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Boris Hogenmüller

Melchioris Cani Vindicationes

Einleitung, Text und Übersetzung

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4281-6, ISBN online: 978-3-8288-7248-6, https://doi.org/10.5771/9783828872486

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Theologie, vol. 10

Tectum, Baden-Baden
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Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag Reihe Theologie Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag Reihe Theologie Band 10 Boris Hogenmüller Melchioris Cani Vindicationes Einleitung, Text und Übersetzung Tectum Verlag Boris Hogenmüller Melchioris Cani Vindicationes. Einleitung, Text und Übersetzung Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag Reihe: Theologie; Bd. 10 © Tectum – ein Verlag in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2019 E-Book 978-3-8288-7248-6 ISSN 1861-6836 (Dieser Titel ist zugleich als gedrucktes Werk unter der ISBN 978-3-8288-4281-6 im Tectum Verlag erschienen.) Umschlagabbildung: Titelblatt der Padua-Ausgabe: Melchioris Cani Opera, in hac primum editione clarius divisa et praefatione instar prologi galeati illustrata a P. Hyacintho Serry, Padua 1714 Alle Rechte vorbehalten Besuchen Sie uns im Internet www.tectum-verlag.de Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. FÜR DANIELA Vorwort Die Vindicationes Melchioris Cani des Jacques-Hyacinthe Serry (1659–1738), erschienen 1714 in Padua, gelten in der Forschung als eindrucksvolles Zeugnis der kritischen Auseinandersetzung mit den De locis theologicis libri duodecim des hochangesehenen Dominikanertheologen Melchior Cano (1509–1560). Die vorliegende Ausgabe bietet in der langen Reihe von Drucken der Opera omnia Melchioris Cani neben einer Hinführung an die grundlegende Problematik der loci und ihrer Wahrnehmung in den 150 Jahren nach Erscheinen der Editio princeps erstmals eine zweisprachige (lateinisch-deutsche) Edition der Vindicationes. Erklärtes Ziel war es mir hierbei, allen an den Texten des großen Theologen der Schule von Salamanca Interessierten einen möglichst einfachen Zugang zu den Gedanken und Absichten des Autors zu ermöglichen. Mein Dank ergeht an all diejenigen, die mich im Laufe der Jahre bei der Abfassung des Manuskripts unterstützt haben. Zu besonders großem Dank bin ich einmal mehr Herrn Prof. Dr. Elmar Klinger verpflichtet, der als Leiter des an der Universität Würzburg durchgeführten und von der DFG geförderten Projekts „Melchior Cano – De locis theologicis. Textkritische Edition des lateinischen Textes und deutsche Übersetzung“ (2006 bis 2009) mein Interesse an der Problematik der loci geweckt hat. Für seine stets kritischen und hilfreichen Anmerkungen bin ich zu tiefst dankbar. Ebenso großer Dank ergeht an Herrn Dr. Thomas Franz, der nicht nur trotz vieler weiterer Verpflichtungen die mühevolle Aufgabe des Lektorats bereitwillig auf sich genommen, sondern mich insbesondere zur Veröffentlichung des Manuskripts ermutigt hat. Größte Dankbarkeit jedoch empfinde ich gegenüber meiner Familie und insbesondere meiner Frau Daniela, die mir stets Halt gegeben und mich unterstützt hat. Ihr sei dieses Buch daher gewidmet. VII Inhaltsverzeichnis Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 1. Der Autor der Vindicationes – François-Jacques-Hyacinthe Serry OP (1658–1738) . . . . . . . . 4 2. Der Beklagte – Melchior Cano OP (1506/09–1560). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 3. Der Gegenstand der Kritik – De locis theologicis, Salamanca 1563 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 4. Die Gliederung der Vindicationes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 5. Text und Übersetzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 Titelblatt der Ausgabe Padua 1714 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13 Melchioris Cani Vindicationes, Quibus nonnullorum in ejus libros de locis Theologicis accusationes refelluntur. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano. Mit ihnen werden die Anschuldigungen einiger Leute gegen seine Bücher de locis theologicis widerlegt. . . . . . . . . . . 15 Index Nominum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 147 Literaturverzeichnis. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 153 IX Einleitung Die 1563 in Salamanca postum1 erschienene Schrift De locis theologicis des Dominikanertheologen Melchior Cano (1506/09–1560) stellt aufgrund ihrer speziellen Thematik ein zentrales Werk der modernen systematischen Theologie dar.2 Das bis heute nicht enden wollende Interesse3 an Canos Schaffen zeigte sich bereits früh, wofür die zahlreichen Nachdrucke des 16. Jahrhunderts ein lebendiges Zeugnis abgeben. Allein in den Jahren zwischen 1563 und 1585 sind insgesamt sechs Editionen zu verzeichnen: Salamanca 1563, Löwen 1564, Venedig 1567, erneut Löwen 1569 und Köln 1574 wie auch 1585.4 Mit Beginn des 17. Jahrhunderts lassen sich darüber hinaus weitere 25 Ausgaben belegen, in denen neben De locis theologicis Canos bereits 1550 in Salamanca publizierten Relectiones5 enthalten sind6: Köln 1605, Paris 1662, Köln 1678, Lyon 1704, Padua 1714, 1720, 1727 und 1734, Venedig 1739, Passau 1740 und 1746, Wien 1754, Venedig 1759, Madrid 1760, Padua 1762, Ma- 1 Die Erstausgabe erfolgte nach Canos Tod im Jahr 1563 in Salamanca auf Veranlassung des Großinquisitors von Spanien, Fernando de Valdés y Salas, dem der Dominikaner das unvollendete Werk übereignet und dediziert hatte, vgl. Belda Plans (2006) LXXXV–LXXXIX; Hogenmüller (2017). 2 Vgl. Körner (31994) Sp. 924–925. 3 Ich möchte an dieser Stelle auf die chronologische Aufzählung der zahlreichen Studien, die in den vergangenen 200 Jahren erschienen sind, verzichten und auf das letzte Kapitel dieses Buches verweisen. Dort ist unter der Rubrik „Weiterführende Literatur“ eine annähernd vollständige Auflistung der wichtigsten Publikationen zu finden. 4 Caballero (1871) 373–377; Belda Plans (2006) LXXXVI. 5 Neben De locis theologicis liegen veröffentlicht folgende Schriften vor: Relectio de sacramentis in genere und Relectio de sacramento poenitentiae (Salamanca 1550); Tradado de la Victoria de sí mismo (Valladolid 1550); Canos Voten auf dem Konzil von Trient in den Konzilsakten (1551) (= CT VII/1,124–127. 261–264. 387–390); Canos Gutachten für den Kaiser: Parecer de Fr. Melchor Cano sobre la guerra con el Papa Paulo IV (1556); La censura de Melchor Cano y Domingo de Cuevas al Catacismo y otros escritos de Carranza (1559); vgl. dazu auch Lang (1925) 7; Belda Plans (1982) 27; Körner (1994) 71–75. 6 Caballero (1871) 373–377; Gutiérrez (1951) 829. 831; Belda Plans (2006) LXXXVI. 1 drid 1764 und 1770, Passau 1776, Madrid 1776, 1780, 1785, 1791 und 1792, Rom 1890 und 1900.7 Neben durchaus positiven Äußerungen hinsichtlich der Konzeption und Auswahl der loci wurden im Laufe des ausgehenden 16. und 17. Jahrhunderts die Stimmen der Kritiker immer lauter und zahlreicher – insbesondere von jesuitischer Seite, deren erklärter und unversöhnlicher Gegner der Spanier Zeit seines Lebens geblieben war8 –, die verschiedene Stellen innerhalb der loci monierten, anprangerten, kritisierten und bisweilen sogar als anstößig verurteilten. In dieser durchaus hitzig geführten Diskussion erschien 1714 in Padua eine neue Ausgabe der von Cano verfassten Schriften, die von dem französischen Dominikanertheologen François-Jacques-Hyazinth Serry (1658–1738) besorgt und ergänzt worden war. Darin wurde erstmals vor Canos eigenen Schriften ein umfangreicher, 14 Kapitel umfassender Prolog angeführt, dessen Zusammenstellung alle späteren Herausgeber Canos Ordensbruder Serry selbst zugeschrieben haben.9 Ziel dieses Vorworts war es, die verschiedenen theologisch-literarischen Vorwürfe und Kritikpunkte, die im Laufe der knapp 150 Jahre nach Erscheinen der Editio princeps an Canos Hauptwerk aufgekommen und geäußert worden waren, zu sammeln und im Einzelnen zu widerlegen. In die Geschichte eingegangen ist der Prolog unter dem Titel Melchioris Cani Vindicationes, Quibus nonnullorum in ejus libros de locis Theologicis accusationes refelluntur. Unter dem Begriff der Vindicatio ist im 16. Jahrhundert grundsätzlich eine „Rechtfertigung“ gegenüber bzw. „Widerlegung“ von negativer Kritik (querela, querimonia, censura) bzw. Anklagen (accusationes, criminationes) zu verstehen. Ihrem Anschein nach besitzt die Vindicatio gerichtliche Präsenz, hauptsächliche Verwendung jedoch findet sie im literarischen Kontext, wofür verschiedene ähnlich lautende Werke als Zeugen stehen (u. a. aus dem Jahr 1523 die Responsio ad convicia Martini Lutheri des Sir Thomas More, die den Untertitel Vindicatio Henrici Octavi trägt). Ähnliche Absicht verfolgten auch 7 Die letzte in Madrid 2006 erschienen und von Juan Belda Plans besorgte spanische Ausgabe der loci bietet neben einer spanischen Übersetzung auch den lateinischen Text, der auf der Homepage der „Bibliotheca De Autores Christianos“ (BAC) eingesehen werden kann (www.bac-editorial.com). Dieser jedoch orientiert sich entgegen der Behauptung nicht an der Editio princeps des Jahres 1563. 8 Vgl. Hogenmüller: Jesuiten (2013) 389–396. 9 Fermín Caballero gibt explizit zu verstehen [(1871) 375], dass Serrys Ausführungen in den Vindicationes erstmals in der 1720 in Padua erschienenen Ausgabe zu verzeichnen sind. Dem ist entgegenzuhalten, dass bereits in der früheren Ausgabe von 1714 die Vindicationes Teil der Edition waren [so auch Belda Plans (2006) LXXX- VI]. Caballeros Angabe ist somit falsch. Einleitung 2 die im Jahr 1601 erschienenen Schriften des Heidelberger Theologen David Pareus [Wängler] (Calvinus orthodoxus, sive vindicatio Calvini de Trinitate et Divinitate Christi) und des Johannes Piscator [Fischer] (Appendix ad Analysis Matthaei. Vindicatio a falsa expositione Roberti Bellarmini). Im Jahr 1649 ver- öffentlichte Kardinal Pietro Sforza Pallavicino gegen die Vorwürfe des Julius Clemens Scotti eine Verteidigung der Jesuiten, deren Titel Vindicationes Societatis Jesu, quibus multorum accusationes in eius institutum, leges, gymnasia, mores refelluntur lautet. Ebenso ist eine Schrift von Johann Amos Comenius aus dem Jahr 1659 bekannt, die Vindicatio famae et conscientiae überschrieben ist und eine Schutzschrift gegen an Comenius gerichtete Vorwürfe darstellt. In Serrys Konzeption sind die Vindicationes somit schriftliche Rechtfertigungen gegen Kritikpunkte, die im Vorfeld ebenso schriftlich vorgebracht worden sind. Der innere Aufbau der einzelnen Vindicationes als solcher folgt einer erkennbaren, von Serry konzipierten Systematik. Nach der grundlegenden Analyse des Sachverhalts und der Identifikation der kritisierten Textstellen in den loci werden, den Regeln der argumentatio folgend, neben theologischen Argumentem gerade auch zahlreiche historische Belegstellen als Zeugen einer positiven Sichtweise auf die kritisierte Passage angeführt. Entnommen sind diese den Werken angesehner Historiker, Theologen wie auch den Dekreten und Verlautbarungen verschiedener kirchlicher Institutionen, die entweder ähnliche Ansichten wie Cano vertraten, den spanischen Dominikaner in der jeweiligen Kontroverse bestätigten oder sogar verteidigten. Den Abschluss jeder Vindicatio bildet im Anschluss daran in Form einer conclusio die endgültige Widerlegung des ursprünglichen Kritikpunktes. Nicht selten sind darin auch Serrys eigene Gedanken zu finden, mit deren Hilfe er den gegenüber Cano ge- äußerten Vorwurf schließlich als widerlegt beurteilt. In der Wahrnehmung der modernen Forschung zur Kirchengeschichte erscheinen die Vindicationes als interessantes, doch zu selten beachtetes literarisches Produkt. Sie gelten gleichsam als Beleg wie auch lebendiges Zeugnis einer sich um die Diskussion der theologischen Orte erhebenden wissenschaftlichen Diskussion des ausgehenden 16. und insbesondere 17. Jahrhunderts, die insbesondere Melchior Canos stringente und durchaus abgrenzende Auffassung theologischer Fragestellungen widerspiegelt. Einleitung 3 1. Der Autor der Vindicationes – François-Jacques-Hyacinthe Serry OP (1658–1738) Geboren wurde François-Jacques-Hyacinthe Serry am 04. April 165810 im französischen Toulon als Sohn eines Marinearztes. Mit etwa 15 Jahren – wahrscheinlich im Jahr 1673 – trat Serry in den Dominikanerorden in Marseille ein, dem sein Onkel, Tommaso Serry, angehörte. Auf Weisung des Ordens begab sich Serry recht bald nach Paris, um dort seine zuvor begonnenen Studien in Philosophie und Theologie fortzusetzen und abzuschließen. In Paris wurde der junge Dominikaner Schüler von Noël Alexandre, der in der Theologie vor allem aufgrund seines kirchengeschichtlichen Werks von Bedeutung war. Der Eindruck, den der große Gelehrte auf den jungen Franzosen hinterlassen hatte, dürfte wohl der Auslöser dafür gewesen sein, dass Antoine Cloche, Ordensmeister der Dominikaner (1686 – 1720), Serry später für einen moderaten Anhänger der gallikanischen Bewegung erachtete. Mit 31 Jahren verließ Serry im Jahr 1690 Paris und begab sich nach Rom, wo er unter Kardinal Paluzzo Paluzzi Altieri degli Albertoni als Theologe und Konsultor der Indexkongregation fungierte. Im Jahr 1696 kehrte Serry nach Frankreich zurück und wurde im folgenden Jahr 1697 an der Sorbonne zum Doktor der Theologie promoviert. In dasselbe Jahr fällt auch die Berufung als Professor der Theologie an die Universität Padua, deren berühmten Lehrstuhl er bis zu seinem Tod am 12. März 1738 innehatte. Einen Ruf an die Casanata in Rom 1702 hatte Serry abgelehnt. Zu den unbestrittenen Hauptwerken gehört die in Löwen im Jahr 1700 zunächst vierbändig erschienene Historia congregationum de auxiliis divinae gratiae, die Serry unter dem Pseudonym Augustin Le Blanc verfasst hat. Die Veröffentlichung rief in der Folge vielfache Reaktionen insbesondere von jesuitischer Seite hervor, auf die Serry zunächst einzeln antwortete11. Die Nachhaltigkeit und Hartnäckigkeit12 der Kritiker jedoch führten letztendlich dazu, dass Serry sich veranlasst sah, im Jahr 1709 eine zweite, auf die endgültige An- 10 Das Geburtsdatum ist nicht gesichert. Ebenso möglich erscheint auch das Jahr 1659 vgl. dazu u. a. Tenge-Wolf (32000) Sp. 490; Hogenmüller (2012) 83–85 und (2017) 332–333. 11 Auf die bis 1702 von jesuitischer Seite anonym erschienenen Schriften Questions importantes und Errata de l’ Histoire des congrégations De auxiliis antwortete Serry mit den Opuscula L’ Histoire des congrégations De auxiliis justifiée 1702 und Le correcteur corrigé 1704. 12 Als bekannteste Schrift gegen Serrys Historia congregationum erschien im Jahr 1707 in Antwerpen die unter dem Pseudonym Theodorus Eleutherius verfassten Historiae controversiarum de divinae gratiae auxiliis des Jesuiten Livinus de Mayer. Einleitung 4 zahl von fünf Bänden erweiterte Ausgabe zu edieren. Der vollständige Titel lautete nun Historia congregationum de auxiliis divinae gratiae sub summis pontificibus Clemente VIII et Paulo V in quatuor libros distributa et sub ascititio nomine Augustini Le Blanc Lovanii primum publicata: nunc autem magna rerum accessione aucta; insertisque passim pro re nata, adversus nuperos oppugnatores, vindicationibusque, asserta, defensa, illustrata. Cui praeterea accedit liber quintus, superiorum librorum Apologeticus, adversus Theodori Eleutherii eodem de argumento Pseudo-Historiam, Auctore et defensore F. Jacobo Hyacintho Serry ord. Praed. doctore Sorbonico, et in Serenissiumae Reipublicae Venetae Academia Patavina theologo primario.13 Zuvor hatte er in Rom im Jahr 1692 begonnen, die Werke seines spanischen Ordensbruders Melchior Cano (1506/09 – 1563) herauszugeben. Insbesondere dessen Hauptschrift De locis theologicis hatte aufgrund ihrer offenen Polemik gegenüber der Societas Jesu harsche Kritik von jesuitischer Seite hervorgerufen. Diese Angriffe abzuwehren und zu entkräften, sah sich Serry nun seinerseits bei der Edition der Werke seines Vorgängers gezwungen. 13 Neben einem kleineren auf Latein erschienenen Traktat D. Augustinus summus praedestinationis et gratiae doctor a calumnia vindicatus, das sich gegen das von Jean de Launoy verfasste und 1702 postum erschienene Buch Véritable tradition del' Eglise sur la Prédestination et la grâce richtete, sind folgende Werke zu nennen, in denen Serry hauptsächlich jesuitische Ansichten angegriffen hat: Schola Thomistica Vindicata seu Gabrielis Danielis S.J. Tractatus theologicus adversus gratiam se ipsa efficiacem, censoriis animadversionibus confutatus, Köln 1706, Vrai sentiment des jésuites touchant le péché philosophique, Löwen 1711, Divus Augustinus divo Thomae conciliatus, Padua 1724, Monachatus D. Thomae Aquinatis apud Cassinenses antequam ad domenicanum praedicatorum ordinem se transferret historica dissertatio, Lyon 1724, und Ambrosii Catharini vindiciae de necesaria in perficiendis sacramentis intentione, Padua 1727. Daneben sind die Exercitationes Historicae, Criticae, Polemicae de Christo, eiusque Virgine Matre, Venedig 1719, indiziert am 11. März 1722, wie auch das enkomiastische Gedicht auf Noël Alexandre Carmen eucharisticum in laudem R. P. Natalis Alexandri magistri sui erschienen. Im Zuge der Diskussion der Bulle Unigenitus Dei filius (1713) verfasste der französische Theologe die beiden indizierten Schriften Theologia supplex coram Clementem XII Pontifice Maximo Clementinae Constitutionis „Unigenitus Dei Filius“ explicationem atque intelligentiam rogans, Köln 1726, die am 14. Januar 1737 auf den Index gesetzt wurde, und De Romano pontifice in ferendo de fide moribusque judicio falli et fallere nescio eodemque conciliis oecumenicis auctoritate potestate jurisdictione superiori: dissertatio duplex, Padua 1732, indiziert 1733. Erst nach seinem Tod im Jahr 1738 sind Praelectiones theologicae-dogmaticae-polemicae-scholasticae habitae in celeberrima Patavina Academia, Padua 1742, in fünf Bänden erschienen; diese enthalten eine große Anzahl von Disputationen zu verschiedenen theologischen Problemstellungen, über die Serry während seiner Zeit an der Universität zu Padua gelesen hatte. 1. Der Autor der Vindicationes – François-Jacques-Hyacinthe Serry OP (1658–1738) 5 Nach jahrelanger gründlicher Ausarbeitung erschien dementsprechend in der 1714 in Padua veröffentlichten Ausgabe der Opera omnia Melchioris Cani erstmals ein ausführlicher, 14 Kapitel umfassender Prolog, der auf die Hauptvorwürfe (accusationes) von Canos Gegnern antworten wollte. 2. Der Beklagte – Melchior Cano OP (1506/09–1560) Melchior bzw. Melchor Cano wurde am 6. Januar 150914 (oder 1506)15 in Tarancón in der Diözese Cuenca oder in Pastrana in der Provinz Guadalajara16 als Sohn des Juristen Fernando Cano und dessen Frau Maria Delgado del Valle17 geboren. Im August des Jahres 1524 trat er mit 15 Jahren in den Dominikanerorden ein und begann im Jahr 1527 das Studium der Theologie und Philosophie in Salamanca und Valladolid unter Diego de Astudillo und Francisco de Vitoria. Letzterem folgte er 1546 als Professor für Theologie in Salamanca nach. Cano lehrte zunächst ab 1533 im Konvent San Gregorio in Valladolid Philosophie, ab 1536 dort auch Theologie. 1542 wurde er zum Professor für Philosophie an die Universität Alcalá de Henares berufen. In den Studienjahren 1546/47 und 1547/48 las er über das Vierte Sentenzenbuch des Petrus Lombardus, woraus die beiden Relectiones (de sacramentis in genere, 1548; de sacramento poenitentiae, 1549) hervorgegangen sind. Auf Veranlassung Kaiser Karls V. wurde der Dominikaner am 30. Dezember 1550 als Konzilsberater nominiert18 und nahm am zweiten Teil des Konzils von Trient (1551/52) teil. In den Beratungen über die Eucharistie, die Buße und zur Frage des Opfercharakters der Heiligen Messe meldete er sich zu Wort, wie aus den Erwähnungen 14 Vgl. zur Diskussion des Geburtsortes Pérez Ramírez (1984) 95–128; zur Diskussion des Geburtsjahres Caballero (1871) 183–189; dazu Belda Plans (2006) XXXIII; ders. (2013) 2. 15 Juan Belda Plans gab sein Buch zu Canos 500. Geburtstag heraus, spricht jedoch von seinem Tod im Alter von knapp 52 Jahren [Belda Plans (2006) LXIV und (2013) 33]. 16 Vgl. Lang (1925) 2. Dem gegenüber tritt Juan Sanz y Sanz (1959) dafür ein, dass Cano in Pastrana, wo dessen Vater ab 1510 als Jurist tätig war, geboren ist. Dieses Datum scheint allerdings aufgrund einer Verwechslung falsch zu sein, vgl. Körner (1994) 71 Anm. 6. 17 Vgl. Caballero (1871) 43. 18 Die Gründe dafür liegen wohl in Canos Arbeiten über die Sakramente (1546/1547: Relectio de sacramentis in genere; 1547/1548: Relectio de sacramento poenitentiae), denen die nachfolgenden Sessionen des Konzils gelten sollten, vgl. Körner (1994) 72. Einleitung 6 in den Konzilsakten hervorgeht.19 Nach der Rückkehr vom Tridentinum wurde Cano von Papst Julius III. zum Bischof der Kanarischen Inseln ernannt (1553). Cano wies dieses Amt jedoch zurück, verzichtete in der Folge sowohl auf das Bistum als auch auf seine Professur in Salamanca (1553/54) und zog sich in den Konvent Piedrafita bei Avila zurück. 1554 wurde er Rektor des San Gregorio-Kollegs in Valladolid und 1557 Prior von St. Esteban in Salamanca. Seine ebenfalls in dieses Jahr fallende Wahl zum Ordensprovinzial wurde nicht durch den Papst bestätigt. Im Jahr zuvor (1556) war Cano nach Rom berufen worden – wohl auffgrund einiger Äußerungen, die das Missfallen Papst Paul IV. hervorgerufen hatten. Cano jedoch verzögerte die Abreise und besuchte Rom erst im Jahr 1560, nachdem Pius IV. Papst geworden war. Freigesprochen von allen Vorwürfen, erhielt Cano im gleichen Jahr nach seiner erneuten Wahl zum Ordensprovinzial die endgültige päpstliche Bestätigung. Unrühmlich ist Canos Auftreten am 21. Mai 1559 während der Vollstreckung des Urteils der Spanischen Inquisition (Autodafé) in Valladolid, in dessen Rahmen er die Predigt gehalten hat.20 Am 30. September21 1560 verstarb Melchior Cano überraschend im Alter von 51 Jahren im Kolleg Petrus Martyr in Toledo.22 Weder die genaue Ursache seines Todes noch sein Grab sind bekannt. 3. Der Gegenstand der Kritik – De locis theologicis, Salamanca 1563 Als Canos Hauptwerk gilt – in der modernen Forschung unangefochten – die zwölf Bücher umfassende Schrift De locis theologicis. Die Editio princeps erschien 1563 postum, herausgegeben von Matías Gastio, in Salamanca. In den heute bekannten zwölf Büchern – Cano selbst plante die Abfassung von 14 Büchern, sein plötzlicher Tod verhinderte jedoch die Vollendung – wurde erstmals in der Geschichte der Theologie der Versuch unternommen, aus dem reichen Fundus der Orte (loci) diejenigen auszuwählen, die der 19 Vgl. Körner (1994) 72: „In der 13. Session meldet er sich am 9. September 1551 zum Sakrament der Eucharistie zu Wort, in der 14. Session am 24. Oktober 1551 zum Bußsakrament und in der 15. Session am 9. Dezember 1551 zur Frage des Opfercharakters der Heiligen Messe […].“ 20 Vgl. dazu Townsend (1846) 453–458. 21 Nach einer Angabe in der 14. Vindicatio in der Ausgabe von H. Serry (Padua 1714) starb Cano am 6. November 1560. 22 Zum Todesort vgl. Caballero (1871) 43. Vgl. zu Canos Biographie die ausführliche Darstellung bei Lang (1925) 2–12; Körner (1994) 71–73; Belda Plans (2013) 2–33; Doskey (2018) 14–51. 3. Der Gegenstand der Kritik – De locis theologicis, Salamanca 1563 7 Theologie eigen sind, und ihrer inneren Stärke und Bedeutung im Hinblick auf die Disputation anzuordnen. Den Prinzipien Rudolph Agricolas folgend und gleichzeitig auf theologische Fragen anwendend, legte Cano zehn „Orte der Theologie“ fest, die ihrer Rangfolge nach geordnet, in den nachfolgenden Büchern behandelt werden. Aus der Definition der argumentativen Kraft (vis) des diskutierten Ortes soll schließlich bestimmt werden, aus welchem Ort argumenta certa bzw. lediglich argumenta probabilia entnommen werden können. Canos Auswahl nach gibt es sieben der Theologie eigene (proprii loci) und drei weitere, ‚fremde‘ (alieni loci) Orte, die, obwohl sie der Theologie nicht zu eigen sind, der Theologe ebenfalls einzusehen hat: die Philosophie, die Autorität der Naturphilosophen – damit sind die alten heidnischen Philosophen wie Plato und Aristoteles gemeint – und die Autorität der Profangeschichte. Obgleich es sich um ‚fremde‘ Orte (loci alieni) handelt, enthalten auch sie zuverlässige (argumenta certa) oder zumindest wahrscheinliche Argumente (argumenta probabilia), weshalb ihnen Autorität in der theologischen Diskussion zugesprochen werden muss. Folglich ist der Theologe dazu angehalten, beide Quellen (fontes) von Argumenten zu verwenden, um in jeder Diskussion in Sachen des Glaubens (res fidei) Erfolg zu haben. Um die Praktikabilität seiner Methode zu beweisen, gibt Cano im Anschluss an die ersten elf Bücher im XII. Buch (De locorum usu in Scholastica Disputatione) drei verschiedene konkrete Anwendungsbeispiele, von denen das letzte besonders hervorsteht. Darin nämlich wird der Frage nach der Unsterblichkeit der Seele (De immortalitate animae) nachgegangen, bei deren Beantwortung nach Canos eigener Aussage in der Diskussion beide Arten von Argumenten verwendet werden müssten, würden doch zur endgültigen Widerlegung des Gegners sowohl argumenta propria als auch argumenta aliena benötigt werden. Canos neues Theologieverständnis beeinflusste die sich etablierende systematische Theologie in den nachfolgenden Jahrhunderten maßgeblich und regte gerade im 17. und 18. Jahrhundert immer wieder namhafte Theologen – Gaspard Juénin, Girolamo Buzi, Johann Opstraet und Benedict Stattler – dazu an, weitere, sich in Anordnung und Gewichtung abgrenzende Traktate über die „Orte der Theologie“ zu verfassen. 4. Die Gliederung der Vindicationes Die Vindicationes untergliedern sich in insgesamt 14 Einzelkapitel. Das erste Kapitel behandelt im Gegensatz zu den anderen jedoch keine Anschuldigun- Einleitung 8 gen (accusationes), die gegen einzelne Passagen vorgebracht worden sind, sondern besteht aus insgesamt 17 positiven Stellungnahmen namhafter Theologen und Historiker über Cano und dessen Werk. Darunter finden sich neben Dominikanern – Domingo Báñez und Serafino Razzi – interessanterweise auch berühmte Theologen wie Kardinal Sforza Pallavicino und Antonio Possevino aus dem Jesuitenorden (Caput Primum. Egregia virorum illustrium de Melchiore Cano testimonia). Die weiteren, daran anschließenden 13 Kapitel hingegen thematisieren in extenso jeweils einen einzelnen, von Canos Gegnern angeführten Kritikpunkt, indem die monierte Passage in den loci zunächst identifiziert und deren richtiges Verständnis erklärt wird, so dass die Anschuldigung letztlich als nichtig beurteilt werden kann. Um an dieser Stelle einen Überblick über die accusationes der Einzelkapitel zu gewähren, seien die geäußerten Anschuldigungen kurz umrissen: Der erste zu widerlegende Kritikpunkt im zweiten Kapitel betrifft den Vorwurf, Cano habe sowohl Gregor den Großen und seine Aussagen in den Dialogi als auch Beda Venerabilis in der Angelorum historia angegriffen (Diluitur prima in Melchiorem Canum accusatio, de laeso Gregorio Magno in Dialogis, et Venerabili Beda in Anglorum Historia). Im dritten Kapitel widerlegt Serry den Vorwurf, Cano habe Gregor erneut in dessen 31. Brief kritisiert (Altera Criminatio refellitur, de eodem Gregorio laeso in Epistola 31). Kapitel IV setzt sich mit Canos vermeintlicher Kritik an Thomas von Aquin, den Doctor Angelicus, (Tertia de laeso Doctore Angelico accusatio depellitur) auseinander, woran sich in Kapitel V die Rechtfertigung gegenüber der Klage anschließt, Cano habe dem heiligen Hieronymus widersprochen (De oppugnato Divo Hieronymo querela refutatur). Die Anschuldigung, Cano sei bei der Verwendung der Akten der Sechsten Synode leichtfertig gewesen, wird in Kapitel VI entkräftet (De actis sextae Synodi oecumenicae oscitanter lectis, ac temere usurpatis querimoniae diluunter). Canos Äußerungen über den Spender des Ehesakraments, die zu einiger Kritik geführt haben, werden im Anschluss in Kapitel VII sehr ausführlich relativiert (Cani sententia de Sacramenti Matrimonii administro ab aemulorum censuris eximitur). Kapitel VIII wiederum rechtfertigt die Meinung des Spaniers hinsichtlich Christi Trauer während der Passion (Pia Melchioris Cani sententia De Christi Domini tristitia in passione, a reprehensorum morsibus vindicatur). 4. Die Gliederung der Vindicationes 9 Der Nachweis gerechten Verhaltens gegenüber dem Protomärtyrer Stephanus ist Thema des neunten Kapitels (Melchior Canus Divo Stephano Protomartyri nequaquam injurius ostenditur). Kapitel X setzt sich mit den Vorwürfen auseinander, Cano habe die Bezeichnung Societas Iesu kritisiert (Accusatio de vellicato nomine Societatis Jesu depellitur), und widerlegt sie. Im elften Kapitel konkretisiert Serry, welche Art von Unfehlbarkeit des päpstlichen Urteils Cano bei der Anerkennung religiöser Institutionen bestritten hat (Judicii Pontificii in Religiosis institutis approbandis indeficientia, qualis a Melchiore Cano negata sit, explicatur). Die aufgekommene Klage über Canos leichtfertige Herabsetzung des heiligen Augustinus hinsichtlich der Unsterblichkeit und des Ursprungs der Seelen wird in Kapitel XII zunächst dargestellt und anschließend zurückgewiesen (De S. Augustino temere depresso, circa immortalitatem, et originem animarum, querela repellitur). Im vorletzten Kapitel werden Canos vermeintlich ungerechte Äußerungen gegenüber den Päpsten Pius II. und Sixtus IV. näher betrachtet (De Commissis invicem Romanis Pontificibus Pio II. et Sixto IV.), während in Kapitel XIV seine vermeintliche Kritik an jenen Päpsten widerlegt wird, denen er Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit bei der Einschränkung von Heiligengeschichten vorgeworfen habe (De objecta Pontificibus negligentia, et oscitantia in castigandis Divorum historiis). 5. Text und Übersetzung Die Grundlage des lateinischen Textes und auch der vorliegenden Übersetzung ist die Ausgabe der Melchioris Cani Opera, Padua 1714, in der erstmals das einleitende Kapitel der Melchioris Cani Vindicationes, quibus nonnullorum in ejus libros de locis Theologicis accusationes refelluntur abgedruckt wurde. Das Druckbild, die Orthographie und Interpunktion der ursprünglichen Ausgabe wurden bewußt weitgehend beibehalten, Abkürzungen des lateinischen Textes sind in der deutschen Übersetzung zur Verbesserung der Lesbarkeit aufgelöst worden. Die Bezifferung der Stellenangaben wurde übernommen und bisweilen im deutschen Text korrigiert bzw. konkretisiert. Die Zeichensetzung der lateinischen Version entspricht dem ursprünglichen Text der Ausgabe Padua 1714. Sämtliche Zitate sind im lateinischen Text kursiv gedruckt. Im deutschen Text werden sie nach den einschlägigen Zitationsregeln kenntlich gemacht. Ebenfalls kursiv gedruckt sind die Titel der zitierten Werke im Übersetzungstext. Zur Vereinheitlichung wurden bewusst die lateinischen Einleitung 10 Titel beibehalten. Die latinisierten Personennamen des lateinischen Textes werden in der Übersetzung in der geläufigen deutschen Version widergegeben, biographisch-bibliographische Erläuterungen zu den genannten Personen sind im Index Nominum zu finden. 5. Text und Übersetzung 11 Titelblatt der Ausgabe Padua 1714 13 Melchioris Cani Vindicationes, Quibus nonnullorum in ejus libros de locis Theologicis accusationes refelluntur. Caput Primum. Egregia virorum illustrium de Melchiore Cano testimonia. Nicolaus Antonius Hispalensis J. C. In bibliotheca Hispanica. F. Melchior Canus, vulgo Cano, Praedicatorum Sodalis, oppidum quoddam Toletanae Diaecesis Taracon appellatum patriam sortitus mihi videtur fuisse. Ibi enim edita est Anna ejus soror, Melchioris alterius Cani, qui in eadem Dominicana familia excellentem vivus, moriensque pietatis famam sustinuit, mater; quod Monopolitanus Episcopus, Historiae hujus ordinis parte 4. lib. 3. cap. 31. diserte affirmat. Parentis ipse meminit initio lib. 11. de locis Theologicis, Viennae Austriae tunc extincti, cum absolvisset is superiorem huic librum; cujus quidem causa, non solum se hunc laborem suscepisse, sed et ei nuncupaturum, si viveret, fuisse ait. Nomen autem cur reticuit ejus, quem dignum hoc munere, et apud mortales, qualis ille fuit, reliquum esse nullum, vir doctissimus, et prudentissimus non temere, ac impotenter dixisse credendus est? Dominicanis se aggregavit Salamanticae ad S. Stephani amplissimam hujus ordinis domum. Profecit in Theologicis maxime, sub summo aetatis suae, et professionis viro Francisco Victoria ibi docente; qui Cani ingenio, ut ipse ajebat, egregie delectabatur; et tamen vereri se adjungebat, ne hujus insolentia elatus, et exultans (verba audis ex principio lib. 12. de locis) immoderate jactaretur, et grandior effectus, non laete modo, et libere ingrederetur, sed temere etiam ac licenter praeceptoris vestigia conculcaret. Melchioris Cani Vindicationes 14 Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano. Mit ihnen werden die Anschuldigungen einiger Leute gegen seine Bücher de locis theologicis widerlegt. Erstes Kapitel Herausragende Zeugnisse bedeutender Männer über Melchior Cano Nikolás Antonio von Sevilla J.C. In der Bibliotheca Hispana [Nova] Die Heimatstadt des Dominikanerbruders Melchior Canus, gemeinhin als Cano bekannt, scheint mir eine Stadt der Diözese Toledo mit Namen Tarancón zu sein. Denn dort wurde seine Schwester Anna geboren, die Mutter eines zweiten Melchior Cano war, der ebenso im Orden der Dominikaner schon zu Lebzeiten wegen seiner Frömmigkeit einen ausgezeichneten Ruf genossen hat. Das bestätigt Juan López Caparosso, der Bischof von Monopoli, im vierten Teil, dritten Buch, Kapitel 31, der Geschichte dieses Ordens ganz deutlich. Cano selbst erinnert an seinen Vater am Anfang des elften Buches von De locis theologicis, der damals in Wien, Österreich, gestorben war, nachdem Cano das zehnte Buch für ihn vollendet hatte. Er sagt freilich, dass er diese Mühe nicht nur um seinetwillen auf sich genommen hat, sondern auch, um sie ihm zu berichten, wenn er denn noch lebte. Warum aber hat er seinen Namen verschwiegen, zumal man doch von einem sehr gelehrten und klugen Mann annehmen darf, dass er nicht leichtfertig und zügellos gesagt habe, er sei der Aufgabe würdig gewesen und ein Mensch, wie es keinen Zweiten gäbe? Den Dominikanern hat er sich in Salamanca, im Kloster San Esteban, angeschlossen. Größte Fortschritte in der Theologie hat er durch das dortige Studium unter dem angesehensten Mann seiner Zeit und Profession, Francisco de Vitoria, gemacht, der sich, wie er selbst oft sagte, an Canos Talent erfreute. Und doch sagte er immer wieder, er fürchte aber, Cano würde sich aus Stolz und Übermut (diese Äußerungen findet man am Anfang des zwölften Buches De locis theologicis) aufgrund seiner Vorzüglichkeit maßlos brüsten und würde hoch erhobenen Hauptes nicht nur freudig und rücksichtslos angreifen, sondern auch grundlos und willkürlich die Spuren meines Lehrers verwischen. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 15 Quod Victoriae judicium, ne in se comprobaret, sedulam dedisse operam, sibi ipse arrogat; quanquam illos probare non soleat, qui velut sacramento rogati, vel etiam superstitione constricti, ut Fabius ait, nefas ducunt a suscepta semel persuasione discedere. Theologo quippe nihil est necesse (utor semper elegantissimis, et prudentissimis ejus verbis, eodem loco) in cujusquam jurare leges: Majus enim est opus, atque praestantius, ad quod ipse tendit, quam ut Magistri debeat vestigiis semper insistere, si quidem est futurus Theologiae laude perfectus. Id vero ingenium tantae expectationis, non totum is scholae dedit, atque ejus conflictationibus, quod fere alii apud nos solent; nescientes quam non lauta sibi ea, qua maxime gloriantur, exinde cum pedem moverint, apparitura sit supplex. Imo cogitationes suas in id se aliquando contulisse, initio libri 10. affirmat, ut se quavis via, et ratione ab iis liberaret. Interim animadverso verum Theologum praestare illum vix posse, qui sine literarum saecularium, et historiae cognitione, linguarumque orientalium peritia, jejune dijudicandis scholae quastionibus, horas omnes impenderint; non solum ab his disciplinis egregia sibi comparavit adjumenta, et ornamenta, sed et insignem eloquentiae cultum, veluti elegantissimam vestem pulchro corpori adjunxit. Quo magis instructus ad scholam rediit, cum academia Viros illos summos amisisset, qui huic Doctrinae operam dabant; prudenter existimans honestissimum se in eo exhibiturum officium Christianae rei publicae, si animum in schola suum, ut ipse loquitur libro 10. vel repugnantem contineret. Victoria nempe ad M.D.XLVI. diem suum obeunte, Canus noster docendi locum e cathedra principe suscepisse dicitur, qui forte jam vespere militabat. Bartholomaeus Caranza, et Miranda, qui postea fuit Toletanus Antistes, florebat eo jam tempore in Provincia Castellae, non minus opinione literarum, quam dignitate; quo cum nostro male conveniebat, adeo ut factio sua quemque, ab ejus cognomina appellata, in negotiis domesticis sectaretur. Unde nata est fama Mirandae calamitatis, de qua in ejus mentione locuti sumus, aliqua extisisse Canum ex parte authorem. Impatiens enim quisque eorum fuisse loci secundi in literarum laude, aut in sodalium existimatione videri potest. Melchioris Cani Vindicationes 16 Cano selbst sagt, er habe sich stets große Mühe darum gegeben, Vitorias Urteil über ihn nicht zu rechtfertigen. Obwohl er stets jene zurückwies, die wie durch einen Eid verpflichtet oder auch durch einen Schwur gebunden, wie Fabius [Quintilianus] sagt [inst. 12,2,26], es für Unrecht halten, von der einmal gefassten Überzeugung abzurücken. Ich verwende seine sehr erlesenen und klugen Worte, die er an derselben Stelle formuliert hat: „Für den Theologen gibt es keine Notwendigkeit, auf irgendjemandes Gesetze zu schwören. Denn das Werk, das er selbst verfolgt, ist größer und vorzüglicher, als dass er immer in die Fußstapfen seines Lehrers treten müsse, zumal wenn er wirklich im Ruhm der Theologie vollkommen sein wird.“ Doch hat er seinen Verstand, der Großes erwarten ließ, nicht völlig der Schule und ihren Konflikten gewidmet, was in unseren Reihen fast alle machen; denn sie wissen nicht, wie unwürdig sie, deren sie sich am meisten rühmen, erscheinen wird, wenn sie sich in diese Richtung bewegt haben. Ja, er behauptet am Anfang des zehnten Buches, dass er manchmal seine Gedanken darauf gerichtet hat, sich, wenn auch methodisch, davon zu befreien. Inzwischen merke ich, dass der wahre Theologe kaum jener sein kann, der ohne Kenntnis der säkularen Wissenschaften und Geschichte, ohne Erfahrung in den orientalischen Sprachen trocken bei der Beurteilung von Fragen der Schule seine gesamte Zeit verwendet. Nicht nur aus diesen Disziplinen hat er sich herausragende Hilfsmittel und Rüstung verschafft, sondern auch eine ausgezeichnete Sprachkultur wie eine äußerst ausgefallene Kleidung einem schönen Körper angelegt. Umso mehr unterwiesen kehrte er zur Schule zurück, nachdem die Universität jene beiden höchst angesehenen Männer verloren hatte, die sich dieser Lehre widmeten, im festen Glauben, dass er dadurch dem christlichen Gemeinwesen den ehrenvollsten Dienst erweisen werde, wenn er seinen Geist in der Schule, wie er selbst im zehnten Buch sagt, wohl widerstrebend zügelte. Als Vitoria im Jahr 1546 gestorben war, soll unser Cano erstmals für den ersten Lehrstuhl die Lehrbefähigung erhalten haben, ein Amt, das er bereits am Abend bekleidet haben soll. Bartolomé de Carranza aus Miranda, der spätere Bischof von Toledo, war zu dieser Zeit in der Provinz Kastilien nicht weniger durch seinen wissenschaftlichen Ruhm als durch seine Stellung angesehen. Dadurch stand er mit unserem Cano in schlechtem Einvernehmen, so dass seine Parteiung, die nach ihm benannt war, jeden in den internen Angelegenheiten verfolgte. Das Gerücht entstand, dass Cano zu einem gewissen Teil für den Untergang Mirandas, wovon ich bei seiner Erwähnung gesprochen habe, verantwortlich war. Denn jeder von ihnen mag den Anschein erwecken, es nicht zu ertragen, den zweiten Rang in der wissenschaftlichen Anerkennung oder in der Wertschätzung der Mitbrüder einzunehmen. