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8 Resümee und Ausblick in:

Yvonne Wegner

Pflegeexperten, page 79 - 82

Ein Konzept zur Implementierung hochschulisch ausgebildeter Pflegekräften in der Pflegepraxis

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4335-6, ISBN online: 978-3-8288-7283-7, https://doi.org/10.5771/9783828872837-79

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Soziale Arbeit, vol. 2

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
79 8 Resümee und Ausblick Im deutschen Gesundheitswesen ist der planvolle Einsatz von akademisch ausgebildeten Pflegekräften in der direkten Patientenversorgung weiterhin eine Ausnahme. Insbesondere bei der Umsetzung von Advanced Nursing Practice, einer erweiterten Pflegepraxis, ist quantitativ und auch qualitativ viel Entwicklungspotential. In zwei deutschen Kliniken wird zum Stand der Fertigstellung des Konzeptes im Januar 2017 ANP umgesetzt. In beiden Kliniken besteht die erweiterte Pflegepraxis aus einer spezialisierten Pflege, die originär pflegerische Aufgaben wie Beratung und Schulung, evidenzbasierte Pflege und Praxisentwicklung durch eine Befähigung der Mitarbeiter im Rahmen von APN-Teams beinhaltet. Eine sinnvolle Ausweitung der Aufgabenbereiche nach den Empfehlungen des Sachverständigenrates und der Richtlinie des gemeinsamen Bundesausschusses, wie bereits in Kapitel 4.4 beschrieben, steht noch aus. Als Vorbild kann hier die Niederlande genommen werden, dessen Pflegeprofession sich in den vergangenen Jahren zu einem eigenverantwortlichen und umfassenden Gesundheitsdienstleister entwickelt hat. Im Gesundheitszentrum Glantal wurden die Grundlagen geschaffen. Pflegeexperten auf Bachelor- und Masterniveau wurden implementiert. Die Positionen Pflegeexperten und Pflegeexperte APN zuvor definiert. Pflegeexperten, Absolventen mit Bachelorabschluss sind in Stationsteams integriert und übernehmen die Verantwortung für die Umsetzung einer evidenzbasierten Pflege. Pflegeexperten APN, Pflegefachkräfte auf Masterniveau sind ebenfalls in der direkten Patientenversorgung tätig, agieren jedoch stationsübergreifend und legen den Rahmen der evidenzbasierten Pflege fest. Mit Hilfe des CANMEDS-Framework als Bezugsrahmen wurde eine Rollenbeschreibung vorgenommen. In diesen werden die Ähnlichkeiten der beiden Stellen, wie die gleichen Ziele, aber auch die Unterschiede in den Aufgaben und Ansprüchen deutlich. Die Rollen der akademischen Pflegekräfte sind vielfältig. Sie sind Experten auf ihrem Gebiet, Kommunikator, Teammitglied, Leiter, Fürsprecher, Forscher und professionell Handelnde. Pflegeexperten beider Niveaus arbeiten mit Pflegenden verschiedener Qualifikationen zusammen. Hierfür müssen die Arbeits- und Zuständigkeitsbereiche klar angegrenzt werden. Mit dem Revised ICN Competency Framework wurde ein Rahmen gefunden, der den gesamten Umfang der Pflege abbildet. Unterteilt in die Bereiche Professionelle Haltung, pflegerische Handlungskompetenz und Qualitätsentwicklung wird jede Kompetenzstufe, vom Laien bis zur akademischen Pflegekraft, aufgezeigt. Nach Abschluss der Konzepterstellung zum Jahresbeginn 2017 beträgt die Quote an akademischem Pflegepersonal in der direkten Patientenversorgung 3%, welche zum 01. Februar 2017 durch den Eintritt von weiteren Pflegeexperten auf gut 5% gesteigert wird. Momentan liegt die Hauptaufgabe der Pflegeexperten bei der Praxisentwicklung. Im Bereich der neurologischen Frührehabilitation wird die Fallsteuerung übernommen. Eine Spezialisierung einzelner Pflegeexperten zu fachübergreifenden Themen wie Ernährung, Schmerz- oder Wundmanagement ist in Zukunft nicht auszuschließen. Im gesamten System ist Bewegung. Auch aus ärztlicher Sicht werden zaghafte Ideen geäußert, in welchen Bereichen Pflegeexperten APN unterstützend tätig werden könnten. Gegenwärtig arbeiten die Pflegeexperten APN generalistisch, sind lediglich einem Fachbereich zugeordnet. Mit Blick auf die Strukturen im Gesundheitszentrum und der geringen Größe macht eine Spezialisierung auf Erkrankungen, wie sie in größeren Kliniken anzutreffen ist, keinen Sinn. Lediglich im Bereich der Neurologie, dem Schwerpunkt des Gesundheitszentrums, sind