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Isabell Arnstein

Die Geschichte der Zentralgewerbeschule Buchen

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4334-9, ISBN online: 978-3-8288-7281-3, https://doi.org/10.5771/9783828872813

Tectum, Baden-Baden
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Te ct um Isabell Arnstein Die Geschichte der Zentralgewerbeschule Buchen Isabell Arnstein Die Geschichte der Zentralgewerbeschule Buchen Isabell Arnstein Die Geschichte der Zentralgewerbeschule Buchen Tectum Verlag Zwischen Neckar und Main Schriftenreihe des Vereins Bezirksmuseum Buchen e. V. Band 36 Isabell Arnstein Die Geschichte der Zentralgewerbeschule Buchen Zwischen Neckar und Main – Schriftenreihe des Vereins Bezirksmuseum Buchen e. V.; Bd. 36 © Tectum Verlag – ein Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2019 ePDF: 978-3-8288-7281-3 (Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Werk unter der ISBN 978-3-8288-4334-9 im Tectum Verlag erschienen.) Umschlaggestaltung: Tectum Verlag, unter Verwendung einer von Martin Strittmatter erstellten Collage | Abbildungen im Privatbesitz der Autorin Alle Rechte vorbehalten Besuchen Sie uns im Internet www.tectum-verlag.de Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. V Inhalt Grußwort von Konrad Trabold . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . IX Grußwort von Dr. Achim Brötel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XI Zusammenfassung und Abstract . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XIII Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 I. Das Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und der Neubeginn im deutschen Südwesten . . . . 3 II. Die Bildung des Volkes auf dem Weg in die Neuzeit – Berufsbildung in der Zunft und in Schulen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 II. 1) Die Entwicklung der gewerblichen Sonntagsschule . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 II. 2) Die Spätzeit der Zünfte vs. moderne Bildungsansätze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 III. Geschichte der Buchener Gewerbeschule . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 III. 1) Die Gründungsphase der Höheren Bürgerschule in Buchen mit Erweiterung um eine Gewerbeschule . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 III. 2) Die Anfangsjahre der Gewerbeschule Buchen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 VI Inhalt III. 3) 1872 – die Gewerbeschule Buchen wird komplett selbständig . . . . . . . . . . 33 III. 4) Erster Weltkrieg und die Zeit danach – die Gewerbeschule Buchen wird zur Bezirksgewerbeschule . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42 III. 5) Die Zeit des Nationalsozialismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49 III. 6) Nach den Kriegsjahren – die Bezirksgewerbeschule wird zur Zentralgewerbeschule . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53 III. 7) Aufschwung ab den 1950er-Jahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65 III. 8) Neue politische und gesetzliche Grundlagen ab 1952, dem Gründungsjahr Baden-Württembergs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69 III. 9) Die Phase der Expansion – neue Schularten ab den 1970er-Jahren . . . . 76 III. 10) Die Gegenwart . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88 IV. Schlussworte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93 V. Danksagung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 97 VI. Anhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99 VI. 1) Übersicht der verantwortlichen Lehrkräfte bzw. Schulleiter im Laufe der Zeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99 VI. 2) Zeitzeugenberichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100 VI. 3) Stilblüten aus den Gesamt lehrerkonferenzen – Zeugnisse des Zeitgeistes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107 VI. 4) Erfahrungsbericht zur Stundenplanerstellung am Schuljahresbeginn – Aufzeichnungen nach einem Gespräch mit Schulleiter a. D. Dipl.-Ing. Wolfgang Seifert. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108 VII Inhalt VI. 5) Quellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109 VI.5.1) Quellen zur badischen Gewerbeschulgeschichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109 VI. 5.2) Quellen zur Geschichte der Zentralgewerbeschule Buchen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 129 VI. 6) Abbildungsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 137 VII. Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 139 Die Autorin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 141 IX Erst war es ein »Hineinstöbern« in die Seiten des Manuskripts. Dann hat mich beim Lesen dieses Buch »gepackt« und ich konnte gar nicht mehr aufhören! »Erzähle mir die Vergangenheit, und ich werde die Zukunft erkennen« (Konfuzius). Was Frau Dr. Isabell Arnstein hier in einem literarisch-geschichtlichen Werk über die Entwicklung des Gewerbeschulwesens in Baden am Beispiel der Zentralgewerbeschule Buchen (ZGB) versammelt hat, ist einzigartig, informativ, spannend, fundiert, lehrreich und unterhaltsam zugleich. Gerade die neben den historischen Fakten eingespielten persönlichen Erlebnisse oder Zitate in Schlüsselmomenten der schulischen Entwicklung der ZGB charakterisieren den geschichtlich-gesellschaftlichen Kontext und den jeweiligen Zeitgeist so treffend, dass der Leser sich unmittelbar hineingenommen fühlt. Die jeweils passend dazu eingestreuten Bilddokumente vervollständigen das innere Bild der jeweiligen Entwicklungsphasen: von den sich abschottenden selbstbestimmten Zünften hin zur gesetzlich verfassten öffentlichen Schule, von »willkürlicher« Tradierung handwerklicher Kenntnisse und Fertigkeiten hin zur rechtlich gefassten Vermittlung von Bildungszielen und -inhalten, von der Gewerbeschule mit Außenstellen bis zur Zentralgewerbeschule an einem Standort, von der Berufe übergreifenden Beschulung in einer Klasse hin zur Spezialisierung in Fachklassen der gewerblichen Berufe, vom Start als duale Berufsschule bis hin zur Ergänzung mit vollzeitschulischen Angeboten, die durchgängige Bildungslaufbahnen auf dem zweiten Bildungsweg bis zur Allgemeinen Hochschulreife ermöglichen. Letztlich von der Kleinschule mit wenigen Schülern bis hin zum heutigen Kompetenzzentrum gewerblich-technischer Bildung in der Region, ergänzt um Allgemeinbildung insbesondere in den in Vollzeit unterrichtenden Schularten mit über 1 000 Schülerinnen und Schülern. »Traditionell fortschrittlich« ist das Leitmotiv der ZGB in der Erfüllung ihres Erziehungs- und Bildungsauftrages. Dass dieser Spannungsbogen zwischen Tradition und Fortschritt, zwischen Bewahren von Bewährtem und Entwickeln neuer Stärken, zwischen bloßer Wissensvermittlung und ganzheitlicher Kompetenzentwicklung schon seit den Ursprüngen der ZGB besteht, wird in dieser Publikation nachdrücklich aufgezeigt. Diesem Motto fühlen wir uns weiterhin verpflichtet und sehen den Dienst der Lehrerinnen und Grußwort von Konrad Trabold X Grußwort von Konrad Trabold Lehrer an der jungen Generation, unterstützt von den Sach- und Personalzuwendungen des Schulträgers, als wertvollen Beitrag zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zukunftsfähigkeit des Neckar- Odenwald- Kreises. Konrad Trabold, OStD, Schulleiter XI Die duale Ausbildung ist zweifelsohne ein absolutes Erfolgsmodell, um das uns viele beneiden. Gerade im internationalen Kontext gilt Deutschlands deshalb sogar als regelrechtes Vorbild. Immer mehr andere Länder erkennen, wie effizient die enge Verzahnung von Theorie und Praxis in betrieblicher und schulischer Ausbildung ist. Erstaunlicherweise wissen aber trotzdem selbst bei uns viele nicht, wie dieses ausgeklügelte System überhaupt einmal entstanden ist. Genau dort setzt Dr. Isabell Arnstein mit dem vorliegenden Buch an: Am Beispiel der Zentralgewerbeschule Buchen, aber mit Bezügen, die weit darüber hinausreichen, ist es der Autorin in vorbildlicher Weise gelungen, auch die großen Linien zu ziehen. Funktionierende Systeme sind nämlich auch hier nicht vom Himmel gefallen, sondern vielmehr das Ergebnis kluger Überlegungen. Das Buch verliert sich allerdings nicht im Abstrakten, sondern skizziert Stück für Stück, wie sich die Entwicklung des Schulwesens ganz konkret vor Ort in der heutigen Zentralgewerbeschule Buchen niedergeschlagen hat. Große Geschichte im Kleinen also – und natürlich genauso auch umgekehrt. Für mich ist die Lektüre aber auch ganz persönlich etwas Besonderes, weil ich sozusagen in der Zentralgewerbeschule Buchen aufgewachsen bin. Mein Vater war dort viele Jahre als Lehrer und dann ab 1969 auch 25 Jahre lang als Schulleiter tätig. Mich verbinden deshalb viele Erinnerungen mit dieser Schule. Als Kind hat mich vor allem die Stundenplantafel fasziniert: Eine riesige Magnetwand mit unglaublich vielen farbigen Symbolen. Heute weiß ich, dass sich hinter diesen Symbolen in Wirklichkeit eine ganz besondere Stärke des beruflichen Schulwesens verborgen hat, nämlich eine Vielfalt und Bandbreite, die wahrlich ihresgleichen sucht. Wenn man so will, habe ich einen Teil der Geschichte also hautnah miterleben dürfen. Dr. Isabell Arnstein setzt mit ihrem Buch zudem bei einem Aufsatz an, den mein Vater 1997 anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums der Schule verfasst hat. Diese ersten Vorarbeiten werden jetzt also durch weitere Quellenstudien im Landes- und Kreisarchiv, aber auch durch das unermüdliche Zusammentragen von Zeitungs- und Zeitzeugenberichten auf eine sehr viel breitere und wissenschaftlich fundierte Basis gestellt. So wird nicht nur der schulische Werdegang nachgezeichnet, sondern das Ganze vor allem auch in den größeren Kontext der Entwicklung des badischen Gewerbeschulwesens insgesamt gestellt. Allein diese regionale Quellensammlung ist ein Wert für sich. Dabei wird zudem deutlich, dass gerade Gewerbeschulen für die Vorreiterrolle von Grußwort von Dr. Achim Brötel XII Grußwort von Dr. Achim Brötel Baden im Bereich der Bildung sehr wichtig waren. Deshalb kann man auch die Bedeutung der heutigen Zentralgewerbeschule Buchen für die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Region gar nicht hoch genug einschätzen. Auch wenn man bisweilen den Eindruck haben kann, dass die beruflichen Schulen eher etwas im Schatten stehen, müssen sie sich doch ganz bestimmt nicht verstecken. Im Gegenteil: Hier werden anspruchsvolle Abschlüsse erworben und Berufe ausgebildet, die für das Funktionieren einer Gesellschaft schlichtweg unerlässlich sind. Nicht umsonst kämpfen wir ja immer wieder dafür, bewährte Ausbildungsgänge vor Ort zu erhalten. Der Neckar-Odenwald-Kreis wird deshalb auch weiterhin alles tun, um die beruflichen Schulen in seiner Trägerschaft zu stärken und mit dem auszustatten, was sie brauchen, um im Klassenzimmer die Grundlagen für die Wettbewerbsfähigkeit von Kreis und Land zu legen. Denn man kann es drehen und wenden, wie man will: Dort entscheidet sich in der Tat unsere Zukunft ganz wesentlich mit. Das Buch von Dr. Isabell Arnstein bestärkt uns nachdrücklich in unserem Weg. Dafür bin ich der Autorin sehr dankbar. Und: Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein spannendes Eintauchen in die regionale Schulgeschichte. Dr. Achim Brötel, Landrat © A. Brötel XIII Vorliegendes Werk geht auf die Entwicklung des Gewerbeschulwesens in Baden ein und legt dabei ein besonderes Augenmerk auf die Entwicklung der heutigen Zentralgewerbeschule Buchen (ZGB). Die Ausführung beginnt in mittelalterlicher Zeit, bei den Anfängen von Bildungs- und Beschulungsbestrebungen für das allgemeine Volk und beschreibt in weiterem Verlauf die zunehmende Verzahnung des schulischen Unterrichts mit der Ausbildungsordnung der Zünfte bis hin zur Etablierung eines verbindlichen gewerbeschulischen Systems in Baden im Jahr 1834. Ab dem Jahr 1847, dem Gründungsdatum der Gewerbeschule in Buchen, wird das Hauptaugenmerk auf die Historie der Schule gelegt und deren Bedeutung als Verbindungsglied zwischen schulischer Bildung und Arbeitswelt bis in die Gegenwart aufgezeigt. Auch für die Rolle Buchens als Zentrum der Region nimmt die ZGB eine bedeutende Stellung ein. Zahlreiche Quellen ermöglichen dem Leser einen Blick in die interessante Entwicklungsgeschichte des badischen Gewerbeschulwesens als auch in die abwechslungsreiche Historie der Zentralgewerbeschule Buchen. The present book is about the development of the trade school system in Baden, Germany with a special focus on the development of what is today the Zentralgewerbeschule Buchen (ZGB). It starts at medieval times with the beginning of efforts towards educating and schooling the common people and goes on to describe how classes at school were more and more intertwined with the training order of the guilds until a binding trade school system was established in Baden in 1834. From 1847 (the founding year of the trade school in Buchen) onwards, the most important focus is on the history of the school and its importance as a link between school education and working life down to the present. The ZGB is also important for the town of Buchen holding its position as a regional centre. An abundance of sources allows the reader a view at the interesting historical development of Baden’s trade school system as well as at the varied history of the ZGB. Zusammenfassung und Abstract 1 Einführung » Als die Zeit um war, erhielt Konrad den Bescheid, er sei vom Mechanikus Marchtaler in Reutlingen als Lehrling angenommen und somit sei ihm der Weg erschlossen, was der Vater habe nicht erfassen können. Worte wurden nicht viel gemacht. Der Sohn sah die Eltern froh und doch bekümmert auf seine junge Arbeitskraft verzichten, die sie in Haus und Feld benötigt hätten. Aber schließlich lag Reutlingen auch nicht aus der Welt draußen und man konnte zueinanderkommen, wenn man sich etwas zu sagen hatte. Das eisgraue Männlein, Herr Johann Marchtaler, war ein Filz, und Konrad hatte ein Hundeleben bei ihm, was seinen leiblichen Menschen betraf; aber er konnte sich nach der Decke strecken und schnürte die Hosenschnalle enger; denn es war der Mühe wert. […] Es kam dem Meister fürs erste darauf an, zu erfahren, wie sich der Lehrling anstelle mit Haupt und Gliedern. Er bekam eine zerbrochene Wanduhr in die Hand und einen Schraubenzieher. […] Das war der Einstand. […] Herr Marchtaler, aufmerksam mit dem Lehrbuben, nahm ihn eines Abends mit in die Stube und gab ihm ein Buch in die Hand, das er lesen sollte. Es handelte von dem Wesen der Mechanik, noch mehr, vom Klang, vom Licht, von allem, was es gab, aber so, daß bestimmte Dinge auf der Erde, die ein für allemal als Gesetze feststanden, von jedem geprüft und angewendet werden konnten. Konrad verschlang das Buch, das ihm eine neue Welt auftat. Man konnte also von dem, was feststand, ausgehen, das letzte, was andere gefunden hatten, als erstes nehmen und weitermachen. Die Erde war unergründlich.«1 Menschen, die sich dem Handwerk verschrieben haben, zeichnet, wie auch Konrad, Wissensneugier und die Freude am Erschaffen von etwas Substanziellem und das Weiterreichen ihrer Produkte aus. Handwerkliche Fähigkeiten gepaart mit Fachwissen können Welten öffnen, ideelle, private und ganz besonders berufliche. Handwerk kann den oftmals zitierten »goldenen Boden« bescheren und zudem als erfüllende Tätigkeit die nötige Erdung im Alltag geben. Mancher nur am Computer sitzende Tätige vermisst oft, das Resultat der eigenen Arbeit zu sehen und in Händen halten zu dürfen – dieses Privileg wird dem Handwerker zuteil. Kommt zu den handwerklichen Fähig- und Fertigkeiten noch eine umfassende schulische Bildung hinzu, dann steht einem vielversprechenden Lebensweg nichts mehr im Wege. Alle Türen stehen dann offen. Die Zentralgewerbeschule Buchen blickt auf eine lange Tradition zurück, die in die- 1 Siehe Gutman, Lesebuch, 1925, S. 42–45. 2 Einführung sem Werk dargestellt werden soll. Um der Historie der Schule gerecht zu werden, genügt es allerdings nicht, mit ihrer Gründung im Jahr 1847 zu beginnen, sondern es ist notwendig, sie in den Kontext der Entwicklung des gewerblichen Schulwesens in Deutschland mit besonderem Blick auf das Land Baden zu stellen. Hierbei wird auch auf die Anfänge der schulischen Bildung des allgemeinen Volkes und der beruflichen Bildung in den Zünften eingegangen, die im Mittelalter und der Frühen Neuzeit für die gewerbliche Bildung verantwortlich waren. Dies wurde ab Ende des 18. Jahrhunderts allmählich zugunsten einer schulischen Bildung aufgebrochen, da man die Vorzüge einer ausgelagerten Bildung mit verpflichtenden elementaren beruflichen Kenntnissen erkannte. Danach etablierte sich ein gewerbeschulisches System in ganz Baden, das unter anderem auch Motor des badischen Wohlstands wurde. Dieses System wurde zum Vorbild für die berufliche Bildung in ganz Deutschland. Mitte des 19. Jahrhunderts kam es dann, nach dem Gründungserlass für das badische Gewerbeschulwesen aus dem Jahr 1834, an vielen Orten in Baden zu Gründungen von Gewerbeschulen, so auch in Buchen. Die hiesige Gewerbeschule wurde im Jahr 1847 gegründet und kann seither auf eine facettenreiche Geschichte zurückblicken und sich stetem Wachstum rühmen. Im Jahr 1939 wurde sie Bezirksgewerbeschule und seit 1947 ist sie durch Zusammenfassen aller Gewerbeschulen des ehemaligen Landkreises Buchen zur Zentralgewerbeschule geworden. Die ZGB entwickelte sich so im Laufe der Zeit zu ihrer heutigen Position, zu einem Zentrum vielfältiger beruflicher Aus- und Weiterbildung in guter Zusammenarbeit mit den Betrieben der Region, zu »einem geistigen Zentrum des regionalen Gewerbes«. 3 Das Gebiet des 1806 endgültig aufgelösten Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation erfuhr wie kein anderes Gebiet Europas in der Umbruchphase zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert einen enormen Ver- änderungsdruck. Die hohe Zahl an territorialen Herrschaftsgebilden strukturierte sich infolge von Revolutionskriegen, der Herrschaft Napoleons und dem Wiener Kongress zu größeren Flächenstaaten. So auch im deutschen Südwesten. Hier gestaltete sich als Folge von Napoleons Bündnispolitik bis zum Jahre 1806 das Königreich Württemberg und das Großherzogtum Baden. Die Politik dieser Jahre in den süd- und südwestdeutschen Staaten orientierte sich infolgedessen und aufgrund der räumlichen Nähe auch sehr an Frankreich. Der Reichsdeputationshauptschluss von 1803, nach welchem Baden von der Markgrafschaft zum Kurfürstentum wurde, also eine erste Rangerhöhung erfuhr, und sich »explosionsartig vergrößerte«2, zog nach sich, dass aus den zersplitterten Territorien ein geschlossenes Staatsgebiet vom Bodensee 2 Siehe Kohnle, Baden, 2007, S. 194. I. Das Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und der Neubeginn im deutschen Südwesten bis zum Main wurde. Es erweiterte sich das badische Gebiet um:3 • Gebiete der rechtsrheinischen Kurpfalz (mit Mannheim und Heidelberg), • den rechtsrheinischen Besitz der Bistümer Konstanz, Basel, Straßburg und Speyer, • die Reichsstädte der Ortenau (Offenburg, Gengenbach, Biberach, Zell am Harmersbach) und des Linzgaus (Überlingen und Pfullingen) sowie Wimpfen, das jedoch bald darauf an Hessen- Darmstadt abgetreten wurde, • die Gebiete vieler Abteien und Stifte, wie zum Beispiel das Reichsstift Petershausen. Mit Gründung des Rheinbundes 1806 wurde Baden dann Großherzogtum4, wie- 3 Aufzählung entnommen aus: Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 7. 4 Entgegen der bayrischen und württembergischen Rivalen erhielt Kurfürst Karl Friedrich leider nicht ebenfalls den Königstitel, sondern »nur« den Titel eines Großherzogs. Doch es wurde ihm gestattet sich mit »Königliche Hoheit« anreden zu lassen. Siehe Kohnle, Baden, 2007, S. 195. 4 Das Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und Neubeginn im Südwesten derum eine Rangerhöhung, und Württemberg wurde Königreich. So entstanden im deutschen Südwesten zwei zusammenhängende Großflächenstaaten: Baden verdoppelte dieser Tage Einwohnerzahl und Gebietsfläche. Baden verfügte dabei über eine Fläche von 15 070 km², Württemberg über 19 500 km². Die Bevölkerung Badens betrug um 1803 ungefähr 175 000 Menschen,5 wobei sich Baden 1810 weiter um württembergische Gebiete im mittleren Schwarzwald (Hornberg, Schiltach, Gutach) und Stockach am Bodensee vergrößerte.6 Ebenso kamen die bisher reichsunmittelbaren Fürstentümer Fürstenberg, Leiningen und Löwenstein-Wertheim zum Großherzogtum. Auf den Staatsumbau betreffende Reformen wurde dieser Tage großen Wert gelegt. Nach Niedergang der napoleonischen Herrschaft konnte Baden auf dem Wiener Kongress (1815) seine Gebiete bewahren. Bis auf kleinere Ausnahmen entstand zu dieser Zeit das Gebiet, welches Baden bis 1945 behalten sollte. Eine Neuordnung der Verwaltungsstrukturen in Baden wurde von Sigismund von Reitzenstein angestrebt.7 Vermehrte staatliche Integration und die Förderung einer zu- 5 Zahlen entnommen aus: Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 7. 6 Siehe Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 7 Fußnote 8. 7 Siehe Hippler/Stier, Europa, 2012, S. 151. verlässigen Beamtenschaft8, die nicht mehr an Standesprivilegien gebunden sein sollte, waren unter anderem die erklärten Ziele. Zudem strebte er die Aufhebung der vielen Binnenzölle, die infolge der jahrelangen Kleinstaaterei entstanden waren, sowie eine Vereinheitlichung der Maßeinheiten und den Ausbau der Verkehrswege an. Modernität im Staatsaufbau waren sowohl das Streben der Rheinbundstaaten als auch erklärtes Ziel in Baden. Nur schlüssig war, dass die Reformansätze dieser Phase des beginnenden 19. Jahrhunderts auch das Bildungssystem umfassen sollten, gerade auch im Bereich der beruflichen Bildung von Gewerbetreibenden. Das Großherzogtum Baden war bestrebt, das gewerbliche Bildungswesen langfristig auszubauen, um den Mittelstand zu stärken und damit das Land insgesamt ökonomisch zu festigen. Damit war Baden durchaus Vorreiter in der Hebung des Bildungsniveaus im Bereich des Gewerbes, was die im Gewerbschulgesetz von 1834 mündende detailreiche Planung zur Errichtung von Gewerbeschulen im Lande erklärt. In den 1830er-Jahren war Baden, genau wie alle deutschen Länder im Vergleich zu England, das sich aufgrund der Textilindustrie schon weiter in der industriellen Phase befand, wirtschaftlich und gewerblich eher rückständig. Die Existenz von Fabriken war noch immer mehr eine Ausnahmeerscheinung denn eine 8 Gerade ein gegenüber dem Staate loyales Berufsbeamtentum, für deren Berufung – zumindest formell – die standesrechtliche Herkunft des Anwärters nicht mehr ins Gewicht fallen sollte, sondern für deren Zugehörigkeit die Absolvierung gewisser standardisierter Prüfungen und einer vorgeschriebenen normierten Ausbildung vonnöten waren, sollte dem Bildungsbereich einen Moder nisierungsschub geben. 5 Das Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und Neubeginn im Südwesten Regel in Baden und die Zünfte beherrschten das Gewerbewesen noch durchaus fast zur Gänze. Mit dem Ausbau eines Eisenbahnnetzes nahm der Industrialisierungsgrad in Baden ganz allmählich zu. Insbesondere der Beitritt zum Deutschen Zollverein 1835 führte dann zum allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung des Landes. Der Eisenbahnbau ab 1840 und die Rheinkorrektur nach Tulla optimierten die Infrastruktur. Vom Jahr 1847 an stieg in Baden zum Beispiel die Anzahl der Dampfmaschinen von anfänglich 24 auf 223 Stück im Jahre 1861, im Jahre 1869 waren es 489 und 1875 bereits 923 Stück.9 Aufgrund der guten Verkehrslage und der ausgebauten Verkehrswege durch Schiff und Bahn, zudem durch erhaltene Auslandsinvestitionen von Frankreich und Schweiz, stand Baden im Jahr 1858 im Bereich der Textilindustrie dann auf Platz 4, einen Platz vor Württemberg.10 Insofern waren die wirtschaftlichen und industriellen Voraussetzungen gegeben, dass sich auch entsprechender Bedarf an in diesen Bereichen gebildeten Fachkräften auftat, den schließlich das sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelnde badische Gewerbeschulwesen zu decken gewillt war. 9 Siehe Stratmann, Lehrlingserziehung, 2003, S. 113. 10 Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Baden_ (Land)#Gro%C3%9Fherzogtum_Baden_im_19._ Jahrhundert; angerufen am 15.03.2019. 7 In der Erkenntnis des Zusammenhanges zwischen Bildsamkeit und Bildungsbedürftigkeit als Natur des Menschen legte Erasmus von Rotterdam 1529 einen der Grundsteine des neuzeitlichen Erziehungsdenkens. »Bäume wachsen vielleicht von selbst, wenn sie auch steril sind oder gewöhnliche Früchte tragen; Pferde werden geboren, wenn auch unbrauchbare – aber Menschen, das glaube mir, werden nicht geboren, sondern gebildet. Die ältesten Menschen, welche ohne Gesetz und Ordnung in wilder Ehe ihr Leben hinbrachten in den Wäldern, glichen in Wahrheit mehr Thieren als Menschen. Die Vernunft macht den Menschen; […] Die Natur, indem sie dir einen Sohn gab, übergab sie nichts andres, als eine rohe Masse; es ist deine Sache, der fügsamen und zu Allem bildsamen Materie die beste Form zu geben: wenn du es unterlässt, erhältst du eine Bestie, wenn du sorgsam bist, erhältst du so zu sagen einen Gott.«11 11 Zitiert nach: Schiffler/Winkeler, Schule, 2011, S. 54. Dort zitiert nach der Ausgabe von A. Israel und J. Müller (Hrsg.): Sammlung selten gewordener pädagogischer Schriften früherer Zeiten I–XIII, Zschopau 1879–1886 (Reprint Leipzig 1973), hier: Band 2, S. 7 f. II. Die Bildung des Volkes auf dem Weg in die Neuzeit – Berufsbildung in der Zunft und in Schulen Schule und Bildung hatten nach Ende des Mittelalters eine neue Wertigkeit bekommen: Es geht nicht mehr um eine rein religi- öse Perspektive, sondern um die Verantwortung für sich selbst als Individuum und im Rahmen des gesellschaftlichen Miteinanders. Das vorgefertigte Weltbild der mittelalterlichen Theologie gerät im Zuge der humanistischen Weltanschauung und schließlich der vor dem Beginn der Neuzeit um sich greifenden Aufklärungsbestrebungen zunehmend ins Wanken. Die Folgen für Bildung, Erziehung und das Schulwesen sollten weitreichend sein. Das gedruckte Buch markierte den Beginn des neuzeitlichen Schulwesens, womit es seine Aura als kultischer Gegenstand verlor. Das Buch wurde zum Gebrauchsgegenstand und auch zunehmend in der Volkssprache, also auf Deutsch und nicht auf Latein, zu einem für immer mehr Menschen erschwinglichen Betrag erwerbbar. Infolgedessen entwickelte sich auch die Fähigkeit des Lesens weg von der theologischen Handhabung, also der Auseinandersetzung mit den religiösen Schriften und der Bibel, hin zum Bildungsgut der bürgerlichen Schichten und zur Bewerkstelligung 8 Die Bildung des Volkes auf dem Weg in die Neuzeit – Berufsbildung in der Zunft und in Schulen des Alltags, besonders in Handel und im Gewerbe. Schulen mussten mehr und mehr für alle und abseits der klerikalen Oberhand zugänglich sein. »Erzieht, lehrt und bildet euch und eure Kinder«, war der Aufruf der Humanisten. Auch Luther rief die Eltern und die Obrigkeiten in seiner »Predigt, daß man die Kinder an die Schule halten solle«, (1530) auf, die Jugend, egal ob Mädchen oder Jungen, mit schulischer Erziehung zu bedenken.12 So brachte die neue Theologie der Reformatoren den Ansatz einer Idee der generellen schulischen Bildung auf, einer Art »Schulpflicht« unter Einbeziehung der Verantwortung des Staates. Jedoch stand dahinter natürlich durchaus auch der eigennützige Hintergedanke einer religiösen Laienbildung zur Festigung des »neuen« reformatorischen Glaubens. Des Grundsatzes »sola scriptura« willens sollte der »neue Christenmensch« natürlich zum Lesen der Heiligen Schrift in der Volkssprache gebildet sein. Nichtsdestotrotz war die Idee einer »Schule für das Volk« geboren und manche utopischen Schriftsteller des 16. und 17. Jahrhunderts schrieben bereits von »Handwerkerakademien.13 Für das einfache Volk verbreiteten sich die auf das Primarschulsystem aufbauenden Schulen in deutscher Sprache ab dem 16. Jahrhundert über die Dörfer bzw. die ländlichen Gebiete, meist angegliedert an die Ortspfarrei.14 Als Sonntagsschulen wurden diese Schulen bezeichnet, die im Anschluss an die Volksschulen besucht werden 12 Zitiert nach: Schiffler/Winkler, Schule, 2011, S. 62. 13 Siehe Grüner, Berufsschule, 184, S. 63. Siehe hierzu auch den Verweis auf: Arzt, Frederick: The development of Technical Education in France 1500– 1850, Cambridge/London 1966, S. 136. 14 Siehe Schiffler/Winkler, Schule, 2011, S. 64. konnten. Derlei gab es in Deutschland vier verschiedene:15 kirchliche Sonntagskatechisationen, Ersatzschulen für Werktagsschulen, Ergänzungsschulen für Werktagsschulen und gewerbliche Unterrichtsveranstaltungen. So rührt der Name »Sonntagsschule« lediglich vom Wochentag her und eine genauere Bestimmung, zu welchem Zweck die einzelne Sonntagschule eingeführt wurde, ist oftmals nicht ganz eindeutig zu klären. Demnach können nicht alle Sonntagschulen als Vorläufer unserer heutigen Berufsschule bzw. des Gewerbeschulwesens gelten. Da man die Unterrichtsinhalte nichtsdestotrotz für diese Schulen bereits kontrolliert haben wollte, wurden oftmals sehr genaue Vorschriften aufgestellt, wie der Lehrinhalt auszusehen hatte. Einen Einblick gibt die Württembergische Schulordnung aus dem Jahr 1559: »So dann der Schulmeister die Schulkinder mit nutz leeren will, So soll er die in drey Heüfflin theilen. Das ein, darinn die jhenigen gesetzt, so erst anfahen zu Buchstaben. Das ander, die, so anfahen, die Syllaben zusamen schlahen. Das dritt, wölche anfahen lesen und schreiben […] Und dieweil die Kinder vor allen dingen, zu der forcht Gottes gezogen werden sollen, so wöllen wir hiermit auch, das die Schulmeister keinem Kind gestatten, einige ergerliche, schandtliche, sectische Bücher, oder sonsten unnütze Fabel Schrifften, in jrem lernen zugebrauchen, sonder daran sein, wa sie getruckte Bücher gebrauchen wurden, damit sie in Christlichen Büchlin, als der Taffel, darinn der Catechismus, Psalmenbüchlin, das Spruchbüchlin Salomonis, Jesus Syrachs, newen Testaments, und dergleichen, lernen. […] Die Schulmeister sollen auch 15 Siehe Thyssen, Berufsschule, 1954, S. 13. 9 Die Bildung des Volkes auf dem Weg in die Neuzeit – Berufsbildung in der Zunft und in Schulen schuldig sein, nach dem Catechismo Sommerszeit in der Kirchen, Winters zeit in der Schulstuben, mit der andern Jugent in den Flecken, so nit seine Schulkinder seien, den Catechismo und gemeine Gesang zuüben, und die darinn mit Fleiß zuunderrichten, wie sie des jeder zeit von den Pfarrherrn bescheiden, und jnen bevohlen würdt.«16 Es dürfte sich hier wohl teilweise auch um einen katechetischen Unterricht gehandelt haben, der aber durchaus auch Lese- Schreib- Unterricht beinhaltet hat und für diejenige Kinder bestimmt war, die nicht in die Werktagsschule gingen, weil sie da wahrscheinlich auf dem Feld oder Hof helfen mussten bzw. bei den »Hauß- und Feldgeschäfften«17, wie man damals sagte. Doch die in den deutschsprachigen Landen durch das reformatorische Zeitalter angestoßenen Bestrebungen eines geordneten überall präsenten Schulwesens wurden durch die Wirren des Dreißigjährigen Krieges wieder beinahe zum Erliegen gebracht. Dies gestaltete sich so sowohl in Bezug auf die Weiterentwicklung der Lateinschule für Kinder der mehr elitären großstädtischen Bürger oder auch des klerikalen Nachwuchses als auch in Bezug auf die einfachen, volkssprachigen Schulen des Primar- und Sekundarbereichs für die Kinder von Bauern, Handwerker, dem einfacheren Volk des ländlichen Raumes. Solche Dorfschulen beiderlei Typs konnten unter anderem auch in 16 Zitiert nach: Schiffler/Winkler, Schule, 2011, S. 64, welcher sich in seiner Quellenangabe beruft auf: Reinhold Vormbaum (Hg.): Evangelische Schulordnungen, 3 Bde., Gütersloh 1860/1863/1864, hier: Bd. 1, S. 160 und 162. Ebenfalls zitiert bei Thyssen, Berufsschule, 1954, S. 16, welcher mit dieser Schulordnung die Begründung »berufsschulischer Frühformen« verbindet. 17 Siehe Thyssen, Berufsschule, 1954, S. 16. Scheunen untergebracht sein oder in Räumlichkeiten, die man zufälligerweise gerade zur Verfügung hatte und welche für umsonst oder mit nur ganz wenig Geld zu haben waren. Schlecht ausgestattete Schulstuben waren somit gang und gäbe und hielten sich bis weit in das 19. Jahrhundert hinein. Im Jahr 1739 ging Württemberg einen großen Schritt im Bereich der beruflichen Schulentwicklung, indem eine »neue Art von Schule […] an die Stelle der Sonntagsschule, die Ersatz für die fehlende Werktagsschule war«, eingeführt wurde.18 Der Zweck dieser Schulen sollte sein: »Die Sonn- und Feiertagsschulen sollen eine gute Schulanstalt und Kontinuation der in der Schul gefaßten Lehre sein, da diejenigen jungen Leute, welche schon zur Konfirmation und Gottestisch gelangt sind, bis zu ihrer Verheiratung in der Schule, und zwar alternatim das einemal die ledigen Manns-, das anderemal die ledigen Weibspersonen an Sonn- und Feiertagen nach verrichtetem öffentlichen Gottesdienst zusammenkommen und damit sie das in der Schule Erlernte nicht so leicht wieder vergessen noch die übrige Zeit an Sonn- und Feiertagen sonst liederlich oder gar sündlich zubringen, unter der Anleitung des Schulmeisters oder der Schulfrau ein geistlich Lied singen, in der Bibel lesen, ihre Sprüch und Psalmen repitieren, auch jedesmal ein Hauptstück aus dem Katechismo recitieren, ihre Schriften aufweisen, einen Brief lesen 18 Siehe Thyssen, Berufsschule, 1954, S. 22, welcher sich beruft auf: Schmid, Eugen: Geschichte des Volksschulwesens in Altwürttemberg, Stuttgart 1927, S. 186. 10 Die Bildung des Volkes auf dem Weg in die Neuzeit – Berufsbildung in der Zunft und in Schulen und sodann mit Gebet und Segen schlie- ßen sollen.«19 Hier liegt nun also eine Ergänzungsschule für Volksschulentlassene vor, die eine Kontinuität im Lernen gewährleisten möchte und – nach damaligem Verständnis – »für das Leben« qualifizieren will. Im benachbarten Baden folgte man zuerst dem Beispiel Württembergs und gründete in den Diözesen Pforzheim und Stein im Jahr 1755 Sonntagsschulen, die abwechselnd an einem Sonntag von den ledigen jungen Männern bis zum 18. Lebensjahr und am anderen Sonntag von den ledigen jungen Damen bis zum 20. Lebensjahr besucht werden konnten.20 Ein Jahr darauf, 1756, wurde die Einrichtung von Sonntagsschulen in allen Landesteilen Badens angeordnet, die zuerst nur im Sommer Unterricht erteilen sollten, aber ab 1766 auch im Winter.21 Diese Sonntagschule hatte ganz klar die Funktion einer Ergänzung der Volksschule für junge Erwachsene. 19 Siehe Thyssen, Berufsschule, 1954, welcher sich beruft auf: Reyscher, A. L.: Vollständige, historisch und kritisch bearbeitete Sammlung der Württembergischen Gesetze, Bd. XI (1839), S. 23 und Bd. VIII (1834), S. 607. 20 Siehe Thyssen, Berufsschule, 1954, S, 24. 21 Siehe Thyssen, Berufsschule, 1954, S. 24. Thyssen verweist bezüglich des badischen Sonntagsschulwesens auch weiter auf: Stocker, August: Das allgemeine und fachliche Fortbildungsschulwesen in Baden in seiner geschichtlichen Entwicklung, Lahr/ Baden 1916. II. 1) Die Entwicklung der gewerblichen Sonntagsschule Jeder solle den Mut haben, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, so Kant mit seinem umseitig gerichteten Appell »Sapere aude!« in der Hochphase der Aufklärung. Sich wechselseitig unterstützend, entwickelten sich alle Kulturbereiche, die sich aus der Vernunft und der kritischen Hinterfragung heraus entwickelten, rasch weiter: Naturwissenschaften und Technik allen voran. Für neue Schulgründungen ein äußerst fruchtbares Zeitalter, auch für die Errichtung von Schulen mit berufsbezogener Zielsetzung für die Ausbildung von jungen Menschen in Handwerk, Gewerbe, Landwirtschaft wie auch die Weiterentwicklung der Volks- und Realschulen gerade im Bereich praktischer und experimenteller Lern- und Lehrbereiche.22 Ein Beispiel des realitätsbezogenen Fächerkanons, der die Jahrhunderte überdauerte, zeigt das folgende Abgangszeugnis der Winterlandwirtschaftsschule Tauber bischofsheim aus dem Jahr 1895:23 22 Vgl. Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 13. 23 Das Zeugnis stammt aus Privatbesitz der Familie Pietschmann aus Hardheim. 11 Die Entwicklung der gewerblichen Sonntagsschule Abb. 1: Abgangszeugnis der Winterlandwirtschaftsschule Tauberbischofsheim von 1895 12 Handlungsfähigkeit bei der späteren Berufsausübung rückte in allen Schulen in deutschen Landen, die nicht für ein universitäres Studium vorbereiten wollten, im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts deutlich in den Mittelpunkt. Es gab Volksschulen, die ihre Schüler neben der Vermittlung der elementaren Fähigkeiten auch Unterricht in manchen Handfertigkeiten aus dem Bereich der Manufakturen, des Verlagswesens, der Heimindustrie und Landwirtschaft lehrten.24 In diesen sog. Industrieschulen (Industrie im Sinne des lateinischen »industria«, auf Deutsch »Fleiß, Betriebsamkeit«) wollte man die Kinder zu gewisser Arbeitstüchtigkeit erziehen. Zudem verwandte man den Erlös ihrer Arbeiten, um das benötigte Schulgeld zu bezahlen bzw. auch um Schulmaterial zu kaufen.25 Industrieschulen sollten sich finanziell selbst tragen, so war Lernen und Arbeiten im Wechsel die favorisierte Organisationsform bzw. auf jeden Fall die produktive Komponente dieser Schulform. Auch im Bezirk Buchen gab es im 19. Jahrhundert eine Industrieschule für Handarbeiterinnen, wie ein Zeitungsartikel aus »Der Odenwälder – Buchener Anzeiger« am 14. Mai 1892 berichtet:26 »Die Industrieschulen in Baden und die Ausstellung im Bezirk Buchen Gegen Ende des Monats findet erstmals in Buchen unter der Leitung der Kreisschulvisitatur eine Ausstellung von Arbeiten der Industrieschulen des Bezirks Buchen statt. In richtiger Würdigung der hohen Bedeu- 24 Siehe Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 18. 25 Ebd. 26 Zeitung entstammt Privatbesitz. tung der weiblichen Handarbeiten für das spätere praktische Leben widmet die Unterrichtsverwaltung unseres Landes diesem Zweige des Unterrichts der Mädchen ganz besondere Aufmerksamkeit. […] Auch das neue Schulgesetz, dessen Verkündigung in den nächsten Tagen zu erwarten ist, setzt für diesen Unterrichtszweig weitergehende Normen fest und bestimmt auch die höheren Anforderungen an die Lehrerinnen eine wesentlich höhere Vergütung für dieselben, so daß sie in diesem Punkte nicht mehr von dem guten Willen der Gemeindeverwaltung abhängig sind. Eine ganz besondere Förderung erhielten die Industrieschulen des Landes durch die Fürsorge und Bemühung Ihrer Königlichen Hoheit der Frau Großherzogin. […] Auch die Ausstellung in Buchen wird sie wahrscheinlich mit Ihrem hohen Besuche beehren, und somit dem ganzen Unternehmen einen weihevollen Glanz verleihen und das Interesse für die gute Sache in hohem Maße steigern.« Die deutschen Länder wurden bei ihren individuellen Entwicklungen im Bildungsbereich stark von Preußen inspiriert, das im Laufe des 18. Jahrhunderts zum Symbol eines neuen allgemeinen Bildungswesens wurde. Mit seiner Entstehung und seinem territorialstaatlichen Ausbau nach dem Dreißigjährigen Krieg betraf dieses streng organisierte Staatengebilde auch den Ausbau des Schulwesens. Um sich junge Menschen für das eigene Militär, die preußische Bürokratie und für neue Arbeitsplätze heranzuziehen, war es die allgemeine Bestrebung, die Jugend im Schreiben und Lesen zu unterweisen. So wurde das Schulsystem ausgebaut, indem viele neue Lehrer ausgebildet bzw. Kriegsveteranen dafür umgeschult wurden. Ein Fächerkanon wurde angelegt und das Schulwesen insgesamt systematisiert. Das 18. Jahrhundert kann man durch- Die Bildung des Volkes auf dem Weg in die Neuzeit – Berufsbildung in der Zunft und in Schulen 13 aus als schulische Umbruchszeit für Gesamtdeutschland bezeichnen. Kulturkampf und eine Neuordnung der Gesellschaft bzw. eine Ablösung von der seit dem Mittelalter vorherrschenden ständischen Gesellschaft lassen neue Lehrorganisationen und nie dagewesene Bildungschancen für das Volk entstehen. Die höfische Kultur neigte sich ihrem Ende zu – samt den jahrhundertelangen Vorrechten des Adels. Das Besitz- und Bildungsbürgertum begann zu erblühen, bestärkt durch festgesetzte Leistungsprinzipien bei der Vergabe von Arbeitsstellen und zum Beispiel bzw. gerade auch bei der Einführung des Abiturs im Jahr 1843 als verpflichtende Studienvoraussetzung an einer Universität. Die beginnende Industrialisierung trug ebenfalls ihren Teil zu dieser Bildungsentwicklung bei. Durch die fortschreitende Technisierung ergaben sich ganz neue Aufgaben für die Menschen und damit auch für die Schulen. Der Adel, dessen Nachkommen in der Regel durch einen Hauslehrer unterrichtet wurden, geriet zunehmend unter Druck, die geforderten Leistungsprinzipien, hauptsächlich das Abitur, zu erreichen. Man hatte immer noch das Standesbewusstsein, dass man als Adelsangehöriger seine Kinder nicht auf öffentliche Schulen schicken wollte. Im staatlichen schulischen Bereich kristallisierten sich im Laufe des 19. Jahrhunderts aber eine Vielzahl von unterschiedlichen Unterrichtsanstalten heraus, jede mit unterschiedlicher Zielsetzung, darunter zum Beispiel auch die ersten Mädchenbildungsinstitute. Die Zielgruppe dieser neuen Lehranstalten war vorwiegend das Bürgertum, für welches die (Dorf-)Schulen des einfachen Volkes und auch die Lateinschulen der Städte für den akademischen Nachwuchs an Pfarrern, Medizinern, Juristen etc. nicht die passenden Inhalte lieferten. Die Forderung für diese Klientel, diese gesellschaftliche Mittelschicht, war eine lebensnahe Bildung für den beruflichen wie den privaten Alltag als Bürger, was eine weitere Untergliederung bzw. Spezialisierung einzelner Schul typen nach sich zog: Realgymnasien, Bürgerschulen, Oberrealschulen, Sekundarschulen, Lyceen und viele mehr. Als wohl wichtigstes Konstrukt ist aber der Umstand anzusehen, dass hinter den vielfältigen neuen Schulen nun der Staat stand und man sich von der kirchlichen Dominanz im Bildungsbereich wegbewegen konnte, dessen Verfall im Prinzip bereits zu Beginn des Jahrhunderts mit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches 1803 begann. Der Gedanke kommt nun auf, dass man auch im Handwerksbereich zusätzlich zur Ausbildung im Betrieb beim Meister einen ergänzenden Unterricht benötigen könnte, um den handwerklichen Nachwuchs für die Erfordernisse der Zeit besser auszubilden. Die Idee der gewerblichen Sonntagsschule war geboren. Die noch vorherrschenden Zünfte konnten bei ihrer Heranziehung des Nachwuchses den neuen Anforderungen der Gesellschaft im Hinblick auf die zunehmende Industrialisierung, neue Maschinen und ein Streben nach höherer Leistung in allen Bereichen kaum mehr nachkommen. Das Modell des Abschauens allein beim Meister und den Gesellen, die sog. »imitatio«, und des Lernens aus Erfahrung wurden fragwürdig und auch ineffektiv. Forderungen nach Verbesserung der Lehrlingsausbildung wurden laut, auch um die wirtschaftliche Entwicklung des Landes nach vorne zu treiben. Man wollte die Handwerker mit soliden Die Entwicklung der gewerblichen Sonntagsschule 14 Kenntnissen beruflicher Art beschulen, die auch von der neuen Zeit immer stärker gefordert wurden. Die Zunftautonomie im Südwesten wurde dieser Tage mehr und mehr durch die Landeshoheit beschnitten. Georg Heinrich Zincke27 setzte bereits 1752 ein Reformprogramm zur Neuordnung der Lehrlingsausbildung auf,28 welches ergänzenden Unterricht in den Bereichen der Fachkunde und Berufspraxis erforderlich machte.29 Darin schrieb er: »Wie lange muß […] ein Lehrling lernen, was muß er wissen, wenn er angenommen und losgesprochen wird, womit muß er seine ersten Jahre zubringen, und wie wird er unterrichtet? Dieses alles verdienet untersucht und besser eingerichtet zu werden. Die Lehr-Jahre werden gemeiniglich zu lang und gar zu schlecht zugebracht. Der Lehr-Junge wird in der ersten Zeit zu allerley niederträchtigen Verrichtungen gebraucht […]. Der Lehrling wird nicht nach einer gewissen vernünfftigen 27 Siehe Stratmann, Quellen, 1969, S. 77: Georg Heinrich Zincke (1692–1768) studierte Theologie und Jurisprudenz und war Hofrat von Herzog Ernst August von Weimar. Leider wurde er in einem Prozess wegen Schädigung des Landes zu mehrjähriger Haft verurteilt. Nach Entlassung hieraus ging er nach Leipzig und war dort literarisch sehr produktiv tätig, bekam 1745 einen Ruf ans Braunschweiger Collegium Carolinum. Seine »Gedancken von Verkürtzung und besserer Einrichtung der Lehr-Jahre bey Handwerckern und Profeßions-Verwandten« erschien in: Leipziger Sammlung von Allerhand zum Land-Stadt-Wirtschaftlichen, Policey- Finanz- und Cammer-Wesen dienlichen Nachrichten, Bd. IX, Stück 100 (1752), Leipzig 1753, S. 335–340. 