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3 Untersuchungsdesign/Methodik in:

Reinhard Fischer

Mit Werten wirtschaften, page 85 - 96

Praxismodell Gemeinwohlökonomie

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4310-3, ISBN online: 978-3-8288-7246-2, https://doi.org/10.5771/9783828872462-85

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Wirtschaftswissenschaften, vol. 89

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Untersuchungsdesign/Methodik Allgemeine Beschreibung des Untersuchungsdesigns – Qualitative Forschung Im empirischen Teil der Arbeit soll untersucht werden, ob und wenn ja wie die Erstellung einer Gemeinwohlbilanz zur Schaffung von BCfS beitragen kann. Hierzu werden ausgewählte Unternehmen der Gemeinwohlökonomie mittels Experteninterview auf Basis eines Interviewleitfadens befragt. Die gewählte Untersuchungsmethode lässt sich der qualitativen Forschung zuordnen. Die qualitative Forschung setzt bei der Erkenntnis an, dass eine vollkommene Ausschaltung der Subjektivität des Forschenden nicht möglich ist und diese Subjektivität auch eine wichtige Forschungsressource darstellt – ohne ein Grundverständnis von der Gesellschaft zu haben, ist es nicht möglich, die Vorgänge innerhalb dieser Gesellschaft zu verstehen. Die Befragung ist hierbei als Königsweg der empirischen Sozialforschung zu werten, insofern, als sie die in der Forschungspraxis am häufigsten zur Anwendung gelangte Methode darstellt (Baur, Blasius, 2014, 45f). Der Forschende ist selbst Teil der Gesellschaft, die er untersucht, daher argumentiert der Forschende aus seiner spezifischen Sicht heraus, und er überträgt die eigenen (Vor-)urteile in den Forschungsprozess. Auch der Untersuchungsgegenstand selbst ist zeitlich nicht homogen, er verändert sich über die Zeit hinweg, so wie sich auch die Gesellschaft über die Zeit wandelt. Von daher verändern sich auch die Fragen, die an den Forschungsgegenstand gestellt werden, im Zeitablauf. In der qualitativen Forschung sind Datenerhebung und Datenauswertung überdies oft zirkulär organisiert und miteinander verwoben, die Phasen der Datenauswahl, Datenerhebung und Datenanalyse wechseln sich iterativ mit Phasen der theoretischen Reflexion ab. (Baur, Blasius, 2014, 47). 3 3.1 85 Qualitative Forschung ist hierbei keine weiche Forschung, bei der es darum geht, möglichst nahe an den Aussagen der befragten Personen zu bleiben und bei der ein Generalisierungsanspruch von vornherein ausgeschlossen wird. Das Design qualitativer Forschung ist zirkulär, weil Formulierung der Fragestellung, Erhebung und Auswertung bis hin zu Generalisierung und Theoriebildung ineinandergreifen und nicht in sauber getrennten Schritten nacheinander abgearbeitet werden können (Przyborski, Wohlrab-Sahr, 2014, 118). Im Rahmen qualitativer Forschung geht es letztlich darum, einen Sinnzusammenhang und die persönlichen, institutionellen oder situativen Mechanismen, die in ihm wirken, zu erfassen. Im Gegensatz hierzu erforschen standardisierte Untersuchungen, welcher Einflussfaktor ein bestimmtes Resultat erklärt (Przyborski, Wohlrab-Sahr, 2014, 120). Also umgemünzt auf den hier untersuchten Gegenstand, aufgrund welcher persönlicher, unternehmerischer oder situativer Mechanismen ein sinnhafter Zusammenhang besteht, aufgrund dessen Unternehmenswerte in