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7. Ehrungen und Auszeichnungen in:

Ottfried Becker

Dr. Matthäus Much (1832-1909), page 217 - 228

Eine dokumentarische Biographie

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4350-9, ISBN online: 978-3-8288-7300-1, https://doi.org/10.5771/9783828873001-217

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Geschichtswissenschaft, vol. 42

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Ehrungen und Auszeichnungen Dr. Matthäus Much erhält für seine Leistungen auf dem Gebiet der Archäologie zu Lebzeiten folgende Auszeichnungen: – 1876 Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft 389 – 1878 Ausländischer Korrespondent der Anthropologischen Gesellschaft Paris 390 – 1881 Ehrenmitglied der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 391 – 1883 Ehrenmitglied der Anthropologischen Gesellschaft in Washington 392 – 1885 Ehrenmitglied des Oberösterreichischen Musealvereins, ernannt am 16.05.1885, (Oberösterreichischer Musealverein-Gesellschaft für Landeskunde) 393 Franz Josef Orden (1885), „Orden für Sammlungen und andere Verdienste“ 394 – 1889 Ehrenmitglied der Anthropologischen Gesellschaft München 395 – 1890 Wahl in den Ausschuß des Curatoriums des Vereins Carnuntum 396 – 1893 Wahl in den Ausschuß des Altertums-Vereines zu Wien 397 – 1894 Korrespondierendes Mitglied der Berliner Anthropologischen Gesellschaft 398 – 1895 Regierungsrat 399 7. 389 Windischbauer, 2002, Seite 21, 109, 197 390 Windischbauer, 2002, Seite 28, 115 391 www.deutsche-biographie.de/sfz65896.html 392 Windischbauer, 2002, Seite 70, 161 393 www.biologiezentrum.at 394 Windischbauer, 2002, Seite 71 395 Windischbauer, 2002, Seite 159 396 Windischbauer, 2002, Seite 179 397 1903, Berichte und Mitteilungen des Altertums-Vereines zu Wien, Band 38, Seite XIX 398 Fatouretchi, 2009, Seite 63 399 Windischbauer, 2002, Seite 55, 63, 81, 149, 168 217 – 1899/1900 Aufnahme von Biographie und Bildnis von Dr. M. Much in das Werk des J. J. Weber Verlages Leipzig „Goldenes Buch des Deutschen Volkes an der Jahrhundertwende“400 – 1901 Ehrenmitglied der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg401 – 1902 Vizepräsident des Alterthumsvereins in Wien, Wahl am 24.04.1902 402 Ehrenmitglied des Alterthums-Vereins in Wien403 Ehrenmitglied der Anthropologischen Gesellschaft Wien seit 1902404 – 1903 Ritter des Ordens der Eisernen Krone III. Klasse, gemäß Entschließung seiner k.u.k. Apostolischen Majestät vom 19.Jänner 1903 405,406 Vize-Präsident der Anthropologischen Gesellschaft Wien, seit 1903407 – 1908 Ehrenmitglied des Vereins für Landeskunde in Niederösterreich408 400 Dokumappe, Nachlass M. Much, Privatbesitz K. u. R. Wirthig 401 Windischbauer, 2002, Seite 137 402 https://archiv.org/stream/berichteundmitt06wie. 403 www.deutsche-biographie.de/sfz65896.html 404 MAGW, Bd.XXXV, 1905, Mitgliederverzeichnis 405 M.k.k.CC.Dritte Folge Bd. 2, Januar–Februar 1903 406 Windischbauer, 2002, S. 179 407 MAGW, Bd. XXXV, 1905, Mitgliederverzeichnis 408 www.deutsche-biographie.de/sfz65896.html 7. Ehrungen und Auszeichnungen 218 Urkunde, Ernennung zum Ehrenmitglied des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich 1908, Privatbesitz M.T. Wieser-Much Abbildung 173 7. Ehrungen und Auszeichnungen 219 Urkunde, Ernennung zum Ehrenmitglied des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich 1908, Privatbesitz M.T. Wieser-Much Abbildung 174 7. Ehrungen und Auszeichnungen 220 Urkunde, Ernennung zum Ehrenmitglied des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich 1908, Privatbesitz M.T. Wieser-Much Abbildung 175 7. Ehrungen und Auszeichnungen 221 Nach seinem Tod am 17. Dezember 1909 wird Dr. Matthäus Much durch Meldungen in vielen Zeitungen und verschiedene Nachrufe geehrt. Selbst „Österreichs Illustrierte Zeitung“ informiert mit Bild über den Verstorbenen: „Vor kurzem ist in Wien der Vizepräsident der Anthrolpologischen Gesellschaft in Wien und früherer Vizepräsident des Altertumsereines, Regierungsrat Dr. Matthäus Much, im 78. Lebensjahre gestorben. Regierungsrat Dr. Much hat sich um die prähistorische Durchforschung, besonders der österreichischen Länder, große Verdienste erworben und sich durch zahlreiche Publikationen einen hervorragenden Namen als Gelehrter gemacht. Besonders zu erwähnen sind seine Studien über die Kupferzeit in Europa, die von ihm erbrachten Nachweise vorgeschichtlicher Bergwerksbetriebe in den Alpenländern und seine Pfahlbauforschungen. Im Zusammenhang mit seinen wissenschaftlichen Arbeiten hat er im Laufe der Jahre eine Sammlung prähistorischer Altertümer angelegt, die zu den bedeutendsten Privatsammlungen Europas zählt. Er hinterläßt außer der Witwe, geborene Kiendl, einen Sohn, Universitätsprofessor Dr. Rudolf Much, und eine Tochter, die mit Dr. Bruno Bruckner vermählt ist.“409 Für die Wiener Anthropologische Gesellschaft verfasst Josef Szombathy einen Nachruf, der am 12. Januar 1910 in der Sitzung der Anthropologischen Gesellschaft vorgetragen und in den Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft Band XXXX (Der dritten Folge X. Band) Seite 48 bis 50 veröffentlicht wird. „Am 17. Dezember des verflossenen Jahres haben wir den Doyen der österreichischen Urgeschichtsforschung, Regierungsrat Dr. Matthäus Much, durch den Tod verloren und die Anthropologische Gesellschaft empfindet es als tiefe Herzenspflicht, dem verewigten Meister am Werke ein Wort des Andenkens zu widmen.“410 Nachdem auf sein Leben eingegangen wird heißt es weiter: „Außer den selbständigen Büchern, die Much herausgab, sind es vor allem die „Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft“, in welchen sich der Niederschlag seiner Forschungen findet. Zu beklagen ist, daß auch er (wie viele andere Sammler) mit der Publikation seiner Funde im Rückstande geblieben ist, obwohl er schon im Anfange der Achtzigerjahre große illustrierte Fundberichte über die niederösterreichischen Tumuli und die Pfahlbauforschungen im Mondsee in Angriff genommen hatte, die dann beide hinter anderen Arbeiten zurückstehen mußten. Es gäbe ein würdiges Denkmal, wenn diese Sammlungen durch die Hand seines Sohnes, unseren jetzigen I. Sekretärs, der ja bereits in seiner Jugend ein verläßlicher Gehilfe seines Vaters war, eine ihrer Bedeutung entsprechende Veröffentlichung erfahren würden. Herr Professor Dr. Rudolf Much wird übrigens zunächst ein möglichst vollständiges Verzeichnis der Publikationen seines Vaters zusammentragen, so daß ich heute von der Anführung einzelner Werke absehen kann.“411 (Anmerkung: Da mir nicht bekannt ist, dass dieses Verzeichnis der Publikationen existiert, habe ich ein solches angefertigt und als Anlage 1 beigefügt.) 