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5. Reisen in:

Ottfried Becker

Dr. Matthäus Much (1832-1909), page 195 - 212

Eine dokumentarische Biographie

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4350-9, ISBN online: 978-3-8288-7300-1, https://doi.org/10.5771/9783828873001-195

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Geschichtswissenschaft, vol. 42

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Reisen Matthäus Much unternimmt Reisen in alle Regionen Österreichs und in viele Länder Europas. Ein Beleg dafür ist seine Sammlung von Postkarten unter dem Titel „Selbsterschautes“. Diese Sammlung bewahrt er in vier von ihm selbst gefertigten Pappkartons auf, die sich noch heute im Familienbesitz befinden (ein Teil der Karten bei D. Marx und der andere Teil mit den Originalkartons bei F. Becker-Pellmann). Die Sammlung hat einen Umfang von etwa 1000 Postkarten. Alle mit einer Jahreszahl, viele sogar vollständigem Datum, versehen. Teilweise findet sich auf der Vorderseite ein früheres Datum als auf der Rückseite, was vermuten läßt, dass die Rückseite den Zeitpunkt des Erwerbs der Postkarte angibt, denn viele Reisen fanden statt, als es noch keine Postkarten gab. Diese Karten dokumentieren sein gesamtes Leben von 1832 bis 1908, die letzten stammen aus Karlsbad, wo er vom 18.05. bis 08.06.1908 zur Kur weilt. Eine detailierte Zusammenstellung der Postkarten befindet sich unter Anhang 2 und Anhang 3. Beschriftung der Postkartensammlung, Aufschrift auf den Kartons Kartons der Postkartensammlung von M. Much Offensichtlich führt Matthäus Much seine Reisen stets so durch, dass sich der Aufwand auch lohnt. Das heißt, er besucht möglichst viele Orte am Wege. Unter Zuhilfe- 5. Abbildung 146 Abbildung 147 195 nahme der Postkartensammlung, der Termine der verschiedenen Kongresse bzw. Versammlungen und der in der Dokumentenmappe (Privatbesitz von K.u. R. Wirthig) enthaltenen Orginalschriftstücke lassen sich einige seiner Reiserouten gut rekonstruieren, hier in umgekehrter Chronologie aufgeführt: – Die Reise zur XXXV. Allgemeinen Versammlung der deutschen Anthropologischen Gesellschaft in Greifswald 1904. Der Kongress findet vom 4. bis 6. August mit einer anschließenden Exkursion nach Skandinavien statt. Die Reise geht von Wien nach Breslau (23.07.), nach Berlin (25.07.), nach Stralsund (26.07. bis 06.08.) zu seiner Tochter Marie und ihrer Familie (Schwiegersohn und Enkel). Am 07.08. begann in Greifswald die Reise nach Skandinavien, über Sassnitz (07.08.), Bornholm (Anlandung in Nexö 08.08.), Visby (Gotland) und Stockholm. Am 13.08.1904 endet der offizielle Teil des Kongresses. M. Much setzt die Reise fort, am 15.08. besucht er Lund und reist am 18.08. nach Kopenhagen weiter. Am 21.08. trift er in Warnemünde und Rostock ein. Den 22. und 23.08. verbringt er in Dresden.366 – Die Reise zur XXXII Allgemeinen Versammlung der deutschen anthropologischen Gesellschaft in Metz vom 04.08. bis 09.08.1901. Sie verläuft über Ulm (02.08.), Hagenau (03.08.), Trier (04.08.), Gravelotte (06.08.), Reims, Sedan, Bazeilles, Beaumont (09.08.), Paris, St. Germain (10.08. bis 16.08.), Versailles (16.08.), Strassburg (17.08.), St. Odilienberg (18.08.), Speyer (19.08.), Worms (20.08.), Bad-Nauheim (21.08.), Frankfurt/M. (22.08.) Heilbronn a.N., München (24.08.) und Salzburg (25.08.). – Die Reise zur XXXI. Allgemeinen Versammlung der deutschen anthropologischen Gesellschaft in Halle/S vom 23.09.1900 bis 27.09.1900. Diese Reise verläuft wie folgt:Von Wien über Czernosek (6.09.), Tetschen (6.09.), Sächsische Schweiz (6.09.), Stralsund (10.09.