Gemeinwohlunternehmen in die Erstellung der Gemeinwohlbilanz einfließen und BCfS generieren. Die Frage der Qualitätssicherung qualitativer Sozialforschung ist nicht abschließend zu beantworten. Es gibt keinen allgemein akzeptierten Kriteriensatz dafür, wie deren Qualität definiert werden kann. Sind erhobene Daten und gezogene Schlussfolgerungen ausreichend unabhängig von der konkreten Person, welche sie erhoben hat? Hierbei ist es erforderlich, methodenangemessene Kriterien für die Güte der qualitativen Forschung zu entwickeln, welche an die Stelle von Objektivität, Validität und Reliabilität (wie in der quantitativen Forschung) treten (Flick, 2014, 413). Eine Möglichkeit, die Validität zu erhöhen, besteht in der kommunikativen Validierung, auch Member Checks oder Member Validation genannt. Dabei werden (Zwischen-) ergebnisse des Forschenden an einem bestimmten Punkt im Forschungsprozess an die Interviewpartner zurückgemeldet. Die Zustimmung oder Ablehnung der Interviewten zu den Ergebnissen wird dann als Ansatz zur Validierung der Resultate gesehen. Damit jedoch die Gültigkeit von Ergebnissen bestätigt oder zurückgewiesen werden kann, müsste die entscheidende Frage gelöst werden: Wie viel Zustimmung bzw. Zustimmung von wie vielen 3 Untersuchungsdesign/Methodik 86 Beteiligten ist notwendig, um sagen zu können, eine Aussage sei valide? Generell ist die Aussage zu treffen, dass die Formulierung von Standards die Gefahr der Standardisierung birgt – was den Ansatz qualitativer Forschung zumindest in Widersprüche verwickelt. Replikationsstudien sind als Gütekriterium ebenfalls nicht zielführend. Es ist nicht klar, ob eine Verständigung auf Kriterien und Standards angesichts der Diversifizierung qualitativer Forschung überhaupt wünschenswert ist (Flick, 2014, 420ff). Qualitative Forschung – Leitfaden-/Experteninterview Die in dieser Arbeit gewählte Untersuchungsmethode sind Leitfadenbzw. Experteninterviews. Leitfadeninterviews gestalten die Führung im Interview über einen vorbereiteten Leitfaden, Experteninterviews definieren sich über die spezielle Auswahl und den Status der Befragten. Der Leitfaden ist eine systematisch angewandte Vorgabe zur Gestaltung des Interviewablaufes. Er beruht auf der bewussten methodologischen Entscheidung, eine maximale Offenheit aus Gründen des Forschungsinteresses oder der Forschungspragmatik einzuschränken. Die Maxime bei der Erstellung des Leitfadens lautet: „so offen wie möglich, so strukturiert wie nötig“. Für die meisten Fragestellungen ist es nötig, den Interviewablauf in einem gewissen Maß zu steuern. Experteninterviews definieren sich über die spezielle Zielgruppe der Interviewten und über das besondere Forschungsinteresse an Expertenwissen als besondere Art von Wissen. Experten können einen für den Interviewenden wenig aufwändigen, jedoch guten Zugang zu Wissensbereichen eröffnen (Helfferich, 2014, 559f). Qualitative Forschung will subjektive Wahrheit und soziale Sinnstrukturen rekonstruieren, von daher ist sie nicht auf authentisches Textmaterial angewiesen. Die interviewten Personen erzählen ihre subjektive Wahrheit und schmücken hierbei aus oder lassen weg, mildern ab oder spitzen zu. Mit der Aufgabe des Anspruches, einen authentischen Text zu produzieren, ist die Pflicht verbunden, stets zu reflektieren, unter welchen Bedingungen die spezifische Version entstanden ist und den Text als Abbild der Interviewten-Interviewenden-Interaktion auszuwerten (Helfferich, 2014, 561f). 