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2. Studentenzeit in:

Ottfried Becker

Dr. Matthäus Much (1832-1909), page 13 - 22

Eine dokumentarische Biographie

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4350-9, ISBN online: 978-3-8288-7300-1, https://doi.org/10.5771/9783828873001-13

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Geschichtswissenschaft, vol. 42

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Studentenzeit Studium Nach seinem Abitur 1851 studiert Matthäus Much Jura an der Wiener Universität, verläßt diese aber vor Erreichen des Doktorats. „Nach den Staatsprüfungen ging er als Beamter der Finanzprokuratur nach Temesvar,…“15 (Timisoara in Rumänien). Nach den Jahreszahlen auf seinen Postkarten war er von 1856 bis 1860 in Temesvar tätig. Von dort aus legt er am 14. Juni 1858 an der Universität Graz sein juristisches Doktorat ab. Er hört während seines Studiums in Wien nicht nur juristische Vorlesungen, sondern besonders „eifrig die Vorlesungen des Geographen Friedrich Simony, dem wir auch als Pfadfinder auf prähistorischem Gebiete vielen Dank schulden,…“16 „Bei Professor Simony übte sich Much auch im naturwissenschaftlichen Landschaftszeichnen und seine schönsten Erinnerungen knüpften sich an etliche in den Ferien mit Freunden unternommene Alpenwanderungen, ‚für die er sich buchstäblich das Geld vom Munde abgespart hatte‘. Schon damals hatte er Mineralien und Versteinerungen, später Käfer und Schmetterlinge gesammelt.“17Von seinen Landschaftszeichnungen sind einige erhalten. Besonders interessant ist eine Zeichnung des Schafberges nach einer Aufnahme von Prof. Friedrich Simony. Unter der Zeichnung ist zu lesen: „Aufg. v. Fr. Simony---Der Schafberg---Gez.v. M. Much.“ Matthäus Much, Foto, Privatbesitz K. u. R. Wirthig 2. 2.1 Abbildung 13 15 Szombathy, 1910, S 48 16 Szombathy, 1910, S. 48 17 Mayer, 1910, Seite 9 13 Doktorurkunde, Matthäus Much, Privatbesitz T. PauerAbbildung 14 2. Studentenzeit 14 Der Schafberg in der Nähe des Mondsee‘s, Bleistiftzeichnung von M. Much, nach Aufnahme von Fr. Simony, ohne Jahr, Privatbesitz K.u.R.Wirthig Abbildung 15 2.1 Studium 15 Ferienreisen Seine Ferienwanderungen hat Matthäus Much in der Sammlung „Selbsterschautes“ durch eigene Zeichnungen und Bilder (Bleistift, Tusche und Öl), sowie Postkarten, die teilweise Jahre später gekauft wurden, dokumentiert. So lassen sich Belege für die Jahre 1851 bis 1854 und 1858 in dieser Sammlung finden. Seine Ferienreise 1851 führt ihn in den Süden von Niederösterreich nach Wiener Neustadt, Unter-Aspang, Pitten, Seebenstein und Schottwien am Semmering. Im Jahre 1852 schreibt er auf die Karten „Meine erste Ferien-Fuszreise“. Diese führt ihn ins Salzkammergut, nach Südtirol und in die Steiermark. Postkarten existieren aus St. Gilgen, Ischl, Aussee, Hallein, Berchtesgaden, Bruneck, Ebensee, Grundlsee, Hofgastein, Heiligenblut, Traunkirchen und Eisenerz. St.Gilgen, Postkartensammlung "Selbsterschautes" Privatbesitz F. Becker-Pellmann 2.2 Abbildung 16 2. Studentenzeit 16 Heiligenblut, Postkartensammung "Selbsterschautes", Privatbesitz F. Becker-Pellmann Auf seiner zweiten „Ferienfuszreise“ wandert er 1853 von Wien über Graz und Klagenfurt nach Osttirol und in den