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7. Vergleich der Kennzahlen von Thüga, Trianel, SüdWestStrom und STEAG in:

Michael Gaßner

Illusionen und Irrwege?, page 211 - 216

Wettbewerbliche und regulatorische Herausforderungen und Chancen von Stadtwerke-Kooperationen - eine kritische Analyse

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4331-8, ISBN online: 978-3-8288-7278-3, https://doi.org/10.5771/9783828872783-211

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Wirtschaftswissenschaften, vol. 90

Tectum, Baden-Baden
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Vergleich der Kennzahlen521 von Thüga, Trianel, SüdWestStrom und STEAG Umsatzrentabilität, Eigenkapitalrentabilität und Kapitalumschlagshäufigkeit ausgewählter Stadtwerke im Vergleich Bevor sein Stadtwerk eine Beteiligung eingeht, müsste sich jeder Oberbürgermeister als Aufsichtsratsvorsitzender doch die Frage stellen, ob die Kapitalrentabilität seines eigenen Stadtwerks oder die eines typischen Stadtwerks höher oder niedriger ist, als die einer Stadtwerke-Kooperation. Wäre die eigene Kapitalrentabilität höher, so wären doch sehr große Zweifel angebracht, ob eine Kooperation eingegangen werden sollte. Normalerweise würde ein Geschäftsführer einwenden, dies sei keine zulässige Betrachtung; hier werde dann ja eine Bestandsinvestition mit einer Neuinvestition verglichen. Erstens sehe er nicht, wie er im Stammgeschäft seines Unternehmens vergleichbar ertragreiche Neuinvestitionen vornehmen solle, zweitens dürfe die Vergleichsgröße nur eine andere Investition in eine vergleichbare Finanzanlage sein. Sein Aufsichtsratsvorsitzender wird, soweit nicht die Stadt Überschüsse hat, dagegen die Frage stellen, ob sein Stadtwerk vielleicht nicht zu viel Geld hat, wenn Neuinvestitionen im Stammgeschäft nicht mehr getätigt werden müssen und man stattdessen nach Beteiligungsinvestitionen sucht. Ein Vergleich der Umsatz- und der Eigenkapitalrenditen der Unternehmen könnte helfen, eine solche Diskussion zu versachlichen. Ein solcher Vergleich wurde deshalb nachfolgend für die vier untersuchten Kooperationsunternehmen Trianel, STEAG, SüdWestStrom und Thüga mit anderen Stadtwerken vorgenommen. 7. 521 Die Kennzahlen wurden wie folgt ermittelt: Zur Berechnung der Eigenkapitalrentabilität wurde das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit ins Verhältnis zu dem zu Beginn der Periode zur Verfügung stehenden Eigenkapital gesetzt. Zur Berechnung der Umsatzrentabilität wurde das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit durch den Umsatz dividiert. Es handelt sich um die Kennzahlen der in „Phase 1“ betrachteten Unternehmen. 211 Umsatzrentabilität der Trianel, STEAG, SüdWestStrom, Thüga im Vergleich Umsatzrentabilität im Vergleich: Stadtwerke + Trianel, STEAG, Süd- WestStrom, Thüga Quelle: Jahresabschlüsse der jeweiligen Unternehmen per 2011 bis 2015 (Zur Berechnung der Umsatzrentabilität wurde das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit durch den Umsatz dividiert) Eigenkapitalrentabilität der Trianel, STEAG, SüdWestStrom, Thüga im Vergleich Eigenkapitalrentabilität im Vergleich: Stadtwerke + Trianel, STEAG, SüdWestStrom, Thüga Quelle: Jahresabschlüsse der jeweiligen Unternehmen per 2011 bis 2015 (Zur Berechnung der EKR wurde das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit ins Verhältnis zu dem zu Beginn der Periode zur Verfügung stehenden Eigenkapital gesetzt) Abbildung 62 Abbildung 63 7. Vergleich der Kennzahlen von Thüga, Trianel, SüdWestStrom und STEAG 212 Umsatzrentabilität "Stand -Alone" Quelle: Jahresabschlüsse der jeweiligen Unternehmen per 2011 bis 2015 (Zur Berechnung der Umsatzrentabilität wurde