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8. Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone-Stadtwerken“ in:

Michael Gaßner

Illusionen und Irrwege?, page 217 - 262

Wettbewerbliche und regulatorische Herausforderungen und Chancen von Stadtwerke-Kooperationen - eine kritische Analyse

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4331-8, ISBN online: 978-3-8288-7278-3, https://doi.org/10.5771/9783828872783-217

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Wirtschaftswissenschaften, vol. 90

Tectum, Baden-Baden
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Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone-Stadtwerken“ Wie bereits eingangs in Kapitel 1.2 beschrieben, gibt es zwei grundlegend unterschiedliche kooperative Konstellationen im Stadtwerkebereich: Kooperationen auf der Gesellschafterebene des einzelnen Stadtwerks (Gruppe 1): Dies sind – die „klassischen“ Kooperationen zwischen Stadtwerken und ehemaligen Oligopolisten aus der vorgelagerten Wertschöpfungsstufe. Hier werden vor allem Beteiligungen der „großen Vier“ im Strombereich betrachtet. – die Kooperation zwischen großen und kleinen Stadtwerken in der Thüga AG mit ihrem großen bundesweiten Netzwerk von lokalen und regionalen Energieversorgern. Kooperationen auf der Ebene unterhalb des einzelnen Stadtwerks, also in Form von gemeinsam gehaltenen Beteiligungen (Gruppe 2): Dazu gehören beispielhaft die Kooperationen mit Schwerpunkt in der Erzeugung, wie – die beiden von Trianel initiierten „Kraftwerksgesellschaften“ Hamm und Lünen – das Steinkohlekraftwerksprojekt Brunsbüttel der Südwestdeutschen Stromhandels GmbH – die Kooperation zwischen Gesellschaften aus einer Region, wie die Südwestdeutsche Stromhandels GmbH (SüdWestStrom), in der 30 überwiegend baden-württembergische Stadtwerke verbunden sind. Obwohl nicht projektbezogen, gehört auch die Kooperation des Stadtwerke-Konsortiums Rhein-Ruhr als Gesellschafter der STEAG GmbH von der Systematik her zu dieser Gruppe, da Gesellschafter hier die Stadtwerke und nicht die Städte selbst sind. Zunächst soll zur Analyse der unterschiedlichen Ergebnisentwicklung der Stadtwerke- und Stadtwerkekooperationen ein Kennzahlenvergleich dieser Stadtwerkegruppen mit „Stand Alone“ Stadtwerken erfolgen (Gruppe 1). Auch Kooperationen in der Konstellation nach Gruppe 2 werden dann (vgl. Hypothese 5 und Kapitel 8.3.2) einem Kennzahlenvergleich unterzogen. Ergebnisrelevante Entwicklungen werden dabei teilweise auf der Ebene der Gesellschaft, die von den jeweiligen Stadtwerken gemeinsam gehalten wird, zu sehen sein. Da aber regel- 8. 1. 2. 217 mäßig projektbezogene „Vollkosten-Stromverträge“ zwischen der jeweiligen Projektgesellschaft und ihren Gesellschaftern bestehen, werden sich die ergebnisrelevanten Entwicklungen insbesondere auf der Gesellschafterebene zeigen. Verglichen wird hier deshalb die Entwicklung der Ergebniszahlen der jeweiligen Stadtwerkegruppen. Methodische Erläuterungen Diese Arbeit fragt nach den Erfolgsfaktoren für Stadtwerke-Kooperationen und ganz konkret danach, ob sich die Erwartungen nach „besseren“ oder ökonomisch „mehr“ Betriebsergebnissen für Stadtwerke in Kooperation erfüllt haben. Dies soll in diesem Teil der Arbeit durch den Vergleich betriebswirtschaftlicher Kennzahlen überprüft werden. Dabei erfolgte ein Vorgehen in zwei Phasen und auf der Grundlage unterschiedlicher Datensammlungen. Phase 1 In Phase 1524 waren zunächst die veröffentlichten Jahresabschlüsse zu rund 70 Stadtwerken erhoben worden. Diese waren über Handelsregisterabfragen erlangt worden, wobei ein wichtiges Auswahlkriterien darin bestand, dass veröffentlichte Daten über die untersuchte Reihe von Jahren durchgängig verfügbar waren. Durch die Selektionsmethode der Suche in den Handelsregistern erhielten Stadtwerke, die dem Verfasser bekannt waren, eine höhere Aufmerksamkeit bei der Auswahl; positiv daran war, dass die Zahlen so nach "Art des Stadtwerks" besser eingeschätzt werden konnten. Die Schwierigkeit eines repräsentativen Stadtwerkevergleichs besteht auch darin, dass Stadtwerke einzelne Geschäftsfelder höchst unterschiedlich bedienen. So gibt es Stadtwerke, die ausschließlich Stromnetze betreiben, andere Strom-, Gas- und Wassernetze, sehr viele andere nicht nur den Netzbereich, sondern auch den vertrieblichen Bereich in diesen Geschäftsfeldern bedienen. Letztlich gibt es Stadtwerke, die noch viel mehr Sparten bzw. Geschäftsfelder bedienen: Strom, Gas, Wärme, Dienstleistungen, Wasser, Abwasser, Bäder, Telekommunikation, Verkehr, usw. Darunter leidet die Vergleichbarkeit selbstverständlich; in der Konsequenz wurden in dieser Phase nur Stadtwerke einbezogen, die wenigstens die Sparten Strom und Wärme bedienen; aus der Analyse ausgeschieden wurden dagegen solche, die nach Kenntnis des Verfassers nur Gas- und Wassernetze betreiben. Zunächst wurden die Stadtwerke in den einzelnen Größenklassen daraufhin analysiert, wie sich ihr Umsatz in den Jahren 2005 bis 2014 entwickelt hat; sodann wurde ein "Rohertrag 2" in Prozent des Umsatzes (ohne Stromsteuer) im Verlauf dieser Jahre ermittelt; letztlich das vom jeweiligen Unternehmen ausgewiesene Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) in Prozent des Umsatzes im Verlauf dieser Jahre festgestellt. 8.1 524 Eine Liste der betreffenden Stadtwerke nach Größenklassen befindet sich im Anhang. 8. Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone-Stadtwerken“ 218 Als "Rohertrag 2" wurden die Umsatzerlöse ohne Stromsteuer abzüglich der im Jahresabschluss ausgewiesenen Positionen Materialaufwand (einschließlich der Bezugsaufwendungen) zuzüglich Personalaufwand. Dieser "Rohertrag 2" wurde gewählt, da eine Kennzahl gesucht wurde, die unabhängig davon ist, ob stromseitig Fremdbezug oder Eigenerzeugung vorliegt; deshalb wurden hier auch die Personalaufwendungen ausgeschieden; sie wurden später separat untersucht. Beide Kostenarten zusammen, Bezugsaufwendungen und Personalkosten, stellen typischerweise die größten Kostenblöcke eines Stadtwerks dar. Kleinere, weil stärker auf die Assets Netze fokussierte Stadtwerke dürften bei dieser Kennzahl "Rohertrag 2" tendenziell besser abschneiden, als solche mit stärkerem Handels- und/oder Vertriebsgeschäft. Als dritte Kennzahl wurde das von dem jeweiligen Stadtwerk ausgewiesene „Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit – EGT“ in Prozent des Umsatzes verglichen. Das EGT gibt Auskunft über den Erfolg im Kerngeschäft eines Unternehmens. Sicher kann man die Frage stellen, ob ein Kennzahlenvergleich solch unterschiedlicher Stadtwerke auf der Ebene dieser drei Kennzahlen zulässig ist. Für ein „Benchmarking“, d.h. einen Vergleich der Wettbewerbs- oder Leistungsfähigkeit der Stadtwerke untereinander müsste man sicher in die betriebswirtschaftlichen Zahlen viel tiefer einsteigen. Doch das würde voraussetzen, gesamthaft in die Spartenergebnisse des „Konzerns Kommune“ einzusteigen, ein Unterfangen, das auf der Basis der veröffentlichten Geschäftszahlen mangels fehlender Einheitlichkeit in der Darstellung nicht möglich ist. Phase 2 Es wurde eine Phase 2 angeschlossen: Da gewichtige Zweifel geäußert wurden, ob die Auswahl dieser Stadtwerke hinreichend repräsentativ sei, wurden weitere Wege gesucht, zusätzlich zu den bereits erhobenen Daten andere belastbare repräsentative Informationen über Kennzahlen von Stadtwerken bzw. deren Jahresabschlüsse zu finden. Dies gestaltet sich als nicht einfach. Die Erhebung der Zahlen aller Stadtwerke scheiterte schon daran, dass die Angaben über die genaue Zahl von Stadtwerken in Deutschland schwanken. Nach dem Internetanbieter Verivox gibt es über 1.000 Stadtwerke im Deutschland525, der Verband kommunaler Unternehmen gibt deren Zahl mit ca. 900526 an; die Zählung wird künftig noch schwieriger, da viele Stadtwerke eigene Netzgesellschaften gründen und sich dann die systematische Frage stellt, ob diese zusätzlich gezählt werden müssen, oder in der Zahl ihrer Muttergesellschaften enthalten sind – dies gilt umso mehr, als auch 525 https://www.strom-magazin.de/info/stadtwerke/ 526 https://www.vku.de/presse/pressemitteilungen/archiv-2017-pressemitteilungen/stadtwerke-setzenenergiewende-um/ 