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Robin Urban, Warum die Beschneidung von Jungen ein feministisches Thema sein sollte in:

Arne Hoffmann (ed.)

Gleichberechtigung beginnt zu zweit, page 215 - 236

Können Feminismus und Maskulismus für eine ganzheitliche Geschlechterpolitik zusammenwirken?

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4330-1, ISBN online: 978-3-8288-7277-6, https://doi.org/10.5771/9783828872776-215

Tectum, Baden-Baden
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Warum die Beschneidung312 von Jungen ein feministisches Thema sein sollte Robin Urban Als das Kölner Landgericht im Mai 2012 die Beschneidung eines Vierjährigen zu einer Körperverletzung erklärte, hatte ich von dem Thema genauso wenig Ahnung wie jeder andere auch. Zu dieser Zeit studierte ich wie zehntausend andere Millennials ein wenig planlos vor mich hin, schlug mir meine Nächte mit einem prekären Kellnerjob um die Ohren und betrieb einen sehr bescheidenen kleinen Blog. Ich nutzte das Netz außerdem, um mit Menschen zu streiten, an die ich im sogenannten Real Life kein einziges Wort verschwenden würde, und war infolgedessen zur Feministin geworden. Und nun dieses Urteil, das die Republik erschütterte. Natürlich wusste ich, was eine Beschneidung ist und wie sie ungefähr abläuft – aber Körperverletzung? Das rief bei mir Stirnrunzeln hervor. Als solche hatte ich sie noch nie betrachtet. Während die Beschneidungsdebatte also den ganzen Sommer über an Stammtischen und in den Redaktionen sämtlicher deutscher Medien tobte, klickte ich mich durch ein paar Websites. Mit jedem Artikel und Statement, das ich las, wuchs mein anfangs eher vages Interesse 312 Eine Erklärung zur Begrifflichkeit vorweg: Manch einem Leser mag negativ auffallen, dass ich im folgenden Beitrag einerseits von männlicher Beschneidung schreibe, andererseits aber von weiblicher Genitalverstümmelung. Diese Inkonsequenz steht im krassen Gegensatz zum Inhalt, stellt aber einen zähneknirschenden Kompromiss dar. Ich habe leider feststellen müssen, dass die Diskussionsbereitschaft meiner Gesprächspartner rapide sinkt, wenn ich in Anlehnung an das weibliche Pendant von männlicher Genitalverstümmelung spreche. Seitdem verwende ich den kulturell akzeptierten Euphemismus, um bei Befürwortern und Unentschlossenen überhaupt Gehör zu finden und damit die Chance zu bekommen, über dieses Thema aufzuklären. In keiner Weise soll diese Wortwahl das Leid der Betroffenen verharmlosen. 215 mehr, und mit jedem mangelhaften Argument pro Beschneidung und jedem medizinischen Fakt, der sich mir nach und nach offenbarte, bildete ich mir eine Meinung, die schließlich zur Gewissheit wurde: Beschneidung ist in der Tat eine sogar ganz erhebliche Körperverletzung und gehört bei Kindern rigoros verboten. Ich wurde zu einer radikalen Beschneidungsgegnerin. „Obwohl die doch Feministin ist?“ In den Kommentarspalten der Blogs, in denen ich verkehrte, las ich diese erstaunte Frage in der Folgezeit immer wieder. Für die Schreiber schien sich das gegenseitig auszuschließen, während ich komplett anderer Ansicht war. Ich bin dagegen, aber doch nicht obwohl, sondern weil ich Feministin bin, dachte ich, und wähnte mich da in guter Gesellschaft. Aber damit lag ich falsch. Während ich das hier schreibe, sind fast sieben Jahre seit der Beschneidungsdebatte ins Land gezogen. Doch von fast allen bekannten Feministinnen kam dazu bisher – nichts. Es wird oft behauptet, dass ein Aktionismus für Männerrechte nicht nötig sei, da „der Feminismus“(TM) auch Ungerechtigkeiten gegen Männer thematisiert und anprangert. Und bis zu einem gewissen Grad stimme ich dem zu. Es ist wirklich sehr schwer, sich gegen dumme, restriktive Rollenklischees zu engagieren und dabei Frauen und Mädchen mitzudenken, Männer und Jungs aber nicht, denn die Rosa- Hellblau-Falle schnappt bei allen zu und unter Stereotypen leidet letztendlich jeder. Aber gerade das Thema Beschneidung und seine nahezu vollständige Missachtung zeigen deutlich, dass der Feminismus eben nicht ausreicht, um alle Ungerechtigkeiten zu eliminieren, weil das Problem von den meisten Feministinnen weder erkannt, noch behandelt wird. Ich bin gegen Beschneidung, weil Betroffene darunter leiden. Neben allen juristischen und medizinischen Argumenten ist das moralisch meine einzige Rechtfertigung. Leider genügt das offensichtlich vielen nicht. Der folgende Beitrag ist daher ein Versuch nachzuweisen, dass die Beschneidung von Jungen ein ebenso feministisches wie maskulistisches Thema ist – Thema sein muss. Es ist ein Text, der mir daher Bauchschmerzen bereitet, weil es den Fokus wegnimmt von den Opfern und sich möglicherweise liest, als wäre eine Ablehnung dieses Rituals purer weiblicher Selbstzweck. Für mich sind die folgenden Punkte definitiv nicht die ausschlaggebenden Gründe, aber wer eine Warum die Beschneidung von Jungen ein feministisches Thema sein sollte 216 explizit feministische Perspektive braucht, dem möchte ich sie hiermit liefern. Da es „den“ Feminismus nicht gibt, adressiere ich dabei an unterschiedliche feministische Strömungen, die sich häufig selbst nicht grün sind oder sich in wesentlichen Punkten sogar klar widersprechen. Always Hardcore: Sex und Orgasmusfähigkeit Wenn ich eine positive Sache über die feministische Rezeption des Themas sagen müsste, dann würde ich ein wenig verzweifelt hervorheben, dass wenigstens keine auf die Idee gekommen ist, die oft gehörte Litanei nachzubeten, dass beschnittene Männer toll sind, weil sie beim Sex länger durchhalten. Einen solchen Standpunkt liest man in albernen Zeitschriften (honest Untertitel: „Für die Frau, die Sexismus internalisiert hat“), er schallt durch peinlich stereotype Filme, er erscheint auf Websites, die Dating und Sex und wie man an beides heran kommt als einzig wichtige Themen im Leben eines jungen Menschen darstellen. Es ist ein leider sehr alltäglicher Spruch, aber kein Kontext, in dem er fällt, ist auch nur im Ansatz feministisch. Er macht den (heterosexuellen) Mann zum Objekt und reinen Erfüllungsgehilfen weiblicher Sexualität und das ist, genau wie der umgekehrte Fall, nichts, was eine halbwegs ernstzunehmende Feministin jemals fordern würde. Er ist aber außerdem erschreckend falsch (und klammert nebenbei auch noch die Frage aus, ob eine ewig dauernde Penetration überhaupt etwas Erstrebenswertes ist). Die in diesem Zusammenhang oft glorifizierte verlängerte Standfestigkeit