das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit durch den Umsatz dividiert. Zahlen der Stadtwerke Münster für 2015 wurden bisher nicht veröffentlicht, es wurden hier die Zahlen für 2014 verwendet.) Eigenkapitalrentabilität "Stand-Alone" Quelle: Jahresabschlüsse der jeweiligen Unternehmen per 2011 bis 2015 (Zur Berechnung der EKR wurde das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit ins Verhältnis zu dem zu Beginn der Periode zur Verfügung stehenden Eigenkapital gesetzt. Zahlen der Stadtwerke Münster für 2015 wurden bisher nicht veröffentlicht, es wurden hier die Zahlen für 2014 verwendet) Abbildung 64 Abbildung 65 7. Vergleich der Kennzahlen von Thüga, Trianel, SüdWestStrom und STEAG 213 Vergleich der Umsatzrentabilität ausgewählter Stadtwerke Quelle: Jahresabschlüsse der jeweiligen Unternehmen per 2011 bis 2015 (Zur Berechnung der Umsatzrentabilität wurde das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit durch den Umsatz dividiert) Vergleich der Eigenkapitalrentabilität ausgewählter Stadtwerke Quelle: Jahresabschlüsse der jeweiligen Unternehmen per 2011 bis 2015 (Zur Berechnung der EKR wurde das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit ins Verhältnis zu dem zu Beginn der Periode zur Verfügung stehenden Eigenkapital gesetzt) Vergleicht man die Eigenkapitalrentabilität der Stand-Alone-Stadtwerke bzw. der "anderen Stadtwerke" mit denen der Stadtwerke-Kooperationen, so zeigt sich kein einheitliches Bild. Die Eigenkapitalrentabilität der Trianel liegt seit 2012 auf einem Niveau, das deutlich unter dem der klassischen Stadtwerke "Stand-Alone" bzw. "andere" liegt. Nur Stadtwerke Münster, Stadtwerke Rottenburg und Stadtwerke Bietigheim- Bissingen haben eine vergleichsweise bescheidene Eigenkapitalrentabilität. "Typische" Eigenkapitalrenditen der ausgewählten Stadtwerke gibt es wohl nicht; sie liegen – von Abbildung 66 Abbildung 67 7. Vergleich der Kennzahlen von Thüga, Trianel, SüdWestStrom und STEAG 214 Ausreißern abgesehen – in einem breiten Band zwischen 4 und 30 %. Es wurde versucht, mit einfachen Mitteln dafür Erklärungen zu finden. Es liegt nahe zu vermuten, dass Stadtwerke wohlhabender Städte mit vergleichsweise hohem (vielleicht zu hohem) Eigenkapital eine entsprechend geringere Eigenkapitalrentabilität haben. Deshalb wurde in die Analyse die Kapitalumschlagshäufigkeit einbezogen. Sie gibt an, wie häufig sich das eingesetzte Gesamtkapital des betrachteten Jahres im Umsatzprozess erneuert hat.522 Dementsprechend ist der Return on Investment (ROI) das Produkt aus Umsatzrentabilität und Kapitalumschlagshäufigkeit. Günter Wöhe et al. definieren Kapitalumschlagshäufigkeit als Quotient aus Gesamtleistung und Gesamtkapital.523 Betrachtet man in den Jahren 2014 und 2015 die Kapitalumschlagshäufigkeit und die Eigenkapitalrentabilität zusammen, so verstärkt sich die Vermutung, dass es Stadtwerke gibt, die von ihren Städten so großzügig mit Eigenkapital ausgestattet sind, dass trotz guter Umsatzrentabilität die Eigenkapitalrentabilität schwach ist. So liegt z.B. bei Stadtwerke Rottenburg die Kapitalumschlagshäufigkeit nur bei 0,9%, die der Stadtwerke der sehr reichen Stadt Bietigheim-Bissingen nur bei 1,3%. Die Umsatzrentabilität der Stadtwerke der beiden Städte liegt im Betrachtungszeitraum zwischen 2,8 und 3,8% und damit im Mittelfeld aller betrachteten Stadtwerke. Die Umsatzrentabilität der Thüga selbst liegt in diesen Jahren bei 4,9 und 6,2 % – hier wird das Ergebnis durch Beteiligungserträge positiv beeinflusst, so dass dies zu erwarten war. Schwach in der Umsatzrentabilität liegen dagegen die Trianel mit 0,3 bzw. nahe 0,0 %, bzw. die SüdWestStrom mit 1,1 bzw. 0,4 %. Trianel und SüdWestStrom haben, da stark vom Handel