Content

1. Einleitung in:

Barbara Leven

Wahre Sammler, page 1 - 16

Die Praxis einer Leidenschaft vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Nationalsozialismus

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4355-4, ISBN online: 978-3-8288-7308-7, https://doi.org/10.5771/9783828873087-1

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Kunstgeschichte, vol. 14

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
1 1. Einleitung Alles Erinnerte, Gedachte, Bewußte wird Sockel, Rahmen, Postament, Verschluss seines Besitztums. Zeitalter, Landschaft, Handwerk, Besitzer, von denen er stammt – sie alle rücken für den wahren Sammler in jedem einzelnen seiner Besitztümer zu einer magischen Enzyklopädie zusammen, deren Inbegriff das Schicksal seines Gegenstandes ist. Hier also, auf diesem engen Felde lässt sich mutmaßen, wie die großen Physiognomiker – und Sammler sind Physiognomiker der Dingwelt – zu Schicksalsdeutern werden.1 Walter Benjamin Niemals zuvor wurde mehr, niemals vielfältiger gesammelt als zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Jahrhundertwende steht dabei als „Sattelzeit“ zwischen zwei Jahrhunderten, bei der das „als überlebt Empfundene“ und das „als neu sich Ankündigende“ mit voller Wucht aufeinanderprallten.2 Mit den im „langen 19. Jahrhundert“ verankerten und zu Beginn des 20. Jahrhunderts beschleunigten Veränderungen vollzog sich eine Metamorphose aller Lebensbereiche, ein Wandel der bisher bekannten Welt. Wachsende Industrialisierung, neue technische Errungenschaften, zunehmende Verstädterung, gesteigerter Nationalismus, politischer Antisemitismus, Aufstieg des Bürgertums und Anwachsen der Sozialdemokratie, Ausdifferenzierung der Wissenschaften, eine neue Medienvielfalt, der Wandel zur Massenkultur und die sich vergrößernde Vielfalt der Kunstströmungen sind einige Stichworte für die vielfältigen 1 Benjamin, Walter: Ich packe meine Bibliothek aus. Eine Rede über das Sammeln (1931). In: Benjamin, Walter: Gesammelte Schriften, Bd. IV, 1: Kleine Prosa, Baudelaire-Übertragungen. Hrsg. v. Tillmann Rexroth. Frankfurt am Main 1972, S. 388–396. 2 Haupt, Sabine/Würffel, Bodo Stefan: Vorwort. In: Dies. (Hrsg.): Handbuch Fin de Siécle. Ein Handbuch. Literatur, Kultur und Gesellschaft. Stuttgart 2008, S. XV–XVII, S. XV. 2 Einleitung Veränderungen in dieser Zeit. Getragen von einer zunehmenden Dynamisierung des Lebens, die unter der Bevölkerung sowohl Begeisterung für das Neue als auch Verunsicherung, Nervosität und Orientierungslosigkeit hervorrief, bilden sie den Hintergrund für die Entstehung einer enormen Zahl sowohl öffentlicher als auch privater Sammlungen. Hatte die im 19. Jahrhundert vollzogene Institutionalisierung der Geschichtsschreibung als Wissenschaft einerseits zu einer „Homogenisierung von Geschichtsdiskursen und deren Kanonisierung im Sinne dominanter Sichtweisen der Geschichte“3 geführt, zog man andererseits zum Verständnis gegenwärtiger Phänomene nun immer stärker auch „bisher wenig beachtete oder unbekannte historische Kulturen, Lebens- und Wissensbereiche, Kenntnisse, Gebräuche und Verhaltensweisen“4 ein und schuf damit neue Semantiken und Konzeptionen von Wissen.5 Die Vergangenheit erfuhr neue Relevanz und eine umfassende Aufwertung, und auch historische materielle und ideelle Kulturgüter erlangten eine neue Bedeutung: Sie galten als authentische Zeugen einer vergangenen Zeit, die es für die Nachwelt zu bergen und zu interpretieren galt. So wurde das Sammeln Teil einer neuen „Bewahrungskultur“6, die mit dem modernen Fortschritt einherging. Die neue zeitliche Beschleunigung bewirkte nicht nur, dass das jeweils Neue immer schneller veraltete, sondern sie erzeugte gleichzeitig das kompensatorische Verlangen, das Alte im umfänglichsten Sinn zu erhalten.7 Zusammengetragen wurden daher riesige Mengen kulturgeschichtlichen Materials, immer weitere neuartige Quellen kamen hinzu, Sachzeugen ebenso wie kunstgeschichtliche und schriftliche Quellen. Mit der „Expansion der Gegenstandswelt“8 und der „Pluralisierung der Zugriffsweise auf das Gegebene“9 gerieten schließlich vermehrt auch zeitgenössische Objekte in den Fokus der Sammler und Forscher. Innerhalb weniger Jahre erlangten sie eine „Dignität, die 3 Metzger, Franziska: Geschichtsschreibung und Geschichtsdenken im 19. und 20. Jahrhundert. Stuttgart 2011, S. 141. 4 Häntzschel, Günter: Samme(l)ei(denschaft). Literarisches Sammeln im 19. Jahrhundert. Würzburg 2014, S. 94. 5 Vgl. Metzger 2011, vor allem S. 188f. 6 Marquard, Odo: Wegwerfgesellschaft und Bewahrungskultur. In: Grote, Andreas (Hrsg.): Macrocosmos in Microcosmo. Die Welt in der Stube. Zur Geschichte des Sammelns 1450–1800. Opladen 1994, S. 909–918. Marquard geht davon, dass in der Frühen Neuzeit insbesondere „entdeckend“ gesammelt wurde, also die Welt entdeckt wurde, indem man ihre Kuriositäten und Neuheiten sammelte, bevor schließlich der Typus des „bewahrenden Sammelns“ dominant wurde. 7 Häntzschel 2014, S. 16. 8 Heesen, Anke te: Der Zeitungsausschnitt. Ein Papierobjekt der Moderne. Frankfurt am Main 2006, S. 47. 9 Heinßen, Johannes: Historismus und Kulturkritik. Studien deutscher Geschichtskultur im späten 19. Jahrhundert. Diss. Göttingen 2001/2002. Göttingen 2003, S. 167. 