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Jakob Viefers, Brauchen wir in Zeiten der weiter voranschreitenden Digitalisierung der Finanzwirtschaft auch eine Financial Literacy „4.0“? Eine ökonomische Analyse aus Sicht verschiedener Verbrauchertypen in:

Tim Alexander Herberger (Ed.)

Die Digitalisierung und die Digitale Transformation der Finanzwirtschaft, page 1 - 40

1. Edition 2020, ISBN print: 978-3-8288-4345-5, ISBN online: 978-3-8288-7296-7, https://doi.org/10.5771/9783828872967-1

Tectum, Baden-Baden
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Brauchen wir in Zeiten der weiter voranschreitenden Digitalisierung der Finanzwirtschaft auch eine Financial Literacy „4.0“? Eine ökonomische Analyse aus Sicht verschiedener Verbrauchertypen Jakob Viefersa* Key Words: FinTech; Digitalization; Financial Literacy Inhaltsübersicht: 1 Einleitung 2 Theoretische Grundlagen 3 Ökonomische Analyse aus Sicht der Verbrauchertypen 4 Fazit Literaturverzeichnis Appendix aResearch Student a tZ e p p elin U n iversity 'P lea se address correspon den ce to Jakob V iefers, Zep p elin U niversity, A m Seem oser H orn 20, 88045 Friedrichshafen. 1 1 Einleitung Durch den derzeitigen Koalitionsvertrag von SPD und CDU ist das Thema einer Grundrente wieder öffentlich präsent und wird vielseitig thematisiert, da eine solche Grundrente die fi nanzielle Sicherheit für Arbeitnehmer gewährleisten und Al tersarmut vorbeugen würde.1 In dieser öffentlichen Diskus sion geht es vor allem um das Thema der Gerechtigkeit und darum, ob die Grundrente als ökonomisch sinnvoll anzusehen ist.2 Es stellt sich unabhängig davon allerdings auch die Frage, ob Menschen die Angst vor der Altersarmut nicht auch durch andere Maßnahmen genommen werden kann. Finanzdienstleistungen sind Vertrauensgüter, da der Nut zen für Verbraucher erst nach einigen Jahren absehbar bzw. eintreffend ist.3 Dies wird besonders durch die immer stärkere Interdisziplinarität in Bezug auf die Digitalisierung und die Fi nanzwelt verstärkt, weshalb die Idee der Financial Literacy im Rahmen des digitalen Wandels überdacht werden sollte. Die von Oehler vorgestellte Meta-Bildung mag dem Verbraucher zwar in den ersten Zügen helfen, jedoch wird der durchschnitt liche Verbraucher am vielfältigen Informations- und Entschei dungsangebot keine effizienten Entscheidungen treffen kön nen.4 Dies liegt oft daran, dass die Financial Literacy generell unzureichend ist.5 Es scheint also, als würde der Grundstein für eine Financial Literacy 4.0 fehlen, jedoch wird im Folgen den gezeigt, dass die Kundenbetreuung und die Anwendungen durch die digitale Transformation im Finanzsektor für den Verbraucher immer individualisierter und einfacher gestaltet werden, was zu einer erhöhten Nutzerfreundlichkeit führt und somit ein geringeres Grundwissen voraussetzt. In dieser Arbeit soll evaluiert werden, ob eine Financial Li teracy 4.0, also eine Bildung in Bezug auf die immer weiter di gitalisierte Finanzwelt, nötig ist oder ob diese aufgrund der wachsenden Vernetzung hinfällig wird und es den 1 V gl. T helen 2019. 2 V gl. FAZ 2019. 3 V gl. O ehler 2012. 4 V gl. O ehler 2013. 5 V gl. Schlösser et al. 2011, 21-03, Lusardi et al. 2010, 358-380, F ischer/W agner 2016. 2 Verbrauchern genügt, auf Regularien und Gesetze zu ver trauen. Diese Fragestellung soll im Rahmen einer ökonomi schen Analyse aus Sicht verschiedener Verbrauchertypen be handelt werden. Die Arbeit ist wie folgt aufgebaut: In Kapitel 2 werden die theoretischen Grundlagen in Bezug auf Financial Literacy 4.0 erklärt. Hierbei wird im ersten Teil eine ausführliche Defini tion der Financial Literacy, die Daseinsberechtigung des Na menszusatzes »4.0“ durch einen Einblick in die Digitalisierung der Finanzwelt sowie die Ziele und der Status quo der Finan cial Literacy 4.0 vorgestellt. Im Anschluss werden die von Micklitz et al. (2010) etablierten Verbrauchertypen definiert und vom vorherrschenden Bild des mündigen Verbrauchers differenziert. In Kapitel 3 wird mithilfe des „Kanon der finan ziellen Allgemeinbildung“ von Habschick et al. (2004) eine Analyse anhand der vorher definierten Verbrauchertypen in Bezug auf die Financial Literacy 4.0 durchgeführt. In Kapitel 4 wird die Arbeit zusammenfassend dargestellt. 3 2 Theoretische Grundlagen 2.1 FinancialLiteracy4.0 2.1.1 Definition Der Begriff Literacy wird vom Oxford Dictionary (2019) als die Fähigkeit des Lesens und Schreibens einer Person definiert.6 Kirsch et al. (2001) zählten zusätzlich die Fähigkeit, gesell schaftliche Informationen zum Erreichen eines Ziels zu verar beiten, um so das eigene Wissen und die eigenen Kompetenzen zu verbessern.7 In Bezug auf Financial Literacy bedeutet dies, dass Personen erlerntes Finanzwissen und finanzspezifische Informationen nutzen können.8 Zur Financial Literacy gehö ren dementsprechend zwei aufeinander aufbauende Dimensi onen: Die Wissens-Dimension (Knowledge Dimension bzw. Financial Knowledge) sowie die Anwendungs-Dimension (Ap plication Dimension bzw. Financial Capability).9 Dieser Grundgedanke der Financial Literacy wird in Abbildung 1 dar gestellt. A b b ild u n g 1: E ig en e D arste llu n g n a ch H u sto n (20 10 ) 6 V g l. O xford D iction ary 2019. 7 V gl. K irsch et al. 2001. 8 V gl. K enning e t al. 2017, S chlösser et al. 2011, H absch ick e t al. 2004. 9 V g l. H u sto n 2 Q io , 296-316. 4 Es muss zwischen der Anwendung, dem Wissen sowie der übergeordneten Financial Literacy unterschieden werden. Fi nancial Knowledge bezieht sich lediglich auf die Grundlagen des Finanzwissens, welche in der Regel durch schulische oder häusliche Erziehung erlangt werden.10 Dass diese finanzielle Grundbildung nötig ist, zeigt die Untersuchung von Schürkmann & Schuhen (2013), welche deutliche Fehler der teilneh menden Schüler in Bezug auf Finanzbegriffe und das Nutzen eines Onlinerechners für Ratenzahlungen darlegte.11 Somit wurde der Unterschied zwischen Financial Knowledge und Fi nancial Capability verdeutlicht. Financial Literacy ist also „eine Kombination aus Bewusstsein, Wissen, Fähigkeiten, Ein stellungen und Verhaltensweisen, die notwendig sind, um so lide finanzielle Entscheidungen zu treffen und letztendlich das individuelle finanzielle Wohlergehen zu erreichen“.12 Der Zusatz „4.0“ ist ursprünglich durch den Begriff Indust rie 4.0 geprägt, welcher für die vierte industrielle Revolution steht und sich auf die Flexibilität, die Vernetzung sowie die Au tomatisierung, also auf eine technologische Revolution be zieht.^ In der Finanzbranche handelt es sich zwar nicht um eine vierte Revolution, dennoch kann aufgrund der erhöhten Vernetzung und Automatisierung der Zusatz „4.0“ als zutref fend beschrieben werden.^ Wie sich die Digitalisierung auf die Finanzwelt und Verbraucher auswirkt, soll im folgenden Ab schnitt dargestellt werden. 2.1.2 Digitalisierung der Finanzwelt Die Digitalisierung in der Finanzwelt beschreibt die Verände rung der Regularien, der Vernetzung sowie der Struktur auf grund der andauernden Fortschritte im IT-Bereich.^ Es kommt vor allem zu starken Veränderungen in Bezug auf Kun denbeziehungen, Vertriebs- und Kommunikationskanäle so wie Kundensegmentierung.16 10 V gl. W illis 2018. 11 V gl. S chürkm ann/Schuhen 2013, 73-89. 12 O ECD 2011, 3. !3 V gl. B arthelm äs et al., 2017, 33-56. 14 V gl. Brühl 2018, 3-12. ls V gl. Kahin 2016, Sharokhi 2008, 365-398. 16 V gl. Schm idt/D rew s 2016, 967-978. 