28 Siehe Stratmann, Quellen, 1969, S. 77 f. 29 Siehe Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 28, mit seinerseits Verweis auf: König, Karlheinz: Zur Reform der Lehrlingsausbildung im Handwerk von den Anfängen bis zum Jahre 1806, Alsbach 1985, S. 212 ff. (Darmstädter Beiträge zur Berufspädagogik, Bd. 9). Lehr- Art unterwiesen (und das schlimmste ist, daß die wenigsten Meister dazu so wenig Willen als Verstand haben), die ihm von dem leichten zu dem schweren fortführete, und bald geschickt machen würde: Sondern er muß es nach und nach ohne Ordnung auch nur von den Gesellen absehen, und indessen ein allgemeiner Junge, oder gar ein Fußschemel seyn. […] Man müste wohl zu sehen, ob der Meister auch sowohl seiner Wissenschaft und Geschicklichkeit, als auch seinem Fleisse und gütigem Gemüthe nach, im Stande sey, Knaben zu lehren, und acht haben, ob er auch seine Pflicht treulich erfüllet, und zu dem Ende zu weilen mit den Lehrlingen nach Statuten ein Examen anstellen. Geschieht das in Schulen, warum nicht jährlich bey den Gilden, und ihren Zusammenkünfften. Da denn widrigenfalls der Lehrer in Strafe fällt, wenn er nicht tauget, sich der Lehrlinge gar begeben muss.«30 Auch an dem humanistischen Bildungsreformer Wilhelm von Humboldt gingen diese Entwicklungen nicht vorüber. Im Jahr 1809 äußerte er sich wie folgt zu beruflicher Bildung, die seiner Meinung allgemeiner und umfassender Art sein solle:31 »Es gibt schlechterdings gewisse Kenntnisse, die allgemein sein müssen, und noch mehr eine gewisse Bildung der Gesinnung und des Charakters, die keinem fehlen darf. Jeder ist offenbar nur dann ein guter Handwerker, Kaufmann, Soldat und Geschäftsmann, wenn er an sich und ohne Hinsicht auf seinen besonderen Beruf ein guter, anständiger, seinem Stande nach aufgeklärter 30 Siehe Stratmann, Quellen, 1969, S. 78 f. 31 Zitiert nach: Thyssen, Berufsschule, 1954, S. 72, welcher sich beruft auf die Quelle: Wilhelm von Humboldt: Gesammelte Schriften, Bd. X, 205 ff. Die Bildung des Volkes auf dem Weg in die Neuzeit – Berufsbildung in der Zunft und in Schulen 15 Die Spätzeit der Zünfte vs. moderne Bildungsansätze Mensch und Bürger ist. Gibt ihm der Schulunterricht, was hiezu erforderlich ist, so erwirbt er die besondere Fähigkeit seines Berufs nachher sehr leicht und behält immer die Freiheit, wie im Leben so oft geschiehet, von einem zum andern überzugehn. Fängt man aber von dem besonderen Beruf an, so macht man ihn einseitig, und er erlangt nie die Geschicklichkeit und Freiheit, die nothwendig ist, um auch in seinem Berufe allein nicht bloss mechanisch, was Andere vor ihm gethan nachzuahmen, sondern selbst Erweiterungen und Verbesserungen vorzunehmen.« In etlichen badischen Städten wurden ab Ende des 18. Jahrhunderts, Beginn des 19. Jahrhunderts Lehrgänge angeboten, zum Beispiel im Zeichnen, für die die jeweilige Stadt meist ein sog. Schullokal zur Verfügung stellte.32 Aus diesen Initiativen gingen die öffentlichen und staatlich getragenen, zuerst nur sonntags stattfindenden Gewerbeschulen hervor. Die Zünfte verloren zunehmend ihre Autonomie, die sie bis dato innehatten. Die Tendenz war, dass der Besuch dieser Teilzeit-Gewerbeschulen für den Lehrabschluss mehr und mehr verpflichtend wurde. Das Zunftwesen sei »in öden, inhaltslosen Formen und Formeln«33 erstarrt, wie man treffend bemerkte, und die Gewerbeschule sollte von nun an Abhilfe schaffen. Ein Zunftwesen, das seit dem Mittelalter zur Wahrung gemeinsamer Interessen und der Ausbildung des handwerk- 32 Vgl. Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 29. 33 Siehe Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 24, welcher hier zitiert nach; Stocker, August: Das allgemeine und fachliche Fortbildungsschulwesen in Baden in seiner geschichtlichen Entwicklung, nebst einer Sammlung der maßgebenden gesetzlichen und verordnungsmäßigen Bestimmungen, Lahr/Baden 1916, S. 39. lichen Nachwuchses Bestand hatte, sollte nun im Bereich der Berufsausbildung seine Macht einbüßen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts erfolgte als Konsequenz der Industrialisierung eine Entprivatisierung der Berufsausbildung, da nun der Staat anstelle der Zünfte die Organisation der Berufsbildung regeln sollte. Man darf behaupten, dass auf der Basis der Ausbildungsnormierung traditionell-handwerklicher Berufe ein staatlich geregeltes Berufsbildungssystem etabliert wurde, das sich dann auf andere Schulsysteme übertrug. II. 2) Die Spätzeit der Zünfte vs. moderne Bildungsansätze »Das 12. Jahrhundert erweckte die Zünfte. Die Zünfte und Innungen beruhen auf dem ganz natürlichen Bedürfnisse, daß Genossen ein und desselben Gewerbes, die innerlich verbunden sind durch ganz gleiche Verpflichtungen, durch gleiche Rechte, durch einen ganz ähnlichen Bildungsgang und durch ganz ähnliche Schicksale, sich auch äußerlich als Zusammengehörigkeit darstellen, sich gegenseitig schützen und beaufsichtigen.«34 Die Berufsausbildung innerhalb der Zunftordnung war ein fast tausend Jahre beständiges Konstrukt mit einem Schwerpunkt in der Städtegründungsphase des Hochmittelalters. Die Integration des jungen Auszubildenden in den jeweiligen Berufsstand war eines der Ziele innerhalb der Zunftgemeinschaft und nur in der Einbindung in die jeweilige Zunft konnte der Arbeiter seiner 34 Siehe Schürmann/Windmöller, Lehr- und Lesebuch, 1907, S. 83. 16 Tätigkeit nachgehen. So kontrollierte bzw. nahm die Zunft auch Einfluss auf Felder des privaten Lebens. Zum Beispiel sicherte die Zunft, im Bereich der sittlichen Lebensführung, das Zunftmitglied gegen Notfälle ab. Die Zunft setzte im Bereich des Gewerbes die Qualitätsstandards der Produkte fest, die Arbeitszeiten und die Betriebsführung. Nach dem Tod eines Zunftmitglieds betete die Zunft für das Seelenheil des Verstorbenen und gab der Witwe bzw. den Hinterbliebenen ein Sterbegeld. Folglich konnte man durchaus auch von einer Sorge bis über das Lebensende hinaus sprechen. Die Beerdigung des Verstorbenen bezahlte auch die Zunftgemeinschaft. In der Summe übernahm die Vereinigung in Zünften eine allgemeine Überwachungs-, aber auch Sicherheitsfunktion und gab dem Menschen im Mittelalter und der Frühen Neuzeit demnach auch eine gewisse moralische und gesellschaftliche Sicherheit, die unverkennbar bedeutsam in der religiös dominierten Gesellschaft im Rahmen der Befolgung des göttlichen Heilsplanes der damaligen Zeit war: das Erstreben eines gottgefälligen, tätigen Daseins als Sinn der Existenz des Menschen. Ein Lehrling bestritt seine Ausbildung beinahe in Übereignung seiner Person in eine fremde Familie, nämlich in die des Meisters. In gemeinsamer Tätigkeit in der Werkstatt des Meisters begab sich der Lehrling auf den Weg in den zu erlernenden Berufsstand der jeweiligen Zunft. So stand auch die erzieherische und pädagogische Funktion im Zusammenleben mit der Familie des Meisters im Vordergrund bzw. nahm einen recht großen Platz ein. Beinahe die Funktion eines »Ersatzvaters« hatte der Meister für seinen Lehrling und so gestalteten sich auch die Erziehungsziele im Bereich Sitte und Anstand, Tugend und Fleiß. Verdeutlicht werden diese Aufnahme und Erziehung des Lehrlings im Hause des Meisters an einer Passage aus einem Lehr- und Lesebuch für Gewerbeschulen von 1907:35 »Der Meister nahm den Lehrling, ›Kind‹ genannt, nicht wie einen Mietling, sondern als Glied der Familie in sein Haus. Zwar gab es mancherlei Entbehrungen zu ertragen, die Teilnahme an öffentlichen Lustbarkeiten war untersagt, der Meister forderte unbedingten Gehorsam; aber auf die Erziehung des jungen Handwerkers wirkte diese strenge Zucht nur fördernd.« Nicht jeder durfte Lehrling werden. Zu den persönlichen Voraussetzungen gehörte u. a. der ehrliche Beruf der Eltern und Angehörigen wie auch die eheliche Geburt des Lehrlings. Im Bereich des Alters des Lehrlings bei dessen Aufnahme war man nicht festgelegt. Die Lehrlinge sollten jedoch nicht zu alt sein, »da sie dann leicht störrisch werden könnten« und nicht zu jung, »weil sie sonst dem Meister keinen Nutzen brächten«36: Zwischen 12 und 18 Jahren schwankte die Altersgrenze der Lehrlinge bei einer durchschnittlichen Lehrzeit von drei Jahren. Von anderen Lehrmeistern entlaufene Lehrlinge durften eigentlich nicht beschäftigt werden.37 Zu Beginn musste vonseiten des Lehrlings ein Lehrgeld an den Meister entrichtet werden. Wenn sich arme Eltern dies nicht leisten konnten, 35 Siehe Schürmann/Windmöller, Lehr- und Lesebuch, 1907, S. 87. 36 Siehe John, Handwerk, 1987, S. 95. 37 Ebd. Die Bildung des Volkes auf dem Weg in die Neuzeit – Berufsbildung in der Zunft und in Schulen 17 dann wurde die Lehrzeit verlängert, sodass der Lehrling sein Lehrgeld quasi abarbeiten konnte. Letztlich waren die jeweiligen Zunftordnungen maßgebend, die genauere Bestimmungen für die einzelnen Handwerkszweige vorschrieben, zum Beispiel die Höchstzahl der Arbeitskräfte pro Meister, die Ausbildungsinhalte, Produktqualität, Produktionsmenge, Verhinderung neuer Betriebsorganisationsformen (zum Beispiel Zusammenschlüsse mit Nicht-Zünftlern, neue Einkaufs- und Verkaufsmethoden, Werkstattvereinigungen von zwei Meistern etc.) und zahlreiche weitere Bestimmungen, von denen man behaupten könnte, dass sie vielen Fortschrittsbestrebungen entgegenstanden. Am Ende der Lehrjahre wurde der Lehrling losgesprochen und erhielt einen Lehrbrief. Hiernach ging es zumeist auf Wanderschaft. Aus einem Lehr- und Lesebuch von 1907 wird hierzu Folgendes beschrieben:38 »Nach beendigter Lehrzeit trat der Lehrling wiederum vor die Zunftlade und wurde, falls seine Führung während der Lehrzeit eine gute gewesen war, vom Lehrburschenverhältnis feierlich losgesprochen. Mit dem darüber ausgestellten Zeugnis, dem ›Lehrbrief‹, versehen, begab sich nun der junge Handwerker als ›Knecht‹ auf die Wanderschaft […] um neue Arbeitsweisen in seinem Geschäft kennen zu lernen und Welt- und Menschenkenntnis aus eigener Anschauung zu erwerben. […] Hatte nach jahrelangem Umherwandern (manche Gewerbe schrieben eine bestimmte Wanderzeit vor) der Geselle das Verlangen, in der Heimat oder an einem fremden Orte sein Hand- 38 Siehe Schürmann/Windmöller, Lehr- und Lesebuch, 1907, S. 87. werk selbständig zu betreiben, so unterwarf er sich der Meisterprüfung. Er machte sein ›Meisterstück‹ und wurde, wenn dies tadellos ausfiel, in feierlicher Sitzung als Meister in die Zunft aufgenommen. Mit Erlangung der Meisterschaft hatte der Handwerker den sichern Boden für sein weiteres Fortkommen gefunden. Er mußte sich zwar den Zunftgesetzen fügen, mußte sich die Beaufsichtigung seiner Arbeiten seitens der Zunft gefallen lassen; aber er war auch vor unbefugtem Wettbewerb geschützt und konnte mit Aussicht auf Erfolg für sich und die Seinen wirken und schaffen.« Archaisch ist die Grundvorstellung, dass der Meister dem Gesellen als Typus obsteht, den es zu imitieren bzw. ständig zu reproduzieren gilt: Damit entspricht diese Art des Lehrens überhaupt nicht der Art, wie ein Lehrer im heutigen Sinne anleiten soll. Eher stellt der Meister der damaligen Zeit einen Lehrer dar, der ein in meist autoritärer Form anleitendes Idealbild ist, das den Lehrling nicht zu bestmöglicher Leistung im Rahmen seiner individuellen Fähigkeiten hilft, sondern zur Erlangung eines Ebenbild des Meisters in bewährten Fähig- und Fertigkeiten. Somit war in der zünftigen Ausbildung das didaktische Konzept ein geschlossenes Konstrukt. Doch nun wurde das Prinzip der Imitatio zunehmend und bald unumkehrbar fragwürdig. Bereits im 18. Jahrhundert wurden die ersten kritischen Stimmen an der zünftigen Ausbildung laut. Durch die neueren Produktionsweisen im Gewerbe, ebenso in Bergbau und in der Landwirtschaft, wurde eine bessere Vor- und Ausbildung der nachwachsenden Arbeitergeneration nötig, ebenso eine Lockerung der Vorschriften aus der Zunftzeit hinsichtlich Betriebsgröße und Produktionsverfahren. Als Die Spätzeit der Zünfte vs. moderne Bildungsansätze 18 überkommene und überholte Fesseln wurden die zünftigen Vorschriften vielfach erachtet und so war es kein Wunder, dass sich im Zuge einer fortschreitenden Industrialisierung und generellen Verstaatlichung auch die kritischen Stimmen an den Zünften und deren Ausbildungssystem häuften. Die Zünfte ihrerseits versuchten sich gegen die Symptome des Niedergangs insofern zu wehren, als dass sie ihre Zunftbestimmungen noch strenger auslegten als früher und zum eigenen Vorteil nutzten. So wurde zum Beispiel die Voraussetzung der Ehrbarkeit und Sittlichkeit eines Lehrlings beinahe nach Belieben ausgelegt. Schon eine kleine Verfehlung konnte der Aufnahme zum Lehrling entgegenstehen. Oder es wurde das Lehrgeld erhöht und die Lehrzeit ungebührlich verlängert. Willkür machte sich breit, die man von staatlicher Seite zunehmend bestrebt war zu verhindern. In dem neuen Reichsgesetz von 1731, das die Autonomie des Handwerks prinzipiell in großem Maße beschneiden sollte, wurde für die Ausbildung eines Lehrlings unter anderem festgehalten, dass dieser zu Ausbildungsbeginn einen Geburtsbrief einzureichen habe und ihm am Ende der Lehrzeit der Meister ein Lehrbrief auszustellen hatte. Ein Attestat diente dem Gesellen zum Nachweis über die Inhalte seiner Gesellenzeit. Darin fand sich auch eine Personenbeschreibung, die Bestätigung der abgelegten Lehrzeit wie auch ein Leumundszeugnis. Das Attestat musste von zwei Obermeistern und dem individuellen Lehrmeister unterschrieben werden. An jedem Ort, an dem der Geselle während seiner Wanderschaft war, wurden dann weitere Attestate aufgesetzt, die über die Tätigkeiten und den Einsatz des Gesellen, wie auch seiner zeitlichen Verweildauer Auskunft gaben.39 Aus einem Lesebuch für Gewerbeschulen von 1907 heißt es über die Wanderschaft früherer Tage:40 »In früherer Zeit konnte kein Handwerker Meister werden, wenn er nicht eine gewisse Zeit in der Fremde zugebracht hatte. In der Gegenwart, in der man mit der Eisenbahn in 24 Stunden halb Europa durchfahren kann, würde diese Bestimmung allerdings nicht am Platze sein; aber immerhin gilt auch in der Jetztzeit der Mann noch etwas bei seinen Genossen, der in der Fremde viel gesehen und gelernt hat. […] Hast Du, lieber Schüler, deine Lehrzeit beendet, so bleibe nicht an der Scholle haften, sondern gehe in die Welt hinaus, dich in deinem Berufe zu vervollkommnen!« Weitere Neuerungen des Reichsgesetzes von 1731 waren:41 • Handwerkszusammenkünfte dürfen nur im Beisein von Vertretern der Obrigkeit abgehalten werden; • ohne obrigkeitlichen Konsens beschlossene Innungsartikel sind ungültig; • interne Gerichtsbarkeit des Handwerks wird untersagt; 39 Die Inhalte des Absatzes angelehnt an: Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 26. Rothe merkt auch an, dass die Legitimation mittels Attestat völlig neuartig war, da sich bisher der Geselle auf der Wanderschaft lediglich durch nur den Angehörigen eines Handwerkes bekannten Losungsspruches ausgewiesen hatte. 40 Siehe Schürmann/Windmöller, Lehr- und Lesebuch, 1907, S. 40 f. 41 Liste getreu der Auflistung von Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 27. Die Bildung des Volkes auf dem Weg in die Neuzeit – Berufsbildung in der Zunft und in Schulen 19 • ungebührliche Bräuche bei der Lossprechung von Lehrjungen werden verboten;42 • überzogene Forderungen bezüglich der Herstellung des Meisterstücks sind unzulässig;43 • willkürliche Vorschriften betreffend die Zulassung von Jungmeistern werden untersagt, zum Beispiel das Erfordernis des Einkaufens in die örtliche Zunft; • Preisabsprachen werden verboten. Der Reformwillen griff um sich und auch von Einzelpersonen kamen Anregungen zur Neuordnung des Handwerks. Das Reformprogramm von Georg Heinrich Zincke, das dem Jahr 1742 entstammt und somit durchaus durch das neue Reichsgesetz inspiriert sein konnte, lautete wie folgte:44 • Sicherstellung der fachlichen Qualifikation des Meisters; • Forderung nach einer pädagogischen Eignung des Meisters; • Gewährleistung des Vorhandenseins von Gesellen; • Schaffung eines handwerklich-zünftigen Standesbewusstseins im Geiste 42 Ungebührliche und mitunter boshafte Hänseleien waren vielerorts zu verzeichnen. 43 Mitunter war das Meisterstück aus so teurem Material und unter enorm großem Zeitaufwand anzufertigen, dass der Anschein aufkam, mittels des Meisterstücks dem jungen Meister lediglich Fehler nachweisen zu wollen und deshalb Strafgelder auferlegen zu können. 44 Liste (gekürzt auf das Wesentliche) entnommen aus: Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 28, welcher sich bezieht auf: König, Karlheinz (Hg.): Zur Reform der Lehrlingsausbildung im Handwerk von den Anfängen bis zum Jahre 1806. Darmstädter Beiträge zur Berufspädagogik, Bd. 9, Alsbach 1985, S. 212 ff. der Verpflichtung zur redlichen Aufgabenerfüllung; • Begünstigung einer Elitebildung unter den Lehrlingen durch Auswahl und spezielle Förderung besonders befähigter Bewerber. Problematisch bei der Umsetzung der neuen von Reformern geforderten und im Reichsgesetz von 1731 aufgesetzten Regelungen war der Umstand, dass manche Privilegien der Zünfte unmittelbar vom Kaiser zugesprochen waren. Nichtsdestotrotz wollte der Staat nun seine Autoritätsansprüche auch im Bereich des Handwerks ausweiten, entsprechend seinen generellen Bestrebungen während des 18. Jahrhunderts im Sinne eines mehr und mehr absolutistischen Staatsdenkens. Kurz nach Gründung des Großherzogtums Badens wurde im Jahre 1808 eine neue Verordnung über die Wanderschaft innerhalb der Zunftausbildung aufgestellt.45 Es wurde festgesetzt, dass nur derjenige auf Wanderschaft gehen darf, der auch lesen, schreiben und rechnen auf elementarem Niveau konnte. So sollen Meister darauf achten, dass ihre Lehrlinge diese Fähigkeiten besitzen bzw. sie auch dazu anhalten, in örtlichen schulischen Anstalten diese Kenntnisse zu erlernen. Diese Verordnung unterstützte natürlich die gewerbeschulische Entwicklung der bereits existierenden Sonntagsschulen. Eine weitere Förderung der Gewerbeschulidee kommt von einer Kritik eines Heidelberger Ökonoms an der Unfähigkeit 45 Siehe Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 44, der sich bezieht auf: Kuhn, Karl Friedrich: Die Gewerbeschule der Landeshauptstadt Karlsruhe in Vergangenheit und Gegenwart, hg. v. der Stadt Karlsruhe, Karlsruhe 1927, S. 8 f. Die Spätzeit der Zünfte vs. moderne Bildungsansätze 20 der Handwerker: Karl Heinrich kritisiert in einer Preisschrift aus dem Jahre 1816 die gegenwärtige Handwerkerschaft und moniert, dass die Art der gegenwärtigen Ausbildung im Handwerk nicht mehr zeitgemäß sei und man lediglich handwerklich unfähige Arbeiter ausbilden würde.46 Auch er sprach vom Vorteil einer teilschulischen Ausbildung ergänzend zum Unterricht durch den Meister. Von Ignaz Heinrich Freiherr von Wessenberg, einem Theologen und späteren Bistumsverweser des Konstanzer Bischofs, gingen weiterhin wichtige Bestrebungen zum Ausbau der beruflichen Bildung aus.47 Ihm war es wichtig, dass dem Gewerbestand zugunsten des Gesamtwohls des Landes eine größere staatliche Aufmerksamkeit zukommt.48 Es sollten spezielle Schulzweige gegründet werden, die sich auch mit realistischen Unterrichtsinhalten befassten.49 Wessenberg erstellte einen groß angelegten Plan zur Umgestaltung des gewerblichen Ausbildungswesens und brachte diesen 1831 als »Motion« in die erste Kammer der Badischen Landstände ein. Er wollte Gewerbeschulen in Vollzeit und in Verbindung mit bereits bestehenden Sonntagsschulen für Lehrlinge einrichten lassen.50 Sein Sinn und Trachten war, dass diese Gewerbeschulen zu Polytechnischen Schulen bzw. auch Polytechnischen Hochschulen schließlich so 46 Siehe Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 43. 47 Siehe hierzu auch: Gutman, Gewerbeschule, 1930, S. 142–155. 48 Siehe Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 56. 49 Siehe Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 57, der sich hier beruft auf: Müller, Johann Baptist: Ignaz Heinrich von Wessenberg, ein christlicher Pädagoge. Ein Beitrag zur Geschichte der Pädagogik im 19. Jahrhundert, Paderborn 1916, S. 134. 50 Siehe Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 57. stark in Verbindung stünden, wie die Gymnasien zur Universität, also eine klare Alternative zum »klassischen Weg zur höheren Bildung« darstellten. Wessenberg hatte auch schon ausgearbeitete Vorstellungen einer stufenförmigen Gliederung der gewerblichen Bildung, was ihm nach der Meinung Rothes gerechtfertigterweise zum »Fürsprecher des beruflichen Schulwesens« machte.51 Ein Auszug aus Wessenbergs Forderungen zeigt den progressiven Ansatz deutlich:52 »Für verschiedene Klassen im Volke hat die fortschreitende Civilisation allmählich eigene Bildungsanstalten veranlaßt. Nur die große, zahlreiche und höchst schätzbare Klasse des Gewerbe- und Handelsstandes entbehrt noch mehrentheils solcher Anstalten, wo die jungen Leute, die sich in Zukunft dem Handel oder irgend einem Gewerbe widmen sollen, die ihrem Berufe angemessene Vor- und Grundbildung zu erhalten Gelegenheit finden. […] Dazu sind durchaus eigene Anstalten nothwendig, wo an allen Werktagen ein fortlaufender und zusammenhängender Unterricht erteilt wird. […] Ohne solche Anstalten können die Gewerbe nicht wohl bedeutende Fortschritte machen, und auf den gebührenden Grad von Vollendung gehoben werden, indem die Lehrjahre und die Wanderjahre dies nur dann bewirken können, wenn die Lehrlinge vorher mit guten Realkenntnissen ausgerüstet wurden.« Fast zeitgleich zu Wessenbergs Bestrebungen publizierte der Offenburger Lehrer Matthias Trefzer seine Vorstellungen von einer 51 Ebd., S. 59. 52 Zitiert nach: Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 61, der sich beruft auf die Quelle: Ignaz Heinrich von Wessenberg: Über die Bildung der gewerbetreibenden Volksklassen überhaupt und im Großherzogthum Baden insbesondere, Konstanz 1833. Die Bildung des Volkes auf dem Weg in die Neuzeit – Berufsbildung in der Zunft und in Schulen 21 Zukunft mit Gewerbeschulen.53 Nach ihm sollten die Lehrlinge aber tendenziell allumfassend auf die Erlernung eines Gewerbes vorbereitet werden und noch nicht ganz speziell auf einen Beruf hin. Nichtsdestotrotz stand das für eine Gewerbeausübung Nützliche im Vordergrund. Der badische Beamte und späterer Staatsminister Carl Friedrich Nebenius, Autor der badischen Verfassung von 1818, hegte auch dezidierte Pläne zur Reformierung des Bildungswesens im Großherzogtum, vornehmlich auch im Rahmen seiner Wirtschaftspolitik, um die Industrie zu stärken.54 Seine Ideen fanden durchaus Umsetzung bei der Gestaltung der Gewerbeschulen. Durch einen Aufenthalt in Frankreich von den dortigen bereits bestehenden Ausbildungsoptionen im gewerblichen Bereich inspiriert, verfasste er 1833 eine Denkschrift, die sich mit der kritischen Hinterfragung des beruflichen Unterrichtswesens auseinandersetzte. Ihr Titel lautete: »Über technische Lehranstalten in ihrem Zusammenhang mit dem gesammten Unterrichtswesen und mit besonderer Rücksicht auf die Polytechnische Schule zu Karlsruhe«.55 In Kapitel II befasst 53 Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 60, der hier folgende Literatur angibt: Trefzer, Mathias: Die Gewerbeschulen im Großherzogthum Baden. Versuch einer auf die Natur der Sache gegründeten Darstellung der Lehrgegenstände und des Unterrichts an diesen Anstalten, Offenburg 1833. 54 Siehe hierzu tiefgründiger auch: Haverkamp, Gewerbeförderung, 1979, S. 59–64. Siehe in kompakterer Form unter: Grüner, Berufsschule, 1984, S. 53 f. 55 Die Schrift ist erschienen im Verlag Müller, Karlsruhe 1833. Digital verfügbar unter: https://books. google.de/books?id=DLNR A A A AM A AJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false, abgerufen am 25. Januar 2019. sich Nebenius mit dem »Bedürfnis technischer Unterrichtsanstalten und dem Nutzen derselben« (S. 34 ff.) und kommuniziert eindeutig, dass es – bezogen auf die veränderten Produktionsbedingungen im Zuge der Industrialisierung – vonnöten sei, die Schicht der Gewerbetreibenden besser zu bilden. »Es sind dies aber gerade solche Ver- änderungen der Hervorbringsarten, welche eine höhere Bildung der gewerbetreibenden Classen erfordern« (S. 43). Zum Zunftwesen bezieht Nebenius ganz klar Position, indem er konstatiert: »Die fortschreitende Bildung der gewerbetreibenden Classen wird insbesondere auch da, wo die Vorurtheile des Zunftwesens noch ihre Herrschaft behaupten, wohltätige Früchte tragen. Sie wird allmälig unter allen Classen der Gewerbetreibenden die Ueberzeugung verbreiten, daß es besser sey, durch Tüchtigkeit und Geschicklichkeit und durch Vervollkommnung der Gewerbe, als durch Zwangsmaßregeln gegen lästige Concurrenz sich zu sichern« (S. 58). Auf derselben Seite bemerkt Nebenius zudem, dass er eine Entwicklung der Regierung in die Richtung, welche »die Zunfteinrichtungen vollends hinwegräumt« als eine »Wohlthat« bezeichnen würde und bezeichnet die Zünfte hier sogar als »Ruine der Vorzeit«. Nebenius ging immer von der Polytechnischen Hochschule Karlsruhe aus und unterstreicht deren Bedeutung für die Verbesserung der Bildung im technischen Bereich, geht aber auch auf die niederen technischen Anstalten ein und misst diesen große Bedeutung bei. Er skizziert für die Ausbildung der gewerbetreibenden Klasse ein modernes System im aufeinander aufbauenden Stufenformat mit den all- Die Spätzeit der Zünfte vs. moderne Bildungsansätze 22 gemeinen Inhalten im Bereich Mathematik und Mechanik: »Der Unterricht würde in zwei- oder dreijährigem Curse die Elementargeometrie und Mechanik mit ihren Anwendungen auf die Gewerbe, Zeichnen, Modellieren, sodann etwa eine angemessene Anleitung zur industriellen Geschäftstüchtigkeit umfassen, und ebenso in seinem Umfange auf das Nothwendige und im Leben häufiger vorkommende beschränkt, wie die Unterrichtsmethode der Fassungskraft der Zöglinge und dem Maaß der Vorbildung, welche die allgemeine Volksschule gibt, angepaßt werden« (S. 79). Nebenius gibt auch Empfehlungen über zu verwendende Lehrbücher für die Lehrer, die oftmals dem französischen Sprachraum entstammen.56 Jeder, sowohl Jugendliche als auch fortbildungswillige Erwachsene, sollten Zugang zu den Gewerbeschulen haben. Und auch in Bezug auf finanziell weniger gut gestellte Personen meint er, dass der Unterricht »für die Minderbemittelten unentgeltlich seyn« solle (S. 85) Die Kosten der Schulen wären von den Städten zu tragen (S. 85), auch mit der Begründung, dass »solche städtischen Handwerksschulen zugleich den auf dem platten Lande zerstreuten Handwerkern die erforderliche Bildungsgelegenheit verschaffen« (S. 85). Im Prinzip finden sich fast alle von Nebenius’ Ideen und Ausführungen im Gründungserlass57 der badischen Gewerbeschulen von 1834 wieder, deren Gestaltung er 56 Siehe Grüner, Berufsschule, 1984, welcher sich mit dem Bezug Nebenius’ auf die französischen »écoles des arts et métiers« auseinandersetzt. 57 Der Gründungserlass von 1834 befindet sich im Quellenteil dieses Buches. demnach maßgeblich beeinflusste, vor allem den Grundgedanken von einem dualen Ausbildungssystem mit betrieblicher praktischer Bildung und schulischem begleitenden Unterricht. So entwickelten sich nach 1834 in Baden nun auch einheitlich als Gewerbeschulen bezeichnete Anstalten, teilweise aus bereits bestehenden Vorläuferanstalten, wie zum Beispiel Zeichenschulen und Spinnschulen. Die Schulstandorte befanden sich erst an größeren, gewerbereicheren Orten wie Karlsruhe, Mannheim, Heidelberg, Bruchsal, Pforzheim oder auch Sinsheim. Doch durchwegs fehlte es dem neuen Schultypus an Akzeptanz durch die Handwerksbetriebe.58 Mit Strafandrohungen wollte man gegen das Schwänzen des Schulbesuchs der Lehrlinge bzw. deren Abhaltung vom Schulbesuch durch die Meister vorgehen, doch zeigte dies wenig Erfolg. Im Jahr 1840 wurde dann aber eine Verordnung59 erlassen, die den erfolgreichen Besuch einer Gewerbeschule für den Erhalt des Wanderbuchs während der Gesellenjahre zur Bedingung machte.60 Lehrmeistern, die ihre Lehrlinge vom Besuch der Gewerbeschule abhielten, drohte man mit Strafe durch den Bürgermeister bzw. das Bezirksamt (§ 8). Zunftvorständen, die einen Lehrling ohne Gewerbeschulnachweis einstellten, drohte ebenfalls eine Strafe (§ 6). Damit etablierte sich der Typus der Gewerbeschule als allseitig anerkannte Schulart. Schließlich erfolgten Schulgründungen in immer mehr Städten, so auch in Buchen. 58 Siehe Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 87. 59 Die Verordnung von 1840 findet sich im Quellenteil dieses Buches. 60 Siehe Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 87. Die Bildung des Volkes auf dem Weg in die Neuzeit – Berufsbildung in der Zunft und in Schulen 23 III. 1) Die Gründungsphase der Höheren Bürgerschule in Buchen mit Erweiterung um eine Gewerbeschule Mit der Konstituierung des Großherzogtums Baden begannen ersichtlicherweise die zahlreichen Bestrebungen, das Schulwesen zu reformieren. Vor allem im gewerblichen und technischen Bereich lag das Augenmerk der gewollten schulischen Neuerungen. Schon im Jahr 1825 wurde die Technische Universität Karlsruhe gegründet, damals noch bezeichnet als Polytechnische Hochschule Karlsruhe.61 »Die Großherzogliche Regierung hat aus Gründen, die jedem Sachkundigen einleuchtend sind, die Organisation der polytechnischen Schule der Gründung der niederen technischen Lehranstalten vorausgehen lassen; sie hat […] mit Recht die wesentlichen Bedingungen einer gehörigen Befriedigung der Bedürfnisse der niedern Gewerbe erblickt, indem sie die polytechnische Schule als eine Pflanzschule für die 61 Siehe Borchardt-Wenzel, Geschichte, 2016, S. 88: Mit der Gründung des Polytechnikums entstand die älteste technische Hochschule Deutschlands. Die Bezeichnung als Hochschule wurde jedoch erst ab 1885 geführt. Lehrer an den niederen technischen Anstalten ausdrücklich bezeichnete.«62 Nach der Gründung der Karlsruher Hochschule wurde alsbald auch der Typ der Gewerbeschulen im sog. »niedern Bereich« etabliert, um die betriebliche Lehre zu ergänzen. Die Gewerbeschulen sollten im Format einer Teilzeitschule strukturiert werden. Der maßgebliche Gründungserlass entstammt dem 15. Mai 1834:63 »Leopold von Gottes Gnaden, Großherzog von Baden, Herzog von Zähringen [erklärt hiermit] Die Nothwendigkeit eines besonderen öffentlichen Unterrichts für jene jungen Leute, welche sich einem Gewerbe oder Handwerke widmen, und in früher Jugendzeit in Arbeit und Lehre treten, […] haben Wir auf den Vortrag Unseres Ministeriums des Innern beschlossen und verordnen wie folgt: […] In allen gewerbreicheren Städten des Großherzogtums sollen Gewerbschulen errichtet werden. […] Die Gewerbschule hat den Zweck, jungen Leuten, die sich einem Handwerke oder einem Gewerbe widmen, welches keine höhere technische und wissenschaftliche Bildung erfordert, und das 62 Siehe Gutman, Gewerbeschule, 1930, S. 103. 63 Der Gründungserlass befindet sich in voller Länge im Quellenteil dieses Buches. Siehe den Text auch in: Gutman, Gewerbeschule, 1930, S. 167–178. III. Geschichte der Buchener Gewerbeschule 24 Geschichte der Buchener Gewerbeschule sie praktisch zu erlernen bereits begonnen haben, diejenigen Kenntnisse und graphischen Fertigkeiten beizubringen, die sie zum verständigen Betriebe dieses Gewerbes geschickt machen.« Die Zielgruppe der Gewerbeschule waren insbesondere »alle jungen Leute […], welche das vierzehnte Lebensjahr zurückgelegt haben, bei einem Meister zur Erlernung eines Gewerbes in die Lehre getreten sind, oder in der nächsten Zeit in die Lehre zu treten beabsichtigen, und die erforderlichen Vorkenntnisse besitzen. […] Die Gewerbschule setzt nur diejenigen Vorkenntnisse voraus, welche die allgemeine Volksschule lehrt.« Aber darüber hinaus waren auch andere Schüler gestattet, zum Beispiel auch nur um einzelne zusätzliche Fertigkeiten, im Speziellen das Zeichnen, zu erlernen. Die Verordnung des Landes vom 15. Mai 1834 eröffnete folglich zahlreichen Städten die Möglichkeit, diesen neuen Schultypus zu gründen. So auch in Buchen. Der Schlossermeister Valentin Kieser legte infolgedessen am 29. Juli 1843 dem Buchener Gemeinderat und dem kleinen Bürgerausschuss einen Antrag zur »Errichtung einer höheren Bürgerschule« vor,64 der man in der Zukunft auch eine Gewerbeschule angliedern konnte. Für den Herbst desselben Jahres wurde eine Versammlung aller ansässigen Zunftmeister angesetzt: Bei dem Treffen am 8. Oktober 1843 sagten 204 selbständige Handwerker ihre finanzielle Unterstützung bei der Errichtung der Höheren Bürgerschule zu.65 Der Antrag auf Genehmigung der Schule ging bei der Regierung in Karlsruhe im Februar 1844 ein, darin hieß es: 64 Siehe Hummel, Geschichte, o. J. , S. 11. 65 Ebd. »Welch nachteilige Folge die Hemmung der geistigen, das Lebensglück befördernden besonderen Ausbildung eines großen Teiles der hiesigen Einwohnerschaft gehabt hat, zeigt der gesunkene Wohlstand der bürgerlichen Einwohner und insbesondere der gewerbetreibenden Klasse.«66 Doch aufgrund von Unstimmigkeiten mit dem Oberkirchenrat, der seinen Finanzierungszuschuss verwehrte, da der zur Verfügung stehende Kreuzkapellenfond »in Buchen eine kirchliche Stiftung [ist] und es kann derselbe weder ganz noch teilweise für die Höhere Schule verwendet werden«, so versagte der Großherzogliche Studienrat seine Zustimmung zur Errichtung der Höheren Bürgerschule.67 Am 22. April 1844 hieß es: »Unter den obwaltenden Verhältnissen könne auf Errichtung einer höheren Bürgerschule nicht eingegangen werden.«68 Die Buchener aber blieben hartnäckig in ihrem Wollen. Oberamtmann Felleisen, der im September 1844 als Vorstand des Bezirksamts nach Buchen kam, trieb die Bestrebungen der Schulgründung schließlich voran, indem wenige Monate später desselben Jahres ein weiteres Schreiben an die Regierung gesandt wurde, mit einer erneuten Bitte um Errichtung, wie auch eine Bitte um 600 Gulden.69 Die Kirche hatte mittlerweile auch ihre, zumindest personelle, Unterstützung bestätigt, indem der Benefiziat die Leitung der Schule und auch ein Deputat von 20 Wochenstunden verantworten wollte.70 66 Ebd. 67 Ebd., S. 11 f. 68 Ebd., S. 12. 69 Ebd. 70 Ebd. 25 Die Gründungsphase der Höheren Bürgerschule in Buchen mit Erweiterung um eine Gewerbeschule Im Jahre 1845, am 28. April, konnte dann dem Bezirksamt Buchen mitgeteilt werden, »daß Seine Königliche Hoheit der Großherzog […] gnädigst geruht haben, die Errichtung einer höheren Bürgerschule in Buchen mit einem fünfjährigen Cursus in drei Classen zu genehmigen.«71 Ein Jahr darauf, am 3. August 1846, wurde vom Gemeinderat ein weiterer Antrag gestellt, in welchem darum gebeten wurde, zusätzlich einen Lehrer anzustellen, der – neben dem Unterricht an der Höheren Bürgerschule – an einer neu zu errichtenden Gewerbeschule, die bis dahin in der Gegend noch ganz fehlte, lehren sollte.72 Man wünschte sich in Buchen demnach ganz deutlich eine Erweiterung der Höheren Bürgerschule um eine Gewerbeschule. Nach der Einreichung des Gesuchs mit detailreichem Bericht durch Oberamtmann Felleisen am 9. August 1846 an das Ministerium des Innern in Karlsruhe, kam von dort am 21. Oktober die Bitte, dass vor etwaiger Entscheidung dafür oder dagegen folgende Punkte noch zu klären seien: Ob der vierte (für beide Schulen) anzustellende Lehrer »aus der Classe der wißenschaftlich gebildeten Philologen oder der aus der politechnischen Schule für die mathematischen und naturhistorischen Fächern gebildeten Volksschullehrer genommen werden [solle]?«73 Man entschied sich für einen wissenschaftlich gebildeten und evangelischen Philologen, entsprechend des Wunsches der Höheren Bürgerschule, die sich durch einen solchen mehr Schülerzugänge aus den Ge- 71 Ebd. 72 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 15. 73 Zitiert nach: ebd. meinden Bödigheim, Eberstadt, Bofsheim und Sindolsheim erhoffte.74 Das Gros des Unterrichts sollte Herr Anton Santo übernehmen, ein bereits an der Höheren Bürgerschule tätiger Lehrer. In den sog. Realfächern (Geschichte und Naturwissenschaften) waren die Inhalte der Höheren Bürgerschule und der Gewerbeschule identisch. Nachdem dann die Stadt Buchen die Bedingungen aus dem Erlass von 1833 – betreffend die Finanzierung des Schullokals, der Schulrequisiten, der Reinigung sowie der Feuerung – versicherte,75 stand der Gründung der Gewerbeschule prinzipiell nichts mehr im Wege. Der Genehmigungserlass des Ministeriums für eine Gewerbeschule erfolgte am 19. April 1847. Der Wortlaut dieses Schreibens:76 »Ministerium des Innern Carlsruhe, den 19. April 1847 Nr. 5527 Die Erweiterung der höhern Bürgerschule in Buchen und Errichtung einer Gewerbeschule daselbst betr. Der Oberstudienrath erhält unter Rückgabe seiner erhobenen Acten und jener des Unterrheinkreises im Anschluße Abschrift der allerhöchsten Staatsministerial Entschlie- ßung vom 3ten d. Mts. Nr. 668 mit dem Bemerken: Nachdem sich die Gemeinde Buchen verbindlich gemacht hat, für das Local der Gewerbeschule, deßen Unterhaltung, Reinigung und Feuerung, sowie für die innere Einrichtung und die Schulrequisiten Sorge zu tragen, wird zur Errichtung einer Ge- 74 Ebd. 75 Siehe vor allem § 30, § 32 und § 34 des Gründungserlasses von 1834, der im Quellenteil des Buches zu finden ist. 76 Orientiert an: Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 17. 26 werbeschule in Buchen in Verbindung mit der dortigen höhern Bürgerschule hiermit die dießeitige Genehmigung ertheilt, und zu diesem Behufe [=Zwecke] außer dem durch obige allerhöchste Entschlie- ßung bewilligten aus dem Fond für höhere Bürgerschulen zu schöpfenden weiteren Zuschuße von 200 fl [ Anm: florin] der Gemeinde Buchen noch ein Zuschuß von 300 fl aus der Budgetposition für Gewerbeschulen vom 1. Januar ds. Js. An bewilligt. Der Oberstudienrath hat sich nun mit der Direktion der polytechnischen Schule und mit der Kreisregierung wegen Verbindung der zu errichtenden Gewerbschule mit der höhern Bürgerschule und Entwerfung des für die letztere nun zu erweiternden Lehrplans zu benehmen und dafür zu sorgen, daß ein tüchtiges Subjekt als vierter Lehrer, welcher wißenschaftlich gebildet und nach dem Wunsche der Gemeinde und des Amts aus der Classe der evangelischen Theologen ernannt werden soll, angestellt wird, vorüber man weiterem Vortrage entgegen sieht. Der Gemeinde ist zu bemerken, daß das neue Schulgebäude so einzurichten ist, daß der Vorstand der höhern Bürgerschule eine angemeßene Wohnung in derselben erhält, was man zur Aufrechterhaltung der Disziplin dringend wünschen muß. II. Nachricht der Regierung des Unterrheinkreises mit dem Anfügen, daß sie ihre Acten vom Oberstudienrahte zurückerhalten wird. A. A. d. R. v. Stengel Zur Beglaubigung Ahlers R. S.« So konnte die neu errichtete Gewerbeschule am 6. Dezember des Jahres 1847 er- öffnet werden und den Unterricht aufnehmen: 70 Lehrlinge sind im ersten Schuljahr (1847/48) zu verzeichnen.77 Der erste gewählte Schulvorstand der Gewerbeschule Buchen setzte sich, nach einer Wahl am 16. Oktober 1847, aus folgenden Herren zusammen: Bürgermeister Franz Sebastian Herth, Stadtpfarrer Erbacher, Alois Perino (Steinhauer), Jakob Blatz (Schreiner) und Alois Heilig (Chirurg). Dies entsprach den aufgestellten Statuten, gemäß dem »Gewerbeschulgesetz von 1834«78, § 40, 1–4, das besagt, dass die Gewerbeschule unter der Aufsicht eines Schulvorstandes stehen solle, dessen Mitglieder unter anderem auch die Überwachung des Schulbesuches wahrnehmen sollten. Das Gewerbeschulgesetz gibt ebenso ganz klar vor, dass das erhoffte Ziel der Errichtung von Gewerbeschulen die fachliche Höherqualifizierung des gewerblichen Nachwuchses darstellt, der zunehmend mit theoretischen Inhalten während der Ausbildung vertraut werden solle, welche die Ausbildung allein beim Meister nicht (mehr) leisten könne. In Art. II. Zweck der Gewerbschulen, § 2 heißt es: »Die Gewerbschule hat den Zweck, jungen Leuten, die sich einem Handwerke oder einem Gewerbe widmen, welches keine höhere technische und wissenschaftliche Bildung erfordert, und das sie praktisch zu erlernen bereits begonnen haben, diejenigen Kenntnisse und graphischen Fähigkeiten beizubringen, die sie zum verständigen Betriebe dieses Gewerbes geschickt machen.« Bezüglich der Lehrinhalte hat das Gesetz von 1834 ebenfalls klare Vorgaben, so in Art. III. Unterrichtsgegenstände. Hier 77 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 18. 78 Der komplette Wortlaut des Gewerbeschulgesetzes von 1834 befindet sich im Quellenteil. Geschichte der Buchener Gewerbeschule 27 steht in § 3 und § 4 geschrieben, dass der Unterricht in der Gewerbeschule Folgendes umfassen soll: »Handzeichnen geometrischer Figuren und Körper und Ornament-Zeichnen, Arithmetik und algebraische Grundbegriffe, Geometrie, mit Einschluß des geometrischen Zeichnens, Industrielle Wirtschaftslehre, mit Anleitung zur einfachen Buchhaltung.« Ebenso seien »Übungen der Schüler in schriftlichen Aufsätzen und im mündlichen Ausdrucke« vorgesehen. Aber von den heute in den Schulcurricula sich befindenden Fächern wie Deutsch und Geschichte oder Politik ist dereinst noch nicht die Rede. Bei entsprechendem »Bedürfnis« solle der Unterricht fernerhin auch beinhalten: »Naturkunde: einfache Erklärung der wichtigsten Naturerscheinungen und die für einzelne Handwerke und für landwirtschaftliche Gewerbe nützliche Kenntnisse aus der Naturgeschichte und aus der technischen Chemie.« Ebenso das Gebiet der »Mechanik, angewendet auf die Gewerbe, mit Beschreibung, Konstruktion und Berechnung einzelner Maschinen«. Als Aufnahmekriterium sieht das Gesetz ( Art. IV, § 6) vor, dass »alle jungen Leute, welche das vierzehnte Lebensjahr zurückgelegt haben, bei einem Meister zur Erlernung eines Gewerbes in die Lehre getreten sind, oder in der nächsten Zeit in die Lehre zu treten beabsichtigen, und die erforderlichen Vorkenntnisse besitzen« in die Gewerbeschule eintreten dürfen. Dabei wird ganz klar im darauffolgenden § 7 erklärt, dass die genannten »Vorkenntnisse« lediglich die Inhalte der Volksschule sind, aber dass der eine oder andere Lehrling, wenn es ihm an Expertise im Schreiben, Rechnen und Lesen fehlen sollte, durchaus schon beim Zeichenunterricht an der Gewerbeschule teilnehmen kann, ist aber doch »zum Besuche der Fortbildungsschule79 anzuhalten« (§ 8). Darüber hinaus wurde der Besuch der Schule auch »allen in Arbeit stehenden Gesellen gestattet, welche die erforderlichen Vorkenntnisse besitzen und über ihre Sittlichkeit und gute Ausführung günstige Zeugnisse aufzuweisen mögen (§ 9), […] Ebenso steht der Zutritt Jedem zu, der sich für ein nicht zünftiges Gewerbe durch den Besuch einzelner hiezu dienlicher Vorträge nützliche Kenntnisse erwerben will«. (§ 10) Als verbindliche Unterrichtszeit an der Gewerbeschule wurde in Art. V § 12 festgesetzt: »In der Regel sollen an jedem Sonn- und Feiertage (die hohen Festtage ausgenommen) von Ostern bis November, zwei bis zwei und eine halbe Stunde, und vom 1.November bis Ostern eine bis eine und eine halbe Stunde, sodann an Wochentagen in den Feierabendstunden eine Stunde täglich dem Unterrichte gewidmet werden.« Trotz der zunehmenden »Weltlichkeit« der Gewerbeschulen ist der Passus zu finden: »Die Lehrer der Gewerbschule werden darauf wachen, daß die Gewerbschüler den kirchlichen Gottesdienst nicht versäumen.« Es konnte sein, dass örtlich die eine oder andere Abweichung zu den geforderten Unterrichtszeiten geduldet wurde, doch insgesamt war die Intention, dass pro Woche 79 Die Abgrenzung von »Fortbildungsschule« gegen- über »Gewerbeschule« war in den deutschen Ländern schwierig und oftmals nicht klar festgelegt. Baden ging in dem Bereich seinen eigenen Weg und unterteilte mit dem Gewerbeschulgesetz von 1834 diese beiden Schultypen deutlich, die Fortbildungsschule wurde damit unterhalb der Gewerbeschule angesiedelt. Die Gründungsphase der Höheren Bürgerschule in Buchen mit Erweiterung um eine Gewerbeschule 28 ein mindestens sechsstündiger Unterricht bestritten werden sollte.80 In Buchen wurde die Gewerbeschule bis 1872 mit zwei Jahrgangsstufen,81 sprich einem »zweijährigen Kurs« ( Art. VI § 19) geführt, der als Minimum vorausgesetzt wurde. Die Regel war ein dreijähriger Kurs. Ein »zweijähriger Kurs tritt nur dort ein, wo die Mittel zur vollständigen Ausführung des Lehrplans fehlen«, was demnach in Buchen der Fall gewesen sein muss. Zu den Prüfungen war festgelegt, dass »jährliche öffentliche Prüfungen, und zwar am Schlusse des Wintersemesters, stattfinden« sollten ( Art. VII. § 23). Als Schulgeld setzte man ein Maximum von 20 Kreuzern pro Monat an ( Art. IX § 32), das aber bei »minderbemittelten Schüler[n]« reduziert werden konnte, um »die Hälfte oder ein Viertheil«. In den Statuten ist sogar vermerkt: »Unvermögliche sind von der Entrichtung des Schulgeldes befreit« (§ 33). Von einer generellen Schulpflicht bzw. Gewerbeschulpflicht spricht das Gesetz aber noch nicht. Das war zum Teil auch dem Umstand geschuldet, dass es bis zum Jahr 1871 im deutschsprachigen Raum keine Reichsgewalt gab und die Länder im Prinzip Autonomie besaßen. Die Gewerbeschulpflicht sollte erst im Jahre 1872 eingeführt werden.82 Auch bestand für die Gewerbeschulen bis zum Jahre 1881 noch kein verbindlicher Lehrplan. Die Richtlinien für 80 Siehe Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 74. 81 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 20. 