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8 Ausblick in:

Larissa Eikermann

Die Externsteine in der Kunstvermittlung, page 213 - 214

Eine Studie zur regionalen Kulturerbebildung

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4261-8, ISBN online: 978-3-8288-7274-5, https://doi.org/10.5771/9783828872745-213

Series: KONTEXT Kunst - Vermittlung - Kulturelle Bildung, vol. 20

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
213 8 Ausblick An den Externsteinen wird derzeit eine museal geprägte oder geführte Vermittlung durchgeführt, die sich vorwiegend mit naturwissenschaftlichen Themenkomplexen auseinandersetzt. Die kunstdidaktischen Zugänge bieten in dieser Hinsicht eine Erweiterung des Bildungsangebots und führen weg von dieser starren Art der Vermittlung, die die eigene Kommunikation hemmt. Sie können dementsprechend zukunftsweisend für einen weiteren Ausbau der Vermittlungsmöglichkeiten vor Ort oder in kulturellen Bildungsinstitutionen sein und die Vorarbeit für ein kulturwissenschaftliches Bildungszentrum leisten. Davon ausgehend kann eine Verstärkung der kulturwissenschaftlichen Bildung an den Externsteinen durch Projekte zu einer lokalen curricularen Anbindung führen, wie es beispielweise an UNESCO-Projektschulen für das Weltkulturerbe erfolgt. In diesem Sinne müssten die Kulturpolitik und die interdisziplinären kulturwissenschaftlichen Bildungsgruppen gemeinsame Bildungsziele formulieren und ihre Zusammenarbeit verstärken, damit fundierte regionale Lehrmaterialien entstehen. Eine „Kultur für alle“779 kann nur dort stattfinden, wo alle zuständigen Institutionen, öffentlichen Bildungseinrichtungen und Kulturförderer zusammenarbeiten und der „weiche Standortfaktor“ Kultur gefördert und gestärkt wird. Zur Stärkung des kulturellen Wertes der Externsteine ist außerdem eine Vernetzung mit weiteren Kulturerbestätten sinnvoll.780 Bei den Weltkulturerbestätten ist der „außergewöhnliche universelle Wert“ das entscheidende übergreifende Kriterium. Bei Kulturerbestätten wie den Externsteinen ist es vielmehr der „außergewöhnliche regionale Wert“, der diese Orte auszeichnet. Über diesen Wert können Verknüpfungen mit anderen bedeutsamen regionalen Kulturerbestätten entstehen, die zu einem gemeinschaftlichen Verantwortungsbewusstsein führen und darüber hinaus Vernetzungen auch im Bereich der Bildung bieten können. Diese Vernetzungen könnten über verschiedene Vergleichbarkeitskriterien (zeitlich/räumlich, funktional oder stilistisch) erfolgen. Im nationalen Kontext wäre hier an Orte wie die Dörenther Klippen im Tecklenburger Land, die Kyffhäuserhöhlen im Harz, die Sächsische Schweiz oder Kastel an der Saar in Rheinland-Pfalz zu denken, an denen sich ähnliche steinerne oder architektonische Ausformungen finden lassen. Ebenfalls ist eine Vernetzung mit nationalen Naturerbestätten und archäologischen Stätten wie Nebra (Sachsen-Anhalt) und Glauberg (Hessen) sowie die bereits genannten prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen denkbar. Daran anknüpfend würde sich international eine Möglichkeit zur Vernetzung über die Wahrnehmung der Externsteine als steinernes christliches Dokument bieten. Zum UNESCO-Weltdokumentenerbe gehören beispielsweise die steinernen Stelen am Nahr al-Kalb im Libanon, an den sich Inschriften aus ägyptischer, persischer und römischer Zeit befinden.781 Für die 779 Vieregg und Schefers 2010, S. 19, vgl. Kapitel 3.1.1. 780 Diese These knüpft an eine aktuelle, persönliche Tagungsbilanz von Welterbekonferenzen an, die gezeigt hat, dass ein Mangel an internationalen Vernetzungen bei den UNESCO-Weltkulturerbestätten sehr kritisch gesehen wird. 781 http://www.unesco.org/new/en/communication-and-information/memory-of-the-world/register/full-list-of-registered-heritage/registered-heritage-page-2/commemorative-stela-of-nahr-el-kalb-mount-lebanon/ (Letzter Zugriff: 03.06.2019). 214 Externsteine könnte sich über die steinernen Zeugnisse, wie die Grottenanlage oder das Kreuzabnahmerelief, demnach eine mögliche Nominierung für das Memory of the World-Programm ergeben. Die Externsteine könnten somit ein weites und erweiterbares Netz an Kooperationsmöglichkeiten spannen, was einen Gewinn an Wahrnehmung und Aussagekraft generieren würde. Natürlich braucht eine derartige Bildungsarbeit immer ausreichende finanzielle und personelle Ressourcen, jedoch wird ein professionelles Management in der Vermittlung inzwischen erwartet und ist Voraussetzung für eine ernst- und einflussnehmende Bildungsarbeit. Für die Vermittlung im regionalen Kontext bedeutet das, zukünftig Bildungsangebote zu schaffen, die breite gesellschaftliche Schichten ansprechen, einen Alltagstransfer ermöglichen und die Identifikation in der Region stärken.

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Zusammenfassung

Regionale Kulturerbestätten bedürfen einer Vermittlung, welche die Identifikation der Menschen, die Wahrnehmung und kulturelle Teilhabe sowie das gesellschaftliche Verantwortungsbewusstsein stärkt und fördert. Kulturerbebildung soll als Teil einer umfassenden Bildung verstanden werden. Dazu müssen die kulturellen Wertigkeiten, die sich durch in der Vergangenheit zugeschriebene Bedeutungen und Praktiken entwickelt haben, reflektiert, hinterfragt und weiterentwickelt werden.

Die Externsteine, eine Sandsteinformation im Teutoburger Wald bei Horn Bad-Meinberg, stellen im Sinne der kulturwissenschaftlichen Forschung eine solche regionale Kulturerbestätte dar. An diesem Ort, der seit dem 16. Jahrhundert das öffentliche Interesse weckt, verdichten sich Wertvorstellungen, Traditionen, Geschichten(n) und Identitäten zu einer komplexen und kontroversen Rezeptionsgeschichte. Die Initiierung von zukunftsweisenden Vermittlungsprojekten mit unmittelbarem Bezug zur Geschichte soll dazu beitragen, alte Sichtweisen aufzubrechen und neue Betrachtungsweisen über die Kunstdidaktik zu schaffen.

Larissa Eikermann entwickelt dazu in dieser Arbeit drei kunstdidaktische Konzepte – Lost Places, Mail Art und A bis Z –, die einen exemplarischen Beitrag im Sinne der Übertragbarkeit auf andere Kulturerbestätten zur kulturellen Bildung darstellen sollen. Die traditionellen Konzepte aus der Kunstvermittlung, qualitativ erprobt in der universitären Lehramtsausbildung, bieten das entsprechende Potential, indem unmittelbare ästhetische Erfahrungen gewonnen werden können, die kognitive, materielle und reflexive Prozesse aktivieren. Damit kompensieren sie zudem durch die digitale Vermittlung regressive Fähigkeiten.

Diese Studie möchte einen methodischen Rahmen für die Initiierung von Vermittlungsprojekten an den Externsteinen bieten und damit dem Desiderat an Lehr- und Bildungsmaterialien für diese Stätte entgegenwirken.