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Elisabeth Sporer

(Selbst-)Inszenierung von Autorinnen und Autoren im Internet am Beispiel von Autorenhomepages und Facebook-Fanseiten, page 223 - 230

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4344-8, ISBN online: 978-3-8288-7255-4, https://doi.org/10.5771/9783828872554-223

Series: Studien zu Literatur und Film der Gegenwart, vol. 14

Tectum, Baden-Baden
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Zusammenfassung Die vorliegende Arbeit behandelt die Inszenierung von Autorinnen und Autoren in einem Medium, das noch recht jung ist. Das World Wide Web bietet viele und mit den Jahren der Weiterentwicklung immer mehr Varianten, sich dort zu präsentieren und zu inszenieren. Eine Fülle neuer Möglichkeiten, wie etwa Soziale Netzwerke oder spezielle Software, vereinfachen die Veröffentlichung im Internet. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf die Analyse von Autorenhomepages, eine relative frühe Form der Inszenierung im Internet, und von Facebook-Fanseiten, die seit über zehn Jahren zur (Selbst-)Präsentation genutzt werden. Diese beiden Formen haben gegenüber neueren Internetplattformen den Vorteil, dass man sie durch ihre lange Beständigkeit über einen größeren Zeitraum hinweg untersuchen kann. Wissenschaftliche Institutionen, wie etwa das Innsbrucker Zeitungsarchiv oder das Deutsche Literaturarchiv Marbach, helfen mit den Sammlungen ihrer Online-Archive (z.B. Autorenhomepages, digitale Literaturmagazine, Netzliteratur) dabei, auch inzwischen aus dem Internet verschwundene Internetpublikationen zu erforschen. Man kann am Ende dieser Arbeit auf alle Fälle feststellen, dass Autorinnen und Autoren das Internet in verschiedenster Weise nutzen. Zum Teil als Veröffentlichungsort für literarische Texte, zum Teil als Bühne für Inszenierungen bzw. Selbstinszenierungen und zum Teil für Meinungsäußerungen. In der vorliegenden Dissertation ist versucht worden, eine Typologie der gängigsten Formen von Inszenierungen, einerseits bei Homepages und andererseits bei Facebook-Fanseiten, zu erstellen. Ein Vergleich zeigt, dass die Themen, die sich auf den beiden Inszenierungsplattformen herausarbeiten ließen, in weiten Bereichen übereinstimmen. Der größte Unterschied besteht darin, dass AutorInnen Facebook-Fanseiten teilweise ähnlich wie private Facebook-Pages nutzen, d.h., dass sie dort sehr persönliche Einblicke in ihre Gedankenwelt und ihr Privatleben geben. 11 223 Als Grundlage für eine Theorie der Inszenierung von Autorinnen und Autoren im Internet haben sich Überlegungen zur Postmoderne (oder reflexiven Moderne) als ergiebig erwiesen. Bei genauerer Betrachtung kann man sagen, dass die Entwicklung der aktuellen Form von Inszenierungen im Internet und vor allem in sozialen Netzwerken im Lebensstil der Postmoderne sowie in der zeittypischen Konstruktion der Identität von Subjekten wurzelt. Durch die veränderten Lebensumstände hat sich auch die Konstruktion der Identität gewandelt. Während die Moderne die Symptome des Zerfalls zwar erkannte, aber den Glauben an die „großen Erzählungen“ noch nicht aufgab, hat die Postmoderne die Aufteilung des Subjekts in ein multiples Ich weitgehend akzeptiert. Das Leben in der Postmoderne kann daher nicht mehr so stabil sein wie in den Jahrzehnten und Jahrhunderten davor. Der Verlust der ‚großen Erzählungen’, der mit Orientierungsverlust, Unklarheit und Risiken einhergeht, wird häufig als negatives Phänomen bzw. als Schicksal gesehen, dem man nicht entrinnen kann. Traditionelle Bindungen und Solidarität gibt es nicht mehr im gleichen Maß wie früher. Ein Gemeinschaftsgefühl, wie es bis in das 20. Jahrhundert üblich war, ist durch die postmodernen Lebensumstände kaum mehr möglich. Ohne feste Anhaltspunkte wird es immer schwerer, das eigene Leben zu ordnen und sich zu entscheiden, da die Wahlmöglichkeiten durch die heutige Pluralität von Lebensstilen stark gestiegen sind. Jeder bzw. jede Einzelne ist in zunehmendem Maß für sich selbst und