dient zur Erfassung, warum und welche spezifischen Elemente von Ideologien durch radikalisierende Personen internalisiert werden. Hierzu gehören individuelle Aspekte des Sozialisationsprozesses, der Disposition oder eigener Orientierungsmuster. Jedoch genügt die Auseinandersetzung mit den Dispositionen nicht, um die Radikalisierung von Menschen zu erklären. Soziale Motive, inwiefern jemandem in solchen Gruppen bestimmte Rollen zukommen und sie sich wohlfühlen, gehören ebenso dazu (vgl. ebenda: 22). Parallel zu den angeführten Dimensionen werden in der Radikalisierungsforschung fünf „Bausteine der Radikalisierung“ (Neumann 31 2017: 48) beschrieben, die zum Verständnis und zur Erklärung der Radikalisierung von Menschen herangezogen werden. Hierzu zählen Frustration, Drang, Ideen, Leute und Gewalt. Der erste Baustein der Frustration bezieht sich auf die individuell erlebten Misserfolge, die Menschen erleben, die Aufgaben an sich stellen, sie aber nicht verwirklichen können. Ausgrenzungs- und Diskriminierungserfahrungen zählen ebenso dazu, wie das Austragen von individuellen Identitätskonflikten. Insbesondere die durchgemachten Ausgrenzungs- und Diskriminierungserfahrungen und die daraus folgende Frustration birgt die Gefahr, dass es zu einer „kognitive[n] Öffnung“ (ebenda) kommt, durch die erst eine intensive Hinterfragung eigener Einstellungsmuster erfolgt und der Versuch unternommen wird, mit neuen Ideen, Werte- und Deutungssystem die Frustration zu überwinden (vgl. Neumann 2017: 49). Zur Frustration können auch kritische Lebensereignisse in der eigenen Biografie beitragen (vgl. Zick 2017: 27) Unter Drang werden emotionale Bedürfnisse von jungen Menschen subsummiert, die sich auf der Suche einer bedeutenden Identität, der Bindung zu Gruppen bzw. Gemeinschaften, individueller Statussicherung bzw. Ansehen und Abenteuerfreudigkeit befinden. Ebenso zählen hierzu jugendspezifische Faktoren wie Rebellion und Auflehnen gegen herrschende Werte und Normen oder gegenüber den älteren Generationen als Ausdruck von Protest. Diesem emotionalen Drang junger Menschen werden radikal-extremistische Gruppen insofern gerecht, da sie mit unkomplexen Erklärungen auf die Bedürfnisse der Jugendlichen eingehen und durch die Reduktion der Identität und der Welt in eine dichotomische Gut und Böse-Unterteilung selbst denjenigen eine Plattform geben, die ihre eigenen Erwartungen zur gesellschaftlichen Teilhabe nicht erfüllen konnten und daher frustriert sind (vgl. Neumann 2017: 49). Mit dem Baustein der Ideen positioniert der Extremismusforscher Peter Neumann sich zugleich in Bezug auf die Rolle der Ideologie beim Radikalisierungsprozess. Seiner Ansicht nach kommt der Idee bzw. der Ideologie eine wichtigere Rolle zu, als häufig angenommen. Da es sich bei extremistischen Handlungen um politisch-weltanschaulich begründete Gewalttaten handelt, kann die Komponente der Ideologie nicht ausgeblendet werden. Erst die Ideologie setzt Rahmen und Grenzen über Freunde und Feinde und stellt glorifizierend ein Idealziel auf, für die sich die Anhängerschaft einzusetzen hat. Politisch oder religiös begründete Ideen sind demzufolge für die Begründung von Radikalisierung erforderlich, da sie als richtungsweisende Legitimationsgrundlage zur Konstruktion und Identifikation von Schuldigen