geprägt, eine Kapitalumschlagshäufigkeit zwischen 17,4 und 24,2. Typische Kapitalumschlagshäufigkeiten der betrachteten Stadtwerke liegen zwischen 6,5 (N-ERGIE) und 0,9 (Stadtwerke Rottenburg). Dazwischen finden wir Stadtwerke von relativ steueraufkommensschwachen Städten wie Frankenthal mit 3,8, Münster mit 3,1 und Emmerich mit 3,1. Eine Beteiligung an der Thüga und der STEAG hat sich mit Blick auf die Eigenkapitalrentabilität in der Vergangenheit sicher gelohnt. Beide lagen im Mittel bei diesem Wert etwas über 10%. Einzelne Stadtwerke, wie z.B. Stadtwerke Pforzheim kommen auf durchschnittlich knapp 14% und Stadtwerke Frankenthal wegen des deutlich schwächeren Eigenkapitals von nur 24 Mio. Euro auf hohe 27 % – ein Wert, der unter den ausgewählten Unternehmen "best of class" ist. Insoweit ist es, wie oben gesagt, nicht eindeutig, ob man besser in das eigene Unternehmen oder in die Beteiligung investieren sollte. Außer Acht gelassen ist bei der Betrachtung nur dieser Zahlen natürlich auch der Wert der hohen Verfügbarkeit von Informationen und Beratungsdienstleistungen aus der jeweiligen Gruppe heraus, die man „Stand-Alone“ so nicht erhält. 522 Peter Posluschny, Die wichtigsten Kennzahlen, Heidelberg 2007, S. 17 523 Günter Wöhe et al., Grundzüge der Unternehmensfinanzierung, München 11. Aufl. 2013, S. 58 7. Vergleich der Kennzahlen von Thüga, Trianel, SüdWestStrom und STEAG 215 Eindeutig ist allerdings auch, dass eine Eigenkapitalrentabilität der Trianel in den letzten Jahren mit höchstens 6 % m.E. nicht mehr risikoadäquat war. Diejenige der SüdWestStrom ist von über 30 % in 2011 auf nur noch 7,1 % in 2015 gefallen. Bei SüdWestStrom gab es in der Vergangenheit gemessen an der Eigenkapitalrentabilität durchaus berechtigte Motive, sich zu beteiligen. Im letzten Jahr des Betrachtungszeitraums kann die Eigenkapitalverzinsung dort aber m.E. kaum noch als risikoadäquat angesehen werden, schon gleich, wenn man das doch weit überwiegend aus Handelsgeschäften resultierende Umsatzvolumen von 700 Mio. Euro und die daraus resultierenden Risiken berücksichtigt. Eine Umsatzrendite von nur noch 0,4 % ist selbst in diesem stark kompetitiven Umfeld recht bescheiden. Es bleibt beim Rat: „Gut prüfe, wer sich ewig bindet!“ Die Beteiligung an der Thüga hat sich trotz der Abschwächung der Thüga-Ergebnisse als profitabel erwiesen. Ebenso profitabel zeigte sich die Beteiligung an der STEAG. Bei der STEAG – mit ihrem hohen Anteil an Kohlekraftwerken – liegen die Risiken eher in der Zeit nach Abschluss des Betrachtungszeitraums. 7. Vergleich der Kennzahlen von Thüga, Trianel, SüdWestStrom und STEAG 216

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Zusammenfassung

Kooperationen zwischen Stadtwerken wurden seit Beginn der Liberalisierung des Energiemarktes von vielen Beteiligten als adäquate Antwort auf neue Herausforderungen angesehen. Politische und ökonomische Kooperationsziele wurden dabei bunt vermischt.

Haben sich die Erwartungen nach „besseren“ oder wenigstens nach ökonomisch „mehr“ Ergebnissen für Stadtwerke in Kooperationen erfüllt?

Diese Studie analysiert nicht nur betriebswirtschaftliche Kennzahlen einzelner Gruppen von Stadtwerken, sondern auch die politischen, energiewirtschaftlichen und kartellrechtlichen Rahmenbedingungen unterschiedlicher Modelle vor ihrem jeweiligen Zeithintergrund. Dabei zeigt sich, dass längst nicht alle Stadtwerke-Kooperationen das erreichten, was zuvor angestrebt war.

Michael Gaßner verfügt über profunde Branchenkenntnis und hat in Führungsfunktion und als Berater lange in der Energiewirtschaft gearbeitet. Was für die zukünftige Ausrichtung von Stadtwerken Erfolgsfaktor sein kann, hat er kenntnisreich herausgearbeitet.