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Dominika Kordela, Nachfrage nach Hochschuldienstleistungen in Polen - Aktueller Stand und Perspektiven in:

Thomas Batz (Ed.)

Zentrale Herausforderungen des Bildungsmarketings, page 23 - 27

Resultate einer Studie der DHBW Heilbronn und der Universität Stettin

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4329-5, ISBN online: 978-3-8288-7273-8, https://doi.org/10.5771/9783828872738-23

Tectum, Baden-Baden
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Nachfrage nach Hochschuldienstleistungen in P olen -A ktuellerS tand und Perspektiven Dr. D ominika K ordela Zur Beschreibung der Hochbildung in Polen sollte man die wichtigsten Daten und Fakten geben. Laut der Regierung in Polen gibt es über 400 staatliche und nicht-staatliche Hochschulen (unter anderem Fach hochschulen, Universitäten, Technische Universitäten). Das Ministe rium für Wissenschaft und Hochschulbildung beaufsichtigt die Mehr heit unter ihnen, jedoch stehen bestimmte Hochschulen unter der Kon trolle anderer Ministerien: Zum Beispiel unterstehen die medizinischen Universitäten dem Ministerium für Gesundheit; für die Militärhoch schulen ist das Ministerium für nationale Verteidigung zuständig1. In Polen, genauso wie in den anderen EU-Mitgliedstaaten, gibt es eine dreistufige Struktur in der Hochschulbildung. Auch das European Credit Transfer System (ECTS) wurde erfolgreich eingeführt, was die Anerken nung von Qualifikationen in anderen Ländern ermöglicht2. www.gov.pl, Zugriff am 15.05.2019 www.go-poland.pl, Zugriff am 15.05.2019 23 CO 3 r\T Bachelor (ca. 3 Jahre) CO r\T Master (ca. 2 Jahre) CO r\T Promotions studium Abb. 1: Die Struktur der Hochschulbildung in Polen Nach dem ersten Studienzyklus erhält man die Berufsbezeichnung licen c ja t oder inzyn ier (Ingenieur im Fachgebiet Technik, Landwirtschaft oder Wirtschaft). Dies ist ein polnisches Äquivalent zum Bachelor. Der zweite Studienzyklus — ein Masterstudiengang (1,5 bis 2 Jahre) nach dem ersten Studienzyklus — führt zur Berufsbezeichnung Master (magister, oder ein gleichwertiger Abschluss je nach Kursprofil) (vgl. auch Abb. 1)3. Die Hochschulen in Polen bieten nicht nur ein Vollzeitstudium (im Werktagezyklus), sondern auch ein Wochenend- oder Abendstudium (für berufstätige Personen) an. An den Hochschulen und Universitäten werden zudem außeruniversitäre und externe Kurse angeboten, unab hängig von den Zugängen zu Kinder- und Seniorenuniversitäten. Die lebenslange Bildung ist für viele Leute in Polen von großer Bedeutung. Im Zuge politischer Veränderungen Anfang der 90er Jahre haben sich neue Zielsetzungen und Entwicklungen in der Gesellschaft ergeben. Eine sehr wichtige Angelegenheit sowohl für die Regierung als auch die Bevölkerung war der Anstieg der Studierendenzahl. M it nur 404.000 im Jahr 1990 stieg die Zahl der Studierenden auf fast zwei Millionen im Jahr 20 0 54. www.go-poland.pl, Zugriff am 15.05.2019 www.edulider.pl, Zugriff am 10.05.2019 24 4 Das Jahr 2005 war jedoch eines der letzten Jahre des Anstiegs. Seit dem akademischen Jahr 2007/2008 sinkt die Anzahl der Studierenden, aber dies war erst in 2010/2011 sehr deutlich zu spüren. Noch in 2006/2007 studierten in Polen fast zwei Millionen Menschen, dann waren es in 2011/2012 1.764.000 Studierende und im Jahr 2017 betrug die Anzahl der Studierenden 1.292.0005. Insgesamt geht laut den in den letzten Jahren veröffentlichten Daten des Statistikamts die Zahl der Studieren den systematisch zurück (vgl. Abb. 2): Abb. 2: Die Entwicklung der Studierendenzahl in Polen von 2008/2009 bis 2017/2018 (Angabe in Tsd.), Quelle: www.stat.gov.pl www.stat.gov.pl 25 Als wichtigste Gründe für den Rückgang sind zu nennen: • Die demografischen Veränderungen mit dem Rückgang der Zahl an Kindern und Jugendlichen und der Konsequenz, dass es immer weniger Schüler, die das Abitur bestehen, und es dadurch auch weniger Studierende gibt. • Die in Polen zunehmende Wahl nicht-akademischer Bildungswege: Die Zahl der