aktuell Spezialisierungen absehbar. Diese sind nur dann sinnvoll, wenn den Pflegeexperten APN auch mit entsprechenden Befugnissen ausgestattet werden. Voraussetzung ist die Substitution und Allokation, zu der ein Paradigmenwechsel not- 80 81 wendig ist. Nach einer Stabilisierungsphase ist eine Weiterentwicklung der Aufgabengebiete durch Anschlussprojekte angestrebt. Durch die Erfahrungen anderer Länder zeigt sich, dass hierfür Entschlossenheit aber auch Geduld benötigt wird. Um das Ziel einer eigenverantwortlichen Betreuung verschiedener Patientengruppen zu erreichen, eignet sich die Erprobung in Modellvorhaben. Zwei Projekte sind angestrebt: Erweiterte Pflegepraxis mit Substitution und Allokation von Aufgaben innerhalb des stationären Settings Sektorenübergreifende, erweiterte Pflegepraxis mit Substitution/Allokation von Aufgaben Bei dem Projekt innerhalb der stationären oder teilstationären Behandlung im Gesundheitszentrum dienen die bereits eingeführten Strukturen der Pflegeexperten APN die Grundlage. Hierfür ist die in der Methodenkritik bereits genannte Tätigkeitsanalyse innerhalb des Pflegedienstes Voraussetzung. Vor der Neuverteilung der Aufgaben bedarf es der Erkenntnis, welche und wie viele Sekundär-, Primär- und Terti- ärtätigkeiten der Pflege von welcher Kompetenzstufe erbracht werden. Aufgaben, die sinnvollerweise neu verteilt werden, ergeben sich aus einer Analyse der Behandlungsprozesse. Die transsektorale, erweiterte Pflegepraxis ist die Königsdisziplin im ANP. Hierfür müssen nicht nur die berufsständigen Barrieren überwunden werden, sondern zusätzlich auch die Sektorengrenzen. Ein wünschenswertes Ziel ist, ANP als erste Anlaufstelle im Gesundheitswesen zu etablieren. Im Anbetracht des Standortes des Gesundheitszentrums Glantal und dessen Auftrag der Sicherstellung der regionalen, medizinischen Versorgung, bietet sich ein Modell zur transsektoralen ANP-Versorgung in den vorhandenen Strukturen an. Für beide Projekte ist es wichtig, alle beteiligten Berufsgruppen bei der Entwicklung mitzunehmen. Steakholder müssen identifiziert, überzeugt und mit einbezogen werden. Mit Blick auf die ANP-Merkmale des ICN (Abbildung 6) besteht ist noch Handlungsbedarf bei der Ausbildung von Pflegeexperten APN. Die Bildungswege und –inhalte müssen in den Projekten mit bearbeitet werden. Die unter Regulierungsmechanismen aufgeführten Punkte sind im Rahmen von Modellprojekten erst einmal nicht relevant. Jedoch sollte die Modellphase nur als erste Erprobung gesehen werden und bereits während der Projektphase Vorbereitungen getroffen werden, die Versorgung in die Regelversorgung zu überführen und die Regulierungen vorzunehmen. Unabhängig von diesen Modellvorhaben sollte die Evaluation der Implementierung von Pflegeexperten im Blick behalten werden. Neben der Erlössteigerung durch den Einsatz von Pflegeexperten kann der Blick hier auf Effekte im Pflegedienst, zum Beispiel der möglichen Steigerung der Arbeitszufriedenheit Pflegender durch gezielte Praxisentwicklung oder den Erwartungen schulisch ausgebildeter Pflegekräfte und deren Erfüllung fallen. 82

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Zusammenfassung

Durch die veränderten Rahmenbedingungen und die höheren Anforderungen erlangt die erweiterte Pflegepraxis auch in Deutschland immer mehr Zuspruch. Seit Jahren werden im tertiären Bildungsbereich Pflegekräfte für die klinische Pflege ausgebildet, diese jedoch nur vereinzelt und oft nicht gezielt in die Pflegepraxis integriert.

In der vorliegenden Arbeit wird geprüft, welche Kompetenzen Absolventen mitbringen, welche Handlungsfelder und Aufgabenbereiche empfohlen werden und welche Wege andere Länder eingeschlagen haben. Im Anschluss wird ein Konzept zur Implementierung von Pflegeexperten auf Bachelor- und Masterniveau vorgestellt. Dieses umfasst Arbeitsdefinitionen, Rollenbeschreibungen und das Kompetenzprofil, welches die Integration der akademischen Pflegenden im pflegerischen Team abbildet. Des Weiteren wird aufgezeigt, wo die Pflegeexperten im Unternehmen verortet sind, mit welchen Methoden sie die Praxisentwicklung forcieren und welche Stolpersteine bei der Implementierung existieren.