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Christoph Brüssel, II. Der Senat der Wirtschaft in der Innenansicht in:

Volker Kronenberg

Chronik, page 137 - 148

Senat der Wirtschaft

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4347-9, ISBN online: 978-3-8288-7294-3, https://doi.org/10.5771/9783828872943-137

Tectum, Baden-Baden
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137 II . Der Senat der Wirtschaft in der Innenansicht Christoph Brüssel 1 . Historie des Senats: Wirtschaft für Menschen, der Nachhaltigkeit verpflichtet Die Finanzkrise 2008, ausgelöst durch den Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers Holdings Inc. in den USA, und deren Auswirkungen, können als wichtige Beweggründe zur Gründung des Senats der Wirtschaft angesehen werden. Weltweit waren Finanzinstitute, Immobilien und Unternehmen in Schwierigkeiten geraten oder in den wirtschaftlichen Abgrund gestürzt. Die negativen Folgen waren weltweit in nahezu allen Bereichen der Wirtschaft zu spüren. Millionen Menschen verloren ihr Vermögen, ihre Arbeitsplätze und vor allem ihre gesicherte Zukunft im Alter, wenn diese auf Aktienanlagen basiert hatten. Diese Finanzkrise löste in vielen Industriestaaten eine tiefe Rezession aus und war letztlich auch mitverantwortlich für die Eurokrise. Bei aller systemischen Begründung ist die herrschende Meinung, dass verantwortungslose und geldgierige Wirtschaftsakteure sowie gleichgültige und schwache politische Entscheidungsträger die Hauptschuld an diesem dramatischen und zerstörerischen Finanzdebakel trugen. Auch in den Medien herrschte die Auffassung, dass die Krise durch egoistisches und unverantwortlich gewinnmaximierendes Streben hervorgerufen worden sei. Die Reaktionen auf die entstandenen Missstände waren ebenfalls nicht immer von glücklicher Hand. Aus den Reihen der Wirtschaft unterstellte man den politischen Akteuren, die wirtschaftlichen Zusammenhänge nicht hinreichend zu verstehen und so politische Entschei- 138 Chronik – Senat der Wirtschaft dungen auf einer minder qualifizierten Basis zu treffen. Gegenseitig warf man sich fehlende Sachkompetenz vor. Die Folgen der Finanzkrise sind bis heute spürbar – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch. In einem sind sich jedoch fast alle einig: So etwas darf sich nicht wiederholen. Kurz nach dem Höhepunkt der Finanzkrise im September 2008 war sie Anlass genug für eine Gruppe von Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Wissenschaft, motiviert und organisiert von Dieter Härthe, dem damaligen Vorstandsvorsitzenden des Bundesverbandes Wirtschaftsförderung und Außenhandel (BWA), über die Gründung einer Vereinigung nachzudenken, die unterstützend für Gesellschaft, Wirtschaft und Politik eintreten wollte und sollte. Die Erfahrungen der Krise brauchten eine tatkräftige Antwort. Allerdings eine Antwort, die im Sinne des Gemeinwohls dienlich sein und nicht die Interessen oder Zielsetzungen Einzelner in den Vordergrund stellen sollte. Das war der Leitgedanke für die Gründung des Senats der Wirtschaft in Deutschland. Zu den Gründern zählen u. a. der heutige Vorstand Christoph Brüssel, der Vorsitzende der Akademie des Senats Ulf Posé, die Vizepräsidentin Katharina Thaysen-Bender, die heutige Geschäftsführerin Marliese Härthe, ebenso der vormalige Generalssekretär Andreas Geuss und Weitere. Insgesamt waren es 17 Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Wissenschaft, die die Gründungsurkunde unterzeichneten. Schriftführer der Gründungsversammlung war der heutige Leiter digitale Kommunikationsproduktion Helge Stoffregen. Die Versammlung, die damals von Christoph Brüssel geleitet wurde, wählte Dieter Härthe zum Vorstandsvorsitzenden. Als Generalssekretär wurde Andreas Geuss berufen, der das Amt bis 2014 ausübte. Das erste Präsidium wurde in der Folge durch den Vorstand