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3. Familiengründung und Tätigkeit in der Kiendl’schen Zitherfabrik in:

Ottfried Becker

Dr. Matthäus Much (1832-1909), page 23 - 34

Eine dokumentarische Biographie

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4350-9, ISBN online: 978-3-8288-7300-1, https://doi.org/10.5771/9783828873001-23

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Geschichtswissenschaft, vol. 42

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Familiengründung und Tätigkeit in der Kiendl’schen Zitherfabrik Im Jahre 1860 schließt Matthäus Much mit Maria Anna Hornsteiner in der Pfarrkirche Maria Treu in Wien die Ehe. (Trauungsbuch Tom. 1860 fol.49/a) Als Trauzeuge wird Adolf Wähner genannt, der Ehemann seiner Schwester Maria. Maria Hornsteiner wurde am 13.04.1837 in Mittenwald geboren. Ihre Mutter war Maria Helena Hornsteiner (* 16.08.1812 in Mittenwald, Bayern), Tochter des Corbian Hornsteiner und der Walburga Spätberger. Ihr Vater Anton Kiendl (* 14.06.1816, † 13.01.1871), Sohn des Lehrers Joseph Kiendl und Maria Anna, geb. Hörtenberger, Lehrerstochter aus Innsbruck, wanderte mit seiner Tochter nach Wien aus und gründete dort die Kiendl’sche Zitherfabrik. Maria war sehr musikalisch. „Als sie größer war, stimmte sie selbst Zithern und Klaviere.“19 Wie sich beide kennen gelernt haben ist nicht überliefert. Ich vermute, dass Matthäus seine spätere Ehefrau beim Kauf einer Zither das erste Mal getroffen hat, denn auf der folgenden Lithografie (Abb. 22/23) steht der Satz: „Dem’s Zitherspiel’n g’freut -Muß seyn a guts Leut -Muß hab’n a guts G’müth daß n‘ Jedermann rührt.“ 3. 19 Dahle, 1959 23 Matthäus Much (1853), Lithographie Jos. Bauer, Privatbesitz K.u.R.Wirthig Beschriftung der obigen Llithographie Abbildung 22 Abbildung 23 3. Familiengründung und Tätigkeit in der Kiendl’schen Zitherfabrik 24 Maria Hornsteiner (1854), Lithographie Jos. Bauer, Privatbesitz K.u.R. Wirthig Am 15.04.1861 wird Maria Theresia Barbara Much in Wien Josefstadt Nr. 18 als erstes Kind in dieser Ehe geboren. Die Paten sind Isabella Much (Schwester von Matthäus) als Stellvertreterin für Adolf Wähner (k. Oberförster) und seine Frau Maria (Schwester von Matthäus). Im Jahre 1862 kommt am 7.10. der Sohn Rudolf Franz Anton Much ebenfalls in der Josefstadt 18 zur Welt. Abbildung 24 3. Familiengründung und Tätigkeit in der Kiendl’schen Zitherfabrik 25 Maria Much mit Sohn Rudolf, coloriertes Foto, Privatbesitz K.u. R. Wirthig Maria Much, geb Hornsteiner 1871, Foto, Privatbesitz K.u.R. Wirthig Abbildung 25 Abbildung 26 3. Familiengründung und Tätigkeit in der Kiendl’schen Zitherfabrik 26 Einbürgerungsurkunde, Dokumentenmappe 2, Privatbesitz K.u.R. WirthigAbbildung 27 3. Familiengründung und Tätigkeit in der Kiendl’schen Zitherfabrik 27 In diesem Jahr wird M. Much mit Beschluss des Magistrats „der k.k. Reichshaupt-und Residenzstadt Wien.“20vom 8. April 1862 „als einheimisch in die hiesigen Bevölkerungslisten eingetragen und bei den dießfalls vorkommenden Anläßen als zuständig angesehen und behandelt werden.“21 Als drittes Kind wird Rosa Franziska-Anna am 5. 