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11. Ausklang in:

Ottfried Becker

Dr. Matthäus Much (1832-1909), page 251 - 252

Eine dokumentarische Biographie

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4350-9, ISBN online: 978-3-8288-7300-1, https://doi.org/10.5771/9783828873001-251

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Geschichtswissenschaft, vol. 42

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Ausklang Unterschrift aus "Das Goldene Buch des Deutschen Volkes an der Jahrhundertwende"483 Dr. Matthäus Much stirbt am 17.12.1909 in Wien. Seine Frau Maria Much überlebt ihren Mann und ihre Tochter Marie und stirbt am 26.11.1919. Die letzte Ruhestätte des Ehepaars Much befindet sich in Wien auf dem Zentralfriedhof (Gr.43 H, R.2, Nr. 9). Matthäus Much war ein sehr aktiver Mensch, neben seiner Tätigkeit als Leiter einer berühmten Zitherfabrik in Wien, hat er sich von 1870 bis zu seinem Tod 1909 ehrenamtlich für die Erforschung der Urgeschichte seines geliebten Heimatlandes und die Sicherung von Funden und Bodendenkmälern eingesetzt. Seine über zweihundert Veröffentlichungen in den verschiedensten Druckmedien seiner Zeit spiegeln seine wissenschaftliche Arbeit wider. Er war aber auch ein „Vielreisender“ und emsiger Feldforscher. Seine aktivste Zeit fällt in die siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts. Neben seiner ehrenamtlichen Tätigkeit in der anthropologischen Gesellschaft und in der k.k. Zentralkommission erfolgen in dieser Zeit die Ausgrabungen in Niederösterreich (Stillfried ab 1874) und im Salzkammergut am Mondsee (ab 1871) sowie seine Forschungen zum prähistorischen Bergbau in den Alpen (ab 1877). Seine politischen Aktivitäten hielten sich dagegen sehr in Grenzen, die Kandidaturen bei der Reichsratsnachwahl 1882 als unabhängiger Kandidat und der Wahl der Bezirksvertretung 1889 für die „Vereinigten Christen“ blieben ohne Erfolg. Dass er ein Musikliebhaber war, beweisen seine vielen aufbewahrten Konzertprogramme und Eintrittskarten, die sich in der Dokumentenmappe befinden. 11. Abbildung 179 483 Lohmeyer, 1900, S. 85 251 Maria Much und Matthäus Much, Aufnahmedatum unbekannt, Nachlass Gerda Becker Und er war auch ein „Familienmensch“, der stets großen Anteil nahm am Schicksal seiner Kinder und Enkelkinder. Zahlreiche Telegramme, die z.B. Geburten anzeigen, befinden sich in der bereits mehrfach genannten Dokumentenmappe. Aber auch an tragischen Ereignissen in der Familie wird rege Anteil genommen. Dass man noch mehr als einhundert Jahre nach seinem Tod über ihn spricht, schreibt und diskutiert, beweist seine große Bedeutung in der Geschichte der Urgeschichtsforschung Österreichs und dass er mit Recht zu den „großen Österreichern“ gezählt werden kann. Abbildung 180 11. Ausklang 252

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Zusammenfassung

Dr. Matthäus Much war ein Pionier der österreichischen Urgeschichtsforschung. Als finanziell unabhängiger Zitherfabrikant in Wien widmete er sich begeistert der frühen Geschichte seines Heimatlandes. Er entdeckte die Pfahlbauten im Mondsee, untersuchte die Spuren des alpinen prähistorischen Kupferbergbaus und führte in Niederösterreich intensive Ausgrabungen durch. Seine Sammlung prähistorischer Gegenstände war international bekannt. Als Mitglied in den Anthropologischen Gesellschaften von Wien und Berlin setzte er sich für die Zusammenarbeit beider Vereinigungen ein. Aus Kupferfunden in ganz Europa leitete er die Notwendigkeit ab, eine zusätzliche historische Periode einzuführen („Kupferzeit“). In der K.K. Zentralkommission sorgte er für die Bewahrung der Bodendenkmale und arbeitete an einer Denkmalschutzgesetzgebung. Ottfried Becker zeichnet anhand historischer Dokumente, zu denen auch von Matthäus Much selbst gesammelte und bisher unveröffentlichte Unterlagen gehören, sein Leben und Wirken nach.