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 17 Academico isto conspicuus munere, Italiam ad Concilium venit sub Paulo III. Tridentinam ad urbem convocatum; ibique tam perspicaciae mentis, atque judicii maturitatis, quam profundae sapientiae, et singularis facundiae laudem eximiam communi omnium collegarum sententia reportavit. Cujus rei satis idoneum testimonium praestare poterit Sforza Pallavicinus S. R. E. Cardinalis Doctissimus, ante paucos annos vivis ereptus, dum in Concilii hujus historia, vulgaris linguae Italicae, vix usquam, quin simul commendet, Cani recordatur. In Hispaniam reversus, Salmanticae adhuc docuit, succedentique vice Caroli Philippo filio gratus valde extitit: Cui nempe Regi author fuisse dicitur, non tamen sine totius Collegii Salmanticensium Theologiae, ac Juris Doctorum suffragatione, consilii de justitia belli adversus quemcumque suprema etiam in terris dignitate sublimen, pro defensione propriae ditionis excusabiliter inferendi. Quod quidem ingratissimum fuisse dicitur Paulo Quarto, summo Pontifici, vixque ab eo obtineri potuisse, etiam pacatis rebus, ut ad nutum Regis Episcopus ille Canariarum insularum in locum Francisci de la Cerda ejusdem Ordinis Dominicani, Caprae comitis filii, crearetur. Cum tamen huic honori, ne ab Hispania discederet, renunciasset; non diu post electus ante annum Provinciae suae Castellae praefectus. Saeculi superioris sexagesimo vitam cum morte Toleti commutavit, immortali praeparata sibi fama, in opere illo vix justi voluminis, quod vere tot laudatores, et admiratores, quot lectores habet, locorum scilicet Theologicorum lib. 12. in quibus non modo vera refellendi universos Christianae religionis hostes, confirmandique sacra dogmata, ratio, ac usus exacte ostenditur; verum etiam omnia fere, quae hodie in controversia habentur, luculentissime examinantur. Id non nisi post authoris mortem, primum Salmanticae publici juris factum fuit, apud Matthiam Gastium 1563. in fol. editionem promovente D. Ferdinando de Valdes Hispalensi Archiepiscopo, et Generali Hispaniarum Inquisitore, cui Canus edendum legato reliquerat, nec tamen perfectum. Destinaverat enim is decimum tertium, ac decimum quartum libros pro Colophone operis adjungere, ad quos non semel, aut bis (nempe in fine capitis 3. lib. 10. cap. 2. lib. 8. cap. 4. lib. 12. et cap. 1. lib. 11. eorum, quibus hodie fruimur) lectorem remittit. Melchioris Cani Vindicationes 18 Aufgrund seiner akademischen Leistung kam er nach Italien und nahm am Tridentinischen Konzil teil, das von Papst Paul III. einberufen war. Dort hat er nach allgemeiner Ansicht seiner Amtskollegen außerordentliches Lob für seine Geistesschärfe und sein reifes Urteil wie auch für sein profundes Wissen und seine einzigartige Redegewandtheit erhalten. Ein ausreichend angemessenes Zeugnis dafür wird Kardinal Sforza Pallavicino, ein sehr gelehrter Kardinal, der vor wenigen Jahren verstorben ist, ablegen können, indem er in der Geschichte jenes Konzils, das er auf Italienisch verfasst hat, kaum dass er einmal jemanden empfiehlt, an Cano erinnert. Nach Spanien zurückgekehrt, hat er in Salamanca weiter gelehrt und war Philipp, dem Sohn und Nachfolger Karls V., sehr ergeben: Sicher sagt man, er sei für den Ratschlag an den König verantwortlich gewesen, über das Recht, Krieg gegen jemanden, der auch auf Erden von höchstem Ansehen steht, zur Verteidigung der eigenen Macht verzeihlich zu erklären, jedoch nicht ohne Empfehlung des gesamten Kollegs der Theologie von Salamanca und der Rechtsgelehrten. Man sagt freilich, dass es Papst Paul IV. gegenüber sehr undankbar war und kaum von ihm durchgesetzt wurde, dass er nach Beruhigung der Situation unter Zustimmung des Königs als Bischof der Kanarischen Inseln an Stelle von Francisco de la Cerda, ebenfalls Dominikaner, Sohn des Grafen von Capri, gewählt wurde. Nachdem er jedoch diese Ehrenstellung abgelehnt hatte, um Spanien nicht verlassen zu müssen, ist er nicht lange nach seiner Wahl vor einem Jahr Provinzial von Kastilien geworden. Im Jahr vor seinem 60. Geburtstag starb er in Toledo, nachdem er sich unsterblichen Ruhm verschafft hatte durch jenes kaum vollständige Werk, das wahrlich so viel Lob und Bewunderung erhält, wie es Leser hat, und zwar die zwölf Bücher De locis theologicis, in denen nicht nur die wahre Methode, alle Feinde der christlichen Religion zu widerlegen und die heiligen Dogmen zu bestärken, und deren Praxis genau dargestellt, sondern auch fast alles, was heute zum Streitfall wird, glänzend beurteilt wird. Das Werk ist nach dem Tod seines Verfassers erstmals in Salamanca von Matías Gastio 1563 in einer Buchausgabe publiziert worden, wobei er es Don Fernando de Valdés, Erzbischof von Sevilla und Generalinquisitor von Spanien, vorgelegt hat; diesem hatte es Cano als Beauftragtem zur Veröffentlichung überlassen, obwohl es nicht vollendet war. Denn er hatte veranschlagt, ein 13. und 14. Buch als Schlussteil des Werkes anzufügen, worauf er nicht nur ein- oder zweimal (am Ende des dritten Kapitels von Buch X, im zweiten Kapitel von Buch VIII, im vierten Kapitel von Buch XII und im ersten Kapitel von Buch XI, aus den Büchern, die wir heute haben) den Leser hingewiesen hatte. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 19 Venetiis dein prodiit opus ex officina Bartholomaei Rubini 1567. in octavo, Lovanii 1569. Coloniae 1574. iterumque 1585. apud Bitkman in octavo, tertioque 1603. cum Relectione de paenitentia, etc. iterumque 1585. apud Bitkman in octavo, tertioque 1603. cum Relectione de paenitentia, etc. Praeter locos Theologicos, reliquit etiam Relectionem de Paenitentia, habitam in Academia Salmanticensi anno 1548. super decimam quartam distinctionem lib. 4. sententiarum. Compluti apud Petrum Rombles, 1563. in fol. Item Relectionem alteram de Sacramentis in genere: Quae una cum superiore Mediolani edita est 1580. in octavo. Judicium quoque id, cujus meminimus, de secta Jesuitarum tribuit ei is, qui sub nomine Alphonsi de Vargas latere voluit, in Relatione ad Reges, et Principes Christianos cap. 7. atque item Adversus statutum Ecclesiae Toletanae, quo infecti sanguinis homines a beneficiis hujus Ecclesiae arcentur, aliquid scripsisse, idque in lucem emissum fuisse alicubi legimus. Melchioris Cani Vindicationes 20 Ein zweites Mal wird das Werk in Venedig von Bartolomeo Robini 1567 verlegt im Oktavformat, in Löwen 1569, Köln 1574 und 1585. Bei Birkman im Oktav- und Terzformat 1603 zusammen mit der Relectio de de paenitentia etc. Außer den Loci theologici hat er auch eine Relectio de paenitentia hinterlassen, die im Jahr 1548 an der Universität von Salamanca gehalten wurde, und ein Buch Super decimam quartam distinctionem IV. sententiarum. Als Buch von Pedro Robles 1563 veröffentlicht. Ebenso die zweite Relectio de sacramentis in genere; diese ist zusammen mit der vorherigen 1580 in Mailand erschienen im Oktavformat. Auch ein Urteil De secta Iesuitarum, das ich erwähnt habe, hat ihm jener, der hinter dem Namen Alfonso de Vargas verborgen bleiben wollte, in seiner Relatio ad reges et principes christianos, Kapitel 7, zugeschrieben. Und ebenso liest man, er habe in Adversus statutum ecclesiae Toletanae, quo infecti sanguinis homines a beneficiis hujus Ecclesiae arcentur, etwas geschrieben, und das sei irgendwo ans Licht gekommen. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 21 Cardinalis Sfortia Pallavicinus In vindicationibus Societatis Jesu, capite 28. Placet hoc loco recitare, quid existimaverit hac de re non acutulus quidam Sophista, qui non tam Theologiam, quam Theologiae fumum, et umbram, per captationes et scitamenta sectaretur; Sed Theologus evoluti saeculi pereruditus, doctrina pariter, atque ingenio praestans, fama magnus, re maior. Loquor Melchiorem Canum, qui aureo plane volumine hanc ipsam de locis Theologicis tractationem, ante omnes et supra omnes est executus. Idemque primus fuit, reor, qui docuerit, et, quod minus est, latinam linguam in lyceo divina effari, et quod maximum, Catholicos novatoribus bellum, et cladem inferre. Perinfensum nostrae familiae hominem laudo; sed laus judicii munus debet esse, non voluntatis, et merito, non amori reprehenditur. Antonius Possevinus Societatis Jesu, in apparatu sacro. Quod ad libros locorum communium spectat, negandum non est, quin e faecundo, erudito, et facundo ingenio prodierint: eo commemorandi magis, quod ipse nostra aetate primus ea brevitate, copia, dispositione, ac perspicuitate, de iis perutiliter egerit. Franciscus Garsia E Societate Jesu, in Prolegomenis Evangelici concionatoris, de Ecclesiae Canariensis praesulibus. Verissime possum affirmare, unum Melchiorem Canum, suspicienda Monachalis Togae authoritate, acumine ingenii in disserendo, constantia, atque felicitate, argumentorum multiplici nexu vinctorum robore, in ipsa Doctorum instituti Dominicani Academia, potuisse integrae classis vicem praestare. Melchioris Cani Vindicationes 22 Kardinal Sforza Pallavicino In den Vindicationes Societas Iesu, Kapitel 28. Ich möchte an dieser Stelle wiedergeben, was ein nicht gerade spitzfindiger Sophist darüber gedacht hat, der nicht so sehr die Theologie als den Dunst der Theologie und deren Schatten mit Hilfe von Wortklaubereien und seltenen Ausdrücke verfolgt hat. Doch der Theologe war ein sehr gebildeter Mann jenes vergangenen Jahrhunderts, hervorragend sowohl an Lehre als auch an Talent, bedeutend aufgrund seines Ruhmes, bedeutender als die Sache selbst. Ich spreche von Melchior Cano, der in diesem freilich goldenen Buch vor allen anderen und über alle andere hinaus der Behandlung von Orten der Theologie selbst nachgegangen ist. Derselbe war der Erste, so glaube ich, der gelehrt hat, dass man, was zwar weniger bedeutend ist, an der Universität Göttliches lateinisch ausspricht und, was am bedeutendsten ist, die Katholischen die Aufrührer bekriegen und besiegen. Ich lobe diesen Mann, der meinem Orden sehr feindlich gesonnen war. Doch das Lob soll ein Geschenk für sein Urteil, nicht für seinen Eifer sein; zu Recht tadelt man ihn und nicht aus Gesinnung. Antonio Possevino Im Apparatus Sacer, Jesuit Was die Bücher der Loci communes betrifft, darf man nicht leugnen, dass sie einem beredten, wortgewandten und gebildeten Geist entsprungen sind. Umso mehr ist daran zu erinnern, dass er selbst in unserer Zeit als Erster in aller Kürze, mit aller Fülle, durch Einteilung und in aller Deutlichkeit über sie mit sehr großem Nutzen verhandelt hat. Francisco Garcia Jesuit, in den Prolegomena Evangelici Concionatoris, über die Bischöfe der Kirche der Kanarischen Inseln Völlig zu Recht kann ich behaupten, dass Melchior Cano als einziger in zu bewundernder Autorität des Mönchsgewandes, durch seinen Scharfsinn in der Auseinandersetzung, in seiner Beständigkeit und durch glücklichen Umstand, durch die Kraft der in vielfachen Gespinst verstrickten Argumente in der Akademie der Gelehrten des Dominikanerordens selbst die Stelle unbescholtener Klasse vertreten konnte. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 23 Seraphynus Razzius Praelectione secunda de locis Theologicis. Melchior Cano natione Hispanus, professione Dominicanus, dignitate Canariensis Episcopus, Fratris Francisci de Victoria viri Doctissimi quondam discipulus, Dominici Bannez Mondragonensis olim praeceptor, et denique primariae Cathedrae in Academia Salmanticensi aliquando magni nominis Praefectus: quem ego hominem de facie novi Florentiae, in Aedibus Divae Mariae novellae transeuntem hospitem. Obiit anno Domini 1560. Benedictus Perrerius Soc. Jesu lib. 12. Comment. in Danielem, cap. 7. Ex omnibus Theologis, qui Concilio Tridentino interfuerunt, Melchior Canus maximae, clarissimaeque famae fuit. Nemo ab illius aetate mysteria sacrarum Scripturarum melius explicuit. Aubertus Miraeus De Scriptoribus Ecclesiasticis Melchior Canus fuit vir politus, et elegans, atque in historia Sacra versatissimus. Antonius Senensis In Bibliotheca Fratrum Praedicatorum. Frater Melchior Canus natione Hispanus, qui fuit aliquando Canariensis Ecclesiae Praesul, et postquam Episcopatui cessit, factus fuit Provincialis Hispaniae, vir eloquentissimus, Graecae etiam linguae non ignarus, in Aristotelis, et D. Thomae doctrina plenissime instructus, in Sacris vero litteris, et in Patribus adeo versatus, ut toto vitae suae tempore, in nulla re alia occupatus fuisse videatur. Melchioris Cani Vindicationes 24 Serafino Razzi In der Praelectio Secunda De Locis Theologicis Melchior Cano, Spanier und Dominikaner, Bischof der Kanarischen Inseln, einst Schüler des Bruders Francisco de Vitoria, eines sehr gelehrten Mannes, Lehrer des Dominigo Báñez aus Mondragon und schließlich ehemaliger Vorsitzender des Lehrstuhls an der Universität von Salamanca. Diesen Mann hatte ich als Gast auf der Durchreise jüngst von Angesicht in Florenz in der Basilika Santa Maria Novella. Gestorben im Jahr des Herrn 1560. Benedict Pereira Jesuit, im zwölften Buch des Kommentars zu Daniel 7 Von allen Theologen, die am Konzil von Trient teilgenommen hatten, besaß Melchior Cano den größten und herrlichsten Ruf. Kein Vertreter seiner Zeit hat die Geheimnisse der Heiligen Schriften besser erklärt. Aubert Miré In De Scriptoribus Ecclesiasticis Melchior Cano war ein gebildeter und gewählt sprechender Mann und mit der heiligen Geschichte sehr vertraut. Antonio von Siena In der Bibliotheca Ordinis Fratrum Praedicatorum Bruder Melchior Cano, Spanier, ehemaliger Bischof der Kanarischen Kirche, der nach Zurückweisung dieses Amtes Provinzial von Spanien wurde, ein sehr beredsamer Mann, der auch das Griechische und Lateinische beherrschte, in der Lehre des Aristoteles und des heiligen Thomas vollkommen unterwiesen, doch mit den Heiligen Schriften und der Patristik so vertraut, dass er Zeit seines Lebens mit nichts Anderem beschäftigt schien. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 25 In historicis quoque evolvendis magnifice tritus, et undequaque doctus. Unde et in Concilio Tridentino etiam viris eminentibus admirationi fuit, et ab omnibus in multo pretio habitus. Scripsit librum illum eruditissimum, qui hodie omnium passim manibus teritur, ac merito, cui titulus est de locis Theologicis, in quo tam insigniter, et exacte, et tanta eloquentia firmat, quae sunt Theologo potissima loca, ad suas firmandas Conclusiones, et veluti bases, quibus nixa tota debet structura Theologica consurgere, ut nihil possit esse exactius, et absolutius. Edidit quoque relectionem quandam de Sacramentis in genere, aliam quoque de Sacramento Poenitentiae, dum publice Theologiam profiteretur in celebri Universitate Salmanticensi. Claruit anno Dom. 1540. Dominicus Bannez Prima parte, Quaest. prima, Artic. 8. Inter Theologos recentiores diligentissime, ac cum mirabili eruditione Praeceptor meus Cano, in locis Theologicis pertractandis supereminere videtur. Gabriel Naudaeus In Bibliographia Politica. Utile erit Cassandrum evolvere, qui tot lites de Religione aperte quidem componere tentavit; et Melchiorem Canum, qui hoc idem, sed occulte conatus est ingenio majori, quam pietate, ac propemodum admirabili judicio. Vix enim potest imaginatio consequi, quantum authorum hujusmodi lectione, Politicorum mentes acuantur, excitenturque ad saluberrime de rebus istis consulendum, quibus non unius, aut alterius hominis modo, sed universae plerumque Reipublicae salus, et belli, pacisque momenta continentur. Melchioris Cani Vindicationes 26 Auch bei der Deutung von Geschichte war er wunderbar geübt und umfassend gelehrt. Daher wurde er auch von herausragenden Männern auf dem Konzil von Trient bewundert und stand bei allen in großem Ansehen. Er hat jenes sehr gelehrte Buch geschrieben, das heute von vielen Händen zu Recht ohne Unterschied verwendet wird mit dem Titel De locis theologicis. In diesem behauptet er so glänzend, genau und mit so großer Beredsamkeit, welche Orte für den Theologen die vornehmlichsten sind, um Schlussfolgerungen zu bestätigen, die gewissermaßen Grundlagen sind, auf die gestützt, sich der Bau der Theologie erheben soll, damit nichts genauer und vollkommener sein kann. Ebenso hat er eine Relectio de sacramentis in genere und eine weitere De sacramento paenitentiae verfasst, als er öffentlich an der berühmten Universität von Salamanca Theologie lehrte. Hervorgetan hat er sich im Jahre des Herrn 1540. Domingo Báñez Im ersten Teil, erste Quaestio, Artikel 8 Unter den jüngeren Theologen scheint mir am umsichtigsten und mit wunderbarer Bildung mein Lehrer, Melchior Cano, bei der Behandlung der Orte der Theologie herauszuragen. Gabriel Naudé In der Bibliographia Politica Nützlich wird es sein, Cassander darzulegen, der versucht hat, so viele Streitpunkte über die Religion ganz klar beizulegen. Und auch Melchior Cano, der dies ebenso, doch im Verborgenem mit größerem Verstand als Frömmigkeit und fast wunderbarem Urteil versucht hat. Kaum nämlich kann man eine Vorstellung davon haben, wie durch Lesen solcher Autoren die Sinne der Politiker geschärft und dazu angetrieben werden, Angelegenheiten äußerst zuträglich zu beraten, in denen nicht nur das Heil des einen oder anderen Menschen, sondern vor allem das des gesamten Gemeinwesens und die Beweggründe für Krieg und Frieden enthalten sind. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 27 Ambrosius de Altamura In Bibliotheca Ord. Praedic. centur. 4. ad annum 1554 Melchior Canus vir fuit summa eloquentia ditatus, in Graeca lingua, Hebraica peritus; In Sacris litteris, in Patribus, in historiis, in Divi Thomae, et Aristotelis doctrina versatissimus. Adrianus Baillet In suo Eruditorum judicio, Gallice Parisiis edito, Tomo secundo 1. partis. Melchior Canus Dominicanus, Episcopus Canariensis, criticus Aevi sui sagacissimus, ac liberrimus; ad aniles fabulas, erroresque populares, libris praesertim historicis insertos, carpendos perstringendosque a natura factus videbatur. De eo, ubi de Theologis agemus, sermo redibit. Id unum notare in praesentia satis sit, Criticam ejus artem Vossio maxime probari, eundemque censorum Magistrum a Combesisio vocari solitum fuisse: quamquam ejus in censendo libertas nonnihil Cardinali Baronio stomachum moverit. Ellies du Pin In Bibliotheca authorum Ecclesiast. saeculo 16. Tom. 14. Melchior Canus sublimi ingenio pollens, non modo Philosophiam, et Theologiam apprime edoctus erat, verum etiam in historia, et politiori litteratura versatissimus, cultissimo sermone latino utebatur. Tractatus de locis Theologicis opus plane aureum est, omnibusque numeris absolutum, summaque elegantia concinnatum. Melchioris Cani Vindicationes 28 Ambrosius de Altamura In der Bibliothecae Dominicanae, vierte Zenturie, zum Jahr 1554 Melchior Cano ist ein Mann von höchster Beredsamkeit, des Griechischen und Hebräischen kundig. Sehr bewandert in den Heiligen Schriften, der Patristik, der Geschichte und der Lehre des heiligen Thomas und des Aristoteles. Adrien Baillet In seinen Jugemens des savans sur les principaux ouvrages des auteurs, verfasst im französischen Paris, zweiter Band, erster Teil Melchior Cano, Dominikaner, Bischof der Kanarischen Inseln, ein sehr scharfsinniger und freimütiger Kritiker seiner Zeit. Von Natur aus schien er dazu geschaffen, Altweibermärchen und Irrtümer des Volkes, die besonders historischen Werken innewohnten, aufzudecken und auszumerzen. Darauf wird mein Vortrag zurückkommen, sobald ich die Theologen behandeln werde. Allein dies zum gegenwärtigen Zeitpunkt festzuhalten dürfte ausreichend sein, dass seine kritische Kunst am meisten von Voss anerkannt wurde, und er von [Francisco] Combefis gewöhnlich ‚Magister censorum‘ genannt wurde. Obwohl sein freimütiges Urteilen bisweilen den Ärger des Kardinal Baronio erregt hat. Louis Ellies Du Pin In der Nouvelle bibliothèque ecclésiastique des 16. Jahrhunderts, Band 14 Melchior Cano, mit herausragendem Verstand ausgestattet, war nicht nur besonders in Philosophie und Theologie unterwiesen, sondern verwendete auch, mit der Geschichte und der feineren Literatur überaus vertraut, die sehr gepflegte lateinische Sprache. Sein Traktat De locis theologicis ist ein ganz und gar goldenes Werk, das in allen Teilen vollkommen ist und durch höchste Sorgfalt dazu gemacht worden ist. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 29 Jacobus Gaddius De Scriptoribus non Ecclesiasticis, tom. 1. Canus nomine Melchior, Canariensis Episcopus, Theologus Doctrinae, et eruditionis maximae, cui parem addidit pietatem, atque eloquentiam, condidit insigne opus, ac memorabile de locis Theologicis communibus; in quo graviter, candideque praecipua Theologiae, ac religionis argumenta videtur tractasse. Alphonsus Garsias Matamorus Libro de Academiis, et doctis viris Hispaniae Summi viri Melchioris Cani, et Bartholomaei Mirandensis, omnis illa ingeniorum, et doctrinae nunquam satis laudata facultas, ex monumentis ipsorum non ineleganter scriptis perspici potest. Quae et omnino absoluta est, perfecte diserta, in eoque constituta loco, quem multi mirentur, et pauci attingant. Vincentius Contensonius Libro 5. Theologiae, dissert. praeambula, seu commendatione locorum Theologicorum. De locis Theologicis omnium primus methodice, nec minus eleganter egit Melchior Canus, vir litteris, et eruditione praecipuus, moribus, et pietate insignis, Pontificalibus etiam infulis conspicuus, et in rebus Theologicis summa eloquentia dicendis, nulli sui temporis secundus. Insignis ille author integrum, et aureum librum de decem locis edidit, quem vere thesaurum dicam, ex variis fodinis extractum, in quo nihil non pretiosum, non obrysum, non numeris omnibus absolutum invenitur. Nam secum advehit omnes priscorum hominum divitias, quas magnis aliorum voluminibus diffusas, compendiosa utilitate contrahit; Melchioris Cani Vindicationes 30 Jacopo Gaddi De Scriptoribus non Ecclesiasticis, Band 1 Melchior Cano, Bischof der Kanarischen Inseln, ein Theologe höchster Lehre und Bildung, dem man in gleicher Weise Frömmigkeit und Beredsamkeit attestiert, hat ein bedeutendes und erinnerungswürdiges Werk, De locis theologicis communibus, geschrieben. Darin scheint er ernst und glänzend die Argumente der Theologie und Religion behandelt zu haben. Alonso García y Matamoros De Asserenda Hispanorum Eruditione, sive De Viris Hispaniae Doctis Narratio Apologetica Die ganze, doch niemals ausreichend gelobte Fähigkeit von Verstand und Lehre der beiden hochangesehenen Männer, Melchior Cano und Bartholomé Miranda, kann man in ihren Schriften, die in wunderbarer Weise geschrieben worden sind, erkennen. Sie ist gänzlich vollkommen, umfassend gelehrt und an jenem Ort begründet, den viele bewundern und nur wenige erreichen. Vinzenz Contenson Im fünften Buch der Theologia Mentis Et Cordis, in der Präambel der Erörterung oder der Empfehlung der Orte der Theologie Die Orte der Theologie hat als erster von allen Melchior Cano methodisch und nicht weniger elegant behandelt, ein in den Wissenschaften und der Bildung außerordentlicher und in Sitten und Frömmigkeit hervorragender Mann, ein ausgezeichneter Bischof und beim Aussprechen theologischer Dinge von höchster Beredsamkeit, wie es keinen Zweiten zu seiner Zeit gab. Dieser herausragende Autor hat ein vollkommenes und goldenes Buch über die zehn Orte der Theologie verfasst, das ich wirklich einen Schatz nennen möchte, der aus verschiedenen Stollen hervorgelockt wurde, in dem man einzig und allein Kostbares, Gold und etwas, das in jeder Hinsicht vollkommen ist, finden kann. Denn es führt den ganzen Reichtum der Alten mit sich, den es, da er in bedeutenden Büchern anderer verteilt ist, mit vorteilhafter Nützlichkeit zusammenfasst. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 31 non arido stylo, sed locutione selecta, ornato verborum contextu, et perquam exquisito rerum apparatu proponit. Patrum, et Ecclesiasticae doctrinae gemmas non parca manu, sed plena diffundit; Et cuncta, quae sunt vel difficilia dictu, vel sensu grandiora, vel digniora lectu, excerpsit, et in uno medullato volumine, Theologorum usibus profutura, transtulit…. Hunc quisquis serio, et attente legerit, ultro fatebitur, vix ullum hactenus librum aut copia ditiorem, aut methodo commodiorem, aut varietate feraciorem, aut oratione cultiorem, aut rerum omnium digestu illustriorem (solis exceptis Ecclesiae Patribus) post hominum memoriam prodiisse: quippe in quo eximius elegantiae nitor, sublimis sapientia, et profunda eruditio de palma contendunt. Natalis Alexander In historia Ecclesiastica, saeculo 16. In synopsi, articulo 2. de Theologis saeculi 16. Melchior Canus Hispanus, Canariensis Episcopus, ex ordine fratrum Praedicatorum assumptus, vir non solum in Scholastica, sed in positiva Theologia eruditissimus, magnum sibi nomen in Concilio Tridentino sub Julio III. peperit, Ingeniique sui, doctrinae, et industriae perenne reliquit monumentum, libros 12. de locis Theologicis, elegantissimo stylo elaboratos, et Relectiones de Sacramentis in genere, et Poenitentia. Obiit vir laudatissimus, cujus ingenium prae caeteris Dominicani Ordinis Scriptoribus, post S. Thomae Angelicam mentem, maxime suspicio, Toleti anno 1560. Melchioris Cani Vindicationes 32 Nicht mit spitzer Feder, sondern ausgefeiltem Stil, geschmackvoller Verwebung von Worten und sehr exquisitem Wortschmuck bietet er es dar. Die Edelsteine der Väter und der Kirchenlehre verteilt er nicht mit sparsamer, sondern gefüllter Hand. Und alles, was zu sagen schwer, zu begreifen noch bedeutender oder zu lesen würdiger ist, hat er ausgewählt und den Seiten eines einzigen Bandes anvertraut, damit es der Praxis der Theologen nützen werde. [...] Wer ihn ernst und aufmerksam liest, wird darüber hinaus zugeben, dass kaum jemand ein an Fülle reicheres, an Methode angemesseneres, an Verschiedenheit ergiebigeres, an Sprache gepflegteres oder an Ordnung aller Dinge bedeutenderes Buch (allein die Kirchenväter seien dabei ausgenommen) nach Menschengedenken verfasst hat. Freilich streiten glänzender Geschmack, höchste Klugheit und tiefgreifende Bildung um den Sieg. Noël Alexandre In seiner Historia Ecclesiastica, 16. Jahrhundert. Im Überblick, zweiter Artikel, über die Theologen des 16. Jahrhunderts Melchior Cano, Spanier, Bischof der Kanarischen Inseln, aus dem Orden der Dominikaner, ein nicht nur in der Theologie der Schule, sondern auch in der positiven Theologie sehr gebildeter Mann, hat sich auf dem Konzil von Trient unter Julius III. einen großen Namen gemacht und ein für alle Zeiten bestehendes Denkmal seines Verstandes, seiner Lehre und seines Fleißes hinterlassen, nämlich die zwölf Bücher De locis theologicis, die in einem sehr erlesenen Stil verfasst sind, und die Relectiones de sacramentis in genere und de poenitentia. Er starb in Toledo im Jahr 1560 als hoch gelobter Mann, dessen Verstand die übrigen Schriftsteller seines Ordens, die dem engelsgleichen Geist des heiligen Thomas folgten, den ich höchst bewundere, übertraf. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 33 Caput II. Diluitur prima in Melchiorem Canum accusatio, de laeso Gregorio Magno in Dialogis, et Venerabili Beda in Anglorum Historia. Quamquam tot virorum illustrium praeconiis celebratus sit Canus noster, nonnullorum tamen censuras expertus est, qui sublime licet ingenium, et omnigenam eruditionem demirati, nonnullas tamen illius opiniones improbarunt, nimiamque in alienis carpendis licentiam objecere. In iis eruditionis fama, et dignitatis amplitudine princeps est Cardinalis Baronius, quem doleo in Theologum laudatissimum fuisse aliquando minus aequum; ac tum maxime, ubi nullus, aut certe minimus reprehensioni locus erat. Hunc durioribus verbis excipit in annotationibus ad Martyrologium Romanum ad diem 23. Decembris, quasi nimis acrem in libros Dialogorum Gregorii Magni, necnon in Anglorum Historiam venerabilis Bedae, censuram exercuisset lib. 11. de locis Theologicis cap. 6. Inconstantis, et inconsulti judicii incusat, quod illos Gregorii libros (de Bedae siquidem Historia nihil minutatim observat) quos jam mille fere annis tam Occidentalis, quam Orientalis Ecclesia, summa fide, digna veneratione, immensisque est laudibus prosecute, ausus sit novus assertor in controversiam revocare, ac fide minuere. Hinc in Divi Gregorii laudes effunditur, multaque veterum testimonia congerit, quibus ejus Dialogorum libros commendet. Canum etiam adversus Canum adducit, quasi sui immemor de Gregorii Dialogis hoc ipso in capite mitius pronunciasset; dum videlicet leges tradens, quibus veraces historias a fallacibus distinguere, atque internoscere liceat, prima lex, inquit, ex hominum probitate, integritateque sumetur. Quae omnino res locum habet, cum, quae narrant historici, ea vel ipsi se vidisse testantur, vel ab iis, qui viderunt, accepisse. Qualia sunt pleraque in Epistolis Ambrosii, Cypriani, Hieronymi, Augustini, in libris quoque hujus de Civitate Dei, in Dialogis Gregorii, breviter, in omnibus fere Doctorum Ecclesiae probatissimorum scriptis, in quibus mendacium suspicari, quod ad memoriam sempiternam transferre illi scribendi voluerint, piaculum est. Melchioris Cani Vindicationes 34 Zweites Kapitel Widerlegung der ersten Anklage, Cano habe Gregor den Großen in den Dialogi und Beda Venerabilis in der Angelorum historia angegriffen Obwohl unser Cano durch die Lobreden so bedeutender Männer gefeiert wurde, hat er dennoch ein Urteil von einigen Männern erfahren, die, obgleich sie seinen erhabenen Verstand und seine weit gefächerte Bildung bewunderten, doch manche seiner Ansichten missbilligten und ihm seine allzu große Freizügigkeit, andere zu kritisieren, vorhielten. Unter ihnen ist Kardinal Baronio, ein wegen des Rufs seiner Bildung und der Größe seines Ansehens herausragender Mann; bei ihm schmerzt es mich, dass er einem so hoch gelobten Theologen bisweilen wenig gerecht war. Und das besonders dort, wo kein oder lediglich der kleinste Raum für einen Tadel bestand. Mit ziemlich harten Worten hat er Cano in seinen Anmerkungen im Martyriologium Romanum zum 23. Dezember bedacht, als ob er ein allzu harsches Urteil gegen die Bücher der Dialogi des Gregor des Großen und gegen die Angelorum historia des Beda Venerabilis im elften Buch De locis theologicis, Kapitel 6, gefällt hätte. Eines unbeständigen und unbedachten Urteils bezichtigt er ihn dort, weil er Gregors Bücher (im weiteren Verlauf beobachtet er nichts weiter gegenüber Bedas Historia), „die schon fast 1000 Jahre von der Ost- und der Westkirche mit höchster Glaubwürdigkeit, würdiger Verehrung und unermesslichem Lob versehen werden, als neuer Befreier anzuzweifeln und im Glauben zu mindern gewagt hat.“ Danach ergießt er sich in das Lob des heiligen Gregor und führt viele Zeugnisse der Alten an, durch die man die Bücher der Dialogi empfehlen könne. Auch führt er Cano gegen Cano an, als ob er sich selbst vergessend über Gregors Dialogi im selben Kapitel milder gesprochen hätte. Im Rahmen der Überlieferung von offensichtlichen Gesetzen, mit deren Hilfe man echte Geschichtswerke von falschen trennen und unterscheiden kann, sagt er: „Das erste Gesetz entnimmt man der Tauglichkeit und Unversehrtheit der Menschen. Überhaupt besitzt ein Gegenstand seinen Platz, wenn die Historiker bezeugen, das, was sie berichten, selbst gesehen oder aber von Augenzeugen erfahren zu haben. Von dieser Art gibt es vieles in den Briefen des Ambrosius, des Cyprian, des Hieronymus, in denen des Augustinus und auch in seinem Traktat De civitate dei, in den Dialogi des Gregors des Großen, kurz gesagt in fast allen Schriften anerkanntester Kirchenlehrer, gegenüber denen es ein Verbrechen wäre, sie darin der Lüge zu verdächtigen, was sie durch ihr Schreiben dem ewigen Gedächtnis übertragen wollten. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 35 Magnis quippe praeclarisque virtutibus Viri sanctissimi, atque optimi id consequi meruerunt, ut in rebus hujusmodi, quas vel spectasse se, vel ab aliis fide dignis, qui spectarint, se audisse testati sunt, fides omnino illis habeatur. Baronium imitatur Philippus Labbè, lib. de Scriptoribus Ecclesiasticis, de libris Dialogorum Gregorii Magni sermonem habens, seque Melchioris Cani cavillos, ac machinas in examine dissoluturum spondet. Stylum multo acrius in eumdem exercet Theophilus Rainaudus, sub Petri a valle clausa nomine delitescens, in diatribis contra Cyriacos, multa in Virum celeberrimum pro more suo convicia congerens, et Baronii observationes dumtaxat exscribens. Male habet, Cani librum, vel ob id solum non fuisse a Romanis censoribus aut prohibitum, aut scopa mundatum. De sanctis itaque Gregorio, et Beda, inquit, talia scriptis committere ausum Melchiorem Canum, res est profecto dignissima admiratione. Nec minus stupendum est, talia scripsisse hominem religiosum, et impune tulisse: ita ut nullus judex publicus, de libro adeo petulans de Sanctis Scriptoribus judicium continente, praescribat, aut supprimendum esse aut corrigendum. Sic sane Melchioris Cani reprehensores. Age itaque, et quid tandem in Gregorii Magni Dialogos, et in Bedae Historiam Canus scripserit, quo tam acres in se reprehensiones excitavit, paulo distinctius videamus. Veteres excuso, inquit ille, libro 11. de locis, cap. 6. et Sanctos, et eruditos viros, quorum et libros, et nomina volentem ascribere pudor me ac religio vetaret, nisi contra vererer, ne mea haec taciturnitas plerisque causa esset, ut aut damnarent, quae non intelligerent, aut errore vario circum Sanctorum omnium historiam vagarentur. Atque Theologum etiam admoneri operae pretium est, ne id statim illi persuasum sit, omnia, quae Magni auctores scripserint, undique esse perfecta. Nam et labuntur aliquando, ut ille ait, et oneri cedunt, et indulgent ingeniorum suorum voluptati, vulgoque, ut dixi, interdum etiam indulgent: Nec semper intendunt animum, et nonnunquam fatigantur: adeo, ut Ciceroni Demosthenes dormitare, Horatio vero Homerus quandoque ipse videatur. Summi enim sunt, homines tamen. Quae ego eadem de Beda, atque Gregorio jure fortasse, ac vere dicere possum. Melchioris Cani Vindicationes 36 Sicher haben hochheilige Männer und die Besten aufgrund großer und herausragender Tugenden zu erreichen verdient, dass man jenen bei derartigen Dingen, von denen sie bezeugt haben, sie entweder gesehen oder von anderen vertrauenswürdigen Männern, die sie gesehen haben, gehört zu haben, ganz und gar Glauben schenken soll.“ Philipp Labbé ahmt Baronio nach, wenn er in seinem Buch De scriptoribus ecclesiasticis über die Dialogi Gregors des Gro- ßen spricht und sich verpflichtet, Melchior Canos Spott und Kunstgriffe durch seine Untersuchung zu widerlegen. Mit einem viel härteren Stil ging Théophil Raynaud, der sich hinter dem Namen Petrus a Valleclausa verborgen hat, in seinen Diatribae adversus Cyriacos gegen ihn vor, als er viele Vorwürfe gegen den hochangesehenen Mann hinsichtlich seiner Moral sammelte und dabei lediglich Baronios Beobachtungen kopierte. Es beunruhigt mich, dass Canos Buch wohl allein aufgrund dessen von den römischen Zensoren verboten oder mit dem Besen gesäubert wurde. Er sagt: „Daher ist es in der Tat eine Sache von höchster Bewunderung, dass Melchior Cano es gewagt hat, über die Heiligen, Gregor und Beda, so etwas schriftlich vorzubringen. Nicht weniger darf man darüber staunen, dass ein frommer Mann etwas Derartiges geschrieben hat und straflos geblieben ist, so dass kein öffentlicher Richter über ein Buch, das ein so freimütiges Urteil über heilige Schriftsteller enthält, verfügt hat, man müsse es aufhalten oder verbessern.“ So argumentierten Melchior Canos Kritiker wirklich. Deswegen möchte ich ein wenig genauer darauf eingehen, was Cano schließlich gegen die Dialogi Gregors des Großen und gegen Bedas Historia geschrieben hat, weswegen es zu so scharfen Vorwürfen gegen ihn gekommen ist. Im elften Buch der Loci, Kapitel 6, schreibt er Folgendes: „Die alten, heiligen und gebildeten Männer entschuldige ich, deren Bücher und Namen zu nennen, mir, der ich es wollte, mein Schamgefühl und meine religiöse Ehrfurcht verbieten würde, wenn ich andererseits nicht fürchten müsste, dass mein Schweigen für sehr viele der Grund wäre, entweder zu verurteilen, was sie nicht verstehen, oder mit verschiedenem Irrtum Geschichten über alle Heilige zu verbreiten. Auch ist es der Mühe wert, dass man den Theologen dazu ermahnt, nicht sofort davon überzeugt zu sein, dass alles, was bedeutende Autoren geschrieben haben, in jeder Hinsicht vollkommen ist. Denn sie gleiten bisweilen ab, wie man sagt, weichen vor der Last, geben der Lust ihres eigenen Verstandes und manchmal auch, wie ich gesagt habe, dem einfachen Volk nach. Nicht immer sind sie aufmerksam und manchmal werden sie so müde, dass Demosthenes dem Cicero sich gehen zu lassen scheint, selbst Homer manchmal dem Horaz. Denn sie sind zwar sehr bedeutend, aber dennoch Menschen. Dasselbe kann ich vielleicht zu Recht und wahr über Beda und Gregor sagen. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 37 Quorum ille in historia Anglorum, hic in Dialogis quaedam miracula scribunt vulgo jactata, et credita, quae hujus praesertim saeculi Aristarchi incerta esse censebunt. Equidem historias illas probarem magis, si earum auctores juxta praefinitam normam, severitati judicii curam in eligendo majorem adjunxissent. Sed quoniam modeste, et circumspecto judicio de tantis viris pronuntiandum est, ne in his quidem duobus rejicienda sunt plurima. Pauca enim in eis possis arguere, quamvis historiam Ecclesiasticam revocare ad severiora judicia contendas. Ac si necesse est in alteram peccare partem, omnia eorum probari legentibus, quam reprobari malo. Haec ibi. Ita ne vero in Gregorium, et Bedam injurius Canus, quia et illos in historicis narrationibus oneri cessisse aliquando, et ingeniorum suorum voluptati, vulgoque indulsisse dixit? ita ne in Divos nimis audax, quod quaedam illos miracula vulgo jactata, et credita, quae hujus praesertim seculi Aristarchi incerta esse censeant, scripsisse notet; eorumque historiam se multo magis probaturum profiteatur, si juxta praefinitam normam, severitati judicii curam in eligendo majorem adjunxissent? Nemo sane est judicio vel leviter accurato, qui non talia plerumque moneat, de miraculorum ac piarum historiarum scriptoribus, ex aliena praesertim fide, gesta narrantibus. Idque prae caeteris aequiori jure monere debuit Melchior Canus, qui pro sui operis instituto, non pium lectorem, pro componendis moribus, fovendaque pietate, ad religiosae historiae lectionem informat, sed Theologum accuratum erudit ad manus contra religionis hostes conserendas, ex historiae fide penitus inconcussa. Valeant ergo, per Canum licet, ad informationem morum petita undecumque miracula, historicae narrationes a viris probis ac piis undevis acceptae; quales plerumque in eum finem ex aliena fide Gregorius narrat in Dialogis. at expugnandis Haereticis valere omnia illa, sine criterio, sine discrimine, sine delectu nemo dicet, qui severiores illos seculi Aristarchos, et Haereseos ingenium expertus est. Melchioris Cani Vindicationes 38 Von diesen beiden schreibt Beda in seiner Historia angelorum, Gregor in seinen Dialogi einige Wunder auf, die vom Volk verbreitet und geglaubt wurden, die Aristarchen besonders dieser Zeit für unzuverlässig halten würden. Sicher würde ich mehr jene Geschichten anerkennen, wenn deren Autoren gemäß der vereinbarten Norm der Strenge ihres Urteils größere Sorgfalt beim Auswählen angeschlossen hätten. Doch da man über so bedeutende Männer maßvoll und mit einem umfassenden Urteil sprechen soll, darf man bei diesen beiden keineswegs den größten Teil zurückweisen. Denn man könnte sie weniger Dinge wegen anklagen, obgleich man behauptet, die Kirchengeschichte auf strengere Urteile zurückzuführen. Auch wenn es nötig wäre, gegen einen anderen Teil vorzugehen, möchte ich lieber, dass alles von ihnen vom Leser gebilligt als verworfen wird.“ Das findet sich an dieser Stelle. War Cano wirklich ungerecht gegenüber Gregor und Beda, weil er gesagt hatte, dass jene in ihren historischen Erzählungen bisweilen der großen Last gewichen sind und der eigenen Freude und dem einfachen Volk nachgegeben haben? War er gegenüber den Heiligen allzu vorwitzig, weil er bemerkt hat, dass sie einige Wunder, die im Volk besprochen und geglaubt worden sind, die Aristarchen gerade dieses Jahrhunderts für unzuverlässig halten würden, aufgeschrieben haben, und zugibt, er würde ihre Geschichtswerke deutlich mehr anerkennen, wenn sie größere Sorgfalt bei der Auswahl mit ihrem strengen Urteil verbunden hätten? Sicher ist man bei einem sorgfältigen Urteil über Verfasser von Wundern und frommen Geschichten, die hauptsächlich durch fremdes Vertrauen von Ereignissen berichten, wohl lediglich dann leichtfertig, wenn man am meisten etwas Derartiges anmahnen will. Und das musste Melchior Cano im Vergleich zu den Übrigen mit größerem Recht anmahnen, da er mit Blick auf die Intention seines Werkes keinen frommen Leser für die Anordnung der Sitten und das Pflegen der Frömmigkeit zum Lesen der heiligen Geschichte formte, sondern aus der Glaubwürdigkeit der Geschichte, die weithin unerschüttert ist, einen sorgfältigen Theologen ausbildete, um gegen die Feinde der Religion zu kämpfen. Also sollten – mit Cano sei es erlaubt – Wunder, die von irgendwoher zur Ausformung der Sitten genommen worden sind, und geschichtliche Erzählungen, die man von guten und frommen Männern erhalten hat, Bedeutung haben. Von solchen berichtet zu diesem Zweck vor allem Gregor in seinen Dialogi im Vertrauen auf Fremde. Doch dass sie alle bei der Überwindung von Häretikern ohne Beurteilung, ohne Unterschied und ohne Auswahl Bedeutung haben, wird niemand sagen, der ernsthaftere Menschen vom Schlag eines Aristarch und die Eigenart der Häresie in dieser Zeit erfahren hat. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 39 Egit ergo Gregorius in Dialogis pro suo instituto quod debuit, laude, eaque plurima longe dignissimus: interim tamen asceticum Historicum egit, non Polemistam. Verum personam aliam in locis Theologicis induit Canus noster, monetque ex officio, quid Theologis congruat, ut certa et indubitata habeant argumenta, refellendis haereticis opportuna. Aliud quippe est, inquit Hieronymus contra Jovinianum, gymnasticos libros scribere, aliud dogmaticos; aliud quaerere, aliud definire. Ad haec, cum Gregorius ex amicorum fide, pleraque gesta, ac miracula referat, uti loquitur epist. quinquagesima; quid mirum, si, ut erat et adversa admodum valetudine, dum scriberet, et publicis Ecclesiae negotiis implicitus, atque districtus, satis illi non fuit otii, ut singula ad severioris criticae limam vocaret, quae aliunde (quod unum illi studium erat hoc loco) et pietati favebant, et fidelium genio arridebant? Caeterum tantum abest, ut grandia illa Gregorii, ac Bedae nomina contempserit Canus noster, ut suam potius in illos venerationem, hoc ipso in loco, qui a censoribus reprehenditur, egregie testatus sit. Veteres, inquit, excuso, et Sanctos et eruditos viros; quorum et libros, et nomina volentem ascribere, pudor me ac religio vetaret, nisi contra vererer… sed quoniam modeste, et circumspecto judicio de tantis Viris pronuntiandum est, ne in iis quidem duobus rejicienda sunt plurima. Pauca enim in eis possis arguere. Melchioris Cani de libris Dialogorum judicium probarunt Viri doctissimi. Petrus Gonzavillaeus, operum Sancti Gregorii diligentissimus editor, usque adeo Sanctum Doctorem, piae amicorum fidei plus justo, in enarrandis historiis dedisse putat, ut pietatis errorem illum fuisse dicat, quam non decet in istiusmodi factis adeo esse sollicitam. In ejusdem sententiam venit Natalis Alexander saeculo 6. historiae Ecclesiasticae, ubi Sanctissimi Pontificis dialogos a Dallaei cavillationibus vindicans, Melchioris Cani, seu viri Doctissimi judicium probat, ac pene transcribit ex integro, facitque suum. Melchioris Cani Vindicationes 40 Also hat Gregor in seinen Dialogi im Hinblick auf seine Intention das behandelt, was er behandeln musste, und verdiente das größte und bei weitem das meiste Lob. Bei all dem hat er einen asketischen und keinen streitlustigen Historiker gespielt. Unser Cano aber hat eine andere Rolle in den Loci theologici angenommen und mahnt aus der Pflicht heraus, was für Theologen passend ist, um sichere und unbezweifelbare Argumente zu haben, die für die Widerlegung der Häretiker angemessen sind. „Sicher ist es das eine“, so sagt Hieronymus in Contra Iovianum, „Bücher über Gymnastik, etwas Anderes aber solche über Dogmatik zu schreiben. Das eine ist es zu forschen, etwas Anderes aber zu bestimmen.