3 Einleitung sie [auch – Anm. d. Verf.] außerhalb ihres Gebrauchswerts sammelnswert“10 erscheinen ließen. Auch gänzlich neue Objektformen und Medien, die erst am Anfang ihrer Entwicklung standen, fanden Aufnahme in Sammlungen. Dort geordnet waren die modernen Objekte ein Beitrag gegen die Zerstreuung der sich stetig beschleunigenden und verändernden Welt und Repräsentanten für neue Konzeptionen von Kunst und Wissenschaft. Die Lebenswelt der Jahrzehnte um die Jahrhundertwende zeichnet sich dabei durch die Durchdringung von Rückwärtsgewandtheit und Progressivität, von Tradition und Innovation aus, in den Sammlungen dieser Zeit spiegelt sich dies wider: So sind darin Objekte beider Sphären vertreten, sie reflektieren in ihrer Vielheit und Vielfältigkeit die „herrliche Gleichzeitigkeit des – vermeintlich – Ungleichzeitigen“11. Das inhaltliche Spektrum, was als sammlungswürdig interpretiert wurde, war demnach breit gefächert, und wurde zudem stetig neu verhandelt. Dabei standen sich öffentliche Sammlungen als Vertreter der offiziellen Kultur und private Sammler gegenüber, von denen viele konventionellen Ausrichtungen folgten, andere sich aber auch durch einen gewissen Nonkonformismus auszeichneten. Diesen bisher in der Forschung wenig beachteten, den unkonventionellen Sammlern, die Walter Benjamin in den 1930er Jahren als die eigentlichen, die wahren Sammler bezeichnet hat, ist diese Untersuchung gewidmet. Denn obwohl auch wahre Sammler unzählige Spuren in vielen Archiven, Museums- und Universitätsdepots hinterlassen haben, hat man sich in der Sammlungsforschung bisher vornehmlich mit sammelnden Institutionen und anerkannt wertvollen Sammlungen und/oder berühmten Sammlern befasst. Wegen ihrer alternativen Perspektive auf die Dinge und ihrer Leidenschaft für das außerhalb der kanonisierten Ordnungen von Wissen und Geschmack Stehende wird wahren Sammlern heute oftmals Misstrauen entgegengebracht. Ihre Sammlungen werden zwar für bedeutsam genug gehalten, dass man sie aufbewahrt, jedoch werden sie selten erschlossen oder öffentlich gezeigt, weil sie sich nicht eindeutig in etablierte, gesellschaftlich anerkannte Wissensordnungen integrieren lassen. Sie fristen daher ein Dasein im Unbekannten und laufen deshalb auch Gefahr, vergessen 10 Ilgen, Volker/Schindelbeck, Dirk: Im Land des Sammelns. Einleitung. In: Dies. (Hrsg.): Jagd auf den Sarotti-Mohr. Von der Leidenschaft des Sammelns. Frankfurt am Main 1997, S. 7–24, S. 13. 11 Schaefer, Barbara: „Und zusammen ist das die Symphonie des XX. Jahrhunderts“. Die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen und die Kanonisierung der Moderne. In: Wesenberg, Angelika (Hrsg.): Impressionismus – Expressionismus. Kunstwende. Publikation zur Ausstellung der Alten Nationalgalerie Berlin. Berlin 2015, S. 61–68, S. 62. Schaefer bezieht sich hier auf die gleichzeitig verlaufende Tätigkeit von Hauptmeistern des Impressionismus und des Expressionismus in Deutschland und Frankreich zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Jedoch besteht diese Parallelität von Historizität und Gegenwart auch für andere Objekte privater Sammlungen. 4 Einleitung zu werden, ebenso wie ihre früheren Besitzer und deren Vorstellung davon, warum sie die Gegenstände einst für sammelwürdig hielten. In meiner Dissertation „Wahre Sammler. Die Praxis einer Leidenschaft vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Nationalsozialismus“ widme ich mich daher dem Phänomen des wahren Sammlers und frage vor dem Hintergrund der historisch gewachsenen Strukturen des konventionellen Sammelwesens danach, wo er sich darin eigentlich positionierte, welche Perspektiven er einnahm, wie er handelte und sich bewegte. Verfolgt wird damit zweierlei: Zum einen geht es darum, diesen im allgemeinen Bewusstsein weitgehend verlorengegangene Sammlertypus in die Kulturgeschichte des Sammelns zu reintegrieren. Zum anderen soll aufgezeigt werden, dass Kollektionen, angelegt von wahren Sammlern, keineswegs Ballast für die heutigen Depots der öffentlichen Sammlungen darstellen, sondern vielmehr hochspannende Perspektiven auf die Wissenschaftsgeschichte eröffnen, da sie durchaus auf gesellschaftlich, wissenschaftlich und künstlerisch relevante Positionen verweisen können. Da innerhalb der Sammlungsforschung bislang eine historisch-kritische Aufarbeitung der kulturellen Praxis des wahren Sammlers noch aussteht, soll meine Dissertation dazu beitragen, diese Lücke schließen und damit eine weitere Facette des Sammelwesens dieser Zeit entschlüsseln zu können. Indem diese Arbeit zudem für einen erweiterten Blick auf die materielle Kultur plädiert, gliedert sie sich ein in aktuelle Diskussionen über Definition und Umgang mit dem kulturellen Erbe. Anhand der Kollektionen von zwei wahren Sammlern – Anton Maximilian Pachinger (1864–1938, Linz/München) und Eduard Fuchs (1870–1940, Berlin) – untersuche ich in meiner Dissertation den Typus des wahren Sammlers exemplarisch. Im Vordergrund steht dabei die Einordnung dieser Sammlungen wie auch der Sammler selbst in den kulturhistorischen Kontext. Pachinger und Fuchs wurden ausgewählt, weil sie sich als wahre Sammler par excellence darstellen, denn der Bestand ihrer Sammlungen orientiert sich scheinbar an keinerlei Sammlungsmoden, sondern kann vielmehr nonkonforme und unkonventionelle Bestandteile aufweisen, mit denen die Sammler im kulturellen System ihrer Zeit vielfach aneckten. Für die Analyse der Sammlungen und ihrer Begründer wurden nicht nur bisherige Forschungsergebnisse herangezogen, sondern auch umfangreiches Quellenmaterial in Schrift- und Bildform ausgewertet, das unter anderem im Bundesarchiv in Berlin, in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main, im Deutschen Literaturarchiv in Marbach, im Staatsarchiv München, in der Bayerischen Staatsbibliothek in München, im Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz/Pfälzische Landesbibliothek in Speyer, im Zen- 5 Zum Stand der Forschung: Überblick und Kritik tralarchiv der Staatlichen Museen in Berlin und dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg vorgefunden wurde. Der geografische und zeitliche Rahmen der Untersuchung ist mit den Lebensräumen und -daten der beiden Sammler Pachinger und Fuchs gesetzt. Räumlich umfasst dieser die Orte, die als Lebensmittelpunkte der beiden Sammler gelten können: So wurde Pachinger nach Reisen zwischen Linz, Wien und Salzburg ab 1915 in München sesshaft, und Fuchs, der ab 1890 in München lebte, zog 1901 nach Berlin. Im geografischen Fokus stehen mit München und Berlin die beiden in dieser Zeit bedeutendsten Kulturstädte des Deutschen Reichs, und damit auch allgemein der städtische Raum an sich. Der zeitliche Rahmen umfasst die Jahrzehnte zwischen etwa 1880 und 1940 und bezieht sich zum einen auf die Lebensdaten der Sammler. Er verweist aber auch, insbesondere mit einem Blick auf den Beginn des 20. Jahrhunderts, zum einen auf einen Modernisierungsschub, bei dem revolutionäre gesellschaftlich-politische und technologisch-ökonomische Innovationen sowie kulturelle und ästhetische Neuerungen aufeinandertrafen, zum anderen auf die einschneidenden Erfahrungen mit historischen Zäsuren wie dem Ersten Weltkrieg und der Macht- übernahme der Nationalsozialisten. 