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4 Akademisierung der Pflegepraxis – status quo in:

Yvonne Wegner

Pflegeexperten, page 17 - 42

Ein Konzept zur Implementierung hochschulisch ausgebildeter Pflegekräften in der Pflegepraxis

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4335-6, ISBN online: 978-3-8288-7283-7, https://doi.org/10.5771/9783828872837-17

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Soziale Arbeit, vol. 2

Tectum, Baden-Baden
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17 4 Akademisierung der Pflegepraxis – status quo__ Zunehmend werden im tertiären Bildungsbereich Pflegende für die direkte Pflegepraxis qualifiziert. Für den Einsatz in der Patientenversorgung bedarf es der Klärung, welche Kompetenzen diese Absolventen mitbringen und in welchen Tätigkeitsfeldern diese eingesetzt werden können. Hierzu werden nachfolgend die in den Qualifikationsrahmen festgelegten Kompetenzen gegenübergestellt und mit den für Deutschland getroffenen Empfehlungen zum Einsatz von hochschulisch ausgebildetem Pflegepersonal sowie ausgewählten Praxisbeispielen verglichen. Im Anschluss werden die Ergebnisse im Kontext des Gesundheitszentrums Glantal betrachtet. 4.1 Kompetenzen akademisch ausgebildeter Pflegekräfte Die strategische Entscheidung, hochschulisch ausgebildete Pflegekräfte auf verschiedenen Qualifikationsniveaus in die Pflegepraxis zu integrieren, wurde bereits getroffen. Zur Profilbildung der entsprechenden Stellen bedarf es der Klärung, welche Kompetenzen die verschiedenen Absolventen besitzen, um daraus die Aufgaben abzuleiten. Im Folgenden sind die relevanten Kompetenzen aus dem Qualifikationsrahmen für Deutsche Hochschulabschlüsse sowie dem Fachqualifikationsrahmen Pflege für die hochschulische Bildung zusammengefasst. Unter Kompetenz wird wie folgt verstanden: „…die Fähigkeit und die Bereitschaft zum Einsatz einer Kombination aus Wissen, Fertigkeiten und Verhalten, die für die Durchführung einer spezifischen Tätigkeit erforderlich sind.“31 31 Robert Bosch Stiftung 2011, S. 43 18 4.1.1 Bachelor-Ebene Pflegeexperten mit einem Bachelorabschluss verfügen über grundlegende Kenntnisse der Pflegewissenschaft, dessen Begrifflichkeiten, Theorien, Modelle, Konzepte, Forschungsmethoden, beachten forschungsethischen Prinzipien und sind fähig, sich in Themen auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand einzuarbeiten und das entsprechende Wissen anzuwenden. Sie sind mit der Recherche vertraut und bewerten die Quellen kritisch. Sie verfügen über ein Verständnis der relevanten Bezugswissenschaften und der multidisziplinären Arbeit im professionellen Team und erkennen die Relevanz von pflegewissenschaftlichen Begründungen. Pflegerelevante Problemstellungen werden erkannt, formuliert und das Wissen gezielt in der entsprechenden Situation eingesetzt. Bei weitreichenderen, komplexen Problemstellungen erkennen sie solche, sind in der Lage sich diese im Rahmen einer professionellen Beziehung zu erschließen und ziehen gegebenenfalls weitere Quellen oder Akteure zu ihrer Analyse hinzu. Sie beachten die Individualität, beziehen die Lebensumstände der Patienten mit ein und berücksichtigen diese bei der Ermittlung des Versorgungsbedarfes im Einzelfall. Das Wissen wird gezielt für die kritische Analyse genutzt. Die Planungen und Konzepte werden auf Grundlage fachlicher, professioneller und humaner Standards sowie unter empirisch gesicherten Erkenntnissen vorgenommen und können innerhalb der Institution sowie vor den Klienten vertreten werden. Weiterentwicklungsbedarf wird aufgezeigt und Erkenntnisse aus der Evaluation für die Weiterentwicklung genutzt. Im Rahmen von Konzeptionen werden institutionelle, normative und ethische Aspekte betrachtet sowie im Kontext der Qualitätssicherung reflektiert und diskutiert. Pflegewissenschaftliche Forschung wird begleitet, in begrenztem Umfang angeleitet durchgeführt und Bildungsprozesse unterstützt. Das berufliche Handeln wird theoretisch fundiert und reflektiert evaluiert.32 Mit Hilfe ihrer erworbenen Kompetenzen unterstützen 32 vgl. Hülsken-Giesler und Korporal 2013, S. 25-37; Bundesministerium für Bildung und Forschung et al., S. 2-3 19 sie Kollegen in ihrer Reflexionsfähigkeit und sind in der Lage, Verantwortung in einem Team zu übernehmen.33 4.1.2 Master-Ebene Masterabsolventen verfügen über ein umfangreiches Verständnis von evidenzbasiertem Pflegehandeln. Das Handeln ist wissenschaftsorientiert ausgelegt. Voraussetzungen sind umfassende Kenntnisse und ein vertieftes Verständnis der Pflegewissenschaft, wissenschaftlicher Grundlagen und Methoden. Diese Kenntnisse werden im entsprechenden Kontext eingeordnet sowie in pflegerelevanten Problemstellungen, zu Entwicklung neuer Aufgabenfelder und komplexer Lösungsstrategien angewendet und evaluiert. Das Wissen kann auch in neuen und unvertrauten Situationen angewendet werden. Sie überblicken komplexe Prozesse, reflektieren die Konzeptentwicklung und berücksichtigen die Bedürfnisse der Klienten. Sie verfügen über einen themenbezogenen Überblick des nationalen und internationalen Forschungsstandes. Masterabsolventen besitzen Kommunikations-, Vermittlungs- und Beratungskompetenzen, die sie auch in komplexen Handlungsfeldern der Pflege zielgerichtet einsetzen. Institutionelle Kontexte werden unter Berücksichtigung der relevanten Bezugswissenschaften betrachtet, die Arbeit erfolgt interdisziplinär und interprofessionell. Ethisch relevante Problemstellungen mit pflegerischem Bezug werden analysiert, bewertet und entsprechend vertreten. Bearbeitete Problemstellungen sowie Forschungsergebnisse werden evidenzbasiert vor Hilfebedürftigen, institutionellen und gesellschaftlichen Vertretern sowie der Fachöffentlichkeit vertreten. Die Wissensvermittlung findet methodisch fundiert statt. Masterabsolventen geben innovative Impulse und beteiligen sich mit Hilfe der Praxisforschung an der Weiterentwicklung der Pflegewissenschaft, Pflegepraxis, Aus-, Fort- und Weiterbildung und des Praxistransfers. Sie übernehmen eigenständig die Steuerung und Leitung der Konzeptentwicklung der gesamten Organisa- 33 vgl. Stemmer