7. Fazit: Podcasts als politisch-medialer Kommunikationsraum in:

Katharina Lührmann

Podcasts als Raum politisch-medialer Kommunikation, page 75 - 82

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4324-0, ISBN online: 978-3-8288-7271-4, https://doi.org/10.5771/9783828872714-75

Series: Literatur und Medien, vol. 9

Tectum, Baden-Baden
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75 7. Fazit: Podcasts als politisch-medialer Kommunikationsraum Ziel der vorliegenden Studie war es, Podcasts bzw. das Genre der Politik-Podcasts vorzustellen und als eine neue Form des politischen Gesprächs zu diskutieren. Dafür wurden im Wesentlichen die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Mediums skizziert, eine Übersicht über das politische Podcast-Angebot in Deutschland gegeben und die medienspezifischen Merkmale entlang des konkreten Beispiels der Lage der Nation herausgearbeitet. Den Ausführungen lag dabei die Annahme zugrunde, Podcasting nur mit Blick auf dessen internetbasierte Kommunikationsumgebung sinnvoll konzeptualisieren zu können. Die Ergebnisse der Analyse sollen abschließend mit Rückgriff auf die in der Einleitung angerissenen öffentlichkeitstheoretischen Erwägungen eingeordnet und diskutiert werden. In der polarisierten Debatte um die Folgen des Internets stehen sich ganz grundsätzlich die Hoffnung auf eine Demokratisierung der Gesellschaft einerseits und die Befürchtung eines Zerfalls der Öffentlichkeit andererseits gegenüber. Beiden Positionen liegt die Beobachtung eines Strukturwandels der Öffentlichkeit zugrunde, infolgedessen sie sich in mehrere Teilöffentlichkeiten ausdifferenziert – eine Einsicht, die vom euphorischen bzw. skeptischen Lager jeweils unterschiedlich aufgefasst und bewertet wird.209 Dieser Kontroverse liegen dabei grundlegend unterschiedliche Öffentlichkeitstheorien und -Modelle und damit auch verschiedene normative Funktionszuschreibungen zugrunde: Was soll Öffentlichkeit leisten und welchen Ansprüchen muss sie genügen?210 Der Debatte in ihrer Umfänglichkeit und Komplexität können die folgenden Ausführungen keinesfalls gerecht werden, nichtsdestotrotz lassen sich einzelne Argumente herausgreifen und vor dem Hintergrund der herausgearbeiteten Ergebnisse auf Podcasting, als Teil der internetbasierten Öffentlichkeit, rückbeziehen. Mit dem Internet haben sich die Bedingungen öffentlicher Kommunikation in vielerlei Hinsicht verändert, u.a. mit Blick auf die Informationsbeschaffung, der Artikulations- und der Partizipationsmöglichkeiten. Auf Seiten derjenigen, die im medialen Wandel vor allem das Demokratisierungspotenzial des Internets sehen, stellt sich die Herausbildung von Teilöffentlichkeiten in erster Hinsicht positiv gewandt als Pluralisierung dar. Die technischen Bedingungen des Internets ermöglichen einer wesentlich größeren Zahl heterogener AkteurInnen die mediale Teilhabe am und die Repräsentation ihrer Interessen im öffentlichen Diskurs. Vor der Digitalisierung waren es primär die publizistisch und massenmedial hergestellten Öffentlichkeiten, aus denen das Publikum seine Informationen bezog. Heute kann potenziell jede Person mit einem Internetzugang ihre eigenen Inhalte für 209 Vgl. u.a. Jarren/Imhof/Blum 2000. 210 Für eine Übersicht der unterschiedlichen Öffentlichkeitstheorien vgl. Imhof 2003. 76 andere Menschen zugänglich machen und damit an der Konstitution von Öffentlichkeit mitwirken. Die darin gesehenen Demokratisierungspotenziale knüpfen sich dabei vor allem an die Hoffnung, dass „auch bislang marginalisierte Personen und Gruppen Gegenöffentlichkeiten schaffen könnten, weil die bisher geltenden Hürden und Zutrittsbarrieren zur Öffentlichkeit entfielen und die Bedeutung von professionellen Redakteuren als Gatekeeper für Informationen entfielen“.211 Das heißt, die Ansprüche, die in diesem Zusammenhang primär an Öffentlichkeit erhoben werden, liegen in der Bereitstellung eines für alle Gesellschaftsmitglieder offen stehenden Zugangs zum öffentlichen Diskurs. „Vertreterinnen und Vertreter einer enthusiastischen Position verfolgen in unterschiedlichen Ausprägungen ein diskurstheoretisches Modell von Öffentlichkeit, das sich, wenn auch meist nicht explizit, an Habermas' Modell des Strukturwandels der Öffentlichkeit anlehnt.