satzungsgemäß berufen. Bewusst nannten die Gründer die neue Institution „Senat“, denn das Vorbild aus der Antike sollte in bester Ausprägung genutzt werden. Ein wohlmeinender Kreis von erfahrenen und bedeutenden Experten beriet und unterstützte die Regierenden schon im alten Rom. Zudem hatte Initi a tor Dieter Härthe bei der Namenswahl auch den bayerischen Senat im Sinn, der bis zum Jahr 2000 als sogenannte Zweite Kammer die Vertretung der sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und gemeindlichen Körperschaften des Landes übernommen hatte. Gesellschaftlich relevante Persönlichkeiten wurden in diesen Senat nominiert und unterstützten die Landesregierung bei ihren Entscheidungen. Es waren Persönlich- 139 Historie des Senats: Wirtschaft für Menschen, der Nachhaltigkeit verpflichtet keiten, die nicht durch Landtags- oder Bundestagsmandate, sondern aus ihrer gesellschaftlichen Erfahrung heraus zu Entscheidungen beitrugen. Die Idee, den neuen Senat der Wirtschaft als einen Teil des BWA zu führen, wurde rasch verworfen. Schnell stellte sich heraus, dass der Fokus auf die Gemeinwohlorientierung tatsächlich eine eigenständige Kultur des Miteinanders verlangte. Ziel des Senats der Wirtschaft war es von Beginn an, ausschließlich dem Gemeinwohl dienende Themen unter pluraler Betrachtung – also weder parteipolitisch noch ideologisch einseitig – zu durchdenken und zu behandeln. Wie in einem unabhängigen Think Tank für politische Akteure sollte von Beginn an mit der Erfahrung und Schaffenskraft erfolgreicher Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Wissenschaft an Lösungskonzepten für die drängenden Fragen unserer Zeit gearbeitet werden. Diese Konzepte werden der Politik uneigennützig und kostenfrei als Unterstützung zur Verfügung gestellt. Entwicklung mit klaren Zielen Der Senat ist bereits zu einer erleb- und sichtbaren Wertegemeinschaft geworden. Unabhängig von Einzelpersönlichkeiten und individuellen Netzwerken kann der Senat aus sich selbst heraus dauerhaft erfolgreich sein. Es gilt weiterhin, die richtigen strategischen und operationalen Elemente auszubauen, um diese Wertegemeinschaft auch als feste Institution der Gesellschaft zu manifestieren. Mit Beginn des Jahres 2010 hat der Vorstand, unterstützt durch die damalige Abteilung Politik und Kommunikation, kontinuierlich strategische Ziele formuliert und verfolgt. Diese Strategie und Zielsetzungen werden jährlich fortgeschrieben und aktualisiert. Von Beginn an war es immer das wesentliche Ziel, die große Idee, mit der die Gründer des Senats der Wirtschaft angetreten waren, mit einer wirklichen und erkennbaren Substanz zu füllen und in höchstmöglicher Qualität zu agieren. Die langjährige Erfahrung des Initiators Dieter Härthe sowie das bereits vorhandene und stetig weiter wachsende Netzwerk, gepaart mit dem Wissen um die Wünsche und den Bedarf aller Beteiligten und der Gruppen, die zur neugegründeten Institution dazu stießen, müssen als unverzichtbare Faktoren für die erfolgreiche Entwicklung des Senats benannt werden. Damals wirkte der heutige Vorstand Christoph Brüssel, zunächst 140 Chronik – Senat der Wirtschaft ehrenamtlich, später hauptberuflich mit und konnte sein langjähriges Netzwerk der politischen Entscheidungsebene und die Erfahrung als Werbe- und Medienunternehmer miteinbringen. Auch dadurch erhielt der Senat der Wirtschaft unmittelbar eine gute Aktionsbasis auf hohem Niveau, die von Anfang an stets als Maßstab galt und auch heute noch gilt. Das Miteinander im Dialog zählt Ein unverzichtbares Merkmal der Senatsarbeit war von Beginn an und ist die enge Interaktion mit der führenden parlamentarischen Politik, die bewusst praxisorientiert sein soll und die die besondere Expertise der Senatsmitglieder in politische Entscheidungsprozesse einbringen will. Konkret setzt sich der Senat gemeinsam mit