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1. Kindheit in:

Ottfried Becker

Dr. Matthäus Much (1832-1909), page 3 - 12

Eine dokumentarische Biographie

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4350-9, ISBN online: 978-3-8288-7300-1, https://doi.org/10.5771/9783828873001-3

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Geschichtswissenschaft, vol. 42

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Kindheit Auszug aus dem Taufbuch Pfarre Göpfritz an der Wild Matthäus Much wird als viertes von sieben Kindern der Familie am 18. Oktober 1832 in Göpfritz an der Wild im Haus Nr. 3 geboren und getauft.2 Im Taufbuch lautet der Name des Kindes „Matthä Much“. Von den sieben Geschwistern erreichen vier das Erwachsenenalter. Nur eine der drei älteren Schwestern, Maria Theresia, geboren am 16.03.1827, bleibt am Leben3. Die beiden anderen – Amalia (03 Taufe_0084), geboren am 27.07.1828 und Theresia, geboren am 25.01.1830 (03 Taufe_0089) sterben im Kindesalter 1833. Das gleiche Schicksal ereilt den Bruder Franz Victor (03 Taufe_0117), geb. am 9.3.1836, gestorben am 7.3.1837. So wächst Matthäus mit Maria Theresia, Ida (03 Taufe_0106), geb. am 28.03.1834 und Isabella (03 Taufe_0129), geb. am 21.10.1838, gemeinsam auf. Isabella Much, verh. Teiber, Schwester von Matthäus, Privatbesitz K.u.R. Wirthig 1. Abbildung 1 Abbildung 2 2 Diözesanarchiv St. Pölten, Pfarre Goepfritz an der Wild, Taufbuch, Signatur 01/01, Zeitraum:1783– 1839, Bildnachweis: 03-Taufe_0100 3 Diözesanarchiv St. Pölten, Pfarre Goepfritz an der Wild, Taufbuch, Signatur 01/01, Zeitraum:1783– 1839 3 Ida Foltis, Schwester, Isabella Teiber, Schwester, Laura Teiber Nichte von Matthäus, Karoline Gold, Tochter von Ida Foltis, Aufnahmedatum unbekannt, Privatbesitz F. Becker-Pellmann Die Much‘schen Vorfahren lassen sich bis ins Jahr 1580 zurückverfolgen. (Siehe Stammbaum im Familienbesitz der Fam. Much: Vater Franz Much * 1795 in Gösing, Großvater Sebastian Much * 1764 in Waitzendorf, Urgroßvater Franz Ignatz Much * 1721 und alle weiteren in Waitzendorf, Ururgroßvater Andreas Much * 1685, Urururgroßvater Georg Much * 1660, Ururururgroßvater Georg Much * 1612, Urururururgroßvater Michael Much * 1580) Der Vater Franz Much, der nach dem Taufbucheintrag eigentlich Franziskus Xaver hieß, geb. am 21.11.1795 in Gösing Nr. 72, arbeitete als Verwalter der Grafschaft Göpfritz. Dessen Vater Sebastian Much war Lehrer in Gösing und mit Theresia geb. Zeiner, einer Schusterstochter aus Altenpölla verheiratet. Abbildung 3 1. Kindheit 4 Die Mutter Franziska geb. Fidler wurde am 7. März 1800 in Geras Nr. 27 geboren. Ihr Vater Leopold Fidler war Bäckermeister und verheiratet mit Magdalena, Tochter des Müllermeisters Ignatz Maurer aus Messern.4 Die Eltern von Matthäus Much wurden am 8.5.1826 in Geras getraut. Bis Ende 1838 lebte die Familie Much in Göpfritz. Dort war der Vater vom 1.3.1826 bis September 1838 „Oberbeamter der Grafen Starhembergschen Herrschaft“5. Zuvor stand er seit 1808 im Dienst des Benedictiner Stiftes Altenburg und war ab 1818 „Amtsakteur“ der Herrschaft Wildberg, ebenfalls im Dienste des Stiftes Altenburg6. Von 1838 bis 1850 nennt Matthäus Petschau (Becov nad Teplou) in Böhmen die „Stätte der Wirksamkeit“ seines Vaters, wo dieser vom 29.10.1838 bis 10.04.1849 als Güterdirektor und Oberamtmann der vereinigten Herrschaften Petschau und Gabhorn im Dienste der herzoglich Beaufort-Spontinschen Güter- Oberdirektion zu Theusing (Touzim, Tschechien) arbeitet7. Burg Petschau, Südseite, Zeichnung von M. Much (Privatbesitz D. Marx) Rückseite der obigen Zeichnung Abbildung 4 Abbildung 5 4 Geburtsurkunde von Franz Much, Pfarramt Gösing am Wagram, Tom. III, Fol.21) (Geburts- und Taufschein Franziska Fidler, Dekanat Geras, Tom. VI., Fol. 19. 