existiert und geht zurück auf den Sensibilitätsverlust nach einer Beschneidung. Dieser ist eine zwangsläufige Folge und ihn erlebt jeder – auch Männer, die behaupten, keinerlei Einbußen zu spüren. Die Vorhaut sowie das Frenulum (das Bändchen, das Vorhaut mit Eichel verbindet und bei dem es sich um eine der sensibelsten Stellen am Penis handelt – nichtsdestotrotz wird es bei fast allen Beschneidungen völlig überflüssigerweise mit entfernt bzw. durchtrennt) enthalten nicht nur tausende empfindliche Nervenzellen, die durch eine Beschneidung unwiederbringlich zerstört werden, sondern die Eichel verliert ebenfalls an Empfindungsvermögen. Freigelegt scheuert sie an Always Hardcore: Sex und Orgasmusfähigkeit 217 der Kleidung, wodurch die einstige Schleimhaut mit der Zeit trocken wird und verhornt. Die Desensibilisierung kann mit fortschreitendem Alter schlimmer werden, selbst wenn die Beschneidung schon viele Jahre zurück liegt. Kein Mann auf dieser Welt kann nach dieser Prozedur länger – er muss, weil er schlicht weniger spürt als mit intakter Vorhaut. In einem der besten Artikel, die im Zuge der Debatte über das Thema erschienen sind, schildert Niels Juel, der sich erst mit 18 auf Druck seiner Freundin hin beschneiden ließ, wie sich dadurch sein sexuelles Erleben veränderte: „Vor der Operation konnten meine Partnerin und ich ganz still liegen. Ich konnte sie, in ihr, fühlen – wir konnten uns küssen und gegenseitig streicheln und ganz langsam einen Orgasmus erreichen, der dann wirklich überall war. Das war vorbei. […] Härteres und schnelleres Stoßen war erforderlich, wenn ich etwas davon haben wollte.“ 313 Das sind Worte, die mir Tränen in die Augen treiben. Ich finde harten Sex in der richtigen Stimmung und mit dem richtigen Partner großartig – aber für immer der Alternative beraubt zu werden? Schreckliche Vorstellung, doch nicht nur tragisch für Betroffene. Härtere Penetration erhöht die Gefahr, dabei als Frau (oder schwuler Mann) verletzt zu werden. Zudem entsteht durch die trockene Eichel und die fehlende Gleitfunktion der Vorhaut mehr Reibung, was ebenfalls Schmerzen begünstigen kann. Nun dürfte die feministische Antwort auf einen Mann, der auf einer solchen Stimulation besteht, ziemlich klar ausfallen: „Verpiss dich und fick dich selber!“ Was aber, wenn dieser Mann nicht einfach nur ein egoistischer Klotz ist und seine sexuellen Präferenzen durch zu viel stumpfen Pornokonsum erworben hat, sondern wirklich ansonsten kaum etwas fühlt? Und das alles vielleicht nur, weil seine Mutter ihn mit drei Jahren beschneiden ließ, weil sie fand, dass ein beschnittener Penis schöner aussieht?314 Als Feministin im Netz jeden sexuellen Wunsch eines Mannes abzuschmettern ist einfach. Schwieriger wird es, wenn es sich dabei im 313 Vgl. Juel, Niels: Im Bett mit und ohne. In: taz vom 14.9.2012, online unter http:// www.taz.de/!5084054. 314 Ich wünschte, das hätte ich mir ausgedacht. Leider aber nicht: Vgl. N.N.: Wir finden das schöner so. Online seit dem 24.9.2013 unter https://kinderdok.blog/ 2013/09/24/wir-finden-das-schoner-so. Warum die Beschneidung von Jungen ein feministisches Thema sein sollte 218 echten Leben um den eigenen handelt … und man merkt, dass er darunter ernsthaft leidet. Diese Frauen sollten sich nicht jedes Mal fragen müssen, ob sie während des Geschlechtsverkehrs die Zähne zusammen beißen, damit der Mensch, den sie lieben, auch etwas davon hat. Sex sollte leicht sein und einfach und Spaß machen – keine verzweifeltbrutale Rammelei, die man über sich ergehen lässt, weil beim Gegen- über vollkommen grundlos einige empfindliche Teile fehlen. In einer Welt, in der die meisten Menschen heterosexuelle Beziehungen führen, betrifft jeder Eingriff in die Sexualität des Mannes auch indirekt Frauen. Wie könnte das also kein Thema des Feminismus sein, vor allem, wenn er sich „sexpositiv“ nennt? Die falsche zweite Haut: Frauensache Verhütung „Sex mit Kondom ist wie Rammstein ohne Pyros“, pflegte ein alter Kumpel immer sehr eloquent zu sagen. Ein echter Augenverdreher. Eine Ausrede, selbstverständlich, und zwar eine so richtig dumme. Zudem sexistisch, denn ohne Kondom ist klar, an wem die Verhütung hängen bleibt (und wenn es dann doch zu einer ungewollten Schwangerschaft kommt und eine Abtreibung im Raum steht, ist man als Frau natürlich die dumme Schlampe, die nicht richtig aufpassen konnte). Was aber, wenn von den Millionen Männern, die behaupten, mit Kondom nichts zu fühlen, viele die Wahrheit sagen – weil sie ohnehin wegen ihrer Beschneidung desensibilisiert sind und ein Kondom das nur noch schlimmer macht? Hier gilt dasselbe wie im vorherigen Kapitel: „Kein Sex mit Kondomverweigerern“ ist als feministisches Statement schnell und lässig gesagt, aber die Realität sieht dann nun mal eben doch anders aus. Ich selbst war mal in einer solchen Situation. Mein damaliger Freund musste nicht mal eine Forderung an mich richten: Noch während er mir am Anfang unserer Beziehung (in einem schmerzhaft sachlichen Ton) schilderte, dass er beim Sex fast nie zum Orgasmus kommt, machte ich mir auf meiner inneren To-Do-Liste eine Notiz und hielt kurze Zeit später ein neues Pillenrezept in Händen. Nun ist in den wenigen Jahren, die seither vergangen sind, einiges über die Pille und ihre Nebenwirkungen ans Licht gekommen. Heute Die falsche zweite Haut: Frauensache Verhütung 219 ist der Typ von damals weg, ich habe die Pille längst wieder abgesetzt und würde mir auch auf gar keinen Fall erneut Hormone verschreiben lassen. Aber es bleibt ein Dilemma, das sicher nicht nur ich miterlebt habe und das verdammt noch mal vermeidbar wäre, wenn nicht so viele Menschen darauf bestehen würden, ihren Söhnen die Vorhäute amputieren zu müssen. Beschneidung wälzt die Verantwortung für die Verhütung auf die Frau ab. Sie fördert zudem Geschlechtskrankheiten. Empfängnisverhütungsmittel gibt es nämlich viele – wirksamen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten bietet allerdings einzig und allein das Kondom. Gleichzeitig hat sich die angeblich präventive Wirkung einer Beschneidung gegen Infektionen wie HPV und HIV – etwas, das jahrelang regelrecht propagiert worden ist und auch heute noch gerne als Pro-Argument dient – nach näherer Betrachtung in Luft aufgelöst. 