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1 Einleitung in:

Reinhard Fischer

Mit Werten wirtschaften, page 1 - 8

Praxismodell Gemeinwohlökonomie

1. Edition 2019, ISBN print: 978-3-8288-4310-3, ISBN online: 978-3-8288-7246-2, https://doi.org/10.5771/9783828872462-1

Series: Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag: Wirtschaftswissenschaften, vol. 89

Tectum, Baden-Baden
Bibliographic information
Einleitung Die Welt, die wir geschaffen haben, ist das Resultat einer überholten Denkweise. Die Probleme, die sich daraus ergeben, können nicht mit der gleichen Denkweise gelöst werden, durch die sie entstanden sind. Albert Einstein Problemstellung – Befund Die Gesellschaften rund um den Globus stolpern von einer Krise zur nächsten – oder sollte es nicht zutreffender formuliert sein, zu sagen, dass die Krisen in Permanenz konstatiert werden müssen, die Krisenhaftigkeit demnach systemkonstituierend zu sein scheint, weit von einer Lösung entfernt? Intellektuelle wie Roger Willemsen formulieren stellvertretend für viele das Unbehagen, welches den ersten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts innewohnt und das den Einzelnen oftmals ratlos zurücklässt. Aus all den Fakten zum Klimawandel, der Massenmigration, der Ressourcenknappheit, dem Artensterben etc. ist keine Praxis entsprungen, die uns einer Lösung der Krisen näherbrächte. „Wir hatten unserem Verschwinden nichts entgegenzusetzen, rieben uns aber auf im engen Horizont einer Arbeit, die ein Unternehmen stärken, erfolgreicher, effektiver machen sollte, aber nicht Lebensfragen beantworten, das Überleben sichern helfen würde“ (Willemsen, 2016, 43). Die Herausforderungen für die weltweiten zivilisierten Gesellschaften sind zu Beginn des 21. Jahrhunderts mannigfaltig miteinander verwoben und kaum zu überblicken. Von der Megaherausforderung der Klimakrise, über die wachsende Kluft zwischen gesellschaftlichen Schichten, von der Finanz- und Bankenkrise hin zur Überschreitung planetarer Grenzen nach Rockström et al. (2009), vom Verlust der Biodiversität hin zur Herausforderung demografischer Übergangsprozesse in den „alten“ industrialisierten Ländern reicht die Palette der Fragestellungen, auf welche Antworten durch eine nachhaltige(re) Le- 1 1.1 1 bensweise gefunden werden wollen, wenn wir nicht als menschliche Gemeinschaft die Grundlagen unseres Überlebens gefährden wollen (Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages, 2013). Die krisenhaften Erscheinungen betreffen die ökologische wie soziale Dimension gleichermaßen. Ursachen für die aktuellen gesellschaftlichen Krisen werden mannigfach analysiert und diskutiert. Jared Diamond kommt zu dem Schluss, dass in der Vergangenheit das Zusammenspiel von bis zu fünf Faktoren ursächlich dafür war, warum Gesellschaften untergingen. Der erste Faktor sind Umweltschäden bis hin zum sogenannten Ökozid, der zweite Klimaveränderungen, der dritte feindliche Nachbarn, der vierte freundliche Handelsnachbarn, die der jeweiligen Gesellschaft ihre Unterstützung entziehen und der fünfte die Reaktion der Gesellschaft auf diese Umweltveränderungen. In unserem Zusammenhang ist von besonderem Interesse, dass die ersten vier Faktoren jeweils eine mehr oder weniger bedeutsame Rolle beim Zusammenbruch der Gesellschaft spielten, der fünfte, die Reaktion auf die Veränderungen, jedoch in jedem Fall eine entscheidende Rolle für Fortbestand oder Untergang der Gesellschaft war (Diamond, 2011, Prolog). Ulrich Brand und Markus Wissen drücken die zeitgenössische Lebensweise mit ihren nicht-nachhaltigen Wirkungen durch den Begriff der „imperialen Lebensweise“ aus: „Die wirtschaftlichen, politischen und medialen Protagonisten der imperialen Lebensweise wollen den Alltagsverstand dadurch