5 Arbeitszeugnisse von Franz Much, Privatbesitz T. Much 6 Arbeitszeugnisse von Franz Much, Privatbesitz T. Much 7 ebenda 1. Kindheit 5 Der "spitzige Stein" bei Elbogen (heute Loket) in der Nähe von Petschau, Zeichnung von M.Much, Nachlass Gerda Becker Abbildung 6 1. Kindheit 6 Der "spitzige Stein" heute, Foto: Autor Von Petschau aus besucht Matthäus das Gymnasium in Pilsen von 1843 bis 1848. Weitere Stationen seiner Schulzeit sind die Städte Eger, Prag und Wien. In Wien maturiert er 1851 am Theresianum.8 In welcher Reihenfolge und zu welcher Zeit er die anderen Schulorte besucht hat ist nicht bekannt. Abbildung 7 8 Szombathy, 1910, S. 48 1. Kindheit 7 Petschau (Becov nad Teplou), heute, Foto Autor Pilsen 1903, Postkartensammlung "Selbsterschautes", Privatbesitz D. Marx Abbildung 8 Abbildung 9 1. Kindheit 8 Pilsen (Plzen), heute, Foto: Autor Rückseite der folgenden Zeichnung Abbildung 10 Abbildung 11 1. Kindheit 9 Der Grafenhof von der Gartenseite in Oberlaa, Zeichnung von M. Much, Privatbesitz D. Marx Von 1850 bis 1854 befindet sich der Grafenhof in Oberlaa bei Wien im Besitz der Familie Much. (Überreste dieses Gebäudes gibt es nicht mehr, es wurde nach 1950 abgerissen.) Ab 1850 bis 1853 wird Franz Much zum leitenden Kommissär der Tepler k.k.Grundentlastungs-Bezirkskommission in Böhmen berufen. 9 Von 1853 bis zum Tod von Franz Much († 19.12.1859) leben die Eltern in Gross-Siegharts, wo Franz Much nach dem Eintrag im Kirchenbuch „hiesiger gräflich van der Strattenscher Güterdirektor“ war.10 Unklar ist, wo Franziska Much ihren Lebensabend verbracht hat, sie stirb am 9.7.1890 in Wien. Beide Eltern sind auf dem Grabstein von M. Much auf dem Zentralfriedhof in Wien verewigt. Anmerkung: In der Diplomarbeit von Frank Olaf Luckscheiter11 wird Jauernig in Schlesien als möglicher Geburtsort von Matthäus Much angegeben und dabei auf das Testament von M. Much Bezug genommen. In diesem mir vorliegenden Testament steht kein Wort von einem Ort Jauernig, unter Punkt 13 erwähnt er seinen Geburtsort Göpfritz. (Verlassenschaftsakt von Matthäus Much (WStLA, BG Hietzing: 2A 1825/1909)) Außerdem gibt Herr Luckscheiter an, daß der Großvater von Matthäus Much, Sebastian Much, Lehrer in Krems gewesen sei, in den mir vorliegenden Unterlagen findet sich Gösing als Arbeitsort (Taufbucheintrag 21.11.1795)12. Herr Luckscheiter spekuliert ebenfalls über den „richtigen“ Vornamen von Matthäus Much und Abbildung 12 9 Einsetzungsschreiben, Vollmacht, Belobigungs- und Entlastungsschreiben, 2. Dokumentenmappe, Privatbesitz K.u.R. Wirthig 10 http://data.matricula-online.eu/en/oesterreich/st-pölten(grosssiegharts/03-09/?pg=19 11 Luckscheiter, 2012, S. 18 12 http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/wien/goesing-am-wagram/01-03/?pg=23 1. Kindheit 10 meint, dass er doch eher Mathias geheißen haben wird.13 Nach dem Kirchenbucheintrag lautet der Vorname „Matthä“ und M. Much hat sich nie selbst Mathias genannt, sondern in der Familie „Matthä“ und sonst „Matthäus“. Falsch ist außerdem die Feststellung von Herrn Luckscheiter, dass Franz Much aus „Waizendorf “ stammt.14 13 Luckscheiter, 2012, S. 18, Fußnote 7 14 Ebenda, Seite 18 1. Kindheit 11

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Zusammenfassung

Dr. Matthäus Much war ein Pionier der österreichischen Urgeschichtsforschung. Als finanziell unabhängiger Zitherfabrikant in Wien widmete er sich begeistert der frühen Geschichte seines Heimatlandes. Er entdeckte die Pfahlbauten im Mondsee, untersuchte die Spuren des alpinen prähistorischen Kupferbergbaus und führte in Niederösterreich intensive Ausgrabungen durch. Seine Sammlung prähistorischer Gegenstände war international bekannt. Als Mitglied in den Anthropologischen Gesellschaften von Wien und Berlin setzte er sich für die Zusammenarbeit beider Vereinigungen ein. Aus Kupferfunden in ganz Europa leitete er die Notwendigkeit ab, eine zusätzliche historische Periode einzuführen („Kupferzeit“). In der K.K. Zentralkommission sorgte er für die Bewahrung der Bodendenkmale und arbeitete an einer Denkmalschutzgesetzgebung. Ottfried Becker zeichnet anhand historischer Dokumente, zu denen auch von Matthäus Much selbst gesammelte und bisher unveröffentlichte Unterlagen gehören, sein Leben und Wirken nach.