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1 Einleitung in:

Sonja Scheungraber

Die charismatische Führungspersönlichkeit, page 1 - 12

Strategien für den Erfolg

2. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4352-3, ISBN online: 978-3-8288-7304-9, https://doi.org/10.5771/9783828873049-1

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Sozialwissenschaften, vol. 89

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Einleitung Unsere Zeit ist geprägt durch beständige Veränderungen in den unterschiedlichsten Bereichen der Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Aus diesem Grund werden heutzutage von einer Führungsperson hohe psychosoziale Fähigkeiten erwartet, um mit der sich ständig revolutionierenden Zeit Schritt halten zu können.1 Der zunehmende Wettbewerbsdruck erfordert von Führungspersönlichkeiten eine erhöhte Belastbarkeit, Durchhaltevermögen, Durchsetzungsfähigkeit sowie die Fähigkeit, Widerstände zu überwinden und erfolgreich zu meistern. Auch der damit einhergehende Wertewandel, der unsere Zeit prägt, führt dazu, dass sich Persönlichkeiten immer öfter mit Widerständen konfrontiert sehen, die oftmals unüberwindbar erscheinen. Es existiert auch ein unterschiedliches Verständnis von Erfolg, Persönlichkeit und Führung, das es der Führungspersönlichkeit nicht leicht macht zu unterscheiden, welcher Führungsstil und welcher Persönlichkeitstyp als wirklich vertrauenswürdig erachtet wird und langfristig Erfolg verspricht. Aus diesem Grund wird es zur Hauptaufgabe von Führungspersonen, neue Konzepte und Strategien zu entwickeln, um dieser sich ständig verändernden Zeit gewappnet begegnen zu können.2 Unter den Bedingungen eines steten Wandels bedarf es der Entwicklung einer unverwechselbaren Identität beziehungsweise von Persönlichkeit – einer Persönlichkeit, die aufgrund ihrer Werte befähigt ist, erfolgreich zu führen, die Aufmerksamkeit erzeugt und die Öffentlichkeit für sich zu gewinnen vermag. Führungspersönlichkeiten in Wirtschaft und Politik können nur dann erfolgreich sein, wenn es ihnen gelingt, eine beständige Akzep- 1 1 Vgl. Bartscher/Huber (2007), Vorwort. 2 Vgl. Scheungraber (2011), S. 76. 1 tanz in der Öffentlichkeit zu generieren, um somit auch in Zukunft Verständnis und Vertrauen auszustrahlen.3 Die Wahrnehmung der Öffentlichkeit gewinnt dabei zunehmend an Relevanz. Führungspersönlichkeiten müssen die Fähigkeit besitzen, Stimmungen in der Gesellschaft realistisch einzuschätzen, um entsprechend an die Gefühle und Bedürfnisse der Menschen appellieren zu können. Wenn es um politische Führung in unserer Gesellschaft geht, ist gerade auch die Demokratie mit ihren besonderen Erfordernissen zu berücksichtigen, weil Demokratie auf Öffentlichkeit angewiesen ist. Erfolgreiche Führung in einer Demokratie funktioniert nur, wenn demokratische Regeln beachtet werden. Das heißt, dass Führung in einem demokratischen System stets die Geführten zu berücksichtigen hat. Gelungene Führung bedeutet insofern auch gerade eine wertschätzende Führung, die auf Persönlichkeitseigenschaften wie Solidarität, Demut und Fairness gründet. Es gibt zahlreiche Theorien, die eine Erklärung für den Erfolg einer Führungspersönlichkeit aufzeigen. Das Phänomen Charisma stellt dabei ein Erfolgskonzept dar, das den Erfolg einer Führungspersönlichkeit definieren kann. Charisma kann in einer einzigartigen Identität zum Ausdruck kommen, Aufmerksamkeit erzeugen und zu einer positiven Wahrnehmung in der Öffentlichkeit beitragen. Menschen bewundern charismatische Persönlichkeiten, da es der charismatischen Führungspersönlichkeit möglich ist, Werte, mit denen sich Menschen identifizieren können, vorzugeben und entsprechend zu kommunizieren. Werte sind von großer Bedeutung, insbesondere wenn es um die Führung von Menschen geht. Verschiedene Theorien beschreiben Charisma als besondere Gnadengabe, die jedoch nicht nur Bewunderung nach sich zieht. Mit Blick auf das Thema Charisma und Widerstand ist evident, dass Charisma auch Neid hervorruft. Eine authentische charismatische Führungspersönlichkeit wird dabei nicht selten der Verführung verdächtigt. Die unterschiedlichen Interpretationen des Charisma- Phänomens sowie der Gegensatz in der Bedeutungsvielfalt des Charisma-Begriffs sind wiederum typisch für Charisma, welches 3 Vgl. Sackmann (2008), S. 267. 