kohärent machen, dass sie Menschen in Konkurrenz zueinander setzen, das Vertrauen in die Eliten zu stärken versuchen, Umweltzerstörung als technologisch bearbeitbar darstellen, Protest und grundlegende Alternativen lächerlich machen, ignorieren oder gegebenenfalls unterdrücken und das Leben der Mehrheiten auf Gehorchen, Konsum und das eigene Lebensglück trimmen“ (Brand, Wissen, 2017, 173f). Einer der Gründe, so Erich Fromm, für die verhängnisvolle Passivität des Menschen in Fragen von langfristigem Leben oder Tod sei die verbreitete Ansicht, es gebe keine Alternativen zu Kapitalismus oder Kommunismus. Solange die wissenschaftliche Befassung mit der Notwendigkeit einer gesellschaftlichen Änderung nicht den gleichen Platz einnehme wie die Naturwissenschaften und die Technik, solange wür- 1 Einleitung 2 den Kraft und Vision fehlen, um neue und reale Alternativen überhaupt sehen zu können (Fromm, 2014, Einführung). Philip Blom argumentiert, dass sich der Mensch, ausgehend von den USA, in den letzten 100 Jahren „umerzählt“ habe, indem er Konsum zum Vehikel für spirituelle Befriedigung erhoben habe. Zwei unvereinbare Menschenbilder – der Homo oeconomicus und das irrationale Herdentier – bestimmten die Vorstellung dessen, was eine Gesellschaft sei. Alles Nachdenken über politische und soziale Entwicklungen müsste davon ausgehen, dass die Gesellschaften der westlichen Länder nicht mehr dieselben Reflexe und Haltungen hätten wie noch vor zwei Generationen. Individuen dächten und handelten anders, je nachdem, ob sie als Konsument oder als Bürger angesprochen würden. Als Verbraucher seien sie sorgloser, was die Umweltfolgen ihres Konsums betrifft, auch wenn sie als Bürger Konsum als problematisch betrachteten. Wichtig sei, wie Menschen sich selbst sehen. Wichtig sei, welche Geschichten, welche Narrative, sie über sich selbst erzählen (Blom, 2017, Der umerzählte Mensch). Die Wahrnehmung, die Globalisierung erzeuge wachsende Disparitäten und Ungleichheiten sowie soziale Fliehkräfte, breitet sich spätestens seit den Jahren der Finanzkrise ab 2008 aus. Einem fundamentalen gesellschaftlichen Umbau in Richtung Nachhaltigkeit steht derzeit noch eine autoritäre, neonationalistische Gegenreformation entgegen, welche die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaften, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie bedrohen (Kraas et al., 2016, 4). In dieser Situation wird vielfach eine neue Transformationsbewegung hin zu einem neuen Denken gefordert, das sich von einer eindimensionalen Wachstumsfixierung wegbewegt und anderen Formen des menschlichen Zusammenlebens und Wohlergehens zuwendet. Innovationen werden für diese erforderlichen Transformationsprozesse von zentraler Bedeutung sein. Diese entwickeln sich vielfach in gesellschaftlichen oftmals gemeinwohlorientierten Nischen, jenseits der üblichen Marktregeln, Praktiken und Institutionen (SRU, 2013, 30). Der Transformationsforscher Harald Welzer (2013) weist darauf hin, dass eine wesentliche Voraussetzung für fundamentale Wandlungsprozesse darin besteht, dass in jedem gesellschaftlichen Segment, in jeder Schicht, in jedem Beruf, in jeder Funktion ein paar Prozent der Beteiligten beginnen, die Dinge anders zu machen. Somit besteht 1.1 Problemstellung – Befund 3 ein essenzieller Faktor für die notwendige gesellschaftliche Transformation in dem Umstand, dass die Träger einer sozialen Bewegung nicht aus Subkulturen kommen, sondern aus allen gesellschaftlichen Gruppen. Nur unter Abstützung auf einige wenige Menschen, welche voranschreiten, diese jedoch verteilt in der Breite des gesellschaftlichen Spektrums, kann der Wandel vorangetrieben werden und Wirkmacht entfalten (Welzer, 2013, 285). Diese global durchzuführende Transformation hin zu