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Einleitung in:

Katharina Kaineder

Interkulturelles Zusammenleben afghanischer und österreichischer Familien, page 11 - 12

"Es war genial, aber es war ein Wahnsinn"

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4328-8, ISBN online: 978-3-8288-7272-1, https://doi.org/10.5771/9783828872721-11

Series: Anwendungsorientierte Religionswissenschaft, vol. 15

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Einleitung Im Jahr 2015 kamen tausende Menschen auf der Suche nach Schutz vor Verfolgung und Krieg über Ungarn oder Slowenien nach Österreich. Sie wurden von Helferinnen und Helfern des Roten Kreuzes und verschiede ner NGOs an der österreichischen Grenze mit dem Notwendigsten ver sorgt und zu einem großen Teil mit Zügen weiter nach Deutschland ge bracht. Rund 88.000 Flüchtlinge blieben allerdings in Österreich und stell ten im Jahr 2015 einen Asylantrag. Während dieser Zeit entstand eine Dy namik der zunehmenden Sorge und Angst gegenüber zuwandernden Menschen innerhalb der österreichischen Gesellschaft. Die Themen Mig ration, Flucht und Integration beherrschten weitgehend die Wahlkämpfe der folgenden Jahre und fanden immer wieder Eingang in politische Dis kussionen. Dabei wurde das Thema vielfach mit Emotionen besetzt, was eine nüchterne Debatte über die verschiedenen Aspekte der Integration und des interkulturellen Zusammenlebens erschwerte. Während der sogenannten Flüchtlingskrise gab es neben den zunehmen den Stimmen der Angst auch eine Welle der Solidarität mit den Flüchtlin gen. Viele Menschen engagierten sich freiwillig und bemühten sich, ge flüchtete Menschen zu unterstützen. Darunter waren einige Familien, die afghanische Asylwerberinnen und Asylwerber bei sich zuhause aufnah men, um ihnen eine Bleibe zu bieten, sie beim Kennenlernen der österrei chischen Kultur und der deutschen Sprache zu unterstützen und ihnen ein würdevolleres Leben zu ermöglichen. Mittlerweile scheint dieses ge sellschaftliche Engagement in Vergessenheit geraten zu sein. Doch dieses Zusammenleben der verschiedenen Kulturen in Familienhäusern ist nach wie vor Alltag mancher Menschen. In der vorliegenden Arbeit will ich diesen Menschen eine Stimme geben und ihre Situation, die Herausforde rungen und Chancen beschreiben und die unterschiedlichen Aspekte des interkulturellen Zusammenlebens beleuchten. Die Arbeit situiert sich dabei im Schnittpunkt von Religionswissenschaft und Pastoraltheologie. Durch die Perspektive der Religionswissenschaft beschreibe ich die Lebenswelten der Menschen, deren interkulturelles und interreligiöses Handeln von „außen" und versuche, wesentliche Er kenntnisse aus ihren Erfahrungen zu ziehen. Aus der Perspektive der Pas toraltheologie gehe ich der Frage nach, was Kirche am Beispiel dieser Menschen lernen kann, um „nach den Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Lichte des Evangeliums zu deuten". (GS 4) 11

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Zusammenfassung

Das Werk beleuchtet unterschiedliche Aspekte des Zusammenlebens von afghanischen und österreichischen Familien nach der Flüchtlingskrise 2015 und geht der Frage nach, wie sich dieses Zusammenleben gestaltet hat und mit welchen Fragen und Herausforderungen die Familien konfrontiert waren. Die Grundlage der Datengewinnung sind qualitative Interviews mit Eltern von österreichischen Familien, die afghanische Familien bei sich zuhause in einem Dorf in Oberösterreich aufgenommen haben.

Im theoretischen Teil wird zu Beginn auf die Asylpolitik in Österreich eingegangen. Anschließend folgen empirische Erkenntnisse sowohl über die aktuelle Asylpolitik und die Situation im Dorf, als auch über das Zusammenleben der afghanischen und österreichischen Familien unter den Gesichtspunkten Kommunikation, Arbeit und Bildung, Gender, Religion und Glaube. Ziel ist es, die Erfahrungen und Alltagssituationen der Menschen kennenzulernen und herauszufinden, wo relevante Fragestellungen, Herausforderungen und Lernchancen liegen.