409 Österreichs Illustrierte Zweitung vom 2. Jänner 1910, Helft 14, Seite 359 410 Szombathy, 1910, S. 48–50 411 ebenda, S. 49 7. Ehrungen und Auszeichnungen 222 „Wir haben bereits gesehen, daß er seine Untersuchungen im Lande mit den prähistorischen Ansiedlungen am Manhartsberge begann. Er dehnte sie bald auf die übrigen Teile Niederösterreichs aus. Diese Arbeiten sind es, für die er zeitlebens halb Prähistoriker und halb Germanist geblieben ist. Ihn selbst befriedigte gerade diese Verbindung und unsere engere Landesforschung hat daraus das reichste, von keinem anderen Forscher auch nur annähernd erreichte Maß von Kenntnissen über unsere bodenfesten Uraltertümer und die von ihnen behüteten Antikaglien erhalten. Ferdinand v. Hochstetter hat den von ihm sehr hochgeschätzten Forscher damals, gegen Ende der Siebzigerjahre, den Schliemann Niederösterreichs genannt.“412 „Von beneidenswertem Finderglück war er begünstigt bei der Untersuchung der merkwürdigerweise bis auf unsere Tage unversehrt erhalten gebliebenen Gräberhügel unseres Kronlandes, aus deren Untersuchung er beträchtliche Suiten guter Funde erntete. Den zahlreichen fast nur im zerbrochenen Zustande vorhandenen Tongefäßen dieser Hallstatt-Periode angehörigen Tumuli widmete er die sorgfältigsten Restaurierungsarbeiten. Vollkommen naturwissenschaftlichen Geist atmen seine Untersuchungen der diluvialen, meist dem Löß eingebetteten Lagerplätze von Mammuthjägern in Niederösterreich. Das Gründlichste, was man an prähistorischer Forschungsarbeit leisten kann, bilden dann seine Pfahlbauuntersuchungen im Mondsee, die er von 1872 an während einer Reihe von Jahren fortführte und bei denen er mit größter Sorgfalt alle der Beobachtung zugänglichen Fundumstände feststellte und durch emsige Arbeit ein kolossales Fundmaterial ins Trockene brachte. Eine in oft wiederholten Besuchen sich erschöpfende Forschung widmete er den prähistorischen Kupferwerken auf dem Mitterberg bei Bischofshofen im Salzburgischen, wo sich die einheimische Gewinnung des Kupfers während der ersten prähistorischen Metallperioden deutlich bis ins Detail der einzelnen Gewinnungsvorgänge nachweisen ließ. Eine höchst fruchtbare Verknüpfung dieser Untersuchung mit den Pfahlbaustudien führte ihn zur Unterscheidung und Begründung der „Kupferzeit“, die den Übergang von der neolithischen zu den eigentlichen Metallkulturen bildet.“413 Bezüglich der Mitgliedschaft in der Zentralkommission (ab 1875 Konservator für Niederösterreich, ab 1877 Mitglied) schreibt Szombathy weiter: „Da war er nun durch Dezennien die Säule der I. Sektion für alle das prähistorische Gebiet berührende Fragen. Eine unglaubliche Masse von Arbeit verwendete er auf dieses Ehrenamt. Mit aller Energie wirkte er für die Erhaltung der uralten Erdbauten, für die Registrierung und Konservierung der Funde und für die Belehrung der Landbevölkerung, der ja neue Funde in der Regel zuerst in die Hand fallen. Eine von ihm zusammengestellte und von unserem Mitgliede Ludwig Hans Fischer gezeichnete große Tafel prähistorischer Funde wurde für die Zwecke im ganzen Lande verteilt. Sein Einfluß auf die Redaktion der Schriften der Zentralkommission, auf die Vorarbeiten für eine österreichische Fundgesetzgebung und andere Aufgaben der Altertumspflege kann nicht hoch genug angeschlagen werden. So steht dieser Mann wirklich als der Altmeister der prähistorischen Forschung in Österreich vor unseren Augen. Alle, welche mit ihm 412 Szombathy, 1910, Seite 49 413 ebenda, Seite 50 7. Ehrungen und Auszeichnungen 223 in Beziehungen traten, hat sein unaufdringlicher Enthusiasmus, seine subtile, immer auf den Kern der Sache losgehende Art und Weise, seine Verläßlichkeit und seine Dienstbereitwilligkeit gegenüber allen berechtigten Anforderungen der Urgeschichtsforschung die aufrichtigste Hochschätzung abgenötigt.