3.2 3.2 Qualitative Forschung – Leitfaden-/Experteninterview 87 Experteninterviews werden üblicherweise als Leitfadeninterviews geführt. Sie sind stärker informationsbezogen auf die Erhebung von praxis-, und erfahrungsbezogenem, technischen Wissen ausgerichtet. Allgemein wird eine stärkere Strukturierung mit Sachfragen vorgeschlagen. Erzählaufforderungen werden hier zurückgefahren und Fragen spezifisch enger fokussiert. Der Akzent liegt eher auf einer strukturierten Abfolge von konkret und prägnant beantwortbaren Fragen. Experten, die sich zu sensiblen Kontexten äußern sollen, bitten häufig um die Vorab-Zusendung des Leitfadens. In der Rollenverteilung zwischen Interviewtem und Interviewendem sollte die Selbstpräsentation des Interviewenden in einer gelungenen Mischung aus Kompetenz und Wissensbedarf bestehen. Als Gütekriterium für qualitative Forschung dient die Unterscheidung zwischen methodisch kontrollierter und reflektierter Subjektivität und nicht reflektierter Subjektivität. Während standardisierte Forschung jede Form von Subjektivität ablehnt, geht es qualitativer Forschung darum, sich der prinzipiellen Kontextgebundenheit der erzeugten Texte bewusst zu sein (Helfferich, 2014, 573). Um den Lesern Reflexivität sowie subjektive Nachvollziehbarkeit zu ermöglichen, ist es sinnvoll, den Lesern die der Analyse zugrunde liegende Datengrundlage zugänglich zu machen. Um Auszüge aus technisch aufgezeichneten Interviews, Gesprächen oder sozialen Situationen im Text zu repräsentieren, ist die Vornahme einer Transkription sinnvoll. Das Transkript wird nicht als autonomer Text, sondern in seiner reflexiven Verbindung zur ursprünglichen Aufzeichnung verstanden, die komplexer als das situierte Transkript ist. Das Transkript ermöglicht jedoch dem Leser, die Analyse des Autors auf der Basis der dafür relevanten Daten nachzuvollziehen (Meyer, Meier, 2014, 253f). Forschungsfeld/Einbezogene Unternehmen Wie wir bisher gesehen haben, ist die Gemeinwohlökonomie von ihrer Grundanlage her eine alternative Form des Wirtschaftens, bei dem die Frage nach dem ethischen Aspekt jedes unternehmerischen Tuns erste Priorität hat. Insofern ist die Idee der Gemeinwohlökonomie als Kontrapunkt zur wahrgenommenen vorherrschenden Wirtschaftsethik zu 3.3 3 Untersuchungsdesign/Methodik 88 definieren. Auf welcher Basis könnte eine Wirtschaftsethik fußen, die Aspekte des Sozialen stärker gewichtet denn Aspekte des Monetären, bei der die Wirtschaft der Gesellschaft eingebettet wird und nicht umgekehrt (vgl. Kap. 2.3.5)? Bei der nicht mehr der Spruch Gültigkeit beanspruchen kann „Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut.“ Sondern die Devise lautet: Geht’s den Menschen gut, gelingt auch gutes Wirtschaften.