1 Einleitung 2 stets im Spannungsverhältnis zwischen Bewunderung und Neid steht. Trotz der Schattenseite des Charismas scheint es ein wesentlicher Bestandteil des Erfolges mancher Führungspersönlichkeiten wie zum Beispiel Barack Obama zu sein. Aufgabe von Führungspersonen ist es, individuelle Strategien zur Sicherung ihrer Wettbewerbsfähigkeit zu entwickeln und flexibel zu denken, um den ständigen Veränderungen vorausschauend begegnen zu können.4 Daneben sind Kompetenzen gefragt, die professionell, kreativ und zukunftstüchtig sind um als Führungspersönlichkeit erfolgreich sein zu können. Die Entwicklung von anwendungsbezogenen Ansätzen erfolgreicher Führung ist ein hochaktuelles, facettenreiches und dynamisches Forschungsgebiet, das einer Zuwendung zum Menschen in seiner Persönlichkeit bedarf. Aus diesem Grund fokussiere ich hauptsächlich die Persönlichkeit der Führungsperson im Führungsgeschehen. Max Webers Ansatz zur charismatischen Führung betont eher die Struktur sozialer charismatischer Beziehungen und distanziert sich somit von der Persönlichkeit des Charismatikers.5 Im Rahmen der „Great Man Theory“, die eine persönlichkeitsorientierte Betrachtung der Führung betont, wurden zahlreiche Eigenschaften formuliert, die erfolgreiche Führungspersonen charakterisieren. Dabei wird die Auffassung vertreten, dass sich Führungsfähigkeit auf die Persönlichkeit eines Menschen zurückführen lässt.6 Diese Theorien zeigen, dass eine Auseinandersetzung mit dem Thema Charisma und Persönlichkeit höchste Relevanz aufweist. In diesem Buch wird davon ausgegangen, dass bestimmte Persönlichkeitseigenschaften zu einer erfolgreichen Führung befähigen; sie beschreibt somit die Persönlichkeit als federführendes Element erfolgreicher Führung. Was die charismatische Führungspersönlichkeit betrifft, sind charakteristische, als charismatisch geltende Eigenschaften, die sie nach außen hin repräsentieren und auf innere Werte ihrer Persönlichkeit zurückzuführen sind, entscheidend für den Er- 4 Vgl. Scheungraber (2011), S. 2. 5 Vgl. Schreyögg/Sydow (1999), S. 210. 6 Vgl. Dihsmaier/Paschen (2011), S. 29. 1 Einleitung 3 folg. Aus diesem Grund bergen sie das Potential für die Entwicklung von Strategien für erfolgreiche Führung. Es ist gerade das Spannungsverhältnis zwischen Charisma und Widerstand, das Strategien beinhaltet, die Führungserfolg bedingen können. In diesem Zusammenhang sind bestimmte Persönlichkeitseigenschaften dafür entscheidend, ob diese Wechselwirkung erkannt, genutzt, entsprechend adressiert und schließlich mit Erfolg gemeistert wird. Die moderne Führungs- und Managementlehre, die Soziologie sowie die Theologie betrachten Charisma jeweils aus unterschiedlichen Blickwinkeln und definieren den Begriff dementsprechend in verschiedener Weise. Jede Disziplin offenbart diverse Strategien für den Erwerb von Charisma und assoziiert demnach vielfältige Persönlichkeitsmerkmale mit einer charismatischen Persönlichkeit. Im Hinblick auf seine theologischen Wurzeln beinhaltet der Charisma- Begriff eine enorme Bedeutungsvielfalt. Ein Blick auf die Ursprünge des Charisma-Begriffs hilft, bestimmte Einflussfaktoren zu identifizieren, die dazu führen, dass Charisma entstehen kann, und macht es möglich, Charisma aus theologischer Sicht und Charisma aus moderner Perspektive unterscheiden zu können. Charisma lässt sich anhand einer Analyse der Persönlichkeit charismatischer Führungspersönlichkeiten und ihres Verhaltens exemplifizieren. Charismatische Führungspersönlichkeiten in Wirtschaft und Politik sind permanent mit Widerständen konfrontiert. Ihre Aufgabe ist es, dieses Spannungsverhältnis zwischen Charisma und Widerstand mit Erfolg zu bewältigen. Die charismatische Führungspersönlichkeit kann sich gerade im Umgang mit den Medien und der Öffentlichkeit erproben, vor allem dann, wenn die Atmosphäre von Unsicherheit geprägt ist und öffentlicher Druck auf diese Persönlichkeit ausgeübt wird. Eine Analyse empirischer Beispiele ermöglicht es, grundlegende Eigenschaften herauszuarbeiten, die einen charismatischen Charakter besitzen. Als Beispiel für eine charismatische Führungspersönlichkeit wird die Politikerpersönlichkeit Barack Obama aufgezeigt. Bei einer näheren Betrachtung seiner Persönlichkeit lassen sich herausragende Eigenschaften erkennen, die ihn befähigen, Widerstände als Herausforderung zu se- 1 Einleitung 4 hen. Er vermag es, seinen zukünftigen Erfolg aus diesen Widerständen herzuleiten. Welche Eigenschaften charakterisieren charismatische