und Dorschner 2007, S. 3 20 tion und Weiterentwicklung der Qualitätssicherung auf Grundlage wissenschaftlicher Methodik.34 4.1.3 Gegenüberstellung und Diskussion Stellt man die Kompetenzen der beiden Qualifikationsebenen vergleichend gegenüber (Tabelle 1), lassen sich bereits die möglichen Arbeitsfelder der Absolventen ableiten. Tabelle 1: Gegenüberstellung der Kompetenzen von Bachelor- und Masterabsolventen Bachelorabsolventen Masterabsolventen Grundlegende Kenntnisse in der Pflegewissenschaft. Vertieftes Verständnis der Pflegewissenschaft. Planung und Konzeption auf Grundlage fachlicher, professioneller, humaner Standards und empirisch gesicherter Erkenntnisse. Konzeptentwicklung mit wissenschaftlicher Methodik. Forschung kann begleitet und in begrenztem Umfang angeleitet durchgeführt werden. Geben innovative Impulse und führen Praxisforschung durch. Berufliches Handeln ist theoretisch fundiert und reflektiert evaluiert. Berufliches Handeln ist wissenschaftsorientiert. Arbeitsergebnisse können innerhalb der Institution und vor Klienten vertreten werden. Arbeits- und Forschungsergebnisse werden evidenzbasiert innerhalb der Institution, vor Klienten, gesellschaftlichen Vertretern sowie der Fachöffentlichkeit vertreten. Unterstützen Kollegen in der Reflexionsfähigkeit. Wissensvermittlung in der Aus-, Fort-, und Weiterbildung ist methodisch fundiert. Die Fertigkeiten von Bachelorabsolventen, zum Beispiel das Erkennen von Pflegeproblemen und dem Weiterentwick- 34 vgl. Hülsken-Giesler und Korporal 2013, S. 25-38; Bundesministerium für Bildung und Forschung et al., S. 4-5 21 lungsbedarf sowie die kritische Analyse dieser,35 sprechen für eine gezielte Unterstützung des Praxisfeldes einer Station. Die Verantwortung im Team36 kann durch die fachliche Unterstützung der Stationsleitung übernommen werden. Masterabsolventen überblicken komplexe Prozesse im institutionellen, interdiszpinären und interprofessionellen Kontext und mit Blick auf die Bezugswissenschaften. Des Weiteren verfügen sie über ausgeprägte Kommunikations-, Vermittlungs-, und Beratungskompetenzen.37 Der alleinige Einsatz in einem stark abgegrenzten Arbeitsfeld wie einer Station würde diese Kompetenzen limitieren, weshalb Masterabsolventen in größeren Arbeitsfeldern wie zum Beispiel einem Fachbereich, im Rahmen der Konzeptentwicklung jedoch auch für die gesamte Klinik tätig werden sollten. 4.2 Empfehlungen zum Einsatz akademischer Pflegekräfte___ Im Gegensatz zu den Arbeitgebern im Gesundheitswesen ist die Thematik in der Pflegewissenschaft und Berufspolitik sehr präsent. In Veröffentlichungen wird sich deutlich für den Einsatz hochschulisch ausgebildeter Pflegefachpersonen in komplexen Aufgabenbereichen wie der Pflege ausgesprochen.38 Der Deutsche Pflegerat e.V. hat gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft e.V. ein Arbeitspapier mit Empfehlungen für mögliche Arbeitsfelder akademisch ausgebildeter Pflegefachpersonen ausgearbeitet, in dem auf die Zuordnung von Aufgaben in der direkten Klientenversorgung eingegangen wird.39 Im Gutachten des Sachverständigenrates zur Entwicklung im Gesundheitswesen wurde 200740 und 201441 auf die Substitution von Aufgaben 35 vgl. Hülsken-Giesler und Korporal 2013, S. 25-37; Bundesministerium für Bildung und Forschung et al., S. 2-3 36 vgl. Stemmer und Dorschner 2007, S. 3 37 vgl. Hülsken-Giesler und Korporal 2013, S. 25-38; Bundesministerium für Bildung und Forschung et al., S. 4-5 38 vgl. Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen 2007; Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen 2014; Schüler et al. 2013; Wissenschaftsrat 2012 39 vgl. DPR und DPG 2014 40 vgl. Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen 2007, S. 23 22 und die evidenzbasierte Pflegepraxis im Rahmen von Advanced Nursing Practice (ANP) hingewiesen. 4.2.1 Handlungsfelder und Aufgabenbereiche von Absolventen mit Bachelorabschluss Die Notwendigkeit der Verortung von Bachelorabsolventen wird vermehrt in der direkten Patientenversorgung gesehen. So formuliert der DBFK in einem Positionspapier unter den konkreten Aufgaben von primärqualifizierten Bachelorabsolventen im ersten Punkt „primärer Einsatz in der direkten Pflege in der täglichen Routine“42, setzt jedoch hier Rahmenbedingungen voraus, die den Akteuren ermöglicht, weitreichendere Aufgaben erledigen zu können. Hierzu zählen die zeitlichen Ressourcen für theoretische Arbeiten (z.B. Literaturrecherchen) wie auch der Zugang zu wissenschaftlicher Literatur.43 Die Aufgaben in der direkten Pflege beziehen sich auf die Prozesssteuerung44 und Betreuung komplexerer Fälle, die sowohl den gezielten Einsatz von Assessments zur Pflegebedarfsermittlung, Pflegeplanung, die Evaluation der Versorgung wie auch auf den konkreten Einzelfall abgestimmte Interventionen beinhalten.45 Sie evaluieren Problemlösungen, schätzen Folgen ab und modifizieren den Behandlungsplan. Standards, Leitlinien und Handlungsempfehlungen werden zielorientiert eingesetzt und bei begründetem Bedarf auf den individuellen Kontext adaptiert.46 Der Verband der PflegedirektorInnen der Unikliniken (nachfolgend VPU genannt) empfiehlt Bachelorabsolventen vollumfänglich in der direkten Patientenversorgung einzusetzen.47 41 vgl. Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen 2014, S. 507 42 DBFK 2016, S. 1 43 vgl. DBFK 2016, S. 2 44 vgl. Stemmer und Dorschner 2007, S. 3 45 vgl. DBFK 2016, S. 1; DPR und DPG 2014, S. 3; Grünewald et al. 2015, S. 6; Hülsken-Giesler und Korporal 2013, S. 25-37 46 vgl. Hülsken-Giesler und Korporal 2013, S.32 ; Stemmer und Dorschner 2007, S. 3 47 vgl. Verband der Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren der Universitätskliniken und Medizinischen Hochschulen Deutschlands 2016, S. 19 23 Neben der Tätigkeit in der direkten Patientenversorgung können die Absolventen zusätzlich in weiteren Bereichen eingesetzt werden. Folgende Arbeitsbereiche werden benannt: Angeleitete und unterstützende Mitarbeit in Forschungsprojekten und der anschließenden Implementierung der Ergebnisse in die Praxis. 