sein Leben verantwortlich. Auch wenn die Probleme nicht zu leugnen sind, sollte man doch auch die andere Seite der Medaille betrachten: den Aspekt der Freiheit und die Möglichkeiten, die durch diese eröffnet werden. Die Zeit der und seit der Postmoderne (einen eingeführten Begriff für die Zeit danach gibt es noch nicht) weist eine starke Tendenz zur Demokratisierung auf, die ethische Fragen aufwirft, so dass es zwangsläufig zu Reibungspunkten kommt, die diskutiert werden müssen.526 Es gibt also nicht ein großes, allgemein gültiges Ziel bzw. ein großes Projekt, auf das unhinterfragt von allen hingearbeitet wird, sondern es gibt viele verschiedene Ziele und die Notwendigkeit, sich über deren Relevanz zu verständigen, wenn sie für eine Gruppe gelten sollen. 526 Vgl. Welsch 2002, S. 36 und Beck 1986, 161ff. 11 Zusammenfassung 224 Es ist nicht mehr klar bzw. klar vordefiniert, welche Rolle man in der Familie, in der Gesellschaft oder in seinem künstlerischen Gebiet einnimmt. Man kann also selbst mitbestimmen, wer man sein will. Daher kann man auch mehrere Rollen ausprobieren, Rollen wechseln oder bestimmte Rollen inszenieren. So kann beispielsweise ein Autor oder eine Autorin über mediale Kanäle und Auftritte in der Öffentlichkeit eine bestimmte Identität erzeugen und diese dort etablieren. Er kann sich als großer Literat, als schrulliger Eigenbrötler, als umgänglicher ‚Normalbürger’ oder – etwa durch Abwesenheit – als geheimnisvoll inszenieren. Das Internet, eine Begleiterscheinung der Globalisierung, hat die Welt in den letzten Jahrzehnten in allen Bereichen verändert. Die vorliegende Arbeit hat den Versuch unternommen, exemplarisch zu zeigen, dass und wie es auch die Selbstinszenierung bzw. die Möglichkeiten der Selbstinszenierung von Autorinnen und Autoren beeinflusst hat. So gibt es nun die Möglichkeit, Texte ohne Verlag und Druckkosten digital zu veröffentlichen und die eigene Person ins digitale Rampenlicht zu stellen. Heute muss sich ein Autor oder eine Autorin nicht mehr in HTML-Programmierung auskennen. Es gibt Anbieter, von denen die notwendige technische Infrastruktur zur Verfügung gestellt wird. Content Management Systeme (CMS) ermöglichen es, Texte mittels eines Web-Editors zu erstellen bzw. zu bearbeiten, von dem die HTML-Programmierung automatisch generiert wird. Aber auch Blog- Software oder Twitter bieten Schriftstellern und Schriftstellerinnen die Möglichkeit, Texte, Gedanken und Fotos problemlos auf der eigenen Homepage zu veröffentlichen. Der größte Vorteil des Internets für Autorinnen und Autoren liegt wohl in der Möglichkeit literarische Texte kostenlos einer größeren Anzahl von potentiellen LeserInnen zur Verfügung zu stellen. Diese neue Breitenwirksamkeit ist nicht vergleichbar mit Formen der Präsentation eigener Texte in der Zeit vor dem World Wide Web. Im digitalen Zeitalter muss man sich nur eine Plattform suchen, auf der man die Texte veröffentlichen kann und die möglichst gut von Literaturliebhabern auffindbar ist. So konnten einige AutorInnen in den letzten zehn bis zwanzig Jahren bemerkenswerte Karrieren aufbauen, ohne durch einen Verlag entdeckt worden zu sein. Es wird nicht von Verlagsprofis ausgesucht, was der großen Zahl der LeserInnen gefallen 11 Zusammenfassung 225 könnte, sondern die LeserInnen selbst entscheiden, was ihnen gefällt und was nicht. Die Texte von AutorInnen, die LeserInnen gefallen, werden über das Internet durch die Weitergabe der Links verbreitet und können so eine wachsende Fangemeinde generieren. Somit ist es möglich, ganz ohne Verlag oder Literaturagenten einen gewissen Bekanntheitsgrad zu erreichen. Das Internet bietet auch viele Möglichkeiten, sich selbst zu vermarkten. Vor allem Soziale Netzwerke können dabei helfen, die eigenen Texte zu verbreiten. Auch die Entwicklung und weitere Verbreitung von E-Books und in der Folge von E-Book-Readern hat bewirkt, dass AutorInnen selbstbestimmt Ihre Werke publizieren können. Dies alles führt dazu, dass man eine stattliche Menge an symbolischem