1.1 Zum Stand der Forschung: Überblick und Kritik Die wissenschaftliche Auseinandersetzung rund um das Thema „Sammeln“ ist ebenso zahl- wie facettenreich. Insbesondere seit den 1990er Jahren hat das Interesse an dieser Kulturtätigkeit massiv zugenommen und dabei eine thematische Verbreiterung erfahren. So wird das Phänomen des Sammelns einerseits allgemein theoretisch aus verschiedenen Perspektiven wie der soziologischen, philosophischen, psychologischen und kulturanthropologischen erfasst,12 andererseits widmete sich die Sammlungsforschung auch konkreten Sammlungsformen zu verschiedenen historischen Zeitpunkten. War dabei lange Zeit eine recht einseitige Konzentration auf 12 Vgl. hierzu u. a. Münsterberger, Werner: Sammeln – eine unbändige Leidenschaft. Psychologische Perspektiven. Berlin 1995; Stagl, Justin: Homo Collector: Zur Anthropologie und Soziologie des Sammelns. In: Assmann, Aleida/Gomille, Monika/Rippl, Gabriele (Hrsg.): Sammler – Bibliophile – Exzentriker. Tübingen 1998, S. 37–54; Pearce, Susan: On collecting. An Investigation into Collecting in the European Tradition. London/New York 1999; Sommer, Manfred: Sammeln: ein philosophischer Versuch. Frankfurt am Main 1999; Schloz, Thomas: Die Geste des Sammelns. Eine Fundamentalspekulation. Umgriff, Anthropologie, Etymographie, Entlass. Diss. Tübingen 2000. Stuttgart 2000. 6 Einleitung den historischen Sammlungstypus der Kunst- und Wunderkammer der Frühen Neuzeit zu konstatieren,13 so öffnete sich im Lauf der Zeit zunehmend der Blick auf das 19. Jahrhundert und hier insbesondere auf die neue Leitinstitution des Sammelns: auf das Museum. Betrachtung fand hier vielfach die Gründungs- und Entwicklungsgeschichte der Institution allgemein, aber auch die Geschichte einzelner Einrichtungen, deren Sammlungen und Architektur.14 Damit einhergehend wurde insbesondere präziser auf die Aufgaben der Museen, ihre verschiedenen Konzeptionen und Präsentationsformen eingegangen und beispielsweise das Museum als Gedächtnisspeicher, Popularisierungsmedium und museale Inszenierungsformen thematisiert.15 Nach wie vor bildet das institutionelle Sammeln einen Schwerpunkt der Sammlungsforschung. Zunehmend sind dabei in den letzten zehn Jahren ins- 13 Darauf verweisen Assmann, Aleida/Gomille, Monika/Rippl, Gabriele: Einleitung. In: Assmann/ Gomille/Rippl 1998a, S. 7–19, S. 7. 14 Beispielsweise Hochreiter, Walter: Vom Musentempel zum Lernort. Zur Sozialgeschichte deutscher Museen 1800–1914. Diss. Darmstadt 1992. Darmstadt 1994; Sheehan, James J.: Geschichte der deutschen Kunstmuseen. Von der fürstlichen Kunstkammer zur modernen Sammlung. Darmstadt 2003; die Sammelbände Savoy, Benedicte (Hrsg.): Tempel der Kunst. Die Geburt des öffentlichen Museums in Deutschland 1701–1815. Mainz 2006 und Marx, Barbara/Rehberg, Karl-Siegbert (Hrsg.): Sammeln als Institution. Von der fürstlichen Wunderkammer zum Mäzenatentum des Staates. München/Berlin 2006; Vieregg, Hildegard K.: Geschichte des Museums. Eine Einführung. München 2008. Für einzelne Einrichtungen in München beispielsweise: Füßl, Wilhelm/Trischler, Helmuth: Geschichte des Deutschen Museums. Akteure, Artefakte, Ausstellungen. München u. a. 2003; Eikelmann, Renate/Bauer, Ingolf (Hrsg.): Das Bayerische Nationalmuseum 1855–2005. 150 Jahre Sammeln, Forschen, Ausstellen. München 2006; in Berlin: Lindemann, Bernd Wolfgang (Hrsg.): Bode-Museum: Architektur – Sammlung – Geschichte. München 2010; Bergvelt, Ellinor u. a. (Hrsg.): Museale Spezialisierung und Nationalisierung ab 1830. Das Neue Museum in Berlin im internationalen Kontext. Berlin 2011. Neuere Publikationen zur Museumsarchitektur: Schmidt, Antje: Schlüsselwerk der Museumsreform. Architektur und Inszenierung des Altonaer Museums um 1900. Diss. Hamburg 2013. München/Hamburg 2013; Witschurke, Hans W.: Museum der Museen. Die Berliner Museumsinsel als Entwicklungsgeschichte des deutschen Kunstmuseums. Aachen 2015. 15 Beispielsweise Csáky, Moritz/Stachel, Peter (Hrsg.): Speicher des Gedächtnisses. Bibliotheken, Museen, Archive. 2 Teile. Wien 2000/2001; Hinz, Hans-Martin/Beier-de Haan, Rosmarie (Hrsg): Nationalmuseen – Gedächtnis der Nationen (Tagungsband zum internationalen Symposium des Deutschen Historischen Museums, 14.–16.03.2007, Zeughaus, Berlin). Berlin 2007. Als Popu la risierungsmedium beispielsweise bei Kretschmann, Carsten: Räume öffnen sich. Naturhistorische Museen im Deutschland des 19. Jahrhunderts. Berlin 2006. Zu musealer Inszenierung beispielsweise Joachimides, Alexis (Hrsg.): Museumsinszenierungen. Zur Geschichte der Institution des Kunstmuseums. Die Berliner Museumslandschaft 1830–1990. Dresden 1995; und Joachimides, Alexis: Die Museumsreformbewegung in Deutschland und die Entstehung des modernen Museums 1880–1940. Diss. Berlin 1996. Dresden 2001. 