48 Qualitätsentwicklung auf Abteilungsebene im Rahmen von Konzeptentwicklung, -planung und –evaluation 49 Planung, Moderation, Leitung und Evaluation von Projekten zur Erweiterung des pflegerischen Angebotes (z.B. Patientenedukation, Gesundheitsförderung, etc.) 50 Mitwirkung bei der Entwicklung, Anpassung und Evaluation von Leitlinien, Standards und Verfahrensanweisungen nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft 51 Beratung und Anleitung von Kollegen, Auszubildenden, Patienten und Angehörigen 52 Qualitätssicherung: Erhebung und Auswertung von Kennzahlen im pflegerischen Bereich ( z.B. Sturz, Dekubitus, etc.) und Risiken 53 Koordination der weiteren Versorgung 54 Pflegebegutachtung 55 Übernahme der fachlichen Verantwortung im Arbeitsbereich 56 Spezialist z.B. im Wundmanagement, Kontinenzberatung etc. 57 Interprofessionelle Zusammenarbeit 58 48 vgl. DBFK 2016, S. 2; DPR und DPG 2014, S. 3; Hülsken-Giesler und Korporal 2013 49 vgl. DPR und DPG 2014, S.3; Grünewald et al. 2015, S. 20; Stemmer und Dorschner 2007, S. 3; Hülsken-Giesler und Korporal 2013, S. 29-30 50 vgl. Grünewald et al. 2015, S. 18 und 21 51 vgl. DPR und DPG 2014, S. 3; Grünewald et al. 2015, S. 21; Hülsken- Giesler und Korporal 2013, S. 25-37 52 vgl. DBFK 2016, S. 2; DPR und DPG 2014, S. 3; Grünewald et al. 2015, S. 18 53 vgl. DPR und DPG 2014, S. 2; Grünewald et al. 2015, S. 20 54 vgl. DPR und DPG 2014, S. 2 55 vgl. DPR und DPG 2014, S. 2 56 vgl. Grünewald et al. 2015, S. 17;Stemmer und Dorschner 2007, S. 3 57 vgl. Grünewald et al. 2015, S. 17; Stemmer und Dorschner 2007, S. 3 24 Diagnostische Maßnahmen 59 Öffentlichkeitsarbeit und berufspolitisches Engagement 60 Auswahl, Vorbereitung und Durchführung von teaminternen Fortbildungen 61 Planung, Leitung, Moderation von Veranstaltungen zum fachlichen Diskurs (Pflegevisiten, Fallbesprechungen und Journal Club) 62 Entwickelt den Rahmen für die Delegation ärztlicher/pflegerischer Aufgaben, setzt diesen um und nimmt die Evaluation vor 63 4.2.2 Handlungsfelder und Aufgabenbereiche von Absolventen mit Masterabschluss Im Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft e.V. werden die Aufgaben der Masterabsolventen aufbauend auf den Tätigkeiten von Bachelorabsolventen gesehen. Bachelorabsolventen agieren auf Stationsebene, Masterabsolventen hingegen auf Einrichtungs-, Träger- und Verbandsebene. Sie sind in der Organisationsentwicklung und im Projektmanagement tätig, erstellen Pflegegutachten und fungieren als Sachverständige bei Gerichtsverfahren. Sie entwickeln und evaluieren wissenschaftlich fundiert pflegefachliche Konzepte. Ein Arbeitsgebiet wird im Fallmanagement mit Blick auf die Schnittstellen sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit gesehen.64 Ein weiteres Tätigkeitsfeld sind die Beratungen, Schulungen und Anleitungen verschiedener Zielgruppen inklusive der entsprechenden Konzeptualisierung.65 Absolventen von Masterstudiengängen handeln wissenschaftsorientiert, steuern eigenständig komplexe Prozesse, Konzeptentwicklung, betreiben Praxisforschung und entwickeln komplexe Lösungsstrategien, auch in ihnen bisher un- 58 vgl. Grünewald et al. 2015, S. 18 59 vgl. Grünewald et al. 2015, S. 17 60 vgl. Grünewald et al. 2015, S. 22 61 vgl. Grünewald et al. 2015, S. 22 62 vgl. Grünewald et al. 2015, S. 22 63 vgl. Grünewald et al. 2015, S. 20 64 vgl. Stemmer und Dorschner 2007, S. 4-6 65 vgl. Hülsken-Giesler und Korporal 2013, S. 26-37 ; Stemmer und Dorschner 2007, S. 6 25 bekannten Themenbereichen. Innovative Konzepte werden erprobt, weiterentwickelt und evaluiert.66 Absolventen mit Masterabschluss in der Pflege werden mit Blick auf die unmittelbare Pflegepraxis in erster Linie mit dem Konzept des Advanced Nursing Practice in Verbindung gebracht. Die American Nurses Association benennt drei Merkmale von ANP: „Spezialisierung, Erweiterung und Fortschritt“67. Spezialisierung bezieht sich auf eine Patientengruppe oder ein spezielles Gesundheitsproblem. Unter Erweiterung wird die erweiterte Pflegepraxis verstanden, die neben der evidenzbasierten Pflege auch eine Erweiterung der Kompetenzen und Aufgaben bis zur Substitution von Aufgaben beinhalten kann. Der Fortschritt wird aus den beiden zuvor genannten Merkmalen vorangetrieben.68 4.2.3 Gegenüberstellung und Diskussion Für den Einsatz von Bachelorabsolventen wurde eine Fülle an Aufgaben zusammengetragen. Alle Empfehlungen sprechen sich dafür aus, Bachelorabsolventen in die direkte Pflege zu integrieren.69 Die Anregung des VPU70, diese Absolventen ihre gesamte Arbeitszeit über in der Pflegepraxis einzusetzen, sieht die Verfasserin kritisch. Um dem Anspruch gerecht zu werden, die Praxis nach fachlich, professionellen Standards und empirisch gesicherten Erkenntnissen weiterzuentwickeln und eigenes berufliches Handeln theoretisch fundiert auszurichten,71 ist es notwendig den Empfehlungen des DBFK72 zu folgen und den Mitarbeitern die zeitliche Ressource dafür zur Verfügung zu stellen. Blickt man auf die weiteren Empfehlungen für den Einsatz von Bachelorabsolventen, zeigt sich eine undifferenzierte Ansammlung an Tätigkeiten. Die Vermutung liegt nahe, dass bei der Suche nach Aufgaben für diese Beschäftigtengruppe alle Tätigkeiten, die durch den tertiären 66 vgl. Hülsken-Giesler und Korporal 2013, S. 26-37 67 ANA 1995 zitiert nach Spirig und Geest 2004, S. 233 68 vgl. Spirig und Geest 2004, S. 234 69 vgl. DBFK 2016, S. 1; DPR und DPG 2014, S. 3; Grünewald et al. 2015, S. 6; Hülsken-Giesler und Korporal 2013, S. 25-37 70 vgl. Verband der Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren der Universitätskliniken und Medizinischen Hochschulen Deutschlands 2016, S. 19 71 vgl. Hülsken-Giesler und Korporal 2013, S. 25-37 72 vgl. DBFK 2016, S. 2 26 Bereich abgedeckt werden können aufgezählt wurden, ohne eine Differenzierung zwischen Bachelor- und Masterniveau vorzunehmen. Auf Grundlage der im Kapitel 4.1.1 aufgeführten Kompetenzen sind die genannten Aufgaben, die eine Planung, Moderation, Leitung und Evaluation von Projekten sowie die Entwicklung neuer Aufgabengebiete vorsehen, strittig. Die Vorbereitung und Durchführung von teaminternen Fortbildungen ist ebenso mit Blick auf die methodischdidaktischen Fertigkeiten der