Content

Christina Pape, Effizienzsteigerungen in der Finanzindustrie durch die Blockchain-Technologie? Eine perspektivenorientierte ökonomische Analyse in:

Tim Alexander Herberger (Ed.)

Die Digitalisierung und die Digitale Transformation der Finanzwirtschaft, page 267 - 300

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4345-5, ISBN online: 978-3-8288-7296-7, https://doi.org/10.5771/9783828872967-267

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Effizienzsteigerungen in der Finanzindustrie durch die Blockchain-Technologie? Eine perspektivenorientierte ökonomische Analyse Christina Papea* Key Words: Blockchain; Smart Contract; Distributed Ledger Technology; Decentralisation Inhaltsübersicht: 1 Einführung 2 Theoretische und technologische Grundlagen 3 Effizienzanalyse 4 Erkenntnisse und Ausblick Literaturverzeichnis Anhang aResearch Student atZeppelin University 'Please address correspondence to Christina Pape, Zeppelin University, Am Seemoser Horn 20, 88045 Friedrichshafen. 267 1 Einführung Bill Gates sagte: „Die erste Regel von Technologie in Unterneh men ist, dass Automation die Effizienz von effizienten Abläu fen erhöht. Die zweite Regel ist, dass sie die Ineffizienz von ineffizienten Abläufen erhöht.“1 Jeder, der schon einmal eine vermeintlich digitale Kontoeröffnung durchgeführt hat, oder sich bei Instituten dem Kommunikationsversuch per DE-Mail2 hingegeben hat, erkennt zweifellos den Wahrheitsgehalt dieser Aussage. Trotzdem prognostiziert das Versicherungsbündnis Bßi, dass die Blockchain, oder präziser die Distributed Leger Technologie, ein Einsparungspotential von 30 % durch Ver meidung doppelter Arbeit, unnötigen Abstimmungen und Wartezeiten birgt.3 Auch Banken haben teilweise sehr bürokra tische Prozesse. Beispielsweise das Thema digitale Unter schrift eignet sich hervorragend, um digitalisierte Arbeit in Fi nanzinstituten zu verdeutlichen. Banken akzeptieren oft keine elektronische Signatur. Auch Bankmitarbeitern fehlt oft die Möglichkeit eine elektronische Signatur in ihrer Korrespon denz zu setzen. Dies führt dazu, dass ein Dokument, welches von beiden Parteien unterzeichnet werden muss, von der Bank ggf. digital zum Kunden gesandt wird. Dieser druckt das For mular aus und sendet es per Post zurück an die Bank. Hier ver teilt die Hauspost das Dokument zum richtigen Sachbearbei ter, der das Dokument ebenfalls unterzeichnet, um den Sach verhalt zu bearbeiten. Hierbei klebt er einen Barcode auf das Dokument, gibt diesen im System ein, um das Dokument wie derum per Hauspost an die Archivierung zu senden, welche das Dokument entsprechend scannt, digitalisiert der Akte hin zufügt und zur Datenvernichtung oder ins physische Archiv gibt. Nicht zu Unrecht gibt es Stimmen, die meinen, dass Pa pierprozesse in Banken durch die Digitalisierung lediglich eine digitale Verpackung bekommen haben.4 Auch im 1 Bill Gates aus w w w .myzitate.de. 2 DE Mail ist der Versuch des deutschen Staates einer identitätsgebundenen sichereren Kommunikation zwischen Bürgern und Institutionen. Lei der ist die Einführung insofern erfolglos, dass die Identifikation zusätz lichen manuellen Aufwand bedeutet und die Kommunikation nicht von allen Behörden akzeptiert wird. 3 Vgl. B3i 2018. 4 Vgl. Tapscott & Tapscott 2017. 268 Versicherungsbereich verläuft die Schadensabwicklung ähn lich semi-digital. Besonders in der Schadensbearbeitung, in der viele Dokumente wie Kostennachweise und Gutachten von verschiedenen Quellen nötig sind, ist die Korrespondenz oft mühsam. Für solcherlei Probleme und viele mehr könnte Blockchain, glaubt man dem Hype, die Lösung sein. Angesicht dessen, dass Banken in Deutschland eine kumulierte Bilanz summe von knapp acht Billionen Euro aufweisen,5 verdienen zweistellige prozentuale Effizienzsteigerungspotentiale defini tiv einige Aufmerksamkeit. Um dieses Effizienzsteigerungspotential praxisbezogen zu analysieren, ist diese Arbeit wie folgt aufgebaut: im zweiten Kapitel werden zunächst die für die Analyse notwendigen Grundlagen, sowie Funktionsweise und neuartige Instrumente der Blockchain Technologie identifiziert und erläutert. Dabei werden wir uns auf die wichtigsten praxisrelevanten Instru mente konzentrieren, die über Kryptowährung hinaus gehen und jenen schon viel diskutierten Punkt außenvorlassen. An schließend in Kapitel 3 werden die Untersuchungsperspekti ven von Finanzinstituten und Verbrauchern samt deren Inte resslagen hergeleitet um weiterhin mit der perspektivengelei teten ökonomischen Analyse die zentrale Frage nach Effizienz steigerung zu beantworten. Kapitel 4 schließt mit einer Zusam menfassung über die gewonnenen Erkenntnisse ab. 5 Vgl. Statista 2019. 269 2 Theoretische und technologische Grundlagen Um eine Effizienzanalyse vornehmen zu können, müssen zu nächst einige Grundlagen als Rahmenparameter festgesetzt werden. Deshalb soll in diesem Kapitel zunächst der Blickwin kel für die Analyse eingegrenzt werden und die Funktions weise, sowie relevante Instrumente der Technologie erläutert werden. 2.1 Eingrenzung Finanzindustrie In dieser Arbeit wird sich auf ausgewählte Perspektiven der Fi nanzindustrie konzentrieren. Ziel ist es, praxisnahe Anwen dungsfälle zu beleuchten. Daher sind solche Perspektiven be sonders geeignet, die viele potenzielle Schnittstellen mit der Blockchain haben könnten. Hier eignen sich besonders Ge schäftsvorfälle, bei denen es viele Außenberührungspunkte mit verschiedenen Parteien und Zuständigkeiten gibt. So wer den wir zum einen die institutionelle Perspektive von Banken und Versicherern einnehmen, und zum anderen die Perspek tive und die Möglichkeiten der Verbraucher von Banken und Versicherungen beleuchten. 2.2 Tranksanktionskostentheorie Um eine Effizienzanalyse vornehmen zu können, muss zu nächst der Effizienzbegriff diskutiert werden. Das Gabler Wirt schaftslexikon stellt auf diejenige Maßnahme ab, die die „ge ringsten volkswirtschaftlichen Kosten“ verursacht6. Dies um fasst sowohl die nach der neuen Institutionenökonomik gefor derte Betrachtung der Kosten innerhalb eines Unternehmens wie auch die Kosten des Marktes. Um also volkswirtschaftliche Kosten bestimmen zu können, bedienen wir uns der Transak tionskostentheorie nach Williamson.7 Hiernach sind Kosten hauptsächlich marktliche und unternehmensinterne Verstän digungskosten. Insbesondere fallen Transaktionskosten dem nach an, wenn ein Gut8 von einer (unternehmensinternen oder externen) Fertigungsstufe in eine andere übergeht. Also an 6 Vgl. Thommen 2019. 7 Vgl. Schumann et al. 1999. 8 Für den Zweck dieser Arbeit werden Finanzprodukte analog als Güter an gesehen. 270 Schnittstellen. Solche Kosten entstehen ab dem Beginn der Su che von Vertragspartnern über die Vertragsanbahnung, -Vor bereitung -Verhandlung -abschluss -ausführung -kontrolle bis zu nachträglichen Reklamationen oder Vertragsanpassungen. Weiterhin sind regulatorische oder gerichtliche Kosten in dem Begriff eingeschlossen. Überdies erstreckt sich der Transakti onskostenbegriff auf die Kosten zwischen Management und Faktoreigentümer (Faktoren = Arbeit, Kapital und Boden). Also auch auf Arbeits- und Kapitalkosten z. B. bei der Aktien ausgabe oder Kosten im Zusammenhang mit Arbeitsverträ gen.9 All solche Kosten zu reduzieren wäre demnach wirt schaftlich Es können also solche Innovationen der Blockchain Technologie als potentiell effizient bezeichnet werden, die in der Lage sind solcherlei Kosten zu senken. 