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Einführung in:

Isabell Arnstein

Die Geschichte der Zentralgewerbeschule Buchen, page 1 - 2

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4334-9, ISBN online: 978-3-8288-7281-3, https://doi.org/10.5771/9783828872813-1

Tectum, Baden-Baden
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1 Einführung » Als die Zeit um war, erhielt Konrad den Bescheid, er sei vom Mechanikus Marchtaler in Reutlingen als Lehrling angenommen und somit sei ihm der Weg erschlossen, was der Vater habe nicht erfassen können. Worte wurden nicht viel gemacht. Der Sohn sah die Eltern froh und doch bekümmert auf seine junge Arbeitskraft verzichten, die sie in Haus und Feld benötigt hätten. Aber schließlich lag Reutlingen auch nicht aus der Welt draußen und man konnte zueinanderkommen, wenn man sich etwas zu sagen hatte. Das eisgraue Männlein, Herr Johann Marchtaler, war ein Filz, und Konrad hatte ein Hundeleben bei ihm, was seinen leiblichen Menschen betraf; aber er konnte sich nach der Decke strecken und schnürte die Hosenschnalle enger; denn es war der Mühe wert. […] Es kam dem Meister fürs erste darauf an, zu erfahren, wie sich der Lehrling anstelle mit Haupt und Gliedern. Er bekam eine zerbrochene Wanduhr in die Hand und einen Schraubenzieher. […] Das war der Einstand. […] Herr Marchtaler, aufmerksam mit dem Lehrbuben, nahm ihn eines Abends mit in die Stube und gab ihm ein Buch in die Hand, das er lesen sollte. Es handelte von dem Wesen der Mechanik, noch mehr, vom Klang, vom Licht, von allem, was es gab, aber so, daß bestimmte Dinge auf der Erde, die ein für allemal als Gesetze feststanden, von jedem geprüft und angewendet werden konnten. Konrad verschlang das Buch, das ihm eine neue Welt auftat. Man konnte also von dem, was feststand, ausgehen, das letzte, was andere gefunden hatten, als erstes nehmen und weitermachen. Die Erde war unergründlich.«1 Menschen, die sich dem Handwerk verschrieben haben, zeichnet, wie auch Konrad, Wissensneugier und die Freude am Erschaffen von etwas Substanziellem und das Weiterreichen ihrer Produkte aus. Handwerkliche Fähigkeiten gepaart mit Fachwissen können Welten öffnen, ideelle, private und ganz besonders berufliche. Handwerk kann den oftmals zitierten »goldenen Boden« bescheren und zudem als erfüllende Tätigkeit die nötige Erdung im Alltag geben. Mancher nur am Computer sitzende Tätige vermisst oft, das Resultat der eigenen Arbeit zu sehen und in Händen halten zu dürfen – dieses Privileg wird dem Handwerker zuteil. Kommt zu den handwerklichen Fähig- und Fertigkeiten noch eine umfassende schulische Bildung hinzu, dann steht einem vielversprechenden Lebensweg nichts mehr im Wege. Alle Türen stehen dann offen. Die Zentralgewerbeschule Buchen blickt auf eine lange Tradition zurück, die in die- 1 Siehe Gutman, Lesebuch, 1925, S. 42–45. 2 Einführung sem Werk dargestellt werden soll. Um der Historie der Schule gerecht zu werden, genügt es allerdings nicht, mit ihrer Gründung im Jahr 1847 zu beginnen, sondern es ist notwendig, sie in den Kontext der Entwicklung des gewerblichen Schulwesens in Deutschland mit besonderem Blick auf das Land Baden zu stellen. Hierbei wird auch auf die Anfänge der schulischen Bildung des allgemeinen Volkes und der beruflichen Bildung in den Zünften eingegangen, die im Mittelalter und der Frühen Neuzeit für die gewerbliche Bildung verantwortlich waren. Dies wurde ab Ende des 18. Jahrhunderts allmählich zugunsten einer schulischen Bildung aufgebrochen, da man die Vorzüge einer ausgelagerten Bildung mit verpflichtenden elementaren beruflichen Kenntnissen erkannte. Danach etablierte sich ein gewerbeschulisches System in ganz Baden, das unter anderem auch Motor des badischen Wohlstands wurde. Dieses System wurde zum Vorbild für die berufliche Bildung in ganz Deutschland. Mitte des 19. Jahrhunderts kam es dann, nach dem Gründungserlass für das badische Gewerbeschulwesen aus dem Jahr 1834, an vielen Orten in Baden zu Gründungen von Gewerbeschulen, so auch in Buchen. Die hiesige Gewerbeschule wurde im Jahr 1847 gegründet und kann seither auf eine facettenreiche Geschichte zurückblicken und sich stetem Wachstum rühmen. Im Jahr 1939 wurde sie Bezirksgewerbeschule und seit 1947 ist sie durch Zusammenfassen aller Gewerbeschulen des ehemaligen Landkreises Buchen zur Zentralgewerbeschule geworden. Die ZGB entwickelte sich so im Laufe der Zeit zu ihrer heutigen Position, zu einem Zentrum vielfältiger beruflicher Aus- und Weiterbildung in guter Zusammenarbeit mit den Betrieben der Region, zu »einem geistigen Zentrum des regionalen Gewerbes«.

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Zusammenfassung

Isabell Arnstein geht auf die Entwicklung des Gewerbeschulwesens in Baden ein und legt dabei besonderes Augenmerk auf die Entwicklung der heutigen Zentralgewerbeschule Buchen (ZGB). Die Ausführung beginnt in mittelalterlicher Zeit und beschreibt die zunehmende Verzahnung des schulischen Unterrichts mit der Ausbildungsordnung der Zünfte bis hin zur Etablierung eines verbindlichen gewerbeschulischen Systems in Baden im Jahr 1834. Ab 1847, dem Gründungsjahr der ZGB, wird das Hauptaugenmerk auf die Historie der Schule gelegt, und deren Bedeutung als Verbindungsglied zwischen schulischer Bildung und Arbeitswelt bis in die Gegenwart wird aufgezeigt. Zahlreiche Quellen ermöglichen dem Leser einen Blick sowohl in die Entwicklungsgeschichte des badischen Gewerbeschulwesens als auch in die abwechslungsreiche Historie der ZGB.