7 Zum Stand der Forschung: Überblick und Kritik besondere Sammlungen an Universitäten in den Fokus gerückt, die als historische Objekte der Wissenschaftsgeschichte vorgestellt werden und deren fundamentaler Wert als wissenschaftliche Infrastrukturen dabei betont wird.16 Auch das Privatsammlerwesen hat schon lange einen festen Platz in der Sammlungsforschung. Den Hauptteil machten hier lange Zeit Analysen einzelner privater Kunstsammlungen und ihrer Begründer aus, die entlang der Biographie des Sammlers dessen Kollektion vorstellen und in den historischen Kontext einordnen.17 Mit den Aufsatzbänden von Ekkehard Mai und Peter Paret, von Jürgen Kocka und Manuel Frey sowie der Festschrift von Thomas W. Gaethgens und Martin Schieder traten zunehmend Mäzenatentum und Kunstförderung und damit die Motivationen des Sammelns in den Vordergrund, die nun zunehmend auch unter sozialwissenschaftlichem Aspekten betrachtet wurden: Sammlungsgeschichte wurde seither verstärkt auch als Sozialgeschichte verhandelt.18 Anschaulich gemacht wurde dabei privates Sammeln als Praxisform sozialer Interaktion, bei der Hierarchien formiert und kulturelle Bedeutungen geschaffen werden. Sven Kuhrau analysierte in seiner 2005 erschienenen Dissertation über den „Kunstsammler im Kaiserreich“19 erstmals in detaillierter Weise basierend auf Überlegungen des Soziologen Pierre Bourdieu über Kunst als Mittel der sozialen eine größere Gruppierung der städtischen Sammlungskultur. Er schuf damit eine maßgebliche Studie, in der er nicht nur die Verflechtungen von kulturellem Geschmack und sozialer Macht beschrieb, sondern damit 16 Aktuellere Publikationen zu Universitätssammlungen sind: Dinge des Wissens. Die Sammlungen, Museen und Gärten der Universität Göttingen. Hrsg. v. der Georg-August-Universität Göttingen. Begleitband zur Ausstellung anlässlich des 275. Jubiläums der Universität Göttingen. Göttingen 2012; Feigl, Claudia (Hrsg.): Schaukästen der Wissenschaft. Die Sammlungen an der Universität Wien. Wien 2012; Trümpler, Charlotte u. a. (Hrsg): Ich sehe wunderbare Dinge. 100 Jahre Sammlungen der Goethe-Universität. Publikation zur Ausstellung des Museums Giersch Frankfurt am Main. Ostfildern 2014; Otterbeck, Christoph/Schachtner, Joachim (Hrsg.): Schätze der Wissenschaft. Die Sammlungen, Museen und Archive der Philipps-Universität Marburg. Marburg 2014. 17 Beispielsweise Pophanken, Andrea: Graf Schack als Kunstsammler. Private Kunstförderung in München (1857–1874). Diss. München 1994. München 1995; Guratzsch, Herwig (Hrsg.): Maximilian Speck von Sternburg. Ein Europäer der Goethezeit als Kunstsammler. Leipzig 1998; Woesthoff, Indina: „Der glückliche Mensch“: Gustav Schiefler (1857–1935). Sammler, Dilettant und Kunstfreund. Diss. Göttingen 1994. Hamburg 1996. 18 Mai, Ekkehard/Paret, Peter (Hrsg.): Sammler, Stifter und Museen. Kunstförderung in Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert. Köln u. a. 1993; Kocka, Jürgen/Frey, Manuel (Hrsg.): Bürgerkultur und Mäzenatentum. Berlin 1998; Gaethgens, Thomas W./Schieder, Martin (Hrsg.): Mäzenatisches Handeln. Studien zur Kultur des Bürgersinns in der Gesellschaft. (Festschrift für Günter Braun zum 70. Geburtstag) Berlin 1998. 19 Kuhrau, Sven: Der Kunstsammler im Kaiserreich. Kunst und Repräsentation in der Berliner Sammlerkultur. Diss. Berlin 2002. Kiel 2005. 8 Einleitung auch die „soziale Topographie“ der hochkarätigen Berliner Sammler dieser Zeit entschlüsselte. Anknüpfend an diese soziologische Zugriffsweise öffneten auch nachfolgende Untersuchungen zu privaten Sammlungen den Blick auf das Sammeln als mehrdimensionales soziales System.20 Zwei Themen der Zeit des späten 19. bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts beschäftigen die Forschung, und hier vor allem die kunsthistorische, aktuell besonders: Schon seit längerem und auch heute noch mit ungebrochenem Interesse setzt sie sich mit privaten Sammlern als Förderern moderner Kunst auseinander.21 Und auch der Kunsthandel, der das Sammeln ebenfalls tangiert, nimmt hier seit einigen Jahren großen Raum ein. Zum einen widmet man sich hier verstärkt den Kunsthändlern der Moderne, so beispielsweise Alfred Flechtheim, den Cassirers und ihrem Kunstsalon und Heinrich Thannhauser,22 und auch das Auktionswesen zwischen 1901 und 1929 erhält durch das seit 2013 laufende Forschungsprojekt „Kunst – Auktionen – Provenienzen. Der deutsche Kunsthandel im Spiegel der Auktionskataloge 20 Jüngst erschien beispielsweise Gramlich, Johannes: Die Thyssens als Kunstsammler. Investition und symbolisches Kapital (1900–1970). Paderborn 2015. Gramlich zeigt hier auf, welche unterschiedlichen Funktionen die Kunstsammlung der Unternehmerfamilie hatte, so fungierte sie unter anderem als Geldanlage, zur Bildung von kulturellem Kapital, als politisch-patriotische Pflicht, Bildung einer dynastischen Tradition und Repräsentation in der Gesellschaft. 21 Teeuwisse, Nicolaas: Bilder einer veschollenen Welt. Aufstieg und Niedergang der Berliner Privatsammlungen 1871–1933. In: Joachimides, Christos M. (Hrsg.): Der unverbrauchte Blick. Kunst unserer Zeit in Berliner Sicht. Ausstellung aus Privatsammlungen in Berlin. Ausst.kat. Gropius Bau Berlin. Berlin 1987, S. 13–39; Manet bis van Gogh. Hugo von Tschudi und der Kampf um die Moderne. Hrsg. von Johann Georg Prinz von Hohenzollern und Peter-Klaus Schuster. Ausst.kat. Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, Neue Pinakothek, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München. München 1996; Pophanken, Andrea/Billeter, Felix (Hrsg.): Die Moderne und ihre Sammler. Französische Kunst in deutschem Privatbesitz vom Kaiserreich zur Weimarer Republik. Berlin 2001; Ludewig, Anna-Dorothea/Schoeps, Julius H./Sonder, Ines (Hrsg.): Aufbruch in die Moderne. Sammler, Mäzene und Kunsthändler in Berlin 1880–1933. Köln 2012. 22 Dascher, Ottfried: Alfred Flechtheim. Sammler, Kunsthändler und Verleger. Wädenswil 2011; Bauschinger, Sigrid: Die Cassirers. Unternehmer, Kunsthändler, Philosophen. Biographie einer Familie. München 2016²; Echte, Bernhardt/Feilchenfeldt, Walter (Hrsg.): Kunstsalon Bruno&Paul Cassirer. Die Ausstellungen von 1901–1905. Bd. 1, Teil 1 „Das Beste aus aller Welt zeigen“. Wädenswil 2011; Echte, Bernhardt/Feilchenfeldt, Walter (Hrsg.): Kunstsalon Cassirer. Die Ausstellungen von 1901–1905. Band 1, Teil 2: „Man steht da und staunt“. Wädenswil 2011 und Echte, Bernhardt/Feilchenfeldt, Walter (Hrsg.): Kunstsalon Paul Cassirer. Die Ausstellungen 1905–1908. Band 3: „Den Sinnen ein magischer Rausch“. Wädenswil 2013; Bilski, Emily D.: Die „Moderne Galerie“ von Heinrich Thannhauser. Ausst.kat. Jüdisches Museum München. Wolfratshausen 2008. 