5 Die Kundenbeziehungen verändern sich dadurch, dass ver mehrt personalisierte Angebote nachgefragt werden, welche mithilfe von Big-Data Ansätzen auch von verschiedenen Insti tutionen angeboten werden. Das Kundenerlebnis steht hierbei im Vordergrund. Das bedeutet konkret, dass Kunden die be stehenden Services hinterfragen und somit eine Veränderung der (Kosten-)Erwartungen durchlaufen wird.17 Dies kann je doch auch als Chance gesehen werden, da durch die personali sierten Angebote die Kundentreue erhöht und somit die ge samte Struktur der Kundenbeziehungen nachhaltig verstärkt werden kann.18 Zudem sollten Kunden besser digital involviert und bedient werden sowie durch eine funktionale, personali sierte App an das Unternehmen gebunden werden. Die Ren dite, welche für Finanzinstitute aufgrund der niedrigen Zinsen verloren geht, kann so durch entgeltliche Dienstleistungen auf gefangen werden.^ Die Kanäle wandern von der analogen in die digitale Welt. Dadurch ist eine erhöhte Vernetzung von stationären sowie mobilen Technologien möglich, was zu einer intensivierten Kommunikation zwischen Kunden und Unternehmen führt.20 Große Teile des Privatkundengeschäfts sind heutzutage bereits digital, wodurch Kosteneinsparungen im Filialbetrieb erzielt werden konnten.2122 Als Verknüpfung der digitalen Wandlun gen sowie der erhöhten Kommunikation werden heutzutage vermehrt digitale Assistenzsysteme eingesetzt, wodurch der Weg für ein Direktbankensystem geebnet wird.23 Innerhalb dieser Kommunikation gilt zu beachten, dass vor allem jün gere, gut verdienende Kunden (sog. Young Professionals) als hybride Kunden angesehen werden sollten. Diese wollen so wohl analoge als auch digitale Zugangswege nutzen, wobei Be ratungen in der Regel analog und der Vertragsabschluss oder 17 V gl. F orest/R ose 2015. 18 V gl. B ain /C om p any 2014. « V g l. A ccenture 2016. 20 V gl. C arl/E n zw eiler 2014. 21 V gl. B axter/V ater 2014, S chw artz et al. 2017, 181. 22 Seit 2000 w u rden in sgesam t rund 10200 Filialen geschlossen; T en den z steigen d (Schw artz et al., 2017). 23 V gl. B axter/V ater 2014, C arl/E n zw eiler 2014. 6 der Erwerb von Finanzdienstleistungen bzw. -produkten digi tal abgeschlossen wird. 24 Dass Young Professionals als solche, nämlich vor allem als interessante und rentable Kunden wahrgenommen werden, wird durch eine bedeutungsvollere Kundensegmentierung er reicht, welche aufgrund der Digitalisierung im Fokus der Fi nanzindustrie stehen sollte.25 Diese Segmentierung soll eben falls die langfristige Bindung der Kunden ans Unternehmen erhöhen und zusätzlich grundlegende Kundenwünsche durch individualisierte Angebote erfüllen.26 Zusätzlich werden durch die Digitalisierung weitere Di mensionen der Servicequalität olfengelegt und somit für Un ternehmen nutzbar gemacht, was auch zu erhöhten Service leistungen gegenüber den Kunden und somit einer positiven Kundenbindung führt. So kann sich der Kunde bereits selbst umfassend über Finanzprodukte und -dienstleistungen im In ternet informieren. Dennoch benötigen viele Kunden vor allem personalisierte Detailinformationen in verschiedenen Berei chen.2? Wie bereits erwähnt, steht vor allem das Kundenerleb nis in Bezug auf Vertrauen und Service im Vordergrund der di gitalisierten Finanzwelt. Dies soll vor allem durch sog. Algo- Banking, Mobile Payment, BigData-Ansätze sowie technische Veränderungen der Systeme erzielt werden.28 Das Algo-Banking ist maßgebend für die Entwicklung von Markt zu kunden spezifischen Informationen, während Mobile Payment eine vor allem bequeme und sichere Zahlungsmöglichkeit für den Endverbraucher darstellt.2?1 Diese beiden Instrumente können erhebliche Datenmengen erfassen, welche durch fundierte Analysen zu höchst-personalisierten Daten führen und somit eine verstärkte Kundenbindung, aufgrund der angepassten Produkte sowie Lösungen, zur Folge haben können. Auf die sem Weg zur einheitlichen Digitalisierungs- und Personalisierungs-Strategie der Finanzinstitute müssen Unternehmen vor 24 V gl. N aujoks et al. 2014, R eiter et al. 2014, 61-84. 25 V gl. B ain /C om p any 2014. 26 V gl. Jahn /P feiffer 2014, 79-93. 27 V gl. R eiter e t al. 2014, 61-84. 28 V gl. D app et al. 2014. 29 V gl. O ehler 2017a, 69-80. 7 allem hohen Wert auf glaubhafte IT-Sicherheit und Diskretion legen.s0 Die Sicherheit der Endnutzer sowie die Sicherheit der Da ten spielt in allen digitalisierten Bereichen eine große Rolle. Es muss für den Kunden deutlich gemacht werden, welche Rechte dieser hat sowie welche Regeln und Datenschutzrichtlinien vorhanden sind.31 Diese erhöhte Bedeutung von Datenschutz und Sicherheit haben zur Folge, dass eine hinreichende Trans parenz der genutzten Daten sowie eine Auskunftmöglichkeit für Konsumenten bestehen muss, um einer erhöhten Überwa chung wie sie u.A. in China zu beobachten ist, zu entgehen.32 Ein großer Vorteil der Digitalisierung hingegen ist die Einspa rung in Bezug auf die Transaktionskosten. So werden nicht nur die Zeit, Reichweite sowie die Speicherbarkeit von Datentrans fers revolutioniert. Die Menge der verfügbaren Informationen nimmt erheblich zu, was zu Vorteilen in der gesamten Daten verarbeitung sowie Umbrüchen der Schutzmechanismen für Konsumenten führt.33 Diese benötigen nicht mehr lediglich analoge, sondern ebenfalls, parallel dazu laufende, digitale Ab sicherungen und Schutzmaßnahmen.^ 2.1.3 Ziele Financial Literacy wurde von Willis (2018) in vier Konstrukte zusammengefasst. Das erste ist die Fähigkeit dazu, mit Geld umgehen zu können, und entspricht der traditionellen Sicht der Financial Literacy. Diese Fähigkeit kann laut Willis (2018) nicht gelehrt werden, sondern bedarf den Erfahrungswerten der jeweiligen Person.^ Als zweites Konstrukt sieht er die Fi nanzbildung als Sozialisation, da Financial Literacy nicht nur von der Bildung sondern auch vom Selbstvertrauen, -beherr schung sowie vom Vertrauen in Andere der jeweiligen Ver braucher abhängig ist. Es ist also kein technisches, sondern ein kulturell definiertes Konstrukt. Als drittes wird die Financial Literacy ohne finanzielle Ressourcen abgebildet. So bringt 3° V gl. D app et al. 2014. 31 V gl. Pw C 2018. 32 V gl. O ehler 2017a, 69-80, M üller/W elpe 2017, 261-277, Fing 2 0 0 1,1 . 33 V gl. O ehler 2017a, 69-80. 34 V gl. M üller/W elpe 2017, 261-277. 35 V gl. W illis 2018. 8 einer nicht-vermögenden Person eine Financial Literacy nichts, da ohne Vermögen bzw. ohne Geld kein nennenswertes Vermögen aufgebaut werden kann und somit eine Verringe rung der Vermögensungleichheit alleinig durch Financial Lite racy nicht möglich ist. Als viertes und letztes Konstrukt wird die Finanzbildung als Allheilmittel dargestellt, was bereits durch das dritte Konstrukt verneint werden konnte. In der Li teratur hingegen wird Financial Literacy dennoch als Lösung für finanzielle Probleme dargestellt: Financial Literacy soll so wohl in armen als auch reichen Ländern die geringen Erspar nisse und Schuldendefizite verbessern und ausgleichen. Eben falls kann fehlende Financial Literacy laut Willis (2018) nicht als Grund für Finanzkrisen gesehen werden, da Mitarbeiter der großen Finanzinstitutionen, die für die Krise 2008/2009 ver antwortlich waren, in der Regel gute bis sehr gute Abschlüsse von renommierten Universitäten haben und somit das Gegen teil von Financial Illiteracy darstellend6 Es seien hingegen die menschliche Gier, fehlende Geldpolitik sowie unzureichende Regulierungen als Gründe für eine solche Krise festzumachen. Da in dieser Arbeit jedoch eine ökonomische Analyse aus Sicht verschiedener Verbrauchertypen dargestellt werden soll, benötigt es nachvollziehbare, in der Praxis anwendbare Ziele der Financial Literacy, welche durch Schlösser et al. (2011) zu sammengefasst wurden. Sie stellten vier Kernbereiche der Fi nancial Literacy vor, welche allerdings nicht vollständig diffe renzierbar sind. So ist der erste Kernbereich die Möglichkeit zur Vermögensbildung. Das bedeutet, Konsum in der Gegen wart zu reduzieren und dadurch in der Zukunft einen erhöhten Konsum wahrnehmen zu können. Vermögen dient nicht nur der zukünftigen Absicherung, sondern auch dem Generieren von potentiellen Einkommensquellen, z.B. durch Zinsen, Mieteinnahmen oder Dividenden, wobei hier erneut das Rendite-Risiko-Verhältnis beachtet werden sollte. Ebenfalls eine zeitliche Entkopplung von Konsum und Einkommen bildet der zweite Kernbereich der Financial Literacy, nämlich mit Ver schuldung umzugehen. Es geht also darum, zukünftigen Kon sum aufgrund des heutigen zu verringern. Hierbei wird vor al lem von jungen Menschen das Risiko der Verschuldung unter schätzt, da oftmals keine Abwägung der Vor- und Nachteile im 36 V gl. W illis 2018. 