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6 Zusammenfassung und Ausblick in:

Reinhard Fischer

Mit Werten wirtschaften, page 125 - 128

Praxismodell Gemeinwohlökonomie

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4310-3, ISBN online: 978-3-8288-7246-2, https://doi.org/10.5771/9783828872462-125

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Wirtschaftswissenschaften, vol. 89

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Zusammenfassung und Ausblick Der theoretische Teil der Arbeit befasste sich mit grundlegenden Aspekten der Nachhaltigkeitskrise, welche von vielen Autoren als solche benannt wird. Es war die Absicht, individuelle, unternehmerische und gesellschaftliche Werthaltungen vorzustellen, welche als Begründung für und Wege in diese große Krise der Gegenwart herangezogen werden können. Strenge Orientierung am Rationalitätskalkül trägt wesentlichen Anteil an den krisenhaften Erscheinungen unserer Zeit. Das Modell des Homo oeconomicus hat gemäß seinen eigenen Rationalitätsprämissen die Seele des wirtschaftenden Menschen auf höchst effiziente Weise entsorgt. Der Homo oeconomicus ist definitiv überholt und unzeitgemäß. Er eignete sich hervorragend für mit mathematischer Präzision erstellte und idealisierte Prognosen. Er ist jedoch außerstande, den wirtschaftenden Menschen in seiner gelebten Vielschichtigkeit abzubilden. Es war weiter das Ziel, Werthaltungen aufzuzeigen, welche einen Beitrag zur Überwindung der Krisen leisten könnten. Werthaltungen auf individueller, unternehmerischer und gesellschaftlicher Ebene, auf deren Basis eine große Transformation der Gesellschaft hin zur nachhaltigen, zukunftssicheren Entwicklung voranschreiten könnte. Die Wissenschaften befassen sich bereits mit einer anderen als ausschließlich rationalen Weltsicht. Lösungsmöglichkeiten könnten in einer Ergänzung der rationalen Weltsicht durch eine Hinwendung zur Lebendigkeit bestehen. Die Debatte um Humanität und Werte in der Wirtschaft sollte davon nur profitieren. Das Ziel ist klar: wir können und müssen uns die entschwundene Seele wieder aneignen. Aus der Vielzahl von alternativen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodellen griff der Autor die Gemeinwohlökonomie heraus, die sich explizit einem Wirtschaften auf der Grundlage von humanistischen Wertvorstellungen verschrieben hat, um mit Mensch und Natur zu wirtschaften anstatt gegen sie. 6 125 Es war die Frage zu beantworten, ob ein solcherart verfasstes Wirtschaftsmodell für die unter seinen Prämissen agierenden Unternehmen die Möglichkeit bietet, Business Cases for Sustainability zu generieren. Der Autor kommt infolge der Befragung ausgewählter Unternehmen und der Auswertung der gegebenen Antworten zu dem Schluss, dass es möglich ist, auf der Basis einer humanistischen Gesinnung Business Cases for Sustainability zu erarbeiten. Die zuvorderst genannten Gesinnungen und Werte sind ökologische Nachhaltigkeit, Kooperation, Zukunftsorientierung, Vertrauen und Selbstbestimmung. Ein anderes als das konventionelle Wirtschaften ist langfristig erfolgreich möglich, dafür geben die interviewten Unternehmen ein Beispiel. Dabei könnte es einen Unterschied bedeuten, wann das jeweilige Unternehmen der GWÖ beigetreten ist. Junge Unternehmen, deren Wertesystem entscheidend von den Prämissen der GWÖ geprägt wurden und in deren unternehmerische DNA einfloss, scheinen erhöhte Anteile der normativen (ethisch-philanthropischen) Motivationssphäre aufzuweisen, während langjährig etablierte