2.3 Funktionsweise und Einordnung der Technologie 2.3.1 Wie funktioniert die Blockchain Der häufig benutzte Begriff Blockchain wird oft fälschlicher weise synonym für die Distributed Ledger Technology (DLT) verwendet. DLT bedeutet, dass Daten nicht mehr zentral ge speichert, sondern von verschiedenen Teilnehmern = Knoten (engl. Nodes) eines Netzwerkes gemeinsam gespeichert wer den. 9 Vgl. Schumann et al. 1999. 271 Die DLT ist also gewissermaßen das Speichermedium, die Da tenbasis für die einzelnen Blocks der Blockchain.11 Diese Art der Speicherung hat u. a. den Vorteil, dass es kei nen single point of failure12 gibt. Allen Teilnehmern stehen die gespeicherten Informationen in Echtzeit zur Verfügung und werden automatisch geupdated sowie synchronisiert. Dies er schwert die Manipulation der Daten.13 Die Datenstruktur auf DTLs kann zum Beispiel in (Daten-) Blocks erfolgen, dies ist heutzutage aber lange nicht mehr ständig der Fall. Deshalb werden wir künftig abweichend vom umgangssprachlich ver allgemeinerten Begriff Blockchain abweichen und DLT ver wenden. Aktuelle DLT Systeme, wie z. B. Corda weichen in ih rer Funktionsweise teilweise von der ursprünglichen Block chain Technologie ab.14 Da das Kernprinzip aber meist 10 Quelle: In Anlehnung an Lewis et al. 2017, 2. 11 Vgl. Schlatt et al. 2016. 12 Single point of failure bezeichnet in der Informatik einen Versagenspunkt, bei dem ein Fehler den Verlust der Datenstruktur und oder sämtlicher Kopien der Daten zur Folge haben kann (IBM Corporation, 2014). 13 Vgl. Lewis et al. 2017. 14 Vgl. hierzu auch Abbildung 4 im Anhang. 272 bestehen bleibt, sei hier die Funktionsweise an einer Blockchain Transaktion erklärt. Für die Entstehung eines Blocks sind sechs Schritte nötig: 1. Einigung zweier Parteien, A und B, die jeweils Inhaber zweier Identifikationsnummern (keys) sind. Eines öffent lichen und eines vertraulichen privaten. 2. Kontrakt: Der Kontrakt für die Transaktion wird pro grammiert. 3. (und 4.) Bestätigung: Partei A adressiert mit dem öf fentlichen key von B die Transaktion und unterschreibt mit seinem privaten key. Sobald B ebenfalls mit seinem private key unterschreibt, entsteht ein Datenblock. 5. Verschlüsselung: Jeder Block beginnt mit der individu ellen Abschlusssignatur des Blocks davor (Hash). Trans aktionen laufen öffentlich und werden - in einem festen Takt - durch einen Kryptografie Algorithmus in einem neuen Block zusammengefasst und wiederrum mit einem Hash endend verschlüsselt.15 Durch die Kryptografie ist es unwirtschaftlich bis unmöglich zu entschlüsseln durch welche Dateneingabe der Hash, den man untersucht ent standen ist. Nur geringfügigen Änderungen in der Daten eingabe erzeugen einen völlig anderen Hash. Dies erzeugt Datenintegrität.16 6. Konsens: Die Teilnehmer überprüfen mit einer mathe matischen Methode die Richtigkeit der Hashs und bei ei nem Konsens von 51% wird der neue Block akzeptiert und der Datenkette hinzugefügt (Blockchain innovation and funding in banking). So sind alleTransaktionen einwand frei nachverfolgbar - und vor allem (nahezu) unveränder bar.17 Eine Unterscheidung verschiedener DLTs findet oft nach „öf fentlich“ und „privat“ (permissioned) statt. Bei öffentlichen DLTs kann jeder ein Node werden, bei permissioned Blockchains ist diese Funktion auf besonders vertrauenswürdige Teilnehmer begrenzt. Für solche „trusted Nodes“ eignen sich 15 Vgl. Back 2002. 16 Vgl. Friedlmaier et al. 2017. 17 Vgl. PwC 2019,1. 273 z. B. Anwälte, oder staatliche Institutionen. Laut der Deut schen Bundesbank eignen sich lediglich private DLTs, mit ge nehmigungspflichtigem Zutritt für die Finanzindustrie. An ders können regulatorische Vorgaben nicht erfüllt werden.18 Deshalb wird im weiteren Verlauf davon aus, dass bei der Ver wendung DLT diese Voraussetzung gegeben ist. Hier nun hebt sich aber die Unveränderbarkeit in gewisser Weise auf. Kon trollierende Nodes können Transaktionen verändern. Hier ist es wichtig, dass dies nur in definierten Ausnahmefällen vonstattengeht, z. B. um „das Recht aufLöschung“ zu wahren.19 2.3.2 Rechtlicher Rahmen Jede handelbare Einheit auf der Blockchain ist ein Token. Die Bafin definiert Token als „digitalisierte Form von Vermögens werten“. Diese werden im deutschsprachigen Raum in drei Ka tegorien eingeteilt: Zahlungstoken, Beteiligungs- bzw. An leihe-Token und Utility oder Nutzungs-Token.20 Wie diese Ka tegorien jedoch zu bewerten sind ist eine heikle Frage. Generell gestaltet sich der rechtliche Rahmen für DLT Anwendungen noch zögerlich. Sofern durch Tokens allerdings Gewinnan sprüche oder Unternehmensanteile verkörpert werden, sind sie als eine Form des Wertpapiers zu werten und unterliegen folglich denselben regulatorischen Ansprüchen bezüglich Emission Meldung, Handel und Dokumentation. Sowohl die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA), als auch die Eu ropäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) warnen Verbraucher vor der äußerst riskanten Investition in Kryptotoken. Bei der Frage ob es sich bei dem vorliegenden Token um ein Wertpapier, ein Investmentvermögen oder ein Anlagevermögen handelt und unter welche Regularien der je weilige Token fällt, verweist die Bafin auf eine Einzelfallprüfung.21 Im Zusammenhang mit der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) war die französische Datenschutzaufsichtsbehörde CNIL nach aktuellem Kenntnisstand die erste Behörde, die 18 Vgl. Deutsche Bundesbank 2018. 19 Vgl. Yu et al. 2018, 40. 20 Vgl. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht 2019; Eidgenössi sche Finanzmarktaufsicht FINMA 2018. 21 Vgl. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht 2019. 274 sich hierzu äußerte. Sie stellte fest, dass eine dauerhafte Spei cherung von Daten auf DLTs unvermeidbar erscheint. Gerade die Unveränderlichkeit der Daten ist ja der Kernpunkt der Technologie. Die Vereinbarkeit v. a. von Betroffenenrechten, dass ein Betroffener das Recht auf Auskunft, Korrektur und Löschung seiner Personenbezogenen Daten hat, bedarf noch weiterer Auslegung durch diverse Gesetzgeber.22 Hieran wird z. B. durch neue Konzepte, wie dem zero-Knowledge-Proof ge arbeitet.23 2.4 Neue Instrumente der Distributed Ledger Technologie 2.4.1 Single source of truth Da durch die DLT Datenpakete dezentral im Kollektiv gespei chert werden, können auch alle Teilnehmer des Kollektivs oder Entitäten mit Schnittstellen zum Kollektiv auf ein Datenpaket zugreifen oder für Einsicht auf „need-to-know“ Basis freige schalten werden. Es sind also nicht mehr verschiedene Kopien der Daten im Umlauf, sondern ein einziger - der richtige -D a tensatz, die „single source of truth“ (SSOT) auf die mehrere Parteien zugreifen können. Auch beschränkte Leserechte, die für den Datenschutz so wie den B2B Bereich unabdingbar sind, können über DLTs dargestellt werden.24 SSOTs können also nicht nur durch ge meinsamen Zugriff umständliche Kommunikation einsparen, sie können auch mit regulierbarem Zugriff Prozesselement sein, z. B. bei der Einbindung von Identifikationselementen in Smart Contracts. 2.4.2 Smart Contracts Nach Borselli (2018) sind Smart Contracts (SC) rechtsgültige Verträge die sich, statt auf Papier, in einem programmierten Code manifestieren und auf einer DLT automatisch ausgeführt werden. Demnach wären Kryptowährungen im weitesten Sinne SC, also Zahlungstokens, die automatisch ausführend Eigentumsrechte verschieben. SC können allerdings auch auf 22 Vgl. Kaulartz & Quiel 2018. 23 Vgl. Stark 2017. 24 Vgl. Mainelli 2017. 