“414 Die Berliner Anthropologische Gesellschaft sowie die Deutsche Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, widmen ihm einen von Hubert Schmidt verfassten Nachruf in der Prähistorischen Zeitung I (Berlin 1909) samt Porträt. „In Wien starb am 17. Dezember 1909 im Alter von 78 Jahren der K.K. Regierungsrat Dr. Matthäus Much, der Nestor der österreichischen Prähistoriker. Wir betrauern in ihm einen der produktivsten und solidesten Forscher, dessen Arbeiten weit über die Grenzen seiner Heimat Bedeutung erhalten haben.“415 „Besonders bemerkenswert ist Much’s Wirksamkeit in der Wiener Anthropologischen Gesellschaft und in der K.K. Zentralkommision für Kunst- und historische Denkmale. In die erstere trat er 1870 ein und beteiligte sich bis 1883 an ihren Geschäften und an der Redaktion der Mitteilungen. Seit 1903 war er Vizepräsident der Gesellschaft. In der österreichischen Sektion der Deutschen Anthropologischen Gesellschaft wirkte er für ein gedeihliches Zusammengehen der Forscherkreise in den beiden Ländern.“416 „Eine besondere Fürsorge widmete er seiner Sammlung, die in seinem Hause in der Penzingerstrasse, in mustergültiger Weise geordnet, ein kleines, sehenswürdiges Museum darstellt. Die Hauptmasse der Funde stammt als Ergebnis eigener Grabungen aus Niederösterreich und aus den Pfahlbauten am Mondsee. Mit welcher Sorgfalt er bei den Aufsammlungen zu Werke ging, beweisen die Speisereste, Getreide und Holzsachen, die er wohl konserviert hat. Dazu erwarb er geeignete Vergleichsstücke: nordische Steinwerkzeuge aus Kopenhagen, Funde aus den Pfahlbauten von Robenhausen (Schweiz) und von Peschiera im Gardasee, eine reiche Sammlung von Hallstatt-Funden aus dem Besitz Ramsauers u.a.m. In voller Rüstigkeit ging er noch im Sommer 1908 auf den Mitterberg, um dort seine Grabungen fortzusetzen. Dann begann das Leiden, das sein Alter mitbrachte und dem er unterliegen sollte. Noch in seinen letzten Stunden beschäftigte er sich mit der Zusammensetzung einiger in zertrümmertem Zustande von ihm zu Tage geförderten Tongefässe.“417 414 ebenda,Seite 50 415 Schmidt, 1909, Seite 430 416 Schmidt, 1909, Seite 432 417 Schmidt, 1909, Seite 432 7. Ehrungen und Auszeichnungen 224 Bild aus dem Nachruf der Berliner Anthropologischen Gesellschaft, Schmidt, 1909, Seite 431 In den Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde erscheint 1910 auf den Seiten 77–79 ein Nekrolog von Hans Widmann.418 Anton Mayer verfasst einen Nachruf für den Verein für Landeskunde von Niederösterreich, der im Monatsblatt des Vereins Nr. 1, IX. Jahrgang im Januar 1910 ver- öffentlicht wird. Darin wird Muchs 37 jährige Arbeit im Ausschuß des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich sowie sein Einsatz für die Schaffung eines Nieder- österreichischen Landesmuseums hervorgehoben. „Er war es auch, der mit Redlich und Kubitschek bei der denkwürdigen außerordentlichen Generalversammlung unseres Vereins am 12. November 1902 den Antrag