dient. Je nach Ideologie können es unterschiedliche Gruppen wie „die Ausländer“, „die 32 Juden“ oder „der Westen“ sein (vgl. ebenda). Die Lösung zur Vorgehensweise gegen die Feindbilder wird mit der Ideologie serviert, die beim Rechtsextremismus als „nationale Revolution“ (ebenda) oder beim Islamismus in der Errichtung eines „Gottesstaates“ gesehen und die Anhängerschaft durch die Verherrlichung dieser Ziele zu aktiver Teilhabe animiert wird (vgl. ebenda). Solche Feindinszenierungen sind vor allem bei den frühen Phasen von Radikalisierung entscheidend und haben unterschiedliche Funktionen. Einerseits wird die Bindung zum eigenen Kollektiv gestärkt und andererseits durch die Provokation von Feindgruppen ein Kreislauf von Aktion-Reaktion aufrechterhalten. Der Einsatz von dehumanisierenden und menschenverachtenden Elementen ist hierbei zentral (vgl. Zick: 2017: 28). Der vierte Baustein nach Neumann, die Leute, bezieht sich auf die Einflüsse innerhalb der sozialen Rahmenbedingungen, in dem Radikalisierung stattfindet. Hierzu zählt die Berücksichtigung der Verläufe in Netzwerken, Gegenkulturen, Kleingruppen und Cliquen, wo radikale Gruppen zur Rekrutierung neuer Mitglieder ansetzen und in den entstehenden Gruppengefügen das Gefühl von Zusammenhalt und aktive Handlungsbereitschaft entstehen. Besonders bedeutend sind dabei charismatische Persönlichkeiten und Anführer in solchen Gruppen, zu denen die jungen Menschen eine enge Bindung aufbauen und durch welche die zu erzielende gewaltbereite Einstellung und Handlungen einfacher erfolgen (vgl. Neumann 2017: 50). Mit dem fünften Baustein, der Gewalt, führt Neumann den Stellenwert der Gewalt bei radikalisierten Personen an. Entgegen der Meinung vieler Forscher, dass es sich bei der Gewalt um eine Konsequenz und keine Ursache von Radikalisierung handelt, führt er aus, dass der Aus- übung von Gewalt immer eine im vorherigen Schritt erfolgte Legitimation der Gewalt vorangeht. In diesem Sinne handele es sich bei den gewaltausübenden Personen nicht nur um das Ausleben von Aggression. Vielmehr werde die Gewalt als ein Akt der Selbstverteidigung oder Rache wahrgenommen und interpretiert. Somit spricht Neumann die Möglichkeit einer „aggressiven Veranlagung“ (Neumann 2017: 50) bei radikalisierten Personen nicht ab, betont aber damit zugleich, dass die sukzessive Wahrnehmung von Gewalt als etwas „Normales“ beim Radikalisierungsprozess dazu führen kann, Gewalt zumindest als legitimes und erforderliches Mittel zur Durchsetzung der eigenen Ideologie anzuwenden (vgl. ebenda). Zu einer solchen Normalisierung können die „Gewaltbühnen“ (Zick 2017: 29) zählen, bei der extremistische Gruppen ihre Taten medial aufarbeiten und durch die explizite Zurschaustellung von Gewaltakten zur intensiveren Radikalisierung von Menschen beitragen. 33 Die bisherige Analyse des Phänomens der Radikalisierung zeigt eine Vielschichtigkeit ihrer Kontexte und Dimensionen auf. Zugleich lässt sich ihr Prozess durch Bausteine näher bestimmen. Allerdings ist zu betonen, dass sie nicht als eine vollständige Theorie zur Erklärung von Radikalisierungsprozessen dienen, sondern eher als „analytische Werkzeuge“ (Neumann 2017: 50) zu verstehen sind. Als elementare Komponenten einer weitreichenden Radikalisierung lassen sich daher „eine unzufriedene