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Annabelle Jänchen

Die dritte Stimme, page 1 - 8

Migration in der jüngeren deutschsprachigen Literatur

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4314-1, ISBN online: 978-3-8288-7251-6, https://doi.org/10.5771/9783828872516-1

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Annabelle Jänchen Die dritte Stimme Migration in der jüngeren deutschsprachigen Literatur Annabelle Jänchen Die dritte Stimme Annabelle Jänchen Die dritte Stimme Migration in der jüngeren deutschsprachigen Literatur M it einem Vorwort von Prof. Dr. Georg Witte Tectum Verlag Annabelle Jänchen Die dritte Stimme. Migration in der jüngeren deutschsprachigen Literatur © Tectum - ein Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2019 E-Book: 978-3-8288-7251-6 (Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Werk unter der ISBN 978-3-8288-4314-1 im Tectum Verlag erschienen.) Alle Rechte vorbehalten Besuchen Sie uns im Internet www.tectum-verlag.de Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Vorwort Die Idee für die vorliegende Masterarbeit entstand im Rahmen des Se minars „Roots and Routes: Reisen im neuen Europa“ am Osteuropa Institut der Freien Universität Berlin (Wintersemester 2016/17). Das Seminar verknüpfte kulturtheoretische Diskussionen mit literarischen Textlektüren und eröffnete eine Spannbreite an Raumvorstellungen, die sich weg von essentialistischen, territorialen Identitäten hin zu offenen, transitorischen Raumvorstellungen im postsozialistischen Osteuropa entwickeln. In Anlehnung an Carmine Chiellinos Konzept einer interkulturel len Literatur behandelt die vorliegende Studie eine Literatur von Au tor/innen der „dritten Stimme“, die bei Ankunft im Gastland noch Kin der waren und mit Deutsch als zweiter Muttersprache groß wurden — im Unterschied zu Autor/innen der „ersten Stimme“, die auch nach der Immigration in ihrer Herkunftssprache schreiben, und solchen der „zweiten Stimme“, die als erwachsene Immigranten bewusst ins Deut sche als Schreibsprache wechseln. Vor allem Autor/innen mit russischer bzw. sowjetischer Herkunft stehen im Mittelpunkt der Studie. Die drei exemplarisch untersuchten Romane jüngerer Autor/innen aus der erst genannten Gruppe — Olga Grjasnowas „Der Russe ist einer, der Birken liebt“, Sasha Marianna Salzmanns „Außer sich“ und Dimitrij Kapitelmans „Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters“ — werden vor dem Hintergrund etablierter Themen der russisch-deutschen Migrationslite ratur untersucht. Dies wird anhand einiger Romane von Vertreter/in nen der „zweiten Stimme“ — Wladimir Kaminer, Vladimir Vertlib, Nellja Veremej und Olga Martynowa — abgehandelt. Die damit impli zierte Frage nach potentiellen Differenzmerkmalen der Literatur der jüngeren Autor/innen ist aber keineswegs auf die enge Dimension der innerliterarischen Entwicklung beschränkt. Sie wird vielmehr vor einem 5 prinzipielleren Problemhorizont transkultureller Forschungsaufgewor fen — eben das macht die konzeptuelle Stärke dieser Arbeit aus. Vor dem Beginn der vergleichenden Untersuchung wird nach der Legitimität des Begriffs der Migrationsliteratur überhaupt gefragt. Es sind ja nicht zuletzt Autor/innen der jüngeren Generation, die sich ve hement gegen den exotisierenden und marginalisierenden, die Werke der betreffenden Autor/innen in eine thematische Schublade stecken den Begriff der Migrationsliteratur wenden. Vor diesem Hintergrund ist die Frage nach den Unterschieden der jüngeren „Migrationsliteratur“ also nicht zuletzt die Frage nach der Verungültigung solcher Kategori sierungen durch die betreffende Literatur selbst. Annabelle Jänchen hat aufgrund einer konzeptuell klar profilierten und argumentativ prägnant elaborierten Fragestellung, eines signifikan ten Textkorpus, einer ausgezeichneten Kenntnis und zielsicheren Ein beziehung der Forschungsliteratur und einer konzisen analytischen Textlektüre eine beeindruckende und thematisch sehr relevante und ak tuelle Studie hervorgebracht, die für die aktuelle Diskussion um trans nationale und transkulturelle Literatur wichtige Stichworte liefert. Prof. Dr. Georg Witte, Berlin 6 Inhalt E inleitung...................................................................................................................................9 1. „Literatur, die anders ist, die nicht dazu gehört“ — Diskurse über den Begriff„M igrationsliteratur“ ...............................................13 1.1 Die Rezeption des Begriffs bei Autor/innen mit Migrationshintergrund. 13 1.2 „Migrationsliteratur“ als Forschungsgegenstand der Germanistik............... 18 1.3 Kritik an der „Migrationsliteratur“ und alternative Konzepte.......................22 2. W ege in den „goldenen W esten“: Die vierte Welle der E m igration 27 2.1 Stoffe der Migration.................................................................................................... 30 2.1.1 Konstruktionen von Heimat und Heimatlosigkeit.....................................30 2.1.2 Selbstinszenierung Zwischen jude, Sowjetmensch und............................... „Immigrant chic“...................................................................................................34 2.1.3 Transit-Orte und Stadt-Texte........................................................................... 40 2.2 Die Hybridisierung des Erzählens.......................................................................... 45 2.3 Zwischenfazit................................................................................................................50 3. Die Literatur der „dritten Stimme“ ......................................................................... 53 3.1 Olga Grjasnowa: Der Russe isteiner, der Birken Hebt............................................. 54 3.2 Sasha Marianna Salzmann: Außer sich.....................................................................63 3.3 Dimitrij Kapitelman: Das Dächeln meines unsichtbaren Vaters............................. 71 Schlussbetrachtung.............................................................................................................. 81 Abkürzungsverzeichnis...................................................................................................... 87 Literaturverzeichnis.............................................................................................................89 7

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Zusammenfassung

Längst gelten Werke von AutorInnen mit Migrationshintergrund nicht mehr als Nischenprodukt der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Im Gegenteil: Die Diskussion um die Existenz einer Literatur der Migration führt zu zahlreichen Kontroversen in der literarischen Öffentlichkeit.

Hier macht sich vor allem eine neue Generation von AutorInnen bemerkbar, die während der Migration noch Kinder waren. In ihren Texten erschaffen sie Figuren, die auf der Suche nach ihrer ethnischen, sprachlichen, religiösen, geschlechtlichen und nationalen Zugehörigkeit ihre individuellen Migrationserfahrungen nie ganz überwinden können. Und doch wehren sich die AutorInnen vehement gegen die exotisierende und marginalisierende Einordnung ihrer Werke als Migrationsliteratur. Vor dem Hintergrund etablierter Topoi russisch-deutscher Migrationsliteratur werden Texte von Olga Grjasnowa, Sasha Marianna Salzmann und Dimitrij Kapitelman hinsichtlich inhaltlicher und formaler Schwerpunkte mit dem Fokus auf Heimatkonstruktionen, Identitätskonzeptionen und Raummodelle analysiert.