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Thomas Batz, Zentrale Herausforderungen des Bildungsmarketings in:

Thomas Batz (Ed.)

Zentrale Herausforderungen des Bildungsmarketings, page 11 - 22

Resultate einer Studie der DHBW Heilbronn und der Universität Stettin

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4329-5, ISBN online: 978-3-8288-7273-8, https://doi.org/10.5771/9783828872738-11

Tectum, Baden-Baden
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Zentrale Herausforderungen des Bildungsmarketings Thomas Batz, im M ai 2019 Prof. Dr. Thomas Batz, MBA D uale H ochschu le Baden-W ürttem berg, H eilbronn Studiendekan BW L-D ienstleistungsmanagem ent Studiengangsleiter BW L-D ienstleistungsmanagement, S chwerpunkt H uman Resources Bildungscam pus 5 74076H eilbronn Ausgangslage Noch vor kurzem erschien der Gedanke an eine gezielte Vermarktung von Bildungsinstitutionen wenig sinnvoll. Warum eine Hochschule ver markten, die sich über lange Jahre mit Hilfe von Zugangsbeschränkun gen auf die Begrenzung der Studierendenzahlen konzentrieren musste? Viele Bildungsträger wären gar nicht in der Lage gewesen, mit den vor handenen Budgets, dem Personal und Räumlichkeiten der tatsächlich vorhandenen Flut von Studierenden gerecht zu werden. Zumindest in Deutschland waren private Hochschulen, die sich primär über zahlende Studierende finanzieren, über lange Jahre weitgehend unbekannt oder zumindest untypisch und damit kein wahrzunehmender Faktor auf den Bildungsmärkten. Erst seit den 90er Jahren sind erste wissenschaftliche Beiträge zum Themenfeld Bildungsmarketing zu verzeichnen (vgl. Barz 2010, S. 415). 11 Doch diese Situation hat sich aktuell grundlegend geändert und dafür sind verschiedene Faktoren verantwortlich, die nachfolgend in Anleh nung an das Branchenstrukturmodell nach Porter (1980), das auch als „Five Forces“ der Wettbewerbskräfte bekannt ist, kurz skizziert werden. Abb. 1: Branchenstrukturanalyse / “Five Forces“ der Wettbewerbskräfte Quelle: Eigene Darstellung in enger Anlehnung an Porter (1980) In diesem Zusammenhang werden Wettbewerbstreiber wie die Konkur renzaktivitäten der aktuellen und unmittelbaren Wettbewerber, neue Konkurrenten, Substitutionsmöglichkeiten sowie die Macht der Anbie ter und der Nachfrager betrachtet. Was bedeutet dies für die vorliegende Fragestellung konkret? • Zum einen hat sich die einstmals enorme Zahl der Bewerber um einen Studienplatz in Zeiten der Generation Babyboomer deutlich reduziert, was insbesondere auf die geburtenschwachen Jahrgänge zurückzuführen ist. • Zum anderen stellen neue Generationen von Studierenden ganz neue Ansprüche an ihr Studium. Insbesondere steht dabei aktuell die sogenannte „Generation Z“ im Fokus, worunter die nach 1995 geborene Generation zu verstehen ist. Diese jungen Menschen sind sehr internetaffin und haben eigene, durchaus spezielle Ansprüche auch an ihre Ausbildung (vgl. Eberhardt 2016, S. 25 ff.). Es fragt sich, ob und inwieweit Hochschulen in der Lage sind, diesen An sprüchen zu genügen. 12 • Zudem sorgt die seit mehreren Jahren boomende Konjunktur zu mindest in Deutschland dafür, dass sich viele junge Menschen mit dem Gedanken tragen, direkt in den Arbeitsmarkt einzusteigen, ohne ein Studium zu absolvieren. Auf den in vielen Bereichen leer gefegten Arbeitsmärkten finden diese Kandidaten gute Chancen. Der Arbeitsmarkt hat sich längst von einem Arbeitgebermarkt zu einem Arbeitnehmermarkt entwickelt. • Schließlich konkurrieren nicht mehr nur staatliche Universitäten und Hochschulen um die Studieninteressenten, vielmehr haben sich insbesondere im privaten Sektor sehr viele Neugründungen ergeben, die sich nicht selten zu wichtigen Mitbewerbern auf dem Bildungsmarkt entwickelt haben. • Überdies hat sich in den vergangenen Jahren die internationale Mobilität