9 Vergleich zum Barkauf in Betracht gezogen w e rd e n .3 7 Zur Mi nimierung von Einzel- und Familienrisiken muss der dritte Kernbereich, nämlich das Versichern, angewandt werden kön nen. So sollte ein Individuum in der Lage sein, seine täglichen Risiken zu beschreiben und sich damit auseinderzusetzen. Dies dient der Abwägung, in welchem Maße Versicherungen abgeschlossen werden sollten und ob eine Unter- oder auch Überversicherung besteht. Der vierte Kernbereich ist der täg liche Umgang mit Geld. Dazu dient die Erstellung eines Haus haltsbuchs, die Gegenüberstellung von Einnahmen und Aus gaben sowie die Verwaltung und permanente Kontrolle des Gi rokontos. Eine leicht differenzierte Ansicht wurde von Habschick et al. (2004) vorgestellt. Sie bezogen sich nicht auflediglich vier, sondern fünf Kompetenzen, die miteinander im Einklang ste hen, und stellen im ”Kanon der finanziellen Allgemeinbildung“ einen Leitfaden für Verbraucher vor.38 Anhand dieses Leitfa dens kann sich jede Person darüber bewusstwerden, ob sie im Sinne der Financial Literacy handelt und falls nein, wo Verbes serungen nötig sind. Dieser Leitfaden wird später in der öko nomischen Analyse verwendet. Die fünf Kompetenzen bezie hen sich auf das Verständnis von Geld, Geld-Management, Umgang mit Lebensrisiken, Vermögensaufbau und Altersvor sorge sowie das Leihen von Geld. Beim Verständnis von Geld geht es darum, sich seine eigene finanzielle Situation sowie die ökonomischen und gesamtwirtschaftlichen Grundmechanis men vor Augen zu halten und diese zu verstehen. Ebenfalls ist wichtig, die persönlichen Vorteile von Finanzdienstleistungen zu erfassen und auch anzuwenden. Beim Geld-Management handelt es sich vor allem um das Gleichgewicht der Einnah men und Ausgaben sowie um ein Bewusstsein der alltäglichen Geldgeschäfte in Bezug auf deren Kosten und Zeitaufwand. Darunter fällt die Evaluierung der nötigen Zahlungsmittel ebenso wie die wirklich nötigen Bankverbindungen und Kre ditkarten. Der Umgang mit Lebensrisiken verlangt eine Über sicht der notwendigen sowie nicht notwendigen Versicherun gen, in dieser Arbeit vor allem in Bezug auf die digitale Welt. Bei Vermögensaufbau und Altersvorsorge kommen zusätzlich 37 V gl. S chlösser et al. 2011, 21-03. 38 V gl. H abschick et al. 2004. 10 zum bereits angesprochenen Vermögensaufbau vor allem auch die nötige und richtige Altersvorsoge für Individuen. Diese gilt als Grundlage für zukünftige finanzielle Gesundheit und kann aufgrund von mangelnden Informationen oder fehlerhafter Beratung zu starken finanziellen Einschränkungen im Alter führen (Oehler, 20i7b).39 Hierbei kann auf eine qualitative Be ratung gesetzt werden, dennoch wird eine zunehmende Exper tise der Verbraucher benötigt, um zum einen eine solche qua litative Beratung von einer nicht-qualitativen Beratung zu un terscheiden und zum anderen bei zunehmenden Informations und Entscheidungssituationen die richtigen Entscheidungen zu treffen.40 Dazu muss der Verbraucher in der fünften Kom petenz (Geld leihen) fähig sein, seinen eigenen zukünftigen fi nanziellen Rahmen abzustecken und somit aufkommenden Problemen, zum Beispiel durch Versicherungen, entgegenzu wirken.41 Durch den steigenden Grad der Digitalisierung in der Fi nanzbranche steigt ebenfalls der Bedarf nach einer individuel len Finanzplanung für Verbraucher. Diese Finanzplanung wird in der Regel durch eine beratende Instanz durchgeführt, je doch zeigt sich immer mehr, dass Finanzberater oft nicht in der Lage sind, die richtigen Entscheidungen für ihre Kunden zu treffen. Der Kunde sollte sich also selbst die Möglichkeit of fenhalten, zu entscheiden, wo und durch wen er sich Hilfe bei der Finanzplanung beschaffen.42 Es sollte also ein Ziel der Fi nancial Literacy sein, Verbrauchern diese Möglichkeit nahezu bringen, da eine vollumfängliche Finanzausbildung, vor allem in Entwicklungsländern, noch nicht realisierbar erscheint.43 2.1.4 Status quo Zur Darstellung des potenziellen Bedürfnisses nach Financial Literacy, soll nun der Status quo anhand verschiedenerArbei ten und Tests zum Thema Financial Literacy abgebildet wer den. Hierbei gilt wieder zu beachten, dass manche Tests ledig lich das Wissen oder die Fähigkeit der jeweiligen Testpersonen 39 V gl. O ehler 2017b, 191-210. 4° V gl. O E C D 2009. 41 V gl. H abschick et al. 2004. 42 V gl. O ehler/W ilhelm -O eh ler 2011, 32-58. 43 V gl. K efela 2010, 205-212. 11 prüfen. Da laut Definition der Financial Literacy sowohl das Wissen als auch die Umsetzung relevant sind, werden beide Themenbereiche vorgestellt. Lusardi & Mitchell (2007a,b) zeigten, dass ein Defizit bei der Altersvorsorge von Babyboomern zu beobachten und die ses Defizit auf fehlende Financial Literacy zurückzuführen ist.44 45 Die Hauptprobleme waren die generell fehlende Ver trautheit von Familien mit den grundlegenden ökonomischen Konzepten, fehlende Informationen zum Spar- und Anlagever halten sowie zur Altersvorsorge. Es konnte zudem erkannt werden, dass verstärkt männliche Personen bzw. Jugendliche aus Haushalten mit geregeltem Einkommen und ohne Geld probleme eine verbesserte Financial Literacy aufwiesen als an dere.46 Für Deutschland wurde dies ausführlich in einer Studie von Fischer & Wagner (2016) bewiesen.47 Hierbei handelt es sich primär um das fehlende Verständnis der Rendite-Risiko- Abhängigkeit, was auf fehlendes Basiswissen zurückzuführen ist. Anhand einer Studie bezüglich Financial Literacy und der Vorhersage von Kapitalmärkten konnten Van Rooij et al. (2011) zeigen, dass oft Grundkenntnisse des Finanzwissens und der Konzepte vorhanden seien, fachspezifische Begriffe sowie das Kapitalmarktverhalten für viele nicht greifbar wa ren.48 Dies führt zu einer Verringerung der Anlagen in Kapital märkten, die laut Oehler et al. (2019) für viele Leute zugänglich sein sollten, um finanziell fundierte Entscheidungen treffen zu können. Ebenfalls konnten die Autoren herausfinden, dass junge BWL-Studenten eine gute bis sehr gute Financial Lite racy aufweisen und zukünftige Tests verstärkt auf die Anwen dung des Grundwissens eingehen sollten.49 Generell kann ge sagt werden, dass besser ausgebildete Personen höhere Rendi ten bei der Kapitalanlage erzielen als andere, unabhängig von der spezifischen finanziellen Bildung.50 44 V gl. Lusardi/M itchell 2007a, 205-224. 45 V gl. Lusardi/M itchell 2007b, 35-44. 46 Vgl. S chlösser et al. 2011, 21-03, Lusardi et al. 2010, 358-380. 47 V gl. F ischer/W agner 2016. 48 V gl. V an R ooji 2011, 449-472. 49 Vgl. O ehler et al. 2019, 37-42. 5° Vgl. B ianchi 2018, 831-859. 