315 Schlimmer noch: Unter dem Deckmantel der Aids-Prävention werden in afrikanischen Staaten tausende minderjährige Jungs zwangsbeschnitten – gefördert von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und unterstützt mit deutschen Geldern.316 Von der offensichtlichen Menschenrechtsverletzung abgesehen (deren möglicherweise rassistischer Hintergrund mal eine nähere Betrachtung wert wäre) verschärft diese Praxis das Problem aber noch: Weil die Menschen nicht richtig aufgeklärt werden und glauben, sie könnten nach der Beschneidung auf Kondome verzichten, steigt die HIV-Rate in Ländern wie Uganda seit dieser Maßnahme sogar wieder.317 Auch in diesem Fall ist rund die Hälfte aller Leidtragenden weiblich. Schöne emanzipatorische Parolen nützen diesen Frauen kaum et- 315 Spektrum.de listet in einem Blogbeitrag alle angeblichen medizinischen Vorteile auf und beleuchtet sie näher. Spoiler: Der präventive Nutzen ist entweder nicht nachweisbar oder völlig irrelevant. Als kleines Plus wird die Argumentation von Dr. Jürgen Voß, der sich als Queerfeminist für die Straffreiheit von Beschneidung ausspricht, als unwissenschaftlich entlarvt. Vgl. Schleim, Stephan: Wie sich die Forschung zur Beschneidungsdebatte widerspricht. Online seit dem 20.5.2017 unter https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/wie-sich-die-forschung-zurbeschneidungsdebatte-widerspricht. 316 Vgl. Oestrreich, Heide: Fragwürdige Entwicklungshilfe. In: taz vom 4.5.2017 unter http://www.taz.de/!5403473. 317 Vgl. Wasswa, Henry und Frentzen, Carola: Umgang mit HIV wird sorgloser. Online seit dem 7.6.2013 unter http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/aids-inuganda-a-904302.html. Warum die Beschneidung von Jungen ein feministisches Thema sein sollte 220 was, nicht in Afrika, aber auch nicht hierzulande. Die beste Unterstützung wäre, es gar nicht erst zu einer solchen Situation kommen zu lassen, indem man die Männer intakt und empfindungsfähig lässt, so dass ein Kondom kein Problem darstellt. Der weibliche Penis und alles dazwischen Sollte es tatsächlich eine Queerfeministin bis hierhin geschafft haben, möchte ich ihr die Kritik aus dem Mund nehmen: Ja, dieser Text war bis jetzt cis-sexistisch und ja, ziemlich heteronormativ ebenfalls. Deshalb reden wir doch mal über die Rechte von trans Menschen und Intersex und die Frage, wieso diese laut queerfeministischer Forderung immer mitgedacht werden müssen, aber ausgerechnet bei der Beschneidung völlig ausgeklammert werden. Sucht man bei Twitter, findet man durchaus Statements von trans Frauen, welche die Frage aufwerfen, ob eine von ihnen im Kindsalter erlittene Beschneidung nicht eigentlich als weibliche Genitalverstümmelung gelten müsse, wo es inzwischen doch queerfeministischer Konsens ist, dass auch das biologische Geschlecht sozial strukturiert ist. Ein Penis ist demnach (anders, als ich das den ganzen Text über vorausgesetzt habe) nicht per se männlich, da er auch einer trans Frau gehören könnte und weil diese nicht „im falschen Körper geboren“ ist, sondern ihr lediglich bei der Geburt ein falsches Geschlecht zugewiesen wurde, ist ihr Penis weiblich. Aus demselben Grund wird z.B. beim Thema Abtreibung nicht von Frauen geredet, sondern von „Menschen mit Uterus“ (da auch trans Männer oder nichtbinäre Personen schwanger werden können). Das sind alles sehr akademisierte Diskurse, die wohl an der Lebenswelt der meisten Leser vorbei gehen. Ich kann und möchte hier nicht über den Sinn oder Unsinn dieser Standpunkte schwadronieren. Fakt ist aber, dass die Befürwortung der Beschneidung eigentlich unvereinbar mit der queerfeministischen Theorie ist. Diese bezieht auch Intersex mit ein und engagiert sich leidenschaftlich gegen Genitaloperationen an betroffenen Kindern. Die Argumente (fehlender Konsens, Invasivität des Eingriffs, Traumatisierung) sind denen, die gegen Be- Der weibliche Penis und alles dazwischen 221 schneidung vorgebracht werden, sehr ähnlich. Wieso ist aber nur das eine Gegenstand heftiger Attacken? Der cis Mann ist für viele das Feindbild schlechthin. Wie aber kann man bei einem Kind mit Penis automatisch annehmen, dass es cis-männlich ist – wenn es doch andererseits schon als oppressive gilt, einem Baby, das sich dazu nicht äußern kann, mittels Pronomen ein Geschlecht zuzuweisen? Gleichzeitig steht tatsächlich der Begriff „weibliche Genitalverstümmelung“ (FGM) unter heftiger Kritik, weil er als cis-sexistisch gilt (da, ihr ahnt es, nicht nur weibliche Personen eine Klitoris haben). Ähnliches ist mir über „männliche Beschneidung“ nicht bekannt. Aber ist eine solche Unterscheidung überhaupt sinnvoll – wo doch die Grenzen zwischen Penis und Klitoris fließend sind? Aber wenn sie es sind, wieso ist eine (Penis)Vorhautbeschneidung dann okay? Eigentlich versuche ich hier zu erklären, wieso der Queerfeminismus Beschneidung ablehnen sollte, aber wie man sieht, wirft dieses Kapitel mehr Fragen auf, als es beantwortet. Bei meinem Versuch, einen Sinn in dieser Haltung zu erkennen, ist die einzig logische Antwort ziemlich niederschmetternd: So progressiv und offen sie auch tun, ist für viele Queerfeministinnen ein Kind mit Penis doch einfach nur ein kleiner cis Mann – und der darf, weil er alle Privilegien dieser Welt hat, natürlich beschnitten werden. Wodurch ihm ein Privileg, das eigentlich ein Menschenrecht ist – das Recht auf körperliche Unversehrtheit – genommen wird. Was unterm Strich wohl irgendwie … fair ist? Es ist alles wirklich sehr kompliziert. Warum hast du mich nicht beschützt? Mutterliebe und Frauenhass Begeben wir uns mal auf das Gebiet der Psychoanalyse. Zwar bin ich keine Psychologin, aber die folgende Theorie erscheint mir dennoch nicht halb so abwegig wie 99% der Dinge, die in dieser Fachrichtung normalerweise propagiert werden. Es gilt inzwischen als erwiesen, dass eine Beschneidung im Babyalter zwar logischerweise von den Betroffenen nicht erinnert wird, aber Auswirkungen hat, die mit den Fol- Warum die Beschneidung von Jungen ein feministisches Thema sein sollte 222 gen eines Traumas vergleichbar sind.318 Die Babys erleiden sowohl während als auch nach der Beschneidung erhebliche Schmerzen (zumal die bestehende Gesetzgebung eine Beschneidung ohne Betäubung bei Säuglingen unter sechs Monaten explizit erlaubt, weil diese nicht mal von einem Arzt durchgeführt werden muss), verstehen aber natürlich nicht, was da mit ihnen passiert und besitzen keinerlei Kompensationsstrategien. Dies führt neben typischer Traumasymptomatik, die sogar körperlich messbar ist, zu einer schweren Erschütterung des Urvertrauens, was unabsehbare Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Betroffenen haben kann. Und gleichzeitig kann die Ursache des Schmerzes auf die Person projiziert werden, auf die sich normalerweise das Urvertrauen fokussiert: die Mutter. „[D]ie Beschneidung des Neugeborenen [fällt] in eine hochsensible Phase, in der sich die Mutter- Kind-Bindung entwickelt. Dieser komplexe Vorgang kann empfindlich gestört werden,“ erklärt der Psychologe Matthias Franz dazu in einem gänzlich empfehlenswerten Interview mit der taz.319 (Bei älteren Kindern sieht es übrigens nicht viel besser aus: „Wenn Jungen mit fünf oder sechs Jahren beschnitten werden, befinden sie sich in der Konsolidierungsphase ihrer sexuellen Identität. Das Genital ist narzisstisch und libidinös hoch besetzt. Genau in diese Phase fällt die rituelle Kastrationsandrohung der Beschneidung. Kulturgeschichtlich unterstellt dieses Ritual Sexualität dem Primat des Patriarchats.