stark erhöht. Während in der Vergangenheit ein Aus landsstudium eine Besonderheit war, studieren aktuell viele junge Menschen im Ausland. Überdies ergeben sich zahlreiche Alternati ven im Hinblick auf zeitliche Modelle (Vollzeitstudium bzw. Teil zeitmöglichkeiten) sowie die Kanäle, auf denen Bildung vermittelt wird (z. B. Online-Angebote, Präsenzvorlesung sowie Blended Learning). Somit haben Studieninteressenten aktuell die Auswahl zwischen sehr vielen verschiedenen Angeboten und Bildungsträger stehen in einem ausgeprägten Wettbewerb. Dies zwingt Bildungsträger dazu Studie rende auch als Kunden zu betrachten, was für viele Bildungsträger be deutet, eine völlig neue Perspektive einzunehmen. In diesem Zusammenhang ist das Verständnis des Begriffs „Konsumen tenverhalten“ wichtig, um den Kunden bzw. Studenten bei dessen Aus wahl, Bewertung und Nutzung des Wirtschaftsguts Bildung zu verste hen. „Unter Konsumentenverhalten im engeren Sinne versteht man das beobachtbare „äußere“ und das nicht beobachtbare „innere“ Verhalten von Menschen beim Kauf und Konsum wirtschaftlicher Güter. Letzt lich versucht die Konsumentenverhaltensforschung, Fragen nach dem „Warum“ und „Wie“ des Käuferverhaltens zu beantworten“ (Kroeber- Riel & Gröppel-Klein 2013, S. 3). Damit stellt das Verständnis des Konsumentenverhaltens eine wesentliche Voraussetzung für erfolgrei ches Bildungsmarketing dar. 13 Verständnis des Begriffs Bildungsmarketing Um den Begriff Bildungsmarketing verstehen zu können, ist es zunächst sinnvoll den übergeordneten Begriff Marketing zu beleuchten. In der Literatur sind zahlreiche verschiedene Definitionen zum Marketing vor zufinden. Diese beschäftigen sich unter verschiedenen Blickwinkeln und verschiedenen Schwerpunkten mit der Thematik. Um zu einem nachvollziehbaren und im Sinn der hier vorliegenden Aufgabenstellung relevanten Verständnis des Marketings zu gelangen, ist es sinnvoll, wichtige Kernaspekte zu beleuchten. Die wichtigsten Aspekte werden von Meffert et al. (2015, S. 3 ff.), wie nachfolgend kurz skizziert, zu sammengefasst. In den Fokus der relevanten Überlegungen stellen die Autoren dabei den sogenannten „Market B ased View“ und damit im engen Zusammen hang stehend auch den „C om peten ce B ased View“, wodurch die enge Verbindung und die Interdependenzen zwischen dem Blickwinkel der Anbieter und der Nachfrager bezeichnet werden (vgl. Meffert et al. 2015, S. IX). Im Kern geht es darum, „ [...] wie kunden- und marktre levante Kompetenzen im Unternehmen identifiziert, aufeinander abge stimmt und entwickelt werden, [sowie, TB] [...] um die Frage der Ef fektivität und Effizienz des Marketing [ . . . ] “ (Meffert et al. 2015, S. IX). Dabei sind die Ansprüche an das Marketing, u. a. verursacht durch die zunehmende Komplexität, durch die Nachhaltigkeitsdiskussion, die In ternationalisierung und die Digitalisierung, stark angestiegen. Auch zur Erläuterung des Begriffs Bildungsmarketing sind zahlreiche Definitionen in der Literatur zu finden. Die im Hinblick auf diese spe zielle und auf das Wirtschaftsgut „Bildung“ gerichtete Ausprägung des Marketings relevanten und wesentlichen Aspekte fasst die nachfolgende Erklärung kurz und prägnant zusammen: „Als Bildungsmarketing wer den Methoden zur Vermarktung von Angeboten im Bildungswesen be zeichnet. Es hat zur Aufgabe, den Aufbau, die Aufrechterhaltung und die Verstärkung der Beziehungen zum Bildungsnachfrager, anderen Partnern und gesellschaftlichen Anspruchsgruppen zu gestalten. M it der Siche rung der Unternehmensziele sollen auch die Bedürfnisse der beteiligten Gruppen befriedigt werden“ (DIM Deutsches Institut für Marketing GmbH 2007, o. S.). 