Personen, die sich für non-formales und informelles Lernen entscheiden, steigt. Immer mehr Leute wählen gerne Kurse, Workshops, Privatstunden oder Umschulungen am Arbeitsplatz6. • Die gute wirtschaftliche Lage, weswegen sich immer mehr junge Leute für eine Arbeitstätigkeit anstatt eines Studiums entscheiden. Gleichzeitlich steigt die Anzahl der ausländischen Studierenden; mehr als die Hälfte davon kommt aus der Ukraine7. Der Wettbewerb unter den Hochschulen nimmt zu. Daher versuchen sie, entsprechende Lösungen zu entwickeln, um nicht nur dem Rück gang der Studierendenzahl entgegenzuwirken, sondern auch um neue Studenten anzuwerben. Auch die Entwicklung der Informationstechnologie hat einen Einfluss auf Hochschuldienstleistungen. Die Menschen, die Interesse an einem Studium haben, suchen hierzu immer häufiger gezielt nach für sie rele vanten Informationen. Es bleibt nicht ohne Bedeutung, dass es heutzu tage — u. a. dank der EU-Mitgliedschaft — erweiterte Studienwahlmög lichkeiten gibt; nicht nur auf nationaler Ebene, sondern auch im Aus land. Die Marke bzw. das Image, das eine Hochschule hat, spielt daher auch eine Rolle im Entscheidungsprozess. Wie Leute über eine Hoch schule sprechen und wie sie sie sehen (auch kommuniziert über die sozialen Medien), sind demnach Aspekte, die diesen beeinflussen8. A. Wittenberg, Uczelniom ubywa studentöw . Puste m iejsca zajmujq cudzoziem cy, 27.06.2018, www.serwisy.gazetaprawna.pl ww.perspektywy.pl, Zugriff am 12.05.2019 A. Draprnska (2010), Z achowania klientöw na rynku uslug edukacyjnych szkol wyzszych, Zeszyty Naukowe Uniwersytetu Szczecrnskiego, Ekonomiczne Problemy Usfug nr 54, (Nr. 594). 6 7 26 Beispiele für Aktivitäten zur Gewinnung neuer Studenten sind9: • Die Internationalisierung der Ausbildung durch die Rekrutierung ausländischer Studierender • Die Steigerung von Aktivitäten, die das Unternehmensumfeld in der Region miteinbeziehen (z. B. durch die Veranstaltung von Seminaren bzw. Workshops, kooperative Forschung, Austausch mit der Lokalpolitik, etc.) • Ein größeres Bildungsangebot für Menschen ab 30 und über 40 Jahren • Die Erweiterung des Studienangebots um neue, attraktive Studienfächer • Die Schaffung der Möglichkeit, ein Praktikum während der Studienzeit zu absolvieren Im akademischen Jahr 2017/2018 gehörten laut Statistikamt zu den be liebtesten Studienfächern in Polen10: • Business Studies, Verwaltung und Recht (21,9 %) • Technologie, Industrie, Bauwesen (18,2 %) • Sozialwissenschaften, Journalismus und Information (11,6 %) • Gesundheits- und Sozialwesen (10,9 %) In der Literatur wird auf die schwierigen Bedingungen für das Funktio nieren der Hochschulen auf dem Bildungsmarkt hingewiesen. Deswe gen sind Universitäten gezwungen, Marketingaktivitäten durchzufüh ren, die an ihre Zielgruppe, d. h. potenzielle Studenten, gerichtet sind11. 9 www.edulider.pl, Zugriff am 12.05.2019 10 www.stat.gov.pl, Zugriff am 20.05.2019 11 A. Drapinska (2010), Z achowania klientow na rynku uslug edukacyjnych szkol wyzszych, Zeszyty Naukowe Uniwersytetu Szczecinskiego, Ekonomiczne Problemy Usfug nr 54, (Nr. 594). 27

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Zusammenfassung

Von Dezember 2018 bis März 2019 führten Studierende des Studienschwerpunkts Human Resources der DHBW Heilbronn in enger Zusammenarbeit mit der Universität Stettin ein gemeinsames Projekt durch. Auslöser für dieses Projekt waren teils deutlich zurückgehende Studierendenzahlen an der Universität Stettin, trotz der dort vorhandenen hervorragenden Rahmenbedingungen und des ausgezeichneten Lehrpersonals – ein Umstand, der an verschiedenen polnischen Universitäten aktuell zu verzeichnen ist.

Die Studierenden stellten sich nun die Frage, welche Ursachen für diese kritische Entwicklung verantwortlich sind und welche Maßnahmen geeignet sein könnten, um mit zielgerichtetem Bildungsmarketing zu einer positiven Entwicklung beitragen zu können. In diesem Buch werden die Ergebnisse und Erkenntnisse aus der studentischen Studie vorgestellt.