seinen Mitgliedern für eine ökologische und soziale Marktwirtschaft ein, fördert die damit einhergehenden Wertvorstellungen und unterstützt deren Umsetzung in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Diese Bereitschaft der Senatsmitglieder zur Partizipation an politischen Prozessen im Rahmen einer loyalen Wertegemeinschaft und der erkennbare Nutzen für die Gesellschaft sind wiederum die Motivation und Rechtfertigung der Unterstützung des Senats von Akteuren aus Wirtschaft und Wissenschaft. Das Gemeinschaftsgefühl im Kreis der Gleichgesinnten, ohne Wettbewerbsgedanken, gilt allen als unverzichtbares positives Element. So wurden bereits ab 2009 erste Kommissionen zur Erarbeitung thematischer Schwerpunkte begründet. Konsequent startete der Senat mit Dialogveranstaltungen und persönlichen Antrittsbesuchen bei Parlamentarierinnen und Parlamentariern. Eine der wichtigsten Aufgaben war und ist es immer noch, die Idee einer „neutralen Plattform“ als ausschließlich gemeinwohlorientiert handelnd und die Politik unterstützend zu erläutern. Vertrauen, durch persönlichen Einsatz und durch erfolgreiche erste Projekte, musste anfangs hart erarbeitet werden. Und immer wieder, auch in den bereits geknüpften Netzwerken der gut bekannten Politiker, musste der Beweis erbracht werden, dass im Senat der Wirtschaft niemals Einzelinteressen im Vordergrund stehen werden. Die echte gemeinwohlorientierte Partizipation ohne „Lobby-Hintergedanken“ war eine 141 Historie des Senats: Wirtschaft für Menschen, der Nachhaltigkeit verpflichtet neue Kultur, die es im Zusammenspiel von Wirtschaft und Politik zu etablieren galt. Nach nun 10 Jahren kann eine klare Kernkompetenz des Senats definiert werden: Die ideelle Zielsetzung des Senats als Dialogpartner ohne Partikularinteressen und als Impulsgeber mit pluralen Ansätzen, die nicht durch Konsenspflicht verwässert werden, ist ein Alleinstellungsmerkmal. Festzustellen ist darüber hinaus, dass durch die gute Qualität und das hohe Niveau der Senatsaktivitäten und -veranstaltungen mittlerweile eine Akzeptanz und ein beachtlicher Kooperationswille bei Entscheidungsträgern der Bundesregierung sowie des Bundestags erreicht wurde. Auf Mitgliederebene sind nachweislich die gemeinwohlorientierte und ideelle Auseinandersetzung mit den dringenden Fragen unserer globalisierten Gesellschaft die wichtigsten Anreize und Motive, um der Wertegemeinschaft des Senats beizutreten. Ein großes Interesse, wirkungsvolle Lösungsansätze zu erarbeiten, ist deutlich zu spüren. Die vier Magnetpunkte, die bei Senatorinnen und Senatoren signifikant erkennbar sind Mitglieder des Senats der Wirtschaft haben unterschiedliche Motivationen teilzunehmen, die sich jedoch über die Jahre sehr deutlich auf vier Hauptmotive konzentriert haben: • persönliche Überzeugung bezüglich der Ziele und der Arbeitsweise des Senats, verbunden mit der Bereitschaft, diese Ziele durch Mitgliedschaft bzw. Mitgliedsbeiträge zu fördern; • aktive Mitwirkung bei der Umsetzung von Schwerpunktzielen in Kommissionen, bei der Erstellung von Impulspapieren und bei Dialogen mit Politikern; • Perspektiverweiterung als Unternehmer/Führungspersönlichkeit, Mehrwert für das Unternehmen durch Anregungen zur werteorientierten Unternehmensführung; • Mitglied in und Erleben einer Wertegemeinschaft in einem exklusiven Kreis von Führungspersönlichkeiten. 