275 weit komplexere Konstellationen angewandt werden. Sie kön nen z. B. selbstständig auf externe Daten zugreifen, um z. B. Versicherungsverträge mit automatisiert eingeleiteter Auszah lung abzubilden. Die Quelle von denen SCs ihre Daten bezie hen, müssen im Voraus bestimmt sein, sind oft vertrauenswür dige Parteien und werden Oracles genannt. Bei Identifikati onsdingen können Oracles z. B. Behörden sein, die eine Person für die DLT mit den auch heute schon notwendigen Dokumen ten identifizieren.25 So können SC selbstständig Transaktionen auslösen oder gar miteinander agieren und ohne menschlichen Bearbeitungsaufwand Entscheidungen fällen. 2.4.3 Initial Coin Offerings Initial Coin Offerings (ICO) sind dem Prinzip nach Initial Public Offerings, also der Börsenersteinführung von Aktien ei nes Unternehmens, nachempfunden. Dennoch sind sie nicht das Gleiche. Vielmehr sind ICOs Token generierende Events, bzw. SC, mit der Idee Gelder für Projekte, oder zur Unterneh mensfinanzierung zu generieren. Die Tokens dienen als virtu elle Anteilsscheine. Hierfür können Firmen nach Veröffentli chung eines Whitepapers, in dem die Rahmendaten, sowie Zweck und benötigtes Volumen zu finden sind, ihre Tokens entweder auf der eigenen Unternehmenshomepage oder über eine Börse für virtuelle Währungen emittieren. Schon jetzt ist eine wachsende ökonomische Bedeutung von ICOs erkennbar. So betrug das Finanzierungsvolumen 2017 umgerechnet 5,4 Mrd. $, während es 2018 bereits auf 16,7 Mrd. $ angestiegen ist.26 25 Vgl. Stark 2017. 26 Vgl. Brandt 2019. 276 3 Effizienzanalyse Um Effizienzsteigerungen aus verschiedenen Perspektiven in der Finanzindustrie beurteilen zu können, müssen zunächst die unterschiedlichen Interessenlagen beleuchtet werden. Dazu wird zum einen der Blickwinkel von Institutionellen Akt euren, namentlich Banken und Versicherern eingenommen, zum anderen der Blickwinkel der Verbraucher bzw. Bank- und Versicherungskunden. Diese Gruppen haben nicht nur unter schiedliche Motive für das Interesse an der DLT, sie sehen sich auch verschiedenen Risiken ausgesetzt. Diese Motive und Be dürfnisse sollen im ersten Teil dieses Kapitels dargestellt wer den. Da die Produkte von Banken und Versicherungen bei der Nutzung der Interaktion zwischen Anbieter und Verbraucher bedürfen, haben sowohl Chancen als auch Risiken der Techno logie Wechselwirkungen zwischen den Interessengruppen. Daher werden im Folgenden die Anwendungsmöglichkeiten der DLT zunächst jeweils aus allen drei Perspektiven analy siert, bevor die Ergebnisse in der Gesamtschau tabellarisch ge genübergestellt werden. 3.1 Perspektiven Die Finanzindustrie leidet sie vielfach unter einer veralteten IT Infrastruktur. Diese wirkt sich begünstigend auf ineffiziente (Kommunikations-) Prozesse, wie die bereits beschriebenen aus. Regulatorische Änderungen machen zusätzlich maßge schneiderte Sonderlösungen notwendig, die zu Inoperabilität und wieder hohen Wartungskosten führen.27 Solche unwirksa men Prozesse verursachen sowohl im Bereich der Transakti onsanbahnung (z. B. Knowyour customer) als auch im Bereich der Nacharbeit (z. B. Anti Money Laundering oder Settlement und Clearing) laut Mainelli und Milne (2016) global jährliche Kosten im Wert von ca. 29-36 Milliarden US Dollar. Hiervon könnten derer Überzeugung nach durch die direkteren Wege, der DLT ca. 50% eingespart werden. Auch im Versicherungs bereich sind viele BackOffice Prozesse ineffizient. Von der Da tensammlung beim Underwriting aus nicht kompatiblen Quel len, bis zur verspäteten Auszahlungen wegen ineffizienter Kor respondenz und daraus resultierenden Reputationsverlusten. 27 Vgl. Stark 2017. 277 Vielfache konzerninterne wie -externe Abstimmung führen zu hohen Kosten.28 Die Hoffnungen und das Interesse der institu tionellen Akteure kann also in drei Punkten zusammengefasst werden: Ressourcen sparen, effizientere Prozesse schaffen und Reputationsgewinn durch anwenderfreundlichere Abläufe wo raus Wettbewerbsvorteile entstehen können. Verbraucher hingegen, dürften sich die Befreiung von un nötigen Gebühren wie der erst 2018 eingeführten Glücksspiel gebühr mehr Transparenz, schnellere Abläufe sowie mehr Si cherheit z. B. vor Geldwäsche oder Fremdzugriffen erhoffen.29 3.2 Identifikation Bei jeder ersten Vertragsaufnahme mit einer Finanzinstitution wird man identifiziert. Nur so können Banken und Versicherer ihren gesetzlichen Pflichten nachkommen und die Wirtschaft vor Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung schützen. Auch wenn bereits Verpflichtungen eingegangen wurden, sind viele Regularien zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismus zu beachten.30 SSOTs könnten hier eine zentrale Rolle einneh men. Viele technischen Geräte, wie Smartphones oder Laptops entsperren sich heutzutage über biometrische Merkmale wie z. B. Gesichtserkennung. Es wundert daher nicht, dass es inzwi schen auch Apps gibt, die solche Informationen auf der Block chain abbilden können. So hat z. B. der US-amerikanische Bundesstaat West Virginia solcherlei Technik erstmals bei ei ner Wahl erfolgreich eingesetzt.31 Durch eine sichere Identifi kation per Oracle wäre die Unverfälschbarkeit einer SSOT und die stetige Aktualität der Identifikationsdokumente von Vor teil für alle Sachbearbeiter innerhalb einer Institution. Wenn Sterbeurkunden, Namensänderungen etc. durch ein automati siertes Ablesen über ein DLT nicht mehr manuell weitergelei tet und verarbeitet werden müssten, wäre dies ein großes Ar beitsersparnis. Die Hoffnung auf effizientere bzw. Ressourcen sparendere Prozesse könnte sich hier also bewahrheiten. 28 Vgl. R3 2019. 29 Vgl. Schneider 2018. 30 Vgl. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht 2017 31 Vgl. Fung 2018. 278 Auf Verbraucherseite sieht das Thema existentieller aus: Nicht nur viel papierhafte Arbeit würde gespart. Identität und deren Nachweisbarkeit schafft die Möglichkeit Konten zu er öffnen und Eigentum zu erwerben. Weltweit gibt es geschätzt 1,5 Milliarden Menschen, denen diese Möglichkeit fehlt. Für diese Menschen wäre eine Methode der lückenlosen Nachweis barkeit der Identität per DLT eine potentielle Chance am Wirt schaftsleben teil zu haben.32 Auf Verbraucherseite kann man somit nicht nur auf schnellere Prozesse, sondern bei einigen Bevölkerungsgruppen gar auf völlig neue Zugangswege zur Wirtschaft hoffen. 3.3 Single Source of truth Vor der DLT hatten alle Formen digitaler Transaktionen das sog. "double spending" Problem, dass Daten dupliziert und doppelt verwandt wurden. Die DLT bietet die erste digitale Möglichkeit, bei der dieses Problem nicht auftaucht.33 Flexible Leserechte könnten ein maßgeblicher Schlüssel sein um die Ef fizienz (interner) Prozesse zu steigern. Mit einer SSOT kann in derselben Datenquelle mit eindeutig nachverfolgbarer Histo rie gearbeitet werden.34 Dies kann besonders in Compliance Prozessen zu erheblichen Kosten- und Arbeitseinsparungen führen. Die Art der Effizienzsteigerungen wird anhand eines typi schen Compliance Prozesses der sich wie folgt gestaltet erläu tert: Ä * i? ^ Informationen Zusammentragen Überarbeiten Daten mit n Datenintegrität aufzeichnen von Daten i der Daten äten teilen sicherstellen verschiedenen Quellen Abbildung 2: Compliance Prozess35 32 Vgl. Mainelli 2017. 33 Vgl. PwC 2017. 34 Vgl. Deutsche Bundesbank 2017. 35 Quelle: In Anlehnung an Stark 2017, 5. 