Kapital ansammeln kann. Allerdings ist immer die Frage zu stellen, inwieweit man auf diese Weise in ausreichender Weise Geld verdienen kann. Das Internet bietet zwar viele Möglichkeiten, sich als AutorIn sichtbar zu machen, allerdings ist dies meist nicht unbedingt mit monetärem Erfolg verbunden. Auch wenn man E-Books selbst verlegt, was mit geringem finanziellem Aufwand möglich ist, verdient man meist nicht genug Geld, um davon zu leben. Hier kommen wir an den Punkt, an dem es dann doch immer noch wichtig ist, dass ein Verlag, am besten ein renommierter mit viel symbolischem und ökonomischem Kapital, einem Schriftsteller bzw. einer Schriftstellerin einen Vertrag anbietet. Dies bringt dann auch eine entsprechende Entlohnung für die AutorInnen mit sich und vor allem auch eine gewisse Infrastruktur, die von SchriftstellerInnen schwer aufzubauen ist. Verlage schalten Anzeigen in entsprechenden Magazinen, sie organisieren Lesereisen und vor allem haben sie eigene Marketingabteilungen, die sich um die Vermarktung kümmern, was die AutorInnen in hohem Ausmaß entlastet und zusätzlich den Vorteil bietet, dass sich die SchriftstellerInnen verstärkt auf das Schreiben konzentrieren können. Natürlich ist es nicht falsch, wenn man sich trotzdem noch im Internet zusätzlich den eigenen Fans präsentiert, vor allem, weil dies auch auf eine viel persönlichere Weise geschehen kann. Selbstinszenierung ist für Autorinnen und Autoren ein wichtiger Weg zur Generierung von Aufmerksamkeit. Als KünstlerIn ist es sehr wichtig, einem größeren Publikum aufzufallen, damit man auch bekannt werden kann. Dies ist schon von jeher ein prägnanter Teil des 11 Zusammenfassung 226 AutorInnendaseins. Schon in Vorinternetzeiten haben sich Autorinnen und Autoren durch Selbstinszenierung stärker wahrnehmbar gemacht. Gleich ob es gestellte Fotos sind, die plakativ darstellen, wie der Autor bzw. die Autorin gesehen werden will (z.B. Thomas Mann, Bertolt Brecht), oder ob sie ihren eigenen Körper durch eigenwillige Kleidung in den Mittelpunkt stellen, wie etwa Else Lasker-Schüler, die mit ihrer orientalischen Transgenderkleidung für Furore sorgte. Auch Skandale, die eigene Biographie oder eine Inszenierung über Briefe, Tagebücher oder Paratexte sind möglich. Auch die Absenz von AutorInnen kann als Inszenierungsstrategie gesehen werden, die den Autor bzw. die Autorin umso interessanter macht. Die verschiedenen Inszenierungsvarianten, die im Internet zu finden sind, können unter anderem mit Begriffen der Theaterwissenschaft untersucht werden. Hier sind zusätzlich zum Inszenierungsbegriff selbst, der aus diesem Bereich stammt, die Performance, die Korporalität und die Wahrnehmung zu nennen, die wichtige Anknüpfungspunkte für die Analyse von Selbstinszenierung im Internet bieten. Vor allem der Begriff der Wahrnehmung schwingt bei jeder Untersuchung von Selbstinszenierung mit, da es dabei vor allem darum geht, wie man von seinem Publikum, in unserem Fall der Leserinnen und Leser, wahrgenommen werden will. Auch die genauere Betrachtung der postmodernen Gesellschaft und Bourdieus Habitus-Theorie haben sich als brauchbare Analysewerkzeuge dafür erwiesen, die Inszenierung bzw. Selbstinszenierung von Autorinnen und Autoren genauer unter die Lupe zu nehmen. Sowohl die Analyse von Homepages als auch Facebook-Fanseiten wurde auf dieser Grundlage vorgenommen und hat auch inhaltlich sehr ähnliche Kategorien von Selbstinszenierung ermitteln können. Diese Kategorisierungen bzw. Typologisierungen zeigen, was bei der Selbstinszenierung von Autorinnen und Autoren im Mittelpunkt stehen kann, d.h. auf welche Weise sich der Autor oder die Autorin in Szene setzt. Naheliegend wäre hier, dass Autorinnen und Autoren sich über Ihre Texte im Internet definieren. Dies ist auch der Fall, allerdings eher bei unbekannteren Autorinnen und Autoren. Renommierte SchriftstellerInnen, die bei bekannten Verlagen unter Vertrag stehen, veröffentlichen hingegen in der Regel in geringerem Ausmaß Texte auf ihrer Homepage. Man