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Antonia Braesel, Larissa Fischer, 9 Interpretation der Ergebnisse in:

Thomas Batz (Ed.)

Zentrale Herausforderungen des Bildungsmarketings, page 91 - 93

Resultate einer Studie der DHBW Heilbronn und der Universität Stettin

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4329-5, ISBN online: 978-3-8288-7273-8, https://doi.org/10.5771/9783828872738-91

Tectum, Baden-Baden
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9 Interpretation der Ergebnisse Antonia B raesel & Larissa F ischer Im Anschluss an die Auswertung der Umfrage werden die Ergebnisse nun im Folgenden interpretiert: Frage 4 zeigt, dass sich viele Studierende für ein Universitätsstudium entschieden haben, weil sie sich davon bessere Karriereperspektiven er hoffen. Ein Studienabschluss wird also mit höheren Jobchancen in Ver bindung gebracht. In Bezug auf das Bildungsmarketing der Universität Stettin kann dies als wesentlicher Vorteil eines Studiums hervorgehoben und ggf. mit entsprechenden Studien belegt werden. Auch dass zahl reiche Studierende an der Universität Stettin eingeschrieben sind, um persönlichen Interessen nachzugehen oder weil sie sich unsicher über ihre berufliche Zukunft nach der Schule waren, kann für Marketingak tivitäten genutzt werden. Die Universität Stettin kann hier mit ihren Möglichkeiten zur persönlichen Orientierung und Entfaltung werben. Der Hauptgrund vieler Befragter für ein Studium an der Universität Stettin war laut Frage 5 die räumliche Nähe zur Heimat und die Emp fehlung von Familie und Freunden. Hier kann das Bildungsmarketing der Universität Stettin anknüpfen: Es können innovative und praxisnahe Studiengänge angepriesen werden, für die Studierende aus der Region nicht ihre Heimat, Familie und Freunde verlassen müssen. Die Univer sität kann betonen, dass sie einzigartige Möglichkeiten sowie ein mo dernes Lernumfeld in einer vergleichsweise kleinen Stadt anbietet und beispielsweise durch Unternehmenspartnerschaften regional verankert ist. Da sich ein eher geringer Anteil der Befragten für die Universität Stettin aufgrund der Attraktivität der Stadt entschieden hat, ist es mög licherweise sinnvoll, das Bildungsmarketing der Universität mit dem 91 Stadtmarketing der Stadt Stettin zu verknüpfen. So könnte man poten zielle Studierende für den Standort begeistern und in Kombination mit den Angeboten der Universität dazu bewegen, für ihr Studium nach Stettin zu kommen. Frage 6 hat ergeben, dass Studierende die mangelnde Praxiserfahrung während eines Universitätsstudiums als besonders negativ wahrnehmen. Das Bildungsmarketing der Universität Stettin sollte also hervorheben, welche Möglichkeiten die Universität zum Sammeln praktischer Erfah rungen bietet und dass die Studiengänge in Stettin sehr praxisnah aufge baut sind. Weiterhin sollten Optionen zur Finanzierung des Studiums aufgelistet werden. Möglicherweise gibt es Stipendien oder eine polni sche Variante des deutschen Bafög, auf die sich Studierende bewerben können. Außerdem könnte man Hilfestellungen zum schnellen Finden eines attraktiven Nebenjobs anbieten, der sich gut mit dem Studium vereinbaren lässt. Frage 7 zeigt zudem, dass der Großteil der Studierenden zum einen durch ihre Freunde und Familie und zum anderen durch den Social Media-Auftritt auf die Universität Stettin aufmerksam wurde. Viele Schulabgänger lassen sich also von der Familie, den Freunden sowie den sozialen Medien leiten. Hinsichtlich des Bildungsmarketings der Univer sität Stettin kann auf diese Faktoren stärker eingegangen werden. Um deutlich mehr Studierende rekrutieren zu können, sollte daher noch stärker am Marketing angesetzt werden. Um die nachfolgenden Gene rationen zielorientiert zu erreichen, sollte diese Zielgruppe zunächst un tersucht werden. Hierbei muss im Speziellen erforscht werden, auf wel chen Kanälen die Nachfolgegeneration unterwegs ist. Diese Untersu chung soll zur Folge haben, dass bspw. die Ansprache zielgruppenge recht angepasst wird und neue Kanäle hinzugezogen werden. Frage 8 hat ergeben, dass die Universität Stettin mehr Praktika-Möglichkeiten bzw. einen größeren Bezug zur praktischen Anwendung anbieten sollte, um mehr Studierende für sich zu gewinnen. Dieser Aspekt wurde bereits in Frage 6 deutlich. Klar wurde allerdings auch, dass die Univer sität deutlich stärker auf Messen präsent sein sollte. Um das Sammeln praktischer Erfahrungen auszubauen, sollte das Bildungsmarketing Partnerschaften mit im Umkreis gelegenen Firmen aufbauen. Pflicht praktika können in das Curriculum integriert bzw. aufgenommen wer den, sodass die Studierende ihren praktischen Horizont bei den Part nerunternehmen erweitern können. So sind die Studierenden zum Ende 92 des Studiums in der Lage, praktische Erfahrungen vorzuweisen und he ben sich bei der Berufsfindung deutlich von anderen Absolventen ab. Zudem sollte die Universität Stettin nicht nur im Umkreis auf Messen vertreten sein, sondern ebenfalls über die Region hinaus. Somit besteht die Möglichkeit, dass „Neuzuwachs“, welcher eine größere Entfernung nach Stettin aufweist, ggfs. für das Studium nach Stettin zieht und so mit der Bekanntheitsgrad der Universität auch in der Ferne steigt. Die letzte Frage (Frage 9) hat gezeigt, dass die Universität viele Events anbietet, um die bestehenden Studierenden zu binden und zufrieden zustellen. Geradewegs solche Events sollten gemäß dem Grundsatz „Tue Gutes und rede darüber!“ nach außen kommuniziert werden, um zukünftige Studierende von der Universität Stettin zu überzeugen. Um das Bildungsmarketing weiter auszubauen, könnte zudem eine Auftakt veranstaltung für die Erstsemester konzipiert werden. Damit soll dem Neuzuwachs der Einstieg erleichtert, aber auch die Möglichkeit geboten werden, erste Kontakte zu knüpfen. 93

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Zusammenfassung

Von Dezember 2018 bis März 2019 führten Studierende des Studienschwerpunkts Human Resources der DHBW Heilbronn in enger Zusammenarbeit mit der Universität Stettin ein gemeinsames Projekt durch. Auslöser für dieses Projekt waren teils deutlich zurückgehende Studierendenzahlen an der Universität Stettin, trotz der dort vorhandenen hervorragenden Rahmenbedingungen und des ausgezeichneten Lehrpersonals – ein Umstand, der an verschiedenen polnischen Universitäten aktuell zu verzeichnen ist.

Die Studierenden stellten sich nun die Frage, welche Ursachen für diese kritische Entwicklung verantwortlich sind und welche Maßnahmen geeignet sein könnten, um mit zielgerichtetem Bildungsmarketing zu einer positiven Entwicklung beitragen zu können. In diesem Buch werden die Ergebnisse und Erkenntnisse aus der studentischen Studie vorgestellt.