279 Schon die ersten beiden Schritte des Datenaufnehmens und sammelns birgt Chancen für Effizienzsteigerungen. Nach eu ropäischem Recht36 muss z. B. beim Derivatehandel jedem De rivat eine einzigartige Kennnummer (UIT) zugeordnet werden. Beide Transaktionspartner müssen diese der Verwahrstelle melden, die die Nummern entsprechend zuordnet. 2014 mel dete die DTCC, ein amerikanisches Clearinghaus, dass ledig lich 40% der Transaktionen erfolgreich zugeordnet werden konnte. Solcherlei Probleme könnten durch SSOTs und deren potentielle Ausmerzung von Datenkopien verhindert werden.37 Die Datensammlung von verschiedenen, manchmal gar inter nationalen Quellen und das lokale Abspeichern, sowie Versen den von Daten könnte durch die DTL per "Link" unnötig wer den. So könnten die benötigten Daten, per Zugriff jederzeit live und in der aktuellen Version eingesehen werden. Im dritten Schritt, der Datenaufbereitung und -analyse müssen Finanzin stitute die Daten gemäß ihren internen Richtlinien und Pro zesse analysieren um zu prüfen, ob Sicherheitsanforderungen für Kredite oder Transaktionen erfüllt sind. Erst diese aufbe reiteten Daten werden an Aufsichtsbehörden weitergeleitet. Der Prozess der Datenaufbereitung muss auch bei der Verwen dung von DLT Systemen stattfinden. Jedoch könnte durch die Links der vierte Schritt, das Teilen der Daten durch die bessere Qualität der Daten veredelt werden. Im letzten und vielleicht wichtigsten Schritt müssen die Geldinstitute die Richtigkeit der Daten sicherstellen. Dies bedeutet insbesondere, dass die Historie von Transaktionen lückenlos und fehlerfrei nachver folgt werden kann. Diese Möglichkeit bietet die DLT in seiner Beschaffenheit von sich aus. Durch das Einsparen von Daten kopien, die automatische Aktualisierung und das Reduzieren von Fehlerquellen wird also die Datenintegrität maßgeblich er höht.38 36 Regulierung des außerbörslichen Derivatehandels ist das Thema der Ver ordnung (EU) Nr. 648/2012 des Europäischen Parlaments und des Ra tes vom 4. Juli 2012 über OTC-Derivate, zentrale Gegenparteien und Transaktionsregister - in Fachzeitschriften oft mit dem inoffiziellen amerikanischen Titel "European Market Infrastructure Regulations" (EMIR) bezeichnet. 37 Vgl. Stark 2017. 38 Vgl. Stark 2017. 280 Diese Einsparung von datenversendenden Prozessen und die Verfügbarkeit in nahezu Echtzeit und eine bessere Daten qualität erhöht die Wirksamkeit einmal eingepflegter Informa tionen. Zudem sind bei SSOTs weniger Kontrollen der Dateien nötig und die Dokumentation erfolgt über die Technologie au tomatisch. So ist ein höheres Maß an Rechtssicherheit vorhan den und schnellere Reaktionen sind möglich, die z. B. im Kre ditwesen Ausfälle unwahrscheinlicher machen können. Dies schützt sowohl Geldinstitute als auch die Gemeinschaft der Kreditnehmer. Im Versicherungsbereich ist ein ähnlicher Zu griff auf Daten nötig.39 Es können die Vorteile einer SSOT ana log angenommen werden. Bei der Datenanalyse allerdings gibt es noch Herausforde rungen mit DLT Systemen. Im Banken- und Versicherungsbe reich ist die Neukundenakquise teuer, deshalb ist es wirt schaftlich demselben Kunden verschiedene Güter oder Dienst leistungen zu verkaufen. Um die Bedarfssituation von Kunden zu analysieren, ist die Untersuchung von Metadaten nötig. Dies macht die DLT allerdings schwer, da Alles auf einem Da tensatz gespeichert ist, benötigen Unternehmen Wege, solche Daten nicht nur von einzelnen Transaktionen, sondern auch von einer Masse an Transaktionen zu filtern und zu extrahie ren.40 Nach aktuellem Wissensstand sind hier bisher kaum Lö sungen vorhanden. Bei Versicherungen könnte die ökonomische Bedeutung von SSOTs in der Vertragsdurchführung, bei der Schadensbe arbeitung oder bei komplexeren Versicherungsfällen, erheb lich sein. Gerade im B2B Bereich wird von Versicherungen viel Geld für aggregierte und aktuelle Daten ausgegeben, oft ohne Garantie für die Aktualität der Daten. Das selbstständige Emp fangen, Einbinden und Verwalten von Daten auf einer SSOT über Oracles kann hier viel Geld sparen. So könnten die Daten unmittelbar mit Versicherungspolicen verknüpft werden. Z. B. Schiffe könnten identifiziert mit einer DLT verknüpft werden, sodass der Standort im Zusammenhang mit Wetterdaten, die auf derselben DLT zusammenlaufen ein präziseres Risikoma nagement möglich macht. "First Notices of Loss" (FNOL) könnten effizienter gehandhabt und v.a. ohne Aufwand an alle 39 Vgl. R3 2019. 40 Vgl. Mainelli & Milne 2016. 281 betroffenen Parteien weitergeleitet werden. Dies kann von kri tischer Bedeutung sein. Wenn z. B. ein Schiff am Kentern ist, ist die FNOL zeitkritisch und bestimmend für den folgenden Verlauf. Davon hängt ab, wie und ob der Schaden oder Scha densfolgen verringert werden können. Wenn der Versicherer schnell und professionell reagieren kann und ggf. durch um fassende Information Schaden abwenden kann, können Kos ten in Form von Zeit-, Reparatur- und Arbeitsaufwand einge spart werden. Für Versicherer und Versicherungsnehmer ist hier ein prägender Moment in ihrer Kundenbeziehung.41 Dies ist als Chance Reputation zu gewinnen interessant, aber noch spannender aus ökonomischer Gesichtspunkten, denn der Großteil der Kosten von Versicherern bei der Schadensbear beitung entsteht durch Korrespondenz und Formalien.42 Wenn die richtigen Daten automatisiert und in nahezu Echtzeit wei tergegeben werden können, könnte hier große Chancen für wirtschaftliche Effizientsteigerungen in Form von Arbeitsver ringerung schnellerem Handlungsvermögen liegen. Für Fi nanzinstitute bieten SSOTs demzufolge zahlreiche Wege res sourcenschonender, schneller und transparenter zu arbeiten und somit Reputationsgewinne und Wettbewerbsvorteile zu erwirken. Aus Sicht der Verbraucher könnte mit SSOTs allerdings ein zweischneidiges Schwert vorliegen. Es ist denkbar, dass Kran kenakten, Identifikationspapiere oder Führungszeugnisse auf einer SSOTs abspeichert werden. Dies könnte per Link viel Korrespondenz, sowie Porto und Ersatzabschriften unnötig machen. Verbraucher könnten Banken oder Versicherungen flexiblen Lesezugriff auf Ihre Daten gewähren. Da aber die un löschbare Dokumentation der Daten Teil des Systems ist, ist fraglich inwieweit Dinge zurückgehalten werden können. Ein uneingeschränkter Zugriff auf Teilbereiche kann weitrei chende Folgen für ein Individuum haben. Z. B., wenn ein neues Visum beantragt und es einem aufgrund eines alten Visums bei einem konkurrierenden Staat nicht gewährt wird. Oder wenn alte Hypotheken oder falsche Schufa Eintragungen nur korri giert, nicht jedoch gestrichen werden können und dies den Preis für Kredite und Versicherungen erhöht oder zur 41 Vgl. ActecSystems 2010. 42 Vgl. R3 2019. 282 Ablehnung führt.43 Angesichts solcher Konsequenzen kann zwar auch hier die Wirksamkeit der Daten bejaht werden, die wirtschaftliche Teilhabe wird jedoch eingeschränkt. Eine ein fache Handhabung von Daten wäre zwar aus Verbrauchersicht wünschenswert, aber die Freiheit nur solche Informationen preis zu geben nach denen gefragt wird, kollidiert mit der sys temimmanenten Unlöschbarkeit der Daten und automatisier ten Dokumentation. So wird die Freigabe von Daten zum po tenziellen Risiko und schafft Unsicherheit. Erst wenn für die ses Problem eine Lösung gefunden wird, kann eine Effizienz steigerung für Verbraucher bejaht werden. 