einer klimaverträglichen, zukunftsfähigen Gesellschaft ist ohne große Konsumverluste und Kosten für die Weltwirtschaft realisierbar. Laut WBGU belegen zahlreiche Studien die positiven Begleitnutzen dieser Transformation, etwa für Gesundheit oder Energiesicherheit. Kontrastierend hierzu stehen ökonomische und humanitäre Verluste, welche auftreten werden, falls diese Transformation zur Nachhaltigkeit nicht gelingen sollte (WBGU, 2014, 1). Unternehmerisches Nachhaltigkeitsmanagement als Instrument der Transformation von Unternehmen drückt sich in der Summe aller gezielter, systematischer und in Stakeholder-Beziehungen realisierter Maßnahmen zur integrativen Berücksichtigung sozialer, ökologischer und ökonomischer Wirkungen unternehmerischer Wertschöpfung aus. Damit soll erstens (innenorientiert) eine nachhaltige Organisationsentwicklung realisiert und zweitens (außenorientiert) die Organisation befähigt werden, einen positiven Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft zu leisten (Beckmann, Schaltegger, 2014, 328). In frühen Stadien einer großen Transformation hin Richtung Nachhaltigkeit sind es zudem typischerweise die kleinen Unternehmen und Unternehmensgründer, welche disruptive Nachhaltigkeitsinnovationen anstoßen (Hockerts, Wüstenhagen, 2009, 481). Hier setzt die Gemeinwohlökonomie an. Von dem ATTAC-Mitbegründer und Publizisten Christian Felber öffentlichkeitswirksam promotet (Felber, 2016), wird dieses Konstrukt eines alternativen Wirtschaftens zu wesentlichen Teilen von (Klein-)Unternehmern getragen, aber auch von vielen weiteren Unterstützern aus den Bereichen Wissenschaft, Bildung, oder Verwaltung. Ein breites zivilgesellschaftliches Engagement zeichnet diesen Ansatz für eine andere Wirtschaftsweise aus. Felber bricht eine Lanze für die Einführung und das permanente 1 Einleitung 4 Leben von menschlichen Werten in der Wirtschaft. Nach seinem Befund sollte das Wirtschaftsleben nach den gleichen Grundregeln funktionieren, die auch die Freundschafts- und Alltagsbeziehungen prägen: Vertrauensbildung, Ehrlichkeit, Wertschätzung, Respekt, Zuhören, Empathie, Kooperation, gegenseitige Hilfe und Teilen (Felber, 2016, 18). Zentrales Instrument, um auf unternehmerischer Ebene den Beitrag zum Gemeinwohl zu messen ist die Gemeinwohlbilanz, die anhand von 17 Kriterien gebildet wird (Verein für Gemeinwohlökonomie, 2015). Durch Adressierung dieser Kriterien soll eine Antwort auf die oben gestellten Problembefunde auf unternehmerischer Ebene gefunden werden. Die Gemeinwohlbilanz tritt an die Stelle der Finanzbilanz, die zwar weiterhin erstellt wird, jedoch ihren Rang als bedeutendste Dokumentation des unternehmerischen Erfolgs an die Gemeinwohlbilanz abtritt. Hierdurch sollen die in der Finanzbilanz dominierenden monetären Indikatoren wieder vom Zweck zum Mittel werden, das unternehmerische Tätig-Sein wird anhand seiner Auswirkungen auf das Gemeinwohl gemessen, nicht mehr an seiner Fähigkeit zur Kapitalakkumulation. In der Gemeinwohlökonomie ist die Mehrung des Gemeinwohls das höchste Ziel. Kapital ist ein wertvolles Mittel dafür (Felber, 2016, 34). Die vorliegende Arbeit untersucht einerseits, welche Werte es sind und wie diese Werte von den im Unternehmen tätigen Menschen konkret im Wirtschaftsleben umgesetzt werden können, auf deren Grundlage ein anderes ethisch verantwortungsvolleres (transformiertes) Wirtschaften systematisch sichergestellt werden soll. Andererseits soll im Sinne der Triple-Bottom-Line (vgl. Kap. 2.6.2), die aus den Dimensionen Ökologie, Soziales und Ökonomie gebildet wird, untersucht werden, ob die Gemeinwohlökonomie durch Fokussierung auf die beiden Eckpfeiler Umwelt und Soziales auch einen originären Beitrag zum Unternehmenserfolg (Dimension der Ökonomie) leistet. Dabei