“ Dass Gregor im Vertrauen in seine Freunde sehr viele Ereignisse und Wunder berichtet, wie er im 50. Brief sagt, was verwundert es da noch, wenn ihm nicht ausreichend freie Zeit zur Verfügung stand, weil er, während er schrieb, ziemlich krank, mit den öffentlichen Aufgaben der Kirche beschäftigt und von ihnen zu sehr in Anspruch genommen war, um jeden einzelnen Punkt einer strengen und kritischen Prüfung zu unterziehen, die doch anderswo (das war ihm hier das einzige Verlangen) die Frömmigkeit unterstützten und den Gläubigen gefielen? Im Übrigen ist unser Cano so weit davon entfernt, die erhabenen Namen eines Gregor und Beda zu verachten, dass er an dieser Stelle, die von seinen Kritikern getadelt wird, ihnen gegenüber viel eher seine Wertschätzung hervorragend bezeugt hat. Er sagt nämlich: „Die alten, heiligen und gebildeten Männer entschuldige ich, deren Bücher und Namen zu nennen, mir, der ich es wollte, mein Schamgefühl und meine religiöse Ehrfurcht verbieten würde, wenn ich andererseits nicht fürchten müsste, [...]. Doch da man über so bedeutende Männer maßvoll und mit einem umfassenden Urteil sprechen soll, darf man bei diesen beiden keineswegs das meiste zurückweisen. Denn man könnte sie weniger Dinge wegen anklagen.“ Melchior Canos Urteil über die Bücher der Dialogi haben die gelehrtesten Männer anerkannt. Pierre Gonzevillais (?), der äußerst sorgfältige Herausgeber der Werke des heiligen Gregor, glaubt, dass der heilige Gelehrte bei der Erzählung der Geschichte dem frommen Glauben der Freunde mehr, als es richtig war, vertraut habe, so dass man sagen könne, es sei ein „Irrtum aus Frömmigkeit“; dem gegenüber gehöre es sich nicht, bei derartigen Gegebenheiten so besorgt zu sein. Zu derselben Ansicht ist Noël Alexandre im 6. Jahrhundert seiner Historia Ecclesiastica gelangt, wo er die Dialogi des hochheiligen Papstes von den Vorwürfen des Jean Daillé freispricht und das Urteil des Melchior Cano oder eines sehr gelehrten Mannes anerkennt und fast unbefangen abschreibt und zu seinem eigenen macht. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 41 Adstipulatur verbis etiam multo durioribus, a quibus Canus longe abest, Ellies Du Pin in Bibliotheca Ecclesiastica, Tomo quarto, saeculo sexto. Tametsi, inquit, in dubium verti nequeant, an qui Sancti Gregorii nomen Dialogi praeferunt, illius reipsa sint: quandoquidem eos ipse suos adnoscit, et ab ejus discipulis, caeterisque, qui paulo post floruere, scriptoribus agnoscuntur; minus tamen Pontificis Sanctissimi gravitatem, judiciumque referre videntur: adeo scilicet prodigiis prorsus inusitatis narrationibusque fidem omnem superantibus, passim abundant. Equidem haec ille aliena fide narrat: verum nec fidem illis ita de facili adjungere debuit, nec ea uti certissima venditare. Opus in quatuor libros distributum est, in Dialogi modum, quo Gregorius ipse, ac Petrus Diaconus colloquuntur. Stylus plus aequo humilis serpit: Gesta rudi, et impolita oratione narrantur: elegantia nulla, lepore nullo condiuntur. Petri interlocutiones, fatuae semper et inconditae, saepius etiam a proposito aberrant. Narratae historiae, sola saepe senum imperitorum stante fide, aut pervagato rumore: prodigia adeo frequentia, stupendaque, ac levi interdum de causa perpetrata recitantur, ut fidem universis adjungere difficillimum sit. Historias etiam nonnullas vix cum eorum, de quibus narrantur, aetate conciliaveris: ut voluntariam Divi Paulini custodiam sub Vandalorum Rege. Visiones, ac somnia frequentius quam alibi uspiam recitantur. Unde et Gregorius ipse sub finem Dialogorum profitetur, plura aetate sua, quam retroactis seculis, de altera vita fuisse retecta. Verum haud satis scio, an quis facta illa, dictaque omnia velit in se recipere. Quid si ea libertate de Gregorii Magni Dialogis pronuntiasset Canus? Quam dura animadversione exciperetur? At posuit ille censurae suae modum. Falli Gregorium potuisse in enarrandis ex amicorum fide, ac vulgi fama nonnullis miraculis, observavit: quia tametsi summus, homo tamen erat: multisque negotiis, curisque districtus, animum totius orbis saluti intentum, ad minutiarum istarum examen adducere non poterat. Melchioris Cani Vindicationes 42 Mit noch viel härteren Worten, denen sich Cano bei weitem versagt, hat es Louis Ellies du Pin in seiner Bibliotheca Ecclesiastica, vierter Band, 6. Jahrhundert, formuliert: „Obgleich man nicht daran zweifeln kann, dass die Dialogi, die den Namen des heiligen Gregor tragen, wirklich von ihm stammen, da er sie selbst als seine eigenen anerkennt, und von seinen Schülern und den übrigen Schriftstellern, die kurz danach in Blüte standen, anerkannt werden, geben sie offensichtlich weniger die Ernsthaftigkeit eines hochheiligen Papstes und sein Urteil wieder. Aus diesem Grund sind sie überall reich an ungewöhnlichen Wundern und Erzählungen, die jede Glaubwürdigkeit überwinden. Sicher berichtet er sie im Vertrauen auf Fremde. Doch weder musste er ihnen so leicht Glaubwürdigkeit verleihen noch sie als sehr zuverlässige feilbieten. Sein Werk ist in vier Bücher unterteilt, nach Art des Dialogs, in dem sich Gregor und Petrus Diaconus unterhalten. Die Stilebene ist niedriger als angemessen. Die Ereignisse werden in kunstloser und ungefeilter Sprache erzählt. Eleganz und Anmut fehlen ihnen. Petrus’ Einwürfe sind immer dumm und kunstlos, recht häufig kommen sie vom eigentlichen Vorsatz ab. Die Geschichten sind oft aus dem bestehenden Glauben unerfahrener Greise oder einem verbreiteten Gerücht erzählt. Es werden Wunderzeichen berichtet, die wegen ihrer Häufigkeit bestaunt werden müssen und manchmal durch einen so leichtfertigen Grund vollbracht werden, dass es sehr schwer ist, ihnen völlig Glauben zu schenken. Auch dürfte man einige Geschichten derer, von denen berichtet wird, kaum mit der Zeit in Einklang bringen. Wie beispielsweise die freiwillige Haft des heiligen Paulinus unter dem König der Vandalen. Visionen und Träume werden häufiger als anderswo berichtet. Deshalb bekennt Gregor selbst gegen Ende der Dialogi, dass mehr zu seiner Zeit als in den vorherigen Jahrhunderten über das ‚Ewige Leben‘ aufgedeckt worden ist. Doch ich weiß nicht genau, ob man sich all jener Taten und Worte wieder annehmen will.“ Was wäre aber, wenn Cano in dieser Freizügigkeit über die Dialogi Gregors des Großen gesprochen hätte? In welchem Ausmaß würde man ihn mit harter Rüge zusetzen? Doch er hat das Maß seiner Kritik festgelegt. Er hat beobachtet, dass sich Gregor bei der Erzählung von einigen Wundern durch das Vertrauen in die Freunde und das Gerücht des Volkes täuschen konnte, da er, obgleich ein sehr bedeutender, dennoch ein Mensch war. In viele Aufgaben und Sorgen verwickelt, konnte er seinen Geist, der auf das Heil der ganzen Welt gerichtet war, nicht der Prüfung dieser Kleinigkeiten widmen. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 43 Quid hic porro mali, cum id de se fateatur Optimus Pontifex, iis ipsis in Dialogis, quos expendimus? Miranti siquidem Petro, qui fieri potuerit, ut de sancto Abbate Equitio (quem Apostolici muneris indignum Gregorius a nonnullis aemulis circumventum judicaverat) Pontifici tanto subreptum esset? respondet, ad rem, quam versamus, admodum apposite: Quid miraris, Petre, quia falllimur, qui homines sumus? An mente excidit, quod David, qui propheticum spiritum habere consueverat, contra innocentem Jonathae filium sententiam dedit, cum verba pueri mentientis audivit? Quod tamen, quia per David factum est, et occulto Dei judicio justum credimus, et tamen humana ratione, qualiter justum fuerit, non videmus. Quid ergo mirum, si ore mentientium aliquando in aliud ducimur, qui Prophetae non sumus? Multum vero est, quod uniuscujusque praesulis mentem curarum densitas vastat: cumque animus dividitur admulta, sit minor ad singula: tantoque ei in unaqualibet re subripitur, quanto latius multis occupatur. Lib. 1. Dialog. Cap. 4. Neque vero secum ipse pugnare censendus est Canus, quemadmodum opponit Cardinalis Baronius, dum is paulo supra Gregorii Dialogos iis Patrum, Scriptorumque probatissimorum libris annumerat, quibus fides omnino est adhibenda, nullumque in eis mendacium suspicari licet. Hoc etenim ejus est in Gregorium venerationis argumentum; quo eum a mendacio studiose conficto, et ad illudendum simplicibus de industria consarcinato alienum, pro sua sanctitate reputavit. Id siquidem magnis praeclarisque virtutibus meruit Sanctissimus Pontifex; etsi, ut homo erat, cespitationi, atque obreptioni esset obnoxious. Valde quippe duo illa inter se distant, mendacium, ac cespitatio: Primum perversae voluntatis, alterum humanae conditionis est vitium. Melchioris Cani Vindicationes 44 Welches Übel steckt noch in den Dialogi selbst, die wir abwägen, wenn der beste Papst das von sich zugibt? Insofern antwortet er dem verwundert fragenden Petrus, wie es geschehen konnte, dass einem so bedeutenden Papst durch den heiligen Abt Equitius (Gregor hatte ihn, da er von einigen Buhlern umgeben war, der apostolischen Gabe für unwürdig erachtet) diese heimlich entzogen wurde, zu dem Punkt, den wir gerade verhandeln, geradezu beiläufig: „Was wunderst du dich, Petrus, dass wir getäuscht werden, wir, die wir Menschen sind? Hast du etwa vergessen, dass David, der prophetischen Geist besaß, den unschuldigen Sohn des Jonathan verurteilte, als er die Worte des lügenden Knaben hörte? Doch weil es durch David geschehen ist, glauben wir, dass es durch ein verborgenes Urteil Gottes gerecht ist, und dennoch erkennen wir nicht mit menschlicher Vernunft, auf welche Art es gerecht ist. Was also wundert es, wenn wir bisweilen durch den Mund der Lügner zu etwas Anderem verleitet werden, wir, die wir keine Propheten sind? Doch bedeutend ist, dass die Fülle der Sorgen den Geist eines jeden Papstes aufreiben kann. Und da sich das Herz mit vielen Dingen beschäftigt, dürfte seine Aufmerksamkeit gegenüber Einzelheiten kleiner sein. Je mehr ihm in einer Angelegenheit entgeht, desto mehr belagern ihn viele andere.“ Im ersten Buch der Dialogi, Kapitel 4. Doch Cano selbst darf man nicht so beurteilen, er widerspräche sich selbst, wie Kardinal Baronio entgegnet, wenn er kurz zuvor die Dialogi des Gregor unter die Bücher der anerkanntesten Väter und Schriftsteller zählt, denen man ganz und gar Glauben schenken muss, und es nicht erlaubt ist, in ihnen eine Lüge zu vermuten. Auch das nämlich ist ein Argument für seine Verehrung gegenüber Gregor, durch das er ihn für seine Heiligkeit anerkannt hat, dass er mit der eifrig erfundenen und dazu ersonnenen Lüge, einfache Menschen über seinen Fleiß zu täuschen, unvereinbar ist. Das hat der hochheilige Papst insoweit durch seine bedeutenden und herausragenden Leistungen verdient. Auch wenn er als Mensch dem Straucheln und der Überraschung unterworfen war. Sicher unterscheiden sich lügen und straucheln sehr voneinander. Ersteres ist das Laster des verkommenen Willens, das zweite das des Menschseins. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 45 Habent viri Sancti, quia Sancti sunt, ut fallere nolint; sed habent, quia homines sunt, ut falli ab hominibus possint. Nec quia emunctiorem in Gregorio narem desideravit Canus, fidem illi negavit omnem. Quod enim delusus aliquando fuerit, casu factum est, quod vera saepius dixerit, voluntate. Baronium ipsum ea in re judicem volo, ac etiam appello. Is certe Trajani Imperatoris ex inferis liberationem Divi Gregorii precibus impetratam, tametsi a sancto Joanne Damasceno in oratione de fidelibus defunctis magna pompa explicatam, narratamque, ad fabulas amandat totum Aesopum olentes, in annalibus ad annum 604. n. 60. Sed quid tum, ne Damasceni sanctitati, ac doctrinae injurius habeatur, cujus historicam narrationem exsufflat? Audi historici eminentissimi promptam liberamque excusationem. Primum quidem, inquit, ab omni imposturae suspicione virum sanctissimum immunem reddimus, nihilque ab ipso commentitium esse factum vel excogitatum constanter asserimus. sed quod ipse vere factum accepit, ac credidit, hoc ipsum, quomodo audivit, scriptis suis bona fide mandavit. At in iis, quae ad rerum gestarum veritatem spectant, quam frequenter accidat falli etiam prudentissimos, non in antiquis tantummodo, sed et in iis quae dicuntur in eodem loco, quo ipsi sunt, et quo vivunt tempore, cum usus doceat, pluribus demonstrare supervacaneum esse putamus. Ob idque nihil est, ut quantavis sive sanctitatis, sive Doctrinae cujuslibet praerogativa Viri, quod non factum sit unquam, ut factum afferentis, ipsi veritati praejudicium possit inferre, cum in his quae sunt facti, non dogmatis, potuerit quisque sanctissimus, atque doctissimus, fideique orthodoxae professor, atque defensor, aliquando falli. Recte id quidem, prudenterque annalium parens. At quid aliud sibi voluit Canus noster, ubi pauculas illas ex Divi Gregorii Dialogis fabulas rejecit, ex alienorum fide, et narratione recitatas? Mirum in Melchiore Cano damnasse Baronium, quod is pari fiducia, ac majori etiam libertate usurpavit. Melchioris Cani Vindicationes 46 Heilige haben es, weil sie heilig sind, damit sie nicht täuschen wollen. Doch sie haben es, weil sie Menschen sind, damit sie von Menschen getäuscht werden können. Nicht aber, weil Cano gegenüber Gregor scharfsinniger sein wollte, hat er ihm die vollständige Glaubwürdigkeit abgestritten. Denn dass man ihn bisweilen verspottet hat, geschah gern und gelegentlich, da er recht häufig die Wahrheit gesagt hat. Baronio selbst möchte ich dafür als Richter benennen. Sicher hat er die Befreiung Kaiser Trajans aus der Hölle durch die Gebete des heiligen Gregor, obgleich vom heiligen Johannes Damascenus in seiner Rede über die verstorbenen Gläubigen mit großer Pracht dargestellt und erzählt, zu jenen Geschichten gezählt, die ganz und gar nach Äsop riechen (in den Annalen zum Jahr 604, Nr. 60). Doch was hat es dann zu bedeuten, um gegenüber der Heiligkeit und Lehre des Damascenus nicht ungerecht zu sein, dessen historische Erzählung er verachtet? Man höre die offene und freie Entschuldigung eines sehr angesehenen Historikers: „Erstens spreche ich einen hochheiligen Mann von jedem Verdacht der Betrügerei frei und behaupte standhaft, dass nichts von ihm selbst erlogen oder ausgedacht ist. Doch was er selbst wirklich als geschehen erfahren und geglaubt hat, das hat er seinen Schriften in gutem Glauben so, wie er es gehört hat, anvertraut. Doch was die Wahrheit der Ereignisse betrifft, wie häufig dürfte es dabei geschehen, dass sich auch die Klügsten täuschen, nicht nur bei alten Ereignissen, sondern auch bei solchen, die an demselben Ort, an dem sie sich selbst aufhalten, und zu der Zeit, zu der sie leben, berichtet werden; da es die Praxis lehrt, halte ich es für überflüssig, dies mit recht vielen Beispielen zu beweisen. Aufgrund dessen ist es unbedeutend, dass ein beliebig großes Vorrecht an Heiligkeit oder Lehre irgendeines Mannes, weil er behauptet, etwas sei geschehen, was niemals geschehen war, der Wahrheit selbst das Vorurteil einbringen kann, da darin, was Eigenart eines Ereignisses und keiner Lehre ist, jeder hochheilige und sehr gelehrte Professor und Verteidiger des rechten Glaubens sich manchmal täuschen konnte.“ Das freilich ist richtig und klug, o Vater der Annalen. Doch was hat unser Cano dort anderes gewollt, wo er jene kleinen Märchen aus den Dialogi Gregors des Gro- ßen zurückgewiesen hat, die er aus Vertrauen in die Freunde und deren Erzählung berichtet hat? Es ist verwunderlich, dass Baronio gegen Melchior Cano ein solches Urteil gesprochen hat, obwohl er gleiches Vertrauen und noch größeren Freimut verwendet hat. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 47 Caput III. Altera Criminatio refellitur, de eodem Gregorio laeso in Epistola 31. Legimus apud Gregorium magnum, lib. 6. epist. indictione 15. epist. 31. In historia autem Sozomeni, de quodam Eudoxio, qui Constantinopolitanae Ecclesiae Episcopatum arripuisse dicitur, aliqua narrantur. Sed ipsam quoque historiam sedes Apostolica suscipere recusat, quoniam multa mentitur, et Theodorum Mopsuestiae nimium laudat, atque usque ad diem obitus sui magnum Doctorem Ecclesiae fuisse perhibet. Quem Gregorii locum ad trutinam revocans Melchior Canus lib. 11. de locis cap. 6. nihil tale apud Sozomenum de Theodoro Mopsuesteno legi notat, bene vero apud Theodoretum lib. 5. historiae cap. 27. ubi Theodorum istum praeclarum Doctorem fuisse scribit: et cap. 40. ubi sic habet: Moritur Theodorus Episcopus Mopsuestias, cum omnium Ecclesiarum Doctor, tum haereticae cohortis profligator. Quare nodum ut solvat Vir eruditus, ita pronunciat: Non video, quemadmodum responderi possit, nisi dicamus, aut Gregorium alios libros Sozomeni legisse, qui in manus nostras non venerunt; Aut memoria lapsum, pro Theodoreto Sozomenum scripsisse. Quid aptius, rectiusque excogitari potuit; cum alias certo certius sit, quae de Theodoro Mopsuesteno a Gregorio recitantur, non apud Sozomenum, sed apud Theodoretum hodie reperiri? Et hoc tamen Cani responsum sugillat Baronius in Annotationibus ad diem 23. Novembris. Quodque mirandum magis, priorem responsionis partem dissimulans, quasi de intercisis Sozomeni Codicibus nihil Canus observasset; imo primam illam responsi partem, uti solvendae difficultati opportunam arripiens, ita de Cani judicio pronunciat: Gregorius Sozomeni locum citat de laude Theodori Mopsuesteni Episcopi. Quem quidem cum Canus apud Sozomenum non reperiri contendat, quasi oscitantiae Gregorium redarguens, locum illum dicit esse Theodoreti lib. 5. cap. 39. sed non animadvertit, nos non habere integram historiam Sozomeni, ac complures ejus libros excidisse. Melchioris Cani Vindicationes 48 Drittes Kapitel Eine zweite Anschuldigung wegen der Kränkung Gregors im 31. Brief wird widerlegt Wir lesen bei Gregor dem Großen im sechsten Buch der Briefe, Indiktion 15 zum 31. Brief: „Doch im Geschichtswerk des Sozomenos wird anderes über einen gewissen Eudoxius erzählt, der das Episkopat der Kirche von Konstantinopel an sich gerissen haben soll. Indessen weigert sich auch der Apostolische Stuhl, das Geschichtswerk selbst anzunehmen, da vieles erlogen ist, es Theodor von Mopsuestia allzu sehr lobt und bis zum Tag seines Todes behauptet, er sei ein großer Kirchenlehrer gewesen.“ Diese Stelle bei Gregor abwägend, vermerkt Melchior Cano im elften Buch De locis theologicis, Kapitel 6, dass nichts Derartiges bei Sozomenos über Theodor von Mopsuestia zu lesen ist, jedoch bei Theodoret im fünften Buch von dessen Historia, Kapitel 27, wo er schreibt, Theodor sei jener „herausragende Lehrer“ gewesen. Und in Kapitel 40 findet sich folgende Formulierung: „Es starb Theodor, Bischof von Mopsuestia, Lehrer aller Kirchen, vor allem aber Kämpfer gegen die häretische Sekte.“ Um das Problem zu lösen, sagt der gelehrte Mann folgendes: „Ich sehe nicht, wie man antworten könnte, ohne zu behaupten, dass Gregor entweder die anderen Bücher des Sozomenos gelesen hat, die nicht in unsere Hände gelangt sind, oder aufgrund einer Erinnerungslücke anstelle von Theodoret Sozomenos geschrieben hat.“ Was könnte man als passender und richtiger erwägen, da an anderer Stelle mehr als sicher ist, was von Gregor über Theodor von Mopsuestia berichtet wird, dass man es heute nicht bei Sozomenos, sondern bei Theodoret findet? Und doch verhöhnt Baronio Canos Antwort in seinen Annotationes zum 23. November. Darüber muss man sich noch mehr wundern, weil er den ersten Teil der Antwort verheimlicht, als ob Cano nichts von den verlorengegangenen Büchern des Sozomenos gewusst hätte. Ja, als ob er jenen ersten, für die Beseitigung der Schwierigkeit günstigen Teil der Antwort für sich in Anspruch nehmen wollte, sagt er über Canos Urteil: „Gregor zitiert eine Stelle aus Sozomenos über das Lob des Theodor, des Bischofs von Mopsuestia. Da Cano freilich behauptet, diesen bei Sozomenos nicht zu finden, als ob er Gregor Achtlosigkeit unterstellen wollte, sagt er, dass jene Stelle aus Theodorets fünftem Buch, Kapitel 39, stammt. Doch er erkennt nicht, dass wir nicht Sozomenos’ gesamtes Geschichtswerk besitzen, und dass ziemlich viele seiner Bücher verlorengegangen sind.“ Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 49 Lectorum fidem appello, an non id quoque, ac primo etiam loco animadverterit Canus? Aut Gregorius, inquit ille, alios libros Sozomeni legit, qui in manus nostras non venerunt: aut etc. Illius quippe, ut vidimus, bimembre responsum est. hancque primam, de intercisis Sozomeni Codicibus, solvendi nodi intricatissimi viam aperuit, quam unam occurrere Baronius existimavit. Quare si quid in ea probabilitatis est, totum id Melchiori Cano, qui eam primus omnium aperuit, acceptum referre debuit, non oscitantiae, quasi minus adverterit, redarguere. Sed et in hoc multo magis falsus est Baronius, quod ita solutioni huic standum velit, ut alteram ab eodem Cano subjunctam despicetur; Viroque erudito succenseat, quod Gregorium Magnum memoria forte lapsum dixerit, ut Sozomenum pro Theodoreto nominaret. Quandoquidem longe certius est, Sozomenum pro Theodoreto ex memoriae lapsu a Gregorio scriptum esse, quam aliquos Sozomeni libros, quod constanter Baronius asserit, excidisse. Et quidem Henricus Valesius in suis ad Socratem, et Sozomenum, quos latine reddidit, observationibus, hanc Baronii responsionem improbat, ut alteram ex Cano petitam ineat. Haec, inquit, Baronii responsio, licet Mireo, et Vossio, aliisque placuerit, mihi tamen haudquaquam satisfacit. Quis enim credat Gregorii Magni aetate integriores fuisse Sozomeni Codices, quam nunc sint? Nam Cassiodori aetate, qui Gregorium Magnum antecessit, nihilo auctiores errant Sozomeni Codices iis, quos nunc habemus: Idque ex historia tripartita ejusdem Cassiodori facile est cognoscere. Decretorium profecto est contra Baronium Valesii argumentum, quod ex tripartita Cassiodori historia repetit. Cum enim is e tribus Graecis Auctoribus Theodoreto, Socrate, ac Sozomeno per Epiphanium Scholasticum latine redditis historiam sacram compendio redegerit, non ultra historiam ex Sozomeno defloratam producit, quam ubi hodierni Sozomeni Codices desinunt. Adeo verum est, Cassiodori aetate, atque adeo multo magis Gregorii Magni temporibus Sozomeni codices nihilo auctiores fuisse iis, quos nunc habemus. Falsum itaque, libros aliquos posteriores ejus historiae excidisse, e quibus illa de Theodoro Mopsuesteno lacinia a Gregorio Magno peti potuerit. Melchioris Cani Vindicationes 50 An den Glauben der Leser appelliere ich, ob nicht auch Cano dies an erster Stelle erkannt hat. Er sagt: „Gregor hat entweder die anderen Bücher des Sozomenos gelesen, die nicht in unsere Hände gelangt sind, oder etc.“ Sicher ist das, wie wir gesehen haben, eine zweigeteilte Antwort. Und diesen ersten Weg, das in äußerste Verlegenheit bringende Problem zu lösen – über die verlorengegangenen Bücher des Sozomenos –, hat er eröffnet; von ihm meinte Baronio, ihm allein habe er sich aufgetan. Wenn nun darin etwas an Glaubhaftigkeit steckt, dann muss es ganz und gar Melchior Cano zugeschrieben werden, da es von ihm erkannt worden ist; er hat nämlich als erster von allen diesen Weg eröffnet, und man darf ihm keine Achtlosigkeit unterstellen, als ob er weniger Aufmerksamkeit darauf verwendet hätte. Doch darin liegt Baronio völlig falsch; er wollte nämlich, dass man bei dieser Lösung verharren solle, um die andere zu verachten, die von Cano selbst vorgebracht worden war. Und ebenso wollte er es, um einem gebildeten Mann zu zürnen, weil er gesagt hat, Gregor der Große sei vielleicht in der Erinnerung fehlgegangen, weshalb er Sozomenos anstelle von Theodoret genannt hat; denn es wäre nun einmal bei weitem zuverlässiger, dass Gregor der Große aus einer Erinnerungslücke heraus anstelle von Theodoret Sozomenos geschrieben hat, als dass einige Bücher des Sozomenos verlorengegangen sind, was Baronio beständig behauptet. Henri Valois weist in seinen Beobachtungen zu Sokrates und Sozomenos, die er ins Lateinische übersetzt hat, die Antwort Baronios zurück, um die zweite, aus Cano gezogene Antwort anzuführen. Er sagt: „Diese Antwort Baronios, mag sie auch die Zustimmung von Miré, Voss und anderen gefunden haben, stellt mich überhaupt nicht zufrieden. Wer nämlich könnte glauben, dass die Bücher des Sozomenos zur Zeit Gregors des Großen vollständiger waren, als sie es heute sind? Zur Zeit Cassiodors nämlich, der älter als Gregor der Große war, waren die Bücher des Sozomenos nicht vollständiger als jene, die wir heute besitzen. Das kann man leicht anhand Cassiodors Historia tripartita erkennen.“ Valois’ Argument, das er aus Cassiodors Historia tripartita entnimmt, ist tatsächlich entscheidend gegen Baronio. Denn als dieser die heilige Geschichte aus den drei griechischen Autoren Theodoret, Sokrates und Sozomenos, die durch den Scholastiker Epiphanius ins Lateinische übersetzt worden sind, zusammengefasst hat, führte er keine aus Sozomenos ausgewählte Geschichte vor, die in den heutigen Büchern des Sozomenos irgendwo ausgelassen wird. Daher ist es wahr, dass zur Zeit Cassiodors und daher mehr noch zur Zeit Gregors des Großen die Bücher des Sozomenos nicht vollständiger waren als jene, die wir heute besitzen. Aus diesem Grund ist es falsch, irgendwelche anderen späteren Bücher seines Geschichtswerkes wegzunehmen, aus denen Gregor der Große diese Informationen über Theodor von Mopsuestia entnehmen konnte. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 51 Haec igitur, inquit Cassiodorus in praefatione, historia Ecclesiastica, quae cunctis Christianis valde necessaria comprobatur, a tribus Graecis auctoribus mirabiliter constat esse descripta; Uno scilicet Theodoreto venerabili Episcopo, et duobus disertissimis viris, Sozomeno, et Socrate, quos nos per Epiphanium Scholasticum latino condentes eloquio, necessarium duximus eorum dicta deflorata in unius styli tractum, Domino juvante, perducere, et de tribus auctoribus unam facere dictionem. Iis adde Sozomenum, si pauca e suo penu interjecta excipias, nil nisi Socratem exscripsisse in historia concinnanda. Res legenti, et utrumque historicum conferenti perspicua est. At Socrates historiam ad ea dumtaxat tempora perduxit, quo eam hodierni Sozomeni Codices referunt. Non ergo pro arbitrio fingendum est, posteriores ejusdem historiae extitisse libros, quos et Gregorius legerit, et injuria temporum nobis abstulerit. Sed rem totam plane conficit, et Baronio prorsus occludit os Sozomeni praefatio ad Theodosium Imperatorem, cui suam nuncupavit historiam. Novem dumtaxat hujus historiae libros se scripturum adpromittit: In novem libros commode distribui posse judicavi. Totidem porro referunt hodierni Codices, a quibus controversa lacinia procul abest. Quo itaque jure plures hujus historiae libros fingere liceat, qui a Gregorii aetate nobis exciderint? Satius igitur est, hodiernos Sozomeni codices integros fateri, et Gregorium Magnum memoria lapsum Sozomenum pro Theodoreto nominasse. Nam et ea levis oscitantia est, quam viri vel maximi pati possunt, cujus et exempla non pauca Baronius ipse nobis subministrat in Annalibus ad annum 604. atque istud maxime. Divi Gregorii Nazianzeni, Theologi antonomastice dicti, Sanctitate, atque Doctrina celeberrimi, qui in ea oratione, quam de Sancto Cypriano ad populum habuit, manifesto lapsus errore cognoscitur, cum duos in unum Cyprianos conflate, Antiochenum, atque Carthaginensem, quos constat fuisse diversos, inter seque distinctos. Aliunde vero in Theodoretum, uti Canus notat, optime cadunt quaecunque hoc ipso, quem expendimus, loco refert Gregorius Pontifex. Melchioris Cani Vindicationes 52 Cassiodor sagt in seiner Einleitung: „Bekanntermaßen ist diese Kirchengeschichte, die als sehr nützlich für alle Christen angesehen wird, von drei griechischen Autoren wunderbar niedergeschrieben worden. Von Theodoret, dem ehrwürdigen Bischof, und von zwei sehr gelehrten Männern, Sozomenos und Sokrates. Von ihnen, die uns durch den Scholastiker Epiphanius in lateinischer Sprache erhalten sind, halten wir es für notwendig, ihre erlesenen Worte mit Gottes Hilfe in die fließende Sprache eines einzigen Stiles zu überführen und somit aus drei Autoren eine einzige Abhandlung zu machen.“ Dem ist hinzuzufügen, dass Sozomenos, wenn man das Wenige, das von ihm eigenständig eingefügt worden ist, herausnehmen will, Sokrates lediglich dort kopiert hat, wo die Geschichte übereinstimmen muss. Das wird klar, wenn man beide Historiker liest und vergleicht. Doch Sokrates hat seine Geschichte allein bis zu der Zeit geführt, wie sie die heutigen Bücher des Sozomenos berichten. Also muss es nicht völlig erfunden sein, dass spätere Bücher desselben Geschichtswerkes existiert haben, die auch Gregor gelesen und uns das Unrecht der Zeit genommen hat. Doch Sozomenos’ Vorwort an Kaiser Theodosius, dem er sein Geschichtswerk feierlich ankündigte, hat dafür den letzten Beweis erbracht und Baronio sogleich mundtot gemacht. Er verspricht, die Geschichte in höchstens neun Büchern niederzuschreiben: „Ich glaubte, man könne es in neun Bücher angemessen anordnen.“ Eben so viele nennen die heutigen Kodizes, die keine gegenteilige Information liefern. Mit welchem Recht könnte man sich daher mehr Bücher dieser Geschichte erdichten, die seit Gregors Zeit verloren gegangen sind? Also reicht es so ziemlich aus, die heutigen Bücher des Sozomenos als vollständig zu erachten und zuzugeben, Gregor der Große habe aufgrund einer Erinnerunglücke Sozomenos anstelle von Theodoret genannt. Denn das ist eine Achtlosigkeit, der sogar sehr bedeutende Männer zum Opfer fallen können, wofür auch Baronio selbst uns nicht wenige Beispiele in seinen Annalen zum Jahr 604 liefert; herausstechend ist aber dieses: „Durch einen offensichtlichen Irrtum erkennt man den Fehler des heiligen Gregor von Nazianz, des sprichwörtlichen Theologen, höchst angesehen aufgrund seiner Heiligkeit und seiner Lehre, der in der Rede, die er vor dem Volk über den heiligen Cyprian hielt, die beiden Männer mit Namen Cyprian, den von Antiochia und jenen von Karthago, zu einem einzigen machte, die bekanntermaßen verschieden und voneinander getrennt waren.“ An anderer Stelle aber trifft das für Theodoret zu, wie Cano vermerkt, was Papst Gregor an jener Stelle erwähnt, die ich erkläre. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 53 Theodoretus enim lib. 5. cap. 27. et 40. Theodorum Mopsuestenum commendat, ceu praeclarum Doctorem, et haereticae factionis debellatorem: atque ob id ipsum a quinta Synodo generali damnatus est, actione quinta, can. 13. et 14. Melchioris Cani judicium probat Christianus Lupus in Notis ad Collat. 5. Synodi quintae; Gregorius, inquit, lapsus est memoria, dicens, Hermiae Sozomeni historiam finiri laudibus Theodori. Cardinalis Henricus de Noris in dissertatione historica de quinta Synodo cap. 11. in Cani sententiam propendet magis. Sententia Cani est probabilior: eumque idcirco acerrimi judicii virum vocat; et Baronii in illum censuram minus probat. In eandem Cani sententiam concedit, et Henrici Valesii in illius confirmationem prolata momenta mutuatur, ac probat Natalis Alexander in Synopsi historiae Ecclesiasticae quinti saeculi cap. 4. art. 18. Aut dicendum est, Gregorium Magnum memoriae vitio lapsum fuisse, qui id, quod a Theodoreto dictum est, Sozomeno tribuerit. Qua in sententia fuit noster Melchior Canus lib.11. locorum Theologicorum. Aut certe cum Baronio in annotationibus ad Martyrologium Romanum, dicendum est, maximam partem libri noni Hermiae Sozomeni hodie desiderari: Historiam scilicet annorum circiter decem, et octo, a consulatu Agricolae, et Eustachii usque ad consulatum decimum septimum Theodosii Augusti; et in iis capitibus, quae hominum injuria periere, Sozomenum ea scripsisse de Theodoro Mopsuesteno, quae a S. Gregorio Magno referuntur. Verum hanc Baronii responsionem Valesius non probat, quia Gregorii Magni aetate integriores non erant Sozomeni Codices, quam nunc sint. Nam Cassiodori aetate, qui S. Gregorium antecessit, nihilo auctiores erant iis, quos nunc habemus. Quod ex historia tripartita ejusdem Cassiodori perspicuum est. At iis omnibus praestat Justinianus Imperator in edicto contra tria capitula, ubi postquam Theodori lapsum recitavit, ita subdit: Pro iis testimonium praebent Sozomenus, et Hesichius, et Socrates, et Theodoretus, qui multas pro Theodoro laudes fecit. Theodoreto itaque speciale fuit, ut Theodorum laudibus commendaret, non Sozomeno. Quod quidem argumentum pro Melchiore Cano adversus Baronium videtur invictum. Melchioris Cani Vindicationes 54 Denn Theodoret empfiehlt im fünften Buch, Kapitel 27 und 40, Theodor von Mopsuestia gewissermaßen als herausragenden Gelehrten und Vorkämpfer der häretischen Sekte. Und aufgrund dessen ist er von der fünften Generalsynode, fünfte Verhandlung, Kanon 13 und 14, verurteilt worden. Melchior Canos Urteil billigt Christian Wolf in seinen Anmerkungen zur fünften Kollation der fünften Synode [Zweites Konzil von Konstantinopel, 553]. Er sagt: „Gregor hat sich in der Erinnerung getäuscht, wenn er sagt, das Geschichtswerk des Hermias Sozomenos werde durch das Lob Theodors bestimmt.“ Kardinal Enrico Noris in seiner historischen Abhandlung über die fünfte Synode, Kapitel 11, neigt noch mehr Canos Ansicht zu: „Canos Ansicht ist glaubhafter.“ Und daher nennt er ihn einen „Mann von sehr scharfsinnigem Urteilsvermögen“. Doch Baronios Urteil ihm gegenüber erkennt er weniger an. Canos Ansicht pflichtet Noël Alexandre bei, entlehnt Henri Valois’ Gründe, die er zu seiner Bestätigung vorgebracht hat, und beweist sie in seiner Synopse der Kirchengeschichte des 15. Jahrhunderts, Kapitel 4, Artikel 18: „Entweder muss man sagen, dass Gregor der Große einer Erinnerungslücke zum Opfer gefallen ist, weil er das, was von Theodoret gesagt worden ist, Sozomenos zugeschrieben hat. Dieser Ansicht war unser Melchior Cano im elften Buch der Loci theologici. Oder man muss mit Baronio in seinen Anmerkungen im Martyrologium Romanum sagen, dass man heute den größten Teil des neunten Buches des Hermias Sozomenos vermisst, genauer, die Geschichte von ungefähr 18 Jahren vom Konsulat des Agricola und Eustachius bis zum 17. Konsulat Kaiser Theodosius’. Und in jenen Kapiteln, die durch das Unrecht der Menschen untergegangen sind, habe Sozomenos über Theodor von Mopsuestia geschrieben, was der heilige Gregor der Große berichtet. Doch diese Antwort von Baronio erkennt Valois nicht an, weil die Bücher des Sozomenos zur Zeit Gregors des Großen nicht vollständiger waren, als sie es heute sind. Denn zur Zeit Cassiodors, der älter als der heilige Gregor ist, waren sie nicht vollständiger als jene, die wir heute besitzen. Das geht deutlich aus der Historia tripartita Cassiodors hervor.“ Doch Kaiser Justinian übertrifft sie alle in seinem Edikt gegen drei kleine Kapitel, wo er, nachdem er von Theodors Vergehen berichtet hatte, folgendermaßen fortfährt: „Das bezeugen Sozomenos, Hesychius, Sokrates und Theodoret, der Theodor sehr gelobt hat.“ Daher galt es speziell für Theodoret, Theodor voll des Lobes zu empfehlen, nicht aber für Sozomenos. Das freilich scheint ein unüberwindliches Argument für Melchior Cano gegen Baronio zu sein. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 55 Verum opponit Baronius: Spondet Sozomenus in praefactione ad Theodosium, se perducturum historiam suam usque ad 17. consulatum ipsius, nempe ab anno 324. usque ad annum 439. Hodierni vero Codices definunt in Consulatu Agricolae, et Eustachii. Terminantur enim nece, seu potius placida morte Constantii Imperatoris Collegae Honorii, qui sub Agricola, et Eustachio consulibus extinctus est anno 421. Desunt ergo anni circiter 18. qui ab eo consulatu ad 17. Theodosii consulatum effluxere. Quibus praesertim temporibus, oborta haeresi Nestoriana, quae a praedicto Theodoro Mopsuesteno ducit originem, de eodem Theodoro prolixior erat absque dubio narratio. Ita sane spondet Sozomenus. At qui historiam ad decimum septimum consulatum Theodosii se perducturum spondet, hanc quoque novem dumtaxat libris se complexurum profitetur: Porro hoc opus meum, inquit ille, a tertio consulatu Crispi et Constantini Caesarum, usque ad septimum decimum Consulatum tuum progreditur. Idque in novem libros commode distribui posse existimavi. Nonum autem librum habemus. Quid ergo? Profecto si quidpiam hujus historiae intercidit, ubi decem, et octo annorum spatia concludantur, non libri integri, ut Baronius putat, sed capitula forte aliqua interciderunt; quae post decimum septimum, quod in hodiernis codicibus ultimum est, legebantur. Quidni etiam dicamus, Sozomenum alienis forte curis occupatum, non stetisse promissis? Divinationi enim hic locus est. Ut est, excitata illa a Baronio difficultas nihil juvat Gregorii Magni causam. Demus quippe historiam decem et octo annorum ex Sozomeni Codicibus intercidisse: eam certe ante Gregorium intercidisse necesse est, cum in Cassiodori compendio, qui Gregorio aetate superior est, desideretur. Atque adeo nihil ex ea, de Theodori laudibus exscribere potuit Sanctissimus Pontifex. Interea quod ad Canum attinet, is profecto in tuto est. Nemo prudens responsionem ejus improbaverit, in ea utrinque difficultatum obsidione. Alterutrum enim nesessario respondendum est: Vel Gregorium alia in Sozomeno legisse, quae ad manus nostras non venere: Vel memoria lapsum, pro Theodoreto Sozomenum scripsisse. Melchioris Cani Vindicationes 56 Doch Baronio wendet dagegen ein: Sozomenus verspricht in seinem Vorwort an Theodosius, er werde sein Geschichtswerk bis zu dessen 17. Konsulat führen, sprich, vom Jahr 324 bis zum Jahr 439. Die heutigen Bücher enden mit dem Konsulat des Agricola und des Eustachius. Sie werden nämlich durch den Tod oder eher durch den willkommenen Tod des Honorius, des Kollegen Kaiser Konstantius’, begrenzt, der unter den Konsuln Agricola und Eustachius im Jahr 421 getötet worden ist. Also fehlen ungefähr 18 Jahre, die zwischen diesem und dem 17. Konsulat des Theodosius liegen. Besonders in der Zeit, als die Sekte der Nestorianer aufgekommen ist, die ihren Ursprung von dem zuvor genannten Theodor von Mopsuestia haben, gab es zweifelsohne einen ausgedehnteren Bericht über denselben Theodor. So freilich verspricht es Sozomenos. Doch so, wie er verspricht, sein Geschichtswerk bis zum 17. Konsulat des Theodosius zu führen, bekennt er auch, dass sie lediglich neun Bücher umfassen wird. Er sagt nämlich: „Ferner reicht mein Werk vom dritten Konsulat der Cäsaren Crispius und Konstantinus bis zu deinem 17. Konsulat. Und ich meinte, man könne dies auf neun Bücher angemessen verteilen.“ Doch wir besitzen das neunte Buch. Was also weiter? Wenn tatsächlich etwas von diesem Geschichtswerk verlorengegangen ist, in dem der Zeitraum von 18 Jahren enthalten war, dann sind die Bücher nicht vollständig, wie Baronio glaubt, sondern vielleicht sind einige kleine Kapitel verloren gegangen, die man nach dem 17. Kapitel, das in den heutigen Ausgaben das letzte ist, gelesen hat. Warum soll man denn nicht sagen, dass Sozomenos, der vielleicht mit anderen Sorgen beschäftigt war, seinen Versprechen nicht nachgekommen ist? Denn hier ist viel Raum für Spekulation. Wie auch immer, die von Baronio aufgebrachte Schwierigkeit hilft Gregor dem Großen in nichts. Ich gebe freilich zu, dass die Geschichte von 18 Jahren in den Ausgaben des Sozomenos verloren gegangen ist. Sicher ist sie notwendigerweise bereits vor Gregor verloren gegangen, da man sie in Cassiodors Kompendium, der älter als Gregor ist, vermisst. Daher konnte der hochheilige Papst nichts aus ihr über Theodors Lob schreiben. Was insofern Cano betrifft, so ist er tatsächlich in Sicherheit. Kein kluger Mann dürfte seine Antwort missbilligen, in einer beiderseits schwierigen Situation. Beiden muss man zur Antwort geben: Entweder hat Gregor etwas in Sozomenos gelesen, was nicht in unsere Hände gelangt ist, oder er hat aufgrund einer Erinnerungslücke anstelle von Theodoret Sozomenos geschrieben. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 57 Caput IV. Tertia de laeso Doctore Angelico accusatio depellitur. Pergo ad alteram quorumdam reprehensorum criminationem. Res sic se habet. Oraculum Evangelicum Lucae secundo, Jesus autem proficiebat sapientia, et aetate, et gratia apud Deum, et homines, exponens in catena aurea Doctor Angelicus, congestis pro more suo variorum Patrum interpretationibus, ita Gregorium Nazianzenum loquentem inducit. Graecus Nazianzenus: dicitur autem secundum humanitatem proficere, non quod ipsa suscipiat augmentum, quae ab initio fuit perfecta, sed ex eo quod paulatim manifestabatur. In quae verba observat Melchior Canus lib. 12. de locis cap. 14 lectionem vitiosam esse, eumque locum immerito tribui Gregorio Nazianzeno, apud quem nihil hujusmodi legere est. Graecus, inquit ille, quem refert saepissime Divus Thomas in catena (quamvis hoc loco vitiosa sit lectio, et tribuatur Gregorio Nazianzeno) ait, dicitur secundum humanitatem proficere, etc. Cani censuram, qua locum illum Gregorio Nazianzeno falso tribui monet, carpit Jacobus Billius in annotationibus ad orationem 20. S. Gregorii Nazianzeni num. 65. Vir doctissimus Melchior Canus lib. 12. de locis cap. 14. in hoc fallitur, quod ille, ubi Divi Thomae catenam citat, vitiosam lectionem esse ait, falsoque ea verba Nazianzeno nostro tribui. Vides enim Graecum illum, quem Divus Thomas profert, Graecum nostrum esse. Quare periculosum est, negare aliquid in auctore quopiam esse, nisi totus ille auctor memoria teneatur. Nazianzeni vero locus, quem a Doctore Angelico vere indigitatum Billius opinatur, sic habet, ea in Oratione, quae est de Basilii laudibus: quod ego in Salvatore prospicio, atque etiam, ut opinor, sapientiorum quilibet, quo tempore nobiscum extitit, id quod supra nos, et nostrum erat formatus, hoc quoque hic contigisse animadverto. Melchioris Cani Vindicationes 58 Viertes Kapitel Eine dritte Anschuldigung wegen des Angriffs gegen den Doktor Angelicus wird niedergeworfen Ich fahre mit einer weiteren Anschuldigung einiger Tadler fort. Die Sache verhält sich folgendermaßen. Der Doctor Angelicus, der die Verheißung im zweiten Kapitel des Evangeliums nach Lukas: Jesus nahm zu an Weisheit und Alter und Gnade bei Gott und den Menschen [Lk 2,53] in seiner Catena aurea erklärt, führt, nachdem er nach seiner Gewohnheit die Übersetzungen verschiedener Väter gesammelt hat, Gregor von Nazianz als Sprecher folgendermaßen ein. Der Grieche aus Nazianz sagt: „Sein Menschsein soll zugenommen haben, wobei nicht das Zuwachs erhielt, was von Beginn an vollkommen war, sondern das, was allmählich deutlich wurde.“ Zu diesen Worten bemerkt Melchior Cano im zwölften Buch der Loci, Kapitel 1423, dass die Lesart fehlerhaft ist und die Stelle zu Unrecht Gregor von Nazianz zugeschrieben wird, bei dem doch nichts Derartiges zu lesen ist. Er sagt: „Der Grieche, den der heilige Thomas sehr häufig in seiner Catena erwähnt (obgleich die Lesart an dieser Stelle fehlerhaft ist und sie Gregor von Nazianz zugeschrieben wird), sagt: „Er habe an seinem Menschsein zugenommen etc.“.“ Jacques de Billy kritisiert Canos Urteil, in dem er mahnt, die Stelle sei fälschlich Gregor von Nazianz zuerkannt worden, in seinen Anmerkungen zur 20. Rede des heiligen Gregor von Nazianz, Nr. 65: „Der sehr gelehrte Melchior Cano täuscht sich im zwölften Buch De locis theologicis, Kapitel 14, darin, dass er behauptet, dort, wo er die Catena des heiligen Thomas zitiert, sei die Lesart fehlerhaft und man schreibe die Worte fälschlicherweise unserem Gregor aus Nazianz zu. Man erkennt nämlich deutlich, dass jener Grieche, den der heilige Thomas anführt, unser Grieche ist. Daher ist es gefährlich, zu bestreiten, dass etwas bei einem Autor vorkommt, wenn nicht der ganze Autor überliefert ist.“ Doch die Stelle des Gregor von Nazianz, von der de Billy meint, sie sei vom Doctor Angelicus wirklich falsch hergeleitet worden, findet sich in der Rede, die Basilius’ Lob enthält. Dort heißt es folgendermaßen: „Was ich am Heiland sehe und auch, wie ich meine, jeder andere ziemlich verständige Mann sieht, der zur selben Zeit lebt, nämlich, dass er über uns und für uns geschaffen worden war, daran erkenne ich, dass auch dies sich darauf bezieht. 23 Kapitel 13 ist das letzte Kapitel der loci. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 59 Proficiebat enim, inquit, ut aetate, ita etiam sapientia: non quod haec in illo incrementum caperent (quid enim in eo, quod a principio perfectum erat, perfectius esse possit?) sed quod haec paulatim detegerentur, et elucerent. Eodem modo Basilii virtutem eo tempore, non incrementum, sed majorem operationem accepisse arbitror, uberiorem nempe materiam suppeditante potestate. Billii animadversionem mutuatur Theophilus Raynandus in diatribis adversus Cyriacos, multaque in Canum probra jacit, atque dicteria. At perperam illi et injuria; Ac primo quidem, quod hic censura notat Melchior Canus, Divum Thomam non tangit, sed ejus dumtaxat operis editorem. Siquidem Doctor Angelicus passim in catena aurea graecum illum expositorem indicat, absque ulla peculiari nomenclatione vage tantum, atque ex solo nomine patriae. Qui vero veteres editiones curarunt, vagum illud Graeci auctoris nomen speciali quadam nota determinarunt; prout in Graecis auctoribus reperisse sibi visi sunt, quae ex Graeco auctore Doctor Angelicus recitabat. Ea fiducia freti viri boni, Gregorium Nazianzenum notarunt hoc loco, quasi ex eo petita esset recitata sententia, quia non nihil simile apud eum legere est Oratione 20. de laudibus S. Basilii. Quare non Divum Thomam, sed ejus veteres editores carpit hic Canus noster. Jure porro, an injuria carpat, expendamus. Certe, quantum capio, jure omnino id agit. Nam si sententiam ab Angelico Doctore ex graeco auctore relatam cum Nazianzeni loco conferamus, non verbis modo, sed et, quod notandum magis, sensu different. Sententia quippe a Divo Thoma laudata, de profectu humanitatis aperte disserit, prout complectitur essentialia homini, quatenus homo est. Nazianzeni autem oratio, de accidentibus, aetate scilicet, atque sapientia. Non ergo Graeci auctoris nomine Nazianzenus designatur. Hincque effectum est, ut Joannes Nicolai Theologus Pariesiensis novissimus, caeterisque omnibus diligentior, et accuratior Catenae Angelicae editor, totam illam Graeci expositoris indistincte laudati pericopen, non Nazianzeno, sed Cyrillo Alexandrino tribuerit, apud quem (videlicet assertione 28. thesauri) legi potest, sin minus totidem verbis, at certe sensu, ac potestate. Melchioris Cani Vindicationes 60 Denn, so heißt es, so, wie er an Alter zunahm, nahm er auch an Weisheit zu. Nicht, weil sie in ihm weiter zunahm (denn was, was von Beginn an vollkommen war, könnte in ihm vollkommener sein?), sondern, weil sie sich allmählich zeigte und hervorleuchtete. Auf dieselbe Weise glaube ich, dass Basilius’ Tugend in dieser Zeit nicht anwuchs, sondern tätiger wurde, und zwar, da seine Fähigkeit reichhaltigere Materie zur Verfügung stellte.“ Théophil Raynaud entlehnt de Billys Beobachtung in seinen Diatribae adversus Cyriacos und äußert viele Vorwürfe voller Sarkasmus gegen Cano. Doch das ist ihm gegenüber falsch und ungerecht. Und zwar betrifft das, was Melchior Cano hier in seiner Beurteilung vermerkt, erstens nicht den heiligen Thomas, sondern lediglich den Herausgeber seines Werkes. Insofern gibt der Doctor Angelicus in seiner Catena aurea den griechischen Exegeten ohne Unterschied an, lediglich ungenau ohne namentliche Anrede, einzig mit dem Namen seiner Heimatstadt. Jene aber, die die alten Ausgaben besorgt haben, haben den seltenen Namen des griechischen Autors anhand eines speziellen Merkmals so bestimmt, wie sie offensichtlich bei griechischen Autoren das vorgefunden haben, was der Doctor Angelicus aus einem griechischen Autors zitierte. Im Vertrauen darauf haben tüchtige Männer an dieser Stelle Gregor von Nazianz vermerkt, als ob man von ihm die wiedergegebene Ansicht hätte herleiten können, weil bei ihm etwas Ähnliches in der 20. Rede über das Lob des heiligen Basilius zu lesen ist. Daher kritisiert an dieser Stelle unser Cano nicht den heiligen Thomas, sondern dessen alte Herausgeber. Ich werde weiter erklären, ob er sie zu Recht oder Unrecht kritisiert. Sicher macht er das, soweit ich es verstehe, mit vollem Recht. Denn wenn wir die Ansicht, die der Doctor Angelicus aus einem griechischen Autor zitiert hat, mit der Stelle des Mannes aus Nazianz vergleichen, dann unterscheiden sie sich nicht nur in der Wortwahl, sondern, was man mehr noch bemerken muss, auch im Sinn. Sicher behandelt die vom heiligen Thomas gelobte Ansicht ganz klar die Zunahme des Menschseins, so wie man die essentialia am Menschen insoweit versteht, wie er Mensch ist. Doch die Rede des Gregor von Nazianz handelt von den Akzidenzien, nämlich Alter und Weisheit. Also versteckt sich nicht Gregor von Nazianz hinter dem Namen des griechischen Autors. Daraus folgt, dass Jean Nicolaï, ein sehr junger Pariser Theologe, ein umsichtigerer und genauerer Herausgeber der Catena aurea als alle übrigen, jene Perikope des unklar gelobten griechischen Exegeten nicht Gregor von Nazianz, sondern Cyrill von Alexandria zugeschrieben hat. Bei ihm nämlich kann man lesen (offensichtlich in der 28. Behauptung des Thesaurus): „Wenn schon nicht ebenso an Worten, so doch sicher im Sinn und an Macht“. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 61 Ego vero, ut fatear ipse quod sentio, nec Nazianzenum, nec Cyrillum, nec alium ex notis auctoribus hoc loco (aut aliis quibusvis, ubi Graecus simpliciter expositor notatur) legi velim. Sentio quippe, nec forte mihi vana fides, Graecum illum certum auctorem esse, sed Anonymum, qui, ut aliis contigisse notum est, sua dumtaxat scripta sciri ad publicam utilitatem, sed se nesciri, ad privatam humilitatem voluit. Etsi, quoquo pacto se res pures habeat, stat prudens, nullique animadversioni obnoxia Cani censura. Melchioris Cani Vindicationes 62 Ich aber, um meine eigene Meinung zu äußern, möchte nicht, dass man an dieser Stelle (oder an irgendeiner anderen, wo einfach ein griechischer Exeget vermerkt wird) Gregor von Nazianz, Cyrill oder einen anderen der bekannten Autoren liest. Sicher glaube ich, und vielleicht ist das kein inhaltsloser Glaube, dass jener Grieche zwar ein zuverlässiger Autor, doch ein anonymer ist, der, wie es bekanntermaßen bei anderen geschehen ist, wollte, dass man seine Werke lediglich wegen des öffentlichen Gebrauchs, doch ihn selbst wegen seiner persönlichen niederen Abkunft nicht kennen sollte. Auch wenn die Sache irgendwie faul ist, steht sie klug da; Canos Urteil hat sich keiner Anfeindung schuldig gemacht. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 63 Caput V. De oppugnato Divo Hieronymo querela refutatur. In judicium a nonnullis traducitur Canus, tamquam in Divum Hieronymum nimis injurius lib. 11. de locis cap. 5. ubi recolens S. Doctoris sententiam, de veterum Patrum traditione, qua Adamum in monte Calvariae sepultum, ajunt, non debuit, inquit, tantopere ridere Hieronymus Adami in loco Calvariae sepulturam: Nec nos, viri licet sanctissimi exemplo, historias hujusmodi ridere debemus. Id scilicet minus reverenter dictum criminantur nonnulli reprehensores. Age itaque videamus, a quibus, et per quos, ad nos usque ea traditio manarit, quae a Divo Hieronymo irrisa est; Ut hinc judicari merito possit, an irrisionem moleste tulerit Canus noster. Certe vix ulla de pia quadam, ac religiosa historia, traditio ferri potest, quae adstipulatoribus et antiquitate, et auctoritate majoribus adnitatur. Horum agmen, ut par est, duceret Tertullianus lib. 2. contra Marcionem metrice scripto, si ipsius re vera opus esset, ut a multis creditum est. Ita quippe ibi legere est. Golgotha locus est, capitis calvaria quondam, Lingua paterna prior sic illum nomine dixit. Hic medium terrae est, hic est victoria signum, Os magnum hic veteres nostri docuere repertum: Hic hominem primum suscepimus esse sepultum; Hic pariter Christi pio sanguine terra madescit, Pulvis Adae, ut possit veteris cum sanguine Christi Commixtus, stillantis aquae virtute sanari. Verum spurium Tertulliani partum rejiciunt quotquot extant criticae scientiae periti, quibus persuasum est, tantum virum, tam iratas musas non habuisse. Melchioris Cani Vindicationes 64 Fünftes Kapitel Widerlegung der Klage wegen des Angriffs gegen den heiligen Hieronymus Von einigen wird Cano angeklagt, er sei gegen den heiligen Hieronymus im elften Buch De locis theologicis, Kapitel 5, gewissermaßen zu ungerecht gewesen. Dort habe er die Ansicht des heiligen Gelehrten über die Tradition der alten Väter wiedergegeben, worin sie sagen, Adam sei auf dem Berg Calvaria bestattet worden. Cano schreibt: „Hieronymus durfte sich nicht sehr über das Begräbnis des Adam auf dem Berg Calvaria lustig machen und auch wir dürfen uns nicht, obgleich aufgrund des Beispiels eines sehr heiligen Mannes, über derartige Geschichten lustig machen.“ Einige Tadler werfen ihm vor, er habe das freilich wenig achtungsvoll gesagt. Daher also lasst uns sehen, von wem und durch wen diese Überlieferung bis zu uns heute gekommen ist, über die der heilige Hieronymus gespottet hat, um so beurteilen zu können, ob sich unser Cano zu Recht über den Spott geärgert hat. Sicher wäre kaum eine Überlieferung über eine fromme und religiöse Geschichte haltbar, die sich aufgrund von Alter und Autorität auf Übereinstimmungen, aufgrund von Autorität auf Vorfahren stützt. Ihre Schar würde, wie es angemessen ist, Tertullian im zweiten Buch Contra Marcionem anführen, das in Versen abgefasst ist, wenn das Werk, wie viele glauben, wirklich von ihm stammt. Und dort freilich ist zu lesen: Golgatha ist der Ort, einstige Schädelstätte, die Muttersprache hat früher ihn so mit Namen genannt. Hier ist die Mitte der Erde, hier steht das Zeichen des Sieges, hier haben unsere Alten gelehrt, sei das große Haupt gefunden worden: Wir haben erfahren, dass hier der erste Mensch begraben wurde; Hier hat in gleicher Weise Christi frommes Blut die Erde getränkt, Adams Staub, damit, vermischt mit dem alten Blute Christi, Man heilen könnte durch die Tugend des träufelnden Wassers. Doch das Tertullian fälschlich zugewiesene Werk weisen so viele zurück, wie es Kundige in den kritischen Wissenschaften gibt, in der Überzeugung, dass ein so bedeutender Mann solch zornige Musen nicht besessen hatte. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 65 Quare meliori titulo chorum ducet S. Cyprianus tractatu de Resurrectione Christi: Nos ad Christum pertinentes, cujus sanguine conspersa, creditur Adam Calvaria, qui sub loco, quo crux Domini fixa est, humatus dicitur ab antiquis, ejusdem sanguinis sanctificati elapsu laetemur, et delectemur in Domino. Sequitur Origenes tractatu 35. in Matthaeum. Venit ad me traditio quaedam talis, quod corpus Adae primi hominis ibi sepultum est, ubi crucifixus est Christus; Ut sicut in Adam omnes moriuntur, sic in Christo omnes vivificentur. Ut in illo loco, qui dicitur Calvariae locus, idest locus capitis, caput humani generis resurrectionem inveniat cum populo universo per resurrectionem Domini Salvatoris, qui ibi passus est, et resurrexit. Succedit Basilius magnus enarratione in cap. 5 Isaiae. Obtinuit fama quaedam in Ecclesia memoriam conservans, non quidem scripto proditam, quae et talis est. Quod prima utique Judaea hominem habebat incolam, nimirum Adam, simul atque excidit deliciis Paradisi, in hac terra collocatum, ad mitigandam jacturam bonorum, quibus fuerat exutus. Prima igitur etiam mortuum hominem excepit, qui et illic eam sententiam condemnationis plane est executus. Itaque insolens esse ac novum videbatur illius aetatis hominibus spectaculum. Os capitis defluente carne nudum. At illi recondentes cranium, loco illi indidere κράνιον, idest Calvariam. Probabili ratione potuit Noe non ignorasse sepulchrum principis hujus, et mortalium omnium primigenii. Siquidem hac de re fama a diluvio mox per orbem propagata est ab ipso, et dimanavit. Eoque Dominus excussa origine humanae mortis, in loco, qui κράνιον dicitur, idest Calvaria, passus est: Ut quo in loco corruptio, sive mors hominum initium accepit, illic vita regni suum sumeret exordium. Et quemadmodum invaluit in Adam, ita et in Christi morte inefficax redderetur, et pessum iret. S. Athanasius, aut quisquis alius auctor pervetustus homiliae de passione, seu de cruce Domini, apud eumdem. Ubi corruptum est genus humanum, ibi Christus proprium corpus exposuit. Ut ubi seminata est corruptio, ibidem incorruptio oriatur: Propter quod in loco Calvariae crucifigitur: Dicit enim, Et postquam venerunt in locum, qui vocatur Calvariae, ibi crucifixerunt eum: Quem locum Doctores Judaeorum ajunt esse sepulchrum Adae. Melchioris Cani Vindicationes 66 Daher führt der heilige Cyprian mit einem besseren Titel den Reigen durch seinen Traktat De resurrectione Christi an: „Wir, die wir uns auf Christus beziehen, mit dessen Blut Adam auf dem Calvaria besprengt worden sein soll, der unter dem Ort, an dem das Kreuz stand, seit alter Zeit begraben war, wollen uns über das Fallen des geheiligten Blutes freuen und uns erfreuen im Herrn.“ Es folgt ihm nach Origenes im 35. Traktat in Matthaeum: „An meine Ohren gelangte eine solche Überlieferung, dass der Leib Adams, des ersten Menschen, dort begraben sei, wo Christus gekreuzigt wurde. Damit alle so, wie sie in Adam sterben, in Christus wieder zum Leben gelangen. Damit an jenem Ort, der Schädelstätte genannt wird, das heißt Stätte des Hauptes, das Haupt des Menschengeschlechtes seine Auferstehung mit dem gesamten Volk durch die Auferstehung des Herrn, des Retters, findet, der dort gelitten hat und auferstanden ist.“ Basilius der Große folgt ihm in der Enarratio in caput 5 Isaiae: „Ein Gerücht hat sich durchgesetzt, das in der Kirche eine, freilich nicht schriftlich überlieferte, Denkwürdigkeit bewahrt, die sich folgendermaßen verhält. Ein Mensch habe Judäa zuerst bewohnt und zwar Adam, als er aus den Annehmlichkeiten des Paradieses ausgeschlossen war, der in dieses Land versetzt war, um den Verlust der Güter zu lindern, von denen er ausgeschlossen war. Also hat das Land auch den ersten Toten aufgenommen, den auch dort ganz klar das Urteil seiner Verdammnis erreicht hat. Daher schien es ein ungewohntes und neuartiges Schauspiel für die Menschen zu jener Zeit zu sein. Als das Fleisch gewichen war, lag der Knochen des Schädels nackt da. Doch jene begruben das Haupt und gaben jenem Ort den Namen κράνιον [Schädel], das heißt Calvaria. Nach glaubhafter Überlegung konnte Noah sein Grab und das des ersten aller Sterblichen kennen. Insofern hat er selbst dieses Gerücht bald nach der Sintflut auf der Welt verbreitet, und es hat die Zeit überdauert. Der Herr hat an diesem Ursprung des menschlichen Todes, am Ort, der κράνιον genannt wird, das heißt Calvaria, gelitten. Damit von diesem Ort aus, an dem das Verderben oder der Tod der Menschen seinen Anfang nahm, das Leben den Anfang seiner Herrschaft nehmen konnte. Und so, wie er in Adam erstarkte, wurde er in Christi Tod schwach und unwirksam.” Der heilige Athanasius oder irgendein anderer alter Autor der Homilie De passione oder De cruce domini sagt zu demselben: „Dort, wo das Menschengeschlecht vernichtet wurde, hat Christus seinen eigenen Körper zur Schau gestellt. Damit dort, wo der Schaden gesät worden ist, Unvergänglichkeit hervorgeht. Deshalb wird er am Ort Calvaria gekreuzigt. Denn es heißt: Nachdem sie an den Ort gekommen waren, der Calvaria genannt wird, haben sie ihn dort gekreuzigt. Von diesem Ort sagen die Lehrer der Juden, er sei Adams Grabstätte.“ Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 67 Chrysostomus homilia 84. in Joannem: Et exivit in eum, qui dicitur Calvariae locus. Ubi quidam dicunt, Adam et mortuum, et sepultum esse. Et Jesum, ubi mors dominata est, ibidem trophaeum erexisse, hoc est crucem, quam tulit contra mortis tyrannidem. Ambrosius lib. 4. in Lucam: Ipse autem crucis locus, vel in medio, ut conspicuis omnibus: vel supra Adae, ut Hebraei disputant, sepulchrum. Congruebat quippe, ut ibi vitae nostrae primitiae locarentur, ubi fuerunt mortis exordia. Theophylactus in caput 27. Matthaei: Calvaria Cranii locus dictus est, eo quod dicunt, quod traditiones Patrum tenent, quod Adam illic sepultus sit. Idem in cap. 19. Joannis: Porro Calvariae locum dicebant, sicut narratio prodit, quod illic sepultus sit Adam; ut ubi principium mortis, illic et casus ejus fieret. Traditio enim ecclesiastica est; quia prior Judaea, postquam ejectus fuit homo de Paradiso, domicilium ibi habuit, in solatium bonorum quae in Paradiso perdiderat, data est ei terra illa, quae omnium aliarum optima esset, et pinguissima. Propterea et prima omnium suscepit hominem. Homines igitur, qui tunc erant, habuerunt pro miraculo mortui Calvariam depilatam; in illo loco habitantes, inde eum nominaverunt, et post diluvium fama haec in omnes divulgata est. S. Epiphanius lib. 1. adversus Haereses tom. 3. versus finem: Est profecto, quod intelligenti mirum videatur id quod e librorum monimentis deducimus: Dominum nostrum Jesum Christum in Golgotha esse crucifixum, nimirum in eo potissimum loco, in quo Adami corpus jaceret. Hic enim e Paradiso disgrediens diu ex adverso illius habitavit. Deinde longo postea tempore in illum, quem dixi Hierosolymorum locum secessit, ubi et vita functus, in Golgotha sepultus est. Qua ex re merito locus ipse nomen accepit, ut Calvariae interpretando diceretur. Tum quorumdam opinationem confutat, qui locum illum Calvariam dictum ajunt, quod in Calvariae similitudinem aptatus sit, ac demum subdit: Unde igitur Calvariae nomen obtinuit? Melchioris Cani Vindicationes 68 Chrysostomos sagt in Homilia 84. in Ioannem: „Und er ging hinaus an den Ort, der Calvaria genannt wird. Von ihm sagen einige, Adam sei dort gestorben und begraben. Und Christus habe ebendort, nachdem er den Tod besiegt hatte, sein Siegeszeichen, das heißt das Kreuz, aufgestellt, das er gegen die Herrschaft des Todes getragen hatte.“ Ambrosius schreibt im vierten Buch in Lucam: „Der Ort des Kreuzes selbst ist entweder in der Mitte, wie für alle ersichtlich, oder über dem Grab des Adam, wie die Juden sagen. Sicher stimmte es überein, dass dort die Frucht unseres Lebens angesiedelt wurde, wo der Tod begonnen hatte.“ Theophylaktos schreibt zum 27. Kapitel bei Matthäus: „Calvaria hat man die Schädelstätte deswegen genannt, weil man sagt, die Überlieferungen der Väter hielten daran fest, Adam sei dort begraben worden.“ Derselbe sagt zum 19. Kapitel bei Johannes: „Ferner nannten sie den Ort Calvaria, wie die Erzählung berichtet, weil dort Adam begraben sein soll. Damit von dort, wo der Tod begonnen hatte, auch sein Untergang hervorging. Denn das ist Kirchentradition. Weil der Mensch in Judäa zuerst, nachdem er aus dem Paradies verstoßen war, dort seine Heimstatt hatte; zum Trost für die Güter, die er im Paradies verloren hatte, ist ihm jenes Land gegeben worden, das von allen das beste und fruchtbarste war. Daher hat es auch als erstes von allen den Menschen aufgenommen. Also hielten es die Menschen, die damals lebten, für ein Wunderzeichen des Toten, dass der Calvaria der Haare beraubt worden war. Die Einwohner haben ihn daher so bezeichnet, und nach der Sintflut hat sich dieses Gerücht unter allen Menschen verbreitet.“ Der heilige Epiphanius schreibt im ersten Buch Adversus haereses, dritter Teil, gegen Ende: „In der Tat stimmt das, was einem, der es überdenkt, wunderbar erscheint, nämlich das, was man aus den schriftlichen Aufzeichnungen herleitet: Dass unser Herr Jesus Christus auf Golgatha gekreuzigt wurde, und zwar wohl an jenem Ort, an dem Adams Körper lag. Dieser nämlich hat, als er aus dem Paradies gegangen war, lange Zeit auf seiner anderen Seite gewohnt. Hierauf ist er später nach langer Zeit an jenen Ort gekommen, den ich Jerusalem genannt habe, wo er gestorben ist und auf Golgatha begraben wurde. Daher hat der Ort zu Recht den Namen erhalten, um in der Übersetzung ‚Schädel‘ genannt zu werden.“ Danach verwirft er die Vermutung einiger Leute, die behaupten, jener Ort sei Calvaria genannt worden, weil man ihn einem Schädel angeglichen hat, und fügt hinzu: „Weshalb hat er also den Namen Calvaria erhalten? Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 69 quod nimirum primi hominis illic calvaria reperta sit, ejusque reliquiae defossae, ob id Calvariae locus appellatus est: In quo Dominus noster Jesus Christus sublatus in cruce, per aquam illam, et sanguinem, ex ejus perforato latere profluentem, veluti imaginem quamdam totum salutis nostrae negotium adumbravit. Dum primi hominis reliquias ab ipso massae principio rigare coepit, ut ad detergendam labem, faeditatemque nostrum, ac paenitentis animae repurgationem, sui sanguinis aspersionem ostenderet. Paula, et Eustochium, doctae Virgines, in epistola ad Marcellam, inter Hieronymianas 17. in hac urbe (Jerosolyma) imo in hoc toto loco et habitasse dicitur, et mortuus esse Adam. Unde et locus, in quo crucifixus est Dominus noster, Calvaria appellatur, scilicet, quod ibi sit antiqui hominis calvaria condita. Ut secundi Adami, idest Christi, sanguis in cruce stillans, primi Adam, et jacentis protoplasti peccata dilueret, et tunc sermo ille Apostoli compleretur, Excitare qui dormis, et resurge a mortuis, et illuminabit te Christus. Eos inter antiquae traditionis suffragatores, ac testes annumeratur ab aliquibus August. sermone 71. de tempore, ubi ita legimus: Hoc antiquorum relatione refertur, quod et Adam primus homo in ipso loco, ubi crux fixa est, fuerit aliquando sepultus. Et ideo Calvariae locum dictum esse, quia caput humani generis ibi dicitur esse sepultum. Et vere, fratres, non incongrue creditur, quod ibi erectus sit medicus, ubi jacebat aegrotus; et dignum erat, ut ubi occiderat humana superbia, ibi se inclinaret Divina misericordia; et sanguis ille pretiosus etiam corporaliter pulverem antiqui peccatoris, dum dignatur stillando contingere, redemisse credatur. Verum sermo ille in novissima Benedictinorum editione velut apocryphus in appendicem rejectus est. Imo, quod notandum magis, tota illa de Calvariae loco narratio a manuscriptis codicibus abest. Laudat Cardinalis Baronius eundem Augustinum quaest. 161. in Genesim: At non de Adam, sed de Abrahamo, caeterisque Patriarchis dumtaxat agit, dum inquit: Ubi ergo sepelienda erant cadavera Patriarcharum, nisi in ea terra, ubi ille crucifixus est, cujus sanguine facta est remissio peccatorum? Melchioris Cani Vindicationes 70 Deshalb, weil man dort doch sicher den Schädel des ersten Menschen gefunden und seine Überreste vergraben hatte, ist dieser Ort Calvaria genannt worden. In ihm hat unser Herr Jesus Christus, der am Kreuz getötet wurde, durch jenes Wasser und Blut, das aus seiner durchstoßenen Seite hervorfloss, gewissermaßen bildlich die gesamte Leid unseres Heils angedeutet. Als er begann, die Überreste des ersten Menschen vom Anfang der Masse zu benetzen, um das Spritzen seines Blutes zu zeigen, um die Schande und unsere Niederträchtigkeit abzuwischen und die reumütige Seele zu reinigen.“ Paula und Eustochium, die gelehrten Jungfrauen, schreiben im Brief Ad Marcellam inter Hieronymianas 17: „In dieser Stadt (Jerusalem), ja, an diesem ganzen Ort soll Adam gewohnt haben und gestorben sein. Deshalb ist der Ort, an dem unser Herr gekreuzigt worden ist, auch Calvaria genannt worden, und zwar, weil dort der Schädel des alten Menschen begraben worden war. So dass das Blut des zweiten Adams, Christi Blut, am Kreuz herablief und die Sünden des ersten Adams, des dort liegenden ersten Menschen, abwusch; damit sich damals der Ausspruch des Apostels erfüllte: Erwache, der du schläfst, und erhebe dich von den Toten, und Christus wird dich erleuchten [Eph 5,14].“ Unter die Fürsprecher der alten Tradition und Zeugen wird von einigen Augustinus in der 71. Predigt De tempore gezählt, wo man folgendes liest: „In diesem Bericht der Alten wird erwähnt, dass auch Adam, der erste Mensch, einst an jenem Ort, an dem das Kreuz aufgestellt wurde, begraben worden war. Und daher sei der Ort Calvaria genannt worden, weil dort das Haupt des Menschengeschlechts begraben sein soll. Und das, Brüder, glaubt man wahrlich nicht zu Unrecht, dass sich dort der Arzt erhoben hat, wo der Kranke lag. Und es war angemessen, dass sich dort, wo der menschliche Hochmut zu Fall gekommen war, die göttliche Barmherzigkeit hingeneigt hat. Und jenes wertvolle Blut soll auch körperlich den Staub des alten Sünders, da man ihn für würdig befand, es durch sein Herablaufen zu erlangen, erlöst haben.“ Doch jener Sermon ist in der neuesten Ausgabe der Benediktiner wie eine Apokryphe in die Appendix verbannt worden. Ja, was man mehr noch vermerken muss, der ganze Bericht über den Ort Calvaria fehlt den handschriftlichen Kodizes. Kardinal Baronio lobt Augustin selbst in dessen Quaestio 161 in Genesim. Doch nicht über Adam, sondern lediglich über Abraham und die übrigen Patriarchen spricht er, wenn er sagt: „Wo also sollten die Körper der Patriarchen sonst begraben werden, wenn nicht in der Erde, wo jener gekreuzigt wurde, durch dessen Blut die Sünden vergeben worden sind?“ Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 71 Eumdem illum Doctorem sanctissimum lib. 16. de civit. Dei cap. 32. laudat Maldonatus, sed aberrat: Nihil quippe de ea, quam movemus quaestione, eo loci legere est. Quare frustra inter hujus traditionis testes producitur. Iis longe verius certiusque adjungendi veniunt Anastasius Sinaita, Cyrillus Monachus, Nonnus Panopolitanus, S. Germanus, Euthimius, Honorius Augustodunensis, quorum testimonia recenset Malvenda noster, de Paradiso voluptatis cap. 55. Primus omnium adversus traditionem tot testibus quavis exceptione majoribus assertam calamum acuit S. Hieronymus, ac veluti anilem fabellam exsufflavit lib. 4. commentariorum in Matthaeum, ad cap. 27. quasi a privato quodam, vacuoque cerebello excogitatam. Audivi quemdam, inquit ille, exposuisse Calvariae locum, in quo sepultus est Adam, et ideo sic appellatum esse, quia ibi antiqui hominis sit conditum caput; et hoc esse, quod Apostolus dicat: Surge, qui dormis, et exurge a mortuis, et illuminabit te Christus. Favorabilis interpretatio, et mulcens aurem populi, nec tamen vera. Extra urbem enim, et foras portam loca sunt, in quibus truncantur corpora damnatorum; et Calvariae, idest decollatorum, sumpsere nomen. Propterea autem ibi crucifixus est Dominus, ut ubi prius erat area damnatorum, ibi erigerentur vexilla martyrii. Et quomodo pro nobis maledictum crucis factus est, et flagellatus, et crucifixus, sic pro omnium salute quasi noxius, inter noxios crucifigeretur. Sin autem quispiam contendere voluerit, ideo ibi Dominum crucifixum, ut sanguis ipsius super Adae tumulum distillaret; interrogemus eum, quare et alii latrones eodem loco crucifixi sint? Ex quo apparet, Calvariam non sepulchrum primi hominis, sed locum significare decollatorum; ut ubi abundavit peccatum, superabundaret gratia. Adam vero sepultum juxta Hebron, et Arbee, in Jesu filii Nave volumine legimus. Josue 14. Quibus similia habet lib. 3. commentariorum in epist. ad Ephesios ad caput 3. Hieronymum secutus est Isidorus lib. 15. originum cap. 1. Hebron civitas Judaeae. Ipsa est Harbe, a numero ita vocata, quod ibi tres Patriarchae sepulti sint, et quartus Adam. Melchioris Cani Vindicationes 72 [Juan] Maldonado lobt ebenso den hochheiligen Lehrer im 16. Buch De civitate dei, Kapitel 32, doch er irrt sich. Sicher ist an dieser Stelle nichts davon zu lesen, was ich in dieser Frage behandle. Daher rechnet man sie zu Unrecht unter die Zeugen dieser Tradition. Bei weitem wahrer und sicherer soll man unter sie Anastasius Sinaita, den Mönch Cyrill, Nonnus Panopolitanus, den heiligen Germanus, Euthimius, Honorius von Autun rechnen, deren Zeugnisse unser [Tomaso] Malvenda in De paradiso voluptatis, Kapitel 55, aufzählt. Als erster von allen hat der heilige Hieronymus gegen die Tradition, die man mit so vielen – unter einer gewissen Einschränkung – ziemlich bedeutenden Zeugen die Feder gespitzt und wie Altweibergeschwätz vertrieben, im vierten Buch der Commentaria in Matthaeum zu Kapitel 27, das gewisserma- ßen von einem einfachen und geistlosen Menschen erdacht worden ist. Er sagt: „Ich habe gehört, jemand habe den Ort Calvaria erklärt, an dem Adam begraben ist, und gesagt, er sei daher so genannt worden, weil dort das Haupt des alten Menschen begraben worden ist. Und dies sei, was der Apostel sagt: Erhebe dich, der du schläfst, und erhebe dich von den Toten, Christus wird dich erleuchten [Eph 5,14]. Diese Auslegung ist einnehmend und erfreut das Ohr des Volkes, aber sie ist dennoch nicht wahr. Denn außerhalb der Stadt und vor dem Tor sind die Orte, an denen die Körper der Verurteilten verstümmelt werden. Und der Ort heißt Calvaria, das heißt ‚Ort der Enthaupteten‘. Deswegen aber ist der Herr gekreuzigt worden, um dort, wo zuvor der Ort der Verurteilten war, das Zeichen seines Martyriums aufzurichten. Und so, wie er für uns zur Schande des Kreuzes wurde, gegeißelt und gekreuzigt, wurde er für unser aller Heil gewissermaßen schuldig unter Schuldigen gekreuzigt. Wenn aber jemand behaupten wollte, der Herr sei deshalb dort gekreuzigt worden, damit sein Blut Adams Grab durchtränkte, will ich ihn fragen, warum an ebendiesem Ort auch andere Räuber gekreuzigt worden sind? Daraus geht hervor, dass Calvaria nicht das Grab des ersten Menschen, sondern den Ort der Enthaupteten bezeichnet. Damit dort, wo die Sünde in großer Fülle zugegen war, die Gnade in noch größerer Fülle erscheint. Dass Adam aber in der Nähe von Hebron und Arbea begraben worden ist, lesen wir im Buch des Jesus Nave, Josua 14.“ Ähnliches sagt er im dritten Buch der Commentaria in epistulam ad Ephesios, zu Kapitel 3. Hieronymus gefolgt ist Isidor im 15. Buch der Origines, Kapitel 1: „Hebron ist eine Stadt in Judäa. Sie selbst ist Harbe, die so von einer Zahl von Leuten genannt wurde, weil dort drei Patriarchen begraben worden sind und als vierter Adam.“ Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 73 Subscripsit Venerabilis Beda in caput. 27. Matthaei: Golgotha, namque, inquit ille, Syrum nomen est, et interpretatum Calvariae. Est autem ipse locus in Helia, tunc extra urbem ad septemtrinonalem plagam montis Sion, et Calvariae, non ob calvitium primi hominis, quem ibi quidam errantes sepultum frustra suspicantur: sed ob decollationem reorum, atque damnatorum dicitur. Et propterea, ibi crucifixus est Dominus, ut ubi prius area damnatorum erat, erigerentur vexilla martyrii. Lege eumdem in cap. 23. Lucae. Adstipulati sunt Paschasius Ratbertus lib. 12. in Euang. Matthaei, et Doctor Angelicus 3. p. quaest. 47. art. 10. ad 3. ubi Divi Hieronymi verba excribit, eorumque rationem istam profert, quia magis Jesu crucifigendus erat in loco communi damnatorum, quam juxta sepulchrum Adae; ut ostendaretur, quod crux Christi non solum erat in remedium contra peccatum personale ipsius Adae, sed etiam contra peccatum totius mundi. Porro nemo erit, opinor, qui si rem paulo penitius introspiciat, traditionem ab Hieronymo irrisam, testibus longe pluribus, iisque gravioribus, confirmatam non agnoscat. Atque ita Canum nostrum ex historiae legibus egisse, dum pro defendendis tot reliquis Patribus, a me paulo ante laudatis, ab Hieronymo in re praesertim ad fidem minime spectante, quaeque facti duntaxat est, discessit. Quin imo nil dubitandum, Cypriani, Origenis, Basilii, Athanasii, Chrysostomi, Ambrosii, Epiphanii testimonia Hieronymum latuisse; quibus si probatam de Adami calvaria traditionem novisset, non ita libenter irrisisset, tamquam ab obscuri nominis homunculo excogitatam. Melchioris Cani de contraria Hieronymi opinione judicium probat annalium parens ad annum 34. At, inquit ille, tanti Patris in primis rogata venia, his nequaquam adduci possumus, ut quod non ab uno, vel alio, sed ab omnibus fere antiquis Patribus, nec ut quidpiam recens excogitatum, sed a majoribus traditum, et scriptum est, tam facile contemnamus, cum praesertim ea, quae ad haec impugnanda inducit, non videantur esse hujusmodi, quae nos ab illis paenitus dissentire compellant. Melchioris Cani Vindicationes 74 Das bestätigt Beda Venerabilis zum 27. Kapitel bei Matthäus: „Denn Golgatha ist ein syrischer Name, den man auch Calvaria übersetzt hat. Aber der Ort selbst liegt in Helia, damals außerhalb der Stadt nach Norden zum Berg Zion gelegen. Und er soll nicht aufgrund des haarlosen Schädels des ersten Menschen, von dem einige irrtümlich annehmen, er sei dort begraben worden, Calvaria genannt worden sein, sondern aufgrund der Enthauptung von Angeklagten und Verurteilten. Und deshalb ist der Herr dort gekreuzigt worden, um dort, wo zuvor der Ort der Verurteilten war, das Zeichen seines Martyriums zu errichten.“ Man lese auch seine Worte zum 23. Kapitel bei Lukas. Beigepflichtet haben auch Paschasius Radbertus im 12. Buch zum Evangelium nach Matthäus und der Doctor Angelicus [in der Summa theologiae] p. 3, q. 47 [46], art. 10, ad 3, wo er die Worte des heiligen Hieronymus aufschreibt und folgendes als ihren Sinn wiedergibt, weil „Jesus eher am gemeinsamen Ort der Verurteilten gekreuzigt werden sollte, als in der Nähe von Adams Grabstätte. Um zu zeigen, dass Christi Kreuz nicht nur als Heilmittel für die eigene Sünde Adams stand, sondern auch für die Sünde der ganzen Welt.“ Ferner wird es meiner Ansicht nach niemanden geben, der, wenn er diesen Sachverhalt ein wenig genauer betrachtet, die Tradition, die von Hieronymus verhöhnt und von so vielen, ziemlich bedeutenden Zeugen bestätigt worden ist, nicht anerkennt. Und dass unser Cano wegen der Gesetze der Geschichte so vorgegangen ist, als er zur Verteidigung so vieler anderer Väter, die von mir kurz zuvor gelobt worden sind, sich von Hieronymus in einer Sache, die sich besonders wenig auf den Glauben bezieht, die lediglich einer Tatsache entspricht, entfernt hat. Ja, man darf sogar nicht daran zweifeln, dass Hieronymus die Zeugnisse des Cyprian, Origenes, Basilius, Athanasius, Chrysostomos, Ambrosius und Epiphanius unbekannt waren. Wenn er die Tradition, die über den Schädel des Adam von ihnen bewiesen worden ist, gekannt hätte, hätte er sie nicht so leichtfertig verhöhnt, als ob sie von einem unbedeutenden Menschen unbekannten Namens erfunden wäre. Der Vater der Annalen billigt Melchior Canos Urteil über die gegenteilige Meinung des Hieronymus zum Jahr 34. Dort sagt er: „Doch wir können durch die besonders für einen so bedeutenden Vater erbetene Nachsicht keineswegs dazu veranlasst werden, etwas, das nicht von dem einen oder anderen, sondern von fast allen alten Vätern nicht so, wie etwas vor kurzer Zeit Erdachtes, sondern von den Vorfahren überliefert und niedergeschrieben worden ist, so leicht zurückzuweisen, da besonders das, was dazu veranlasst, es zu bekämpfen, nicht so zu sein scheint, was uns dazu antriebt, davon ganz und gar Abstand zu nehmen.“ Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 75 Quod idem habent Pamelius in notis ad sermonem S. Cypriani de resurrectione, Perrerius lib. 7. in Genesim, Toletus in cap. 19. Joannis annotatione 12. Bellarminus lib. 3. de statu peccati cap. 12. Fevardentius in notis ad caput 34. libri 2. S. Irenaei, et alii non pauci. Et vero duo duntaxat in oppositum adducit Hieronymus. Primum, quod Calvariae locus non a primi Parentis cranio, seu calvaria nomen traxerit, sed a capitibus decollatorum; quia illic truncabantur capita damnatorum: secundum quod Josue 14. Adam sepultus dicatur in Cariatharbe, versu 15. nomen Hebron ante vocabatur Cariatharbe; Adam maximus ibi inter enacim situs est. Utrumque vero elumbe est. Ac primum quidem nihil conficit. Esto quippe a capitibus truncatorum Calvariae locus appellatus esset; quid tamen vetat, ne et locus ille, ubi primus homo sepultus asseritur, postmodum sit electus ad supplicia damnatorum, quod in edito situs esset, et Hierosolymis proximus? Nos locum publicum damnatorum fuisse an ambigimus: fuerunt enim ibi, cum Christo et alii crucifixi latrones: Sed unde Calvariae nomen obtinuerit, certo nescimus. Nam quod de truncatis ibi reorum capitibus dicitur, vix credi potest. Cum ejusmodi supplicium apud Hebraeos nec lege sanctitum esset, nec consuetudine comprobatum. Unicum enim ante Christi passionem Joannis Baptistae capite minuti exemplum occurrit apud Hebraeos; Caetera inde secuta, quae vel in Scripturis, vel in antiquae memoriae instrumentis occurrunt, a Romanis tunc imperitantibus, apud quos haec supplicia in usu erant, ad Judaeos sibi subditos derivata sunt. Quare nihil ex ea nuncupatione certo colligi potest. Quin et Cyrillus Hierosolymitanus Catechesi 13. locum hunc, nec ex Adami cranio, nec ex capitibus damnatorum, sed a Christo capite nostro ibidem aliquando passuro, Calvariam prophetice nuncupatum affirmat. Redde usuram illi, qui propter te hoc sacro Golgotha crucifixus est. Golgotha vero interpretatur Calvariae locus. Aliqui ego prophetice locum hunc Golgotham appellaverunt, in quo verum caput Christus crucem sustinuit. Melchioris Cani Vindicationes 76 Dasselbe sagen auch [Jacques de Joigny de] Pamèle in seinen Anmerkungen zur Predigt des heiligen Cyprian über die Auferstehung, Pereira im siebten Buch zur Genesis, [Francisco] Toledo in der Anmerkung zum 19. Kapitel bei Johannes, Bellarmin im dritten Buch De statu peccati, Kapitel 12, [François] Feuardent in den Anmerkungen zum 34. Kapitel des zweiten Buches des heiligen Irenäus und nicht wenige andere. Und dennoch führt Hieronymus lediglich zwei Argumente für das Gegenteil an. Erstens, dass der Ort Calvaria nicht von dem Haupt des ersten Vaters oder dem Schädel seinen Namen erhalten hat, sondern von den Köpfen der Enthaupteten. Weil dort die Köpfe der Verurteilten abgeschlagen wurden. Zweitens, weil es in Josua 14 heißt, Adam soll in Kirjat-Arba begraben worden sein, Vers 15 [Jos 14,15]: Hebron hieß früher Kirjat-Arba, Adam war der größte Mann unter den Enakitern. Beides aber ist kraftlos. Und das erste bewirkt gar nichts. Soll es doch so sein, dass der Ort nach den Schädeln der Enthaupteten Calvaria genannt wurde. Denn was verbietet es, dass jener Ort, von dem man sagt, an ihm sei der erste Mensch begraben worden, später zur Hinrichtung der Verurteilten bestimmt worden ist, weil er emporragte und Jerusalem sehr nahe war? Oder zweifeln wir daran, dass es ein öffentlicher Ort für Verurteilte war. Denn dort waren auch andere Räuber mit Christus gekreuzigt worden. Doch woher der Ort den Namen Calvaria erhalten hat, wissen wir nicht sicher. Denn das, was über die abgeschlagenen Köpfe der Angeklagten gesagt wird, kann man kaum glauben, da eine derartige Strafe bei den Juden weder durch ein Gesetz veranschlagt noch durch eine Gewohnheit bestätigt worden ist. Denn vor der Passion Christi tritt bei den Juden Johannes der Täufer als einziges Beispiel dafür auf, einen Kopf abzuschlagen. Die restlichen, die danach folgten, die entweder in den Schriften oder in den Werken der alten Geschichte begegnen, sind von den Römern, die damals herrschten, bei denen dieser Art der Hinrichtung üblich war, zu den Juden gekommen, die ihnen untergeben waren. Daher kann man aus dieser Nachricht nichts Sicheres folgern. Ja, sogar Cyrill von Jerusalem behauptet in der 13. Katechese, dass dieser Ort weder aufgrund Adams Kopfes noch aufgrund der Köpfe der Verurteilten, sondern wegen Christus, unserem Haupt, der dort einst leiden sollte, in prophetischer Weise Calvaria genannt wurde: „Statte ihm, der für dich an diesem heiligen Ort Golgatha gekreuzigt worden ist, den Zins ab. Unter Golgatha aber versteht man den Ort Calvaria. Andere und ich haben diesen Ort in prophetischer Weise Golgatha genannt, an dem Christus, das wahre Haupt, das Kreuz getragen hat.“ Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 77 Secundum ex Josue 14. petitum argumentum eruditissime a Cano nostro confutatum est; cui hac in parte consentiunt Critici sacri Baronius, Maldonatus, Ser[r]arius, Estius, et alii pene omnes adversus Hieronymi opinationem. Minus etiam iis interpretibus probatur, quod S. Doctor in epist. ad Eustochium de Paulae epitaphio scripserat: Haec est Cariatharbe, id est oppidum virorum quatuor, Abraham, Isaac, Jacob, et Adam magni, quem ibi conditum, juxta librum Jesu Nave Hebraei autumant. Licet plerique Caleb, quartum putent, cujus ex latere memoria monstratur. Observant scilicet laudati Bibliorum interpretes, Cariatharbe significare potius civitatem Arbeae, la Città di Arbea, qui et magnitudine, et robore celebris erat, nec non Enaci Pater. unde et Enacitae dicti sunt gigantes illi praegrandes, quorum comparatione Israelitae quasi locustae videbantur, Numerorum cap. 13. versu 34. Is enim civitati nomen dederat, ibique demum sepultus est, quod scriptura iis verbis significant: Adam maximus ibi inter Enacin situs est, Josue 14. versu 15. Quasi diceret, homo maximus inter gigantes Enacitas ibi sepultus est. Adam enim quandoque commune nomen est, hominem quemcumque significans. Merito itaque Canus noster veterum traditionem ab Hieronymo irrideri moleste tulit, cui leves dumtaxat rationes Sanctus Doctor opposuit, et ab omnibus pene interpretibus impugnatas. Ratio vero Doctoris Angelici in contrarium excogitata, congrua quidem est, et ingeniosa, posita facti veritate, sed factum non evincit: cum et rerum contingentium, quaeque meri facti sunt, nulla dari ratio possit. Aut certe si quid haec mystica ratio valet, ea certe quadrabit longe felicius in hypothesi traditionis a Divo Hieronymo rejectae. Si enim crucifixus est Christus eo in loco, ubi et sepultus est Adam, et rei communiter plectebantur, hinc colligere erit, Christum, et in remedium contra peccatum personale ipsius Adae, et contra peccatum totius mundi, mortem sustinuisse. Melchioris Cani Vindicationes 78 Das zweite, aus Josua 14 entnommene Argument, ist von unserem Cano sehr gelehrt widerlegt worden. In diesem Teil stimmen die heiligen Kritiker Baronio, Maldonado, Serarius, van Est und fast alle anderen gegen die Meinung des Hieronymus überein. Weniger wird sie auch durch die Übersetzer bewiesen, weil der heilige Lehrer im Brief Ad Eustochium über das Grab der Paula geschrieben hatte: „Das ist Kirjat-Arba, die Stadt der vier Männer Abraham, Isaak, Jakob und des großen Adam, von dem die Juden nach dem Buch des Jesus Nave [Josua] glauben, er sei dort begraben. Obwohl die meisten als vierten Kaleb ansehen, dessen Gedächtnis auf der Seite gezeigt wird.“ Freilich erkennen die gelobten Übersetzer der Bibel, dass Kirjat-Arba eher die Stadt Arbea bezeichnet, la Città di Arbea [die Stadt des Arbea], der an Größe und Stärke bekannt und Vater des Enak war. Daher sind die Enakiten als gewaltige Riesen bezeichnet worden, im Vergleich zu denen die Israeliten wie Heuschrecken erschienen, Numeri 13,34. Er hatte der Stadt den Namen gegeben und ist dort schließlich begraben worden, was die Schrift mit folgenden Worten ausdrückt: Adam war der größte unter den Enakiten, Josua 14,15. Als ob sie sagen würde: „Der größte Mensch unter den riesigen Enakiten ist dort begraben worden.“ Denn Adam ist bisweilen ein gemeinsamer Name, der jeden Menschen bezeichnet. Daher hat sich unser Cano zu Recht darüber geärgert, dass die Tradition der Alten von Hieronymus verhöhnt wird, der den heiligen Lehrer lediglich leichtfertige Überlegungen entgegengestellt hat, die auch von fast allen Interpreten bekämpft wurden. Die Überlegung des Doctor Angelicus aber, die für das Gegenteil erdacht worden ist, ist zwar passend und geistreich, da die Wahrheit der Tatsache dargestellt worden ist, kann aber nicht von der Sache überzeugen, da man keine Rechenschaft über nahestehende Dinge, die Eigenart einer reinen Tat sind, ablegen kann. Oder wenn diese geheimnisvolle Überlegung eine Bedeutung hat, wird sie sicher bei weitem günstiger in die Hypothese der vom heiligen Hieronymus verworfenen Tradition passen. Denn wenn Christus an dem Ort gekreuzigt worden ist, an dem Adam begraben worden war, und man sie damit verbunden hat, dann wird man daraus folgern, dass Christus den Tod auf sich genommen hat als Heilmittel für Adams eigene Sünde und für die Sünde der ganzen Welt. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 79 CAPUT VI. De actis sextae Synodi oecumenicae oscitanter lectis, ac temere usurpatis querimoniae diluunter. Possevinus in apparatu sacro Canum male habet, quod ex aliis minus fidis scriptoribus nonnulla narravit. In qua tanta segete rerum, inquit, et historiarum, si quid irrepsit ex aliis minus fidis scriptoribus, id jam ab aliis est indicatum. Exemplum porro minus fidorum Scriptorum, quorum narrationibus plus aequo tribuerit Canus, mox subjicit: Sane, inquit, auctor summae conciliorum contra fidem epistolarum Agathonis Pontificis maximi scripsit (cujus tamen rei mentio nulla fit) scriptam fuisse epistolam illam ad concilium sextum; cum ad Imperatorem utraque fuerit scripta. Extant vero illae secundo conciliorum tomo. Caeterum corrigendi quicumque auctores tum Graeci, tum Latini, qui Honorio Pontifici Maximo notam inurere haereseos alicujus ausi sunt, ex Synodi actionibus a Theodoro depravatis. Haec ille: ad marginem vero librum 4. indigitat de locis communibus cap. 3. Quasi ibi Canus noster hac in parte lapsus sit; cum nihil ea de re eo loci habeat, sed verius lib. 6. cap. ultimo, in responsione ad ultimum argumentum. Baronius non absimiliter in Annalibus ad annum 681. n. 37. hac ipsa de causa eidem isultat: Quem, inquit, voluissem sensibus potius Canum, quam nomine. Hoc idem in Cano carpit Bellarmius libro 4. de Romano Pontifice cap. 11. Verum quo titulo, perpendamus. Ita igitur Canus noster lib. 6, cap. ultimo, in responsione ad ultimum argumentum: Sententiam in Honorium latam ex Romani Pontificis consensu fuisse, exploratum est, in sexta synodo generali, actione quarta, ubi Agatho in epist. ad concilium, Honorium ipsum anathematizat. Utrumque illud, si Possevino, Baronio, Bellarmino credimus, falsum est: Melchioris Cani Vindicationes 80 Sechstes Kapitel Die Klagen über die Akten der sechsten ökumenischen Synode, die teilnahmslos gelesen und leichtfertig verwendet worden sind, werden widerlegt Possevino behandelt Cano in seinem heiligen Kommentar schlecht, da er einiges aus anderen weniger glaubwürdigen Schriftstellern berichtet habe. Er sagt: „In der so großen Fülle von Dingen und Geschichten haben bereits andere gezeigt, wenn sich etwas aus weniger glaubwürdigen Schriftstellern eingeschlichen hat.“ Nun aber hat er kurz darauf ein Beispiel für weniger glaubwürdige Schriftsteller angeführt, deren Erzählungen Cano mehr Raum als angemessen zugestanden hat. Er sagt: „Sicher hat der Autor der Summa conciliorum gegen die Glaubwürdigkeit der Briefe Papst Agathons geschrieben (das wird allerdings nirgendwo erwähnt), dass der eine Brief an das sechste Konzil geschrieben worden sei, obwohl beide an den Kaiser gerichtet waren. Sie aber liegen im zweiten Band der Konzilien vor. Im Übrigen müssen alle Autoren, lateinische wie auch griechische, verbessert werden, wenn sie es wegen der Verhandlungen der Synode, die von Theodor verunstaltet worden sind, gewagt haben, Papst Honorius das Mal der Häresie einzubrennen.“ Soweit jener Autor. Das aber hat er am Rand zum vierten Buch De locis communibus, Kapitel 3, vermerkt. Als ob unser Cano in diesem Teil von der Wahrheit abgekommen sei, obwohl nicht dort etwas davon auszumachen ist, sondern wahrheitsgemäßer im sechsten Buch, letztes Kapitel, in der Antwort auf das letzte Argument. Baronio verhöhnt Cano darauf bezogen in seinen Annalen zum Jahr 681, Nr. 37, ganz ähnlich: „Ich wollte, Cano wäre mehr seinen Sinnen nach ein Hund als bloß dem Namen nach.“ Dasselbe hat auch Bellarmin an Cano im vierten Buch De Romano pontifice, Kapitel 11, kritisiert, doch wissen wir nicht, unter welcher Überschrift. So also schreibt unser Cano im sechsten Buch, letztes Kapitel, in seiner Antwort auf das letzte Argument: „An dieser Stelle fügt er auch hinzu, dass das gegen Honorius gefällte Urteil die Zustimmung des Römischen Papstes gefunden hat. Das ist in der vierten Verhandlung der sechsten Generalsynode dargestellt worden. Dort spricht Agathon im Brief an das Konzil gegen Honorius selbst den Kirchenbann aus.“ Beides ist, wenn man Possevino, Baronio und Bellarmin glaubt, falsch. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 81 Nam et epistola, inquiunt illi, ad Imperatorem directa est, et nulla in ea legitur Honorii mentio, sed aliorum tantummodo; quorum auctores, Agathonis verba sunt, extiterunt Theodorus Pharanitanus, Cyrus Alexandrinus, Sergius, Pyrrhus, Paulus, et Petrus Constantinopolitani, vel quivis ei consentanei usque in finem demonstrati sunt. Sed etsi venialis esse posset Cani culpa, siquid forte hac in re ab illo aberratum esset; quia, ut ipsi fatentur reprehensores, auctor summae conciliorum, quae illius aetate circumferebatur, contra fidem epistolarum Agathonis, Honorii nomen addiderat, nihil tamen ab ipso erratum evinco. Nam et epistola illa ad concilium quodam sensu scripta dici poterat, etsi ad Imperatorem directa esset: quia nihil aliud erat, quam Legatorum, quos ad Synodum Agatho dirigebat, instructio doctrinalis. Unde et illam actione quarta in Synodo legi necesse fuit, et in octava confirmari: Et ad illam rescripto responderunt Synodi Patres. Quare ad Imperatorem pro Synodi Patribus scripta erat. Honorium etiam ferit, et anathematizat ea in epistola Agatho Ponitfex, sin minus distincto nomine, at saltem generali sententia, ob doctrinae scilicet communionem. Unde et ait, vel quivis ei consentanei usque in finem demonstrati sunt. Quos inter profecto fuit Honorius. Nec vana illa conjectatio est, sed ipsius sextae synodi auctoritate confirmata, in epistola synodica ad Agathonem Romanum Pontificem; ubi Honorium cum caeteris Monothelitis anathematizare se profitentur Episcopi, ob sententiam jam in ipsos ab ipsomet Agathone in datis epistolis pronunciatam. Anathematibus interficimus, ex sententia per sacras vestras litteras de iis prius lata, Theodorum Episcopum Pharam, Sergium, Honorium, Cyrum, Paulum, Pyrrhum, et Petrum. Quae res argumento est, vel Honorium distincto nomine cum caeteris anathemate percussum fuisse, in ea Agathonis epistola, quod subinde nescio quo pietatis officio a quopiam expunctum sit: vel quod certius longe est, Honorium ex communione causae, generali cum caeteris damnatione petitum fuisse. Melchioris Cani Vindicationes 82 Denn der Brief ist an den Kaiser gerichtet, so behaupten jene, und darin wird Honorius überhaupt nicht erwähnt, sondern lediglich andere. Die Worte Agathons sind: „Als deren Urheber galten Theodor Pharanitanus, Cyrus aus Alexandria, Sergius, Pyrrhus, Paulus und Petrus aus Konstantinopel, oder jene, die in Übereinstimmung damit gegen Ende gezeigt worden sind.“ Doch auch wenn Canos Schuld verzeihlich ist, wenn er in dieser Sache vielleicht vom Weg abgekommen wäre, bin ich davon überzeugt, dass der Irrtum nicht durch ihn selbst entstanden ist, weil, wie selbst seine Kritiker zugeben, der Verfasser der Summa conciliorum, die zu seiner Zeit verbreitet war, gegen das Vertrauen in die Briefe des Agathon den Namen des Honorius hinzugefügt hatte. Denn man könnte auch sagen, dass dieser Brief in irgendeinem Sinn an das Konzil geschrieben worden ist, auch wenn er an den Kaiser gerichtet war, da er ja nichts anderes war als eine instructio doctrinalis der Legaten, die Agathon zum Konzil schickte. Daher ist er notwendigerweise in der vierten Verhandlung der Synode vorgelesen und in der achten bestätigt worden. Und auf ihn antworteten die Väter der Synode in ihrem Rückschreiben. Daher war er an den Kaiser für die Väter der Synode geschrieben worden. Papst Agathon weist in diesem Brief außerdem Honorius zurecht und belegt ihn mit dem Kirchenbann, wenn auch nicht mit Namensnennung, so doch wenigstens durch ein generelles Urteil, und zwar aufgrund der Gemeinschaft in der Lehre. Daher sagt er auch: „Oder jene, die in Übereinstimmung damit gegen Ende genannt worden sind.“ Unter ihnen war in der Tat Honorius. Und dies ist keine nichtige Vermutung, sondern eine durch die Autorität der sechsten Synode selbst im Brief der Synode an den Römischen Papst Agathon bestätigte. Dort bekennen die Bischöfe, dass sie über Honorius zusammen mit den übrigen Monotheliten den Kirchenbann verhängen, aufgrund des Urteils, das ihnen bereits in den von Agathon selbst gesandten Briefen verkündet worden ist: „Mit dem Kirchenbann strafen wir, aufgrund des Urteils, das an uns durch Eure heiligen Briefe über diese zuvor herangetragen worden ist, Theodor, den Bischof von Phara, Sergius, Honorius, Cyrus, Paulus und Petrus.“ Dieser Sachverhalt dient als Argument dafür, dass Honorius entweder namentlich zusammen mit den anderen in diesem Brief des Agathon gebannt, sein Name aber später durch eine Geste der Achtung von jemandem getilgt worden ist, oder, was bei weitem sicherer ist, Honorius wegen der Gemeinschaft an jener Streitsache von der generellen Verurteilung mit den anderen bedroht worden ist. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 83 Id etiam ex actione 13. ejusdem sextae Synodi compertum est: Ubi cum sententiam in Sergium, Cyrum, Pyrrhum, Paulum, Petrum, et Theodorum ab Agathone ea in epistola latam, memorassent synodi Patres, suoque calculo comprobassent, Honorium consequenter eodem telo petitum colligunt. Cum iis vero, inquiunt, simul projici a Sancta Dei Catholica Ecclesia, simulque anathematizari praevidimus, et Honorium, qui fuerat Episcopus antiquae Romae, eo quod invenimus per scripta, quae ab eo facta sunt ad Sergium, quia in omnibus ejus mentem secutus est, et impia dogmata confirmavit. Adstipulatur Adrianus II. Romanus Pontifex in epistola lecta, et approbata in octava synodo. Ubi postquam Honorium in sexta synodo damnatum memoravit, ob injectam haereseos accusationem subjungit: quamvis nec ibi, nec Patriarcharum, nec caeterorum Antistitum cuipiam de eo fas fuerit proferendi sententiam, nisi ejusdem primae sedis Pontificis consensus praecessisset auctoritas. Quibus verbis significat, Honorium ab Agathone primam sedem obtinente fuisse praedamnatum. Caeterum, an Honorius, uti privata persona, re ipsa de fide duplicis in Christo voluntatis male senserit; atque idcirco Haereticus fuerit, quod Canus existimat: an oeconomia, et conniventia in Monothelitas dumtaxat peccaverit, atque idcirco uti fautor erroris anathemate petitus sit, quod alii plerique sentiunt, opinionis est, Bellarmino teste lib. 4. de Romano Pontifice cap. 11. in responsione ad 4. nullaque idcirco lis in virum eruditum movenda est. Quod vero suffugium quaerunt laudati censores, Baronius scilicet, Bellarminus, et Possevinus, ut Honorium, quacumque vel asserti erroris, vel favoris errantibus impensi labe liberent, vitiata scilicet esse sextae synodi acta a Theodoro viro haeretico; pie quidem excogitatum est, at non ita certo. Quamquam hic instituti nostri non est, illud expendere. Hoc dicam unum: si sextae synodi acta, ubi inter Monothelitas notatur Honorius, ab aliquo nebulone, qui venerandum Pontificis nomen intulerit, vitiata sunt; vitiata quoque dicenda sunt acta synodi septimae, et octavae, ubi ejusdem Honorii nomen caeteris Monothelitis annumeratur; Vitiata quoque epistola Leonis secundi ad Constantinum Imperatorem, quae sextae synodi acta confirmavit. Melchioris Cani Vindicationes 84 Das ist auch aus der 13. Verhandlung derselben sechsten Synode zu erfahren. Dort haben, nachdem die Väter der Synode an das gegen Sergius, Cyrus, Pyrrhus, Paulus, Petrus und Theodor von Agathon in diesem Brief vorgebrachte Urteil erinnert und durch ihre eigene Einschätzung bestätigt hatten, behauptet, Honorius sei folglich mit demselben Geschoss angegriffen worden. Sie sagen: „Wir aber haben bestimmt, dass auch Honorius, der Bischof des alten Rom war, mit ihnen zugleich aus Gottes heiliger Katholischer Kirche ausgestoßen und mit dem Kirchenbann belegt wird wegen dem, was wir in seinen Schriftstücken gefunden haben, die von ihm an Sergius gerichtet sind, weil er in allem dessen Ansinnen gefolgt ist und gottlose Lehren bekräftigt hat.“ Der Römische Papst Hadrian II. legt es in seinem vorgelesenen und auf der achten Synode anerkannten Brief fest, wo er, nachdem er an die Verurteilung des Honorius auf der sechsten Synode erinnert hatte, der aufgeführten Anklage wegen Häresie beigefügt hat: „Obwohl dort keinem Patriarchen oder einem anderen der übrigen Bischöfe das Recht gegeben wäre, über ihn ein Urteil zu fällen, wenn nicht die Autorität der Übereinstimmung desselben Pontifex primae sedis vorausgegangen wäre.“ Mit diesen Worten zeigt er, dass Honorius von Agathon, der den ersten Sitz innehatte, vorverurteilt worden ist. Im übrigen, ob Honorius als Privatmann tatsächlich über den Glauben an den zweifachen Willen in Christus eine falsche Ansicht hatte und daher ein Häretiker war, was Cano glaubte, oder ob er lediglich aufgrund seiner Verwaltung und aus Nachsicht gegenüber den Monotheliten gesündigt hat und deshalb wie ein Unterstützer der Irrlehre mit dem Kirchenbann belegt worden ist, was sehr viele andere meinen, ist Ansichtssache, da Bellarmin als Zeuge dafür im vierten Buch De Romano pontifice, Kapitel 11, in der Antwort auf das vierte Argument steht, und soll daher keinen Streit unter gebildeten Männern hervorrufen. Was aber die gelobten Kritiker, nämlich Baronio, Bellarmin und Possevino, als Ausflucht suchen, um Honorius von jeglichem Fehltritt, einen Irrtum behauptet oder Irrende aufwendig unterstützt zu haben, zu befreien, nämlich dass die Akten der sechsten Synode von Theodor, einem häretischen Mann, verunstaltet worden sind, ist zwar fromm erfunden, aber nicht gerade zuverlässig. Indessen ist es nicht Ziel meines Vorhabens, dies näher zu erklären. Als einziges möchte ich dies sagen: Wenn die Akten der sechsten Synode, in denen Honorius unter den Monotheliten vermerkt wird, von einem Taugenichts, der den ehrwürdigen Namen des Papstes angeführt hat, verunstaltet worden sind, dann muss das auch von den Akten der siebten und achten Synode behauptet werden, in denen der Name desselben Honorius den anderen Monotheliten eingereiht wird. Verunstaltet ist dann auch der Brief Leos II. an Kaiser Konstantin, der die Akten der sechsten Synode bestätigt hat. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 85 Nam et illic perinde Honorius anathemate petitur. Sed ab invidiosa, nostroque instituto inutili quaestione temperandum. Melchioris Cani Vindicationes 86 Denn Honorius wird auch dort mit dem Kirchenbann bestraft. Doch von einer solchen missgünstigen und für mein Vorhaben unbrauchbaren Frage will ich ablassen. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 87 CAPUT VII. Cani sententia de Sacramenti Matrimonii administro ab aemulorum censuris eximitur. Displicet non paucis Melchioris Cani sententia de sacramenti matrimonii administro, quem usque adeo presbyterum esse docet lib. 8. de locis cap. 5. ut matrimonium stare quidem velit ratum, ac firmum titulo contractus, non tamen titulo sacramenti, dum a Ministro ecclesiastico sacris, ac solemnibus verbis minime celebratur. Similiter et verba, quibus consensum mutuum conjuges exprimunt, formam esse vult contractus conjugalis, non itidem sacramenti, personasque contrahentes ministros esse fatetur contractus civilis, non sacramenti conjugii. Hanc opinionem uti novam et singularem sugillat Bellarminus lib. 1. de matrimonio cap. 6. et sequentibus; quin etiam addit, Canum, dum totis viribus probare conatur Matrimonium sine forma verborum a ministro ecclesiastico prolata celebratum non esse Sacramentum, illud etiam evincere, quantum in se est, nullum re vera esse in ecclesia matrimonii sacramentum. Non desunt et alii, qui suis praejudiciis occupati in eamdem eruditi viri sententiam liberius obloquantur, variisque pro arbitrio censures afficiant. Non est hic instituti nostri theologicas quaestiones integras texere, dum observationes dumtaxat apologeticas damus. Nec idcirco officii ratio postulat, ut, quae pro tuenda illa Cani sententia ferri possunt, summo studio congeramus. Id nobis ad praesens satis est, si hanc eruditi viri doctrinam nec singularem, nec novam probemus, et cum novatorum errore, qui matrimonii sacramentum ab ecclesia pellunt, nihil habere commune demonstremus. Melchioris Cani Vindicationes 88 Siebtes Kapitel Canos Ansicht über die Spende des Ehesakraments wird von der Kritik der Gegner befreit Nicht wenigen missfällt Melchior Canos Ansicht über den Spender des Ehesakraments, von dem er im achten Buch De locis theologicis, Kapitel 5, lehrt, er sei in dem Grade ein Presbyter, dass die Ehe zwar seiner Meinung nach rechtsgültig und unter der Bezeichnung Vertrag stark besteht, nicht aber unter der Bezeichnung Sakrament, solange sie nicht von einem Diener der Kirche mit heiligen und feierlichen Worten zelebriert wird. Ähnlich ist er auch der Meinung, dass die Worte, mit denen das Brautpaar seine wechselseitige Zustimmung ausdrückt, die Form des Ehevertrags sind, nicht aber in gleicher Weise die des Sakraments, und er gibt zu, dass die Personen, die die Ehe schließen, die Spender des zivilen Vertrages sind, nicht aber des Ehesakraments. Diese Meinung verhöhnt Bellarmin als „neu und einzigartig“ im ersten Buch De matrimonio, Kapitel 6 und in den darauffolgenden. Ja, er fügt sogar hinzu, dass Cano, wenn er versucht, mit aller Macht zu beweisen, dass die Ehe ohne die Form der Worte, die vom Diener der Kirche vorgetragen werden, kein feierliches Sakrament ist, auch davon überzeugen will, soweit es ihm möglich ist, dass es in der Kirche wirklich kein Sakrament der Ehe gibt. Und es gibt auch andere, die aus eigenen Vorurteilen heraus freimütiger der Ansicht des gebildeten Mannes widersprechen und sie nach Gutdünken mit verschiedener Kritik schwächen wollen. Es ist hier und jetzt nicht mein Ziel, unentschiedene theologische Fragen aufzuwerfen, wenn ich lediglich apologetische Beobachtungen vorbringe. Daher fordert auch die Intention meines Unternehmens nicht danach, mit höchstem Eifer das zu sammeln, was man vorbringen kann, um Canos Ansicht zu verteidigen. Es reicht mir für den gegenwärtigen Zeitpunkt aus, wenn ich beweisen kann, dass die Lehre des gebildeten Mannes nicht neu und einzigartig ist, und zeige, dass sie nichts mit dem Irrsinn der Neuerer zu tun hat, die das Sakrament der Ehe aus der Kirche stoßen wollen. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 89 Novam esse profecto non dicet, quisquis eam a Guillelmo Parisiensi traditam noverit, lib. de sacramentis, tractatu de Matrimonio cap. 9. quaest. 1. et cap. de Baptismo: a Petro Paludano in 4. senten. dist. 5. quaest. 2. a Simone Vigorio Theologo Parisiensi, in suffragio Tridenti dato, cujus meminit Cardinalis Pallavicinus lib. 22. historiae cap. 9. n. 5. Addam etiam a Divo Thoma (etsi illum suas in partes vel invitum caeteri trahant) in 4. senten. dist. 1. quaest. 2. art. 3. ad 5., ubi inquit: Matrimonium secundum quod est in officium, et paenitentia secundum quod est virtus, non habent aliquam formam verborum; sed secundum quod utrumque est sacramentum, in dispensatione ministrorum Ecclesiae consistens, utrumque habet aliqua verba, sicut in matrimonio sunt verba exprimentia consensum, et iterum benedictiones ab Ecclesia institutae; In poenitentia autem est absolutio Sacerdotis, verbo tenus facta. Ac tandem a synodi Coloniensis anno 1536. celebratae Patribus, in Enchiridio Christianae institutionis: Videmus, inquiunt, et in veteri lege quosdam fuisse, qui Dei vice conjuges jungerent. Quanto ergo magis putandum est, in nova lege Sacerdotes, qui legatione pro Deo funguntur, legitimos hujus Sacramenti ministros, esse? In lege quidem veteri Pater, aut defuncto patre, proximus puellae agnatus, seu tutor Dei loco conjuges jungebat…….ad eumdem modum ab Apostolorum temporibus, matrimonij sacramentum in facie Ecclesiae celebratum est, ministris sacerdotibus Christi. Quae omnia, ut a reliquis temperem, nec novam, nec singularem in Melchiore Cano doctrinam illam fuisse, plus satis ostendunt. Sed et qui patronos praeeuntes habuit, sequaces, eosque magni nominis adstipulatores invenit: Dominicum Bannes in 1. parte Divi Thomae quaest. 1. art. 8. ubi contrariam magistro suo Melchiori Cano sententiam a multis improbari ait, illiusque opinionem a multis jam absque ulla temeritate defendi: Franciscum Cardinalem Toletum lib. 7. Instit. cap. 2. diserte statuentem, efficientem causam matrimonii esse ipsos contrahentes, in quantum est contractus quidam; at vero, ut sacramentum, Deum esse causam principalem, et ministrum esse causam instrumentalem, sicut in aliis sacramentis. Guillelmum Estium in 4. sent. dist. 26. §. 10. et sequentib. Franciscum Sylvium in supplemento, quaest. 42. art. 1. quaesito 1. Joannem Marium Scribonium disput. 9. de matrimonio. Melchioris Cani Vindicationes 90 In der Tat wird man seine Ansicht nicht ‚neu‘ nennen können, wenn man weiß, dass sie von Wilhelm von Auvergne überliefert worden ist, im Buch De sacramentis, im Traktat De matrimonio, Kapitel 9, q. 1, und im Kapitel De baptismo, von Petrus de Palude im Kommentar in quartum librum Sententiarum, d. 5, q. 2, von Simon Vigors, einem Pariser Theologen, im tridentinischen Urteil, an das Kardinal Pallavicino im 22. Buch seiner Historia, Kapitel 9, Nr. 5, erinnert. Ich möchte dem auch hinzufügen, was der heilige Thomas (denn die restlichen behandeln es ihrerseits wohl widerwillig) in seinem Commentarius in IV libros Sententiarum Petri Lombardi, d. 1, q. 2, art. 3, ad 5, schreibt, wo es heißt: „Ehe gemäß dessen, dass sie die Pflicht betrifft, und Buße gemäß dessen, dass sie Tugend ist, besitzen keine Form der Worte; doch gemäß dessen, dass beide Sakramente sind, die in der Dispens der Diener der Kirche bestehen, besitzen beide Worte, so wie in der Ehe die Worte Ausdrücke der Zustimmung sind und ebenso Segensworte, die von der Kirche eingesetzt worden sind. In der Buße aber ist es die Absolution des Priesters, die allein dem Worte nach geschehen ist.“ Und schließlich heißt es im Enchiridion christianae institutionis von den Vätern der im Jahr 1536 in Köln gefeierten Synode: „Wir erkennen, dass es auch im Alten Testament einige gab, die mit Rücksicht auf Gott Eheleute verbanden. Um wie viel mehr muss man glauben, dass im Neuen Testament Priester, die für Gott die Stelle eines Gesandten einnahmen, die rechtmäßigen Spender dieses Sakramentes waren? Im Alten Testament hat sicher der Vater oder, wenn der Vater verstorben war, der nächste Angehörige des Mädchens für Gott in Form des Beschützers die Eheleute verbunden. [...] Auf dieselbe Weise ist seit der Zeit der Apostel das Sakrament der Ehe im Angesicht der Kirche zelebriert worden, wobei Christi Priester die Spender waren.“ Mehr als ausreichend zeigen sie, dass all das, um es von den übrigen zu scheiden, keine neue und einzigartige Lehre bei Melchior Cano ist. Doch wer vorausgehende Unterstützer hatte, findet rasch Anhänger für einen großen Namen: So Domingo Báñez [im Kommentar] zum ersten Teil [der Summa] des heiligen Thomas, q. 1, art. 6, in dem er sagt, die seinem Lehrer Melchior Cano widersprechende Ansicht werde von vielen missbilligt und seine Meinung „werde von vielen ohne jeglichen Leichtsinn verteidigt.“ Francisco, Kardinal von Toledo, der im siebten Buch der Institutiones [Instructiones 7,6,2], Kapitel 2, gewandt bestimmt, „dass die wirkende Ursache der Ehe jene sind, die die Ehe schließen, insofern es ein Vertrag ist; doch sie ist ein Sakrament, wenn wie bei den anderen Sakramenten Gott die ursprüngliche Ursache und der Diener die unterstützende ist.“ Ebenso Willem van Est in den Commentarii in IV libros Sententiarum Petri Lombardi, d. 26, Paragraph 10 und den folgenden, François Sylvius (Dubois) im Anhang, q. 42, art. 1, q. 1, Jean-Marie Scribon in der neunten Disputation De matrimonio. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 91 Vincentium Contensonium lib. 11. Theologiae mentis, et cordis parte 4. dist. 4. c. 1. de sacramento matrimonii. Combefisium ad orationem Damasceni in Constantinum Caballinum n. 8. Gasparem Iveninum in commentario historico dogmatico de sacramentis dissert. 12. de matrimonio quaest. 3. Claudium Frassevium in Scoto academico tractatu 3. de matrimonio disput. ultima artic. 1. quaest. 3. Natalem Alexandrum in Theologia dogmatica, et morali lib. 2. de sacramento Matrimonii art. 5. §. 2. Apud quos quidem magni nominis Theologos, quisquis Melchioris Cani, quam tuentur, sententiae fundamenta, ex Patribus, atque Conciliis petita legere voluerit, nimiam profecto in ea vellicanda Bellarmini, aliorumque licentiam deprehendet. Sed et Gaspar Iveninus supra laudatus dissertationem gallicam edidit, in hujus Melchioris Cani sententiae defensionem; ubi permultos hujus aevi, qui eam tuentur, scriptores percenset; ut obviam iret obtrectationibus nonnullorum, qui singularitatis insimulabant propositionem, in suo oratorii collegio Bisuntino-Granvelano, de hac materia, publicis thesibus propugnatam. Illud etiam notissimum, sententiam hanc frequentius in academia Parisiensi defendi, nec ab ea abhorrere Romanos publicarum illic conclusionum censores; Quibus probantibus, Cani sententiam defendi, quandoque publice et vidi ipse Romae dum degerem, et ab aliis, ex quo discessi, non semel accepi. Tantum vero abest, ut haec tot virorum eruditorum doctrina Neotericis sacramentum Matrimonii de medio tollentibus faveat ut potius Ecclesiae fidem multo felicius in tuto ponat, dum quae merae Theologos inter opinationis sunt, a fidei summa secernit; ut, illis in doctorum arbitrio relictis, hoc unum, quod religionis est, adversus haereticos tueatur. Et quidem matrimonium ecclesiastico ritu celebratum sacramentum esse, fides docet. Hoc adversus Lutheranos, et Calvinistas summo studio tuendum, propugnandumque est. An autem sacro ritu semoto, nullo sacerdotis accedente ministerio, ex solo conjugum assensu sacramentum olim fuerit: An steterit alias fixum, ratumque, ratione contractus, non servata dignitate sacramenti, ubi sine ministro sacerdote ducebatur. An nunc etiam ministri vices obeant ambo conjuges, non sacerdos. An consensus conjugum acceptus forma sit, an sacerdotis sacra verba: Melchioris Cani Vindicationes 92 Vinzent Contenson im elften Buch der Theologia mentis et cordis, Teil 4, d. 4, Kapitel 1, De sacramento matrimonii. Combefis zur Rede des Damascenus an Konstantin Caballinus, Nr. 8, Gaspard Juénin in seinem historisch-dogmatischen Kommentar De sacramentis, Abhandlung 12, De matrimonio, q. 3, Claude Frassen im Scotus academicus, dritte Abhandlung De matrimonio, letzte Disputation, art. 1, q. 3. Noël Alexandre in seiner Theologia dogmatica et moralia, zweites Buch, De sacramento matrimonii, art 5, Paragraph 2. Wer bei diesen bedeutenden Theologen freilich lesen wollte, dass man die Grundlagen der Ansicht Melchior Canos, in der sie enthalten ist, aus den Vätern und Konzilien erhalten hat, der dürfte tatsächlich die allzu große Freiheit Bellarmins und der anderen tadeln, die sie kritisierten. Aber auch der überaus hoch gelobte Gaspard Juénin hat eine französische Abhandlung verfasst zur Verteidigung dieser Ansicht Melchior Canos. Darin zählt er sehr viele Schriftsteller der Zeit auf, die sie bewahrt haben, um dadurch der Anfeindung einiger Leute entgegen zu treten, die vorgaben, dass man die Darlegung der Einzigartigkeit in ihrem Stiftskolleg in Besançon über diesen Stoff in vielen öffentlichen Thesen verteidigt habe. Sehr bemerkenswert ist auch, dass diese Ansicht recht häufig an der Universität von Paris verteidigt wird und auch die römischen Zensoren der dortigen öffentlichen Schlüsse ihr nicht abgeneigt sind. Aufgrund ihrer Anerkennung habe ich Canos Ansicht verteidigt, da ich es sowohl selbst gesehen, als ich in Rom war, als auch von anderen nicht nur einmal gehört habe, nachdem ich von dort weggegangen war. Doch diese Lehre vieler so gebildeter Männer ist weit davon entfernt, Neuerern, die das Sakrament der Ehe abschaffen wollen, zu begünstigen; eher beschützt sie viel erfolgreicher den Glauben der Kirche, während sie das von der Summe des Glaubens trennt, was unter den Theologen unverfälschte Meinung ist, um als Einziges das, was die Religion betrifft, gegen die Häretiker zu schützen, wobei das Restliche dem Gutdünken der Gelehrten überlassen wird. Dass die Ehe, die nach kirchlichem Ritus gefeiert wird, sicher ein Sakrament ist, lehrt der Glaube. Das muss man gegen den Lutheraner und Calvinisten mit größtem Eifer bewahren und verteidigen. Ob aber das Sakrament ohne heiligen Ritus, ohne die Spendung des Priesters, allein aus der Zustimmung der Eheleute einst zustande kam, oder aber fest und gültig im Verhältnis eines Vertrages bestand ohne die entfachte Würde des Sakraments, wo sie ohne den Priester als Spender vollzogen wurde, oder ob sogar die beiden Eheleute wechselseitig die Spender sind und nicht der Priester, ob die als gültig angesehene Übereinkunft der Eheleute die Form ist oder die heiligen Worte des Priesters, Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 93 Theologorum sunt opiniones, quas a fidei capite secernere necesse est, ne dum haec promiscue confundimus, tanto imbecillius Ecclesiae causam videamur agere, quanto levius molliusque privatae hominum opinationes defenduntur. Prudentius ergo, ac longe felicius ecclesiae causam Bellarminus egisset, si Canum imitatus, quae fidei sunt, a scholasticis disceptationibus discrevisset, et in hoc unum intentus, quod fidei caput est, peregrinas quaestiones, quae causam multo plus implicant, haereticisque cavillandi aditum praebent, a polemicis quaestionibus longius amandasset. Etenim, ut prudenter Estius observat, statuta Cani sententia, multa vitantur paradoxa, quae contra haereticos ex traditione tueri difficile est, ut quod hujus sacramenti minister non sit unus, sed duo; non ordinati, sed laici, vir, et mulier: quod iidem suscipientes sint, et conferentes, quod forma consistat sine verbis, quod nullam contineant ceremoniam particularem. Quae omnia ad scholasticos ablegare satius est, quam, uti fidei dogmata, tueri velle. Fuit hoc unum Melchioris Cani institutum, dum de matrimonii ministro obiter dixit. Primum, inquit, opinionem a dogmate secerni, et internosci volumus: Deinde Theologos admoneri, ne affectu animi, qui plerumque brevis est, et ad tempus, sed maturo judicio de rebus hisce pronuncient, in quibus praesertim non ita facile expediri potest, ad fidem pertineant, nec ne … id ago, scholasticas opiniones oportere a decretis sejungere, Fideique quaestiones ab iis, quae modo huc, modo illuc transferuntur, et sine pietatis jactura possunt in utramque partem disputari. Decreta arcte tenere debemus, accurateque defendere; Opiniones non item; sed si non cum academiae, at cum Christianae modestiae temperamento… Melchioris Cani Vindicationes 94 das alles sind Meinungen von Theologen, die man von der Hauptsache des Glaubens trennen muss, um nicht, wenn man sie häufig durcheinanderwirft, den Anschein zu erwecken, man führe die Sache der Kirche je schwächer, desto leichtfertiger und nachgiebiger man die persönlichen Ansichten von Leuten verteidigt. Also hätte Bellarmin klüger und bei weitem glücklicher den Prozess für die Kirche geführt, wenn er Cano nachgeahmt und von den scholastischen Disputationen unterschieden hätte, was den Glauben betrifft, und sich dabei allein darauf konzentriert hätte, was die Hauptsache des Glaubens ist, fremde Fragen aber, die den Prozess viel mehr komplizieren und den Häretikern die Möglichkeit geben, zu spotten, von polemischen Fragen verwiesen hätte. Auch vermeidet man, wie van Est klug beobachtet, durch Canos Ansicht viele Paradoxa, die gegen die Häretiker aus der Tradition schwer zu verteidigen sind, da es ja nicht einen Spender dieses Sakraments gibt, sondern zwei. Keine Geistlichen, sondern Laien, Mann und Frau, denn dieselben empfangen und vollziehen, da die Form ohne Worte besteht, und keine eigene Zeremonie enthalten. All das soll man besser den Scholastikern übertragen, als es wie Dogmen des Glaubens bewahren zu wollen. Melchior Canos einzige Anordnung, als er klar über den Spender der Ehe gesprochen hat, war folgende: „Erstens möchte ich, dass man Meinung und Dogma trennt und unterscheidet. Zweitens möchte ich, dass man die Theologen dazu ermahnt, dass sie nicht aufgrund eines Affektes, der meistens kurz und zeitlich begrenzt ist, sondern aufgrund eines geeigneten Urteils über solche Sachverhalte befinden, in denen man vor allem nicht einfach herausfinden kann, ob sie sich auf den Glauben beziehen oder nicht. [...] Doch ich zeige, dass man die scholastischen Meinungen von den Lehrsätzen und die Fragen des Glaubens von dem trennen muss, was man mal so, mal anders interpretieren kann, und dass man sie, ohne Schaden an der Frömmigkeit zu nehmen, in beide Richtungen disputieren kann. Wir müssen an den Lehrsätzen festhalten und diese sorgsam verteidigen, nicht aber Meinungen; aber wenn auch nicht mit dem rechten Maß akademischer Mäßigung, so doch mit dem rechten Maß christlicher Mäßigung […]. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 95 Nego enim scholae certo constantique decreto finitum, matrimonium sine ecclesiae ministro contractum, esse vere, et proprie dictum sacramentum, nego eam rem ad fidem, et religionem attinere. Nego omnes scholae theologos id asseruisse. Quae certe Cani doctrina a nullo prudenti, sanoque theologo damnari potest Quod vero ex Cani opinione derivatur incommodum, ut idcirco ab aemulis cauterio digna judicetur? si ita est, inquiunt illi, matrimonia Clandestina, quae ante Concilium Tridentinum frequentiora erant, sacramenti dignitate caruerunt; cum tamen sacra synodus de illis ita pronunciaverit sess. 24. cap. 1. de reformatione: Tametsi dubitandum non est, Clandestina matrimonia libero contrahentium consensu facta, rata, et vera esse matrimonia, quamdiu ecclesia ea irrita non fecit: et proinde jure damnandi sunt illi, et eos Sancta Synodus anthemate damnat, qui ea vera, et rata esse negant. Egregie scilicet ac solerter! Age vero demus illatam consecutionem veram esse, nihil tamen ex Cani sententia contra Tridentinam synodum sequeretur, quae matrimonia Clandestina rata quidem, ac vera matrimonia fuisse definit, quod et Canus contendit; sed illis dignitatem sacramenti non arrogavit. Quin et illam Tridentinorum Patrum prudentiam fuisse monet Cardinalis Pallavicinus in historia lib. 23. cap. 9. ut ab illa controversia scholae consulto abstinerent; ne quod liberae opinionis est, in fidei dogma converterent; omitto, inquit ille, nunquam declarasse concilium, matrimonia clandestina fuisse sacramenta: adeo ut quidam graves Theologi id negent. Quos inter graves theologos Melchiorem Canum dubio procul intelligi vult, qui hanc suam opinionem ab obtrectatoribus intempestive vellicatam, coram sacro Concilio impune, ne dicam laudabiliter, defendit. Sed et perfracte nego consecutionem illam ita generatim elicitam, (matrimonia scilicet clandestina ante Tridentinam synodum contracta fore irrita) ex Cani sententia fluere. Quae enim ante concilium vocabantur clandestina matrimonia, nec ita frequentia erant, ut vulgus putat; nec semper absente presbytero, qui ministerium exhiberet, contrahebantur, sed vel absente Parocho, vel sine solemnitatibus, testibusque ducebantur: Horum enim defectu, clandestina quoque vocari, et esse poterant. Melchioris Cani Vindicationes 96 Denn ich streite ab, dass es durch einen zuverlässigen und endgültigen Lehrsatz der Schule fest steht, dass die ohne die Spendung der Kirche geschlossene Ehe wahrlich und in eigentümlicher Weise ein Sakrament ist. Ich streite ab, dass sich dieser Sachverhalt auf den Glauben und die Religion bezieht. Ich streite ab, dass alle Theologen der Schule dies behauptet haben.“ Sicher kann Canos Lehre von keinem klugen und geistig gesunden Theologen verurteilt werden. Welche Unpäßlichkeit aber geht aus Canos Meinung hervor, weshalb seine Rivalen sie dem Brenneisen für würdig angesehen haben? ‚Wenn das so ist‘, so sagen jene, ‚dann fehlte den klandestinen Ehen, die es vor dem Konzil von Trient recht häufig gegeben hatte, die Würde des Sakraments, obwohl doch die heilige Synode darüber so verkündet hatte, 24. Sitzung, Kapitel 1 der Canones super reformatione circa matrimonium: „Obwohl kein Zweifel daran bestehen soll, dass die klandestinen Ehen aus der freien Übereinkunft der Eheleute heraus solange geschlossene, rechtsgültige und echte Ehen sind, bis die Kirche sie für ungültig erklärt. Und daher sollen jene zu Recht verurteilt werden, und die heilige Synode soll sie mit dem Kirchenbann belegen, die bestreiten, dass sie echt und rechtsgültig sind.