14 Neben dieser generellen Erklärung stellt sich die Frage nach der kon kreten Anwendung des Bildungsmarketings. Diese soll mit Hilfe eines Sechs-Faktoren-Modells beantwortet werden: Stufe 1 :100 % Kundenorientierung Häufig wird vermutet, dass es schon ausreicht, lange und intensiv genug zu werben, um Bedürfnisse in einem Kunden zu wecken und diesen zum Kauf zu bewegen. Aber diese Überlegung greift zu kurz. Nur wenn dem Vermarkter auch tatsächlich klar ist, welche Bedürfnisse für einen potenziellen Nachfrager relevant sind, können diese auch aktiviert wer den. Nicht vorhandene Bedürfnisse können mit Werbekampagnen auch nicht aktiviert werden. Egal mit welcher Werbung, ein überzeugter Vegetarier wird sich im Normalfall für ein saftiges Rindersteak nicht erwärmen können. Der Kunde wird sich einem Unternehmen zuliebe niemals verändern. Er wird sich immer, soweit irgendwie möglich, an seinen eigenen Vorstellungen orientieren. Andererseits führen eine 100 % Kundenorientierung und das Verständnis des Kundenverhaltens zu klaren Wettbewerbsvorteilen, insbesondere wenn man diesen Bedürf nissen innovativ und zielgerichtet entspricht. Ein interessantes Beispiel findet man beim Elektro-Pkw Pionier Tesla. Tesla setzt die vorhandene Umweltorientierung ihrer Kunden nicht nur durch einen umweltschonenden Antrieb um, vielmehr verwendet Tesla beim Bau ihrer Autos auch Materialien, die der „grünen Orientierung“ ihrer Kunden entsprechen. So verwendet Tesla kein Leder, sondern Kunstleder und bezeichnet seine Pkws als vegan (vgl. z. B. Imhof 2017, o. S.). Eigentlich wird damit ein minderwertiges Material verwendet, die Kunden von Tesla aber bewerten diese Vorgehensweise als positiv und zahlen vergleichsweise hohe Preise für eine vergleichsweise einfache Ausstattung. Tesla versteht seine Kunden und ist deshalb erfolgreich. Wie aber kann nun man dieses Kundenverhalten eindeutig erfassen, nachvollziehen und verstehen? 15 Stufe 2: Marktforschung Optimale Kundenorientierung ist aber nur dann möglich, wenn Bildungs träger auch genau wissen, wer ihre Kunden sind, wie sich diese verhalten und worauf Kunden W ert legen. In Anlehnung an verschiedene Autoren der Marktforschung (z. B. Olbrich et al. 2012, S. 9) kann Marktforschung definiert werden als permanenter Prozess, in dessen Rahmen alle relevanten Informationen über externe und interne Arbeitsumfelder und Arbeitsmärkte erhoben, ausgewertet und interpretiert werden. Dazu sind entsprechende Qualitätskriterien, Strukturen und Methoden erforderlich. Durch die Vermittlung weitrei chender Transparenz wird die Grundlage für die zielgerichtete Gestal tung des strategischen Marketings sowie die Planung, Gestaltung und Bewertung der daraus abgeleiteten operativen Marketingmaßnahmen geschaffen. Um erfolgreich Marktforschung gestalten zu können, müssen Qualitäts anforderungen Validität, Reliabilität, Aktualität und Wirtschaftlichkeit gegeben sein. Um zu aussagestarken Daten zu gelangen, kann auf so wohl auf die Sekundär- als auch auf die Primärforschung zurückgegrif fen werden (vgl. z. B. Olbrich et al. 2012). „Die Informationsgewinnung durch Sekundärforschung hat die Beschaf fung, Zusammenstellung und Auswertung bereits vorhandenen Daten materials zum Gegenstand“ (Meffert et al. 2015, S. 146). Die Nutzung von Sekundärquellen ist häufig relativ preisgünstig, die Daten könnten aber veraltet bzw. nicht eindeutig genug auf den Erhebungszweck zuge schnitten sein. Wenn nun die vorhandenen Sekundärdaten nicht ausrei chen, um hinreichende Erkenntnisfortschritte zu gewinnen, ist es erfor derlich, neue, originäre Daten (also Daten, die es so bisher noch nicht gegeben hat) zu erheben, dies wird mithilfe einer sogenannten Primär forschung möglich (vgl. Koch 2012, S. 47; Meffert et al. 2015, S. 147). Die großen Vorteile der Primärforschung liegen insbesondere im Bereich der Qualität. So sind die selbst erhobenen Daten bei einer Primärfor schung in der Regel sehr aktuell und genau auf den Forschungszweck zugeschnitten. Nachteilig anzumerken ist der hohe Kosten- und Zeitauf wand. Originäre Daten können z. B. mithilfe von Befragungen, Panels, Beobachtungen und Experimenten gewonnen werden (vgl. Meffert et al. 2015, S. 147 ff.). 