Einzelperson, eine ermöglichende Gruppe und eine legitimierende Ideologie“ (Quent 2016: 42) festhalten. Bei der Radikalisierung von Jugendlichen sind die Elemente der Lebensphase Jugend, wie die Suche nach Identität und der Umgang mit den Entwicklungsaufgaben, mit zu berücksichtigen. Nach Van der Valk gibt es diverse Parallelen bei den Radikalisierungsverläufen zwischen islamistischen und rechtsextremistischen Jugendgruppen (vgl. ebenda). Auf die Untersuchung solcher Gemeinsamkeiten und Unterschiede und phänomenspezifischer Aspekte beim Rechtsextremismus und Islamismus im Jugendalter richten sich die folgenden Kapitel der vorliegenden Arbeit. Zuvor erfolgt allerdings eine Verortung des Themenkomplexes in Bezug auf die Relevanz und Bedeutung von Jugendextremismus als Thema und Herausforderung der Sozialen Arbeit sowie einer Darstellung der gegenwärtigen Forschungsstände zu diesen Themenbereichen. 4.2 Vielschichtigkeit des Jugendextremismus und ihre Bedeutung für die Soziale Arbeit Die bisherige Skizzierung zum Themengebiet der Lebensphase Jugend, der aktuellen Herausforderungen der Jugend und der Prozesshaftigkeit von Radikalisierung zeigen auf, dass Jugendextremismus viele Überschneidungen zu den in Kapitel 2.2 dargestellten grundlegenden Herausforderungen hat. Hierzu zählen neben dem Umgang mit den neuen Medien, Jugendgewalt und dem politisch-weltanschaulichen Extremismus die Aspekte der Qualifizierung, Selbstpositionierung und der Wunsch nach Verselbstständigung von Jugendlichen (vgl. BMFSFJ 2017: 6). Jugendextremismus hat daher viel mit der Frage der Selbstpositionierung und der eigenen Identitätssuche zu tun. Weiterhin werden die Sozialen Medien von rechten wie islamistischen Gruppierungen aktiv verwendet, um viele Menschen zu erreichen. Da die heutige Jugend vor allem in Sozialen Medien eine „Sozialisation“ erfährt, wirkt der Jugendextremismus vielschichtig. Gleichzeitig tendieren extremistische Gruppierungen zur Gewaltverherrlichung gegenüber den jeweils „Anderen“, welches durch den Einsatz von violenten Medien oder aber auch Musik erfolgt (vgl. ebenda: 241 ff.). Damit geht eine unmittelbare 34 Affinität für Gewalt einher, sodass bspw. Jugendgewalt ein untrennbarer Bestandteil des Jugendextremismus ist. Es stellt sich allerdings die Frage, inwiefern der Jugendextremismus zur Verantwortung und Aufgabe der Sozialen Arbeit gehört. In den Sozialgesetzbüchern ist kein expliziter Verweis auf die Bearbeitung von demokratiefeindlichen Bestrebungen zu erkennen (vgl. Klose/Müller 2016: 60f.). Jedoch gehört es auch zur Aufgabe der Sozialen Arbeit, Kinder und Jugendliche „vor Gefahren für ihr Wohl zu schützen“ (§1 Abs.3 SGVIII) und sie „zur Selbstbestimmung [zu] befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und zu sozialem Engagement an[zu]regen und hin[zu]führen.