Mitarbeiter zu prüfen und sollte nach Betrachtung der Kompetenzen in den Bereich der Masterabsolventen fallen. Der Aussage der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft e.V., wonach die Aufgaben der Masterabsolventen auf den Tätigkeiten der Bachelorabsolventen aufbauen,73 kann hier nur bedingt zugestimmt werden. In Bezug auf die Forschungskompetenz und einiger weiterer Aufgaben ist dies zutreffend. Unter Berücksichtigung der fortschreitenden Entwicklung der erweiterten Pflegepraxis im Sinn von Advanced Nursing Practice und den Bestrebungen zur Substitution von Aufgabenkomplexen ist auf eine klare Abgrenzung und eine eindeutige Zuschreibung der Tätigkeiten zu Qualifikationsniveaus zu achten. Eine klare Abgrenzung der Arbeitsbereiche ist nicht nur für die Stellenentwicklung wichtig, sondern auch Grundlage für die Argumentation zum Einsatz von hochqualifizierten Masterabsolventen sowie zur Begründung einer entsprechenden Entlohnung. Auch kann so eine Überforderung der Bachelorabsolventen, die für dieses Aufgabengebiet nicht ausgebildet sind, vermieden werden. 4.3 Praxismodelle zum Einsatz akademischen Pflegepersonals Betrachtet man den Einsatz akademisch ausgebildeten Pflegepersonals auf internationaler Ebene, erkennt man schnell die Mannigfaltigkeit der Ausbildungswege. Während in Deutschland die grundständige Ausbildung im Tertiärbereich noch eher die Seltenheit darstellt, ist diese in europäischen Nachbarländern bereits die Regel.74 Durch diese verschiedenen Ausbildungsniveaus wird der Vergleich der Praxismodelle beeinträchtigt. In der nachfolgenden Gegenüberstellung 73 vgl. Stemmer und Dorschner 2007, S. 4-6 74 vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 2014, S. 52 27 werden die Unterschiede kurz aufgezeigt, sich in der näheren Beschreibung jedoch auf vergleichbare Strukturen gestützt. Der Einsatz von Pflegefachpersonal mit Masterabschluss wird in der direkten Patientenversorgung mit einer erweiterten Pflegepraxis und dem Modell von Advanced Nursing Practice in Verbindung gebracht. Die Entwicklung von Advanced Nursing Practice ist im deutschsprachigen Raum eine vergleichsweise neuere Entwicklung. In weiten Teilen der Welt findet das Konzept bereits seit vielen Jahren in unterschiedlicher Ausprägung Anwendung. Der ICN versteht unter einer Advanced Practice Nurse „eine examinierte Pflegekraft mit Grundausbildung (…), die Expertenwissen erworben hat, komplexe Entscheidungen treffen kann und über klinische Kompetenzen für eine erweiterte Pflegepraxis verfügt, wobei deren Merkmale vom Kontext und/oder Land bestimmt wird, in dem die Pflegekraft ihre Arbeitserlaubnis erworben hat. Als Zugangsvoraussetzung wird ein Mastertitel empfohlen.“75 Angesichts des breiten Einsatzspektrums haben sich in der Rollenentwicklung verschiedene Untergruppen von Advanced Nursing Practice gebildet. International werden hier am häufigsten Nurse Practitioner (NP) und Clinical Nurse Specialist (CNS) genannt, welche sich auf verschiedenen Praxisdomänen beziehen. Auch wenn Nurse Practitioner häufig als Generalisten beschrieben werden und CNS sich auf ein Fachgebiet oder eine Erkrankung spezialisiert haben, findet sich international keine einheitliche Verwendung dieser Begriffe.76 Für den Vergleich werden Praxisbeispiele übernommen, die für die Entwicklung des Konzeptes im Gesundheitszentrum hilfreich erscheinen. Die nachfolgend vorgestellten Praxismodelle stellen lediglich einen kleinen Ausschnitt aus der Pflegepraxis im nationalen und internationalen Rahmen und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. 4.3.1 Umsetzung in Deutschland Akademisch ausgebildetes Pflegepersonal wird im Rahmen verschiedener Modelle und in unterschiedlicher Tiefe in die 75 ICN 2002 nach Schober und Affara 2008, S. 51 76 vgl. Schober und Affara 2008, S. 89-93 28 Pflegepraxis eingebunden, so dass sich auch hier alleine im deutschsprachigen Raum ein heterogenes Bild an Möglichkeiten ergibt. In den vergangenen Jahren hat die Entwicklung rasant zugenommen. Es finden sich in der Literatur Modelle der dualen Führung einer Station, die Implementierung von Pflegeexperten sowie das Modell der Gleichstellung, bei dem Bachelorabsolventen wie schulisch ausgebildetes Pflegepersonal eingesetzt werden.77 Nach Empfehlung des VPU werden in Universitätskliniken Bachelorabsolventen wie traditionell ausgebildete Pflegefachkräfte in der Praxis eingesetzt. Nach ausreichender Berufserfahrung können sie Prozessverantwortung für komplexe Fälle übernehmen, sich zu einem Thema spezialisieren und Aufgaben in der Praxisentwicklung übernehmen. Neben dem stationsbezogenen Einsatz ist auch ein bezugspflegerischer Personalpool möglich.78 Allgemein ist die Quote der tertiär ausgebildeten Pflegenden in der deutschen Pflegepraxis gering. Im Jahr 2015 wurde von dem Netzwerk Pflegeforschung des VPU eine standardisierte Befragung aller deutschen Universitätskliniken und Medizinischen Hochschulen zum Einsatz akademisch ausgebildeter Pflegepersonen durchgeführt, bei der eine Rücklaufquote von 75% erreicht werden konnte. Hier konnte eine Quote von 1% hochschulisch ausgebildeter Pflegenden im direkten Patientenkontakt ermittelt werden.79 Während Bachelorabsolventen häufiger in der Pflegepraxis zu finden sind, stellen höhere akademische Abschlüsse eher eine Seltenheit dar. Pflegefachpersonen auf Masterniveau sind im Praxisfeld als Pflegeexperten APN eingesetzt. Laut dem Deutschen Netzwerk für ANP/APN finden sich in zwei deutschen Kliniken, dem Universitätsklinikum Freiburg und dem Florence Nightingale Krankenhaus in Düsseldorf, Pflegeexperten in der direkten Patientenversorgung.80 Möglicherweise gibt es in weiteren Kliniken Ansätze zur Implementie- 77 vgl. Andree 2013, S. 22ff 78 vgl. Verband der Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren der Universitätskliniken und Medizinischen Hochschulen Deutschlands 2016, S. 19- 20 79 vgl. Verband der Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren der Universitätskliniken und Medizinischen Hochschulen Deutschlands 2016, S. 12 80 vgl. Schwerdt 2015, S. 28 29 rung klinischer Pflegeexperten, diese werden aufgrund der