Führungspersönlichkeiten? Aus der Annahme, dass die charismatische Führungspersönlichkeit bestimmte Eigenschaften besitzt, die sie von anderen Führungspersönlichkeiten unterscheiden, ergibt sich die Frage, welche Eigenschaften für die charismatische Führungspersönlichkeit signifikant sind. Darüber hinaus gilt es, Ursachen und Gründe zu identifizieren, die zu einer Entwicklung von Charisma beitragen. Daneben wird die interne Dynamik des Charismatikers anhand von spezifischen Verhaltensmustern analysiert sowie auf Persönlichkeitsstrukturen und -merkmale eingegangen, die Charisma begünstigen. Eine Analyse von charismatischen Eigenschaften impliziert ebenso die Notwendigkeit einer Betrachtung sozialer Strukturen, insofern die (soziale) Beziehung zwischen der charismatischen Führungspersönlichkeit und den „Anhängern“ aus der Perspektive des Charismatikers richtig einzuschätzen ist, um sodann entsprechend an die Bedürfnisse der Geführten appellieren und Einfluss geltend machen zu können. Dementsprechend kann die Charisma-Wirkung analysiert, interpretiert und veranschaulicht werden. Es wird überprüft, ob charismatische Eigenschaften bereits angeboren sind, erlernt oder durch soziale Bedingungen geschaffen werden. Daneben ist zu erforschen, ob Charisma durch eine Abwertung und/oder Ausgrenzung der Person, als Folge von Widerständen, geschwächt wird und ob Charismatiker von bestimmten religiösen Werten, zum Beispiel einem besonders starken Glauben, geprägt sind. Im weiteren Verlauf werden Strategien aufgezeigt, die es einer Führungspersönlichkeit ermöglichen sollen, erfolgreich zu sein. 1.1 1.1 Welche Eigenschaften charakterisieren charismatische Führungspersönlichkeiten? 5 Ziele und Aufbau der Arbeit Primäres Ziel ist eine Erforschung von charakteristischen charismatischen Eigenschaften unter Berücksichtigung des Ursprungs des Charisma-Begriffs in der Theologie und im Hinblick auf seine Bedeutungsvielfalt. Außerdem wird dargestellt, inwieweit sich die Bedeutung des ursprünglichen Charisma-Begriffs gewandelt hat. Vorliegendes Buch ist in fünf Hauptkapitel untergliedert. Das erste Kapitel beschreibt den Aufbau der Arbeit sowie die Spezifizierung der Fragestellung mit den Zielen und Hypothesen. Im zweiten Kapitel erfolgt eine allgemeine Begriffsdefinition zu dem geheimnisumwobenen Charisma-Phänomen, was auch die Bedeutungsvielfalt der Begrifflichkeit illustriert. Anschließend wird eine theologische Annäherung an den Charisma-Begriff präsentiert und insbesondere auf die Bedeutung und den Ursprung der Charismentheologie verwiesen. Um ein grundlegendes Verständnis vom Ursprung des Begriffs zu vermitteln, werden die paulinische Charismentheologie sowie die paulinische Ethik vorgestellt. Es wird aufgezeigt, dass Charisma in der Theologie seinen Ursprung hat und vor allem von dem Apostel Paulus im Neuen Testament der Bibel geprägt wurde. Zudem wird eine Untersuchung des Charisma-Begriffs aus sozialwissenschaftlicher Perspektive vorgenommen. Im Besonderen wird dabei ein Bezug zu Max Webers Charisma-Thematik hergestellt, da Weber den Begriff grundlegend geprägt und in die Sozialwissenschaft eingeführt hat. Ferner wird Charisma aus der Perspektive der modernen Führungs- und Managementlehre vorgestellt. Charisma steht in diesem Zusammenhang für eine durch Methoden erlernbare Fähigkeit. Anknüpfend wird auf die Entwicklung von Charisma durch Stigmatisierung verwiesen. Diesbezüglich werden die beiden Gegensatzpaare Charisma und Stigma anhand der Gegenpole Prestige und Stigma veranschaulicht. Auf diese Weise ist es möglich, das Phänomen Charisma mittels seines Gegenparts, des Stigmas, umfassender zu beschreiben. Es werden schließlich der theologisch geprägte Charisma-Begriff, der Charisma-Begriff aus sozialwissenschaftlicher Sicht und der durch die neue Managementlehre geprägte Charisma-Begriff 1.1.1 1 Einleitung 6 einander gegenübergestellt. In diesem Zusammenhang kann die Bedeutungsvielfalt der Begrifflichkeit resümiert werden. Es schließt sich eine ausgewählte Definition von Führung und Führungstheorien an, die in Kapitel 3 den Zusammenhang zwischen der Persönlichkeit einer Führungsperson und dem Führungserfolg veranschaulichen soll. Neben dem Verhältnis von Charisma zu Trauma und Erfahrung wird darüber spekuliert, ob Charisma als ein Garant für Erfolg anzusehen ist. In diesem Sinne kommt der Differenzierung zwischen dem Charisma des Amtes und dem persönlichen Charisma