16 Interessant ist in diesem Zusammenhang aber auch, dass die klassische Marktforschung an Grenzen stößt. Der Grund dafür ist, dass Konsu menten nur Auskünfte über Motive und Beweggründe geben können, die diesen auch bewusst sind und die diese auch klar nachvollziehen können. Zudem sind die Probleme der Antwortverweigerer und der Probanden, die bewusst falsche Auskünfte geben, zu berücksichtigen. Die Zukunft der Marktforschung gehört vermutlich den sogenannten „Datenkraken“. So gibt zum Beispiel das amerikanische Unternehmen Facebook an, einen jährlichen Umsatz von 55 Milliarden US Dollar mit personalisierter Werbung zu erzielen. Der Grund für diesen unglaubli chen Umsatz? Facebook geht davon aus, ihre Kunden über die zahlrei chen persönlichen Informationen auf Facebook, Instagram etc. besser zu kennen, als diese sich selbst kennen. Ein enormer Informations- und damit auch Wettbewerbsvorteil. Stufe 3: Denken in Zielgruppen Unterschiedliche Zielgruppen stellen ganz unterschiedliche Ansprüche und Anforderungen an Produkte und Dienstleistungen. Dies gilt auch und vielleicht sogar in besonderem Maße für Nachfrager nach dem Wirtschaftsgut „Bildung“. Zielgruppen können klassisch nach demo graphischen, geographischen, sozioökonomischen und psychographischen Kriterien differenziert werden. Interessant könnte es für Bildungs träger im Hinblick auf die korrekte Einschätzung der für sie relevanten Zielgruppen auch sein, die Besonderheiten der verschiedenen Generati onen zu berücksichtigen, da Bildungsträger im Lauf der Zeit mit immer wieder neuen Generationen konfrontiert werden (in Anlehnung an Chaney et al. 2017). Dabei kann aktuell nicht mehr davon ausgegangen werden, dass nur die aktuell junge Generation und damit aktuell die Generation Z studiert. Auch Menschen jenseits der 40 oder der 50 ent scheiden sich noch für ein Studium, was auch auf die deutlich verlän gerten Lebensarbeitszeiten zurückzuführen ist. Stufe 4: Strategisches Bildungsmarketing Erfolgreiches Bildungsmarketing ist ohne strategische Komponente nicht denkbar. Unter Strategie wird eine prinzipielle und langfristige Vorge hensweise zur Erreichung zentraler Ziele verstanden. Auf der Basis dieser Ziele eines Bildungsträgers sowie dessen vorhandener Ressourcen, Kom petenzen und Budgets können sinnvolle Marketingstrategien zur Bear beitung der relevanten Bildungsmärkte abgeleitet werden. Vereinfacht 17 könnte Strategie damit auch als Grundsatzentscheidung verstanden wer den. Im Fokus steht die Herausforderung, sich für „die richtigen Dinge“ zu entscheiden. Für das Bildungsmarketing stehen hierfür zahlreiche Marketingstrategien zur Verfügung, das Spektrum reicht dabei von einer Präferenz- bis hin zu einer Preis- bzw. Mengenstrategie. Stufe 5: Operatives Bildungsmarketing Bildungsmarketing gehört thematisch in den Bereich des Dienstleis tungsmarketings. Zur erfolgreichen Umsetzung des Marketings sind die sogenannten Marketing-Mix-Instrumente erforderlich. Da aber die Vermarktung von Dienstleistungen, die vielfach u. a. immateriell und unsichtbar sind, besonders komplex ist, reichen die klassischen 4Ps (product, price, place und promotion) anders als bei Konsum- und In vestitionsgütern nicht aus. Vielmehr sind die Mix-Instrumente p eop le (Welche Personen, z. B. Lehrkräfte, üben die Dienstleistung aus?) p h y sica l fa c i li t ie s (Welche Räumlichkeiten, z. B. Lehrsäle und Ausstat tungen, stehen zur Verfügung?) und process (z. B. sind die erzielbaren Abschlüsse akkreditiert?) zur erfolgreichen Vermarktung von Dienst leistungen von großer Relevanz. Stufe 6: Unique Selling