3.4 Zahlungsverkehr Innerhalb des europäischen Zahlungsraumes sind internatio nale Geldtransfers dank SPEA44 schnell und günstig. Im weite ren internationalen Zahlungsverkehr und mit Partnern außer halb Europas hingegen, kann es Tage oder Wochen dauern, bis zwischen den beteiligten Banken ein Konsens gefunden ist und Zahlungen ihren angedachten Weg gehen. Dies könnte durch die DLT mit nahezu Echtzeit vonstattengehen.45 Insofern be steht hier eine Chance für große Zeitersparnisse für alle Betei ligten. Weiterhin hat der internationale Zahlungsverkehr das Problem des Konvertierens von Währungen. Der internatio nale Standard SWIFT46 ist nicht für Währungswechsel vorge sehen, weshalb Kunden hier Gebühren in Höhe von rund zwei bis achtzehn Prozent zu erwarten haben.47 Angesichts dessen, dass in Deutschland durch Menschen mit Migrationshinter grund jährlich, zwischen 5 Mrd. € und beinahe 18 Mrd. € im Jahr 2017 ins Ausland überwiesen werden48, sind die 43 Vgl. Mainelli 2017. 44 SEPA (Single Euro Payments Area) bezeichnet die Vereinheitlichung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs im europäischer Zahlungsverkehrs raum nach der EU Richtlinie 2007/64/EG (Deutsche Bundesbank 2019). 45 Vgl. Mainelli & Milne 2016. 46 SWIFT ist die führende internationale Kooperation für sichere Finanz nachrichten, der von über 11.000 Finanzinstituten genutzt wird; vgl. SWIFT 2019. 47 Vgl. World Bank 2017, 8. 48 Vgl. Riccus 2019. 283 Potentiale durch die DLT immens.49 Eine Ablösung des aktuel len Korrespondenzbankensystems zugunsten einer DLT mit vertrauenswürdigen Knotenpunkten entlang der Zahlungs kette wäre insoweit zu begrüßen. Wenn zwischen zwei Zah lungspartnern kein Vertrauensverhältnis besteht, kann sich das Protokoll selbstständig einen möglichen Pfad von vertrau enswürdigen Nodes suchen und die Transaktion erfolgt auto matisiert und automar (d.h. vollständig oder überhaupt nicht). So sind die Zahlungspartner sowohl vom Devisen- als auch vom Ausfallrisiko der Vertragsparteien befreit.50 Angesichts der potenziellen Einsparung von Zeit, Gebüh ren und Korrespondenz sind sowohl für Banken als auch für Versicherungen in der Rolle des Investors und für Verbraucher im internationalen Zahlungsverkehr große Effizienzsteigerun gen möglich. 3.5 Smart Contracts Für Smart Contracts finden sich sowohl operationelle wie auch vertragliche Anwendungsmöglichkeiten. Im Versicherungsbe reich ist die Anwendung im Forderungsmanagement von Sach- und Unfallversicherungen möglich, bei dem Policen au tomatisiert mit selbstausführender Leistung darstellbar sind. Aber auch Lebensversicherungen wären einfach abbildbar, weil das Leistungskriterium, Tod oder nicht Tod, binär ist. Eine schnellere Bearbeitung hat den Vorteil, dass sie das Kern versprechen einer Versicherung „Zahlung bei Schaden“ stützt und so die Beziehung zwischen Versicherungsnehmer und Versicherungsgeber verfestigten kann. Dies kann zu Reputati onsgewinnen führen.51 Bei komplexeren Versicherungen, wie z. B. im Bereich biometrischer Risiken, wenn die Informatio nen nicht binär sind, gibt es hingegen besondere Herausforde rungen. Automatisierte Abläufe werden nach dem Wenn- Dann-Prinzip programmiert. Im Bereich der Pflege oder der Berufsunfähigkeit sind beabsichtigte Unvollständigkeiten, bzw. Ermessensspielräume eingeplanter Teil von Policen. So können Umstände des Einzelfalles beachtet und Schadensfälle 49 Vgl. Keller & Leclerc 2019. 50 Vgl. Keller & Leclerc 2019. 51 Vgl. Borselli 2018. 284 lebensnah bearbeitet werden. Versicherer agieren hier eher nach Standards als nach binären Regeln. Standards sind je doch schwierig in eine Bedingungslogik zu programmieren. Gerade der Ermessensspielraum schafft lebensnahe Flexibili tät wo Regeln sich oft als zu starr oder zu weit erweisen. Auch können bei manueller Bearbeitung Informationen, die für den die Bearbeitung des vorliegenden Schadenfalles unerheblich oder nicht zielführend sind, oder deren Beschaffung im Einzel fall unzumutbar ist, weggelassen werden. Allerdings stecken sowohl DLTs als auch die praktische Anwendung von Machinelearning in den Kinderschuhen, sodass es nicht unmöglich erscheint, dass Maschinen auch "menschliches Ermessen" ler nen könnten.52 Im aktuellen Stadium scheinen DLTs eher für binär darstellbare Verträge geeignet zu sein Effizienzsteige rungen in Form schnellerer Bearbeitung sind sowohl aus An bieter, als auch Verbraucherseite zu bejahen. Für komplexere Verträge überwiegt aktuell noch die Unsicherheit bzw. unzu reichende Praktikabilität. Herausforderungen bzw. gar Risiken liegen auch in der au tomatisierten Ausführung von Verträgen als solche: Das soge nannte „Fat finger“ Prinzip, dass Fehler oder Fehlverhalten nicht durch eine zentrale Instanz korrigiert werden, oder ein fach rückgängig gemacht werden können. Daneben steht die schon angesprochene rechtliche Unsicherheit ob solche SC auch vor Gericht Gültigkeit haben. Hier könnten vor allem die zum Vertragsschluss nötigen übereinstimmenden Willenser klärungen angefochten werden, weil fraglich ist, inwiefern ein Kunde eine in einem SC programmierte Entscheidung über haupt versteht, in der Regel wird vermutlich davon auszuge hen sein, dass Endkunden nur das Ergebnis, nicht aber die Zwischenschritte eines SC sehen.53 Bei miteinander kommunizierenden SC könnte allerdings ein umso größeres Einsparpotential entwachsen, je mehr Ver sicherungen eine Person auf einer DLT hat. So könnten bei Einreichung einer Sterbeurkunde automatisch Versicherun gen und Konten bei verschiedenen Anbietern gekündigt und automatisiert an Hinterbliebene ausgezahlt werden.54 Wenn 52 Vgl. Borselli 2018. 53 Vgl. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht 2017. 54 Vgl. PwC 2019,1. 285 durch einmaliges Einreichen einer Urkunde die Information für verschiedene Abläufe und Anbieter genutzt werden kann und Prozesse ohne manuelle Bearbeitung automatisiert ange stoßen werden, wird manueller, kommunikativer und zeitli cher Aufwand verringert, mit anderen Worten Ressourcen ein gespart. Insofern bestehen hier Effizienzsteigerungschancen sowohl für Anbieter, als auch Verbraucher. Für Banken bergen SC viele Chancen. Viele (Handels-) Ver träge beruhen auf externen Informationen, z. B. einem Aktien kurs. Hier könnte eine Börse ein Oracle sein, von denen ein SC automatisiert Börsenkurse abliest.55 Darüber hinaus sind SC besonders geeignet, wenn Verträge komplexe Dokumentation oder Nebenbedingungen haben. Das Zug-um-Zug-Prinzip, dass man nur leisten muss wenn der andere auch leistet, könnte inklusive der Dokumentation automatisiert dargestellt werden.56 Aufgrund der komplexen Struktur und den vielen Beteiligten könnte somit die Selbstausführung nach dem Prin zip: „Wenn A und B zugesagt haben, wird X ausgelöst“ beson deres Effizienzsteigerungspotential haben. Hier könnten das komplette Settlement und die Durchführung von Verträgen automatisiert werden. Dies könnte unnötiges und v.a. wieder holtes Kontrolllesen von Verträgen durch Juristen, sowie ei nige Nachverhandlungen entbehrlich machen. Bei Konsortial krediten oder strukturierte Finanzierungen könnten so viele Schritte in Clearing und Settlement eingespart werden.57 Dies birgt die Chance von Zeit, Arbeits- und somit Geldersparnis für alle Beteiligten. Die Effizienzsteigerungen durch SC werden insbesondere durch automatisierte Informationsbeschaffung, Arbeitsein sparungen und schnellereVertragsdurchführung geschaffen. 3.6 Initial Coin Offerings ICOs bergen eine neue Methode für Firmen Kapital einzusam meln und für Verbraucher um direkt zu investieren. Sowohl Kauf und Verkauf, als auch Zins- und Dividendenzahlungen und die Ausübung von Stimmrechten könnten über die DLT 55 Vgl. Stark 2017. 