82 Nach Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 171, gab es in Baden im Jahr 1872 eine Gewerbeschüleranzahl von 2 767 Personen. den zu erteilenden Unterricht waren eher allgemeiner Natur. Im Zeichenunterricht der Gewerbeschulen wurden vielfältige Zeichnungen angefertigt, zum Beispiel auch Zeichnungen geografischer Gegebenheiten, wie ein Beispiel aus dem Ende des 19. Jahrhunderts verdeutlicht. Man beachte die Genauigkeit und Sorgfalt in der Anfertigung, die der Schüler an den Tag gelegt hat. III. 2) Die Anfangsjahre der Gewerbeschule Buchen Das Gesetz von 1834 gestattet der Stadt Buchen aufgrund eines fehlenden verbindlichen Lehrplanes für die Gewerbeschule folglich noch eine große Freiheit bei der Organisation des Lehrbetriebs. Dies war auch dem Umstand geschuldet, dass das Gesetz nach § 35 die Gründungskosten der Schule wie auch die laufenden Unterhaltskosten an die Stadt zur Verantwortung gegeben hatte und somit der Logik nach auch die Stadt entscheiden konnte, wie der Schulbetrieb aufgebaut werden soll. Selbst die Lehrergehälter, die heutzutage natürlicherweise Kostenpunkt des Landes sind, mussten damals von der Stadt getragen werden. Die Zuschüsse, die man unter gewissen Voraussetzungen vom Land erhalten konnte, waren nicht im Vorhinein kalkulierbar. Im Falle Buchens jedoch kann man dem Genehmigungserlass entnehmen, dass die Zuwendung jährlich 300 fl (florin) betrug.83 Die so gesehene Kombination der Gewerbeschulgründung mit der Höheren Bürgerschule war eine glückliche Fügung, da hier doch der 83 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 21. Geschichte der Buchener Gewerbeschule 29 Die Anfangsjahre der Gewerbeschule Buchen ein oder andere Synergieeffekt hinsichtlich des Unterrichts genutzt werden konnte. Die Lehrkräfte der Gewerbeschule dieser Tage waren Anton Santo (der sog. »Polytechniker«) und Erasmus Pfaff, welcher auch an der Höheren Bürgerschule unterrichtete. Am 27. November 1851 gab es einen Erlass des Großherzoglichen Ministeriums des Innern, Nr. 16, 138, welcher verordnete, dass Gewerbeschulen von den Höheren Bürgerschulen getrennt werden sollen.84 Wenige Monate später leistete man in Buchen diesem Erlass Folge und setzte die Lehrer Pfaff und Stadtmüller so ein, dass Ersterer ab derzeit 17 und Letzterer 3 Wochenstunden an 84 Ebd. der Gewerbeschule unterrichten soll. Wenn nötig, so darf hierzu durchaus eine Reduzierung der Lehre an der Höheren Bürgerschule erfolgen.85 So kam es ab dem Jahre 1853 zu einer ersten Trennung der beiden Schularten, wenngleich die Lehrer der Gewerbeschule durchaus noch mit der Höheren Bürgerschule verbunden waren. Die Haushaltsführung war aber von nun an getrennt. Vollends selbstständig wurde die Gewerbeschule Buchen erst im Jahre 1872. Von 1847 bis 1872 erfolgte der Unterricht an Werktagen ab 8 Uhr, im Sommer auch ab 7 Uhr. An zwei Halbtagen pro Woche hatte jede der beiden Klassen bzw. Kursjahre 85 Ebd. Abb. 2: Skizze Asiens 30 Unterricht, wobei im Winterhalbjahr auch manchmal Ganztagsunterricht erteilt wurde. Man hatte derzeit noch keine 45-minütigen Unterrichtsstunden, sondern 60-minütige.86 Sonntags gab es Zeichenunterricht, der im Sommer von 7 bis 9:30 Uhr und im Winter von 8:30 bis 11 Uhr erfolgte. Auch Externe, wie zum Beispiel Gesellen, Schüler der Höheren Bürgerschule oder Schüler aus den oberen Klassen der Volksschule, konnten auf freiwilliger Basis daran teilnehmen und taten es auch rege. So sind im Schuljahr 1854/55 zu den 34 Gewerbeschülern zusätzlich 13 freiwillige Schüler zu verzeichnen, worunter sich 4 Gesellen befanden.87 Auf der Stundentafel von 1854/55 standen in der 1. Klasse 11,5 Wochenstunden und in der 2. Klasse 9,5 Wochenstunden. Darunter entfielen in der Klasse 1 auf das Fach Deutsch 2 Stunden, Rechnen 2 Stunden, Geometrie 1 Stunde, Naturlehre 2 Stunden, Geometrisches Zeichnen 2 Stunden und Zeichnen von Ornamenten (sonntags) 2,5 Stunden. In der 2. Klasse entfielen auf Rechnen 1 Stunde, Geometrie 1 Stunde, Industrielle Wirtschaftslehre 1 Stunde, Technische Chemie 2 Stunden, Fachzeichnen und geometrische Projektionslehre 2 Stunden und den sonntäglichen Zeichenunterricht von Ornamenten 2,5 Stunden.88 Dennoch gab es auch damals schon Klagen seitens der Lehrer, dass manche Schüler sich doch eher anderweitig vergnügten, einer Tagelöhnertätigkeit nachgingen bzw. vom Meister nicht zur Schule gelassen wurden, um deren Arbeitskraft zu nutzen, 86 Die Unterrichtszeiten sind entnommen: Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 22. 87 Ebd. 88 Ebd. statt dem Schulunterricht beizuwohnen. So klagte Gewerbelehrer Pfaff im Jahre 1854 über unregelmäßige Unterrichtsbesuche von vielen Schülern.89 Und so wurde bei einer Sitzung vom 10. Dezember 1854 beschlossen, dass den Meistern eine Strafe von 6 kr (Kreuzer) pro unentschuldigtem Fehltag auferlegt werden soll, welche durch den Polizeidiener eingezogen werden sollte. Ab dem Jahr 1865 wurde dieser Satz sogar auf 30 kr Strafe erhöht.90 Die Leitung der Jahresprüfung 1855 übernahm der Großherzogliche Regierungscommissär Prof. Dr. Wiener persönlich in Gegenwart von Mitgliedern des Gewerbeschulvorstandes, des Leiters der Höheren Bürgerschule und mancher interessierten Einwohner Buchens.91 Es wurden 22 Schüler der 1. Klasse und 12 Schüler der 2. Klasse geprüft, die sich von ihrer Ausbildung her wie folgt zusammensetzten: 2 Bäcker, 1 Glaser, 1 Häfner, 1 Küfer, 2 Maurer, 1 Metzger, 2 Ölmüller, 1 Sattler, 3 Schneider, 1 Schmied, 1 Schreiner, 7 Schuhmacher, 1 Seifensieder, 1 Steinhauer, 5 Tüncher, 4 noch ohne Beruf.92 Man sieht hieran sehr gut, dass verschiedene Berufe bzw. Berufsfelder noch zusammen unterrichtet wurden. Die Herausbildung von sog. Fachklassen entwickelte sich erst viel später. Im Jahr 1856 erfolgte dann zum ersten Mal eine eigene Rechnungslegung der Gewerbeschule, doch, wie bereits erwähnt, wurden die Gewerbelehrer bis zum Jahr 1872 über die Höhere Bürgerschule zugeteilt, was bedeutet, dass diese mit ih- 89 Ebd. 90 Ebd. 91 Ebd. 92 Ebd. Geschichte der Buchener Gewerbeschule 31 rem Deputat immer auch Teil der Höheren Bürgerschule waren.93 Zur ersten eigenen Jahresrechnung der Gewerbeschule schreibt Brötel in der Festschrift zum 150-jährigen Jubiläum der ZGB:94 »In der ersten getrennten Jahresabrechnung des ›Gewerbeschulfonds‹ für das Jahr 1856 heißt es dann, daß nach dem Erlaß der Großh. Regierung vom 22. Jan. 1856, Nr. 1680 erstmals für das Jahr 1856 ein Schulgeld zu erheben sei. Dies beträgt a. für ganz zahlungsfähige Schüler monatlich 12 Kreuzer b. für halb zahlungsfähige Schüler monatlich 6 Kreuzer c. für zahlungsfähige freiwillige Zeichenschüler monatlich 4 Kreuzer Armen Schülern wird das Schulgeld erlassen.« Eine Jahresrechnung des Gewerbeschulfonds legt für das Jahr 1865 beispielhaft dar: » Als Lehrer der Anstalt wurde nach Erlaß Gr. Oberschulraths resp. Gr. Ministerium des Innern v. 18. Okt. 1864 Nr. 12298 Johann Rümmele bestimmt. Außerdem hat Lehrer K. Bansbach Unterricht an der Gewerbeschule zu geben. Beide Lehrer wirken gleichzeitig an der höheren Bürgerschule dahier.«95 So wäre es möglich, dass Gewerbelehrer Georg Scherer von 1863 bis 1864 zugleich Schulleiter der Höheren Bürgerschule war.96 Die Gehaltsauszahlung erfolgte aus einem 93 Ebd, S. 23. 94 Ebd. 95 Ebd. 96 Ebd. gemeinsamen Fonds beider Schultypen, dem auch der jährliche Staatszuschuss für die Gewerbeschule von 300 fl zukam.97 In den beginnenden 1860er-Jahren liegen auch die Wurzeln der Gewerbelehrerorganisation in Baden, deren Anfang die Landeskonferenz der Gewerbelehrer im September 1861 darstellt.98 1880 sollte sich dann in Mannheim der Verband badischer Gewerbe- und Zeichenlehrer gründen.99 Ab dem Jahr 1865 wurde im Bereich des Schulgeldes dann nochmals bei den freiwilligen Schülern unterschieden, ob es sich um einen Gesellen oder Gehilfen handelt oder um einen Volks- oder Bürgerschüler. Erstere Gruppe musste 6 Kreuzer im Monat bezahlen, letztere nur 3 Kreuzer. Diese Einteilung und Zahlungsmodalität blieb bis zum Jahr 1872 bestehen.100 Seit dem badischen Gewerbegesetz vom 20. September 1862 lag der Besuch der Gewerbeschule in der Entscheidung der Eltern bzw. der Erziehungsberechtigten des Lehrlings.101 Dem Meister oblag dieses Recht nun nicht mehr, doch er solle dafür sorgen, dass der Lehrling die Gewerbeschule besuchen kann, während der Unterrichtszeit also vom Arbeiten bei ihm freigestellt wird. Mit der von nun an geltenden Gewerbefreiheit in Baden konnte nun jeder Mensch ein 97 Ebd. 98 Siehe Gramlich, Gewerbeschulmänner, 1982, S. 3. 99 Ebd., S. 4. 100 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 23. 101 Siehe Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 170, welcher sich beruft auf: Großherzoglich-Badisches Regierungs-Blatt, Nr. XLV vom 1. Oktober 1862, S. 417– 432: Nach § 43 galt hier: »Die Dienstherren sind verpflichtet, ihrem schulpflichtigen Hilfspersonal und ihren Lehrlingen stets die nötige Zeit zu gestatten, um die im Orte eingeführten Unterrichtsanstalten nach Maßgabe der allfälligen Schulvorschriften vollständig benützen zu können.« Die Anfangsjahre der Gewerbeschule Buchen 32 Gewerbe in jedem Produktionszweig und mit selbst gewählter Produktionstechnik betreiben. Damit einhergehend bedingte sich die Aufhebung der Zünfte und deren Zunftvorschriften in ihrer alten Form. Das Gesetz hatte eine weitere Stärkung der Bedeutung von Gewerbeschulen zur Folge, wenngleich in direkter Folge die Schülerzahlen an solchen Schulen erst einmal etwas rückläufig waren. Die Umstrukturierung und der neue Geist im Unternehmertum mit der vielfach aufkommenden Konkurrenzsituation musste in der Gesellschaft erst einmal angenommen werden. Die Schülerzahlen schwankten in Buchen bis zum Jahr 1872 zwischen 47 und 88 Schülern, worunter auch die freiwilligen sonntäglichen Zeichenschüler mitgezählt sind, die mitunter eine höhere Zahl als die eigentlichen Gewerbeschüler darstellten.102 Manch geringe Anzahl an Schülern gefährdete sogar in dem ein oder anderen Jahr den Fortbestand der Gewerbeschule Buchen.103 So zum Beispiel im Jahr 1870, als erst durch allgemeine Aufrufe und Aufklärungsarbeit die Bedeutsamkeit eines Schulbesuchs der Allgemeinheit vor Augen geführt wurde und sich so die Anzahl der Schüler wieder etwas erholte.104 Der Buchener Anzeiger veröffentlichte am 1. Mai 1869 folgenden Aufruf zum Unterrichtsbeginn im neuen Schuljahr: 102 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 23. 103 Siehe Willax, 100 Jahre, 1949, S. 7. 104 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 24. »Die Wiedereröffnung der hiesigen Gewerbeschule findet statt: Montag, den 3. Mai, an welchem Tage sämmtliche Schüler, sowie Neueintretende mit der schriftlichen Einwilligung der Eltern zum Schulbesuche versehen, Morgens 8 Uhr in der Gewerbeschule sich einzufinden haben. Indem wir dies im öffentlichen Interesse damit zur Kenntniß bringen, ersuchen wir Eltern, Vormünder und die Meister der Lehrlinge, dem ernsten Mahnrufe der Zeit zu folgen, ihrer Verpflichtung gegen die ihnen anvertraute Jugend, dieselbe zum fleißigen Gewerbeschulbesuche anzuhalten, doch gewissenhaft nachzukommen; denn nur bei allseitiger Unterstützung kann diese Anstalt ihre Aufgabe vollständig lösen. Wir geben uns der freudigen Hoffnung hin, daß bessere Einsicht von der Nothwendigkeit und dem Nutzen des Gewerbschulunterrichts für den Gewerbestand im kommenden Schuljahre eine größere Anzahl Schüler als im verflossenen Jahre zuführen werde.« Insgesamt gingen in den zehn Jahren von 1861/62 bis 1871/72 die Schülerzahlen in ganz Baden drastisch nach unten. Schließlich sollte sich das Gewerbeschulwesen durch zwei Gesetze neu gestalten, was für die Gewerbeschule Buchen bedeutete, dass sie sich ab dem Jahr 1872 als eigenständige Schule neu organisieren konnte. Geschichte der Buchener Gewerbeschule 33 1872 – die Gewerbeschule Buchen wird komplett selbständig III. 3) 1872 – die Gewerbeschule Buchen wird komplett selbständig Zwei Gesetze waren für die Selbständigkeit der Gewerbeschule maßgebend: »Die Einrichtung und Leitung der Gewerbeschulen betreffend« vom 16. Juli 1868 und »Die Gewerbeordnung« vom 1. Januar 1872. Mit der Gewerbeordnung wurde die Gewerbefreiheit in Baden aufgehoben. Die Zünfte standen demnach dem freien Wettbewerb nicht mehr entgegen. Dies ist gemäß dem heutigen Grundsatz »Bundesrecht schlägt Landesrecht« einzuordnen, da das Reichsgesetz (des seit 1871 bestehenden Deutschen Reichs) die vorher herrschende weitgehende Selbstbestimmtheit der einzelnen Länder aufheben konnte. Eine wichtige Bestimmung der Gewerbeordnung sind nun verbindliche Regularien über die Gesellen- und Meisterprüfung. Dadurch wird bestimmt und der allgemeinen Einsicht zuträglich, dass die Gewerbeschulen im Prinzip eine sehr gute Vorbereitung auf die entsprechenden Prüfungen bieten. Die Gewerbeordnung war im Norddeutschen Bund, also in den deutschen Ländern nördlich des Mains und in den preu- ßischen Gebieten südlich dessen, bereits seit 1869 in Kraft. Da man den Norddeutschen Bund in gewisser Weise als »Vorläuferkonstruktion« des Deutschen Reiches betrachten kann, übertrug sich die Geltung dieser Gewerbeordnung sodann ab 1871 auf das gesamte Reichsgebiet. Allerdings sollten die Zuständigkeit und die Überwachung der schulischen Ausführung der aufgestellten Statuten in der Obhut der Länder bleiben. Dass dieses Thema von großer Wichtigkeit war, sieht man beim Blick in ein für das Deutsche Reich maßgebliches Lehrund Lesebuch für Gewerbeschulen. Unter der Rubrik »Gesetzeskunde« wurde als Eingangstext dieses Gesetz erklärend aufgeführt:105 »Während in früherer Zeit der Gewerbebetrieb vielfachen Beschränkungen unterworfen war, hat die Gewerbeordnung, die 1869 für den Norddeutschen Bund erlassen und 1871 auf das ganze Deutsche Reich ausgedehnt wurde, grundsätzlich, soweit dies mit Rücksicht auf das öffentliche Wohl nur irgend geschehen konnte, die Freiheit des Gewerbes von allen Schranken, von Bann- und Zwangsrechten, vom dem Ausschließungsrecht der Zünfte und Innungen und sonstigen Zwangsmaßnahmen ausgesprochen. Der Betrieb eines Gewerbes ist jedermann in jeder deutschen Gemeinde gestattet, soweit nicht durch die Gewerbeordnung Ausnahmen und Beschränkungen vorgeschrieben oder zugelassen sind. Auch das Geschlecht begründet in Beziehung auf die Befugnis zum selbständigen Betriebe eines Gewerbes keinen Unterschied. […] Jeder kann sein Gewerbe ausüben, wo und wann es ihm beliebt, mit Handarbeit und Maschinen, allein oder mit einer beliebigen Anzahl von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern. Es wird auch nicht danach gefragt, wo und wie lange jemand sein Gewerbe gelernt hat, sondern das kaufende Publikum soll die Ware der Gewerbetreibenden prüfen. Ist sie gut, so wird sie gekauft; ist sie schlecht, so bleibt sie liegen. Jeder einzelne Gewerbetreibende muss sich den Absatz seiner Waren in Wettbewerb mit seinen Gewerbegenossen erobern; niemand verbürgt ihm Käufer oder Kunden.« 105 Siehe Schürmann/Windmöller, Lehr- und Lesebuch, 1907, S. 362 f. 34 Der Buchener Anzeiger vom 24. April 1873 kündigte an, dass die Gewerbliche Schule Buchen ihren Betrieb am 28. April 1873 ab morgens um 5 Uhr aufnehmen kann.106 Der erste Lehrer der nun komplett selbstständigen Schule war Gewerbelehrer Karl Seifert.107 Der zeitliche Versatz von einem Jahr ist mit dem Umstand zu erklären, dass ein erst vorgesehener Lehrer seinen Dienst 106 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 26, Abb. 5. 107 Ebd, S. 26. wegen Krankheit nicht antreten konnte und es auch nicht möglich war, einen Ersatz für diesen Lehrer zu bekommen. Doch hier sind die Akten nach den Aussagen Brötels108 widersprüchlich, er verfasste die erklärende Passage in der Festschrift von 1997 folgendermaßen: 108 Ebd. Abb. 3: Schulbeginn nach der neuen Selbstständigkeit Geschichte der Buchener Gewerbeschule 35 »Mit dem Erlaß vom 16. Dezember 1872 teilt der Großh. Oberschulrath dem Bezirksamt Buchen ›zur weiteren Eröffnung‹ mit, ›daß es uns vorerst unmöglich ist, eine Lehrkraft für die dortige Gewerbeschule verfügbar zu machen‹. Über die Dauer des Unterrichtsausfalls vor dem 28. April 1873 (Schuljahresbeginn) enthalten die Schulakten – auch offizielle Erlasse – widersprüchliche Aussagen. Aus der Tatsache, daß Reallehrer Rümmele als bisheriger Gewerbelehrer im Schuljahr 1872/73 mit vollem Deputat von 28 Std/Wo an der höheren Bürgerschule eingesetzt ist und daß im Gewerbeschulfonds die Liste über Schulgeldzahlungen mit dem 30. April 1872 abschließt, darf der Unterrichtsausfall für das ganze Schuljahr (ab Mai 1872) angenommen werden. Nach der völligen Trennung der beiden Schulen unterrichtete Reallehrer Rümmele künftig nur noch an der höheren Bürgerschule.«109 Das Schulgeld ab 1872 betrug mit 2 fl weniger als im Jahre 1856 bzw. wurde ab dem Jahre 1875 das Schulgeld dann in Mark erhoben, was einem Betrag von 4 Mark pro Jahr entsprach, und zwar für Vollschüler, also diejenigen, die am gesamten Unterricht teilnahmen.110 Diejenigen, die nur den Zeichenunterricht besuchten, bezahlten die Hälfte. Genannte Sätze sollten bis zum Jahr 1909 beibehalten werden.111 Der Unterricht wurde in Buchen ab 1873 von einem bisher zwei Jahrgangsklassen umfassenden Betrieb auf drei Jahrgangsklassen ausgeweitet, auf die sich ungefähr durchschnittlich 70 Schüler verteilten. Eine vorbereitende Klasse, wie auch in der neuen Gewerbe- 109 Ebd. 110 Ebd, S. 27. 111 Ebd. schulordnung112 gefordert, wurde ebenfalls eingerichtet, damit diejenigen Schüler, denen manche Vorkenntnisse fehlten, auf einen geeigneten Kenntnisstand gebracht werden konnten.113 So schreibt das Gesetz von 1868 fest: »§ 6. Für solche jungen Leute, welchen es an den zu sofortiger Theilnahme an den geordneten Unterricht der Gewerbeschule erforderlichen Vorkenntnissen fehlt, oder welche sich erst während des Schuljahres anmelden, kann, wo das Bedürfnis hierzu vorhanden ist, eine besondere Vorbereitungsklasse eingerichtet werden, deren Schüler aber sofort am Unterricht im Freihandzeichnen Theil nehmen.«114 Es trug sich in diesen Gründerjahren zu, dass auch zunehmend auswärtige Schüler umliegender Gemeinden zum freiwilligen Unterricht nach Buchen an die Schule kamen. Einer Statistik von Gutman ist zu entnehmen, dass im Schuljahr 1883/84 in Buchen 52 Gewerbeschüler waren.115 Im Jahr 1895 zum Beispiel zählte man an der Gewerbeschule in Buchen 75 Schüler.116 Im Jahr 1897 waren dann von insgesamt 91 Schülern 15 sog. »Hospitanten«, also auswärtige Schüler, verzeichnet.117 Es kamen in diesen Tagen verstärkt Sorgen bezüglich ausreichen- 112 Der vollständige Text befindet sich im Quellenteil. 113 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 27. 114 Siehe Quellenteil in dieser Ausführung. 115 Siehe Gutman, Gewerbeschule, 1930, S. 246. 116 Siehe Willax, 100 Jahre, 1949, S. 7. Willax gibt hier auch die zusätzliche Information an, dass diese 75 Schüler dereinst in 3 Klassen unterrichtet worden sind und zwar an Wochentagen von halb 6 bis vormittags um halb 10. Sonntags morgens kamen hierzu noch zwei Stunden offener Zeichenunterricht, allerdings auf freiwilliger Basis. 117 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 27. 1872 – die Gewerbeschule Buchen wird komplett selbständig 36 der Räumlichkeiten auf, die zum Neubau neben der bisherigen Schule in den Jahren 1897 bis 1899 führten. Leiter dieser Neubaumaßnahme war der damalige Gewerbelehrer und Architekt Dilger.118 Das Jahr 1897 brachte schließlich auch wichtige Neuorganisationen im Handwerk: Die Inkraftsetzung des Handwerkerschutzgesetzes war die Bestrebung, eine Mitte zwischen Zwangsorganisation und Gewerbefreiheit im Handwerksbereich zu finden. Durch dieses Gesetz konnten Handwerkskammern zur gewerblichen Selbstverwal- 118 Siehe Willax, 100 Jahre, 1949, S. 7. tung eingerichtet werden119 Damit manifestierte sich die wichtige Stellung des Handwerks bzw. der Handwerkskammern (ab den 1940er-Jahren der Industrie- und Handelskammer) bei der gewerblichen Lehrlingsausbildung. In der Gesamtschau ist zu erwähnen, dass in Baden im Jahr 1872 insgesamt 49 Gewerbeschulen errichtet wurden. In den nachfolgenden vierzig Jahren sollten nur noch zehn weitere hinzukommen.120 Seit Mitte der 1890er-Jahre stieg die Zahl der Gewerbeschüler in ganz Baden schnell an: 119 Siehe Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 177. 120 Siehe Haverkamp, Gewerbeförderung, 1979, S. 347. Abb. 4: Gewerbeschüler vor dem Gebäude in der Schüttstraße um die Jahrhundertwende Geschichte der Buchener Gewerbeschule 37 Der Schülerdurchschnitt lag in den 1880erund 1890er-Jahren bei plus/minus 3 000 Gewerbeschülern und stieg dann bis zum Jahr 1890 rasant auf beinahe 8 000 Schüler, 1895 auf über 11 000 und zur Jahrhundertwende auf den Spitzenwert von über 12 000 Schüler an. Hiernach ist ein leichter Abfall bis zu Beginn des Ersten Weltkrieges zu verzeichnen.121 Ein gravierendes Problem war stets ein Mangel an Gewerbeschullehrern, auch deswegen, weil im Verhältnis etwa zu den Volksschullehrern das Gehalt durchschnittlich niedriger war, obwohl die Ausbildung bei Gewerbelehrern länger dauerte.122 Im Jahr 1887 zum Beispiel lag das Anfangsgehalt eines Volksschullehrers im Jahr durchschnittlich 250 Mark über dem eines Gewerbelehrers.123 Zwar wurden die Gewerbelehrer schließlich durch das Beamtengesetz im Juli des Jahres 1888 gehaltsrechtlich bessergestellt, doch blieb das Problem des Lehrermangels bestehen.124 Durch Hermann Gesell, den Präsidenten der Pforzheimer Handelskammer, gab es 1891 einen neuen Impetus zur Verbesserung des Gewerbeschulwesens in Baden. Darin kritisierte er 121 Zahlenbasis entnommen aus: Haverkamp, Gewerbeförderung, 1979, S. 347 und Abb. 8 auf S. 470. 122 Die Ausbildung von an Gewerbeschulen lehrenden Personen ist aber seit jeher recht komplex und es gibt hier viele verschiedene Möglichkeiten des Einstiegs in dieses Lehramt. Natürlich müssen gewisse Standards erfüllt werden, doch weisen Gewerbeschullehrer im Schnitt eine facettenreichere Vita auf als Volks-, Gymnasial- oder sonstige Lehrer im allgemeinen Bildungsbereich. 123 Siehe Haverkamp, Gewerbeförderung, 1979, S. 347, welcher verweist auf: Gutman, Emil: Die Gewerbeschule Badens 1834/1930. Ihre Entwicklung und ihr gegenwärtiger Stand, im Zusammenhang mit der Geschichte ihres Lehrerstandes und des Verbandes badischer Gewerbeschulmänner dargestellt, Bühl 1930, S. 289 f. 124 Siehe Haverkamp, Gewerbeförderung, 1979, S. 348. nicht nur, dass es zu wenige Gewerbelehrer gäbe,125 sondern sein Hauptanliegen war auch eine Vereinheitlichung der ministeriellen Unterstellungsverhältnisse der gewerblichen Bildungsanstalten: Manche waren dem Innenministerium, manche dem Kultusministerium unterstellt.126 Somit käme es zu wenig Erfahrungsaustausch. Eine Gesamtorganisation des Gewerbeschulwesens war sein Ansinnen, ebenso hauptamtliche Inspektoren wie auch eine Änderung in der Gewerbelehrerausbildung. Durch die Einführung der Gewerbefreiheit war die Bindung zwischen Meister und Lehrling immer loser geworden, die Qualität der Ausbildung litt zwangsläufig darunter und so wollte man diesem Missstand durch eine Neuorganisation des Gewerbeschulwesens nachhaltig entgegenwirken und den Mittelstand der Gewerbetreibenden und des Handwerks damit dauerhaft stärken. 1905 gelang eine organisatorische Vereinigung von Innen- und Kultusministerium bezüglich der Gewerbeschulorganisation, als das Landesgewerbeamt eingerichtet wurde:127 In dieses wurde der bereits 1892 geschaffene Gewerbeschulrat integriert, der zur Leitung und Beaufsichtigung des gewerblichen Schulwesens dienen sollte, da sich die Zuständigkeitsbereiche von Innenund Kultusministerium nicht ganz deckten. Der Gewerbeschulrat legte besonderes Augenmerk auf die nebenberufliche Tätigkeit 125 Siehe Haverkamp, Gewerbeförderung, 1979, der auf S. 348 auf das Statistische Jahrbuch für das Großherzogtum Baden für die Jahre 1882 bis 1914/15 verweist, welches als Zahlenbasis folgendes angibt: Auf einen Lehrer sollen über 40 Schüler gekommen sein. 126 Ebd. 127 Ebd, S. 351. 1872 – die Gewerbeschule Buchen wird komplett selbständig 38 der Gewerbelehrer. Auch die Zusammenarbeit mit den Interessen der Gewerbevereine und die Förderung des lokalen Gewerbes wurden immer mehr zu den dienstlichen Pflichten der Gewerbelehrer, erfuhren aber keine finanzielle Berücksichtigung.128 Unter diese Nebentätigkeiten der Gewerbelehrer zählten: das Abhalten von gewerblichen Weiterbildungskursen, Vortragsarbeit, Kurse in Buchhaltung, Veranstaltung von Ausstellungen, Mitwirkung bei Gesellenprüfungen oder auch Vorstandschaften von Gewerbevereinen.129 Das hehre Ansinnen dieser Nebentätigkeitsbestrebungen seitens des Gewerbeschulrats zeigt sich jedoch in der Realität anders. Durch die Verweigerung einer finanziellen Zuwendung dieser Nebentätigkeiten dienten – so eine Studie von 1903 – nur 41 Prozent aller Gewerbelehrer freiwillig den Zielen einer Förderung des örtlichen Kleingewerbes.130 Der »Gewerbeschulrath« als Aufsichtsgremium bestand an der Gewerbeschule Buchen im Jahr des selbstständigen Unterrichtsbeginns 1873 aus:131 • Alois Schmitt, Bürgermeister und Vorsitzender des Gewerbeschulrats • Heinrich Rochels, Stadtpfarrer 128 Ebd. 129 Im Prinzip liegt hier der Grund- und Leitgedanke des »Fördervereins der ZGB« mit seinen vielfältigen Weiterbildungskursen, die sich an das regionale Gewerbe wie auch an interessierte Privatpersonen richten. 130 Siehe Haverkamp, Gewerbeförderung, 1979, S. 351, der sich auf die Zahlen des Statistischen Jahrbuchs für das Großherzogtum Baden aus dem Jahr 1904/5, S. 504, bei welchem 166 Gewerbelehrer im Jahr 1903 ausgewertet wurden, beruft. 131 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 26. • Adam Friedrich Herth, Bürger und Weinhändler • Eduard Stetter, Bürger und Sattler • August Manger, Bürger und Werkmeister • Karl Seifert, Gewerbelehrer Abb. 5: Lehrlingsgesuch vom 14. Mai 1892 Seit der » Anleitung für die Erteilung des Unterrichts in den Lehrfächern der Gewerbeschulen des Großherzogtums« vom 16. Mai 1881 wurden die Lehrpläne von den Gewerbelehrern selbst ausgearbeitet, je nach lokalen Bedürfnissen und Gegebenheiten.132 Drei Jahreskurse waren Standard, pro Klasse gab es bzw. sollte es im optimalen Falle drei Fachabteilungen geben: für Metallhandwerk, für Bauhandwerk und für das Ausstattungsgewerbe. Die Unterrichtsdauer betrug zwischen 8 und 12 Wochenstunden und an den Sonntagen gab es, wenn überhaupt, nur Zeichenunterricht.133 So kann man sagen, dass der Unterrichtsschwerpunkt nun ganz klar auf den Werktagen lag. Nach einem Landesgesetz vom 13. August 1904 wurde der Besuch einer gewerblichen oder kaufmännischen Fortbildungsschule bzw. Gewerbeschule für weib- 132 Siehe Haverkamp, Gewerbeschulförderung, 1979, S. 353. 133 Ebd. Geschichte der Buchener Gewerbeschule 39 liche und männliche Arbeiter und Lehrlinge bis zum vollendeten 18. Lebensjahr verpflichtend.134 Gewerbliche Fortbildungsschulen konnten mit diesem Beschluss in selbständige Schulen umgewandelt werden, je nach örtlichen Begebenheiten bzw. Nachfragebedarf.135 Mit dem Gesetz vom 20. Juli 1907136 fand diese Phase der Reorganisation der Gewerbeschulwesens vor den Kriegswirren erst einmal einen Abschluss: Es wurde darin der dreijährige Schulbesuch allgemein verpflichtend, zudem der Lehrstoff an den Gewerbeschulen neu festgelegt und auch die Bestimmungen auf beiderlei Geschlechter ausgedehnt. Im zugehörigen § 1 heißt es somit: »Die Gewerbeschulen haben die Aufgabe, die gewerblichen Arbeiter – Gesellen, Gehilfen und Lehrlinge beiderlei Geschlechts – in unmittelbarer Fühlung mit der Meisterlehre theoretisch auszubilden und ihnen tunlichst diejenigen praktischen Kenntnisse und Fertigkeiten für die Ausübung ihres Gewerbes zu vermitteln, zu deren Aneignung in den Gewerbebetrieben nach den allgemeinen oder örtlichen Verhältnissen nicht genügend Gelegenheit geboten ist. Neben der beruflichen Ausbildung der Schüler hat die Schule auch auf die Stärkung des Charakters sowie auf die He- 134 Ebd, S. 355, welcher verweist auf das Gesetz von 13.08.1904, Ges. u. Vo. Bl. 1904, Nr. 24, S. 395. 135 Die Grenzen zwischen den Begriffen »Gewerbliche Fortbildungsschule« und »Gewerbeschule« sind in dieser Zeit fließend. Um die Jahrhundertwende bzw. zu Beginn des 20. Jahrhunderts gingen manche gewerblichen Fortbildungsschulen in Gewerbeschulen über, andere verschwanden mangels Nachfrage. Der Begriff einer »Vollgewerbeschule« taucht auch mitunter auf. 136 Siehe Gewerbeschulverordnung von 1907 im Quellenteil. bung des Standesbewußtseins der Schüler hinzuwirken.«137 Als Pflichtunterricht waren von nun an die beiden großen Bereiche Berufskunde und Geschäftskunde vorgesehen, welche sich nochmals untergliederten. Bei Berufskunde in gewerbliches Rechnen, angewandte Geometrie, Materialien- und Werkzeuglehre, Naturlehre, Freihandzeichnen, Projektionslehre und technischer Fachunterricht. Im Bereich der Geschäftskunde in Geschäftsrechnen, Geschäftsaufsatz, Buchführung, Kostenberechnung, Wirtschaftslehre und Bürgerkunde.138 Bürgerkunde, ein neues Unterrichtsfach, sollte sich der charakterlichen Entwicklung der Schüler widmen. Diese neue Gewerbeschulverordnung stellte die Gewerbeschulen auf eine neue Grundlage. Gerade die praktische Unterweisung wurde durch diese Verordnung den Gewerbeschulen aufgetragen. Baden gilt als erstes Land, das den Werkstattunterricht komplementär zur Lehre im Betrieb allgemein einführte.139 Die Errichtung einer Gewerbeschule bedeutete rein von der Erhöhung der fachlichen Expertise der jungen Generation in Handel und Gewerbe für jeden Ort sicherlich einen großen Gewinn, bedingte aber auch hohe Kosten, sodass sich in der Regel nur größere Städte eine solche Bildungsstätte leisten konnten. Der jährliche Staatszuschuss betrug ab dem Jahr 1875 für die Gewerbeschule Buchen 514 Mark,140 also ein eher geringer Zuschuss. Die Jahres- 137 Ebd. 138 Siehe Haverkamp, Gewerbeförderung, 1979, S. 355. 139 Siehe Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 128. 140 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 27. 1872 – die Gewerbeschule Buchen wird komplett selbständig 40 miete für das Schulgebäude lag allein um ein Vielfaches höher. Gerade auch die geforderten Schulwerkstätten bedeuteten einen großen Kostenfaktor, wie Emil Gutman in den 1930er-Jahren kommentierte:141 »Die Frage der Errichtung von Schulwerkstätten war durch die Verordnung vom 20. Juli 1907 durch die Stellung der den Gewerbeschulen zufallenden Aufgaben entschieden. Die Schule sollte den gewerblichen Arbeitern auch praktische Kenntnisse und Fertigkeiten für die Ausübung ihres Gewerbes vermitteln. Doch sollte die handwerksmäßige Ausbildung nicht der Meisterlehre, deren Sache sie ist, abgenommen werden. Die Schulwerkstätte sollte diese nur ergänzen und dazu dienen, in seltener vorkommenden Arbeiten, die der Lehrling in der Meisterwerkstatt zu erlernen keine Gelegenheit hat, oder in neuen Techniken den Schüler zu unterweisen und zu üben. Unter dem Begriff ,Modellieren‹ war dieser Unterricht für einzelne Berufe seit langem gepflegt worden, doch standen dem systematischen Ausbau von Schulwerkstätten als Ergänzung der Meisterlehre die damit verbundenen hohen Kosten hindern im Wege.« Buchen hatte natürlich auch das Bedürfnis nach einer Schulwerkstatt, doch trat der Umstand erst im Jahr 1953 ein. Geldmangel und zu geringe Schülerzahlen bei zu vielen Einzelberufen standen bis 1953 der Einrichtung in Buchen entgegen.142 141 Siehe Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 129, welcher sich beruft auf: Gutman, Emil: Die Gewerbeschulen Badens 1834/1930. Ihre Entwicklung und ihr gegenwärtiger Stand, im Zusammenhang mit der Geschichte ihres Lehrerstandes und des Verbandes badischer Gewerbeschulmänner dargestellt, Baden-Baden 1930, S. 542. 142 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 29. Die neuen gesetzlichen Bestimmungen der landesherrlichen Verordnung von 1907 führten zu einer Erhöhung der Anzahl an Gewerbeschulen und damit auch der Anzahl an Schülern. »War die Zahl der Schulen im Jahre 1905 noch 47 gewesen, so betrug sie im Jahre 1912 bereits 60. Die Gesamtschülerzahl hat sich im gleichen Zeitraum nahezu verdoppelt (im Jahr 1905: 10 433 Schüler, im Jahr 1912: 19 524 Schüler).«143 In Buchen betrug die jährliche Schülerzahl in den Jahren von 1907 bis 1914 zwischen 50 und 75, aufgeteilt in drei aufsteigende Klassen.144 Innerhalb der Klassen bzw. des Unterrichts ist der jeweilige Gewerbelehrer ein Alleinlehrer, nun genannt »Schulvorstand«, mitunter aber von einem Gewerbeschulpraktikanten unterstützt.145 So muss man sich die damaligen Gewerbeschulen auch eher als »Ein Mann-ein Raum«-Schulen vorstellen und darf diese keineswegs mit den heutigen großen Schulzentren vergleichen. Der Aufschwung im Gewerbeschulwesen, speziell in Buchen als auch in Baden generell, bzw. dieser vorherrschende Entwicklungstrend sollte durch den Ersten Weltkrieg gebremst werden und erfuhr einen herben Rückschlag. Viele Maschinen aus den Schulwerkstätten wurden in die Rüstungsindustrie abgezogen und kamen auch nach Kriegsende nicht mehr zurück.146 Noch vor 143 Siehe Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 129, welcher sich beruft auf: Gutman, Emil: Die Gewerbeschulen Badens 1834/1930. Ihre Entwicklung und ihr gegenwärtiger Stand, im Zusammenhang mit der Geschichte ihres Lehrerstandes und des Verbandes badischer Gewerbeschulmänner dargestellt, Baden-Baden 1930, S. 540. 144 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 29. 145 Ebd. 146 Siehe Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 135. Geschichte der Buchener Gewerbeschule 41 den Kriegsjahren fand in Buchen aber der erste Vorbereitungskurs zur Meisterprüfung statt, der 13 Teilnehmer umfasste: Er dauerte vom 16. November 1906 bis zum 8. Februar 1907 und wurde von dem Gewerbelehrer Wilhelm Wurzel geleitet.147 Die Etablierung von Meistervorbereitungskursen erklärt sich aus dem Umstand, dass die Aufgabe der Gewerbeschulen auch zu einem großen Teil so verstanden wurde, als dass man sie zur Ergänzung der Meisterlehre auffasste. Von diesem Jahr an sollten an der Gewerbeschule in Buchen regelmäßig Meistervorbereitungskurse abgehalten werden – ausreichende Teilnehmerzahl vorausgesetzt. Die Schulgeldsätze erfuhren mit 1910 eine Neufestsetzung:148 » Ab dem Schuljahr 1910/11 gelten folgende Schulgeldsätze: a. für die durch Ortsstatut verpflichteten Schüler jährlich 6 M b. für einheimische Gäste jährlich 5 M c. für alle übrigen Schüler ( Auswärtige) jährlich 10 M.« Am 15. Dezember 1913149 beschlossen die Gemeinden Bödigheim, Eberstadt, Götzingen, Hainstadt, Hettigenbeuern, Hollerbach, Rinschheim und Unterneudorf durch Ortsstatut, dass die sich dort befindlichen ausbildungspflichtigen gewerblichen und kaufmännischen Jugendlichen die Gewerbeschule in Buchen besuchen müssten.150 Die Gemeinden müssten dabei ein Schulgeld von 10 Mark pro Jahr und pro Schüler 147 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 27. 148 Ebd, S. 30, zitiert nach den Archiveinsichten Brötels. 149 Siehe Willax, 100 Jahre, 1949, S. 7. 150 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 30. an die Stadt Buchen bezahlen. Ab Schuljahr 1914/15 wurde dieses Ortsstatut wirksam.151 Damit erlangt Buchen einen zunehmend bedeutenderen Stellenwert als maßgeblicher Schulort der Region. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurde der Gewerbelehrer Hermann Mangler zum Heer eingezogen, der Unterrichtsbetrieb ruhte bis September 1916.152 Abb. 6: Zimmermann um die Jahrhundertwende in typischer Kleidung 151 Ebd. 152 Ebd. 1872 – die Gewerbeschule Buchen wird komplett selbständig 42 III. 4) Erster Weltkrieg und die Zeit danach – die Gewerbeschule Buchen wird zur Bezirksgewerbeschule In Buchen wurde der Unterricht nach Entlassung von Herr Mangler und seiner Rückkehr in die Heimat zum Oktober 1916 wieder aufgenommen.153 Natürlicherweise waren die Schülerzahlen rückläufig in der ersten Zeit nach dem Krieg. Auch kehrte sich das Verhältnis zwischen Gelernten und Ungelernten im Laufe des Krieges vielerorts zugunsten der ungelernten Arbeiter um.154 Dafür besuchten jetzt in Buchen auch zunehmend Mädchen den Unterricht an der Gewerbeschule. Ein nach dem Krieg abgehaltener Stenografiekurs zählte 20 Mädchen, dazu kam ein Kurs in Buch- und Rechnungsführung mit 17 Mädchen.155 Die gesamte Schüleranzahl sollte in den Nachkriegsjahren rasch ansteigen: für das Jahr 1918 sind 38 Schüler verzeichnet, im Krisenjahr 1923 dann 157, die in 6 Klassen mit je 2 nach Berufsgruppen gegliederten Parallelklassen pro Jahrgangsstufe unterrichtet wurden.156 Die stete Zunahme an Schülerzahlen zog nach sich, dass die Gewerbeschule im Jahr »1919 vorübergehend in das Ackermann’sche Anwesen in der Hollerbacherstraße übersiedelte«.157 Im Jahr 1923 wurde die Gewerbeschule in den damaligen Neubau der Volksschule verlegt, welche dann 1978 zum Rathaus umgebaut wurde.158 Dies bedingte schließlich die Ein- 153 Ebd. 154 Siehe Greinert, Erwerbsqualifizierung, 2015, S. 44. 155 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 30. 156 Ebd. 157 Siehe Willax, 100 Jahre, 1949, S. 7. 158 Ebd. setzung eines weiteren hauptamtlichen Gewerbeschullehrers, Dipl.-Ing. Ernst Schäfer, wie auch einer Nebenlehrerin, Hermine Theobald.159 In dieser Phase von 1923 bis 1926, der sog. Stabilisierungskrise der Weimarer Republik, hatte die Gewerbeschule bzw. die nun vielerorts auch Berufsschule160 genannte berufsbezogene Bildungseinrichtung auch die Aufgabe, die allseits vorhandene Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen. So konnten ab November 1923 jugendliche Arbeitslose, wenn sie älter als 16 Jahre waren, zum Schulbesuch gezwungen werden. Schließlich wurde diese Maßnahme ab 29. November 1926 dann auf alle arbeitslosen Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren ausgedehnt.161 Man sieht, dass sich die Idee von einer beruflichen Fortbildungsschule, die nur bestimmte Jugendliche zum Besuch verpflichtete, stark veränderte, hin zu einer Berufsschule als Pflichtschule, die alle berufstätigen Jugendlichen einschließt. Dies bedeutete aber gleichzeitig auch eine nicht unproblematische Entwicklung, da man sich schulisch nun auch um die Gruppe der Arbeitslosen zu kümmern hatte, denen es teilweise mitunter an Motivation zum Lernen mangelte. Dies ging sicherlich auch auf Kosten der tendenziell eher lernwilligen anderen Schüler. Für die Jugendlichen 159 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 30. 160 Der Begriff »Berufsschule« wurde erstmals amtlich in Preußen, im »Gewerbe- und Handelslehrer-Diensteinkommensgesetz« vom 10. Juni 1921 verwendet, siehe: Grüner, Berufsschule, 1984, S. 13. Der Begriff schlich sich dann allmählich in den allgemeinen Sprachgebrauch ein, bis er von den Nationalsozialisten dann allgemein definiert wurde. Siehe hierzu auch die Gesetzesquelle in: Kümmel, Klaus: Quellen und Dokumente zur schulischen Berufsausbildung 1918–1945, Köln/Wien 1980, S. 92. 161 Siehe Greinert, Erwerbsqualifizierung, 2015, S. 69. Geschichte der Buchener Gewerbeschule 43 Erster Weltkrieg und die Zeit danach – die Gewerbeschule Buchen wird zur Bezirksgewerbeschule Abb. 7: Stand der Schülerzahl der Gewerbeschule in Buchen im Dezember 1920 44 über 18 Jahre waren aber auch damals schon die Arbeitsämter zuständig. Die Begrifflichkeit der Bildungseinrichtung hatte in den Jahren von 1919 bis 1925 eine unterschiedliche Bedeutung. In Baden sprach man fast ausschließlich von Gewerbeschule, wenn die Ausbildung in drei Lehrjahren gemeint war. Davor gliederte man die Fortbildungsschule ein. Manch andere Regionen jedoch grenzten die Bezeichnungen »Fortbildungsschule« und »Gewerbeschule« nicht genau voneinander ab, verwendete sie sogar synonym. Ab 1925 nannte man diesen Schultypus vielerorts »Fachschule« und als eine solche konnten Gewerbeschulen, Höhere Gewerbeschulen, aber auch Handelsschulen und Höhere Handelslehranstalten errichtet werden. Fachschulen durften dann auch Schulgeld verlangen, was manches finanzielle Problem entspannen konnte. Die Verordnung von 1925 lautet im Auszug:162 »Nachdem im Jahre 1922 die Ausbildung der Lehrer der badischen Gewerbeschulen der höheren Aufgabe dieser Anstalten entsprechend neu geregelt worden war, erfolgte der zweite Schritt in der Richtung einer Höherentwicklung der Gewerbe- und Handelsschulen, die sich nämlich zu vollständig selbständigen fachberuflichen Bildungseinrichtungen umgewandelt hatten dadurch, daß sie von den Fortbildungsschulen losgelöst und amtlich zu ,Fachschulen‹ erklärt wurden. […] Daß wir es bei dem hochentwickelten badischen Gewerbe und Handelsschulen nicht mehr mit Fortbil- 162 Zitiert nach Rothe, Gewerbeschule, 2011, S. 191 f., welcher sich bezieht auf Gutman, Gewerbeschule, 1930, S. 578 f. dungsschulen163 im landläufigen Sinn zu tun haben, ist unbestreitbar.« Baldigst nach dem Krieg war man in Baden generell bestrebt, die Ausbildung von Lehrern für den gewerblichen Bereich voranzutreiben. Hauptamtliche und eigens für diese Schulart vorgebildete Lehrer (zum Beispiel Absolventen der Technischen Hochschule Karlsruhe) lösten die bisherigen nebenamtlichen Lehrer ab. Noch 1910 waren es ca. 3 000 hauptamtliche Lehrkräfte an den gewerblichen Fortbildungsschulen in Deutschland,164 1938 waren es 18 000 hauptamtliche Lehrkräfte, die etwa 83 Prozent des gesamten beruflichen Schulunterrichts erteilten.165 Es entwickelte sich dieser Tage die Tendenz, dass der Unterricht von den Abendstunden auf die Vormittage verlegt wurde und sich die wöchentliche Pflichtstundenanzahl erhöhte. Im Durchschnitt kann man in den 1920er-Jahren von einer Wochenstundenanzahl von sechs bis acht Stunden ausgehen.166 Auch begann hier die Tendenz, dass man nicht nur in den grö- ßeren Städten, sondern auch in den kleineren und in ländlichen Bezirken eigene Schulgebäude für das gewerbliche Schulwesen herrichtete, die auch mit Werkstät- 163 Hier kann man unterschwellig deutlich die Differenzierung zwischen »Fortbildungsschule« und »Gewerbeschule« erkennen. So konnte man in Baden durch das Gesetz von 1834 gegenüber anderen deutschen Ländern viel früher von dem eigenen Typus »Gewerbeschule« sprechen. 164 Siehe Thyssen, Berufsschule, 1954, S. 169, der sich beruft auf die Hochrechnung von Alfred Kühne: Die Fortbildungsschule. Schriften der Gesellschaft für Soziale Reformen, Heft 40/1912, S. 54. 165 Siehe Thyssen, Berufsschule, 1954, S. 170, der sich bezieht auf den: Wegweiser Schuljahr 1938, 1941, S. XI. 166 Siehe Thyssen, Berufsschule, 1954, S. 170. Geschichte der Buchener Gewerbeschule 45 ten, Küchen und dem Unterricht gemäßen Inventar eingerichtet worden sind. Gerade der Werkstattunterricht, dem es kriegsbedingt noch vielerorts in Baden an Maschinen bzw. Ausstattung mangelte, sollte wieder zu neuer Blüte gelangen. Die Handwerkskammer in Karlsruhe äußerte sich wertschätzend zum Werkstattunterricht als Standbein des Gewerbeschulunterrichts:167 »Soweit wir in gewerblichen Organisationen feststellen konnten, legt man den größten Wert auf die Erhaltung des Werkstättenunterrichts, ja man wünscht allgemein dessen weiteren Ausbau, um die Lehrlinge zu vielseitig ausgebildeten Qualitätsarbeitern heranzuziehen; denn nur hochwertige Qualitätsarbeit kann der deutschen Wirtschaft zur Eroberung des Weltmarktes und zur Erlangung neuen Absatzes im Auslandes helfen.« Mit dem Ministerialerlass vom 12. Juni 1924 wurde die Wichtigkeit und Notwendigkeit des Werkstattunterrichts wie auch die Einführung der Fächer Deutsch, Staatskunde und Religion an Gewerbeschulen dann allgemeingültig manifestiert. Willy Hellpach, von 1924 bis 1926 badischer Staatspräsident und Namensgeber der kaufmännischen Gewerbeschule in Heidelberg, war es ein Anliegen, diese bisher tendenziell vernachlässigten Fächer in Zukunft zu stärken.168 Damit war den Gewerbeschulen im Vergleich zu den Jahren vor dem Krieg eine deutlich stärkere Erziehungsfunktion auferlegt worden. In der Gewerbeschulverordnung vom 167 Siehe Rothe, Gewerbeschule, 2011, S. 137, der sich hier bezieht auf Kuhn, Karl Friedrich: Die Gewerbeschule der Landeshauptstadt Karlsruhe in Vergangenheit und Gegenwart, hg. v. d. Stadt Karlsruhe, Karlsruhe 1927, S. 166. 168 Siehe Rothe, Gewerbeschule, 2011, S. 138. 6. März 1925 legte das badische Ministerium des Kultus und Unterrichts dann folgende Unterrichtsfächer fest:169 Religion, Deutsch mit Schriftverkehr, Staatskunde, Werkstofflehre mit technischer Chemie, Werkzeugund Maschinenlehre, Naturlehre, Geometrie, Projektionslehre, Freihandzeichnen, Technisches Zeichnen und Skizzieren, Modellieren, Werkstattunterricht (soweit hierfür Bedürfnis und Möglichkeit seiner Einrichtung besteht), Rechnen mit Preisbildung sowie Buchhaltung. Eventuell, je nach örtlichen Gegebenheiten und Bedürfnissen der gewerblichen und industriellen Ausbildung, konnten noch Gesang, Turnen und Kochunterricht für die Mädchen hinzugefügt werden. Generell blieb in vielen Schulen, auch in Buchen, der Werkstattunterricht weiterhin ein Diskussionspunkt, vor allem wegen der enormen finanziellen Belastung, obwohl es grundsätzlich eine positive Grundhaltung zu Schulwerkstätten gab. Eine Schulordnung für die Buchener Gewerbeschule vom 28. Oktober 1922, aufgesetzt durch den Gewerbeschulrat aus den 1920er-Jahren, regelt das Schulleben in acht Paragrafen:170 »Schul-Ordnung § 1. Die Schüler der Gewerbeschule haben sich in- und außerhalb derselben eines anständigen Benehmens zu befleißigen, die Anordnungen ihrer Lehrer, sowie des Bürgermeisters, der solche im Einvernehmen mit diesen und dem Gewerbeschulrat erläßt, pünktlich zu befolgen. 