“212 Diesem Ideal einer Emanzipation von der Deutungshoheit der Massenmedien bzw. einer Unterwanderung hegemonialer Machtstrukturen durch eine Pluralisierung der Akteursgruppen steht die pessimistisch-kritische Sichtweise gegenüber, die in diesen Entwicklungen vor allem eine Fragmentierung und Zersplitterung der Öffentlichkeit ausmacht: „Weil immer mehr Sprecher auftreten und immer mehr Informationen verfügbar seien, würde die Basis für gemeinsames Wissen und geteilte Themen immer kleiner.“213 Der Fragmentierungs-These liegt die Annahme zugrunde, dass sich – gegeben eines immens gestiegenen und vielfältigen medialen Angebots und eines unveränderten Zeit- und Aufmerksamkeitsbudgets – das Publikum in viele Teilpublika ausdifferenziere und damit ein Rückgang gemeinsam geteilter Medienerfahrungen einhergehe.214 Die Öffentlichkeit bzw. die massenmedial hergestellte Öffentlichkeit wird hier also vor allem mit Blick auf deren Integrations- und Orientierungsfunktion diskutiert. Das heißt, die Kontroverse über die Herausbildung von Teilöffentlichkeiten dreht sich nicht nur um die Vervielfältigung der AkteurInnen, sondern gleichermaßen um die damit einhergehende Pluralisierung respektive Fragmentierung der öffentlichen Themen und Inhalte. Inmitten dieser beiden Pole haben sich eine Vielzahl von Positionen etabliert, die eine realistischere und ausgewogenere Perspektive einnehmen. Die utopische Vorstellung einer Demokratisierung durch die bloße Möglichkeit der öffentlichen Teilhabe aller BürgerInnen ist einem vielmehr nüchternen Blick gewichen: Die technischen Möglichkeiten allein führen gegeben diverser sozialer Faktoren per se zu keiner Demokratisierung. Tatsächlich erweist sich das Internet nicht als für alle Menschen gleich zugänglich und kann somit „auch soziale Ungleichheit durch 211 Schmidt, J. 2006, 128. 212 Donges 2003, 258. 213 Schmidt, J. 2006, 98. 214 Vgl. Rössler 2000, 169. 77 nicht egalitäre Zugangsbedingungen und Gebrauchsformen des Netzes reproduzieren“.215 Gerade die gegenwärtig geführten Debatten rund um die Schlagworte Hate Speech und Fake News im Netz verdeutlichen, dass nicht alle am Diskurs Beteiligten notwendig ein Interesse an einem deliberativen, also auf Verständigung und Wahrhaftigkeit basierten Kommunikationsprozess haben, sondern sich gerade auch rechtsextremistische und demokratie- und verfassungsfeindliche Gruppierungen breit machen. Podcasts haben nun ihren Teil am Strukturwandel, d.h. an der Herausbildung von Teilöffentlichkeiten beigetragen. Wie der historische Abschnitt der vorliegenden Studie gezeigt hat, wurde das Medium im Sinne eines Graswurzelmediums anfangs primär von Einzelpersonen bzw. Laien genutzt, die sich darüber die Möglichkeit verschafft haben, ihre eigenen, zum Großteil sehr spezifischen und persönlichen Themen, einem Publikum öffentlich zugänglich zu machen. In diesem Hinzukommen neuer AkteurInnen, der Besetzung von Nischenthemen und der Adressierung einer kleinen, spezialisierten Hörerschaft ist eine Erweiterung der Themenagenda klassischer Öffentlichkeitsarenen grundsätzlich gegeben. In welchem Ausmaß sich das genau darstellt, ist eine empirische Frage. Die im Forschungsstand vorgestellten Studien legen den Schluss nahe, dass es sich im Fall von Podcasting mit Blick auf die demographischen Charakteristika um eine tendenziell homogene Gruppe von AkteurInnen handelt. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass vorwiegend männliche, bildungsnahe und einkommensstarke Personen um die 30 Jahre Podcasts nutzen (auf ProduzentInnen- als auch RezipientInnen-Seite), die ihre Tätigkeit zum Teil als explizit politisch motiviert erachten. Vor dem Hintergrund des in Kapitel vier dargestellten politischen Angebots stellt sich auch hier der Eindruck ein, dass Politik-Podcasts im Bereich der unabhängigen, privaten Produktionen von einer recht homogenen Personengruppe produziert werden. Die überwiegend männlichen Produzenten und Moderatoren weisen entweder eine journalistische Berufsqualifikation auf oder haben ein politikwissenschaftliches Studium absolviert bzw. sind im politischen Betrieb in unterschiedlicher Form aktiv. Das heißt, Podcasts werden in diesem Bereich größtenteils von Personen in Anwendung gebracht, die per se schon über ein politisches Interesse, einen entsprechenden Sachverstand und eine nötige Medienkompetenz verfügen. In ihrer journalistischen oder politischen Funktion stand ihnen zudem im Vorfeld schon ein Zugang zur medialen Öffentlichkeit bereit. Podcasts stellen hier also keine komplett neue, sondern eine zusätzliche Möglichkeit der medialen Teilhabe dar. Oder anders gesagt, zeigt sich, dass die Hoffnung auf eine Pluralisierung in diesem konkreten Fall nicht eingelöst wurde, insofern eine politische Mobilisierung hier vorwiegend diejenigen Personen betrifft, die von Vornherein ein politisches Anliegen und gute Ausgangsvoraussetzungen 215 Drüeke 2013, 12. 78 hatten. Allerdings hat die vorliegende Untersuchung nur einen recht eng umgrenzten Teil des Angebots politischer Podcasts betrachtet, mit einer erweiterten Perspektive würde sich gegebenenfalls ein anderes Bild ergeben. Mit Blick auf Prozesse des Agenda-Settings hat sich im Bereich der Politik- Podcasts gezeigt, dass es weniger um die Thematisierung von im Mainstream vernachlässigter Inhalte geht, sondern die massenmediale Berichterstattung vielmehr als Ausgang und Grundlage fungiert. D.h. die meisten Politik-Podcast beziehen sich auf die von den Massenmedien gesetzten Themen und verstärken in dieser Hinsicht deren Agenda-Setting. Das lässt sich exemplarisch an den Shownotes der Lage der Nation-Episoden veranschaulichen, die zum überwiegenden Teil auf (Online-)Medieninhalte der etablierten Medien verlinken.216 Andererseits liegt der zentrale Anspruch von Podcasting in der persönlichen Beurteilung und Kommentierung der politischen Geschehnisse und der medialen Berichterstattung über diese. Sprich, das Agenda-Setting der publizistischen Medien wird nicht bloß übernommen, sondern auch durch persönliche Einschätzungen kritische hinterfragt und zur Diskussion gestellt. Also ist statt der Fragmentierung der gesellschaftlichen Öffentlichkeit vielmehr ihre Erweiterung am Übergangsbereich zur interpersonalen Kommunikation zu beobachten. Die wesentliche Bedeutung von Weblogs liegt weniger auf der Ebene des massenmedialen Agenda Settings, sondern in ihrer Erweiterung der Möglichkeiten für Interaktionen in sozialen Netzwerken unterschiedlicher Größe und Dichte.217 Diese Einschätzung Jan Schmidts, die er auf das Medium Weblog bezieht, lässt sich gleichfalls auf Podcasting übertragen. Weblogs respektive Podcasts übernehmen demnach „eine Mittlerfunktion zwischen massenmedialer und interpersonaler Kommunikation […], weil sie einerseits Informationen aus der massenmedialen Öffentlichkeit in die kleinteilig-lokalen sozialen Netzwerke einspeisen, andererseits dort die Artikulation und den Austausch von persönlichen Meinungen fördern“.218 Das heißt, die Befürchtung oder Kritik einer zunehmenden Zersplitterung der Öffentlichkeit durch Podcasts kann insofern entkräftet werden, als dass Politik-Podcasts zum einen überwiegend die publizistische Berichterstattung der etablierten Medien als Quelle und Diskussionsgrundlage integrieren. Zum anderen unterbreiten sie durch die individuell-subjektive Kommentierung und Artikulation der persönlichen Ansichten und Haltungen ein horizontales Gesprächsangebot, das RezipientInnen durch verschiedene Optionen der Anschlusskommunikation wahrnehmen können. Hieran offenbart sich auch wieder die zentrale Einsicht, Podcasts als Netzmedium zu verstehen. Die vielfältigen Möglichkeiten zur 216 Zu diesem Ergebnis kommt im Übrigen auch Schmidt, J. (2006, 138) in Bezug auf Weblogs. 