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3 Methodik in:

Yvonne Wegner

Pflegeexperten, page 11 - 16

Ein Konzept zur Implementierung hochschulisch ausgebildeter Pflegekräften in der Pflegepraxis

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4335-6, ISBN online: 978-3-8288-7283-7, https://doi.org/10.5771/9783828872837-11

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Soziale Arbeit, vol. 2

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
11 3 Methodik Als Methode wurde die Konzeptklärung gewählt. Meleis beschreibt die Konzeptklärung als Verfahren „um Konzepte zu verfeinern, die in der Pflege zwar eingesetzt werden, jedoch ohne klare, von allen geteilte und bewußte [sic!] Verständigung über die zugeschriebenen Merkmale oder Bedeutungen. Das Ziel von Konzeptklärung ist die Verbesserung bestehender Definitionen, die Verbesserung theoretischer Definitionen und die Beachtung der Beziehungen zwischen den verschiedenen Elementen eines Konzepts.“24 Mit Blick auf die synonyme Verwendung des Begriffes Pflegexperten und den unterschiedlichen Aufgaben und Einsatzmöglichkeiten ist eine Differenzierung notwendig. Für Advanced Nursing Practice existiert eine anerkannte Definition des International Council of Nursing. Diese deckt jedoch nur die Expertise auf Masterniveau ab, welche mit den Pflegeexperten mit Bachelorabschluss in Beziehung gebracht werden muss. Neben den theoretischen Empfehlungen fließen auch Praxismodelle mit ein, um ein umfassendes Bild über die Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes akademischer Pflege in der Pflegepraxis zu erhalten. 24 Meleis und Brock 1999, S. 331 12 Folgende Schritte wurden durchgeführt: Literaturrecherche Kategorisieren und vergleichen Arbeitsdefinition festlegen Modell entwickeln, Beziehungen zueinander und bestehende Strukturen beachten Hypothesen konstruieren 25 Für die Literaturrecherche wurde sich den Datenbanken PubMed, Carelit und CINAHL bedient. Folgende Suchbegriffe fanden Verwendung: Advanced Nursing Practice, Advanced Practice Nursing, Pflegeexperten, Nurse Practitioner, Clinical Nurse Specialist, evidenzbasierte Pflege, evidenced based nursing. Ergänzt wurde die Recherche mittels einer Handsuche in den üblichen pflegefachlichen und – wissenschaftlichen Medien und durch die Sichtung der Literaturverzeichnisse verfeinert. Internetseiten der Kliniken, die für sich in Anspruch nehmen akademisch ausgebildete Pflegeexperten und Advanced Practice Nurses einzusetzen, wurden auf Hinweise zum aktuellen Stand der Umsetzung überprüft. Dies soll dazu beitragen, ein breites Bild der Aufgabenbereiche darzustellen, um diese mit den eigenen Ideen und Konzepten abzugleichen. Ebenso wurde die internationale Standardliteratur zu Advanced Nursing Practice genutzt. Bearbeitet wurde deutschsprachige und englische Literatur. Zur Klärung der Arbeitsbereiche und Handlungsfelder von Absolventen sowie zur Profilbildung ist ein Blick auf die mitgebrachten Kompetenzen unabdingbar. Die Ergebnisse der Literaturrecherche wurden nach Kompetenzen der Hochschulabsolventen, Empfehlungen möglicher Handlungsfelder und Aufgabenfelder sowie beispielhafte Praxismodelle national und international kategorisiert und verglichen, um bezogen auf die Gegebenheiten des Gesundheitszentrums Glantal Empfehlungen zur Implementierung aussprechen zu können. Für die Erarbeitung eines Modells muss zuvor die Arbeitsdefinition genau festgelegt werden. Grundlegend hier- 25 vgl. Meleis und Brock 1999, S. 331-335 13 für sind die zugrunde gelegten Rollen- und