169 Ebd, S. 138 f., welcher zitiert nach: Gutman, Gewerbeschule 1930, S. 584 f. 170 Quelle siehe Stadtarchiv Buchen OT A BDH A 316. Erster Weltkrieg und die Zeit danach – die Gewerbeschule Buchen wird zur Bezirksgewerbeschule 46 § 2. Jeder Schüler muss mit dem [sic] vorschriftsmässigen Zeichen- und Schreibmaterialien, sowie den vorgeschriebenen Lehrbüchern versehen, nach Maßgabe des Stundenplanes pünktlich in den Lehrstunden erscheinen; zu spät kommende Schüler haben am Schluss des Unterrichts das Versäumnis nachzuholen. § 3. Die Schüler haben anständig und reinlich gekleidet mit sauberem Schuhwerk in der Schule zu erscheinen. Beim Eintritt in das Schulgebäude sind die Schuhe gut zu reinigen. § 4. Jeder Schüler hat beim Eintritt in den Lehrsaal sofort seinen Platz einzunehmen. Der Lehrsaal darf während des Unterrichts ohne Erlaubnis des Lehrers nicht verlassen werden. § 5. Der Aufenthalt auf den Treppen ist verboten, auf den Gängen nur mit Genehmigung des Lehrers erlaubt. Das Betreten sämtlicher nicht zur Gewerbeschule gehörigen Räumlichkeiten ist den Schülern ebenfalls untersagt171. § 6. Das Rauchen im Schulhaus ist den Schülern verboten, ebenso außerhalb desselben, solange sie das 17.te Lebensjahr nicht erreicht haben. § 7. Für alle an Schulgerätschaften, wie am Schulhaus selbst, angerichteten Beschädigungen oder Verunreinigungen ist der Täter wie seine Eltern haftbar. Ist dieser nicht ausfindig zu machen, so haften sämtliche Schüler für den Fall, daß sie durch schuldhaftes Verschweigen die Ermittlung des Täters verhindern. § 8. An Strafen werden neben etwaigem Schadensersatz ausgesprochen: höchstens 171 An dieser Stelle ist ein maschinengeschriebenes »verboten« mit Stift durchgestrichen und es wurde handschriftlich das Wort »untersagt« hingeschrieben. 2maliger Verweis, Karzer und Ausschluß aus der Schule.172 Buchen, den 28. Oktober 1922. Der Gewerbeschulrat.« Mit dem Bezirksgewerbestatut vom 20. März 1924173 schritt die Zentralisierung der Schullandschaft im Landkreis Buchen schließlich voran. Es vereinigten sich durch dieses Statut die Gemeinden Buchen, Bödigheim, Eberstadt, Götzingen, Hainstadt, Hettigenbeuern, Hollerbach, Rinschheim und Unterneudorf zu einem Schulverband. Buchen wurde damit zur Bezirksgewerbeschule. Die Kostenverteilung war nun natürlich ein zentraler Fragepunkt und bedurfte einiger Regelungen und Kompromisse. Hettingen hingegen wollte eine eigene kleine Schule aufrechterhalten und konnte erst 1933 durch ministeriellen Erlass zum Besuch der Buchener Schule verpflichtet werden.174 Immer wieder gab es Bestrebungen – mit augenscheinlichen Gründen – Hettingen in den Schulverband miteinzugliedern, wie einem Dokument aus dieser Zeit zu entnehmen ist: »Der Fortbestand der dortigen [in Hettingen] gewerblichen Fortbildungsschule ist bei dem für den dortigen Schülerstand (26) gänzlich unzureichenden Schulraum mit nur 1,90 m Höhe in Frage zu stellen. […] 172 Die hier erwähnte Vollziehung von Schulstrafen geht zurück auf die Schulordnung vom 8.8.1907, welche bis in die Nachkriegsjahre des Zweiten Weltkrieges noch Gültigkeit besitzen sollte. Siehe das GLK-Protokoll vom 18.12.1948. Hier werden 4 mögliche Strafen aufgelistet: Verweis, Schularrest bis 6 Stunden, Karzerstrafen bis zu 6 Stunden am Samstagnachmittag und solche bis zu einer Dauer von 2 Tagen, die aber dann unter Mitwirkung der Polizei erfolgen sollte. 173 Die komplette Quelle findet sich im Anhang. 174 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 31. Geschichte der Buchener Gewerbeschule 47 wird der Gemeinde Hettingen nahegelegt, für die dortigen schulpflichtigen Lehrlinge den Anschluß […] der nur 3,46 km entfernten Bezirksgewerbeschule Buchen anzustreben.«175 In den Schuljahren 1924/25 gab es an der Gewerbeschule in Buchen 166 Schüler (davon 88 auswärtige), im darauffolgenden Jahr 172 Schüler (davon 111 auswärtige). An den Kreisrat mussten regelmäßig Kostenübersichten übersandt werden, auch um etwaige Bezuschussungen zur Förderung des Handwerks zu erzielen. Im Rechnungsjahr 1924/25 betrug der ungedeckte Aufwand am Schulbetrieb 2 946 Reichsmark, im Folgejahr 3 562 Reichsmark. Hiervon musste die Stadt Buchen allein zwei Fünftel tragen, die übrigen Gemeinden den Rest. So ist der hohe Kostenaufwand einer Gewerbeschule deutlich ersichtlich.176 Im Jahr 1925 wurde die Bezirksgewerbeschule Buchen gemäß der bereits erwähnten »Fachschul-Verordnung« dann eine sog. »gewerbliche Fachschule«, was bedeutete, dass man durchaus Schulgeld für den Unterrichtsbesuch verlangen durfte und womit sich die finanzielle Lage der Stadt Buchen etwas entspannte. Diese so bezeichnete »Fachschulreform« kam mit der »Fachschulordnung« des badischen Staatsministeriums vom 18. April 1925 zur Durchführung. Damit wurden die badischen Gewerbe- und Handelsschulen den allgemeinausbildenden höheren Schulen als Fachschulen zur Seite gestellt.177 So bewegten sich die Gewerbe- 175 Siehe Quelle Stadtarchiv Buchen H AB H A 207. 176 Siehe Brief vom Buchener Bürgermeister an den Kreisrat aus dem Jahr 1926, Stadtarchiv Buchen H AB H A 207. 177 Siehe Archivalie vom 14.8.1948, GL A-Bestand 481, Nr. 1656. schulen nun offiziell im Sekundarbereich II. Das Schulgeld betrug für Schüler aus den Verbandsgemeinden 21 Mark pro Jahr, für andere Schüler lag es bei einem höheren Betrag von 36 Mark im Jahr.178 Der Name des Gewerbeschulrats änderte sich auf »Beirat«. Im Jahr 1926/27 wurde in Buchen der Medizinalrat Dr. Baumann und im Dezember 1927 die »sachverständige Frau«, wie es in den Statuten heißt, Frau Luise Bernhard in den Beirat aufgenommen.179 Durch die Erhebung von Schulgeld kann man von einer gewissen verpflichtenden Motivation der Schüler zum Schulbesuch und zum aufmerksamem Verfolgen des Unterrichts ausgehen, doch dass es auch in den strengen 1920er-Jahren Disziplinprobleme mancher Schüler gab, verdeutlicht folgende Notiz vom 14. Juli 1924:180 »Beschluss. 1. Gegen den Gewerbeschüler Wörner wird eine Schulstrafe von 4 Stunden Arrest erkannt. Dieselbe ist am Sonntag den 20.ds. Mts. im Schullokal der Gewerbeschule von 10 bis nachm. 2 Uhr zu verbüssen. Die Ueberwachung wird dem Schuldiener Perino übertragen. 2. Nachricht dem Vater des Bestraften. 3. Auftragen an Schuldiener Perino.« Der ab 1925 neu geltende Lehrplan für die Gewerbeschulen ist für alle Unterrichtsfächer sehr detailliert ausgearbeitet:181 Wöchentlich 178 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 32. 179 Ebd. 180 Siehe Beschluss vom 14. Juli 1924, Stadtarchiv Buchen H AB OT A UD A 142. 181 Die Informationen bezüglich dieses Lehrplans werden den Ausführungen Brötels in: Brötel, 150 Jahre, 1997, Seite 32–34 entnommen. Erster Weltkrieg und die Zeit danach – die Gewerbeschule Buchen wird zur Bezirksgewerbeschule 48 sind 10 Stunden veranschlagt, die pro Klasse in 3 aufsteigenden Jahrgängen und bestenfalls in Parallelklassen durchzuführen sind, fachlich gegliedert. Neues Pflichtfach ist Religion. Deutsch mit Schriftverkehr und Staatskunde wird mit insgesamt zwei Wochenstunden zusammen unterrichtet. Als Karlsruher Gewerbelehrer und späterer Bürgermeister von Buchen und dann Landrat des Kreises Buchen konzipierte Franz Xaver Schmerbeck das erste Lehrbuch für Gewerbeschulen im Bereich Staatskunde. Es ist in der Entwicklung dieses Schultypus dieser Tage ersichtlich, dass die Umwandlung von gewerblichen Fortbildungsschulen in Gewerbeschulen allerorten eine zunehmende Zentralisierung und fachliche Spezialisierung nach sich zieht. Ab dem Schuljahr 1926/27 wurden die kaufmännischen Lehrlinge an die Handelsschule nach Walldürn geschickt.182 Doch kamen aufgrund der nicht sonderlich guten Verkehrsverbindungen in dieser Region dadurch auch individuelle Transportprobleme bei manchen Schülern auf. Ein fürsorglicher Vater schreibt im Sommer 1929 in folgendem Brief ans Ministerium nach Karlsruhe:183 »Mein Sohn Walter Metz, geboren am 29. Dezember 1914, besuchte bisher die Fortbildungsschule in Buchen. Am 24. Ds. Mts. Ist er in die Lehre getreten bei Architekt B o n n in W a l l d ü r n184 und ist daher nun gewerbeschulpflichtig. Seine eigentliche Lehre beginnt nach Ableistung einer vierwöchigen Probezeit. 182 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 32. 183 Siehe Quelle Stadtarchiv Buchen. 184 In der Archivalie gesperrt geschrieben. Mein Sohn Walter wohnt bei mir und fährt jeden Morgen mit dem Zug 7, 12 Uhr hier ab, trifft in Walldürn um halb 8 Uhr ein und würde auf diese Weise immer zu spät zum Unterrichtskurs in Walldürn eintreffen. Der Herr Gewerbeschulvorstand hier sagte mir, dass Walter gehalten wäre, die Gewerbeschule in Walldürn zu besuchen, wenn ihm nicht der Besuch der hiesigen Schule höheren Orts gestattet würde. Wenn mein Sohn die Gewerbeschule in Buchen besuchen dürfte, könnte er dann des Mittags hier am Familientisch sein warmes Mittagessen einnehmen und könnte nach diesem mit dem hier um 13 Uhr abgehenden Zug noch halbtägig zum Besuch seiner Lehrstelle gelangen, andernfalls müsste er ja, um nicht zu spät in die Schule in Walldürn zu kommen, am Abend vorher nach Walldürn fahren, dort übernachten und noch sein Morgenfrühstück mit Mittagessen dort einnehmen, was für mich mit schweren Unkosten verbunden und für die Dauer nicht ausführbar wäre. Aus den oben angeführten [sic] bitte ich, meinem Sohn zu gestatten, die Gewerbeschule in Buchen zu besuchen und die einschläglichen Stellen hiervon zu benachrichtigen. Mit Hochachtung Ergebenst! Gez. Hermann M e t z« In Buchen wurden im Schuljahr 1926/27 insgesamt 160 Schüler, 158 schulpflichtige und 2 freiwillige, in 6 Klassen mit je 2 nach Berufsgruppen gegliederten Parallelklassen pro Jahrgang unterrichtet.185 Ein Meistervorbereitungskurs mit 11 Teilnehmern ist auch zu verzeichnen.186 185 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 32. 186 Ebd, S. 32/33. Geschichte der Buchener Gewerbeschule 49 Die Zeit des Nationalsozialismus Der allgemeine Aufschwung und auch die Tendenz zur Erweiterung der Bezirksgewerbeschule, auch im Hinblick auf die Etablierung eines neuen Zweiges, der Kfz- Abteilung, welche durch eine Schenkung eines Viertaktzylinders des Schlossermeisters J. Reinhard im Jahr 1928/29 in greifbare Nähe rückte,187 blieb aber in Anbetracht der Weltwirtschaftskrise und der geburtenschwachen Jahrgänge während des Ersten Weltkriegs nicht konstant. Die Schülerzahlen sanken in den Jahren 1928 bis 1932 auf 66 Schüler (53 davon aus Buchen).188 Das Schulgeld stieg zu einer immens hohen Summe von 137 Reichsmark im Jahr 1933 an, sodass sich der Gemeinderat der Stadt Buchen entschloss, das Schulgeld auf 32 Reichsmark zu senken, um die Eltern zu entlasten und den Besuch der Gewerbeschule wieder zu fördern.189 Man könnte behaupten, dass die Entwicklung der Berufsschule in der Weimarer Zeit zu einem Instrument der Arbeitsmarktregulierung geworden ist: Es wurde versucht, die Massen an jungen Arbeitslosen irgendwie unterzubringen, und zwar ohne dass die Arbeitsmoral zu sehr abflachte. Eine innere Reform bzw. eine Modernisierungstendenz des Berufsschulwesens stand in diesen Tagen nicht wirklich zur Diskussion. Doch man darf sagen, dass das badische Gewerbeschulsystem auch schon derzeit den Ansätzen der dual-alternierenden Ausbildung entsprach, die erst 1979 von der EU ihren Mitgliedsstaaten empfohlen wurde. Die Gewerbeschule bzw. der Teil der fachpraktischen Ausbildung (in den Schulwerkstät- 187 Ebd, S. 33. 188 Ebd. 189 Ebd. ten, falls vorhanden) verstand sich auch zu Weimarer Zeit schon als Partner der Ausbildungsbetriebe. Durch die Gleichschaltung im Dritten Reich, welche gezwungenerma- ßen auch das Schulwesen betraf, stagnierte jedoch die vielversprechende Weiterentwicklung der badischen Gewerbeschulen. III. 5) Die Zeit des Nationalsozialismus Mit dem Jahr 1933 radikalisierten sich auch in Buchen manche Gruppen im Rahmen der deutschen nationalsozialistischen Bewegung.190 Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler im Mai wird der Beirat des Bezirksgewerbeschule Buchen durch ministerielle Verfügung aufgelöst, die Bildung eines neuen Beirats mit dem Regime getreuen Personen wurde befugt.191 Es war Aufgabe des Gemeinderats, den Beirat neu aufzustellen: »Von dem Gemeinderat wird dabei erwartet, daß er […] nur national und social zuverlässige Personen arischer Abstammung als Mitglieder des Beirates bestimmt. Das ärztliche Beiratsmitglied muß nachweislich deutschrassig und national zuverlässig sein.«192 Das bisher gemeinsam im Stundenplan verankerte Fach Deutsch und Staatskunde wurde nun zum Fach »Deutschkunde«. Au- ßerdem wurde im Stundenplan eine weitere Stunde für »Spiel, Sport und Jugendpflege« wie auch ein Sporthalbtag, der für 190 Siehe über Buchen im Dritten Reich weiterführend: Ebersold, Buchen, 2012. 191 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 33. 192 Ebd. 50 jeden Jahrgang einmal pro Monat abzuhalten war, eingeplant.193 Um der Notlage auf dem Arbeitsmarkt mit 1,3 Millionen jugendlichen Arbeitslosen entgegenzusteuern,194 rückte natürlich auch das Gewerbeschulwesen bei den nationalsozialistischen Machthabern in den Fokus. Das am 1. Mai 1934 gegründete Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung richtete auch ein Amt für Erziehung mit einer gesonderten Abteilung für berufliches Ausbildungswesen ein, dem damit auch alle Berufs- und Fachschulen unterstellt waren.195 Darin sollten die Geschicke der Gewerbeschulpolitik gelenkt werden. Man orientierte sich aber im Bereich der curricularen Unterrichtsmaterialien immer noch hauptsächlich an den Ausbildungsunterlagen der Weimarer Zeit.196 Es entstanden zur Zeit des Nationalsozialismus verhältnismäßig wenige »Reichslehrpläne«.197 Die beiden übergeordneten Ziele der NS-Berufsschulpolitik lassen sich mit »deutscher Mensch und Fachmann« zusammenfassen.198 Man war bestrebt, die nationalistische Gesinnung im Unterrichtsgeschehen einzubauen und dabei die fachliche Expertise auszuweiten, gerade auch um die Industrie zu stärken. Die bis heute nachwirkenden Maßnahmen des Dritten Reichs im Gewerbeschulbereich sind aber zum Beispiel die ab dato vorherrschenden klaren und einheitlichen Bezeichnungen Berufsschule, 193 Ebd. 194 Siehe Greinert, Erwerbsqualifizierung, 2015, S. 70. 195 Siehe Grüner, Berufsschule, 1984, S. 14. 196 Ebd., S. 15. 197 Ebd. 198 Ebd., welcher verweist auf: Federle, S.: Reichseinheitliche Benennungen im Berufs- und Fachschulwesen des deutschen Reiches, Schuljahr 1938, Langensalza/Berlin/Leipzig 1941, S. V. Berufsfachschule und Fachschule. Die Begrifflichkeiten waren in der Historie bisher oft uneinheitlich und deswegen auch missverständlich angewandt worden. Man denke nur an den Begriff der Sonntagsschule mit seinen diversen Ausformungen. Mit dieser Beschränkung auf diese genannten drei Schultypen setzte man definierte und allseits verständlichen Grenzen, was unter dem »beruflichen Schulwesen« zu verstehen ist und was nicht. Jedoch kann man, bedingt durch das Dritte Reich, hier durchaus von einer Degradierung der Gewerbeschule sprechen. Erst Mitte der 1920er-Jahre in den Bereich des Höheren Schulwesens, den Sekundarbereich II, erhoben, spricht man nun nur noch umgangssprachlich von »Berufsschule«, ohne dies oftmals fachlich genauer zu unterschieden. Am 7. Juli 1938 wurde das »Reichsschulpflichtgesetz« und damit im beruflichen Schulbereich eine allgemeine Berufsschulpflicht eingeführt, um alle Jugendlichen sowohl ideologisch als auch im Hinblick auf das Voranbringen der militärischen Rüstung zu erfassen.199 Zu diesem Gesetz der Auszug einer Nachkriegsquelle von 1948 des badischen Gewerbelehrerverbandes:200 »Die Auswirkungen dieser schulreformerischen Massnahme [ Anm.: das Reichsschulpflichtgesetz] der volksbildungsfreundlichen Badischen Regierung, die bereits ein Teilstück der heute in den Ländern der Bizone erstrebten Schulreform vorwegnahm, wurde aber leider durch die rückschrittliche Schulpolitik des Dritten Reiches völlig zunichte gemacht. 199 Siehe Greinert, Erwerbsqualifizierung, 2015, S. 71. 200 Siehe Archivalie vom 14.8.1948, GL A-Bestand 481, Nr. 1656. Geschichte der Buchener Gewerbeschule 51 Die mit dem Reichsschulpflichtgesetz vom 7. Juli 1938 verfügte Niveausenkung der badischen Gewerbeschule, die dadurch zur ›Berufsschule‹ degradiert wurde, machte sich auch auf dem Verwaltungssektor geltend; der verminderten Bedeutung des Gewerbeschulreferates für den Gau Baden und der Einschränkung seines Geschäftskreises entsprechend, dessen Schwerpunkt im Reichserziehungsministerium in Berlin lag, wurde auch die Zahl der Referenten herabgesetzt.« Für das gesamte deutsche Reichsgebiet liegt im 1941 erschienenen »Wegweiser durch das gewerbliche201 Berufs- und Fachschulwesen des Deutschen Reiches« der Reichsstelle für Schulwesen folgendes Zahlenmaterial über das berufsbildende Schulwesen vor:202 »3.199 Berufsschulen mit 1.825.686 Schülern, 18.357 hauptamtliche und 15.804 nebenamtliche Lehrkräfte. 1.233 Berufsfachschulen mit 138.055 Schülern, 5.173 hauptamtlichen und 2.630 nebenamtlichen Lehrern. 303 Fachschulen203 mit 53.613 Schülern, 2.759 hauptamtlichen und 1.634 nebenamtlichen Lehrern.« Die Bezirksgewerbeschule Buchen ist in diesem Wegweiser unter der Nummer B 2421 der sog. »Laufenden Reichsnummer« 201 Zum Bereich »gewerblich« zählte man damals – und noch in der Zeit nach dem Krieg – auch die kaufmännischen Schulen. 202 Siehe Wegweiser Schuljahr 1938, 1941, S. V. – Stichtag war der 25. Mai 1938, aber die in dem Jahr neu dazugekommenen Reichsgebiete wurden nicht mit eingerechnet. 203 Zu den Fachschulen zählte man auch die Ingenieur- und Bauschulen. Aber deren Nachfolgeorganisationen gehören heutzutage nicht mehr zum beruflichen Schulwesen. geführt.204 Erstaunlicherweise ist das Gründungsdatum der Buchener Gewerbeschule falsch: Hier wird irrtümlicherweise das Jahr 1848 angegeben. In aufgelisteter Form enthält der Wegweiser für Buchen folgende Informationen: • Zahl der verbindlichen wöchentlichen Unterrichtsstunden:10,5 • Zahl der Klassen für Pflichtunterricht: 6 • Zahl der Klassen für Wahlkurse: 2 • Gesamtzahl der Wochenstunden in Pflichtklassen: 63 • Gesamtzahl der Wochenstunden in Wahlkursen: 6 • Von den Wochenstunden der Pflichtklassen werden erteilt: • in der Zeit von 7 bis 13 Uhr: 58 • in der Zeit von 13 bis 20 Uhr: 5 • Zahl der Lehrer im Hauptamt: 2 männliche Lehrer • Zahl der Lehrer im Nebenamt: 3 männliche Lehrer • Gesamtzahl der Schüler: 111 Jungen und 7 Mädchen In dem Wegweiser wird sogar eine Geburts- übersicht der einzelnen Schüler aufgelistet. So ist daraus ersichtlich, dass an der Bezirksgewerbeschule Buchen von den insgesamt 118 Schülerinnen und Schülern 10 Jungen im Jahr 1924 geboren waren, 30 Jungen und ein Mädchen im Jahr 1923, 34 Jungen und 4 Mädchen im Jahr 1922, 32 Jungen und ein Mädchen im Jahr 1921, 5 Jungen und ein Mädchen im Jahr 1920. Älter als 1920 war dereinst niemand.205 Von den Pflichtschülern lebten 27 Jungen und 4 Mädchen 204 Siehe Wegweiser Schuljahr 1938, 1941, S. 182–185. 205 Ebd., S. 184. Die Zeit des Nationalsozialismus 52 am Schulort, also in Buchen, 84 Jungen und 3 Mädchen lebten außerhalb des Schulortes. Der Hitlerjugend gehörten nach dem Wegweiser 106 Jungen an, dem Bund Deutscher Mädel 5 Mädchen. In der S A und der SS waren 2 männliche Pflichtschüler. Vom Krieg dann letztlich in seiner endgültigen Durchsetzung verhindert, war im Nationalsozialismus der Plan eines »Reichsberufsschulgesetzes« aufgesetzt, der sich im Essenziellen folgendermaßen zusammenfassen lässt:206 »Dreijährige Berufsschulpflicht mit 8 Wochenstunden Unterricht, Beschulungspflicht der Schulträger, reichseinheitliche Lehrpläne, engste Anlehnung der Berufsschule an die betriebliche Ausbildung, Schulträgerschaft im Wesentlichen durch die Stadtoder Landkreise, Berufsschulbeiräte aus Wirtschaftsvertretern zur Beratung der einzelnen Berufsschulen, Berufsschullehrer als reichsunmittelbare Beamte.« Eigentlich war mit diesem Modell die Idee der sich ab 1945 überall in Westdeutschland etablierenden Pflicht-Berufsschule festgeschrieben – natürlich dann unter anderer politischer Gesinnung. Schulleiter an der Bezirksgewerbeschule in Buchen war während des Dritten Reichs bis zum Jahr 1939 Studienrat Karl Eng- 206 Zitiert nach Greinert, Erwerbsqualifizierung, 2015, S. 72, der sich bezieht auf Grüner, Gustav: Das berufliche Schulwesen, in: Jeserich, G. A. u. a. (Hrsg.): Deutsche Verwaltungsgeschichte, Bd. V: Die Bundesrepublik Deutschland, Stuttgart 1986, S. 643– 653, hier: S. 651. lert207, August Jacobi war sein Nachfolger. Ab dem Kriegsausbruch am 1. September 1939 kam es zu Kriegseinberufungen mancher Lehrer und somit zu mehreren Wechseln bei der Schulleitung und Lehrern, bis schließlich ab dem 1. Juli 1941 Friedrich Krust von Walldürn nach Buchen abgeordnet wurde und von 1942 bis zur kriegsbedingten Schließung der Schule ein Jahr später die Schulleiterrolle übernahm.208 Die Walldürner Gewerbeschule wurde schließlich mit der Buchener daselbst vereinigt. Bis Mai 1946 sollte die Gewerbeschule Buchen geschlossen bleiben. Der Landkreis Buchen war ab 1939 Schulträger für alle sich im Kreisgebiet befindlichen Gewerbeschulen und trug damit auch alle Sachkosten für die Schulen Adelsheim (gegründet 1900), Buchen (gegr. 1847), Eubigheim (gegr. 1913), Hardheim (gegr. 1926), Mudau (gegr. 1878) und Walldürn (gegr. 1864).209 Somit wurden die Aufgaben für diese Schulen auf Kreisebene übertragen. 207 Siehe Willax, 100 Jahre, 1949, S. 8, der nahezu ein Loblied auf Englert anstimmt: »Von den an der Schule tätigen Gewerbelehrern sei besonders erwähnt: Studienrat Karl Englert, der in nahezu 20-jähriger unermüdlicher Tätigkeit von 1920– 1939 seine ganze Arbeitskraft in den Dienst der Erziehung des handwerklichen Nachwuchses gestellt hat. Das Amt eines Schriftführers im Gewerbeverein, in der Schreinerinnung, ebenso in der Schmiedeinnung, die ihn später zu ihrem Ehrenmitglied ernannte, gab ihm die Gelegenheit, mit seinen reichen Erfahrungen das Handwerk jederzeit zu unterstützen und zu fördern.« 208 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 34. 209 Ebd., S. 40. Geschichte der Buchener Gewerbeschule 53 Nach den Kriegsjahren – die Bezirksgewerbeschule wird zur Zentralgewerbeschule III. 6) Nach den Kriegsjahren – die Bezirksgewerbeschule wird zur Zentralgewerbeschule »Infolge der politischen Säuberung der Verwaltung nach Kriegsende hatten die badischen Gewerbeschulen zunächst überhaupt keine Vertretung bei der Unterrichtsbehörde.«210 Um den nordbadischen Wiederaufbau des Gewerbeschulwesens voranzutreiben, wurde aus drei Gewerbeschulvertretern auf ehrenamtlicher Basis eine Kommission zur Bearbeitung grundsätzlicher Fragen des Gewerbeschulwesens gegründet, welche durch Erlass des Herrn Präsidenten der Landesverwaltung Baden, Abteilung Kultus und Unterricht, am 6. Dezember 1945 ins Leben gerufen wurde.211 Gleich in diesem ersten Dezember nach Kriegsende erfolgte am 10. des Monats eine Besichtigung der Gewerbeschule Buchen bzw. der dortigen leerstehenden Gebäude. Der Wortlaut des Besuchsberichts bezeugt einen sehr guten Zustand der Gewerbeschule:212 »Das Gebäude der Gewerbeschule in Buchen befindet sich in einem sehr guten Zustand. Die in Buchen anwesenden Studienräte Joachim Rathmann und August Jacobi haben trotz ihrer Entlassung in vorbildlicher Weise dafür gesorgt, daß die Schule jederzeit eröffnet werden kann. Die Lehrer wurden durch den dortigen Bürgermeister Schmerbeck auf das Nachdrücklichste unterstützt.« 210 Siehe Archivalie vom 14.8.1948, GL A-Bestand 481, Nr. 1656. 211 Ebd. mit Verweis auf den Erlass Nr. D 1307. 212 Siehe Archivalie vom 22.12.1945, bezogen auf die Besichtigung am 10.12.1945, GL A-Bestand 235 Nr. 36549. Im Mai 1946 erfolgte die Wiederaufnahme des Unterrichts an der Bezirksgewerbeschule Buchen.213 Die allgemeinen Denazifizierungstendenzen waren überall im Gange, wie durch die amerikanische Besatzung gefordert und durchgeführt.214 Erst nach politischer Überprüfung der Lehrkräfte durfte der Unterrichtsbetrieb wieder aufgenommen werden. Die amerikanischen Besatzer waren von der badischen Gewerbeschulidee beeindruckt, wie man einer Bestandsaufnahme des Verbandes der Lehrkräfte an badischen Gewerbeschulen entnehmen kann:215 » Auch die Vertreter der amerikanischen Erziehungsbehörde waren von dem verhältnismäßig wenigen, was ihnen nach Kriegsende in den besichtigten badischen Gewerbeschulen noch vorgeführt werden konnte, stark beeindruckt.« Man knüpfte personell und konzeptionell schließlich wieder an den Schulbetrieb der 1920er- und 1930er-Jahre an. Die Bildungspolitik betrachtete die Berufsschule aber wieder bzw. weiterhin eher nur marginal, war sie doch fokussiert auf das dreiglied- 213 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 40. 214 Die Denazifizierungsmaßnahmen, auch politische Säuberungen genannt, zogen sich natürlich deutschlandweit über mehrere Jahre hin. Für die ZGB findet sich im Protokoll der GLK vom 3.6.1948 der Verweis: »Der Referent des nordbadischen Gewerbeschulwesens Herr Studienrat Heiß sprach über […] die Durchführung der politischen Säuberung in den Gewerbeschulen [in Nordbaden] und wieß unter anderem darauf hin, daß wohl ein Teil der durch Gesetz betroffenen Lehrkräfte nach Vorhandensein eines rechtsgültigen Spruchkammerentscheides wieder in Dienst gestellt werden, daß dies aber je nach Art der Belastung nicht für alle Lehrkräfte der Fall sein könne. Besonders vor 1933 in der Partei tätigen Lehrer werden einer scharfen Kontrolle unterzogen.« 215 Siehe Archivalie vom 14.8.1948, GL A-Bestand 481 Nr. 1656. 54 rige System mit Volksschule, Mittelschule und Oberschule. Entsprechend der allgemeinen Zeitumstände waren die äußeren Bedingungen im gesamten Schulbetrieb in Buchen und im Kreis generell schwierig. So erschien am 19. Oktober 1946 in den Fränkischen Nachrichten ein Zeitungsartikel216 mit dem Titel » Allgemein erschwerter Schulbetrieb« wie folgt: »Nach einer Mitteilung des Kreisschulamtes beträgt die Zahl der eingetragenen Schüler im Landkreis Buchen nach dem Stande vom 15. Oktober 10.441. Augenblicklich sind 177 Lehrkräfte beschäftigt, jedoch werden zu einer normalen Schultätigkeit noch weitere 29 Lehrer benötigt. Lese- und Rechenbücher fehlen in manchen Klassen vollständig. Außerdem mangelt es an Schiefertafeln; zumal die Beschaffung von Heften seit einigen Monaten nahezu unmöglich ist. Ein geordneter Schulbetrieb ist unter diesen Umständen nicht gewährleistet. Die Belegung von Lehrerwohnungen mit Neubürgern macht sich insofern ungünstig bemerkbar, da zurzeit die Möglichkeit besteht, eine normale Besetzung der Lehrstellen vorzunehmen, jedoch bereits in den Landkreis eingewiesene Lehrkräfte mangels Wohnmöglichkeit wieder zurück geschickt werden müssen. Ohne eine durchgreifende Regelung ist weiterhin mit den größten Schwierigkeiten zu rechnen.« Dem Kreis Buchen wie auch dem Kreis Mosbach wurden nach Kriegsende Abertausende Flüchtlinge zugeteilt:217 Innerhalb von acht Monaten kamen in den Landkreis Buchen 216 Siehe Fränkische Nachrichten, 19.10.1946. Quelle eingesehen im Archiv der FN in Tauberbischofsheim. 217 Siehe Kieser/Fuchs, Neckar – Odenwald – Bauland, 1980, S. 17. 22 000 Heimatvertriebene, sodass die Einwohnerzahl im Vergleich zum Jahr 1939 um über 50 Prozent gestiegen ist. Eine Neuorganisation des Gewerbeschulbetriebs wurde angestrebt. Ein Brief vom 8. Januar 1947 ins Ministerium nach Karlsruhe gibt Aufschluss über die damalige Situation:218 »Die Unterrichtsverwaltung befaßt sich auf Anregung des Herrn Landrats des Landkreises Buchen mit der Frage der Neuorganisation des Gewerbeschulwesens im Landkreis Buchen. Vor Kriegsende bestanden dort folgende Gewerbeschulen: Gewerbeschule Buchen (3 Lehrkräfte), Gewerbeschule Mudau (1 Lehrkraft), Gewer beschule Walldürn (1 Lehrkraft), Gewerbeschule Adelsheim (1 Lehrkraft), Gewerbeschule Hardheim (1 Lehrkraft) und Gewerbeschule Eubigheim (1 Lehrkraft). Die Ergebnisse der gewerblichen Schulung in diesem Landkreis waren schon in der Vergangenheit nicht befriedigend, weil die Gewerbeschulen mit Ausnahme von Buchen in der Regel nur einen Gewerbelehrer beschäftigt haben, der die verschiedenen gewerblichen Berufe in einer Sammelklasse (Mischklasse) zusammenfaßte und unterrichtete. Die Ergebnisse solchen Unterrichts können nicht verglichen werden mit dem Ergebnis des Unterrichts in zusammengefaßten Fachklassen. Auch kann die Schulaufsicht nicht genügend durchgeführt werden, wenn Gewerbeschulen mit nur einem Lehrer direkt der Unterrichtsverwaltung unterstehen. Das Gewerbeschulwesen im Landkreis Buchen bedarf aber anderseits schon deswegen besonderer Förderung, weil die Zuwanderung von vielen tausenden von Flüchtlingen ein starkes Bedürfnis nach neuen gewerblichen Berufen erweckt. 218 Siehe Archivalie vom 8. Januar 1947, GL A-Bestand 481 Nr. 1656. Geschichte der Buchener Gewerbeschule 55 Es wird daher vorgeschlagen die Gewerbeschule in Buchen zu einer Zentral-Gewerbeschule des Kreises zu machen und dieser die Gewerbeschulen in Mudau, Walldürn, Adelsheim, Hardheim und Eubigheim dienstlich zu unterstellen. Wesentlich neue Kosten – außer den Reisekosten, die durch auswärtige Schulaufsicht durch den Direktor der Gewerbeschule in Buchen erwachsen – entstehen dadurch der Staatskasse nicht; zudem trägt der Landkreis in allen Fällen den ganzen sachlichen Aufwand und einen hohen Prozentsatz des persönlichen Aufwands. Der Landrat hat zugesagt, daß der Zentralgewerbeschule ein Sekretariat und eine Schreibkraft zur Verfügung gestellt werden sollen. Neu an der vorgeschlagenen Organisation ist nur, daß die Gewerbeschulen des Landkreises nicht mehr direkt der Unterrichtsverwaltung, sondern dieser nur noch indirekt über die Zentralgewerbeschule in Buchen unterstehen. Die vorgesehen Maßnahme ist eine Behelfsmaßnahme, deren Bewährung abgewartet werden sollte. Zweifellos erscheint sie aber geeignet die Schulaufsicht besser durchzuführen und außerdem die Bildung von Fachklassen zu ermöglichen.« Mit diesem Schreiben zeigt sich eine deutliche Tendenz, die sich auch in den kommenden Jahren bewähren sollte: Man legte den Fokus auf das Fachklassenprinzip, um den Unterricht effektiver zu gestalten. Auch suchte man nach einer Maßnahme, dem großen Flüchtlingsstrom bzw. Strom Heimatvertriebener gerecht zu werden, die auch ins Schulsystem drängen sollten. Eine zentrale Organisation der vielen kleinen Schulstandorte erschien die beste Maßnahme, um die Region im Gewerbeschulbereich wieder »in geordnete Bahnen« zu bringen. Landrat Schmerbeck ersuchte den Präsidenten des Landesbezirks Baden, Herrn Dr. Köhler, in einem Brief vom 15. Januar 1947, mit seinen persönlichen Organisationsvorschlägen für die Gewerbeschulen in seinem Kreis.219 Er verlangte: »[…] es müssen auch Hilfskräfte eingestellt werden, deren unterrichtliche Tätigkeit einer ständigen Überwachung bedarf«. Wahrscheinlich dachte er hier auch an die nach dem Krieg vielerorts eingesetzten »Notlehrer«, die mittels Kurzausbildung für das Unterrichten mehr oder minder fit und direkt einsetzbar gemacht worden sind. »Heute fehlen aus den verschiedensten Gründen die geschulten und befähigten Lehrkräfte, um überall den normalen Pflichtunterricht für die Lehrlinge aufnehmen zu können«, so Schmerbeck. An anderer Stelle gibt er Aufschluss über die Lehrsituation in Buchen: »Die Schule Buchen ist z. Zt. mit einer tüchtigen voll ausgebildeten Lehrkraft besetzt.« Schmerbeck setzt sich auch ganz klar für eine Zentralisierung in Buchen ein. Die Nebenschulen sollten sich an Buchen orientieren: »Die mit Hilfskräften besetzten weniger gegliederten Nebenschulen sind auf die Unterrichtshilfe und stete Führung der Kreisgewerbeschuldirektion angewiesen.« Der Erlass des Präsidenten des Bezirks Baden, Abt. Kultus und Unterricht, Nr.: D 1101 vom 24. März 1947 betr. »Organisation der Gewerbeschulen im Landkreis Buchen« erhob die Gewerbeschule in Buchen dann rechtskräftig zu einer Zentralgewerbeschule des Landkreises Buchen, aber immer noch mit dem Passus »Versuchsmaßnahme«:220 219 Siehe Archivalie vom 15. Januar 1947, Brief Schmerbeck an Köhler, GL A-Bestand 481 Nr. 1656. 220 Zitiert nach: Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 41. Nach den Kriegsjahren – die Bezirksgewerbeschule wird zur Zentralgewerbeschule 56 » Auf Anregung des Landrats [ Anm.: Herr Schmerbeck221] des Landkreises Buchen wird mit Zustimmung des Herrn Präsidenten des Landesbezirks Baden die Gewerbeschule in Buchen, zunächst als Versuchsmaßnahme, zu einer Zentralgewerbeschule des Landkreises Buchen in der Weise umgestaltet, daß ihr die Gewerbeschulen Mudau, Walldürn, Hardheim und unter vorläufiger Aufhebung des Gewerbeschulverbandes Adelsheim die Gewerbeschulen Adelsheim und Eubigheim dienstlich unterstellt werden. Der jeweilige Leiter der Gewerbeschule in Buchen ist der unmittelbare Dienstvorgesetzte der Lehrer an den obengenannten Gewerbeschulen […]. Der ordentliche Dienstweg geht über die Gewerbeschule in Buchen. Mit der Organisation und dem Neuaufbau des Gewerbeschulwesens im Landkreis Buchen ist der derzeitige vorläufige Leiter der Gewerbeschule in Buchen, Studienrat Schaab, beauftragt.« Somit war nun die ihrem heutigen Namen nun entsprechende Zentralgewerbeschule Buchen, mit den beiden Kern-Schulstandorten Buchen und Walldürn, entstanden, deren Kürzel sich im Laufe der Jahre mit »ZGB« einprägen sollte, heutzutage in roter Schrift auf blau-weißem Grund mit dem Zusatz »traditionell-fortschrittlich«. Durch eine Erkrankung des Studienrates Schaab und dessen anschließender Versetzung nach Heidelberg wurde Studienrat Friedrich Krust im Juli 1947 erst als Krankheitsvertretung und schließlich ab Oktober desselben Jahres erneut zum Schulleiter in Buchen ernannt, wie bereits im Schuljahr 221 Herr Franz Xaver Schmerbeck war vor dem Krieg Gewerbelehrer an den Gewerbeschulen in Karlsruhe, Schopfheim und Mannheim. 1942/43.222 In diesem Jahr hätte auch das 100-jährige Jubiläum der Schule gefeiert werden sollen, aufgrund der Kriegsnachwirkungen und der Neustrukturierung wurden die Feierlichkeiten jedoch erst zwei Jahre später – man hatte in den ersten Nachkriegsjahren ganz andere Sorgen, als eine Feierstunde abzuhalten – im Rahmen der Buchener Heimattage angesetzt. Allmählich lief der reguläre Schulbetrieb wieder seinen geordneten Gang. Auch die Meistervorbereitungskurse wurden wieder aufgenommen. Einer Ankündigung der Fränkischen Nachrichten vom 14. Februar 1948 ist zu entnehmen:223 »In den Gewerbeschulen Buchen und Walldürn laufen augenblicklich Vorbereitungskurse für die Meisterprüfungen, die im Landkreis Buchen zum ersten Male nach Berufsgruppen gruppiert sind. Trotz des Mangels an Lehrkräften konnten vorerst vier Kurse für die Berufsgruppen Metall, Holz und Bau eingerichtet werden. Leider konnte eine größere Anzahl von Antragstellern nicht zugelassen werden, da hierfür nicht das Lehrpersonal zur Verfügung steht. Außerdem fehlt es an Heften, Blocks, Zeichenpapier und anderem Unterrichtsmaterial. Die Schulleitung hofft, wenigstens in einigen Monaten den Unterricht einigermaßen normal gestalten zu können.« Die Anmeldezahlen für diesen Meistervorbereitungskurs lagen im Bereich Metall bei 27 Schülern, Bau bei 24 Schülern, Holz bei 19 Schülern und Ausstattung bei 53 Schülern.224 Diese große Anzahl konnte derzeit 222 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 41. 223 Siehe Fränkische Nachrichten vom 12.2.1948, eingesehen im Archiv der Fränkischen Nachrichten in Tauberbischofsheim. 224 Siehe GLK-Protokoll vom 29.11.1947. Geschichte der Buchener Gewerbeschule 57 von der Schule nicht aufgenommen werden, jedoch zeigt sie, dass vonseiten der Schüler durchaus Interesse an beruflicher Weiterqualifikation besteht bzw. viele Jugendliche höher qualifiziert ins Berufsleben gehen wollten. Bestärkt wurde diese Entwicklung auch durch die vielen Neubürger: Schule und ( Aus-)Bildung bedeutet auch immer auch eine Integrationsmöglichkeit. Doch nach wie vor mangelte es an Lehrpersonal. Die Region war eben nicht so reizvoll wie die Metropolen Mannheim, Heidelberg und Karlsruhe mit ihren zahlreichen Zerstreuungsangeboten und so blieben Personen aus den akademischen Berufsgruppen, die jahrelang das Leben in Universitätsstädten genossen haben, generell eher fern. Dafür kann das Gewerbe bzw. die gewerbliche Struktur Buchens auf eine langjährige prosperierende Entwicklung zurückblicken, in deren Tradition man sich mit der Ausweisung eines neuen Industriegeländes in Buchen stellte. Ein positiver Umstand, der in der Folgezeit auch der ZGB viele neue Schüler und Kooperationen mit Firmen zutragen sollte. Die Fränkischen Nachrichten berichten in ihren »Streiflichtern aus Buchen« in der Ausgabe vom 7. August 1948 über »Unsere Kreisstadt Buchen in Handel und Wandel«:225 »Handel und Gewerbe Buchens waren schon im Mittelalter weithin bekannt. Die Garn- und Tuch-, sowie Roßmärkte des Odenwaldstädtchens erfreuten sich neben den vier Jahrmärkten (an Fastnacht, im Mai, an Jakobi und Martini) eines regen Zuspruchs. Kaiser Maximilian verlieh der Stadt 225 Siehe Fränkische Nachrichten vom 7.8.1948, eingesehen im Archiv der Fränkischen Nachrichten in Tauberbischofsheim. außerdem das Recht, jeden Montag einen Wochenmarkt abzuhalten. Heute noch hat der Schützenmarkt, alias Bleckermarkt, neben der Fastnacht der zweite ›Nationalfeiertag‹ der Buchener, eine besondere Bedeutung. Hoffen wir, daß auch bald der ›grüne Markt‹ wieder eingeführt werden kann. Aus [sic] das Buchener Handwerk konnte sich sehen lassen. Vor 100 Jahren noch hatte das Talerstädtchen 27 Rotgerber, 47 Schuster, 10 Hutmacher, 2 Säckler, 2 Lichterzieher, 3 Kübler, 3 Drechsler, 3 Schönfärber, 3 Strumpfwirker, 5 Bierbrauer und 7 Sattler. Besonders bekannt war die Gerberzunft, an die heute noch der Lohplatz erinnert. Der große Buchener Theologe Konrad Wimpina war beispielsweise ein Gerbersohn. Auch die Märzgasse verdankt ihren Namen einem Handwerk, nämlich den Mangern, d.h. den Färbern. Schon dieser kleine Rückblick beweist, daß Buchen eine alte handwerkliche und geschäftliche Tradition besitzt. Das Wort vom ›rückständigen Hinterland‹ darf nur dann zitiert werden, wenn man gleichzeitig die verkehrs- und geländemä- ßigen Schwierigkeiten berücksichtigt, wie sie gerade heute besonders hemmend zu Tage treten. Anlässlich eines Gesprächs bezeichnete Bürgermeister Kaiser, der sich sehr um die industrielle und gewerbliche Entwicklung der Kreisstadt bemüht, die Geländebeschaffung als größte, jedoch nicht unlösbare Schwierigkeit. Die Stadtgemeinde besitzt innerhalb des Ortsetters zu wenig geeignetes Gelände, um freizügig industriellen Planungen Raum geben zu können. Als erster Schritt wurde das ehemalige R AD-Gelände an einige interessierte Betriebe und ein Barackenbau am Krankenhaus an die Rauchwarenfirma Keskari & Co. vergeben. Östlich der Stadt, in unmittelbarer Nähe der Holzwarenfabrik Fertig, ist das Gewann ›Bei den Dill- äckern‹ als künftiges Industriegelände in städteplanerisch einwandfreier Lage vor- Nach den Kriegsjahren – die Bezirksgewerbeschule wird zur Zentralgewerbeschule 58 gesehen. Die Firma ›Nordbadische Rohprodukte‹ hat dort bereits mit dem Bau einer Anlage begonnen. Für weiteres Gelände an den ›Dilläckern‹ interessierten sich die HEP AG, die Firma Hietzker & Sohn, das Transportunternehmen Basse226 & Wanke, die Wagnerei Kaiser, ein Holzverarbeitungsbetrieb sowie die Süddeutsche Kettenfabrik, um nur einige wenige zu nennen. Das Gelände soll durch eine [sic] Gleisanschluß und eine Straßenverbindung verkehrstechnisch erschlossen werden. Außerdem beabsichtigt eine Bettfedernfabrik ihren Betrieb nach Buchen zu verlegen. Zur Bereitstellung des Geländes will der Bürgermeister die bisherigen Grundstückseigentümer zu einer Interessengemeinschaft zusammenschließen, damit die Geländeveräußerung an die einzelnen Firmen in einer allen Teilen gerecht werdenden Weise abgewickelt werden kann. […]« Wenn die Gemeinde frei von Fürsorgeempfängern und Arbeitslosen sein soll, so auch die Ansicht Bürgermeister Kaisers, dann müsse man sich für den Ausbau eines neuen Industriegebietes einsetzen, denn Buchen brauche nach wie vor eine florierende Industrie und Geschäfte. Effektiver in der Klasseneinteilung bei größerer Schüleranzahl ist nun das Zusammenfassen von nur einer bzw. von eng verwandten Berufsgruppen in einer Jahrgangsklasse. Das auch von Schmerbeck bereits geforderte Fachklassenprinzip gelang somit zur Umsetzung und machte den Unterricht damit definitiv qualitativ hochwertiger. In Buchen und Walldürn werden die Abteilungen ab 1947 wie folgt zusammenge- 226 Bei diesem Wort liegt eine verderbte Stelle in der Archivalie vor und macht die Rekonstruktion des Wortes schwierig. fasst:227 In Buchen zum einen die Abteilung Bau mit den Maurern, Gipsern, Bautechnikern und Malern/Tünchern; die Abteilung Holz mit den Schreinern, Wagnern und Zimmerern; das Textilgewerbe mit Berufen wie Schneider oder Modist; die Lederberufe wie Sattler oder Schuhmacher in der Abteilung Ausstattung. Die Friseure sind ebenfalls in der Abteilung Ausstattung, womit nun alle angehenden Friseure des gesamten Landkreises gemeinsam unterrichtet werden.228 In Walldürn gab es die Abteilung Metall mit den Maschinenschlossern, Bauschlossern, Schmieden, Elektrikern und Kraftfahrzeughandwerkern sowie eine Abteilung Nahrung mit den Bäckern und Metzgern. Die Beschulung in Fachklassen sollte auch das Wohl der Lehrer stärken, wie der Bestandsaufnahme vom Juli 1948 zu entnehmen ist: »Durch diese Anordnung [ Anm.: die Einteilung in Fachklassen] ist eine klare für den Landkreis seither nie möglich gewesene weitgehende fachliche Ausrichtung der Berufe erfolgt. Gleichzeitig wurde damit eine beruflich zu vielseitige Beanspruchung der Lehrkräfte vermieden, womit eine Steigerung der Arbeitsfreude der Lehrkräfte verbunden ist.« Um den noch kriegsbedingten Mangel an Anschauungsmaterial zu kompensieren, überlegte man sich, »[…] eine Reihe von Wandbildern im Lichtpausverfahren zur Überbrückung des augenscheinlichen Mangels an Anschauungsmaterial [anzuschaffen]«. Das Schulle- 227 Information entnommen aus: Archivalie vom 30. Juni 1948, einer sechsseitigen Bestandsaufnahme des Schulwesens in Buchen-Walldürn, GL A- Bestand 481 Nr. 1656, wie auch aus: Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 42. 228 Siehe auch GLK-Protokoll vom 6.3.1948. Geschichte der Buchener Gewerbeschule 59 ben sollte auch nach Prinzipien der Transparenz und Verfolgbarkeit logisch und in Zusammenarbeit mit dem ganzen Kollegium organisiert werden. Man wünschte sich eine »übersichtliche Registratur mit Hängeordnern für die Aufnahme von Personalakten, Lehrgängen und Stoffplänen, lichtpausfähigen Lehrgängen etc.«. Insgesamt schließt die Bestandsaufnahme mit folgenden Worten und einem verheißungsvollen Ausblick in die Nachkriegsjahre: »Zusammenfassend ist die Schulleitung der Auffassung, daß die Neuorganisation der Gewerbeschulen des Landkreises einen bedeutenden Fortschritt in der Entwicklung der Gewerbeschulen dieses Gebietes darstellt und daß ein weiterer systematischer Ausbau der jetzt geschaffenen Schulen diese in die Lage versetzt, den gesteigerten Anforderungen auf dem Gebiete der Lehrlingsausbildung gerecht zu werden. […] Sollte es gelingen (auf dem Weg über den Verband der nordbadischen Lehrkräfte) den Kreis der rückhaltlos zusammenarbeitenden Schulen zunächst des ›Frankenlandes‹ und dann ebenso der gesamten Badischen Gewerbeschule zu erreichen, dann wird diese in kürzester Zeit die heutige Notlage überwunden haben und allgemein befruchtend auf die Erziehung der gesamten deutschen Jugend wirken können.« Die Bildung der Fachklassen bzw. auch Fachgruppenklassen wurde auch vonseiten der handwerklichen Organisationen im Kreis Buchen begrüßt. So schreibt der Vorsitzende der Kreishandwerkschaft Buchen hierzu im Jahr 1949: »Besonders wird von uns [ Anm.: der Kreishandwerkschaft Buchen] die Einrichtung von reinen Fachklassen begrüßt, wodurch ein seither bestehender Rückstand gegenüber den Großstadtschulen verschwindet.«229 Zum gegenwärtigen Stand des Handwerks in den Nachkriegsjahren und zum Verhältnis zwischen der Gewerbeschule und den regionalen handwerklichen Institutionen hält Stalf aufschlussreich fest:230 »Die Handwerker in unserem Landkreis sind überwiegend Klein- und Kleinstbetriebe, d. h. Alleinmeister oder solche mit 1 bis 2 Lehrlingen. Vielfach stehen sie durch die Art ihres Gewerbes in engster Verbindung mit dem größten Berufsstand des Kreises, der Landwirtschaft. Sie betreiben oft selbst noch eine kleine Landwirtschaft, oder besitzen wenigstens Grundstücke, durch die sie gleich dem Bauern, mit der Heimat verwurzelt sind. Ungefähr 1800 Handwerksbetriebe setzen sich aus etwa 40 verschiedenen Berufen zusammen. 