eine wichtige Bedeutung zu. Darüber hinaus wird das Verhältnis von Charisma und Widerstand anhand des Phänomens „Mobbing“ veranschaulicht, indem die Ziele, Strategien und Auswirkungen von Mobbing aufgedeckt werden und sich somit die Wechselbeziehung präzise aufklären lässt. Eine neue Definition von Mobbing soll dazu beitragen, auf das Phänomen und seine Auswirkungen aufmerksam zu machen, um somit Anregung für die Entwicklung von Schutzmaßnahmen für betroffene Persönlichkeiten zu geben. Eine Gegenüberstellung der Charaktere der charismatischen Führungspersönlichkeit und der Täterpersönlichkeit schildert überdies die unterschiedliche Zielsetzung der beiden Persönlichkeitstypen und identifiziert somit Eigenschaften einer charismatischen Führungspersönlichkeit. Da der Charismatiker die Widerstände, die Täterpersönlichkeiten initiieren, in der Regel dazu benutzt, Charisma zu erwerben, wird die daraus hergeleitete Charisma-Wirkung beschrieben, die ein Erfolgsrezept des Charismatikers in sich birgt. Anhand des Falles Christian Wulff wird der Widerstand gegenüber dem Amtscharisma veranschaulicht. Im Zuge dessen erfolgt eine Analyse des Widerstands an ausgewählten Begebenheiten, die Wulff in seinem Buch „Ganz oben, ganz unten“ beschreibt. Aus Christian Wulffs Erfahrungen werden anschließend Taktiken abgeleitet, die Strategien zur Überwindung dieser Widerstände aufzeigen. Überdies wird auf Charisma in der Führungspsychologie eingegangen. In Anlehnung an die Eigenschaftstheorie der Führung ist Charisma als Attribut der Persönlichkeit zu verstehen, weil der Mensch und seine Persönlichkeit dem Charisma erst Ausdruck ver- 1.1 Welche Eigenschaften charakterisieren charismatische Führungspersönlichkeiten? 7 leihen. Der Begriff der „Persönlichkeit“ wird indessen näher betrachtet, da diese, korrespondierend mit dem eigenschaftsorientierten Ansatz, ausschlaggebend für erfolgreiche Führung und eine charismatische Ausstrahlung ist. Im weiteren Verlauf wird der charismatischen Persönlichkeit Aufmerksamkeit gewidmet. Im Rahmen des dritten Kapitels wird zudem in die Thematik der charismatischen Führung eingeführt. Charismatischen Führern wird meist eine besondere Autorität nachgesagt. Hierbei spricht man auch von personaler Autorität, die auf die Persönlichkeit des Charismatikers zurückzuführen ist und ihn zur Führung befähigt. In diesem Kontext wird ein Zusammenhang zwischen Charisma als Quelle der Autorität sowie der Führung deutlich. Als Ergebnis einer kritischen Auseinandersetzung mit den theoretischen Erkenntnissen über Charisma pointiert Kapitel 3 charismatische Eigenschaften einer Persönlichkeit. Als Resultat einer Analyse des Charisma-Begriffs aus theologischer, soziologischer und managementorientierter Perspektive werden explizit charakteristische Eigenschaften einer als charismatisch geltenden Persönlichkeit aufgedeckt. Anhand der vorangestellten theoretischen Klassifikation der unterschiedlichen Auffassungen zum Charisma-Begriff findet eine Validierung der Hypothesen statt. Einen Überblick über das Thema Führung in der Politik gewährt das Kapitel 4, in dem die typische Politikerpersönlichkeit sowie die charismatische Führungspersönlichkeit in der Politik betrachtet werden. Eine Analyse der politischen Führungspersönlichkeit Barack Obama sowie seines Verhaltens schafft einen konkreten Praxisbezug und liefert fundierte empirische Erkenntnisse über charismatische Eigenschaften einer Führungspersönlichkeit in der Politik. Die Fallstudie ermöglicht es, das Verhalten des Politikers bei Widerständen zu analysieren und somit Erkenntnisse aus seinem Umgang mit den Medien und der Öffentlichkeit zu gewinnen. Die theoretischen Erkenntnisse über die Entstehung von Charisma aus theologischer, soziologischer und managementorientierter Perspektive dienen dabei als Grundlage für die Analyse. So wird deutlich, welcher Theoriebezug auf die ausgewählte Persönlichkeit zutreffend ist und ob Übereinstimmungen zwischen Theorie und Pra- 1 Einleitung 8 xis anhand spezifischer Verhaltensmuster erkennbar sind. Vornehmlich wird auf die Persönlichkeit des Politikers Barack Obama Bezug genommen, worauf eine inhaltliche Analyse von ausgewählten Reden vor dem Hintergrund seiner Biographie folgt. Auf diese Weise können die Hypothesen sowie die Forschungsfrage eindeutiger und praxisorientierter beantwortet werden. Das Charisma der Politikerpersönlichkeit wird in der Theorie