“ Wie also werden Werte wirtschafts-wirksam? Die Absicht dieser Arbeit liegt darin, die Frage zu beantworten, welche Folgen die Einführung von ethischen Werten, auf denen die gesamte unternehmerische Aktivität beruht, welche in der Gemeinwohlbilanz beurteilt wird, auf die ökonomische Dimension des Unternehmens hat. Beurteilungsgrundlage für die Auswirkungen bildet die Fähigkeit des Unternehmens, aus der Gemeinwohlbilanz heraus systematisch Business Cases for Sustainability zu erarbeiten und durchzuführen. Ist die Gemeinwohlökonomie durch Abstützung auf das Instrument der Gemeinwohlbilanz also in der Lage, unternehmerischen Erfolg im Sinne der Triple-Bottom-Line zu generieren? Ist der wirtschaftliche Erfolg auch der Einführung bestimmter Werte geschuldet und kann dies nachvollziehbar argumentiert werden? Kann ausgeschlossen werden, dass die Gemeinwohlökonomie als gelebte Unternehmenskultur dem Unternehmen wirtschaftlichen Schaden zufügt? Der empirische Teil fußt auf der Durchführung von Unternehmensinterviews ausgewählter Unternehmen. Der Autor bedient sich hierbei Methoden der qualitativen Sozialforschung. Die Untersuchung des Erfolgs im Sinne der Triple-Bottom-Line im konkreten Anwendungsfall des alternativen Wirtschaftsmodells der Gemeinwohlökonomie lebt zu einem Gutteil von strukturierten Unternehmensinterviews. Diese sollen anhand von im nachstehenden Interviewleitfaden enthaltenen Fragestellungen eruieren, ob der dargelegte Erfolgszusammenhang belegbar ist. Da die Einführung von BCfS einigen Aufwand und Inanspruchnahme von Managementkapazitäten in den Unternehmen erfordern, sollen Interviews in der Regel mit Unternehmen durchgeführt werden, die eine Mindestanzahl von 8 Mitarbeitern aufweisen. Dadurch soll gewährleistet werden, dass in den Unternehmen eine Minimalausstattung mit entsprechenden Ressourcen vorhanden ist. Der implizite Schluss lautet, dass Unternehmen mit weniger Mitarbeitern entweder 3.3 Forschungsfeld/Einbezogene Unternehmen 89 keine Bilanz erstellen und damit für diese Untersuchung ohnehin irrelevant wären bzw. dass in Unternehmen eine zeitliche Mindestbefassung mit dem Gegenstand der Gemeinwohlökonomie und der Bilanzerstellung vorausgesetzt werden kann. In der Gemeinwohlökonomie ist eine Vielzahl von Ein-Personen-Unternehmen registriert, von denen zwar einige wenige sogar eine Bilanz gelegt haben, die dennoch nicht im Fokus dieser Arbeit standen. Der Grund liegt darin, dass Ein- Personen-Unternehmen zwangsläufig homogene Ansichten über die Art zu wirtschaften haben werden. Die Auswirkungen einer werteorientierten Unternehmensführung vor allem auf den Treiber „Attraktivität für Mitarbeiter“ kann bei diesen Unternehmen ebenfalls nicht festgestellt werden. Ursprünglich vorgesehene Unternehmen für die Durchführung der Interviews waren: – Grüne Erde Beteiligungs GmbH, Österreich – Schachinger Logistik GmbH, Österreich – Sonnentor KräuterhandelsGmbH, Österreich – Gugler Print GmbH, Österreich – Polarstern Energie GmbH, Deutschland – VAUDE Sport GmbH & CoKG, Deutschland – Ulenspiegel Druck GmbH, Deutschland – Spardabank München EG, Deutschland – Talents4Good, Deutschland. Im Zuge der Kontaktaufnahme mit den genannten Unternehmen und dem Versuch zur Vereinbarung eines Termines für die Durchführung eines Telefoninterviews erklärten die Unternehmen: – Schachinger Logistik GmbH – Spardabank München EG – Talents4Good aus zeitlichen Gründen keine Ressourcen für das Interview freimachen zu können. Auf Vermittlung von Talents4Good erklärte sich das Unternehmen: – Impact Hub München, Deutschland zur Durchführung eines Interviews bereit. 