17 Handwerkszweige sind es, die in größerer Zahl im Landkreis vertreten und in Innungen organisiert sind, die den Kreis umfassen. Diese Innungen haben zusammen 1525 Mitglieder mit ca. 800 Gesellen, 669 Lehrlingen und 18 Umschülern. Bei den übrigen Berufen erstrecken sich, je nach ihrer Stärke, die Innungen auf mehrere Kreise oder auch auf das ganze Land. Die Vertretung des Gesamthandwerks des Kreises liegt bei der Kreishandwerkschaft. Sie ist vor allem deren Willensträger gegenüber dem Landrat und hat durch Gutachten und Auskünfte die Behörde zu unterstützen. Außerdem führt sie die Geschäfte für die 17 angeschlossenen Innungen und die Lehrlingsrolle im Auftrag der Handwerkskammer. Anordnungen der Behörde und der Kammer leitet sie weiter an die Innungen oder einzelne Interessen- 229 Siehe Ausstellungsführer des Verbandes zur Förderung von Kultur und Wirtschaft im Landkreis Buchen anlässlich der Heimattage 1949 in Buchen/ Odenw., Buchen 1949, S. 10. 230 Ebd. Die Quelle wurde hier in Gänze transkribiert, um dieses wohl nur singulär vorhandene Zeitzeugnis festzuhalten. Nach den Kriegsjahren – die Bezirksgewerbeschule wird zur Zentralgewerbeschule 60 ten des Handwerks. Da der Kreishandwerksmeister gleichzeitig Vorstandsmitglied der Handwerkskammer ist, kann in allen handwerklichen Fragen Auskunft erteilt werden. Im Frühjahr und Herbst jeden Jahres fordert die Kreishandwerkerschaft auf Grund der Lehrlingsrolle die Lehrlinge, welche ihre Lehrzeit beendet haben, zur Gesellenprüfung auf. Die Gesellenprüfungen werden von den Prüfungsausschüssen der Innungen abgenommen. Im Frühjahr 1949 waren es 148 Prüflinge, zur Herbstprüfung haben auch 138 Lehrlinge gemeldet. Meisterprüfungen werden einmal im Jahr durch vom Landesgewerbeamt bestellte Prüfungskommissionen durchgeführt. 61 Junghandwerker unseres Kreises haben sich 1948 mit Erfolg der Meisterprüfung unterzogen. Als Vorbereitung zur Meisterprüfung werden an den Gewerbeschulen Kurse abgehalten. In diesem Zusammenhang sei auch bemerkt, daß zwischen den Gewerbeschulen und den handwerklichen Organisationen bestes Einvernehmen und Zusammenarbeit besteht. Besonders wird von uns die Einrichtung von reinen Fachklassen begrüßt, wodurch ein seither bestehender Rückstand gegen- über den Großstadtschulen verschwindet. Die Förderung des handwerklichen Nachwuchses wird als eine unserer dringendsten Aufgaben erkannt und mit allen Mitteln unterstützt. Den Heimattagen des Landkreises Buchen mit seinen Ausstellungen wünschen wir vollen Erfolg und bitten alle Besucher um Nachsicht, wenn sie vom Handwerk nicht alles finden, was sie erwarten. Die wirtschaftliche Not ist hier besonders groß. Der Handwerker hat zu jeder Zeit, auch vor der Währungsreform, gearbeitet, sein Material verschafft und das nicht mehr hereingebracht, was er hinausgab. Warenhortungen waren hier nicht möglich. Am 21. Juni 1948 standen die meisten Handwerker vor einem Nichts und mußten wieder ganz von vorne anfangen, was sie heute noch belastet. Haben Sie Vertrauen zu Ihren Handwerkern! Auch das Handwerk hat sich und seine Betriebe den technischen und wirtschaftlichen Erfordernissen der neuen Zeit angepaßt. Fördert das Handwerk! Als das deutsche Handwerk blühte, blühte deutsches Land!« Abgesehen von den Friseuren, Elektrikern und den Kraftfahrzeughandwerkern besuchten alle Lehrlinge anderer Berufe auch nach 1947 noch die Gewerbeschulen in Adelsheim231, Mudau232, Hardheim233 und Eubigheim, je nach Einzugsgebiet dieser Schulen. Die Schule in Eubigheim sollte dann aber im Jahr 1948 aufgelöst werden, wie ein Artikel aus den Fränkischen Nachrichten vom 29. September 1948 mit dem Titel »Gewerbeschule wird aufgelöst« für die Gemeinde Eubigheim berichtet:234 »Die hiesige Gewerbeschule [ Anm.: in Eubigheim], die im April vorigen Jahres wieder eröffnet worden war, dürfte nun, nachdem zwischen Bürgermeister und Handwerksmeister darüber beraten wurde, aufgelöst werden. Ihre Schüler sollen in Zukunft in Buchen und Adelsheim ihre Ausbildung in Fachklassen (das sog. Fachklassenprinzip) erhalten. Die Schüler der hiesigen Gewerbeschule hatten in einer sehr gut besuchten Ausstellung im Gewerbesaal Lehrlingsstücke gezeigt, die fast durchweg die Qualität von Gesellenstücken besa- ßen. Schulleiter Keßler hatte an der hiesigen 231 Auch in Adelsheim war der Fachklassenunterricht möglich. Dort gab es zwei Berufsschullehrer. 232 Zum Zeitpunkt Juni 1948 stand die Schließung der Gewerbeschule Mudau bereits fest. 233 In Hardheim konnte ab dato durch die Zuweisung einer weiteren Lehrkraft auch der Unterricht in Fachklassen erfolgen. 234 Siehe Fränkische Nachrichten vom 29.9.1948, eingesehen im Archiv der Fränkischen Nachrichten in Tauberbischofsheim. Geschichte der Buchener Gewerbeschule 61 Schule altersmäßig gestufte Mischklassen unterrichtet, nachdem sich die Einteilung in Fachklassen als undurchführbar erwiesen hatte. Trotz der erzielten Resultate bestehen bei dem geplanten Fachklassenunterricht in Zentralschulen die Möglichkeiten zur gründlichen Spezialausbildung. Allerdings werden viele Lehrlinge einen langen Schulweg in Kauf nehmen müssen.« Die seit 1947 andauernde »Probephase« einer Zentralgewerbeschule in Buchen wurde mit dem Erlass Nr. D 6475 vom 18. August 1949 als dauerhafte Entwicklung verankert, womit alle Gewerbeschulen des Landkreises Buchen sowohl dienstlich als auch verwaltungsmäßig der Zentralgewerbeschule Buchen unterstellt und der Direktor derselben auch als Dienstvorgesetzter gegen- über allen anderen Schulleitern bestimmt worden waren.235 Damit wird Buchen-Walldürn zur, wie im Erlass bezeichnet, »Kernschule«. Die Schülerzahl wurde derzeit mit ca. 1 150 Schülern angegeben.236 Schulleiter Friedrich Krust wurde im März 1949 als Regierungsschulrat an die Landesbezirksdirektion für Kultus und Unterricht nach Karlsruhe berufen bzw. befördert – eine Entwicklung, die in seiner beruflichen Karriere 1960 in der Stelle eines Regierungsschuldirektors und Leiter der Abteilung U IV für berufliche Schulen mündete.237 Nachfolger sollte Studienrat Alfons Willax werden, der ab 1950 die Geschicke der ZGB leitete. Derzeit gab es in Buchen 239 Schüler, in Walldürn 329.238 Willax verfasste auch die erste kurze Abhandlung zur 100-jährigen Jubiläumsfeier der Schule, 235 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 42. 236 Siehe Willax, 100 Jahre, 1949, S. 8. 237 Siehe Brötel, 150 Jahre 1997, S. 43. 238 Ebd. die im Jahr 1949 schließlich mit zwei Jahren Verspätung im Rahmen der Buchener Heimattage vom 17. bis 18. September stattfand und feierlich in der Schützenhalle er- öffnet wurde.239 Bürgermeister Dr. Schmitt begrüßte das interessierte Publikum zu den Heimattagen, in dessen Rahmen neben dem Jubiläum der Schule auch eine Kreisgewerbeschau präsentiert wurde. Künftiger Direktor Willax hielt den Eröffnungsvortrag »100 Jahre Gewerbeschule Buchen«. Hiernach eröffnete Landrat Schmerbeck die » Ausstellungen im Gebäude der Volks- und Gewerbeschule (Kirchplatz), im Wimpinasaal (Kirchplatz) und auf dem Ausstellungsgelände an der Bödigheimerstraße (ehem. R AD-Gelände240)«. Es erfolgte auch eine »Besichtigung des Einfamilienhauses Nr. 6 der Siedlung der Baugenossenschaft ,Neue Heimat‹ oberhalb des Gaswerks«.241 Weitere Programmpunkte des Wochenendes waren am Samstag, dem Eröffnungstag, eine Handwerker-Obermeistertagung, ein Treffen ehemaliger Schüler des Realgymnasiums Buchen sowie abschließend Tanz und gemütliches Beisammensein. Am Sonntag gab es den »Tag des Sports«, welcher mit Leichtathletikwettkämpfen und einer Landesgeflügelzuchtausstellung begann und schließlich um 13 Uhr in die feierliche Er- öffnung des Schützenmarktes mündete. Am Montag, 19. September wurde dem Volk dann noch ein einzelner weiterer Programmpunkt geboten: um 15 Uhr ein sog. » Allgemeiner Tanz« in der Schützenhalle. 239 Das Programm der Heimattage ist dem Ausstellungsführer des Verbandes zur Förderung von Kultur und Wirtschaft im Landkreis Buchen anlässlich der Heimattage 1949 in Buchen/Odenw., Buchen 1949, S. 3, entnommen. 240 R AD-Gelände = Reichsarbeitsdienst-Gelände. 241 Beide Sätze wurden gemäß des Ausstellungsführers zitiert. Nach den Kriegsjahren – die Bezirksgewerbeschule wird zur Zentralgewerbeschule 62 Abb. 8: Gewerbeschule Herrenschneider Abb. 9: Gewerbeschule Elektrowerkstatt Abb. 10: Gewerbeschule Friseur Abb. 11: Gewerbeschule Gipser Geschichte der Buchener Gewerbeschule 63 Abb. 12: Gewerbeschule Maler Abb. 13: Gewerbeschule Maurer Abb. 14: Gewerbeschule Maschinenkurs Holz Nach den Kriegsjahren – die Bezirksgewerbeschule wird zur Zentralgewerbeschule 64 Abb. 15: Gewerbeschule Vorlehre Metall Abb. 16: Gewerbeschule Zimmerleute Geschichte der Buchener Gewerbeschule 65 Aufschwung ab den 1950er-Jahren Berufe an der Gewerbeschule Die Abbildungen 8 bis 16 zeigen etliche der an der Gewerbeschule vertretene Ausbildungsberufe. Das Fotomaterial entstand im Zuge der Neubaumaßnahmen des A-Gebäudes und entstammt dem Besitz der Schule. III. 7) Aufschwung ab den 1950er-Jahren Die administrativen Geschehnisse ließen die Schüleranzahl zunehmen, wobei man 1950 immer noch in den Gebäuden aus der Zeit vor dem Krieg untergebracht war. In Buchen war dies das Dachgeschoss des 1978 zum heutigen Rathaus umgebauten Gebäudes. Die Veränderung der räumlichen Gegebenheiten sollte sich bereits 1953 mit der Errichtung des heutigen A-Gebäudes erfüllen, dessen Bau sich sehr rasch gestaltete, was zum einen dem »dringenden schulischen Bedürfnis« und der »Entlastung der angespannten Arbeitsmarktlage in dem Förderbezirk [Buchen]«« geschuldet war,242 zum anderen erst durch eine Darlehenszusage aus dem Landeswohlfahrtsfonds ermöglicht wurde. Der Ministerrat des Landeswohlfahrtsfonds hatte vor dem Hintergrund der »besondere[n] finanzielle[n] und wirtschaftliche[n] Notlage des Landkreises Buchen und in Anbetracht der Schwierigkeiten der Kapitalbeschaffung sich ausdrücklich damit einverstanden erklärt, dass eine einmalige Ausnahme von den haushaltsrechtlichen Bestimmungen bewilligt wird, sodass der 242 Siehe Archivalie vom 4. Juni 1951, GL A-Bestand 481 Nr. 1606 den Neubau einer Gewerbeschule Buchen betreffend; Bewilligung eines Darlehens. Badische Landeswohlfahrtsverband – Unterabteilung Berufsfürsorge für Schwerbehinderte – ermächtigt wird, dem Landkreis Buchen zur Finanzierung des Neubaus der Gewerbeschule ein Darlehen von 200.000 DM zu geben«.243 Die gesamte Finanzierungssumme wurde auf in etwa 1 250 000 DM kalkuliert, wobei diese Darlehenszusage beim Verband der Kriegsbeschädigten (VdK) erboste Reaktionen hervorrief. Der Landesvorsitzende Müller sah in dieser Darlehensverwendung keine Hilfe für die Kriegsversehrten und meinte, dass man den Betrag durchaus in Karlsruhe besser einsetzen könnte als zu diesem Schulneubau in Buchen. Sein Wortlaut aus dem Brief vom 15. August 1951 ans Arbeitsministerium Stuttgart, in welchem er »mit aller Schärfe Einspruch erhebt« gegen die 200 000 DM für den Schulhausneubau:244 » Anstatt nun die aus der Ablöse stammenden Mittel zum Wohnungsbau und zur Umsiedelung, also zur Berufsfürsorge für Schwerbeschädigte, zu verwenden, werden diese Beiträge entgegen den Bestimmungen des Gesetzes Nr. 96 zu anderen Zwecken verwendet. Vielen hunderten von Schwerbeschädigten könnten mit den angesammelten Mitteln, die in Karlsruhe vorhanden sind, Wohnungen beschafft und damit Arbeit gegeben werden, wenn man die Beschädigten in industriereichere Gegenden umsiedeln würde.« 243 Siehe Archivalie vom 20. Juni 1951, GL A-Bestand 481 Nr. 1606, den Neubau einer Gewerbeschule in Buchen betreffend. 244 Siehe Archivalie vom 15. August 1951, GL A-Bestand 481 Nr. 1606. 66 Diesem Einwurf des VdK gab die Landesbezirksdirektion am 19. September 1951 folgende Antwort:245 »Im übrigen ist durch diese Darlehenszusage weder eine Entziehung der Mittel des Landeswohlfahrtsfonds, in den die Ablösungsbeträge, welche die Industrie nach dem Schwerbeschädigtengesetz von 1923 und dem Ergänzungsgesetz Nr. 96 vom Jahre 1947 sowie der Durchführungsverordnung Nr. 920 vom Jahre 1948 zu bezahlen hat, fliessen, gegenüber der Schwerbeschädigtenfürsorge beabsichtigt noch tatsächlich zu erwarten; denn nach den obengenannten Bedingungen der Darlehensgewinnung wird das Darlehen von der Landkreisselbstverwaltung Buchen mit 4 % verzinst. Die Zinsbeträge fliessen selbstverständlich wiederum in den Landeswohlfahrtsfonds. Da die Landeshauptkasse bezw. die Staatsschuldenverwaltung für die im Landeswohlfahrtsfonds zusammenfliessenden Beträge nur 1 % Zins zu unseren Gunsten zahlt und das Darlehen mit 12-monatlicher Kündigung jederzeit zurückgefordert werden kann, stellt die Darlehensgewährung an die Landkreisselbstverwaltung Buchen eine rücklagenähnliche, wirtschaftlich vorteilhafte Vermögensanlage dar, auf die im Bedarfsfall zu Gunsten der Schwerbeschädigtenfürsorge jederzeit zurückgegriffen werden kann.« Alle Bedenken und Einwände dürften mit diesem Schreiben vom Tisch »gefegt« worden sein. So konnten die Bauarbeiten beginnen. Ab Schuljahr 1952/53 wurden auch die seit Jahrzehnten ersehnten Werkstätten eingerichtet: in Buchen für die Holz- und Bauberufe, in Walldürn für die Metall-, Elektro und Ausstattungsberufe. Damit konnten an 245 Siehe Archivalie vom 19.09.1951, GL A-Bestand 481 Nr. 1606. beiden Standorten die »Vorlehre für Holzberufe«246 sowie die »Vorlehre für Metallberufe«247 eingerichtet werden.248 Hierbei handelte es sich um eine einjährige Vollzeitausbildung, die quasi die Inhalte des 1. Lehrjahrs mit allen nötigen theoretischen und praktischen Kompetenzen vermittelte. Die beiden ersten Technischen Lehrer in Buchen wurden Hermann Müller (Maschinenbaumeister) und Rudolf Männig (Schreinermeister).249 In den 1950er-Jahren waren die Berufsschüler eigentlich ausschließlich Volksschulabgänger. Um dieser Gruppe auch einen Weg in Richtung Ingenieursschulen bzw. andere höhere Fachschulen eröffnen zu können, wurden schon seit Ende der 1940er-Jahre zunehmend Stimmen für die Einrichtung eines »zweiten Bildungsweges« laut, was dann eines der großen berufspädagogischen Themen der Zeit wurde.250 Man wollte den zweiten Bildungsweg251 bevorzugt als berufsbezogenen Bildungsgang einrichten, allerdings wurde der zunehmend zum »gymnasialen Nachholweg« und keine echte Alternative zum traditi- 246 Die »Vorlehre Holz« sollte aber 1955 wieder aufgelöst werden. 247 Die »Vorlehre Metall« sollte sich im Laufe der Zeit hin zur »Einjährigen Berufsfachschule Metall« entwickeln, die auch im Schuljahr 2018/19 noch existiert. 248 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 43. 249 Ebd. 250 Siehe Greinert, Erwerbsqualifizierung, 2015, S. 73. 251 Weiterführend zur Diskussion um den Ausbau des zweiten Bildungswegs, in dem die Berufsschule als »Drehscheibe« gelten sollte, siehe: Stratmann, Karlwilhelm: Die Berufsschule als »Drehscheib«» des beruflichen Bildungswesens. Zur berufsschulpolitischen Diskussion in der BPZ (1952–1965). Heinrich Abel zum 20. Todestag, in: Zeitschrift für Berufsund Wirtschaftspädagogik 81 (1985), S. 677–691. Geschichte der Buchener Gewerbeschule 67 onellen Gymnasium.252 Doch vor diesem Hintergrund ist es erklärbar, dass an der ZGB ab 1954 freiwillige Förderklassen bzw. ab 1957 Aufbaulehrgänge eingeführt worden sind,253 welche neben der Berufsausbildung immer jeden Samstag für fünf Unterrichtsstunden stattfanden, fünf Semester insgesamt umfassten und die Fächer Mathematik, Physik, Chemie, Deutsch, Geschichte und Erdkunde überspannten.254 Die Absolvierung dieses Extraunterrichts war eine Befähigung für den Besuch des 1. Fachsemesters einer Ingenieursschule 252 Siehe Greinert, Erwerbsqualifizierung, 2015, S. 73/74. 253 Siehe GLK-Protokoll vom 20. Juni 1953. 254 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 48. bzw. ein Zeitgewinn beim Besuch einer Berufsaufbauschule. Die nächstgelegenen Berufsaufbauschulen gab es in Heilbronn und Wertheim; eine Berufsaufbauschule in Mannheim wurde aufgrund der Entfernung von den Absolventen der ZGB eher nicht besucht. In einem feierlichen Akt konnte im Jahr 1953 das neue Schulgebäude der ZGB in Buchen, das heutige A-Gebäude, eingeweiht werden. Am 30. April 1953 gab es eine große Feierstunde, in deren Zuge nachfolgendes Bildmaterial entstanden ist. Abb. 17: Gewerbeschule von Norden Aufschwung ab den 1950er-Jahren 68 Abb. 18: Gewerbeschule Südostansicht Abb. 19: Gewerbeschule Haupteingang Geschichte der Buchener Gewerbeschule 69 Neue politische und gesetzliche Grundlagen ab 1952, dem Gründungsjahr Baden-Württembergs In Walldürn konnte drei Jahre später, am 7. November 1956, das neue Gebäude er- öffnet werden. Hier sollte dann auch die Handelslehranstalt, die heutige Frankenlandschule, untergebracht werden. An vielen Schulstandorten Baden-Württembergs erfolgten in den ersten Nachkriegsjahren Neubauten. Das berufsbildende Schulwesen erlangte einen ungeahnten Aufschwung und es wurden vielerorts respektable Schulhäuser errichtet. Manch einer sprach geradezu von »Gewerbeschulpalästen«.255 255 Siehe Grüner, Berufsschule, 1984, S. 16. III. 8) Neue politische und gesetzliche Grundlagen ab 1952, dem Gründungsjahr Baden-Württembergs Im Jahr 1952 kam es zur Gründung des Bundeslandes Baden-Württembergs und damit auch zu neuen gesetzlichen Grundlagen im Bereich des beruflichen Schulwesens. Durch die Handwerksordnung (HwO) von 1953 und dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) von 1969 trat der Staat als zentraler Akteur in der Berufsausbildung neben die Wirtschaft, vereinheitlichte dann auch rechtlich die Regelung zwischen dem Ausbildungsbetrieb als dem einen Lernort und der staatlichen Berufsschule als dem anderen Lernort. Im Wesentlichen entspricht dieses gegenwärtig immer noch als »duales System«256 bezeichnete Konstrukt der zugrunde liegenden Idee der Gewerbeschule im 19. Jahrhundert, also der Aufgabenverteilung zwischen Betrieb und Gewerbeschule; damals war es jedoch noch keine feststehende Begrifflichkeit wie heutzutage. So genießt das deutsche duale Ausbildungssystem heute durch die Kombination von theoretischem wie praktischem Lernen und Berufserfahrung international einen exzellenten Ruf. Das BBiG spricht nun nicht mehr von einem Lehrling, sondern von einem » Auszubildenden«, vulgo » Azubi«. Das Wort sollte sich von nun an fest im deut- 256 Die Wortschöpfung »duales System« geht nach allgemeiner Annahme wohl auf Heinrich Abel zurück. Siehe hierzu: Grüner, Berufsschule, 1984, S. 19, Fußnote 44: Heinrich Abel (1908–1965) war Professor für Berufspädagogik an der Technischen Hochschule Darmstadt. Er hat die berufsbildungspolitischen Diskussionen der 1950er- und 1960er-Jahre sehr beeinflusst. Den Begriff »duales System« gibt es demnach erst seit dem Jahr 1964. Abb. 20: Konferenzzimmer im A-Gebäude 70 schen Sprachgebrauch verankern. Mit dem BBiG »ging ein 50jähriger Traum in Erfüllung«257, nämlich der Wunsch nach gesetzlicher Regelung der gesamten Lehrlingsausbildung in Deutschland. Die Berufsschuldidaktik stand in diesen Jahren unter den Zielsetzungen: Vorbereitung der Berufsschüler auf realistische Aufgaben, Erkennen der individuellen politischen Verantwortung, humanistische Bildung und musisch-gesellige Empfänglichkeit sowie die Vermittlung einer religi- ösen Dimension.258 Es war die Tendenz, zu verspüren, dass auch in der Berufsschule mehr theoretisches Wissen vermittelt werden müsse, um einerseits eine Gleichwertigkeit gegenüber der allgemeinen Schule und gegenüber der Außenwelt deutlich zu machen, andererseits um aus den schrecklichen Kriegserfahrungen heraus auf die Entwicklung eines kritischen Kopfes und selbständigen Denkens Wert zu legen. In der ersten Gesamtlehrerkonferenz im neuen A-Gebäude am 16. Mai 1953 werden auch die sich verändernden Themenstellungen und Herausforderungen für Gewerbeschulen deutlich. Es gab klare Anweisungen für das Unterrichten politischer demokratischer Strukturen der Schüler im neugegründeten Baden-Württemberg im Fach Staatskunde wie auch für Bezeichnungsklärungen: Es bestand Vorsicht bei der Verwendung von Benennungen, die die neuen politischen Verhältnisse betrafen. So zum Beispiel »Ostzone«, »Sowjetzonenregierung«, »Deutsche Ostgebiete unter fremder Besatzung« 257 Siehe Grüner, Berufsschule, 1984, S. 22. 258 Siehe die Berufsschuldidaktik nach Fritz Blättner, 1947 veröffentlicht unter dem Titel »Menschenbildung und Beruf«. etc. Jeder Schüler solle eine Broschüre über die »Bundesrepublik Deutschland« erhalten. Die Spaltung der beiden deutschen Staaten wie auch die Gründung Baden-Württembergs zeichneten sich im schulischen Alltag deutlich ab. Am 10. Dezember des Jahres 1953 fand an der ZGB der »Tag der Menschenrechte« statt, zu Ehren der 1948 von den Vereinten Nationen erlassenen allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Hierbei wurden an die Schüler die entsprechenden Gesetzespassagen in Vervielfältigung ausgegeben.259 Jeder Lehrer erhielt dieser Tage auch ein Heft »Wissenswertes aus den US A« vom amerikanischen Konsulat.260 Von der derzeitigen Situation der Schülerzahl berichtet Brötel nach seinen Akteneinsichten: »Im Schuljahr 1955/56 besuchen 1180 Schüler in 51 Klassen die ZGB! Davon 486 Schüler (22 Klassen) in Buchen, 397 Schüler (17 Kl.) in Walldürn, 179 Schüler (8 Kl.) in Adelsheim, 119 Schüler (4 Kl.) in Hardheim.«261 Mudau als Schulort wurde 1955 aufgelöst. Im Jahr 1955 fand in Stuttgart die »Landesausstellung Baden-Württemberg« statt. Hierzu waren insbesondere Schüler der höheren Klassen willkommen. »Die Landesregierung wünscht vor allem den Besuch der Jugend ab der 7. Klasse, da die Ausstellung einen großen unterrichtlichen Wert aufweise. Durch Bereitstellung von stark verbilligten Sonderzügen sollte der Besuch ermöglicht werden. Zur Vorbereitung der teilnehmenden Schüler er- 259 Siehe GLK-Protokoll vom 12.12.1953. 260 Siehe GLK-Protokoll vom 3.4.1954. 261 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 45. Geschichte der Buchener Gewerbeschule 71 hielt jeder Lehrer eine kleine Schrift über die Ausstellung.«262 Man sieht hieran, dass die Identifikation mit der noch jungen Bundesrepublik besonders gefördert wurde. In einem Erlass des Jahres wurden die Lehrkräfte zu besonderer Aufmerksamkeit gegen die »Infiltration kommunistischen Schrifttums«, besonders auch in Schulbüchern aus der Ostzone, aufgefordert.263 Im Jahr 1957 wurde die Wiederanerkennung der Abschlussprüfung an Gewerbeschulen als schriftlicher Teil der Gesellenprüfung der Innungen beschlossen. 262 Siehe GLK-Protokoll vom 4.6.1955. 263 Siehe GLK-Protokoll vom 8.5.1955. »Ergänzend zum Rundschreiben 2/1957 vom 7.3.1957 teilt der Deutsche Verband der Gewerbelehrer – Landesverband Baden – im Rundschreiben 3/1957 vom 27.3.1957 mit, daß sich die Handwerkskammer von Baden-Württemberg über den zwischen Kultusministerium und Wirtschaftsministerium ausgearbeiteten Kompromissvorschlag geeinigt haben. Danach soll künftig die Gesellenprüfung aus 2 Teilen bestehen, einem praktischen und einem theoretischen. Letzterer soll in einen fachtheoretischen und einen allgemeintheoretischen Teil gegliedert sein, wobei für den allgemeintheoretischen Teil die Abschlußprüfung an Gewerbeschulen bis zur Note ›befriedigend‹ anerkannt wird.«264 264 Siehe GLK-Protokoll vom 24.4.1957. Abb. 21: Luftbild des Schulzentrums Ende der 1950er-Jahre Neue politische und gesetzliche Grundlagen ab 1952, dem Gründungsjahr Baden-Württembergs 72 Mit dem Erlass U IV 1067 wurde die an der Schulabteilung in Walldürn bestehende »Vorlehre Metall« für das Schuljahr 1959/60 in eine Berufsfachschule für das Metallgewerbe umgewandelt.265 Mit dem Erlass U 3112 vom 20. März 1962 wurde festgesetzt, dass die Zulassung der Absolventen der Technischen Oberschule auch zum Studium an der Technischen Hochschule Karlsruhe gültig ist.266 Im Jahr 1963 kam es im Landkreis Buchen mit dem Ruhestand von Gewerbeschulrat Heiner Hemberger im April 1963 zur Auf- 265 Siehe GLK-Protokoll vom 20.3.1959. 266 Siehe GLK-Protokoll vom 12.4.1962. lösung der Schulabteilung in Adelsheim.267 Die dortigen Schüler sollten von nun an auch in Buchen und Walldürn beschult werden. Nun hatte man nur noch drei Schulstandorte: Buchen, Walldürn und Hardheim, deren Organisation aber dennoch ein beachtliches Maß an Überblick verlangte. Gerade die stark schwankenden Schülerzahlen und die dadurch bedingte Raumfrage waren problematisch. Das neu gebaute A-Gebäude platzte schon kurz nach seiner Erbauung 267 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 49, sowie Kreisarchiv Mosbach die Archivalie C7/229: Besprechung über Berufsschulfragen am 11.10.1963. Hier heißt es durch Landrat Schmerbeck, dass man in Adelsheim aus Rücksichtnahme den Unterricht bis zur Pensionierung der Lehrkräfte so belassen habe. Der Weiterbestand in Hardheim sei aber aufgrund der geringen Schülerzahlen auf Dauer nicht vertretbar. Abb. 22a und b: Das Direktorenzimmer im A-Gebäude Mitte der 1950er-Jahre Geschichte der Buchener Gewerbeschule 73 wieder aus allen Nähten. Über Lehrermangel klagte man auch Mitte der 1960er-Jahre. So besagt der Erlass AV 1827: »Wegen des Lehrermangels werden pensionsberechtigte Lehrkräfte gebeten, auch nach Vollendung des 65. Lebensjahres ihren Dienst weiterhin zu versehen, sofern dies aus gesundheitlichen Gründen möglich ist.«268 Im Jahr 1965 erteilte der Kreistag, mit dem Landrat des Kreises Buchen Hugo Geisert, den Beschluss, die ZGB noch mehr zu erweitern,269 also einen weiteren Neubau anzustreben. Als Folge davon wollte man die Räumlichkeiten in Walldürn der dortigen Handelsschule übertreten und dann alles in Buchen an einem einzigen zentralen Standort vereinigen. Logische Konsequenz war dann auch, dass der Schulstandort Hardheim zum 31. Juli 1969 aufgehoben werden sollte. Der dortige Lehrer, Oberstudienrat Albert Katzenmaier ging praktischerweise auch seinerzeit in den Ruhestand.270 Ebenfalls verabschiedete sich Alfons Willax zum Ablauf des Schuljahres 1968/69 in den Ruhestand. Er lud im Kreissitzungssaal des Landratsamtes Buchen am 18. Juli 1969 zu einer Feierstunde ein.271 Nachfolger im Amt war von nun ab für das kommende Vierteljahrhundert Erhard Brötel. Der Beginn der Neubauarbeiten in Buchen vollzog sich 1970 und damit in einer Phase, in der auch die Kreisreform bevor- 268 Siehe GLK-Protokoll vom 11.12.1964. 269 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 50. 270 Ebd. 271 Es spielte bei dieser Feierstunde das Schülerorchester des Burghardt-Gymnasiums Buchen. stand,272 welche eine Zusammenlegung der Gewerbeschulen beider Landkreise in eine einzige Schulträgerschaft bedingte. Der Plan war, Schüler favorisiert zusammenzulegen und damit mehrzügige Jahrgangsfachklassen zu ermöglichen. So kam es zu größeren Schülerbewegungen, was für den einzelnen Schüler mitunter einen viel größeren Anfahrtsweg als zuvor bedeutete. Zwischen der ZGB und der Gewerbeschule Mosbach kam es schließlich zu folgendem Beschluss:273 Die Lehrlinge des Bauhauptgewerbes, Maler und Bauschlosser, werden aus beiden Landkreisen in Mosbach zusammengefasst. Die Lehrlinge der Berufe Schreiner, Holzmechaniker, Bäcker, Fleischer274, Fachverkäuferinnen der Bereiche Bäckerei und Fleischerei, Friseure und Textilberufe sollen an die ZGB kommen. Der Neubau, das heutige D-Gebäude, musste den neuen Anforderungen entgegenkommen, was mehrere Umplanungen noch während der Bauphase nach sich zog und letztlich zu einer Umplanung hin zur Vollunterkellerung und der Schaffung zusätzlicher Werkstattflächen führte, die man eingangs gar nicht angedacht hatte.275 Man errechnete sich den gesamten Raumbedarf der Schule aus der Annahme einer maximalen Schüleranzahl von 1 400 bis 1 500 Personen mit durchschnittlich 25 Schülern pro Klasse. Somit brauchte man durch 272 Siehe Kieser/Fuchs, Neckar – Odenwald – Bauland, 1980: Nach der Verwaltungsreform gibt es im dann errichteten Neckar-Odenwald-Kreis 27 Gemeinden. Er umfasst 112 580 Hektar mit derzeit 130 000 Einwohnern, davon 4,2 Prozent Ausländer. 273 Informationen über den Austausch entnommen aus: Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 51. 274 Vor dem BBiG war hier die Bezeichnung »Metzger« üblich. 275 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 51. Neue politische und gesetzliche Grundlagen ab 1952, dem Gründungsjahr Baden-Württembergs 74 den Neubau die räumlichen Gegebenheiten, um insgesamt mindestens 58 Klassen beschulen zu können, was 15 Räumen entsprach, da man pro Schulsaal vier Klassen beschulen konnte.276 Dazu bedurfte es weiterhin mindestens 7 Sammlungsräumen, eines Physiksaals für 60 Schüler, eines Vorbereitungsraums für die chemischen und physikalischen Ausstattungen, 6 Lehrerzimmern und eines Aufenthaltsraums für Schüler mit Kantine. Abzüglich der bereits vorhandenen Räume des A-Gebäudes benötigte man im Neubau folglich zusätzlich an die 1 578 Quadratmeter: 12 reguläre Räume (12 x 7 Meter), 2 kleine Räume (9 x 7 Meter), 1 Physiksaal (12 x 7 Meter), 2 Vorbereitungsräume (6 x 7 Meter), 4 Leh- 276 Berechnung entstammt der Archivalie: Kreisarchiv Mosbach C7/229. rerzimmer (6 x 7 Meter) und einen Aufenthaltsraum für Schüler. An Baukosten kalkulierte man inklusive der Werkstätten (mit 4 000 Quadratmetern) über 2 500 000 DM. Am 27. August 1976 konnte der Neubau schließlich eingeweiht werden mit einer groß angelegten Feierstunde und alle Honoratioren von nah und fern wurden hierzu eingeladen. Im Bereich der Schreiner und Fleischer gaben die Schreiner- und Fleischerinnung hohe Eigenmittel zu, durften die Einrichtung dann aber auch zu Innungszwecken als überbetriebliche Ausbildungsstätte verwenden.277 Das Landesgewerbeamt bezuschusste ebenfalls die Einrichtung dieser Abteilungen.278 Architekt des Neubaugebäudes war Dipl-Ing. Rolf Ackermann 277 Siehe Brötel, 150 Jahre, 1997, S. 53. 278 Ebd. Abb. 23: Umzug des Maschinenparks 1974 von Walldürn nach Buchen in Eigenregie der Lehrkräfte Geschichte der Buchener Gewerbeschule 75 Abb. 24: Honoratioren erkundigen sich nach dem Stand der Bauarbeiten Abb. 25: Gebäude D mit dem Brunnen im Vordergrund Neue politische und gesetzliche Grundlagen ab 1952, dem Gründungsjahr Baden-Württembergs 76 aus Mosbach, der sich mit seiner Kombination aus niedriger Deckenhöhe und abgesenktem Boden in der Aula, der Verwendung von viel Beton – auch im Rahmen der Bodenverkleidung mit Waschbeton- Kiesel-Platten – und dem quadratisch praktischen Bau ganz dem Geschmack der Zeit verschrieb. Das Kollegium vollzog den Umzug in das neue Gebäude in gemeinschaftlicher Aktion in der letzten Sommerferienwoche, siehe Abbildungen 24 und 25 zum Neubau des D-Gebäudes. Fast zeitgleich mit der Neubauinbetriebnahme wurde in Baden-Württemberg ein neues Schulgesetz verabschiedet, welches am 1. August 1976 in Kraft trat und das berufliche Schulwesen in seiner Wertigkeit ganz besonders heraushebt. Es ebnete damit auch den Weg für die zukünftige Etablierung verschiedener Schultypen:279 »Die Erkenntnis, daß bildungspolitische Entscheidungen von heute gleichbedeutend sind mit gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Entscheidungen für morgen, gilt in besonderer Weise für die berufliche Bildung […]. Die berufliche Bildung ist deshalb ein gesellschafts- und wirtschaftspolitischer Faktor ersten Ranges […]. In Baden-Württemberg werden frühzeitig die Weichen für eine Weiterführung der allgemeinen Bildungsgänge im Bereich der beruflichen Schulen gestellt und damit dem Verfassungsauftrag des Artikel 11 LV entsprochen, jedem jungen Menschen eine seiner Begabung und seine Neigungen entsprechende Ausbildung zu gewährleisten.« 279 Zitiert nach : Brötel, 150 Jahre 1997, S. 53. III. 9) Die Phase der Expansion – neue Schularten ab den 1970er-Jahren Eine Reihe an neuartigen speziellen Schulsparten wurde ab den 1970er-Jahren neben dem Typus Berufsschule sowohl in Baden- Württemberg als auch im gesamten Bundesgebiet eingerichtet, was die gesellschaftlich geforderte und benötigte Vielfalt an berufsbezogenen Schulgängen recht gut verdeutlicht. So verwandelten sich die nach dem Krieg als Berufsschule begonnenen Schulen immer mehr hin zu ganzen Schulzentren bzw. Berufsbildungszentren. Die Namen sind berechtigt und durchaus verständlich ist, dass man nicht mehr »nur« von dem Typ Berufsschule sprechen möchte, schon gar nicht, wenn dieser als Totum pro parte für alle sich in den neuen gewerblichen Bildungszentren befindlichen Schultypen verwendet wird. Auch an der ZGB begann ab den 1970ern eine Zeit permanenter Expansion, die erst nach der Jahrtausendwende ihren Abschluss finden sollte. Viele verschiedene Schularten und eine stetig steigende Schülerzahl kennzeichneten von nun ab die Entwicklung der Schule und bestätigten die zentrale Stellung der ZGB im Landkreis als eine Schule, die jedem einzelnen Schüler gerecht wird, indem sie einen schulischen Anschluss ermöglicht, der zu höherer Bildung qualifizieren kann. Zum Schuljahr 1971 wurde die ZGB als »Elektronik-Schule« anerkannt.280 Sie durfte von da ab Elektronik-Pässe ausstellen. Das Heinz-Piest-Institut281 hatte den Elektro- 280 Siehe GLK-Protokoll vom 25.5.1971. 281 Das Heinz-Piest-Institut (HPI) für Handwerkstechnik war an der Universität Hannover eingegliedert. Geschichte der Buchener Gewerbeschule 77 Die Phase der Expansion – neue Schularten ab den 1970er-Jahren nik-Pass im Jahr 1969 als bundeseinheitliches Fortbildungssystem für Handwerksberufe konzipiert. Die ZGB ist damit eine von bundesweit 200 Schulungsstätten, welche diese kostenpflichtige Fortbildung durchführen darf. Das Jahr 1972 war an der ZGB geprägt von der Einführung der Zweijährigen Berufsfachschule mit der Fachrichtung Metall. Diese Schulart sollte sich zu einer wichtigen Stütze für die ZGB entwickeln, an der die Absolventen der umliegenden Hauptschulen reges Interesse fanden. Seit der Einführung des 9. Schuljahres als Pflichtschuljahr in Baden-Württemberg282 konnte die Berufsfachschule nur noch hiernach im Anschluss besucht werden. Vorher konnte man das 9. Schuljahr noch durch den Besuch der Berufsfachschule ersetzen, dem war ab dann nicht mehr so. Es kamen im Zuge dieser neuen Schulart nun auch etliche neue Kollegen, vornehmlich aus der Allgemeinbildung, an die Schule, die aber auch an der Hauswirtschaftlichen Schule eingesetzt werden sollten. Im Schuljahr 1973/74 wurden stolze fünf neue Lehrkräfte vom Oberschulamt angekündigt.283 Bereits 1971 zum Antrag gestellt, wurde 1973 die Einjährige Berufsfachschule Körperpflege an der ZGB etabliert, im Folgejahr zudem die Einjährige Berufsfachschule Holztechnik. In beiden Bereichen werden durch diese Schulart für das jeweilige Berufsfeld grundlegende Kenntnisse, die Inhalte des ersten Lehrjahres, unterrichtet, welche in einem Lehrvertrag dann anerkannt werden können. Im Schuljahr 1975/76 begann keine neue Schulart. Dafür 282 Siehe Erlass U IV 1137 vom 4.4.1966. 283 Siehe GLK-Protokoll vom 29.6.1973. stand die Erwachsenenbildung in Form von Kursen im Vordergrund.284 1976 wurde die Berufsfachschule für Jungarbeiter und die Einjährige Berufsfachschule Elektrotechnik gegründet. Im Jahr 1980 folgte dann die Einjährige Berufsfachschule Metalltechnik mit Schwerpunkt Fahrzeugtechnik. Die Bestrebung, dass ab 1980/81 ein Berufskolleg zustande kommt, wurde vorerst zurückgestellt.285 In diesen Tagen ereignete sich auch die Umstellung der Lehrpläne hin zu »Lernzielorientierten Lehrplänen«. Von 1972 an hatte man bisher einen »Rahmenstofflehrplan«, den es nun umzustellen galt.286 Diese neuen Lehrpläne sind wesentlich umfangreicher und detaillierter. Die Lehrplaneinheiten sind in drei didaktische Kategorien unterteilt: Ziele, Inhalte und Hinweise. Es werden neuerdings die gewünschten didaktischen Schwerpunkte aufgeführt, ebenso Zeitrichtwerte der einzelnen Themen und auch methodische Hinweise für den Lehrer. Damit wird eine bessere Orientierung für Lehrer, Schüler, Eltern und Ausbilder gewährleistet. Auch stellt dies eine bessere Grundlage für gerechtere und chancengleichere Prüfungsaufgaben dar, die in der Folge eine standardisiertere Ausbildungsbzw. Bildungsqualität mit sich brachte. In der Umsetzung des neuen Lehrplanes stehen konsequenterweise eine komplette Neuerstellung aller Stoffverteilungspläne an. Aus den Grobzielen des Lehrplanes müssen nun für jede Lehreinheit die Feinziele abgeleitet und übersichtlich dargestellt werden. 284 Siehe GLK-Protokoll vom 27.6.1975. 285 Siehe GLK-Protokoll vom 18.4.1980. 286 Siehe Vortrag des Referenten StD Meier, aufgeführt im GLK-Protokoll vom 1.7.1980. 78 Die Karl-Tschamber-Straße wird dieser Tage bis zum Schafstallweg durchgebaut. All die Jahre am Rande der Stadt liegend, wird die Lage der ZGB zunehmend zentraler. Im Schuljahr 1981/82 nahm Wolfgang Schäfer, ab 1992 promoviert und späterer stellvertretender Schulleiter, seinen Dienst an der ZGB auf.287 Ab dem neuen Schuljahr 1981/82 wurde gemäß dem neuen Schulgesetz anstelle der Jungarbeiterklasse das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) eingeführt.288 Der erfolgreiche Abschluss dieser Schulart enthält den Hauptschulabschluss. Nach der Ausgabe von Kultus & Unterricht Nr. 25/81 solle auch bis zum 15. Januar des Jahres 1982 je eine Lehrkraft pro Schule benannt werden, die sich bei Drogenfragen auskennt bzw. sich in diesem Bereich weiterbilden möchte, um den Schülern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Großstädtische Probleme werfen ihre Schatten voraus.289 Das Gründungsdatum des Fördervereins sollte auch in diesem Schuljahr liegen. Am 30. Juni 1982, mit 35 anwesenden Personen, wurde der Entschluss hierzu gefasst, sodass die Anmeldung zur Eintragung in das Vereinsregister schon bald, am 13.8.1982, erfolgen konnte.290 Der Ausspruch Brötels sollte auf viele weitere Jahre des Fördervereins vorauswirken, indem er zur Gründung konstatierte: »Das Kind ist geboren, aber es liegt noch nackt und bloß in der Krippe. Jetzt geht es darum, für Stroh und Bekleidung zu sorgen.« Über den Förderverein sollten in der Folgezeit viele Firmenkurse laufen, Weiterbildungen im Rahmen der 287 Siehe GLK-Protokoll vom 21.1.1981. 288 Siehe GLK-Protokoll vom 11.12.1981. 289 Siehe GLK-Protokoll vom 11.12.1981. 290 Siehe GLK-Protokoll vom 23.3.1982. neuesten technischen Erfordernisse, aber auch Sprachkurse wie Technisches Englisch; des Weiteren von Gerald Wanke initiierte C AD-Kurse und auch CNC-Kurse, um die neuen Technologien voranzutreiben. Die meisten Unterrichtsstunden aber bilden die Meistervorbereitungskurse. In Baden werden die Meisterkurse durch Fördervereine organisiert, in Württemberg sind hierfür die Handwerkskammern zuständig. Das durch den Förderverein erwirtschaftete Geld kommt der Schule zugute. Aus diesen Mitteln werden Lernmittel wie zum Beispiel Maschinen angeschafft, die der Schulträger, d. h. der Landkreis bei manch angespannter Finanzsituation nicht in der Lage ist anzuschaffen. Die Mitgliedschaft im Förderverein der ZGB war zu Beginn ohne Mitgliedsbeitrag, mittlerweile liegt er bei zehn Euro. Vor der Existenz des Fördervereins wurden derartige Kurse über die Volkshochschule (VHS) abgewickelt, die dann aber auch den Geldüberschuss vereinnahmte. Der Förderverein hatte und hat aber nicht nur monetären Mehrwert für die Schule, sondern wurde hierdurch auch eine Plattform zur Kontaktpflege geboten. Teilnehmer, die sich selbstständig machen wollten, konnten wichtige Kontakte zu Betrieben knüpfen. Man darf den Förderverein mit Recht als »Dienstleister für die Betriebe«291 bezeichnen, der im Prinzip die alte Idee der Gewerbeschule lebt, dass durch angebotene Kurse das Handwerk und die Industrie in der Region gestärkt werden soll.292 Für Fortbildungswillige hat der Förderverein 291 Ausspruch Dipl-Ing. Wolfgang Seifert. 292 Informationen entnommen aus: Artikel von Martin Strittmatter zum 30-jährigen Jubiläum des Fördervereins 2012, Privatquelle. Geschichte der Buchener Gewerbeschule 79 insofern einen großen Stellenwert, um sich den stetig wandelnden Anfordernissen der Berufswelt anzupassen. Bis zum 30-jährigen Bestehen des Vereins im Jahr 2012 wurden 53 000 Unterrichtsstunden über den Förderverein gehalten, an denen über 4 600 Personen teilgenommen haben. Im Jahr 1983 lief das Einjährige Berufskolleg Technik an der ZGB an, was zum Erwerb der Fachhochschulreife führt. Der Hintergrund des Gründungsbestrebens dieser neuen Schulart liegt in einer veränderten Prüfungsmodalität. » Ab dem Schuljahr 1983/84 ist der Erwerb der Fachhochschulreife an allgemeinen und beruflichen Gymnasien nicht mehr möglich und ab ebenfalls 83/84 finden an Fachhochschulen keine Vorsemester mehr statt. Das bedeutet, daß die FH-Reife künftig nur noch über 1, 2 oder 3jährige Berufskollegs erreicht werden kann, diese dann aber bundeseinheitlich anerkannt wird.«293 Diese Maßnahme ist natürlich eine Aufwertung der ZGB und damit gewissermaßen ein Schritt zurück zur alten Gewerbeschulidee der Weimarer Zeit. In der Schulkonferenz vom 9. November 1982 wurde dann der Einrichtung eines Einjährigen Berufskollegs mit der Fachrichtung Technik zugestimmt. Im gleichen Zuge entschied man sich gegen die Einrichtung eines 3-jährigen Berufskollegs, was stellenweise auch zur Diskussion stand. Der Kreistag beriet und stimmte dieser Bestrebung schließlich am 22.12.1982 zu.294 Im Jahr 1984 gewann die Klasse 2BFM1 bei einem Aufsatzwettbewerb mit dem 293 Zitat Brötel in der GLK vom 15.10.1982. 294 Siehe GLK-Protokoll vom 9.11.1982. Siehe auch den Erlass UIV 032.72 MOS/25. Schreibanlass »Osteuropäische Themen« den ersten Preis: eine Fahrt an die Zonengrenze. Monika Weigand-Stubenvoll,295 Initiatorin und Fachlehrerin, leitete die Fahrt. Nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl im April 1986 hätte eine solche Fahrt in Richtung Osten wohl nicht mehr so stattgefunden, wäre sogar in bestimmten Fällen untersagt worden. Im Erlass OS A 6502. 9/1 wurde nach der Katastrophe im Juni des Jahres 1986 bestimmt: »Der Reisestopp für Schulklassen in die DDR aufgrund des Reaktorunfalls in der Sowjetunion ist aufgehoben. Reisen in andere Länder des Ostblocks (z. B. Prag) erst dann, wenn gesicherte Ergebnisse über den Rückgang der Kontamination vorliegen.«296 Im Jahr 1987 sollte dann den neuen Entwicklungen im Bereich des Computers Rechnung getragen werden und an der ZGB wurde das Fach Informatik am Berufskolleg eingeführt.297 Auch die technische Ausstattung im Bereich der Telefonanlagen sollte sich in diesem Jahre modernisieren. »Demnächst erhält die Schule eine neue erweiterte Telefonanlage«, heißt es in einer GLK. Das Besondere an ihr wird sein, dass »häufig benötigte Anschlüsse […] dann ohne Vermittlung des Sekretariats direkt angewählt werden [können]«.298 Ab dem Schuljahr 1988 richtet man Deutschkurse für die Schüler deutscher Aussiedler ein.299 Die große Anzahl der jugend- 295 Siehe Zeitzeugenbericht Monika Weigand-Stubenvoll im Anhang des Buches. 296 Siehe GLK-Protokoll vom 2.6.1986. 297 Siehe GLK-Protokoll vom 25.2.1987. 298 Siehe GLK-Protokoll vom 11.12.1987, doch es wird gleich festgestellt: »Während des Unterrichts darf nicht telefoniert werden. Gespräche sollen auf das Nötigste beschränkt werden.« 299 Siehe GLK-Protokoll vom 26.9.1988. Die Phase der Expansion – neue Schularten ab den 1970er-Jahren 80 lichen Aussiedler, die Mitte der 1990er-Jahre aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion nach Buchen kamen, wurden im Rahmen der BVJ-Klassen beschult, um ihnen innerhalb eines Schuljahres die nötigen Sprachkenntnisse zu vermitteln. Hiernach schloss sich bei den meisten Lebensläufen ein Ausbildungsvertrag in einem hiesigen Handwerksbetrieb oder Unternehmen an, was für den ein oder anderen ein großes Karrieresprungbrett darstellte und die Integration in die Region förderte.300 Im Jahr 1989 wird der ZGB ein Versetzungsgesuch des ehemaligen Schülers und späteren Schulleiters Konrad Trabold vorgelegt.301 Dieser Tagen sind aber keine Ver- änderungen des Kollegiums geplant bzw. möglich.302 Es zeichnet sich ein schleichender Schülerrückgang ab, dem man durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, zum Beispiel in Form eines »Tags der offenen Tür« (1988), diverser Ausstellungen (zum Beispiel vom 3. bis 8. Oktober 1989 an der Frankenlandschule in Walldürn, um die Einjährige und Zweijährige Berufsfachschule vorzustellen) und von Berufsinformationstagen (zum Beispiel an der Volksbank Franken vom 17. bis 19. Oktober 1989 mit einem Informationstisch und Beratungsangeboten), begegnen wollte.303 Recht zu Beginn der 1990er-Jahre kamen Bestrebungen auf, an der ZGB eine Technikerschule zu gründen:304 300 Siehe hierzu den Bericht von Anatoli Brishatjuk in Kapitel V. 301 Siehe GLK-Protokoll vom 4.7.1989. 302 Konrad Trabold sollte aber dennoch recht bald, ab dem Schuljahr 1989/90. als neuer Kollege an der ZGB willkommen geheißen werden, s. GLK-Protokoll vom 21.8.1989. 303 Siehe GLK-Protokoll vom 4.7.1989. 