“320) Es mag ein wenig weit hergeholt klingen, wenn man annimmt, dass die Erfahrung, von der eigenen Mutter, der ersten Frau im Leben eines jeden Jungen, nicht vor diesem Trauma geschützt worden zu sein, später in einer Art projizierten, mehr oder weniger unterbewussten Hass gegen alle Frauen zu Tage tritt. Aber seien wir doch mal ehrlich: Es existieren wesentlich dümmere feministische Theorien. Und förderlich ist eine Beschneidung für die psychische Gesundheit nun mal eindeutig nicht. Also warum ziehen wir uns selber Frauenfeinde heran, 318 Vgl. vom Lehn, Birgitta: Unterschätztes Trauma-Risiko. In: Frankfurter Rundschau vom 18.7.2012 unter https://www.fr.de/wissen/unterschaetztes-traumarisiko-11382020.html. 319 Vgl. Oestreich, Heide im Interview mit Professor Matthias Franz: „Es ist ein genitales Trauma“. In: taz vom 25.7.2012, online unter http://www.taz.de/!5088276. 320 Ebenda. Warum hast du mich nicht beschützt? Mutterliebe und Frauenhass 223 statt dafür zu sorgen, dass unsere Söhne körperlich und seelisch unversehrt bleiben? „Mimimi.“ Über Rollenklischees Nach so vielen Jahren, in denen ich mich im Netz feministisch äußere, wäre ich die letzte, die nicht zugeben würde, dass viele Männer offensichtlich kein anderes Hobby haben, als den ganzen Tag Feministinnen das Ohr voll zu jammern. Sie jammern über Frauenparkplätze, sie jammern über weibliche Casts in Filmen, sie jammern darüber, dass sie jetzt, wo in unserer femifaschistischen Welt doch tatsächlich überall Frauen dabei sind, nicht mehr ungestört furzen können (auch das habe ich mir leider nicht ausgedacht). Sie jammern über alles. Das ist oft lästig, manchmal witzig – und vor allem ist es etwas, was sich bei näherer Betrachtung tatsächlich häufig als ernsthafte Kritik an einem handfesten Problem entpuppt. Wenn es um Männer geht, verstehe ich den Feminismus häufig selbst nicht. Einerseits verurteilen wir stereotype Männlichkeit und nennen sie toxisch – andererseits ist jeder Mann, der aus diesem Klischee ausbricht und sich offen über traumatische Erfahrungen äußert, Hohn und Spott ausgesetzt, sofern es um Beschneidung geht. Die Tatsache, dass diese Berichte fast immer im sachlichen und ruhigen Ton gehalten sind, macht die feministische Reaktion noch schlimmer. Zudem ist sie häufig unbeleckt von jeglicher Information. Bei nahezu allen Feministinnen, die sich zu dem Thema spöttisch ge- äußert haben, stellte ich durch Nachfragen fest, dass sie darüber schlicht gar nichts wissen. Sie haben die populäre Darstellung der Beschneidung als „kleinen Schnitt“, der ja eigentlich sowieso nur Vorteile hat, unkritisch übernommen ohne auch nur den Versuch einer Einordnung – und das ist bei einem Komplex, der eindeutig geschlechtspolitischen Sprengstoff birgt, für eine Feministin ein Unding. Auch auf emotionaler Ebene existiert so etwas wie Objektivität. Nicht jeder, der weint, hat Recht. Nicht jede Klage hat ihre Berechtigung und nicht jeder Troll hat Anteilnahme verdient. Es gibt sie durchaus, die Jammerlappen, die Heulbojen, die Überempfindlichen, sowohl männliche als auch weibliche, und das darf man meiner Meinung nach Warum die Beschneidung von Jungen ein feministisches Thema sein sollte 224 durchaus sarkastisch kommentieren. Aber jede männerrechtliche Forderung pauschal als dumm und weinerlich abzuschmettern, zementiert eben genau jene Rollenklischees, von denen wir uns doch eigentlich lösen wollen. Wir können nicht den empfindsamen Mann fordern und ihn dann wegen seiner Empfindsamkeit auslachen. Erst Recht nicht, wenn man von seiner Thematik überhaupt keine Ahnung hat – und eine Lösung keiner Frau einen Zacken aus der Tiara brechen würde. Man muss sich als Feministin vielleicht wirklich nicht unbedingt gegen Beschneidung engagieren, aber ich würde es sehr begrüßen, wenn einige Damen es wenigstens lassen könnten, gegen Betroffene zu ätzen. Wer kein Teil der Lösung sein will, soll wenigstens nicht Teil des Problems werden. Das ist dann nämlich kein Feminismus mehr, sondern Antimaskulismus. Eine Attitüde, die wir uns bitte nicht von den Männern abgucken sollten, die uns täglich bei Twitter nerven. Same same but different? Männliche Beschneidung und weibliche Genitalverstümmelung Hier höre ich schon den Aufschrei: „Wie kann man das vergleichen?! Weibliche Genitalverstümmelung ist so viel schlimmer!“ Spätestens das ist ein Statement, mit dem ich mich sehr unbeliebt machen werde … aber diese Aussage stimmt wirklich nur bedingt. Der Grund für diese Annahme liegt in der medial transportierten Vorstellung beider Praktiken: Ist die männliche Beschneidung klinisch rein, harmlos und in vieler Hinsicht sogar eine Art Lifestyleprodukt, hat man bei weiblicher Genitalverstümmelung Waris Diries Schicksal vor Augen: Ihr wurde die Klitoris mit einer rostigen Rasierklinge weggekratzt, die Schamlippen entfernt und das zerfleischte Ergebnis daraufhin bis auf eine winzige Öffnung zusammen genäht.321 Aber, so ekelerregend dieses Bild auch ist: Die unvorstellbare Prozedur, unter der Waris Dirie und viele andere Mädchen zu leiden hatten, ist längst nicht die einzige Form der FGM (so wie übrigens die Entfernung der männlichen Vorhaut auch nicht die einzige Form der 321 Vgl. Dirie, Waris: Wüstenblume. Knaur 2007 Same same but different? Männliche Beschneidung und weibliche Genitalverstümmelung 225 männlichen Beschneidung ist: So praktizier(t)en die australischen Aborigines eine Form der Beschneidung, bei der der gesamte Penis unterseitig der Länge nach bis zum Samenkanal aufgeschlitzt wird. Aber dieses eher