12 In Bezug auf die Financial Literacy 4.0, also auf den Um gang mit der digitalisierten Finanzwelt, konnten bereits ver einzelte Ergebnisse aus Mittel- und Fernost gesammelt wer den. So wurde ein generell erhöhtes Bewusstsein in Bezug auf digitale Finanzservices.51 Zudem konnte eine erhöhte Integra tion von Individuen in den Finanzsektor beobachtet werden, da eine erhöhte Kommunikation und der vereinfachte Zugang zu mobilen Endgeräten nachgewiesen werden.52 Abschließend kann gesagt werden, dass eine verstärkte Selbstständigkeit von Endnutzern zu einer erhöhten Nutzung der digitalen Finanz dienstleistungen und -angeboten führt und diese in Zukunft durch den Staat und durch Finanzinstitute weiterhin vermit telt werden.53 Ein Problem bei der Messung von Financial Literacy stellt die fehlende Standardisierung dar. So waren alle Tests auf ver schiedene Schwerpunkte ausgelegt und sind somit schwer ver gleichbar. Zudem wurden oft keine Kontrollgruppen gebildet sowie Tests mit einer fehlenden bzw. unklaren Definition von Financial Literacy durchgeführt.54 Aus diesem Grund führte die OECD (2011) einen standardisierten Fragebogen ein, der für zukünftige Tests verwendet werden sollte. Zielsetzung war, dass so Referenzen in verschiedenen Ländern gebildet werden und verschiedene Länder miteinander verglichen werden kön nen. Den Fragebogen stellten sie aus 18 bereits bestehenden Fragebögen nach einem ausführlichen Prüfverfahren zusam men.55 Die erste, flächendeckende und ausführliche Auswer tung dieses Fragebogens führten Atkinson & Messy (2012) durch. In diesem Test wurde sowohl das finanzielle Wissen, dessen Anwendung als auch das Finanzverhalten, somit also die gesamte Financial Literacy, getestet. Es wurde herausge funden, dass vor allem in Sachen Diversifikation erhebliche Defizite in nahezu allen Ländern und Altersklassen zu be obachten waren. Ebenfalls wurde gezeigt, dass in jedem Land 51 V gl. R ai/Sharm a 2019. s2 V gl. Shen et al. 2018. 53 V gl. G abor/B rooks 2017, 423-436, Servon/K aestn er 2008, 271-305. 54 V gl. H uston 2010, 296-316. 55 V gl. O ECD 2011. 13 erhebliche Verbesserungen in Bezug auf das finanzielle Grund wissen nötig sind.56 2.2 Verbrauchertypen Der mündige Verbraucher wird zwar in vielen Rechtsprechun gen berücksichtigt, ist heutzutage aber kaum noch als reprä sentativer Verbraucher zu rechtfertigend Er weist verstärkte Parallelen zum Homo oeconomicus auf, was für Modellbildun gen oder Grundsatzüberlegungen in akademischen Bereichen zwar Zuspruch findet, in der Realität und für Verbraucher in der digitalen Welt jedoch nicht anwendbar ist. Dies liegt vor allem daran, dass sich Verbraucher nicht ausschließlich auf ih ren monetären, sondern auch auf den gesellschaftlichen Nut zen fokussieren.58 Mündigkeit, die dem durchschnittlichen Verbraucher zu geschrieben wird, bezieht sich darauf, dass sich dieser, genü gend Informationen beschaffen und somit nutzenmaximie rend und vor allem selbstverantwortlich entscheiden kann.59 Die Frage bleibt, ob sich ein einzelner Verbraucher so ein omnipräsentes Wissen aneignen und vor allem nutzen kann. Ver braucher funktionieren deutlich weniger perfekt als im ne oklassischen Modell angenommen wird. So besitzen diese In formationsasymmetrien und Unsicherheiten, weshalb eine Vereinfachung von Vertragsabschlüssen sowie eine Verringe rung der Informationsdefizite durch Regularien erstrebens wert ist.60 Zusätzlich wird die Entscheidungsfindung einzelner Individuen stark von der Menge vorhandener Informationen und Entscheidungsmöglichkeiten sowie von Fairness-Aspek ten beeinflusst.61 Solche Beeinflussungen erscheinen im ne oklassischen Modell als irrational oder anormal, besitzen in der realen Welt hingegen eine erhebliche Bedeutung, weshalb vor allem die Bereiche der Institutionenökonomie, Behavioral 56 V gl. A tk in so n /M essy 2012. 57 V gl. O ehler 2013. s8 V gl. Brandl 2012. 59 V gl. O ehler 2013. 60 V gl. O ehler 2013. 61 V gl. O ehler et al. 2019, 37-42, O ehler 2017a, 69-80, Brandl 2012. So w ird im U ltim atum G am e zum B eispiel Fairness u n d U n fairn ess b elo h n t res pektive bestra ft (G üth et al., 1982; T haler, 1988). 14 Economics & Finance sowie Neuro Economics in der Untersu chung und Darstellung der folgenden Verbrauchertypen von Micklitz et al. (2010) berücksichtigt wurden.62 Vertrauende Verbraucher Der vertrauende Verbraucher kann als Mehrheit der tatsächli chen Verbraucher gesehen werden. Dieser Verbraucher nimmt sich nur wenig Zeit für die Entscheidungsfindung. Eine Ver besserung der Kompetenzen wäre selbst durch eine verstärkte Ausbildung nur bedingt erreichbar. Finanzbildung würde nur langsam Wirkung zeigen, weshalb der vertrauende Verbrau cher auf unabhängige und renommierte Institutionen ange wiesen ist. Er benötigt einen vertrauenswürdigen Mindest schutz, da sein Schicksal nicht von seiner Finanz- und Ver braucherkompetenz abhängig sein darf. Ihm ist ein mittlerer Schutzbedarf zuzuschreiben. 63 Verletzliche Verbraucher Der verletzliche Verbraucher befindet sich an der Peripherie der Verbraucherpolitik und hat Schwierigkeiten die Heraus forderungen des Alltags sowie der Lebensökonomie zu bewäl tigen. Zusätzlich fehlen Kompetenzen in Bezug auf Überschul dung, Krankheit oder Versorgungsarmut sowie die Fähigkeit mit diesen Problemen umzugehen. Für diese Verbraucher gruppe ist die derzeitige sozialpolitische Dimension nur wenig hilfreich, da kaum mit verbesserten Informationen und erhöh ter Markttransparenz umgegangen werden kann. Es ist eine gezielte Förderung und Beratung nötig, um diese Art der Ver braucher an der Gesellschaft teilhaben zu lassen. Es ist ein ho her Schutzbedarf notwendig.64 Verantwortungsvolle Verbraucher Den verantwortungsvollen Verbraucher stellt eine kleine, aber wachsende Gruppe von Konsumenten dar. Sein verantwor tungsbewusstes Konsumhandeln begrenzt seine individuelle Konsumfreiheit und er fühlt sich verpflichtet, selbst mit be grenzten Kapazitäten, relevante Informationen einzuholen 62 V gl. M icklitz et al. 2010, O ehler 2013. 63 V gl. Pagel 2017. 64 V gl. Pagel 2017. 15 und diese zu teilen. Der verantwortungsvolle Verbraucher sehnt sich nach vermehrten und präziseren Informationen für eigene Entscheidungen und betrachtet auch ressourcenscho nende sowie faire und soziale Bedingungen in der wirtschaftli chen Welt. Für diesen Verbraucher ist der geringste Schutzbe darf festzustellen.65 Abschließend ist zu erwähnen, dass sich die Verbraucher typen nicht auf einzelne Personen oder Personengruppen, son dern vielmehr auf Personen in einzelnen Situationen oder Ent scheidungen beziehen. Eine einzelne Person kann also alle drei Verbrauchertypen in verschiedenen Situationen abbilden. Des Weiteren ist in digitale bzw. nicht-digitale Verbraucher zu un terscheiden, da nicht jeder die Möglichkeit hat, sowohl in Be zug auf die Hardware als auch in der persönlichen Anpassung, mit der Digitalisierung und der damit verbundenen erhöhten Vernetzung mitzuhalten. Zudem sollten diese Verbraucherleit bilder nicht als Stigmatisierung verschiedener Gruppen, son dern vielmehr als Hilfe zur Entscheidungsfindung in verschie denen Situationen genutzt werden.66 65 V gl. Pagel 2017. 66 Vgl. O ehler/R eisch 2016. 16 3 Ökonomische Analyse aus Sicht der Verbrauchertypen 3.1 Methode Im Folgenden sollen das finanzielle Grundwissen sowie die Anwendung der verschiedenen Verbrauchertypen mithilfe von Use-Cases dargestellt werden. Zusätzlich soll evaluiert werden, in welchem Rahmen das Bedürfnis nach Financial Literacy durch die Digitalisierung verändert wird. Als Grundlage dieser Untersuchung dienen die vorgestellten Verbrauchertypen von Micklitz et al. (2010) sowie der Leitfaden von Habschick et al. (2004). Für jeden Verbrauchertyp wird eine kurze Personifi kation vorgestellt, um das Verständnis für die folgende Analyse zu erleichtern. Es gilt zu beachten, dass diese Analogien nur dazu dienen, ein Bild für den Leser und somit verständliche Verbrauchertypen darzustellen. Die von Micklitz et al. (2010) entwickelten Verbraucherleitbilder beziehen sich weiterhin auf einzelne Situationen, es wird also nur eine vereinfachte Darstellung dieser Gruppen in Bezug auf Finanzentscheidun gen dargestellt. Diese Untersuchung wird zudem verstärkt auf die digitale Finanzwelt bezogen. In Bezug auf den Finanzsektor besteht eine besondere Pflicht des Bundesministeriums der Justiz und des Bundesmi nisteriums für Verbraucherschutz. Diese muss aktiv bei Ver stößen gegen kollektive Verbraucherrechte vorgehen und er lässt Regularien, um Informationsasymmetrien zu verringern und somit einen verbesserten Wettbewerb sowie Chancen gleichheit zu gewährleisten. Problematisch ist, dass es im Fi nanzbereich keine validen Möglichkeiten gibt, die Risiken von Finanzprodukten ex-ante zu erkennen, was die Regulierung in Bezug auf Rendite-Risiko-Erwartungen erheblich erschwert. Zudem sind diese Finanzprodukte oft zu komplex, als dass ein Verständnis der jeweiligen Verbrauchergruppen zu erwarten ist.6? Abhilfe können durch Informations- und Vergleichspor tale geschafft werden, wobei nicht für alle Verbraucher klar ist, wie sich diese finanzieren, nämlich häufig durch Provisio nen.68 67 V gl. G rugel 2017, 51-66, O ehler 2017c, 279-293. 