“ (§11 SGB VIII; vgl. Klose/Müller 2016: 60f.). Der Jugendextremismus gefährdet Jugendliche in vielerlei Hinsicht. Durch die Zuneigung zur Gewalt gefährden sie sich selbst und andere Personen. Nicht zuletzt rührt aus dem pädagogischen Auftrag der Erziehung von Kindern und Jugendlichen zu „eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten“ (§1 SGB VIII) die Aufgabe der Sozialen Arbeit, sich mit dem Jugendextremismus zu befassen. Insbesondere das Konzept der Entwicklungsaufgaben zeigt, dass der Sozialen Arbeit neben Familie und Schule eine wichtige Funktion als Sozialisationsinstanz zukommt, damit Jugendliche die herangetragenen Entwicklungsaufgaben erfolgreich überwinden und somit nicht über alternative Kompensationswege wie der Hinwendung zu politisch-weltanschaulich radikalen Gruppen versuchen, den Misserfolg der individuellen und gesellschaftlichen Integration in die Gesellschaft zu bezwingen (vgl. Hurrelmann/Quenzel 2016: 29). Um aus einem gesamtperspektivischen Blick das Thema anzugehen, wird der Jugendextremismus aus einer vergleichenden Perspektive des Rechtsextremismus und Islamismus im Jugendalter nun näher untersucht. 4.3 Forschungsbefunde in Bezug auf Rechtsextremismus und Islamismus im Jugendalter 4.3.1 Rechtsextremismus im Jugendalter Der Forschungsstand zum Rechtsextremismus und dem pädagogischen Umgang damit weist eine etablierte Fachpraxis und theoretische Auseinandersetzung von ca. 25 Jahren auf. Er ist als menschenverachtende Ideologie gut erforscht (vgl. Glaser 2017: 212). Aber auch zum pädagogischen Umgang damit liegt ausreichend Literatur vor (Elverich/Glaser/Schlimbach 2009; Pingel/Rieker 2002; Hohnstein/Greuel 2015). Hierbei ist die „akzeptierende Jugendarbeit“ nach Krafeld ein Ansatz, 35 welcher vor allem bei Jugendlichen angewandt und zugleich viel kritisiert wurde. In der Rechtsextremismus-Forschung sind empirische Arbeiten und Bezüge zu den Biografien von Jugendlichen vorhanden (bspw. Köttig 2004). Sie stellt fest, dass bis in die Gegenwart vor allem quantitative Einstellungsuntersuchungen bei Jugendlichen vorliegen, welche die Forschungslandschaft dominieren (vgl. Köttig 2004: 24). Jedoch werden quantitative Untersuchungen rechtsextremer Einstellungen bei Jugendlichen schon seit den 1990er-Jahren kritisiert, weil damit keine ausreichenden Verständnisse der Entstehung erreicht werden könnten. Ebenso habe die rechtsextreme Einstellungsuntersuchung bei Jugendlichen lange Zeit genderspezifische Wahrnehmungen und Bewertungen außen vorgelassen (vgl. ebenda: 24f.). Daher kommt der genderspezifischen Analyse von Köttig (2004) eine besondere Bedeutung zu. Ihre Forschungsarbeit „Lebensgeschichten rechtsextrem orientierter Mädchen und junger Frauen- Biographische Verläufe im Kontext der Familien- und Gruppendynamik“ hat schon relativ früh aus der „Genderperspektive“ einen Blick auf extremistische Kreise gerichtet, das in der Extremismusforschung lange Zeit unberücksichtigt geblieben ist (vgl. Baer/Weilnböck 2017: 79). Darüber hinaus liegt der Fokus auf dem jugendkulturellen Rechtsextremismus sowie den Straf- und Gewalttätern. Hingegen gibt es Forschungslücken in Bezug auf Führungspositionen in den rechten Szenen (vgl. Glaser 2017: 212 ff.). Der jugendkulturelle Blick wird von den Autoren Glaser/Pfeiffer (2017) als „Erlebniswelt Rechtsextremismus- modern-subversiv-hasserfüllt“ erfasst und die menschenverachtende Ideologie auf ihren Unterhaltungswert für junge Menschen untersucht. Neue vergleichende Perspektiven in Bezug auf den Islamismus thematisieren vor allem gemeinsame Hinwendungsmotive. Entscheidende Unterschiede müssten jedoch ebenso thematisiert werden (vgl. Glaser 2017).7 Es gibt eine ausdifferenzierte Forschungslandschaft über Rechtsextremismus, allerdings kaum empirische Befunde über