217 Schmidt, J. 2006, 138. 218 Ebd., 139. 79 Vernetzung und Integration der öffentlichen Inhalte und GesprächsteilnehmerInnen (Shownotes, Podcast-Suchmaschinen, Community- und Diskussionsforen, usw.) sind nur durch die technologisch-organisatorischen Voraussetzungen des Internets gegeben. Der durch das Medium Podcast bereitgestellte Raum politisch-medialer Kommunikation ist jedoch nicht mit dem der Weblogs in Gänze gleichzusetzen. Auf der medientechnologischen und sozialsystemischen Ebene lassen sich zwar einige Parallelen ziehen, aber hinsichtlich des verwendeten Kommunikationsinstruments konstituieren Podcasts einen eigenständigen, spezifischen Kommunikationsraum. Es hat sich gezeigt, dass Podcasts zwar häufig in Weblogs eingebunden sind (wie z.B. im Fall der Lage der Nation), sodass die Möglichkeit der Anschlusskommunikation in Form von Kommentarspalten ebenso textbasiert organisiert ist wie bei Weblogs. Allerdings bedingt die über den akustischen Wahrnehmungskanal vermittelte Ausgangskommunikation der einzelnen Podcast-Episoden andere und spezifische Kommunikationsprozesse. Die Ergebnisse der Analyse lassen sich dahingehend zusammenfassen, dass die im auditiven Raum evozierte Intimität und Nähe – Intimität der technisch vermittelten Stimme, intime Rezeption im Schutzraum der Kopfhörer, das natürlich geführte Gespräch, das Einsichten in die Denkweisen der SprecherInnen eröffnet – tendenziell den Aufbau einer parasozialen Beziehung implizieren und damit den Eintritt in ein Gespräch fördern. Damit ließe sich die oft gemachte Beobachtung erklären, dass Diskussionen in podcastbasierten Kommunikationsräumen konstruktiver ablaufen als an anderen Orten des Internets. Ein weiterer Grund ließe sich auch in dem erforderlichen Medienwechsel ausmachen: Wer sich die Mühe der vergleichsweise aufwendigen Anschlusskommunikation macht, scheint auch ein ernsthaftes Interesse an einem sachdienlichen Beitrag zu haben. Ob politische Diskurse in den von Podcasts gestellten Plattformen tatsächlich besser funktionieren als z.B. in der Weblog-Kommunikation ist eine empirische Frage. Am Beispiel der Lage der Nation ließe sich die These zumindest bestätigen. Abschließend lässt sich die öffentlichkeitstheoretische Einordnung von Podcasting entlang der in der Literatur etablierten Unterscheidung zwischen drei Ebenen von Öffentlichkeit vornehmen: der Encounter-Ebene, der Themen- oder Versammlungsöffentlichkeit sowie der Medienöffentlichkeit.219 Auf der Encounter- Ebene findet Kommunikation zwischen wenigen Personen, die mehr oder minder zufällig und spontan an öffentlichen Orten wie Cafés, der Bahn-Haltestelle oder am Arbeitsplatz aufeinandertreffen, statt. Themen- oder Versammlungsöffentlichkeiten sind demgegenüber als „thematisch zentrierte Interaktions- oder Hand- 219 Vgl. Gerhards/Neidhardt 1990. Für eine Erörterung des Mehr-Ebenen-Modells vgl. u.a. Jarren/Donges 2016, 85 f. 80 lungssysteme zu verstehen, beispielsweise in Form von Veranstaltungen oder Demonstrationen“.220 Das heißt, die hierbei hergestellte Öffentlichkeit ist wesentlich organisierter, stabiler und durch eine weitestgehende Trennung der unterschiedlichen Funktions- und Kommunikationsrollen charakterisiert. Eine dauerhaft organisierte, durch klare Strukturen und Regelsysteme vorgegebene öffentliche Kommunikation findet schließlich auf der dritten Ebene der Medienöffentlichkeit statt, die von professionellen AkteurInnen hergestellt wird. Das Internet umfasst, wie u.a. Schmidt festhält, alle drei Ebenen: So sind mit