Kompetenzprofile der neu zu schaffenden Stellen. Zur Auswahl des Bezugsrahmens werden der CANMEDS- Framework, die ANP-Rollen nach Hamric und die Empfehlungen des des Deutschen Netzwerkes für ANP und APN g.e.V. gegenübergestellt. Pflegende agieren in einem Netz verschiedener Professionen, das Handeln aller ist am gleichen Gegenstand ausgerichtet. In diesem Zusammenhang wird es als sinnvoll angesehen, die Rollenbeschreibung an einem einheitlichen Rahmen für alle Professionen anwendbar auszurichten. So wird der Fokus nicht auf die einzelnen Akteure, sondern auf ihren Beitrag der Leistungserbringung gerichtet. Als Bezugsrahmen für die Rollenbeschreibungen wurde aus diesem Grund der CANMEDS-Framework verwendet. Der CANMEDS 2015 Physician Competency Framework wurde durch das Canadian Royal College of Physicians and Surgeons erarbeitet und beschreibt die Fähigkeiten, die Ärzte benötigen um ihre Aufgabe mit Blick auf die Bedürfnisse der Leistungsempfänger zu erfüllen. International wird der CANMEDS Framework vermehrt auch für die Rollenbeschreibung anderer Gesundheitsberufe verwendet, wobei hier eine Anpassung der zentralen Rolle „Medical Expert“ vorgenommen wird. Durch die identischen Bezeichnungen mit den unterschiedlichen Beschreibungen werden die Gemeinsamkeiten der Professionen im Gesundheitswesen, aber auch die Besonderheiten deutlich. Die im CANMEDS Framework genannten Rollen wurde von der Verfasserin ins Deutsche übersetzt. Zentrales Element der vorliegenden Arbeit ist das neu zu entwickelnde Modell, das Kompetenzprofil der Pflegepraxis, das den gesamten Pflegedienst abbildet und als Grundlage für die Implementierung der akademischen Pflegekräfte dient. Die vorhandenen Strukturen im Gesundheitszentrum dienen als erstes Raster, in welches die akademischen Pflegekräfte ergänzt werden sollen. Hierfür werden die entsprechenden Aufgabengebiete und Zuständigkeiten aller Kompetenzstufen ermittelt und schriftlich fixiert. Die Kompetenzstufen wurden nach den im Gesundheitszentrum eingesetzten Qualifikationsniveaus angepasst und entsprechen nicht den im Deutschen Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen festgelegten Niveaus. Hiervon wurde bewusst ab- 14 gesehen, um die erweiterten Kompetenzen je Stufe zu verdeutlichen. Im Deutschen Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen (DQR) wird die Pflegehilfe, deren Ausbildung nicht einheitlich geregelt ist aber durchgängig weit unter der Ausbildungsdauer und dem Ausbildungsumfang der Gesundheits- und Krankenpflege liegt, derzeit dem gleichen Niveau zugeordnet wie die Gesundheits- und Krankenpflege. Sollte ein allgemeingültiger Qualifikationsrahmen für die Pflegeberufe in Zukunft erarbeitet werden, wird von der Verfasserin empfohlen sich aufgrund der Transparenz und Vergleichbarkeit auf nationaler und internationaler Ebene an den im DQR etablierten Qualifikationsstufen zu orientieren. Basis für das Modell ist der Revised ICN Competency Framework26 (Abbildung 4) und die im Kapitel 4 erfassten Kompetenzen. Zur leichteren Anwendbarkeit im deutschen System hat die Verfasserin die drei Kategorien wie folgt frei übersetzt: Professional, Ethical, Legal Practice = Professionelle Haltung Care Provision and Management = Pflegerische Handlungskompetenz Professional, Personal & Quality Development = Qualitätsentwicklung Die professionelle Haltung umfasst den Verantwortungsbereich, die rechtliche und ethische Praxis. Der Verantwortungsbereich wird mit den Merkmalen Verantwortung, Durchführungsverantwortung und Mitverantwortung