“ Glänzend und herausragend gesprochen! Wohlan, lasst uns aber die vorgebrachte Folge als wahr erweisen. Aus Canos Ansicht würde dennoch nichts gegen die Synode von Trient folgen, die zwar klandestine Ehen für rechtsgültig und echt bestimmt, was auch Cano behauptet, aber ihnen nicht die Würde des Sakraments zuspricht. Ja, Kardinal Pallavicino erinnert in seiner Historia, 23. Buch, Kapitel 9, sogar daran, dass es der Klugheit der Väter von Trient zukam, sie willentlich vom Schulstreit zu trennen. Und, um nicht das, was Zeichen freier Meinung ist, zu einer Glaubenslehre zu machen, sagt er: „Ich übergehe, dass ein Konzil niemals erklärt habe, klandestine Ehen seien Sakramente, so dass einige bedeutende Theologen es abstreiten.“ Zweifelsohne will er unter den bedeutenden Theologen Melchior Cano verstanden wissen, der seine Meinung, die von Spöttern unzeitig verhöhnt worden ist, vor den Augen des heiligen Konzils ungeahndet, um nicht in gelobter Weise zu sagen, verteidigt hat. Doch auch ich bestreite niederschmetternd, dass eine solche im allgemeinen vorgebrachte Folgerung (klandestine Ehen, die vor dem Konzil von Trient geschlossen wurden, seien ungültig) aus Canos Ansicht hervorgeht. Denn die Begrifflichkeit der klandestinen Ehe war vor dem Konzil von Trient nicht so geläufig, wie es das einfache Volk glaubt; auch wurden sie nicht immer in Abwesenheit eines Priesters, der den Dienst verrichtete, geschlossen, sondern entweder in Abwesenheit des Pfarrers oder ohne Feierlichkeiten und Zeugen vollzogen. Denn aufgrund ihres Fehlens konnten sie klandestin genannt werden und auch sein. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 97 CAPUT VIII. Pia Melchioris Cani sententia De Christi Domini tristitia in passione, a reprehensorum morsibus vindicatur. Si quae unquam virorum Theologorum censuras passa est Melchioris Cani sententia, ea profecto est, quam de tristitia Christi ad crucis sacrificium properantis docet lib. 12. de locis, cap. 14. sub finem. Quaestionem a Theologis tritam movet, qui fieri potuerit, ut Christus cum beatus re ipsa fuerit, atque idcirco infinito ex Dei visione profluente gaudio perfusus, summa tristitia sit affectus, ut diceret, tristis est anima mea usque ad mortem, Matthaei 26. Duas in primis celebriorum theologorum difficillimi nodi solutiones affert, quasque secum difficultates involvant pro more disserit. illorum nempe, qui vel Christum secundum inferiorem duntaxat animae partem tristatum ajunt, dum sacro illo in superiori animae parte gaudio potiretur; vel qui summam tristitiam cum summo gaudio, ex divino miraculo, una eademque parte stare posse profitentur. Tum demum, (quod multi aegris auribus excipiunt) propugnatam a se quondam, cum juvenis esset, enodandae salebrosae difficultatis viam exponit. Sed et olim juvenis, inquit, ut hinc jam nos demum extricemus, coram celebri Theologorum concione diximus, quod sicut per totam vitam Dominus gloriam animae quasi premebat, ne in corpus efflueret: sic saltem in cruce retinuit gaudium, quod suapte natura ex clara Dei notitia prodiret. Gaudium fateor ex Deo viso in voluntate necessario nasci, non secus atque ex sole lumen, calorem ex igne. Sed retraxit aliquando sol radios suos, et ne calefaceret, comprehensus est etiam ignis. Quare nihil mirum videri cuipiam debet, si in hominum redemptione, per hominis unius dolores explenda voluptas omnis reprimeretur, quam alias ex visione Dei proficisci naturae ratio demonstrat. Quod ille subinde paucis adstruit, ac demum ita colligit, pietatis suae sensus in hanc suam ultimam assertionem explicans: Certe sive primo, sive secundo, sive tertio modo quaestionem solvas, miraculum facis. Sed et hoc postremum eo plausibilius, quo majores in nobis igniculos excitat, tum paenitentiae, tum amoris, tum gratitudinis. Melchioris Cani Vindicationes 98 Achtes Kapitel Melchior Canos fromme Ansicht über die Betrübnis Christi, des Herrn, in der Passion wird vor den Angriffen der Kritiker beschützt Wenn eine Ansicht Melchior Canos jemals die Kritik von Theologen hervorgerufen hat, ist es tatsächlich jene, die er im zwölften Buch De locis theologicis, Kapitel 14 gegen Ende, über die Betrübnis Christi lehrt, als er seinem Opfer am Kreuz entgegenging. Er spricht dabei die von Theologen häufig behandelte Frage an, wie es sein konnte, dass Christus, obwohl er in Wirklichkeit glücklich und daher von grenzenloser Freude, die aus der Gottesschau hervorging, durchdrungen war, von tiefster Betrübnis erfasst wurde, so dass er sagen konnte: Meine Seele ist betrübt bis in den Tod (Mt 26,38). Er führt zwei Lösungen recht berühmter Theologen für dieses besonders schwierige Problem an, deren Schwierigkeiten er nach seiner Art diskutiert. Erstens die jener, die behaupten, dass Christus bezogen auf den niedrigeren Teil seiner Seele betrübt war, während im höheren Teil seiner Seele jene heilige Freude vorherrschte. Zweitens die anderer, die vorgeben, dass größte Betrübnis mit größter Freude durch ein göttliches Wunder in ein und demselben Teil bestehen kann. Danach schließlich (was viele nur ungern vernehmen) erklärt er den Weg, den er bereits als junger Mann verteidigt hat, um dieses heilsame Problem zu lösen. Er sagt: „Doch einst habe ich, darauf kann man sich auch berufen, um mich hier letztendlich heraus zu winden, in Gegenwart der feierlichen Versammlung von Theologen gesagt, dass der Herr sein ganzes Leben hindurch die Herrlichkeit seiner Seele gewissermaßen so unterdrückt habe, dass sie nicht in den Körper fließe, die Freude jedoch am Kreuz zurückgehalten habe, die ihrer Natur nach aus der klaren Erkenntnis Gottes hervortrat. Ich gebe zu, dass die Freude aus der Schau Gottes im Willen notwendigerweise nicht anders entsteht wie aus der Sonne das Licht und aus dem Feuer die Wärme. Doch manchmal hält die Sonne ihre Strahlen zurück, und man hält das Feuer niedrig, damit es nicht wärmt. Daher darf sich niemand wundern, dass bei der Erlösung der Menschen, die durch die Schmerzen eines einzigen Menschen vollendet werden sollte, jedes Vergnügen zurückgedrängt wurde, von dem die natürliche Vernunft zeigt, dass es in anderen Fällen aus der Schau Gottes hervorgeht.“ Das fügt er hierauf mit wenigen Worten an und folgert schließlich, wobei er den Sinn seiner Frömmigkeit in dieser letzten Behauptung erklärt: „Sicher vollbringt man ein Wunder, wenn man diese Frage auf die erste, zweite oder dritte Art beantwortet, doch ist diese letzte umso glaubhafter, desto grö- ßeres Feuer der Reue, der Liebe und der Dankbarkeit sie in uns entfacht.“ Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 99 Mirum quantum in piam illam assertiorem nonnulli theologi invehantur, quos vellem non adeo in ferendis censuris fuisse praecipites. Hanc Henricus haereticam dicit, Quodlib. 8. quaest. 7. Hanc Suarez 3. parte, disput. 38. sect. 3. et Vasques 3. parte disput. 73. temerariam vocant: Hanc Joannes de Lugo disput. 22. de Incarnatione sect. 2. velut a theologis constanter rejectam insectatur. Aliique bene multi, quos numerare longum esset, variis pro arbitrio censuris inurunt. Sic sua quemque praejudicia occupant; quaeque ipsi non probant censoria virga, quasi ex senatusconsulto configunt. Itane vero diris devovenda sententia haec? Meo quidem judicio, esset etiam vir maximus venia aliqua dignus, si quid forte novi procudisset, ex nimio pietatis sensu, quae severiores Theologiae leges quandoque non consulit; minusque accuratam enodandae difficultatis viam aperuisset, ex nimio quo fervebat commendandae Christi erga nos charitatis desiderio. Sed nec eget ille venia, imo laude plurima dignus est: satiusque sibi ii Theologi consuluissent, si a censuris nulla, ut arbitror, ratione fultis abstinuissent. Sua quippe probabilitate frui Cani sententiam, multa probant. Suffragatur in primis Divus Ambrosius lib. 10. in Lucam, ad illa verba, Pater, si possibile est, transeat a me calix iste; Quem non tam expressisse, quam exscripsisse Canus visus est. Ergo pro me doluit Christus, qui pro se nihil habuit quod doleret: et sequestrata delectatione divinitatis aeternae, taedio meae infirmitatis afficitur. Sequestrationem illam delectationis divinitatis aeternae, passionis tempore occurentem, quid commodius, quam gaudii ex divina visione profluentis repressionem a Cano assertam intelligamus? Melchioris Cani Vindicationes 100 Mich verwundert, wie sehr einige Theologen gegen jene fromme Behauptung vorgehen; von ihnen wollte ich, sie wären nicht so sehr geneigt, Urteile zu fällen. Heinrich [von Gent] nennt sie ‚häretisch‘, Quodlibet 8, q. 7. Suárez im dritten Teil, 38. Disputation, dritte Sektion, und [Gabriel] Vázquez im dritten Teil, 73. Disputation, nennen sie ‚leichtfertig‘. Juan de Lugo verhöhnt sie in der 22. Disputation De incarnatione, zweite Sektion, als ‚gewissermaßen von den Theologen beständig verworfen‘. Und auch viele andere, die aufzuzählen zu lang wäre, brennen ihr nach eigenem Gutdünken verschiedene Urteile ein. So beschäftigen jeden einzelnen die eigenen Vorurteile. Was sie selbst nicht beweisen können, das schlagen sie mit der Rute der Zensur wie durch einen Senatsbeschluss nieder. Soll man aber Canos Ansicht verfluchen? Meinem eigenen Urteil freilich nach wäre auch ein sehr bedeutender Mann einer gewissen Nachsicht würdig, wenn er vielleicht etwas Neues aus allzu großem Frömmigkeitsempfinden gesagt hätte, das bisweilen die recht strengen Gebote der Theologie nicht zu Rate zieht. Und er hätte einen weniger genaue Methode aufgedeckt, das Problem zu lösen, aus allzu großem Verlangen heraus, von dem er ergriffen war, uns Christi Liebe anzuempfehlen. Doch bedarf er keiner Nachsicht, vielmehr ist er des größten Lobes würdig. Und die Theologen wären besser beraten, wenn sie, wie ich meine, von Urteilen abgesehen hätten, die auf keine vernünftge Grundlage gestützt sind. Vieles beweist, dass Canos Ansicht sich freilich ihrer eigenen Glaubhaftigkeit erfreut. Besonders der heilige Ambrosius stimmt im zehnten Buch in Lucam zu jenen Worten: Vater, wenn es dein Wille ist, lass diesen Kelch an mir vorübergehen [Lk 22,42], zu, den Cano nicht so ausgedrückt zu haben scheint, wie er ihn geschrieben hat: „Also hat Christus für mich gelitten, der für sich nichts hatte, weswegen er leiden sollte. Und er war erfüllt von der entfernten Freude des ewig Göttlichen und dem Schmerz über meine Schwäche.“ Als was kann man aber jene Entfernung des ewig Göttlichen, die zur Zeit der Passion auftrat, besser verstehen als die Unterdrückung der Freude, die aus der Gottesschau hervorging, die von Cano angeführt worden ist? Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 101 Hanc Divi Ambrosii mentem esse, docet Societatis scriptor longe doctissimus, Alphonsus Salmeron, qui et Cani doctrinam hac parte summopere commendat, uti solvendo nodo intricatissimo opportunam, tomo 10. tract. 11 de tristitia animae Christi. Secundum sententiam Beati Ambrosii, de qua superius (sequestrata delectatione divinitatis aeternae) et quorumdam aliorum, qui eum in hoc secuti videntur, Christus sponte privavit se consolatione ex visione Dei resultante, quo sic magis peccato satisfaceret, et tristitia convenienti delectationem nostram in illo habitam expungeret: Et hoc usque ad mortem. Nam propterea suscitatus dixit, Notas mihi fecisti vias vitae, adimplebis me laetitia cum vultu tuo: delectationes tuae in dextera tua usque in finem. Nam quemadmodum, dum vixit, suspendit animae gloriam in corpus redundantem, ut posset pro nobis et pati, et mori; ita ad tempus per aliquot horas coepit tristari, id est suspendere delectationem animae, quae ex visione Dei resultabat, ut posset pro nobis supremum et timoris, et tristitiae sensum habere; quod ingens erga nos Charitatis argumentum fuit. Nam difficile capere possumus, quomodo summus dolor existeret cum summo ejus gaudio. Nam etsi una manus possit in summo esse frigida, posita in nivibus, et altera in summo calida posita in igne; tamen quod una et eadem manus simul sit frigidissima, et simul calidissima, vix intelligimus. Quamvis dici possit, ut alias etiam tetigi, aliam esse rationem, propterea quod eadem voluntas non secundum idem fuit summe beata, et summe tristis, sed secundum diversas animae rationes, nimirum superiorem, et inferiorem. Accedit Maldonatus ejusdem Societatis Theologus non ignobilis, et Scripturarum interpres celeberrimus, in caput 26. Matthaei, ad hunc versiculum, coepit contristari, et maestus esse. Ubi quaestionem movet, qui fieri potuerit, ut Christus, cum beatus fuerit, tristitiam habuerit? Rejicit in primis eorum opinationem, qui illum secundum inferiorem tantum animae partem tristatum ajunt: tum subdit, in Cani sententiam descendens: Melius igitur alii, dispensatione quadam factum fuisse dicunt, ut cum Christus beatus esset, tristitiam etiam in superiorem animae partem admiserit. Nam sicut beatitudinem suam cohibere potuit, ne deflueret in corpus, ut pati posset; ita premere eam potuit, et quodammodo occultare, ut ad tempus tristitiae cederet, quae una passionis suae pars futura erat. Melchioris Cani Vindicationes 102 Dass das der Sinn des heiligen Ambrosius ist, lehrt ein bei weitem sehr gelehrter Schreiber der Societas [Jesu], Alfonso Salmerón, der auch Canos Lehre hierbei überaus empfiehlt, weil sie dazu geeignet ist, das äußerst schwere Problem zu lösen, im zehnten Teil, elfte Abhandlung De tristitia animae Christi: „Gemäß der Ansicht des seligen Ambrosius und einiger andere, die ich weiter oben erwähnt haben (die entfernte Freude des ewig Göttlichen), hat sich Christus aus eigenem Antrieb heraus des Trostes, der aus der Gottesschau resultierte, beraubt, um dadurch mehr der Sünde Genüge zu tun und durch die angemessen Betrübnis unsere Freude, die wir an ihm hatten, auszulöschen. Und das bis zu seinem Tod. Denn deshalb hat er aufgebracht gesagt: Du hast mir die Wege des Lebens kenntlich gemacht, mit deinem Antlitz wirst du mich mit Freude erfüllen. Deine Freude liegt in deiner Hand bis zum Ende. Denn so, wie er, solange er lebte, den Glanz seiner Seele daran hinderte, in den Körper zu strömen, um für uns leiden und sterben zu können, hat er zur rechten Zeit für einige Stunden angefangen, betrübt zu sein, das heißt, die Freude seiner Seele zurückzuhalten, die aus der Gottesschau resultierte, um für uns die äu- ßerste Empfindung der Furcht und der Trauer zu haben. Das also war ein unermessliches Argument seiner Liebe uns gegenüber. Denn wir können schwer begreifen, wie größter Schmerz mit seiner größten Freude existieren konnte. Denn auch wenn eine Hand oberflächlich kalt sein kann, wenn sie in den Schnee gehalten wird, und die andere Hand oberflächlich warm sein kann, wenn sie ins Feuer gehalten wird, verstehen wir kaum, dass ein und dieselbe Hand zugleich sehr kalt und sehr heiß sein kann. Obwohl man sagen kann, wie auch ich an anderer Stelle erwähnt habe, dass es noch eine andere Überlegung gibt, weil derselbe Wille nicht gemäß desselben höchst glücklich und höchst betrübt ist, sondern aufgrund verschiedener Gründe der Seele, nämlich eines Höheren und eines Niedrigeren.“ Hinzu kommt die Ansicht des [Juan] Maldonado, eines nicht unbekannten Theologen derselben Societas [Jesu] und sehr geachtetenen Auslegers der Schriften zum 26. Kapitel bei Matthäus [Mt 26,37] zu diesem Vers: Und er fing an, traurig und betrübt zu sein. Dort wirft er die Frage auf, wie es sein konnte, dass Christus, obwohl er glücklich war, Trauer zeigte. Insbesondere die Meinung jener Leute weist er zurück, die behaupten, dass Christus nur gemäß dem niedrigeren Teil seiner Seele betrübt war. Dann fügt er hinzu, wobei er auf Canos Ansicht zu sprechen kommt: „Also sagen andere besser, es sei durch eine Fügung geschehen, dass Christus, obgleich glücklich, auch im höheren Teil seiner Seele Betrübnis zuließ. Denn so, wie er seine Freude zügeln konnte, dass sie nicht in seinen Körper strömte, um leiden zu können, hat er sie nicht unterdrücken und irgendwie verbergen können, so dass sie zur rechten Zeit der Betrübnis wich, die ein Teil seiner Passion sein sollte.“ Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 103 Explicatius vero Gregorius de Valentia, cum officiosa quoque Melchioris Cani commendatione, 3. parte, quaest. 9. puncto 2. Quomodo vero Christus, etsi fuerit secundum animam beatus, potuerit nihilominus non solum secundum corpus pati, sed etiam secundum animam tristari, et angi, explicat bene Canus: quia scilicet divinitus passionis tempore factum est, ut ex visione beatifica ne ad animam quidem aliqua delectationi manarit. Quamquam sunt etiam, qui sentiant, potuisse cum summa delectatione orta ex beatitudine consistere maximum dolorem, et tristitiam, respectu aliorum objectorum. Sed illa expositio Cani consonat magis cum magnitudine, et acerbitate passionis, quam existimamus fuisse in Christo; et sic demum melius intelligitur, Christum in passione etiam a Patre suo fuisse derelictum, per hoc quod is prohibuerit redundantiam illam beatificae delectationis; sicut ipse Dominus in cruce clamavit, Deus Deus meus, ut quid me dereliquisti? Matthaei 27. Haec si Suares, si Vasques, si Lugo attentius perpendissent sodalium suorum egregia testimonia, non ita forsan incaute Cani sententiam censuris proscidissent, et a Theologorum nemine propugnatam affirmassent. Sed et numquid, vel ob id maxime, probanda venit ea Cani sententia, quod faciliorem nobis viam sternat, qua nonnullas veterum Patrum duriores loquendi formulas exponamus, qui de Christi derelictione differentes ad illa Evangelii verba, Deus meus, Deus meus, ut quid me dereliquisti? divinitatem a Christo brevi aliquo tempore recessisse volunt, et ab illo aliquandiu fuisse separatam? Sic Divus Ambrosius lib. 10. in Lucam, haec Evangelistae verba recolens, clamans voce magna emisit spiritum, in hunc sensum interpretatur: Evidens est manifestatio contestantis Dei secessionem divinitatis, et corporis: Sic enim habes, clamavit Jesus voce magna dicens, Deus Deus meus respice in me, quare me dereliquisti? Clamavit homo separatione divinitatis moriturus. Melchioris Cani Vindicationes 104 Genauer aber hat es Gregorio de Valencia gesagt, sogar mit pflichtgemä- ßer Empfehlung Melchior Canos, im dritten Teil, q. 9, Punkt 2: „Wie aber Christus, auch wenn er in seiner Seele glücklich war, trotzdem nicht nur in seinem Körper leiden, sondern auch in seiner Seele betrübt und verzagt sein konnte, erklärt Cano trefflich. Offenbar, weil es aufgrund göttlichen Willens zur Zeit der Passion geschehen ist, dass aus der seligmachenden Gottesschau keine Erbauung in die Seele strömte. Obgleich es Leute gibt, die meinen, dass größter Schmerz mit größter Freude, entstanden aus Glückseligkeit, und Betrübnis bezogen auf andere Objekte bestehen kann. Doch Canos Erklärung stimmt eher mit der Größe und der Härte der Passion überein, von der wir glauben, dass sie in Christus war. Und so versteht man es schließlich besser, Christus sei in der Passion auch von seinem Vater dadurch verlassen worden, dass er die Fülle der glücklich machenden Freude verwehrte. So hat der Herr selbst am Kreuz rufen können: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? (Matthäus 27,46).“ Wenn Suárez, wenn Vázquez und de Lugo diese herausragenden Zeugnisse ihrer Ordensbrüder aufmerksamer erwogen hätten, hätten sie vielleicht nicht so unvorsichtig Canos Ansicht der Zensur ausgeliefert und behauptet, dass sie von keinem Theologen verteidigt wurde. Doch gibt es denn hauptsächlich deshalb für die Anerkennung von Canos Ansicht nichts, was uns einen einfacheren Weg eröffnet, auf dem wir einige härtere Redeweisen der alten Väter erklären können, die – obwohl sie sich über Christi Verlassenheit zu den Worten des Evangeliums: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? [Mk 15,34] unterscheiden – wollen, dass für eine kurze Zeit die Göttlichkeit von Christus gewichen ist und von ihm getrennt war? So legt der heilige Ambrosius im zehnten Buch in Lucam die Worte des Evangelisten: Mit lauter Stimme hauchte er seinen Geist aus [Lk 23,46], die er bedachte, aus: „Offensichtlich ist es die Offenbarung Gottes, der die Trennung des Göttlichen vom Körper bezeugt. So nämlich hat man eine Erklärung dafür, dass Christus laut rief und sagte: Mein Gott, mein Gott, sieh auf mich, warum hast du mich verlassen? Das rief der Mensch, der durch die Trennung vom Göttlichen sterben sollte.“ Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 105 Sic Divus Hilarius commentario in Matthaeum cap. 3. clamor ad Deum, corporis vox est, recedentis a se verbi Dei contestata dissidium. Sic S. Epiphanius haeresi 69. n. 62. haec Christi spiritum emittentis verba perpendens, Deus Deus meus, quare me dereliquisti? Sic habet: videns divinitatem jam in procinctu quodam esse, ut Sanctum corpus desereret, ex ipsius hominis dominici persona, hoc est, humanae naturae a Verbo susceptae……vox ad conjunctam divinitatem illam est edita, Deus Deus meus, etc. Sic Leporius in libello emendationis: Divinitas cum unita sibi anima, non crucifixum hominem reliquit in poenam, sed exanimam carnem reliquit ad tempus. Certe iis Patrum sententiis explicandis impense favet Cani sententia; secundum quam, divinitatis separationem, ac recessionem ab iis insinuatam commode interpretabimur, sequestrationem delectationis divinitatis (ut suimet interpres est Divus Ambrosius,) gaudiique ex divina visione orituri repressionem, ac cessationem; sic ut nihil aliud patres illi, aliique nonnulli, quos recensere facile fuerit, sensisse hac in parte videantur, quam quod Canus explicatius distinctiusque defendit. Haud me fugit, Magistrum sententiarum l. 3. dist. 21. §. 1. aliam laudatorum Patrum interpretationem exagitasse; Divinitatem scilicet separasse se foris, ut non adesset ad defensionem, sed non defuisse intus ad unionem. Sed etsi non contemnenda illa expositio videatur; opportunior forte ex Cani sensu petita interpretatio censebitur. Nam priori modo exposita separatio divinitatis, de qua laudati Patres, non ad mortis tantum agonem referenda foret, sed ad totum mortalis vitae tempus; Quo certe divinitas separata est foris, ut non adesset ad defensionem; iuxta illud Augustini sermone nunc 77. n. 11. Deus est et fit homo: seponit divinitatem, idest, quodammodo sequestrat, hoc est, occultat quod suum erat, apparet quod acceperat. Speciale vero extremo agoni fuisse videtur, ut etiam divinitas separata sit intus, juxta Cani sensum, interioris scilicet gaudii repressione, non unionis hypostaticae solutione. Melchioris Cani Vindicationes 106 So sagt es der heilige Hilarius in seinem Kommentar in Matthaeum, Kapitel 3: „Der Ruf zu Gott ist die Stimme des Körpers, die die Trennung des sich vor ihm zurückweichenden Gottes Wort bezeugt.“ So sagt es der heilige Epiphanius in Haeresis 69, Nr. 62, wenn er die Worte des seinen Geist aushauchenden Christus erwägt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?: „Als er sah, dass die Göttlichkeit bereits gerüstet war, den heiligen Körper zu verlassen, da hat er aus der Maske des menschlichen Herrn, das heißt des menschlichen Wesens, das vom Wort ergriffen war, zu jener damit verbundenen Göttlichkeit gesagt: Mein Gott, mein Gott etc.“ So sagt es Leporius in seinem kleinen Buch der Besserung: „Die Göttlichkeit mit der ihr vereinigten Seele hat nicht den gekreuzigten Menschen zur Strafe, sondern das seelenlose Fleisch zur rechten Zeit verlassen.“ Sicher ist Canos Ansicht sehr günstig für die Erklärung der Ansichten der Väter. Nach ihr wird man die Trennung vom Göttlichen und das von ihnen mitgeteilte Zurückweichen angemessen auslegen als „Entfernung göttlicher Freude“ (wie es der heilige Ambrosius ausgelegt hat) und Unterdrückung der aus der Gottesschau entstandenen Freude und ihr Weichen. So dass jene Väter und einige andere, die aufzuzählen leicht wäre, nichts anderes darin empfunden zu haben scheinen als das, was Cano klar und genau verteidigt hat. Es entgeht mir nicht, dass der Magister der Sententiae [Petrus Lombardus] l. 3, d. 21, Paragraph 1, eine andere Auslegung der gelobten Väter behandelt hat: „Die Göttlichkeit habe sich von außen getrennt, um nicht bei der Verteidigung zu helfen, habe aber innen nicht gefehlt zur Einheit.“ Doch auch wenn jene Erklärung scheinbar zurückgewiesen werden soll, wird man vielleicht die Auslegung, die Canos Empfinden entstammt, als besser beurteilen. Denn die auf die frühere Weise erklärte Trennung des Göttlichen, von der die gelobten Väter gesprochen haben, sollte nicht nur auf seinen Todeskampf, sondern auf die gesamte Zeit seines sterblichen Lebens bezogen werden. Dadurch ist seine Göttlichkeit sicher von außen getrennt worden, so dass sie nicht zur Verteidigung da war, nach Augustinus’ nach heutiger Einteilung 77. Predigt, Nr. 11: „Gott ist und wird Mensch. Er lässt seine Göttlichkeit hinter sich, das heißt, er entfernt sie auf ein Weise, das heißt, er verbirgt das, was seine Eigenart war, und zeigt, was er erhalten hatte.“ Speziell im letzten Kampf scheint das der Fall zu sein, dass sogar im Inneren seine Göttlichkeit fern war, und zwar nach Canos Empfinden durch Unterdrückung der inneren Freude, nicht durch die Auflösung der hypostatischen Union. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 107 Jejunum porro est, quod in oppositum objici solet. Primo, delectationem a Dei fruitione sejungi non posse; quia fieri nequit, ut summum bonum sine delectatione videatur. Secundo, minus congruere, ut Christus aliqua beatitudinis perfectione defraudetur; Alias Sanctis Deo in caelo fruentibus fuisset inferior. Tertio, eadem libertate fingi posse, Christum interdum visione beata fuisse privatum. Quarto, pari jure statuendum fuisse, Christum toto paene vitae tempore gaudio illo ex divina visione profluente destitutum fuisse: cum frequentissime tristatus sit, tum in peccata hominum intuens, tum mortem suam uti praesentem animo revolvens. Primum negatur omnino, si Dei praesertim potestas attenditur. Non enim gaudium fruitio ipsa est, sed fruitionis quietae consectarium. Hinc fruitur homo arboris suae fructibus, suisque divitiis avarus, cum etiam per morbum voluptatem ex eis nullam capit. Secundum nihil movet. Nemo enim defraudatur volens: Id porro voluisse Christum, contendit Canus, in majoris charitatis argumentum. Alias et gloria corporis toto vitae tempore concedenda illi fuisset, ne et illo jure defraudaretur, et hac parte Sanctis post resurrectionem Deo fruentibus esset inferior. At sunt haec futiles argutiae. Semotis quippe quibusvis illis beatitudinis consectariis, Sanctis omnibus praestabat vel hoc solo titulo Deus homo, quod Deum prae illis altiori longe modo cerneret ejus anima, persona comprehenderet. Tertium nihilo plus officit. Visio etenim essentia beatitudinis est, delectatio consectarium. Christi vero animam beatam fuisse, inconcussum dogma est. Quartum negatur, ob facti discrimen longe maximum. Major quippe tristitia fuit imminente morte, quam fuerit ante; minusque idcirco cum summo gaudio componenda. Rursus, quod hic maxime notatum velim, non ob id solum gaudium ex visione beata profluens, passionis tempore repressum dicit Canus noster, quasi absoluta ratione, Deoque ita volente, cum summa tristitia sociari non posset; sed ut suam in nos Charitatem miris omnino modis ostenderet. Haec vero in extremo mortalis vitae sacrificio maxime comprobata fuit: nec quod ea extrema mortalis vitae periodo ingenti miraculo factum est, ad totam retroactam Christi vitam referri propterea potest. Melchioris Cani Vindicationes 108 Ferner ist das dürftig, was man gewöhnlich entgegenhält. Erstens, dass die Freude von der beseligenden Gottesschau nicht getrennt werden kann, da es nicht sein kann, dass das höchste Gut ohne Freude scheint. Zweitens, dass es wenig übereinstimmt, Christus sei durch die vollkommene Glückseligkeit betrogen worden. Andernfalls wäre er geringer als die Heiligen, die an Gott im Himmel Freude haben dürfen. Drittens, dass man mit derselben Freizügigkeit erdichten könnte, Christus sei für fast die ganze Zeit seines Lebens jene Freude, die aus der Gottesschau stammte, bestimmt worden, obwohl er sehr häufig betrübt war, wenn er auf die Sünden der Menschen sah und an seinen Tod wie einen Gegenwärtigen dachte. Das erste verwirft man ganz und gar, wenn man insbesondere an Gottes Allmacht denkt. Denn die Freude ist nicht die Gottesschau an sich, sondern die Folge der ruhigen Gottesschau. Daraus genießt der Mensch die Früchte seines Baumes und ist begierig nach seinem Reichtum, wenn er auch aufgrund der Krankheit daraus keine Freude erhält. Das zweite richtet nichts aus. Denn niemand lässt sich willentlich täuschen. Cano behauptet aber, Christus habe dies als Argument seiner größeren Liebe zu uns gewollt. Andernfalls hätte man ihm auch den Glanz des Körpers für die gesamte Zeit seines Lebens zugestehen müssen, damit er nicht mit jenem Recht getäuscht wurde und in diesem Teil geringer wäre als die Heiligen, die nach ihrer Auferstehung an Gott ihre Freude haben dürfen. Doch sind dies alles nichtige Spitzfindigkeiten. Nach Beseitigung freilich all jener Folgerungen der Glückseligkeit übertraf er alle Heiligen wohl allein durch diese Anrede ‚Gott und Mensch‘, weil seine Seele Gott anders als jene auf eine bei weitem höhere Weise sah, als die Person ihn erfasste. Der dritte Einwand richtet nichts weiter aus. Denn die Gottesschau ist die Essenz der Glückseligkeit, die Freude ist die Folge. Dass aber Christi Seele glücklich war, ist ein unumstößliches Dogma. Der vierte Einwand wird aufgrund des bei weitem größten Unterschieds de facto bestritten. Sicher war die Betrübnis zum Zeitpunkt des drohenden Todes größer als zuvor. Und daher soll man sie weniger mit der höchsten Freude vergleichen. Ebenso – das möchte ich hier am meisten bemerkt wissen – nicht aufgrund allein der Freude, die aus der selig machenden Gottesschau stammte, sagt unser Cano, dass sie zur Zeit der Passion unterdrückt worden sei, als ob aus vollkommener Überlegung und aus Gottes Willen man sie nicht mit größter Betrübnis verbinden konnte. Sondern um auf wundersame Weise seine Liebe gegenüber uns zu zeigen. Doch das ist durch das letzte Opfer seines sterblichen Lebens am meisten bestätigt worden. Und das, was durch ein gro- ßes Wunder in der letzten Zeit seines sterblichen Lebens geschehen ist, kann daher rückblickend auf Christi gesamtes Leben bezogen werden. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 109 CAPUT IX. Melchior Canus Divo Stephano Protomartyri nequaquam injurius ostenditur. Minus nonnullis arridet Cani responsio, qua gravissimam difficultatem, ex Stephani Protomartyris concione petitam elidit lib. 2. de locis cap. ultimo. Objectae difficultatis summa haec erat. Genesis 23. versu 16. legimus Abraham locum sepulchri emisse quadringentis siclis argenti ab Ephron filio Seor: Ac rursus Genesis 33. versu 19. Jacob agri partem, in qua fixeat tentoria, emisse centum agnis, a filiis Hemor patris Sichem. Stephanus vero protomartyr concionem ad Judaeos habens, a Luca relatam actorum 7. narrat vers. 16. Jacob, et filios ejus in Aegypto defunctos, translatos esse in Sichem, et positos esse in sepulchro, quod emit Abraham pretio argenti a filiis Hemor filiis Sichem. Quo loco duplex videtur aberratio contineri: Tum quod Abraham non emisset a filiis Hemor sed ab Ephron filio Seor: Tum quod Hemor, a quo verius emerat Jacob, non fuerit filius Sichem, sed pater. Eo ut se nodo Canus expediat, cum varias interpretum expositiones attulisset, quibus recitata auctorum verba conciliare nituntur; easque partim coactas, partim solvendo nodo impares observasset; Bedae tandem, et Rabani solutionem amplectitur; qua nempe contendunt, Stephano, id quod vulgo fere solet, accidisse, ut in longa videlicet narratione, eademque praesertim subita, confuderit nonnulla, et miscuerit: in quibusdam etiam memoria lapsus fuerit, in iis dumtaxat, quae ad rem parum, aut nihil omnino attinent. Nam causae, de qua potissimum agebatur, erat intentus. Lucas vero historiae veritatem retinere volens, ne jota quidem immutavit, sed rem, ut a Stephano narrata erat, exposuit. Melchioris Cani Vindicationes 110 Neuntes Kapitel Melchior Cano zeigt sich dem heiligen Stephanus, dem ersten Märtyrer, keineswegs ungerecht Weniger gefällt einigen Canos Antwort, mit der er die äußerst ernste Schwierigkeit, die aus der Rede des Protomärtyrers Stephanus hervorgeht, im zweiten Buch De locis theologicis, letztes Kapitel, beseitigt. Die Zusammenfassung des vorliegenden Problems war folgende. In Genesis 23, Vers 16, lesen wir, dass Abraham den Ort der Grabstätte für 400 Silberstücke von Ephron, dem Sohn des Zochar, gekauft hat. Und in Genesis 33, Vers 19, wiederum heißt es, dass Jakob den Teil des Ackers, auf dem er sein Zelt aufgespannt hat, für den Preis von 100 Schafen von den Söhnen Chamors, dem Vater von Sichem, gekauft hat. Doch der Protomärtyrer Stephanus erzählt in einer Rede vor den Juden, dass in Vers 16 der Apostelgeschichte nach Lukas, Kapitel 7, Jakob und seine Söhne, die in Ägypten gestorben sind, „zu Sichem gebracht und in das Grab gelegt worden sind, das Abraham von den Söhnen Chamors, den Söhnen Sichems, für einen Preis in Silber gekauft hat.“ An dieser Stelle scheint es einen zweifachen Irrtum zu geben: Einerseits, dass Abraham nicht von den Söhnen des Chamor, sondern von Ephor, dem Sohn des Zochar, gekauft hatte. Andererseits, dass Chamor, von dem Jakob gekauft hatte, nicht der Sohn des Sichem, sondern sein Vater war. Um sich dieses Problems zu entledigen, hat Cano, nachdem er verschiedene Erklärungen der Übersetzer angeführt, mit denen man versucht, die wiedergegebenen Worte der Autoren in Einklang zu bringen, und erkannt hatte, dass sie teils zusammengetragen, teils unangemessen für die Lösungen des Problems waren, schließlich Bedas und Rabanus’ Lösung angenommen. Darin behaupten sie, dass „Stephanus das widerfahren ist, was gewöhnlich durch das Volk geschieht, nämlich dass er in einer freilich langen und gerade aus dem Stegreif gehaltenen Erzählung einiges miteinander verbunden und vermischt hat. Ebenso, dass es in einigen Dingen auch eine Erinnerungslücke gegeben hat, freilich nur darin, was allzu wenig oder überhaupt nichts mit der Sache zu tun hat. Denn auf den Hauptgrund war er eifrig bedacht. Lukas aber, der an der Wahrheit der Geschichte festhalten wollte, hat nicht ein Jota verändert, sondern den Sachverhalt so erklärt, wie er von Stephanus erzählt worden war.“ Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 111 Cani sententiam, quidquid Aemuli cavillentur, ipsa in primis argumenti necessitas probabilem facit. Quandoquidem vix alia, quae plane objectae difficultati respondeat, expositio suppetit. Probabilitatem auget Bedae ac Rabani mediae aetatis scriptorum auctoritas, quos duces secutus est Canus. Venerabilis Bedae, quem Rabanus exscripsit, haec verba sunt in Commentariis ad eum scripturae locum: Docet Genesis, Abraham ab Ephron filio Seor Hethaei in Cariatarbe, locum Sepulchri quadringentis argenti siclis emisse, in quo ipse Abraham, Isaac, et Jacob, et Adam Protoplastus sepulti. Itemque Jacob de Mesopotamia reversum, juxta urbem Sichem, partem agri, quo tabernacula tenderet, ab Hemor patre Sichem datis centum agnis accepisse. Non emit ergo Abraham ab Hemor Sichimita, sed ab Ephron Hethaeo, in quo duodecim Patriarchae non sunt sepulti, sed in Sichem. Verum Beatus Stephanus vulgo loquens vulgi magis in dicendo sequitur opinionem. Duas enim pariter narrationes conjungens, non tam ordinem circumstantis historiae, quam causam de qua agebatur intendit. Qui enim insimulabatur adversus locum Sanctum, et legem docuisse, pergit ostendere, quomodo Jesus Christus ex lege monstraretur esse promissus, et quod ipsi nec tunc Moysi, nec Domino nunc servire voluerint. Haec ut potui dixi, non praejudicans sententiae meliori, si adsit. Has Venerabilis Bedae, et Rabani Mauri interpretationes mutuatus est vetus auctor Glossae ordinariae in actus Apostolicos, nec non etiam Nicolaus de Lira, in suis ad eumdem locum Commentariis. Nec defuere secutis inde temporibus magni nominis Viri, qui Cani sententiam vel amplexi omnino sint, vel saltem uti probabilem admodum commendarint. Melchioris Cani Vindicationes 112 Canos Ansicht, worüber auch immer die Neider spotten, macht die Notwendigkeit des Arguments besonders glaubhaft, da es ja kaum eine andere Erklärung gibt, die eine Antwort auf das vorliegende Problem gibt. Bedas und Rabanus’ Autorität, zweier Schriftsteller des Mittelalters, fördert die Glaubhaftigkeit; ihrer Führung ist Cano gefolgt. Folgende Worte sind die des Beda Venerabilis, die Rabanus aufgeschrieben hat, zu jener Stelle der Heiligen Schrift: „Die Genesis lehrt, dass Abraham von Ephron, dem Sohn des Hethiters Zochar in Kirjat-Arba, den Ort der Grabstätte für 400 Silberstücke gekauft hat, wo Abraham selbst, Isaak, Jakob und der erste Mensch Adam begraben sind. Und ebenso habe Jakob, aus Mesopotamien zurückgekehrt, in der Nähe der Stadt Sichem den Teil des Ackers, wo er sein Zelt aufgespannt hatte, von Chamor, dem Vater des Sichem, für 100 Schafe erhalten. Also hat nicht Abraham von Chamor, dem Vater des Sichem, sondern von dem Hethiter Ephron das Land gekauft, in dem nicht zwölf Patriarchen bestattet sind, sondern Sichem. Doch der heilige Stepahnus folgt, wenn er zum Volk spricht, in seiner Rede eher der Meinung des Volkes. Denn wenn er zwei Erzählungen miteinander gleichermaßen verbindet, hat er nicht so sehr die Reihenfolge der Geschichte als das, worüber verhandelt wird, im Auge. Er nämlich, der fälschlich beschuldigt wurde, gegen einen heiligen Ort und das Gesetz gelehrt zu haben, fuhr damit fort, zu beweisen, wie gezeigt wurde, dass Jesus Christus durch das Gesetz verheißen worden ist, und auch, dass sie selbst damals weder Mose noch dem Herrn dienen wollten. Das habe ich nach meinen Möglichkeiten gesagt, wobei ich kein vorschnelles Urteil über eine bessere Ansicht treffen möchte, wenn es sie gibt.“ Die Übersetzungen des Beda Venerabilis und des Rabanus Maurus haben sich der alte Autor der glossa ordinaria zur Apostelgeschichte [Anselm von Laon] und auch Nikolaus von Lyra in seinem Kommentar zu derselben Stelle entliehen. Doch in den darauffolgenden Zeiten hat es nicht an bedeutenen Männern gefehlt, die Canos Ansicht entweder ganz und gar zugestimmt oder doch wenigstens als glaubhaft empfohlen haben. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 113 Petrus Lorca Cisterciensis ordinis, et Complutensis academiae professor eximius 2.2. post quaestionem 16. in appendice ad tractatum de fide disp. 2. membro 3. nu. 24. etsi Melchioris Cani sententiam non paucis displicere notet, eam tamen sibi satis probari significat. Tertio, inquit, objicitur narratio Stephani, actorum septimo; in cujus explicationem libenter amplecterer responsum sapientissimi magistri Melchioris Cani lib. 2. de locis cap. ultimo: Stephanum pro celeritate sermonis, et fervore spiritus alio intentum, pauca illa transmutasse, ut pro Jacob, Abraham, pro Patre, filium dixerit. Nam si id dicamus, primo in scriptura nullum mendacium admittitur; scriptura enim non illo modo refert historiam, sed refert Stephanum ita locutum: Deinde nec Stephano aliquid detrahitur: nam leves illae immutationes historiae facile, et absque omni culpa contingere potuerunt. Quin potius scripturae veritas maxime commendatur; quae referens viri sancti sermonem, prout ipse protulit, punctim, et verbatim narravit, non omittens illa etiam, in quibus memoria lapsus est. Quae solutio absque omni nota, et scrupulo admitti potest: Tum quia primo tradita est a Sancto Beda, et Rabano in commentariis hujus loci: Tum etiam si quid contra objici potest, illud est, quod Stephanus, ante et post illam narrationem plenus spiritu Sancto dicitur: In eo autem, qui spiritu Sancto plenus loquebatur, nefas est admittere non solum mendacium, sed nec lapsum aliquem memoriae, et linguae, in quo a veritate deviet. Hoc tamen non urget, quia Stephanus dicitur plenus spiritu Sancto, quatenus erat plenus gratia, et sapientia, non tamen quia spiritu sancto movente, omnia, et singula locutus fuerit. Nec est verbum, quo hoc modo per spiritum Sanctum locutum fuisse convincatur. Et certe solutio haec omnem difficulatem evacuat, et infidelibus plus satisfaciet, qui calumniari non potuerunt, aliquid gratis excogitatum esse ad fugam argumenti. Melchioris Cani Vindicationes 114 Pedro de Lorca, aus dem Orden der Zisterzienser und Professor der Universität von Alcalá de Henares, deutet dies besonders in 2.2, nach q. 16, im Anhang zum Traktat De fide, zweite Disputation, Teil 3, Nr. 24, an, trotz des Vermerks, Canos Ansicht missfalle nicht wenigen, dass sie von ihm jedoch ausreichend anerkannt wird. Er sagt: „Als drittes wird die Erzählung des Stephanus in Apostelgeschichte 7 entgegengehalten. Zu ihrer Erklärung würde ich gerne die Antwort des sehr klugen Lehrers Melchior Cano im zweiten Buch De locis theologicis, letztes Kapitel, hernehmen, dass Stephanus durch die Schlagfertigkeit seiner Rede und, da er durch die Leidenschaft seines Geistes auf etwas anderes konzentriert war, wenige Dinge verändert hat, so dass er anstelle von Jakob Abraham und anstelle von Vater Sohn gesagt hat. Denn wenn man das so sagt, dann nimmt man erstens keinen Fehler in der Schrift an – die Schrift nämlich berichtet in jener Weise keine Geschichte, sondern dass Stephanus so gesprochen hat – und zweitens setzt man auch Stephanus nicht herab – es konnte nämlich leicht und ohne jede Schuld zu jenen leichtfertigen Veränderungen der Geschichte kommen. Ja, am meisten wird die Wahrheit der Schrift sogar empfohlen. Sie hat, indem sie die Rede des heiligen Mannes wiedergibt, Punkt für Punkt und Wort für Wort berichtet, wie er sie selbst vorgetragen hat, ohne dabei auszulassen, worin er in seiner Erinnerung fehl gegangen ist. Diese Lösung kann ohne jeden Makel und Skrupel zugelassen werden. Einerseits, weil sie zuerst vom heiligen Beda und Rabanus in den Kommentaren zu dieser Stelle überliefert worden ist, andererseits auch, weil, wenn etwas dagegen eingewendet werden kann, es das ist, was Stephanus zuvor und nach jener Erzählung erfüllt vom Heiligen Geist gesagt haben soll. Doch ihm gegenüber, der erfüllt vom Heiligen Geist sprach, ist es ein Unrecht, nicht nur die Lüge, sondern auch einen Fehler in der Erinnerung und der Sprache dort zuzulassen, wo er von der Wahrheit abkommt. Das allerdings ist nicht zwingend, weil Stephanus erfüllt vom Heiligen Geist gesprochen haben soll, insoweit er voll Gnade und Weisheit war, nicht aber insofern, dass er alles in jeder Einzelheit auf Veranlassung des Heiligen Geistes gesagt hat. Es gibt kein Wort, wodurch man davon überzeugen könnte, er habe durch den Heiligen Geist so gesprochen. Sicherlich dürfte diese Lösung das ganze Problem beseitigen und mehr den Ungläubigen Genugtuung verschaffen, die nicht anklagen konnten, etwas sei umsonst erdacht, um diesem Argument zu entgehen.“ Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 115 Emmanuel Sa Societatis Jesu, in annotationibus ad hunc locum: quidam dicunt, Stephanum intentum, ut fit, in aliud, pro Jacob dixisse Abraham, et pro Patris Sichem, filii Sichem: Lucam vero fideliter, quod ille dixerat, retulisse. Quae mihi opinio non displicet. Nec enim id repugnant Stephani sapientiae, et spiritui, quo plenus erat. Accidit enim id interdum sapientissimis, et sanctissimis. Guillelmus Estius in annotationibus, Stephanum quidem memoria lapsum disertis, distinctisque verbis non asserit: sed id nihilominus adstruit, unde illum memoria lapsum esse, necessario colligas; cum diversas historias in unam ab illo commixtas fuisse contendat. Ita quippe habet: Hic difficultas in historia concilianda; Ac primum leve illud est, quod postremo loco dicitur; Hemor filii Sichem, cum Hemor Pater fuerit Sichem. Nam in graeco tantum habetur τὰ Σίχεμ, quod juxta fidem historiae Geneseos, et Josue, vertendum potius erat, patris Sichem. Sed caetera multum discrepare videntur, et continere commixtas diversas historias; Nempe de spelunca duplici in Hebron, quam ab Hephron Hethaeo emit Abraham quadringentis siclis argenti; ubi sepulti sunt Sara, Abraham, Isaac, Rebecca, Lia, Jacob, Genesis 23.25.35.49. et 50. et alteram de agro Sichem, quem a filiis Hemor Hethaei patris Sichem emit Jacob centum agnis, ubi sepultus est Joseph. De eo habes Genesis 33. et Josue ultimo. Salianus in annalibus veteris Testamenti ad annum mundi 2175. num. 8. Gravis hoc loco exoritur difficultas, ex capite 7. actuum, ubi Divus Stephanus ait, hunc sepulchri locum ab Abrahamo emptum a filiis Hemor filii Sichem: cum hic dicatur emptus ab Ephron filio Seor. Postmodum eorum relata opinione, qui Ephronis patrem binomium fuisse putant, subjungit: verum quia dicitur Jacob emisse partem agri a filiis Hemor patris Sichem, censuit Beda, et Rabanus, Divum Stephanum duas pariter narrationes conjunxisse, nec tam ordinem historiae, quam causam, de qua agebatur, intendisse. Ac demum concludit: Eligat lector utram interpretationem amplecti malit. Ego venerabilis Bedae, et Rabani expositionem non improbo, cui vides graves, et doctos viros subscripsisse. Melchioris Cani Vindicationes 116 Emmanuel Sá aus der Societas Jesu schreibt in den Anmerkungen zu dieser Stelle: „Einige behaupten, Stephanus habe, da er auf etwas anderes bedacht war, als es der Wirklichkeit entspricht, anstelle von Jakob Abraham und anstelle von ‚Vater des Sichem‘ ‚Sohn des Sichem‘ gesagt. Doch Lukas habe getreu berichtet, was jener gesagt hatte. Diese Meinung missfällt mir nicht. Denn es widerspricht nicht der Klugheit des Stephanus und dem Geist, von dem er erfüllt war. Das nämlich widerfährt bisweilen der klügsten und heiligsten Menschen.“ Willem Essels van Est behauptet mit gelehrten und wohlgeordneten Worten in seinen Anmerkungen zwar nicht, dass Stephanus in der Erinnerung fehlgegangen ist, doch führt er an, woraus man schließen könnte, dass er in der Erinnerung fehlgegangen ist, indem er behauptet, dass verschiedene Geschichten von ihm zu einer vermischt worden sind. Seine Worte sind folgende: „An dieser Stelle soll die Schwierigkeit in der Geschichte in Einklang gebracht werden. Erstens ist das, was zuletzt gesagt wird, leichtfertig, nämlich dass Chamor der Sohn des Sichem war, obwohl er Sichems Vater war. Denn im griechischen Text ist lediglich τὰ Σίχεμ zu finden, was gemäß der Glaubwürdigkeit der Geschichte von Genesis und Josua eher zu ‚patris Sichem‘ geändert werden müsste. Doch der Rest scheint sehr abzuweichen und verschiedene und vermischte Geschichten zu enthalten. Und zwar über die doppelte Höhle in Hebron, die Abraham von dem Hethiter Ephron für 400 Silberstücke gekauft hat, wo Sara, Abraham, Isaak, Rebekka, Lea und Jakob begraben sind (Genesis 23.25.35.49 und 50), und die andere Geschichte über den Acker des Sichem, den Jakob von den Söhnen des Hethiters Chamor, dem Sohn des Sichem, für 100 Schafe gekauft hat, wo Joseph begraben ist. Darüber berichtet Genesis 33 und das letzte Kapitel bei Josua.“ Salian schreibt in den Annales veteris testamenti zum Jahr 2175 der Welt, Nr. 8: „An dieser Stelle tritt ein großes Problem aus dem siebten Kapitel der Apostelgeschichte auf, wo der heilige Stephanus sagt, dieser Ort des Grabes sei von Abraham den Söhnen des Chamor, Sohn des Sichem, abgekauft worden, obwohl hier gesagt wird, er habe es von Ephor, dem Sohn des Zochar, gekauft.“ Nachdem er die Meinung von Leuten angeführt hat, die glauben, der Vater des Ephor habe einen Doppelnamen gehabt, fügt er hinzu: „Weil aber Jakob einen Teil des Ackers von den Söhnen des Chamor, dem Vater des Sichem, gekauft haben soll, meinten Beda und Rabanus, der heilige Stephanus habe zwei Erzählungen in gleicher Weise miteinander verbunden und nicht so sehr die geschichtliche Reihenfolge im Auge gehabt als das, worüber er verhandelte.“ Und schließlich endet er damit: „Der Leser mag wählen, welche der beiden Auslegungen er lieber annehmen möchte. Ich erkenne Bedas und Rabanus’ Erklärung an, von der ich sehe, dass bedeutende und gelehrte Männer ihr zugestimmt haben.“ Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 117 Natalis Alexander in dissertatione anticritica contra Frassenium art. 46. difficultatem istam expendens data opera: Si vulgata versio, inquit, servetur, dicendum, Sanctum Stephanum lapsu memoriae duo facta similia confudisse, emptionem scilicet ab Abrahamo factam, de qua Genesis 23. cum ea, quae a Jacobo facta est Genesis 33. versu 19. Agrum quidem, in quo erat spelunca duplex, emisse Abram ab Ephron quadringentis siclis argenti: Jacob vero emisse partem agri, in qua fixerat tabernacula, a filiis Hemor patris Sichem, centum agnis: Stephanum utramque historiam confudisse: Sanctum vero Lucam ne jota quidem immutare voluisse in Sancti Protomartyris verbis. Quam quidem observationem multis confirmat Alexander, variisque contra Frassenii cavillationes momentis confirmat. Tot porro suffragantibus viris doctissimis, an non tibi videtur Canus in tuto esse? Melchioris Cani Vindicationes 118 Noël Alexandre sagt in seiner Dissertatio anticritica contra Frassenium, Artikel 46, bei der mühsamen Abwägung dieses Problems: „Wenn man die Version der Vulgata bewahrt, muss man sagen, dass der heilige Stephanus aufgrund eines Fehlers in der Erinnerung zwei ähnliche Ereignisse miteinander vermischt hat, nämlich den durch Abraham getätigten Kauf, wovon Genesis 23 spricht, und den, den Jakob (Genesis 33,19) getätigt hat. Abraham habe zwar den Acker, auf dem eine doppelte Höhle war, von Ephor für 400 Silberstücke gekauft, Jakob aber einen Teil des Ackers, auf dem er sein Zelt aufgespannt hatte, von den Söhnen des Chamor, dem Vater des Sichem, für 100 Schafe. Stephanus habe beide Geschichten miteinander vermischt. Doch Lukas wollte nicht ein Jota an den Worten des heiligen Protomärtyrers verändern.“ Sicher bestätigt Alexandre die Beobachtung und bekräftigt sie gegen Frassens Anklagen aus vielen und verschiedenen Beweggründen. Wenn so viele und sehr gelehrte Männer als Fürsprecher auftreten, scheint Cano dann in Sicherheit zu sein oder nicht? Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 119 CAPUT X. Accusatio de vellicato nomine Societatis Jesu depellitur. Scribens Melchior Canus lib. 4. de locis cap. 2. de Ecclesia, hujusque nominis potestatem expendens ex epistola 1. ad Cor. cap. 1. ita habet: Fidelis Deus, per quem vocati estis in societatem Filii ejus Jesu Christi: Quae sine dubio societas cum Christi Ecclesia sit, qui titulum illum sibi arrogant, ii videant an Haereticorum more, penes se Ecclesiam existere mentiantur. Quo loco Jesuitas, ob arrogatum sibi Societatis Jesu nomen, tacite sugillari perspectum est: Tametsi, ut Canum excusent, nonnulli repugnent, qui Lutheranos, et Calvinistas eo loco perstringi dicunt, Ecclesiae nomen Marcionitarum, et Donatistarum more sibi superbius arrogantes. Verum conatu plane irrito. Canus siquidem non eos ibi designat, ac mordet, qui penes se Ecclesiam existere mentiuntur; sed illos potius, qui Societatis Jesu sibi titulum arrogant. Vereturque, ne et ipsi, contra mentem Apostoli, penes se se Ecclesiam existere mentiantur. Quid ergo? nihil ne excusationis habebit Canus, quod id nominis in Ignatii filiis vellicare ausus sit? Dicam ego simpliciter, quod res est: Canum ea aetate temporum scripsisse, qua rebus nondum ad liquidum perductis, sinistrae nescio quae de nascente Societatis instituto suspiciones, virorum etiam insignium ingenia occupaverant, quas successu temporis religiosa Societas eluit. Nec mirandum idcirco, si sinistrum quidpiam de arrogato sibi, ut plurimis videbatur, superbo Societatis Jesu nomine fuerit suspicatus vir alias prudentissimus. Fuit enim haec illi tum temporis cum aliis multis suspicio communis, cujus nobis, et domestici Societatis, et extranei testes fidem plurimam faciunt. Franciscus Suares tomo 4. de religione tract. 10. lib. 1. cap. 1. num. 9. non defuere, inquit, viri Catholici, et docti arrogantiae patrum Societatis tribuentes, quod nomen universae Catholicae religionis sibi usurparent……Atque hic primus dicitur fuisse articulus censurae, quam contra Societatem universitas Parisiensis edidit. Melchioris Cani Vindicationes 120 Zehntes Kapitel Die Anklage wird niedergeschlagen, Cano habe die Bezeichnung Societas Jesu geschmäht Melchior Cano schreibt im vierten Buch De locis theologicis, Kapitel 2, bei der Abwägung der Kirche und der Macht ihres Namens aus dem ersten Korintherbrief, Kapitel 1, Folgendes: „Treu ist Gott, durch den ihr berufen worden seid zur Gesellschaft seines Sohnes Jesus Christus [1 Kor 1,9]. Da aber diese Gesellschaft ohne Zweifel die Kirche Christi ist, sollen jene, die sich diesen Ehrennamen anmaßen, darauf schauen, ob sie nach Art der Häretiker fälschlich behaupten, die Kirche sei in ihrem Besitz.“ An dieser Stelle ist es ganz klar, dass er die Jesuiten still verhöhnt, da sie sich die Bezeichnung ‚Societas Jesu‘ angemaßt haben. Auch wenn einige, um Cano zu entschuldigen, dagegenhalten, an dieser Stelle würden die Lutheraner und Calvinisten getadelt werden, weil sie sich nach Art der Marcioniten und Donatisten hochmütiger den Namen ‚Kirche‘ anmaßen. Doch der Versuch ist ganz und gar vergebens. Insofern bezeichnet und kränkt Cano dort nicht die, die lügnerisch behaupten, die Kirche existiere bei ihnen, sondern eher jene, die sich die Bezeichnung ‚Societas Jesu‘ anmaßen. Und er fürchtet, dass auch sie selbst gegen den Sinn des Apostels lügen, die Kirche existiere bei ihnen. Was weiter? Wird es für Cano dafür keine Entschuldigung geben, dass er es gewagt hat, diese Art von Namen bei den Söhnen des Ignatius angeprangert zu haben? Ich werde einfach das sagen, was Sache ist, nämlich dass Cano zu einer Zeit geschrieben hat, zu der, da die Sache noch nicht klar geworden war, einige schlimme Verdächtigungen über das aufkommende Unternehmen der Societas sogar den Verstand bedeutender Männer eingenommen hatte, die jene religiöse Gesellschaft mit der Zeit beseitigen konnte. Daher soll es nicht verwundern, wenn ein in anderen Dingen sehr kluger Mann etwas Schlechtes über den Namen der ‚Societas Jesu‘ vermutet hat, den sie sich, wie es sehr vielen schien, hochmütig angemaßt hatte. Denn damals war sowohl ihm als auch vielen anderen der Verdacht eigen, von dem mich sowohl Angehörige der ‚Societas‘ als auch außenstehende Zeugen sehr überzeugen konnten. Francisco Suárez im vierten Teil von De religione, zehnter Traktat, erstes Buch, Kapitel 1, Nr. 9, sagt: „Es fehlte nicht an katholischen und gelehrten Männern, die es der Anmaßung der Väter der ‚Societas‘ zurechneten, dass sie für sich den Namen der gesamten katholischen Religion in Anspruch nahmen. Und dies soll der erste Artikel der Zensur gewesen sein, den die Universität von Paris gegen die ‚Societas‘ verfasst hat.“ Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 121 Cardinalis Sfortia Pallavicinus in Vindicationibus Societatis Jesu cap. 6. Certarunt, inquit, nonnulli invidiam creare huic nomini, tamquam superbiori … Accusatio haec levior videretur, quam ut in ejus purgatione immoraremur, nisi grandia Theologorum nomina illam nobis intentassent. Jacobus Augustinus Thuanus in historia tomo 1. lib. 15. Jesuitae postea, inquit, novo, atque, ut plerisque visum est, superbo nomine appellati sunt. Quibus paria refert Alexander Ziliolus in historia rerum memorabilium, parte 1. lib. 9. pag. 241. Et quidem Academia Parisiensis in judicio, quod instante augustissimo Galliarum senatu, de nascente Societate tulit anno 1554. die 1. Septemb., cujus fragmentum exscribit Nicolaus Orlandinus in historia Societatis suae parte 1. lib. 15. n. 45. Haec nova societas, inquit, insolitam nominis Jesu appellationem peculiariter sibi vindicans, etc. Conventus etiam Episcoporum Galliae Pissiaci congregatorum anno 1561. Patres societatis Parisiis admittendos censuit, ea inter alias conditione ac lege, ut Jesuitarum, aut Societatis Jesu nomen deponerent: Que cette Compagnie des Jesuites estoit reçue par forme de societé et College, et non par forme de Religion novellement instituée, a la charge qu’ ils serojent tenus de prendre autre titre, que de Jesuites, ou de la Societé de Jesus, etc. Uti fusius legere est apud Stephanum Pasquier, in Oratione pro Academia Parisiensi habita in augustissimo Galliarum Senatu anno 1564, quam ex integro inseruit lib. 3. disquisitionum, seu ut gallice scribit, des Recherches. Quae omnia non idcirco sunt a me recitata, ut vel id nominis religiosis viris ereptum velim, vel etiam jure a quoquam vellicatum existimem: sed ut omnes intelligant, hanc primitus insedisse viris etiam maximis opinionem, quae Melchiori nostro, antequam subobscuris initio rebus, nonnihil lucis accederet. Nec idcirco laudatissimo Theologo succensendum, si quid superbiae ea in appellatione initio suspicatus sit: Tot, ac tantis in eamdem suspicionem adductis viris variorum ordinum spectatissimis, antequam Gregorius XIV. anno 1591. suspicionem demum omnem amovisset, ita peculiari diplomate decernendo. Statuimus, nomen Societatis Jesu, quo laudabilis hic ordo nascens a sede Apostolica nominatus est, et hactenus isignitus, perpertuis futuris temporibus in eo retinendum esse. Melchioris Cani Vindicationes 122 Kardinal Pallavicino sagt in den Vindikationen der Societas Jesu, Kapitel 6: „Einige haben darum gewetteifert, diesem Namen, als ob er ziemlich hochmütig wäre, Hass entgegen zu bringen. Die Anklage wäre leichtfertiger, als dass ich bei ihrer Auflösung verweilen sollte, wenn nicht bedeutende Theologen uns mit ihr gedroht hätten.“ Jacques-Auguste de Thou sagt im ersten Teil seiner Historia, Buch 15: „Später sind die Jesuiten mit einem neuen und, wie es sehr vielen schien, hochmütigen Namen bezeichnet worden.“ Ähnliches berichtet Alessandro Zilioli in seiner Historie memorabili, erster Teil, neuntes Buch, Seite 241. Und die Universität von Paris freilich formuliert in ihrem Urteil, das sie vor dem bestehenden hoch angesehenen französischem Senat am 1. September 1554 gefällt hat – einen Teil davon hat Niccolo Orlandini in der Geschichte seiner ‚Societas‘ im ersten Teil, 15. Buch, Nr. 45, aufgeschrieben – Folgendes: „Diese neue Gesellschaft nimmt für sich in eigentümlicher Weise die ungewöhnliche Bezeichnung des Namen Jesu in Anspruch etc.“ Auch der Konvent der versammelten Bischöfe von Frankreich in Pisa 1561 hat entschieden, die Väter der ‚Societas‘ sollen in Paris unter anderem unter der Bedingung und Verordnung zugelassen werden, dass sie die Bezeichnung Jesuiten oder Societas Jesu ablegen: „Que cette Compagnie des Jesuites estoit reçue par forme de societé et College, et non par forme de Religion novellement instituée, a la charge qu’ ils serojent tenus de prendre autre titre, que de Jesuites, ou de la Societé de Jesus, etc.” Noch ausführlicher ist das bei Stephane [Étienne] Pasquier in der für die Universität von Paris vor dem hochangesehenen französischen Senat im Jahr 1564 gehaltenen Rede zu lesen, die er vollständig im dritten Buch der Disquisitionum oder, wie es auf französisch heißt, Les Recherches aufgeschrieben hat. Das alles ist nicht deshalb von mir zitiert worden, weil ich diesen Namen religiösen Männern entzogen haben wollte, oder gar glaubte, er sei zu Recht von jemandem kritisiert worden, sondern damit alle verstehen, dass anfangs auch bei den bedeutendsten Männern diese Ansicht Bestand hatte, die unserem Cano zuvor in zunächst sehr undurchsichtigen Dingen einleuchtete. Daher soll man einem hochgelobten Theologen nicht zürnen, wenn er zunächst einen gewissen Hochmut in der Bezeichnung vermutet hat, da so viele, so bedeutende und sehr angesehene Männer verschiedener Orden zu demselben Verdacht gekommen sind, bevor Gregor XIV. im Jahr 1591 schließlich jeglichen Verdacht durch seine so eigentümlich diplomatische Entscheidung beseitigt hatte: „Wir setzen fest, dass der Name ‚Societas Jesu‘, mit dem dieser löblich entstehende Orden vom Apostolischen Stuhl benannt und insoweit bezeichnet worden ist, für alle Zukunft an ihm verhaftet sein soll.“ Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 123 Imo prae caeteris venia dignior habendus est Canus, qui quod de nova illa Societatis Jesu appellatione judicium fecit, modeste admodum, et oblique duntaxat innuit, quod alii plerique apertis, et invidiosis declamationibus prodiderunt. Melchioris Cani Vindicationes 124 Ja, vor allem Cano muss man größere Nachsicht entgegenbringen, weil er über jene neue Bezeichnung ‚Societas Jesu‘ ein Urteil gefällt hat, und zwar ein maßvolles, und lediglich das falsch verstanden hat, was sehr viele andere in offenen und hasserfüllten Deklamationen bekannt gemacht haben. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 125 CAPUT XI. Judicii Pontificii in Religiosis institutis approbandis indeficientia, qualis a Melchiore Cano negata sit, explicatur. Ecclesiae in religionis ordinibus approbandis indeficientiam a Melchiore Cano negatam lib. 5. de locis. cap. 5. multi volunt, ejusque ea de re judicium summae temeritatis arguunt, atque audaciae. Sic porro ille eo loci: Ordines igitur vel probare, vel refellere, quoniam non e scientia id solum, sed ettiam e prudentia pendet, non ad ea pertinet, in quibus summus Pontifex errare nequit. Quod subinde multis ostendit argumentis. Si quis tamen Cani mentem intimius explorare velit, nihil ab eo traditum inveniet, quam quod Theologorum vulgus agnoscit. Duo quippe in instituendis ordinibus secernunt prudentissime: Primum, quod ad substantiam ordinum spectare dicunt, vota scilicet, legesque, quibus viri religiosi ad Christianam perfectionem veluti manu ducuntur. Alterum, quod ad circunstantias institutorum ordinum, multitudinem scilicet, necessitatemque, pro temporum, locorumque ratione, pertinere volunt. In primo decernendo, non in altero, Ecclesiam falli nesciam communiter docent. Hoc ipsum dedita opera propugnat Franciscus Suares, ex iis scilicet unus, qui in Melchiorem Canum liberius declamant, tomo 3. de Religione l. 2. cap. 17. n. 18. Omnino sentiendum, et dicendum est, non posse errare Pontificem in approbatione religionis, quoad judicium de honestate, et sufficientia talis modi vivendi, ut sit status perfectionis acquirendae, seu religionis; quidquid sit de approbatione practica, quoad licentiam, et facultatem introducendi de novo aliquam religionem, et quoad judicium prudentiale, in quo talis concessio fundatur. Melchioris Cani Vindicationes 126 Elftes Kapitel Es wird erklärt, welche Unfehlbarkeit des päpstlichen Urteils bei der Anerkennung religiöser Institutionen von Melchior Cano bestritten worden ist. Viele möchten, dass die Unfehlbarkeit der Kirche bei der Anerkennung religiöser Orden von Melchior Cano im fünften Buch De locis theologicis, Kapitel 5, bestritten worden ist, und werfen seinem Urteil darüber größte Leichtfertigkeit und Dreistigkeit vor. Ferner hat er dort folgendes gesagt: „Die Orden anzuerkennen oder zurückzuweisen, da dies nicht nur vom Wissen, sondern auch von der Einsicht abhängt, bezieht sich demnach nicht darauf, worin der Papst irren kann.“ Das zeigt er im Anschluss mit vielen Argumenten. Wenn jemand dennoch Canos Ansinnen näher erforschen will, wird er herausfinden, dass von ihm nichts Anderes überliefert wurde als das, was die Schar der Theologen anerkennt. Sie unterscheiden freilich sehr klug zwei Dinge bei der Einsetzung von Orden: Erstens das, wovon sie sagen, es beträfe die Substanz der Orden, nämlich die Gelübde und Gebote, durch die religiöse Männer zur christlichen Vollkommenheit gewissermaßen an der Hand geführt werden. Zweitens das, wovon sie wollen, dass es die Umstände der eingerichteten Orden betrifft, nämlich Fülle und Notwendigkeit im Hinblick auf Ort und zeitliche Umstände. Sie lehren, dass sich die Kirche bei der Entscheidung der ersten Sache aus Unwissen täuschen kann, nicht aber bei der zweiten. Das an sich verteidigt Francisco Suárez mühsam, und zwar als Einziger von denen, die gegen Melchior Cano recht freimütig wettern, im dritten Teil De religione, zweites Buch, Kapitel 17, Nr. 18: „Ganz und gar muss man der Ansicht sein und sagen, dass der Papst in der Anerkennung der Religion nicht irren kann, insoweit sie das Urteil über die Ehrbarkeit und das Habe einer solchen Lebensart betrifft, um der Zustand zu erstrebender Vollkommenheit oder Religion zu sein. Was die praktische Anerkennung angeht, kann er nicht irren, insoweit sie die Freiheit und Fähigkeit betrifft, eine religiöse Gemeinschaft neu einzuführen, und insoweit sie das kluge Urteil betrifft, durch das ein solches Zugeständnis begründet werden soll.“ Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 127 Disertius vero, et explicatius Dominicus Bannes in 2. 2. quaest. 1. art. 10. dubio 8. concl. 5. Possibile est, summum Pontificem ex negligentia, aut ignorantia, aut falsa informatione, aliquo modo errare, secundum prudentiam, in approbatione, et confirmatione plurium religionum, quam opus erat in Ecclesia Dei. Nunquam tamen hujusmodi error cedet in perniciem Ecclesiae, quamvis quibusdam possit esse nocivus. Utraque pars conclusionis facile a nobis probabitur……. Nostra conclusio ita est intelligenda, ut error, qui contingere potest in confirmandis religionibus, non sit major, quam qui accidere potest in multiplicatione legum Ecclesiasticarum, de iis rebus, quae ad salutem necessariae non sunt, ut ita, vel aliter fiant, nisi solum propter legis obligationem. Cum igitur in hujusmodi communibus legibus, juxta communem etiam opinionem doctorum, possit summus Pontifex minus prudenter procedere, non est quare timeamus asserere, quod etiam in confirmandis tot, tamque variis religionibus, ex quibus in Ecclesia confusio potest oriri, et talia incommoda ad perfectam Ecclesiae, et tranquillam gubernationem emergere, possit etiam summus Pontifex minus caute aliquam, vel aliquas religiones approbare, et confirmare. Quid aliud amabo Canus noster? perspicua ejus verba sunt, modo quis mentem intendat. Ordines, inquit, vel probare, vel refellere, quoniam non e scientia id solum, sed etiam e prudentia pendet, non ad ea pertinet, in quibus summus Pontifex errare nequit. Ea igitur parte Pontificii judicii deficientiam admittit, in qua non scientia, sed prudentia duce decernit. Scientia porro duce de religiosi status substantia judicat, prudentia vero de accidentibus. Et vero nihil aliud suis in probationibus inculcat vir eruditus, quam de accidentibus, et circumstantiis, multitudine scilicet, et utilitate religionum verti quaestionem. Duplici enim capite assertionem suam evincit: Primo, quod nimia religionum multitudine nonnumquam exortae sint querimoniae in conciliis, scilicet Lateranensi, et Lugdunensi: Secundo, quod nonnullae primitus approbatae, successu temporis, mutatisque rerum conditionibus, ut noxiae, vel certe inutiles extinctae sint. Melchioris Cani Vindicationes 128 Noch gelehrter und deutlicher sagt es Domingo Báñez in 2.2. q. 1, art. 10, achter Zweifel, fünfte Folgerung: „Es ist möglich, dass der Papst aus Unachtsamkeit oder Unwissen oder falscher Information irgendwie irrt, in Anbetracht der Klugheit, bei der Anerkennung und Bestätigung von mehr Orden, als in Gottes Kirche nötig waren. Doch niemals wird ein solcher Irrtum zum Untergang der Kirche führen, obgleich er für einige schädlich sein kann. Leicht werde ich beide Teile der Folgerung beweisen. (...) Meine Folgerung soll man so verstehen: Der Irrtum, der bei der Bestätigung religiöser Gemeinschaften auftreten kann, kann nicht größer sein als der, der bei einer Vielzahl von Geboten der Kirche bestehen kann über Dinge, die für das Heil nicht notwendig sind, so dass es so oder anders sein kann, wenn nicht allein aus einer gesetzlichen Verpflichtung. Da also in solchen allgemeinen Gesetzen auch nach der allgemeinen Meinung der Gelehrten der Papst weniger klug vorgehen kann, gibt es keinen Grund, warum man nicht behaupten dürfe, dass auch bei der Bestätigung so vieler und so verschiedener religiöser Gemeinschaften, aus denen in der Kirche Verwirrung entstehen und auch solche Unannehmlichkeiten für die vollkommene und ruhige Leitung der Kirche hervorgehen können, der Papst die eine oder andere religiöse Gemeinschaften weniger vorsichtig bestätigen kann.“ Was hat unser Cano anderes gutgeheißen? Seine Worte sind klar und deutlich für den, der sich ihnen widmet. Er sagt: „Die Orden anzuerkennen oder zurückzuweisen, da dies nicht nur vom Wissen, sondern auch von der Einsicht abhängt, bezieht sich demnach nicht darauf, worin der Papst irren kann.“ Also gesteht er in dem Teil des päpstlichen Urteils eine Fehlbarkeit zu, wenn er nicht unter der Leitung von Wissen, sondern von Erfahrung entscheidet. Ferner urteilt er unter der Leitung von Wissen über die Substanz des religiösen Zustands, unter der von Erfahrung aber über die Akzidenzien. Der gebildete Mann aber schärft in seinen Beweisen nichts Anderes ein als über die Akzidenzien und die Umstände, nämlich, dass sich die Frage über die Fülle und den Nutzen religiöser Gemeinschaften dreht. Denn er legt seine Behauptung in zwei Kapiteln dar. Erstens, dass bisweilen auf Konzilien Klagen aus der allzu großen Zahl von religiösen Gemeinschaften aufgekommen sind – auf dem Laterankonzil und dem Konzil von Lyon. Zweitens, weil einige, die anfangs anerkannt worden waren, mit der Zeit und unter Veränderung der Gegebenheiten als schädlich oder doch als unnütz aufgehoben worden sind. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 129 Quapropter dum ait, imbecillum eorum argumentum est, qui ex hujusmodi privilegiis, quae iis facile temporibus vel conceduntur, vel potius extorquentur, novas religiones non aliter, ac de caelo lapsas excipiendas esse confirmant; eas quoque, quae nullam regulam ex approbatis habent, nullam vel a suis editam profitentur: non ipsam novarum religionum substantiam insectatur, sed consectaria accidentia, ex privilegiis extortis consecuta, quibus demum evenire solet, ut noxiae tandem, et inutiles habeantur. Unde et concludit: Nostro hoc saeculo tam multae sunt religiones, a Pontificibus confirmatae, ut qui eas omnes tueri voluerit, tamquam Ecclesiae vel utiles, vel necessarias, hic imprudentiae, ne dicam stultitiae nomine, jure optimo, summisque rationibus arguatur. Quod quam verum, certumque sit, paulo post probavit eventus, sum Pius Quintus Pontifex Sanctissimus ordinem Humiliatorum ab Ecclesia sustulit, aliique subinde Pontifices alios ut inutiles sustulere. Nihil ergo a Melchiore Cano hoc de argumento dictum existimo, quam quod Theologi de more docent: Adeo ut mirari mihi subeat, litem illi hac ipsa de causa fuisse a plurimis intentatam. Quamquam, ut fatear ipse quod censeo, in eum commoventur aliqui paulo vehementius, quod suum fortasse institutum oblique ab eo vellicatum putent; Cujus, ut arbitrantur, confirmationem aetate sua recentem moleste tulerit. Sed cum id Cani verba non postulent, non est de religiosissimo viro, Episcopoque dignissimo temere pronunciandum; nec interni animi sensus incusandi sunt, ubi innoxia verba se produnt. Non desunt, qui, ut majorem illi invidiam creent, factam eo loci in prioribus editionibus de societate recens confirmata expressam mentionem dictitent; quae tamen e posterioribus, a prudentibus curatoribus expuncta sint. At id pro arbitrio dictum, cujus nulla probatio. Et quidem extant hic Patavii, ubi haec scribo, primae editionis anno 1563. Salmanticae apud Matthiam Gastium adornatae exemplaria duo; Alterum quidem in celebri Abbatia Divae Justinae, alterum in Caenobio Divi Augustini, in quibus ne verbum quidem, quod a posterioribus dissideat editionibus, deprehenditur: nec dubitandum, quin caetera omnia ejusdem primae editionis exempla per omnia et in omnibus congruant. Melchioris Cani Vindicationes 130 Daher verunglimpft er, wenn er sagt: „Deshalb ist ein Argument von jenen schwach, die aus derartigen Privilegien, die man leicht zu dieser Zeit zugestanden oder eher abgenötigt hat, bestätigen, dass neue Ordensgemeinschaften nicht anders als vom Himmel gekommen angenommen werden sollen, auch die, die keine anerkannten Regeln haben, oder sich zu keiner von sich selbst gegebenen bekennen“, nicht die Substanz der neuen Ordensgemeinschaften an sich, sondern die folgerichtigen Akzidenzien, die aus den erpressten Privilegien folgen, denen es in der Regel schließlich so widerfährt, dass sie letztendlich für schädlich und unnütz angesehen werden. Daraus schließt er: „In unserem Jahrhundert jedoch sind so viele religiöse Strömungen durch die Päpste bestätigt worden, dass man jemanden, der sie alle betrachten wollte, ob sie für die Kirche nützlich oder notwendig sind, mit bestem Recht und den bedeutendsten Vernunftgründen wegen Unverstandes, um nicht Dummheit zu sagen, anklagen könnte.“ Wie wahr und zuverlässig diese Aussage ist, hat bald darauf der Ausgang bewiesen: Papst Pius V. hat den Orden der Humiliaten aus der Kirche entfernt und andere Päpste haben hierauf andere entfernt, als ob sie unnütz wären. Ich glaube also, dass über dieses Argument nichts Anderes von Melchior Cano gesagt worden ist als das, was die Theologen über die Sitte lehren. Und zwar so sehr, dass ich mich darüber wundere, wie viele versucht haben, ihm deshalb einen Prozess anzuhängen. Obgleich, um selbst zu bekennen, was ich meine, einige ein wenig unpässlicher ihm gegenüber werden, weil sie glauben, dass ihre Anordnung vielleicht von ihm versteckt kritisiert worden ist. Seine Bestätigung, zu der es zu seiner Zeit vor kurzem gekommen ist, dürfte man, wie ich meine, schwer ertragen. Doch da Canos Worte nicht danach fordern, soll ein sehr religiöser Mann und sehr würdiger Bischof es nicht leichtfertig verkünden. Auch soll man nicht die eigenen Empfindungen anklagen, wo Worte sich schadlos zeigen. Es fehlt nicht an Leuten, die, um den Hass auf ihn größer werden zu lassen, behaupten, dass an dieser Stelle in den früheren Ausgaben ausdrücklich die jüngst bestätigte ‚Societas‘ erwähnt worden sei, was aber aus den späteren Ausgaben von klugen Kuratoren getilgt worden ist. Doch ist dies willkürlich gesagt worden, wofür es keinen Beweis gibt. Allerdings gibt es hier in Padua, wo ich dies schreibe, zwei Ausgaben der Editio princeps, Salamanca 1563, von Matías Gastio. Die eine befindet sich in der bekannten Abtei der heiligen Justina, die andere im Cönobium des heiligen Augustinus. In ihnen findet man nicht ein Wort, das sich von den späteren Ausgaben unterscheidet. Man soll nicht zweifeln, dass alle übrigen Exemplare derselben Editio princeps in allen Bereichen übereinstimmen. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 131 Addunt iidem Cani osores, istiusmodi priorum editionum, specialem societatis instituti mentionem habentium codicem ab Ozorio visum, quo et ipse ad ejusdem confutationem usus sit. Sed et Ozorius ipse, qui Cani sententiam, perperam ac latius, quam par est intellectam, prolixe confutat parte 2. Institutionum moralium lib. 5. cap. 7. nihil vel de sugillata ab ipso nominatim societate, vel de prioribus editionibus aliter, quam hodiernae habeant ferentibus, omnino habet. Subjungunt pari fidentia, ac libertate iidem reprehensores, servari illorum codicum unum Romae in quadam bibliotheca. At quae sit illa, ne innuunt quidem; Quod profecto, si res ipsa sic esset, diligentius adnotassent. Adeo ut perspicuum sit, fervidiores illos Cani accusatores nil nisi verba dare, ut decantatas saepe Naenias, atque fabellas speciosis pigmentis obducant. Paris levitates est alterum a Morerio in dictionario historico exaratum commentum, et a Dupinio transcriptum, in nova bibliotheca scriptorum Ecclesiasticorum tomo 17. saeculo 16. Academiam Salmanticensem Cani consilio repugnasse, Philippo secundo Hispaniarum Regi dato, de justitia belli adversus quemcumque, suprema etiam in terris dignitate fulgentem inferendi, ubi de tuendis coronae juribus ageretur. Cujus quidem assertionis testem Nicolaum Antonium Bibliothecae Hispanicae Scriptorem advocat Morerius. Tantum enim abest, ut Cani consilio Academiam Salmanticensem repugnasse significet Nicolaus Antonius, ut potius id consilii Philippo datum asserat, non sine totius collegii Salmanticensium Theologiae, ac juris doctorum suffragatione. Melchioris Cani Vindicationes 132 Dieselben Cano-Hasser fügen hinzu, dass ein Kodex dieser früheren Ausgaben, die speziell die Societas erwähnt haben, von Juan Azor gesehen worden ist, den er auch selbst zur Widerlegung desselben verwendet hat. Doch auch Azor, der Canos Ansicht, die man falsch und weiter als angemessen verstanden hat, im zweiten Teil der Institutiones morales, fünftes Buch, Kapitel 7, ausführlich widerlegt, hat überhaupt nichts Anderes über die von ihm selbst namentlich verhöhnte ‚Societas‘ oder die früheren Ausgaben als das, was die heutigen haben. Dieselben Kritiker sagen mit gleichem Vertrauen und Freimütigkeit, dass einer dieser Kodizes in Rom in einer Bibliothek aufbewahrt wird. Doch welche es ist, das geben sie nicht einmal selbst zu verstehen. Das hätten sie, wenn es denn so wäre, in der Tat umsichtiger vermerkt. Daraus geht deutlich hervor, dass jene glühenderen Ankläger Canos lediglich hinters Licht führen, um häufig abgeleierte Trauergesänge und Fabeln durch glanzvolle Ausschmückung zu verhüllen. Von gleicher Leichtfertigkeit ist eine andere Lüge, die von Moréri im Dictionario histórico aufgeschrieben und von Du Pin in die Nova bibliotheca scriptorum Ecclesiasticorum des 16. Jahrhunderts, Band 17, übertragen worden ist: „Die Universität von Salamanca habe sich Canos Rat widersetzt, der König Philipp II. von Spanien erteilt worden war, über das Recht, Krieg gegen jemand zu führen, der auch auf Erden von höchstem Ansehen steht, wenn es um die Bewahrung des Rechts der Krone ginge.“ Freilich beruft sich Moréri auf Nikolás Antonio, den Schreiber der Bibliotheca Hispanica, als Zeugen für diese Behauptung. Nikolás Antonio jedoch war weit davon entfernt, anzudeuten, die Universität von Salamanca habe sich Canos Ratschlag widersetzt; vielmehr behauptet er, der Rat an Philipp sei „nicht ohne Empfehlung des gesamten Kollegs der Theologie von Salamanca und der Rechtsgelehrten“ erteilt worden. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 133 CAPUT XII. De S. Augustino temere depresso, circa immortalitatem, et originem animarum, querela repellitur. Lippis et caecis scripsisse Carterium puto, dum in suis adversus Canum expostulationibus, eidem fidenter affingit, quod Augustino libentius insultarit lib. 12. de locis cap. 15. ubi post insinuata nonnulla scripturarum oracula, quibus Sanctissimus Doctor animae immortalitatem colligere sibi visus erat, ita subjungit Canus noster: Quod Augustinus affirmat, ex lege Moysis esse caeteris evidentius, id ne probabile quidem mihi videri solet, ut animas ab interitu vindicemus. Solis quippe oculis opus est, ut internoscat quisquis iis uti voluerit, ea a Carterio corrasa Melchioris Cani verba, non certam summi viri sententiam continere, sed verius objectionem, cui ille multis interjectis respondet ad finem capitis, ibi: sed jam tempus est, ut objectiones oppositas repellamus, etc. Quapropter in refellenda criminatione adeo futili operam ludere nolim. Meliori fortasse fide, ac non ita insigni eruditionis, ac doctrinae specimine, Canum lacessit idem Carterius, quod Augustinum in eam opinionem, quae animas a parentibus generari docet, magis inclinasse, dixerit; seque eam hodie tamquam errorem condemnare significarit lib. 12. de locis cap. 15. Ecquis enim nesciat, in eam re ipsa sententiam inclinasse Augustinum, aut certe haesisse dubium, num ex traduce fierent animae nostrae; certoque posuisse, quaestionem illam totam ad fidem Catholicam minime pertinere? Quod unum Augustino tribuit eo loci Canus noster. In eo quippe totus est Sanctissimus Doctor, quatuor ferme libris editis de origine animae, tribus ad Optatum datis epistolis, alteraque Hieronymo inscripta, quae est 28. ac demum lib. 10. de Genesi ad literam cap. 6. et sequentibus. Id porro citra Praesulis Hipponensis injuriam, pro sui conditione temporis, ut erroneum rejicere potuit Canariensis Episcopus, quod ille pro aetate quidem sua innoxie, et inculpate tradiderat. Melchioris Cani Vindicationes 134 Zwölftes Kapitel Die Klage über die leichtfertige Herabsetzung des heiligen Augustinus bezogen auf die Unsterblichkeit und den Ursprung der Seelen wird zurückgewiesen Ich glaube, Carterius [Honoré Fabri] hat für Triefäugige und Blinde geschrieben, als er in seinen Beschwerden gegen Cano ihm zuversichtig angedichtet hat, er habe im zwölften Buch De locis theologicis, Kapitel 15, recht freimütig Augustinus verhöhnt, wo unser Cano nach einigen mitgeteilten Prophetien der Schriften, aus denen der hochheilige Lehrer die Unsterblichkeit der Seele sich zu erschließen schien, Folgendes anschließt: „Denn das, wovon Augustinus behauptet, es werde durch das Gebot des Mose deutlicher als die übrigen, scheint in der Regel nicht einmal mir glaubhaft zu sein, dass wir die Seele vor dem Untergang bewahren.“ Allein die Augen sind notwendig, um zu unterscheiden, wer dies verwenden wollte, dass die von Carterius zerfressenen Worte des Melchior Cano nicht die zuverlässige Ansicht eines sehr hoch angesehenen Mannes, sondern eher einen Vorwurf enthalten, dem er gegen Ende des Kapitels nach vielen Worten antwortet: „Doch schon ist es an der Zeit, die entgegengehaltenen Einwände zurückzuweisen etc.“ Daher möchte ich bei der Widerlegung eines so nichtigen Vorwurfs keine Mühe vergeuden. Vielleicht reizt Carterius selbst Cano durch besseren Glauben und nicht so sehr durch einen hervorragenden Beweis von Bildung und Lehre, dass „er gesagt habe, Augustinus sei mehr der Ansicht verfallen, die Seelen würden von den Eltern erschaffen werden.“ Er habe im zwölften Buch De locis theologicis, Kapitel 15, gezeigt, dass „er sie heute wie einen Irrtum verurteile.“ Wer wüsste nämlich nicht, dass Augustinus wirklich dieser Ansicht zugetan oder doch dem Zweifel verhaftet war, ob unsere Seelen nicht durch Vererbung entstünden, und es als sicher bestimmt hat, dass jene Frage überhaupt nicht den gesamten katholischen Glauben betrifft? Das hat unser Cano als Einziges an dieser Stelle Augustinus zuerkannt. Darin freilich ist der hochheilige Lehrer ganz und gar versunken, hat er doch fast vier Bücher De origine animae verfasst, drei Brief Ad Optatum und einen weiteren an Hieronymus geschrieben – er trägt die Nummer 28 – und schließlich auch im zehnten Buch De Genesi ad litteram, im sechsten und den folgenden Kapiteln, davon geschrieben. Ferner konnte der Bischof der Kanarischen Inseln ohne Unrecht gegenüber dem Bischof von Hippo im Anbetracht der eigenen Zeitumstände das als irrig zurückweisen, was jener zu seiner eigenen Zeit freilich unschuldig und unbescholten überliefert hatte. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 135 Augustini enim aetate, ac tum deinceps, ad undecimum usque saeculum, dubia in Ecclesia Catholica quaestio erat de origine animarum; Patrum quidem aliis in singulorum hominum conceptione a Deo creari opinantibus; aliis non creari illas a Deo, sed ex parentis anima traduci statuentibus: Ut plane Augustini dubitatio veterum Patrum suffragatione niteretur. Quod multis adversus Bellarminum momentis evincit Cardinalis Henricus de Noris in Vindiciis Augustinianis cap. 4. §. 3. Secutis vero temporibus tam altas in scholis Theologorum radices egit ea sententia, quae singulas singulis corporibus creari a Deo animas ponit, ut a multis inter fidei capita numeretur. Quid ergo peccavit Canus, quamve Augustino irrogavit injuriam? Etsi enim diversa senserint ambo, uterque tamen pro sui conditione temporis recte sensit. Neque enim in iis numerandus est Augustinus, neque a Melchiore Cano numeratus est unquam, qui animas per corporeum semen traduci, cum Tertulliano commenti sunt: (quem sensum haereticum pronunciavit Doctor Angelicus prima part. quaest. 118. art. 2.) cum et id diserte damnarit Hipponensis Antistes epist. 