den Online-Ablegern etablierter publizistischer Angebote auch massenmedial-journalistische Öffentlichkeiten im World Wide Web vertreten; Äquivalente zur Versammlungsöffentlichkeit lassen sich in thematisch fokussierten Foren oder Weblogs finden, und die Encounter-Öffentlichkeit können sich auf Profilwänden von Netzwerkplattformen oder in Chatrooms niederschlagen.221 Eine Verortung von Weblogs als auch Podcasts auf dieser zweiten Öffentlichkeitsebene findet sich zudem bei Christoph Bieber, der die beiden Kommunikationsformen aus einer politikorientieren Perspektive als Veranstaltungsöffentlichkeiten charakterisiert.222 Die dafür notwendigen Kriterien wie einer raum-zeitlichen Verortung, einer organisierten und zweckhaften Zusammenkunft mehrerer Personen und das Anbieten und Verhandeln themenzentrierter und gesellschaftlich relevanter Inhalte finden ihm zufolge in der Kommunikations- und Organisationsstrukturen von Podcasting eine Entsprechung. Das lässt sich am Beispiel der Lage der Nation wie folgt illustrieren: Hier werden in einem regelmäßigen Veröffentlichungsrhythmus (am Ende der Woche, meistens freitags) an öffentlich zugänglichen Orten (der Website als auch auf den diversen anderen Distributionskanälen) Inhalte von gesellschaftlichem Belang bereitgestellt, die eine große Anzahl von Personen erreichen. Mit der thematischen Festlegung auf die tagesaktuellen politischen Ereignisse und vor allem durch die Integration publizistischer Quellen der Massenmedien und deren Vernetzung mittels der Shownotes wird zudem das Interesse bekundet, sich in die öffentliche Debatte einzubringen. Gerade die Bereitstellung und Organisation von Interaktionsmöglichkeiten und die regelmäßige Einbindung von Feedback zeugt vom Anspruch, eine über die individuelle, interpersonelle Kommunikation hinausgehende diskursive Öffentlichkeit herzustellen. Die Beschreibung von Podcasts als Versammlungsöffentlichkeit trifft umso mehr zu, als dass das Medium neuerdings vermehrt vom virtuellen gleichermaßen in den analogen Raum getragen wird. Viele Podcasts, darunter auch die LdN mit 220 Jarren/Donges 2016, 85. 221 Schmidt, J. 2009, 96 f. 222 Vgl. Bieber 2006. 81 der Lage Live, zeichnen ihre Episoden vereinzelt an einem öffentlichen Veranstaltungsort live vor anwesendem Publikum auf. Damit weicht die für das Medium charakteristische Rezeptionssouveränität einem linearen, zeit- und ortsgebunden, dafür aber mit anderen geteilten Hörerlebnis. Diese Entwicklung kann als Ausgangspunkt und Gegenstand für eine andere Arbeit dienen.

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Zusammenfassung

Das Medium Podcast hat im Laufe der letzten Jahre einen erneuten Aufschwung erlebt und seinen Weg breitenwirksam in die mediale Öffentlichkeit gefunden. Die vorliegende Studie befasst sich mit dem in der Forschung bislang kaum behandelten Gegenstand der Politik-Podcasts und bewegt sich damit an der Schnittstelle von Medien- und Politikwissenschaft. Vor dem Hintergrund öffentlichkeitstheoretischer Ansätze werden Podcasts als Raum politisch-medialer Kommunikation verstanden und diskutiert. Wie werden politische Inhalte im Medium Podcast präsentiert und verhandelt und wie wird dadurch politische Öffentlichkeit hergestellt? Dabei wird die These vertreten, dass Podcasts als Netzmedium und nicht allein als auditives Angebot zu konzeptualisieren, sprich im Kontext einer internetbasierten Medienumgebung zu verorten sind. Im Zuge eines genetisch-historischen Zugriffs wird der strukturelle Wandel des Mediums von seinen Anfängen als Amateur- und Nischenmedium hin zu seinem gegenwärtigen Status als kommerzielles Massenmedium nachvollzogen. Die Studie gibt außerdem einen systematischen Überblick zum politischen Podcast-Angebot in Deutschland, aus dem der Podcast Lage der Nation – der Politik-Podcast aus Berlin für eine konkrete empirische Analyse herausgegriffen wird.