–15.09.), Sassnitz (12.9.), Neubrandenburg (19.9.), Rostock und Wismar (20.09.), Schwerin (21.09.), Magdeburg (22.09.), Erfurt (23.09.), Halle/S (23.–27.09.), Eisleben (26.09.), Jena (28.09.), Nürnberg (29.09.), Regensburg (01.10.), Passau (02.10.). 367 366 Postkartensammlung „Selbsterschautes“ und Correspondenzblatt der DGA 1904 367 Postkartensammlung „Selbsterschautes“ und Correspondenzblatt der DGA 1904 5. Reisen 196 Berlin im Juli 1904, Postkartensammlung Much, Privatbesitz F. Becker-Pellmann Karte von einem Hotel in Schwerin, September 1900, Postkartensammlung Much, Privatbesitz F. Becker-Pellmann Abbildung 148 Abbildung 149 5. Reisen 197 Karte von der Reise zum Kongress in Halle/S, Petrikirche Rostock, Postkartensammlung Much, Privatbesitz F. Becker-Pellmann – Die Reise zur III. Gemeinsamen Versammlung der Deutschen und der Wiener anthropologischen Gesellschaft in Lindau vom 04.09.1899 bis 07.09.1899 Hier verläuft die Reise von Lindau nach Habsburg (08.09.), Zürich (08. bis 09.09.), Bern (11. bis 12.09.), Konstanz (13.09.), Landeck (14.09.), Bludenz (14.09.), Innsbruck (15. bis 17.09), Kitzbühel (17.09.) nach Saalfelden, Pfarr-Werfen und Zell am See (17.09.). Abbildung 150 5. Reisen 198 Karte aus Zürich, Postkartensammlung Much, Privatbesitz F. Becker-Pellmann Karte aus Bern, Postkartensammlung Much, Privatbesitz F. Becker-Pellmann Abbildung 151 Abbildung 152 5. Reisen 199 Karte aus Innsbruck, Postkartensammlung Much, Privatbesitz F. Becker-Pellmann Karte aus Innsbruck, Postkartensammlung Much, Privatbesitz F. Becker-Pellmann Abbildung 153 Abbildung 154 5. Reisen 200 "Rappenlochschlucht bei Dornbirn aufgenommen bei der Anthropologenversammlung in Lindau von Prof.Dr. E. Schmidt", Sept. 1899, (Emil Ludwig Schmidt, Prof. für Athropologie in leipzig) Postkartensammlung Much, Privatbesitz F. Becker-Pellmann – Die Reise zur XXIX. Versammlung der deutschen anthropologischen Gesellschaft in Braunschweig vom 04. bis 06.08.1898. In der Dokumentenmappe findet sich ein detaillierter Reiseplan: Reisebeginn am 28.07.1898 mit der Fahrt von Wien nach Prag. Am 29.07 Fortsetzung der Reise von Prag nach Teplitz. Am 30.07. von Teplitz über Aussig, Dresden und Leipzig nach Halle. Am 31.07. von Halle nach Halberstadt. Für den 01.08. ist die Reise von Halberstadt über Goslar nach Hildesheim geplant. Am 02. 08. Ankunft in Braunschweig. Vom 03. bis 06. August weilt er in Braunschweig beim Kongress. Am 07.08. findet ein Ausflug nach Elm, am 08.08. nach Rübeland statt. Am 09.08. war M. Much in Rübeland und fährt er nach Hildesheim. Am 10.08. nach Essen. Am 11.08. ist die Reise von Essen über Aachen nach Köln, am 12.08. nach Bonn geplant. Von Bonn geht am 13.08. die Fahrt nach Mainz, am 14.08. will er die Reise von Mainz über Wiesbaden nach Frankfurt fortsetzen. Am 15.08. soll es von Frankfurt mit einem Schlafwagen (direkter Wagen) über Aschaffenburg, Würzburg, Regensburg und Passau nach Wien zurück gehen, wo er