56 Vgl. Keller & Leclerc 2019. 57 Vgl. Fanning & Centers 2016 286 abgebildet werden. Durch die Direktheit des Investitionswe ges, der (theoretisch) Intermediäre entbehrlich macht, könn ten Beschaffungskosten von Eigen- und Fremdkapital gesenkt werden, der nicht durch Banken gefiltert ist.58 Einer der Vorreiter - Zumindest in Deutschland - ist die LBBW (Landesbank Baden-Württemberg), die bereits erste große Transaktionen in Form von ICOs durchgeführt hat. Daimler vergab ein Schuldscheindarlehen in Höhe von 100 Mio. €59 und Telefonica Deutschland sogar in Höhe von 250 Mio. €.60 Bei letzterer wurden bereits verschiedene Laufzeiten dargestellt und eine zweistellige Investorenanzahl erzielt. Im Februar 2019 meldete die LBBW, dass eine Transaktion mit ei nem ABCP-Papier (ABCP = Asset Backed Commercial Paper)61 die erste Transaktion ohne parallelen Analogprozess gewesen sei. Die Abwicklungszeit hat sich dabei von marktüblichen zwei Tagen auf unter eine Stunde verkürzt.62 Auch Devisen und Zinszahlungen können über die DLT abgeformt werden.63 Die Technologie bietet aber auch Chancen für Kleinaktio näre. Private Investoren nehmen oft ihr Stimmrecht auf Hauptversammlungen aufgrund der hohen Opportunitätskos ten in Form von Planungs- und Anreisekosten nicht wahr. Dies könnte durch eine Stimmabgabe per DLT geändert werden, da so eine einwandfrei identifizierbare Abstimmung in nahezu Echtzeit möglich ist. Dies könnte in einer Steigerung der Iden tifikation und somit in Reputationsgewinnen der Emittieren den resultieren könnte.64 Für Banken oder Versicherer als in stitutionelle Investoren, aber auch für Kleinanleger könnten hier erhebliche Zeit- und Arbeitseinsparungen entstehen, die wiederum in geringeren Eigenkapitalkosten resultieren kön nen. 58 Vgl. Tapscott & Tapscott 2017. 59 Vgl. LBBW 2017. 60 Vgl. LBBW 2018. 61 ABCP- Papiere sind eine Unterform der Asset Backed Securities (ABS) und bezeichnen die handelbare Form verbriefter Sicherheiten. Mit Ihnen können kurzfristige Aktiva wie z. B. Forderungen aus Lieferung und Leistung gehandelt werden; vgl. Prätsch et al. 2012. 62 Vgl. LBBW 2019. 63 Vgl. Labbe 2017. 64 Vgl. Yu et al. 2018, 40. 287 Allerdings hat die ursprüngliche Anwendung der Techno logie, Bitcoin, die Probleme, dass einerseits viele u n ifo r mierte Anleger investieren, und andererseits, dass es einige "Wale" mit hohen Besitzquoten gibt, die auf einen Schlag den Kurs beeinflussen können. Auch bei ICOs fehlen bislang Siche rungsmechanismen, die solche Phänomene vermeiden. Es ist daher fraglich, ob somit Effizienzsteigerungen möglich sind und wie geeignet dieses Instrument für Privatanleger ist. Da weder Banken noch Finanzintermediäre eine zwingende Rolle haben müssen, fehlen jegliche Elemente des Gläubigerschut zes. Dies führt zu einer Verschiebung von Transaktionskosten in Form von Unsicherheit und Risiko hin zu Konsumenten. In Deutschland werden Kapitalanleger per Gesetz vor mangeln der Beratung geschützt (z. B. durch das Vermögensanlagege setz (VermAnlG) oder Kleinanlegerschutzgesetz (KlAnSG)). Anlageberater haben die Pflicht über Risiko einer Geldanlage (insbesondere Totalverlustrisiko) aufzuklären. Auch müssen Berater bei der Beratung die wirtschaftliche Situation des Be ratenen miteinbeziehen (Vgl. § 31 Abs. 3,4 WpHG) und die Be ratung dokumentieren sowie Produktinformationsblätter zur Verfügung zu stellen.65 Derlei Schutz fehlt bei DLTs aktuell komplett.66 Angesichts dessen, dass auch aktuelle Schutzme chanismen für Verbraucher - wie z. B. die Beratungsdokumen tation oder Produktinformationsblätter nur begrenzte Wir kung entfalten, ist ohnehin fraglich wie eine neue Technologie in der ein makelbehaftetes System umgesetzt wird zu mehr Ef fizienz führen kann. Das aktuell bestehende Problem besteht nämlich darin, dass zwischen Beratern und Beratenen eine In formationsasymmetrie herrscht. Eine Falschberatung zu er kennen und dann als weniger informierte Partei auch korrekt zu Papier zu bringen, ist für Verbraucher oft schwierig.67 Mit unter wundert es da nicht, dass Behörden wie das BKA, die Bafin und ihr Schweizer Pendant Finma als auch die EBA und ESMA Verbraucher vor der Investition in ICOs warnen. Die Warnungen beziehen sich auf den Mangel an Information, Verlustrisiko extreme Volatilität, fehlende Ausstiegsmöglich keit sowie rechtliche und technische Mängel. Außerdem auf 65 Vgl. Oehler 2014. 66 Vgl. Keller & Leclerc 2019. 67 Vgl. Oehler 2014. 288 die Möglichkeit der Kriminalität, Geldwäsche und Terroris musfinanzierung.68 Wie bereits erläutert gelten auch in der neuen Technologie höchstwahrscheinlich die herkömmlichen Regulierungen. So ist es schwer vorstellbar, dass Banken aus ihrer Position ver drängt werden. Zwar kann man auch einen Börsengang ohne Bank schaffen, wie Spotify als das bisher erheblichstes Direct Listing gezeigt hat, in Deutschland wird dies aber in den we nigsten Fällen möglich sein die Voraussetzungen zu erfüllen.69 Es kann somit nicht davon ausgegangen werden, dass Banken künftig, wenn Regulierung und Rechtsprechung auf ICOs rea giert haben, verdrängt werden. Es ist anzunehmen, dass sich aus Unternehmenssicht langfristig wenig ändert. Für Kreditin stitute hingegen eröffnet sich ein neuer Markt in der die Fach kenntnis über Fremd- und Eigenkapitalemissionen nahezu nahtlos angewandt werden können. Denkbar ist, dass ICOs ähnlich wie geschlossene Fonds für Projekte anwendbar sind. Da dieser Markt in Deutschland wenig aktiv ist, könnten sich neue Gewinnmöglichkeiten auftun, die zudem wenige Ein trittsbarriere haben. Auch weniger fungible Vermögensgegen stände wie Kreditportfolios oder Versicherungsbestände könnten durch die DLT Technologie leichter übertragbar sein.70 Dort könnte der gesamte Prozess, von Beginn der Ver tragsanbahnung über Vertragsschluss, Dokumentation und Durchführung erheblich vereinfacht werden.71 Im Clearing, welches bei herkömmlichen IPOS ohne Probleme 3 Tage dau ert, bis Anwälte, Vermittler, Wirtschaftsprüfer und sonstige Intermediäre ihr Clearing geben, könnte das per Blockchain schneller gemacht werden.72 ICOs bergen also für institutionelle Akteure Chancen von immensen Zeitersparnissen und potentiell einem neuen Markt der ohne viele Barrieren erschlossen werden könnte. Auch für Verbraucher sind die neuen Teilhabechancen es wert, die 68 Vgl. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht 2017; Bundesanstalt für Finanz-dienstleistungsaufsicht 2018; Eidgenössische Finanzmarkt aufsicht FINMA 2018; Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht 2019. 69 Vgl. Kögler 2018. 70 Vgl. Keller & Leclerc 2019. 71 Vgl. Fanning & Centers 2016. 72 Vgl. Mainelli & Milne 2016. 289 Entwicklung der Technologie weiter zu verfolgen. Zum aktuel len Stand der Technologie, sowie der Regulierung können An wender jedoch weder Transparenz, noch Rechtssicherheit, vielleicht sogar eher kriminelle Machenschaften oder zumin dest ein hohes Risiko erwarten. Angesichts dessen sind Effi zienzsteigerungen für Privatanleger zum aktuellen Zeitpunkt nicht erkennbar. 