Proposition (USP) Es ist für die in einer starken und vielfältigen Konkurrenz stehenden Bildungsträger aktuell unverzichtbar, sich einen USP (Unique Selling Proposition) und damit ein Alleinstellungsmerkmal zu erarbeiten, das in der Wahrnehmung ihrer Zielgruppen den Unterschied ausmacht und damit einen echten Wettbewerbsvorteil begründet (vgl. Meffert et al. 2015, S. 338). Dies kann für Bildungsträger z. B. durch den Aufbau einer starken Marke, durch berühmte Lehrkräfte oder durch beeindru ckende Gebäude möglich werden. Weltberühmten Universitäten wie der Harvard University gelingt es in sehr vielen Bereichen USPs zu rea lisieren und sich damit von konkurrierenden Universitäten abzusetzen. 18 w kJ 100% jndenorientierurLa r rMarktforschung Unique Selling Pro position ^ A H;chs-Faktoren-Mod des angewandten Jildungsmarketing eil ”s A Denken in Zielgruppen b : Operatives ildungsmarketir Strategisches ildungsmarketir Abb. 2: Sechs-Faktoren-Modell des angewandten Bildungsmarketings Quelle: Eigene Darstellung Das Projekt Das vorliegende Buch ist als Dokumentation eines gemeinsamen Pro jekts der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn und der Universität Stettin in Polen im Dezember 2018 zu verstehen. Die Idee, sich auf die Thematik Bildungsmarketing im Rahmen des Projekts zu beziehen, entstand, weil sich die Universität Stettin trotz exzellentem wissenschaftlichen Personal, enormem Engagement und einer sehr guten Ressourcenausstattung mit seit einiger Zeit zurückgehenden Studieren denzahlen konfrontiert sieht. Deshalb stellte sich für Studierende des Fachbereichs Dienstleistungsmanagement mit der Vertiefung Human Resources im Rahmen ihres Besuchs in Stettin und im Verlauf der nach folgenden Arbeit die Aufgabe, einerseits die Ursachen für diesen Rück gang zu analysieren und andererseits Konzepte zu erarbeiten, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Es war dabei von besonderem Interesse, eine polnisch-deutsche Zusam menarbeit zu ermöglichen. Die Geschichte der beiden Nachbarländer ist in der Vergangenheit durch viele tragische und traurige Ereignisse gekennzeichnet. Der Überfall Polens durch Nazi-Deutschland, die ver abscheuungswürdige Ermordung unzähliger Menschen jüdischen Glau bens und in der Konsequenz des Untergangs des sogenannten „Dritten 19 Reichs“ die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus ihrer Heimat kennzeichnen sicher besonders dunkle Kapitel der Geschichte. Doch die aktuelle Geschichte gibt spätestens seit dem Fall des Eisernen Vor hangs auch wieder sehr viel Anlass zur Hoffnung und zum Optimismus. Im vereinten Europa sind die Nachbarländer Polen und Deutschland eng zusammengerückt und arbeiten in vielen Bereichen eng zusammen. Trotzdem sind vielen deutschen Studierenden ferne Länder wie die USA, China oder Singapur besser bekannt als Polen — ein Land, das unmit telbar an Deutschland angrenzt — und Städte wie London, Paris oder Mailand besser bekannt als Stettin, obwohl Stettin nur wenige Kilome ter von der deutschen Grenze entfernt liegt. Aus diesem Grunde und aufgrund der engen vertrauensvollen Zusam menarbeit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und der Uni versität Stettin wird seit 2017 ein regelmäßiger Austausch mit Studie renden und Lehrpersonal durchgeführt. Dieser Austausch erweist sich für alle Beteiligten und auf allen Ebenen als ausgesprochen wertvoll und lehrreich. Eine Fortsetzung in der Zukunft ist vorgesehen. Projekte wie diese wären ohne Unterstützung nicht möglich. Aus die sem Grund gilt ein sehr herzlicher Dank den ebenso freundlichen wie hochkompetenten Partner der Universität Stettin, dem Rektor der Fakultät Dienstleistungsökonomie Herrn Prof. Engelhardt, Frau Prof. Porada-Rochon, der Vize-Dekanin und Frau Dr. Kordela, der Leiterin des International Office. Im