142 Chronik – Senat der Wirtschaft Prinzipielle Ausrichtung mit Zukunftsfestigkeit Das permanente Ziel des Senats ist es, das erarbeitete Niveau zu erhalten und weiterzuentwickeln. Ein erkennbarer Mehrwert im Sinne des Gemeinwohls soll entstehen. Dabei soll der Nutzen dahingehend ausgebaut werden, dass der Senat eine wichtige, spürbare und erkennbare Bedeutung als Brücke für Akteure aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft darstellt. Diese Aufgabe ist ein immerwährender Prozess mit kontinuierlicher Herausforderung. Das bedeutet auch, sich keinen weichen Visionsidealen hinzugeben, sondern vielmehr die sorgfältige Pflege einer an Realitäten orientierten, ideellen Wertschaffung durch Lösungsansätze, eine stetige Zusammenführung von interdisziplinären Akteuren sowie die Kompetenzerweiterung aller Beteiligen zu fokussieren– und all dies ohne überzogene Sozialromantik. Die stabile Struktur einer etablierten Organisation Der Vorstand ist seit der Gründung Haupttreiber für die Entwicklung des Senats – und dies mit viel Motivation und Kreativität. Er wirkt als selbstbewusster und auch selbstbestimmender Vertreter des Senats. Die Satzung bestimmt den Vorstand, gemäß der gesetzlichen Bestimmungen, als von den Mitgliedern gewählter Vertreter der Körperschaft. Durch die demokratische Ausrichtung sämtlicher Organe des Senats, die alle von den Mitgliedern gewählt werden, ist konstitutiv geregelt, dass kein Hierarchie- oder Direktionsverhältnis zwischen den Organen besteht. Der Vorstand ist der Mitgliederversammlung gegenüber verantwortlich und wird in satzungsgemäß bestimmten Bereichen von einem Aufsichtsrat im Sinne einer Transparenz und definierten Genehmigungsaufgabe kontrolliert. Das operative Geschäft sowie die Umsetzung der Satzungsziele sind die vornehmliche und verantwortliche Aufgabe des Vorstands. Die Organe des Senats der Wirtschaft geben sich jeweils Geschäftsordnungen, die aufeinander abgestimmt und aufbauend die Aufgaben und Kompetenzen regeln. Exzellente Qualität und wesentliche Bedeutung in den gewünschten Zielgruppen wird auch durch die Arbeit eines respektablen Präsidiums er- 143 Historie des Senats: Wirtschaft für Menschen, der Nachhaltigkeit verpflichtet folgreich erlangt. So ist es das Präsidium, das die politischen Rahmenlinien auslotet und in seiner repräsentativen Verantwortung gemeinsam mit dem Vorstand auch das Reputationsmanagement und die Strategie des Senats definiert. Ansprechpartner für den Vorstand in budgetrelevanten operativen Langfristentscheidungen und bei der Planung des Jahresbudgets ist der Aufsichtsrat, der die Transparenz gegenüber der Mitgliederversammlung und dem Präsidium gewährleistet. Politikarbeit des Senats der Wirtschaft Die politische Arbeit ist eine wesentliche Kernaufgabe und stellt somit eine wichtige Säule des Senats der Wirtschaft dar. Der enge, konstruktive sowie impuls- und feedbackgebende Dialog mit führenden Entscheidungsträgern aus Parlament und Regierung hat eine starke Bindungswirkung für die Mitglieder. Nach nun 10 Jahren des „senats-spezifischen“ dialogischen Politikdiskurses in unterschiedlichen Veranstaltungsformaten ist der wechselseitige Nutzen deutlich sichtbar. Das besondere Konzept der Unterstützung von Politik, ohne Partikularinteresse, dafür aber aus einer Perspektive der praktischen Erfahrung in der Wirtschaft und Wissenschaft, trifft bei den Parlamentariern auf hohes Interesse – stärker als die Gründer des Senats das anfangs selbst erwartet haben. Gleichzeitig ist der Wille der Mitglieder zur Partizipation auf verschiedenen Feldern sehr konkret und sehr aktiv. Im Mittelpunkt der Arbeit steht immer ein wahrhaftiges Gemeinwohlinteresse, aber natürlich ergeben sich dadurch immer auch mittelbare Nutzen für die Mitgliedsunternehmen. Weitere, nicht zu unterschätzende Benefite für die Mitglieder bieten sowohl die Teilhabe an visionären Lösungsansätzen für die drängenden Fragen unserer Zeit als auch die Nähe zu den Protagonisten der Politik in einer besonderen Atmosphäre der stets exquisit gestalteten gesellschaftlichen Senatsevents. In der besonderen politischen Arbeit liegt wohl das wahre Alleinstellungsmerkmal des Senats der Wirtschaft. 