auf Gründung eines niederösterreichischen Landesmuseums stellte und ein für die ganze Frage grundlegendes Memorandum vorlegte. (Abgedruckt im Monatsblatt, I, 1902, Nr. 11) Vom Altertumsvereine wurde er sodann in den zur Durchführung des Planes eingesetzten Musealausschuß Abbildung 176 418 http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?apm=0&aid=slk&datum=19100006&zoom=2&seite=00000077 7. Ehrungen und Auszeichnungen 225 entsendet. Stets von großem Interesse für dieses Unternehmen hat er auch eine Reihe wertvoller Objekte dem Museum gespendet.“ 419 Eine weitere Ehrung wird M. Much zuteil durch die Aufnahme seiner Biographie in das Werk „Große Österreicher“ Neue Österreichische Biographie ab 1815 – Band XIII, erschienen 1959. Leonhard Franz hebt darin hervor: „Ein anderes Unternehmen im Rahmen der Zentralkommission ist Much leider nicht geglückt. Er wollte ein chemisches Laboratorium zur Untersuchung von Bodenfunden schaffen.“420 „Much wollte (1892) in Erkenntnis der Wichtigkeit chemischer Bestimmungen für die Altertumskunde sie nicht nur dem zufälligen Belieben einzelner Interessierter anheimgestellt sein lassen, sondern durch ein „staatliches Untersuchungsamt in physikalischchemischer Richtung für archäologische Zwecke“ geregelte Untersuchungsmöglichkeiten schaffen. Dieses Amt sollte außerdem „mit der Aufsuchung von einfachen und leicht anwendbaren Konservierungsmethoden für alle Arten archäologischer Forschungs- und Sammlungsgegenstände“ befaßt werden.“421 „Muchs Vorschlag ist ein glänzendes Zeugnis für seinen Weitblick, dieser fand jedoch beim Unterrichtsministerium nicht das erforderliche Verständnis, so daß der Plan unausgeführt blieb.“422 „Seine etwas über 100 Schriften, kleinere Aufsätze, längere Abhandlungen und vier in Buchform erschienenen Arbeiten, umspannen ein weites Feld. Sie enthalten Fundberichte aus Nieder- und Oberösterreich sowie Salzburg, beschäftigen sich mit Problemen, die Asien und Nordamerika berühren, mit Ethnographie, germanischer Altertumskunde, Methodischem und Organisatorischem. Sie zeugen von Muchs vielfältigen Interessen gleichermaßen wie von seiner Sach- und Literaturkenntnis, und von der Einsicht, daß Bodenfunde kulturhistorischen Aussagewert größter Bedeutung haben. Er war keineswegs nur „Scherbolog“, sondern Kulturhistoriker. Es wäre kläglich um die Wissenschaft bestellt, wenn sie im Fortschreiten Muchs Schriften nicht überholt hätte; beispielsweise kann man heute seinen Auffassungen in der Indogermanenfrage und den Problemen, die er in seinem Buch „Die Trugspiegelung orientalischer Kultur“ vertreten hat, nicht durchwegs mehr beipflichten, und längst ist erwiesen, daß die unter der Bezeichnung Hausberge bekannten künstlichen Erdhügel in Niederösterreich auf mittelalterliche Holzbefestigungen zurückgehen, nicht das von Much vermutete viel höhere Alter haben.“423 In dem Ort Mondsee am Mondsee ist eine Straße an der Ache nach Dr. Matthäus Much benannt. Datum und Anlaß der Benennung konnten von mir nicht in Erfahrung gebracht werden. Eine eher fragwürdige Ehrung wird Matthäus und Rudolf Much durch die Stiftung eines Matthäus- und Rudolf-Much-Preises im Jahre 1941 zuteil, da diese in die Zeit des Nationalsozialismus fällt. „Bei der Akademie der Wissenschaften in Wien wurde 1941, auf eine Anregung der Wiener Prähistorischen Gesellschaft hin, eine 419 Mayer, 1910, Seite 