Unternehmen mehr der instrumentellen Motivationssphäre zuzurechnen sein dürften. Hinsichtlich der Erstellung von BCfS spielt dies insofern eine Rolle, als erstere Unternehmen die Gemeinwohlbilanz verstärkt als systemisches Instrument zur Erstellung von BCfS verwenden. Bei letzteren erscheinen die BCfS eher als Ausdruck der in der Unternehmenskultur gelebten Werte des Unternehmens. Aufgrund der Erstellung dieser Arbeit vermutet der Autor, dass die Wertorientierung eines Unternehmens den entscheidenden Ausschlag geben könnte, der als Motivationsfaktor für die Erarbeitung für BCfS ins Feld geführt werden kann. Die interviewten Unternehmen bezeichnen sich durchwegs als gemeinwohlsinnig und an einem langfristig auskömmlichen Wirtschaften auf diesem Planeten interessiert. Ihnen geht es darum, aufgrund von unternehmerischen Aktivitäten einen Beitrag zu leisten, um die Welt lebenswerter und enkeltauglicher zu gestalten, dabei jedoch den Bestand des Unternehmens nicht durch ökonomisch nicht-nachhaltige Projekte zu gefährden. Die Transformation der Gesellschaft wird in diesen Unternehmen bereits gelebt. Eine Ausrichtung an humanistischen Werten als Grundlage der Unternehmensphilosophie vorzunehmen könnte jenen entscheiden- 6 Zusammenfassung und Ausblick 126 den Unterschied zu konventionell tätigen Unternehmen bezeichnen. Die Motivation zur Erarbeitung von BCfS, so die Vermutung des Autors, würde ohne die Verankerung des jeweiligen Unternehmens in diesen Werten wesentlich schwerer fallen. Eine Transformation in Richtung Einbettung der Wirtschaft in die Gesellschaft innerhalb des marktwirtschaftlichen Systems wird in den untersuchten Unternehmen zu leben versucht. In diesem Sinn bilden die Gemeinwohlunternehmen möglicherweise einen Teil jener (unternehmerischen) Nischen, die quer durch die Branchen verteilt die Vorreiter der erforderlichen gesellschaftlichen Transformation darstellen. Vertiefend zu untersuchen bleibt indes, aufgrund welcher Motivationsgrundlagen und Werthaltungen Unternehmen, welche sich der Nachhaltigkeit verschrieben haben und nicht der Gemeinwohlökonomie (vgl. Kap. 2.4.5) zugehörig fühlen, tätig sind. Die Durchführung einer vergleichenden Studie zwischen nachhaltig engagierten Unternehmen hinsichtlich der Machbarkeit der Erarbeitung von BCfS und des motivatorischen Stellenwertes der jeweiligen Firmenwerte scheint dem Autor ein interessantes Forschungsfeld zu sein. 6 Zusammenfassung und Ausblick 127

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Zusammenfassung

Viele Menschen spüren es aufgrund ihrer täglichen Erfahrungen in ihrem Arbeitsumfeld: die krisenhaften Erscheinungen rund um den Globus verlangen ein anderes, neues Wirtschaften. Die gegenwärtige neoliberal verfasste Wirtschaftsordnung gelangt an ihr natürliches Ende. Eine gesellschaftliche Transformation steht an ihrem Beginn. Sie könnte zu einer Reanimation der durch die ökonomische Mainstreamlehre höchst effizient entsorgten Seele führen und den wirtschaftenden Menschen wieder in den Mittelpunkt des Geschehens rücken.

Das Buch beschreibt einerseits die in einem jahrtausendealten Rationalitätskalkül begründeten krisenhaften Erscheinungen der Gegenwart. Andererseits werden Lösungsmöglichkeiten vorgestellt, welche sich durch einen transformierten Ansatz auszeichnen. Im Mittelpunkt steht nicht mehr der Finanzgewinn um jeden Preis, sondern ein Wirtschaften, das dem Leben(digen) dient. Dieser Ansatz wird anhand der Gemeinwohlökonomie exemplarisch in der Praxis untersucht.