3 Untersuchungsdesign/Methodik 90 Interviewleitfaden Der Interviewleitfaden wurde im Vorfeld des Interviewtermins an die ermittelten Ansprechpartner versendet (s. Kap. 3.2). Die Gemeinwohlbilanz dient als Berichterstattungsinstrument für die Nachhaltigkeitsaktivitäten des Unternehmens im Sinne der Triple-Bottom-Line. In dieser Funktion gibt sie den Stakeholdern Auskunft über die durchgeführten Aktivitäten und vom Unternehmen bereits gesetzten Maßnahmen. In dieser Hinsicht ist die Gemeinwohlbilanz ein Instrument, das sich mit der Vergangenheit beschäftigt. Inwieweit ermöglicht die Bearbeitung des Gemeinwohlberichtes ihrem Unternehmen, Chancen für die Zukunft zu ermitteln und die Unternehmensentwicklung voranzutreiben? Inwieweit ist die Gemeinwohlbilanz speziell für die Entwicklung von Business Cases for Sustainability geeignet? Die nachfolgenden Fragen dienen als Leitfaden für Experteninterviews/Befragungen: – Was waren die Gründe für die Einführung der Gemeinwohlbilanz (GWB) in Ihrem Unternehmen? – Wie werden die Werte der GWÖ im Unternehmen gelebt bzw. kann die Beschäftigung mit der GWB die Werte im Unternehmen stärken? – Ist die GWB gelebter Ausdruck von bereits fest im Unternehmen verankerten Werten? – Welche Rolle spielt(e) die GründerIn bei der Verwirklichung der Werte im Unternehmen. Wird ihre/seine Vision in der GWB gelebt (falls Frage zutreffend)? – Wie ist die Erstellung der Gemeinwohlbilanz in Ihrem Unternehmen organisiert? – Welche Auswirkungen hat Ihrer Meinung nach die Einführung der Gemeinwohlbilanz auf: – Die Unternehmensführung – Die MitarbeiterInnen – Sonstige Stakeholder wie z.B. KapitalgeberInnen – Den Innovationsgeist – Projekte – Die Unternehmensentwicklung 3.4 3.4 Interviewleitfaden 91 – Wenn Sie an die ökonomische Seite in Ihrem Unternehmen denken. Ist die GWB ein geeignetes Instrument, die Entwicklung von BCfS zu fördern und als Ausgangsbasis für triple win (Ökologie, Soziales, Ökonomie) Aktivitäten zu verwenden? – Hinsichtlich welcher der folgenden Faktoren können Sie die Durchführung von Business Cases for Sustainability in Ihrem Unternehmen identifizieren? – Kosten und Kostenreduktion – Unternehmensrisiko und Risikoreduktion – Verkauf und Gewinnspanne – Markenwert und Reputation – Arbeitgeberattraktivität – Innovationskraft Falls Sie keine Aktivitäten identifizieren können, gibt es Faktoren, für welche Sie sich persönlich die Durchführung von BCfS vorstellen könnten? – Zur Erleichterung der Identifizierung von BCfS ersuche ich Sie, die unten dargestellte Matrix (Gemeinwohlkriterien x Faktoren für BCfS) so auszufüllen, dass Sie die identifizierten BCfS den sechs Faktoren bzw. den entsprechenden Gemeinwohlkriterien zuordnen, z.B.: Durchsetzung einer höheren Gewinnspanne infolge Einführung eines besonders ökologisch gestalteten Produktes, für das am Markt eine erhöhte Zahlungsbereitschaft erzielt wird = Faktor „Verkauf und Gewinnspanne“ x „ökologische Gestaltung der Produkte und Dienstleistungen“, hier bitte in der Matrix ankreuzen. Am Beispiel des Produzenten von Outdoor-Bekleidung VAUDE: Die Produkte von VAUDE werden oftmals gerade aus dem Aspekt heraus gekauft, weil das Unternehmen eine hohe Reputation als nachhaltige Marke hinsichtlich der ökologischen und sozialen Ausgestaltung der Produkte vorweisen kann (Faktor „Reputation und Markenwert“ x „ökologische Produkte und Dienstleistungen“) – Ich ersuche Sie um eine kurze Beschreibung jener identifizierten Projekte/Maßnahmen, die für Ihr Unternehmen einen BCfS darstellen. 