68 V gl. G rugel 2017, 51-66, M icklitz et al. 2010, O ehler 2016. 17 3.2 Vertrauende Verbraucher Der vertrauende Verbraucher ist ein durchschnittlich intelli genter, internetaffiner Endnutzer, der keinerlei datenschutz rechtliche Grundkenntnisse hat. Er weiß sich zeitsparend zu helfen und ist in seiner Entscheidungsfindung vor allem auf eine schnelle Entscheidung fokussiert. Da er die Mehrheit der Bevölkerung repräsentiert (Micklitz et al., 2010), ist er in den meisten Kategorien (Einkommen, Familienstatus etc.) als Durchschnittsbürger einzuordnen.6?1 Er ist zwar in der Lage, aber oft nicht gewillt und zeitlich zu eingeschränkt sich seiner finanziellen Situation bewusst zu werden. Es benötigt eine gewisse Zeit, seine eigene finanzielle Lebenslage zu verstehen und dafür alle Daten zu sammeln. Diese sollten ihm auf einen Blick dargelegt werden, was im Zuge der Digitalisierung und mit der Einführung von PSD 2 heutzutage möglich ist.?0 Fraglich bleibt, ob er die ökonomi schen Grundmechanismen versteht, welche für ihn zutreffend sind. Für dieses Verständnis benötigt er eine finanzielle Grundausbildung, damit er auf der einen Seite weiß, welche Grundmechanismen es gibt, und auf der anderen Seite, wofür diese zutreffend sind. Das gleiche gilt für die gesamtwirtschaft lichen Rahmenbedingungen, die dieser Verbraucher zwar ver stehen kann, er aber abgeneigt ist, diese wirklich zu erlernen und auch umzusetzen. Den Vorteil von Finanzdienstleistungen kann er aufgrund der vereinfachten Kommunikationsmöglich keiten sowie aufgrund der vereinfachten Informationsbeschaf fung erlernen, ihm fehlt jedoch in der Regel das Verständnis, gute von schlechten Informationen zu trennen. Sofern er die Funktion des Geldes verstanden hat, sollte er auch in der Lage sein, dieses zu verwalten. Dazu muss er ein Gleichgewicht für seine Einnahmen und Ausgaben finden, was ihm aufgrund der heutzutage leichten Übersicht in mobilen Apps möglich ist.?1 Durch solche individualisierten Apps ist es ihm ebenfalls möglich, vereinfacht und zeiteffizient seine täg lichen Geldgeschäfte zu kontrollieren.?2 Um herauszufinden, 69 Vgl. G rugel 2017, 51-66, M icklitz et al. 2010, O ehler 2016. 7° V gl. D eutsche B un desb an k 2018a, Sm olinski et al. 2017. 71 V gl. T en n ert 2017, 67-87. 72 V gl. W itt/M um m 2017, 795-807. 18 welche Konten bzw. Zahlungsmittel er benötigt, muss er zu nächst nach seinen Präferenzen handeln (was irrational er scheinen kann) und zusätzlich Informationen über das Ange bot sowie die damit verbundenen Kosten sammeln. Diese Ent scheidungen trifft der vertrauende Verbraucher in der Regel nicht komplett durchdacht, was unnötige Kosten für den Ver braucher zur Folge hat. 73 Den Umgang mit Lebensrisiken kann der vertrauende Ver braucher zwar einschätzen, ihm fehlt hier allerdings erneut der Wille, vollständige und valide Informationen zu sammeln, um mit diesen eine fundierte Entscheidung zu treffen. Er schließt zwar in der Regel Versicherungen ab, tendiert aber aufgrund des Vertrauens in Vergleichsportale sowie Berater zu einer Überversicherung.74 Ebenfalls versteht dieser nicht komplett die Funktion seiner Versicherungen und somit auch nicht die damit verbundenen Vor- und Nachteile. Er würde also ein ver einfachtes Angebot und vor allem eine vereinfachte Beschrei bung des Angebots benötigen. Durch FinTechs ist es ihm heut zutage möglich, individuelle Versicherungen abzuschließen.75 Beim Thema Vermögensaufbau und Altersvorsorge ist dem vertrauenden Verbraucher häufig nicht bewusst, wie diese ak tuell abgedeckt werden bzw. inwiefern er sich bereits eine sol che Vorsorge aufgebaut hat. Dies liegt vor allem an den immer komplexeren Angeboten und der vermehrt benötigten eigen ständigen Entscheidung in Bezug auf die AltersvorsorgeJ6 Ihm ist also nicht bewusst, ob und wie er diesen Vermögensaufbau intensivieren kann und ob er sich darüber überhaupt küm mern muss. Dies könnte ihm anhand einer App (z.B. Clark) vereinfacht dargestellt w e r d e n .77 Er besitzt zwar das grundle gende Wissen und ist sich seiner Pflicht bewusst, in die Ren tenkasse einzuzahlen, aber es fehlt ihm am weiteren Verständ nis zu entscheiden, ob eine spezielle Altersvorsorge für ihn not wendig ist. Zudem hat er aufgrund des großen Angebots keine effiziente Entscheidungsfindung, in welche Anlagegüter er in vestieren soll. Durch die Digitalisierung vermehrt sich hier das 73 V gl. H agen 2013. 74 V gl. W an dt 2 0 17 ,11 , 246. 75 V gl. R evolut 2019, O sw ald et al. 20 18 ,11-3 4 . 76 V gl. H abschick et al. 2004. 77 V gl. T en n ert 2017, 67-87. 19 Angebot, wodurch der vertrauende Verbraucher nur noch un sicherer wird. Da ihm in Bezug auf den Vermögensaufbau die Entschei dungskraft fehlt, tut er sich ebenfalls mit dem Leihen von Geld schwer. Er ist sich unsicher, wie viel Geld er leihen kann und ob dies überhaupt sinnvoll ist. Aufgrund seiner geringen Er sparnisse hat er zwar nicht die Möglichkeit eines Barkaufs, aber die wachsende Anzahl an Finanzierungsangeboten bzw. die Anzahl der potentiellen Kreditgeber und die verschiedenen Bezeichnungen der Zinsen und somit der Kosten eines solchen Kredites sind für ihn schwer zu verstehen. Er fühlt sich nicht in der Lage einen Onlinerechner für Kreditvergaben zu benut zen, da viele Grundbegriffe unbekannt sind.78 Diese kann er mithilfe des Internets ohne großen Aufwand suchen womit der Kreditabschluss für ihn erleichtert wird. Zusätzlich kann er In formations- und Vergleichsportale benutzen, um somit den günstigsten Kredit zu finden. Unklar bleibt, welche versteckten Kosten für ihn anfallen und wo der Unterschied in der Gesetz gebung derjeweiligen Länder liegt.79 Es wird festgehalten, dass es dem vertrauenden Verbrau cher möglich ist, sein Geld zu verstehen und zu managen. Die ser Prozess wird durch die Digitalisierung vereinfacht, wobei es in diesem Bereich einer besonderen Ausbildung bedarf, da er Schwierigkeiten damit hat, die großen Datenmengen an In formationen und Entscheidungsmöglichkeiten vernünftig zu evaluieren und umzusetzen. So spart er zwar Zeit in der Infor mationsbeschaffung, benötigt diese gewonnene Zeit allerdings um die Informationen zu verarbeiten. In Bezug auf seine Le bensrisiken benötigt er eine vereinfachte Darstellung, welche durch Apps zwar möglich ist, aber weiterhin weiterführende Informationen beachtet werden müssen, um diese zu verste hen. Seinen Vermögensaufbau und das damit verbundene Lei hen von Geld kann er vereinfacht wahrnehmen. Er besitzt ge wisse Grundkenntnisse und Fachbegriffe kann er sich zeitspa rend aneignen, um so Onlineportale sowie -tools zu nutzen. Sein Problem bei der Nutzung des Internets ist das unbewusste Zahlen mit Daten. So wird der Verbraucher bei der Nutzung zwar auf Cookies und Datennutzung hingewiesen, dennoch ist 78 V gl. Sch ürkm an n /Schuhen 2013, 73-89. 