unzureichenden Datenlage jedoch nicht berücksichtigt. Das Universitätsklinikum Freiburg hat bereits im Jahr 2000 mit der Entwicklung der Pflegeexpertenrolle begonnen.81 Die Pflegeexperten APN sind Gesundheits- und Krankenpfleger mit mehrjähriger Berufserfahrung, einem Hochschulstudium und verfügen über Spezialistenkenntnisse im jeweiligen Fachgebiet. Durchschnittlich 50% der Arbeitszeit findet in der direkten Betreuung definierter Patientengruppen statt. Die Aufgaben umfassen hier die Durchführung eines Konsiliardienstes, die Edukation und Beratung von Patienten und Angehörigen. Eine weitere Zielgruppe der Pflegeexperten sind die Pflegenden. Diese erhalten Beratung, Unterstützung und Begleitung in komplexen Pflegesituationen sowie bei der fachlichen Weiterentwicklung im Rahmen von innerbetrieblichen pflegefachlichen Fortbildungen und Praxisbegleitungen. Im Bereich der Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung beteiligen sich die Pflegeexperten APN an der Entwicklung, Implementierung und Evaluation von Standards und innovativer Konzepte und leiten entsprechende Arbeitsgruppen. Durch das Hinterfragen bestehender Pflegepraktiken tragen sie maßgeblich zum Theorie-Praxis-Transfer bei. Im Rahmen der Pflegeforschung sorgen sie für eine Integration einzelner Projekte in die Pflegepraxis und wirken in diesen aktiv mit. Weitere Aufgabenfelder sind die Vernetzung, sowohl interdisziplinär als auch zu Studienstandorten der Pflegewissenschaft, und die Öffentlichkeitsarbeit. Des Weiteren beraten die Pflegeexperten APN das Management in pflegefachlichen Angelegenheiten. 82 Das Florence-Nightingale-Krankenhaus in Düsseldorf beschäftigt seit 2010 Pflegeexperten APN. Auch in Düsseldorf unterstützen die Pflegeexperten APN die Pflegenden sowie das Management fachlich und forcieren die Theorie-Praxis- Vernetzung, um die Profession Pflege weiter zu entwickeln.83 Als Schwerpunkt werden „erweiterte pflegerische Interventionen in der klinischen Versorgung von Patienten“84 gese- 81 vgl. Ullmann et al. 2015, S.16 82 vgl. Mendel und Feuchtinger 2009 83 vgl. Ullmann et al. 2015, S. 16 84 Ullmann et al. 2015, S. 16 30 hen. Zu diesen gehören die Beratung von Patienten und Angehörigen wie auch von Pflegenden sowie die Koordination einer sektorenübergreifenden Versorgung. Neben den direkten Interventionen an und mit den Leistungsempfängern werden sogenannte APN-Teams eingesetzt.85 Ullmann und Ullmann empfehlen den Aufbau von APN-Teams, um den Aktionsraum der Pflegeexperten APN zu erweitern. Die Leitung der APN-Teams unterliegt einem Pflegeexperten APN. Mitglied dieser Teams können Pflegende mit einer 3-jährigen Ausbildung und ggf. einer weiteren Qualifizierung sein.86 Ziel ist es, im pflegerischen Team eine Kompetenzerweiterung sowie eine kontinuierlichere Durchführung der Interventionen zu erreichen. Die Mitglieder des APN-Teams werden durch die Pflegeexperten APN befähigt, die Interventionen entsprechend bei den Leistungsempfängern durchzuführen.87 4.3.2 Blick über den Tellerrand – Entwicklungen im internationalen Raum Wie bereits zuvor beschrieben, findet die grundständige pflegerische Ausbildung im internationalen Vergleich auf verschiedenen Niveaus statt und der Einsatz von Hochschulabsolventen in der Pflegepraxis ist in vielen Ländern übliche Praxis.88 Diese Tatsache erschwert den internationalen Vergleich, weshalb sich in diesem Fall auf die Implementierung von Pflegenden mit Masterabschluss im Rahmen von Advanced Nursing Practice beschränkt wird. Aufgrund der unterschiedlichen Strukturen im Gesundheitswesen sind die Modelle nicht immer auf das deutsche Gesundheitswesen übertragbar. Nachfolgend werden beispielhaft Praxismodelle einiger Länder angeführt, die relevant für die Entwicklung der Rolle im Gesundheitszentrum Glantal erscheinen. Neben einem kurzen Blick in den skandinavischen und angelsächsischen Raum werden die Niederlande und die Schweiz als Beispiel angeführt. Die Ausführungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern dienen der Profilbildung für das nachfolgende Konzept. 85 vgl. Ullmann et al. 2015, S. 16 86 vgl. Ullmann und Ullmann 2015, S. 26 87 vgl. Ullmann et al. 2015, S. 16 88 vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 2014, S. 52 31 Advanced Nursing Practice ist im angelsächsischen Raum und in den skandinavischen Ländern bereits seit vielen Jahren etabliert.89 APNs in den USA blicken auf die längste Entwicklungszeit zurück und haben einen großen Handlungsspielraum in der Diagnostik, Behandlung und Therapie, zu dem zum Beispiel auch die Verordnung von Medikamenten gehört. Das Aufgabengebiet umfasst neben der direkten klinischen Pflege, dem Assessment und Anamnese, der Diagnostik und Beratung auch Aufgaben in der Forschung, in der Ausbildung und im Management. APNs agieren als Case Manager und übernehmen hier die Gate-Keeper-Funktion, indem sie mit anderen Professionen zusammenarbeiten und Überweisungen vornehmen.90 In Schweden, Finnland und Großbritannien werden Patienten mit verschiedenen Krankheitsbildern in pflegegeführten Kliniken, sogenannten Nurse-led Clinics, betreut.91 Advanced Nursing Practice ist in den Niederlanden im Vergleich der USA noch recht jung, hat jedoch bereits in kurzer Zeit eine enorme Entwicklung erlebt (vgl. Abbildung 5).92 Auch hier werden APNs zur Stärkung der Versorgungskontinuität eingesetzt, was neue Karrieremöglichkeiten für Pflegende eröffnet. Im Jahr 2003 wurde von Hausärzten mit Unterstützung verschiedener Steakholder das Projekt „Nurse Practitioner in general practice“ initiiert, in dessen Rahmen ein neues Pflegemodell etabliert und ein Ausbildungsprogramm für Nurse Practitioner, einer Unterrolle des Advanced Practice Nursing, entwickelt wurde. Ziel des Projektes war die Entlastung der Hausärzte durch Pflegende, die die Versorgung einfachen, geringfügigeren Beschwerden übernehmen und den Hausärzten so mehr Zeit und Aufmerksamkeit für die komplexeren Erkrankungen bleibt.93 In einem Modell in Maastricht übernehmen speziell in der Diabetesversorgung ausgebildete Pflegeexperten die Betreuung der Patienten inklusive der Dosierung und Verschreibung der