111864 in der Josefgasse 6 in Wien geboren. (Erzdiözese östliches Niederösterreich und Wien, 08., Maria Treu, Taufbauch 01-041, 1864) Es folgt Berta-Rosa-Maria am 5.4.1868. Sie wurde 12.04.1868 getauft, starb am 28.09.1869 und wurde am 30.09.1869 auf dem Friedhof in Gösing bei Kirchberg am Wagram bestattet. (Erzdiözese östliches Niederösterreich und Wien, 08., Maria Treu, Taufbauch 03-15, 1868) (Erzdiözese östliches Niederösterreich und Wien, 08., Maria Treu, Sterben 03-15, p.219, 1869) Das Schicksal von Rosa Franziska Anna ist unklar. Am ersten Januar 1873 schreibt Sie ihren Eltern eine Grußkarte zum Neuen Jahr.22 In Briefen von Rudolf Much an seinen Vater 1876 wird auch von Rosa gesprochen. „Für Sonntag hatten wir beschlossen, nach Stillfried zu gehen, Marie, Rosa u. Emilie, hauptsächlich der Blumen wegen, allein leider wurden wir daran durch der Mutter Unwohlsein verhindert.“23 Im Zusatz zu diesem Brief schreibt Maria Much (Ehefrau von Matthäus): „Lieber Matthäe! Da ich Sonntag in Stillfried die Steingeräte nicht finden konnte, so war ich gezwungen, Dir in der Küche ähnliches zu bilden, die noch den Votheil haben, daß man sie speisen kann. Hr. Hold geht es noch nicht besser. … Soeben Deine Briefe erhalten. Rosa ist über die günstigen Nachrichten sehr erfreut. Da heute Emiliens Namensfest ist, wollten wir zusammen einen Ausflug in die Brühl unternehmen, doch das Wetter ist trotz des hohen Parometer Standes unfreundlich, regendrohend und windig.“24 Rosa hat also 1876 noch gelebt. Von einer Todesnachricht nach 1876 fehlt jede Spur. Bruno Brukner, der spätere Ehemann von Maria schreibt 1883 eine Erzählung mit dem Titel „Auf Wiedersehen“25, in den drei verschiedenen Liebesgeschichten kommt auch eine Rosa vor. Eine Aufklärung über das Schicksal von Rosa Much erfogt aber auch hier nicht. Interessant an dem Brief ist außerdem, dass Maria Much hier ihren Mann mit „Matthäe“ anspricht, was der Schreibweise im Geburtsregister entspricht. Und sogar Matthäus selbst nennt sich so, was auf einer Postkarte an einen Enkelsohn belegt ist. 20 Einbürgerungsurkunde, 2.Dokumentenmappe, Privatbesitz K.u.R. Wirthig 21 ebenda 22 2. Dokumentenmappe, Prviatbesitz K.u.R.Wirthig 23 Windischbauer, 2002, Seite 121 24 Windischbauer, 2002, Seite 122 25 Brukner, 1883 (1) 3. Familiengründung und Tätigkeit in der Kiendl’schen Zitherfabrik 28 Familie Much am Mondsee, ca. 1874, v.l.n.r. 2. Maria Ehefrau,, 3. Matthäus, 4. verm.Franziska Much, Mutter von Matthäus, Kinder vorne: Maria, Rudolf, Rosa, Dokumappe 2, Privatbesitzt K. u. R. Wirthig Karte, Postkartensammlung "Selbsterschautes", Privatbesitz F. Becker-Pellmann Abbildung 28 Abbildung 29 3. Familiengründung und Tätigkeit in der Kiendl’schen Zitherfabrik 29 Es ist anzunehmen, dass Matthäus Much im Zusammenhang mit seiner Heirat den Staatsdienst aufgibt und die Leitung der Zitherfabrik des Schwiegervaters übernimmt. „Der leidende Zustand seines Schwiegervaters bestimmte ihn, den Staatsdienst zu verlassen, und die angesehene Kiendlsche Zitherfabrik in Wien zu übernehmen. Diese brachte er nun durch eine mustergültige Leitung zu hoher Blüte.“26 Nach einer Anzeige in den Innsbrucker Nachrichten vom 17. Dezember 1880 wird die Kiendl’sche Fabrik, die 1843 von Anton Kiendl gegründet wurde, seit Ende Februar 1860 von Matthäus Much geleitet. Es heißt dort: „Von den der Fabrik zuerkannten höchsten Auszeichnungen (18 an der Zahl) fallen nur 3 in die Zeit der Leitung von Anton Kiendl, während alle übrigen seinem Nachfolger ertheilt wurden. Die Letzte im heurigen Jahr bei der Wiener Gewerbe-Ausstellung und zwar die einzige höchste Auszeichnung, welche für Zithern zuerkannt wurde.27 Die Übereignung der Fabrik von Anton Kiendl an Dr. Matthäus Much erfolgt allerdings erst am 20. Jänner 1865.28 Für sein soziales Verhalten wird M. Much in einem Artikel der Zeitschrift „Hans Jörgel“ 1867 gelobt: „In der Zitherfabrik von Kindl is voriger Woche die