79 V gl. O ehler 2017c, 279-293; O ehler 2016. 20 er bereit in verschiedenen Vergleichsportalen seine Daten preiszugeben, um „kostenlose“ Angebote zu erhalten. 3.3 Verletzliche Verbraucher Der verletzliche Verbraucher ist unterdurchschnittlich intelli gent und armutsgefährdet. Er ist ebenfalls in einem nicht wohlhabenden Haushalt aufgewachsen und benötigt Financial Literacy in der Regel zur Absicherung und um seine monatli chen Ausgaben zu kontrollieren. Es fällt ihm aufgrund seines Alters schwer, am Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein und besitzt zudem eine schlechte Altersabsicherung.80 Er ist skeptisch ge genüber FinTechs und deren Innovationen, da er häufig schlechte Entscheidungen in Bezug mit solchen gemacht hat.81 Dieser Verbraucher hat seine finanzielle Situation in der Regel verstanden und ist sich bewusst, dass er sparsam leben muss. Dennoch ist er nicht in der Lage, ökonomische und ge samtwirtschaftliche Rahmenbedingungen zu verstehen und deren Einflüsse auf seine Finanzen zu erkennen. Zudem hat er keinen Nutzen von Finanzdienstleistungen, da er aufgrund sei ner geringen Sparquote keinen Nutzen aus diesen erwirtschaf ten kann. Zudem hat er keine Möglichkeiten und kein Inte resse sich finanzielles Wissen anzueignen. Beim Geld-Management muss der verletzliche Verbrau cher täglich auf seine Einnahmen und Ausgaben achten. Er bringt sonst wenig Zeit auf, um diese zu organisieren, be schränkt sich also, wenn überhaupt, auf eine Gegenüberstel lung der Einnahmen und Ausgaben. Er besitzt in der Regel nur eine Bankverbindung und zahlt häufig Bar oder mit EC-Karte, da ihm das Vertrauen in die digitalen Produkte und Banken aufgrund historischer Fehlentscheidungen fehlt.82 Er benutzt lediglich Online-Banking, um seinen Kontostand zu prüfen und um kleinere Überweisungen zu tätigen.^ In Bezug auf seine Lebensrisiken fehlt ihm häufig eine nö tige Versicherung. Aufgrund der fehlenden finanziellen Grundbildung versteht der verletzliche Verbraucher nicht die positive sowie negative Tragweite von Versicherungen und 80 V gl. P iorkow sky 2 0 14 ,17 -3 6 . 81 V gl. Sm olinski et al. 2017. 82 V gl. Fungacova et al. 2019, 452-476, D e C rem er 2015. 83 V gl. S tatista 2018. 21 verzichtet häufig auf diese, sofern sie nicht gesetzlich vorge schrieben sind. 84 Er ist sich also seinen Risiken nicht bewusst und kann dementsprechend nicht evaluieren, ob und welche Versicherungen benötigt werden. Vermögensaufbau sowie Al tersvorsorge sind aufgrund der geringen Sparquote nahezu nicht möglich. Der verletzliche Verbraucher wohnt in der Re gel in einer Mietwohnung und besitzt kein sonstiges Vermö gen. Dementsprechend interessiert er sich auch nicht für Geld anlage-Angebote oder eine spezielle Altersvorsorge. Das Ziel der Financial Literacy für den verletzlichen Verbraucher stellt nicht die Vermögensbildung, sondern vielmehr eine potenti elle Angleichung der Vermögensungleichheit dar. Dass dies schwierig ist, zeigte bereits Willis (2018).85 Geld wird sich teilweise kurzfristig bei der Bank geliehen, ohne auf den dazugehörigen Zins bzw. die Kosten zu achten. Es wird lediglich auf den kurzfristigen Bedarf geachtet und nicht auf die Folgen einer solchen Kreditaufnahme. Dies kann zu einer Abwärtsspirale führen.86 Aufgrund der kurzfristigen und undurchdachten Kreditaufnahme werden keine Angebote verglichen und somit auch die aufkommenden Probleme und Anpassungsmöglichkeiten nicht weiterverfolgt. Es kann zusammenfassend gesagt werden, dass der verletz liche Verbraucher zwar seine finanzielle Situation versteht, al lerdings kein Interesse daran besitzt, Grundkonzepte zu lernen oder zu verstehen und sich somit selbstständig mit den finan ziellen Möglichkeiten und Informationen zu befassen. Er über prüft lediglich seine Einnahmen und Ausgaben via App, die sonst lediglich für Online-Banking genutzt wird. Er versteht zudem nicht die Folgen seiner Entscheidungen und informiert sich nicht genügend über eventuell benötigte Versicherungen und die Folgen einer Nicht-Versicherung. In Bezug auf Alters vorsorge und Vermögensaufbau ist er auf staatliche Pflichten angewiesen, da diese sonst vollständig außer Acht gelassen würden. Geld wird sich kurzfristig zum Begleichen von Rech nungen geliehen, ohne die Konditionen oder vergleichbare An gebote zu kontrollieren. Das generell fehlende Grundverständ nis und das fehlende Vertrauen führen dazu, dass der 84 V gl. T oller 2017. 8s V gl. W illis 2018. 86 V gl. Brow n e ta l. 2017, 85-96. 22 verletzliche Verbraucher durch Regularien und Einschränkun gen der Finanzinstitute geschützt werden muss, da er selbst ständig nicht in der Lage dazu ist. Das Angebot von Onlineportalen sowie -tools und FinTechs wird nicht genutzt. 3.4 Verantwortungsvolle Verbraucher Der verantwortungsvolle Verbraucher ist überdurchschnittlich im Internet aktiv und teilt dort seine Erfahrungen und Er kenntnisgewinne.87 Er ist durchschnittlich bis überdurch schnittlich intelligent und erhält ein entsprechendes Gehalt. Eine Personengruppe die dazu personifiziert werden kann sind die bereits angesprochenen Young Professionals.88 Für den verantwortungsvollen Verbraucher ist ein hohes Verständnis von Geld und den damit verbundenen Konzepten anzunehmen. Die Grundkonzepte sind aufgrund des guten Bil dungsstandards bekannt und können in der Regel angewandt werden. Sollten Begriffe oder Konzepte nicht bekannt sein, werden diese durch eine Internetrecherche erlernt. Durch den Zugang zu sämtlichen Portalen und Internetseiten verbucht diese Verbrauchergruppe eine erhebliche Zeiteinsparung bei der Informationsbeschaffung. Aufgrund des Grundwissens tut sich der verantwortungsvolle Verbraucher leichter beim Fin den von Lösungen, da er spezifischer suchen kann. Finanz dienstleistungen nimmt er meist online in Anspruch, in der Regel nachdem er sich persönlich hat beraten lassen, um spe zifische Fragestellungen zu klären.89 Das Geld-Management wird mithilfe einer App durchge führt.90 So hat er einen guten Überblick über Einnahmen und Ausgaben und einen geringen täglichen Zeitaufwand. Er ist sich zusätzlich dessen bewusst, welche Vor- und Nachteile ge wisse Bankverbindungen und Zahlungsmöglichkeiten haben, weshalb er zwar mehrere, aber nicht zu viele besitzt.91 Versi cherungen besitzt diese Verbrauchergruppe aufgrund der ho hen Informationen in ausreichendem Maße. Personen dieser Verbrauchergruppe tendieren zur Überversicherung, da sie 87 V gl. M icklitz et al. 2010. 88 V gl. N aujoks et al. 2014, R eiter et al. 2014, 61-84. 89 V gl. N aujoks et al. 2014, R eiter et al. 2014, 61-84. 9° V gl. T en n ert 2017, 67-87, Sm olinski et al. 2017. 91 V gl. Statista 2019, D eutsche B un desban k 2018b. 23 sich in der Regel risikoaffin verhalten und somit durch ver stärkte Werbungen von Apps und online Versicherungsanbie tern zum Abschluss gedrängt werden.92 Sie kennen in der Re gel ihre Versicherungen und deren Funktion, können aber in bestimmten Situationen nicht auf alle Details der Versiche rung zurückgreifen, weshalb es, ähnlich wie beim vertrauen den Verbraucher, zu Überversicherungen kommen kann. Im Thema Vermögensaufbau und Altersvorsorge ist der verantwortungsvolle Verbraucher gut aufgestellt. So hat er in der Regel eine zusätzliche Altersvorsorge und besitzt ein mo derates Vermögen, meistens in Form seiner eigenen Immobi lie.