entsprechenden 89 vgl. Ullmann et al. 2015, S. 8; Sachs 2007, S. 105 90 vgl. Sachs 2007, S. 106-109 91 vgl. Panfil und Sottas 2009, S. 13 92 vgl. ter Maten-Speksnijder et al. 2014, S. 45-46 93 vgl. Dierick-Van Daele 2010, S. 11; Dierick-Van Daele et al. 2010, S. 234 32 Medikamente.94 Sachs beschreibt im Jahr 2007 eine Delegation von speziellen medizinischen Aufgaben.95 Bereits im Jahr 2010 wird im Health System Review der Niederlande von der Substitution berichtet.96 Die Aufgaben umfassen die Organisation und Koordination der Versorgung im Rahmen von Case Management, der Anamnese und körperlichen Untersuchung, der Diagnostik und sowie der Interpretation der Laborwerte. Edukation, Aufklärung und Beratung von Patienten und Pflegenden sowie die Gesundheitsförderung und -fürsorge sind ebenfalls im Tätigkeitsfeld der APNs zu finden wie die Praxisentwicklung. Nurse Practitioner dienen als Erst- Ansprechpartner für die Patienten.97 Die Rolle der Nurse Practitioner in den Niederlanden orientiert sich am CAN- MEDS-System und wurde durch den Niederländischen Berufsverband der Pflegekräfte definiert.98 Sowohl die Aufgabenbereiche der Advanced Practice Nurse, benannt als Nurse Practitioner, als auch die Orientierung am CANMEDS-System bildet die enge Zusammenarbeit der Pflegenden mit den Medizinern ab. Auch wenn die Rolle in den Niederlanden als Nurse Practitioner benannt ist, finden sich hier ebenso Merkmale einer Clinical Nurse Specialist. Roodbol beschreibt hierzu treffend, dass es nur „eine Domäne: die des kranken Menschen“ gibt.99 94 vgl. Geithner, Luise, Arnold, Doris et al. 2016, S. 29 95 vgl. Sachs 2007, S. 111-112 96 vgl. Schäfer et al. 2010, S. 131 97 vgl. Sachs 2007, S. 111-112; V&VN VS 2015 S. 1-2 98 vgl. Hamric et al. 2014, S. 134; V&VN VS 2015, S. 1-2 99 Roodbol, S. 4 nach Schober und Affara 2008, S. 90 33 Abbildung 5: ANP Entwicklung in den Niederlanden100 In der Schweiz ist Advanced Nursing Practice in erster Linie in der Rolle des Clinical Nurse Spezialist, die sich auf eine spezielle Patientengruppe fokussiert, präsent. Die Rolle des Nurse Practitioners steht aufgrund vergleichbarer Rahmenbedingungen wie in anderen Ländern ebenfalls zur Diskussion.101 In den Solothurner Spitälern sind die Pflegeexperten sowohl als Spezialisten, als auch als Generalisten eingesetzt. Ihr Anteil in der direkten Pflegepraxis ist mit ca. 25% ihrer Arbeitszeit relativ gering. Hier betreuen sie ausgewählte Patienten mit komplexen Fragestellungen. Am Ende des Dienstes findet eine Fallbesprechung statt, in der der Pflegeexperte verbindliche Empfehlungen zur weiteren pflegerischen Versorgung ausspricht.102 „Die kontinuierliche Unterstützung von Patienten, Angehörigen und pflegerischen Kollegen ist eine der Hauptaufgaben der Pflegeexperten.“103 Ein weiteres, in der Schweiz zentrales Arbeitsfeld der Pflegeexperten ist die Praxisentwicklung, die interprofessionell ausgerichtet ist und von Pflegeexperten geleitet wird. Die interprofessionelle Ausrichtung wird von den Ärzten geschätzt und 100 Quelle: ter Maten-Speksnijder et al. 2014, S.46 101 vgl. Mahrer-Imhof et al. 2012, S. 10 102 vgl. Barandun Schäfer et al. 2011, S. 8 103 Rothfuß 2016, S. 25 34 trägt zur Zusammenarbeit und Kommunikation bei.104 Die Anzahl an entsprechend ausgebildeten Pflegeexperten kann den Bedarf in der Pflegepraxis nicht decken. Aus diesem Grund wurde der Ansatz der ANP-Teams geschaffen, um eine Entwicklung in Richtung ANP anzustoßen.105 Diese Teams werden von einem Pflegeexperten geleitet und sind mit Pflegenden der unterschiedlichen Ausbildungsniveaus besetzt.106 Im Universitätskinderspital Zürich wurde die Zusammensetzung der ANP-Teams weiterentwickelt. Diese bestehen nun aus zwei Teams. Einem Konzeptteam, welches die inhaltliche Bearbeitung des Themas übernimmt und mit hochschulisch ausgebildeten Pflegekräften besetzt ist. In den Klinikteams finden sich grundständig ausgebildete Mitarbeiter, die in der Praxis sich durch eine hohe Akzeptanz bei den Kollegen auszeichnen und so zur Implementierung des Konzeptes in die Praxis beitragen.107 Auch in der Schweiz wird über Nurse-led Care berichtet, welches jedoch divergent ausgestaltet ist. Im Kantonspital Aarau wird die pflegegeleitete Betreuung durch sogenannte „Champions“108 durchgeführt, welche als „erfahrene Pflegefachperson, die sich besonders für das Gelingen des NLC einsetzen“109, beschrieben werden. Das Modell stützt sich auf die Delegation von Tätigkeiten110 und erfüllt nicht die Kriterien von ANP. Im Universitätsspital Basel hingegen findet sich die pflegegeleitete Betreuung im Rahmen des Advanced Nursing Practice auf Master- und Doktoratsebene wieder.111 4.3.3 Gegenüberstellung und Diskussion Im internationalen Vergleich zeigen sich bei der Entwicklung neuer Rollen im Gesundheitswesen starke Parallelen. In den meisten Ländern führte ein Mangel an Medizinern mit einer drohenden Versorgungslücke zu der Einführung von Advanced Nursing Practice. Auch in Deutschland wird, im Besonde- 104 Barandun Schäfer et al. 2011, S. 8 105 vgl. Ullmann-Bremi et al. 2011, S.21 106 vgl. Ulrich et al. 2010, S. 404 107 vgl. Ullmann-Bremi et al. 2011, S. 25 108 Schäfer-Keller 2012, S. 15 109 Schäfer-Keller 2012, S. 15 110 vgl. Schäfer-Keller 2012, S. 14 111 vgl. Universitätsspital Basel, siehe Anhang, S. 89 35 ren außerhalb der Ballungszentren, dieser Mangel prognostiziert.112 Ein weiterer Beweggrund sind die verschärften Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen. Der ökonomische Druck steigt, so dass neue Modelle und Prozessoptimierungen nötig sind. Die Entwicklungen im deutschen Gesundheitswesen verlaufen trotz dieses Drucks sehr schleppend. Bachelorabsolventen werden vereinzelt in der Praxis eingesetzt, wobei ihnen oft nicht der nötige Freiraum zur Entfaltung ihrer Kompetenzen gegeben wird. Um Problemstellungen auf Grundlage des aktuellen wissenschaftlichen Stands zu bearbeiten, müssen die Rahmenbedingungen zwingend gegeben sein. Der Implementierungsgrad von Masterabsolventen zeigt noch stärkeren Handlungsbedarf auf. Zehn Jahre nach dem Start des ersten ANP-Studienganges, der Pflegende auf Masterniveau zu einer erweiterten