9 Zum Stand der Forschung: Überblick und Kritik der Jahre 1901 bis 1929“23 Aufmerksamkeit. Zum anderen rückte im Zusammenhang mit der seit einigen Jahren verstärkten Provenienzforschung24 der Kunsthandel während des Nationalsozialismus besonders in den Fokus der Forschung.25 Allgemein kann konstatiert werden, dass sowohl in der praktischen Bearbeitung von als auch in der theoretischen Auseinandersetzung mit Sammlungen aus dem 19. und den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts der Rückzug der Disziplinen auf ihren je fachspezifischen Gegenstand auffällt: Während sich beispielsweise Historiker auf Sammlungen konkreter Überreste wie Gebrauchsgegenstände des Alltags oder auf abstrakte Überreste aus konkretem Substrat wie beispielsweise Urkunden konzentrieren, fokussieren Kunsthistoriker vor allem auf Sammlungen aus dem Gebiet der Hochkunst. Sie stellen zudem die Mehrzahl der untersuchten Privatsammlungen dar. Zwar wird seit den 1990er Jahren für eine Öffnung der auf die Hochkunst hin orientierten Kunstgeschichte gegenüber bildwissenschaftlichen Fragestellungen plädiert und auch die Forderung nach Interdisziplinarität steht stets im Raum, doch finden sich in der Praxis kaum Untersuchungen, in denen der Schritt über die Disziplinengrenze gewagt wird. Wissenschaftliche Arbeiten über private Sammlungen seit dem 19. Jahrhundert setzen sich demnach zumeist nur mit Kollektionen entweder von Kunstobjekten oder von kulturhistorischen Gegenständen oder naturwissen- 23 Das Forschungsprojekt ist an der Universitätsbibliothek Heidelberg angesiedelt und wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Projektpartner ist die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin. Ziel des Projekts ist es, die zwischen 1901 und 1929 in Deutschland, Österreich und der Schweiz erschienenen Auktionskataloge zu ermitteln, bibliographisch zu erfassen und quantitativ auszuwerten. Die Kataloge sind digitalisiert und online frei zugänglich: Projekt „Kunst – Auktionen – Provenienzen. Der deutsche Kunsthandel im Spiegel der Auktionskataloge der Jahre 1901 bis 1929“, unter www.arthistoricum.net/index.php?id=6180&L=0&tx_slubahnxslt_ pi1[sid]=a3c45b378b0c593fd56b1c4b2c5607ea&tx_slubahnxslt_pi1[tree_cmd]=x_eaa5c3728eabbd89#_ eaa5c3728eabbd89 (zuletzt abgerufen am 15.07.2016). 24 Vgl. Deutsches Zentrum für Kulturgutverluste, unter www.kulturgutverluste.de/de/ (zuletzt abgerufen am 15.06.2016). Grundlage sind die 1998 verabschiedeten „Washingtoner Prinzipien“, zu deren Umsetzung sich Deutschland 1999 in der „Gemeinsamen Erklärung“ bekannt hat und deren Stärkung und Ausweitung vom Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste gefördert wird. 25 Enderlein, Angelika: Der Berliner Kunsthandel in der Weimarer Republik und im NS-Staat: zum Schicksal der Sammlung Graetz. Diss. Berlin 2005. Berlin 2006; Voigt, Vanessa-Maria: Kunsthändler und Sammler der Moderne im Nationalsozialismus. Die Sammlung Sprengel 1934 bis 1945. Diss. Münster 2005. Berlin 2007; Steinkamp, Maike/Haug, Ute (Hrsg.): Werke und Werte. Über das Handeln und Sammeln von Kunst im Nationalsozialismus (Schriften der Forschungsstelle „Entartete Kunst“, Bd. 5). Berlin 2010; Fischer-Defoy, Christine/Nürnberg, Kaspar (Hrsg.): Gute Geschäfte. Kunsthandel in Berlin 1933–1945. Ausst.kat. Aktives Museum im Centrum Judaicum. Berlin 2011; Blimlinger, Eva/Mayer, Monika (Hrsg.): Kunst sammeln, Kunst handeln (Beiträge des internationalen Symposiums in Wien, 23.–25.03.2011). Wien 2012; Hopp, Meike: Kunsthandel im Nationalsozialismus. Adolf Weinmüller in München und Wien. Diss. München 2012. Köln u. a. 2012. 10 Einleitung schaftlichen Objekten auseinander bzw. fokussieren in der Bearbeitung universeller angelegter Sammlungen deutlich einen der beiden Bereiche. Dies hat zur Folge, dass inhaltlich breiter zusammengestellte Sammlungen nur entlang ihrer Einzelbestände oder gar nicht betrachtet werden, weil sich keine Disziplin für diese Kollektionen zuständig fühlt. Neben der Beschränkung des Blicks der Wissenschaften hinsichtlich ihrer Disziplinen, ist die Perspektive meist auch auf herausragende private Sammlungen und bedeutende Sammler verengt. Das hat zur Folge, dass vorrangig auf Kollektionen und deren Glanzstücke fokussiert wird, die dem heutigen wissenschaftlichen oder ästhetischen Kanon angehören, und Sammlungen, die abseits von diesem stehen, kaum Berücksichtigung in der Forschung finden, sondern vielmehr, so formulierte es bereits Pomian, als „narzisstisches und leicht frivoles Amüsement“26 betrachtet werden. Dies bedeutet auch, dass Sammler der kulturellen, ökonomischen und künstlerischen Eliten vielfach, solche aus der breiten Masse bisher kaum ausreichend Würdigung erfahren haben. Es ist daher notwendig, dass der Blick auf Sammlungen nicht mehr durch Grenzen der Disziplinen beschränkt wird, sondern dass er sich öffnet und auch das erfasst, was sich nicht eindeutig in die etablierten Ordnungssysteme integrieren lässt. Dadurch können Schnittstellen und vom Mainstream abweichende Konzepte sichtbar gemacht werden, die der Forschung bisher entgangen sind, die jedoch von größter Bedeutung nicht nur für die Beschreibung der damaligen Praxis des Sammelns sind, sondern auch für die Aufschlüsselung des zu dieser Zeit herrschenden Verständnisses von Kunst, Kultur und Geschichte. 1.2 Die theoretische Grundlage: Pierre Bourdieus Habitus-Feld-Theorie Das Universum des Sammelns ist ein sehr eigenes: Es gibt einen speziellen Markt für Sammlungsgut, besondere Möbel zur Sammlungsaufbewahrung, Vereine für Interessenten von Sammlungsobjekten, Fach- und Populärliteratur zum Thema, Spezialisten für einzelne Sammlungssparten und herausragende, aber auch unbekanntere Sammlungsinstitutionen. Neuerdings ist es üblich, Sammlungen mit spezieller Software in Computer-Datenbanken zu erfassen und diese für ein web-affines Publikum ins Internet zu stellen, wo man sich auch auf Online-Sammlerforen trifft. Die 26 Pomian, Krzysztof: Der Ursprung des Museums. Vom Sammeln. Berlin 1998, S. 7. 