eintausendste Maschinzither fertig‘ worden. Die Kindl’schen Zithern haben ein‘ großen Ruf und sein bei jeder Austellung ausgezeichnet worden. Das Fertigwerden der Maschinzither mit Nummer 1000 war also ein Fest der Freude für die Arbeiter, und der Schwiegersohn Kindl’s, Herr M. Much, hat jeden Arbeiter mit so viel Guldenstücken beschenkt, als er Jahre in der Fabrik gearbeitet hat, der Älteste hat auf diese Art 24 fl. bekommen. Ein freudiges Hoch der überraschten Arbeiter war der Dank für die Spende. Möchten doch Herren und Arbeiter überall so gut miteinander stehen!“29 Anton Kiendl stirbt am 13. Januar 1871 in Mödling bei Wien. Die letzte Anzeige der Fa. Anton Kiendl, in der Dr. M. Much als Firmeninhaber vermerkt ist, findet sich in der Zeitung „Deutsches Volksblatt“30 vom 17.01.1892. Im Jahre 1894 beteiligt sich die Fa. Anton Kiendl an den Ausstellungen in Antwerpen (Industrieausstellung)31 und an der Weltausstellung in Chicago32 und erhält dafür Preise. Auch in der Pariser Weltausstellung im Jahre 1900 ist die Fa. Anton Kiendl vertreten und erhält einen Preis33. 26 Szombathy, 1910 27 Innsbrucker Nachrichten, 17. Dezember 1880, Anzeige 28 1865, Gerichtshalle Nr. 9, vom 30. Jänn., Beilage zu Nr. 9 der „Gerichtshalle“, Amtsblatt, 29 Hans Jörgel, 36. Jahrgang, 1867, Seite 5 30 Deutsches Volksblatt, 17. 01.1892, Seite 13 31 Local-Anzeiger der „Presse“, 3. Oktober 1894, Beiliage zu Nr. 271 32 Wiener Morgenpost 14.05.1894, Seite 4 33 Deutsches Volksblatt, 17.08.1900, Seite 3 3. Familiengründung und Tätigkeit in der Kiendl’schen Zitherfabrik 30 Anton Kiendl und seine Ehefrau, Lithografie Jos. Kriehuber, 1852 (http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Anton_Kiendl_mit_Ehefrau) Die folgenden Eckdaten der Fa. Anton Kiendl, Musik-, Instrumenten- und Saitenfabrik wurden mir freundlicherweise von Rudolf Wirthig zugearbeitet: – 1843 Gründung – 1844 Gumpendorf N° 404 – 1847 Leopoldstadt, Fischergasse N°636 – 1850 Leopoldstadt, Praterstrasse N°61, auch Stadt Naglergasse 283, 2. Stock – 1851 Stadt, Schultergasse 403 – 1859 übersiedelt nach Wien VIII. Josefgasse 6 – 1860 heiratet Dr. Matthäus Much Kiendl’s Tochter Marie – 1865 wird Dr. Matthäus Much Inhaber der Musikinstrumenten-, Saitenfabrik und Musikalienhandlung in Wien34 – 1896, 1. Jänner, Umwandlung in eine Gesellschaft, Gesellschafter sind Dr. Matthäus Much und Emmanuel Wähner35 Abbildung 30 34 Handelsgericht Wien, Registerband B 43, pag 224 35 Wie zuvor 3. Familiengründung und Tätigkeit in der Kiendl’schen Zitherfabrik 31 – 1. September 1896, Übersiedlung der Werkstätte nach Wien VIII., Neudeggergasse 6 und Eröffnung eines Verkaufslokales in Wien I., Plankengasse 736 – 1901, 8. Jänner, E. Wähner Alleininhaber der Firma37 – 1927, 6. September, Emmanuel Wähner stirbt. Die Firma wird bis auf weiteres von Dr. Friedrich Schmidl vertreten und gezeichnet38 – 1928, 15. Juni, die Firma wird gelöscht.39 Da M. Much 1901 aus der Firma ausgestiegen ist, erklärt sich auch warum in dem von ihm im Jahre 1904 verfassten Testament die Zitherfabrik keine Erwähnung findet. Muchs Tochter Maria Theresia Barbara (* 15.04.1861, † 12.01.1917) heiratet 1889 in Salzburg Dr. Bruno Ludolf Alderich Brukner (* 15.02.1861, † 28.02.1925), einen guten Freund ihres Bruders Rudolf. Dessen Vater Anton von Padua Brukner (* 31.12.1826, † 08.03.1862) kam in Grafenschlag im Waldviertel zur Welt und war später Lehrer in Ofen (Budapest). Die Mutter Anna Karolina geb. Broda (* 29.04.1834, † 09.10.1915) stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Nikolsburg (Mikulov in Tschechien). Bruno Brukner maturierte am Wiener Piaristengymnasium und legte 1883 nach dem Biologiestudium seine Doktorarbeit an der Wiener Universität vor.40 Aus der Familie Brukner gingen sechs Kinder hervor. Dr. Bruno Brukner war von 1900 bis zu seinem Tode 1925 Zuckerfabrikdirektor in Stralsund und ein führendes Mitglied im Verein der Deutschen Zuckerindustrie und Ehrensenator der Universität Greifswald41. Muchs Sohn Rudolf (* 07.10.1862, † 08.03.1936) trat frühzeitig in die Fußstapfen seines Vaters. Er studierte in Wien klassische Philologie, Naturwissenschaften und Germanistik und wurde 1887 zum Dr. phil. promoviert. „1893 habilitierte er sich für germanische Altertumskunde und Sprachgeschichte, wurde 1904 zum a.o. und 1906 zum o.Professor für diese Fächer und auch für skandinavische Sprachen und Literaturen ernannt.“42 Dr. Rudolf Much war dreimal verheiratet, seine Kinder stammen aus der ersten und zweiten Ehe.43 In seiner ersten Ehe (1893–1905) mit Agnese geb. Gagstatter kam eine Tochter zur Welt. Seine weiteren fünf Kinder gingen aus der zweiten Ehe (1905–1926) mit Elisabeth geb. Schmidt hervor. Die dritte Ehe führte er mit Cornelie geb. Benndorf von 1927 bis zu seinem Tod 1936. 36 Flugblatt der Fa. Anton Kiendl zur Ankündigung der Übersiedlung, Privatbesitz K.u.R. Wirthig 37 Handelsgericht Wien, Registerband C 34, pag 37, die Registerbände lagern als Digitalsat im Wiener Stadt- u. Landesarchiv 38 Wie zuvor 39 Wie zuvor 40 Brukner, 1883 41 Archiv der Universität Grefswald, Acta betreffend Verleihung der Ehrenmitgliedschaft, 1920–1930, Littr.Aa Nr. 20, Ehrenmitglied Nr. 2 42 R.Lenius, I.Schinnerl,http://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Biographien/Much,.. 43 Much, letzter Wille 1909 3. Familiengründung und Tätigkeit in der Kiendl’schen Zitherfabrik 32 Familie Much,wahrscheinlich 1889 anläßlich der Verlobung/Hochzeit der Tochter Maria mit Bruno Brukner, im Garten in Wien, v.l.n.r. Dr.Rudolf Much, Maria Much (Ehefrau), Maria Much (Tochter), Dr. Matthäus Much, Dr. Bruno Brukner, Emilie Scheibellauer, Nachlass Gerda Becker, Anmerkung: Ein ähnliches Foto besitzen K.u.R. Wirthig mit folgender Beschriftung: „Wien- Papa, Mama und Tante im Garten“ Matthäus und Maria Much, Fotos, Aufnahmedatum unbekannt, Privatbesitz K.u.R.Wirthig Abbildung 31 Abbildung 32 3. Familiengründung und Tätigkeit in der Kiendl’schen Zitherfabrik 33

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References

Zusammenfassung

Dr. Matthäus Much war ein Pionier der österreichischen Urgeschichtsforschung. Als finanziell unabhängiger Zitherfabrikant in Wien widmete er sich begeistert der frühen Geschichte seines Heimatlandes. Er entdeckte die Pfahlbauten im Mondsee, untersuchte die Spuren des alpinen prähistorischen Kupferbergbaus und führte in Niederösterreich intensive Ausgrabungen durch. Seine Sammlung prähistorischer Gegenstände war international bekannt. Als Mitglied in den Anthropologischen Gesellschaften von Wien und Berlin setzte er sich für die Zusammenarbeit beider Vereinigungen ein. Aus Kupferfunden in ganz Europa leitete er die Notwendigkeit ab, eine zusätzliche historische Periode einzuführen („Kupferzeit“). In der K.K. Zentralkommission sorgte er für die Bewahrung der Bodendenkmale und arbeitete an einer Denkmalschutzgesetzgebung. Ottfried Becker zeichnet anhand historischer Dokumente, zu denen auch von Matthäus Much selbst gesammelte und bisher unveröffentlichte Unterlagen gehören, sein Leben und Wirken nach.