kann sagen, dass diese Form der Inszenierung wohl eher dazu dient, den eigenen Bekannt- 11 Zusammenfassung 227 heitsgrad zu steigern. Ist dieser in einem zufriedenstellenden Maß vorhanden, werden Texte nicht mehr kostenlos zur Verfügung gestellt. Eine Ausnahme ist Elfriede Jelinek, die, nachdem sie den Literaturnobelpreis bekommen hat und dadurch finanziell noch unabhängiger wurde, einen ganzen Roman auf ihrer Homepage veröffentlichte. Diesen Roman wollte sie als Statement verstanden wissen, dass sie nun unabhängig von Verlagen veröffentlichen könne, was sie wolle. Die Veröffentlichung von Meinungen zu politischen, kulturellen und sozialen Themen ist ebenfalls eine typische Form der Inszenierung von AutorInnen. Sie zeigen sich als kritisch und am Weltgeschehen interessiert. Auch hier ist wieder die Homepage von Elfriede Jelinek ein Beispiel, das vielen Literaturinteressierten bekannt ist. Auf ihrer Homepage findet man nicht nur Literatur, sondern auch Texte mit Jelineks Meinung über Politik. Wenn die Form der Literatur, für die ein Autor oder eine Autorin steht, mit Performance verbunden ist, wie etwa bei Poetry-SlammerInnen, dann liegt darauf auch der Schwerpunkt der Inszenierung im Web. Oft werden Homepage und Facebook-Fanseite als reines Marketinginstrument verwendet, um Termine oder neue Veröffentlichungen bekannt bzw. bekannter zu machen. Es gibt aber auch Autorinnen und Autoren, die ihr Privatleben in den Mittelpunkt ihrer Inszenierungsstrategie rücken. Diese verwenden die Fanseite ähnlich wie ein privates Facebook-Profil. Sie posten, was sie gerade machen, sie posten ihr Essen, ihre Urlaubsfotos etc. Diese Kategorien, die sehr tiefe private Einblicke gibt, findet sich nur auf Facebook. Auf Autorenhomepages finden sich kaum derart private Informationen. Facebookseiten werden für vieles genutzt. Aber unabhängig davon, ob sie privat gehalten sind oder als offensichtliches Marketinginstrument Verwendung finden, sind sie immer eine Form der Inszenierung. Für viele Schriftstellerinnen und Schriftsteller steht dies vielleicht gar nicht so im Vordergrund. Die Facebook-Fanseite spiegelt ihre Interessen wider, sie wollen an ihr Publikum bestimmte Mitteilungen senden, die ihnen wichtig sind, oder sie haben ein Hobby oder ein Interesse, das sie auf Facebook zeigen wollen, wie etwa Peter Glaser, der seine Freude an Katzenfotos auf Facebook teilt. Allerdings wird durch die menschliche Seite, die auf diese Weise zeigt wird, Nähe und Authenti- 11 Zusammenfassung 228 zität inszeniert, die verkaufsfördernd sein kann und vielleicht auch sein soll. Facebook ist seit einigen Jahren aus der PR- und Marketing-Landschaft nicht mehr wegzudenken. Es hat den großen Vorteil für Autorinnen und Autoren, dass sie selbst bestimmen können, wie ihre Leserinnen und Leser sie sehen sollen. Weder Verlage, noch PressesprecherInnen oder AgentInnen sind hier zwischengeschaltet. AutorInnen können frei entscheiden, was veröffentlicht wird und wie er oder sie sich inszenieren will. Manche agieren professioneller, manche weniger professionell, manche sogar bewusst und scheinbar mit Absicht unprofessionell. Bei manchen stehen Marketingthemen im Vordergrund, bei manchen politische Aussagen. Alle nur denkbaren Spielarten sind möglich. Im Rahmen meiner Mitarbeit am FWF-Projekt Autorenhomepages am Innsbrucker Zeitungsarchiv (2011–2014) wurde ein Korpus an Autorenhomepages zusammengetragen, auf das ich meine Untersuchungen stützen konnte. Dies half mir, einen Überblick zu bekommen, wie Autorenhomepages aussehen können, welche Informationen sie beinhalten und welche SchriftstellerInnen überhaupt eigene Homepages betreiben. Im Zuge der Auswahl von Homepages für die vorliegende Arbeit konnte festgestellt werden, dass Autorinnen und Autoren das Internet sehr wohl nutzen, allerdings in unterschiedlichem Ausmaß und bei weitem nicht alle. Es hat sich herausgestellt, dass vor allem bekannte Autorinnen und Autoren das Internet in einem recht geringen Ausmaß als Plattform für ihre