10 420 Franz, 1959, S. 65 421 Franz, 1959, Seite 65–66 422 Franz, 1959, Seite 66 423 Franz, 1959, Seite 69 7. Ehrungen und Auszeichnungen 226 Stiftung ins Leben gerufen, die den Zweck hat, durch Verteilung von Ehrenpreisen zur Hebung der urgeschichtlichen Forschung in den Ostalpenländern beizutragen. Sie erhielt den Namen „Matthäus- und Rudolf-Much-Preisstiftung“, um die Erinnerung an zwei um die Urgeschichtsforschung in den Ostalpenländern hochverdiente Männer festzuhalten. Das Stiftungskapital kam durch Spenden der Reichsstatthalter von Kärnten, Niederdonau, Oberdonau, Salzburg, Steiermark und Wien, der Akademie der Wissenschaften in Wien, der Forschungs- und Lehrgemeinschaft „Das Ahnenerbe“ und der Wiener Prähistorischen Gesellschaft zustande. 1942 wurde es durch eine Spende der Hermann-Göring-Werke in Linz vermehrt. Der Preis wurde wie gemeldet, erstmals dem Oberbaurat Dipl.-Ing. Martin Hell in Salzburg für seine mehr als dreißigjährige wissenschaftliche Publikationstätigkeit zuerkannt. Hell hat, rein nebenamtlich, das archäologische Fundgut und die vor- und frühgeschichtliche Vergangenheit Salzburgs in unermüdlichem Eifer bekanntgemacht und erforscht, so daß Salzburg zu den archäologisch am besten betreuten Gauen in den Ostalpen gehört. Hell hat sich aber auch um die Forschung in den Nachbarländern Salzburgs sehr verdient gemacht, so daß seine Gesamtleistung der Auszeichnung durch den „Much- Preis“ in hervorragendem Maße würdig ist.“424 „Von 1920 bis 1923 studierte er (Hell) an der Universität Wien bei Oswald Menghin Ur- und Frühgeschichte. Nach Abschluß des Ingenieurstudiums trat Hell als Dipl.- Ing. in den Dienst der Salzburger Landesregierung, wo er durch mehr als 30 Jahre im Straßen- und Wasserbau tätig war. Seine Freizeit widmete er – gemeinsam mit seiner Frau Lina – der Erforschung der ältesten Geschichte Salzburgs und Nordbayerns.“425 Weitere Preise gehen 1943 „an Alexander von Seracsin und 1944 an Hans Dolenz – verdienstvolle Heimatforscher, welche Grundlagen für die Ur- und Frühgeschichte in ihren Bundesländern gelegt haben, …“426 424 Salzburger Volksblatt, 5. Juni 1942, Seite 3 425 https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Hell, 08.09.2017 426 Urban, 2002, Seite 19 7. Ehrungen und Auszeichnungen 227

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References

Zusammenfassung

Dr. Matthäus Much war ein Pionier der österreichischen Urgeschichtsforschung. Als finanziell unabhängiger Zitherfabrikant in Wien widmete er sich begeistert der frühen Geschichte seines Heimatlandes. Er entdeckte die Pfahlbauten im Mondsee, untersuchte die Spuren des alpinen prähistorischen Kupferbergbaus und führte in Niederösterreich intensive Ausgrabungen durch. Seine Sammlung prähistorischer Gegenstände war international bekannt. Als Mitglied in den Anthropologischen Gesellschaften von Wien und Berlin setzte er sich für die Zusammenarbeit beider Vereinigungen ein. Aus Kupferfunden in ganz Europa leitete er die Notwendigkeit ab, eine zusätzliche historische Periode einzuführen („Kupferzeit“). In der K.K. Zentralkommission sorgte er für die Bewahrung der Bodendenkmale und arbeitete an einer Denkmalschutzgesetzgebung. Ottfried Becker zeichnet anhand historischer Dokumente, zu denen auch von Matthäus Much selbst gesammelte und bisher unveröffentlichte Unterlagen gehören, sein Leben und Wirken nach.