11 Die theoretische Grundlage: Pierre Bourdieus Habitus-Feld-Theorie „speziellen und absonderlichen Welten“27 des Sammelns formieren sich so zu einer eigenen Wirklichkeit, die Sammler werden dabei „zu einer besonderen Subkultur“28 im sozialen Raum. Der Soziologe Pierre Bourdieu beschreibt solche sozialen Mikrokosmen als „Felder“, die sich im Laufe ihrer Genese autonomisieren, also soziale Eigengesetzlichkeiten in ihrer internen Struktur und in Differenzierung zu anderen Feldern entwickelt haben.29 Dabei sind Felder jedoch nicht unabhängig von ihrem Umfeld und feldexternen sozialen Prozessen, vielmehr führt Bourdieu die einem Feld innewohnende Dynamik unter anderem auf eben diese zurück.30 Das Feld selbst kann als Kräftefeld angesehen werden, das sich jedoch insbesondere durch seine inneren Relationen auszeichnet, die nicht statisch sind, sondern als Ergebnis einer permanenten Auseinandersetzung über Erhalt und Veränderung der konstitutiven Kräfteverhältnisse im Feld ebenfalls zur Dynamik im Feld beitragen. Aktiv sind dabei dominante und weniger dominante Positionen, die als Konkurrenten um die Autorität der Deutungshoheit für das feldspezifische Kapital, für dessen symbolischen Wert und um das Monopol seiner Legitimität kämpfen.31 Dabei gliedern sie sich, und zwar aufgrund der permanenten Dynamik im Feld, stets aufs Neue in eine Hierarchie des Feldes ein, die ebenfalls dynamisch ist: So können subversive Strömungen im Lauf der Zeit hochbewertete werden oder auch relevante Positionen in marginalisierte 27 Ilgen/Schindelbeck 1997b, S. 9. 28 Stagl 1998, S. 49. Stagl bezog sich insbesondere auf Privatsammler. 29 Vgl. hierzu Sapiro, Gisèle: Das französische literarische Feld: Struktur, Dynamik und Formen der Politisierung. In: Berliner Journal für Soziologie 2 (2004), S. 157–172; Sapiro, Gisèle: Elemente einer Geschichte der Autonomisierung. Das Beispiel des französischen literarischen Feldes. In: Joch, Markus/Wolf, Norbert Christian (Hrsg.): Text und Feld. Bourdieu in der literaturwissenschaftlichen Praxis. Tübingen 2005, S. 25–44. Gisèle Sapiro hat die von Pierre Bourdieu Mitte der 1960er Jahre erarbeiteten Voraussetzungen für die Autonomisierung von Feldern der Kulturproduktion anhand des Beispiels des französischen literarischen Feldes zusammengefasst. Sie stellt dabei die Herausbildung von Spezialistengruppen, die Objekte beurteilen und ihren symbolischen Wert festsetzen, die Existenz spezifischer institutioneller und nichtinstitutioneller Konsekrationsinstanzen, die das Interesse einer Öffentlichkeit gewinnen und für die Anerkennung von Urteilen Sorge tragen, sowie die Entwicklung eines spezifischen Marktes, der neue Produktionsbedingungen erschließt und sich Monopolisierungstendenzen entgegenstellt, heraus. Auch auf das Feld des Sammelns treffen diese Voraussetzungen zu. 30 Vgl. Diaz-Bone, Rainer: Kulturwelt, Diskurs und Lebensstil. Eine diskurstheoretische Erweiterung der Bourdieuschen Distinktionstheorie. 2. erw. Auflage, Wiesbaden 2010, S. 52. 31 Vgl. Bourdieu, Pierre: Zur Soziologie der symbolischen Formen. Frankfurt am Main 1970. Das Kapital eines Feldes ist eine feldspezifische Form von ökonomischem, kulturellem und sozialem Kapital. Das symbolische Kapital hingegen hat eine übergeordnete Funktion: Es entsteht aus Akten des Erkennens und Anerkennens und beschreibt die Chancen, die zur Gewinnung und Erhaltung von sozialem Prestige führen. Dies kann mittels Einsetzen der anderen Kapitalsorten geschehen. 12 Einleitung Randzonen des Feldes geraten. Die Beschreibung nur einer Position eines Feldes als der einzig existierenden, ist bei der Analyse eines sozialen Feldes demnach ungenügend: Denn gerade die Marginalzonen eines Feldes und ihre Beziehungen zu den Machtzentren bilden hier den Untersuchungsgegenstand. Das Feld, das Bourdieu als „ein Kräftefeld und ein Feld der Kämpfe um die Bewahrung oder Veränderung dieses Kräftefeldes“32 beschreibt, besteht aus den Akteuren und ihrer durch Verteilung des feldspezifischen Kapitals festgelegten jeweiligen Position innerhalb des Feldes sowie aus den objektiven Beziehungen zwischen den Akteuren. Dabei sind die Akteure nicht als individuelle Personen zu betrachten, sondern als „Gruppe, die in einer wandelbaren kulturellen Situation ihre Arbeit und ihre Identität weiterführt oder verändert“33 oder aber auch in Form von Institutionen, die, betrieben von Gruppen, ebenfalls Positionen im Raum besetzen. Dabei fließen im Lauf der individuellen Biographie erworbene Dispositionen in das Handeln der Akteure ein, ein „Ensemble tiefsitzender, inkorporierter Schemata der Wahrnehmung, des Denkens, Fühlens, Bewertens, Sprechens und Handelns, das alle Äußerungen der Mitglieder einer Gruppe oder Klasse derart strukturiert, dass sie homolog sind“34. Bourdieu bezeichnet diese Dispositionen als „Habitus“, der „bewirkt, dass die Gesamtheit der Praxisformen eines Akteurs […] als Produkt der Anwendung identischer (oder wechselseitig austauschbarer) Schemata zugleich systematischen Charakter tragen und systematisch unterschieden sind von den konstitutiven Praxisformen eines anderen Lebensstils“35. Gleichzeitig generiert der inkorporierte Habitus im Zusammenspiel mit den objektiven Strukturen eines Feldes die möglichen Praxisformen der Akteure, die jeweils als Form von Stellungnahmen zu verstehen sind. Ein bestimmter Habitus ermöglicht dabei zudem überhaupt erst den Eintritt in ein Feld, und begründet so eine vielfach homologe Gesinnung und die scheinbar geplante Koordinierung des Tuns vieler Akteure darin. Er verankert eine bestimmte Ordnung, die Regeln des Spiels, die alle Akteure dieses Feldes anerkennen, sich in ihrem Tun aneignen und reproduzieren – oder die sie versuchen zu transformieren. 32 Bourdieu, Pierre: Vom Gebrauch der Wissenschaft. Für eine klinische Soziologie des wissenschaftlichen Feldes. Konstanz 1998, S. 20. 33 Chiantera-Stutte, Patricia: Von der Avantgarde zum Traditionalismus. Die radikalen Futuristen im italienischen Faschismus von 1919 bis 1931. Frankfurt am Main 2000, S. 32. 34 Steinrücke, Margareta: Habitus und soziale Reproduktion in der Theorie Pierre Bourdieus. In: Hillebrand, Mark u. a. (Hrsg.): Willkürliche Grenzen. Das Werk Pierre Bourdieus in interdisziplinärer Anwendung. Bielefeld 2006, S. 61–72, S. 65. 