Selbstinszenierung nutzen. Dies mag wohl bei vielen arrivierten SchriftstellerInnen auf das höhere Alter zurückzuführen sein. Für diese ist das Internet etwas Neues, mit dem umzugehen sie erst lernen bzw. dafür Hilfe in Anspruch nehmen mussten. Allerdings gibt es auch genug jüngere AutorInnen, die sich kaum oder nicht selbst im Internet präsentieren, da dies der Verlag für sie übernimmt. Offenbar ist ihnen eine Präsenz im Internet kein Anliegen. Jede Website kann für sich analysiert werden, doch gibt es natürlich Überschneidungen und thematische Ähnlichkeiten, die in dieser Arbeit als Kategorien aufgeführt sind. Das Internet hat zwar eine breitenwirksame Form der Selbstinszenierung leichter gemacht, allerdings sind die Themen, die sich in den Kategorien finden, nicht neu. Der 11 Zusammenfassung 229 historische Überblick über die Selbstinszenierung von Autorinnen und Autoren zeigt, dass auch früher schon AutorInnen sich und ihr Privatleben, etwa auf Fotos, ins Zentrum gerückt haben. Ebenso wurde das eigene literarische Werk schon früh von SchriftstellerInnen inszeniert, ebenso wie die Biographie oder das bewusste Sich-aus-der-Öffentlichkeit-Zurücknehmen. Was man aber auf alle Fälle sagen kann ist, dass Inszenierung durch das Internet mehr Aufmerksamkeit bei einer grö- ßeren Menge von Menschen generiert. Die vorliegende Arbeit soll eine Grundlage bieten, auf der man die Erforschung der (Selbst-)Inszenierung von Autorinnen und Autoren im Internet weiterführen kann. Genauere Analysen von Autorenhomepages und Facebook-Fanseiten bieten sich in diesem Zusammenhang ebenso an wie die Anwendung der im Rahmen dieser Dissertation erstellten Typologie auf andere Internetplattformen wie etwa Instagram. Auch eine genauere Untersuchung der historischen Veränderungen der beiden analysierten Inszenierungsplattformen wäre wünschenswert und als Forschungsprojekt vermutlich sehr ergiebig. Da eine ständige Weiterentwicklung des Internets zu konstatieren ist, wird dieser Forschungsbereich wohl weiterhin wissenschaftlich von Interesse sein. Es würde sich auch ein Vergleich zwischen Offline- und Online- Inszenierung von Autorinnen und Autoren anbieten: Welche SchriftstellerInnen bevorzugen das Internet, welche eher eine Bühne mit Live- Publikum, welche inszenieren sich gerne in der Presse, welche durch Fotos? Auch eine Analyse der Verbindung von Biographie und Inszenierung in Online- und Offline-Medien wäre vielversprechend. Der historische Abriss über die Selbstinszenierung von AutorInnen zeigt, welch breites Spektrum in diesem Bereich vorliegt. Ein wesentliches Desiderat ist der Ausbau von wissenschaftlichen Sammlungen digitaler Inhalte. Wenn nicht rechtzeitig entsprechende Daten gesammelt und der Wissenschaft dauerhaft zur Verfügung gestellt werden, können später wichtige Formen der Inszenierung im Internet nicht mehr nachvollzogen werden. Dies wäre ein großer Verlust für die bereits erwähnten Archive, die einen wichtigen Teil der heutigen Literatur und auch der Literaturvermittlung aufgrund der Schnelllebigkeit des Internets nicht dokumentieren könnten, sowie für die wissenschaftliche Forschung. 11 Zusammenfassung 230

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Zusammenfassung

Das Internet bietet Autorinnen und Autoren viele Möglichkeiten, sich und ihr Werk kostengünstig in der Öffentlichkeit zu präsentieren und zu inszenieren. In den letzten Jahrzehnten haben sich soziale Netzwerke wie Facebook, MySpace oder Twitter sowie Weblogs im literarischen Feld zu wichtigen Instrumenten der Selbstpräsentation im Internet entwickelt. Autorenhomepages gehören schon länger zum Inszenierungsalltag von Schreibenden. Elisabeth Sporer gibt einen historischen Überblick über die medialen Möglichkeiten der (Selbst-)Inszenierung von Autorinnen und Autoren und beschreibt, analysiert und kategorisiert verschiedene Modelle der Präsentation im Internet. Im Zentrum stehen Autorenhomepages sowie Facebook-Fanseiten als Beispiele für die neueren Formen der (Selbst-)Inszenierung.