Pongau. Bei dem folgenden Bild handelt es sich vermutlich um den Johannisberg (3453 m) in der Nähe des Großglockner. Abbildung 17 2.2 Ferienreisen 17 "Johannsberg Ferienreise 1853", (Johannisberg) (14,5 cm x 18,5 cm) Tuschezeichnung von M. Much, Nachlass Gerda Becker Abbildung 18 2. Studentenzeit 18 Bleistiftzeichnung, M. Much, Nachlass Gerda Becker Die Rekonstruktion der Ferienreise resultiert nicht allein aus der Postkartensammlung, eine Bestätigung findet sich auch in einer Zeitungsnotiz. In der Klagenfurter Zeitung Nr. 90 von Donnerstag, dem 28. Juli 1853, ist auf Seite 161 in der Rubrik „Angekommene und Abgereiste“ unter dem 25. „Herr Matthäus Much, Hörer der Rechte, von Graz nach Windischmatrei“ (jetzt Matrei in Osttirol) verzeichnet.18 Da es keinen weiteren Eintrag für diesen Tag mit übereinstimmendem Reiseziel gibt, scheint er allein unterwegs gewesen zu sein. Abbildung 19 18 Klagenfurter Zeitung, Donnerstag 28. Juli 1853 2.2 Ferienreisen 19 Im Jahre 1854 bereist er die Donauregion von Passau bis nach Niederösterreich. Höchstwahrscheinlich ist er auch hier gewandert und hat folgende Orte besucht: Obernzell a.D., Engelhardszell, Obermühl a.D., Offensheim bei Linz, Mauthausen, Struden, Groß Pöchlarn a.D., Schloss Persenbeug, Emmendorf, Stein a. D. Im Jahre 1855 ist er wieder in Niederösterreich unterwegs, Postkarten existieren aus Dobersberg, Pernitz, Raabs a. d. Thaya und Speisendorf. Die Reise 1858 führt ihn nach Südtirol, Italien und die Krain (das heutige Slovenien). Dazu finden sich in der Sammlung Postkarten unter anderen aus Laibach (Ljubljana), Trieste, Mailand, Venedig, Neuhaus, Zillertal und Verona. Bleistiftzeichnung von M. Much, Ruine Wolkenstein (Hauenstein) 1858, am Schlern (Südtirol), Nachlass Gerda Becker Dass Matthäus Much neben seinen Zeichnungen auch kleine Ölgemälde anfertigte, ist wenig bekannt. Das Motiv des folgenden Bildes fand er auf dem Forum Romanum. Wann er die Reise nach Rom unternommen hat, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Abbildung 20 2. Studentenzeit 20 Forum Romanum, Öl auf Pappe, M. Much, Datum unbekannt, Privatbesitz D. MarxAbbildung 21 2.2 Ferienreisen 21

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Zusammenfassung

Dr. Matthäus Much war ein Pionier der österreichischen Urgeschichtsforschung. Als finanziell unabhängiger Zitherfabrikant in Wien widmete er sich begeistert der frühen Geschichte seines Heimatlandes. Er entdeckte die Pfahlbauten im Mondsee, untersuchte die Spuren des alpinen prähistorischen Kupferbergbaus und führte in Niederösterreich intensive Ausgrabungen durch. Seine Sammlung prähistorischer Gegenstände war international bekannt. Als Mitglied in den Anthropologischen Gesellschaften von Wien und Berlin setzte er sich für die Zusammenarbeit beider Vereinigungen ein. Aus Kupferfunden in ganz Europa leitete er die Notwendigkeit ab, eine zusätzliche historische Periode einzuführen („Kupferzeit“). In der K.K. Zentralkommission sorgte er für die Bewahrung der Bodendenkmale und arbeitete an einer Denkmalschutzgesetzgebung. Ottfried Becker zeichnet anhand historischer Dokumente, zu denen auch von Matthäus Much selbst gesammelte und bisher unveröffentlichte Unterlagen gehören, sein Leben und Wirken nach.