unbekannte Ritual, das hoffentlich von niemandem ernsthaft verteidigt wird, lassen wir mal außen vor). Bei der sogenannten „Beschneidung Typ Ia“ (Einordnung der WHO), die wesentlich verbreiteter ist als die ungleich destruktiveren Formen, wird lediglich ein Teil der Klitorisvorhaut entfernt (manchmal auch nur eingeritzt oder eingestochen, bis ein einzelner Blutstropfen fließt – die sogenannte „milde Sunna“), welche die weibliche Klitoris ebenso schützt wie die männliche Vorhaut die Peniseichel. Zusammengenäht wird überhaupt nichts und sowohl Schamlippen als auch der äußere Teil der Klitoris selbst bleiben völlig intakt. Allerdings liegt die Klitoris im Folgenden frei, was im Laufe der Zeit durch Reibung an der Kleidung zur Bildung einer Art Hornhaut und damit einhergehenden Sensibilitätsverlust führt – haargenau dasselbe, was mit der Eichel nach der männlichen Beschneidung passiert. Damit ist diese Form der FGM physiologisch absolut vergleichbar mit der Beschneidung. Aber genau da lauert die Gefahr. Noch bevor die Beschneidung in Deutschland explizit legalisiert wurde (Dezember 2012) sorgte ein ägyptischer Mediziner für Aufsehen, weil er öffentlich für die Legalisierung der weiblichen Genitalverstümmelung nach Typ I eintrat. Die Begründung ist ähnlich wie bei der männlichen Beschneidung: Für viele Menschen ist sie religiöse Tradition und Pflicht – und in der „milden“ Form nicht schädlicher als die Jungenbeschneidung, womit ein Verbot in Deutschland gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz und Artikel 3, Absatz 2 des Grundgesetzes (Gleichberechtigungsgesetz) verstößt. Da dieser Arzt zum damaligen Zeitpunkt Mitglied der Genfer Stiftung für Medizinische Ausbildung und Forschung (gfmer) war, die eng mit der WHO zusammenarbeitet, und zudem anscheinend auch heute noch eine Professur für Gynäkologie und Geburtshilfe bekleidet, lässt sich das schwer als verwirrte Einzelmeinung abtun.322 322 Vgl. Toprak, Cigdem: Mediziner will Vaginal-Beschneidung legalisieren. In: Die Welt vom 14.11.2012, online unter https://www.welt.de/politik/ausland/article111030661/Mediziner-will-Vaginal-Beschneidung-legalisieren.html. Warum die Beschneidung von Jungen ein feministisches Thema sein sollte 226 In einem aktuelleren Fall von 2017 stand eine muslimische Ärztin in den USA vor Gericht. Der Vorwurf: Praktizierung weiblicher Genitalverstümmelung an sechs- bis neunjährigen Mädchen. Die prompte Argumentation der Verteidigung: Wie kann dies ein Verbrechen darstellen, wenn männliche Beschneidung gleichzeitig legal ist? Die von der Angeklagten durchgeführte Praktik (Entfernung eines kleinen Teils der Klitorisvorhaut) sei zudem ja viel weniger invasiv als die in den USA übliche Form der Jungenbeschneidung.323 Als Reaktion darauf veröffentlichte die New York Times ein Statement, in dem zumindest für eine Legalisierung eines Einstichs in die Klitorisvorhaut plädiert wurde. Auch hier war der Autor kein bedauernswerter Wirrkopf, dessen Meinung man leicht ignorieren kann, sondern der bekannte Publizist und emeritierte Professor der Harvard Law School Alan Dershowitz.324 An dieser Stelle ist es vielleicht interessant, sich die Definition der WHO zu „Beschneidung Typ IV“ anzusehen. Darunter fallen alle medizinisch unnötigen Modifikationen der weiblichen Geschlechtsorgane, die nicht in die vorherigen drei Kategorien eingeordnet werden können, selbst wenn diese in vielen Ländern nicht als Genitalverstümmelung wahrgenommen werden und/oder vollkommen legal sind – unter anderem die Rekonstruktion des Jungfernhäutchens, „kosmetische“ Operationen wie eine Straffung der Schamlippen oder auch schlichtes Piercen. In manchen asiatischen Ländern ist es Tradition, in einem Ritual Rauch auf die Vagina der Mädchen zu blasen, ohne sie auch nur zu berühren. Auch das gilt laut offizieller Richtlinie als Genitalverstümmelung.325 Dabei spielt es keine Rolle, ob irgendetwas davon unter Zwang an minderjährigen Mädchen geschieht oder sich eine erwachsene Frau 323 Vgl. Belluck, Pam: Michigan Case Adds U.S. Dimension to Debate on Genital Mutilation. In: New York Times vom 10.6.2017, online unter https://www.nytimes.com/2017/06/10/health/genital-mutilation-muslim-dawoodi-bohramichigan-case.html. 324 Vgl. Dershowitz, Alan: The Law in a Female Genital Cutting Case. In: New York Times vom 12.6.2017, online unter https://www.nytimes.com/2017/06/12/opinion/the-law-in-a-female-genital-cutting-case.html. 325 Vgl. Bundesgeschäftsstelle Terre des Femmes Berlin: FGM in Asien – Eine Übersicht. Online ohne Datum unter https://www.frauenrechte.de/online/images/ downloads/fgm/FGM-in-Asien.pdf. Same same but different? Männliche Beschneidung und weibliche Genitalverstümmelung 227 selbst dazu entscheidet. Wieso? „Aus Sicht der WHO wird es als wichtig erachtet, die Definitionsbasis für weibliche Genitalverstümmelung weit zu fassen, um Lücken zu schließen, die eine Fortführung der Praxis begründen könnten.“326 Im Prinzip stellt also jeder, aber auch wirklich jeder überflüssige Eingriff in diesem Bereich des Körpers – sogar solche, der man sich gegen ein Taschengeld während der Abifahrt am Ballermann unterziehen lassen kann! – laut den offiziellen Richtlinien der WHO eine Form der weiblichen Genitalverstümmelung dar. Wo aber selbst von erwachsenen Frauen absolut freiwillig getragener Körperschmuck in eine Reihe gestellt wird mit einer der widerlichsten Traditionen, welche die Menschheit hervor gebracht hat, kann die Amputation von bis zu 50% der Penishaut327 bei nicht-einwilligungsfähigen Jungen nicht plötzlich eine legale Harmlosigkeit darstellen. Das immer wieder hartnäckig vorgebrachte Argument, männliche Beschneidung sei weniger schlimm als FGM, geht damit auch vollständig ins Leere: Der Schweregrad spielt schlicht überhaupt keine Rolle. Oder polemisch gesagt: Jede männliche Beschneidung ist erheblich schlimmer als vieles von dem, was offiziell als FGM gilt. So unterschiedlich sie auch aussehen, sind männliche und weibliche Genitalien anatomisch doch sehr ähnlich aufgebaut. Gerade Queerfeministinnen sollten hier besonders aufhorchen. Eingedenk dieser Tatsache gibt es tatsächlich juristisch keinen Grund, warum die „sanfte“ Form der weiblichen Genitalverstümmelung verboten sein sollte, die gängige Form der männlichen Beschneidung aber nicht – außer, dass dieses Ritual hierzulande nicht kulturell verwurzelt ist. Was dann aber wiederum ganz schön eurozentrisch und damit rassistisch wäre, nicht wahr?328 326 Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Weibliche_Genitalverst%C3%BCmmelung #Formen (mit den bekannten Vorbehalten zur Wikipedia als wissenschaftlicher Quelle). 