ist die Betrachtung des Potenzials zur Erstellung von sogenannten Business Cases for Sustainability (BCfS) zentraler Untersuchungsgegenstand des empirischen Teils dieser Arbeit (ab Kap. 3). Der BCfS besteht darin, durch freiwillige ökologische oder soziale Maßnahmen den ökonomischen Erfolg des Unternehmens zu verbes- 1.1 Problemstellung – Befund 5 sern, indem die kausalen Beziehungen zwischen ökologischen oder sozialen Maßnahmen und dem Unternehmenserfolg gemanagt, verbessert oder überhaupt erst herausgefunden werden (Schaltegger et al., 2012, 97). Die BCfS werden durch Aktivitäten in bestimmten Feldern, den sogenannten Treibern, gebildet (Schaltegger et al., 2012, 101): – Effizienzsteigerung bzw. Kostenreduktion – Reduktion von Risiken – Margensteigerung – Steigerung der Unternehmensreputation – Anziehungskraft auf Mitarbeiter – Innovationsfähigkeit Die Gemeinwohlbilanz als Ausdruck von an ethisch-nachhaltigen Grundsätzen ausgerichteten Unternehmen könnte als Instrument dienen, um konkrete Handlungsansätze anhand dieser Treiber für BCfS zu identifizieren. In weiterer Folge könnten daraus Ansätze für Maßnahmen in den benannten Aktivitätsfeldern mit dem Ziel eines positiven Beitrags zum Unternehmenserfolg abgeleitet werden. Aus der systematischen Befassung mit wesentlichen unternehmerischen Betätigungsfeldern (den Kriterien der Gemeinwohlbilanz) könnten sich ebenso systematisch Ansätze ergeben, die das Unternehmen auch im ökonomischen Sinn erfolgreich werden lassen (Treiber für BCfS). Die Herausforderung für die unternehmerische Nachhaltigkeit besteht hierbei darin, einerseits einer überkommenen und aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zukunftsfähigen Form der Erbringung unternehmerischer Güter- oder Dienstleistungsbereitstellung durch aktives Leben ethischer Werte ein anderes, zukunftsfähiges Fundament zu verleihen. Andererseits soll selbstredend auch der dauerhafte Erfolg des Unternehmens im Sinne der Triple-Bottom-Line sichergestellt werden. Die Gemeinwohlbilanz könnte dabei durch ihren Fokus auf den Unternehmenserfolg anhand des Beitrages zum Gemeinwohl gerade auch einen Beitrag im ökonomischen Sinn leisten und den Gemeinwohlbegriff im Sinne der Triple-Bottom-Line abrunden. Gemeinwohl wird dann von jenen Unternehmen vorangetrieben werden, welche sich stark ökologisch und sozial engagieren und dadurch ihren Beitrag zur Transformation der Gesellschaft leisten. 1 Einleitung 6 Dies fände vor dem Hintergrund einer starken wirtschaftlichen Basis statt, die das jeweilige Unternehmen langfristig in die Lage versetzt, durch die Generierung von BCfS am Markt erfolgreich aufzutreten. Ob dies reine Spekulation ist oder die Gemeinwohlökonomie selbst einen realistischen BCfS darstellt soll diese Arbeit wenn schon nicht abschließend beantworten, so doch zumindest ansatzweise erhellen. Die Arbeit gliedert sich dementsprechend in einen theoretischen und einen empirischen Teil. Kapitel 2.1 definiert zentrale Begriffe und Themenkomplexe. Kapitel 2.2 beschäftigt sich mit den verschieden Problemdimensionen, welche unsere modernen Gesellschaften prägen. Kapitel 2.3 will einen Überblick über die Triebelemente und Wertebegriffe unseres gegenwärtigen kapitalistischen Wirtschaftsmodells und den Transformationsbegriff geben, während Kapitel 2.4 der Frage nachgeht, auf welchen humanistischen und konzeptionellen Grundlagen ein neues, nachhaltigeres Weltverständnis beruhen könnte. Kapitel 2.5 beschreibt die Grundzüge der Gemeinwohlökonomie, während Kapitel 2.6 das Konzept des Business Case for Sustainability erläutert. Der empirische Teil startet mit Kapitel 3. Dieses beschreibt das Untersuchungsdesign, welches mittels Methoden der qualitativen Sozialforschung und den mit ausgewählten