3 Untersuchungsdesign/Methodik 92 3.4 Interviewleitfaden 93 – Wie würden Sie die Veränderung vor/nach dem Projekt/der Maßnahme beschreiben? Woran erkennen Sie, dass in einem oder mehreren der sechs Teilbereiche tatsächliche BCfS entstanden sind? – Haben Sie Wirtschaftlichkeitsrechnungen zu den einzelnen Projekten/Maßnahmen angestellt, die den angestrebten ökonomischen Mehrwert bewerten? – Und was haben diese BCfS aus Ihrer Sicht nun eigentlich mit dem Gemeinwohl zu tun? Durchführung der Interviews Die Auswahl der Interviewpartner trägt wesentlich zur wissenschaftlichen Qualität der Masterarbeit bei. Die Unternehmen, welche für ein Interview in Frage kamen, wurden über die Homepage des Vereins für Gemeinwohlökonomie ermittelt. Hierbei spielte naturgemäß eine wesentliche Rolle, ob die Unternehmen in der Vergangenheit bereits einen Gemeinwohlbericht abgefasst hatten. Dies stellte die conditio sine qua non dar. Unternehmen, welche lediglich Unterstützer der Gemeinwohlökonomie sind ohne einen Gemeinwohlbericht verfasst zu haben, schieden als Interviewpartner grundsätzlich aus. Die Unterteilung der aufgelisteten Unternehmen – im ganzen rd. 2.000 – wird nach Anzahl der Löwenzahnsämchen vorgenommen. Unternehmen, die mit einem Löwenzahnsämchen gekennzeichnet sind, unterstützen die Gemeinwohlökonomie finanziell, bringen sich als Mitglied in die Community ein und bereiten die Erstellung einer Bilanz vor. Gemeinwohlunternehmen, die bereits eine Bilanz gelegt haben, werden danach unterschieden, ob die Testierung der Bilanz in einer Peer-Group (2 Sämchen) oder durch einen externen Auditor (3 Sämchen) erfolgt ist (Verein für Gemeinwohlökonomie, 2017 (a)). Die Auswahl der Unternehmen folgte daher den angeführten Kriterien: – Mindestanzahl von 2 Löwenzahnsämchen (GW-Bilanz mit Peer- Audit) – Mindestanzahl der Mitarbeiter: 8 – Branche 3.5 3 Untersuchungsdesign/Methodik 94 Es lag im Interesse des Autors, von möglichst vielen unterschiedlichen Branchen Rückmeldungen über die Forschungsfrage zu erhalten. Dieser intendiert breiter angelegte Fokus verengte sich durch die Nichtteilnahme von Unternehmen aus der Finanzdienstleistungs- und der Logistikbranche. Nichtsdestotrotz sind mit Sonnentor und VAUDE zwei Paradebetriebe der Gemeinwohlökonomie vertreten. Die Geschäftsführer, Johannes Gutmann für Sonnentor und Antje von Dewitz für VAUDE, stellen sich als zwei von zwölf SprecherInnen in den Dienst der Gemeinwohlökonomie. Mit der Grünen Erde ist jenes Unternehmen vertreten, das mit 749 Gemeinwohlpunkten die höchste von Unternehmen erreichte Punktezahl vorweisen kann. Sonnentor und Gugler werden in der jüngsten Auflage der Gemeinwohlökonomie als Pionierunternehmen beschrieben (Felber, 2016, 159f). Die um ein Interview angefragten Unternehmensvertreter wurden im Vorfeld aus dem Gemeinwohlbericht eruiert und sollten die Erstellung der Bilanz federführend begleitet haben. In den meisten Fällen waren dies die Geschäftsführer (bei jenen Unternehmen, welche eine geringere Anzahl an Mitarbeitern – in der gegenständlichen Untersuchung waren dies 21 Mitarbeiter- aufweisen) oder Nachhaltigkeitsbzw. Zertifizierungsbeauftragte des Unternehmens. Teilweise lag eine Übernahme der Gemeinwohlagenden vor, da es einen Bearbeitungs- übergang zwischen Mitarbeitern gegeben hatte. Dies betrifft das Unternehmen Grüne