304 Siehe GLK-Protokoll vom 17.12.1990. »In Zusammenhang mit der ungewissen Zukunft der zweijährigen Berufsfachschule und dem Trend im Berufskolleg zu zwei Klassen teilt Herr Brötel mit, daß an der ZGB die Einrichtung einer Technikerschule Maschinentechnik mit dem Schwerpunkt Qualitätswesen305 oder Qualitätssicherung geplant sei. Dies sei vor dem Hintergrund zu sehen, daß ein Bewerberstau für die Technikerausbildung von 10.000 Bewerbern in Baden-Württemberg besteht.« Die Errichtung dieser Schulart wurde für das Jahr 1991/92 angestrebt und auch bewilligt. Die Stundenverteilung des ersten Semesters der Technikerschule im Schuljahr 1991/92 sah in Stunden wie folgt aus:306 Deutsch 2; Englisch 3; Wirtschaft, Sozialund Rechtskunde 3; Mathematik 7; Physik 3; Werkstofftechnologie 2; Technische Kommunikation 2; Technische Mechanik 4; Elektrotechnik 4; Computertechnik 2; Industriebetriebstechnik 1; Fertigungstechnik 2 und Qualitätslehre 1. Im Zuge der Etablierung der Technikerschule kam auch der Gedanke einer Zertifizierung auf, wie es in Wirtschaftsunternehmen der Fall ist. Man ist bestrebt, in Zukunft eine transparente Schulstruktur an der ZGB schaffen, die in u. a. Kennzahlen, Strukturbildern und Verlaufsanalysen eine Optimierung der Schule in allen erfassten Bereichen ermöglicht. Bis zur DIN-Zertifizierung im Jahr 2003 sollte es aber noch einige Jahre dauern. Im frühen Sommer des Jahres 1992 sollte die ZGB ihre neue und heute noch gültige Telefonnummer bekommen: 5300.307 305 Hier gab es einen Lizenzvertrag mit der DGQ, um öffentliche Lehrgänge durch ausgebildete Kollegen für die Technikerausbildung zu nutzen. 306 Siehe GLK-Protokoll vom 9.7.1991. 307 Siehe GLK-Protokoll vom 11.5.1992. Geschichte der Buchener Gewerbeschule 81 Im Weiteren dachte man im Schuljahr 1992/93 in der längerfristigen Planung an eine Überbauung des überdachten Ganges beim Altbau, also im stadtseitigen Erdgeschoss des A-Gebäudes. Als der Haupteingang noch Richtung Stadt gelegen war, konnte man bei Schlechtwetter hier die Pausen schön verbringen. Doch durch die Ausrichtung der Schule Richtung D-Gebäude und damit dem neu geschaffenen Innenhof und der Brunnenanlage wurde dieser Wandelgang eigentlich nicht mehr benötigt. Mehrere kleinere Räume könnten hierdurch entstehen, die man dann als Sozialräume für die Hausmeister und die Raumpflegerinnen, als Bibliothekszimmer (diese Tage untergebracht im Saal 127), Räume für die Fachleiter bzw. auch als ein Besprechungszimmer nutzen wollte und nach Vollendung dieses Vorhabens auch so umsetzte.308 Eine Neuerung in diesem Schuljahr stellte die Einführung eines sog. »Betriebstages« dar. In den Einjährigen Berufsfachschulen sollte alle 14 Tage ein solcher verankert werden.309 Ab diesem Schuljahr sollte auch an der ZGB die ab da erforderliche Mülltrennung eingehalten werden: Wertstoffe (gelber Sack), Papier (ohne Vesperpapier), Glas und Restmüll.310 Man berät sich zu diesem neuen Verfahren eingehend. Im Zuge des Wertstoffsystems müssten für die Schule 83 x 3 Gefäße zur Mülltrennung angeschafft werden, plus einige wenige für Glas. Die Behälterfrage wurde komplex. Man konnte sich nicht einigen, denn die Vorschläge aus den Reihen des Kollegiums waren vielfältig, ebenso die Kritiken. Die Müllbehälter 308 Siehe GLK-Protokoll vom 20.3.1992. 309 Siehe GLK-Protokoll vom 29.6.1992. 310 Siehe GLK-Protokoll vom 5.11.1992. würden in den Klassenzimmern nur schwerlich zur Verschönerung beitragen. Gelbe Säcke könnten auch zum Fußball umfunktioniert werden. Man beäugte mit Vorbehalt die sich drohenden anbahnenden »Mülltrennungsprobleme«. Mit dem Schuljahr 1994/95 ging Erhard Brötel in den Ruhestand.311 Zu seiner Verabschiedung am 6. Juli 1994 werden alle Klassen abbestellt.312 Zur Feierlichkeit wurden über 240 Gäste von auswärts erwartet. Sein Nachfolger sollte Dipl.-Ing. Wolfgang Seifert werden. Er übernahm ein Lehrerkollegium mit 54 Lehrkräften und sechs verschiedene Schularten.313 Man kann von einer dauerhaften Expansions- und Erfolgsgeschichte seit den Anfangstagen Brötels als Schulleiter bzw. seit seinem Schuleintritt im Jahr 1954 sprechen. Mit Brötels Leitmotiv »Die Schule ist für die Schüler da, und nicht umgekehrt« wird er in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Seine Grundüberzeugung, dass jedes Vermögen an Wert verliert, wenn es nur verwaltet werde, und man 311 Siehe Mosbacher Kreisarchiv J3/17: Erhard Brötels Werdegang ist beispielgebend im Rahmen der Idee der gewerblichen Bildung. Nachdem er nach dem Abitur erst eine Maurerlehre absolviert hatte, bildete er sich auf dem BPI in Stuttgart zum Diplom-Gewerbelehrer weiter. Mit erst 37 Jahren wurde er schließlich Schulleiter. Seine Rede zur Pensionierung befindet sich in ihrer vollen Form im Anhang. 312 Siehe GLK-Protokoll vom 26.6.1994. 313 Nochmals im Überblick die Gründungsdaten: 1972/73 die Zweijährige, gewerblich-technische Berufsfachschule Metall; 1973/74 die Einjährige Berufsfachschule Körperpflege; 1976/77 die Einjährige Berufsfachschule Elektrotechnik; 1979/80 die Einjährige Berufsfachschule Metall mit dem Berufsfeld Fahrzeugtechnik; 1983/84 das Einjährige Berufskolleg Technik und 1991/92 die Fachschule für Technik mit der Fachrichtung Maschinentechnik mit dem Schwerpunkt Qualitätstechnik. Die Phase der Expansion – neue Schularten ab den 1970er-Jahren 82 deswegen auch eine Schule nicht nur verwalten, sondern als Dienstleistungsbetrieb führen solle, sollte den Geist der Schule weiterhin prägen.314 Mit dem Rundschreiben der Handelskammer Mannheim vom 6. März 1995 wurde eine allgemeinverbindliche Besuchspflicht der Einjährigen Berufsfachschule Metall für alle zukünftigen Auszubildenden der Berufe Metallbauer, Maschinenbaumechaniker, Dreher und Werkzeugmacher im Bezirk der Metall-Innung Buchen festgesetzt. Für das 150-jährige Schuljubiläum im Jahr 1997 wurde eine Feier angedacht, die am Wochenende des 21./22. Juni stattfinden sollte. Vorgesehen waren allgemeine Darbietungen und eine von den jeweiligen Abteilungsleitern organisierte Präsentation der Schule. Auch die entsprechenden Innungen beteiligten sich an der Gestaltung der Feier. Eine Festschrift wurde hierzu angefertigt, welche insbesondere den historischen Werdegang der Schule und die Darstellung der einzelnen Fachabteilungen präzise und anschaulich darstellt.315 Für die Schüler war eine Party in der Buchener Music-Hall am Freitagabend vorgesehen. Studienrätin Monika Weigand-Stubenvoll begann im Jahr 1996 mit der sog. »Inneren Schulreform«. Darunter war die Optimierung einzelner Handlungsfelder zu verstehen, wie zum Beispiel themenorientiertes Arbeiten, neue Unterrichtsformen und Gruppenarbeit. In einem von nun ab regelmäßig stattfindenden »Pädagogischen Zirkel« war das Forum geboten, sich mit Kollegen über etwaige Probleme im Schulbetrieb auszutauschen und Rat einzuho- 314 Siehe Abschiedsrede Brötels in: MOS J3/17. 315 Siehe ZGB, 150 Jahre, 1997. len.316 Auf Angebot von Dr. Wolfgang Schäfer wurde ab dem Schuljahr 1996/97 das Fach Technisches Englisch und EDV als Erweiterungsunterricht angeboten. 29 Schüler haben sich für ersteres, sogar 48 für letzteres angemeldet. Der Unterricht war für samstags vormittags im Fach Technisches Englisch angedacht. Der EDV-Unterricht sollte werktags abends stattfinden.317 Ebenfalls in diesem Schuljahr wurden erste Evaluationsmaßnahmen aufs Tableau gebracht. Schulleiter Seifert regte einen Beurteilungsbogen für Entlassschüler an.318 Ab Schuljahr 1997/98 erfolgte die Einrichtung einer Zweijährigen Berufsfachschule mit der Fachrichtung Elektro.319 Ab diesem Schuljahr verfügt die ZGB auch über eine Homepage.320 Ein Passus aus einem Konferenzprotokoll hält fest:321 »Herr Ihrig präsentiert unsere homepage [sic] im Internet, er benutzt dazu eine Neuanschaffung: den ›beamer‹, mit dem die Projektion der Bildschirmanzeige des Monitors bei Tageslicht möglich ist ( Anschaffungspreis ca. 9.000, - DM). Dieses Projektierungsgerät steht künftig, nach Absprache mit Herrn Ihrig, allen Kolleginnen und Kollegen zum Einsatz im Unterricht zur Verfügung.« 316 Siehe hierzu auch den Bericht von Monika Weigand-Stubenvoll im Anhang. 317 Siehe GLK-Protokoll vom 9.12.1996. 318 Siehe GLK-Protokoll vom 9.12.1996. 319 Siehe GLK-Protokoll vom 12.3.1997. 320 Doch das als ersten Einfall genommene Motto wurde zu einer größeren Diskussion um ein dauerhaftes Motto für die ZGB. Es standen mehrere Aussprüche zur Auswahl, von denen die drei mit den meisten positiven Stimmen lauteten: »ZGB – o.k.«; »ZGB – Zentrum guter Bildung«; »ZGB – Partner guter Bildung«. Das Finden eines allgemeinverbindlichen Mottos sollte sich noch eine Zeit lang hinziehen. 321 Siehe GLK-Protokoll vom 6.6.1997. Geschichte der Buchener Gewerbeschule 83 Die Planung der Errichtung einer Teilzeit- Techniker-Fachschule im Schuljahr 1997/98 nimmt konkrete Formen an,322 ebenfalls hegt man in diesem Schuljahr bereits Pläne für die Erneuerung des Werkstattbaus zwischen ZGB und der Hauswirtschaftsschule, heute: Helene-Weber-Schule(HWS). Der Errichtung eines Zweijährigen Berufskollegs in kooperativer Form wurde ebenfalls vom Kreistag zugestimmt.323 Damit ist das Berufskolleg Technik und Medien gemeint. Diese Schulart hat, nach erfolgreichem Besuchen beider Jahre, die Fachhochschulreife zum Abschluss. Ebenso bekamen die Absolventen die Berufsbezeichnung eines »Kommunikationstechnischen Assistenten« verliehen. In Buchen wurde das erste Schuljahr eingeführt. Die Verkabelung des Verwaltungsnetzes wurde dieser Tage bis in das D-Gebäude erweitert. Bisher waren nur die Schulverwaltung, der Lehrerrechenraum324 und das Lehrerzimmer Holz verbunden.325 Ein Besuch der Schulleitung in der Partnerschule im ungarischen Szombatheley erfolgte Mitte Mai 1998.326 Der Unterrichtsausfall wird ab diesem Schuljahr an der ZGB engmaschig dokumentiert.327 Ab dem Schuljahr 1998/99 waren die Regeln der neuen Rechtschreibung um- 322 Siehe GLK-Protokoll vom 29.7.1998. Die Genehmigung des Kultusministeriums, eine Fachschule für Technik in Teilzeitform anzubieten, liegt vor. Gefordert ist jedoch eine Mindestschüleranzahl von 24. 323 Siehe GLK-Protokoll vom 15.6.1998. 324 Wahrscheinlich ist hier der kleine Raum vor dem Konferenzzimmer im A-Gebäude gemeint. 325 Siehe GLK-Protokoll vom 15.6.1998. 326 Siehe GLK-Protokoll vom 16.6.1998. Die Schule in Szombatheley ist eine Berufsschule mit der Ausrichtung in den Bereich Metall- und Elektrotechnik. Dort gibt es ebenfalls eine Art Berufskolleg. 327 Siehe GLK-Protokoll vom 9.12.1998. zusetzen.328 Ab 1999/2000 trat eine neue Technikerverordnung in Kraft, durch welche der Abschluss der Technikerschule zum Studium an einer Fachhochschule berechtigte.329 Im Schuljahr 1999/2000 wurde ein Computer im Wert von 14 000,– DM angeschafft, der die Eigenschaften eines PCs mit denen eines Overhead-Projektors vereinigte.330 Am 23. Juli 1999 wurden der Stadt Buchen das von Konrad Henn und Edwin Mackert geleitete Projekt »Wilder Konrad« und »Karussell« übergeben, Projektierung und Bau zweier großer Kinderspielgeräte für Buchens Innenstadt. Das Projekt erfährt in der Öffentlichkeit höchst positive Resonanz und dokumentiert das Engagement und die Flexibilität der ZGB. In Zukunft sollten weiterhin kleinere Spielgeräte für die Stadt Buchen in Projektarbeit gefertigt werden. Der Schulhausneubau (F-Gebäude) in Richtung HWS begann im Mai 2001. Dort soll die Kfz-Werkstatt und nicht, wie ursprünglich geplant, die Elektroabteilung eingerichtet werden. Die alte Werkstatt wurde kurz vor Beginn des Neubaus abgerissen.331 Die Fertigstellung samt Bezug wurde für das Frühjahr 2003 geplant und durchgeführt.332 Auch die Friseurabteilung wurde im Jahr 2002 neugestaltet. Mit einem finanziellen Aufwand von 180 000 Euro kam es zu grundlegenden Renovierungen.333 Fünf Räume wurden hierbei neu geschaffen: zwei 328 Bis zum 31.7.2005 ist jedoch neben der neuen Rechtschreibung noch die alte gültig (Erlass Nr. 31/ 99). 329 Siehe GLK-Protokoll vom 9.12.1998. 330 Siehe GLK-Protokoll vom 26.2.1999. 331 Siehe GLK-Protokoll vom 6.12.2000. 332 Siehe Artikel in den Fränkischen Nachrichten vom 7.5.2002. 333 Ebd. Die Phase der Expansion – neue Schularten ab den 1970er-Jahren 84 Abb. 26: Konrad Henn mit dem „Wilden Konrad“ Abb. 27: Der „Wilde Konrad“ mit Heinz Mann, Klaus Leitz, Konrad Henn, Edwin Mackert Geschichte der Buchener Gewerbeschule 85 Praxisräume und ein Theorieraum, der damit zum ersten multimediafähigen Raum der Schule wurde, zudem ein Lehrerzimmer und ein weiterer multifunktioneller Unterrichtsraum für den theoretischen und den fachpraktischen Unterricht. Die wohl größte Neuerung nach der Jahrtausendwende stellt die Einführung des Informationstechnischen Gymnasiums (TGI) dar. Durch die gute Schulführung, insbesondere durch die Zertifizierungsbestrebungen, kam die ZGB in die Auswahl der infrage kommenden Schulstandorte. An acht neuen Standorten in Baden-Württemberg sollte diese Schulart aufgemacht werden, einer davon sollte ab dem Schuljahr 2002/03 Buchen sein. Durch das Technische Gymnasium stieg die Schülerzahl auf 1 134 Personen.334 Die Fränkischen Nachrichten berichten am 15. Januar 2002: »Technische Gymnasien – Zweiter Standort in Buchen. Für naturwissenschaftlich-technisch interessierte Schüler Seit 30 Jahren gibt es in Mosbach das Technische Gymnasium, im kommenden Schuljahr kommt mit Buchen ein zweiter Standort hinzu. Den Bemühungen auf kommunal- und landespolitischer Ebene ist es zu verdanken, dass diese bewährte und innovative Schulart nun wohnortnah auch den Schülerinnen und Schülern des Altkreises Buchen offensteht. Zusammen mit den beiden Wirtschaftsgymnasien in Mosbach und Walldürn verfügt 334 Siehe Artikel in den Fränkischen Nachrichten vom 6.11.2002. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 1 045 Schüler. 55 neue Schüler kamen durch das TG an die Schule, die restlichen in anderen Schularten. der Neckar-Odenwald-Kreis nun über vier berufliche Gymnasien, die das Bildungsangebot prägen. Ein Jahr nach den allgemeinbildenden Gymnasien werden zum kommenden Schuljahr auch an den beruflichen Gymnasien die Neuerungen der Oberstufe eingeführt. Neben einer Neubestimmung des Pflichtbereichs wird es zu einem weitgehenden Wegfall des bisherigen Kurssystems kommen, und im Abitur werden künftig fünf statt bisher vier Fächer geprüft. Den Schulen eröffnen sich weitere Möglichkeiten, ihr spezifisches Profil zu stärken. […]« Die Gründung eines Technischen Gymnasiums bedeutete die Erweiterung des Kollegiums um zahlreiche neue Lehrer. Das ZGB-Motto wird in diesem Schuljahr nun definitiv mit »traditionell - fortschrittlich« festgelegt.335 Die ZGB wird ebenfalls in diesem Schuljahr die erste Schule in öffentlicher Trägerschaft, die nach DIN EN ISO 90001:2000 zertifiziert wurde.336 Konrad Trabold, späterer Schulleiter, war die maßgebliche treibende Kraft bei dieser Neuerung und bemühte sich seit 1998 um systematische Qualitätsentwicklung an der ZGB. Ab Schuljahr 2004/05 wurde – auch bedingt durch die Zertifizierung – das von Gebhard Herkert programmierte schulische Verwaltungssystem SIS (Schul-Informations-System) eingeführt, welches bis zum Schuljahr 2016 in Verwendung war und dann von WebUntis abgelöst wurde. Seit 2006 ist die Schule zudem nach OES (Operativ Eigenständige Schule) zertifiziert, was ein umfassendes System schulinterner Qualitätsentwicklungen bescheinigt.« 335 Siehe GLK-Protokoll vom 4.12.2002. 336 Siehe GLK-Protokoll vom 29.4.2003. Die Phase der Expansion – neue Schularten ab den 1970er-Jahren 86 Abb. 28: Übergabe des DGQS-Zertifikats an Schulleiter OStD Dipl.-Ing. Wolfgang Seifert Abb. 29: Das Schulleitungsteam im Jahr 2006: (vorne links) Wolfgang Seifert, (vorne rechts) Dr. Wolfgang Schäfer, (hinten v. l. n. r.) Konrad Trabold, Alfons Pföhler, Joachim Breunig Geschichte der Buchener Gewerbeschule 87 Ab dem Schuljahr 2005/06 gibt es an der ZGB ein neues Berufskolleg, die Schulart BK1MFE, Jahrgang 1 und darauffolgend in 2006/07 auch das zweite Jahr mit der Fachrichtung Feinwerkmechanik im Verzahnungsmodell.337 Schüler, die diese Schulart besuchen, haben die Möglichkeit, die Schulzeit auf ihre praktische Ausbildungszeit anrechnen zu lassen. Voraussetzung zum Besuch ist die Mittlere Reife und während jedes Schuljahrs finden vier Wochen Praktikum im Betrieb statt. Gleichzeitig wird die Fachhochschulreife vermittelt. Im Schuljahr 2007/08 investierte der Neckar-Odenwald-Kreis in neue Maschinenausstattungen für den Metallbereich im stattlichen Wert von über 1,2 Millionen Euro. Das Geld für neue CNC-Ma- 337 Siehe GLK-Protokoll vom 29.11.2005. schinen, Dreh- und Fräsmaschinen wurde aus einem Sonderhaushalt heraus bestritten. Erprobt wurde das V AB (Vorbereitungsjahr Arbeit und Beruf) in Baden-Württemberg, welches das BVJ (Berufsvorbereitungsjahr) ersetzt hat, ab dem Schuljahr 2009/10. Verbindlich wurde das V AB dann ab dem Schuljahr 2011/12 überall eingeführt. Durch die Flüchtlingskrise bedingt wurden in Baden- Württemberg auch ab dem Jahr 2015 verstärkt einjährige V ABO-Klassen eingerichtet: Das »O« bezeichnet den Umstand »ohne Deutschkenntnisse«, doch es wird hier kein Schulabschluss angestrebt, der Schwerpunkt liegt eher auf einer Vermittlung von Deutschkenntnissen, die sich am Ende des Schuljahres bestenfalls auf B1- Niveau befinden. Abb. 30: ISO-Zertifizierung 9001 – Zertifikatsübergabe im Jahr 2018. Von der Schule sind folgende Personen abgebildet: (v. l. n. r.) Konrad Trabold, Inge Hornbach und Heiko Ihrig Die Phase der Expansion – neue Schularten ab den 1970er-Jahren 88 Im Schuljahr 2017/18 kam es auch zu einem erneuten Zyklus der Zertifizierung nach der ISO-Norm, siehe Abbildung 30. III. 10) Die Gegenwart Das Schuljahr 2018/19 war geprägt von einem Besuch der Kultusministerin Susanne Eisenmann, die am 22. März 2019 unter dem Titel »Klassentreffen – unterwegs in Sachen Bildung« zu Gast an der ZGB war und sich vor Ort informierte, was an der Schule passiert und wie sich die Bedürfnisse der am Lehr- und Lernprozess Verantwortlichen bildungspolitisch umsetzen lassen. Vor allem die besondere Herausforderung, vor denen berufliche Schulen im ländlichen Raum stehen, war Thema. Der seit Kurzem angeschaffte 3D-Drucker und der 3D-Scanner wie auch die neu eingerichtete Lernfabrik 4.0, waren ein besonderes Highlight beim Rundgang der Ministerin. Die Erhaltung eines breiten Bildungsangebotes – auch in der Zukunft – und die Sicherstellung der Unterrichtsversorgung waren aktueller Gesprächsanlass. Gegenwärtig besuchen die ZGB ungefähr 1 100 Schülerinnen und Schüler in den unterschiedlichsten Schularten, mit vielfältigen Abschlussmöglichkeiten. Die folgende Auflistung, orientiert am Schuljahr 2018/19, gibt einen Überblick über das aktuelle schulische Leistungsspektrum:338 338 Informationen entnommen von der Homepage der Schule: www.zgb-buchen.de/schularten, abgerufen am 10.3.2019. Berufsvorbereitende Einrichtung (BVE) Das BVE, eine Schulart, die im Rahmen einer Kooperation mit der Alois- Wißmann- Schule und der Helene-Weber-Schule Buchen, organisiert wird, fördert die Kompetenzentwicklung von jungen Menschen mit wesentlichen Behinderungen nach Abschluss der allgemeinbildenden Schulzeit. Die Schüler sind Absolventen der hiesigen Förder- und Sonderschulen. Ziel ist die Eingliederung in den Arbeitsmarkt nach Erfüllung der Berufsschulpflicht. Innerhalb der BVE gibt es Differenzierungen gemäß den besonderen Bedürfnissen der Schüler. Einjährige Berufsfachschule (1BFS) Diese Schulart entspricht ihrem Inhalt gemäß dem ersten Ausbildungsjahr der anerkannten Ausbildungsberufe der entsprechenden Fachbereiche Metalltechnik, Fahrzeugtechnik, Holztechnik, Elektrotechnik und Körperpflege. Ziel ist die Einführung der Schüler in den Beruf sowie die Vermittlung einer beruflichen Grundausbildung im entsprechenden Berufsfeld. Vorqualifizierung Arbeit/Beruf (V AB) Diese Schulart dient dem Erwerb des Hauptschulabschlusses bzw. der Erfüllung der Berufsschulpflicht wie auch dazu, die Berufs- und Ausbildungsreife grundlegend zu fördern. Kompetenzen in den Fachbereichen Metall, Holz, Nahrung und Körperpflege werden erworben. Das V AB stellt ein Pflichtschuljahr dar, in welchem die Jugendlichen für den Eintritt in das Erwerbsleben die nötige Hilfe angediehen wird. Geschichte der Buchener Gewerbeschule 89 Zweijährige Berufsfachschule (2BFS) Die Zweijährige Berufsfachschule richtet sich an Schüler mit einem Hauptschulabschluss und führt sie innerhalb von zwei Jahren zum Erwerb des mittleren Bildungsabschlusses, der sog. Fachschulreife, vulgo Mittlere Reife. Aufgeteilt in die zwei Fachbereiche Metall oder Elektro qualifiziert die 2BFS die Schüler besonders für die Aufnahme einer Lehre in eben diesen Feldern. Nach diesem Schulabschluss kann durchaus auch die berufliche Oberstufe, zum Beispiel am Technischen Gymnasium, angestrebt werden. Technisches Berufskolleg mit Verzahnung (BKMFE) Diese Schulart ist eine zweigeteilte Schulart in Vollzeitform: das Berufskolleg I und das Berufskolleg II, die aufeinander aufbauen. Der erfolgreiche Besuch des Berufskollegs I ist Voraussetzung zum Besuch des Berufskollegs II. Jugendliche, die Interesse am gewerblich-technischen Bereich haben, können diese Schulart aufbauend auf einen mittleren Bildungsabschluss besuchen. Der Schwerpunkt an der ZGB liegt im Bereich der Feinwerkmechanik. Eine Verzahnung mit ausbildungsrelevanten Inhalten bildet den Kern dieser Schulart. Sie ermöglicht eine etwaige Verkürzung der Lehrzeit in entsprechenden Ausbildungsberufen. Die Schulart endet mit der Fachhochschulreife, Abb. 31: Kultusministerin Eisenmann zu Gast in der Nahrungsabteilung der ZGB. Mit auf dem Bild (v. l. n. r.): Patrick Weber, Roland Burger, Konrad Trabold Die Gegenwart 90 die landesweit in Baden-Württemberg Gültigkeit besitzt. Nach zusätzlichem 5-monatigem Praktikum wird dieser Schulabschluss auch bundesweit anerkannt. Einjähriges Berufskolleg Technik (1BKFHT) Schüler, die sowohl einen mittleren Bildungsabschluss als auch eine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen, können das Einjährige Berufskolleg mit der Fachrichtung Technik an der ZGB besuchen. Ziel dieser Schulart ist eine Qualifizierung für ein Studium an Hochschulen für angewandte Wissenschaften oder eine Berufsausbildung in einem Beruf, für welchen die Fachhochschulreife Voraussetzung ist. Diese Vollzeitschulart dauert ein Jahr. Technisches Gymnasium (TG) Im Bereich des Technischen Gymnasiums haben sich an der ZGB drei Schwerpunktbereiche herauskristallisiert: Informationstechnik (TGI), Technik und Management (TGTM) und Mechatronik (TGM). Diese Schulart richtet sich an Schüler mit einem bereits erworbenen guten mittleren Bildungsabschluss und dem Bestreben, sich auf den Erwerb der Allgemeinen Hochschulreife hinzubewegen. Diese Vollzeitschulart dauert drei Jahre und schließt mit dem allgemeinen Abitur. Fachschule für Technik Maschinentechnik (FTM) Diese Fachschule richtet sich an Fachkräfte aus der Praxis, die sich entweder in Teilzeit- Abb. 32: Das Schulleitungsteam (v. l. n. r.) mit Joachim Breunig, Heiko Ihrig, Michael Link, Konrad Trabold und Alfons Pföhler im Schuljahr 2018/19 Geschichte der Buchener Gewerbeschule 91 form oder in Vollzeit weiterqualifizieren möchten und als Abschlussziel den Staatlich geprüften Techniker anstreben. Funktionen im mittleren und höheren Management stehen den Absolventen hiernach offen. Die Anfertigung einer sog. Technikerarbeit ist für den Abschluss Voraussetzung und entspricht dem Bachelor-Niveau im Rahmen des Europäischen Referenzrahmens. Abschließend eine Übersicht über alle im Schuljahr 2018/19 an der ZGB unterrichtenden Stammlehrer339, der Reihenfolge ihrer internen Auflistung im DokWeb nach: 339 An die ZGB abgeordnete Lehrer sind in dieser Übersicht nicht erfasst. Trabold, Konrad Hilbert, Rainer Schäfer, Ralf Ihrig, Heiko Högerl, Thomas Schäfer, Dr. Ralf Allin, Daniela Juschkat, Renate Scherer, Michael Arnstein, Dr. Isabell Kaiser, Michael Schmiedel, Christina Banschbach, Thomas Keller, Wolfgang Schölch, Michael Bauer, Stefan Kirchgeßner, Rainer Schulz, Michael Becker, Rolf-Werner Kleiser, Christoph Schwab, Barbara Beeser, Alfons Knoll, Marcus Schweitzer, Dr. Wolfgang Breunig, Joachim König, Frank Stange-Grüneberg, Dr. Bernd Breunig, Michael Leitz, Klaus Storch, Martin Donath, Berno Link, Michael Strittmatter, Martin Ehler, Stephanie Mitschke, Josef Trabold, Martin Eiser, Joachim Mohr, Hans-Peter Trunzer, Dominic Gallego Outon, Fernando Müller, Christian Ufert, Liane Galm, Stefan Ostertag-Smith, Marina Ulbricht, Dieter Gehring, Ulrich Pfeiffer, Uwe Veith-Wähler, Silvia Götz, Carlo Pföhler, Alfons Vering, Benedikt Gramlich, Erich Rapp, Sebastian Weber, Jasmin Heiß, Karsten Repp, Holger Weber, Patrick Henn, Konrad Rittmann-Minninger, Dorothee Weinmann, Ralf Herber, Peter Saur, Hubert Wörmann-Lehr, Gabriele Herth, Adrian Schad, Marco Zin, Andrea Die Gegenwart 93 IV. Schlussworte Die in diesem Werk dargestellte Historie der ZGB stellt auf gar keinen Fall den Anspruch auf Vollständigkeit. Die Fülle und Viel falt an Ereignissen würden ein solches Unterfangen unmöglich machen. Das Bestreben war, einen Einblick zu geben, der vielleicht dem einen mehr Klarheit um diesen Schultypus bringt, dem anderen die Entwicklung interessiert verfolgen lässt. Wie zu erkennen ist, war die Zentralgewerbeschule Buchen seit ihrer Gründung zahlreichen Umbrüchen unterworfen. Neue Ausbildungsberufe kamen hinzu, andere gingen verloren. Neue Schularten wurden eröffnet, dann wieder geschlossen. Dieser stete Wandel ist typisch für eine gewerbliche Schule und wird auch noch so weiter gehen. Aktuell leidet die ZGB unter dem demografischen Wandel, d. h., es gibt weniger Jugendliche, wobei immer mehr ein Studium anstreben, sodass die Zahl der Auszubildenden zurückgeht. Die Nahrungsabteilung hat zur Zeit einen besonderen Mangel an Schülern zu beklagen; hier ist beispielsweise schon im Gespräch, die gesamte Fleischerausbildung in Nordbaden an einem Standort zu zentralisieren. Auch bildungspolitische Weichenstellungen setzen der Schule zu: So sind höhere Bildungsabschlüsse zunehmend an allgemeinbildenden Schulen (Werkrealschule oder Gesamtschulen) zu erreichen. Die Zahl der Anmeldungen zum Technischen Gymnasium sind rückläufig, die zum BKFHT ebenfalls. Dieser stete Wandel ist eine Herausforderung, auf den flexibel reagiert werden muss, ebenso wie auf die ständig wechselnden Bildungspläne, Prüfungsordnungen und Stundentafeln. An diesen Herausforderungen ist die Schule gewachsen, genauso wie an allen anderen seit 1847. Abb. 33: Kollegium der ZGB im Jahr 2016 97 V. Danksagung Natürlich kann die Geschichte einer Schule nur durch die Mithilfe vieler Menschen entstehen, denen ich allen ganz herzlich meinen Dank aussprechen möchte. Zahlreiche Quellen flankieren die Darstellung. Hierzu wurde das Stadtarchiv in Buchen konsultiert, Herrn Stadtarchivar Tobias-Jan Kohler für seine Mithilfe ein herzliches Dankeschön. Zur stichhaltigen Untermauerung mancher Beschreibung von baulichen Veränderungen bzw. Erweiterungen der Schule betreffend war das Archivgut bzw. besonders die Bilder des Kreisarchivs in Mosbach hilfreich, durch Herrn Alexander Rantasa dankenswerterweise zur Verfügung gestellt. Manch interessanter Zeitungsartikel der Nachkriegszeit entstammt den Fränkischen Nachrichten, in deren Archiv Herr Dieter Schwab Einsicht ermöglicht hat. Das Generallandesarchiv in Karlsruhe bot überdies wertvolles Quellenmaterial, vor allem im Bereich der Kommunikation zwischen dem Schulstandort Buchen und der Regierung in Karlsruhe. Das Fundament der schulischen Anfangsgeschichte in diesem Buch ist die akribische Quellenrecherche des ehemaligen Schulleiters Herr Erhard Brötel, der zum 150-jährigen Jubiläum der ZGB einen detailreichen Aufsatz über die Historie der Schule verfasst hat. Gerade auch die seit seiner Schulleiterzeit von ihm gewünschten Verlaufsprotokolle von Lehrerkonferenzen, welche »ein wichtiges Dokument über die Aktivitäten der Schule und ein Stück Schulgeschichte« darstellen,340 bieten im Nachhinein detailreiche Einblicke in die Entwicklungstendenzen der Schule. Etliche Hunderte Seiten Konferenzprotokolle garantieren so einen umfassenden Ansatz für die Beschreibung der schulischen Geschicke. Als Schulleiter, der in seiner weitblickenden Voraussicht schon früh die Schule auf die Anforderungen des 21. Jahrhunderts, insbesondere auf die Tendenzen der Digitalisierung vorbereitet hat, gilt ein gro- ßes Dankeschön für die Mithilfe und die Klärung etlicher Fragen Herrn Dipl.-Ing. Wolfgang Seifert. Ebenso Herrn Joachim Breunig vielen Dank für die Erläuterungen mancher Gegebenheiten in der Schulgeschichte. Für die netten und aufschlussreichen Gespräche, die zu den sich im Anhang des Buches befindenden »Zeitzeugenberichten« geführt haben, möchte ich mich recht herzlich bei Herrn Klaus Hofmann bedanken, ebenso bei Monika Weigand-Stubenvoll und Anatoli Brishatjuk. Für die historisch sehr wertvollen, über einhundert 340 Zitat Brötel bei der GLK vom 10.11.1981. 98 Danksagung Jahre alten Schulmaterialien, Hefteinträge und Mitschriften aus dem Landwirtschaftsgewerbe möchte ich mich bei dem Hardheimer Ehepaar Pietschmann bedanken. Danke auch an Erich Gramlich, sowohl für seinen Zeitzeugenbericht als damaliger Schüler an der ZGB als auch für seinen Aufsatz zum Thema »Badische Gewerbeschulmänner«, ebenso Dank an Dieter Öppling für seine Berichte zur Zweijährigen Berufsfachschule, Andrea Zin für die Erstellung des Abstracts, Herrn Sieghard Winkler für seine Erzählungen zu den Gewerbeschullehrern der Nachkriegszeit und Helmut Stubenvoll für die Ausführungen zur Entwicklung der medialen Ausstattung an der ZGB. Dr. Wolfgang Schäfer sei gedankt für seine feinsinnigen und meinem Schreibfluss förderlichen E-Mails. Herrn Dr. Achim Brötel spreche ich vielen Dank für seine in dieses Buch einleitenden Grußworte aus. Für den großzügigen Zugang zu bzw. die Einsicht in alle wichtigen Dokumenten der vergangenen und aktuellen Schulgeschichte, das Verfassen eines Grußwortes und für die überdies stete Hilfe bei allen möglichen Fragen ein von Herzen kommendes Dankeschön an Schulleiter Herrn Konrad Trabold. Doch der größte Dank gilt meinem Lebensgefährten Martin Strittmatter, zum einen für sein Verständnis gegenüber meinen vielen Abenden am Schreibtisch, zum anderen für seinen kritischen Rat und manche Optimierungsvorschläge im Satzbau, die den Lesefluss der diesem Buch Lesezugeneigten auf jeden Fall positiv beeinflusst haben. Überdies freue ich mich sehr über die Aufnahme dieses Buches in die Schriftenreihe »Zwischen Neckar und Main« des Bezirksmuseums Buchen als Band Nummer 36. 99 VI. Anhang VI. 1) Übersicht der verantwortlichen Lehrkräfte bzw. Schulleiter im Laufe der Zeit341 1847–1848 Anton Santo, Gewerbelehrer 1848–1856 Erasmus Pfaff, Reallehrer 1856–1864 Georg Scherer, Real- und Gewerbelehrer 1864–1872 Johann Rümmele, Real- und Gewerbelehrer 1873–1877 Karl Seifert, Gewerbelehrer 1877–1885 Josef Frey, Gewerbelehrer 1885–1889 August Straub, Gewerbelehrer 1889–1891 Heinrich Müller, Gewerbelehrer 1891–1893 Jakob Feuerstein, Gewerbelehrer 1893–1898 Anton Dilger, Architekt und Gewerbelehrer 1898–1901 Ferdinand Huber, Gewerbelehrer 1901–1903 Karl Hahn, Gewerbelehrer 341 Übersicht angeben nach: ZGB, 150 Jahre, 1997, mit Ergänzung um OStD Konrad Trabold. 1903–1905 Wilhelm Fink, Gewerbelehrer 1905–1910 Wilhelm Wurzel, Gewerbelehrer 1910–1912 Emil Beurer, Gewerbelehrer 1912–1914 Karl Winkler, Gewerbelehrer 1914–1920 Hermann Mangler, Gewerbelehrer 1920–1938 Karl Englert, Studienrat 1938–1939 August Jacobi, Studienrat 1939–1940 Friedrich Bartholme, Berufsschullehrer 1940–1942 August Jacobi, Studienrat 1942–1943 Friedrich Krust, Studienrat 1946–1947 Heinrich Schaab, Studienrat 1947–1949 Friedrich Krust, Studienrat 1949–1969 Alfons Willax, Oberstudiendirektor 1969–1994 Erhard Brötel, Oberstudiendirektor 1994–2012 Wolfgang Seifert, Oberstudiendirektor seit 2012 Konrad Trabold, Oberstudiendirektor 100 Anhang VI. 2) Zeitzeugenberichte Zeitzeugenbericht Klaus Hofmann – vom Lehrling zum Meister 1961: Besuch der Einjährigen Berufsfachschule Metall in Walldürn und anschließend von 1962 bis 1965 Lehre bei OKW (Odenwälder Kunststoffwerke Gehäusesysteme) in Buchen; Besuch der Meistervorbereitungskurse mit Meisterprüfung 1979. Im Rahmen seiner Lehre zum Werkzeugmacher besuchte Klaus Hofmann die Werkstätten in Walldürn. Eine Zugfahrt von Buchen nach Walldürn kostete 80 Pfennig, sodass er und seine Freunde meist mit dem Fahrrad fuhren, um sich dieses Geld zu sparen und das von der Mutter eigentlich für die Zugfahrt angedachte Geld anderweitig auszugeben. Manch andere Schüler mussten sogar am Vorabend anreisen, um die Gewerbeschule besuchen zu können. So berichtete Herr Hofmann von einer Bekannten aus Krautheim, die bereits am Vorabend hergefahren ist und bei seiner Cousine übernachten musste. Zu jener Zeit dauerte das Schuljahr noch von Mitte April bis Ende März. Klaus Hofmann hatte als Klassenlehrer Herr Jakusch und Dipl-Ing. Katzenmeier. Wirtschaftskunde unterrichtete der Schulleiter Herr Willax. Herr Jakusch unterrichtete nach seinem Wahlspruch: »Wenn der Dümmste es kapiert hat, dann können wir weitermachen.« Allerdings war es damals noch normal, dass dem ein oder anderen Lehrer die Hand gegenüber einem seiner Schützlinge »ausrutschte«. Klaus Hofmann beispielsweise »fing eine«, als er zufälligerweise Herrn Jakusch mit einem Papierkügelchen am Hinterkopf traf, als dieser an der Tafel zugange war. Nachdem sich dieser umdrehte und nach dem zu Bestrafenden gefragt hatte, stellte sich Hofmann zu seiner Tat. »Das tat man so«, meinte Hofmann. Man stand zu seiner Tat, auch wenn man es eigentlich nicht hätte herausfinden können – schließlich stand Jakusch mit dem Rücken zur Klasse. Der Unterricht an der Einjährigen Berufsfachschule in Walldürn war montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr. Sein unterrichtender Meister war Hermann Müller, der eng mit Hofmanns Vater, einem Koch, Konditor und Bäcker, befreundet und somit für diese Schulwahl und Werdegang ausschlaggebend war. Trotz der langen Unterrichtszeiten an der Berufsfachschule Metall und auch der anstrengenden Lehrzeit bei OKW war es üblich, dass man sich am Wochenende noch etwas dazu verdiente. Hofmann arbeitete samstags noch auf dem Bau. Die 70 DM Lehrgeld im ersten Lehrjahr hätten sonst nicht ausgereicht, schließlich musste man alle Lehrmittel selbst bezahlen. Von Direktor Willax wurde Hofmann, bedingt durch seinen zeitweiligen Besuch des Gymnasiums, oft als »verkappter Gymnasiast« bezeichnet, was zur Folge hatte, dass an ihn und drei weitere Schulabbrecher besonders hohe Anforderungen gestellt wurden. »Klaus, Du kannst das besser!«, war deswegen ein oft zu hörender Satz von Meister Müller in der Werkstatt. Deshalb wurde so manches Werkstück zweimal gefertigt. Auf ein vordergründig freundlich gemeintes »Guten Morgen Herr Willax!« vonseiten Klaus Hofmanns antwortete dieser sichtlich genervt mit »Ich bin nicht dein Herr Willax, ich bin dein Direktor!«, was als Antwort »Jawohl, Herr Willax!« als einzig an- 101 Zeitzeugenberichte nehmbare Reaktion erzwang. Dieses Spiel sollte sich des Öfteren wiederholen. Auf die Übergabe des Klassenpreises an Klaus Hofmann hin, zum Abschluss der Ausbildung, lobte Herr Willax Herrn Hofmann, worauf der ihm keck antwortete: »Und ausgerechnet diesem verkappten Gymnasiasten müssen Sie den Klassenpreis überreichen!« Die Maschinenausstattung in Walldürn war besser als in der Lehrwerkstatt im Betrieb, erinnerte sich Hofmann. Insgesamt gab es 20 Arbeitsplätze bei 19 Auszubildenden in seiner Klasse. So hatte jeder seinen eigenen Arbeitsplatz. An der Einjährigen Berufsfachschule war es üblich, dass immer, wenn zum Beispiel einer einen Gewindebohrer kaputtgemacht hat, Werkzeug unordentlich dalag oder sonstige kleinere Unachtsamkeiten passierten, ein paar Pfennige, i. d. R. 10, in die Klassenkasse gezahlt werden mussten. Dieses Geld war eigentlich für die Abschlussfahrt vorgesehen, die mit Klassenlehrer Jakusch auf die Gamburg in Werbach im Main-Tauber- Kreis gehen sollte. Doch als sich 1962 die große Flutkatastrophe in Hamburg ereignete, spendete man den Inhalt der Klassenkasse auf allgemeinen Wunsch der Klasse den Flutopfern. Filme waren eine Seltenheit im Unterricht und erzeugten im Vorhinein eine große Erwartungshaltung. So kündigte der Lehrer dann frühzeitig an, wenn er eine »Filmvorführung« geplant hatte. Den Film dafür holte er von der Kreisbildstelle ab, beispielsweise zum Thema »Gas- und Sauerstoffgewinnung«. Die Vorführung fand dann im Klassenzimmer mit Projektor und Filmen auf Rollen statt. Schulische Veranstaltungen, wie sie heute gang und gäbe sind, waren damals unüblich, höchstens der Gottesdienst zu Schuljahresbeginn konnte darunter gezählt werden. Auch an Weihnachten gab es keine schulische Weihnachtsfeier. Zum Besuch des Meistervorbereitungskurses 1979 war bereits der Bau des D-Gebäudes abgeschlossen und aller Unterricht konnte nun in Buchen stattfinden. Hofmann absolvierte den Teilzeitkurs und erinnerte sich vornehmlich an die Lehrer, die Herren Wolfgang Seifert, Alfred Fischer, Erhard Brötel und Gerald Wanke. Von 33 Schülern zu Beginn des Kurses konnten »nur« 15 die Prüfung mit Erfolg abschließen. Die anderen blieben auf der Strecke, auch da der Unterricht aufgrund seiner Teilzeitkonzeption überaus fordernd war. Diese Phase in seinem beruflichen Leben tituliert Hofmann mit dem Oberbegriff »todmüde«, denn der Abend- und Wochenendunterricht war sehr beanspruchend und fordernd. Nach seiner Meisterprüfung fragte Direktor Brötel Klaus Hofmann, ob er denn Werkstattlehrer an der ZGB werden wolle. Aber Hofmann entschied sich dagegen. Ausschlaggebend war die Verlockung des höheren Gehaltes in der Wirtschaft. Abschließend kann Hofmann sagen, dass aus allen seinen Mitschülern an der ZGB etwas geworden sei und dass eigentlich alle in der Region geblieben sind. Nachfolgende Bilder stammen aus dem Privatbesitz von Klaus Hofmann. 102 Abb. 34: Abschlussjahrgang Berufsschule 1965 Abb. 35: Meisterkurs 1979 Anhang 103 Bericht von Erich Gramlich – vom Lehrling zum Lehrer Von 1971 bis 1974 war Erich Gramlich Auszubildender bei der Fa. Göttfert-Feinwerk- Technik in Buchen, mit dem Ziel den Beruf Elektromechaniker zu erlernen. Der Berufsschulunterricht im ersten Ausbildungsjahr war aus Platzgründen in Walldürn, das zweite und dritte dann im noch jungen Neubau, dem heutigen D-Gebäude der ZGB. »Wir waren in den Räumen D 220 und D 222 untergebracht«, erinnert sich Gramlich noch genau. Natürlich hat er eine ganz andere Verbindung zu den Räumlichkeiten, da er 2004 wieder an die ZGB zurückgekommen ist – als Wissenschaftlicher Lehrer für Elektrotechnik. Sein Werdegang ist beispielgebend. Seine eigene Schulzeit beendete er zu einer Zeit, als Lehrlinge Mangelware waren. Sein damaliger Lehrer an der Realschule gab ihm den Rat mit, doch mal zum Arbeitsamt in Buchen zu gehen, dort hätte man schon etwas für ihn. So geschah es auch. Das Arbeitsamt schickte drei Abt-Bessel-Realschüler direkt weiter in die »Vordere Wanne« zur Firma Göttfert-Feinwerk-Technik. »Eine stattliche Dame«, so Gramlich, war dort Personalleiterin. Sie rief den Produktionsleiter und nicht zögernd führte dieser sogleich die potenziellen Bewerber durch die Firma. Am Ende der Tour gab er ihnen je einen Ausbildungsvertrag mit, der lediglich von den Eltern noch zu unterschreiben war. Keine Bewerbung, keine Zeugnisse. An diesem einen Tag wusste man, wohin es nach der Schule gehen sollte. »Heutzutage seien es ja fast wieder ähnliche Zeiten«, meint Gramlich ergänzend. So lernte Gramlich dann gemeinsam mit seinen zwei Realschulkollegen und einem Hauptschüler drei Jahre lang bei der Fa. Göttfert-Feinwerk-Technik und damit auch an den Schulstandorten Walldürn und Buchen. Als er nach dem ersten Lehrjahr von Walldürn nach Buchen wechselte, »kamen ganz viele junge Lehrer an die Schule«, so Gramlich. Darunter Joachim Götz, Max Fischer und Werner Müller, die auch seine späteren Kollegen werden sollten. »Damals gab es noch keine Ü AB (Überbetriebliche Ausbildungsstätte)«, erzählte Gramlich. »Es gab aber einen Zusammenschluss der Firmen Braun, Göttfert und Feinelektrik Altheim, die führten eine eigene Lehrwerkstatt im ersten Ausbildungsjahr. Von den drei Firmen wurde sogar eine Busverbindung für Mitarbeiter und Auszubildende eingesetzt.« Das sei praktisch gewesen, denn man war ja noch minderjährig. » Aber später fuhr ich dann mit dem Moped in die Schule«, ergänzt Gramlich. Doch Erich Gramlich wollte nach der Ausbildung unbedingt ein Ingenieurstudium an der Ingenieurschule Karlsruhe, der heutigen Fachhochschule (FH), beginnen. Dafür qualifizierte in damaliger Zeit eine erfolgreiche Berufsausbildung. Doch sein Ausbilder bei Göttfert-Feinwerk-Technik war von diesem Plan ganz und gar nicht angetan. »Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie er lautstark argumentierte und fragte, für wen sie denn hier ausbilden würden.« In Karlsruhe konnte man sich für einen Vorkurs an der Fachhochschule einschreiben. An die 250 ehemalige Lehrlinge aus ganz Baden-Württemberg wollten im Studienjahr 1975 an diesem Vorkurs teilnehmen. 150 davon sollten die Prüfung auch bestehen, welche die Fachhochschulreife darstellte, die den weiteren Studienverlauf Zeitzeugenberichte 104 an der FH Karlsruhe ermöglichte. »Das waren die Anfänge des Zweiten Bildungsweges«, meint Gramlich. »Die Fachhochschulreife in den Händen zu halten, das war für uns wie im Himmel!« Im weiteren Verlauf seines Studiums bekam Gramlich aufgrund seiner Berufsausbildung und einschlägiger Berufserfahrung sogar die beiden Praxissemester erlassen, sodass er bereits nach sechs Semestern seinen »Dipl.-Ing. (FH)«-Titel in den Händen halten konnte. Dass alles so gut gepasst hat und Erich Gramlich schneller seinen Ingenieurstitel innehatte, als wenn ein Abiturient diesen Werdegang durchlaufen hätte, war ein glücklicher Umstand. »Durch meinen Realschulabschluss wurde meine Lehre bei Göttfert-Feinwerk-Technik auf 36 Monate reduziert und meine 15 Monate dauernde Wehrdienstzeit wurde wegen ordentlichen Benehmens um 6 Wochen verkürzt.« »Durch das von der ersten sozial-liberalen Koalition unter Bundeskanzler Willy Brandt eingeführte Berufsausbildungsförderungsgesetz (BaföG) und einer Waisenrente war es letztlich möglich, diesen Werdegang einzuschlagen.« Natürlich musste er »trotzdem noch am Wochenende und in den Semesterferien jobben«, so Gramlich. Der Start an der ZGB war eine schöne Zeit, resümiert Gramlich. Es gab damals noch einen Kappenabend für Lehrkräfte samt Gattin bzw. Gatten. Dieser wurde dann in die Soiree umgewandelt, einem musikalischen Abend in der Aula der Schule, den die Kollegen mit ihren eigenen musikalischen Talenten gestalteten. Aber heute ist es hier immer noch schön, so sein Fazit. Bericht von Monika Weigand-Stubenvoll – erste „Frau“ (und nicht „Fräulein“!) an der ZGB Monika Weigand-Stubenvoll kam im Januar 1976 als Studienassessorin an die ZGB. Nach Fräulein Raab, der ersten Lehrerin an der Schule, bestand Monika Weigand, obwohl sie damals unverheiratet war, dennoch auf die Bezeichnung »Frau«, was an der Schule als kleiner Skandal angesehen wurde. Allerdings gab es in den Räumen der ZGB noch andere Frauen, denn die damalige Hauswirtschaftsschule Buchen (HWS) benutzte Räume der ZGB, so war auch »Fräulein« Gertrud Decker, die Schulleiterin der HWS, öfters anzutreffen. Und im Sekretariat waren Hildegard Scholl und Marianne Witt vorzufinden. 1979 hatte Monika Weigand dann geheiratet, einen Lehrerkollegen von der Schule. Eine erste Reaktion von Herr Brötel auf diese Nachricht war die Frage: »Wann hören Sie denn auf?« Woraufhin Monika Weigand-Stubenvoll entgegnete, dass sie ihr Studium nicht finanziert hätte, um jetzt das alles hinzuwerfen. »Problematisch« war wohl auch, dass man nicht wusste, wie man das schulinterne Kürzel nun vergeben sollte: Es gab ja jetzt nun zwei Personen mit dem Namen Stubenvoll an der Schule. Der Vorschlag, dass man beim Kürzel aus der Zeit vor der Heirat bleiben könne, verschaffte Erleichterung: »Wg« für Monika und »St« für Helmut. Nach der damaligen »neuen« Regelung, dass man als Frau den Geburtsnamen behalten und den Familiennamen des Ehemannes anhängen konnte, hieß Monika ab dann Weigand-Stubenvoll. Monika avancierte dann zur ersten Frauenvertreterin an der Schule: Eintreten für Gleichstellung! Der von Monika initiierte Anhang 105 »pädagogische Zirkel« war ein erster Schritt in die Richtung »innere Schulreform«. Auf freiwilliger Basis begann man, sich regelmäßig nachmittags zu treffen und über Probleme mit Schülern, Kollegen und der Schulleitung zu reden. »Eine gute Sache, da man so die Möglichkeit bekam, im kleinen Kreis, der absoluter Verschwiegenheit unterlag, seine Probleme zu besprechen.« Natürlich gab es auch Kaffee, Kekse und … Rotwein. »Der löste die Zunge«, so Frau Weigand-Stubenvoll. »Die Schüler von damals hatten noch eine ganz andere Beziehung zu ihren Lehrern.