Ursachen, Prozesse und Interaktionsdynamiken in rechtsextremen Milieus (vgl. Quent 2016: 39). Eine große Anzahl von Literatur widmet sich dem pädagogischen Umgang mit rechtsextrem orientierten und gefährdeten Jugendlichen. Der Sammelband von Baer/Möller/Wiechmann (2014) zeichnet einerseits die Rahmenbedingungen des spezifischen pädagogischen Handlungsfeldes auf. Gleichzeitig werden verschiedenste Praxisansätze und Erfahrungen aus der Sozialen Arbeit vorgestellt, die mit 7 Interview mit Michaela Glaser https://www.mitmischen.de/diskutieren/nachrichten/Maerz_2017/Extremismus/index.jsp, Zugriff am 01.04.2018. 36 „rechten Jugendlichen“ arbeiten. Die Jugendbildung und schulbezogene Präventionsarbeit, die Jugend-, Straffälligen- und Familienhilfe, die Offene Jugendarbeit und die aufsuchende Arbeit werden jeweils als zentrale Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit im Umgang mit der Zielgruppe beleuchtet (Baer/Möller/Wiechmann 2014: 5 ff.). Insgesamt lässt sich über die Forschungslandschaft von Rechtsextremismus im Jugendalter sagen, dass die breite Literaturlandschaft einen guten Ausgangspunkt für die intensive Befassung mit dem Thema ermöglicht. 4.3.2 Islamismus im Jugendalter Im Gegensatz zum Rechtsextremismus handelt es sich beim Islamismus um eine relativ junge Fachtradition. Bislang wurde zunächst „Islamismus“ als Begriff verwendet. Jedoch herrscht in der Wissenschaft keine Einigkeit darüber, welcher Begriff der Erfassung des Phänomens am meisten gerecht wird. Die empirische Forschung bezogen auf den Islamismus im Jugendalter ist in ihren Anfängen. Daher fehlen derzeit empirische Bezüge zu früh-familiären Erfahrungen. Das Zusammenwirken einzelner Faktoren hin zu einer islamistischen Radikalisierung ist ebenso nicht ausreichend erforscht. Hingegen liegt der Fokus auf Islamismus im Jugendalter auf ihrer jugendkulturellen Erscheinungsform bei Jugendlichen (Toprak/Weitzel 2017). Einen Forschungsbedarf gibt es in Bezug auf die spezifische Jugendphase im Leben der Jugendlichen (vgl. Glaser 2017: 214). Zum Phänomen des Islamismus im Jugendalter ist es erforderlich, auch Literaturen ohne expliziten „Jugendfokus“ mit einzubeziehen, da in den bisherigen Literaturen zwar von „jungen Islamisten“ gesprochen werde, die Bedeutung des Alters allerdings nicht thematisiert wird (vgl. Herding 2013: 23). Für den pädagogischen Umgang mit dem Islamismus in der Jugendarbeit wird es erforderlich sein zu prüfen, inwiefern die Erfahrungen aus der Arbeit mit rechtsextremen Jugendlichen eine Grundlage zur Entwicklung phänomenspezifischer Angebote darstellen. Wie zu Beginn der Arbeit ausgeführt, wird im Folgenden auf Salafismus als eine Bewegung innerhalb des Islamismus bezuggenommen, da gegenwärtige Forschungsbefunde mit diesem Begriff das Phänomen des Islamismus im Jugendalter beleuchten. Doch bevor die Forschungsbefunde hierzu untersucht werden, ist die Anführung einer Definition für diesen Begriff erforderlich. Folgende Definition umfasst die unterschiedlichen Facetten des Salafismus, die dann unter Kapitel 6 intensiver beleuchtet werden. Demnach handelt es sich beim Salafismus um „eine moderne, fundamentalistische und transnationale Strömung im 37 sunnitischen Islam, die eine strikte Orientierung am Wortlaut von Koran und Sunna und am Vorbild der frommen