327 Vgl. Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie: S2k Leitlinie „Phimose und Paraphimose“, Stand 15.9.2017, online unter https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/006-052l_S2k_Phimose-Paraphimose_2017-12_01.pdf. 328 Es existiert in Wahrheit noch ein zweiter Grund, der von Beschneidungsbefürwortern gerne hervorgehoben wird: Sie argumentieren, dass FGM und männliche Beschneidung durchaus grundverschieden sind, da NUR letztere manchmal auch aus medizinischen Gründen notwendig sei. Das stimmt, ist aber als Argument nicht valide, da die meisten Beschneidungen eben nicht aus medizinischen Gründen Warum die Beschneidung von Jungen ein feministisches Thema sein sollte 228 Das eine lässt sich nicht verharmlosen, während man das andere verdammt. Durch die legal existierende männliche Beschneidung kommen die Gegner der FGM in arge Erklärungsnöte – und sind zur Ehrenrettung der Jungenbeschneidung zu wirklich inakzeptablen Kompromissen bereit. Victor Schiering fragt in einem Beitrag für MO- GiS e.V. völlig zu Recht: „Lässt sich der Grundsatz der Gleichbehandlung der Geschlechter nur mit einer Herabsetzung des Schutzes von Mädchen herstellen? Warum kommt man gar nicht auf die Idee, das Gleichbehandlungsgebot mit MEHR Schutz für ALLE KINDER zu garantieren?“329 Fragen, die sich jede Feministin stellen sollte – es sei denn, sie ist Mitglied bei Terre des Femmes, die bereits kurz nach Beginn der Beschneidungsdebatte im Jahr 2012 in erfrischender Klarheit ein Verbot der Jungenbeschneidung gefordert hat330, ohne darin einen Widerspruch zu ihrer ansonsten als feministisch wahrgenommenen Arbeit zu sehen. Vielleicht ist dem Verband klar geworden, dass keine einzige Kultur auf dieser Welt existiert, die FGM praktiziert, ohne gleichzeitig auch Jungen zu beschneiden? Insofern packt ein Engagement gegen durchgeführt werden. Des Weiteren kann eine Vorhautverengung (Phimose) in fast allen Fällen auch konservativ behandelt werden. Seit der Beschneidungsdebatte ist das Wissen um die negativen Begleiterscheinungen auch unter Ärzten gewachsen, weshalb die Operation immer seltener verordnet wird. Da sich eine bestehende Phimose bis zur Pubertät von selbst zurückbilden kann, ist eine Kindsbeschneidung zudem medizinisch nicht zu rechtfertigen. Vgl. Plaum, Petra: Beschneidungen von Jungs? Nur bei medizinischer Indikation! – Mit welchen Argumenten Ärzte Zirkumzisionen ablehnen. Online seit dem 4.8.2015 unter https://deutsch.medsca pe.com/artikelansicht/4903926. 329 Vgl. Schiering, Victor: USA: Weibliche Genitalverstümmelung vor Gericht – Kinderrechte am Scheideweg. Online seit dem 18.11.2017 unter https://die-betroffen en.de/blog/usa-weibliche-genitalverstummelung-vor-gericht-kinderrechte-amscheideweg. 330 Vgl. Stellungnahme von TERRE DES FEMMES e.V. Menschenrechte für die Frau zur gesetzlichen Regelung zur Beschneidung männlicher Kinder -Eckpunkte einer Regelung, online seit dem 30.9.2012 unter https://www.frauenrechte.de/onli ne/themen-und-aktionen/weibliche-genitalverstuemmelung2/aktuelles/archiv/16 21-stellungnahme-von-terre-des-femmes-e-v-menschenrechte-fuer-die-frau-zurgesetzlichen-regelung-zur-beschneidung-maennlicher-kinder-eckpunkte-einerregelung. Same same but different? Männliche Beschneidung und weibliche Genitalverstümmelung 229 Jungenbeschneidung das Problem bei der Wurzel – und schützt Mädchen automatisch mit. Die Anklage gegen die amerikanische Ärztin, die FGM betrieb, wurde übrigens letztendlich abgewiesen: Der Richter entschied, dass ein Gesetz, das seit 1996 weibliche Genitalverstümmelung in den USA unter Strafe stellt, gegen die Verfassung verstößt, weil dies Sache der Bundesstaaten sei.331 Es sind unklare Urteile wie diese, an die wir uns gewöhnen müssen, wenn wir die Inkonsequenz der Gesetzgebung weiterhin tolerieren. Für mich ist das eine grauenhafte Vorstellung. Feministisch trollen: Über Logik und Double Standards Bevor mich meine Recherche endgültig von der Schädlichkeit der Beschneidung überzeugte, war ich zunächst erst erstaunt, dann fassungslos, dann angewidert von den vielen richtig dummen Argumenten pro Beschneidung. Das meiste davon hielt nicht mal der flüchtigsten logischen Betrachtung stand und hätte von einem Fünftklässler in einer Deutschklausur auseinander genommen werden können. Dadurch machte ich sozusagen einen kleinen Zwischenstopp: Bevor ich Beschneidungsgegnerin wurde, war ich zunächst Beschneidungsbefürwortergegnerin. Es ist nun leider gar nicht schön, solche halbgaren Aussagen aus dem Mund von Feministinnen zu hören – und darin dann auch noch eine Argumentationsstrategie zu erkennen, die tagtäglich von misogynen Typen zur Diskreditierung von feministischen Frauen genutzt wird. „Stell dich nicht so an!“ „Normale Frauen finden das nicht sexistisch!“ „Das denkst du dir doch aus!“ – Kommentare, die jede Feministin kennt. Es sind Statements, die nicht ärgerlich sind, weil sie Kritik enthalten, sondern weil es ihnen an Logik und Empathie mangelt. Das sind objektive Maßstäbe, nach denen man die Qualität eines Ar- 331 Vgl. Schmidt, Samantha: Judge rules that federal law banning female genital mutilation is unconstitutional. In: Washington Post vom 21.11.2018, online unter https://www.washingtonpost.com/local/social-issues/judge-rules-that-federal-lawbanning-female-genital-mutilation-is-unconstitutional/2018/11/21/a9455728-ed d2-11e8-96d4-0d23f2aaad09_story.html. Warum die Beschneidung von Jungen ein feministisches Thema sein sollte 230 guments messen kann, und sie gelten für jeden. Warum also sollte es dann in Ordnung sein, sie gegen Beschneidungsopfer zu verwenden? Der intersektionale Feminismus handelt nach dem Prinzip der sogenannten Definitionsmacht. Diese besagt, dass nur Betroffene einer bestimmten Diskriminierungsform entscheiden dürfen, was als Diskriminierung zu gelten habe. Ein Mann darf nicht entscheiden, was ich als Frau als sexuelle Belästigung empfinde, eine weiße Person kann einer Person of Color nicht vorschreiben, was rassistisch ist und was nicht. Es ist ein Prinzip mit vielen Schwächen, da es subjektives Empfinden zum Maßstab aller Dinge erhebt und Verirrungen einzelner Personen kategorisch ausschließt. Aber wer nach diesem Prinzip lebt, muss sich durchaus die Frage gefallen lassen, warum ausgerechnet Beschneidungsopfern jegliche Definitionsmacht abgesprochen wird. Neben dem deutschen Beschneidungsforum332, in dem sich Betroffene austauschen, existieren ganze Bücher, die beschnittene Männer zu Wort kommen lassen und negative Auswirkungen thematisieren. 