am 16.08.1898 um 6.45 Uhr ankommen will.368 Entweder hat er seinen Reiseplan nicht eingehalten, oder er hat die Karten von Mainz und Düsseldorf falsch beschriftet. Abbildung 155 368 Dokumappe, Nachlass M.Much, Privatbesitz von K. u. R. Wirthig 5. Reisen 201 Reiseplan 1898, Dokumentenmappe R. u. K. WirthigAbbildung 156 5. Reisen 202 Rückseite Reiseplan 1898, Dokumenten Mappe K.u.R. WirthigAbbildung 157 5. Reisen 203 Karte vom Hotel Blauer Stern in Prag, Postkartensammlung Much, Privatbesitz F. Becker-Pellmann Karte von der 29.Allgemeinen Versammlung d. Deutschen Anthropologischen Gesellschaft in Braunschweig, Postkartensammlung Much, Privatbesitz F. Becker-Pellmann Abbildung 158 Abbildung 159 5. Reisen 204 Karte aus Düsseldorf, Postkartensammlung Much, Privatbesitz F. Becker-Pellmann Karte aus Mainz, Postkartensammlung Much, Privatbesitz F. Becker-Pellmann Im Reiseplan sind die Hotels mit roter Tinte vermerkt: Hotel d. Saxe in Prag, Pfälzer Hof in Mainz, Centralhotel in Halberstadt, Hildesheimer Hof, Deutsches Haus in Abbildung 160 Abbildung 161 5. Reisen 205 Braunschweig. (Wurde in Prag vom Plan abgewichen? Die Postkarte zeigt das Hotel Blauer Stern.) Die Reise zur II. Gemeinsamen Versammlung und zugleich die XXV. Versammlung der deutschen Anthropologen in Innsbruck vom 24.08. bis 28.08.1894, hier wird auf Innsbruck folgend in Meran (28.08.), Gries und Bozen (29.08.) und Trento (30. und 31.08.) Station gemacht. Karte vom Brennerpass 1894, Postkartensammlung Much, Privatbesitz F. Becker-Pellmann Abbildung 162 5. Reisen 206 Postkarte aus der Postkartensammlung Much, Privatbesitz F. Becker-Pellmann Dr. M. Much und Dr. Bartels jr. im Eggentale am Fuß der Burg Karneind (Südtirol) Foto von Dr. Bartels sr. 1894, Postkartensammlung Much, Privatbesitz F. Becker-Pellmann Abbildung 163 Abbildung 164 5. Reisen 207 – Die Reise zur XVI Versammlung der deutschen anthropologischen Gesellschaft in Karlsruhe vom 06. bis 08.08.1885, hier gibt es folgende Stationen: Karlsruhe (05. bis 09.08.), Heidelberg (09.08.), Mainz (10.08.). Karte aus Karlsruhe, Postkartensammlung Much, Privatbesitz F. Becker-Pellmann Karte aus Heidelberg, Postkartensammlung Much, Privatbesitz F. Becker-Pellmann Abbildung 165 Abbildung 166 5. Reisen 208 Karte aus Mainz, Postkartensammlung Much, Privatbesitz F. Becker-Pellmann – Die Reise zur XI. Versammlung der deutschen anthropologischen Gesellschaft in Berlin vom 05. bs 12.08.1880. Hier reist er anschließend über Lübeck und Kiel weiter nach Kopenhagen. Karte aus Berlin, Posrtkartensammlung Much, Privatbesitz F. Becker-Pellmann – Die Reise zur X. Versammlung der deutschen anthropologischen Gesellschaft in Strassburg vom 11. bis 13.08.1879, Hier reist M. Much nach dem Kongress weiter über Bale (14.08.), Bern (16.08.) und Interlaken (18.08.). Abbildung 167 Abbildung 168 5. Reisen 209 Karte aus Bern, Postkartensammlung Much, Privatbesitz F. Becker-Pellmann Karte aus Interlaken, Postkartensammlung Much, Privatbesitz F. Becker-Pellmann Von dieser Reise anschließend an den Kongress berichtet M. Much auf vier Postkarten, die sich in der Dokumentenmappe befinden: „Basel am 15. Aug. 1879. Wir sind Abbildung 169 Abbildung 170 5. Reisen 210 glücklich hier angelangt, werden morgen in Bern eintreffen, übermorgen in das Berner Oberland gehen, und in vier bis fünf Tagen nach Zürich kommen. Nöthigenfalles köntet Ihr dahin, telegrafiren, aber auch ein Schreiben würde uns erreichen, worüber wir uns sehr freuen würden, Mit herzl. Grüssen M.