35 Bourdieu, Pierre: Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. Frankfurt am Main 1987, S. 278. 13 Die theoretische Grundlage: Pierre Bourdieus Habitus-Feld-Theorie Vor diesem Hintergrund setzt schließlich eine Praxis der Disktinktion im Feld ein, einer Praxis also, „in der sich ein Klassifizierender in einem urteilenden Akt in eine Relation zu einem Objekt, zu einer Handlung oder zu einem Wert setzt“36. Dabei verweist die Disktinktion stets zurück auf den Distingierenden: Nur derjenige kann beurteilen, der entsprechende kulturelle Kompetenz aufweisen kann. Diese wiederum fällt je nach sozialer Gruppe in ein je spezielles System von Beurteilungsschemata, das durch den Habitus der Akteure geprägt ist. Zu beobachten ist dabei, dass sich so bestimmte Praktiken der Distinktion manifestieren, die gewisse Werturteile reproduzieren und für bestimmte Klassifikationen damit unter Umständen eine Objektivierung bzw. ihre Vermassung und Popularisierung herbeiführen („trickledown-Effekt“37). Mit einer derartigen Objektivierung werden Klassifikationen zu sozialen Tatsachen und Dispositionen und stehen schließlich wieder der Distinktion zur Verfügung. Im Spannungsfeld zwischen den Positionen der Akteure innerhalb des Feldes erzeugt sich schließlich die Praxis eines Feldes, die einer jeweiligen Logik gehorcht und die Auskunft über die Strukturen eines Feldes gibt. Dabei bestimmen die Relationen der Positionen in einem Feld dessen Praxis und die „Determinierungen, denen die auf ihnen befindlichen Akteure oder Institutionen unterliegen“38. Diese Relationen werden sichtbar gemacht durch das Aufzeigen „aktuelle[r] und potentielle[r] Situationen (situs) in der Struktur der Distribution der verschiedenen Arten von Macht (oder feldspezifischem Kapital), deren Besitz über den Zugang zu den in diesem Feld auf dem Spiel stehenden spezifischen Profiten entscheidet“39. Dabei ist die Praxis innerhalb eines Feldes von mehreren Bedingungen abhängig: Konkretes Handeln im Feld lässt sich demnach nur dann bestimmen, wenn die Situation im Feld und der Habitus der Akteure zusammen betrachtet werden. Versteht man das Universum des Sammelns als eigenes soziales Feld im Sinne Bourdieus und will dessen komplexe Struktur analysieren, um die Bedeutungen einzelner Positionen im Feld zu verstehen, so ist eine mehrdimensionale Analyse gefragt, die das Zusammenspiel zwischen der Struktur und den Akteuren des Feldes erfasst. Der Vorteil einer Beschreibung des Feldes des Sammelns unter Anwendung von Bourdieus Habitus-Feld-Theorie im Vergleich zu den bisher in der Forschung hauptsächlich üblichen Sammlungs- und Sammlerhistoriographien lässt sich zum einen mit der 36 Diaz-Bone 2010, S. 37. 37 Ebd., S. 41. 38 Bourdieu, Pierre/Wacquant, Loϊc J. D.: Die Ziele der reflexiven Soziologie. In: Dies.: Reflexive Anthropologie. Frankfurt am Main 1996, S. 95–249, S. 127. 39 Ebd. 14 Einleitung damit möglichen präzisen Beschreibung des facettenreichen Phänomens des Sammelns benennen. Diese geht nicht nur auf den historischen Kontext der sammelnden Personen und Institutionen und deren Genese ein, sondern erfasst das Sammelwesen unter Berücksichtigung insbesondere der feldinternen Prozesse, der Relationen zwischen seinen Akteuren und ihren Praktiken vielmehr als das komplexe Gesamtsystem, als das es tatsächlich gelten muss. Zum anderen ist die Erfassung von Randphänomenen, subversiven Elementen und marginalisierten Positionen in einem Feld eine der Prämissen von Bourdieus Theorie, zeichnet sich doch die Dynamik eines Feldes eben auch durch den Kampf zwischen diesen randständigen Positionen und denen, die als hochbewertet gelten, aus. Ermöglicht wird dadurch, insbesondere unter Einbeziehung von marginalisierten Zonen, eine differenzierte Erweiterung eines in der bisherigen Sammlungsforschung als weitgehend einheitlich beschriebenen Phänomens: das des Sammelns seit Ende des 19. Jahrhunderts. Die vorliegende Arbeit schließt sich damit Ansätzen einer disziplinübergreifenden handlungsorientierten Forschung an, bei der Aktionen und Praktiken von Gesellschaftsmitgliedern zentraler Bezugspunkt sind.40 Ausgegangen wird bei diesen davon, dass „die gesellschaftliche Wirklichkeit […] keine ‚objektive Tatsache‘, sondern eine ‚interaktive Sache des Tuns‘ ist“41. Im Gegensatz zu neueren Ansätzen, die an der eigentlichen Performativität des Handelns, verstanden als routinisierte und repetitive körperliche Ausführung und das praktische Ausführenkönnen als solches“42, interessiert sind, rückt bei Bourdieu ins Zentrum, unter welchen Bedingungen, also im Rahmen welcher objektiven und inkorporierten Strukturen diese 40 Seit den 1980er Jahren haben sich auf dem internationalen Feld der Sozialtheorien diverse Analyseansätze herausgebildet, die als Theorien sozialer Praktiken, Praxistheorien oder Varianten einer Praxeologie beschrieben werden können. 2001 wurde der „practical turn“ ausgerufen, zahlreiche Auseinandersetzungen zu einer Systematisierung und Formung zu einer eigenen Sozialtheorie, aber auch Kritik an dem proklamierten „practical turn“ als neuer Perspektive auf soziale Wirklichkeiten und einer Problematisierung des äußerst differenten Verständnis des Begriffs der „Praxis“ folgten. Vgl. dazu: Schatzki, Theordore/Knorr-Cetina, Karin/Savigny, Eike von: The Practice Turn in Contemporary Theory. London 2001; Hörning, Karl: Soziale Praxis zwischen Beharrung und Neuschöpfung. Ein Erkenntnis- und Theorieproblem. In: Hörning, Karl/Reuter, Julia (Hrsg.): Doing Culture – Neue Positionen zum Verhältnis von Kultur und sozialer Praxis. Bielefeld 2004, S. 20– 39; Reckwitz, Andreas: Grundelemente einer Theorie sozialer Praktiken. Eine sozialtheoretische Perspektive. In: Zeitschrift für Soziologie 32 (2003) H. 4, S. 282–301; Bongaerts, Gregor: Soziale Praxis und Verhalten – Überlegungen zum Practice Turn in Social Theory. In: Zeitschrift für Soziologie 36 (2007) H. 4, S. 246–260; Schulz-Schaeffer, Ingo: Praxis, handlungstheoretisch betrachtet. In: Zeitschrift für Soziologie 39 (2010) H. 4, S. 319–336. 