^ Er kümmert sich zudem sehr stark um seinen Vermö gensaufbau und legt sein Geld zielgerichtet und gut informiert an. Er nutzt ein breites Spektrum des Geldanlage-Angebots und diversifiziert sich entsprechend.94 Für all diese Zwecke nutzt er zusätzlich das Internet, da er so leichter Investitions möglichkeiten ausfindig machen kann. Mit dem Leihen von Geld geht er ähnlich wie mit dem Ver mögensaufbau um. Er informiert sich verstärkt über das Inter net und vergleicht mithilfe von Portalen und Onlinetools die Angebote und auch die damit verbundenen Kosten. Er ist sich außerdem darüber bewusst, welche Kredite er sich leisten kann und welche wirklich nötig sind. Er achtet auch auf beson dere Spezifikationen, wie z.B. Sondertilgungen.95 Der verantwortungsvolle Verbraucher ist also in allen Be reichen sehr gut informiert bzw. in der Lage, sich selbstständig und ausführlich zu spezifischen Themen gezielt Informationen zu suchen. Er versteht seine eigene finanzielle Lage sowie die Grundkonzepte der Kapitalmärkte, da er diese in der Regel zur Geldanlage nutzt. Somit ist ihm auch beim Geld- und Vermö gensmanagement der Diversifizierungsvorteil bewusst und nutzt diesen. Er sichert sich zusätzlich durch Versicherungen ab und tendiert eher zur Über- als zur Unterversicherung. Geld leiht er sich in Bezug zum Vermögensaufbau und informiert sich in beiden Bereichen ausführlich vor Vertragsabschluss. Er profitiert am stärksten von der Digitalisierung sowie dem 92 V gl. D eloitte 2015, vbw , 2017. 93 V gl. Z w an zger 2017. 94 V gl. V o n G au decker 2015, 489-507. 95 V gl. N oosten 2015, 39-56. 24 erhöhten Informationsangebot, da er sich die Zeit nimmt die ses zu nutzen. Dadurch erlangt er Wissen, welches analog schwieriger und vor allem nur mit deutlich höherem Zeitauf wand zu beschaffen wäre. 3.5 Diskussion Es wurde gezeigt, dass vor allem für den verantwortungsvollen Verbraucher eine erhebliche Vereinfachung und Zeitersparnis durch entsprechende Apps erzielt werden kann. Dies liegt hauptsächlich daran, dass bereits ein fundiertes Grundwissen besteht bzw. er die Möglichkeit und Bereitschaft besitzt, sich dieses anzueignen, und so deutlich effektiver Informationen verarbeiten und somit effizientere Entscheidungen treffen kann. Diese Bereitschaft fehlt dem vertrauenden Verbraucher. Bei diesem ist zwar eine erhöhte Vereinfachung durch die Di gitalisierung zu beobachten, dennoch wird lediglich eine mo derate Zeitersparnis erreicht. Durch das Internet ist die Infor mationsbeschaffung zwar vereinfacht und somit eine Zeiter sparnis gegeben, jedoch wird aufgrund der Masse an Informa tionen ein erheblicher Anteil der geringen Zeit des vertrauen den Verbrauchers für die Analyse und Beurteilung dieser Da ten benötigt. Somit könnte er theoretisch zwar effizientere Entscheidungen treffen, hat aber Schwierigkeiten mit den Da tenmengen umzugehen. Zusätzlich hat er Probleme, digitale von analogen Angeboten zu unterscheiden und sich versteck ter Kosten bewusst zu werden.96 Der verletzliche Verbraucher macht kaum Gebrauch vom digitalen Angebot, da ihm in der Regel die finanzielle Entscheidungsfreiheit aufgrund von feh lendem Vermögen und der geringen Sparquote fehlt. Somit ist zwar eine geringe Vereinfachung durch individualisierte Apps gegeben, eine Zeitersparnis jedoch so gut wie gar nicht vorhan den. Dies liegt primär an der fehlenden Bereitschaft, die Vor teile der verschiedenen Angebote zu evaluieren sowie der Fä higkeit dazu, daraus einen erhöhten Nutzen zu generieren. Da nun der (fehlende) Nutzen der digitalen Finanzwelt eva luiert wurde, wird die Frage, ob eine Financial Literacy 4.0 nö tig ist, betrachtet. Hier stellt sich zuerst die Frage, wie eine sol che Bildung bzw. ein solches Verständnis den Verbrauchern 9® D azu gehören sow ohl das B ezahlen m it sein en p ersönlichen D aten als auch verstecke K osten bei der N utzung von V ergleichsp ortalen etc. 25 nahegebracht werden soll. Ein Vorschlag für die Financial Li teracy wurde bereits durch verschiedene Autoren in Form der Financial Education gemacht. Unter anderem sprachen sich Schlösser et al. (2011) für eine solche Ausbildung aus.9? Dass diese eine positive Wirkung auf die Financial Literacy brachte, wurde ebenfalls durch verschiedene Arbeiten bestätigt. So zeigten Lusardi (2003) und Eiert et al. (2015), dass die Teil nahme an Ausbildungsprogrammen in Bezug auf Finanzen ei nen positiven Effekt auf Financial Literacy hatten und vor al lem praxisnahe Übungen diesen Lerneffekt verstärken wür den.98 Zusätzlich sollten durch solche Programme auch die Evaluation der eigenen finanziellen Lage nahegebracht wer den." Allerdings konnte auch gezeigt werden, dass es aus öko nomischer Sicht nicht rentabel ist, solche Programme anzubie ten, da die Kosten für eine flächendeckende Ausbildung nur mit einer geringen Wahrscheinlichkeit den daraus resultieren den Nutzen rechtfertigen könnte. Dies liegt vor allem an den weiterhin existierenden Informationsasymmetrien sowie den häuslich bedingten Verzerrungen in Bezug auf Finanzentschei dungen.100 Es würde sich also positiver auswirken, wenn Fi nancial Literacy nicht extern, sondern intern, also durch häus liche Erziehung, erlangt wird.101 Wie bereits erwähnt, weisen vor allem Personen aus finanziell stabilen Haushalten eine po sitive Financial Literacy und ein geringeres Insolvenzrisiko auf.102 Oehler (2013) entwickelte mit der sog. Meta-Bildung ei nen weiteren Ansatz, in dem lediglich gelehrt wird, wie man mit Informationen umgeht und wie geeignete Expertise gefun den werden kann. Dazu sind vor allem sog. Informationslotsen von fundamentaler Bedeutung, da diese als Intermediär zwi schen Verbrauchern und der Finanzindustrie dient.103 Zu die ser Meta-Bildung im Finanzbereich müsste zusätzlich eine Meta-Bildung im digitalen Umfeld angeboten werden.104 So 97 V gl. Schlösser et al. 2011. 98V gl. Lusardi 2003, E le r te ta l. 2015, 209-223. 99 V gl. Fox et al. 2 0 0 5 ,19 5 -2 14 . 100 V gl. W illis 2008. 101 V gl. H uston 2010, 236-316. 102 V gl. S chlösser et al. 2011, Lusardi et al. 2010, 358-380. 103 V gl. O ehler 2013. 104 V gl. Seyda e ta l. 2018, 107-124. 26 müssten vor allem die Differenzen zwischen digitalen und ana logen Angeboten sowie Verträgen nahegebracht werden.105 Ähnlich wie die Financial Literacy ist bei der digitalen Bildung eine häusliche Basis von enormen Vorteil.106 Anstatt einer sol chen Meta-Bildung könnten ebenfalls vermehrte Regularien die fehlende Financial Literacy 4.0 ausgleichen. Dies würde aber primär zu einer Entmündigung der vor allem gut ausge bildeten Verbraucher führen und ist laut Oehler (2013) nur mit einer entsprechen Verbraucherbildung umzusetzen.10? Um dieser Entmündigung entgegen zu wirken, sollte den Verbrau chern die selbstständige Auswahl nach Finanzberatern vermit telt werden, um fundierte Entscheidungen mit externem Wis sen treffen zu können. Blickt man auf die Entscheidungsfehler durch nicht-ratio nale Handlungen verschiedener Verbraucher, scheint eine zielführende und individuelle Beratung der potenzielle Ausweg zu sein. Das Auffinden einer solchen „richtigen“ Beratung muss den Konsumenten allerdings effektiv vermittelt werden, um die Financial Literacy zu komplettieren. Ein solches „Outsourcing“ des Wissens würde - ökonomisch betrachtet - eine nennenswerte Kostenreduktion durch niedrigere Informati onsbeschaffungskosten bei nahezu gleichbleibendem Nutzen schaffen und somit die unabhängige Entscheidungsmöglich keit des Verbrauchers stärken.108 105 V gl. D inter et al. 20 14 ,12 3 -14 6 . 106 V gl. H erzig/G rafe 2007. 107 V gl. O ehler 2013, W illgero dt 2016. 108 V gl. O ehler 2011, H erberger 2013. 