8.1 Methodische Erläuterungen 219 die bilanzielle Darstellung nicht einheitlich ist (u.a. abhängig davon, bei wem das wirtschaftliche Eigentum des Netzes liegt). Eine große Zahl von Stadtwerken, schon alle als Eigenbetrieb organisierten, hat zudem keine Jahresergebnisse veröffentlicht, die systematisiert abfragbar wären. Gleiches gilt auch für jene Stadtwerke, die so klein sind, dass sie unterhalb der Veröffentlichungspflicht nach § 264 HGB liegen. Anders als in vielen anderen Branchen im Bereich der Kapitalgesellschaften üblich, findet man bei Stadtwerken über deren jeweilige Homepage die veröffentlichten Jahresabschlüsse sehr häufig nicht. Über einen an einer anderen Hochschule tätigen Projektpartner ist es dann gelungen, Zugang zu den Daten einer Unternehmensdatenbank527 zu gewinnen, die Finanzinformationen zu 1,3 Millionen Unternehmen in Deutschland enthält; Datengrundlage bilden die Wirtschaftsinformationen sowie das „Rating“ der CREDITRE- FORM e.V.528 CREDITREFORM wiederum wertet systematisiert die Veröffentlichungen der Jahresabschlüsse im Bundesanzeiger aus, mit allen Fehlerquellen und Unsicherheiten, die damit verbunden sind. Aus dieser Datenbank wurden dann über Stichwortabfragen alle kommunalen im Energiebereich tätigen Unternehmen bestimmt. Im Ergebnis waren dies ca. 650 Unternehmen; das Delta zu den von Verivox genannten über 1.000 Stadtwerke im Deutschland ist damit sehr groß. Der Datensatz der 650 Unternehmen wurde sodann noch um Holding- und Verwaltungsgesellschaften (da ohne operatives Geschäft), Regionalgesellschaften, Töchter mit reinem Netzgeschäft und reine Gasgesellschaften bereinigt. Dies war erforderlich, um wie oben beschrieben, eine hinreichende Vergleichbarkeit zu erzielen. Der in dieser Arbeit so betrachtete Datensatz umfasst danach die Daten von 491 deutschen Stadtwerken. 529 Von diesen Stadtwerken waren 187 als einer Kooperation zugehörig zu klassifizieren, 304 dagegen als „Stand Alone“-Stadtwerke, d.h. solche, die als Gesellschafter ausschließlich ihre jeweilige Kommune aufweisen. Die 187 Stadtwerke in Kooperation sind dann einzelnen Gruppen von Kooperationen zugeordnet worden: – 29 Stadtwerke mit einer E.ON- Minderheitsbeteiligung – 47 mit einer RWE- Minderheitsbeteiligung – 19 mit EnBW- Minderheitsbeteiligung – 46 mit einer solchen der Thüga – 46 mit anderen Partnern (wie z.B. Engie, enviaM, Gelsenwasser, TEAG, EAM, Veolia, Gasag, MVV und andere). 527 Benutzt wurde dabei die Unternehmensdatenbank Dafne. 528 https://www.zu.de/studium-weiterbildung/das-studium/bibliothek/datenbanken.php 529 Eine Liste der Unternehmen befindet sich im Anhang. 8. Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone-Stadtwerken“ 220 Trotz der hohen Zahl der in dieser Datenbank enthaltenen Stadtwerke muss doch gesehen werden, dass sie Lücken aufweist. So sind z.B. von 62 Stadtwerken, die lt. Beteiligungsbericht 2009 eine Minderheitsbeteiligung der E.ON aufweisen (ohne Gas-, Verwaltungsgesellschaften etc.) nur 29 in dem gefundenen Datensatz „Dafne“ enthalten. Ebenso verhält es sich mit den Stadtwerken, die eine EnBW-Minderheitsbeteiligung aufweisen. 19 Stadtwerke sind in der Datenbank vorhanden, 24 nicht. Bei RWE- Minderheitsbeteiligungen sind es 47 von 80 Stadtwerken, die in der Datenbank verfügbar sind.530 Dies mag mit den Erhebungskriterien und der Verfügbarkeit der Daten der Stadtwerke, ggf. auch an dem Weg über die CREDITREFORM zusammenhängen. Da anders keine systematischen Auswertungen nach den gleichen Kriterien möglich waren, wurde entschieden, sich gleichwohl auf die Daten von „Dafne“ zu beschränken. So ist jedenfalls eine große Anzahl von Daten verfügbar, die nach den gleichen Auswahlkriterien und Kategorien erhoben worden sind. Sicherheitshalber wurden in einigen Bereichen die direkt erhobenen Daten der Phase 1 mit denen der Untersuchung nach Phase 2 verglichen. In der weiteren Folge wurden die betrachteten Stadtwerke noch in 2 Größenklassen unterteilt. Nach der KMU-Definition der Europäischen Kommission wurden dabei alle kleinst-, klein- und mittleren Unternehmen in der folgenden Untersuchung als „Klein“ klassifiziert. Dies sind regelmäßig Stadtwerke mit einem Umsatz bis zu 50 Mio. Euro. Stadtwerke, die darüber liegen, werden als „Groß“ bezeichnet. Zu den kleinen Unternehmen gehören 306, wohingegen als groß 185 Unternehmen gelten. Alle 491 Klein 306 Groß 185 Die erhobenen Daten sind insoweit repräsentativ, da sie den überwiegenden Teil der in öffentlichen Quellen verfügbaren relevanten Stadtwerke abbilden; zusätzlich werden die Ergebnisse durch die Zahlen der „Phase 1“ abgestützt. Der Betrachtung der Entwicklung der Umsatzzahlen der einzelnen Stadtwerke muss eine Darstellung der Entwicklung der Strompreise und der Primärenergiepreise vorangestellt werden, damit preisbedingte externe Faktoren besser gesehen werden können. 530 Zu den Minderheitsbeteiligungen von EnBW, E.ON und RWE siehe die Aufstellungen zum Anteilsbesitz im Anhang. 8.1 Methodische Erläuterungen 221 Die Entwicklung des Strompreises für Sondervertragskunden nominal ergibt sich aus nachstehender Grafik: Nominale Entwicklung des Strompreisindizes für Deutschland, Sondervertragskunden > 1kV, 2010 = 100 Quelle: Energiepreisbericht Baden-Württemberg, Abbildung 7, S. 16, nach Destatis 2016 Die Entwicklung der Jahresmittelwerte der nominalen Börsenpreise für Strom am Spotmarkt und die der Einfuhrpreise für die wichtigsten Energieträger hätten eine andere Entwicklung der Preise bei den Sondervertragskunden vermuten lassen; Steuer, Abgaben, Umlagen und regulierungsbedingte Kosten verändern das Bild jedoch entsprechend. Abbildung 68, 8. Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone-Stadtwerken“ 222 Jahresmittelwerte der nominalen Börsenpreise für Strom am Spotmarkt Quelle: Energiepreisbericht für Baden-Württemberg 2015, Leipziger Institut für Energie, 2016, S. 21, nach [EPEX 2013] [EPEX 2014] [EEX 2016a], Daten für Grundlast (Phelix Base) Entwicklung der Preise für die Einfuhr bzw. Erzeugung fossiler Energieträger (nominal) Quelle: ebd., S. 22, nach BMWI 2016, Destatis 2015, Cameco 2016 Abbildung 69, Abbildung 70, 8.1 Methodische Erläuterungen 223 Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone Stadtwerken“ – Phase 1 Vergleich nach Größenklassen Vergleich der Entwicklung des Mittelwerts der Umsatzerlöse der Größenklassen gesamt Quelle: Jahresabschlüsse der jeweiligen Stadtwerke per 2005 bis 2014 Aus der Betrachtung der Entwicklung des Mittelwerts der Umsatzerlöse aller Stadtwerke der Phase 1531 zeigt sich eine Korrelation zum Anstieg des Strompreisindex insbes. in den Jahren 2005 bis 2008 sowie dessen Abflachung in Folge der Wirtschaftskrise in den Jahren 2008 bis 2010. 8.2 8.2.1 Abbildung 71, 531 Siehe die Liste der Stadtwerke und ihre Aufteilung in Größenklassen im Anhang 8. Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone-Stadtwerken“ 224 Vergleich der Entwicklung des Mittelwerts der Umsatzerlöse der Größenklassen Quelle: Jahresabschlüsse der jeweiligen Stadtwerke per 2005 bis 2014 Vergleicht man die Entwicklung getrennt nach Größenklassen, so zeigt sich im Wesentlichen eine Parallelität, wobei auffällt, dass die Krise in 2008 und 2009 bei „sehr großen“ Stadtwerken umsatzseitig dynamischer bzw. einschneidender verlief, als bei „großen“ Stadtwerken. Es steht zu vermuten, dass dies am höheren Eigenerzeugungsanteil der „sehr großen“ Stadtwerke lag. Über alle Gruppen hinweg sieht man einen Rückgang der Umsatzerlöse im Jahr 2014 im Vergleich zum Vorjahr. Ursache dafür sind auch die sehr milden Temperaturen in 2014. Gemessen an Gradtagszahlen lag 2014 auf nur 80 % des langjährigen Mittels.532 Dementsprechend hatten alle Unternehmen Rückgänge beim Absatz von Gas und Strom hinzunehmen, da der Absatz beider Produkte doch stark außentemperaturabhängig ist. Zum anderen sind zwischen 2013 und 2014 auch die Preise der Primärenergieträger und in der Folge die Marktpreise für Strom gefallen. Die nachfolgende Grafik zeigt, dass im Laufe des betrachteten 10-Jahreszeitraums der Rückgang im Rohertrag 2 die ganze Branche in erheblichem Umfang getroffen hat. Abbildung 72, 532 Zu den Gradtagszahlen: www.iwu.de/fileadmin/user_upload/dateien/…/Gradtagszahlen_Deutschla nd.xls, (zuletzt abgerufen am 27.03.2017) 8.2 Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone Stadtwerken“ – Phase 1 225 Vergleich der Entwicklung des Mittelwerts des Rohertrags 2 in % der Umsatzerlöse Quelle: Jahresabschlüsse der jeweiligen Stadtwerke per 2005 bis 2014 Vergleich der Entwicklung des Mittelwerts des Rohertrags 2 in % der Umsatzerlöse Quelle: Jahresabschlüsse der jeweiligen Stadtwerke per 2005 bis 2014 Abbildung 73, Abbildung 74, 8. Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone-Stadtwerken“ 226 Auffällig ist bei einigen Stadtwerken die Entwicklung des Rohertrags 2 in und nach der Finanzkrise 2008. Insbesondere in der Größenklasse der "kleineren Stadtwerke", aber auch bei einzelnen "mittleren" und "größeren" Stadtwerken hatte man vermutet, dass diese in den Jahren stetig steigender Preise bis 2008 "long" gegangen waren, also sich für die Zukunft stärker mit Strombezugsverträgen eingedeckt hatten, als es ihre Absatzseite eigentlich gerechtfertigt hätte. Sich in Zeiten stetig steigender Preise lang einzudecken, um dann kurz auf höherem Preisniveau zu verkaufen, ist zunächst einfach. Wehe dem, der dann in eine Phase fallender Preise gerät; wenn der Preiseinbruch so steil ist, wie zum Jahreswechsel 2008 auf 2009, kann man nur hoffen, große Anteile im damals noch weniger preiselastischen Privatkundengeschäft zu haben. Ansonsten hilft nur ein "gnädiger Wirtschaftsprüfer“, der die Argumentation mitgeht, man müsse nicht die gesamte Übermenge in Drohverlustrückstellungen berücksichtigen, weil die Zeiten auch wieder besser würden. An den Kurven des "Rohertrags 2" sieht man diese Verhaltensweise aber nicht; da sind es die "ganz großen" Stadtwerke, die in 2008 einen starken Einbruch hinnehmen müssen, obwohl sie in diesem Jahr beim Umsatzwachstum im Vergleich der Gruppen in diesem Jahr ganz vorne lagen. Die „mittleren Stadtwerke“ sind im Gruppenvergleich beim "Rohertrag 2" mit Abstand die erfolgreichsten. „Große“ und „sehr große“ Stadtwerke schneiden sehr viel schlechter ab; auffällig ist der volatile Verlauf der Entwicklung bei den „sehr großen Stadtwerken“, die sowohl in der Krise 2008 als auch 2013 und 2014 erheblich gelitten haben. 8.2 Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone Stadtwerken“ – Phase 1 227 Vergleich der Entwicklung des Mittelwerts des EGT in % der Umsatzerlöse Quelle: Jahresabschlüsse der jeweiligen Stadtwerke per 2005 bis 2014 Bei der Entwicklung des Anteils der Ergebnisse aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit in Prozent der Umsatzerlöse müsste man erwarten, diese verliefe in etwa parallel zu der des Rohertrags. Abbildung 75, 8. Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone-Stadtwerken“ 228 Vergleich der Entwicklung des Mittelwerts des EGT in % der Umsatzerlöse Quelle: Jahresabschlüsse der jeweiligen Stadtwerke per 2005 bis 2014 Allerdings ist hier die Entwicklung bis auf die Größenklasse der „mittleren Stadtwerke“ nicht ganz so extrem. Hier liegen die „kleinen Stadtwerke“ bei einem Rückgang um 12 % (Rohertrag – 38%), die mittleren bei – 36 % (Rohertrag nur – 28 %), die gro- ßen bei einem Rückgang von 23 % (Rohertrag -52 %) und sehr großen bei einem Rückgang um 36 % (Rohertrag – 49 %). Offensichtlich ist es vielen der Unternehmen gelungen, den Rückgang im Rohertrag durch Einsparungen bei sonstigen Aufwendungen teilweise zu kompensieren. Nur Stadtwerke, die Abschreibungen auf große Investitionen oder Drohverlustrückstellungen für (mit solchen Investitionen verbundenen) langlaufende Bezugsverträge vornehmen mussten, wie zum Beispiel Stadtwerke Hamm, Bonn und Aachen sowie SWU Stadtwerke Ulm und RhönEnergie Fulda in den Jahren 2011 und 2012 und ggf. folgende, zeigen hier negative Auffälligkeiten. Vergleich von Kooperationsgruppen untereinander In einem weiteren Schritt werden die ca. 70 Stadtwerke sodann einzelnen "Kooperations-Gruppen" zugeordnet533 und die Gruppen werden untereinander verglichen. Stadtwerke ohne Kooperationspartner auf der Gesellschafterebene werden der Gruppe "Stand Alone" zugeordnet und als Kontrollgruppe verwendet. Im Rahmen dieses Abbildung 76, 8.2.2 533 Eine Liste der Stadtwerke aufgeteilt nach Gruppen findet sich im Anhang. 8.2 Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone Stadtwerken“ – Phase 1 229 Kennzahlenvergleichs werden, wo möglich, auch die unterschiedlichen Entwicklungen in den einzelnen zeitlichen Phasen – 2003/2005–2008 – 2009–2012 – 2012–2014/2015 analysiert. Es werden folgende Gruppen unterschieden: – Stadtwerke der Vergleichsgruppe „Stand Alone“ – Stadtwerke mit der E.ON im Gesellschafterkreis – Stadtwerke mit der RWE im Gesellschafterkreis – Stadtwerke mit der EnBW im Gesellschafterkreis – Stadtwerke mit der Thüga im Gesellschafterkreis Vergleich der Entwicklung des Mittelwerts der Umsatzerlöse der Gruppen Quelle: Jahresabschlüsse der jeweiligen Stadtwerke per 2005 bis 2014 Vergleicht man die Entwicklung des Mittelwerts der Umsatzerlöse der Gruppe Stadtwerke „Stand Alone“ mit jener der Stadtwerke mit E.ON, RWE oder EnBW-Beteiligung, so stellt man fest, dass die „Unabhängigen“ deutlich stärker gewachsen sind. Verglichen mit den Umsätzen, die sie 2005 erzielten, liegt das Wachstum bei circa 65 %. Fast alle diese „Stand Alone“ Stadtwerke haben in der zehn Jahresperiode also einen mehr oder minder starken Wachstumskurs gefahren, wenn auch unterschiedlich stark. Abbildung 77, 8. Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone-Stadtwerken“ 230 Die Stadtwerke mit E.ON Beteiligung sind mit durchschnittlich 46 % ebenfalls stark gewachsen, dagegen haben Stadtwerke mit EnBW-Beteiligung (96 % des Ausgangswerts) und solche mit RWE-Beteiligung (99 % des Ausgangswerts) wenige Prozentpunkte bei der Entwicklung des Mittelwerts der Umsatzerlöse verloren. Bei der Entwicklung des Mittelwerts der Umsatzerlöse der Stadtwerke mit Thüga- Beteiligung muss man zwei Zeitabschnitte unterscheiden: die Zeit vor der "Rekommunalisierung" der Thüga Ende 2009 und die Zeit danach. Vergleich der Entwicklung des Mittelwerts der Umsatzerlöse der Gruppen ab 2010 Quelle: Jahresabschlüsse der jeweiligen Stadtwerke per 2005 bis 2014 Während diese Stadtwerke in der Zeit der Zugehörigkeit der Thüga zum E.ON Konzern deutlich gewachsen sind – circa 36 %, ist danach, 2010–2014, das Wachstum in der Gesamtsicht schwach ausgefallen (insgesamt ca. 8 %). Abbildung 78, 8.2 Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone Stadtwerken“ – Phase 1 231 Vergleich der Entwicklung des Mittelwerts des Rohertrags 2 Quelle: Jahresabschlüsse der jeweiligen Stadtwerke per 2005 bis 2014 Stellt man auf die Entwicklung des Rohertrags in Prozent der Umsatzerlöse ab, so ist dieser bei den „Stand Alone“ Stadtwerken trotz des hohen mittleren Umsatzzuwachses deutlich gefallen. Zuletzt liegt der Mittelwert nur noch auf 61 % des Ausgangswertes des Jahres 2005. Besser haben hier die Stadtwerke mit E.ON-, EnBW oder RWE- Beteiligung abgeschnitten. Hier hat sich dieser Wert „nur“ auf 74 % (E.ON und EnBW), bzw. 73 % (RWE) verschlechtert. Bei den Stadtwerken mit Thüga Beteiligung muss wieder unterschieden werden in die Zeit vor der „Rekommunalisierung“ Ende 2009 und die Zeit danach. In der Zeit davor fiel der Wert bereits auf 67 % in 2009, um dann ab 2012 steil weiter bis auf 45 % in 2014 abzufallen. Abbildung 79, 8. Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone-Stadtwerken“ 232 Vergleich der Entwicklung des Mittelwerts des Rohertrags 2 in % der Umsatzerlöse ab 2010 Quelle: Jahresabschlüsse der jeweiligen Stadtwerke per 2005 bis 2014 Der Rohertrag der Stadtwerke mit E.ON- Beteiligung liegt über die Jahre trotz Rückgangs dauerhaft bei 20% oder darüber und damit etwa auf dem gleichen Niveau als derjenige der Stadtwerke mit RWE- Beteiligung und derjenigen mit EnBW- Beteiligung. Die Stadtwerke mit Thüga- Beteiligung fallen von einst (2005) ca. 20% auf dann (2014) knapp unter 10% zurück, die Stand Alone Stadtwerke liegen besser als die Thüga- Beteiligungen und erreichen 2014 ca. 13% (2005 war man auch knapp über 20%). Das Ausgangsniveau 2005 war also ein Ähnliches; alle lagen beim Rohertrag bei einem Wert von über 20% des Umsatzes, die Entwicklung ging gleichermaßen nach unten, das Gefälle war aber unterschiedlich steil. Abbildung 80, 8.2 Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone Stadtwerken“ – Phase 1 233 Entwicklung des Mittelwert Rohertrags 2 in % der Umsatzerlöse Quelle: Jahresabschlüsse der jeweiligen Stadtwerke per 2005 bis 2014 Vergleicht man alle fünf Gruppen bezogen auf das Basisjahr 2010, so schneiden die Stadtwerke mit E.ON-Beteiligung deutlich am besten ab; hier ist eine leichte Verbesserung des Rohertrags (+ 2 %) innerhalb dieser fünf Jahre zu verzeichnen. Stadtwerke mit RWE-Beteiligung verlieren hier circa 5 %, solche mit EnBW-Beteiligung circa 13 %, solche mit Thüga-Beteiligung circa 26 %, solche ohne gesellschaftsrechtlichen Partner, also „Stand Alone“ circa 14 %. Dies könnte im Ergebnis bedeuten, dass sich Partnerschaften mit den ehemaligen Verbundunternehmen auf der gesellschaftsrechtlichen Ebene für Stadtwerke positiv auswirken – während solche mit der Thüga eher ohne Vorteil wären. Viel spricht dafür, dass die günstige Entwicklung im Rohertrag daraus resultierte, dass E.ON, RWE und EnBW entweder ihren Stadtwerkebeteiligungen Bezugskonditionen ermöglichten, die hart an den Referenzpreisen für Börsenprodukte kalkuliert waren, oder ihnen entsprechende Marktinformationen zugänglich machten, so dass diese günstiger einkaufen konnten, als Stadtwerke in den anderen Gruppen. Abbildung 81, 8. Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone-Stadtwerken“ 234 Vergleich der Entwicklung des Mittelwerts des EGT in % Quelle: Jahresabschlüsse der jeweiligen Stadtwerke per 2005 bis 2014 Vergleich der Entwicklung des Mittelwerts des EGT in % der Umsatzerlöse ab 2010 Quelle: Jahresabschlüsse der jeweiligen Stadtwerke per 2005 bis 2014 Abbildung 82, Abbildung 83, 8.2 Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone Stadtwerken“ – Phase 1 235 Vergleicht man die fünf Gruppen dann in Hinblick auf die Entwicklung des Mittelwerts des Ergebnisses der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit in Prozent der Umsatzerlöse (EGT), dann bestätigt sich die schon beim Rohertrag getroffene Aussage sowohl im Betrachtungszeitraum 2005 bis 2014, als auch im Zeitraum 2010 bis 2014. In der 10-Jahres-Periode ist die Performance der Stadtwerke mit RWE-Beteiligung am besten; in der zehn Jahresperiode verlieren sie 15 % Punkte, in der fünf-Jahresperiode sogar 17 %, womit sie dort nur auf Platz 2 liegen. Dahinter rangieren in der 10-Jahres-Periode die Stadtwerke mit E.ON-Beteiligung; in der 10-Jahres-Periode verlieren diese 20 %-Punkte, in der 5-Jahres-Periode gelingt es ihnen, das durchschnittliche Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit zu halten, womit sie bei Betrachtung dieses Zeitraums an Platz 1 liegen. Auf Platz 3 rangieren in der 10-Jahres-Periode mit weiterem Abstand Stadtwerke mit einer EnBW-Beteiligung (- 39 %); in der 5-Jahres-Periode rutschen diese Stadtwerke sogar auf Platz 4 ab (- 23 %). Stadtwerke mit Thüga-Beteiligung liegen in der Betrachtung der 10-Jahres-Periode auf dem letzten Platz, mit einem Wert von – 46 %. In der Betrachtung der 5 Jahre von 2010 bis 2014 liegen sie (- 19 %) etwas besser als die mit EnBW- Beteiligung. Knapp auf dem vorletzten Platz in der 10-Jahres-Betrachtung (- 43 %) und mit Abstand auf dem letzten Platz in der 5-Jahres-Betrachtung (- 27 %) liegen die „Stand Alone“ Stadtwerke. Im Vergleich der Gruppen zeigt sich also, dass die „Stand Alone“ Stadtwerke trotz höheren Umsatzwachstums dann im Rohertrag und im Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit gegenüber den Stadtwerken mit Minderheitsgesellschaftern erheblich zurückfallen. Dies gilt über alle Größenklassen hinweg. Es steht daraus zu vermuten, dass die ehemaligen Verbundunternehmen „ihre“ Stadtwerke- Beteiligungen stärker auf Ertrag trimmen, als die Geschäftsführung eines allein stehenden Stadtwerks dies in der Auseinandersetzung mit ihren Gremien oder der Stadt als Gesellschafter tun muss. Betrachtet man die Entwicklung des Rohertrags der Stadtwerke mit Thüga im Gesellschafterkreis, so zeigt sich, dass die Stadtwerke mittlerer Größe 2014 sehr viel besser liegen, als die „sehr großen Stadtwerke“. Während der Rohertrag in % der Umsatzerträge der mittelgroßen Stadtwerke, z.B. Stadtwerke Villingen-Schwenningen und Stadtwerke Frankenthal, bis zum Jahr 2014 nur circa 7 % bzw. 10 %-Punkte auf dann 16,72 % bzw. 14,33 % zurück geht, fällt er bei den sehr großen Stadtwerken Mainova (9,66 %), Stadtwerke Hannover (5,34 %) und N-ERGIE (2,55 %) stark; das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit in % der Umsatzerlöse sinkt bei den mittleren Stadtwerken mit Thüga-Beteiligung von durchschnittlich über 12% im Jahr 2005 auf etwas über 6 % im Jahr 2014 ab, während die sehr großen Stadtwerke mit Thüga-Beteiligung hier von durchschnittlich ca. 6,5% auf ca. 4,6 % fallen. Welche Auswirkungen dies auf die Gruppe haben dürfte, muss anschließend noch untersucht werden. Es stellt sich die Frage, ob die schlechte Performance der „Stand Alone“ Stadtwerke nur aus Fehlern im Zusammenhang mit Kraftwerksinvestitionen resultiert und das Gesamtergebnis der Gruppe beeinflusst. 8. Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone-Stadtwerken“ 236 Deshalb wurden aus der Gruppe der „Stand Alone“ Stadtwerke diejenigen herausgenommen, die solche "Fehlinvestitionen", insbesondere im Rahmen von Trianel- Aktivitäten getätigt haben. Dies waren insbesondere die Stadtwerke Aachen, Bonn, Ulm und Hamm. RhönEnergie Fulda wurde hier, da der Thüga-Gruppe zuzurechnen, nicht ausgeschieden. Entwicklung des Mittelwerts des EGT in % der Umsatzerlöse – Stand Alone, Vergleich mit Trianel Kraftwerksbeteiligung und ohne Trianel Kraftwerksbeteiligung Quelle: Jahresabschlüsse der jeweiligen Stadtwerke per 2005 bis 2014 Abbildung 84, 8.2 Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone Stadtwerken“ – Phase 1 237 Entwicklung des Mittelwerts der EGT in % der Umsatzerlöse – Stand Alone, Vergleich mit Trianel Kraftwerksbeteiligung und ohne Trianel Kraftwerksbeteiligung Quelle: Jahresabschlüsse der jeweiligen Stadtwerke per 2005 bis 2014 Beim EGT der betroffenen Stadtwerke wirkten sich die Drohverlustrückstellungen bzw. Abschreibungen auf die Kraftwerksinvestitionen deutlich aus. So verschlechterte sich das EGT der Stadtwerke Hamm von ca. 5 % in den Jahren 2009 und 2010 auf 1,7 % in 2011 bzw. ca. 4 % in 2012 bis 2014. Bei Energie und Wasserversorgung Bonn/ Rhein-Sieg blieb das EGT in den Jahren trotz dieses Effekts im Wesentlichen stabil. Bei Stadtwerke Aachen dagegen sank das EGT von durchschnittlich ca. 10 % in den Jahren 2009 und 2010 auf nur ca. 4,5 % in den Jahren 2011 bis 2014; bei SWU Energie, Ulm lagen die entsprechenden Zahlen bei ca. 11 % in den Jahren 2009 und 2010 und ca. 4 % in den Jahren 2011 bis 2014. Roland Berger hat in der Studie vom August 2014 "Erfolgreich in der Energiewende"534 dargestellt, wie unterschiedlich sich die Profitabilität regionaler Energieversorger in Abhängigkeit davon entwickelt hat, ob diese konventionelle Erzeugung hatten oder nicht. Abbildung 85, 534 Roland Berger, Erfolgreich in der Energiewende, August 2014 – https://www.rolandberger.com/pub lications/publication_pdf/roland_berger_energiewirtschaft_2014_20140801.pdf (abgerufen am 12.01.2017) 8. Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone-Stadtwerken“ 238 Durchschnittliches operatives Betriebsergebnis regionaler Energieversorger nach Geschäftsmodell Quelle: Roland Berger, Erfolgreich in der Energiewende August 2014, S. 7 – https://www.rolandberg er.com/publications/publication_pdf/roland_berger_energiewirtschaft_2014_20140801.pdf Auch hier zeigt sich – trotz aller Schmerzen, die mit einer solchen Fehlinvestition verbunden sind, dass die EBITDA-Margen so gewaltig unterschiedlich nicht sind. Roland Berger schließt daraus, jeder regionale Energieversorger könne es schaffen, sehr effizient zu agieren – unabhängig von seiner Größe. Umgekehrt betrachtet zeige sich auch, dass es – trotz der beschriebenen Skaleneffekte – in allen Größenklassen ineffiziente und damit mittelfristig gefährdete Unternehmen gebe.535 Zwischenergebnis Phase 1 Gestützt auf die Auswertung der veröffentlichten Zahlen dieser ca. 70 Stadtwerke lässt sich damit feststellen, dass sich solche, die einen der „Großen Vier“ als Minderheitsgesellschafter hatten, mit Blick auf einen „Rohertrag 2“ und das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit besser entwickelten als solche, bei denen die Thüga Minderheitsgesellschafter war oder verglichen mit den Stand-Alone-Stadtwerken. Abbildung 86, 8.2.3 535 ebd. S. 12 8.2 Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone Stadtwerken“ – Phase 1 239 Obwohl kartellrechtlich problematisch und aktuell politisch nicht mehr im Trend, waren solche Minderheitsbeteiligungen für die jeweiligen Stadtwerke also nach diesen Zahlen eher nützlich. Die Kooperation mit anderen Unternehmen auf der Gesellschafterebene eines Stadtwerks bringt offensichtlich Vorteile; offenbar führt der Input des Minderheitsgesellschafters wenigstens dazu, dass – sieht man von den entsprechenden RWE-Projekten einmal ab – Fehlinvestitionen in Großprojekte eher vermieden werden und eine ergebnisorientierte Steuerung vor einer auf reinem Umsatzwachstum beruhenden Steuerung Vorrang erhält. Offensichtlich kennt das Großunternehmen als Minderheitsgesellschafter die Risiken der Eigenerzeugung und bewirkt eher, dass sich das Stadtwerk auf seine Kernkompetenzen beschränkt. Das in der Untersuchung festgestellte schlechtere Abschneiden der Stadtwerke mit Thüga-Beteiligung hat überrascht. Es hat sicher eine Ursache darin, dass die ausgewählten Stadtwerke mit Thüga-Beteiligung verstärkt unter den „großen“ und insbesondere den „sehr großen“ Stadtwerken zu finden sind und in diesen Gruppen der durchschnittliche Rohertrag bei allen Gruppen deutlich schlechter liegt als bei kleineren und mittleren Stadtwerken, bei denen das in diesen Jahren gut profitable Netzgeschäft die Gesamtentwicklung stabilisiert. Thüga wäre eigentlich das ideale Modell kollektiver "kommunaler Selbstrettung". Leider mussten in der Analyse bei den drei größten Gesellschaftern der Gruppe deutliche Ergebnisschwächen festgestellt werden, welche die Gesamtperformance der Gruppe nach unten ziehen. Dies gilt nicht nur im Vergleich mit den kleineren Stadtwerken der Thüga-Gruppe, sondern auch im Vergleich mit den anderen Gruppen. Wie schon im Kapitel 6 festgestellt, hätte Thüga m.E. eine ausgewogene Gesellschafterstruktur verdient und dann die Chance, wirklich erfolgreich zu sein. Da die drei größten Gesellschaften gleichzeitig über ein Konsortium die dominierenden Gesellschafter der Thüga sind, droht m.E. die Rollenverteilung zwischen Thüga und diesen dauerhaft streitig zu bleiben. Ergebnisseitig sind sie für die Gruppe eher eine Last, keinesfalls aber Vorbilder. Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone Stadtwerken“ – Phase 2: Thesen zur Wirtschaftlichkeit von Stadtwerke-Kooperationen Methodik des Kennzahlenvergleichs in Phase 2 Wie bereits in den methodischen Vorbemerkungen zu Kapitel 1 und in diesem Kapitel eingangs erläutert,536 wurde in Phase 2 ein breiteres Sample von 491 Stadtwerken herangezogen. Diese wurden unter Verwendung der Statistiksoftware IBM SPSS Statistics 25 einer eingehenden Analyse unterzogen. Dabei wurden gängige nicht-para- 8.3 8.3.1 536 Siehe oben Kapitel 1.4.4 und 8.1 8. Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone-Stadtwerken“ 240 metrische Testverfahren verwendet, wie z.B. Tests auf Normalverteilung nach Kolmogorov Smirnov oder die Unterschiedlichkeitstestverfahren Mann-Whitney-U-Test und Kruskal-Wallis-Test.537 Die Datenanalyse stand unter der grundlegenden Frage, ob sich auf diesem Wege ein messbarer Erfolg von Stadtwerke-Kooperationen im Vergleich ausmachen lässt. Diesem Ziel entsprechend wurden auch die erhobenen Kennzahlen analysiert und miteinander in Beziehung gesetzt. Die in Phase 2 verwendeten Kennzahlen sind folgende: Umsatz Der Umsatz wird ausschließlich als Relationsmaß genutzt. Rohertrag 2 Der Rohertrag 2 setzt sich (anders als in Phase 1, wo auch noch die Personalkosten zum Abzug gebracht wurden) zusammen aus den Umsatzerlösen ./. Erlösschmälerungen ./. Stromsteuern ./. Materialeinsatz. Rohertrag 2-Marge Die Marge des Rohertrag 2 errechnet sich aus dem Rohertrag 2 / Umsatz. Diese Kennzahl ist so größenbereinigt und kann damit leichter verglichen werden.Roℎertrag 2 Marge = Roℎertrag 2 Umsatz   EGT (Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit) Diese Kennzahl zeigt den Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens, ohne außergewöhnliche Ergebnisse miteinzubeziehen. EGT-Marge Die Kennzahl gibt die Marge an, die das EGT am Umsatz hat. Die EGT-Marge ist eine wesentliche Kennzahl zur Bestimmung des Unternehmenserfolgs. Diese Kennzahl wird wie folgt errechnet:EGTMarge = EGT Umsatz  537 S. hierzu Bühl, SPSS a.a.O. S. 317f. und Eckstein, Angewandte Statistik mit SPSS a.a.O. S. 99f., 133f., 149f. 8.3 Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone Stadtwerken“ – Phase 2 241 Da auch diese Kennzahl damit um die Größeneffekte bereinigt ist, kann sie als allgemeine Vergleichsgröße zwischen den Unternehmen herangezogen werden. Modifizierte EGT-Marge Die modifizierte Fassung der EGT-Marge ist in der Definition dieser Phase 2 dann um den Personalaufwand bereinigt; dieser wird hinzugerechnet. Dies ist notwendig, da sich sonst teilweise störende Abweichungen ergeben. Diese Kennzahl ist selbst gebildet und dient der Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Gruppen von Stadtwerken. Die Formel zur Errechnung der Kennzahl lautet:mod .  EGTX, tMarge = EGTX, t+ PersonalaufwandX, tUmsatzX, t   Die Kennzahl wird in Prozent angegeben. Modifizierte Delta EGT-Marge Die modifizierte Delta EGT-Marge ist um den Personalaufwand und zusätzlich um die Branchenentwicklung bereinigt, um genaue Unterschiede in der Entwicklung einzelner Gruppen ohne störende Einflüsse abbilden zu können.mod .  Delta EGTX, tMarge = mod .  EGTX, tMarge−mod .EGTReferenzwert, tMarge   Diese Kennzahl ist selbst gebildet und dient der Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Gruppen. Der Referenzwert kann entweder der Branchendurchschnitt/-trend sein, oder der Mittelwert einer Kontrollgruppe. Branchentrend Der Branchentrend ist in Phase 2 definiert als Mittelwert aller 491 kommunalen Unternehmen, die in dieser Erhebung auf der Basis der verwendeten Datenbank ausgewertet werden. Es handelt sich also um einen relativen Gesamt-Stadtwerketrend. Um die Kennzahlen, die in Phase 2 ermittelt wurden, in einen systematischen Bezug zur Fragestellung zu bringen, wurden Hypothesen zur Wirtschaftlichkeit von Stadtwerke-Kooperationen aus unterschiedlicher Perspektive formuliert. Diese sind im ersten Kapitel bereits genannt worden. Über die Analysen der Kennzahlen sollen diese Hypothesen bewiesen werden. Die „Stand-Alone-Stadtwerke“ wurden als Referenzgruppe ausgewählt und mit allen Kooperationen auf Gesellschafterebene über den Zeitraum von 2007 bis 2015 verglichen. Das Jahr 2016 wurde in der Betrachtung weggelassen, da die Zahl der Unternehmen, die zum Zeitpunkt der Auswertung der Daten bereits ihre Ergebniszahlen für 2016 veröffentlicht hatten, noch nicht repräsentativ war. Zumeist waren es wohl 8. Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone-Stadtwerken“ 242 die gut geführten und profitableren Unternehmen, die ihre Zahlen schnell publizierten. Zur Messung der Unterschiedlichkeiten zweier Stichproben werden parametrische Tests, wie der t-Test oder auch nicht parametrische-Tests durchgeführt. Sollten die Tests auf Normalverteilung diese signifikant ablehnen, muss zur Prüfung der Unterschiedlichkeit ein nicht-parametrischer Test gewählt werden. Hierzu wird bei zwei unabhängigen Stichproben der Mann-Whitney U-Test538 angeboten. Der Mann-Whitney U-Test gilt als relativ liberal. Die nachfolgenden Schaubilder zum Rohertrag 2-Marge, EGT-Marge und modifizierter EGT-Marge sind unter Verwendung des Mann-Whitney-U-Test zur Unterschiedlichkeitsmessung erstellt worden. Dieser Test wird bei statistischen Daten angewandt, wo eine Normalverteilung nicht gegeben ist und testet, ob die zentralen Tendenzen unabhängiger Stichproben verschieden sind, d.h. er ermittelt, ob statistische Unterschiede wirklich signifikant sind. Die Angabe der Irrtumswahrscheinlichkeit erfolgt dreistufig, wobei von einem signifikanten Unterschied ab einer Wahrscheinlichkeit von p<0,01539 ausgegangen wird. Zusätzlich wird eine Betrachtung des Mittelwertes zur Bewertung des Ergebnisses vorgenommen Die Ergebnisse werden hier in der Regel in Liniengrafiken dargestellt, um eine größere Anschaulichkeit zu gewährleisten. Hypothesen zur Wirtschaftlichkeit von Stadtwerken in Kooperation im Vergleich Hypothese 1: Stadtwerke-Kooperationen zeigen im Vergleich zu „Stand-Alone“-Stadtwerken im Verlauf der Jahre 2007-2015 üblicherweise eine bessere Performance. In der Untersuchung in Phase 1 wurde hier ein Vorteil für die kooperativen Stadtwerke gegenüber den Stand Alone Stadtwerken ermittelt, sowohl beim Rohertrag 2 als auch beim EGT. In der Untersuchung in Phase 2 ergeben sich für in Kooperation organisierten Stadtwerke in der Betrachtung von 2007-2015 bei durchgehend parallel verlaufender Entwicklung zunächst sogar leichte Nachteile in der Performance beim Rohertrag 2.540 8.3.2 538 Bühl, SPSS a.a.O. S. 317ff., Eckstein, Angewandte Statistik a.a.O. S. 133f. Jürgen Janssen / Wilfried Laatz; Statistische Datenanalyse mit SPSS, 9. Aufl. Berlin, Heidelberg 2017, S. 257-260. 539 p-value (probability) = Signifikanzwert. Je kleiner, desto wahrscheinlicher. Dazu auch Philipp Sibbertsen / Hartmut Lehne, Statistik. Einführung für Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler, Berlin/Heidelberg 2012, S. 393. 540 Anders als in Phase 1 wurden beim Rohertrag 2 in Phase 2 die Personalkosten nicht abgezogen. 8.3 Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone Stadtwerken“ – Phase 2 243 Vergleich Kooperationen zu Stand Alone. Rohertrag 2-Marge Allerdings ergeben sich Unterschiede bei der Betrachtung des EGT. Die EGT-Marge liegt bei den Stadtwerken in Kooperation im Schnitt um 2% (2014 = 3%) höher als bei den „Stand-Alone“-Stadtwerken. Vergleich Kooperationen zu Stand Alone. EGT-Marge Warum bei der EGT-Marge ein derart statistisch signifikanter Unterschied festgestellt werden kann, erklärt die nachfolgende Grafik. Offenkundig hängt dies mit den Personalkosten zusammen, die in Hypothese 2 angesprochen werden. Denn bei der um den Effekt der Personalkosten bereinigten modifizierten EGT-Marge dreht sich das Verhältnis und die Kurven nähern sich wieder einander an. Nimmt man also den Per- Abbildung 87, Abbildung 88, 8. Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone-Stadtwerken“ 244 sonalaufwand mit hinzu, dann ist das Ergebnis statistisch nicht mehr signifikant. Die Unterschiede sind methodisch zu vernachlässigen. Vergleich Kooperationen zu Stand Alone. mod. EGT-Marge Das numerische Ergebnis des Mann-Whitney-U-Tests zur Unterschiedlichkeitsmessung zeigt dies deutlich anhand der Mittelwerte. Rohertrag 2-Marge EGT-Marge mod. EGT-Marge Kooperation 35,422%n.S. 8,836%*** 18,519%n.S. Kontrollgruppe 37,326%n.S. 6,287%*** 19,741%n.S. Insgesamt 36,610% 7,246% 19,273% ***p<0,01; **p<0,05; *p<0,1; n.S. nicht Signifikant Mann-Whitney-U-Test. Ergebnis zu Hypothese 1 Die Unterschiede in der Rohertrag 2-Marge sind „nicht signifikant“, ebenso in der modifizierten EGT-Marge. Alleine in der EGT-Marge liegen die Deltas weit auseinander, was sich auch im höchsten statistischen Signifikanzwert, des „p-value“, ausdrückt. Damit kann konstatiert werden, dass Stadtwerke in Kooperation eine bessere Performance erzielen, wenn man ihre EGT-Marge betrachtet. Wenn man dagegen das EGT vor Personalkosten betrachtet, ist diese bessere Performance nicht mehr gegeben. Es würde zu weit führen, hier auch detailliert auf die Ergebnisse in den verschiedenen Größenklassen einzugehen. Grundsätzlich lässt sich jedoch festhalten, dass in der Tendenz das Gesamtergebnis für alle Größenklassen gilt. Damit ist die Hypothese 1 bewiesen. Der Hinweis auf die Abweichung bei den Personalkosten ist deutlich. Abbildung 89, Abbildung 90, 8.3 Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone Stadtwerken“ – Phase 2 245 Hypothese 2: „Stand-Alone“-Stadtwerke haben typischerweise eine deutlich höhere Personalausstattung und zahlen je Mitarbeiter weniger. Ihre Personalkostenquote zeigt, dass der Effekt der höheren Beschäftigung die schlechtere Bezahlung überkompensiert. Es wird klar deutlich, dass die Personalaufwandsquote (Personalaufwand in Prozent des Umsatzes) der Stadtwerke mit E.ON-, RWE- oder EnBW-Kooperationspartner deutlich unter der Personalaufwandsquote der „Stand-Alone“-Stadtwerke liegt – durchschnittlich um 2 bis 3%. Wegen nicht vollständiger Daten konnten die Werte für 2007 und 2016 nicht verwendet werden. Personalaufwand im Vergleich. Personalaufwandsquote Damit ist nicht erklärt, welche Ursache dies hat. An den Kosten je Mitarbeiter liegt es jedenfalls nicht. Diese liegen bei den „Stand-Alone“-Stadtwerken in den ganzen Jahren unter den Stadtwerken mit E.ON-, RWE- und EnBW-Kooperation. Dies bedeutet, dass z.B. im Jahr 2015 im Schnitt für das „Stand-Alone“-Stadtwerk Löhne und Gehälter, aber auch sonstige Lohnaufwendungen, pro Mitarbeiter in Höhe von 57.704 € zu Buche schlugen, während dies im kooperierenden Stadtwerk 2015 im Schnitt 63.470 € waren. Abbildung 91, 8. Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone-Stadtwerken“ 246 Personalaufwand im Vergleich. Kosten pro Mitarbeiter p.a. Im Umkehrschluss ergibt sich daraus, dass der spezifische Personalbestand bei den „Stand-Alone“-Stadtwerken erheblich höher ist als bei den kooperierenden Stadtwerken. Betrachtet man den Umsatz pro Kopf, so zeigt sich, dass dieser bei „Stand-Alone“ in den Jahren ab 2012 um rund 20-25% schlechter ist als bei den Stadtwerken mit großem Minderheitsgesellschafter. Personalaufwand im Vergleich. Umsatz pro Mitarbeiter p.a. Böse interpretiert wäre dies mit „Stadtwerk als kommunale Beschäftigungsgesellschaft“ zu kommentieren. Vielleicht aber gibt es auch andere Gründe. So könnten „Stand-Alone“-Stadtwerke insbes. durch kommunale Verkehrs- und Bäderbetriebe etc. stärker belastet sein, bei denen der pro Kopf Umsatz je Mitarbeiter typischerweise Abbildung 92, Abbildung 93, 8.3 Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone Stadtwerken“ – Phase 2 247 geringer ist, als im Energiebereich. Die Wahrheit ist wohl differenziert und von beiden Faktoren beeinflusst. Deutliche Unterschiede zwischen Stadtwerken in Kooperation und solchen „Stand-Alone“ liegen demnach in den Personalaufwendungen. Die „Stand-Alone“- Stadtwerke beschäftigen mehr Mitarbeiter und sind damit einer höheren Kostenbelastung ausgesetzt als Stadtwerke mit einem weiteren Gesellschafter. Die statistischen Unterschiede zwischen beiden Gruppen sind hoch signifikant. Die Hypothese 2 lässt sich uneingeschränkt beweisen – mit Auswirkungen auf die anderen ertragsbezogenen Kennzahlen. Hypothese 3. Nur die wettbewerbsrechtlich unerwünschten Kooperationen mit ehemaligen vorgelagerten Oligopolisten zeigen geringe Vorteile gegenüber „Stand-Alone“-Stadtwerken. Der Vergleich der Entwicklung des Mittelwerts des Rohertrag 2 in Phase 1541 zeigte, dass nur die Stadtwerke mit Thüga-Kooperation sich noch schlechter entwickelten als die „Stand-Alone“-Stadtwerke, während insbes. die Stadtwerke mit E.ON-Kooperation (eingeschränkt auch mit EnBW-Kooperation) zumindest in den letzten Jahren des Betrachtungszeitraums bessere Ergebnisse brachten. Gleiches galt in der Betrachtung des Mittelwerts des EGT. In der Phase 2 wurden die Stadtwerke mit E.ON-, RWE- und EnBW-Beteiligung aggregiert mit der Kontrollgruppe, d.h. allen anderen Stadtwerken (Rest), über die Jahre 2007 bis 2015 verglichen. Unter Verwendung des Mann-Whitney-U-Test zur Unterschiedlichkeitsmessung sollten die signifikanten Unterschiede herausgearbeitet werden. 541 S. oben S. 206 8. Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone-Stadtwerken“ 248 SW Kooperationen mit E.ON, RWE und EnBW. EGT-Marge Stadtwerke-Kooperationen mit den ehemaligen Oligopolisten EnBW, E.ON und RWE liegen mit ihrer EGT-Marge um 2 bis 3% über der Kontrollgruppe der anderen Stadtwerke. Wird das EGT um den Personalaufwand erhöht, schiebt sich die Kontrollgruppe über die kooperierenden Stadtwerke. Die letzteren verlieren ihren Vorteil in der Performance. SW Kooperationen mit E.ON, RWE und EnBW. mod. EGT-Marge Auf der Ebene der einzelnen Stadtwerkegruppen erhält man ein differenzierteres Bild. Zunächst der Blick auf die EGT-Marge: Abbildung 94, Abbildung 95, 8.3 Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone Stadtwerken“ – Phase 2 249 SW Kooperationen mit E.ON, RWE und EnBW. EGT-Marge Stadtwerke, deren Minderheitsgesellschafter E.ON heißt, liegen weit vorne, danach folgen im zweiten Rang Stadtwerke mit RWE. Stadtwerke mit EnBW bewegen sich dagegen auf dem niedrigeren Niveau der Kontrollgruppe. Beim modifizierten EGT, das den Personalaufwand einbezieht, verschiebt sich das Spektrum. SW Kooperationen mit E.ON, RWE. und EnBW mod. EGT-Marge Die Stadtwerke mit E.ON-Beteiligung performen deutlich besser als die Kontrollgruppe der „Stand-Alone“ – ab 2012 durchschnittlich mit einer 1,5-2% höheren Marge, während die Stadtwerke mit RWE- und EnBW-Beteiligung schlechter abschnei- Abbildung 96, Abbildung 97, 8. Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone-Stadtwerken“ 250 den. Dies deckt sich mit den Ergebnissen der Phase 1 – mit dem Unterschied, dass dort „Stand-Alone“ ganz unten rangierte. Die Kooperationen mit den ehemaligen Oligopolunternehmen E.ON, RWE und EnBW sind aus wettbewerbsrechtlicher Sicht unerwünscht. Die Ergebnisse von Phase 1 ließen vermuten, dass Stadtwerken daraus ein genereller Vorteil in der Performance erwachsen könne. Dies gilt jedoch nicht für jeden der genannten Minderheitsgesellschafter in gleichem Maße. Es zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Stadtwerken mit E.ON-, RWE- und EnBW- Beteiligung, ohne dass die Unterschiede aus dem Kooperationsverhältnis heraus erklärt werden könnten. Die These 3 kann deshalb mit Einschränkung bewiesen werden; nicht alle Kooperationen performen besser. Hypothese 4: Es sind bei Umsatz und Ergebnisentwicklung eher Gesamt-Stadtwerketrends, die beobachtet werden können, als Einflüsse unterschiedlicher Kooperationsmodelle. In Phase 1 wurde bereits die Entwicklung des Mittelwerts der Umsatzerlöse in den unterschiedlichen Gruppen untersucht („Stand Alone“, Stadtwerk + E.ON, Stadtwerk + RWE, Stadtwerk + EnBW, Stadtwerk + Thüga).542 Es wurde gezeigt, dass es zwar einen in etwa parallel verlaufenden Branchentrend gibt, jedoch die „Stand-Alone“- Stadtwerke umsatzbezogen deutlich stärker gewachsen sind, als kooperativ organisierte Stadtwerke. Offensichtlich haben Stadtwerke mit EnBW- und RWE-Beteiligung vermehrt die Order gehabt, sich auf das sichere Netzgeschäft zu konzentrieren und keine vertrieblichen „Ausflüge“ in andere Gebiete zu unternehmen. Anders war dies offenkundig bei den „Stand-Alone“-Stadtwerken, die zwischen 2005 und 2014 ein Umsatzwachstum von 65% zeigten, während die Stadtwerke mit RWE- und EnBW- Beteiligung sich im Betrachtungszeitraum bei deutlichen Schwankungen letztlich aber nicht steigerten. 542 S. oben S. 208 8.3 Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone Stadtwerken“ – Phase 2 251 Entwicklung des Mittelwerts der Umsatzerlöse in % – Stand Alone Quelle: Jahresabschlüsse der jeweiligen Stadtwerke per 2005 bis 2014 (Phase 1) Entwicklung des Mittelwerts der Umsatzerlöse in % – RWE Quelle: Jahresabschlüsse der jeweiligen Stadtwerke per 2005 bis 2014 Abbildung 98, Abbildung 99, 8. Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone-Stadtwerken“ 252 Entwicklung des Mittelwerts der Umsatzerlöse in % – EnBW Quelle: Jahresabschlüsse der jeweiligen Stadtwerke per 2005 bis 2014 Betrachtet man dann die Entwicklung des Mittelwerts des EGT in Phase 1, so ergibt sich, dass dieses Umsatzwachstum der „Stand-Alone“-Stadtwerke in keiner Weise belohnt wurde. Der Mittelwert des EGT ist im Vergleich der Jahre 2005-2014 von 100 auf 57 gefallen. Abbildung 100, 8.3 Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone Stadtwerken“ – Phase 2 253 Entwicklung Mittelwert des EGT in % der Umsatzerlöse – Stand Alone Quelle: Jahresabschlüsse der jeweiligen Stadtwerke per 2005 bis 2014 Zwar war auch bei allen anderen Gruppen das EGT in der Betrachtung dieser Jahre rückläufig, allerdings nicht so stark. Der Rückgang bei Stadtwerken mit E.ON-Beteiligung beträgt hier 20%, bei solchen mit RWE-Beteiligung 15% und bei Stadtwerken mit EnBW-Beteiligung 39%. In Phase 2 wurde dann eine Analyse der Ergebnisentwicklung auf Basis der Betrachtung der modifizierten EGT-Marge vorgenommen. Auch hier bestätigt sich das Ergebnis der Analyse in Phase 1 weitgehend. Verwendet wurde der Kruskal-Wallis- Test543 zur Unterschiedlichkeitsmessung in mehreren Ausprägungsstufen. Hier wird getestet, ob sich die zentralen Tendenzen mehrerer unabhängiger Stichproben unterscheiden. Die modifizierte Delta EGT-Margen geben Aufschluss über die Abweichungen einzelner Kooperationsgruppen. Sie dienen zur Analyse von Abweichungen von einem Gesamttrend. Hierzu wird ein Referenzwert ermittelt, der den Gesamt-Stadtwerketrend abbildet und hier als Null-Linie zu verstehen ist. Abbildung 101, 543 Eckstein, Angewandte Statistik a.a.O. S. 125 8. Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone-Stadtwerken“ 254 Stadtwerketrend. mod. Delta EGT vs. Gesamt-Stadtwerketrend Insgesamt halten sich alle Stadtwerkskooperationen nah am Trend und fallen kaum durch Sonderwege auf. Die Kooperationen mit RWE und EnBW bleiben aber durchgängig schwach unterhalb des Branchentrends. Der statistische Test auf Unterschiedlichkeit bestätigt diese Trendannahme, da keine statistisch signifikanten Unterschiede nachgewiesen werden können. Rohertrag II-Marge mod. EGT-Marge Kontrollgruppe (Rest) 37,326%n.S. 19,741%n.S. SW + E.ON 38,494%n.S. 20,179%n.S. SW + RWE 35,053%n.S. 18,009%n.S. SW + EnBW 35,970%n.S. 17,052%n.S. Insgesamt 37,085% 19,445% ***p<0,01; **p<0,05; *p<0,1; n.S. nicht Signifikant Kruskal-Wallis-Test. Ergebnis zur Hypothese 4 These 4 ist damit bewiesen. Hypothese 5: „Stand-Alone“-Stadtwerke, die nicht in Großkraftwerksprojekten investiert haben und Stadtwerke mit „Oligopolpartner“ performen besser als solche, die in Großkraftwerksprojekte investiert und sich damit vom Netzgeschäft stärker entfernt haben. Verglichen wurden die Stadtwerke, die sich an Trianel Kraftwerksprojekten beteiligt hatten mit allen anderen Stadtwerken. Analysiert wurden die Jahre 2012-2016. Hier zeigt sich im Vergleich der modifizierten EGT-Margen klar die schwächere Perfor- Abbildung 102, Abbildung 103, 8.3 Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone Stadtwerken“ – Phase 2 255 mance der Stadtwerke, die in die entsprechenden Trianel Kraftwerksprojekte investiert hatten. Dies ist deutlicher als in der entsprechenden Darstellung der Phase 1 zu sehen. Investition in Trianel Kraftwerksprojekt. mod. EGT-Marge Die modifizierte EGT-Marge wurde unter Verwendung des Kolmogorov-Smirnov-T- Test zur Unterschiedlichkeitsmessung bei kleinen Stichproben analysiert. H5 Mod. EGT-Marge Kontrollgruppe 19,364* SW+Trianel 15,819* Insgesamt 19,303 ***p<0,01; **p<0,05; *p<0,1 Kolmogorov-Smirnov-T-Test. Ergebnis zu Hypothese 5 Die Unterschiede zwischen der Kontrollgruppe (alle anderen Stadtwerke des Samples) und den in den Trianel-Großkraftwerksprojekten engagierten Stadtwerken weisen eine bemerkenswerte statistische Signifikanz auf. Die Auswirkungen dieser Investitionen schlagen sich deutlich in Abschreibungen oder Drohverlustrückstellungen nieder und wirken damit negativ auf die Performance der betroffenen Stadtwerke. Die EGT-Marge dieser Stadtwerke ist klar erkennbar schwächer als die der Kontrollgruppe. Gerade im Jahr 2014, ein Jahr nach der Inbetriebnahme des zweiten und letzten Projekts in Lünen, ist eine Bewegung nach unten abseits des Trends erkennbar. Die These ist also bewiesen. Abbildung 104, Abbildung 105, 8. Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone-Stadtwerken“ 256 Hypothese 6: Der Gesellschafterwechsel der Thüga ab 2010 von E.ON zu zwei Stadtwerke-Konsortien hat die Performance der Thüga nicht verbessert. Die kleineren Thüga-Stadtwerke haben spezifisch bessere Roherträge als die drei großen aus Frankfurt/M, Hannover und Nürnberg. Die drei großen leben letztlich von den Ergebnissen der kleineren, die sie via ihrer Gesellschafterrolle in der Thüga zugewiesen erhalten. Diese Hypothese wurde bereits in Phase 1 durch den Vergleich der Entwicklung des unbereinigten Ergebnisses der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit einzelner Thüga- Stadtwerke belegt.544 Die prozentualen Anteile des EGT der Mainova, N-Ergie, enercity haben sich zwischen 2010 und 2015 nach unten entwickelt, wenn man die Beteiligungserträge aus der Thüga eliminiert. Dies wurde bereits deutlich aufgezeigt.545 In Phase 2 wurden erheblich mehr Thüga-Stadtwerke in die Auswertung einbezogen – das Ergebnis bleibt das gleiche. Die „Großen“ in der Thüga sind deutlich schwächer als die kleinen Thüga-Stadtwerke. Den „Großen“ in der Thüga kommen die Ergebnisse der kleinen Thüga-Stadtwerke zugute. Größenvergleich SW + Thüga. EGT-Marge In dieser Grafik wird verglichen Thüga-Groß (Mainova, N-ENERGIE, enercity) mit der Kontrollgruppe (Thüga-Rest) in der EGT-Marge ab 2011 – unter Verwendung des Kolmogorov-Smirnov-T-Test zur Unterschiedlichkeitsmessung in kleinen Stichproben. Es zeigt sich die signifikant schwächere Leistung der Großen Drei in der Thüga. Die großen Thüga-Gesellschaften performen im Zeitverlauf im Durchschnitt 2 bis 3 Prozentpunkte unter dem Branchentrend. Das Ergebnis würde auf Seiten der Großen noch schwächer ausfallen, wenn sie sich nicht an den kleineren Thüga-Stadtwerken „bedienen“ würden. Der Rückgang der drei großen Thüga Stadtwerke zeigt sich hier Abbildung 106, 544 S. oben S. 229 545 S. oben S. 231 8.3 Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone Stadtwerken“ – Phase 2 257 im Gegensatz zur Untersuchung in Phase 1 etwas abgeschwächt. Dies liegt am Umstand, dass hier die Beteiligungsergebnisse aus der Thüga noch mit enthalten sind. In der modifizierten EGT-Marge zeigt sich kein Unterschied zur vorstehenden Grafik. Die kleineren Stadtwerke Thüga-Stadtwerke performen besser. Größenvergleich SW + Thüga. mod. EGT-Marge Verwendet man die Delta EGT-Marge mit Referenzwert zum Gesamt-Stadtwerketrend, so erhält man bei EGT-Marge und modifizierter EGT-Marge unterschiedliche Ergebnisse. Abbildung 107, 8. Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone-Stadtwerken“ 258 Größenvergleich SW + Thüga. Delta EGT vs. Gesamt-Stadtwerketrend Die hier errechnete Kennzahl setzt sich folgendermaßen zusammen:Delta EGTX, tMarge = EGTX, tMarge− EGTReferenzwert, tMarge   In der nachfolgenden Grafik wird dann der um die Personalkosten modifizierte Wert herangezogen:mod .  Delta EGTX, tMarge = mod .  EGTX, tMarge−mod .EGTReferenzwert, tMarge   Größenvergleich SW + Thüga. mod. Delta EGT vs. Gesamt-Stadtwerketrend Abbildung 108, Abbildung 109, 8.3 Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone Stadtwerken“ – Phase 2 259 Berücksichtigt man die Personalkosten, dann liegen die drei großen Thüga Stadtwerke unterhalb des Stadtwerketrends, während die anderen Thüga Stadtwerke erheblich besser abschneiden. Ab 2010 liegen im Schnitt 4 Prozentpunkte Differenz zwischen den „Großen“ und den „Kleinen“, während es in der Zeit davor noch kaum nennenswerte Unterschiede gegeben hatte. Bei Hypothese 4 wurde bereits ein ähnlicher Vergleich angestellt, modifiziertes Delta EGT vs. Gesamt-Stadtwerketrend. Die (relativ) kleineren Thüga Stadtwerke liegen hier dicht beim „Spitzenreiter“ Stadtwerk + E.ON. Die großen Stadtwerke der Thüga liegen in etwa im gleichen Bereich wie die anderen Kooperationen bei Hypothese 4. Wenn man alle vier Thüga-Grafiken insgesamt betrachtet, wird die Entwicklung der Thüga im Zeitverlauf deutlich ersichtlich. Die kleinen Thüga-Stadtwerke haben nach dem Erwerb der Thüga, die im Dezember 2009 erfolgte, ab 2011 verloren, wie aus den Grafiken zur EGT-Marge und zur modifizierten EGT-Marge hervorgeht. In der Betrachtung des Branchentrends unter Einschluss der Personalkosten (modifiziertes Delta EGT-Marge vs. Gesamt-Stadtwerketrend) wird aber deutlich, dass sie im Vergleich zu der Kontrollgruppe eine Verbesserung ihrer Performance erreicht haben, da die restliche Branche sich gleichzeitig nach unten bewegt hat. Die Performance der Thüga Stadtwerke hat deutlich nachgelassen. aber auch gerade die großen Thüga Stadtwerke erzielen nachfolgend schlechtere Ergebnisse. Da die Gesamtbranche insgesamt schwächere Ergebnisse zeigt, relativiert sich der Rückgang im Vergleich. Thüga „Klein“ und Thüga „Groß“ unterscheiden sich in ihrer Performance und in Bezug auf den Gesamttrend signifikant. Dies zeigt der Vergleich in der EGT-Marge und der Delta EGT-Marge – unter Verwendung des Wilcoxon-Tests zur Unterschiedlichkeitsmessung innerhalb einer Stichprobe. Thüga ab 2011 – EGT-Marge Thüga ab 2011 – Delta EGT- Marge (Ref. Gesamt-Stadtwerketrend) Kleine Thüga Kooperationspartner 9,377%* 2,267%* Große Thüga Kooperationspartner 3,132%* -3,928%* Insgesamt 8,969% 1,863% ***p<0,01; **p<0,05; *p<0,1; n.S. nicht Signifikant Wilcoxon-Test. Ergebnis zu Hypothese 6 These 6 ist hiermit bewiesen. Abbildung 110, 8. Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone-Stadtwerken“ 260 Hypothese 7. Eine Mindestgröße eines Stadtwerks war bislang nicht erforderlich, um ausreichende Ergebnisse zu erwirtschaften. Ob künftig gilt, „wer zu klein ist, hat es schwer; kleine sollten deshalb besser kooperieren“, bleibt zu prüfen. Hier wurde die Untersuchung in der Phase 2 auf Basis des Vergleichs der Rohertrag 2-Marge und der modifizierten EGT-Marge vorgenommen. Verwendet wurde der Mann-Whitney-U-Test zur Unterschiedlichkeitsmessung. Verglichen wurden Kleinstunternehmen mit einem Umsatz unter 10 Mio. Euro mit der Kontrollgruppe (alle anderen, aggregiert). Vergleichszeitraum waren die Jahre 2006-2016, für die jeweils Mittelwerte ermittelt wurden. 10 Mio Umsatz Rohertrag 2-Marge mod. EGT-Marge Kontrollgruppe (Rest) 36,623% 18,929% Kleinstunternehmen 36,521%n.S. 21,790%n.S. Insgesamt 36,610%n.S. 19,273%n.S. ***p<0,01; **p<0,05; *p<0,1; n.S. nicht signifikant Mann-Whitney-U-Test. Ergebnis zu Hypothese 7 Es können bei diesem Vergleich keine Unterschiede festgestellt werden. Somit muss davon ausgegangen werden, dass die Größe eines Stadtwerkes nicht entscheidend ist. Deutlich zeigt sich dabei, dass es keinen Unterschied im Rohertrag 2 gibt, da die Bezugskonditionen für alle Unternehmensgrößen nach der Auswertung gleich ausfallen. Auch die modifizierte EGT-Marge ist nicht unterschiedlich zur Kontrollgruppe. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die kleinsten Stadtwerke nicht wesentlich von der Kontrollgruppe unterschieden. Diese Stadtwerke performen auf einem identischen Niveau wie die Vergleichsgruppe der größeren Stadtwerke. Ob künftig gilt, „wer zu klein ist, hat es schwer; kleine sollten deshalb besser kooperieren“ bleibt zu prüfen. Insoweit ist keine Aussage aus den Kennzahlen zur Notwendigkeit künftiger Kooperationen möglich. These 7 ist hiermit bewiesen. Abbildung 111, 8.3 Kennzahlenvergleich zwischen Stadtwerken mit mehreren Gesellschaftern und „Stand-Alone Stadtwerken“ – Phase 2 261

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References

Zusammenfassung

Kooperationen zwischen Stadtwerken wurden seit Beginn der Liberalisierung des Energiemarktes von vielen Beteiligten als adäquate Antwort auf neue Herausforderungen angesehen. Politische und ökonomische Kooperationsziele wurden dabei bunt vermischt.

Haben sich die Erwartungen nach „besseren“ oder wenigstens nach ökonomisch „mehr“ Ergebnissen für Stadtwerke in Kooperationen erfüllt?

Diese Studie analysiert nicht nur betriebswirtschaftliche Kennzahlen einzelner Gruppen von Stadtwerken, sondern auch die politischen, energiewirtschaftlichen und kartellrechtlichen Rahmenbedingungen unterschiedlicher Modelle vor ihrem jeweiligen Zeithintergrund. Dabei zeigt sich, dass längst nicht alle Stadtwerke-Kooperationen das erreichten, was zuvor angestrebt war.

Michael Gaßner verfügt über profunde Branchenkenntnis und hat in Führungsfunktion und als Berater lange in der Energiewirtschaft gearbeitet. Was für die zukünftige Ausrichtung von Stadtwerken Erfolgsfaktor sein kann, hat er kenntnisreich herausgearbeitet.