Altvorderen propagiert. Ziel ist es, sowohl die individuellen Gläubigen als auch die Gemeinschaft der Muslim_Innen (umma) zu „reinigen“ und zurück zum „wahren Glauben“ zu führen“ (Biene et al. 2017: 18). Salafismus in diesem Sinne kann unterschiedliche Züge annehmen und entweder religiöse, politisch-ideologische oder gar militante Formen aufweisen (vgl. ebenda). Welche Forschungsbefunde und Erkenntnisse liegen zu diesem Phänomen vor? Und wie sieht die Forschungslandschaft in Bezug auf den religiös-begründeten Extremismus im Jugendalter aus? Die Forschung und wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Salafismus in Deutschland ist ein „junges Forschungsfeld“ (vgl. ebenda: 47). Der erste nennenswerte Beitrag ist über die Bundeszentrale für politische Bildung im Jahr 2007 erfolgt, in dem in muslimischen Jugendszenen Ansätze zur Prävention gegenüber den Einflüssen salafistischer Missionare untersucht wurden. Die folgenden Jahre sind gekennzeichnet durch die Ver- öffentlichung zahlreicher Broschüren von unterschiedlichen Verfassungsschutzbehörden der Länder. Der erste wissenschaftliche Beitrag der Politikwissenschaftlerin Carmen Becker beschäftigte sich 2009 mit den Netzaktivitäten und Foren salafistischer Gruppierungen. Nachdem 2012 die Islamwissenschaftlerin Nina Wiedl einen Beitrag über Entstehung, Aktivitäten und Strukturen des Salafismus in Deutschland publizierte, wurde erst 2013 in gemeinsamer Herausgabe von dem Islamwissenschaftler Michael Kiefer und dem Soziologen und Religionspädagogen Rauf Ceylan die erste Monografie zu Salafismus im deutschsprachigen Raum veröffentlicht. Im Folgejahr stieg die Anzahl der Publikationen durch die Veröffentlichung von insgesamt fünf Sammelbänden mit 40 Beiträgen über Salafismus in Deutschland. Diese Publikationen (Said/Fouad 2014; Hummel/Logvinov 2014; Schneiders 2014; El- Gayar/Strunk 2014; Ceylan/Jokisch 2014) prägen die Forschung zu Salafismus grundlegend (vgl. Biene et al. 2017: 47f.). Kennzeichnend für die genannten Publikationen ist allerdings, dass sie zwar auf der Grundlage von Einschätzungen versuchen, Salafismus als Phänomen in konzeptioneller und ideengeschichtlicher Ausrichtung Erklärungsansätze zu bieten, entsprechende belastbare empirische Befunde hingegen kaum vorhanden sind. Zumal wird das junge Forschungsfeld über Salafismus von der Sicherheits-, Problem- und Gefahrenperspektive dominiert, da die meisten Beiträge in den Publikationen von Mitarbeiter_Innen stammen, die in Landeskriminalämtern und Verfassungsschutzbehörden tätig sind (vgl. ebenda: 49). 38 Entgegen dieser Sicherheitsperspektive liegen auch Publikationen vor, die auf der Grundlage von qualitativen Studien versuchen, die Anziehungskraft und Attraktion der salafistischen Bewegung für Jugendliche zu erklären. Ihre jugendkulturellen Erscheinungsformen als eine Gegenkultur werden ebenso herangezogen, wie die Auswirkungen von Desintegrationserfahrungen. Für die Soziale Arbeit und dem Umgang mit dem Salafismus erweist sich der Blick auf solche Analysen von gro- ßer Bedeutung (vgl. ebenda: 50f.). Sowohl die deutsche als auch internationale Forschungslandschaft weist eine große Lücke in Bezug auf Islamismus im Jugendalter und ihrer Bezüge zur Jugendphase auf. Herding (2013) stellt in ihrem Beitrag fest, dass Elemente