Rahmen der Dualen Hochschule gilt ein sehr herzlicher Dank dem International Office der Dualen Hochschule vertreten durch Frau Dr. Theis und Frau Söhner, die beide in der Vorbereitung des Austauschs mit ihrer unermüdlichen Unterstützung und ihrer herausragenden Fach kenntnis von unschätzbaren Wert für den Erfolg des Projekts waren. Zudem haben sich die Studierenden der Vertiefung Human Resources durch großes Engagement und enormen Fleiß ausgezeichnet und sich in Stettin als sehr gute, freundliche und respektvolle Botschafter erwie sen. All dies wäre aber ohne die vielfältigen internationalen Kontakte und die große Unterstützung der Rektorin der Dualen Hochschule Heilbronn, Frau Prof. Dr. Nicole Graf, nicht möglich gewesen. An die ser Stelle nochmals ein sehr herzlicher Dank. Nicht zuletzt gilt mein besonderer Dank unserem akademischen Mitarbeiter Christian Spletter im Fachbereich BWL-Dienstleistungsmanagement, der dieses Buchpro jekt redaktionell begleitet hat. 20 In den nachfolgenden Kapiteln haben sich die Studierenden der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn mit Schwerpunkt Human Resources strukturiert Gedanken zu Ursachen und Lösungsansätzen gemacht, um einen kleinen partnerschaftlichen Beitrag zur positiven Weiterentwicklung der Universität Stettin leisten zu können. 21 Literatur BARZ , H. (2010). Bildungsmarketing. In: Barz, H. (Hrsg.): Handbuch Bildungsfinanzierung (S. 415-427). Wiesbaden: VS. CHANEY, D., TOUZANI, M. & SLIMANE, K. B. (2017). Marketing to the (new) generations: summary and perspectives. Journa l o f Strategie Marketing, 25 (3), 179-189. DIM De u t s c h e s In s t i t u t f ü r Ma r k e t i n g Gm b H (2007). Definition Bildungsmarketing. Online unter: https://www.marketinginstitut.biz/blog/definition-bildungsmarketing/ (zuletzt abgerufen am 15.03.2019). EBERHARDT, D. (2016). Generationen zusammen führen: Mit Millennials, Generation X und Babyboomern die Arbeitswelt gestalten. Freiburg: Haufe-Lexware. IM HO F , T. (2017). Jetzt werden sogar unsere Autos vegan. Online abrufbar unter: https://www.welt.de/motor/article161699621/Jetzt-werdensogar-unsere-Autos-vegan.html (zuletzt abgerufen am 15.03.2019). KO CH , J. (2012). Marktforschung: Grundlagen und praktische Anwendungen. München: Oldenbourg. KROEBER-RIEL, W. & GRÖPPEL-KLEIN, A. (2013). Konsumentenverhalten. München: Franz Vahlen. Me f f e r t , H., Bu r m a n n , C. & Ki r c h g e o r g , M. (2015). Marketing: Grundlagen marktorientierter Unternehmensführung: Konzepte - Instrumente - Praxisbeispiele. Wiesbaden: Springer Gabler. Ol b r i c h , R., Ba t t e n f e l d , D. & Bu h r , C.-C. (2012). Marktforschung: Ein einführendes Lehr- und Übungsbuch. Berlin, Heidelberg: Springer Gabler. PORTER, M. E. (1980). Competitive Strategy: Techniques for Analyzing Industries and Competitors. New York: Free Press (Republished with a new introduction, 1998). 22

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References

Zusammenfassung

Von Dezember 2018 bis März 2019 führten Studierende des Studienschwerpunkts Human Resources der DHBW Heilbronn in enger Zusammenarbeit mit der Universität Stettin ein gemeinsames Projekt durch. Auslöser für dieses Projekt waren teils deutlich zurückgehende Studierendenzahlen an der Universität Stettin, trotz der dort vorhandenen hervorragenden Rahmenbedingungen und des ausgezeichneten Lehrpersonals – ein Umstand, der an verschiedenen polnischen Universitäten aktuell zu verzeichnen ist.

Die Studierenden stellten sich nun die Frage, welche Ursachen für diese kritische Entwicklung verantwortlich sind und welche Maßnahmen geeignet sein könnten, um mit zielgerichtetem Bildungsmarketing zu einer positiven Entwicklung beitragen zu können. In diesem Buch werden die Ergebnisse und Erkenntnisse aus der studentischen Studie vorgestellt.