3.7 Ergebnisse Die bereits erläuterten Chancen und Risiken der Instrumente der DLT können, wie in Tabelle l folgt, gegenübergestellt wer den: 290 291 Anwendungsbereich Banken und Versicherungen Versicherungen Verbraucher Identifikation + weniger Arbeitsschritte + bessere Datenqualität ++ weniger Arbeitsschritte ++ bessere Datenqualität + weniger Arbeitsaufwand + Möglichkeit am Wirtschaftsle ben Teil zu haben SSOT ++ einfachere und qualitativere Arbeit in der Regulierung + besseres Matching von Daten + Echtzeitzugriff auf Daten, bes sere Datenqualität ++ schnellere Reaktionszeit bei Schadensbe arbeitung + besseres Matching von Daten + Echtzeitzugriff auf Daten, bessere Daten qualität + weniger Arbeitsaufwand - Unlöschbarkeit der Daten — keine Teilfreischaltung Zahlungsverkehr + Zeitgewinn bei außereuropäi schem Zahlungsraum + Zeitgewinn bei außereuropäischem Zah lungsraum ++ weniger Gebühren + Zeitgewinn bei außereuropäi schem Zahlungsraum Smart Contracts ++ Zeitersparnis ++ Korrespondenzersparnis + schnellere Bearbeitung + Reputationsgewinne + automatische Dokumentation - unsichere Rechtslage — Fat Finger Problematik ++ Zeitersparnis ++ Selbstständige Datenbeschaffung ++ Korrespondenz- und Arbeitsersparnis + schnellere Bearbeitung + Reputationsgewinne + automatische Dokumentation ° Anwendbarkeit bisher eher auf binäre Zu stände - keine Ermessensspielräume - unsichere Rechtslage - Fat Finger Problematik ++ schnellere Bearbeitung der Sachverhalte + Erfüllung des Kern Verspre chens von Versicherern - unsichere Rechtslage — mangelnde Verständnismög lichkeit des Codes ICOs ++ neuer Markt mit geringen Eintrittsbarrieren ++ schnelles Clearing + potentiell neuer Markt — aktuell hohe Verlust- und Kri minalitätsrisiken ++ Es sind starke Chancen auf Effizienzsteigerungen zu erwarten + Es sind Chancen auf Effizienzsteigerungen zu erwarten ° Effizienzgewinne sind unter Berücksichtigung gewisser Faktoren möglich Es sind eher Risiken zu erwarten Es sind starke Risiken zu erwarten Tabelle 1: G egenüberstellung der E rgebnisse 4 Erkenntnisse und Ausblick Die dargestellten Werkzeuge, die nur einen kleinen Ausschnitt des über DLTs Möglichen zeigen können, machen verständlich wieso der Hype um die Technologie so groß ist. In der Analyse konnte gezeigt werden, dass sowohl Versicherer als auch Ban ken viele Möglichkeiten haben, die Effizienz herkömmlicher Arbeitsprozesse zu steigern. Die Hoffnungen von Banken und Versicherern auf schlan kere Prozesse und damit einhergehende Kosteneinsparungen könnten bei Implementierung der dargestellten DLT Instru mente erfüllt werden. Ebenso die Hoffnungen der Verbraucher auf mehr Transparenz und schnellere Abläufe. Darüber ob mit der Einführung der Technologie auch Gebührensenkungen einhergingen kann in dieser Arbeit keine Aussage getroffen werden. In der Gesamtschau zeigt sich, dass die möglichen Chancen die Risiken aus der Mehrheit der in dieser Arbeit be leuchteten Blickwinkel deutlich übertreffen. Für Anbieter wie Verbraucher von Finanzprodukten könn ten Kosten der Abstimmung umso mehr verringert werden, je mehr Parteien auf derselben DLT sind oder Schnittstellen da hin unterhalten. Die Effizienz wächst also mit den verfügbaren Schnittstellen, da die Koordination weniger Ressourcen bin det. Realistischer Weise ist anzunehmen, dass sich bei DLT, wie bei Android und iOS wenige große Anbieter durchsetzen werden. Hoffnung darauf bot 2018 der Wechsel des Bßi Versi cherungskonsortiums, von Hyperledger, dem DLT System von IBM zu Corda, dem DLT System von R3.73 Angesichts dessen, dass die Technologie noch in einem Sta dium der Testläufe und weiterer Erforschung befindet, sind viele der dargestellten Möglichkeiten aktuell noch Zukunfts musik. Voraussetzung für die flächendeckende Implementie rung ist sicher, dass aktuelle Schwachstellen, wie die unsichere Rechtslage, Fat Finger Problematik und Inoperabilität zufrie denstellend behoben werden. Angesicht dessen, welche Auf merksamkeit die Technologie von vielen finanzstarken Akteu ren aktuell erfährt, ist anzunehmen, dass diese bereits adres siert und in absehbarer Zeit gelöst werden. So bieten einige mögliche Einsatzgebiete der Blockchain Technologie definitiv 73 Vgl. R3 2019. 292 Potentiale für Effizienzsteigerungen mit sich. Inwieweit diese allerdings praktisch umgesetzt, von Akteuren und Verbrau chern angenommen und auch verwirklicht werden, bleibt ab zuwarten. 293 Literaturverzeichnis Brandt, Mathias (2019), Anleger investieren Milliarden in neue Krypto-Coins. Online verfügbar unter https://de.statista.com/infograf1k/11517/ volumen-von-icofinanzierungsrunden-pro-monat; zuletzt abgerufen am 19.07.2019. Bundesanstalt für Finanzdiensleistungsaufsicht, Jörg Freiherr Frank von Fürstenwerth. (2019). Online verfügbar unter https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/ BaFinPerspektiven/20i9_0i/bp_i9i_Beitrag_Frhr_von_Fuerstenwerth.html; zuletzt abgerufen am 11.07.2019. Borselli, Angelo (2018): Insurance by Algorithm. Working paper. Bocconi University. Online verfügbar unter https://ssrn.com/abstract=3284437; zuletzt abgerufen am 15.07.2019. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (2017). Initial Coin Offerings: Hohe Risiken fürVerbraucher. Online verfügbar unter https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/ Fachartikel/20i7/fa_bj_i7ii_ICO.html?nn=9224940; zuletzt abgerufen am 12.07.2019. Bundesanstalt für Finanzdiensleistungsaufsicht (2018). Initial Coin Offerings: BaFin veröffentlicht Hinweisschreiben zur Einordnung als Finanzinstrumente. Online verfügbar unter https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/ Fachartikel/20i8/fa_bj_i803_IC0s.html; zuletzt abgerufen am 19.07.2019. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (2019). Kryptotoken bleiben Risiko für Verbraucher. Online verfügbar unter https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/ Fachartikel/20i9/fa_bj_i902_krypt0waehrung.html; zuletzt abgerufen am 21.07.2019. Deutsche Bundesbank (2017). Industry Dialogue on "Distributed Ledger Technology - Potential benefits and risks". Online verfügbar unter https://www.bundesbank.de/de/presse / reden/industrydialogue-on-distributed-ledger-technology-potential-benefitsand-risks—710972; zuletzt abgerufen am 10.07.2019. 294 Deutsche Bundesbank (2019). SEPA. Online verfügbar unter https://www.bundesbank.de/de/aufgaben/unbarerzahlungsverkehr/sepa/sepa-603270; zuletzt abgerufen am 21.08.2019. Deutsche Bundesbank (2017). Zahlungsverkehr und Wertpapierabwicklung - Herausforderungen aus Sicht der Bundesbank. Online verfügbar unter https://www.bundesbank.de/de/presse / reden/zahlungsverke hr-und-wertpapierabwicklung-herausforderungen-aus-sichtder-bundesbank-634046#tar-5; zuletzt abgerufen am 10.06.2019. Deutsche Bundesbank (2018). Deutsche Bundesbank und Deutsche Börse schließen Tests für Blockchain-Prototypen erfolgreich ab. Online verfügbar unter https://www.bundesbank .de/de/presse/pressenotizen/deutsc he-bundesbank-und-deutsche-boerse-schliessen-tests-fuerblockchain-prototypen-erfolgreich-ab-764696; zuletzt abgerufen am 18.06.2019. Eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA. (2018). FINMA publiziert Wegleitung zu ICOs. Online verfügbar unter https://www.finma.ch/de/news/2018/02/20180216-mm-ic0wegleitung; zuletzt abgerufen am 15.06.2019. Fanning, Kurt; Centers, David P. (2016). Blockchain and Its Coming Impact on Financial Services. In: Journal of Corporate Accounting & Finance Vol. 27 Issue 5, 53-57. Friedlmaier, Maximilian; Tumasjan, Andranik; Welpe, Isabell M. (2017). Disrupting Industries with Blockchain: The Industry, Venture Capital Funding, and Regional Distribution of Blockchain Ventures. Working Paper, Technische Universität München - TUM School of Management. Online verfügbar unter https://papers.ssm.