333 Stellen die sich alle nur an? Ist es wirklich so, dass normale Männer keine Probleme damit haben? Denken die sich das nur aus? Oder sind solche Statements nicht genauso ignorant wie misogyne Kommentare – mit dem kleinen Unterschied, dass sie außerdem von Menschen stammen, die damit gegen ihr eigenes Prinzip der Definitionsmacht verstoßen und über Dinge urteilen, von denen sie nicht betroffen sind? Bei diesem Thema – und nicht nur diesem! – wie ein frauenfeindlicher Troll zu argumentieren, ist nicht nur peinlich, sondern bigott, und es schadet dem Feminismus, eine solche Denkart für sich zu vereinnahmen. Ein Argument ist wertlos, wenn man es manchmal nicht gelten lässt, manchmal dann aber plötzlich schon. Vergesst deshalb alle Gründe, die ich bisher aufgezählt habe: Ein ernstzunehmender Feminismus sollte sich einfach nur deshalb gegen Jungenbeschneidung positionieren, weil es die einzig logische und richtige Konsequenz darstellt, die sich aus allen vorhandenen juristischen und medizinischen Fakten ziehen lässt. 332 Vgl. https://www.beschneidungsforum.de. 333 Unbedingter Lesetipp: Clemens Bergner: „Ent-hüllt! Die Beschneidung von Jungen – nur ein kleiner Schnitt?“ tredition 2015. Feministisch trollen: Über Logik und Double Standards 231 Zurück zur feministischen Religionskritik Leider sind auch nicht alle Argumente contra Beschneidung besonders gut. Im Gegenteil. Da es sich um eine religiös verwurzelte Tradition handelt, nutzen einige das Thema für rassistische, islamophobe oder antisemitische Hetze, ohne sich auch nur im Geringsten um die Opfer dieser Prozedur zu scheren (erst Recht nicht, wenn es sich um Moslems oder Juden handelt). Dies ist auch nach all meinen Ausführungen der einzige Punkt, an dem eine intersektionale Feministin nun einhaken könnte – um die Religionsfreiheit ins Feld zu führen. Das Argument, vor dem alles andere zu verblassen scheint, der Grund, weshalb für manche Menschen alle Beschneidungsgegner – sogar die muslimischen und jüdischen334 – unbestreitbar Rassisten sind. Ein Argument, das mich müde macht. Religionsfreiheit ist ein individuelles Recht, das niemals das Recht auf körperliche Unversehrtheit eines anderen Individuums außer Kraft setzen kann – selbst, wenn es sich dabei um den eigenen Sohn handelt. So funktionieren Grundrechte nicht, weshalb die Beschneidungsdebatte lange unter falschen Gesichtspunkten geführt worden ist. Die bestehende Gesetzgebung, die eine Beschneidung (aus welchem Grund auch immer) erlaubt, ist verfassungswidrig, und, da sie explizit nur „das männliche Kind“ betrifft, auch sexistisch. Ich sehe es nicht als Teil meines linken Selbstverständnisses, Religionen auf ein Podest zu heben und sie unangreifbar zu machen. Bei allem nötigen Widerstand gegen die widerliche Hetze der AfD und der täglichen Diskriminierung, der Moslems und Juden ausgesetzt sind, schießt die Linke und damit auch der Feminismus leider seit einiger 334 Gibt es nicht? Gibt es doch. Tatsächlich ist nämlich weder im Islam, wo die Beschneidung nicht mal im Koran erwähnt wird (nur in anderen religiösen Texten, die als Leitfaden für ein gottgefälliges Leben dienen – sie steht dort allerdings gleichwertig neben der weiblichen Genitalverstümmelung), noch im Judentum (wo es völlig ausreicht, von einer jüdischen Mutter geboren worden zu sein) eine Beschneidung wirklich notwendig, um vollwertiges Mitglied der Glaubensgemeinschaft zu sein. Daher wächst auch dort der Widerstand gegen dieses Ritual. Vgl. Yaron, Gil: Unsere seltsame Tradition. In: Frankfurter Allgemeine vom 21.7.2012, online unter https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/beschneidungs debatte-unsere-seltsame-tradition-11827726.html. Warum die Beschneidung von Jungen ein feministisches Thema sein sollte 232 Zeit deutlich übers Ziel hinaus. Vergessen wird offensichtlich, dass gerade die abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) im Kern alle zutiefst patriarchal, repressiv und frauenfeindlich sind, und dass dies nichts ist, was unterstützenswert wäre, nur weil ein Kreuz, ein Halbmond oder ein Davidstern draufklebt. Die meisten Gläubigen leben ihre Religion heute anders – das ändert aber nichts an der allgemeinen Problematik. Irgendwann während der letzten Jahre ist innerhalb der Linken leider das Gespür dafür abhandengekommen, was stumpfer Hass ist und was berechtigte Kritik. Letztere soll, nein, darf nicht vor Religion halt machen, egal um welche es sich handelt. Keine Religion ist heute so, wie sie es zu ihrer Gründung war. Traditionen ändern sich – und das betrifft sogar die Beschneidung selbst! Bei der jüdischen Beschneidung wurde Jahrtausende lang lediglich ein kleiner Teil der Vorhaut entfernt. Die heute übliche komplette Vorhautentfernung wurde erst im ersten oder zweiten Jahrhundert nach einem Entschluss von Rabbinern zur Pflicht erklärt und sollte Betroffene davon abhalten, ihre Vorhaut durch Dehnung des verbleibenden Gewebes zu rekonstruieren. Gleichzeitig wurde es üblich, das Blut vom Penis des frisch beschnittenen Babys mit dem Mund abzusaugen, eine (wegen möglicher Infektionen) gefährliche Praxis, die von den meisten modernen Juden abgelehnt und als eklig empfunden wird.335 Viele religiöse Regeln verstoßen gegen Menschenrechte und wurden mit der Zeit fallen gelassen. Ein Verbot der Jungenbeschneidung abzulehnen und dies mit Religionsfreiheit zu begründen heißt, diesen Prozess wieder umzukehren. Es liefert außerdem gefährliche Argumente für die Legalisierung von FGM, denn diese wird auch häufig religiös und kulturell begründet. Man kommt dadurch in die unangenehme Position, festlegen zu müssen, welche Riten nun wirklich unersetzliche und/oder harmlose Tradition sind und welche nicht – statt die Grenze einfach dort zu ziehen, wo andere Grundrechte verletzt werden. Religionskritik war einmal originär links und, bezüglich Geschlechterfragen, selbstverständlich auch feministisch. Dorthin würde 335 Vgl. Stücker, Harald: Der absolute Nullpunkt der Ultra-Orthodoxie. Online seit dem 8.10.2012 unter https://evidentist.wordpress.com/2012/10/08/der-absolutenullpunkt-der-ultra-orthodoxie. Zurück zur feministischen