Erde und den Impact Hub München. Die Matrix des Fragebogens wurde in keinem Fall ausgefüllt und retourniert. Die Interviewpartner fanden im Vorfeld meist nicht die Zeit, um den Leitfaden genauer durchzusehen oder sich sogar Gedanken über das Vorliegen von BCfS zu den einzelnen Treibern kombiniert mit den 17 Kriterien der Gemeinwohlbilanz zu machen. Das Interview wurde daher meist spontan und ohne Vorbereitung seitens der Interviewpartner durchgeführt. Der Interviewleitfaden diente als Anhalt zur Strukturierung. Meist wurde aus Zeitgründen nicht auf alle Fragen detailliert eingegangen. Um überhaupt Termine für Interviews erhalten zu können, musste die Zeitdauer den Interviewpartnern mit rund einer halben Stunde avisiert werden. Der Autor schätzte im Vorfeld der Interviews, dass für das Behandeln des gesamten Interviewleitfadens etwa eine Stunde zu veranschlagen sein würde. 3.5 Durchführung der Interviews 95 Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die interviewten Unternehmen und die Position der jeweiligen Interviewpartner. Der Zeitraum, in welchem die Interviews stattfanden, erstreckte sich vom 15. März bis 20. April 2018. Für das Unternehmen Gugler Print, welche bereits langjähriges Mitglied der Gemeinwohlökonomie ist, bleibt anzumerken, dass dieses mittlerweile nur noch über einen Förderstatus verfügt (1 Löwenzahns- ämchen) und keine Gemeinwohlbilanzen mehr erstellt, stattdessen jedoch Nachhaltigkeitsberichte veröffentlicht (s. Kap. 4.2). Unternehmen und interviewte Personen Unternehmen Grüne Erde Sonnentor Gugler Print Polarstern Vaude Ulenspiegel Impact Hub Interviewpartner Isabella Tatzsberger Sonja Aigner Roswitha Sandgruber Simon Stadler Lisa Fiedler Christian Merk Jakob Assmann Position Zertifizierungsbeauftragte Marketingleiterin Nachhaltigkeitsbeauftragte Geschäftsführer Nachhaltigkeitsbeauftragte Geschäftsführer Geschäftsführer Datum 18.4.2018 10.4.2018 15.3.2018 23.3.2018 12.4.2018 16.3.2018 20.4.2018 Website Grueneerde.com Sonnentor. com Gugler.at Polarsternenergie. de Vaude. com Ulenspiegeldruck.de Munich. impacthub.net Anzahl Mitarbeiter 370 320 100 21 469 8 8 Branche Produktion, Handel Produktion, Handel Druck Energie Sporthandel Druck Vermietung Anzahl Sämchen 3 3 1 2 3 3 2 Tabelle 2 3 Untersuchungsdesign/Methodik 96

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Viele Menschen spüren es aufgrund ihrer täglichen Erfahrungen in ihrem Arbeitsumfeld: die krisenhaften Erscheinungen rund um den Globus verlangen ein anderes, neues Wirtschaften. Die gegenwärtige neoliberal verfasste Wirtschaftsordnung gelangt an ihr natürliches Ende. Eine gesellschaftliche Transformation steht an ihrem Beginn. Sie könnte zu einer Reanimation der durch die ökonomische Mainstreamlehre höchst effizient entsorgten Seele führen und den wirtschaftenden Menschen wieder in den Mittelpunkt des Geschehens rücken.

Das Buch beschreibt einerseits die in einem jahrtausendealten Rationalitätskalkül begründeten krisenhaften Erscheinungen der Gegenwart. Andererseits werden Lösungsmöglichkeiten vorgestellt, welche sich durch einen transformierten Ansatz auszeichnen. Im Mittelpunkt steht nicht mehr der Finanzgewinn um jeden Preis, sondern ein Wirtschaften, das dem Leben(digen) dient. Dieser Ansatz wird anhand der Gemeinwohlökonomie exemplarisch in der Praxis untersucht.