144 Chronik – Senat der Wirtschaft In Zahlen objektiv, wenn auch nicht in der Bedeutung festzustellen Seit dem Jahr 2010 unterhielt der Senat 527 persönliche Dialoge mit führenden Politikern – davon 25 Prozent mit Bundesministerinnen und -ministern, weitere 19 Prozent mit Personen in sonstigen Staatsämtern und im Weiteren mit Mitgliedern des Bundestages, Landesregierungsmitgliedern oder Ministerpräsidenten. Das Magazin Senate spielt ebenfalls eine nennenswerte Rolle, insbesondere, wenn es um eine Vertiefung bzw. Verschriftlichung des politischen Dialogs geht. Immerhin wurden bis Ende 2018 48 Interviews mit bedeutenden Politikern geführt, als Autoren konnten 34 Politiker gewonnen werden. 82 Persönlichkeiten der parlamentarischen Politik standen der Zeitschrift des Senats, teilweise sogar mehrmals, Rede und Antwort. Aus diesen Zahlen wird ebenfalls ersichtlich, wie gut es gelungen ist, den Bau der besonderen Brücke zwischen Senat, seinen Mitgliedern aus Wirtschaft und Wissenschaft sowie der Politik voranzutreiben. Mittlerweile ist es ein solides Bauwerk mit einer vielversprechenden Zukunft. In Zahlen ist weiterhin festzuhalten, dass seit 2011 183 Projektthemen durch das Team des Senats aktiv im Dialog mit Mitgliedern und Politikern behandelt wurden oder werden. Teilweise sind dies langfristige Themenfelder, die einer dauerhaften Bearbeitung und Begleitung bedürfen, teilweise sind es Einzelprojekte. 1 .1 Das Wirken des Senats der Wirtschaft und die Mitglieder Der Senat der Wirtschaft hat bereits seit der Gründung auf die Kombination aus inhaltlicher Impulsarbeit und Dialogveranstaltungen gesetzt. Zu den persönlichen Gesprächstreffen mit Parlamentariern wurden bereits mit Gründung im Jahr 2009, verstärkt ab 2010, thematische Vortragsveranstaltungen und Dialoggespräche zwischen Mitgliedern und politischen Verantwortungsträgern organisiert. Auch die gesellschaftlichen Komponenten des Senatslebens wurden schnell zum festen Bestandteil. Heute führt der Senat jährlich rund 50 Veranstaltungen unterschiedlicher Größe – regional und bundesweit – durch. Zusätzlich werden vier bis sechs Programmangebote der Akademie des Senats in Form von kostenpflichtigen Workshops oder Seminaren für Vorstände und Geschäftsführer angeboten, die die Kernthemen des 145 Historie des Senats: Wirtschaft für Menschen, der Nachhaltigkeit verpflichtet Senats aufgreifen und vertiefen. Jedes dieser Angebote wird durch das Akademie-Team selbst gestaltet und organisiert. Man verzichtet bewusst auf externe Dienstleister, um den eigenen und besonderen Stil des Senats gewährleisten zu können. Diese Veranstaltungen, die immer an besonderen Orten stattfinden, sind insbesondere für die gesellschaftliche Komponente des Senats sehr wichtig und mittlerweile ein festes Bindungselement für die Mitglieder. Intensiv gestaltet sich die organisatorische Vorbereitung, und vor allem die individuelle Betreuung der Senatsmitglieder und Gäste – von der Einladung an bis hin zum Besuch der Veranstaltungen. Die gute und kooperative Zusammenarbeit der Teammitglieder in den Büros Berlin und Bonn sichert hierbei eine zuverlässige Kontinuität. Die Veranstaltungen sind die zweite Säule der Kernaufgaben des Senats. Sie erfüllen in besonderer Weise die Satzungsziele und werden als unverzichtbare Dienstleistung des Vereins gegenüber seinen Mitgliedern gesehen. Die Veranstaltungen werden von den Mitgliedern als signifikanter Mehrwert anerkannt. 1 .2 Mitgliederentwicklung Mit wachsendem Bedeutungsanspruch des Senats geht auch ein hoher Qualitätsanspruch an den unternehmerischen Hintergrund der neuen Mitglieder einher. Vor der Berufung in den Senat wird in gemeinsamen ausführlichen Gesprächen ausgelotet, ob sich eine Unternehmerin oder ein Unternehmer mit den Werten und Zielen des Senats identifizieren kann und ob eine Mitgliedschaft in Frage kommt. Dabei wünschen sich die Mitglieder die Wahrung einer gewissen Exklusivität im Senatorenkreise. So wurde in den Anfangsjahren die Höchstzahl von 500 Mitgliedern genannt. 