Religionskritik 233 ich gerne zurück. Eine Welt, in der niemand wegen seiner Religion diskriminiert wird ist schön, aber eine Welt ohne Religion wäre eben doch noch ein bisschen schöner. Schlussbemerkung (und noch mehr Double Standards) Als ich in diesem Beitrag von Beschneidung schrieb, meinte ich immer die Beschneidung minderjähriger Jungen ohne medizinische Indikation. Auch wenn ich kaum glaube, dass sich irgendein erwachsener Mann freiwillig dieser Prozedur unterziehen lassen würde, wenn er ehrlich über alle Risiken aufgeklärt würde, kann er als selbstbestimmter Mensch natürlich tun, was er will. Beschneidung in diesem Sinne ist also im noch höheren Maße ein kinderrechtliches Thema, wie es ein männerrechtliches ist. Wenn sich auch einige Feministinnen sträuben mögen, es auf ihre Agenda zu setzen, weil ja nur Männer betroffen sind – wieso dann nicht wenigstens für Kinderrechte eintreten? Wenn man „Privilegien“ mit „struktureller Macht“ gleichsetzt, „Marginalisierung“ also als „Abwesenheit von Macht“ definiert, sind Kinder die marginalisierteste Gruppe auf diesem Planeten. Es ist völlig egal, in welche Wiege sie geboren werden, ob sie weiblich, männlich, schwarz, weiß, muslimisch oder christlich, reich oder arm sind – sie sind auf Jahre hinweg auf Gedeih und Verderb Eltern und Umwelt ausgeliefert, können jederzeit ihrer Rechte beraubt, also diskriminiert werden. Und doch wird ausgerechnet diese Gruppe vom Feminismus, selbst wenn er sich „intersektional“ nennt, also angeblich für alle diskriminierten Gruppen eintritt, meist völlig ignoriert. Natürlich gibt es Initiativen für Mädchen, auch trans Kinder werden unterstützt und sich für Intersexuelle engagiert … aber die bittere Wahrheit ist: Zu keinem Zeitpunkt steht dabei das Kind im Fokus. Der Feminismus interessiert sich für Mädchen, weil sie kleine Frauen sind, für intersexuelle Kinder, weil sie kleine Intersexuelle sind, für trans Kinder, weil sie kleine trans Menschen sind. Nach all den Jahren innerhalb des netzfeministischen Diskurses habe ich nicht den Eindruck, dass sich für Kinder interessiert wird, einfach nur weil sie Kinder sind. Warum die Beschneidung von Jungen ein feministisches Thema sein sollte 234 Das wird umso mehr deutlich, wenn die Rechte der Eltern – ob es sich nun um Religionsfreiheit handelt oder schlicht „Erziehungsrecht“, was in diesem Zusammenhang wirklich gruselig ist – als höherwertig betrachtet werden, als das Recht jedes Kindes auf intakte Genitalien. Eine Beschneidung schadet – und die Verharmlosung dieser Praktik finde ich vollkommen inakzeptabel. Das schreibe ich nicht als Feministin, sondern als empathiefähiger Mensch. Wenn aber der intersektionale Feminismus für alle Marginalisierten da sein soll, also nichts anders für sich beansprucht, als empathisch zu sein, dann kann er weder die Opfer einer Beschneidung einfach ignorieren, noch die Verharmlosung dieser Praxis. Eingedenk der Leichtigkeit, mit der sich Feministinnen (mich eingeschlossen!) zu Shitstorms hinreißen lassen, selbst, wenn der Anlass objektiv gesehen wesentlich trivialer ist, ist das erst recht nicht nachzuvollziehen. Wieso ist es ein Aufreger, wenn die Cellulite einer Prominenten in einem Schundheft als „Schenkelschande!“ betitelt wird, aber vollkommen okay, unbeschnittene Penisse offen als unhygienisch und ekelhaft zu bezeichnen? Warum gelten amerikanische Dads als hochproblematisch, die sich, mit Gewehr neben dem Date ihrer Tochter posierend, als Wächter über ihre Sexualität aufspielen, während eine Mutter ein Stück vom Penis ihres Sohnes abschneiden darf? Wieso kommt es zu einem kollektiven Aufschrei, wenn die BRA- VO idiotische Flirttipps für Mädchen veröffentlicht, ist es aber andererseits nicht der Rede wert, wenn in einem Aufklärungsvideo über Beschneidung als erstes die Frage gestellt wird, wie Mädchen das eigentlich finden?336 Warum fordern und leisten wir feministische Solidarität in jeder Situation, die für Frauen auch nur ein wenig unangenehm sein kann, aber schweigen, wenn eine schief gelaufene Beschneidung, bei der ein Säugling seinen Penis verliert, vollkommen gefühllos mit einem lapidaren „Autsch!“ kommentiert wird?337 336 Vgl. Dr.Sommer-Team: Beschneidung: So läuft das ab! Online seit dem 20.6.2018 unter https://www.bravo.de/dr-sommer/beschneidung-so-laeuft-das-ab-240345. html. 337 Auch das … leider nicht ausgedacht. Vgl. https://giordanobrunostiftung.wordpress.com/2013/12/30/rabbi-schneidet-versehentlich-penis-bei-beschneidung-ab. Schlussbemerkung (und noch mehr Double Standards) 235 So etwas ist unmöglich vermittelbar und mit keiner feministischen Theorie zu vereinbaren. Wer anderer Meinung ist, soll bitte nie wieder behaupten, dass der Feminismus für alle da ist. Die viel sinnvollere Alternative wäre, einfach einzusehen, dass gewisse männerrechtliche Belange auch eine Auswirkung auf Frauen haben und nicht nur deswegen sehr berechtigt sind. Und dann könnte man zusammen dagegen kämpfen. Einfach nur, weil es richtig ist. Warum die Beschneidung von Jungen ein feministisches Thema sein sollte 236

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Zusammenfassung

Wie können Feminismus und Maskulismus zusammenwirken, um beide Geschlechter voranzubringen? Welche Chancen und Vorteile würden so entstehen? Warum stehen sich die beiden Bewegungen bislang oft als verfeindete Lager gegenüber, statt gemeinsam Synergien zu erzeugen? Und wie kann man als Frauen- oder Männerrechtler sein soziales Engagement beibehalten, ohne die immer stärker werdende Polarisierung unserer Gesellschaft noch zu fördern? Statt wie bisherige Bücher ein Plädoyer nur für die Anliegen eines Geschlechts zu führen, stoßen Feministen und Maskulisten sowie Mediatoren, Konfliktforscher und Paartherapeuten hier einen zukunftsweisenden, ganzheitlichen Ansatz an. Dabei reichen die facettenreichen Beiträge thematisch von der Berliner Regierungspolitik über Konflikte in den sozialen Medien bis zu Menschenrechtsverletzungen wie geschlechtsbezogener Gewalt. Auf dieser Grundlage entsteht konstruktive Diversität in einer Debatte, in der auch interkulturelle Blickwinkel nicht zu kurz kommen. Mit Beiträgen von Arne Hoffmann, Lucas Schoppe, Mithu Sanyal, Gerd Riedmeier, Sandra Hermann, Ingbert Jüdt, Maike Wolf, Wendy McElroy, Robin Urban, Dr. Hanna Milling, Monika Ebeling, Eilert Bartels, Professor Christina Hoff Sommers, Astrid von Friesen, Elinor Petzold, Dr. Katja Kurz und Jeannette Hagen.