Pflegepraxis befähigt, ist das Modell erst in zwei deutschen Kliniken eingeführt.113 Während in angelsächsischen und skandinavischen Ländern die erweiterte Pflegepraxis mit einer Übernahme von neuen Aufgabenfeldern umfassend implementiert wurde, sind in keiner der beiden deutschen Kliniken Bestrebungen diesbezüglich zu erkennen.114 Und das, obwohl vom Sachverständigenrat bereits 2007 eine entsprechende Empfehlung zur größeren Handlungsautonomie der Pflege, unter anderem mit einer Verordnungsfähigkeit,115 herausgegeben wurde und der Gesetzgeber durch die Richtlinie zur Übertragung ärztlicher Tätigkeiten auf Pflegende bereits erste Weichen gestellt hat.116 Nun sind Vergleiche mit den Gesundheitssystemen in den genannten Ländern nicht so leicht anzustellen. Bereits bei der grundständigen Ausbildung in der Pflege lassen sich Unterschiede erkennen. Richtet man sein Augenmerk auf vergleichbare Strukturen, findet man diese in unseren Nachbarländern. 112 vgl. Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen 2014, S. 345; Koalitionsvertrag 2005, S. 89 113 vgl. Ullmann et al. 2015, S. 16 114 vgl. Mendel und Feuchtinger 2009; Ullmann et al. 2015, S. 16, Florence Nightingale Krankenhaus Düsseldorf, siehe Anhang S. 69-77 ; Uniklinik Freiburg, siehe Anhang, S. 78-88 115 vgl. Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen 2007, S. 23-24 116 vgl. Gemeinsamer Bundesausschuss 36 Exemplarisch wird im Folgenden auf Praxisbeispiele der Schweiz und der Niederlande eingegangen. Auch in der Schweiz, in der die ANP-Entwicklungen zugegebenermaßen etwas weiter vorangeschritten, aber kein flächendeckendes Phänomen ist, findet man Pflegeexperten APN derzeit nur mit klinischer Spezialisierung und nicht mit erweiterten Kompetenzen im Rahmen einer Substitution vor.117 Der Fokus ist stark auf die Praxisentwicklung, Beratung und Schulung gerichtet.118 Dieses sind lediglich Bestandteile von ANP. Die Niederlande hingegen haben in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung im Gesundheitswesen mitgemacht. Mit vergleichbaren Strukturen bilden niederländischen Nachbarn aktuell ein umfassendes Bild von Advanced Nursing Practice ab, welches größtenteils den ANP- Merkmalen des ICN (Abbildung 6) entspricht.119 In diesem Vergleich zeigt sich, dass die pflegerische Handlungsautonomie im deutschen Gesundheitswesen sehr eingeschränkt ist. Pflegende sind nicht mit entsprechenden Befugnissen ausgestattet, um die ANP-Rolle umfassend zu erfüllen. 120 117 vgl. Mahrer-Imhof et al. 2012, S. 10 118 vgl. Barandun Schäfer et al. 2011, S. 7; Frei, A., Massarotto, Paola et al. 2012, S. 110; Panfil und Sottas 2009; Schober und Affara 2008, S. 65 119 vgl. Dierick-Van Daele 2010; Dierick-Van Daele et al. 2010; Geithner, Luise, Arnold, Doris et al. 2016; Panfil und Sottas 2009; Sachs 2007; Schäfer et al. 2010; Schober und Affara 2008; Turris et al. 2005; V&VN VS 2015 120 vgl. DBFK 2013, S. 18 37 Abbildung 6: ICN-Merkmale nach einer Advanced Practice Nurse121 121 In Anlehnung an: ICN 2002 zitiert nach Schober und Affara 2008, S. 64 • gehobener Ausbildungsstand • formale Anerkennung der Ausbildungsprogramme • ein formales Lizenzierungs-, Registrierungs-, Zertifizierungs- oder Anerkennungsverfahren Ausbildung • die Fähigkeit, Forschung, Studium und klinisches Management zu verbinden • Case Management • ausgeprägte Fähigkeit, Assessments durchzuführen und Entscheidungen zu treffen • anerkannte, ausgeprägte klinische Kompetenzen • die Fähigkeit, Angehörige anderer Gesundheitsfachberufe zu beraten • Anerkennung als erste Anlaufstelle im Gesundheitswesen Pflegepraxis • das Recht, eine Diagnose zu stellen • die Berechtigung, Medikamente und Behandlungen zu verordnen • die Berechtigung, an andere Gesundheitsfachleute zu überweisen • das Recht, Krankenhauseinweisungen zu veranlassen • Titelschutz • Spezifische, APN betreffende Gesetzgebung Regulierungsmechanismen 38 Interessant am Beispiel der Niederlande ist die Tatsache, dass bei dem Projekt „Nurse Practitioner in General Practice“ die treibende Kraft von Hausärzten ausging. In Deutschland dürfte eine große Hürde bei der Entwicklung neuer Modelle unter Berücksichtigung einer Neuverteilung der Aufgaben wohl durch die Ärzteschaft geschaffen werden. Sachs beschreibt die „gesetzlich fixierte Dominanz der Ärzteschaft in sämtlichen Bereichen der Krankenbehandlung“122. Im Vergleich zu den Medizinern ist der Einfluss von Pflegeorganisationen auf politische Entscheidungen sehr gering. Hier ist die Pflege jedoch auf dem Vormarsch.123 2016 wurde die erste Pflegekammer Deutschlands gegründet. Nach der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz haben bereits weitere Pflegekammern ihre Arbeit aufgenommen oder sind im Aufbau. Im Besonderen durch das Vorhaben zur Gründung einer Bundespflegekammer zeichnet sich eine weitere positive Entwicklung ab, die eine Einflussnahme der Pflege bei politischen Entscheidungen ermöglicht. Aber auch in der eigenen Berufsgruppe, der Pflege, gibt es Vorbehalte zu den Rollen und möglichen Tätigkeiten. Im Besonderen bei Aufgaben im Rahmen von Körperuntersuchungen und Techniken wie Palpation, Perkussion und Auskultation sind die Meinungen gespalten.124 Um die Outcomes, die ANP erzielen kann voll auszuschöpfen, sollte auch in Deutschland die Implementierung eines umfassenden ANP-Modells in Betracht gezogen werden. 