unterschieden.27 „Übernehmen Personen Verantwortung für einen Bereich, sind sie für die Erfüllung der Aufgaben in diesem Bereich zuständig. Für ausgeführte Handlungen oder getroffene Entscheidungen sind sie rechenschaftspflichtig, sie können sie retrospektiv begründen. (….) gehen wir davon aus, dass sich die Übernahme von Verantwortung auf vollständige Handlungen bezieht und damit die Phasen der In- 26 International Council of Nurses 2008 27 vgl. Fachhochschule Bielefeld und Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung (dip) e.V., Köln 2013, S. 19 15 formation, der Zielsetzung, der Planung, der Durchführung und der Evaluation von Arbeitsprozessen umfasst.“28 Abbildung 4: Revised ICN Competency Framework29 28 Fachhochschule Bielefeld und Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung (dip) e.V., Köln 2013, S. 20 29 Quelle: International Council of Nurses 2008, S. 10 16 Werden einzelne Aufgaben an eine andere Person delegiert, trägt der Ausführende die Durchführungsverantwortung. Die Mitverantwortung greift in dem Fall, in dem verschiedene Qualifikationsniveaus gemeinsam an der Aufgabe arbeiten.30 Unter der pflegerischen Handlungskompetenz wird der Pflegeprozess mit den Subkategorien Gesundheitsförderung, Assessment, Planung Durchführung, Evaluation sowie der therapeutischen Kommunikation und Beziehungsarbeit verstanden. Ebenso fällt unter die Handlungskompetenz der Bereich Organisation und Koordination mit den Kompetenzen zur Interprofessionellen Zusammenarbeit, der Delegation und der Patientensicherheit. Qualitätsentwicklung beinhaltet die Professionsentwicklung, die Qualitätsverbesserung sowie die kontinuierliche Fort- und Weiterbildung. Jede Kompetenzstufe wird mit Angabe der benötigten Qualifikation, einer Kurzbeschreibung und festgelegten Verantwortungs- und Aufgabenbereiche nach oben genannter Gliederung erläutert. Der Fokus liegt auf der Umsetzung und der Einsatzmöglichkeiten des entsprechenden Qualifikationsniveaus. Die Verortung im Handlungsfeld, die Kommunikationsstrukturen innerhalb des Pflegedienstes und die angewendeten Methoden sind von großer Bedeutung für die Handlungsfähigkeit der Pflegeexperten und Pflegeexperten APN, weshalb auch diese ihren Platz im vorliegenden Konzept finden. Im Ausblick werden Hypothesen konstruiert, die den Rahmen für die geplante Evaluation vorgeben. 30 vgl. Fachhochschule Bielefeld und Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung (dip) e.V., Köln 2013, S. 20

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Zusammenfassung

Durch die veränderten Rahmenbedingungen und die höheren Anforderungen erlangt die erweiterte Pflegepraxis auch in Deutschland immer mehr Zuspruch. Seit Jahren werden im tertiären Bildungsbereich Pflegekräfte für die klinische Pflege ausgebildet, diese jedoch nur vereinzelt und oft nicht gezielt in die Pflegepraxis integriert.

In der vorliegenden Arbeit wird geprüft, welche Kompetenzen Absolventen mitbringen, welche Handlungsfelder und Aufgabenbereiche empfohlen werden und welche Wege andere Länder eingeschlagen haben. Im Anschluss wird ein Konzept zur Implementierung von Pflegeexperten auf Bachelor- und Masterniveau vorgestellt. Dieses umfasst Arbeitsdefinitionen, Rollenbeschreibungen und das Kompetenzprofil, welches die Integration der akademischen Pflegenden im pflegerischen Team abbildet. Des Weiteren wird aufgezeigt, wo die Pflegeexperten im Unternehmen verortet sind, mit welchen Methoden sie die Praxisentwicklung forcieren und welche Stolpersteine bei der Implementierung existieren.