41 Hörning/Reuter 2004, S. 10. 42 Meier, Michael: Bourdieus Theorie der Praxis – eine „Theorie sozialer Praktiken“? In: Hörning/ Reuter 2004, S. 55–72, S. 55. 15 Umsetzung der Analyse und Gliederung der Arbeit Praxisformen praktiziert werden. Zum Tragen kommt dabei die von ihm entworfene Dialektik von Feld und Habitus. Erstmals soll nun in dieser Arbeit das Feld des Sammelns unter Berücksichtigung von Bourdieus Habitus-Feld-Theorie und insbesondere mit Blick auf die weniger dominanten Positionen analysiert werden und damit relevante Positionen, die dynamischen Strukturen innerhalb des Feldes und die Aushandlungen der Akteure hinsichtlich des feldspezifischen Kapitals genauer beleuchtet werden. 1.3 Umsetzung der Analyse und Gliederung der Arbeit Für die Umsetzung der Analyse wird das Feld des Sammelns im Sinne Pierre Bourdieus als sozialer Mikrokosmos betrachtet. Angelehnt an seine Habitus-Feld-Theorie soll entschlüsselt werden, wie sich das Feld des Sammelns konstruiert, strukturiert und wie es funktioniert. Festzustellen gilt es, wie sich der Typus des wahren Sammlers in diesem Feld einordnet. Damit wird in dieser Arbeit das Feld des Sammelns als mehrdimensionales, komplexes Gesamtsystem erfasst, in dem soziale Strukturen ebenso zu berücksichtigen sind wie die Akteure und ihre Praktiken. Nach Bourdieu müssen für die Analyse eines Feldes unterschiedliche Aspekte berücksichtigt werden: Zum einen sind die allgemeinen Strukturdaten zu erfassen, zum anderen die Akteure unter Berücksichtigung ihres Habitus und ihrer feldspezifischen, auf die Akkumulierung von ökonomischem, sozialem und kulturellem Kapital ausgerichteten Praktiken zu beschreiben. Mit Hilfe dieser Daten können schließlich die Positionen in einem Feld entschlüsselt werden, also die Stellungnahmen der Akteure zum spezifischen Kapital eines Feldes. Dieses stellt im Feld des Sammelns die Deutungshoheit darüber dar, was als sammlungsrelevant klassifiziert wird. Für die Analyse wurden in dieser Untersuchung in einem ersten Schritt diejenigen Akteure identifiziert, die im Feld des Sammelns von Relevanz sind: Zum einen sind dies Akteure, die sich der öffentlichen Sphäre zuordnen lassen, zum anderen solche der privaten Sphäre. Im ersten Hauptabschnitt der Arbeit (Kapitel 2) beleuchte ich diese Akteure im Feld des Sammelns unter Berücksichtigung ihrer historischen Formierungsprozesse, ihrer Trägergruppen und deren Habitus und feldspezifischen Praktiken genauer. In beschreibenden Unterkapiteln stelle ich dabei in Kapitel 2.1 Museen, (An-)Sammlungen auf Ausstellungen, Sammlungen von Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie von Assoziationen und Vereinen als Akteure der öffentlichen Sphäre im Feld des Sammelns genauer vor. 16 Einleitung Um die Akteure des privaten Sammelns in Kapitel 2.2 besser und differenzierter fassen zu können, greife ich auf zeitgenössische Beschreibungen aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zurück, die die Privatsammler in zweierlei, sich voneinander abgrenzenden Idealtypen einteilen: Sie werden in dieser Arbeit als „repräsentative Sammler“ und als wahre Sammler bezeichnet und erfahren hier auch konkretere theoretische Kontur. Während zuerst der repräsentative Sammlertypus als konventioneller Sammler im Feld verortet und in allgemeiner Form beschrieben wird, rückt dann schließlich im zweiten Hauptabschnitt der Arbeit (Kapitel 3 und Kapitel 4) der Typus des wahren Sammlers ins Zentrum der Betrachtung. Für die Analyse des Idealtypus des wahren Sammlers und dessen Verortung im Feld des Sammelns werden hierfür die zwei Beispiele Anton Maximilian Pachinger und Eduard Fuchs herangezogen. In Kapitel 3 stelle ich beide Sammler anhand biographischer Skizzen und ihre Kollektionen mit zusammenfassenden Beschreibungen vor und lege dabei dar, warum sie als Vertreter des Typus des wahren Sammlers gelten. Es folgt schließlich in Kapitel 4 die Analyse der kulturellen Praxis der Sammler Pachinger und Fuchs, indem ihre sozialen Netzwerke, ihre Sammelstrategien und die Verwendung ihrer Sammlungen ausführlich beleuchtet werden. Herausgearbeitet werden soll anhand der Beschreibung dieser beiden Beispiele, wie der Typus des wahren Sammlers im Feld des Sammelns agiert und welche Relevanz er darin hat.

Chapter Preview

References

Abstract

Private collecting was a popular pastime at the beginning of the 20th century. Among them, private collectors with a passion for the unconventional made a strong contribution. They often collected without regard for established orders of knowledge and taste and thus distinguished themselves from the traditional preservation of cultural artefacts. Philosopher Walter Benjamin described this type of collector as the real, "true collectors" (“Wahre Sammler”). With folklorist Anton Maximilian Pachinger (1864–1938) and Marxist cultural scientist Eduard Fuchs (1870–1940), this study examines two representatives of this type. It not only locates the collectors and their collections in terms of cultural history, but also reveals their potential as cultural innovators, who still open exciting perspectives on their times today.

Zusammenfassung

Privates Sammeln war zu Beginn des 20. Jahrhunderts populäres Vergnügen. Verstärkt taten sich dabei auch Privatsammler hervor, die sich durch ihre Leidenschaft für das Unkonventionelle auszeichneten. Sie sammelten häufig ohne Rücksicht auf etablierte Ordnungen von Wissen und Geschmack und grenzten sich so von der traditionellen Bewahrung von Kulturgut ab. Der Philosoph Walter Benjamin bezeichnete diesen Sammlertypus als den eigentlichen, den „wahren Sammler“. Mit dem Volkskundler Anton Maximilian Pachinger (1864–1938) und dem marxistischen Kulturwissenschaftler Eduard Fuchs (1870–1940) untersucht diese Studie zwei Vertreter dieses Typus. Sie verortet die Sammler und ihre Kollektionen nicht nur kulturgeschichtlich, sondern offenbart zudem ihr Potenzial als kulturelle Neuerer, die auch heute hoch spannende Perspektiven auf ihre Zeit eröffnen.