verortet, um die Frage beantworten zu können, ob es sich bei dem ausgewählten Politiker um eine charismatische Führungspersönlichkeit handelt. Anschließend erfolgt eine abschließende Diskussion über die charismatische Führungspersönlichkeit in der Politik, indem die verschiedenen Charismen der Politikerpersönlichkeit postuliert werden. Da Charisma auch eine Schattenseite besitzt, wird zugleich die Bürde des Charisma-Trägers erwähnt. Charisma steht immer in einem Spannungsverhältnis zwischen Bewunderung und Neid. Das Thema Charisma und Widerstand offenbart dabei die Mittel und Strategien, die angewandt werden, Charisma zu unterdrücken. Im Bewusstsein der Schattenseite des Charisma-Phänomens werden daran anschließend Strategien aufgezeigt, die es Führungspersönlichkeiten ermöglichen, trotz des Widerstands erfolgreich zu sein. Dabei lassen sich Schachzüge für Erfolg ableiten, die Charisma als Strategie für erfolgreiche und wertschätzende Führung beschreiben. Der Charisma-Begriff wird neu definiert und eröffnet eine innovative Perspektive auf die charismatische Führungspersönlichkeit. Diese Definition trägt dazu bei, den Ursprung des Charisma-Begriffs zu erschließen, und zielt darauf ab, die Wirksamkeit und Werthaltigkeit des Charisma-Phänomens zu betonen, wobei die Diskrepanz in Bezug auf die unterschiedlichen Begriffsbedeutungen relativiert wird. Das Resümee fasst in Kapitel 5 die wichtigsten Aspekte zusammen und präsentiert dabei neue Erkenntnisse zu den charakteristischen charismatischen Eigenschaften einer Persönlichkeit. Wertvolle und Erfolg stiftende Eigenschaften einer Persönlichkeit werden dabei hervorgehoben und als ausschlaggebende Eigenschaften definiert, die wirkliche Führungsstärke beschreiben. Diese Eigenschaften definieren die Identität des Charismatikers als auch seine Persönlichkeit, die weder inszeniert noch verführt, son- 1.1 Welche Eigenschaften charakterisieren charismatische Führungspersönlichkeiten? 9 dern gerade wegen ihrer Authentizität und ihren Werten echte Führungskompetenz begründet. Hypothesen Die Annahme, dass persönliche Eigenschaften eine charismatische Führungspersönlichkeit auszeichnen, wird anhand einer Überprüfung folgender Hypothesen evaluiert: 1. Charisma ist in die Wiege gelegt. 2. Charisma ist eine erlernbare Fähigkeit. 3. Charisma wird durch Abwertung und/oder Ausgrenzung der Person, als Folge von Widerständen, geschwächt. 4. Charismatiker werden durch religiöse Werte wie zum Beispiel den Glauben geprägt. Die erste Hypothese fokussiert die Great Man Theory, die angibt, dass alleine die Persönlichkeit ausschlaggebend für den Erfolg einer charismatischen Führungspersönlichkeit ist. Daneben erwähnen die ältesten Verfechter der Great Man Theory, dass Charisma angeboren ist und nicht durch Regeln erlernt werden kann.7 Mit einer Überprüfung der zweiten Hypothese wird der gegenteilige Sachverhalt betrachtet, indem erforscht wird, ob es möglich ist, sich Charisma anhand spezifischer Regeln anzueignen. In Überprüfung der dritten Hypothese wird ergründet, ob Charisma aufgrund einer Abwertung und/oder Ausgrenzung der Person, als Folge von Widerständen, geschwächt oder gestärkt wird beziehungsweise ob diesbezüglich überhaupt Veränderungen an der Persönlichkeit des Charisma-Trägers zu verzeichnen sind. Mittels der Ergebnisse wird außerdem aufgezeigt, ob bestimmte soziale oder personale Einflussfaktoren dazu führen, dass Charisma entstehen kann. Zusätzlich wird der persönliche Umgang der Führungspersönlichkeit mit Ausgrenzung und Abwertung diskutiert, da dieser ausschlaggebend dafür ist, ob diese Person später entweder als charismatisch oder als 1.1.2 7 Vgl. Macharzina/Wolf (2010), S. 573. 1 Einleitung 10 weniger charismatisch wahrgenommen wird. Dabei zeigt sich auch, ob soziale Bedingungen die Entwicklung einer charismatischen Persönlichkeit begünstigen oder eher schwächen. Die vierte Hypothese geht davon aus, dass persönliches Charisma und charismatisches Verhalten auf religiöse Werte wie zum Beispiel den Glauben zurückzuführen sind, allein auf dessen Grundlage entstehen oder sogar nur durch den Glauben wirksam werden können. Hinsichtlich dieser Überlegungen trägt eine Überprüfung der Hypothesen dazu bei, die Forschungsfrage zu beantworten, welche Eigenschaften charakteristisch für die charismatische Führungspersönlichkeit sind. 1.1 Welche Eigenschaften charakterisieren charismatische Führungspersönlichkeiten? 11