« Frau Weigand-Stubenvoll fallen dazu besondere Erlebnisse ein: Aprilscherze. Auf dem Gelände des heutigen ALDI gab es damals einen Erdhügel, worauf die Schüler ihren Fiat 850 mit vereinten Kräften hievten. Ein Jahr später, ebenfalls zum 1. April, hoben die Schüler ihren Fiat auf ein Podest zwischen damaliger Landwirtschaftsschule und HWS, sodass das Auto so eingekeilt war, dass nur durch erneutes Hochheben und händisches Wegtragen der Weg wieder freigemacht werden konnte. Daraufhin kaufte sich Monika ein schwereres Auto. Bericht von Anatoli Brishatjuk – Migration und Integration Als studierter Musiker (Tuba), Fachrichtung Blechbläser, machte Anatoli Brishatjuk nach seiner Migration von Kasachstan nach Deutschland im Februar 2003 eine beispielhafte Karriere bis hin zum staatlich geprüften Techniker im mittleren Management. Nach seiner Migration von Kasachstan nach Deutschland konnte er sich zunächst gar nicht vorstellen, »etwas Technisches« zu machen. Sein Herz hing noch zu sehr an seiner musikalischen Ausbildung, die er hier gerne weitergeführt hätte. Zunächst versuchte er, an der Musikhochschule Würzburg die Aufnahmeprüfung zu bestehen, doch vorbereitende Privatstunden waren leider zu teuer. »[…] mit 21 wie ein stummes Kind«, stellt er rückblickend fest, da sein in Kasachstan eingeschlagener Weg verschlossen schien und er über keine Sprachkenntnisse verfügte. Mit diversen Nebenjobs (Pizza ausfahren etc.) hielt er sich über Wasser. In Höpfingen, in der Trachtenkapelle, fühlte er sich dann erstmals heimisch. Hier entstand auch ein erster Kontakt zur ZGB: Studienrat Michael Kaiser nahm Anatoli immer mit dem Auto zu den Proben, da er damals kein Auto hatte. Im Jahr 2006 begann er seinen Job bei der Fa. Seitenbacher und zog mit seiner Freundin (heute Frau) nach Buchen. Bereits zum Jahresbeginn fing er bei der Stadtkapelle Buchen zu musizieren an. Recht bald übernahm Anatoli hier dann die Jugendkapelle. Seine Sprachkenntnisse wurden – nicht zuletzt dadurch – schnell besser. Zwar versuchte er die Aufnahmeprüfung nochmals mit Mitte 20, nahm dann aber doch Abstand von der Karriere als Berufsmusiker. Mit der Stadt Buchen und seinen Bewohnern, nicht zuletzt durch das Praktikum im Rathaus und in der JMK- Musikschule fühlt er sich sehr verbunden. Er habe sich hier sehr schnell eingelebt und viele nette Kontakte aufgebaut, auch dies sei ein wichtiger Parameter für seinen Karriereweg gewesen. Weil er von der Gesellschaft in Buchen, hier vor allem von der Stadtmusik und der ZGB, so viel Kostbares und Wertvolles unentgeltlich erfahren habe, fühle er sich in der Verantwortung, etwas zurückzugeben. Zeitzeugenberichte 106 In einer gemeinsamen Entscheidung mit seiner Frau, rang er sich dazu durch, eine Lehre zum Feinwerkmechaniker anzutreten. Die Firma Fella Maschinenbau GmbH in Amorbach wurde sein Ausbildungsbetrieb. Dass er seine Berufsschule an der ZGB absolvieren durfte und nicht wie durch den Betriebsort Amorbach bedingt in Obernburg, verdankt er dem Einsatz von Christof Kieser, der ihm half, den Schulbezirk zu wechseln. Anatoli Brishatjuk war zu Beginn der Ausbildung schon zum ersten Mal Vater geworden und da war es natürlich vorteilhaft, wenn der Buchener in Buchen die Berufsschule besuchen konnte. Die Länder Bayern und Baden-Württemberg verständigten sich diesbezüglich problemlos. Nach der Ausbildung reifte in ihm der Entschluss, noch den Techniker »draufzusatteln«. Kein halbes Jahr nach Ausbildungsende begann Anatoli dann schon mit der Teilzeittechnikerausbildung (FTMT) an der ZGB. Die Fachschule für Technik an der ZGB bietet als Zusatzqualifikation das Zertifikat der DGQ (Deutsche Gesellschaft für Qualität) an. Diese Ausrichtung auf das »Qualitätsmanagement« war für ihn besonders attraktiv. Er berichtet davon, dass es für ihn wie seine innere Stimme immer wieder zugeflüstert hat: »Nutze Deine Chance …, das ist die Chance fürs Leben.« Seine Erfahrungen an der ZGB beschreibt er als eine Zeit »des gesunden Drucks«. Er wurde gefordert, wobei in der Technikerausbildung in Teilzeit auch immer die Gefahr der Überforderung bestand, aber nur, »wenn man nicht weiß, was man will, und wenn man kein klares Ziel vor Augen hat«. Schließlich ist diese Form der Ausbildung (Montag- und Freitagabend, an Samstagen und in Präsenzwochen, die fast den gesamten Jahresurlaub aufzehren) äußerst zeitintensiv. Er hat im Betrieb vorgearbeitet und Überstunden geschoben, um an der ZGB den Unterricht besuchen zu können. »Diese Zeit ging an die Substanz. Mitunter hatte ich nur drei Stunden Schlaf.« Aber er glaubt, dass stressige Zeiten manchmal notwendig seien, um »dem Druck« standzuhalten und für den Beruf fit zu sein. »Wenn man ein Ziel hat, dann muss man sich einfach dahinterklemmen! […] Die Ausbildung als Teilzeittechniker an der ZGB, »diese ›Schule des Lebens‹ war im Nachhinein nötig für meine jetzige Einstellung, für die Erkenntnis, was wichtig und was unwichtig ist«. Er sei jetzt angekommen und den Druck, der früher von der Ausbildung herkam, den suche er sich mittlerweile selber. Es sei die richtige Mischung aus Herausforderung und Bestätigung gewesen, gemäß dem Motto: »Man wächst mit seinen Aufgaben!« Im Nachhinein stellt er fest, dass er es etwas bereut, dass alles so schnell lief: »Innerhalb von 10 Jahren von null auf hundert, vom Lehrling zum Gesellen, dann zum Verwaltungsmitarbeiter, anschließend zu einer Leitungsposition in einer mittelständischen Firma. Er arbeitet aktuell bei einem Automotive-Unternehmen in Mannheim. Rückblickend deklariert Herr Anatoli Brishatjuk die ZGB-Schule als »persönliches Sprungbrett« und auch als den Grundstein, auf dem alles aufbaut. Anhang 107 Stilblüten aus den Gesamtlehrerkonferenzen – Zeugnisse des Zeitgeistes VI. 3) Stilblüten aus den Gesamt lehrerkonferenzen – Zeugnisse des Zeitgeistes »Der Filmbeitrag in der Höhe von 40 Pfennigen ist wie alljährlich wieder von den Schülern einzukassieren und bald abzuliefern, desgleichen der Betrag für die Kriegsgräberfürsorge. Der Filmbeitrag kann eventuell auch in 4 Raten eingehoben werden.« (GLK-Protokoll vom 13.11.1948) »Pilgerfahrten nach Rom oder Lourdes können als Sonderurlaub genehmigt werden.« (GLK-Protokoll vom 3.4.1954) »Die Schülersammlung für die Geschädigten der Hochwasserkatastrophe in Norddeutschland erbrachte in Buchen 73,85 DM, in Walldürn 235,05 DM.« (GLK-Protokoll vom 21.3.1962) »Nr. AV 517 vom 22. März 1962; Röntgenuntersuchung der Lehrkräfte: Lehrkräfte haben sich vor Übernahme ihrer Tätigkeit und in der Folge jährlich einmal einer Röntgenuntersuchung zu unterziehen. Es kann auch ein privatärztliches Zeugnis erbracht werden, dessen Kosten jedoch der Lehrer selbst zu tragen hat. Im Falle der Weigerung sind Disziplinarmaßnahmen vorgesehen.« (GLK-Protokoll vom 12.4.1962) »Erlass Nr. AV 1696: Die Begriffe ›Bundesrepublik‹, ›bundesdeutsch‹ und die Abkürzung ›BRD‹ sollen möglichst nicht, dagegen die Worte ›Deutschland‹ und ›deutsch‹ häufig gebraucht werden.« (GLK-Protokoll vom 19.1.1966) »Durch Zukauf von Geräten verfügt die Schule nun über 6 Tageslichtprojektoren. Auch ein 2. lichtstarkes Epidiaskop wurde angeschafft.« (GLK-Protokoll vom 15.12.1972) »Wiederholt wurde das Thema ›Verlust des Schlüssels für die zentrale Schließanlage an der ZGB‹ sehr lebhaft diskutiert. Der Schulleiter appelliert an die Vernunft aller, im Interesse eines einwandfreien Schulbetriebs, das Risiko auf sich zu nehmen. Damit die Konferenz nicht bis in die Nachtstunden andauert, geht man zum nächsten Punkt über, obwohl ein großer Teil der Kollegen mit der jetzigen Form des eigenen Risikos nicht zufrieden ist.« (GLK-Protokoll vom 16.5.1975) »Bewerbungen für Saudi- Arabien sind auf dem Dienstweg einzureichen.« (GLK-Protokoll vom 1.7.1980 mit Verweis auf den Erlass U IV 358.15.72/36 vom 13.6.1980) »Hr. Brötel bittet die Kollegen abschließend, den Stundenplan in seinem Zimmer möglichst nur in der großen Pause und/oder am Nachmittag zu frequentieren. Außerdem bleibt es dabei, daß ein Stuhl vor dem Zimmer ›absolute Ruhe‹ bedeutet.« (GLK-Protokoll vom 21.8.1989) »Es soll durch Zeitungsinserat ein neuer Pächter für den Pausenverkauf an der ZGB gesucht werden. Dabei wird das Sortiment ausgewiesen und es werden auch ›Heiße Würstchen‹ angeboten werden. Das Kollegium spricht sich mehrheitlich für einen Probelauf bezüglich ›Heiße Würstchen‹ [aus].« (GLK-Protokoll vom 23.4.1990) 108 »Herr Kress bittet um einen Heckenschnitt am 1. Parkplatz des Schuleingangs.« (GLK-Protokoll vom 30.9.1991) »Herr Seiffert I teilt dem Kollegium mit, daß alle schuleigenen Computer und wahrscheinlich auch die meisten Disketten durch Viren verseucht sind.« (GLK-Protokoll vom 13.11.1991) »»Herr Lenzen gibt zu bedenken, daß es mittlerweile über tausend Computer-Viren gäbe. Die Antiviren-Programme könnten jedoch immer nur einen kleinen Teil bekämpfen.« (GLK-Protokoll vom 16.12.1991) VI. 4) Erfahrungsbericht zur Stundenplanerstellung am Schuljahresbeginn – Aufzeichnungen nach einem Gespräch mit Schulleiter a. D. Dipl.-Ing. Wolfgang Seifert Zu Zeiten von Schulleiter Willax war die Stundenplanerstellung an der ZGB noch relativ einfach. Zunächst wurde am ersten Schultag gewartet, wie viele Schüler sich für welche Berufe meldeten. Nachdem die Schüler aufgenommen waren, wurden die Kollegen vom Schulleiter in den Prinz Carl geschickt. Sie sollten nach dem Mittagessen wiederkommen. In der Zeit von 11 bis 13 Uhr hatte Herr Willax den Stundenplan erstellt. Dieser wurde den Kollegen mitgeteilt und danach wurde im kommenden Schuljahr unterrichtet. Eines Tages, einige Jahre später, kamen die Kollegen wieder aus dem Prinz Carl und statt des fertigen Stundenplans erwartete sie ein völlig aufgelöster Schulleiter, der eingestehen musste, dass er es nicht geschafft hatte, einen Stundenplan zu erstellen, die Lage war komplexer geworden. Herr Brötel kam dann auf die Idee, ein großes Blatt Papier auf den Boden zu legen und hierin die Klassen und die Wochentage einzutragen. Jeder Lehrername wurde dann auf ein Zettelchen geschrieben und zu der entsprechenden Klasse gelegt. Dieses Verfahren wurde im Prinzip längere Zeit beibehalten, nur, dass statt des Blattes später eine Holztafel mit zahlreichen Haken genommen wurde. In die Haken wurden dann entsprechende Lehrernamen gehängt. Später wurde von Herrn Brötel dann eine Magnettafel eingeführt. Auch hier wurden wieder die Klassen den Lehrern, diesmal symbolisiert durch verschiedene farbige Magnete, zugeordnet. Welcher Lehrer sich hinter welcher Magnetfarbe verbarg, erklärte eine Legende. Da im beruflichen Schulwesen Klassen oftmals geteilt werden, andererseits ein Lehrer manchmal auch zwei Gruppen gleichzeitig unterrichtete, beispielsweise das erste Jahr Elektrotechnik und die Einjährige Berufsfachschule Elektro, waren bei manchen Klassen zwei Lehrer eingetragen, bei anderen Stunden hingegen fehlte ein Lehrermagnet. Stattdessen gab es hier einen Hinweiszettel auf die gemeinsame Beschulung. Die Stundenplanmacher waren ständig damit beschäftigt, zu zählen, welchem Lehrer bereits wie viele Stunden zugeordnet wurde und wie viele noch bis zu seinem Deputat fehlten. Eine Zuordnung der entsprechenden Unterrichtsfächer fand nicht statt. Aufgabe des Klassenlehrers war es nun, aus der Lehrerzuteilung einen Stundenplan zu machen, d. h. zu klären, welcher Lehrer welches Fach in der Klasse unterrichtet. Die- Anhang 109 Quellen ses System war vor allem für neue Lehrer sehr gewöhnungsbedürftig, auch weil es in der ersten Schulwoche nur einen Stundenplan gab, der im Zimmer des Schulleiters hing. Oftmals wurde der Plan wieder ge- ändert, weil auf einmal Klassen weggebrochen sind oder neue Klassen gebildet wurden, weil sich dann doch noch ein Schüler ab- bzw. anmeldete. Herr Brötel soll einmal erzählt haben, dass er nachts davon geträumt habe, dass jemand in die Schule eingebrochen sei und das »Magnet-Kunstwerk« verwischt habe. Die Schule wuchs und mit ihr auch die Anzahl der Lehrer und der Klassen. Es musste ein anderes Verfahren gefunden werden. Zum Glück waren mittlerweile auch Kollegen an der Schule, die sich soweit mit Softwarefragen auskannten, dass sie ein entsprechendes Hilfsprogramm schreiben konnten, welches Doppelbelegungen, Stundenanzahl etc. abgleichen konnte. Mittlerweile, heutzutage, unterstützt das Programm Untis die Schulleitung bei der Stundenplangestaltung, doch trotzdem gibt es so viele Abhängigkeiten zu beachten, dass die Stundenplangestaltung meist schon vor den Sommerferien beginnt, dann ein paar Wochen im August ruht, um in den letzten beiden Ferienwochen wieder aufgenommen zu werden. Am ersten Schultag ist der Prozess längst nicht abgeschlossen, da man erst in der ersten Schulwoche, nach Schüleraufnahme, halbwegs genaue Zahlen hat. Aber auch dann kann es passieren, dass sich noch Schüler anmelden oder wieder abmelden. Bei einer beruflichen Schule wird die Stundenplanerstellung noch dadurch erschwert, dass es viel mehr verschiedene Fächer gibt als an einer allgemeinbildenden Schule. Dies hat zur Konsequenz, dass einzelne Fächer nur von einem oder zwei Lehrern unterrichtet werden. Anm.: In der Zeit als Herr Seifert Schulleiter war, forderte er die Kollegen in der ersten Gesamtlehrerkonferenz des Schuljahres immer dazu auf, der Schulleitung etwas zu spenden, falls sie mit dem Stundenplan zufrieden seien. Den Unzufriedenen bot er ein Taschentuch an. VI. 5) Quellen VI.5.1) Quellen zur badischen Gewerbeschulgeschichte Auszüge des Gründungserlasses der badischen Gewerbeschule vom 15. Mai 1834342 Leopold von Gottes Gnaden, Großherzog von Baden, Herzog von Zähringen. Die Nothwendigkeit eines besonderen öffentlichen Unterrichts für jene jungen Leute, welche sich einem Gewerbe oder Handwerke widmen, und in früher Jugendzeit in Arbeit und Lehre treten, wurde bereits in früheren Landes-Verordnungen und namentlich in dem Edikte vom 13ten Mai 1803, über die gemeinen und höheren Lehranstalten, anerkannt. Die zur Befriedigung dieses Bedürfnisses ertheilten Vorschriften haben sich aber theils in Folge der gestiegenen Forderungen an die Gewerbe als un- 342 Angegeben nach: Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 290–293. Er beruft sich bei seiner Quellentranskription auf: Großherzoglich Badisches Staats- und Regierungsblatt Nr. XXVII vom 21. Juni 1834, S. 217–224. 110 genügend erwiesen, theils sind sie aus Mangel an hinlänglichen Fonds zur Bestreitung der Kosten eines solchen Unterrichts unvollzogen geblieben. In dieser Erwägung und nachdem in dem letzten Finanzgesetz zur Verwendung auf diesen Zweig des öffentlichen Unterrichts ein jährlicher Zuschuß aus Staatsmitteln bestimmt worden ist, haben Wir auf den Vortrag Unseres Ministeriums des Innern beschlossen und verordnen wie folgt: Art. I. Errichtung der Gewerbe schulen. § 1. In allen gewerbreichen Städten des Großherzogtums sollen Gewerbschulen errichtet werden. Art. II. Zweck der Gewerbschulen. § 2. Die Gewerbschule hat den Zweck, jungen Leuten, die sich einem Handwerke oder einem Gewerbe widmen, welches keine höhere technische und wissenschaftliche Bildung erfordert, und das sie praktisch zu erlernen bereits begonnen haben, diejenigen Kenntnisse und graphischen Fertigkeiten beizubringen, die sie zum verständigen Betriebe dieses Gewerbes geschickt machen. Art. III. Unterrichtsgegenstände. § 3. Der Unterricht in der Gewerbschule begreift in der Regel: Handzeichnen geometrischer Figuren und Körper und Ornament-Zeichnen, Arithmetik und algebraische Grundbegriffe, Geometrie, mit Einschluss des geometrischen Zeichnens, Industrielle Wirtschaftslehre, mit Anleitung zur einfachen Buchhaltung. Mit dem Unterrichte sind Übungen der Schüler in schriftlichen Aufsätzen und im mündlichen Ausdruck zu verbinden. § 4. Wo das Bedürfnis hierzu vorhanden ist, und soweit die gegebenen Mittel reichen, umfaßt der Unterricht ferner: Naturkunde: einfache Erklärung der wichtigsten Naturerscheinungen und die für einzelne Handwerke und für landwirtschaftliche Gewerbe nützliche Kenntnisse aus der Naturgeschichte und aus der technischen Chemie; Mechanik, angewendet auf die Gewerbe, mit Beschreibung, Konstruktion und Berechnung einzelner Maschinen. § 5. Nach Verschiedenheit der gewerblichen Verhältnisse in einer Stadt und ihren Umgebungen kann ein specieller Unterricht für einzelne Gewerbe oder für einzelne Hauptzweige von Gewerben angeordnet werden. Art. IV. Aufnahme in die Gewerbe schule. § 6. Die Gewerbschule nimmt als ordentliche Schüler alle jungen Leute auf, welche das vierzehnte Lebensjahr zurückgelegt haben, bei einem Meister zur Erlernung eines Gewerbes in die Lehre getreten sind, oder in der nächsten Zeit in die Lehre zu treten beabsichtigen, und die erforderlichen Vorkenntnisse besitzen. Anhang 111 § 7. Die Gewerbschule setzt nur diejenigen Vorkenntnisse voraus, welche die allgemeine Volksschule lehrt. § 8. Lehrlinge, welchen es an hinlänglicher Fertigkeit im Lesen, Schreiben und Rechnen fehlt, sind zum Besuche der Fortbildungsschule anzuhalten, und bis sie sich gehörig befähigt haben, in der Gewerbschule nur zum Zeichenunterrichte zuzulassen. § 9. Der Besuch der Schule ist auch allen in Arbeit stehenden Gesellen gestattet, welche die erforderlichen Vorkenntnisse besitzen und über ihre Sittlichkeit und gute Aufführung günstige Zeugnisse aufzuweisen vermögen. § 10. Ebenso steht der Zutritt Jedem zu, der sich für ein nicht zünftiges Gewerbe durch den Besuch einzelner hiezu dienlicher Vorträge nützliche Kenntnisse erwerben will, wie namentlich für landwirtschaftliche Gewerbe durch den Besuch der Curse über Naturkunde, wo sie stattfinden. § 11. In Städten, wo bei der Volksschule kein Unterricht im Zeichnen ertheilt wird, soll den Stadtschülern ein Jahr vor ihrer Confirmation, nach ihrem zurückgelegten zwölften Jahre, der Besuch des Zeichnungs-Unterrichts gestattet werden. Art. V. Unterrichtszeit. § 12. In der Regel sollen an jedem Sonnund Feiertage (die hohen Feiertage ausgenommen) von Ostern bis November, zwei bis zwei und eine halbe Stunde, und vom 1. November bis Ostern eine bis eine und eine halbe Stunde, sodann an Wochentagen in den Feierabendstunden eine Stunde täglich dem Unterrichte gewidmet werden. Die Lehrer der Gewerbschulen werden darauf wachen, daß die Gewerbschüler den kirchlichen Gottesdienst nicht versäumen. § 13. Nach Vernehmung des Gewerbestandes der einzelnen Städte, bleibt den Kreisregierungen überlassen, durch abändernde Bestimmungen die Wünsche und Bedürfnisse der Arbeitsherren, ohne wesentliche Benachteiligung des Unterrichtszweckes, in der Art zu berücksichtigen, daß in jeder Woche, einschließlich des Sonntags, im Ganzen wenigstens ein sechsstündiger Unterricht ertheilt wird. § 14. Für die Bauhandwerker soll jedenfalls vom 1. November bis 1. März ein täglicher, ein und einhalb- bis zweistündiger Unterricht statt finden. § 15. Die für jede Stadt getroffene Bestimmung über die Unterrichtsstunden wird in dem Anzeigeblatt bekannt gemacht. § 16. Die Bürgermeister und Zunftvorsteher haben darauf zu wachen, daß die Meister die ihnen durch die Verordnung vom 9ten Februar 1808 (Die Wanderschaft der Zunftgenossen betreffend, Regierungsblatt Nro. V.) auferlegten Verpflichtungen gewissenhaft erfüllen, wonach sie ihre Lehrlinge zur Nutzung der vorhandenen Unterrichtsanstalt anhalten sollen. § 17. Die Lehrkurse gehen von Ostern bis Ostern. Quellen 112 § 18. Ferien sind an Ostern drei Wochen, im Oktober vierzehn Tage. Art. VI. Zahl und Einteilung der Curse. § 19. Die Gewerbschule hat in der Regel einen dreijährigen, mindestens zweijährigen Kurs. Die Beschränkung auf einen zweijährigen Kurs tritt nur ein, wo die Mittel zur vollständigen Ausführung des Lehrplans fehlen. § 20. Die Abtheilung des Lehrstoffs soll in der Weise getroffen werden, daß jene jungen Handwerker, welche eine Schule mit zweijährigem Curse durchlaufen haben, und sodann in eine andere Stadt, wo ein mehr umfassender Unterricht ertheilt wird, in Arbeit treten, daselbst den dritten Jahreskurs mit Nutzen besuchen können. § 21. Die Teilnahme der Gewerbschüler an dem gesamten Unterrichte wird nach den Bildungsbedürfnissen der verschiedenen Hauptzweige der Gewerbe, insbesondere der Bauhandwerke und solcher Gewerbe, welche technisch-chemische Kenntnisse erfordern, bestimmt. In dem gesamten Unterrichte sollen die verschiedenen Bedürfnisse der einzelnen Gewerbe möglichst berücksichtigt werden. § 22. Nähere Vorschriften hierüber, sowie über den Inhalt der Lehrverträge und über den Zeichnungsunterricht, werden theils durch allgemeine Instruktionen, theils durch besondere Bestimmungen für einzelne Schüler ertheilt werden. Art. VII. Prüfungen. § 23. In jeder Gewerbschule sollen jährliche öffentliche Prüfungen, und zwar am Schlusse des Wintersemesters, stattfinden. § 24. Alle Lehrlinge, welche sie als ordentliche Schüler zum Besuche verpflichtet sind, müssen bei der Prüfung erscheinen. Den Gesellen und anderen Schülern ist das Erscheinen bei der Prüfung freigestellt. Art. VIII. Lehrer der Gewerbschule. § 25. In der Regel sollen die Lehrer der Gewerbschulen aus den Angehörigen des Gewerbestandes gewählt werden. § 26. Fehlt es an Gewerbsmännern, welche die erforderlichen theoretischen und praktischen Kenntnisse besitzen und zugleich geneigt sind, ein solches Lehramt zu übernehmen, so können Praktikanten technischer Fächer hierzu verwendet werden. § 27. Die Theilnahme der am Orte der Gewerbsschule bei höheren Unterrichtsanstalten angestellten Lehrer der mathematischen und der Naturwissenschaften, sowie der technischen Beamten, an dem Unterrichte der Gewerbschulen, durch Übernahme einzelner Lehrvorträge oder durch noch helfende Einwirkung auf den Unterricht soll möglichst befördert werden. § 28. Wo der Unterricht auf die in § 3. bezeichneten Lehrgegenstände beschränkt ist, kann die Anstellung eines Lehrers genügen, welcher mindestens diejenigen Kenntnisse in sich vereinigt, die in den beiden mathematischen Classen der polytechnischen Schule gelehrt werden. Anhang 113 § 29. Die polytechnische Schule ist ermächtigt, solchen aus der Bauschule, Ingenieurschule oder höheren Gewerbschule austretenden Zöglingen, welche sich einem bürgerlichen Gewerbe widmen und sich vorzügliche Kenntnisse erworben haben, Fähigkeitszeugnisse auszustellen, welche ihre Tauglichkeit zur Übernahme einer Lehrstelle bei einer städtischen Gewerbschule unter Bezeichnung der Lehrfächer, wofür sie sich vorzugsweise gebildet haben, beurkunden. Diejenigen, welche solche Zeugnisse erlangt haben, können nach dreijähriger praktischer Übung in ihrem technischen Zweige ohne weitere Prüfung als Lehrer angestellt werden. § 30. Alle Anstellungen bei den Gewerbsschulen sind widerruflich. Art. IX. Schulgeld. § 31. Für den Unterricht in den Gewerbschulen soll ein mäßiges Schulgeld entrichtet werden. § 32. Der höchste Betrag dieses Schulgeldes wird auf zwanzig Kreuzer für den Monat festgesetzt. § 33. Minderbemittelte Schüler zahlen die Hälfte oder ein Viertheil des regulierten Schulgeldes. Unvermögliche sind von Entrichtung des Schulgeldes befreit. § 34. Ganz arme Lehrlinge sollen durch unentgeltliche Verabreichung der Zeichnungsmaterialien und der eingeführten Lehrbücher auf Kosten der hierzu geeigneten Local- und Bezirksfonds und, so weit es daran fehlt, aus dem Ertrag der Lehrgelder unterstützt werden. Art. X. Unterhalt der Gewerbschule. § 35. Die Kosten der Gründung des Unterhalts der Gewerbschulen werden von der Gemeinde bestritten, soweit die solchen Anstalten speziell gewidmeten Lokal- Stiftungen, Schenkungen und Vermächtnisse, sodann die bereits bewilligten oder noch auszumittelnden Beiträge aus anderem für Unterrichtszwecke verwendbarem Stiftungsvermögen, specielle Dotationen aus der Staatskasse und der Ertrag des Schulgeldes nicht zureichend sind. § 36. Diejenigen Städte, in welchen die Errichtung von Gewerbschulen als dringendes Bedürfniß erkannt wird, sollen verhältnismäßige Zuschüsse aus den für diese Unterrichtszwecke bestimmten Fonds aus der Staatskasse erhalten. Über die Vertheilung dieser Zuschüsse werden nähere Bestimmungen erfolgen. § 37. Jedenfalls hat die Gemeinde, wo eine Gewerbschule errichtet wird und welche einen Zuschuß erhält, für das Local, für die innere Einrichtung der Schule, für Schulrequisiten (Tische, Bänke), für den Unterhalt und die Reinigung des Locals und für Feuerung zu sorgen. § 38. Sämtliche Zuschüsse aus dem Unterhalt der Gewerbschulen werden an die Gemeindecasse abgeliefert, aus welcher alle Ausgaben bestritten werden. Über die jährlichen Einnahmen und Verwendungen wird jedoch besondere Rechnung geführt. Quellen 114 § 39. Die Zuschüsse jeder Art, sowie die aus den Gemeindeeinkünften bestimmten Beiträge zum Unterhalt der Schule, dürfen unter keinem Vorwand ihrem Zweck entzogen werden. Die Überschüsse eines Jahres werden als Aktivum der Schule für das nächste Jahr übertragen. Art. XI. Aufsicht. Schulvorstand. § 40. Die Gewerbschule steht unter Aufsicht eines besonderen Schulvorstandes. Den Schulvorstand bilden: 1. der Bürgermeister der Stadt; 2. der erste Stadtpfarrer, und in gemischten Orten, die ersten Geistlichen beider Confessionen; 3. mindestens drei Gewerbsmänner, oder andere, durch ihre Kenntnisse im Gewerbewesen oder im Unterrichtswesen, und durch ihren regen Eifer für die Sache ausgezeichnete Ortseinwohner; 4. an Orten, wo sich technische Beamten befinden, wenigstens ein solcher Beamter. § 41. Die Lehrer der Gewerbschulen können zugleich Mitglieder des Vorstandes sein, und wohnen als solche alsdann allen, sie nicht persönlich berührenden, Verhandlungen bei. § 42. Jeder, der bei der Schule unentgeldlichen Unterricht ertheilt, ist Mitglied des Vorstandes. § 43. Der Vorstand empfängt die Anzeigen der Lehrer über den ZUgang und Abgang der Schüler und über Schulversäumnisse. Er entscheidet über die Ausweisung solcher jungen Leute aus der Schule, welche sich ein unsittliches oder ordnungswidriges Betragen zu Schulden kommen lassen. § 44. Der Schulvorstand wacht darüber, daß sämmtliche Meister in jenen Gewerbszweigen, für welche die in der Gewerbschule gelehrten Kenntnisse notwendig oder nützlich sind, ihre gesetzliche Verbindlichkeit, ihre Lehrjungen zum Schulbesuche anzuhalten, gehörig erfüllen; er veranlaßt das Bürgermeisteramt, gegen diejenigen Meister einzuschreiten, welche dieser Verpflichtung auf ergangene Erinnerungen nicht nachkommen, und erstattet nach den Umständen hierüber Anzeige an das Bezirksamt. § 45. Auf gleiche Weise sorgt er dafür, daß Lehrlinge, welche wegen Mangel an der erforderlichen Fertigkeit im Schreiben, Lesen und Rechnen zum Besuche der Gewerbschule nicht zugelassen werden können, zum Besuche der Fortbildungsschulen angehalten werden. § 46. Der Schulvorstand wacht über den Vollzug der genehmigten Unterrichtspläne, ernennt einen oder zwei Schulinspektoren aus seiner Mitte, welche Lehrstunden wöchentlich wenigstens einmal besuchen, um von dem Fortgang des Unterrichts Kenntniß zu nehmen; er berathschlagt über zweckdienliche Verbesserungen unter Zuziehung der Lehrer; beschließt über die erforderlichen Anschaffungen von Vorlageblättern und anderen Bedürfnissen zur Ausstattung der Schule innerhalb der Grenzen der disponiblen Fonds, und erstattet jährlich nach Anhang 115 stattgehabter öffentlicher Prüfung einen Hauptbericht über den Zustand der Schule. § 47. Über Anstellung und Entfernung der Lehrer wird der Vorstand mit seinem Gutachten vernommen. § 48. Er entwirft jährlich in Gemeinschaft mit dem Gemeinderath den Voranschlag über die Einnahmen und Ausgaben der Schule. § 49. Gemeinschaftlich mit dem Gemeinderath schlägt er den Betrag der zu entrichtenden Schulgelder vor. Über ganze oder theilweise Befreiung entschiedet er ausschließlich. Art. XII. Oberaufsicht. § 50. Die Kreisregierungen haben die Oberaufsicht über sämtliche Gewerbschulen ihres Kreises. Sie können anordnen, daß der Vorstand des Bezirksamts oder ein anderer großherzoglicher Beamter den Berathungen des Schulvorstandes als landesherrlicher Commissär regelmäßig oder bisweilen beiwohne. § 51. Sie wachen über die bestimmungsgemäße Verwendung der für die Gewerbschulen ausgemittelten Fonds, und lassen sich von den betreffenden Bezirksämtern jährlich eine Nachweisung hierüber vorlegen. Wo das Bedürfniß hierzu vorhanden ist, werden sie sich die Bildung solcher Schulfonds oder die Vermehrung derselben aus Gemeindemitteln, aus den für Unterrichtszwecke verwendbaren Überschüssen der Sfiftungscassen und durch Benutzung jeder schicklichen Gelegenheit zur Erlangung von Beiträgen, angelegen sein lassen. § 52. Die Kreisregierungen genehmigen die Schulgeldtarife und sorgen für die genaue Vollziehung aller auf diese Lehranstalten bezüglichen allgemeinen und besonderen Vorschriften. § 53. Sie erhalten von den Bezirksämtern die Jahresberichte der Schulvorstände und erstatten jährlich über den Zustand sämtlicher Gewerbschulen des Kreises einen Bericht an das Ministerium des Innern. § 54. Jeder Kreisregierung wird aus der Zahl der bei einer hohem Unterrichtsanstalt angestellten Professoren oder der im Kreise angestellten technischen Beamten ein Sachkundiger zur Berathung in allen den Unterricht, die Vollziehung der Lehrpläne, die Verbesserung derselben und die Wahl der Lehrer betreffenden Fragen beigegeben. § 55. Über die Anstellung der Lehrer entscheidet das Ministerium auf den Vorschlag der Kreisregierung, nach erhobenem Gutachten einer aus Lehrern der polytechnischen Schule für das Gewerbschulwesen gebildeten Commission. § 56. Die Commission für das Gewerbschulwesen hat über die Festsetzung und Abänderung der Lehrpläne, über die Wahl der Lehrbücher und über die Anschaffung der Hülfsmittel des Unterrichts zu berathschlagen und ihre Vorschläge hierüber dem Ministerium des Innern vorzulegen. § 57. Es werden derselben jedes Jahr sämtliche eingekommene Jahresberichte zugestellt, um die zweckmäßig erachteten Verbesserungen in Antrag zu bringen. Quellen 116 § 58. Mit der Commission für das Gewerbschulwesen können die Kreisregierungen in Allem, was den Vollzug der über den Unterricht und dessen Hülfsmittel ertheilten Vorschriften betrifft, in unmittelbare Correspondenz treten. § 59. Unser Minister des Innern ist mit dem Vollzug dieser Verordnung beauftragt. Gewerbeschulverordnung von 1840343 Zum Vollzug des § 44 der höchsten Verordnung vom 15. Mai 1834 (Regierungsblatt Nr. XXV, und nach Ansicht der §§ 20, 21 und 23 des Gesetzes über die Wanderschaft der Zunftgenossen vom 9. Februar 1808, Reggs.-Bl. Nr. V wird in Gemäßheit höchster Entschließung aus Großh. Staatsministerium vom 5. November 1840, Nr. 1890, verordnet: »§ 1. Die Kreisregierungen sind ermächtigt, den Lehrlingen einzelner Gewerbe, bei welchen die Kenntnisse, welche durch den Unterricht in den Gewerbeschulen verschafft werden sollen, weniger nothwendig oder nützlich sind, die Befreiung von dem Besuche der Gewerbeschule, oder von der Theilnahme an dem Unterrichte über einzelne Lehrgegenstände zu bewilligen. § 2. Diese Befreiung von dem Besuche der Gewerbeschule ist bei denjenigen, welche sich einem Baugewerbe widmen, nicht zulässig, also namentlich nicht hinsichtlich der 343 Zitiert nach Rothe, Gewerbeschulen, 2011, welcher Einsicht genommen hat in: Großherzoglich Badisches Staats- und Regierungsblatt 1840, Nr. 37, S. 296–298. Lehrlinge der Maurer, Steinhauer, Zimmerleute, Schreiner, Schlosser, Blechner, Glaser, Hafner und Anstreicher. Auch soll sie nur aus besondern und dringenden Gründen gestattet werden für die Brunnenmacher, Buchbinder, Büchsenmacher, Dreher, Gold- und Silberarbeiter, Graveure, Gürtler, Instrumentenmacher aller Art, Kammmacher, Lackierer, Mechaniker, Müller aller Art, Pflasterer, Possamentiere, Sattler, Schiffbauer, Schmiede aller Art, Schornsteinfeger, Sesselmacher, Steindrucker, Stukkateure, Tapezierer, Uhrenmacher, Wagner, Weber aller Art und Zinngießer. § 3. Einzelne Lehrlinge kann der Gewerbeschulvorstand von dem Besuch der Gewerbeschule befreien, wenn sie die vier ersten Jahreskurse einer gelehrten Schule oder einer höheren Bürgerschule mit Erfolg besucht haben, oder sich durch eine bei dem Schulvorstande zu erstehende Prüfung ausweisen, daß sie die Kenntnisse besitzen, welche in dem vierten Jahreskurse der höheren Bürgerschule erworben werden. § 4. Die sogenannten Handlanger sind zum Besuche der Gewerbeschulen nicht anzuhalten. § 5. Kein Lehrling der von dem Besuch der Gewerbeschule nicht befreiten Gewerbe, der seine Lehrzeit ganz oder theilweise an einem Orte zubrachte, an welchem sich eine Gewerbeschule befindet, kann als Geselle aufgenommen werden, wenn er sich nicht durch ein Zeugnis des Gewerbeschulvorstandes ausweist, daß er die Gewerbeschule, so lange er sich an einem solchen Orte als Lehrling aufhielt, regelmäßig und mit Er- Anhang 117 folg besucht hat, oder in Gemäßheit des § 3 von dem Besuche der Schule befreit war. In der Urkunde über die Aufnahme als Geselle ist dieser Zeugnisse ausdrücklich Gewährung zu thun. § 6. Zunftvorstände, welche gegen die Bestimmung des vorhergehenden Paragraphen einen Lehrling als Gesellen aufnehmen, verfallen in eine vom Bezirksamt zu erkennende Strafe von 5 bis 30 Gulden. Die geschehende Aufnahme wird für ungültig erklärt. § 7. Die Bezirksämter sind angewiesen, nur auf Vorlage des Gewerbeschulvorstandes über den Besuch der Gewerbeschule während der im § 5 bezeichneten Zeit und auf Vorlage der Urkunde über die Aufnahme als Geselle (§ 5) einem zu den vom Besuch der Gewerbeschule nicht befreiten Gewerbe gehörenden Gesellen ein Wanderbuch auszustellen. § 8. Gegen Lehrmeister, welche ihre Verbindlichkeit, ihre Lehrjungen zum Schulbesuche anzuhalten, nicht gehörig erfüllen, hat der Bürgermeister und beziehungsweise das Bezirksamt nach den Bestimmungen der §§ 14 und 15 der höchsten Verordnung vom 15. Mai 1834, Regierungsblatt Nr. XXV, strafend einzuschreiten. Verordnung vom 16. Juli 1868: »Die Einrichtung und Leitung der Gewerbeschulen betreffend«344 Im Hinblick auf die Bestimmungen des Gewerbegesetzes und des Gesetzes vom 29. Januar d. J., den Besuch der Gewerbeschulen betreffend, haben Wir unter der Aufhebung der landesherrlichen Verordnung vom 15. Mai 1834 über die Errichtung von Gewerbeschulen, sowie Unserer Verordnungen vom 26. Mai 1857 und vom 10. Juni 1863, die Errichtung des Gewerbeschulraths beziehungsweise die Leitung der Gewerbeschulen betreffend, auf den unterthänigsten Vortrag Unseres Ministeriums des Innern beschlossen und verordnen wie folgt: § 1. Die Gewerbeschule hat den Zweck, jungen Leuten, die sich einem Gewerbe widmen, welches keine höhere technische oder wissenschaftliche Bildung erfordert, diejenigen Kenntnisse und graphischen Fähigkeiten beizubringen, die sie zum verständigen Betriebe dieses Gewerbes geschickt machen. § 2. Der Unterricht in der Gewerbeschule begreift in der Regel: Handzeichnen geometrischer Figuren und Körper und Ornamentenzeichnen, Arithmetik und algebraische Grundbegriffe, Geometrie mit Einschluß des geometrischen Zeichnens und der Projektionslehre, 344 Zitiert nach Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 294– 297. Dieser beruft sich auf Originaleinsicht in: Großherzoglich Badisches Regierungs-Blatt 1868, Nr. 48, S. 732–731. Quellen 118 Fachzeichnen, Industrielle Wirtschaftslehre und Anleitung zur einfachen Buchhaltung. Mit dem Unterrichte sind Übungen der Schüler in schriftlichen Aufsätzen und im mündlichen Ausdruck zu verbinden. § 3. Wo das Bedürfnis hierzu vorhanden ist, und soweit die gegebenen Mittel reichen, umfaßt der Unterricht ferner: Naturkunde: einfache Erklärung der wichtigsten Naturerscheinungen und die für einzelne Gewerbe oder auch für die Landwirtschaft nützlichen Kenntnisse aus der Naturgeschichte und aus der technischen Chemie; Mechanik, angewendet auf das Gewerbe mit Beschreibung und Berechnung einzelner Maschinen; Übungen im Modellieren. § 4. Die Gewerbeschule nimmt als ordentliche Schüler alle jungen Leute auf, welche das 14. Lebensjahr zurückgelegt haben, sich bereits einem Gewerbe widmen oder in nächster Zeit sich einem solchen widmen werden, und die erforderlichen Vorkenntnisse besitzen. § 5. Die Gewerbeschule setzt nur diejenigen Vorkenntnisse voraus, welche die allgemeine Volksschule lehrt. § 6. Für solche jungen Leute, welchen es an den zu sofortiger Theilnahme an den geordneten Unterricht der Gewerbeschule erforderlichen Vorkenntnissen fehlt, oder welche sich erst während des Schuljahres anmelden, kann, wo das Bedürfnis hierzu vorhanden ist, eine besondere Vorbereitungsklasse eingerichtet werden, deren Schüler aber sofort am Unterricht im Freihandzeichnen Theil nehmen. § 7. Die Aufnahme des Schülers erfolgt auf schriftliche Anmeldung desselben durch seine Eltern oder Fürsorger bei dem Hauptlehrer der Gewerbeschule. Der Aufgenommene ist zum ordnungsmä- ßigen Besuch der Unterrichtsstunden verpflichtet und der Schulordnung unterworfen. Schulversäumnisse, welche der Gewerbeschüler selbst verschuldet, werden mit den geordneten Schulstrafen (§ 8) bestraft. Ergibt sich, daß der Arbeitgeber den Schüler an dem Besuche der Gewerbeschule verhindert oder davon abgehalten hat, so ist die Bestrafung des Ersteren nach Maßgabe des Gesetzes vom 29. Januar 1868 (Regierungsblatt Nr. 17) bei dem Bezirksamte zu beantragen. § 8. Als Disziplinarstrafen sollen zur Anwendung kommen: Verweise, Schularrest, Carcerstrafe und Ausweisung aus der Anstalt. Die beiden letzten Straftaten können nur von dem Gewerbeschulrath ausgesprochen werden. Die Carcerstrafe wird, wo ein Schülercarcer nicht besteht, auf Ersuchen des Gewerbeschulraths durch das Bürgermeisteramt mit Benützung des Ortsarrestes vollzogen. § 9. Älteren Personen, welche das regelmäßige Alter für den Besuch der Gewer- Anhang 119 beschule, vom vollendeten 14. bis zum vollendeten 17. Lebensjahr (§§ 4 und 15) überschritten haben, kann der Besuch der Gewerbeschule oder einzelner Unterrichtstunden gestattet werden. § 10. Auch Schüler anderer Anstalten können, wenn die Gewerbeschule den erforderlichen Raum bietet, nach zurückgelegtem 12. Lebensjahr die Erlaubnis zum Besuch des Zeichnungs-Unterrichts erhalten. § 11. Jede Klasse einer Gewerbeschule erhält einschließlich des Zeichnens und ausschließlich des Modellierens, wöchentlich wenigstens sechs Stunden Unterricht, wovon zwei auf den Sonntag fallen können. An Feiertagen – hohe Festtage ausgenommen – wird stets derselbe Unterricht und zu derselben Zeit gegeben, wie an Sonntagen. Bei der Anordnung der sonntäglichen Unterrichtsstunden ist darauf Rücksicht zu nehmen, daß die Schüler durch dieselben nicht am Besuche des öffentlichen Gottesdienstes gehindert werden. § 12. Für die Bauhandwerker soll jedenfalls vom 1. November bis 1. März ein täglicher 1- bis 1 1/2stündiger Unterricht stattfinden. Wo immer thunlich, soll die Einrichtung getroffen werden, daß auch außerhalb der Unterrichtsstunden das Gewerbeschullokal für solche bereit gehalten werde, welche unter geeigneter Aufsicht des Lehrers dasselbe zu Schularbeiten, z. B. zum Zeichnen und Modellieren, benützen wollen. § 13. Die Lehrkurse gehen von Ostern bis Ostern. § 14. Die Dauer der Ferien beträgt in der Regel sechs Wochen, deren Vertheilung nach örtlichen Verhältnissen auf den Vorschlag der Lokalbehörden dem Oberschulrathe zusteht. § 15. Die Gewerbeschulen haben in der Regel einen dreijährigen, mindestens aber einen zweijährigen Kurs. Die Beschränkung auf einen zweijährigen Kurs tritt nur ein, wo die Mittel zur vollständigen Ausführung des Lehrplans fehlen. § 16. Die Abtheilung des Lehrstoffs soll in der Weise getroffen werden, daß jene jungen Leute, welche eine Schule mit zweijährigem Kurs durchlaufen haben, und sodann in einer anderen Stadt, wo ein umfassenderer Unterricht ertheilt wird, in Arbeit treten, daselbst den dritten Jahreskurs mit Nutzen besuchen können. § 17. Die näheren Vorschriften über Ausdehnung des Unterrichts in den einzelnen Unterrichtszweigen ertheilt der Oberschulrath. § 18. In jeder Gewerbeschule sollen alljährlich und zwar am Schlusse des Wintersemesters öffentliche Prüfungen stattfinden, wobei alle ordentlichen Schüler (§§ 4 und 6) zu erscheinen verpflichtet sind. § 19. Der Unterricht an der Gewerbeschule wird in der Regel durch Lehrer ertheilt, welche sich hierfür besonders ausgebildet und in den in §§ 2 und 3 dieser Verordnung bezeichneten Lehrgegenstände eine Prüfung bestanden haben. Quellen 120 § 20. Wo das Bedürfnis es erfordert, können auch Lehrer an einer Volksschule, oder einer höheren Bürgerschule, oder auch dazu geeignete Gewerbetreibende und Künstler für einzelne Fächer als Nebenlehrer beigezogen werden. Ebenso können den Lehrern der Gewerbeschulen mit Genehmigung des Oberschulraths auch einzelne Unterrichtsgegenstände an anderen Lehranstalten übertragen werden. § 21. Zu der in § 19 bezeichneten Prüfung werden in der Regel nur diejenigen zugelassen, welche vorher schon als Volksschulkandidaten aufgenommen worden sind. § 22. Die näheren Bestimmungen über diese Prüfung werden von dem Oberschulrath mit Genehmigung des Ministeriums des Innern getroffen werden. § 23. Die Ernennung der Hauptlehrer an der Gewerbeschule geschieht durch den Oberschulrath, welcher da, wo der Staatsbeitrag weniger als die Hälfte der Gehalte beträgt, die Gemeindebehörde und den Gewerbeschulrath des Ortes vorher hören und deren Wünsche nach Thunlichkeit berücksichtigen wird. § 24. Als Hauptlehrer sollen in der Regel nur Solche ernannt werden, welche die in § 19 der Verordnung erwähnte Prüfung bestanden und sich mindestens 3 Jahre im Ertheilen von Unterricht als Gewerbeschullehrer geübt haben. Bezüglich der Rechtsverhältnisse der nicht mit Staatsdienereigenschaft angestellten Gewerbeschulhauptlehrer (Gesetz vom 4. Juni 1864) ist das Gesetz vom 11. März 1868 (Regierungsblatt Nr. 17) maßgebend. § 25. Die Praktikanten technischer Fächer können ohne weitere Prüfung als Gewerbeschulhauptlehrer angestellt werden. § 26. Nebenlehrer sind jeder Zeit entlaßbar und werden nach dem Vorschlag des Gemeinderaths und Gewerbeschulraths von dem Oberschulrath ernannt. § 27. Für den Unterricht in der Gewerbeschule wird ein mäßiges Schulgeld entrichtet. Der höchste Betrag desselben wird auf 20 Kr. für den Monat festgesetzt. Der wirkliche Betrag wird nach dem Vorschlag des Gewerbeschulraths und des Gemeinderaths der Stadt vom Obernschulrath bestimmt. § 28. Minder bemittelte Schüler bezahlen die Hälfte oder ein Viertheil des festgesetzten Schulgeldes. Unvermögliche sind von der Entrichtung des Schulgeldes befreit. Die Entscheidung hierüber steht dem betreffenden Gewerbeschulrath zu, vorbehaltlich des Rekurses an das Bezirksamt. § 29. Ganz arme Schüler sollen durch unentgeltliche Verabreichung von Zeichenmaterialien und der eingeführten Lehrbücher auf Kosten der hiezu geeigneten Lokal- und Bezirksfonds und, soweit es daran mangelt, aus dem Ertrage des Schulgeldes unterstützt werden. § 30. Die Kosten der Gründung und des Unterhaltes der Gewerbeschulen werden von den Gemeinden bestritten, soweit die solchen Anstalten besonders gewidmeten Anhang 121 Ortsstiftungen, Schenkungen und Vermächtnissen, sodann die bereits bewilligten oder noch auszumittelnden Beiträge aus anderen für Unterrichtszwecke verwendbaren Stiftungsvermögen, besonders Dotationen aus der Staatskasse und der Ertrag des Schulgeldes nicht zureichend sind. § 31. Diejenigen Städte, in welchen die Errichtung von Gewerbeschulen als dringendes Bedürfnis erkannt wird, sollen besondere dauernde oder vorübergehende Zuschüsse aus den für Unterrichtszwecke bestimmten Fonds der Staatskasse erhalten. Die Vertheilung der Zuschüsse auf die einzelnen Gewerbeschulen geschieht durch das Ministerium des Innern. § 32. Gemeinden, deren Gewerbeschulen Staatszuschuß erhalten, haben mindestens für das Lokal, für die innere Einrichtung der Schule, für Schulbedürfnisse (Tische, Bänke), für den Unterhalt, die Reinigung, Beleuchtung und Heizung des Lokals selbst zu sorgen. Die hierfür erforderlichen Mittel sind jedoch ebenfalls im Voranschlag der Gewerbeschule aufzuführen. § 35. Sämtliche Zuschüsse zu dem Unterhalt der Gewerbeschulen werden in die Gemeindekasse abgeliefert, aus welcher alle Ausgaben bestritten werden. Über die jährlichen Einnahmen und Verwendungen wird jedoch besondere Rechnung geführt. § 34. Die Zuschüsse jeder Art, sowie die aus den Gemeinde-Einkünften bestimmten Beiträge zum Unterhalt der Schule dürfen unter keinem Vorwand ihrem Zwecke entzogen werden. Die Überschüsse eines Jahres werden als Guthaben der Schule für das nächste Jahr übertragen wenn die Gemeinde es nicht vorzieht, dasjenige, was nach Abzug des Staatsbeitrags, des Schulgeldes, der Stiftungsbeiträge und der sonstigen Einkünfte der Schule noch fehlt, als Gemeindebeitrag in den Voranschlag aufzunehmen und nach dem Rechnungsergebniß beizuschießen. § 35. Keine Gewerbeschule soll errichtet werden, ehe für den mittleren Gehalt der erforderlichen Lehrer der erforderlichen Lehrer, sowie für die Schulbedürfnisse hinreichende Deckung vorhanden ist. Solange der mittlere Gehalt nicht erforderlich ist, wird derselbe zu einem besonderen Reservefonds angesammelt, der für höhere Gehaltsbedürfnisse wieder aufgezehrt werden kann. § 36. Die Gewerbeschule eines jeden Orts steht unter der Aufsicht eines besonderen Gewerbeschulraths. Den Gewerbeschulrath bilden: 1. der Bürgermeister als Vorsitzender; 2. der erste Pfarrer und in gemischten Orten der erste Geistliche jeder Konfession; 3. mindestens drei von dem Gemeinderath zu bestimmende Gewerbsmänner oder andere im Gewerbswesen oder im Unterrichtswesen bewanderte und durch ihren regen Eifer für die Sache ausgezeichnete Einwohner; Quellen 122 4. an Orten, wo sich technische Beamte befinden, mindestens ein solcher Beamter, welcher auf den Vorschlag des Gemeinderaths von dem Oberschulrath nach vorhergegangenem Benehmen mit der vorgesetzten Dienstbehörde bestimmt wird; 5. der Hauptlehrer, oder, wo deren mehrere angestellt sind, der erste Hauptlehrer der Schule. Letzterer ist zu den Sitzungen nicht einzuladen, wenn ihn persönlich betreffende Gegenstände zu verhandeln sind. § 37. Der Gewerbeschulrath empfängt die Anzeigen der Lehrer über den Zugang und Abgang der Schüler und über Schulversäumnisse. Er entscheidet über die Ausweisung solcher jungen Leute aus der Schule, welche sich unsittliches oder ordnungswidriges Betragen oder zahlreiche Versäumnisse zu Schulden kommen lassen. § 38. Der Gewerbeschulrath veranlaßt die betreffenden Behörden zur Bestrafung der Schüler und Arbeitgeber wegen ungerechtfertigter Schulversäumnisse, beziehungsweise er spricht gegen Erstere die geordneten Strafen (§ 8). § 39. Der Gewerbeschulrath bestimmt im Einverständniß mit dem Gemeinderath (§ 12) die Unterrichtszeit; er beräth mit den Lehrern die Vertheilung der Unterrichtszeit auf die einzelnen Gegenstände, sowie den Lehrplan, und legt beide dem Oberschulrath zur Genehmigung vor; er entscheidet über die Gesuche um Befreiung von Schulgeld; er ernennt einen oder zwei Schulinspektoren aus seiner Mitte, welche die Lehrstunden wenigstens einmal wöchentlich besuchen, um von dem Fortgang des Unterrichts Kenntniß zu nehmen; er berathschlagt über zweckdienliche Verbesserungen unter Zuziehung der betreffenden Lehrer; er beschließt über die Anschaffung der Schulbedürfnisse innerhalb der Grenzen des Voranschlags und dekretirt die betreffenden Rechnungen auf die Gewerbeschulkasse unter Beisetzung der Rubrik des Voranschlags; er erstattet jährlich nach der öffentlichen Prüfung einen Hauptbericht über den Zustand der Schule an den Oberschulrath unter Vorlage der Schülerlisten, der Prüfungsarbeiten und ein bis dreier Zeichnungen von jedem Schüler, welche letztere nach den Schülerlisten geordnet sein müssen. § 40. Der Gewerbeschulrath entwirft jährlich gemeinschaftlich mit dem Gemeinderath den Voranschlag über Einnahmen und Ausgaben der Schule. § 41. Wo mehrere Lehrer an einer Gewerbeschule angestellt sind, führt derjenige, welcher Mitglied des Gewerbeschulraths ist, die nächste Aufsicht über Einhaltung der Schulordnung, des Stundenplans und der Disziplin; er übermittelt die Versäumnißlisten an den Gewerbeschulrath. § 42. Die oberste Aufsicht und Leitung der Gewerbeschulen steht dem Oberschulrath zu. § 43. Zur Befugniß des Oberschulraths gehört: 1. die Vollziehung der auf die Gewerbeschulen bezüglich Gesetze und Verordnun- Anhang 123 gen; die Ertheilung der hiezu nötigen Instruktionen und Verfügungen; die Berathung und Entwerfung neuer allgemeiner auf diese Schulen bezüglichen Verordnungen; 2. die Genehmigung der Schulgeldtarife, der Lehr- und Stundenpläne, sowie der eingeführten Hilfsmittel des Unterrichts; 3. die Prüfung der Voranschläge der Schulen; 4. der Oberschulrath verbescheidet die Hauptjahresberichte der Gewerbeschulräthe und ordnet von Zeit zu Zeit außerordentliche Visitationen einzelner Gewerbeschulen an; 5. er bestimmt die Prüfung der Gewerbeschulkandidaten und rezipirt dieselben; 6. er führt die Dienstpolizei über die Gewerbeschullehrer und entscheidet, soweit nicht die Staatsdiener-Eigenschaft in Frage kommt, über deren Anstellung, Besserstellung, Versetzung und Entlassung. Soweit hiebei außer den einer Schule bewilligten ständigen Staatsbeiträgen noch weitere Staatsmittel in Anspruch genommen werden, stellt er die erforderlichen Anträge bei dem Ministerium des Innern. § 44. Der Oberschulrath kann bei dem Ministerium des Innern veranlassen, daß der Vorstand des betreffenden Bezirksamtes oder ein anderer Beamter als Regierungskommissär bestellt werde, um den Berathungen des Gewerbeschulraths entweder regelmäßig oder von Zeit zu Zeit beizuwohnen. § 45. Der Verkehr des Oberschulraths mit den Gewerbeschulräthen wird in Anstellungssachen und in allen finanziellen Angelegenheiten, sowie bei Prüfungsbescheiden durch das Bezirksamt vermittelt. Landesherrliche Verordnung vom 20. Juli 1907: „Die Gewerbeschulen betreffend“345 § 1. Die Gewerbeschulen haben die Aufgabe, die gewerblichen Arbeiter – Gesellen, Gehilfen und Lehrlinge – beiderlei Geschlechts in unmittelbarer Fühlung mit der Meisterlehre theoretisch auszubilden und ihnen tunlichst diejenigen praktischen Kenntnisse und Fertigkeiten für die Ausübung ihres Gewerbes zu vermitteln, zu deren Aneignung in den Gewerbebetrieben nach den allgemeinen oder örtlichen Verhältnissen nicht genügend Gelegenheit geboten ist. Neben der beruflichen Ausbildung der Schüler hat die Schule auch auf die Stärkung des Charakters sowie auf Hebung des Standesbewußtseins der Schüler hinzuwirken. § 2. Die Gewerbeschulen sind befugt, ihre Wirksamkeit auf andere der Ausbildung des Handwerkerstandes dienende Einrichtungen auszudehnen. Insbesondere steht ihnen zu, Veranstaltungen zur Weiterbildung der Gehilfen und selbständigen Gewerbetreibenden sowie zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung zu treffen. 