157. ad Oceanum: Illi, qui animas ex una propagari asserunt, quam Deus primo homini dedit, atque ita eas ex parentibus trahi dicunt, si Tertulliani opinionem sequuntur, profecto eas non spiritus, sed corpora esse contendunt, et corpulentis seminibus exoriri. Quo perversius quid dici potest? At id unum ut summe voluit, seu verius de hoc uno dubitavit, Utrum incorporeum animae semen, sua quadam occulta, et invisibili via, seorsum ex patre currat in matrem, cum fit conceptus in femina? An, quod est incredibilius, in semine corporis lateat? Quod quidem incorporeum semen, seu materiam spiritualem, ex qua fieret anima, captu semper difficilem existimavit: Maxime vero lib. 7. de Genesi ad litteram cap. 7. ubi tam multa, de ea quaerit, nihil certo definiens statuensque, An illa spiritualis materies, si fuit ulla, unde anima fieret; vel si est ulla, unde animae fiunt, quid ipsa est? quod nomen, quam speciem, quem usum in rebus conditis tenet? Vivit, an non? etc. Melchioris Cani Vindicationes 136 Denn zu Augustinus’ Zeit und in der Folgezeit bis ins 11. Jahrhundert war die Frage nach dem Ursprung der Seelen in der Katholischen Kirche ungelöst, da freilich einige der Väter meinten, sie würden von Gott bei der Empfängnis der einzelnen Menschen erschaffen, andere aber dafürhielten, sie würden nicht von Gott erschaffen, sondern aus der Seele der Mutter vererbt werden, so dass sich Augustinus’ Zweifel deutlich auf das Dafürhalten der Väter stützte. Kardinal Enrico Noris überzeugt davon aus vielen Gründen gegen Bellarmin in seinen Vindicia Augustiana, Kapitel 4, Paragraph 3. Doch in den folgenden Jahrhunderten hat sich die Ansicht, die festlegt, dass die Einzelseelen von Gott für jeden einzelnen Körper erschaffen werden, in den Schulen der Theologen so tief verwurzelt, dass sie von vielen unter die Kapitel des Glaubens gezählt wird. Was hat Cano also falsch gemacht, welches Unrecht hat er Augustinus angetan? Denn auch wenn beide verschiedene Ansichten hatten, so hat doch jeder von ihnen in Anbetracht seiner zeitlichen Umstände die richtige Meinung gehabt. Denn weder sollte Augustinus unter jene gezählt werden, noch hat man Melchior Cano jemals zu jenen gezählt, die sich zusammen mit Tertullian erdichtet haben, die Seelen würden „durch einen körperlichen Samen überführt“ (diese Bedeutung hat der Doctor angelicus im ersten Teil, q. 118, art. 2 als häretisch bezeichnet), da auch der Bischof von Hippo im Brief 157 Ad Oceanum es klug verurteilt hat: „Jene, die behaupten, die Seelen verbreiten sich aus der einen Seele, die Gott dem ersten Menschen gegeben hat, und sagen, so würden sie aus den Eltern abgeleitet werden, wenn sie Tertullians Ansicht folgen, behaupten, dass sie nicht Geister sind, sondern Körper und aus körperlichen Samen entstehen. Was aber Abartigeres als dies könnte man sagen?“ Doch so, wie er das im Ganzen wollte, hat er wirklich einzig daran gezweifelt: „Eilt der körperlose Samen der Seele auf einem verborgenen und unsichtbaren Weg vom Vater zur Mutter, wenn es zur Empfängnis in der Frau kommt? Oder, was weniger glaubhaft ist, ist sie im Samen des Körpers verborgen?“ Sicher hielt er den köperlosen Samen und die geistige Materie, aus der die Seele entsteht, immer für schwer erfassbar. Am meisten aber im siebten Buch De Genesi ad literam, Kapitel 7, wo er so viele Fragen darüber stellt, aber nichts Sicheres festlegt und beschließt: „Ist jene eine geistige Materie, wenn es etwas gibt, woraus die Seele entsteht, oder, wenn es eine gibt, woraus die Seelen entstehen, was ist sie? Welchen Namen, welches Erscheinungsbild, welchen Nutzen besitzt sie in den gegründeten Dingen? Lebt sie oder nicht? Etc.“ Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 137 CAPUT XIII. De Commissis invicem Romanis Pontificibus Pio II. et Sixto IV. Haud multo aequior in Canum Theophilus Raynaudus diatriba 2. de immunitate Cyriacorum, cruda in eum verba jaciens, quasi Romanos Pontifices in edendis decretis humano affectu ductos scripsisset lib. 5. de locis cap. 5. Nec sapientior fuit idem Canus (Theophili verba sunt) in negotio stigmatum Sanctae Catharinae Senensis, quae a Sixto IV. Ordinis Minorum abrogata, et soli Sancto Francisco adscripta, affirmat admissa a Pio Secundo Senensi, quippe Beatae Catharinae cive. Videndus lib. 5. de locis cap. 5. Quasi Pontifices collidere, et ex saeculi, ac carnis legibus moveri ad decernenda plane contraria, res sit flocci facienda. Iniqua profecto, si uspiam alibi accusatio. Certe Sixtum Quartum sacras Divae Catharinae imagines cum stigmatibus pingi deinceps vetuisse, pictasque deleri jussisse anno 1483. indubitata res est, historicorum bene plurium testimonio confirmata. Nec minus certum, Pium Secundum, re plenius discussa, non modo pictas illas cum stigmatibus imagines permisisse, verum etiam eo sacrorum stigmatum privilegio donatam Divam Catharinam carmine celebrasse; Quem latet virtus, facinusque clarum, Quo nequit dici sanctius per orbem? Vulnerum formam miserata Christi Exprimis ipsa. Melchioris Cani Vindicationes 138 Dreizehntes Kapitel Über die Päpste Pius II. und Sixtus IV., die wechselweise bekämpft worden sind. Nicht viel gerechter gegen Cano hat sich Théophil Raynaud in der zweiten Diatribe De immunitate Cyriacorum verhalten, indem er gegen ihn harte Worte schleuderte, als ob er im fünften Buch De locis theologicis, Kapitel 5, geschrieben hätte, dass die Römischen Päpste bei der Abfassung von Dekreten von menschlicher Leidenschaft geleitet worden wären. Das sind Théophils Worte: „Doch derselbe Cano behauptet in der Angelegenheit der Stigmata der heiligen Katharina von Siena, die von Sixtus IV. jener [Katharina] des Franziskanerordens abgesprochen und allein dem heiligen Franziskus zugeschrieben worden sind, nicht klüger, dass sie von Pius II. der Katharina von Siena zugestanden wurden, und zwar der seligen Bürgerin Katharina. Man vergleiche dafür das fünfte Buch De locis theologicis, Kapitel 5. Also ob man sich nichts daraus machen sollte, dass Päpste sich widersprechen und durch Gebote des Jahrhunderts und des Fleisches dazu bewegt werden, ganz und gar Gegenteiliges zu entscheiden.“ In der Tat ungerecht, wenn es irgendwo anders eine Anklage ist. Sicher habe Sixtus IV. hierauf verboten, heilige Bilder der heiligen Katharina mit den Stigmata malen zu lassen, und 1483 befohlen, man solle die gemalten Bilder zerstören. Das ist eine zweifelsfreie Sache, die durch das Zeugnis recht vieler Historiker bestätigt worden ist. Und nicht weniger sicher ist, dass Pius II. nach recht umfassender Diskussion der Angelegenheit nicht nur jene gemalten Bilder mit den Stigmata zugelassen hat, sondern die heilige Katharina, die mit dem Privileg der heiligen Stigmata beschenkt worden war, auch mit einem Gedicht gefeiert hat: Wem ist die Tugend und herrliche Tat verborgen, durch die auf der ganzen Welt nichts heiliger genannt werden könnte? Du selbst, Bedauernswerte, drückst die Gestalt Der Wunden Christi aus. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 139 Quam subinde litem Praedicatores inter et Franciscanos pendentem, Urbanus octavus ex Sacrae rituum Congregationis consulto, die 16. Febr. 1630. multo disertius, firmiusque Praedicatoribus adjudicavit. Non ergo culpandus Canus, quod illud Romanorum Pontificum in factis duntaxat historicis invicem dissidentium exemplum dederit. Nihil quippe certius, et exploratius. Reprehensioni ut ut maxime obnoxius videretur, si Sixtum quartum, et Pium secundum, humanis duntaxat affectibus ductos innuisset, ut ita pugnantia decernerent. At nihil ejusmodi Canus noster, sed ita simpliciter: Sixtus IV. docuit, Divam Catharinam Senensem stigmata non habuisse; non defuit, qui contra judicarit. Neutrius Pontificis judicium ad Ecclesiam spectat; Utrumque aut probare, aut improbare sine fidei discrimine possumus. Ubi ne Franciscana quidem Sixti IV. professio, aut Pii Secundi patria, nomenve, unde ad contraria decernenda moti credi possent, insinuantur. Melchioris Cani Vindicationes 140 Den wiederholt aufkommenden Streit unter Dominikanern und Franziskanern hat Urban VIII. durch einen Beschluss der heiligen Ritenkongregation am 16. Februar 1638 viel klüger und deutlicher den Dominikanern zugesprochen. Also darf Cano nicht beschuldigt werden, dass er jenes Beispiel angeführt hat, in dem sich Päpste bei lediglich historischen Ereignissen gegenseitig widersprechen. Sicher ist nichts sicherer und genauer. So würde er dem Tadel höchst straffällig erscheinen, wenn er zugestimmt hätte, Sixtus IV. und Pius II. seien lediglich von menschlichen Empfindungen geleitet worden, so dass sie Widersprüchliches entschieden hätten. Doch unser Cano hat nichts von der Art, sondern ganz einfach gesagt: „Sixtus IV. hat darüber gelehrt, dass die heilige Katharina von Siena keine Stigmata hatte, doch es gab auch einen Anderen, der ein gegenteiliges Urteil gefällt hat. Das Urteil keines der beiden Päpste betrifft Christi Kirche, wir können beide ohne Gefahr für den Glauben anerkennen oder zurückweisen.“ Dort dringen nicht einmal das Franziskanische Bekenntnis Sixtus’ IV. oder die Zugehörigkeit und der Name Pius’ II. ein, weswegen man glauben könnte, sie seien dazu veranlasst worden, Gegenteiliges zu entscheiden. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 141 Caput XIV. De objecta Pontificibus negligentia, et oscitantia in castigandis Divorum historiis. Raynaudum ancipiti, et aequivoco verbo lusisse existimabam, dum Canum nostrum laesae Pontificiae majestatis reum agit, diatriba 2. de immunitate Cyriacorum a censuris, quod is lib. 11. de locis cap. 6. obiter innuisset, in castigandis corrigendisque rerum sacrarum historiis, Divorumque, ut ajunt, legendis, Romanorum Pontificum prudentiam, et diligentiam desiderari. Id enim a religioso Praesule haud dubie dictum arbitrabar, ut Pontificum hac in parte diligentiam, prudentiamque requiri, seu hanc illis necessario adesse significaret; quod tetricus censor pro deesse, ac deficere perperam accepisset, ut cavillandi ansam arriperet. Priori quippe sensu verbum hoc a latinissimis etiam scriptoribus interdum accipi nemo nescit. Cicero pro Quintio, qui in vita rationem summi officii desideremus, et instituta bonorum virorum requiramus. lib. 5. epist. 104. ad Atticum: Haec longam desiderant orationem. Verum caput 6. lib. 11. de locis semel et iterum evolventi mihi, afficta Melchiori verba reperire minime contigit: ac fallor maxime, si quis ea sit reperturus: cum privatos ibi duntaxat scriptores perstringat, qui in Divorum praesertim prodigiis describendis sparsos rumores et excepere, et scriptis etiam ad posteros retulere; quorum in libris miraculorum monstra saepius, quam vera miracula legere sit; nulla Romanorum Pontificum mentione facta, quorum prudentiam, ac diligentiam in ea sacrorum dehonestatione castiganda corrigendaque desiderari significarit. Ut quid ergo tam amarulenta Theophili Raynaudi in modestum, ac moderatum Theologum declamatio? Hujus sacrorum dehonestationis culpam omnem in Pontifices refert superciliosus censor, solo nomine Canus, dicens eorum hac in parte prudentiam, et diligentiam desiderari. Itaque dormitant, vel etiam alte stertunt Pontifices, dum Canus solus vigilat; Et inimico homine superseminante zizania fabularum, pro sacris historiis socordes, judice quidem Cano, Pontifices viam muniunt ad abrogationem fidei omnibus sacris historiis per cordatos faciendam. Melchioris Cani Vindicationes 142 Vierzehntes Kapitel Über die den Päpsten vorgeworfene Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit bei der Einschränkung von Heiligengeschichten. Ich glaubte, dass Raynaud zweideutig und äquivok gehöhnt hat, als er unseren Cano der Beleidigung der päpstlichen Würde bezichtigte (in der zweiten Diatribe De immunitate Cyriacorum a censuris), weil er im elften Buch De locis theologicis, Kapitel 6, klar zu verstehen gegeben hätte, dass man bei der Einschränkung und der Verbesserung von Geschichten über heilige Gegebenheiten „nach der Klugheit und der Umsicht der Päpste verlangt.“ Ich glaubte nämlich, dass es von dem ehrwürdigen Bischof nicht zweifelhaft gesagt worden ist, um anzuzeigen, dass in diesem Teil nach der Umsicht und Klugheit der Päpste verlangt wird, oder diese ihnen notwendigerweise helfe, weil ein ernster Kritiker anstelle von ‚nicht vorhanden sein‘ auch ‚fehlen‘ falsch verstanden hätte, um die Veranlassung zu falschem Vorwurf zu nehmen. Freilich weiß jeder, dass bisweilen dieses Wort in ersterer Bedeutung selbst von den lateinischsten Schriftstellern verwendet wird. Cicero schreibt in Pro Quintio: „Wir, die wir im Leben nach der Erwägung der höchsten Aufgabe verlangen, wollen auch die Gepflogenheiten guter Männer untersuchen.“ Und im fünften Buch, Brief 104 Ad Atticum, schreibt er: „Das verlangt nach einem langen Vortrag.“ Doch mir, der ich immer wieder das sechste Kapitel des elften Buchs De locis theologicis durchgehe, stellt sich die Überzeugung ein, dass ich überhaupt keine von Melchior erdichteten Worte finden kann. Und am meisten täusche ich mich, sollte jemand sie finden, da er dort lediglich auf gewöhnliche Schriftsteller verweist, die besonders bei der Beschreibung von Wundern der Heiligen verbreitete Gerüchte angenommen und schriftlich den Nachfahren berichtet haben. Häufiger dürfte man von Wundererscheinungen dieser Art lesen als von wahren Wundern. Ohne die Erwähnung von Päpsten, von denen er angezeigt hätte, dass man nach deren „Erfahrung und Umsicht“ bei der Einschränkung und Verbesserung der Entehrung der Heiligen verlange. Was also soll die so scharfe Deklamation des Théophil Raynaud gegen den so maßvollen und maßhaltenden Theologen? „Die ganze Schuld dieser Entehrung der Heiligen bezieht der finstere Zensor mit Namen Cano auf die Päpste, indem er sagt, hierbei verlange man nach ihrer Erfahrung und Umsicht. Daher schlafen die Päpste oder schnarchen sogar laut, während allein Cano wacht. Und wenn ein Feind das Unkraut der Fabeln aussäht, dann befestigen, und zwar nach Canos Urteil, die Päpste, die sorglos gegenüber den heiligen Geschichten sind, den Weg, um allen heiligen Geschichten den Glauben durch Beherzte abzuerkennen.“ Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 143 Gerrae profecto, Gerrae, eaeque vanissimae viri ferrei oris, animique, (ut mitius loquar) parum prudentis, et cauti in clarissimo Theologo deprimendo. Non antea institutis hisce vindicationibus finem imponam, quam stupendam Ambrosii de Altamura cespitationem lectorum oculis sistam, arguamque; (etsi nihil ad clarissimi Theologi defensionem res ista pertineat) qui Melchiorem Canum, nepotis sui initio libri 11. meminisse ait, illiusque gratia volumen illud edidisse; illique, nisi prius fato cessisset, nuncupaturum fuisse. Vah pinguem errorem, putidumque anachronismum! de patre siquidem, non de nepote loquitur Canus. Perspicuus adeo locus est, ut oculis tantum egeat, non interprete: Superiorem locum, inquit, vix dum finieram, et ecce nuntius affertur, Parentem meum charissimum Viennae diem extremum objisse …. Cum autem ego illi meas has lucubrationes nuncuparem, scilicet a laboribus, quos ejus potissimum causa susceperam, aliquandiu cessatum est, etc. Quamquam et ipse nepotem cognominem habuerit, ejusdemque Instituti Dominicani professorem, eximiae Sanctitatis fama apud suos, exterosque clarissimum; Cujus pietatem, mentemque divinis charismatibus perfusam commendat Diva Theresia epist. 16. quae est ad Reverend. Patrem Dominicum Bannes. Verum obit Canus noster anno 1560. die 6. Novembris. Nepos autem vivere desiit anno 1607. die 30. Martii. Melchioris Cani Vindicationes 144 Possen in der Tat, Possen und zwar die nichtigsten eines Mannes, der eine eiserne Zunge und ein Herz hat (ich möchte milder sprechen), das zu wenig klug und vorsichtig ist, einen sehr angesehenen Theologen herabzusetzen. Diese von mir verfassten Vindikationen möchte ich jedoch erst beenden, wenn ich die Augen der Leser auf das wundersame Straucheln des Ambrosius de Altamura gerichtet und beklagt habe, da er (auch wenn dieser Umstand nichts zur Verteidigung des hoch angesehenen Theologen beiträgt) sagt, Melchior Cano habe zu Beginn des elften Buches an seinen Neffen erinnert und jenes Buch wegen ihm verfasst. Auch hätte er es ihm vorgetragen, wenn er nicht früher, als es sein Schicksal war, gestorben wäre. Ach, welch großer Fehler und widerlicher Anachronismus! Cano spricht hier von seinem Vater, nicht von seinem Neffen. Die Stelle ist so klar, dass lediglich die Augen, nicht der Übersetzer fehlen. Er sagt dort nämlich: „Kaum hatte ich den vorausgehenden Ort beendet, als mir die Nachricht überbracht wurde, dass mein über alles geliebter Vater in Wien gestorben ist. [...] Doch hätte ich ihm die vielen Stunden meiner Nachtarbeit genannt, dann hätte ich in den Arbeiten, die ich hauptsächlich wegen ihm auf mich gebürdet habe, sicher ziemlich lange nachgelassen. Etc.“ Indessen hatte auch sein Neffe den gleichen Namen, gehörte ebenso dem Orden der Dominikaner an und war hoch angesehen wegen des Rufes ausgezeichneter Frömmigkeit. Seine Frömmigkeit und seinen von göttlichen Gaben erfüllten Verstand empfiehlt die heilige Theresa im 16. Brief, der an den ehrwürdigen Vater Domingo Báñez gerichtet ist. Unser Cano ist am 6. November 1560 gestorben, sein Neffe aber verstarb am 30. März 1607. Die Rechtfertigungen [Vindikationen] des Melchior Cano 145 Index Nominum Natalis Alexander – Noël Alexandre, geb. 1639 in Rouen, gest. 1724 in Paris, französischer Dominikaner, Kirchenhistoriker. Verfasser der Selecta historiae ecclesiasticae capita, et in loca ejusdem insignia dissertationes historicae, chronologicae, dogmaticae, Paris, 1676–1686, und der Historia ecclesiastica veteris novique testamenti: ab orbe condito ad annum post Christum natum millesimum sexcentesimum, Lucca 1734. Ambrosius de Altamura – Ambrosius de Altamura, geb. 1608 in Altamura, gest. 1676/77 [Ort unbekannt], italienischer Dominikaner, Verfasser der Bibliothecae Dominicanae … usque ad annum 1600 … , Rom 1677. Guillelmus Alverniensis (Parisiensis) – Wilhelm von Auvergne, geb. 1180 in Aurillac, gest. 1249 in Paris, scholastischer Philosoph und Bischof von Paris. Verfasser der Schrift Magisterium divinale et sapientiale, darin: De sacramentis. Nicolaus Antonius [Hispalensis] – Nicolás Antonio, geb. 1617 in Sevilla, gest. 1684 in Madrid, spanischer Historiker. Verfasser der Bibliotheca nova vel Bibliotheca hispana sive hispanorum, Madrid 1696. Adrianus Baillet – Adrien Baillet, geb. 1649 in La Neuville-en-Hez, gest. 1706 in Paris, französischer Theologe, Historiker und Bibliothekar. Verfasser der Jugemens des savans sur les principaux ouvrages des auteurs, Paris 1686–1715. Dominicus Bannez(s) – Domingo Báñez (auch Váñez oder Ibáñez), geb. 1528 in Medina del Campo, Altkastilien, gest. 1604 ebenda, spanischer Dominikanertheologe, Schüler von Melchior Cano und Beichtvater der heiligen Theresia von Ávila. Verfasser der Scholastica Commentaria in D. Thomam, Salamanca 1586. Caesar Baronius – Cesare Baronio, geb. 1538 in Sora, gest. 1607 in Rom, italienischer Theologe, Kirchenhistoriker und Kardinal. Verfasser des Martyrologium Romanum, Antwerpen 1586. Robertus Bellarminus – Roberto Francesco Romolo Bellarmin, geb. 1542 in Montepulciano, gest. 1621 in Rom, italienischer Jesuit, Theologe und Kardinal. Verfasser der Schriften De amissione gratiae sive de statu peccati, Lyon 1596 und Disputationes de controversiis Christianae fidei adversus hujus temporis haereticos, Ingolstadt 1586–93, darin: De Romano pontifice und De matrimonio. Jacobus Billius – Jacques de Billy de Prunay, geb. 1535 in Guise, gest. 1581 in Paris, französischer Benediktiner, Patristiker und Theologe. Verfasser der S. Gregorii Nazianzeni magazine omnia latine, Paris 1569. 147 Ludovicus Carterius – Louis Cartier (Honoré Fabri), geb. 1608 in der Nähe von Lyon, gest. 1688 in Rom, französischer Jesuit, Mathematiker, Astronom, Philosoph und Physiker. Verfasste unter dem Pseudonym Ludovicus Carterius Vocontius die Iusta expostulatio de P.M. Xantes Mariales Ord. Praedicatorum, authore Bibliothecae interpretum ad Summam D. Th. quatuor voluminibus distinctae, Venedig 1660. Franciscus Combefisius – François Combefis, geb. 1605 in Marmande, gest. 1679 in Paris, französischer Dominikaner und Patristiker. Herausgeber der Graeco-latinae patrum Bibliothecae novum auctarium I–II, Paris 1648. Vicentius Contensonius – Vincent de Contenson, geb. 1641 in Auvillar/Condon, gest. 1674 in Creil-sur-Oise, französischer Dominikanertheologe und Prediger. Verfasser der Theologia Mentis et Cordis, Lyon 1681. Johannes Dallaeus – Jean Daillé, geb. 1594 in Châtellerault, gest. 1670 in Paris, französischer Theologe und Bibelkommentator. Verfasser der Iraité de l'employ des Saints Pères pour le jugement des différends qui sont aujourd'huy en la religion, Genf 1632, Apologie des Eglises réformées où est monstré la necessité de leur séparation d'avec l'Eglise romaine contre ceux qui les accusent de faire schisme en is Chrestienté, Charenton 1633, De la créance des Pères sur le fait des Images, Genf 1641, De pseudepigraphis apostolicis seu libris octo Constitutionum apostolicarum apocryphis libri III, Harderwyk 1653, Disputatio de sacramentale sive auriculari Latinorum confessione, Genf 1661, De scriptis quae sub Dionysii Areopagita et Sancti Ignatii Antiochenii nominibus circumferuntur, Genf. 1666. Guillelmus Estius – Willem Hessels van Est, geb. 1542 in Gorkum, gest. 1613 in Douai, belgischer Theologe und Professor für Philosophie. Verfasser der Commentarii in IV libros Sententiarum Petri Lombardi, Douai 1615. Franciscus Fevardentius – François Feuardent, geb. 1539 in Coutances, gest. 1610 in Paris, französischer Franziskaner und Theologe. Herausgeber der Schrift Sancti Irenaei Lugdunensis episcopi adversus haereses libri quinque, Paris 1576. Claudius Frassenius – Claude Frassen, geb. 1620 in Péronne, gest. 1711 in Paris, französischer Franziskaner, Theologe und Philosoph. Verfasser der Schrift Scotus Academicus, Paris 1672–77. Jacobus Gaddius – Jacopo Gaddi, geb. ca. 1600 in Florenz, gest. nach 1668 im unbekannten Exil. Verfasser der Schrift De Scriptoribus non-Ecclesiasticis, Graecis, Latinis, Italicis, Florenz 1647. Francisus Garsia – Francisco García, geb. 1641 [Ort unbekannt], gest. 1685 [Ort unbekannt], spanischer Jesuit, Verfasser der Prolegomena Evangelici concionatoris und De Ecclesiae Canariensis praesulibus. Alphonsus Garcias Matamorus – Alonso García y Matamoros, geb. um 1500 in Villarrasa, Huelva, gest. 1572 in Alcalá de Henares, spanischer Humanist. Verfasser der Schrift De asserenda Hispanorum eruditione, sive De viris Hispaniae doctis narratio Apologetica, Alcalá de Henares 1553. Index Nominum 148 Henricus [a Gandavo] – Heinrich von Gent, geb. um 1240 in Gent, gest. 1293 in Tournai, bedeutender Theologe und Philosoph der Hochscholastik. Verfasser der Quodlibeta, u. a. Venedig 1613. Gaspar Iu(v)eninus – Gaspard Juénin, geb. 1650 in Varambon, gest. 1713 in Paris, Professor für Theologie in Paris. Verfasser des Commentarius historicus et dogmaticus de Sacramentis in genere et specie, in duas partes distributus, Lyon 1696, und der Institutiones Theologicae Ad Usum Seminariorum, Venedig 1704. Philippus Labbaeus – Philipp Labbé, geb. 1607 in Bourges, gest. 1667 in Paris, französischer Jesuit, Theologe und Historiker. Verfasser der Schrift De scriptoribus Ecclesiasticis, Paris 1660. Petrus Lorca – Pedro de Lorca, geb. ca. 1560 in Belmonte, Cuenca, gest. 1612 in Alcalá de Henares (?), spanischer Zisterzienser und Professor für Theologie. Verfasser der Commentaria et disputationes in Secundam Secundae Divi Thomae tomus iste tres continet sectiones primam de fide, alteram de spe, tertiam de Charitate, sectioni de fide annexus est tractatus de locis catholicis, Madrid 1614. Joannes de Lugo – Juan de Lugo (Juan de Lugo y de Quiroga, auch Xoan de Lugo), geb. 1583 in Madrid, gest. 1660 in Rom, spanischer Jesuit und Kardinal. Verfasser der Disputationes scholasticae de incarnatione dominica, Lyon 1653. Nicolaus de Lira – Nikolaus von Lyra, geb. um 1270/75 in Lyra (Lyre) bei Évreux in der Normandie, gest. 1349 in Paris, franziskanischer Theologe und Verfasser von Bibelkommentaren. Joannes Lopex (Monopolitanus Episcopus) – Juan López Caparosso, geb. 1524 in Borja (Saragossa), gest. 1632 in Valladolid, spanischer Dominikanertheologe, Bischof von Cotrone und Monopoli, Ordenshistoriker. Verfasser des dritten, vierten und fünften Teils der Historia general de Santo Domingo y de su Orden de Predicadores, Valladolid 1613, 1615, 1621. Christianus Lupus – Christian Wolf (Christiaan Wolf, Wulf oder de Wulf), geb. 1612 in Ypern, Belgien, gest. 1681 in Löwen, belgischer Augustiner, Theologe und Kirchenhistoriker. Verfasser der Schrift De concilio Constantinopoletano. Johannes Maldonatus – Juan Maldonado, geb. 1533 in Gandia, gest. 1583 in Salamanca, spanischer Jesuit, Theologe und Bibelexperte. Verfasser der Commentarii in quatuor evangelistas, Pont-à-Mousson 1597, und der Commentarii in quatuor prophetas. In Matthaeum, Paris 1610. Thomas Malvenda – Tomaso Malvenda, geb. 1566 in Játiva, Valencia, gest. 1628 in Valencia, spanischer Dominikaner, Kirchen- und Ordenshistoriker. Verfasser der Schrift De paradiso voluptatis, Rom 1605, Aubertus Miraeus – Aubert Miré (Aubert le Mire und Aubertus Miräus), geb. 1573 in Brüssel, gest. 1640 in Antwerpen, Kirchenhistoriker. Verfasser von De scriptoribus Ecclesiasticis in der Bibliotheca Ecclesiastica, Antwerpen 1639–1649. Ludovicus Morerius – Louis Moréri, geb. 1643 in Bargemon (Diözese Fréjus), gest. 1680 in Paris, französischer Enzyklopädist. Verfasser von El gran diccionario historico, Paris 1740. Index Nominum 149 Gabriel Naudaeus – Gabriel Naudé, geb. 1600 in Paris, gest. 1653 in Abbeville, französischer Gelehrter und Bibliothekar. Verfasser der Bibliographia Politica, Venedig 1633. Johannes Nicolai – Jean Nicolaï, geb. 1594 in Verdun, gest. 1673 in Paris, französischer Dominikaner und Theologe. Verfasser von verschiedenen Kommentaren zu den Schriften des Thomas von Aquin. Henricus de Noris – Enrico Noris, geb. 1631 in Verona, gest. 1704 in Rom, italienischer Kirchenhistoriker, Theologe und Kardinal. Verfasser der Historia Pelagiana et dissertatio de Synodo 5. Oecumenica in qua Origenis ac Theodori Mopsuesteni Pelagiani erroris auctorum iusta damnatio exponitur, et Aquileiense Schisma describitur. Additis Vindiciis Augustinianis pro libris a. s. doctore contra pelagianos, ac semipelagianos scriptis, Padua 1673 Nicolaus Orlandinus – Niccolo Orlandini, geb. 1554 in Florenz, gest. 1606 in Rom, italienischer Jesuit und Ordenshistoriker. Verfasser der Historiae Societatis Iesu, Rom 1614. Johannes Ozorius – Juan Azor, geb. 1535 in Lorca, gest. 1603 in Rom (?), spanischer Jesuit und Philosoph. Verfasser der Institutionum Moralium, in quibus universae quaestiones ad conscientiam recte aut prave factorum pertinentes breviter tractantur pars prima, Rom 1600. Sfortia Pallavicinus – Pietro Sforza Pallavicino, geb. 1607 in Rom, gest. 1667 in Rom, italienischer Jesuit, Kirchenhistoriker und Kardinal. Verfasser der Vindicationes Societatis Iesu, Rom 1642. Petrus Paludanus – Petrus de Palude, geb. um 1280 in Bresse, gest. 1342 in Paris, französischer Dominikaner, Erzbischof und Theologe. Verfasser der Schrift In quartum sententiarum, Venedig 1493. Jacobus Pamelius – Jacques de Joigny de Pamèle, geb. 1536 in Brügge, gest. 1587 in Mons, Belgien, flämischer katholischer Theologe und Patristiker. Verfasser von Werken zur Patristik, u. a. Cyprian, Antwerpen 1568. Stephanus Pasquier – Stephane bzw. Étienne Pasquier, geb. 1529 in Paris, gest. 1615 in Paris, französischer Jurist und Literat. Verfasser von Les Recherches de la France d'Estienne Pasquier, conseiller et advocat général du Roy en la Chambre des comptes de Paris augmentée en ceste dernière édition de trois livres entiers, outre plusieurs chapitres entrelassez entre chacun des autres livres, tirez de la bibliothèque de l'autheur, chez Laurens Sonnius, Paris 1621. Benedictus Perreirius – Benedict Pereira, geb. 1535 in Valencia, gest. 1618 in Rom, spanischer Jesuit und Theologe. Verfasser der Commentariorum in Danielem prophetam libri sexdecim, Rom 1587, und der Commentariorum et disputationum in Genesim tomi quattuor, Rom 1591–1599. Ellies Du Pin – Louis Ellies du Pin (Dupin), geb. 1657 in Paris, gest. 1719 in Paris, französischer Kirchenhistoriker. Verfasser der Nouvelle bibliothèque ecclésiastique, Paris 1686–1715. Index Nominum 150 Antonius Possevinus – Antonio Possevino, geb. 1534 in Mantua, gest. 1611 in Ferrara, Italien, italienischer Jesuit, Kleriker und päpstlicher Legat. Verfasser des Apparatus sacer ad scriptores Veteris et Novi testamenti, Venedig 1603–1606. Theophilus Raynaudus – Théophil Raynaud, geb. 1583 in Nizza, gest. 1663 in Lyon, französischer Jesuit, Theologe und Schriftsteller. Verfasste unter dem Pseudonym Petrus a Valle Clausa die Schrift De immunitate autorum cyriacorum a censura diatriibae Petri a Valla Clausa, erschienen postum Krakau 1669. Seraphynus Razzius – Serafino Razzi, geb. 1531 in Marradi, gest. 1611 in Florenz, italienischer Dominikaner. Verfasser der Praelectiones de locis theologicis …, Perugia 1603. Emmanuel Sa – Emmanuel Sá, geb. 1530 in Vila do Condé, gest. 1596 in Arona, Piemont, portugiesischer Jesuit und Theologe. Verfasser der Notationes in totam Scripturam Sacram, quibus omnia fere loca difficilia brevissime explicantur &c, Antwerpen 1598. Jacobus Salianus – Jacques Salian, geb. 1557 in Avignon, gest. 1640 in Paris, französischer Jesuit und Kirchenhistoriker. Verfasser der Annales Ecclesiastici Veteris Testamenti, Byon 1619. Alphonsus Salmeron – Alfonso Salmerón, geb. 1515 in Toledo, gest. 1585 in Neapel, spanischer Jesuit und Theologe. Verfasser der Commentarii in Evangelicam Historiam et in Acta Apostolorum Tomus Decimus qui de passione et morte Domini nostri Iesu Christi inscribitur, Köln 1604. Johannes Marius Scribonius – Jean-Marie Scribon (auch Écrivain), geb. wohl vor 1600 in Coutances, gest. [Ort und Jahr unbekannt], französischer Rekollekt (Mindere Brüder von der strengen Observanz des hl. Franziskus) und Theologe. Verfasser der Panthalithia seu Summa totius veritatis theologicae, Paris 1620, darin: Theosoimia seu de sacramentis aut signis a deo in salutem hominum datis, disputatio IX de matrimonio. Nicolaus Serarius – Nikolas Serarius, geb. 1555 in Rambervillers, gest. 1609 in Mainz, lothringischer Jesuit, Exeget und Kirchenhistoriker. Seine Schriften sind zum Teil gesammelt publiziert in den Opusculorum theologicorum R.P. Nicolai Serarii Rambervillani Societatis Jesu Theologi tomi tres, Mainz 1611 Antonius Senensis – Antonio di/de Siena (auch Antonius a Conceptione), geb. ca. 1539 in Guimaraes, gest. 1585 in Löwen (?), portugisischer Dominikaner und Ordenshistoriker. Verfasser der Bibliotheca ordinis Fratrum Praedicatorum, Paris 1585. Franciscus Suarez – Francisco Suárez, geb. 1548 in Granada, gest. 1617 in Lissabon, spanischer Jesuit, Theologe und Philosoph. Verfasser der Disputationes metaphysicae, Salamanca 1597, und der Schrift De religione, Lyon 1608–1625. Franciscus Sylvius – François (Francis) Sylvius, geb. 1581 in Braine-le-Comte, Belgien, gest. 1649 in Douai, flämischer Theologe. Verfasser der Commentarii in tertiam partem Sancti Thomae Aquinatis, Antwerpen 1695. Index Nominum 151 Jacobus Augustinus Thuanus – Jacques-Auguste de Thou, geb. 1553 in Paris, gest. 1617 in Paris, französischer Historiker und Staatsmann. Verfasser der Historia sui temporis, Paris 1604. Franciscus Toletus – Francisco Toledo (auch Francisco de Toledo Herrera), geb. 1532 in Córdoba, Spanien, gest. 1596 in Rom, Kardinal der Römischen Kirche. Verfasser der In Sacrosanctum Ioannis Evangelium Commentarii, Köln 1599, und der De instructione sacerdotum et peccatis mortalibus libri VIII, Douai 1608. Gregorius de Valentia – Gregorio de Valencia, 1549 in Medina del Campo, Kastilien, gest. 1603 in Neapel, spanischer Jesuit und Theologe. Verfasser der Commentariorum theologicorum tomi quatuor. In quibus omnes materiae quae continetur in Summa Divi Thomae explicantur, Ingolstadt 1591–1597. Gabriel Vasques Bellamontanus – Gabriel Vázquez, geb. 1549 in Belmonte, Cuenca, gest. 1604 in Alcalá de Henares, spanischer Jesuit und Professor für Theologie an der Universität von Alcalá de Henares. Verfasser der Commentariorum ac Disputationum in (partes) S. Thomae libri, Alcalá 1598–1615. Henricus Valesius – Henri Valois, geb. 1603 in Paris, gest. 1676 in Paris, Philologe und Experte für Kirchengeschichte. Lateinischer Übersetzer und Herausgeber der Socratis, Sozomeni, Theodoreti et Evagrii Historia ecclesiastica, Paris 1673. Simon Vigorius – Simon Vigor, geb. 1515 in Evreux, gest. 1575 in Carcassone, französischer Bischof und Theologe. Verfasser der Sermons ou prédications chrétiennes et catholiques, Paris 1577–1588. Alexander Ziliolus – Alessandro Zilioli (Ziliolo, auch Ziliol), geb. vor 1600 in Venedig, gest. vor 1646 in Venedig (?), italienischer Historiker. Verfasser der Delle Historie memorabili de nostri tempi, Venedig 1642. Index Nominum 152 Literaturverzeichnis Verwendete Literatur Textgrundlage Melchioris Cani opera, in hac primum editione clarius divisa et praefatione instar prologi Galeati illustrata a P. Hyacintho Serry (Padua 1714). Sekundärliteratur J. Belda Plans: Los lugares teológicos de Melchor Cano en los comentarios a la Suma (Pamplona 1982). J. Belda Plans: La escuela de Salamanca y la renovación de la teología en el siglo XVI (Madrid 2000). J. Belda Plans: Melchor Cano. De locis theologicis (Madrid 2006). J. Belda Plans: Melchor Cano. Téologo y Humanista (1509–1560) (Valencia 2013). F. Caballero: Vida del Illmo Sr. D. Fray Melchor Cano (Cuenca 1871; ND 1980). A. E. Doskey: The Concept of Apostolic Tradition and Its Use in the Works of Melchior Cano (Diss. Washington 2018). T. Franz: Melchior Cano (1506/1509–1560), in: G. M. Hoff, U. H. J. Körtner (Hrsg.): Arbeitsbuch Theologiegeschichte. Diskurse. Akteure. Wissensformen. Bd. 2: 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart (Stuttgart 2013) 67–84. B. Hogenmüller: François-Jacques-Hyacinthe Serry OP. Theologe und Philosoph, in: Wort und Antwort 53,2 (2012) 83–85. B. Hogenmüller: Melchioris Cani Vindicationes, Quibus nonnullorum in ejus libros de locis Theologicis accusationes refelluntur – Eine Studie zu den Vindikationen des François-Jacques-Hyacinthe Serry, Padua 1714, in: ZKTh 139 (2017) 298– 315. B. Hogenmüller: Melchioris Cani de locis theologicis libri duodecim. Studien zu Autor und Werk (Baden-Baden 2018). B. Körner: Melchior Cano, De locis theologicis. Ein Beitrag zur Theologischen Erkenntnislehre (Graz 1994). B. Körner: Melchior Cano, in: LThK 2 (Freiburg 31994) Sp. 924–925. 153 B. Körner: Orte des Glaubens – loci theologici. Studien zur theologischen Erkenntnislehre (Würzburg 2014). A. Lang: Die Loci theologici des Melchior Cano und die Methode des dogmatischen Beweises. Münchner Studien zur historischen Theologie, Heft 6 (München 1925). D. Pérez Ramírez: Tarrancón es la patria de Melchor Cano. Nueva profundización sobre el lugar de naciemento del teólogo dominico, in: Cuenca 23–24 (1984) 95–128. J. Sanz y Sanz: Melchor Cano. 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Hogenmüller: „Enemigo de los Jesuitas“ – Melchior Canos Verhältnis zu den Jesuiten, in: Theologie und Philosophie 88/3 (2013) 389–396. B. Hogenmüller: Das Konzept des dogmatischen Beweises am Beispiel der Unsterblichkeit der Seele in Melchior Canos Werk „De locis theologicis“ (LT- XII,15), in: Perspektiven der Philosophie. Neues Jahrbuch Band 39 – 2013. Begründet von Rudolph Berlinger †. SCHRADER, Wiebke, Georges GOEDERT, Martina SCHERBEL (Herausgegeben von) (Amsterdam/New York, NY 2013) 301–323. B. Hogenmüller: Eine bisher unerkannte Juvenalstelle in Melchior Canos De locis theologicis, in: Philologus 158,2 (2014) 320–330. B. Hogenmüller: Dedikation als Mittel taktischen Geschicks – Die Widmung von Melchior Canos de locis theologicis an den Großinquisitor Fernando de Valdés y Salas, in: Würzburger Jahrbücher für Altertumswissenschaften 41 (2017) 125– 143. U. Horst: Das Verhältnis von Schrift und Tradition nach Melchior Cano, in: TThZ 69 (1960) 207–223. A. Huerga: In M. 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Orrego Sánchez: La actualidad del ser en la “Primera Escuela” de Salamanca con lecciones inéditas de Vitoria, Soto y Cano (Pamplona 2004). J. Orsier: Henri Cornélis Agrippa. Sa Vie et son Oeuvre d'après sa Correspondance (1486–1535) (Paris 1911). E. Ortiguez, La tradition de l’Evangelie dans l’Eglise d’aprés la doctrine catholique, in: FV 49 (51) 317–321. C. Oser-Grote: Die Autorität der Kirchenväter bei Melchior Cano (De locis theologicis, Buch VII) [unveröffentlicht]. J. Plazaola (Hrsg.): Ignacio de Loyola y su Tiempo. Congresso International de Historia (9–13 Setiembre 1991) Universidad de Deusto (Bilbao 1992). J. Quétif, J. Échard (Hrsg.): Scriptores Ordinis Praedicatorum recensiti notisque historicis et criticis illustrati, Bd. I und II (Paris 1719–1721). J. Quétif, R. Coulon (Hrsg.): Scriptores Ordinis Praedicatorum, Erg.-Bd. 3 (Paris 1914). W. Schmidt-Biggemann: Agrippa von Nettesheim, in: LThK I (Freiburg 31993) Sp. 251–251. M. Seckler: Die ekklesiologische Bedeutung des Systems der loci theologici. Erkenntnistheoretische Katholizität und strukturale Weisheit, in: W. Baier u. a. (Hrsg.): Weisheit Gottes – Weisheit der Welt. FS J. Ratzinger (St. Ottilien 1987) 37–65. M. Seckler: Die Communio-Ekklesiologie, die theologische Methode und die Locitheologici-Lehre Melchior Canos, in: PATH 5 (2006) 17–43. E. Stakemaier: Glaube und Rechtfertigung (Freiburg 1937). J. Tellechea: Melchor Cano y Bartolomé Carranza. Dos Dominicos frente a frente, in: HispSac 15 (1962) 5–93; J. Tellechea: Al Arzobispo Carranza y su tiempo (Madrid 1968). A. M. Townsend: The Relation of History to Theology according to Melchor Cano, in: Dominicana Journal XVI (1931) 138–147. V. Vaita (Hrsg.): Luther und Melanchthon. Referate des Zweiten Internationalen Lutherforscherkongress (Göttingen 1961). M. Wried: Juan Luis Vives, in: TRE 35 (2003) 173–175. Literaturverzeichnis 156 S. Wollgast: Agrippa von Nettesheim. 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Zusammenfassung

Die in Salamanca 1563 postum erschienene Schrift De locis theologicis des spanischen Dominikanertheologen Melchior Cano (1509–1560) stellt aufgrund ihrer speziellen Thematik ein zentrales, doch gleichzeitig auch umstrittenes Werk der modernen systematischen Theologie dar. Daher ist es kaum verwunderlich, dass im Laufe des ausgehenden 16. und 17. Jahrhunderts die Stimmen der Kritiker immer zahlreicher wurden, die verschiedene Stellen innerhalb der Loci als mitunter anstößig verurteilten.

In dieser durchaus hitzig geführten Diskussion erschien 1714 in Padua eine weitere Ausgabe der von Cano verfassten Schriften, die von dessen französischem Ordensbruder François-Jacques-Hyazinth Serry (1658–1738) erstellt und ergänzt worden war. Canos eigenen Schriften nämlich wurde in dieser Ausgabe ein umfangreicher, 14 Kapitel umfassender Prolog vorangestellt, dessen Konzeption Serry selbst zugschrieben werden muss. Ziel dieses Vorworts war es, die verschiedenen theologisch-literarischen Vorwürfe und Kritikpunkte zu widerlegen. In die Geschichte eingegangen sind die Rechtfertigungen unter dem Titel Melchioris Cani Vindicationes, Quibus nonnullorum in ejus libros de locis Theologicis accusationes refelluntur.

Die vorliegende Ausgabe bietet erstmals neben einer Einleitung in die Thematik der Vindicationes und der Neuedition des lateinischen Textes, orientiert an der Ausgabe Padua 1714, eine moderne deutsche Übersetzung mit literarischen Erläuterungen zu den im Text angeführten Quelltexten.

References
Literaturverzeichnis
Verwendete Literatur
Textgrundlage
Melchioris Cani opera, in hac primum editione clarius divisa et praefatione instar prologi Galeati illustrata a P. Hyacintho Serry (Padua 1714).
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S. Zeller: Juan Luis Vives ? (1492?1540) Wiederentdeckung eines Europ鋏rs, Humanisten und Sozialreformators j黡ischer Herkunft im Schatten der spanischen Inquisition (Freiburg 2006).

Zusammenfassung

Die in Salamanca 1563 postum erschienene Schrift De locis theologicis des spanischen Dominikanertheologen Melchior Cano (1509–1560) stellt aufgrund ihrer speziellen Thematik ein zentrales, doch gleichzeitig auch umstrittenes Werk der modernen systematischen Theologie dar. Daher ist es kaum verwunderlich, dass im Laufe des ausgehenden 16. und 17. Jahrhunderts die Stimmen der Kritiker immer zahlreicher wurden, die verschiedene Stellen innerhalb der Loci als mitunter anstößig verurteilten.

In dieser durchaus hitzig geführten Diskussion erschien 1714 in Padua eine weitere Ausgabe der von Cano verfassten Schriften, die von dessen französischem Ordensbruder François-Jacques-Hyazinth Serry (1658–1738) erstellt und ergänzt worden war. Canos eigenen Schriften nämlich wurde in dieser Ausgabe ein umfangreicher, 14 Kapitel umfassender Prolog vorangestellt, dessen Konzeption Serry selbst zugschrieben werden muss. Ziel dieses Vorworts war es, die verschiedenen theologisch-literarischen Vorwürfe und Kritikpunkte zu widerlegen. In die Geschichte eingegangen sind die Rechtfertigungen unter dem Titel Melchioris Cani Vindicationes, Quibus nonnullorum in ejus libros de locis Theologicis accusationes refelluntur.

Die vorliegende Ausgabe bietet erstmals neben einer Einleitung in die Thematik der Vindicationes und der Neuedition des lateinischen Textes, orientiert an der Ausgabe Padua 1714, eine moderne deutsche Übersetzung mit literarischen Erläuterungen zu den im Text angeführten Quelltexten.