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=28547 56; zuletzt abgerufen am 18.07.2019. Geneva, Benjamin (2018): Banking in the Digital Age - Who is Afraid of Payment Disintermediation? Hg. v. European Banking Institute e.V. Kaulartz, M., & Quiel, P. (2018). DSGVO: Erste Empfehlungen einer Datenschutzbehörde zum datenschutzkonformen Einsatz von Blockchains. Online verfügbar unter https://www.cmshs-bloggt.de/tmc/datenschutzrecht/dsgvoblockchain-cnil/ 295 Keller, Jens; Leclerc, Matthias (2019). Das Potenzial der Blockchain für deutsche Banken. Die Bank 2019,1, 68-73. Kögler, A. (2018). Direct Listing: Börsenrevolution oder heiße Luft? Online verfügbar unter https://www.financemagazin.de/finanzierungen/kapitalmarkt/direct-listingboersenrevolution-oder-heisse-luft-2013071; zuletzt abgerufen am 21.07.2019. Kreiterling, C. (2018). Workshop 2ICO im internationalen aufsichtlichen Kontext. Von www.bafin.de: https://www.bafin.de/SharedDocs/Downloads/DE/Veranstalt ung/dl_i804i0_BaFinTech_20i8_WS2.html; zuletzt abgerufen am 18.07.2019. Labbe, Amelie (2017). Companies bank on blockchain bonds to cut costs, time. Online verfügbar unter https://www.iflr.com/Article/3754156/Companies-bank-onblockchain-bonds-to-cut-costs-time.html?ArticleId=3754i56; zuletzt abgerufen am 13.07.2019. LBBW (2017). Daimler und LBBW: Erfolgreich mit Blockchain. Online verfügbar unter https://www.lbbw.de/artikelseite/bankingerleben/blockchain-pilotprojekt-daimler- Ibbw_661e61yw9_d.html; zuletzt abgerufen am 13.07.2019. LBBW (2018). Blockchain-Tranche für Schuldscheintransaktion der Telefonica Deutschland. Online verfügbar unter https://www.lbbw.de/artikelseite / pressemitteilung/schuldsch eintransaktion-blockchain-tranche_8j2wnobke_d.html; zuletzt abgerufen am 13.07.2019. LBBW (2019). Blockchain ohne Wenn und Aber. Online verfügbar unter https://www.lbbw.de/artikelseite / pressemitteilung/blockchai n-ohne-wenn-und-aber_82zumb2qr_d.html; zuletzt abgerufen am 13.07.2019 Lewis, Rebecca; McPartland, John, W.; Ranjan, Rajeev (2017). Blockchain and Financial Market Innovation. In: Economic Perspectives Vol. 41, Nr. 7,1-16. Littmann, S., & Busch, A. (2018). Wie Banken und Staaten eigenes Krypto-Geld entwickeln. Online verfügbar unter https://www.wiwo.de/finanzen/boerse/konkurrenz-fuer-denbitcoin-staatliches-krypto-geld-aus-schweden-chinavenezuela/2o8677o6-2.html; zuletzt abgerufen am 11.07.2019. 296 Mainelli, M.; Milne, A. (2016). The Impact and Potential of Blockchain on the Securities Transaction Lifecycle. Online verfügbar unter https://papers.ssm.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=27774 04; zuletzt abgerufen am 11.07.2019. Mainelli, M. (2017). Blockchain Will Help Us Prove Our Identities in a Digital World. In: Harward Business Review. Myzitate.de (2018). Zitate und Sprüche von Bill Gates. Online verfügbar unter: http://www.myzitate.de/bill-gates; zuletzt abgerufen am 18.07.2019. Oehler, Andreas (2014). Kontrollierte Mindestanforderungen für Verbraucher-Finanzprodukte! Online verfügbar unter https://www.researchgate.net/prof1le/Andreas_Oehler2/publ ication/27787098i_Kontrollierte_Mindestanforderungen_fur _Verbraucher- Finanzprodukte/links/55758e2fo8aeb6d8coi97364/Kontrolli erte-Mindestanforderungen-fuer-Verbraucher- Finanzprodukte.pdf; zuletzt abgerufen am 26.08.2019. Prätsch, Joachim; Schikkora, Uwe; Ludwig, Eberhard (2012). Finanzmanagement Lehr- und Praxisbuch für Investition, Finanzierung und Finanzcontrolling, 4. Auflage, Berlin u.a., Springer. PwC (2017). Blockchain, a catalyst for new approaches in insurance Part 1. Online verfügbar unter https://www.pwc.ch/ en/publications/20i7/Xlos_Etude_Bloc kchain_UK_2017_Web.pdf; zuletzt abgerufen am 11.07.2019. PwC (2019). Blockchain, a catalyst for new approaches in insurance Part 2. Online verfügbar unter https://www.pwc.com/gx/en/insurance/assets/blockchain-acatalyst-part-two.pdf; zuletzt abgerufen am 11.07.2019. R3 (2019). Insurance Market Report. Hg. v. R3. Online verfügbar unter https://www.r3.com/reports/insurance-market-report; zuletzt abgerufen am 22.06.2018. Schiller, K. (2018). Genesis Block | Anfang einer Kryptowährung. Online verfügbar unter https://blockchainwelt.de/genesisblock-bitcoin-ethereum-blockchain-kryptowaehrung; zuletzt abgerufen am 26.06.2018. Schlatt, Vincent; Schweizer, Andre; Urbach, Nils; Fridgen, Gilbret (2016). Blockchain: Grundlagen, Anwendungenund Potenziale. White Paper. In: Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT. 297 Schumann, Jochen; Meyer, Ulrich; Ströbele, Wolfgang (1999). Grundzüge der mikroökonomischen Theorie. 7. Auflage, Berlin u.a., Springer. Stark, Josh (2017). Applications of Distributed Ledger Technology to Regulatory & Compliance Process. Hg. v. R3. Online verfügbar unter https://www.r3.c0m/wpcontent/upl0ads/20i7/07/apps -reg-compliance_R3 .pdf; zuletzt abgerufen am 19.06.2019. Statista GmbH. (2019). Statistiken zur Bankenbranche. Online verfügbar unter https://de.statista.com/themen/6o6/bankenbranche; zuletzt abgerufen am 12.06.2019. 298 Anhang Abbildung 3: Eine Transaktion auf der Blockchain74 Vorte ile Nachteile Ethereum (open source) • Viele Entwickler sind in der Lage auf Ethereum Smart Contracts zu programmieren • Vorteil durch die gewaltige Anzahl an Projekten, die in der Community geteilt wer den • Transaktionen und Daten sind nicht pri vat • Die Anzahl an möglichen Transaktio nen pro Sekunde ist sehr limitiert • Mit dem proof-of-work algorithmus ho her Energieverbrauch Hyperledger (Softwarelö sung von IBM) • Hoch skalierbar • IBM bietet ein Supporttool für Implementierung und War tung zur Verfügung • IBM ist selbst an vielen Blockchain Projekten betei ligt • Projekte können stark von IBM abhän gig werden • Die Komplexität der Tools schränkt Zu gänglichkeit ein • Kryptowährung ist nicht integriert - nur bedingt für das Management von Krypto token geeignet Corda (Softwarelö sung von R3) • R3 bietet ein Supporttool für Implementierung und War tung zur Verfügung • R3s Team managed viele Projekte mit führenden Akt euren der Finanzindustrie • Schwierig zu implementierende Sys temarchitektur • Abschottung der Daten: Daten werden nicht zwischen den an einer Transak tion teilnehmenden Knoten geteilt • Corda wurde als D LT erdacht auf der Datenkontrolle möglich ist. Setzt starke Steuerung (Governance) voraus Abbildung 4: DLT Systeme im Vergleich75 Angelehnt an (PwC 2019, S. 6) 74 Quelle: InAnlehnung an Lewis et al. 2017, S. 7. 75 Quelle: In Anlehnung an PwC 2019, S. 6. 299

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Die Finanzwirtschaft steht im Kontext der Digitalisierung und Digitalen Transformation der Ökonomie als eine der Branchen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, wo die damit verbundenen Marktveränderungen von verschiedenen Interessensgruppen erlebt werden können. Die Veränderungen in finanzwirtschaftlichen Geschäftsprozessen, nicht zuletzt durch technologie-basierte Startups (sog. FinTechs) forciert, sind nicht nur innerhalb der Branche, sondern auch beim Endkunden durch konkrete digitale Innovationen spürbar. Dieser Sammelband widmet sich einigen der im Zusammenhang der Digitalisierung und Digitalen Transformation der Finanzwirtschaft entstandenen Geschäftsmodelle und betrachtet diese vor dem Hintergrund der Frage, ob die Finanzwirtschaft sich „nur“ in ein moderneres Kleid hüllt oder ob es sich um tiefgreifende Marktstrukturveränderungen bis hin zu einer möglichen Disintermediation innerhalb der Finanzintermediationsbranche handelt.