2013 ist dann auf der Mitgliederversammlung eine Orientierung an der Anzahl der Bundestagsabgeordneten proklamiert worden. Es ist festzustellen, dass diese Analogie durchaus verstanden wird und auch im politischen Umfeld mit Interesse zur Kenntnis genommen wurde und wird. Zusätzlich besteht die Möglichkeit der Förderung der inhaltlichen und wissenschaftlichen Arbeit des Senats durch eine Fördermitgliedschaft in der Stiftung Senat der Wirtschaft. Diese Fördermitglieder müssen dann nicht gleichzeitig Senatorinnen oder Senatoren sein. 146 Chronik – Senat der Wirtschaft Zum Jubiläum im Jahr 2019 hat der gesamte Senat ca. 800 Mitglieder, die mehr als 3 Millionen Mitarbeiter in ihren Unternehmen repräsentieren. Rund 680 dieser Mitglieder sind Senatorinnen und Senatoren. Bei diesem guten Zuwachs ist anzunehmen, dass die momentan angestrebten 709 Senatorensitze in absehbarer Zeit besetzt sein werden. Da eine natürliche Fluktuation, durch Unternehmenswechsel, Altersgrenze oder einen Umzug ins Ausland, unerlässlich ist, wird sich die Wertegemeinschaft des Senats stets erneuern und dynamisch gestalten. 1 .3 Forschung und qualitatives Wachstum Dem gemeinsamen Wunsch des Vorstands und des Präsidiums folgend, wurde im Jahr 2017 die Stiftung Senat der Wirtschaft für gemein wohlori en tierte Politik begründet. Sie unterstützt den Ansatz, stärker in substanzielle wissenschaftliche Forschung und Erarbeitung bei der Impulsgebung zu investieren. Die konkrete Arbeit ist ein Zweisäulenmodell, das sich schon bei der Arbeit des Senats bewährt hat. Auf der einen Seite steht der Senat der Wirtschaft e. V., der die operativen Aufgaben und das Senatsleben sowie die nach außen gelebte und imageträchtige Marke darstellt. Auf der anderen Seite agiert die Stiftung für gemeinwohlorientierte Politik, die als gemeinnützig anerkannt ist. Der Vorstand der Stiftung ist personenidentisch mit dem Vorstand des Senats e. V. Das Kuratorium der Stiftung setzt sich aus 7 anerkannten und forschenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammen. Mindestens zwei Kuratoriumsmitglieder sollen auch Mitglieder des Präsidiums des Senats e. V. sein, um eine Optimierung der Zusammenarbeit zu ermöglichen. Das Kuratorium bespricht und beschließt Forschungsprojekte. Die wissenschaftliche Erarbeitung und Forschung erfolgen dann teilweise durch die Wissenschaftler, durch das Team des Senats oder auch in den Instituten der Kuratoren. Gleichzeitig kann die Stiftung Senat der Wirtschaft für gemeinwohlorientierte Politik auch weitere wissenschaftliche Institutionen fördern oder mit einem Forschungsprojekt betrauen. 147 Der Senat in der Bundespressekonferenz

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Zusammenfassung

Aus Anlass des 10-jährigen Bestehens des Senats der Wirtschaft beschreiben die Autoren die Geschichte und Entwicklung der politischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Schlüsselbegriffe „Gemeinwohl“ und „Nachhaltigkeit“, die im Mittelpunkt des Selbstverständnisses, des Gründungszwecks und der Arbeit des Senats der Wirtschaft stehen, und betrachten sie ausführlich aus integrativ-wissenschaftlicher Sicht.

Der Senat hat sich von Beginn an verschiedenen großen gesellschaftlichen Themen auf Basis eigener Schwerpunktsetzung gewidmet. Dies gilt insbesondere für Beiträge zur Ausgestaltung des Weltfinanzsystems nach der großen Finanzkrise von 2009 sowie die Thematisierung einer Erweiterung des magischen Vierecks im deutschen Stabilitätsgesetz in Richtung eines Sechsecks, das auch die soziale Balance der Gesellschaft und der Umwelt- und Klimaeffekte thematisiert. Bahnbrechend waren auch die Impulse der Denkschrift zu Ursachen der Migration mit dem Konzept eines Marshallplans mit Afrika. Dieser ist viel beachtet und aktuell zur Politik der Bundesregierung geworden.