4.4 Zwischenfazit im Kontext des Gesundheitszentrums Glantal Durch die mitgebrachten Kompetenzen eignen sich Bachelorabsolventen, nachfolgend als Pflegeexperten bezeichnet, zum Einsatz im Arbeitsbereich einer Station. Hier können diese die schulisch ausgebildeten Pflegekräfte fachlich bei der Betreuung komplexer Fälle unterstützen und durch ihre Mitarbeit im Stationsteam die Reflexionsfähigkeit der Kollegen fördern. Sie erkennen Probleme und tragen zur Lösung bei. Pflegeexperten auf Bachelorniveau übernehmen die Verantwortung zum zielorientierten Einsatz von Standards und Leitlinien, bei Bedarf können diese durch die Pfle- 122 Sachs 2007, S. 113 123 vgl. Sachs 2007, S 113-114 124 vgl. DBFK 2013, S. 18 39 geexperten begründet angepasst werden. Auf Stationsebene sind sie Verantwortlich für die Qualitätssicherung, erheben Kennzahlen zur Pflegequalität und implementieren klinikweite Konzepte in den Arbeitsbereich. Im Bereich der Führung übernehmen sie als Pendant der Stationsleitung die fachliche Verantwortung für die Umsetzung einer evidenzbasierten Pflege auf Station. Im Bereich des Projektmanagements wirken Pflegeexperten mit und sind Teil der Pflegeexpertenkommission. Pflegeexperten arbeiten zu 75% im Stationsalltag mit. 25% ihrer Arbeitszeit ist für Literaturrecherchen und Konzeptarbeit vorgesehen. Für den Einsatz von Masterabsolventen als Pflegeexperten APN bieten sich im Gesundheitszentrum verschiedene Handlungsfelder an. Zum einen ist die Praxisentwicklung ein sehr großer Themenbereich, der ergänzend zu den Kompetenzen der Bachelorabsolventen abzudecken ist, zum anderen gehören die Patienten als Leistungsempfänger zu der zentralen Zielgruppe. Im Rahmen der Praxisentwicklung sind Aufgaben wie die Konzeptentwicklung, Projektleitung, Praxisforschung und Wissensvermittlung zu erfüllen. Die Aufgaben in der erweiterten Pflegepraxis, also in der direkten Patientenversorgung, umfassen die Beratung und Edukation und können bis zur eigenverantwortlichen Betreuung spezifischer Patientengruppen reichen. Die im Jahr 2008 geschaffene Möglichkeit zur Übertragung ärztlicher Tätigkeiten auf Pflegende125 sollte als Chance genutzt werden, die Behandlungsprozesse zu optimieren und im Rahmen von Modellvorhaben das Outcome für Patienten, aber auch an der Behandlung beteiligter Berufsgruppen zu erhöhen. Bei der Analyse der Prozesse sollte das Blickfeld nicht nur auf die im §63 SGB festgelegten Tätigkeiten liegen, sondern offen an Optimierungsmöglichkeiten rangegangen werden. Der Sachverständigenrat gibt hier eine gute Richtschnur vor. Er schreibt, „Leistungen sind stets dort zu erbringen, wo dies mit den jeweils geringsten Ressourceneinsatz bei zumindest gleichbleibender Versorgungsqualität möglich ist.“126 125 vgl. Gemeinsamer Bundesausschuss 126 Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen 2007, S. 16 40 Als Beispiel kann hier die Niederlande angeführt werden, bei denen sich durch die Einführung von Pflegeexperten die Aufgaben an den Bedarfen orientiert. Auch diese Empfehlung wurde bereits 2007 vom Sachverständigenrat unter den Stichwort „Poolkompetenzen“127 getroffen. Turris, Smith und Gillrie merken in diesem Zusammenhang aber auch an „that the value of the NP role lays not so much in the role functions that overlap, as in the role functions that are unique“. 128 Die Frage lautet also nicht nur, was Pflegende ebenso gut wie Mediziner durchführen können, sondern „was können Pflegende besser als andere?“129 Die erweiterte Pflegepraxis bedeutet somit nicht die bloße Übernahme von ärztlichen Leistungen sondern orientiert sich am originären pflegerischen Handlungsfeld.130 Pflege legt nicht den Fokus auf die Funktionsstörung und die entsprechende Krankheit, sondern bezieht die Konsequenzen auf die gesamte Lebenswelt des Menschen mit in das Handeln ein.131 Durch die besondere Struktur im Gesundheitszentrum Glantal, der engen Verknüpfung ambulanter und stationärer Angebote, bietet sich ein weiteres Arbeitsfeld: die transsektorale Versorgung. Zusammenfassend lassen sich demzufolge drei große Aufgabenfelder bei der Entwicklung einer umfassenden ANP- Rolle ableiten: Praxisentwicklung Erweiterte Pflegepraxis mit Substitution und Allokation von Aufgaben innerhalb des stationären Settings Sektorenübergreifende, erweiterte Pflegepraxis mit Substitution/Allokation von Aufgaben Diese Aufgabenneuverteilungen erfordern neben der rechtlichen Prüfung auch eine Bereitschaft der Veränderung und 127 Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen 2007, S. 25 128 Turris et al. 2005, S. 147 129 Gaidys 2011, S. 17 130 vgl. DBFK 2013, S. 28; vgl. Gaidys 2011, S. 17 131 vgl. Gaidys 2011, S. 17 41 ganz besonders Geduld. Während in den Niederlanden der Entwicklungsprozess bis zur Verordnungsfähigkeit von Medikamenten durch Pflegeexperten sieben Jahre dauerte, benötigte Großbritannien über 20 Jahre. 132 Zur Entwicklung einer umfassenden ANP-Rolle im deutschen Gesundheitswesen bedarf es mehr als die Ziele und Visionen einzelner Akteure aus der Pflege. Hierfür ist „eine Bündelung der Aktivitäten, ein langer Atem und eine sukzessive Vorgehensweise erforderlich“133. Insbesondere bei der Aufgabenneuverteilung von Tätigkeiten ist mit Widerständen, unter anderem durch Unsicherheiten der betroffenen Berufsgruppen zu rechnen. Um hier einzugreifen ist eine Umsetzung in Modellvorhaben sinnvoll, in Zusammenarbeit mit allen am Prozess beteiligten Akteuren und mit Rückhalt starker Steakholder aus der obersten Leitung und der Politik. Angesichts dessen wird sich im ersten Schritt und der vorliegenden Arbeit auf die Praxisentwicklung und die erweiterte Pflegepraxis, wie sie nach derzeitigem Stand ohne große Hindernisse umsetzbar ist, konzentriert. Die weiterführende Entwicklung wird über Modellprojekte angestrebt. 132 DBFK 2013, S. 26 133 Sachs 2007, S. 114

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References

Zusammenfassung

Durch die veränderten Rahmenbedingungen und die höheren Anforderungen erlangt die erweiterte Pflegepraxis auch in Deutschland immer mehr Zuspruch. Seit Jahren werden im tertiären Bildungsbereich Pflegekräfte für die klinische Pflege ausgebildet, diese jedoch nur vereinzelt und oft nicht gezielt in die Pflegepraxis integriert.

In der vorliegenden Arbeit wird geprüft, welche Kompetenzen Absolventen mitbringen, welche Handlungsfelder und Aufgabenbereiche empfohlen werden und welche Wege andere Länder eingeschlagen haben. Im Anschluss wird ein Konzept zur Implementierung von Pflegeexperten auf Bachelor- und Masterniveau vorgestellt. Dieses umfasst Arbeitsdefinitionen, Rollenbeschreibungen und das Kompetenzprofil, welches die Integration der akademischen Pflegenden im pflegerischen Team abbildet. Des Weiteren wird aufgezeigt, wo die Pflegeexperten im Unternehmen verortet sind, mit welchen Methoden sie die Praxisentwicklung forcieren und welche Stolpersteine bei der Implementierung existieren.