der Lebensphase Jugend nicht ausreichend in die Erklärungsansätze der Attraktivität und Hinwendung zum Salafismus – sie verwendet den Begriff „radikaler Islam“ (Herding 2013: 23) - herangezogen werden. Biografische Verläufe in der Entwicklung junger Menschen seien ebenso wenig in die Radikalisierungsprozesse miteinbezogen. Daher ist ein zentraler Befund, dass zahlreiche Beiträge über die Ideologisierung und Radikalisierung von jungen Menschen sprechen, die phasenspezifischen Gründe und die Bedeutung solcher Aspekte unbeachtet bleiben (vgl. ebenda). Herding (2013) fasst zentrale Forschungsbefunde aus deutscher und internationaler Forschungslandschaft zu Islamismus im Jugendalter zusammen, die hier nur kurz ausgeführt werden sollen. So stellt sie fest, dass es einerseits Befunde gibt, die aus einer deskriptiven Perspektive Erkenntnisse und Orientierungen von Jugendlichen und der Erscheinungsformen von Islamismus im Jugendalter aufgreifen. Die analytische Perspektive greift die Frage auf, weshalb Jugendliche sich radikalen Gruppen hinwenden, wieso der Radikalisierungsprozess zu einer Internalisierung der Ideologie führt und in welchem Maße sich junge Menschen aktiv in radikalen Gruppen einbringen. Zu solchen Erklärungsmustern nennt sie als Oberkategorien die persönlich-biografischen Hintergründe der Akteur_Innen, den gesamtgesellschaftlichen Kontext, die sozialen Bindungen der radikalisierten Personen, die Attraktivitätsmomente in solchen Gruppen und Radikalisierungsmodelle (vgl. ebenda: 24). Das Buch „Lasset uns in sha´a Allah ein Plan machen - Fallgestützte Analyse der Radikalisierung einer WhatsApp-Gruppe“ von Ceylan/Dziri/Hüttermann/Kiefer/Roth/Srowig/Zick 2018) gilt als eines der ersten empirischen Analysen zum gewaltbereiten Salafismus im Jugendalter. Dabei versucht die interdisziplinare Forschungsgruppe auf der Grundlage der Analyse von Chat-Protokollen und Daten eine Rekonstruierung der Radikalisierungsprozesse vorzunehmen und geht auf unterschiedliche Ebenen wie Gruppendynamik und jugendkulturelle Aspekte ein. 39 Die Ergebnisse und Analysen dieses Buches werden genau wie die genannten Erklärungsmuster von Herding (2013) in Kapitel 6.3 der vorliegenden Arbeit näher beleuchtet, wenn die Fragen der Hinwendung und Ursachen aufgegriffen werden.

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References

Zusammenfassung

Extremismus gefährdet Jugendliche in vielerlei Hinsicht und gewinnt zunehmend wieder an Bedeutung für die Soziale Arbeit. Durch die Entwicklung von extremistischen Einstellungsmustern gefährden Jugendliche dabei sich selbst und andere Personen zugleich. Es lässt sich beobachten, dass demokratische Grundwerte bei Jugendlichen sukzessive an Bedeutung verlieren. Aus dem pädagogischen Auftrag zur Erziehung von Kindern und Jugendlichen zu „eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten“ (§1 SGB VIII) ergibt sich die Aufgabe der Sozialen Arbeit, sich mit dem Jugendextremismus intensiv zu befassen. Im vorliegenden Buch wird hierzu eine vergleichende Analyse vom jugendlichem Rechtsextremismus und Islamismus vorgenommen und aufgezeigt, welchen Herausforderungen sozialarbeiterische Praxis ausgesetzt ist und wie hiermit fachlich umgegangen werden kann. Die Arbeit wurde mit dem Johanna-Kirchner-Preis 2018 ausgezeichnet.