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References

Zusammenfassung

Unsere Zeit ist geprägt durch dynamische Veränderungen in den unterschiedlichsten Bereichen der Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Für Führungskräfte ist es daher wichtig, flexibel zu denken und neue Konzepte und Strategien zu entwickeln, um langfristig erfolgreich sein zu können. Erfolgreiche Führung bedarf einer werteorientierten Führung, um an die Gefühle und Bedürfnisse der Menschen appellieren zu können, Verantwortung zu übernehmen und erfolgreich zu vermitteln.

Charisma als Merkmal werteorientierter Führung kann den Erfolg einer Führungspersönlichkeit definieren. Sonja Scheungraber analysiert aus theologischer, soziologischer und managementtheoretischer Sicht, welche Eigenschaften einen charismatischen Charakter beschreiben und definiert in der Folge den Begriff „Charisma“ neu.

Charismatische Führungspersönlichkeiten wie Barack Obama bleiben auch in Zeiten des Widerstands souverän. Sie besitzen bestimmte Eigenschaften und Werte, die es ihnen ermöglichen, Widerstände zu überwinden und ihren zukünftigen Erfolg daraus herzuleiten. Die Autorin arbeitet diese Wirkungsmöglichkeiten von Charisma heraus und beschreibt diese als Theorie für Erfolg. Denn Charisma ist nicht nur eine brillante Eigenschaft einer Persönlichkeit, sondern ein Erfolgskonzept.