27 4 Fazit Im ersten Teil der Arbeit wurden die theoretischen Grundla gen vorgestellt. Der Begriff der Financial Literacy bezieht sich sowohl auf das finanzielle Grundwissen (Financial Knowledge) als auch auf die Anwendung (Application oder Financial Capability), wozu auch das Verhalten der Verbaucher gehört. Der Zusatz „4.0“ wird durch eine erhebliche Veränderung des Fi nanzsektors durch eine technologische Transformation ge rechtfertigt und bezieht sich auf die Digitalisierung sowie er höhte Automatisierung und Vernetzung der gesamten Bran che. Es wurde auf verschiedene Sichtweisen der Ziele bzw. die Konstrukte von Financial Literacy eingegangen, wobei die fünf Ziele von Habschick et al. (2004) für die Analyse verwendet wurden. Zu diesen Zielen gehören das Verständnis von Geld, das Geld-Management, der Umgang mit Lebensrisiken, der Vermögensaufbau und die Altersvorsorge sowie das Leihen von Geld. Diese Komponenten werden zum einen durch ver schiedene Apps sowie Internetportale und -tools vereinfacht, zum anderen wird jedoch durch die digitale Vernetzung ein un übersichtliches Überangebot an Informationen und Entschei dungsmöglichkeiten bereitgestellt, was vor allem eine effizi ente Entscheidungsfindung erschwert. Die für die Analyse ver wendeten Verbraucherleitbilder wurden von Micklitz et al. (2010) vorgestellt und sind namentlich der vertrauende, der verletzliche sowie der verantwortungsvolle Verbraucher. Diese unterscheiden sich vor allem in Bezug auf die Informationsbe schaffung, auf die Zeit, die für eine Entscheidung aufgebracht wird, sowie durch die Fähigkeit, Erlerntes umzusetzen und so den eigenen Nutzen zu erhöhen. Den geringsten Schutzbedarf benötigt der verantwortungsvolle Verbraucher, während der verletzliche Verbraucher den höchsten Schutzbedarf auf weist.109 Ein wichtiger Aspekt bei dieser differenzierten Ver braucheransicht ist, dass ein Verbraucher in jeder Entschei dung einem anderen Verbrauchertypen entspricht und somit nicht festzulegen ist, welcher Verbraucher zu welchem Leitbild passt. Bei der Analyse im Hauptteil wurden Analogien für die Finanzentscheidungen vorgestellt, um eine übersichtliche und nachvollziehbare Darstellung zu gewährleisten. Mithilfe dieser io 9 V gl. Pagel 2017. 28 Anwendungsbeispiele wurde das Finanzverhalten in Bezug auf die fünf Anforderungen der Financial Literacy analysiert. Hier bei wurde vor allem auf die Vor- und Nachteile der Digitalisie rung im Finanzsektor eingegangen. Nachdem die Ergebnisse diskutiert wurden, stellt sich die Frage, wie die Financial Literacy 4.0 zur Verfügung gestellt werden soll. Eine gewisse Bildungsmaßnahme scheint unaus weichlich, wobei zu beachten ist, ob diese für jeden Verbrau chertyp sinnvoll ist. So wäre aus ökonomischer Sicht lediglich eine Weiterbildung für verantwortungsvolle Verbraucher ren tabel, da diese sowohl Zeit als auch die Fähigkeit besitzen, eine solche Bildung anzunehmen und ihren Nutzen zu erhöhen. Für den verletzlichen und vertrauenden Verbraucher wäre es schlüssiger, als Trittbrettfahrer von den Verantwortungsvollen zu profitieren, zum Beispiel durch den Austausch über Inter netforen. Das Problem der überschüssigen Informationen bleibt auch hier bestehen. Also wäre eine Meta-Bildung, wie bereits von Oehler (2013) für Financial Literacy vorgeschlagen für den Umgang mit der digitalisierten Welt nötig. Der Fokus sollte auf der Informationsauswertung liegen, also darin, sach dienliche Informationen zu filtern und sich lediglich auf diese zu beziehen. Ob diese Fähigkeit durch Bildungsprogramme ge lehrt werden kann, bleibt fraglich, voraussichtlich wäre ein er ziehungsbedingtes digitales Bewusstsein hilfreicher. Zusammenfassend kann ein eindeutiger Bedarf nach einer erweiterten Financial Literacy, nämlich der Financial Literacy 4.0, erkannt werden. Bildungsmaßnahmen werden als nicht ausreichend für das Problem der fehlenden Financial Literacy und vor allem der Financial Literacy 4.0 angesehen. Vielmehr muss diesen Verbrauchern durch häusliche, praktische Maß nahmen nahegebracht werden. Das Problem ist also nicht durch kurzfristige Methoden, sondern nur durch langfristige bildungs- und vermögenspolitische Diskurse zu beheben. So müssen Vermögensungleichheiten langfristig bekämpft wer den, um eine adäquate Financial Literacy zu gewährleisten. Zusätzlich muss jedem Haushalt die Möglichkeit der Sensibili sierung in Bezug auf das Internet und die dazugehörigen Tech nologien für den pragmatischen Umgang mit Financial Litery 4.0 gegeben werden. 29 Literaturverzeichnis Accenture (2016). Digitalisierung des Finanzsektors in Deutschland: Von der Strategie zum nachhaltigen Geschäft. Accenture Financial Services Digital Readiness Report. Atkinson, A. & Messy, F.-A. (2012). Measuring Financial Literacy. OECD iLibrary, 2012(15). Bain & Company (2014). Loyalty in Retail Banking 2013. Bain Reports. Barthelmäs, N., Flad, D., Haußmann, T., Kupke, T., Schneider, S., & Selbach, K. (2017). Industrie 4.0 - eine industrielle Revolution? In Industrie 4.0: Wie cyber-physische Systeme die Arbeitswelt verändern. 3 3 -5 6 Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden. Baxter, M. & Vater, D. (2014). A u f dem Weg zur Retail-Bank der Zukunft. Bain Reports. Bianchi, M. (2018). Financial literacy and portfolio dynamics. 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Geld verstehen • Verstehe ich meine finanzielle Situation? • Welche ökonomischen Grundmechanismen muss ich ver stehen, weil sie unmittelbar Einfluss auf meine Finanzen haben? • Welche gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen muss ich verstehen, weil sie unmittelbar Einfluss auf meine Fi nanzen haben? • Wozu können mir Finanzdienstleistungen dienen? • Wie komme ich an die entscheidenden Informationen? 2. Geld-Management • Sind meine Einnahmen und Ausgaben auf lange Sicht im Gleichgewicht? • Mit welchen Kosten und welchem Zeitaufwand organisiere ich meine alltäglichen Geldgeschäfte? • Welche Konten und welche Bankverbindung brauche ich? • Welche Zahlungsmittel brauche ich außer Bargeld? 3. Umgang mit Lebensrisiken • Was kann in meinem Leben passieren, das mich in finanzi elle Schwierigkeiten bringt? • Wie gehe ich mit versicherbaren Risiken überlicherweise um? • Wie funktioniert eine Versicherung? • Welche Versicherung brauche ich, welche nicht? 4. Vermögensaufbau undAltersvorsorge • Wie ermittle ich, wo ich stehe? • Wie intensiv will und kann ich mich um meinen Vermö gensaufbau kümmern? • Wie kann man Geld anlegen? 38 • An welchem Grundmodell zum Vermögensaufbau kann ich mich orientieren? • Wie kann ich ein Geldanlage-Angebot für mich bewerten? • Was ist speziell zur Altersvorsorge zu beachten? • Welche Rolle können Immobilien für mich spielen? 5. Geld leihen • Wann ist eine Kreditaufnahme sinnvoll? • Wie viel Kredit kann ich mir leisten? • Welche Kreditform für welchen Zweck? • Wie bewerte ich für mich ein Kreditangebot? • Wie erkenne ich aufkommende Probleme und welche An passungsmöglichkeiten habe ich? Bei der Verbraucheranalyse wurde zusätzlich auf das Nutzen von Informations- und Vergleichsportalen sowie Onlinerechnern geachtet (Schürkmann & Schuhen, 2013; Oehler, 2017c). 39

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Zusammenfassung

Die Finanzwirtschaft steht im Kontext der Digitalisierung und Digitalen Transformation der Ökonomie als eine der Branchen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, wo die damit verbundenen Marktveränderungen von verschiedenen Interessensgruppen erlebt werden können. Die Veränderungen in finanzwirtschaftlichen Geschäftsprozessen, nicht zuletzt durch technologie-basierte Startups (sog. FinTechs) forciert, sind nicht nur innerhalb der Branche, sondern auch beim Endkunden durch konkrete digitale Innovationen spürbar. Dieser Sammelband widmet sich einigen der im Zusammenhang der Digitalisierung und Digitalen Transformation der Finanzwirtschaft entstandenen Geschäftsmodelle und betrachtet diese vor dem Hintergrund der Frage, ob die Finanzwirtschaft sich „nur“ in ein moderneres Kleid hüllt oder ob es sich um tiefgreifende Marktstrukturveränderungen bis hin zu einer möglichen Disintermediation innerhalb der Finanzintermediationsbranche handelt.