Unternehmen durchgeführten Interviews gebildet wird. In Kapitel 4 werden die Ergebnisse der Befragungen hinsichtlich der Unternehmenswerte und der Erarbeitung von BCfS analysiert. Kapitel 5 diskutiert die Ergebnisse und beantwortet die Forschungsfrage. Kapitel 6 schließlich fasst die wesentlichen Elemente zusammen und gibt einen Ausblick auf zukünftige Fragestellungen. Themenabgrenzung und Forschungsfrage Die Forschungsfrage, welche dieser Ausarbeitung zugrunde liegt lautet: Inwieweit lässt sich die einer ethischen Werten verpflichtete Gemeinwohlbilanz als Grundlage für die systematische Erarbeitung von Business Cases for Sustainability heranziehen? 1.2 1.2 Themenabgrenzung und Forschungsfrage 7 Es soll untersucht werden, inwieweit Unternehmen, welche auf der Grundlage von ethischen Werten ein anderes Wirtschaften in der täglichen Praxis zu leben versuchen, durch Einführung und wiederkehrende Verwendung eines Instrumentes (Gemeinwohlbilanz) zur Erfassung von ökologischen und sozialen Aktivitäten systematisch BCfS generieren können. Zum einen soll untersucht und aufgezeigt werden, wie ein Wirtschaftsunternehmen, das sich ethischen Werten verpflichtet fühlt, diese Werte im Zusammenhang mit der Erstellung der Gemeinwohlbilanz zu leben versucht und dadurch ökologischen und sozialen Mehrwert generiert. Zum anderen ist der Blick der Untersuchung darauf gerichtet, ob durch die Zugehörigkeit des Unternehmens zur Gemeinwohlökonomie und den Prozess der Erstellung der Gemeinwohlbilanz systematisch Ansätze für sogenannte BCfS aufgespürt und umgesetzt werden können. Möglicherweise erfolgt die Findung von Geschäftsfällen jedoch nicht systematisch, sondern eher zufällig bzw. über andere Prozesse als die Erstellung der GWB. Es könnte sein, dass die im Unternehmen gelebten Werte, welche Teil der Unternehmenskultur sind, selbst ein Treiber für die Auffindung solcher Geschäftsfälle sind. Damit wären die BCfS Ausdruck der in die Unternehmenskultur einfließenden Werte des Unternehmens. Letztlich könnte der Umstand, dass ein anderes Wirtschaften möglich ist, ein ungemein stärkeres Attrahierungspotenzial auf Unternehmer ausüben, wenn zu vermuten ist, dass sich diese Form des Unternehmertums positiv auf die ökonomisch-monetäre Sphäre des Unternehmens auswirkt. Selbst wenn diese Schlussfolgerung nicht das zentrale Motiv der Proponenten der Gemeinwohlökonomie (Felber, 2016, 50) darstellt, so ist auch in einer Gemeinwohlwirtschaft notwendige Bedingung, dass jedes Unternehmen ebenso im herkömmlichen mit monetären Maßstäben bewerteten Sinn erfolgreich sein will und muss. Auch die Gemeinwohlökonomie ist eine Form der Marktwirtschaft (Felber, 2016, 49). 1 Einleitung 8

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References

Zusammenfassung

Viele Menschen spüren es aufgrund ihrer täglichen Erfahrungen in ihrem Arbeitsumfeld: die krisenhaften Erscheinungen rund um den Globus verlangen ein anderes, neues Wirtschaften. Die gegenwärtige neoliberal verfasste Wirtschaftsordnung gelangt an ihr natürliches Ende. Eine gesellschaftliche Transformation steht an ihrem Beginn. Sie könnte zu einer Reanimation der durch die ökonomische Mainstreamlehre höchst effizient entsorgten Seele führen und den wirtschaftenden Menschen wieder in den Mittelpunkt des Geschehens rücken.

Das Buch beschreibt einerseits die in einem jahrtausendealten Rationalitätskalkül begründeten krisenhaften Erscheinungen der Gegenwart. Andererseits werden Lösungsmöglichkeiten vorgestellt, welche sich durch einen transformierten Ansatz auszeichnen. Im Mittelpunkt steht nicht mehr der Finanzgewinn um jeden Preis, sondern ein Wirtschaften, das dem Leben(digen) dient. Dieser Ansatz wird anhand der Gemeinwohlökonomie exemplarisch in der Praxis untersucht.