345 Angegeben nach Rothe, Gewerbeschulen, 2011, S. 297–300, welcher sich auf die Quelle bezieht: Großherzoglich Badisches Gesetzes- und Verordnungsblatt 1907, Nr. XXIII. Quellen 124 § 3. Die Verpflichtung zum Besuch der Gewerbeschulen bemißt sich nach den auf Grund des Gesetzes vom 13. August 1904, den gewerblichen und kaufmännischen Fortbildungsunterricht betreffend, zu erlassenden statuarischen Bestimmungen. Von der Verpflichtung zum Schulbesuch tritt Befreiung in dem Umfang ein, in welchem durch Vorlage von Zeugnissen der Besuch einer anderen vom Landesgewerbeamt als gleichwertig anerkannten Schule nachgewiesen wird. § 4. Der Besuch der Gewerbeschule kann solche Personen, die nach dem Statut dazu nicht verpflichtet sind, gestattet werden. Diese Schüler sind mit ihrem Eintritt in die Schule für die Dauer des Besuchs derselben den Bestimmungen des Statuts und der Schulordnung unterworfen. § 5. Das Mindestmaß des Unterrichts an einer Gewerbeschule (Pflichtunterricht) umfaßt folgende Fächer: A. Berufskunde: 1. gewerbliches Rechnen, 2. angewandte Geometrie, 3. Materialien- und Werkzeuglehre, 4. Naturlehre, 5. Freihandzeichnen, 6. Projektionslehre, 7. technischen Fachunterricht: a) Zeichnen, b) Modellieren, c) Werkstattunterricht, soweit hierfür ein Bedürfnis und die Möglichkeit seiner Einrichtung besteht. B. Geschäftskunde: 1. Geschäftsrechnen, 2. Geschäftsaufsatz, 3. Buchführung, 4. Kostenberechnen, 5. Wirtschaftslehre, 6. Bürgerkunde. Schülerinnen ist auch Unterweisung in Haushaltskunde unter entsprechender Kürzung ihres sonstigen Schulbesuchs zu erteilen. Ist mit der Gewerbeschule eine Handelsabteilung verbunden, so finden auf die Unterrichtserteilung an dieser die Bestimmungen über Handelsschulen Anwendung. § 6. In den Unterrichtsgegenständen der Berufskunde soll der Schüler soweit gefördert werden, daß er bei der Entlassung aus der Schule nicht nur den Anforderungen, die in seinem Beruf an ihn gestellt werden, gewachsen ist, sondern auch der fortschreitenden Entwicklung der Technik mit Verständnis zu folgen vermag. In der Geschäftskunde soll die Grundlage gelegt werden zur Erlangung derjenigen Kenntnisse, die zum selbständigen, sachgemäßen und erfolgreichen Betrieb eines Geschäfts erforderlich sind. § 7. Soweit die gewerblichen Verhältnisse am Sitz der Schule oder in dessen Umgebung es wünschenswert erschienen lassen, soll ein gesonderter Unterricht für einzelne oder verwandte Gewerbe eingerichtet werden (Fachabteilungen). § 8. Der Gewerbeschulrat bestimmt, ob der Unterricht für Schüler und Schülerinnen gemeinsam oder getrennt zu erteilen ist. § 9. Für solche Schüler, welchen es an den zur sofortigen Teilnahme an dem geordneten Unterricht der Gewerbeschule erforderlichen Vorkenntnisse fehlt, oder welche erst während der letzten zwei Drittel des Schuljahres in eine Gewerbeschule eintre- Anhang 125 ten, können nach Bedürfnis Vorbereitungsklassen eingerichtet werden. § 10. Der Pflichtunterricht (§ 5) hat sich, abgesehen von der Vorbereitungsklasse, auf drei Jahre zu erstrecken und ist in der Regel in drei getrennten Klassen mindestens neun, in den beiden übrigen Klassen mindestens je acht Stunden in der Woche. Der Unterricht ist ganzjährig; jedoch kann für Angehörige solcher Berufsarten, die regelmäßig nur während einer bestimmten Zeit des Jahres Beschäftigung haben, der Unterricht in dieser Zeit unter Erhöhung der Stundenzahl während der beschäftigungslosen Zeit beschränkt werden. Sämtliche Angehörige einzelner Gewerbe können unter Zustimmung des Landesgewerbeamts von dem Besuche des Zeichenunterrichts befreit werden, falls dieser für ihr Gewerbe nicht unbedingt nötig ist. Werden für solche Schüler besondere Fachabteilungen mit entsprechender Ausgestaltung eingerichtet, so ist die Beschränkung des Pflichtunterrichts auf zwei Jahreskurse zulässig. § 11. Der Unterricht findet Werktags statt und soll nicht vor morgens 6 Uhr beginnen und darf nicht über die neunte Abendstunde ausgedehnt werden. Für die Pflichtunterrichtung sind vorzugsweise die Vormittagsstunden zu wählen. § 12. Die Arbeitgeber haben die zum Besuche der Gewerbeschule verpflichtende Arbeiter – Gesellen, Gehilfen, Lehrlinge – beim Eintritt in die Arbeit oder Lehre binnen drei Tagen und, wenn der Eintritt während der Schulferien geschieht, alsbald beim Wiederbeginn des Schulunterrichts bei dem mit der Leitung der Schule betrauten Lehrer anzumelden sowie spätestens am dritten Tage nach der Entlassung aus der Arbeit abzumelden. Probezeit oder Beginn der Arbeit oder Lehre im Geschäft der Eltern entbindet nicht von der Anmeldepflicht. § 13. Der Arbeitgeber beziehungsweise die Eltern oder deren Stellvertreter haben den Schüler, der durch Krankheit am Besuch des Unterrichts verhindert war, bei dessen Wiedererscheinen in der Schule und, falls der Schüler durch die Erkrankung voraussichtlich an mehr als zwei Schultagen vom Besuche des Unterrichts abgehalten sein wird, alsbald beim Schulvorstand zu entschuldigen. Soll ein Schüler aus dringenden Gründen vom Besuch der Schule für einige Stunden oder längere Zeit entbunden werden, so haben der Arbeitgeber beziehungsweise die Eltern oder deren Stellvertreter vorher unter genauer Angabe der Gründe rechtzeitig, wenn möglich durch den Schüler selbst, beim Schulvorstand um Befreiung nachzusuchen. Das im Unterricht Versäumte, insbesondere die schriftlichen und zeichnerischen Arbeiten, sind sobald als möglich nachzuholen. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, dem Schüler hierzu die erforderliche Zeit zu gewähren. § 14. Einzelne Schüler können, wenn triftige Gründe vorliegen, durch den Gewerbeschulrat vom Besuche einzelner Unterrichtsfächer auf Ansuchen befreit zu werden. Die Befreiung eines einzelnen Schülers von der Verpflichtung zum Schulbesuche über- Quellen 126 haupt, die nur ausnahmsweise aus besonderen Gründen erfolgen darf, ist nur mit Zustimmung des Landesgewerbeamts zulässig. § 15. Die Arbeitgeber haben dafür zu sorgen, daß die Schüler die erforderlichen Bücher und sonstigen Unterrichtsmittel besitzen. § 16. Das Schuljahr geht von Ostern zu Ostern und wird für Erteilung von Zeugnissen und Schulentlassungen (§ 17) entsprechend den durch die Hauptferien bewirkten Unterbrechungen in Dritteljahre (Ostern, Herbst und Weihnachten) eingeteilt. § 17. Die Entlassung aus der Schule erfolgt nach ordnungsmäßigem Besuch derselben in der Regel am Ende des Schuljahres; Schüler, die im Laufe eines Schuljahres die im Statut für die Schulpflicht festgesetzte Altersgrenze erreichen, sind auf Verlangen am Schlusse des diesem Zeitpunkt vorangehenden Dritteljahres zu entlassen. § 18. Als Schulstrafen können zur Anwendung kommen: Verweise, Schularrest, Karzer und Ausweisung aus der Anstalt. Die Ausweisung kann nur bei fortgesetzter Unbotmäßigkeit oder wegen unsittlichen Verhaltens eines Schülers mit Zustimmung des Landesgewerbeamts verfügt werden. Ist der Schüler nach seinem Alter noch zum Besuche der allgemeinen Fortbildungsschule verpflichtet, so ist er dieser zu überweisen. § 19. Die Gewerbeschule steht unter der Aufsicht des Gewerbeschulrats. Dem Gewerbeschulrat sollen mindestens angehören: 1. der Bürgermeister als Vorsitzender; 2. ein weiteres Mitglied des Gemeinderats (Stadtrats); 3. der Schulvorstand; 4. an Schulen mit mehr als sechs Lehrern ein weiterer Lehrer der Gewerbeschule, welcher auf Vorschlag der Lehrerversammlung aus der Zahl der etatmäßig angestellten Lehrer durch das Landesgewerbeamt jeweils auf drei Jahre ernannt wird; 5. je zwei Vertreter der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer. Vor deren Ernennung ist hinsichtlich der ersteren die zuständige Handwerkskammer und wegen der letzteren deren Gesellenausschuß zu hören; 6. an Gewerbeschulen, mit denen eine Handelsabteilung verbunden ist, noch je ein Vertreter der kaufmännischen Arbeitgeber und Angestellten. Vor deren Ernennung sind hinsichtlich des ersteren die zuständige Handelskammer und wegen des letzteren die in der betreffenden Gemeinde bestehenden Vereinigungen von kaufmännischen Angestellten zu hören; 7. an Schulen, zu deren Besuch Schülerinnen verpflichtet oder zugelassen werden, eine mit den einschlägigen Verhältnissen vertraute Frau. Im Ortsstatut kann bestimmt werden, daß noch andere Personen, insbesondere geistliche, technische Beamte und Ärzte sowie Anhang 127 weitere Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer dem Gewerbeschulrat angehören. Die Ernennung dieser sowie der unter Ziffer 2, 5, 6 und 7 bezeichneten Mitglieder erfolgt durch den Gemeinderat (Stadtrat) jeweils auf drei Jahre. § 20. Dem Gewerbeschulrat liegt außer den ihm durch besondere Bestimmungen vorbehaltene Angelegenheiten ob: 1. die Beratung der auf die Organisation der Anstalt, Ausgestaltung des Unterrichts und Veränderungen im Lehrkörper bezüglichen Fragen und Stellung der in dieser Hinsicht beschlossenen Anträge; 2. die Beratung über die hinsichtlich baulicher Beschaffenheit und innerer Einrichtung der Unterrichtsräume nebst Zubehör zu stellenden Anträge; 3. die Aufstellung des Entwurfs zum Voranschlag über Einnahmen und Ausgaben der Anstalt; 4. Schulgeldbefreiungen; 5. die Behandlung der Gesuche um Befreiung vom Schulbesuch oder von einzelnen Unterrichtsfächern in den dem Gewerbeschulrat zur Beratung oder Entscheidung zugewiesenen Fälle, Festsetzung des Stundenplans, Beschlüsse über besondere Regelung der Ferien, Ausweisung von Schülern und Verhängungen von Karzerstrafen über zwölf Stunden; 6. Beratung über die Art und Weise der Handhabung der Schulzucht im alllgemeinen und Stellung hierauf bezüglicher Anträge; 7. die Erlassung der örtlichen Schulordnung, die dem Landesgewerbeamt zur Genehmigung vorzulegen ist; 8. Verhandlungen über Maßnahmen, welche sich auf die Fürsorge für die Gesundheit der Schüler beziehen; 9. die Beratung aller übrigen, auf die Schule bezüglichen Fragen, die der Vorsitzende wegen ihrer Wichtigkeit zur Verhandlung stellt. § 21. Wo mehrere Lehrer angestellt sind, liegt in unmittelbarer Leitung der Anstalt dem Vorstand der Schule ob. Dieser hat dafür zu sorgen, daß der Unterricht in den einzelnen Klassen und Abteilungen stetig und gleichmäßig fortschreitet, und daß die die Gewerbeschulen berührenden Gesetze und Verordnungen, die Verfügungen der zuständigen Behörden und die Schulordnung in allen Teilen genau befolgt werden. Endlich hat er darüber zu wachen, daß die Lehrer ihre Pflichten erfüllen und die Würde des Amtes wahren. Er beobachtet die sittlichen Zustände an der Anstalt und sorgt für wirksame Schulzucht. § 22. Der Schulbetrieb wird durch eine vom Landesgewerbeamt zu erlassende allgemeine Schulordnung geregelt. Nach Bedürfnis wird das Landesgewerbeamt außerdem besondere Dienstweisungen erlassen. § 23. Für Schüler, welche den lehrplanmä- ßigen Unterricht einer Gewerbeschule be- Quellen 128 suchen (Vollschüler), kann ein Schulgeld erhoben werden, das, falls sie durch statuarische Bestimmung zum Besuche der Schulen verpflichtet sind und letztere am Orte ihrer Beschäftigung errichtet ist, den Betrag von 10 Mk. für das Jahr nicht übersteigen darf. Das jährliche Schulgeld für solche Schüler, die zum Besuche einer in einer benachbarten Gemeinde bestehenden gewerblichen Schule verpflichtet sind, darf den Betrag von 15 Mk. nicht überschreiten; leistet die Gemeinde des Beschäftigungsortes derjenigen Gemeinde, welche Kosten der Errichtung und Unterhaltung der Schule trägt, einen Beitrag, so darf das Schulgeld den Betrag von 10 Mk. nicht übersteigen. § 24. Von Vollschülern, welche eine gewerbliche Schule besuchen, zu deren Besuch sie nicht verpflichtet sind, darf ein Schulgeld erhoben werden bis zum Höchstbetrag von 15 Mk., wenn die Schule am Orte ihrer Beschäftigung errichtet ist, andernfalls im Höchstbetrag von 20 Mk. Leistet die benachbarte Gemeinde einen Beitrag zu den Kosten der Errichtung und Unterhaltung der Schule, so beläuft sich der Höchstbetrag auf 15 Mk. § 25. Von Schülern, welche nur in einzelnen Gegenständen am Unterricht teilnehmen (Gäste), kann ein Schulgeld bis zu 5 Mk., von auswärtigen Gästen bis zu 10 Mk. angefordert werden. § 26. Vollschüler, welche an Unterrichtskursen teilnehmen, die über den allgemeinen Lehrplan hinausgehen, können zur Entrichtung eines Schulgeldes von 4 Mk., Gäste zur Entrichtung eines solchen von 8 Mk. für jeden Unterrichtskurs verpflichtet werden. § 27. Für Schüler der mit einer Gewerbeschule verbundenen Handelsabteilung finden die Vorschriften über die Erhebung von Schulgeld an Handelsschulen Anwendung. § 28. Unvermögende sind von Zahlungen des Schulgeldes je nach dem Grade der Unvermöglichkeit ganz oder zu bestimmten Teilen zu befreien (§ 20 Ziffer 4), § 29. Verlassen Schüler während eines für die Erhebung des Schulgeldes bestimmten Zeitabschnittes die Anstalt, so erwächst hieraus kein Anspruch auf Rückersatz des für den betreffenden Zeitabschnitt bezahlten Schulgeldes. Für neu eintretende Schüler ist das Schulgeld für den Zeitabschnitt zu entrichten, in welchem ihr Eintritt erfolgt. Aus Billigkeitsgründen können in beiden Fällen Ausnahmen vom Gewerbeschulrat bewilligt werden. § 30. Die Festsetzung des Schulgeldes erfolgt auf Vorschlag des Gemeinderats und des Gewerbeschulrats durch das Landesgewerbeamt. Die Erhebung eines besonderen Eintrittsgeldes ist nicht zulässig. § 31. Gewerbeschulen können errichtet werden in Gemeinden, welche sich verpflichten, für den Aufwand jeder Art aufzukommen, der für die ordnungsmäßige Einrichtung und für einen dem Lehrplan und der Schulordnung entsprechenden Betrieb Anhang 129 der Anstalt erforderlich ist, soweit nicht dieser Aufwand a) von der Staatskasse übernommen, b) durch den Ertrag des Anstaltsvermögens oder aus anderen für derartige Schulen besonders gestifteten oder sonst verwendbaren Fonds aufgebracht, c) durch das Schulgeld gedeckt wird. Durch Satzungen, welche zwischen dem Landesgewerbeamt und der Gemeinde für jede Gewerbeschule mit Genehmigung des Ministeriums des Innern zu vereinbaren sind, wird im einzelnen bestimmt, unter welchen Voraussetzungen, in welcher Weise und in welchem Umfang eine Beteiligung der Staatskasse an dem Aufwand für Unterhaltung der Anstalt stattfindet. § 32. Die Voranschläge über Einnahmen und Ausgaben der Gewerbeschulen bedürfen bezüglich der Verwendung der Staatsbeiträge und hinsichtlich der satzungsmäßigen Leistungen der Gemeinden der Genehmigung des Landesgewerbeamts, das für die Erlassung näherer Vorschriften über die Rechnungsführung zuständig ist. § 33. Sowohl der Gemeinde als auch dem Staate steht das Recht zu, die vereinbarten Satzungen zu kündigen. Die Kündigung wird mit dem Schluß des auf den Zeitpunkt derselben folgenden Schuljahres wirksam. VI. 5.2) Quellen zur Geschichte der Zentralgewerbeschule Buchen Satzung der Bezirksgewerbeschule Buchen vom 20. März 1924346 Auf Grund des Gesetzes vom 13. August 1904, in der Fassung des Notgesetzes vom 6. März 1924, über den gewerblichen und kaufmännischen Unterricht, (Ges. u. V. O. Bl. 1904 Seite 395 und 1924 Seite 43) und der landesherrlichen Verordnung vom 20. Juli 1907 über die Gewerbeschule (Ges. u. V. Bl. 1907 Seite 293) wird für die Gemeinden Buchen, Bödigheim, Eberstadt, Götzingen, Hainstadt, Hettigenbeuern, Hollerbach, Rinschheim und Unterneudorf durch den Bezirksrat Buchen bestimmt, was folgt: § 1. Die in den Gewerbe- und Handelsbetrieben der Gemeinden Buchen, Bödigheim, Eberstadt, Götzingen, Hainstadt, Hettigenbeuern, Hollerbach, Rinschheim und Unterneudorf beschäftigten gewerblichen und kaufmännischen Arbeiter beiderlei Geschlechtes (Gesellen, Gehilfen, Lehrlinge) sind verpflichtet, den Unterricht in der Gewerbeschule in Buchen nach Maßgabe der landesherrlichen Verordnung vom 20. Juli 1907 über die Gewerbeschulen und der vom Landesgewerbeamt unterm 3. August 1907 erlassenen allgemeinen Schulordnung für die Gewerbe- und Handelsschulen (Verordnungsblatt des Gr. Oberschulrats 346 Transkribiert und angegeben nach der Archiveinsicht Brötels, in: ZGB, 150 Jahre, 1997, S. 31, Abb. 7. Quellen 130 1907, Seite 154), sowie nach Maßgabe der örtlichen Schulordnung und des Lehr- und Stundenplanes, zu besuchen. Freiwillige Schüler werden zu den gleichen Bedingungen wie Pflichtschüler aufgenommen. § 2. Die Schulpflicht umfaßt den erfolgreichen Besuch der drei Jahresklassen, dauert jedoch nicht über das vollendete 18. Lebensjahr hinaus. § 3. Dem Gewerbeschulrat gehören au- ßer den in § 19 Absatz 2 der landesherrlichen Verordnung vom 20. Juli 1907, über die Gewerbeschulen bezeichneten Personen gemäß § 19 Absatz 3 der genannten Verordnung weiter an: je ein Vertreter der Gemeinden Bödigheim, Eberstadt, Götzingen, Hainstadt, Hettigenbeuern, Hollerbach, Rinschheim und Unterneudorf. § 4. Die Schulräume werden von der Stadt Buchen gestellt. Der durch ordentliche Einnahmen nicht gedeckte Jahresaufwand der Gewerbeschule wird alljährlich auf Jahresabschluss auf die beteiligten Gemeinden verhältnismäßig, d. h. nach der Schülerzahl der betreffenden Gemeinden umgelegt. Schulumbauten und sonstige notwendige bauliche Veränderungen werden bei dieser Berechnung n i c h t in den sachlichen Aufwand genommen. § 5. Diese Satzung tritt sofort in Wirksamkeit. Buchen, den 20. März 1924. Abschiedsrede von Schulleiter StD Erhard Brötel am 5. Juli 1994347 »In dieser Stunde am Ende meiner aktiven Dienstzeit an der Zentralgewerbeschule Buchen habe ich zu allererst das herzliche Bedürfnis, ›Danke‹ zu sagen! Beginnen darf ich mit dem Dank an alle Vorredner für Ihre guten Wünsche, für die anerkennenden Worte, für die zahlreichen Geschenke und für die ehrende Auszeichnung – und für das freundliche Übergehen bzw. Umschreiben meiner weniger pflegeleichten Seiten und meiner persönlichen Unzulänglichkeiten. Rückblickend darf ich feststellen, daß ich in meinem bisherigen Leben sehr viel Glück erfahren durfte. In einem mit irdischen Gütern nicht gerade gesegneten, aber rundum intakten Elternhaus aufgewachsen, fiel meine schulische und berufliche Entwicklung direkt in die Zeit des Wiederaufbauens unseres Landes nach dem 2. Weltkrieg. Nach dem Motto ›Wenn man etwas tut, tut man es mit ganzem Herzen und so gut man es kann! Halbheiten zählen nicht!‹ wurde ich von Kindheit an zu eigenverantwortlichem Handeln erzogen. Meine Eltern hatten weder eine psychologische noch eine pädagogische Ausbildung! Da mein Berufsziel – Lehrer an einer Gewerbeschule werden – schon etwa 1 Jahr vor dem Abitur feststand, galt es – getreu dem vorgenannten Motto – den Weg dorthin konsequent zu verfolgen. 1/2 Wochen 347 Siehe Kreisarchiv Mosbach, J3/17. Anhang 131 nach dem mündlichen Abitur begann meine Maurerlehre. Wenn ich auf meinen Gesellenbrief mindestens so stolz bin wie auf das Abitur, dann hat dies mehrere Gründe: • Er war mein ›Bafög‹ in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit, als für das Studium noch Semestergebühren erhoben wurden! • Ich lernte während der Ausbildung und später als Geselle und Student in den Semesterferien gründlich, wie es ist, wenn man seinen Lebensunterhalt mit den Händen verdient. • Ich sah beim Tiefbau mit der Schaufel in der Hand die Welt aus 5 m Grabentiefe! • Ich lernte viele sogenannte ›einfache‹, aber menschlich ganz hervorragende › Arbeiter‹ kennen. • Und ich lernte den Geruch des eigenen Schweißes kennen! • Das prägt! In allen Phasen meines bisherigen Lebens durfte ich – oft und gerade in entscheidenden Augenblicken – Menschen begegnen, die mir mit Rat und Tat zur Seite standen, die mir Mut machten, die mich anspornten, die mich aufrichteten, die mir auch in Freundschaft zugetan waren und – wie ich hoffe – es heute noch sind. Manche von ihnen sind leider schon nicht mehr am Leben. Dies waren oder sind Menschen aus allen Ebenen amtlicher, institutioneller oder behördlicher Hierarchie, die mir mehr als nur ›pflichtgemäß‹ halfen, eben menschlich bei der Sache waren und mich ihre Unterstützung, ihr Verständnis spüren ließen. Dies waren bzw. sind Menschen, die im politischen und administrativen Bereich durch ihre Entscheidungen nicht nur Mitverantwortung trugen, sondern die mich auch durch ihr persönliches Vertrauen in einem sehr positiven Sinne in die Pflicht nahmen. Dies waren und sind aber auch ungezählte Menschen, denen ich in und außerhalb der Schule begegnen durfte und deren menschliche Begegnung mein Leben in hohem Maße bereichert hat. So bitte ich Sie alle um Verständnis, wenn ich meinen namentlichen Dank auf 2 Erwähnungen beschränke. Ich danke meinem Schöpfer dafür, daß mein bisheriges Leben so verlaufen ist und ich diesen Tag bei brauchbarer Gesundheit erleben darf! Und ich danke meiner Familie, im besonderen meiner Frau für ihr immerwährendes› von mir oft arg überstrapaziertes› Verständnis als Ehefrau und in ihrer unfreiwilligen Rolle als alleinerziehende Mutter! Ihnen allen und vielen vielen anderen Menschen, die heute nicht bei uns sind – danke ich von Herzen für alles, was ich durch sie persönlich oder durch Ihre tätige Mithilfe bewußt – oder auch von mir unbemerkt – habe Gutes erfahren dürfen! Ich danke dem Lehrerkollegium unserer Schule, das mich in all den Jahren nicht nur ertragen, sondern durch seine Einsatzbereitschaft und Begeisterungsfähigkeit zeitweise Quellen 132 auch getragen hat. Und ich danke herzlich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die diese Feierstunde mit vorbereitet haben, die sie mitgestalten, besonders dem ›Trio musicale‹ und allen, die sich für das ›Danach‹ als gute Geister zur Verfügung stellen. Als nächstes ist es mir ein ehrliches Bedürfnis, all jene um Entschuldigung zu bitten, denen ich jemals – als Lehrer, als Schulleiter, als Mensch – Unrecht zugefügt oder die ich gekränkt haben sollte. Ich versichere all jenen, daß dies nicht mit Absicht geschehen ist. Und schließlich gibt es da noch mein Naturell, das auch mir mit den 62 Lebensjahren nicht verborgen geblieben ist. Als relativ spontaner Mensch trage ich mein Herz auf der Zunge. Wenn man dann noch dazu neigt, sich die Sorge anderer zu eigen zu machen, äußert man sich – eben spontan – auch zu Fragen, die einem gar nicht gestellt sind. Man ›mischt sich ein‹ – noch dazu manchmal ›mit spitzer Zunge‹. Auch hierfür bitte ich um Vergebung, ehe ich mich nachher noch ein letztes Mal ›einmische‹. In der Vorbetrachtung zum heutigen Tag hielt ich es einmal für reizvoll, die Entwicklungen zu resümieren, die sich in den 25 Jahren meiner Schulleitertätigkeit vollzogen haben. Dieses Unterfangen überlasse ich den Historikern! Stattdessen werde ich mich auf einige wenige Entwicklungen beschränken, die sich m. E. einem effizienten Schulbetrieb nicht gerade als förderlich erwiesen haben und die mich deshalb ein wenig bedrücken. Dies geschieht aus der Sicht meiner persönlichen Erfahrungen an einer gewerblichen Berufsschule, nämlich an der ZGB. Bei meiner Einführung als Schulleiter habe ich 1969 wörtlich gesagt: ›So wie ein Vermögen an Wert verliert, wenn es nur verwaltet wird, so wird es erst recht mit einer Schule gehen, die nicht weiter entwickelt wird, um mit der Zeit Schritt zu halten.‹ Getreu dieser Grundüberzeugung habe ich immer versucht, die ZGB nicht nur zu verwalten, sondern als einen Dienstleistungsbetrieb zu führen. Jede Schule ist zunächst eine Stätte menschlicher Begegnung und als solche ein Dienstleistungsbetrieb gegen- über der nachwachsenden Generation und damit für das Gemeinwohl unserer Gesellschaft. Eine gewerbliche Berufsschule hat sich darüber hinaus zunehmend auch zum Transferzentrum für technisches Know-how auf dem jeweils neusten Stand entwickelt. Um diesem hohen Anspruch gerecht werden zu können, bedarf ein solcher Dienstleistungsbetrieb: 1) entsprechenden Geld- bzw. Sachkapitals, 2) entsprechend ausgebildeten und motivierten Personals, 3) entsprechenden Entscheidungs- bzw. Gestaltungsspielraumes für die ›Geschäftsleitung‹. Anhang 133 Was das Geld- bzw. Sachkapital betrifft, konnten wir uns in der hiesigen Region noch nie wie ein verwöhntes Einzelkind reicher Eltern fühlen. Trotzdem – und darauf sind wir stolz – darf ich feststellen, daß sich die Anerkennung unserer Schule sehen lassen kann und daß wir jederzeit in der Lage waren und sind, auch die jeweils neuesten Lehrpläne aller in der ZGB vereinten Schularten zu erfüllen. Daß dies dem Schulträger gewaltige Anstrengungen abverlangte und allen dort politisch und in der Verwaltung tätigen Verantwortlichen nicht immer leichtgefallen ist und in Zukunft leichtfallen wird, wird von mir umso dankbarer registriert. Dafür sehr herzlichen Dank, meine Damen und Herren! Nicht zu vergessen sind hierbei die erheblichen finanziellen Anstrengungen des FV [Förderverein] der ZGB, der immer in sogenannte ›neue Technologien‹ investiert und der damit unsere Schule in die Lage versetzt hat, neueste Bildungsinhalte in der beruflichen Erwachsenenbildung vermitteln zu können, bevor diese Inhalte offiziell in die Lehrpläne der Schulen Eingang gefunden hatten – aber dem Schulbetrieb jederzeit zur Verfügung standen. Auch hierfür besten Dank an alle, die zu dieser beispielhaften Einrichtung und deren segensreichen Entwicklungen beigetragen haben. Bei der Versorgung mit Lehrkräften hat das dafür zuständige OS A [Oberschulamt] Karlsruhe alles in seiner Macht Stehende getan; und das war nicht immer leicht! Dies gilt auch für die Unterstützung bei der Einrichtung neuer Schularten und damit in der Erweiterung des beruflichen Bildungsangebotes im hiesigen Raum. Dem OS A ganz herzlichen Dank dafür! Ich erinnere mich noch lebhaft an die Anfangszeit meiner Schulleitertätigkeit und den damals herrschenden Lehrermangel in Buchen. Kaum ein Lehrer wollte damals in den Odenwald – meistens unter dem Vorwand, weil es dort kein staatlich subventioniertes Schauspielhaus gibt und man sich statt dessen an der Gestaltung des kulturellen noch selbst beteiligt – was man Gott sei Dank auch heute noch gerne hier tut und dies sogar als Bereicherung des kulturellen Angebots empfindet. Zahlreiche inzwischen zu uns gestoßene Kolleginnen und Kollegen entstammen der hiesigen Gegend oder sie wurden Wahlbuchener, fühlen sich heute mit ihren Familien hier zu Hause und bilden als prozentual hohen Anteil gleichzeitig das Rückgrat des hiesigen Kollegiums. Für so manchen Lehrer, der als Dipl.-Ing. aus der freien Wirtschaft zu uns gekommen ist, ist allerdings eine Entwicklung in Bezug auf seine Hoffnungen auf berufliches Weiterkommen im Schuldienst zur persönlichen Enttäuschung geraten. Diese Entwicklung begann schon, bevor die Kassen so leer waren wie heute. Ich meine damit die pauschalen Wartezeiten, bis persönliche Leistung honoriert wird. Anfang der 70er Jahre gab es eine kurze Zeitspanne, wo jeder StR nach exakt 1 Jahr zum OStR befördert wurde (sog. Regelbeförderung). Ich enthalte mich einer Wertung dieser damaligen Realität. Wer 1994 zum StR ernannt wird, hat bis zu seiner Beförderung zum OStR z. Zt. mindestens 8 Jahre (Jahr 2002) – Tendenz eher steigend – Quellen 134 zu warten, bis sein Ernennungsjahrgang zum StR (1994) für die Beförderung zum OStR überhaupt ›geöffnet‹ wird. Vor Ablauf dieser Frist hat ein StR – egal, wie alt er ist, und egal, wie lange er sich im Schuldienst bereits bewahrt hat – derzeit keine Chance zum OStR befördert zu werden, selbst wenn er seine Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft dadurch dokumentiert, daß er täglich im einarmigen Handstand durch die Schule turnt! Und wenn er dann nach 8 Jahren bei den ersten sein und nicht noch weitere 5–6 Jahre warten will, dann nur mit herausragender dienstlicher Beurteilung (einarmiger Handstand)! Wenn Leistung sich lohnen und nicht demotivieren soll, dann könnte hier leicht mit einem Kontingent von OStR-Stellen abgeholfen werden, von Stellen, die schon vor Öffnung des Jahrgangs ›für herausragende Leistungen‹ zur Verfügung stehen. Und sei das Kontingent auch noch so klein, es würde schon dadurch motivieren, daß der besonders Leistungsbereite hoffen darf, ›getroffen‹ zu werden. So leer können die Kassen nie sein! Genau in dieser Phase der länger werdenden Wartefristen wurde die Regelbeurteilung eingeführt, wo der Schulleiter alle 5 Jahre die Aufgaben hatte, den Lehrer an sein Schicksal zu erinnern, ohne daran – am Schicksal nämlich – etwas ändern zu können. Nun ist ja geplant, die Regelbeurteilung durch den ebenfalls alle 5 Jahre zu erstellenden ›Dienstbericht‹ zu ersetzen. Der Dienstbericht soll auf Beratung beruhen, auf alle Lehrer bis zur Pensionierung ausgedehnt werden, er soll keine Note enthalten, dafür aber eine ›verbale Würdigung der Leistung und des pädagogischen Wirkens der Lehrkraft‹. Gleichzeitig sollen dabei die ›künftige berufliche Entwicklung‹ sowie die › Arbeitsbedingungen und die Arbeitszufriedenheit‹ bei gleichzeitiger Steigerung der Motivation des Lehrers erörtert werden. Eine gigantische Aufgabe für einen Schulleiter, zu deren Bewältigung er eher seelsorgerische Fähigkeiten braucht. Ob Regelbeurteilung oder Dienstbericht: Hinsichtlich der zu erwartenden Wirkung auf die Betroffenen vermag ich keinen motivationsfördernden Unterschied zu erkennen. Der elektrische Stuhl verliert seine Wirkung ja auch nicht dadurch, daß man ihn polstert. Ich will damit keineswegs einem laissez faire das Wort reden! Dienstaufsicht muß sein! Dienstaufsicht über möglichst motivierte Mitarbeiter! In vielen Betrieben wird derzeit erwogen, bisher übliche Kontrollmechanismen gegenüber den Mitarbeitern abzubauen. Man investiert Vertrauenskapital, um die Eigenverantwortlichkeit des Humankapitals zu stärken! Kontrolle ist gut! Vertrauen erschient besser! Ich würde solchem Vertrauenskapital – auch in den Schulen – einen hohen Zinsgewinn prophezeien! Ein Vertrauensvorschuß verursacht für den Gebenden keine Kosten! Allerdings verbleibt dem Gebenden ein gewisses ›Restrisiko‹. Aus credit wird credo. Dies kostet bestenfalls ein wenig Selbst- überwindung, ein wenig Mut, nennen wir es Großmut! Anhang 135 Doch Vertrauen wird geschenkt! Ein Geschenk verpflichtet – und ist deshalb eher geeignet, Motivation, Berufsfreude und das Selbstvertrauen des Beschenkten zu fördern. Der Lehrer würde vom Behandelten zum Handelnden! Nun haben doch die Lehrer aller Schularten aufgrund der veränderten gesellschaftlichen und vor allem familiären Strukturen, aufgrund des Wertewandels bis hin zum Werteverlust wahrhaftig keine leichten Arbeitsbedingungen. Nun haben doch besonders die Lehrer an Gewerbeschulen aufgrund der immer kürzer werdenden ›Halbwertzeit‹ technischen Wissens darüber hinaus alle Hände voll mit ihrer persönlichen Weiterbildung zu tun. Dies schon allein deshalb, weil ständig neue technische Bildungsinhalte aus Aktualitätsgründen in das tägliche Unterrichtsgeschehen einfließen müssen, bevor diese in die offizielle Lehrplanfortschreibung Eingang finden können. Nun ist die überwiegende Mehrzahl der Lehrerschaft entgegen der öffentlichen Meinung nicht so uneinsichtig und geldgierig, um nicht ihrerseits Verständnis für die derzeit leeren Kassen zu haben. Lehrer ›bearbeiten‹ nicht irgendein Material, wo am Ende des Vorgangs, durch Maßtoleranzen festgelegt, die Leistung als gut oder schlecht bewertet werden kann. Ein ›Urmaß‹ für die präzise Messung pädagogischer Leistungen gibt es nicht! Es gibt auch keine Produktions- und Verkaufszahlen wie in der freien Wirtschaft, es sei denn, wir verwechseln die Statistik damit. Deshalb hat ein Lehrer kurzfristig auch keine Erfolgserlebnisse aus seinem täglichen Bemühen zu erwarten. Aber er muß sich täglich einer sehr kritischen ›Öffentlichkeit‹ stellen, nämlich jungen Menschen mit sehr feinfühligen › Antennen‹ für Sein und Schein, für echt und unecht, für vorgelebte Glaubwürdigkeit oder Heuchelei. Allein davon geht schon eine nicht zu unterschätzende disziplinierende und motivierende Wirkung auf den Lehrer aus. Der Lehrer soll junge Menschen formen, damit diese nicht nur in die Welt von morgen passen, sondern diese – unsere – Welt morgen ihrerseits wieder formen, gestalten können. Nicht Verzagtheit, Verkrampfung oder gar Resignation sind da gefragt, sondern Gelassenheit, Zuversicht, eine gewisse innere Fröhlichkeit. Wer unter Druck und nicht mit dem Herzen bei der Sache ist, entbehrt der Spontanität und der Kreativität, von denen die Pädagogik lebt. Sonst gerät in Vergessenheit, daß Lehren und Lernen – daß Erziehen – für beide Teile auch Spaß machen, Freude bereiten können. Noch eine letzte Bemerkung zum Entscheidungs- bzw. Gestaltungsspielraum für die ›Geschäftsleitung‹ des Dienstleistungsbetriebes Schule: Was mir beim Rückblick auf 25 Jahre Schulleitertätigkeit als erstes auffiel, ist die Tatsache, daß ich in den Anfangsjahren dieser Tätigkeit noch sehr viele Entscheidungen persönlich treffen durfte – und natürlich auch verantworten mußte. Es lag in meinem ›pflichtgemäßen dienstlichen Ermessen‹. Seit es den Organisationserlaß und andere Verwaltungsvorschriften gibt, ist von vielem leider nur noch die Verantwortung geblieben. Quellen 136 Gerade als Leiter einer Gewerbeschule mit einer Vielzahl von Berufsfeldern und mit einer Vielzahl von Schularten mit sehr unterschiedlichen Bildungszielen, mit den unterschiedlichsten Verflechtungen theoretischer und praktischer bzw. Laborausbildung, mit ihrer Vielzahl jährlicher Prüfungen hätte auch ich mir manchmal mehr persönlichen Gestaltungsspielraum und deshalb das vorhin über Lehrer gesagte gewünscht: Kontrolle ist gut! Vertrauen wäre besser! Ende der Einmischung! Meine Zuversicht und meine Hoffnung auf eine von Vertrauen und Toleranz getragene Entwicklung zu einem gedeihlichen Miteinander in allen Bereichen menschlichen Zusammenlebens – nicht nur in den Schulen – sind ungebrochen. Ungebrochen ist vor allem meine Zuversicht, daß die kollegiale bzw. partnerschaftliche Zusammenarbeit aller hier am Schulleben Beteiligten fortdauern wird. An jedem neuen Tag wird die Sonne aufgehen, auch wenn wir ihre erwärmenden Strahlen nicht immer sehen, hoffentlich aber spüren. So wünsche ich meinem Nachfolger in der Schulleitung, meinem Kollegen Wolfgang Seifert, allzeit frohes Schaffen und dazu die nötige Gesundheit, Kraft, Nervenstärke, ein fröhliches Herz und viel viel Vertrauenskapital von allen hier Anwesenden. Möge Ihre Kraft, lieber Herr Seifert, auch immer noch zum zwischenmenschlichen Ausgleich und zu einem Schuß Gelassenheit ausreichen.« Anhang 137 Abbildungsverzeichnis VI. 6) Abbildungsverzeichnis S. X: Oberer Schulhof mit Gebäuden A und D., 6.8.2018, Fotografie von Daal18, https://commons. wikimedia.org/wiki/File:Zentralgewerbeschule_ Buchen.jpg Abb. 1: Abgangszeugnis der Winterlandwirtschaftsschule Tauberbischofsheim von 1895, Privatbesitz der Familie Pietschmann aus Hardheim Abb. 2: Skizze Asiens, Privatbesitz der Familie Pietschmann aus Hardheim Abb. 3: Schulbeginn 1873 nach der neuen Selbstständigkeit, Buchener Anzeiger vom 24.3.1873, entnommen der Festschrift zum 150-jährigen Jubiläum der Schule Abb. 4: Gewerbeschüler vor dem Gebäude in der Schüttstaße um die Jahrhundertwende, Bildarchiv Karl Weiß Abb. 5: Lehrlingsgesuch aus dem Buchener Anzeiger vom 14. Mai 1892, Buchener Anzeiger im Privatbesitz Abb. 6: Zimmermann um die Jahrhundertwende in typischer Kleidung, Bildarchiv Karl Weiß Abb. 7: Stand der Schülerzahl der Gewerbeschule in Buchen im Dezember 1920, Stadtarchiv Buchen H AB H A 207 Abb. 8: Gewerbeschule Herrenschneider, Archiv der ZGB Abb. 9: Gewerbeschule Elektrowerkstatt, Archiv der ZGB Abb. 10: Gewerbeschule Friseur, Archiv der ZGB Abb. 11: Gewerbeschule Gipser, Archiv der ZGB Abb. 12: Gewerbeschule Maler, Archiv der ZGB Abb. 13: Gewerbeschule Maurer, Archiv der ZGB Abb. 14: Gewerbeschule Maschinenkurs Holz, Archiv der ZGB Abb. 15: Gewerbeschule Vorlehre Metall, Archiv der ZGB Abb.: 16: Gewerbeschule Zimmerleute, Archiv der ZGB Abb. 17: Gewerbeschule von Norden, Kreisarchiv Mosbach: K A MOS J 18.704 Abb. 18: Gewerbeschule Südostansicht, Archiv der ZGB Abb. 19: Gewerbeschule Haupteingang, Kreisarchiv Mosbach: K A MOS J 18.717 Abb. 20: Konferenzzimmer im A-Gebäude, Kreisarchiv Mosbach: K A MOS J 18.712 Abb. 21: Luftbild des Schulzentrums Ende der 1950er-Jahre, Stadtarchiv Buchen BFS 9-027 Abb. 22a/b: Direktorenzimmer im A-Gebäude Mitte der 1950er-Jahre, Archiv der ZGB Abb. 23: Umzug des Maschinenparks 1974 von Walldürn nach Buchen in Eigenregie der Lehrkräfte, Archiv der ZGB Abb. 24: Honoratioren erkundigen sich nach dem Stand der Bauarbeiten, Archiv der ZGB Abb. 25: Gebäude A und D mit dem Brunnen im Vordergrund, Archiv der ZGB Abb. 26: Konrad Henn mit dem »Wilden Konrad«, Archiv der ZGB Abb. 27: Der »Wilde Konrad« mit Heinz Mann, Klaus Leitz, Konrad Henn, Edwin Mackert, Archiv der ZGB Abb. 28: Übergabe des DGQS-Zertifikats an Schulleiter Dipl.-Ing. Wolfgang Seifert, Archiv der ZGB Abb. 29: Das Schulleitungsteam im Jahr 2006, Archiv der ZGB Abb. 30: ISO-Zertifizierung 9001 – Zertifikats- übergabe im Jahr 2018, Archiv der ZGB Abb. 31: Besuch der Kultusministerin Eisenmann, Archiv der ZGB Abb. 32: Das Schulleitungsteam im Jahr 2018, Archiv der ZGB Abb. 33: Kollegium der ZGB im Jahr 2018, Archiv der ZGB Abb. 34: Abschlussjahr der Berufsschule Metall 1965, Privatbesitz Klaus Hofmann Abb. 35: Meisterkurs 1979, Privatbesitz Klaus Hofmann 139 VII. Literatur Beck, Unterfinning, 1993. Beck, Rainer: Unterfinning. Ländliche Welt vor Anbruch der Moderne, München 1993. Bechstedt, Handwerksburschenzeit, 1991. Bechstedt, Christian Wilhelm: Meine Handwerksburschenzeit 1805–1810, Berlin 1991. Boelcke, Wirtschaftsgeschichte, 1987. Boelcke, Willi A.: Wirtschaftsgeschichte Baden-Württembergs von den Römern bis heute, Stuttgart 1987. Blankertz, Bildung, 1969. Blankertz, Herwig: Bildung im Zeitalter der großen Industrie, Hannover 1969. 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Zusammenfassung

Isabell Arnstein geht auf die Entwicklung des Gewerbeschulwesens in Baden ein und legt dabei besonderes Augenmerk auf die Entwicklung der heutigen Zentralgewerbeschule Buchen (ZGB). Die Ausführung beginnt in mittelalterlicher Zeit und beschreibt die zunehmende Verzahnung des schulischen Unterrichts mit der Ausbildungsordnung der Zünfte bis hin zur Etablierung eines verbindlichen gewerbeschulischen Systems in Baden im Jahr 1834. Ab 1847, dem Gründungsjahr der ZGB, wird das Hauptaugenmerk auf die Historie der Schule gelegt, und deren Bedeutung als Verbindungsglied zwischen schulischer Bildung und Arbeitswelt bis in die Gegenwart wird aufgezeigt. Zahlreiche Quellen ermöglichen dem Leser einen Blick sowohl in die Entwicklungsgeschichte des badischen Gewerbeschulwesens als auch in die abwechslungsreiche Historie der ZGB.

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Zusammenfassung

Isabell Arnstein geht auf die Entwicklung des Gewerbeschulwesens in Baden ein und legt dabei besonderes Augenmerk auf die Entwicklung der heutigen Zentralgewerbeschule Buchen (ZGB). Die Ausführung beginnt in mittelalterlicher Zeit und beschreibt die zunehmende Verzahnung des schulischen Unterrichts mit der Ausbildungsordnung der Zünfte bis hin zur Etablierung eines verbindlichen gewerbeschulischen Systems in Baden im Jahr 1834. Ab 1847, dem Gründungsjahr der ZGB, wird das Hauptaugenmerk auf die Historie der Schule gelegt, und deren Bedeutung als Verbindungsglied zwischen schulischer Bildung und Arbeitswelt bis in die Gegenwart wird aufgezeigt. Zahlreiche Quellen ermöglichen dem Leser einen Blick sowohl in die Entwicklungsgeschichte des badischen Gewerbeschulwesens als auch in die abwechslungsreiche Historie der ZGB.