“369 Die nächste Karte schreibt er aus Interlaken: „Interlaken. 8.79. Seit drei Tagen schlechtes Wetter, so daß uns leider die Schönheiten des Neuchateler, Genfer und Thuner Sees entgingen. Heute scheint es besser werden zu wollen, und wir versuchen nun unsere Tour durch das Berner Oberland. Herzl. Grüße von Deinem M. In diesen noblen Gasthäusern in d. Schweiz kriegt man nicht einmal Feder und Tinte.“370 Der nächste Bericht kommt aus Luzern: „Luzern am 20. Aug. 1879 Wir haben gestern Deinen lieben Brief erhalten und sind sehr erfreut über dessen Inhalt. Das Wetter ist endlich sehr schön geworden wir gehen heute auf den Rigi. Mit herzlichen Grüssen, Dein M – In Bern begegneten wir auf d. Bahnhofe d. Grafen Wilczek u. Hoyos.“371 Die letzte Karte lautet: „Wir haben einen genussreichen Tag hinter uns, da es uns vergönnt war, bei herrlichem Wetter den Vierwaldstätter See zu befahren und auf den Rigi zu gehen. Unser Weg führt uns nun wieder der Heimat zu, auf die wir uns sehr freuen. Mit herzlichen Grüssen Dein M. – Am Vierwaldstätter See trafen wir die Familie mit der wir vor. Jahr in Taxenbach zusm. kamm‘.“372 Foto aus dem Fotoatelier Betty in Abbazia (Opatija) in Kroatien, M. Much unterhalb des Pfeils,1907 Postkartensammlung Much, Privatbesitz F. Becker-Pellmann Abbildung 171 369 Dokumappe, Nachlass M. Much, Privatbesitz K. u. R. Wirthig 370 ebenda 371 ebenda 372 ebenda 5. Reisen 211 Um welchen Ausflug es sich bei dem obigen Bild handelt, konnte von mir nicht ermittelt werden. Aus den Fremdenregistern der jeweiligen Tageszeitungen gehen weitere Aufenthaltsorte hervor: 01.09.1867 Bayrischer Hof in Linz373 (Linzer Abendbote vom 4.september 1867) 29.–31. 051887 Hotel „goldene Kanone“ in Linz374 (Linzer Tagespost) 03.09.1889 Hotel Pitter in Salzburg 03.10.1894 Hotel „goldene Kanone“ in Linz375 (Linzer Tagespost v. 06.09.1894) 373 Linzer Abendbote vom 4. September 1867 374 Linzer Tagespost 1887 375 Linzer Tagespost vom. 06.09.1894 5. Reisen 212

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Zusammenfassung

Dr. Matthäus Much war ein Pionier der österreichischen Urgeschichtsforschung. Als finanziell unabhängiger Zitherfabrikant in Wien widmete er sich begeistert der frühen Geschichte seines Heimatlandes. Er entdeckte die Pfahlbauten im Mondsee, untersuchte die Spuren des alpinen prähistorischen Kupferbergbaus und führte in Niederösterreich intensive Ausgrabungen durch. Seine Sammlung prähistorischer Gegenstände war international bekannt. Als Mitglied in den Anthropologischen Gesellschaften von Wien und Berlin setzte er sich für die Zusammenarbeit beider Vereinigungen ein. Aus Kupferfunden in ganz Europa leitete er die Notwendigkeit ab, eine zusätzliche historische Periode einzuführen („Kupferzeit“). In der K.K. Zentralkommission sorgte er für die Bewahrung der Bodendenkmale und arbeitete an einer Denkmalschutzgesetzgebung. Ottfried Becker zeichnet anhand historischer Dokumente, zu denen auch von Matthäus Much selbst gesammelte und bisher unveröffentlichte Unterlagen gehören, sein Leben und Wirken nach.